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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • INTERNET süddeutsche: Der leise Internet-Revolutionär: Blaise Ndola hilft Kongolesen beim Start im Internet. Der 25-jährige Lehrer will Jugendlichen zeigen, wie sie einen Blog gestalten können – die digitale Revolution braucht ihn. Schon wieder bricht die Internetverbindung ab. Zehn Kursteilnehmer schauen auf ihre Bildschirme und hoffen, dass die Seite irgendwann lädt. „Willkommen im Ostkongo“, murmelt Blaise Ndola vor sich hin. Der 25 Jahre alte Lehrer für Online-Medien und Marketing will den Jugendlichen zeigen, wie sie einen Blog gestalten können. Sie arbeiten für eine Hilfsorganisation und sollen Teenager aufklären, damit sie Kondome benutzen.

  • IPHONE X applepiloten: iPhone X vorbestellen – 5 Tipps, wie ihr das neue iPhone schnell bekommt: Kurz nach der Präsentation des neuen iPhone X kam die Ernüchterung: Das revolutionäre Apple-Flaggschiff wird zunächst in geringer Stückzahl verfügbar sein. Bereits in den vergangenen Jahren herrschte nach der Präsentation neuer iPhones eine Knappheit innerhalb der ersten Wochen. Böse Zungen behaupten immer wieder, dass Apple diese Knappheit bewusst provoziert, um das Objekt der Begierde noch begehrenswerter zu machen. Zumindest für dieses Jahr sind allerdings konkrete Gründe und Informationen bekannt, warum Apple das neue iPhone X tatsächlich vorerst nicht in ausreichender Stückzahl produzieren kann. Wenn ihr das iPhone X vorbestellen wollt, geben wir euch Tipps an die Hand, wie ihr dabei erfolgreich vorgehen könnt.

  • GENTECHNIK heise: Gentechnik macht Früchte haltbarer: In den USA kommt demnächst eine Packung mit Apfelspalten auf den Markt, die erst in drei Wochen braun werden – ohne dass Konservierungsmittel notwendig wären. Die Arctic-Früchte wurden dazu genetisch verändert, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe. Die Äpfel sollen geschnitten in Tüten verkauft werden – und zwar in 400 Läden im Mittleren Westen der USA sowie im Süden Kaliforniens. Der Verkaufsstart ist der erste größere Test gentechnisch veränderter (Genetically Modified Organism, GMO) Lebensmittel seit den Neunzigerjahren, die den Endkunden direkt ansprechen sollen. Damals scheiterte eine langsam reifende Tomate namens Flavr Savr leidlich krachend. Seither konzentrierten sich die Biotechnikkonzerne vor allem auf GMO-Produkte, die Bauern helfen, ihre Ernte zu optimieren.

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Facebook bezahlt seine Partner für Faktenchecks – und die haben derzeit gut zu tun!

Facebook (adapted) (image by geralt [CC0] via pixabay)

Facebook bezahlt seine Partner für Faktenchecks. Seit dem Update von Facebook vor wenigen Tagen folgen auf beliebte Artikel im Newsfeed nun auch Vorschläge von ähnlichen Artikeln – „ein Teil von Facebooks Strategie, den Schaden von Falschmeldungen zu minimieren, ohne dabei zensieren zu müssen“, sagt Deepa Seetharaman vom Wall Street Journal. Der Artikel weist auch darauf hin, dass Facebook ab jetzt seine Partner für Faktenchecks, wie beispielsweise Snopes und PolitiFact, zwar bezahlt, die nun aber auch „mehr Artikel abzuarbeiten haben“.

„Weder wollen noch können wir die Prediger der einzigen und echten Wahrheit sein. Die Faktenchecker können uns darauf hinweisen, ob eine Geschichte wahr oder erfunden ist“, führt Tessa Lyons, Produktmanagerin bei Facebook, Josh Constine von TechCrunch, aus. Die schiere Menge an Arbeit, die die Faktenchecker für Facebook erledigen, scheint zu variieren. Rachel Sandler von USA Today hat mit einigen von ihnen gesprochen:

„Aaron Sharockman, Geschäftsführer von Politifact, sprach von etwa 200 markierten Artikeln pro Tag. Ein kleiner Anteil davon sei schlicht und einfach falsch. Der Rest sei dann meistens entweder eine wahre Geschichte, die geschrieben wurde, um zu provozieren, oder eine irreführende und stark parteiische, wenn auch nicht zwingend falsche Geschichte, die einfach nur Clickbaiting betreiben…“

Laut Lori Robertson, der Chefredakteurin bei FactCheck.org, würde die Organisation innerhalb der Partnerschaft mit Facebook ungefähr zwei bis drei Artikel pro Woche widerlegen. Sie erzählte USA Today außerdem, dass die Non-Profit-Organisation seit der Partnerschaft mit Facebook mehr Ressourcen in die Aufdeckung falscher Aussagen im Internet stecken muss.

Ebenso sagte auch Sharockman, dass Politifact gut eine oder zwei Falschmeldungen täglich für Facebook aufdecken würde. The Associated Press kümmert sich um „eine Hand voll pro Woche, manchmal noch viel mehr“, meint der Onlineredakteur Eric Carvin. ABC News hat seit Januar insgesamt zwei Dutzend Geschichten entlarvt.

„Wir sind insgesamt sieben Leute und müssen auch die vielen neuen Berichten aus dem Weißen Haus unter die Lupe nehmen. Wir kümmern uns also um ein oder zwei Dinge, aber dann auch nur diese ein oder zwei“, erklärt Sharockman. „Das bedeutet, dass es ein paar Tage dauern kann, bis wir uns überhaupt die beliebten Geschichten vornehmen können.“

Es scheint aber zu funktionieren. „Das Ganze hat eine dramatische Wendung genommen. Ich musste einige Verluste einstecken. Besonders jetzt ist es schwierig geworden, etwas digital in Umlauf zu bringen. Die Leute stempeln bestimmte Geschichten sehr schnell als Fake News ab“, erzählt Paul Horner, der mehr als ein Dutzend bekannte Fake News-Seiten wie die St. George Gazette, ABC.com.de, und CNN.com.de betreibt.

Also wirklich, Leute – habt ihr etwa nicht zugehört? Es ist wirklich ziemlich einfach, Fake News zu verbreiten. Deutsche Forscher waren überrascht, wie einfach man einen rechtsextremen Nachrichtenblog erstellen und damit Fuß fassen konnte: „Eine der erfundenen Geschichten behauptete, dass Flüchtlinge mit Unterstützung des Gemeinderates kostenfrei Sex mit Prostituierten hatten“). „Es war wirklich erstaunlich, dass unser Facebook Profil nicht ein einziges Mal hinterfragt wurde – weder von der Plattform selbst, noch von seinen Nutzern“, so Professor Wolfgang Schweiger zur BBC. Vielleicht sollte er mal ein Wörtchen mit Paul Horner wechseln.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „NiemanLab“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Facebook“ by geralt (CC0 Public Domain)


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„Wenn die Möglichkeit da ist, unterrichte ich digital!“: Einblicke in die Lehrerwelt

Read (adpted) (CC0 Public Domain) via pixabay

In Zusammenhang mit der Digitalisierung der Bildung wird auch viel über die Lehrer und Lehrerinnen geredet. Kommen sie mit dem Wandel gut klar? Wollen sie überhaupt irgendwas ändern? Um diese Mutmaßungen zu beenden, haben wir nachgefragt. Im Gespräch mit dem Schweizer Deutschlehrer Philippe Wampfler geht es um seinen eigenen digitalen Unterricht, Tipps für Neueinsteiger und das Mädchen-Jungen-Klischee.


Philippe Wampfler unterrichtet Deutsch, Philosophie und Medienkunde an der Kantonsschule Wettingen (Schweiz). Als Autor und Berater arbeitet er zu digitaler Bildung. Zudem ist er als Dozent für Fachdidaktik Deutsch an der Uni Zürich in der Lehrerausbildung tätig.


Lina Carnap: In Ihrem Buch schreiben Sie “Medienkompetenz ergibt sich aus einer Kombination von Wissensaufbau, Mediennutzung und Medienreflexion”. Können Sie dies näher erläutern?

Philippe Wampfler: Medienkompetenz erlangt man nicht nur darüber, dass jemand vor einem steht und einen Vortrag hält. Um medienkompetent zu werden, muss man die Medien benutzen. Der Umgang mit diesen muss ausprobiert und verankert werden. Gleichzeitig muss man immer wieder die Auswirkung des Einsatzes der digitalen Medien auf einen selber und seine Umgebung reflektieren.

Was bedeutet das für die Lehrkräfte?

Jeder und jede, die unterrichtet, muss auch jedes Mal wieder dazu lernen. Zu belehren ohne zu lernen, führt zu einer sehr einseitigen Angelegenheit. Gerade wenn es um Medien und Mediennutzung geht, muss man sich speziell als Lehrkraft ständig mit neuen, sich wandelnden Trends und Tools auseinandersetzten, mit denen die Schülerinnen und Schüler eventuell besser umgehen können. Passiert dies nicht, kommt es oft dazu, dass Lehrkräfte glauben, ihre Schülerinnen und Schüler vor den Gefahren schützen zu müssen, die das Internet mit sich bringt. Dabei verpassen sie aber oft die richtige Ansprache.

Haben Sie dafür ein Beispiel?

Ein Paradebeispiel ist die Aktion von vielen Lehrkräften, die ihren Schülerinnen und Schülern etwas über Internetsicherheit beibringen wollen. Dabei rufen sie dazu bei Facebook auf, ihr Bild zu teilen, auf dem sie ein Schild hochhalten mit der Aufschrift „Bitte teilt dieses Bild, damit meine Schülerinnen und Schüler sehen können, wie schnell ein Foto bei vielen Menschen auf der ganzen Welt gesehen werden kann“.

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Philippe Wampfler – Image by politik-digital

In dem Fall hat das nicht wirklich viel mit der Realität zu tun. Man erzeugt einen Effekt, der auf die Schülerinnen und Schüler persönlich so nicht zutrifft und verfehlt dabei über Dinge zu reden, die für die Jugendlichen wirklich wichtig sind.

Kommen wir auf Ihren eigenen Unterricht zu sprechen. Ist Ihr Unterricht immer digital?

Wenn in meinem Unterricht die Möglichkeit besteht, etwas digital zu bearbeiten, dann versuche ich das auch umzusetzen. Auch die Schülerinnen und Schüler arbeiten dann an ihren Laptops. Wir nehmen jetzt einen neuen Roman im Unterricht durch. Den versuchen wird biographisch aufzuarbeiten. Dazu sollen die Schülerinnen und Schüler im Internet recherchieren, in Schreibprogrammen dokumentieren und sich dann in Gruppen austauschen.

Spielen Stift und Zettel da überhaupt noch eine Rolle?

Teilweise greifen wir noch zu Stift und Zettel. Aber das, was geht, versuchen wir am Laptop zu erledigen. Dazu muss man sagen, dass dieses Konzept nur umsetzbar ist, da die meisten ihren eigenen Laptop mitbringen. Anders würde es gar nicht gehen.

Abgesehen vom Unterschied zwischen Stift und Tastatur, was ist die Besonderheit Ihres digitalen Unterrichts?

Was ich versuche ist, dass alles, was die Schülerinnen und Schüler schreiben, in irgendeiner Form veröffentlicht wird. Auf einem Blog beispielsweise. So merken die Schülerinnen und Schüler, dass ihre Texte tatsächlich auch wichtig sind, dass es Außenstehende lesen können. Sie bekommen ein Publikum. Dies steigert natürlich auch die Motivation ungemein.

Gab es auch schon Situationen, in denen etwas gar nicht funktioniert hat?

Natürlich funktioniert mal was nicht. Das kommt immer wieder vor. Aber nur so kann man neue Sachen ausprobieren. Manchmal klappt es und manchmal eben nicht. Der Einsatz von digitalen Medien an sich ist noch lange kein Selbstläufer. Daher ist die Reflexion, wie vorhin schon angesprochen, ein sehr entscheidender Schritt.

Sie integrieren auch die Sozialen Medien in Ihren Unterricht. Sind diese unbedingt notwendig?

Für vieles, was man im Unterricht machen möchte, ist der Einsatz von Sozialen Medien nicht direkt notwendig. Dennoch gibt es zwei wesentliche Punkte, weswegen es auch sinnvoll sein kann, Soziale Medien in der Schule zu behandeln. Zum einen ist es für Jugendliche wichtig, die Nutzung von Sozialen Medien zu reflektieren. Beispielweise ist es interessant, sich mit den Schülerinnen und Schülern YouTube-Videos anzugucken, um herauszuarbeiten, welche rhetorischen Mittel benutzt werden. So lernen sie auch diese einzuschätzen und zu bewerten. Zum anderen sind Soziale Medien oft mit dem Image behaftet, dass sie sehr unprofessionell und oberflächlich sind und eigentlich nur der Unterhaltung dienen. Hier ist es mir wichtig aufzuzeigen, wie man die Medien professionell nutzen kann.

Was können Sie Ihren Kolleginnen und Kollegen mitgeben, die gerade überlegen digitale Technologien und Medien im Unterricht zu benutzen? Was sind die drei wichtigsten Regeln für das Digitalisieren des Schulunterrichts?

Das erste ist, dass man es einfach mal ausprobiert. Natürlich muss man auch damit rechnen, dass es nicht gleich funktioniert, dass es auch demotivierend am Anfang sein kann. Davon sollte man sich aber nicht entmutigen lassen. Dies führt dann zur zweiten Regel: Die Interessierten sollten vorerst nicht mit dem größten Projekt anfangen. Sondern sich in kleinen Schritten herantasten. Angefangen eventuell mit der kleinstmöglichen Teststufe: ein Projekt mit einem kleinen Blog zu begleiten. Ganz wichtig ist hierbei natürlich wieder das Reflektieren seitens der Lehrkräfte.

Als drittes ist es natürlich extrem hilfreich, sich mit anderen Lehrkräften zu connecten. Der Austausch mit anderen Lehrerinnen und Lehrern, die sich in ähnlichen Situationen befinden, kann sehr hilfreich sein.

Wo findet dieser Austausch statt?

Für mich ist beispielsweise Twitter da am entschiedensten. Über verschiedene Hashtags kann man sich mit vielen Lehrkräften austauschen und neue Ideen gewinnen. Aber ich weiß auch, dass Twitter nicht bei allen gut ankommt. Muss es auch nicht, denn es gibt auch zahlreiche Gruppen auf Facebook. Dort unterstützen sich die Lehrer gegenseitig und helfen einander. Vor allem auch für Referendare kann das der anfänglichen Überforderung Abhilfe schaffen.

In dem Zusammenhang: unterstützen Sie den Ansatz von Open Educational Resources (OER), Materialien generell zugänglich zu machen?

Generell bin ich der Meinung, dass alle Materialien für alle zugänglich sein sollten. Ich selbst veröffentliche meine Materialien, außer eventuell die, die ich schnell mal in kürzester Zeit und auf den letzten Drücker konzipiert habe. Meine Schülerinnen und Schüler können dann darauf zurückgreifen. Aber so können sich auch andere Kolleginnen und Kollegen Ideen oder Anreize holen.

Ist es mehr oder weniger Arbeit, digitale Medien im Unterricht einzusetzen?

Ich würde nicht sagen, dass das eine mehr oder weniger Arbeit mit sich bringt. Die Arbeitsaufteilung ist aber eine andere. Wenn man digitale Medien im Unterricht einsetzt, ist dabei sehr entscheidend, dass man immer am Ball bleiben muss. Ein konstantes Lernen und sich mit neuen Dingen auseinanderzusetzen, ist sehr wichtig. Denn die Jugendwelt generell, aber vor allem auch in Hinblick auf die digitalen und sozialen Medien verändert sich ständig.

Wenn man jedoch weiß, wie man die Medien einsetzen kann, dann ergeben sich daraus viele Möglichkeiten, den Unterricht effektiv und abwechslungsreich zu gestalten. Dies verschafft einem dann schon eine große Erleichterung.

Sie befassen sich auch mit dem Thema Gender. Können Sie für den Einsatz digitaler Medien schon Bilanz ziehen, ob überhaupt ein Unterschied zwischen Mädchen und Jungen in der Annahme der neuen Unterrichtsmethoden besteht?

Da Mädchen und Jungen unterschiedlich sozialisiert werden, kann man in Bezug auf Technologien schon verschiedene Muster erkennen. Ganz plakativ gesagt tendieren Jungs dazu, die Möglichkeiten zum Spielen oder Video gucken zu nutzen. Bei den Mädchen kann ich feststellen, dass sie sich vor allem mit dem kommunikativen Aspekt der Medien auseinandersetzen. Dies sind grobe Tendenzen, die mir auffallen. Hier ist auch wichtig, diese zu reflektieren. Was ich immer wieder versuche, ist die Mädchen anzuregen, sich auch mal mit einem Computerspiel auseinanderzusetzen und dieses zu spielen. Andersherum gilt das natürlich genauso für die Jungs, denen ich vorschlage, sich an Foren oder Chats zu beteiligen.

Nun wird den Lehrerinnen und Lehrern oft vorgehalten, dass sie nicht digital-affin sind. Was machen Sie für Erfahrungen mit ihren Kolleginnen und Kollegen?

Natürlich lastet dieses Image auf dem Lehrerbild. Aber ich würde nicht meinen, dass man das so einfach sagen kann. Es gibt viele Lehrkräfte, die sehr motiviert sind, Neues dazu zu lernen und sich Kompetenzen in diesem Bereich aneignen wollen. Natürlich gibt es auch andere, die sehr verunsichert sind. Sie empfinden es als große Herausforderung, einen Unterricht mit digitalen Medien glaubwürdig zu gestalten. Vor allen bei jungen Lehrkräften sollten digitale Medien aber keine Hürde sein, die sie nicht überwinden können. Wichtig ist hier, Schritt für Schritt Erfahrung zu sammeln und so Verunsicherungen abzubauen.

Können dabei Weiterentwicklungen in der Lehrerausbildung helfen?

Es gab dazu jüngst einen Beitrag. Darin wurde festgestellt, dass es unbestritten ist das sowohl Schülerinnen und Schüler als auch Lehrkräfte Medienkompetenzen erwerben müssen. Auch das dies in der Ausbildung verankert sein muss, ist akzeptiert. Nicht einig ist man sich jedoch darüber, wie dies in der Ausbildung beigebracht werden sollte. Obwohl es schon Angebote zum Einsatz von digitalen Medien im Unterricht gibt, ist dieses Thema in den einzelnen Fachdidaktiken noch zu wenig präsent. Dies sollte geändert werden.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Politik Digital“ unter CC BY-ND 4.0.


Image (adapted)„Read“ von Wokandapix (CC0 Public Domain)


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#MeetTheBloggerDE: Anne Häusler über Deutschlands größtes Blogger Meet-and-Greet

Red Hands woman creative (adapted) (Image by Kaboompics_Karolina [CC0 Public Domain], via Pexels)

Seit Anfang Mai diesen Jahres findet bereits zum zweiten Mal #MeetTheBloggerDE statt, eine von der Bloggerin Anne Häusler ins Leben gerufende Challenge, bei der sich 14 Tage lang deutschsprachige Blogger*innen auf Instagram porträtieren und miteinander vernetzen. Jeden Tag stellen sie einen anderen Aspekt ihres publizierenden Schaffens vor. Der unter jedem Beitrag verwendete Hashtag #MeetTheBloggerDE vernetzt die verschiedenen Beiträge und erzeugt ein Abbild der hiesigen Blogosphäre auf Instagram.

Anne Haeusler (Image by Anne Häusler)
(Image by Anne Häusler)

Auf ihrem eigenen Blog hat Anne Häusler Ende April den Aufruf gestartet, inzwischen haben nach eigenen Angaben rund 1.400 Blogger*innen an der Aktion teilgenommen. Darunter auch ich, @isarmatrose, der den Hashtag in den letzten 11 Tagen intensiv verfolgt habe. Mir gefällt die Challenge ausgezeichnet, vor allem aber erfreue ich mich daran, neue Blogger*innen und ihre Themen zu entdecken. Und genau darum geht es auch bei der Aktion, wie mir Anne Häusller im Interview erklärt:

Tobias Schwarz: Dieses Jahr hast du inzwischen zum zweiten Mal zur #MeetTheBloggerDE-Challenge aufgerufen. Was hat dich zu dem Projekt im letzten Jahr inspiriert und warum machst du es noch einmal?

Anne Häusler: Am Bloggen hat mich schon immer der Netzwerkaspekt besonders interessiert. Die Möglichkeit, sich mit Menschen aus ganz unterschiedlichen Bereichen auszutauschen, von ihnen zu lernen und mit ihnen zusammenzuarbeiten, finde ich total spannend.

Im letzten Jahr habe ich mich ausgiebig mit Instagram beschäftigt. Die große Rolle von Hashtags und der einfache visuelle Zugang zu den Inhalten machen Instagram zu der perfekten Plattform, um Blogger nischenübergreifend zu vernetzen. Also habe ich das einfach mal ausprobiert und die Instagram Challenge #MeettheBloggerDE ins Leben gerufen.

Nachdem einige Influencer die Challenge 2016 aufgegriffen und in ihre Netzwerke getragen haben, wurde die Aktion zum Selbstläufer. Mehr als 600 deutschsprachige Blogger haben mitgemacht und ich habe fast aus Versehen das größte Blogger Meet-and-Greet im deutschsprachigen Raum veranstaltet. Das Engagament hat mich wirklich umgehauen. Bei soviel positivem Feedback war klar: die Aktion mache ich auf jeden Fall nochmal.

Auch wenn die zweite Challenge erst halb rum ist, kannst du schon ein erstes Fazit ziehen, was in diesem Jahr anders war oder ist als bei der ersten Challenge im vergangenen Jahr? Haben in diesem Jahr mehr Blogger*innen teilgenommen?

Was soll ich sagen, die Challenge rockt! Klar hatte ich gehofft, dass ich noch mehr Leute erreichen kann. Aber mit mehr als 1400 aktiven Teilnehmern habe ich nicht gerechnet. Einige sind die ganzen zwei Wochen dabei, andere machen nur an einzelnen Tagen mit. Aber das ist auch total ok so. Es geht bei #MeettheBloggerDE um den Spaß und die Vernetzung, das soll nicht in Stress ausarten.

Ich habe die Challenge in diesem Jahr deutlich gekürzt. 14 Tage statt 30 Tage wie im letzten Jahr sind ausreichend, um sich kennen zu lernen und den Community-Effekt herzustellen. Dadurch trauen sich auch Blogger an die Aktion ran, die bisher vielleicht nicht ganz so Instagram-affin waren.

Es scheinen mir verhältnismäßig sehr viele Frauen mitzumachen, die meisten schreiben zu den Themen Bücher, Reisen, Kinder und DIY. Wie würdest du die teilnehmenden Blogger*innen beschreiben?

Deine Beobachtung ist vollkommen richtig. Rund 95 Prozent der Teilnehmer sind Frauen. Das liegt sicher auch an mir: Mein Blog annehaeusler.de wendet sich speziell an Bloggerinnen und ich habe die Challenge vor allem innerhalb meines eigenen Netzwerks beworben. Außerdem ist Instagram in Deutschland fest in Frauenhand. Schade eigentlich. Die Plattform ist nämlich super, um eine Community rund um den eigenen Blog aufzubauen.

Besonders gut vertreten sind bei der Aktion Buchblogger, Reiseblogger, Elternblogger, Foodblogger und Lifestyle-Blogger. Außerdem habe ich in diesem Jahr gezielt versucht, Selbständige mit Blog für die Challenge zu begeistern. #MeettheBloggerDE ist eine tolle Möglichkeit, sich und sein Unternehmen der Blogger-Community auf Instagram vorzustellen, ohne den Followern mit der Marketing-Fahne im Gesicht rumzuwedeln. Das hat gut geklappt. Es sind eine ganze Reihe von kleinen Unternehmen mit dabei.

Die deutschsprachige Blogosphäre ist schwer zu erfassen und allgemein wahrzunehmen. Zeigt die von die initiierte #MeetTheBloggerDE-Challenge ein realistisches Abbild der hiesigen Blog-Szene?

Nein, die Challenge ist kein Abbild der hiesigen Blog-Szene. Sie zeigt lediglich, welche Blog-Nischen Instagram intensiv nutzen und dort miteinander vernetzt sind. Ich will die Challenge im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder veranstalten, die ersten Anfragen dazu habe ich schon bekommen. Die spannende Frage wird dann sein: wie schaffe ich es, Blog-Nischen anzusprechen, die von der Aktion bisher nichts mitbekommen haben. Und ich will beim nächsten mal mehr Männer dabei haben.

In dieser Woche fand auch wieder die re:publica in Berlin statt. Vor Jahren war dies eine beinahe reine Blogger*innen-Konferenz; heutzutage ist es eine wesentlich vielfältigere Gesellschaftskonferenz. Brauchen wir Blogger*innen vielleicht wieder ein Event nur für uns?

Ich finde die re:publica aus vielen Gründen super, aber die Konferenz der Netzgemeinde ist sie für mich nicht mehr. Es gibt ja eine Reihe von Barcamps und Nischen-Konferenzen für Blogger. Aber bei einer großen, themenübergreifenden Konferenz für deutschsprachige Blogger wäre ich sofort dabei. Netzwerken über alle Nischen hinweg, Wissenstransfer und die Diskussion von Themen wie Monetarisierung versus Blogger-Idealismus, gesellschaftliches Engagement versus Feel-Good-Bloggen oder solche Themen fände ich total spannend.

Zum Schluss bitte noch ein Blick in die Glaskugel: Brauchen wir in Zeiten von snackable Content und mobile Messaging überhaupt noch Blogs? Verschwinden diese nicht vielleicht und Blogger*innen werden nur noch mit dem stets gleichen Nutzernamen plattform- und mediumübergreifend publizieren?

Ich snacke gerne. Aber wenn ich richtig Hunger habe, will ich ne richtige Mahlzeit. Meiner Meinung nach geht der Trend zurück zum Hauptgericht: lange, gut recherchierte und gedanklich ausgereifte Blogposts. Quasi Wissensbomben, die dem Leser jede Menge Infos und Mehrwert bieten. Wenn du in deiner Nische zu einer hörbaren Stimme werden willst, kommst du daran nicht vorbei. Der einzige Ort, an dem du dieses Wissen dauerhaft vermitteln kannst, ist der eigene Blog. Alle anderen Plattformen sind nur Mietwohnungen. Wenn da der Besitzer wechselt, stehst du eventuell auf einmal vor verschlossenen Türen.

Zusätzlich zum Hauptgericht erwarten die Nutzer (es sind ja nicht mehr alles Leser) ein Menü an Appetizern und Häppchen in Form von kurzen, ergebnisorientierten Posts, Live-Videos, Podcasts Infografiken… was auch immer die Zielgruppe anspricht.

Um ehrlich zu sein, ich finde diese Entwicklung ganz spannend. Es nimmt mir den Druck, aus jedem Blog-Post ein preisverdächtiges Werk zu machen. Und gleichzeitig habe ich die Möglichkeit, die wirklich tiefen, arbeitsintensiven Blogposts zweimal, dreimal oder viermal zu verwerten und damit jeweils andere Bedürfnisse bei meinen Lesern anzusprechen. Blogs wurden schon so oft für tot erklärt… und haben sich dann immer als extrem flexible Biester entpuppt. Ich sehe da ganz entspannt in die Zukunft.

Auf annehaeusler.de findet Ihr mehr Informationen zur #MeetTheBloggerDE-Challenge!


Image (adapted) Red Hands Woman Creative by Kaboompics_Karolina (CC0 Public Domain)

Image by Anne Häusler


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Neue Bloggerreise: Als #AltmarkBlogger durch die Altmark

Neues Schloss im Stadtpark Tangerhütte (adapted) (Image by Björn Gäde [CC BY-SA 3.0] via wikipedia)

Die Altmark wird gern auch als die „Wiege Preußens“ bezeichnet, eine durchaus historisch zu vertretende Beschreibung dieses Landstriches nördlich von Magdeburg, aber doch sehr nichtssagend, was die Region und die Menschen angeht. Viele gibt es davon hier nicht (mehr), Landschaft dafür (noch) reichlich. Das Gebiet westlich der Elbe ist eine leider zu wenig beachtete Ecke, doch dieses soll sich durch eine Bloggerreise jetzt ändern.

Wir haben in den vergangenen Jahren in der südöstlichen und ländlich geprägten Altmark zahlreiche Projekte zur Entwicklung des sanften Tourismus gefördert“, sagt der Vorsitzende der zuständigen LEADER-Aktionsgruppe, Andreas Brohm. „Dazu möchten wir zusammen in diesem Sommer mit einem #AltmarkBlogger die Region an Uchte, Tanger und Elbe bereisen“, so Brohm auf der Webseite der lokalen LEADER-Aktionsgruppe Uchte-Tanger-Elbe.

Von der Europäischen Union geförderte Bloggerreise

Hinter der Abkürzung LEADER verbirgt sich ein Förderprogramm der Europäischen Union, das, dem Wortlaut der französischen Formulierung „Liaison entre actions de développement de l’économie rurale“ sinnhaft folgend, eine „Verbindung zwischen Aktionen zur ländlichen Entwicklung“ schaffen möchte. Es werden also lokale Projekte in ländlich geprägten Regionen gefördert. Die Bloggerreise soll so ein gefördertes Projekt sein.

Der AltmarkBlogger, beziehungsweise die AltmarkBloggerin, erhält freie Kost und Logis während der Rundfahrt sowie eine Aufwandsentschädigung für die An- und Abreise. Drei Tage lang soll die Person durch die Region an Uchte, Tanger und Elbe reisen, vorbei an idyllischen Naturlandschaften und historischen Hansestädten wie Tangermünde und Stendal. Auch ein Besuch von Tangerhütte ist geplant, wo Andreas Brohm als Bürgermeister tätig ist.

Sebastian Esser (Image by Sebastian Esser)
Andreas Brohm: „Die Lust auf’s Land sollte vorhanden sein.“

Facettenreiche Altmark als Motiv für Instagram

Tobias Schwarz: Wieso habt Ihr euch für das Format einer Bloggerreise entschieden, um die Altmark als Tourismusregion bekannter zu machen?

Andreas Brohm: Man muss unsere Region erleben, sich hier bewegen, den Stahlgeruch aufnehmen. Nur dann kann man das authentisch transportieren, was es hier zu entdecken gilt. Das Format der Bloggerreise bietet sich dafür geradezu an. Sicher hat auch meine eigene Affinität zum digitalen Thema eine Rolle gespielt.

Muss man irgendwelche Vorkenntnisse zur Altmark, dem Thema Tourismus oder Arbeiten von unterwegs mitbringen, um AltmarkBlogger oder AltmarkBloggerin zu werden?

Die Lust auf’s Land sollte vorhanden sein und die Bereitschaft sich auf eine Entdeckungsreise einzulassen.

Welche unterschiedlichen Themen kann der AltmarkBlogger oder die AltmarkBloggerin von unterwegs entdecken? Kannst du uns ein paar Beispiele nennen?

Natur pur in einer historischen Kulisse gilt es zu entdecken. Wir haben Entschleunigung, Backsteingotik, Herrenhäuser, Flusslandschaften und gründe Wiese. Wir möchten zeigen, wo tollen Ideen umgesetzt wurden und wo die Unterkünfte in historischen Kulissen, typische altmäkische Feldsteinkirchen oder versteckte Kulturstätten entstanden und liebevoll restauriert wurden.

Auf meiner eigenen Reise als ElbeBlogger stellte ich fest, dass Snackable Content von unterwegs besser zu produzieren ist als lange Textbeiträge, die nach einem langen Tag nur noch mühsam zu erstellen waren. Was erwartet Ihr vom AltmarkBlogger oder die AltmarkBloggerin?

Mit allen Sinnen die Altmark auf sich wirken lassen. Der AltmarkBlogger ist in seiner Umsetzung oder Ausführung völlig frei.

Als ich selbst vor zwei Jahren durch die Altmark gereist bin, habe ich vor allem außerhalb der Ortschaften nur eine schwache Netzabdeckung erlebt. Hat sich dies inzwischen verbessert?

Die Altmark ist eine der wenigen Region in Sachsen-Anhalt, die dabei ist, den FTTH-Ausbau (Glasfaser-Hausanschluss) voranzutreiben. Noch gibt es Schwachstellen in der Netzabdeckung. Ich bin aber sicher, das wird die Kommunikation des AltmarkBloggers nicht einschränken.

Du bist seit zweieinhalb Jahren als Bürgermeister in der Einheitsgemeinde Stadt Tangerhütte tätig. Was hat sich in den letzten Jahren in der Altmark verändert?

Wir sind mutiger geworden unsere schönen Seiten zu zeigen und zu präsentieren. Zukunfsthemen wie FTTH, die für das ganze Land zukunftsweisend sind, werden hier Vorort durch eine große Bürgerbeiteiligung vorangebracht. Durch Formate wir das AltmarkMacherFestival (01.06.2017 in Salzwedel), welches seine Premiere 2016 in Tangerhütte hatte, verknüpfen sich die Zukunfskräfte einer ganzen Region. Wir werden überregional sehr viel positiver wahrgenommen.

Was macht die Altmark für dich, der hier geboren, aber auch schon viel rumgereist ist, zu einem besonderen Ort? Wieso sollte Menschen einmal in diese doch sehr unbekannte Region kommen?

Als Tourist kannst du hier Natur pur erleben, die Schönheiten der Landschaft entdecken, Entschleunigung oder auch Geschichte vergegenwärtigen. Als Rückkehrer oder Zuzügler findest du hier persönliche Entfaltungsmöglichkeiten, ein angenehmes Miteinander und alles an Daseinsvorsorge, was wichtig ist, bist aber dennoch nur 30 Minuten von Magdeburg und Wolfsburg entfernt oder eine Stunde von Berlin.

Was ist dein Lieblingsplatz in der Altmark – oder: was machst du am liebsten, wenn du in der Region unterwegs bist, was man nur hier machen kann?

Die Altmark ist so groß wie das Saarland, es gibt viele Plätze die schön sind. Radeln an der Elbe, beispielsweise am einmaligen Doppelknick bei Polte, Spazieren in den zahlreichen Parks in Krumke, Zichtau oder Briest und Tangerhütte. Ich genieße aber auch täglich unseren eigenen Blick in die Natur vor unserer Haustür. Es hat so viele Facetten, da ist immer ein Altmarkmotiv für Instagram dabei.

Vielen Dank für das Interview.

Anmerkung der Redaktion: Bewerber*innen senden Ihre Unterlagen per E-Mail bitte bis zum 10. Mai an gaede@landleute.eu. Mehr Informationen findet man auf der Webseite www.uchte-tanger-elbe.de.


Image (adapted) „Neues Schloss im Stadtpark Tangerhütte“ by Björn Gäde (CC BY-SA 3.0)


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#MeetTheBloggerDE: Die deutsche Blogosphäre in ihrer Nussschale

Nächsten Montag, am 1. Mai, startet die Bloggerin Anne Häusler die zweite #MeetTheBloggerDE-Challenge, bei der sich Blogger*innen auf Instagram vorstellen und andere kennenlernen können. 14 verschiedene Tagesaufgaben geben den teilnehmenden Blogger*innen eine Orientierung, worüber sie schreiben könnten. Der unter jedem Beitrag verwendete Hashtag #MeetTheBloggerDE macht die verschiedenen Beiträge auffindbar und kuratiert somit eine Übersicht der deutschsprachigen Blogosphäre auf Instagram.

Was Blogger*innen eigentlich sind, ist bei der heutigen Vielfalt an Möglichkeiten, im Netz zu publizieren, nicht mehr ganz klar zu benennen. Textlastige Blogs, so wie Netzpiloten.de als ein Urgestein der hiesigen Blogosphäre, sind es nicht mehr alleine. Heutzutage drehen Blogger*innen auch Videos für YouTube, posten Fotos auf Instagram oder bieten snackable Content auf Snapchat, Twitter oder sonst wo an. Die zweite #MeetTheBloggerDE-Challenge ist auch eine Chance, sein Bild von Blogger*innen einmal grundlegend aufzufrischen.

Image by Anne Häusler

Sondereinladung in diesem Jahr für Business-Blogger

„Das Charmante an dieser Challenge ist ja gerade, dass wir dadurch alle die Möglichkeit haben, neue Themen und Formate zu entdecken“, schreibt Anne Häusler. Einen Schwerpunkt möchte sie deshalb in diesem Jahr auf das Thema Business-Blogger legen und lädt diese zur Challenge ein: „Egal ob dein Blog dein Unternehmen ist oder ob du mit deinem Blog dein Business unterstützt: die Challenge ist eine super Möglichkeit, die Geschichte hinter deiner Marke zu erzählen und deinen Fans und Kunden einen Blick hinter die Kulissen zu gewähren!“

Der Aufruf und die Möglichkeit der Teilnahme richtet sich übrigens auch an Blogger*innen aus Österreich und der Schweiz, die zusätzlich noch den Hashtag #MeetTheBloggerAT oder #MeetTheBloggerCH verwenden können, damit sie sich ebenfalls besser untereinander finden können. Auf ihrem Blog bietet Anne Häusler auch noch einen Planer für die Challenge an, den man sich ausdrucken kann. Und wer kein Instagram nutzt, kann unter dem Hashtag #MeetTheBloggerDE auch auf anderen sozialen Netzwerken von sich berichten.

Sichtbarkeit als Wert an sich

Einen Social-Media-Profi wie Anne findet man neben Instagram selbstverständlich auch auf Facebook und Twitter. Sie lebt Sichtbarkeit, den wohl wichtigsten Wert von Blogger*innen, konsequent und vorbildlich vor. Daran können sich andere wiederum ein Beispiel nehmen und somit auch einen Mehrwert für die bloggende Community an sich leisten. Denn durch die Sichtbarkeit des Einzelnen wird auch das Bild, wer oder was Blogger*innen sind und was sie so machen, klarer und verständlicher. Wir sind schon lange keine Exoten mehr.

Doch eine elitäre Gruppe an Publizisten sind wir auch nicht. Die #MeetTheBloggerDE-Challenge schafft eine Wahrnehmung für unsere Szene, erdet aber zugleich auch, denn die 14 Fragen für den Zeitraum der ersten beiden Mai-Wochen zeigen auch die Menschen hinter den bloggenden Profilen. Hier wird gezeigt, dass wir uns alle auch etwas ähnlich sind und uns gar nicht gegenseitig fürchten oder als Konkurrenz betrachten müssen, sondern viel mehr als Teil der gleichen Szene. Diese Wahrnehmung allein verbindet (uns) schon miteinander.

Auf annehaeusler.de findet Ihr mehr Informationen zur #MeetTheBloggerDE-Challenge!


Teaser & Image (adapted) by bykst (CC0 Public Domain)


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Witz in wuchernden Netzwerken gegen das populistische Bullshit-Bingo

Sind Fake News, Propaganda, Denunziantentum, Gerüchte, Rabulistik, Plagiate, Verschwörungstheorien oder Hass ein Phänomen der Jetztzeit, ein Ergebnis von Plattformen wie Twitter oder Facebook? Natürlich nicht. Im Kern geht es den Aussendern solcher Botschaften immer um das gleiche Ziel. Diskurshoheit, Deutungsmacht und Herausforderung der Eliten in Wirtschaft, Politik, Gesellschaft, Medien und Kultur. Es sind irgendwelche abstrakten Interessen der Allgemeinheit, des „Volkes“, einer Gruppe oder von Grüppchen, die unter dem Joch eines vernetzten und undurchsichtigen Syndikats leiden. Erinnert sei an die Kampfschriften von Mathilde Ludendorff, Ehefrau des prominenten Generals Erich Ludendorff.

Verschwörungstheoretisches Ludendorff-Geschreibsel

Sie rührt Freimaurer, Illuminaten, Juden und Jesuiten zu einem antideutschen Verschwörungsbrei zusammen und pfeift auf jegliche Sachkenntnis in historischen Fragen. Zu den diversen Geheimbünden gesellen sich in wildem Anachronismus auch noch Kommunisten, also die 1917 gegründete russische Staatssicherheit namens Tscheka. Nachzulesen bei Markus Wallenborn über Verschwörungstheorien zu Goethe und Schiller.  Die absurden Thesen von Frau Ludendorff über die angebliche Ermordung Friedrich Schillers stießen auf so starken Anklang, dass sich die Weimarer Goethe-Gesellschaft genötigt sah, sämtliche Quellen zu Schillers Tod zwecks Gegendarstellung zu prüfen. Bis heute sind die Texte der Generalsgattin in den sumpfigen Niederungen der völkischen und nationalistischen Publizistik verfügbar.

Fakes und die Geschichte der Reproduktionstechnologien

Fakes waren allerdings immer schon ein gesellschaftliches Experimentierfeld und es ging dabei nicht immer um völkische PR-Feldzüge. Gefakte Publikationen gehören zur Geschichte des Druckwesens. Etwa das Magazin „La Révolution Surréaliste“, das zwischen 1924 und 1929 erschien. „Die Gestaltung der ersten, von André Breton verantworteten Ausgabe hatte starke Ähnlichkeit mit dem konservativen wissenschaftlichen Journal ‚La Nature‘ und konfrontierte so die Leser unerwartet mit den damals skandalösen Inhalten der Surrealisten“, schreibt der Künstler und Medienkritiker Alessandro Ludovico in einem Beitrag für die Zeitschrift postdigital.

Papst wird polnischer König

„Il Male“ (Das Böse) war eine Initiative des „Kreativen Autonomismus“ von 1977 und lancierte Kampagnen mit pseudo-journalistischen „Exklusivmeldungen“ in der Aufmachung von großen italienischen Zeitungen, die an den Kiosken platziert wurden und heftige Reaktionen hervorriefen. In Polen wurde 1979 während des Besuchs von Papst Johannes Paul II die Zeitung „Trybuna Ludu“ verteilt, deren Schlagzeile „Regierung tritt zurück, Wojtyla zum König gekrönt“ lautete. „In Frankreich erreichte einige Abonnenten ein anonymes Fake der ‚Le Monde Diplomatique‘ mit satirischen Kommentaren über das Blutbad im Stammheimer Gefängnis der Roten Armee Fraktion. Und schließlich zirkulierte 1983 in Kabul und Ostberlin eine falsche ‚Krasnaja Svezda‘, eigentlich ein Blatt für das sowjetische Militär, das verkündete, dass der Krieg zu Ende sei dank zweier Armeeköche (die Chonkin-Cousins), deren Köstlichkeiten russische Militärchefs in den ewigen Schlaf geschickt hätten“, erläutert Ludovico.

Für erhitzte Debatten im Digitalen sorgen auch die Macher von „The Onion“, die sich auf den Meldungsstil der Medienkonzerne in Web- und TV-Formaten konzentrieren und sie in Fakes umwandeln, um virale Scoops im Social Web zu landen. Für Debattensprengstoff sorgte eine gefälschte Headline von „BBC Scotlandshire“ über die Baugenehmigung eines Thatcher-Museums im schottischen Dundee. Was wäre wohl los, wenn ich über die Schaffung einer Horst-Seehofer-Siegessäule in Bonn berichten würde? Seit dem es Möglichkeiten der mechanischen Reproduzierbarkeit gibt, wimmelt es in der Publizistik von Falschmeldungen, undurchsichtigen Verdächtigungen und Scheinwahrheiten. Die Geschwindigkeit und Exaktheit digitaler Reproduktions-Technologien wirkt dabei nur als Teilchenbeschleuniger eines alten Phänomens.

Neues Biotop für Falschmeldungen

Neu ist dabei der Zerfall der öffentlichen Meinung. Die Netzöffentlichkeit steht vor allem für eine fundamentale Veränderung der öffentlichen Sphäre. Öffentliche und individuelle Kommunikation verschwimmen. Und ob ich nun mit meiner eigenen Teilöffentlichkeit wenige oder sehr viele Menschen erreiche oder nicht, vorher war es schlicht unmöglich, ohne großen Aufwand eine eigene Öffentlichkeit herzustellen, die über den Nachbarzaun reichte. Angesichts einer Inflation von persönlichen Öffentlichkeiten ist es schwieriger geworden, verbindliche und fundierte Entscheidungen zu treffen.

Es passiert immer häufiger, dass in den persönlichen Öffentlichkeiten strittige Themen anders bewertet und gedeutet werden als in den Massenmedien und in politischen Institutionen. Das von der Demoskopin Noelle-Neumann beobachtete „doppelte Meinungsklima“ – also das Auseinanderdriften von Bevölkerungsmeinung und Medientenor – kommt immer häufiger vor. Die Dynamik in sozialen Netzwerken ist nicht so sehr geprägt von tradierten Hierarchien und Jahrzehnte alten Rollenmustern, sondern von den kurzfristig aufsummierten Handlungen vieler Menschen.

Fake News-Produzenten nutzen das Vakuum einer zersplitterten Öffentlichkeit

Die Potenziale für Deutungsmacht sind sehr viel breiter verteilt als früher, nicht nur auf klassische Öffentlichkeitsberufe wie Journalisten und Politiker. Und das ist ein Vakuum, in das Kampagnen-Plattformen wie Breitbart reinstoßen, um die politischen Meinungsbildung und das Wahlverhalten zu beeinflussen.

„Hinter Breitbart stecken vermutlich vermögende Privatinvestoren“, so der Publizist Christoph Kappes, der mit der Gründung von Schmalbart eine Gegenströmung initiiert. Breitbart sei wirtschaftlich gut ausgestattet und habe sich zum Ziel gesetzt, klassische Medien zu zerstören. „Breitbart sieht sich selbst als antimedial“, so Kappes im Interview mit detektor.fm.

Das macht die Gemengelage so brandgefährlich und beweist, wie die etablierten Kräfte in Politik und Medien den Zerfall der Meinungsbildung nach den tradierten Mustern in den vergangenen Jahren unterschätzt haben. Das gleiche Versäumnis sehe ich in der empirischen Sozialforschung. Brexit und der Wahlerfolg von Donald Trump ändern das jetzt hoffentlich.

In wuchernden Netzstrukturen aktiv werden

Es reicht einfach nicht mehr aus, mit schweren Tankern im Social Web unterwegs zu sein und sich hinter Institutionen zu verstecken. Man muss personalisiert, vernetzt und schnell handeln. Der Philosoph Gilles Deleuze hat dafür das Bild des Rhizoms geprägt. Moderne Organisationen müssen in wuchernden und unübersichtlichen Netzstrukturen anders vorgehen. Man braucht vielfältige Geschicklichkeiten, um sich Gehör zu verschaffen. Das Viele, das Multiple muss in allen Dimensionen beackert werden, so Deleuze. „Ein solches System kann man Rhizom nennen.“ Es sind Knollen und Knötchen, die die Verknüpfung und Vielfalt bewältigen.

Logik von Organisationen ändert sich

„Im Unterschied zu den Bäumen und ihren Wurzeln verbindet das Rhizom einen beliebigen Punkt mit einem anderen: jede seiner Linien verweist nicht zwangsläufig auf gleichartige Linien, sondern bringt sehr verschiedene Zeichensysteme ins Spiel und sogar nicht signifikante Zustände… Es besteht nicht aus Einheiten, sondern aus Dimensionen“, schrieben Gilles Deleuze und Félix Guattari im Merve-Band „Rhizom“, erschienen 1977 (!).

So ein wenig klingt das auch beim Projekt Schmalbart an: „Man muss sich zusammentun und entgegen aller Logik von Organisationen versuchen, statt ihres Fortbestandes ihren Zweck zu erreichen“, so Kappes. Schmalbart sei nicht „Blog“, sondern wird Form und Formate so wechseln, wie es taktisch erforderlich ist. Schmalbart habe eventuell nicht nur eine Homebase auf Facebook, Schmalbart soll überall sein.So wolle man auf Suchbegriffe der Rechtspopulisten reagieren, etwa beim Thema Massenvergewaltigung. Über bestimmte Websites werde der Eindruck vermittelt, als sei das in Deutschland ein alltäglicher Vorgang. „Und das ist nach meiner Auffassung systemisch bedingt. Klassische Medien vermeiden solche politischen Kampfbegriffe. Dadurch entstehen im Netz Informationslücken“, sagt Kappes.

Wenn absichtlich die Begriffe der populistischen Agitatoren gemieden werden, macht man damit die Inhalte dieser Kreise zugänglich und produziert unfreiwillig Filterblasen. Es gebe sicherlich gute Gründe, bestimmte Begriffe nicht zu benutzen, weil sie allein durch die Verwendung eine Bedeutung bekommen. Kappes verweist auf die Forschungsarbeiten über das Verhältnis von Zeichen und Bedeutung (mir kommt dabei sofort der Semiologe Roland Barthes in den Sinn).

Wenn man diese Leerstelle allerdings nicht besetzt, werden Wirklichkeiten konstruiert und selektiv von Breitbart und Co. erzeugt. Allein durch den inflationären Einsatz von Kampfbegriffen wie „ausländische Invasoren“, „Lügenmaul“ oder „Massenvergewaltigungen“. Mit Dossiers, die in hoher Qualität beispielsweise von der Bundeszentrale für politische Bildung erstellt werden, komme man nicht weiter, meint Kappes.

Jean Paul lesen

„Sie sind sehr lang und lassen sich nur schwer im Social Web teilen. Ähnliches gilt auch für die lexikalischen Artikel von Wikipedia, die sich in den ersten Absätzen mit Abgrenzungsproblemen zu anderen Begriffen beschäftigen. Das macht sie unbrauchbar, wenn man mal eben wissen will, wie es um den Ausbildungsstand von syrischen Flüchtlingen steht, die im Jahr 2016 nach Deutschland kamen. Gerade diese Fakten sind schwer zugänglich und häufig nicht in einer Form aufbereitet, wie man sie braucht.“

Schmalbart will das ändern. Das Notiz-Amt empfiehlt dabei den Stil des Schriftstellers Jean Paul. Man sollte sich nicht in einem bestimmten Lehrgebäude einigeln, sondern in allen und keinem zuhause sein: Mit Bildung und Witz. „Anders als der Scharfsinn – der die Leser wie in einer mathematischen Beweisführung an die Hand nimmt und Schritt für Schritt von A zu O führt, lässt sich der Witz nicht bei der Arbeit zusehen, sondern überrascht mit dem Ergebnis, und zwar je unerwarteter, umso effektvoller“, führt Roberto Simanowski in seinem Opus „Facebook-Gesellschaft“ aus. Die Seele des Witzes liege in der Kürze. Zudem schärft er die Sinne für die immer gleiche Schallplatte, die von den Bullshit-Bingo-Populisten aufgelegt wird.


Image „lying“ by tswedensky (CC0 Public Domain)


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Teilt es mit anderen: So erstellt ihr euren eigenen Blog

Ein eigener Blog ist eine tolle Sache! Es ist die perfekte Möglichkeit, seiner Kreativität Ausdruck zu verleihen und seine Gedanken loszuwerden. Mit einem eigenen Blog könnt ihr Menschen erreichen und sie bewegen. Auf der anderen Seite könnt ihr mit einem gut gepflegten Blog auch eine Menge Geld verdienen, indem ihr Werbeanzeigen auf ihm schaltet. Das erfordert aber natürlich eine Menge Arbeit. Aber wenn ihr es schafft und euch das Schreiben Spaß macht, könnt ihr durch einen Blog euer Hobby zum Beruf machen.

Einen Blog zu erstellen, dauert wirklich nicht lange. Es gibt kostenlose Varianten und solche, für die ihr ein Minimum an Geld benötigt. Beide Möglichkeiten werde ich euch später noch vorstellen. Doch bevor es endlich losgeht, gibt es noch einige Fragen, die ihr vorab für euch klären solltet. Das ist wichtig, damit ihr festlegen könnt, wohin die Reise geht und was euer Ziel mit dem Blog ist. Geht es euch nur darum, eure Gedanken loszuwerden und schreibender Weise eure Gefühle zu verarbeiten? Oder wollt ihr professionelle Inhalte erstellen, die Menschen inspirieren und animieren und die euch finanziell zugute kommen könnten?

Einige Fragen vorab

Fragen, die ihr im Vorfeld also beantworten solltet, sind:

  • Warum wollt ihr einen Blog erstellen?
  • Geht es euch eher darum, eure Gedanken aufzuschreiben oder wollt ihr Geld mit eurem Blog machen?
  • Welches Thema soll im Zentrum eures Blogs stehen?
  • Habt ihr Lust, in regelmäßigen Abständen über dieses Thema zu schreiben?
  • Wisst ihr genug über dieses Thema, um regelmäßig neue Artikel dazu zu schreiben?
  • Könnt ihr euch vorstellen, jeden Tag oder alle paar Tage etwas für euren Blog und die Menschen, die ihn lesen, zu veröffentlichen?

Kostenlose Blogs erstellen

Der erste Vorschlag, den ich euch für einen kostenlosen Blog mache, ist WordPress. WordPress hat zahlreiche Vorteile, sodass auch wir Netzpiloten die Anwendung für unsere Website nutzen. Zum einen handelt es sich bei WordPress um ein wirklich ausgereiftes Content Management System (CMS), da es schon seit einigen Jahren besteht und zudem über eine große Community verfügt, die dazu beiträgt, dass WordPress immer besser wird. Sollte man einmal Hilfe brauchen, kann man sich über die Unterstützung aus der Community freuen.

Zudem gibt es zahlreiche Plugins, die man benutzen kann, um seinen Blog den eigenen Vorstellungen anzupassen. Ultimativer Pluspunkt für WordPress: es ist kostenlos und es besteht auch die Möglichkeit, WordPress zu benutzen, ohne die Domain .wordpress.com zu verwenden. Einziger Nachteil: es eignet sich nur bedingt für den kommerziellen Einsatz, da auf WordPress-Blogs keine Werbung geschaltet werden darf.

Alternativen zu WordPress

Eine Alternative zu WordPress ist Joomla!, ein weiteres Content Management System. Bei Joomla! gibt es eine strikte Trennung zwischen Design und Inhalt. Die Bedienung ist intuitiv und damit sehr gut für Anfänger geeignet, da es keiner großen Erklärungen bedarf. Allerdings bietet Joomla! weniger Erweiterungen als WordPress und einige sind sogar kostenpflichtig. Weitere Kosten kommen für das Mieten eines Servers hinzu, dies ist bei Joomla! nicht enthalten.

Alternativ zu WordPress und Joomla! könnt ihr auch Blogger nutzen. Vielleicht ist euch der Name Blogspot bekannt, der in der URL der Blogs auftaucht. Hinter der Plattform steht Google. Die Bedienbarkeit ist auch hier für Anfänger geeignet, allerdings ist der Funktionsumfang begrenzt und das Einbauen spezieller Wünsche ist ein ziemlicher Akt. Dafür kann hier im Gegensatz zu WordPress auch Werbung geschaltet werden.

Die Software Ghost kann ich euch empfehlen, auch wenn ihr noch nicht so viel Erfahrung habt. Das Design ist klar und übersichtlich. Für die Erfahreneren unter euch sicherlich interessant: hier werden die Programmiersprachen HTML und CSS unterstützt.

Das Programm Squarespace richtet sich dagegen eher an professionelle Anwender, die Wert auf Design bei der Gestaltung ihrer Website legen . Praktisch ist ein Baukasten, mit dem man seine Website auch grafisch bearbeiten kann. Verschiedene Module können einfach an der gewünschten Stelle auf der Seite platziert werden. Wenige Klicks reichen, um die Seite außerdem für mobile User zu optimieren. Des Weiteren werden verschiedene Webshop-Systeme unterstützt, die auf der Website eingebunden werden können.

Eine weitere Alternative stellt die Software Koken dar. Sie ist genau richtig für euch, wenn ihr schon ein bisschen Erfahrung habt und Wert darauf legt, dass eure Website optisch ansprechend aussieht. Eine zeitgemäße Bildergalerie kann einfach erstellt werden. Mit dem Adobe-Lightroom-Plugin ist es möglich, Bilder direkt in die Software zu laden.

Eine eigene Domain

Wenn ihr statt eines Blogs gleich eine eigene Website kreieren wollt, wird es ein bisschen aufwändiger: Vor allem müsst ihr mehr Zeit investieren und auch etwas mehr Geld in die Hand nehmen. Eine Domain zu beantragen und die Lizenz zu halten, kostet – wenn auch nicht viel. Etwa zwei Euro pro Monat müsst ihr dafür einkalkulieren. Hinzu kommt die oben genannte Miete für den Server. Die schlägt mit weiteren zwei Euro pro Monat zu Buche.

Letztendlich ist es am wichtigsten, dass ihr Spaß am Bloggen habt. Wenn ihr motiviert seid, etwas Zeit zu investieren und vielleicht etwas Geld aufzuwenden, wird sich eure Mühe lohnen. Habt eine gewisse Vorstellung davon, wohin ihr mit eurem Baby wollt, dann wird sich der Rest von selbst finden. Viel Spaß bei diesem Projekt!

Weitere Anregungen und eine Inspiration durch einen wirklich gut gepflegten Blog bekommt ihr auf blogkiste.com, der von Jonas Geldschläger betreut wird.


Image „Macbook“ by FirmBee (CC0 Public Domain)


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#Rulebreaker: der neue Spirit von otelo

#Rulebreaker, otelo

Der Mobilfunkanbieter otelo erfindet sich neu und bietet seinen Nutzern ab sofort einen neuen Blog. Dort finden Interessierte Geschichten, Tipps und News. Im Zentrum des Imagewandels stehen Konventionsbruch, Fairness und Mobile Lifestyle. Besonders das Format #Rulebreaker spielt hierbei eine Rolle. Hierbei werden Menschen vorgestellt, die ähnliche Werte wie die Firma vertreten. Bestehende Konventionen werden kritisch hinterfragt, ebenso machen sie sich stark gegen Beschränkungen in der Gesellschaft.

Der erste Rulebreaker, der sich in dem Blog vorstellt, ist Hans-Friedrich Baum. Er arbeitet als Sozialarbeiter in einer offenen Kinder- und Jugendeinrichtung und bringt dort nicht behinderten Kindern den Umgang mit Behinderten bei. Er selber weiß, wie es ist, in Schubladen gesteckt zu werden. Er leidet an einer Gehbehinderung und hat an der linken Hand nur einen Finger. Doch davon lässt er sich nicht unterkriegen – im Gegenteil: er kämpft mit vollem Einsatz für eine gelungene Inklusion. Nebenbei macht er auch noch Rap. Als „Graf Fidi“ hat er sich in der Berliner HipHop-Szene einen Namen gemacht.

Ein weiterer, wichtiger neuer Bereich ist #Fairplay. Im Internet, wo sich Leute sicher fühlen, wird häufig keine Rücksicht genommen. otelo ergreift zusammen mit anderen Bloggern die Initiative und steht ein für mehr Fairness im Netz.

Wer auf der Suche ist nach den neusten Techniktrends oder einem praktischen, neuen Gerät, findet bei otelo in der Rubrik #Devices die passende Inspiration. Das ist zum Beispiel hilfreich, um seine Alltag zu erleichtern oder spannender zu gestalten. Last but not least bietet der Mobilfunkanbieter seinen Unsern auch aktuelle Nachrichten im Bereich #News. Die Firma stellt hier ihre neusten Aktivitäten, Auszeichnungen und Angebote vor.


Image by Vodafone GmbH


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betatestr.de: Karma-Punkte für Early Adopter

betatestr Release Party

Wer als Käufer eines unfertigen Produkts unfreiwillig als Beta-Tester fungiert, ärgert sich. Und das zu recht. Wer hingegen schon während der Entwicklung des Prototyps ganz eng mitwirken darf, wird später vielleicht ein umso glücklicherer Kunde. Auf diese Mechanik setzt die Crowdsourcing-Plattform betatestr.de. Die Webseite ging jetzt in überarbeiteter Form live. Die Webseite vernetzt Erfinderunternehmer, sogenannte Maker, mit potenziellen Nutzern ihrer Produkte. Und dies sowohl online als auch offline.

betatestr Release Party
Betatestr setzt auf den Crowdsourcing-Gedanken. Auf der Release-Party erklärt Geschäftsführerin Anna Gubanova die Plattform. Image by Kevin Münkel

Unter betatestr.de können Maker ihre Projekte vorstellen und von Seitenbesuchern mit schriftlichem Feedback bewerten lassen. Zugelassen wird praktisch jede Idee, die bereits als Prototyp existiert und in die Rubriken Fashion, Produktdesign, Gadget oder Social passt.

betatestr.de Webseite
Stellt der Maker seinen Prototyp an einer Teststation aus, können Nutzer ihn dort ausprobieren und ihr Feedback auf der Webseite von betatestr mitteilen. Screenshot by Berti Kolbow-Lehradt

Eine Beurteilung hinterlassen kann jeder Seitenbesucher, der die Angabenfelder für dem Namen, E-Mail-Adresse und Feedback in der Webmaske ausfüllt. Hauptsache, es ist eine echte E-Mail-Adresse, andernfalls lässt sich der Bestätigungslink nicht aktivieren. Selbst, wer also nur die Projektbeschreibung liest, kann seine Meinung dazu kundtun.

Bei betatestr gibt es Karma-Punkte als Belohnung

Für das aus ihrer Sicht hilfreichste Feedback losen die Maker eine Belohnung aus, zum Beispiel ein persönliches Exemplar des Prototyps. Als Trostpflaster liefert eine E-Mail ein gutes Gewissen frei Haus. Für mein Feedback zahlt mir betatestr „100 Punkte auf dein Karma-Konto“ ein. Für andere Nutzer vielleicht wichtiger: Trendsetter können bei dieser Form des Crowdsourcings schon früh die Zukunft eines etwaigen Kultprodukts mitgestalten. Somit ist betatestr eine Art Spielwiese für Early Adopter.

betatestr E-Mail
Screenshot by Berti Kolbow-Lehradt

Nicht kaufen, nur anfassen

Am wertvollsten für die Entwickler sind natürlich Eindrücke aus erster Hand. Daher können sie Testexemplare an „Prototype Spots“ ausstellen und Besucher diese leibhaftig ausprobieren lassen. Ihr Feedback geben die Nutzer in jedem Fall online ab. Wo die Vorab-Exemplare stehen, listet die Projektbeschreibung im Web auf.

Kaufen können die Probanden die Produkte in der Regel nicht, da es sich ja um noch nicht serienreife Modelle handelt. Eine Ausnahme ist beispielsweise Papa Türk, ein Molkenmischgetränk, das Mundgeruch nach ausgiebigem Konsum von Döner und anderen olfaktorisch intensiven Speisen neutralisieren soll. Während der Release-Party von betatestr im Coworking-Space K14 konnte ich neben Papa Türk zudem die originelle Aufbewahrungsschale Snug.Bowl in die Hand nehmen.

betatestr.de Webseite
Screenshot by Berti Kolbow-Lehradt
betatestr Release Party
Nichts geht über Feedback aus erster Hand. Auf der Release-Party von betatestr konnten Gäste eine app-gesteuerte Cocktailmaschine, ein Anti-Mundgeruch-Getränk und eine Design-Schale aus Pappe testen. Image by Kevin Münkel

Mein Feedback habe ich bereits eingetippt. Aber ich verrate es nicht. Generell veröffentlicht betatestr keine Rückmeldung, sondern macht sie nur den Entwicklern zugänglich. Das soll die Offenheit fördern.

Maker bezahlen für das Feedback zunächst einmal nichts. Im Blog von betatestr erhalten sie sogar kostenlose Tipps von Experten. Die Plattform-Betreiber setzen schließlich auf ein Freemium-Geschäftsmodell. Mittelfristig wollen sie anhand der Informationen, die sämtliche Tester hinterlassen, den Makern beispielsweise kostenpflichtige Markt- und Trendanalysen anbieten. Vorerst deckt das Start-up die Kosten durch Vermittlungsgebühren. Sie fallen an, wenn sich ein Maker entscheidet, seine Entwicklung an einer lokalen Teststation auszustellen.

Von Hannover in die weite Welt

Zunächst gibt es elf Prototype Spots bei Cafés, Einzelhändlern und auch Coworking-Spaces in Hannover. Auf sie fiel die Wahl, weil sie die Heimatstadt des betatestr-Teams ist. „Die Maker-Szene ist in Hannover sehr lebendig“, beantwortet betatestr-Sprecher Ubbo Störmer die unvermeidliche Frage, warum die Wahl für den Gründungsort nicht auf das hippe Berlin fiel. Weitere Prototype Spots plant das sechsköpfige Gründerteam um Geschäftsführerin Anna Gubanova außerdem in Osnabrück, Kiel, Hamburg und im niedersächsischen Oldenburg zu eröffnen.

Perspektivisch will betatestr aber international expandieren und nach Russland und China aufbrechen. Dort seien Maker noch viel eher als in Deutschland bereit, schon in der Produktentwicklung Einblick zu geben und von Interessierten wertvolles Feedback zu erhalten.


Images by Kevin Münkel

Screenshots by Berti Kolbow-Lehradt


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Warum Menschen auch nach Feierabend noch über ihren Job schreiben

Young woman thinking with pen while working (Image by Karolina Grabowska [CC0 Public Domain] via Pexels)

„Weißte, vielleicht muss ich das gerade einfach erzählen, sorry. Aber sagt man nicht, dass Ihr Taxifahrer irgendwie wie Therapeuten seid?“

„Da ist schon was dran, aber ich sag’s gleich: Was uns von Therapeuten unterscheidet, ist: Wir können nicht so gut helfen.“

„Ich hab mein Leben ruiniert, ich werd‘ alles neu anfangen müssen, es ist alles vorbei!“

Das Blog von Taxifahrer Sascha Bors liest sich wie eine Mischung aus Tagebuch, Action und Sitcom. Seit rund acht Jahren schreibt der gebürtige Schwabe auf Gestern Nacht im Taxi über seinen Alltag als Taxifahrer in Berlin. Leser bekommen hier nicht nur lustige bis nachdenklich stimmende Anekdoten von Bors Fahrten geboten, sondern auch viele Informationen über die Arbeit als Taxifahrer. Ein Beruf, der mit vielen Vorurteilen behaftet ist und oft missverstanden wird, findet Bors. Denn viele Kollegen arbeiten seiner Meinung nach viel zu viel, verdienen zu wenig und müssen sich dafür oft noch die neunmalklugen Sprüche der Fahrgäste anhören. Da jeder der Meinung sei, er könne Autofahren, würde oft unterschätzt, wie stressig der Job sein könne, erklärt er gegenüber den Netzpiloten: „Man kriegt da zu hören dass man Klausis Hinterhofkaschemme in 12878 Arsch-der-Welt ja wohl kennen müsse, dass es uns eigentlich noch zu gut ginge oder dass das Trinkgeld heute natürlich ausfällt, weil sorry, also bei ’nem Opel als Taxi …?“

Nach Feierabend auch noch über den Job schreiben?

Sascha Bors
Aus dem Taxi ins Blog: Sascha Bors

Das Schreiben über seinen Berufsalltag ist daher für Sascha Bors eine Mischung aus Tagebuch und Aufklärung. Er findet das Notieren seiner Geschichten nach Feierabend wie eine Therapie: Ist etwas schlecht gelaufen, kann er das beim Schreiben verarbeiten. Gibt es gute Nachrichten, kann er sie mit anderen teilen. Darüber hinaus nutzt er sein Blog eben auch, um seine Meinung zu äußern und um sein Wissen über die Taxifahrerei weiterzugeben.

So ähnlich sieht es auch sein Bloggerkollege Heiko Schneider. Auf kreidefressen schreibt er über seinen Alltag als Lehrer und das deutsche Schulsystem. Das Blog als persönliches Tagebuch zu nutzen, ist dabei nur ein Grund für seine Schreiberei. Schneider hatte es vor allem satt, wie der Mainstream über Lehrer berichtet. Wie Bors wehrt er sich so mit seinem Blog gegen Vorurteile: „Ich ärgere mich oft über die klischeehafte Auseinandersetzung mit dem Lehrerberuf,“ sagt Schneider zu den Netzpiloten. „Am Ende bleibt dann bei den Lesern wieder nur hängen: Dauerurlaub, Hitzefrei, faule Säcke und ungerechte Beurteilung.“ Sein Blog bietet ihm hier die Möglichkeit, dem ein Gegengewicht entgegenzustellen.

Heiko Schneider und Sascha Bors sind dabei bei Weitem nicht die einzigen im deutschsprachigen Raum, die über ihren Beruf bloggen. Zahlreiche Polizisten, Kellner oder Anwälte schreiben über ihren Beruf im Netz – um nur einige wenige Beispiele zu nennen. Viele davon anonym. Einerseits um sich und ihre Inhalte vor neugierigen Lesern und Nachfragen zu schützen, andererseits aber auch um persönlicher über ihren Berufsalltag berichten zu können.

Heiko Schneider
Heiko Schneider

Denn wer öffentlich bloggt, muss sich natürlich auch über rechtliche Konsequenzen im Klaren sein. Berufsblogger müssen darauf achten, Orte oder Personen zu verfremden und ihre Inhalte gegebenenfalls auch mit dem Arbeitgeber abzustimmen. So haben Berufsblogger, die unter ihrem richtigen Namen schreiben, möglicherweise nicht die gleiche Freiheit wie anonyme Blogger.

Doch egal ob öffentlich, unter Pseudonym oder ganz anonym: Was motiviert Menschen eigentlich dazu, auch noch in ihrer Freizeit über den Job zu schreiben? Grundsätzlich scheint es dabei drei große Motivationsfaktoren zu geben, sagt Sonia Lippke, Psychologin und Professorin für Gesundheitspsychologie und Verhaltensmedizin an der Jacobs University in Bremen.

Der erste Faktor ist der Abbau von Stress. Schreiben wirkt wie eine Therapie und hilft den Bloggern, das Erlebte vom Tag zu verarbeiten. Der zweite Motivator ist eine Art Selbstreflexion, in der man sich und seine Rolle im Berufsalltag aus verschiedenen Perspektiven heraus betrachtet. Und dann gibt es natürlich auch Menschen, die gerne das Wissen aus ihrem Beruf an andere weitergeben möchten: „Es gibt eine große Gruppe von Bloggern, die sich voll und ganz mit ihrem Beruf identifizieren und auch sehr stolz auf ihre Arbeit sind und dann gerne darüber schreiben,“ sagt Sonia Lippke im Gespräch mit den Netzpiloten.

Bloggen zwischen Stressfaktor und Spaßfaktor

Zu dieser Gruppe gehört auch Günter Schütte, Landarzt in Ostfriesland. Auf seinem Blog, Hausarzt Ditzum, Nachrichten vom anderen Ende der Medizin, hat Schütte so etwas wie eine Onlinesprechstunde aufgebaut. Er schreibt hier genauso über Hilfe gegen Kater wie über Schlaflosigkeit oder über Brustkrebs. Im Netzpiloten-Interview erklärt er, dass er über all das schreibt, was seine Patienten in der Sprechstunde bewegt: „Ich habe mit meinem Blog vor Jahren angefangen, weil ich  meinen Patienten zuverlässige medizinische Informationen liefern wollte.“ Auch wenn er seit 2015 in Rente gegangen ist, bloggt er auch jetzt noch regelmäßig über medizinische Themen. Das Schreiben hat er dabei nie als belastend oder anstrengend empfunden: „Abschalten brauche ich nicht. Arbeit ist für mich ein Hobby und ich bin sehr traurig, dass ich meine Praxis nicht mehr führen kann.“

Sonia Lippke
Sonia Lippke

Die Work-Life-Balance Expertin Sonia Lippke findet auch nicht, dass Arbeit und Freizeit zwei streng getrennte Bereiche sein müssen. Es käme viel mehr darauf an, sich auf eine Sache zu konzentrieren: „Der Mensch ist nicht für das Multitasking geschaffen. Unser Gehirn kann einfach mehrere Prozesse gleichzeitig nicht gut verarbeiten. Das ist auch bei der Work-Life-Balance wichtig. Wir müssen lernen, im Hier und Jetzt zu leben.“ Das bedeutet: Wenn wir arbeiten, sollten wir uns auf den Job konzentrieren und in unserer Freizeit sollten wir nicht noch nebenher Arbeitsemails checken. Das Problem liegt dabei nicht darin, dass Arbeit und Freizeit immer mehr miteinander verschmelzen. Die Krux ist eher, dass wir nicht völlig abschalten können und uns dann nicht auf den Moment einlassen können, in dem wir uns gerade befinden – weil das Handy vielleicht gerade vibriert oder die E-Mail Alerts uns ablenken. „Wir müssen daher zum Teil wieder lernen, uns auf die Situation zu konzentrieren, in der wir gerade sind und den Augenblick voll und ganz zu genießen.“ Denn sonst kann auch das Schreiben über den Beruf irgendwann von der Entspannung zum Stress werden. Daher ist wichtig, dass man den Spaß beim Bloggen nicht verliert.

Peter Wilhelm (Image by Peter Roskothen)
Peter Wilhelm (Image by Peter Roskothen)

Diese Gefahr läuft Peter Wilhelm sicher nicht. Der studierte Psychologe und ehemalige Bestattungsunternehmer ist wahrscheinlich nicht nur Deutschlands bekanntester Bestattungsexperte, sondern auch einer der humorvollsten. Auf Bestatterweblog lässt er sich auf satirische Weise über den Alltag im Bestatterleben aus und beantwortet auch die vielen Fragen seiner Leser über den Tod, das Sterben und Beerdigungen. Ohne das Komische an diesem Job zu sehen, ginge das gar nicht, erzählt Wilhelm den Netzpiloten: „In jedem Beruf, der sich mit den unschöneren Seiten unseres Daseins befasst, ist es wichtig, eine gute Portion Humor zu haben. In meinen Werken jedoch dient mir der Humor und ein unterhaltsamer Erzählstil dazu, die bittere Pille der Information mit dem Zuckerguss der Unterhaltung zu überziehen. Süß rutscht besser!“

So schreibt Wilhelm nicht nur über seinen vorigen Beruf als Bestatter, er ist auch der Chefredakteur der Publikation Bestatter heute, er unterhält Menschen von der Bühne aus mit einer satirischen Show über das Sterben und er hat auch mehrere Bücher zu diesen Themen herausgebracht. Titel wie „Darf ich meine Oma selbst verbrennen?“ zeigen, dass er das ernste Thema Tod auch immer mit einem Schmunzeln betrachtet.

Günter Schütte
Günter Schütte

Dabei geht Wilhelm mit allen Fragen zum Sterben sehr ernsthaft und respektvoll um. Schließlich geht es ihm auch darum, den Menschen – wenn auch nicht die Angst vor dem Sterben und dem Tod – dann wenigstens die Angst um das Drumherum zu nehmen.

Daneben möchte er auch, ähnlich wie Sascha Bors oder Günter Schütte, das Wissen über seinen Beruf mit seinen Lesern teilen: „Als Bestatter ist man es gewohnt, dass die Menschen einem mitunter etwas distanziert gegenüber stehen. Wer beschäftigt sich schon gerne mit der eigenen Endlichkeit? In lockerer Runde kommt dann aber sehr schnell der Punkt, an dem jeder die Chance nutzt, um endlich mal die Fragen zu stellen, die er immer schon stellen wollte. Werden Toten wirklich die Knochen gebrochen? Wachsen die Haare nach dem Tod weiter? Kann man als Scheintoter versehentlich begraben werden? Es waren und sind immer dieselben Fragen.“ Was lag also näher, als all diese Fragen in einem Blog zu beantworten.

Berufsblogs als neue Gesprächsform

Auch Landarzt Günter Schütte greift viele Fragen seiner Patienten oder Leser auf. Das geht oft weit über rein berufliche Fragen hinaus. Denn egal ob Landarzt, Bestattungsunternehmer, Lehrer oder Taxifahrer: Fremde Berufe erregen immer Neugierde und die Menschen lesen gerne etwas über einen anderen Arbeitsalltag – gerade wenn sie zu einem Thema besonders viele Fragen haben.

So kann das Berufsblog dann sogar zu einer neuen Form der Kommunikation werden. Gerade wenn Blogger dann zu sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter greifen, um sich mit ihren Lesern auszutauschen, entsteht über den Berufsblog im simpelsten Fall eine Art Fragestunde, im besten Fall aber ein neuer und interessanter gesellschaftlicher Dialog.


Image „Young woman thinking with pen while working“ by Karolina Grabowska (CC0 Public Domain)


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Lines: Eine Landkarte voller Lebenslinien

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Es ist der Traum von vielen, unabhängig und frei, anhand der persönlichen Fähig- und Fertigkeiten, eine selbstentwickelte Idee umzusetzen. Eigens zu entscheiden wo es lang geht, ohne bereits vorgegebenes Corporate Design, dessen strikte Vorgaben einen so oft beim Ausleben der Kreativität einschränken.

Dies war auch der Grundgedanke, der Sina Spingler und Alexander Scholz, Projektmanagerin und Entwickler der Tagebuch-App Lines, antrieb. Die App aus dem Hause Made in Hamburg besticht bereits beim Öffnen mit ihrem schicken und zugleich eleganten Design und zählt vielleicht schon bald zu den sozialen Netzwerken von morgen. Lines – dessen Name für Lebenslinie oder roter Faden steht – gibt Menschen dabei die Möglichkeit, kleine Lebensgeschichten, angefangen von Reisen über ein privates Do it yourself-Projekt und herausragende Leistungen wie den Abschluss des Studiums zu erzählen und digital festzuhalten.

Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen – Lines schafft dies auf eine authentische Art und Weise.

Die kostenlose App, die sich unter anderem durch ihre einfache Nutzung auszeichnet, ermöglicht es seinen Anwendern, in den drei Kategorien „Travel“, „Life“ und „Project“ ihre Lines-Story zu erzählen. Hat man diese gewählt, erhält der Tagebucheintrag anschließend einen Titel, einen Text, sowie beliebig viele Bilder, die das Erlebte wiedergeben. Eine GPS-Position kann ebenfalls integriert werden. Ist das Werk vollbracht und die Lines-Erzählung erstellt, kann sie entweder privat gehalten, mit Freunden oder aber auch mit der Öffentlichkeit geteilt werden.

Man könnte denken, dass eine App, die erst im März diesen Jahres im Apple-Store erschien, noch in den Kinderschuhen steckt. Dieser Eindruck ergab sich mir beim Testen der App aber keineswegs. Als jemand, die der Welt von Instagram und Co. verfallen ist, brannte ich darauf, mehr über die App und ihre Wurzeln zu erfahren. In einem Interview verrieten mir Sina und Alexander, vor welchen Herausforderungen sie während der Entwicklung standen und welche Wege in Zukunft eingeschlagen werden sollen.

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Alexander Scholz

Melanie Kröpfl (MK): Wie entstand die Idee zu Lines und was waren die ersten Schritte?

Sina Spingler (SSP) und Alexander Scholz (AS): Der allererste Schritt war, dass Alexander als Programmierer sich überlegt hatte, dass er total frei und unabhängig von einem Auftraggeber eine eigene Idee umsetzen möchte. Daraufhin haben wir uns überlegt, welchen Bedarf es am App-Markt gibt. Wir grübelten tagelang und sammelten verschiedenste Ideen. Die Idee zu Lines, der Tagebuch-App, war dabei eine unter vielen, welche sich schlussendlich aber durchsetzte. Kurz darauf begannen wir sehr rasch, erste Skizzen anzufertigen und entwarfen zusammen erste Designs.

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Sina Spingler

MK: Gab es spezielle Herausforderungen bei der Realisierung der Idee oder der App?

SSP & AS: Für mich als Projektmanagerin war es anspruchsvoll, in Erfahrung zu bringen, wie wir unser Produkt am Markt platzieren und erste User akquirieren können. Als Programmierer der App war eine große Herausforderung während der Entwicklung, dass ich zuvor noch nie mit der Sprache SWIFT programmiert habe. iOS und SWIFT-Programmierung musste ich mir also vor und während des Projektes selbst beibringen. Dadurch bin ich auf einige Stolpersteine gestoßen.

MK: Ein Tagebuch, auf der die Idee von Lines beruht, stellt etwas sehr Privates dar. Was war der Grundgedanke der App? Seine Projekte, Reisen und Lebensereignisse mit der Öffentlichkeit oder nur mit seinen Liebsten zu teilen?

SSP & AS: Der Grundgedanke war, dem Anwender die Wahl zu lassen. Er sollte frei entscheiden, ob er die App nur für sich selbst nutzt oder ob er in unserem Zeitalter, in dem wir über das Internet sehr stark miteinander vernetzt sind, Erlebnisse einer bestimmten Gruppe an Personen eröffnet – oder aber sein ganzes Leben mit der Öffentlichkeit teilt. Es bleibt jedem selbst überlassen, wen er oder sie beispielsweise am Heranwachsen des eigenen Kindes oder dem Hausbau teilnehmen lässt oder eben nicht.

MK: Nun ist es so, dass man die meisten Lebensereignisse mit seinen Freunden und Familie zusammen erlebt. Gibt es dafür auch eine Funktion, bei der mehrere Nutzer die gleiche Lines-Story erzählen können?

SSP & AS: Genau mit diesem Thema beschäftigten wir uns auch vor kurzer Zeit und fragten uns, ob diese Funktion eine zukünftige Erweiterung werden kann. Gerade wenn man an Familienurlaube, Gruppenreisen oder einen Skiurlaub mit Freunden denkt, wäre das gemeinsame Bearbeiten von Lines-Stories eine nützliche Anwendung. Derzeit haben wir noch einiges an anderen Optimierungen geplant, die vor einer solchen Funktion eingeführt werden sollen, aber wir können uns gut vorstellen, diese zukünftig zu integrieren.

MK: Welche Funktionen sollen in Zukunft außerdem verfügbar sein? Und wann dürfen sich auch Android-Nutzer über die App freuen?

SSP & AS: Unmittelbar bevor steht eine Verbesserung der Usability, welche die Navigation in der App noch simpler gestalten soll. Ein weiterer wichtiger Punkt für uns, der mittelfristig realisiert werden soll, ist die Funktion, sich das Tagebuch als druckfähige Datei herunterladen zu können. Aus persönlichen Erlebnissen und auch aus Erfahrungen von Freunden erkannten wir das Bedürfnis, sich seine Erinnerungen beispielsweise als Buch oder Kalender drucken lassen zu wollen. Dafür sollen dem Nutzer verschiedene Designvorlagen zur Verfügung stehen, aus denen frei gewählt werden kann. Abhängig vom Wachstum der App soll das digitale Tagebuch aber auch bald im Google-Playstore zum Download bereit stehen.

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Eine Lines-Story

MK: So wie Lines aufgebaut ist, erinnert es an eine Mischung aus Blog und sozialen Netzwerken wie beispielsweise Instagram. Wodurch hebt sich Lines ab?

SSP & AS: Was Lines einzigartig macht, ist, dass der Nutzer frei bestimmen kann, wem er seine Informationen zur Verfügung stellen will. Im Moment kann man einen Link, der zu einer Story führt, versenden. Möchte man Lines ähnlich wie einen Blog nutzen, wird es außerdem künftig die Möglichkeit geben, eine persönliche URL zu definieren. Des Weiteren werden die Daten ausschließlich auf deutschen Servern gespeichert. Worauf wir besonders stolz sind, ist das raffinierte Design unserer App.
Ein weiterer Faktor, der uns abhebt, ist die Funktion, Inhalte offline zu erstellen oder zu speichern und diese zu einem späteren Zeitpunkt, wenn eine Internetverbindung gegeben ist, hochzuladen.

MK: Es gibt zahlreiche Social Media-Plattformen, auf denen User schöne, spannende und außergewöhnliche Momente ihres Lebens teilen. Die weniger schönen Momente finden aber keinen Platz. Was würdet ihr Euch wünschen, in welche Richtung eure App sich entwickelt?

SSP & AS: Wir würden uns freuen, wenn gerade Reisende oder Menschen, die das Leben genießen und einen modernen, weltoffenen Lifestyle präsentieren, unsere App nutzen. Aber genauso Menschen, die einem Stück ihres wahren Lebens Ausdruck verleihen wollen. Was wir glauben und was wichtig für unsere App wäre, ist, dass tatsächlich Blogger oder zukünftige Blogger Lines anstatt ihres üblichen Blogs nutzen, um besonders schöne Fotografien dort zu integrieren und anderen Usern Anreize geben.


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Endlich vorbei oder der Anfang vom Ende? Der Brexit aus der Sicht dreier britischer Wirtschaftsblogger

Brexit (adapted) (Image by freestocks.org [CC BY 2.0] via Flickr)

Aus und Vorbei. Der 24. Juni 2016 markiert das Ende einer turbulenten Liebesbeziehung zwischen Großbritannien und der Europäischen Union. Nach einer 59-jährigen Achterbahnfahrt ist es nun kurz vor der goldenen Hochzeit offiziell: Es ist Schluss. Großbritannien hat die Scheidung eingereicht. Dabei ist es nicht das erste Mal, dass der Brexit zur Debatte stand. Bereits 1975 gab es ein Referendum in Großbritannien über das Verbleiben in der damalig benannten Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft. Damals stimmten 67 Prozent der Wähler für einen Verbleib in der Gemeinschaft. In diesem Jahr sah es anders aus, eine knappe Mehrheit (51,1 Prozent) stimmte für den Austritt aus der Europäischen Union.  

Ein Brexit, viele Meinungen

Seitdem überschlagen sich die Ereignisse wie bei einem Dominospiel: Großbritanniens Premierminister David Cameron hat seinen Rücktritt angekündigt, das britische Pfund befindet sich an der Börse scheinbar im freien Fall, Donald Trump nutzt die Abstimmung der Briten als Beleg für seine xenophoben Parolen und andere Politiker nehmen den Brexit als Vorbild für ein eigenes Ausscheiden aus der EU. Was viele bei der lauten Polemik dabei aus dem Blick verlieren, ist die Tatsache, dass der Brexit auch mal vorrangig ein wirtschaftliches Thema war. Hier ging es weniger um polnische Einwanderer und mehr um ökonomische Argumente für und gegen den Austritt aus der EU. Wie sehen also die Reaktionen der Wirtschaftsexperten im Netz aus? Was sagen Großbritanniens Blogger zum Referendum? Um das herauszufinden, haben die Netzpiloten deshalb mit drei der bekanntesten britischen Wirtschaftsblogger über ihre Meinung zum Brexit gesprochen – und sie dabei ausführlich zu Wort kommen lassen.

Warum stimmen Menschen für eine schlechte wirtschaftliche Zukunft ab?

Den Anfang macht dabei Robert Elliott, Wirtschaftsprofessor an der Universität Birmingham und seit Jahren renommierter Blogger zu Themen der Wirtschaft und Globalisierung. Seine Sicht auf den Brexit malt eine dunkle Zukunft für sein Land und die EU, in der beide Seiten ein bedeutendes Gegengewicht verloren haben: „Die wirtschaftlichen Konsequenzen des Brexits für das Vereinigte Königreich und die Wirtschaft der EU könnten sehr ernst sein, mit einer hohen Wahrscheinlichkeit, dass diejenigen, die FÜR den Austritt aus der EU gestimmt haben, davon auch am härtesten getroffen werden. Wähler, die traditionell eher politisch links abgestimmt haben, haben nun eine Route gewählt, die zu einer eher rechtskonservativen Regierung führen wird. Das wird auch negative Auswirkungen auf das Arbeitsrecht sowie die Unterstützung der Ärmsten unserer Gesellschaft haben. Etwas weiter betrachtet ist es auch möglich, dass mit dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU, die EU sich politisch weiter nach links bewegt – was sich wiederum negativ auf die Wettbewerbsfähigkeit der EU auswirken und was zu weiterer wirtschaftlicher Stagnation in den ärmeren Regionen Europas führen wird. Kurzfristig führt die Unsicherheit nach der Brexit-Abstimmung zu weniger ausländischen Investitionen, rückläufigem Konsum und einem damit einhergehenden Preisverfall sowie Jobverlusten. Der Verlust Tausender gut bezahlter Stellen im Finanzsektor, der sich wohl in anderen Orten der EU niederlassen wird (Dublin, Frankfurt oder Paris) mag viele im Norden Englands nicht großartig Sorgen bereiten. Dennoch sollte man nicht vergessen, dass der Verlust der wichtigen Steuern, die diese [Finanz-]firmen zahlen sowie das Konsumverhalten ihrer Angestellten gravierende Auswirkungen auf die Regierungsfinanzen haben werden.

Robert Elliott (Image by Robert Elliott_University of Birmingham)
Robert Elliott (Image by Robert Elliott/ University of Birmingham)

Die Vielzahl der Menschen, die jetzt eingestellt werden müssen, um die vielen Jahre der EU-Regulierung wieder aufzulösen, ist ebenfalls eine riesige Zeit- und Ressourcenverschwendung. Wenn unsere Wirtschaft so stark schrumpft wie viele es erwarten, werden wir das Geld, das wir durch die ausbleibenden EU-Beitragszahlungen einsparen, im höhren Maße durch reduzierte Steuereinnahmen wieder verlieren. Die EU-Subventionen für die ärmsten Regionen Englands werden nur sehr schwer anderweitig ersetzt werden können, sodass dies zu noch größeren Ungleichheiten im Vereinigten Königreich führen wird. Als Ökonom ist es für mich immer wieder erstaunlich, warum Menschen für eine solch schlechte wirtschaftliche Zukunft stimmen, obwohl Wirtschaftsexperten auf der ganzen Welt (IWF, Finanzministerien, Akademiker und andere) darauf vermehrt hingewiesen haben. Ich glaube, dass sowohl Europa als auch Großbritannien in naher Zukunft große wirtschaftliche Herausforderungen bevorstehen. Entgegen den Behauptungen von Michael Gove, dass Großbritannien genug von den Experten hat, vermute ich, dass Experten nun dringender als je zuvor benötigt werden, um das wirtschaftliche und politische Durcheinander zu entwirren, in das sich das Vereinigte Königreich selbst gebracht hat.

Endlich Draußen

Tim Worstall ist ein bekannter Wirtschaftsexperte und schreibt unter anderem bei Forbes über Wirtschaft und Finanzen. Anders als Elliott begrüßt Worstall den Austritt Großbritanniens aus der EU. Er erklärt gegenüber den Netzpiloten seinen Standpunkt: „Ich bin wohl am ehesten als Wirtschaftsblogger bekannt und meine Sicht auf die EU ist dementsprechend auch wirtschaftlich geprägt. Wer will schon Mitglied eines Clubs bleiben, der sich auf einen so riesigen Blödsinn wie den Euro verständigt hat? Fast jeder Wirtschaftsexperte der Welt hat vorausgesagt, dass der Euro nicht so funktionieren würde wie vorhergesagt und viele sehen das immer noch so. Dennoch scheint die allgemeine Wegrichtung zu sein, die Idee einzuprügeln bis die Moral besser wird.

Tim Worstall (Image by Tim Worstall)
Tim Worstall (Image by Tim Worstall)

Meine eigene Sicht ist von meiner Zeit in der Politik geprägt. Das bedeutet auch, dass ich mit Brüssel zusammengearbeitet habe und mich so eines Tages im Europäischen Parlament wiederfand. Als ich mich in diesem Gebäude umschaute, kam mir bei der Sicht auf die Bewohner dieses Hauses die Erleuchtung: Ich will einfach nicht, dass mein Land von diesen Idioten angeführt wird. Wir sind endlich draußen, der Job ist erledigt – und Gott sei Dank dafür!

Die Unsicherheit ist das Schlimmste

Leigh Caldwell sieht die Zukunft seines Landes und der EU dagegen alles andere als rosig. Caldwell ist Datenwirtschaftler, Autor des Buches „The Psychology of Price“ sowie Geschäftsführer der Forschungsgesellschaft INON und Wirtschaftsexperte für die Firma Irrational Agency. Auf seinem Blog schreibt er über Wirtschaft im Allgemeinen und die Psychologie dahinter im Besonderen. So sieht er auch mit Blick auf den Brexit eine wirtschafspsychologische Komponente: „Die direkten wirtschaftlichen Folgen sind klar – wahrscheinlich erhöhte Zölle und weniger Handel, eine Rezession in Großbritannien, sowie ein Umzug von Teilen der Londoner Finanzwelt nach Paris oder Frankfurt. Doch die größte Konsequenz ist die Ungewissheit. Was wird als nächstes passieren? Wir wissen es nicht! Psychologisch gesehen ist es für unser Gehirn schwerer, mit dem Unbekannten umzugehen (was entweder gut oder schlecht ausgehen kann) als mit einem garantiert schlechten Ausgang. Wenn du sicher weißt, dass etwas Schlechtes passieren wird, kannst du aufhören dir Sorgen zu machen und dich darauf vorbereiten.

Leigh Caldwell (Image by Leigh Caldwell)
Leigh Caldwell (Image by Leigh Caldwell)

Jedoch wissen wir nicht genau, ob Großbritannien die EU wirklich verlassen wird und unter welchen Bedingungen. Deshalb legen Unternehmen und Konsumenten ihre Ausgabenpläne erstmal auf Eis. Bürger der EU warten erstmal ab, bevor sie nach Großbritannien ziehen oder von hier wegziehen, wenn sie schon vor Ort sind. So kann die Angst vor einer Rezession zur selbsterfüllenden Prophezeiung werden. Es ist doch so, dass Unternehmen Entscheidungen genau so treffen wie der Rest von uns: nicht auf harten Fakten basiert, sondern sie gehen nach dem, was sich richtig anfühlt. Wenn sie nicht wissen, ob sie für ihre Exporte Zoll zahlen müssen oder ob ihre Angestellten nach Großbritannien ziehen können, ist es für sie unmöglich, die beste Entscheidung zu treffen. Die einfachste Entscheidung ist daher, stattdessen in ein anderes Land zu investieren. Ungewissheit zerstört die Wirtschaft in einem Land und das ist im Moment die größte Gefahr für das Vereinigte Königreich. Der Austritt aus der EU sendet ebenfalls ein Signal: Großbritannien ist nun auf sich alleine gestellt. Unabhängig von den objektiven, wirtschaftlichen Fakten kommt es so zur unbewussten Wahrnehmung, dass das Vereinigte Königreich nun in einer anderen Kategorie ist – und das macht es weniger wahrscheinlich, dass europäische Firmen hier einkaufen, verkaufen oder investieren. Auch für den Rest der EU besteht Unsicherheit, auch wenn nicht ganz so stark. Es scheint sogar möglich, dass der Brexit den Rest der EU näher zusammen bringt. Mittelfristig gesehen kann eine enger verbündete EU besser dastehen als im Moment, aber langfristig gesehen ist es für Großbritannien definitiv besser auf der gleichen Seite zu stehen wie alle anderen.


Image (adapted) „Brexit“ by freestocks.org (CC0 Public Domain)

 

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The Verge startet einen Gadget-Blog für Facebook

Facebook app (adapted) (Image by Eduardo Woo [CC BY-SA 2.0] via flickr)

Ist Facebook der neue RSS? Die Technologie-Seite von Vox Media, The Verge, versucht, diese Frage zu beantworten: Sie startet einen Gadget-„Blog“, Circuit Breaker, der hauptsächlich als eine Facebook-Seite existieren wird, mit Postings, die im Instant Articles-Format angezeigt werden. John Herrman von der New York Times, der die Neuigkeit zuerst berichtete, schrieb: „Circuit Breaker wird von Paul Miller bearbeitet, einem ehemaligen Angestellten von The Verge, der zum Unternehmen zurückkehrt. Miller sagte, die neue Seite richte sich an ein „Kernpublikum“, welches aus Gadget-Liebhabern besteht. The Verge bietet Berichterstattung über beliebte Hilfsmittel, aber Miller meint, dass sich viele Fans dieser Gadgets „vernachlässigt fühlen, wenn wir über Netflix reden“ und über die Rolle von Technologie in der breiten Kultur. Die Seite wird auch vermeiden, über das Geschäft der Technologie zu berichten und überlässt die Industrie-Geschichten The Verge oder Recode, die Technologie-Newsseite, die von Kara Swisher und Walt Mossberg gegründet und von Vox Media letztes Jahr übernommen wurde. (Einige Artikel und Reviews von The Verge, wo Mr. Mossberg eine Kolumne veröffentlicht hat, werden auf Circuit Breaker erscheinen.)“ Paul Miller — der schon seit ein paar Wochen unter dem Anagramm Al Plumlier für The Verge schreibt — stellte Circuit Breaker in einem Facebook-Video vor:

Circuit Breaker bringt das Beste des klassichen Bloggens zusammen mit einer anspruchsvollen, aggressiven, modernen Vertriebsstrategie„, sagte Nilay Patel, Chefredakteur von The Verge in einem Statement. „Wir erweitern das sowieso schon riesige Verge-Publikum, indem wir leidenschaftlichen Gadget-Fans dicht konzentrierte Berichterstattungen bieten, über Gerätetypen, die die gesamte Kultur nochmal verändern könnten.“ Trotzdem hat Patels einleitendes Posting die Signifikanz von Circuit Breakers Facebook-Präsenz etwas heruntergespielt, indem es seinen Fans nahelegte, man solle theverge.com/circuitbreaker mit einem Lesezeichen versehen und Circuit Breaker auf Facebook mit „Gefällt mir“ markieren:

Wir werden eine Menge unterhaltsamer Videos auf Facebook präsentieren, von Live-Unboxing-Events über Frage-und-Antwort-Videos bis zu simplen Demonstrationen. Ihr werdet nichts davon verpassen wollen.

Facebook als Blog ist eine interessante Idee, und Instant Articles, die es möglich machen, den Inhalt direkt auf der Plattform anzuzeigen und bei denen der Benutzer nicht erst auf eine neue Seite klicken muss, machen es deutlich lebendiger. Seit Instant Articles für jeden zugämglich sind, stellte sich die unmittelbare Frage, wie bald wir einen Solo-Anweder sehen, der es benutzt. Circuit Breaker hat natürlich eine viel größere Reichweite im Rücken, aber es wird spannend zu verfolgen, wie es unabhängig von The Verge funktioniert.

Ich dachte auch an den Gigaom-Gründer Om Malik, der Herrman letzte Woche kommentierte. Er sagte: „Wenn er heute ein Geschäft aufbauen sollte, wäre es wahrscheinlich eine Facebook-Seite.“ (Bekanntmachung: Ich habe früher bereits schon einmal für Gigaom gearbeitet.) Maliks Kommentar ging auf Twitter herum – und tatsächlich, am selben Tag schaltete Facebook die extrem beliebte Seite von The Shade Room ohne eine große Erklärung ab, und verstärkte damit Ängste, dass die Herausgeber der Plattform zu viel Kontrolle gegeben haben – aber es ist praktisch exakt das, was Vox Media hier macht. Ein Thema, das am Montag in Twitter-Konversationen aufkam, was folgendes: Wenn die Postings von Circuit Breaker auch auf der Internetseite von The Verge veröffentlicht werden, ist diese Idee wirklich so neu? Die Antwort lautet: Wahrscheinlich ja.

Es ist (noch) nicht möglich, Instant Articles zu veröffentlichen, wenn man keine Internetquelle hat, welche man auf Facebook verlinkt. Das könnte sich natürlich in der Zukunft ändern, aber wenn ein Herausgeber momentan Inhalte monetarisieren will und dabei Instant Articles nutzt – und es klingt so, als würde Circuit Breaker auch auf andere Weise monetarisiert werden – braucht er eine andere Basis für diese Inhalte. Malik: „Ich nenne [die Version von Circuit Breaker auf der Internetseite von The Verge] ein webbasiertes Archiv.“ Dieser Artikel erschien zuerst auf “Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Facebook app“ by Eduardo Woo (CC BY-SA 2.0)


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Zurückgeklickt: Deutschlands erster Blogger

Netzine_Logo_Walter_Laufenberg_via_Netzine.de

Walter Laufenberg ist Schriftsteller und betreibt nebenbei seit 20 Jahren netzine.de, das erste Blog Deutschlands. Ein Interview. // von Hendrik Geisler

Noch vor dem Zweiten Weltkrieg wurde Deutschlands erster Blogger geboren. Walter Laufenberg kommt 1935 in Opladen zur Welt und ist Zeit seines Lebens ein Freigeist, der unter anderem als Fernsehreporter, Werbedirektor und freier Autor arbeitet. Am 3. Januar 1996 stellte er die erste Ausgabe seines Laufenberg Netzines auf netzine.de online. Das erste deutsche Blog war geboren. Ein Gespräch mit dem deutschen Urblogger über die Rolle des Internets, die Arbeit als digitaler Nomade und E-Mail-Newsletter. Weiterlesen »

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Hallo, Jutta Handrup & Maike Hedder von Kreativfieber!

Maike Hedder (links) und Jutta (image by Maike Hedder)NEU

Selber machen ist oft die günstigere Alternative. Zusätzlich können mit der “Do It Yourself”-Methode wahre Schätze und Unikate hergestellt werden. Die beiden Gründerinnen von kreativfieber erklären wie es geht und wie die Idee zum eigenen Blog entstand. Für viele ist das Netz einfach eine gigantische Bastelstube. Auf Hunderten von Blogs wird Selbstgemachtes vorgestellt, angeleitet und diskutiert. So auch bei kreativfieber: Von kleinen Geschenkideen, über leckere Rezepte bis hin zur aufwändigen Hochzeitsdeko bloggen Jutta Handrup und Maike Hedder über ihre Ideen. Anleitungen und “How-to´s” werden auf dem Blog ebenfalls zur Verfügung gestellt.

Hallo Jutta! Hallo Maike! Euch verbindet eine deutsch-niederländische Freundschaft und die Kraft des Sekundenklebers. Wie kam es zu eurem Back- und Bastelblog?

Wir sind schon viele Jahre befreundet und immer gerne zusammen kreativ gewesen. Nach Ende unseres Studium fehlte uns im Job irgendwann einfach das kreative Etwas. Das Thema Blog war bei uns beiden sehr präsent und so haben wir irgendwann beschlossen, es doch einfach mal zusammen zu versuchen. Kreativfieber.de war am Anfang für uns vor allem eine Plattform, um unsere kreativen Ideen zu teilen und unsere eigene kleine online Spielwiese. Das erste Feedback und die tolle Bloggercommunity haben uns schnell motiviert immer mehr Zeit in unser Projekt zu stecken.

Uns gefällt eure Plattform, weil ihr persönlich, sympathisch und angenehm unaufgeregt eure Ideen präsentiert. Welche professionellen Ziele verbindet ihr mit dem Blog?

Mittlerweile ist Kreativfieber kein reines Hobby mehr, sondern auch unser Job. Mit wachsenden Leserzahlen und vielen tollen Kooperationsmöglichkeiten haben wir uns vor etwa einem Jahr selbstständig gemacht. Neben Kreativfieber schreiben wir Do-It-Yourself- Bücher und beraten Unternehmen zu Social Media rund um das Thema Blogging. Dabei bleibt unser eigener Blog aber immer unser Herzstück, in das wir unsere ganze Leidenschaft stecken.

Viele setzen DIY gleich mit Geldsparen. Könnt ihr das unterschreiben? Welches war euer finanziell aufwändigstes und welches euer kostengünstiges aber effektvolles Projekt?

Das stimmt, gerade Designerstücke kann man als DIY Projekt häufig günstig nachbauen. Dass DIY aber immer Geld spart können wir (mit einem riesigen Materiallager zuhause) allerdings nicht bestätigen. Ein Möbelstück aus hochwertigen Materialien kann schon teuer werden als das Gegenstück vom Möbeldiscounter. Ein wunderschöner Nebeneffekt ist natürlich, dass man auf Dinge die man selbst geschaffen hat, besonders stolz ist und sie einem ein tolles Gefühl vermitteln und ganz besondere Erinnerungen festhalten.

Gerade bei unseren Hochzeiten konnten wir aber durch DIY Tischdeko das Budget sehr schonen.

Was sind beim DIY eure Lieblingsmaterialien? Welches Projekt wollt ihr als nächstes ausprobieren?

Generell sind wir sehr experimentierfreudig und brauchen Abwechslung. Auf dem Blog arbeiten wir deswegen mit ganz unterschiedlichen Materialien, Stoff, Papier, Beton oder Upcycyling von Alltagsgegenständen.

Das Trendmaterial 2016 ist für uns definitiv Kork – und zwar nicht der Presskork, den man vielleicht noch als Pinnwand in Erinnerung hat, sondern Korkstoffe, Korkpapiere und Korkklebefolie. Seit wir das Material 2014 kennengelernt haben, sind wir verliebt. Gerade ist dazu auch unser neues Buch „Neues aus Kork“ erschienen.

Welches ist eure Lieblings-App unter den DIY-Helfern?

Ohne die Wasserwaage – App geht gar nichts!

Vielen Dank für das Interview!

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Hello Money


Teaser & Image by kreativfieber


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Vox Media: Vom Blog zu einem der größen Publisher im Netz

Vox Media (Image by Vox Media)

Tyler Bleszinski, Mitbegründer der Vox Media-Gruppe, spricht über seine Zeit im Unternehmen, die Zukunft der Videoplattformen und engagiertes Publikum. Vox Media ist heute ein gewaltiges digitales Publishing-Netzwerk für mit acht eigenständigen Seiten, die letztes Jahr im Schnitt mehr als 160 Millionen Besucher im Monat hatten. Aber es hat zunächst nicht so begonnen. Der Ursprung des Unternehmens führt zurück in das Jahr 2003, als Tyler Bleszinski seine Firma Athletics Nation gründete, ein Blog, der sich mit Nachrichten rund um Oakland Athletics beschäftigt und schließlich zu SB Nation heranwuchs. 2015 erreichte SB Nation 83 Millionen Besucher auf den mehr als 300 teamspezifischen Seiten.

Vox-Media-CEO Jim Bankoff trat dem Unternehmen, damals bekannt als SportsBlogs, im Jahr 2008 bei und gründete The Verge im Jahr 2011. Heute hat Vox Media acht Schutzmarken und eine maßgeschneiderte Werbeabteilung. Bleszinski entschied sich, Atheltics Nation zu gründen, nachdem er enttäuscht darüber war, welche Informationen über traditionelle Medien zu finden waren.

Es gab niemanden da draußen, der die A’s so umfassend darstellte, wie ich sie dargestellt haben wollte”, erzählte er mir. „Meine Lösung war also, dass ich das einfach selbst mache.” Bleszinski zog sich letzten Monat aus seiner Vollzeitposition bei SB Nation zurück, um mehr Zeit mit seiner Familie zu verbringen. Trotzdem wird er in einer beratenden Rolle im Unternehmen bleiben. Bleszinski sprach kurz vor seinem Rücktritt Ende letzten Monats über seine Arbeit bei Vox Media, das Wachstum des Unternehmens und den Stand der digitalen Medien im Allgemeinen. Im Folgenden ist ein zusammengefasstes und leicht angepasstes Transkipt unseres Interviews zu finden.

Joseph Lichterman (JL): Sie haben die Seite gegründet, aber was ist Ihre derzeitige Rolle bei SB Nation?

Tyler Blezinski (TB): Bis zum Ende des Jahres 2015 war ich involviert in der Team-Blog Seite, was sinnvoll war, da das Unternehmen so anfing und das meine Expertise ist. Ich leitete ein Team von sieben League Managern, die das Wachstum der Team-Blog-Seite auf unserer Sport-Seite überwachten. Das war mein hauptsächlicher Fokus zusätzlich zu meinen Dingen, die ich von Tag zu Tag erledigte.

JL: Wie ist es, Vox Media dabei zuzusehen, wie es sich in einen großen Digitalen Publisher mit acht Seiten entwickelt?

TB: Es war ein bisschen surreal, all dem, was passiert ist, zuzusehen und manchmal wirklich unglaublich. Es raubt mir manchmal den Atem, aber in vielerlei Hinsicht egibt es durchaus Sinn, denn [die Seiten] haben alle eine Gemeinsamkeit, und zwar die Leute, die alles mit Leidenschaft abdecken, was auch immer das Thema sein wird. Ezra Klein ist leidenschaftklich dabei, was die Neuigkeiten angeht, wie ich es bei den Oakland Athletics bin. Nilay Patel, der The Verge leitet ist genauso passioniert, was die Nutzertechnik und alles, was The Verge angeht, sowie den digitalen Lifestyle, den er umfasst. Egal wer es ist, sie haben alle eine gemeinsame Passion und die gleich Hingabe zur Qualität, mit der ich das Unternehmen gegründet habe.

JL: Sie haben kürzlich geschrieben, dass die Anfangstage beängstigend waren. Sie erwähnten Ihre frühere Arbeit als Journalist und wollten die Informationen über die A’s in einer anderen Art und Weise darstellen. Aber warum dachten Sie, dass es die richtige Zeit für solch eine Art von Experiment ist?

TB: Eine Menge Leute sagten, „Danke, dass Sie damit angefangen haben”, aber ehrlicherweise tat ich es aus einer eigennützigen Perspektive. Ich dachte, dass es als Fan der A’s niemanden gäbe, der die A’s in solch einer Weise abdeckt, in der ich es haben wollte. Also war meine Lösung, dass ich es selbst mache. Ich habe es mehr als eine Art Hobby angefangen und sah dann, dass es andere Leute gab, die Blogs über Baseball führen, die außerdem meinem Blog ganz ähnlich waren und ich dachte, wir werden als Kollektiv stärker sein, als wenn jeder in seinem Bereich bleibt.

Ich wollte etwas dagegen tun, dass bisher nichts existierte, was die A’s in der Art und Weise darstellte, wie ich es wollte, aber für mich gibt es nicht unbedingt so etwas wie Objektivität im Journalismus. Als menschliche Wesen sind wir subjektiv – egal, wie sehr man es versucht, es gibt keine Möglichkeit, zu 100 Prozent objektiv zu sein. Ich warf also den Schleier der Objektivität ab und war ein aufrichtiger Fan, wobei ich die Inhalte von einer qualitativen Perspektive aus betrachtete und ebenjene Sichtweise abdeckte, was bis dahin noch nicht wirklich existierte.

JL: Denken Sie, dass vielfältige Sichtweisen auf individuelle Leidenschaften ein besserer Weg sind, eine Veröffentlichung zu organisieren, als wenn man eine große, eher traditionelle, alles abdeckende Nachrichtenstrategie hat? Ist es besser, das Publikum auf diese Weise zu erreichen und mit den Lesern anzuknüpfen?

TB: Meiner Meinung nach ist das der Weg, wie wir die Dinge als Menschen aufnehmen. Wenn man Videospiele mag, spielt man sie vielleicht die ganze Zeit und es ist auf eine Art auch das, worüber man permanent nachdenkt. Ich hingegen ging ins Bett und dachte weiter über die A’s nach und als ich aufgewacht bin, dachte ich weiter über die A’s nach. Meine Frau hat lange Zeit eine Webseite mit Erzeihungstips betrieben. Vielleicht geht man ins Bett und denkt an nichts außer die Kinder und wacht mit keinen anderen Gedanken als die Kinder wieder auf. Es gibt Dinge in unserem Leben, für die wir sehr euphorisch sind – und das ist auch der Weg, wie wir heutzutage Dinge in den Medien aufnehmen wollen.

Deshalb sehen wir momentan auch so viele Wechsel zu alternativen Entertainmentangeboten, weil die Leute das nutzen möchten, was sie selbst wählen können. Sie wollen nicht unbedingt die ganzen Dinge, die noch dazukommen. Ich bin ein großer Fahrrad-Fan, und wenn einer einen Fahrrad-Sender hätte, der mit Leidenschaft betrieben würde, würde der vermutlich den ganzen Tag bei mir im Fernsehen laufen. Das Tolle ist, dass wir nun einen Sender haben, der wie MLB (Fernsehsender für Baseball) ist, wodurch ich die ganze Zeit Baseball schauen kann, sobald die Saison beginnt und die Chancen, Neuigkeiten zu Oakland A’s oder eine Diskussion mit jemandem wie Susan Slusser, die über die A’s regelmäßig informiert, zu sehen, sind relativ hoch. Je mehr diese Dinge an der Leidenschaft der Leute ausgerichtet werden können, mag man eventuell bei einem kleineren, segmentispezifischen Publikum landen, aber im Gesamten wird das Publikum größer, und zwar aufgrund der Leidenschaft, die die Leute bei den jeweiligen Themen verspüren.

JL: Es sieht so aus, als ginge es nur um das Ausmaß. Ich stelle mir vor, dass durch das Aufgreifen der Fangemeinschaft, aber auch durch das Netzwerk der SB-Nation-Seiten und die größeren Vox-Media-Eigentümer, es Ihnen jetzt möglich wird, die Leidenschaft zu Geld zu machen, indem Sie den Werber an das größte Publikum weiterleiten.

TB: Genau. Man endet schließlich darin, ein größeres Ausmaß zu erreichen, indem man ein leidenschaftliches Publikum hat, das so viel ihrer Zeit auf diesen Seiten verbringt und über all die gezeigten Dinge nachdenkt. Deshalb ist es sehr einfach, genau zu wissen, wen man erreicht. Auf eine Art wird es so durchaus einfacher, daraus Geld zu machen.

JL: Im letzten Sommer hat NBCUniversal eine erhebliche Investition bei Vox Media getätigt. Sie erwähnten das Fernsehen, jetzt interessiert mich, ob Sie sich SB Nation oder Vox Media im traditionellen Fernsehen oder auf anderen Plattformen vorstellen können.

TB: Vox hatte bereits viele Videos produziert. Und Video ist nicht die Zukunft, sondern es ist bereits hier. NBCUniversal ist ein relativ unbefangener Partner für uns, da sie auch von unseren Publikum profitieren können, genau wie wir das tun. Sie können auf jeden Fall ihre Expertise mit uns teilen und wir teilen unsere dann mit ihnen.

JL: Das Internet hat sich ziemlich verändert über die lange Zeit, in der Sie bei SB Nation dabei sind. Wir bewegten uns von einfachen Blogs zu sozialerem und teilbarem Inhalt. Ich weiß, dass Vox erst kürzlich Snapchat Discover beigetreten ist und es gibt Dinge wie den @SBNationGIF-Twitteraccount, wo Sie die Plattformen anderer Leute präsentieren. Wie beeinflusst das Ihre Denkweise über die Verbreitung von SB Nation?

TB: Die Dinge haben sich über die Jahre radikal verändert in Hinsicht darauf, wo Leute Ihre Inhalte konsumieren. Von Beginn an betrachteten wir unsere Blogs als eigene individuelle Marken. So war zum Beispiel Athletics Nation eine eigene Marke. Egal ob es nur auf der Website war oder auf Facebook, Twitter, Snapchat oder wo sonst, man wusste, dass man den Markenauftritt von Athletics Nation bekam. Das ist bei allen Marken von Vox Media der Fall. Wir bauen sie in einer solchen Weise, dass egal, wo Sie es betrachten, bekommt man das gleiche Level an Qualität und das gleiche Level an Einstellung.

JL: Ich weiß ja nun, dass Sie von Ihrem Posten scheiden werden, aber mich interessiert es, wie Sie Vox Media in Zukunft sehen.

TB: Es ist schwer zu gehen, weil ich glaube, dass das Beste noch kommen wird. Die Leute, die immer noch täglich involviert und eingebunden sind, sind unglaublich klug und werden weise Entscheidungen hinsichtlich des Produktwachstums und des Erreichens der Leute treffen. In mancher Weise fühlt es sich für mich an, dass es jetzt eine gute Zeit ist, um zu gehen. Auch wegen des NBC-Investments. Aber auf vielerlei Weise fühlt es sich auch an, als würden wir große Schritte tun und wären dabei, in eine ganz neue Stratosphäre aufzusteigen, basierend auf der Partnerschaft und dem daraus resultierenden Potential. Ich bin sehr optimistisch, wie sich die Dinge in diesem Unternehmen in der nahen Zukunft entwickeln.

Meine Kinder sind noch jung, und das sind sie nur ein einziges Mal. Momentan mögen sie mich noch. Meine Tochter wird 11 im Januar, sie ist also nicht mehr weit weg davon, ein Teenager zu sein, wo sie mich womöglich hassen wird. Ich will für die letzten verbleibenden Jahre da sein, während ich noch eine wichtige Rolle in deren Leben spielen und ich kann mich mehr als Vater einbringen. Ich arbeitete eigentlich immer von Zuhause, seit ich diese Firma gegründet habe.

Viele Leute, die in einem Büro arbeiten, werden sagen, „Heul mir nicht die Ohren voll, du arbeitest schließlich von Zuhause.“ Aber die Wahrheit ist, dass man, wenn man Zuhause arbeitet, eigentlich die ganze Zeit arbeitet, und man kommt nie zu 100 Prozent davon los. Ich bin es Leid geworden, meinem fünfjährigen Jungen sagen zu müssen: „Jetzt nicht!“, wenn er spielen oder einen Film mit mir anschauen wollte. Das Unternehmen wird unglaubliche Höhepunkte erreichen und ich sehe mich weiterhin in einer Rolle, wo es mir möglich ist, zu beraten und dabei zu helfen, dort hin zu kommen. Aber das Wichtigste, was ich je auf dieser Welt tun werde, ist das, was ich meinen Kindern anerziehen werde, weshalb es jetzt an der Zeit für mich ist, das an die erste Stelle zu setzen.

JL: Das ergibt durchaus Sinn, und es ist toll, dass es Ihnen möglich ist, das zu tun. Betrachtet man nun das Unternehmen, erwähnten Sie, dass Sie Vox neue Höhen erreichen sehen. Wie werden diese Höhen aussehen?

TB: Wir müssen der wirklichen Mission, unser passioniertes Publikum einzubinden und unsere unglaublichen Talente wie Ezra Klein, Nilav Patel und Walt Mossberg und alle diese Leute die im Web beheimatet sind, zu fördern und ihnen treu bleiben. Wenn wir damit weitermachen, sie zu bestärken und ihnen ermöglichen, ein noch größeres Publikum zu erreichen, dann ist der Punkt gekommen, an dem man sieht, wie die Sache abhebt. Videos sind ein großer Teil davon.

Die Partnerschaft mit NBC ist ein großer Teil davon. All diese Dinge sind Dinge, die sie in der nahen Zukunft sehen werden. Jim Bankoff denkt auf einem ganz anderen Level als ich es tue, und er war der perfekte Partner für mich. Ich bin jetzt inhaltlich und redaktionell viel fokussierter, er ist viel eher jemand, der das Geschäft weiterbringen möchte, weshalb er der perfekte Partner für mich war, um meine Schwächen auszugleichen. Jim funktioniert wie die Figuren bei Game of Thrones, er ist allen von uns immer drei oder vier Züge voraus.

JL: Betrachtet man digitale Medien im Allgemeinen, haben die Leute nur eine begrenzte Aufmerksamkeitsspanne und es wird viel mehr um unsere Aufmerksamkeit gekämpft. Es gibt andere Veröffentlichungen, und auf Facebook posten die Leute ständig Babyfotos. Wie bleibt man in einer solchen Umgebung wettbewerbsfähig?

TB: Solange die Leute Leidenschaft für gewisse Dinge haben – Sport, Nachrichten, Videospiele, Digitaler Lifestyle, Star Wars, Game of Thrones – wird es immer etwas geben, was diese Leute erreicht. Ich sage das als jemand, der ein Star-Wars-Nerd und ein Game-Of-Thrones-Fanatiker ist: Man kann eigentlich nie zu viel davon sehen. Das Web ist das perfekte Mittel, um mit diesem passionierten Publikum anzuknüpfen.

Vielen Dank besonders an Jim, Vox war unglaublich empfänglich und dynamisch mit Werbepartnern, um über neue Wege nachzudenken, die das Publikum erreichen, ohne sie zu langweilen. Das bietet eine gute Alternative, um mit Marken anzubändeln, ohne aufdringlich zu sein. Ich bin sehr gespannt, wohin die digitale Welt in Zukunft geht.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


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Très chic! Die besten Tumblr-Blogs von Fashion-Medien

Life is Tumblr (adapted) (Image by Romain Toornier [CC BY 2.0] via flickr)

Wie nutzen Medien den Microblogging-Dienst Tumblr? Ein Blick in die Nutzung von einigen Fashion-Medien gibt darüber Auskunft. Tumblr ist das soziale Netzwerk der kreativen Köpfe. Durch die Gestaltungsfreiheit der Blogs und das einfache Einbinden von Fotos, Videos und GIFs machen es sich gerade Medien mit ästhetischen Anspruch zu Nutze. Tumblr hat die 21 besten Blogs von Medien zusammengestellt. Unter ihnen viele Mode- und Lifestyle-Magazine (Vogue, Teen Vogue, W Magazine, The New York Times Style Magazine, CR Fashion Book, Elle, Glamour), die trotz ähnlichem Content Tumblr auf ganz eigene Art und Weise nutzen.

Alles in Einem – die Idee hinter Tumblr

David Karp wollte für das Bloggen von Videos, Bildern, GIFs und Texten nicht mehr zwischen verschiedenen sozialen Netzwerken wechseln, sondern eine digitale Plattform schaffen, die alles vereinigt. 2007 gründete er den Micro-Blogging-Dienst, der 2013 von Yahoo übernommen wurde und mittlerweile auch in Deutschland zu den Top 5 der meistgenutzten sozialen Netzwerke zählt.

Dass sich auf Tumblr viele Medien der Fashion- und Beauty-Branche tummeln, ist nicht verwunderlich. Die Plattform ist wie eine Spielwiese für Kreative: Jeder Blog kann ganz nach den eigenen Vorstellungen gestaltet, (bewegte) Bilder aller Größen und Formen hochgeladen werden. Gerade deswegen sind die meisten Tumblr-Blogs multimedial gestaltet und grenzen sich damit von den klassischen Blogs ab, bei denen vor allem der textliche Inhalt im Mittelpunkt steht. Keine vorgegebene Form engt den ästhetischen Inhalt ein – sogar die Auswahl und Anzahl der Kategorien bleibt jedem überlassen. Einen Einblick in das “Archiv” bekommt man jedoch auf jedem Blog. Während soziale Netzwerke sonst so schnelllebig sind, kann hier im Handumdrehen der Eintrag der Elle von 2011 nachgelesen werden.

Ein wenig wie Twitter und Facebook und doch ganz anders

Registriert man sich als Nutzer bei Tumblr, erhält man automatisch seinen eigenen Blog und Zugriff auf das Tumblr-Dashboard, das dem Newsfeed aus Facebook oder Twitter gleicht. Angezeigt werden hier Beiträge von Nutzer, denen man folgt, deren Beiträge man auch rebloggen oder liken kann. Die Favoriten-Funktion ersetzt in gewisser Weise den Like-Button auf Facebook. Eine direkte Kommentarfunktion gibt es jedoch nicht und damit fällt der sogenannte “Shitstorm” wie in anderen sozialen Netzwerken aus.

Trotzdem bleibt das Bloggen durch die Funktion des Social Webs lebendig und vielseitig. In diesem blumigen Klima scheinen sich gerade die Fashion- und Lifestyle-Medien wohl zu fühlen. Wie oft ein Eintrag “gelikt” oder “rebloggt” wurde, wird – auch hier in eigener Entscheidung – auf dem Blog kommuniziert. Während VOGUE in der Bildlegende namentlich die Befürworter aufführt, zeigt das W-Magazine das Resultat in Zahlen.

Dies ist der einzige Hinweis darauf, wie viele Follower ein Blog hat. Anders als bei Twitter oder Facebook wird die Anzahl nur für den eigenen Blog aber nicht für andere preisgegeben. Wenig Ecken und Kanten, an denen sich gestoßen werden kann, dafür viel Freiheit in der Gestaltung. Diese geht so weit, dass manche Blogs der eigentlichen Webseite der vorgestellten Medien verwechselnd ähnlich sehen. Tumblr dient für mehr Reichweite für das Medium im Netz – sei es mit ganz eigenem Content ergänzend zum Magazin oder als Teaser zum Papierformat, dass dann am nächsten Kiosk gekauft werden kann. Und vor allen Dingen zur Repräsentation der Stil der Medienmarke, dem bis ins Detail die eigenen Handschrift verliehen werden kann.

Vogue

Hochwertige Fotos von neuen Modekreationen und ihren hübschen Trägerinnen, Videos von und über die VOGUE Crew – der Tumblr-Blog der amerikanischen Modezeitschrift bleibt dem bildstarken Image der Papierversion auch online treu. Wie ein Teaser zum eigentlichen Magazin wirkt die vornehme Galerie aus großformatigen Bildern, die nach alter Blog-Manier ordentlich untereinander gereiht sind. Dazu meist ein kurzer Fotokommentar (“Now THIS is a supermodel”) und ausgewählte Hashtags.

Möchte man mehr Informationen zu dem Bild, reicht ein Klick auf den Hyperlink, der zur Webseite führt. Die Kategorie “Issue of the Day” – die das Titelbild der gedruckten Version zeigt- und “Photo of the Day” promoten ebenfalls in eigener Sache. Seit Oktober 2010 bloggt VOGUE auf Tumblr über “Fashion im Kontext der Kultur und Welt, in der wir leben”.

CR Fashionbook

Ein eigenes Magazin über “Style und Inspiration” wollte die ehemalige Chefredakteurin Carine Roitfeld der französischen VOGUE herausbringen. Geboren war die Idee des CR Fashionbooks, das VOGUE nun nicht nur im Zeitschriftenregal, sondern auch auf Tumbrl Konkurrenz macht. Das gewählte Design des Tumblr-Blogs erinnert etwas an Instagram, das unter dem eleganten “CR”- Logo fein säuberlich die Fashion- und Style-Fotos und Videos aneinanderreiht. Diese bestimmen mit wenig Text und seltenen Hashtags den Inhalt der Seite und verweisen ebenfalls immer artig auf die eigene Webseite. Frisch und jung soll das Modemagazin sein – und so werden neben Modefotografien auch mal persönliche Schnappschüsse der Herausgeberin gezeigt.

Eine kleine Besonderheit hat sich der Blog erlaubt: “Tumblr” kommt aus dem Englischen “to tumble” und bedeutet nichts anderes als “durcheinanderbringen”. Das hat sich der Blog von Carine Roitfeld zu Herzen genommen: Mit der “random”- Funktion wird einem in zufälliger Wahl ein Blogeintrag aus dem Newsfeed gezeigt, der seit August 2012 gefüttert wird.

Elle

Was nicht überraschen sollte: Auch Elle bloggt gerne und viel über Fashion und Style – aber das nicht nur durch unzählige Fotos, sondern auch mit viel Text. Ganze Artikel finden sich auf Blog, der seit Januar 2011 unter dem Motto “Fashion – Beauty – Entertainment” läuft. Unterhalten wird mit hochwertiger Mode-Fotografie aber auch mit Klatsch und Tratsch.

Elle nutzt Tumblr wie eine zusätzliche Webseite, die eigenständig informiert – das zeigt sich schon an der Suchfunktion, die deutlich zeigt: Hier kann Inhalt gefunden werden. Trotzdem bleibt natürlich der Verweis auf die eigene Webseite durch die Kategorien “The Lates on elle.com” und “Elle loves”.

W Magazine

Weniger ist mehr – scheint das Motto des W-Magazins zu sein, dass auf Tumblr seit Januar 2011 bloggt. Auf dem pechschwarzen Hintergrund erscheinen die unzähligen Fotos des amerikanischen Fashion-Magazins eindrucksvoll. Knallige Farben, wenig Text, der sich auch erst beim Anklicken eines Fotos zeigt. Der Blog ist wie ein Kunstwerk, dass für sich selbst spricht. Keine Spielereien, keine weiteren Optionen. Mehr Text aber ebenso viel schwarz gibt es dann auf der eigentlich Webseite zu sehen, die wie gewohnt auf oder unter jedem Bild verlinkt ist.

Glamour

Auf dem Glamour-Blog wird das geteilt, für was sich das “Fashion Folks” der Glamour-Redaktion begeistern kann. Seit Februar 2011 werden hier Fotos, Videos und Zitate gebloggt. Das eigene Magazin wird promotet und Instagram-Fotos, die einem – so das Team selbst – dunkle Regentage versüßen können. Eine erlesene Auswahl zum passenden Thema findet sich in “Fashion Week”, “Street Style“, “Inspiration” und “In The Magazine”.

Das Team stellt sich persönlich vor und darf in der Kategorie “Ask” über alles und jeden ausgefragt werden. Wer dann noch nicht genug Glamour hat (Want more?) wird entweder zur Webseite weitergeleitet oder trägt sich für den Newsletter ein. Follow us! And please enjoy! Ein persönlicher Blog, der die Bindung zur Marke “Glamour” fördert.


Image (adapted) “Life is Tumblr” by Romain Toornier (CC BY 2.0)


 

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Zum Bloggen braucht man heutzutage nicht mal mehr einen Blog

WordPress(image by StockSnap) via Pixabay (CC0Public Domain)

Das Blog als Ort zum Publizieren hat noch lange nicht ausgedient, und doch gibt es heutzutage zahlreiche Alternativen um zu bloggen. Wer mit dem Bloggen anfangen möchte, hat gelinde ausgedrückt die Qual der Wahl. Inzwischen gibt es eine Vielzahl an verschiedenen Plattformen, die dem Nutzer als Alternative zum eigenen Blog zur Verfügung stehen. Eine Auflistung und kurze Beschreibung der Angebote und Tools soll hier die Wahl erleichtern und einen schnellen und einfachen Einstieg ermöglichen. Welche Plattform letztendlich die Richtige ist, hängt davon ab, welche Absichten man verfolgt, ob zu Bloggen ein Hobby ist oder ob das Publizieren zum Beruf wird.

1. Long live the king (or queen): WordPress

WordPress ist die erste Wahl, wenn es ums Bloggen geht. Man unterscheidet zwischen zwei verschiedenen Formen, die unterschiedliche Funktionen zur Verfügung stellen. WordPress.com hostet das Blog selbst, demnach ist hier kein Download erforderlich. Lediglich eine Registrierung steht vor dem Beginn des Erstellens der eigenen Website.

WordPress.org ist eine offene Software, die kostenfrei heruntergeladen werden kann. Das eigene Blog oder die Webseite kann dann selber gestaltet werden. Nur dann hat man wirklich die Kontrolle über das Blog und man kann beispielsweise eigene Themes auswählen und Plugins verwenden (mit WordPress.com nicht möglich).

Um WordPress selber zu hosten, muss die Software auf einem Server installiert werden. Die meisten Hosting-Dienste (alle sind kostenpflichtig, aber auch sehr preiswert) bieten einem die Installation von WordPress gleich mit an. Nie war es leichter, sein eigenes Blog mit WordPress zu hosten.

2. Blogger.com

Blogger.com ist eine der ersten Plattformen, die es zur Erstellung eines Blogs gab. Seit 2003 gehört diese zu Google und wurde dementsprechend umgestaltet. Dadurch ist zunächst ein Google-Konto für die Anmeldung erforderlich.

Durch die Benutzerfreundlichkeit, die kostenlose Nutzung und das schnelle Umsetzen des ersten fertigen Blogs wird die Plattform gerne für den Einstieg genutzt. Unterschiedliche Designs sind frei wählbar, aber auch begrenzt auf eine bestimmte Auswahl.

An sich lässt Blogger.com kaum einen Wunsch offen, die Integration anderer Google-Dienste ist vorbildlich, aber man merkt diesem Dienst an, dass er viel zu lange von Google vernachlässigt wurde. Wer hier bloggt, dem geht es kaum um das Blog, sondern mehr um das Bloggen selbst.

3.Tumblr

Tumblr gilt immer noch als die “coole” Wahl, wenn man Bloggen möchte. Die Funktionen sind vielfältig und trotzdem einfach gestaltet; somit gelingt eine schnelle Umsetzung des Blogs. Tumblr ist sogar mehr als eine Blogging-Plattform, denn hier kann man sich direkt einer Community anschließen und auch einen nach innen gerichteten, sozialen Verbreitungskreis für seine Blogs aufbauen.

Möchte man eines Tages mehr, lässt sich mit den nötigen HTML-Kenntnissen auch so gut wie alles auf Tumblr umsetzen. Und mit diesen 21 Shortcuts geht es auch oft schneller als mit der Konkurrenz.

4. Medium.com

Schlicht und einfach, das ist Medium.com. Die Plattform ist ganz auf das Schreiben als zentraler Bestandteil bedacht und ist deshalb frei von komplizierten technischen Funktionen. Im Gegensatz zu anderen Plattformen, wie beispielsweise WordPress, setzt Medium.com auf Minimalismus, also nur die nötigsten Dinge (einfache Formatierungen), die für eine Erstellung eines Blogposts gebraucht werden.

Ein Blog ist mit Medium.com nicht möglich, aber sämtliche Beiträge sind dem eigenen Profil stets zugeordnet, so dass Medium.com vor allem für die Blogger sehr gut geeignet ist, die sich auf einzelne Blogpost fokussieren. Und, ähnlich wie bei Tumblr, geht es nach innen betrachtet eine eigene soziale Community, die man mit seinen Blogposts erreichen kann.

5. Facebook Notes

Facebook Notes ist eine an sich schon ältere Funktion innerhalb von Facebook, die aber erst vor wenigen Wochen ein an Medium.com angelegtes Redesign bekommen hat. Mit der nur Facebook-Mitgliedern zugänglichen Funktion können Notizen auf dem eigenen Profil erstellt werden und diese durch die Änderung der Privatsphäre-Einstellungen öffentlich zugänglich gemacht werden. Fotos können den Notizen ebenfalls beigefügt werden.

Sicherlich eine ganz simple Weise Informationen zu teilen, aber nicht auf professioneller Ebene. Facebook Notes ist in keinster Weise als Konkurrenz zu anderen Plattformen anzusehen, auch wenn alles von der Optik her an Medium.com erinnert. Eine derartige Blogging-Funktion zu haben, macht für Facebook Sinn, aber bloggende Nutzer sollten vielleicht doch eine besser geeignete Plattform wählen und die Blogposts dann auf Facebook teilen.

6. LinkedIn Pulse

LinkedIn Pulse nennt sich die Blogging-Funktion des auf das Berufliche fokussierte soziale Netzwerk LinkedIn. Hier können Artikel innerhalb des Profils veröffentlicht und zusätzlich mit Fotos oder Videos verknüpft werden. Eigene Beiträge werden dann auf Profilen von Mitgliedern und gleichzeitig deren Kontakten und Followern angezeigt. Eine Zusammenfassung der spannendsten und populärsten Artikel bietet das News-Angebot von LinkedIn Pulse.

Auf LinkedIn zu bloggen ist sehr einfach, das Feedback des je nach seinem Beruf ausgerichteten Fachpublikums kann wertvoll sein. Wer hier bloggt, sollte aber streng für seine eigenen Kontakte und ihre (beruflichen) Interessen schreiben. Berichte vom letzten Urlaub oder einem Konzertbesuch machen wenig Sinn. Viel mehr ist die Weitergabe von beruflichen Erfahrungswerten gefragt.


Image “WordPress” by StockSnap (CC0 PublicDomain).


 

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Über Digitalkompetenzen und gutes Hundefutter

computer-laptop-technologie(Image by Unsplash(CC0) via Pixabay)

“Innovation & Transformation”, “Digital Information Management” und “Digital Process Management” werden von Unternehmen als wichtigste Handlungsfelder der digitalen Transformation erachtet. Doch kaum ein Drittel attestiert sich selbst hohe Kenntnisse zu diesen und anderen Digitalisierungsthemen. Fast ebenso gering ist die Quote der Unternehmen, die digitale Fähigkeiten so etabliert haben, dass sie fest in Arbeitsabla?ufen integriert sind. Das sind Ergebnisse einer Studie, die die Managementberatung Detecon gemeinsam mit dem SOA Innovation Lab durchgefu?hrt hat und die auf der Next Economy Open in Bonn intensiv diskutiert wurde.

Nach einer Erhebung von Crisp Research sind die digitalen Kenntnisse der Manager noch bescheidener: Demnach haben gerade einmal sieben Prozent der Entscheider in Deutschland das Zeug zum Digital Leader, schreibt Michael Kroker in seinem Blog:

Digital Loser im Management

Die große Mehrheit der 503 befragten Geschäftsführer und IT-Entscheider ist noch auf einem Anfängerniveau: 71 Prozent sind laut der Umfrage ‘Digital Beginner’ – vielleicht sollte man besser Digital Loser statt Leader sagen.

Zudem gibt es eine große Diskrepanz zwischen Selbsteinschätzung und den tatsächlichen Kompetenzen für Digitalisierung.

So halten sich sechs von zehn Entscheidern für digital kompetent, das heißt sie sehen ihre digitalen Fähigkeiten als stark oder sehr stark ausgeprägt. Tatsächlich verfügen aber nur 26 Prozent der Befragten über jene Kompetenzen, so Kroker.

Da kann es nicht verwundern, wenn wir mit digitalen Produkten und Diensten auf den Weltmärkten nur mit unterdurchschnittlichen Leistungen glänzen – gemessen an Umsätzen, Nachfrage und Exporten. Hier führen die USA mit deutlichem Abstand, gefolgt von Südkorea und China. Dahinter folgen Japan und Großbritannien.

Die deutsche Internet-Wirtschaft setzte 2014 Güter und Dienstleistungen im Wert von knapp über 100 Milliarden Euro um. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt entspricht dieser Wert einem Anteil von mickrigen 3,5 Prozent.

Geeks, Hacker und Genies fehlen in deutschen Unternehmen

Wie kann man aber Digitalkompetenz erwerben, ohne mit den Werkzeugen der digitalen Sphäre in Berührung zu kommen, fragt sich das Notiz-Amt. Thomas Knüwer verweist auf das neue Buch “The Innovators – How a Group of Hackers, Geniuses, and Geeks Created the Digital Revolution” des Steve Jobs-Biografen Walter Isaacson. Menschen könnten nichts im Internet erfinden. Sie erweitern eine Idee, die schon existiert: “Die besten Innovatoren waren die, die die Flugbahn technologischer Veränderungen verstanden und den Staffelstab von Innovatoren vor ihnen übernahmen.”

Wer Innovationen im digitalen Zeitalter erzeugen will, müsse nicht nur auf der Höhe der Zeit sein, schreibt Knüwer in seinem Blog “Indiskretion Ehrensache”: “Er muss am schneidenden Rand der Entwicklung sein, dem ‘Cutting Edge’.” Am Beispiel der Verlagsbranche sieht Knüwer wenig Erfreuliches. Es sei eine Binse, dass Fische vom Kopf her stinken.

Doch in Unternehmen läuft es eben so: Wenn der Chef etwas tut, wird sehr genau hingesehen. Erst recht in unsicheren Zeiten, wenn der eigene Job durch Abbau-Runden bedroht ist. Für mich ist der kontinuierliche Aufstieg der ‘Washington Post’ die Bestätigung, dass Medienkonzerne nur dann überleben können, wenn im Top-Management und der Redaktionsleitung Menschen frei agieren können, die eine hohe Digitalkompetenz mitbringen – und in Deutschland ist genau das nicht der Fall, moniert Knüwer.

Auf der Suche nach twitternden Chefs

Als Indikator sieht er die Social Web-Aktivitäten von Geschäftsführern, Herausgebern und Chefredakteure der Verlage. Sozusagen der minimalste Status für digitale Aktivitäten, also facbooken, twittern oder bloggen. Das Ergebnis ist erschreckend. Wenn jetzt die Abwehr-Rhetoriker vom Dienst wieder fabulieren, dass die Hochrangigen Besseres zu tun hätten als zu twittern, kontert Knüwer mit der Notwendigkeit von Erfahrungswissen. Der Sinn von digitalen Werkzeugen erschließt sich erst aus der Nutzung, egal ob es um die Wirkung der Vernetzung bei Facebook geht, das Magenumdrehen beim Nutzen der Virtual Reality-Brille Oculus Rift oder die Beschleunigung eines Tesla.

Amazon und Apple essen ihr eigenes Hundefutter

Am Erfolg von Amazon kann man ablesen, wie wichtig Erfahrungswissen ist. Jeff Bezos ist ein manischer Mikro-Digitalmanager bei der Steuerung seines Unternehmens. Er hat als einer der ersten Führungskräfte begriffen, dass Produkte und Dienste ohne digitale Plattformen nutzlos werden. Oder präziser formuliert: Ein Produkt, das über keine Plattform verfügt, wird immer ersetzt werden durch ein äquivalentes Produkt, das mit einer Plattform ausgestattet ist. Die goldene Regel im Silicon Valley lautet dabei: Eat your own dogfood.

Apple-Topleute verstehen viel von Accessibility, also der Bedeutung der Entwicklungsarbeit Dritter und – sie essen ihr eigenes Hundefutter. Die machen ein ziemlich gutes Hundefutter!


Image “computer-laptop-technologie” by Unsplash (CC0).


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Podcasting im Jahr 2015 fühlt sich an wie Bloggen 2004

Podcasting (adapted) (Image by Nicolas Solop [CC BY 2.0] via flickr)

Was bei Podcasting passiert, konnte auch schon vor 10 Jahren bei Blogs beobachtet werden – Professionalisierung und neue Akteure betreten den Markt.

Der aktuelle Stand in der Podcast-Welt 2015 fühlt sich sehr nach Bloggen im Jahr 2004 an. Die Vielfalt und Qualität der Werke, die dort zu finden sind, ist wirklich bemerkenswert. Die Aufmerksamkeit von außen wächst und es entwickeln sich neue Formate. Wir erleben gerade dieselbe Art des Freischwimmens von kreativem Potential, die wir schon bei den Blogs erlebt haben – und es wird ein größeres Angebot an toller Arbeit produziert, als das es Zeit gibt sich dieses überhaupt alles anhören zu können.

Die Frage ist jetzt, ob sich Podcasts auch ähnlich entwickeln, wie es die Blogs in den vergangenen Jahren getan haben. Aus der Art, wie sich die wundervoll vielfältige Welt der Blogger in das verwandelt hat, was wir heute kennen, kann man diverse Schlüsse ziehen – sowohl positive als auch negative.

Was könnte das beinhalten?

  • Ein Teil der alten Blog-Welt professionalisierte sich und führte somit zu Ablegern wie der Huffington Post, BuzzFeed, und Vice.

  • Ein anderer Teil wurde von den Plattformen übernommen, wie beispielsweise Facebook und Twitter, die technische Erleichterungen versprachen.

  • Zeitungen und Zeitschriften, die sich von Bloggern bedroht gefühlt hatten, fanden sich irgendwo dazwischen wieder: sie waren nicht gewitzt genug, um mit den neuen digitalen Vorteilen mithalten zu können, und nicht groß und mächtig genug, um es mit den Plattformen aufnehmen zu können.

Die Akteure sind beim Audioformat etwas anders aufgestellt, aber viele Punkte wären dieselben. Werden wir eines Tages vielleicht auf 2015 als die goldene Ära des Podcasting zurückblicken, bevor der Markt sich daran bedient hat?

Schauen wir uns mal drei aktuelle Trends an:

Professionalisierung

Sollten Sie je gezwungen werden, sich alle Podcasts bei iTunes anzuhören, würden sie enorm viel Amateurkram finden. Neben all dem fällt eine gute Qualität ganz besonders auf. Die meistheruntergeladenen Sendungen sind eine Mischung aus den Shows der öffentlichen Radiowochenendshows, intelligenter Comedy und Geschichten, und natürlich qualitativ hochwertiger Diskussionen.

Eine wichtige Entwicklung ist also die Qualität. Alex Blumberg ist Rundfunkreporter und verließ im Jahr 2014 das Radio, um Gimlet Media zu gründen. Er beschreibt im Folgenden, was er als “HBO des Podcasting” aufbauen will:

Wir nehmen uns mehr Zeit, wir geben mehr Geld aus, und wir versuchen, über 95 Prozent der Podcasts da draußen zu verfeinern. Ich glaube, Podcasts haben immer noch den Ruf, dass sie etwas sind, was zwei Typen im Keller zusammenschrauben. Es hat ein bisschen was von Waynes World, in diesen Kellern. Ich sehe sie aber eher als echte Shows: schlank, gut produziert, und man hat Leute dran, die gut in dem sind, was sie tun.

Gimlet hat mittlerweile ein vielgelobtes Podcast-Repertoire, das nun regelmäßig auf Listen mit den meisten Downloads landet und Werbung auf kluge Weise einbindet. Andere Firmen, wie Panoply (von den Slate-Entwicklern) und Midroll (das nun zu Scripps gehört), machen etwas ganz Ähnliches: sie bauen ein Netzwerk auf, das professionell ist und mit dem man seine Produktion und die Abonnements effizienter aufarbeiten kann. Gimlet will vielleicht das neue HBO sein, für mich sind sie aber eher das neue Vox Media. Hier kommen intelligente Inhalte, Produktionstalent und eine bewegliche Geschäftsstrategie zusammen.

Plattformen

Geht es um Plattformen, ist die Podcast-Szene bisher bemerkenswert offen für neue Möglichkeiten gewesen. Alles, was man braucht, ist Zugang zu einem Server, und man kann seine Veröffentlichungen der ganzen Welt zur Verfügung stellen.

Ich denke, wir werden bald erleben, wie diese Offenheit demnächst unter Druck gerät. Fast alle Audio-Podcasts sind im MP3-Format – dasselbe Format, das früher iPods mit Nelly und NSYNC gefüllt hat. Wenn man sie einmal heruntergeladen hat, sind die Dateien seitens der Veröffentlicher nicht mehr einsehbar. Niemand kann sagen, ob die Datei einmal, hunderte Male, oder vielleicht noch nie abgespielt worden ist.

Es ist unmöglich, die individuellen Gewohnheiten des Hörers nachzuverfolgen: man kann weder sehen, welche anderen Podcasts sie sich anhören, nicht welche Werbung sie wegklicken oder aus welcher Folge sie frühzeitig aussteigen.

Eine mögliche Reaktion wäre: ‚Toll! Ich will nicht, dass irgendein Podcast-Typ mein Verhalten nachverfolgt!‘ Aber das Netz hat uns gezeigt, dass viele Menschen, vor allem Werber, diese Daten haben wollen. Und wir können sicher sein, dass es Bestrebungen gibt, sie nutzbar zu machen.

Dafür bräuchte man eventuell ein neues Podcast-Format, etwas jenseits der MP3. Das schwedische Startup Acast verspricht ein verbessertes Podcast-Erlebnis, indem es Bilder und Videos an bestimmten Stellen in den Audio-Podcast integriert, wenn man ganz bestimmte Shows mit ihrer App anhört. Natürlich kann dieser Aufwand auch dazu genutzt werden, um ein etwas weiter entwickelteres Werbeverfahren nach vorn zu bringen: Acast gibt an Firmen weiter, dass sie “dynamisches Abzielen” der Werbung innerhalb einer bestimmten Folge anbieten können.

Die optimistische Sicht auf Acast (und andere Firmen, die dieses Feld betreten) lautet, dass die stumpfe MP3 die Möglichkeiten des Podcast einschränkt, und dass wir uns weiterbewegen sollten, damit sich hier etwas entwickeln kann. Der Pessimist würde sagen, dass, egal welche Technik als nächstes aufkommt, keine je mehr so offen sein wird wie die RSS-Plus-gestützte MP3-Technologie am Anfang des Podcasting-Trends. Und das könnte bedeuten, dass die privaten Plattformen das Feld übernehmen.

Marco Armendt, Erfinder der beliebten Overcast-App für iTunes, verteidigt sich damit, dass die Firmen “dieses offene Medium einschränken und in einen Zustand der urheberrechtlich geschützten Technik versetzen wollen. Sie wollen Imperien mit Mittelsmännern aufbauen, um alles zu kontrollieren und von jedem ein wenig Umsatz abzapfen. So macht man das ganz große Geld. Und meistens funktioniert das auch.

Schauen wir uns nochmal an, was bei den Blogs los ist. Hatte jemand Mitte der Neunziger einen Blog, hat er den Code vielleicht noch per Hand geschrieben. In den frühen 2000ern hat man wahrscheinlich einen Hoster wie Blogspot genutzt. Hier wurde die technische Komplexität heruntergebrochen, indem man das Backend einer Firma wie Google übergab.

Spulen wir vor bis heute, sehen wir, dass das meiste, was wir vor zehn Jahren noch unter Bloggen verstanden haben, mittlerweile auf den sozialen Plattformen wie Facebook und Twitter passiert.

Podcasts sind offen, aber auch kompliziert und technisch eingeschränkt. Es wird einen Mittelsman geben, der das alles verbessert, und daraus ein Geschäft für sich machen wird.

Alteingesessene

Wo bleibt bei der ganzen Sache eigentlich das Radio? Dieser Teil ist für diejenigen von uns besonders wichtig, die sich um den Journalismus kümmern. Das öffentliche Radio und die zusammengehörigen Sender haben den digitalen Umschwung besser überlebt als die meisten Firmen, aber deren Publikum hat sich eingependelt.

Es gibt beunruhigende Anzeichen dafür, dass die Stationen die jungen Hörer verlieren. Podcasts sind Teil dieses Verlusts, weil beispielsweise viele Pendler ihre Telefone und internetfähigen Autos dazu nutzen, sich in Shows wie “WTF with Marc Maron” anzuhören, statt ihre örtliche Morgenshow (Morning zoo) zu unterstützen, oder lieber Shows wie Reply All hören, statt dem vergleichsweise trockenen All Things Considered.

Natürlich sind viele der am besten bewerteten Podcasts mit einer Lokalradio-Ausrüstung produziert worden, aber die meisten davon werden noch immer von den terrestrischen Sendern und deren Ansprüchen angetrieben. Die Sendungen sind eine Stunde lang, weil das der einzige freie Sendeplatz am Samstagnachmittag ist. Sie werden von einer teuren Infrastruktur produziert, die dem Senderprinzip angehörig ist. Sie sind nur beschränkt einsetzbar, denn eine neue Sendung in einem Sender hinzuzufügen, bedeutet normalerweise, eine existierende Show herauszunehmen. (An die Print-Leute: Kommt euch das bekannt vor?)

Es gibt natürlich auch Erfolgsgeschichten im öffentlichen Radio: Zunächst wäre da Serial, aber auch Sendungen wie Invisibilia oder Hidden Brain. Einige der größten Sendestationen in den USA setzt mittlerweile auf Podcast-Produktionen. (Im Oktober hat der WNYC angekündigt, ein 15 Millionen teures Projekt namens WYNC Studios aufzubauen, um damit Podcasts zu erstellen.

Es ist allerding nicht sehr schwer, den Einfluss des Podcast auf die Sendungen vorauszusehen, der in den Sendern stattfinden wird. In den USA gibt es mehr als 900 Radiosender, und die meisten sind nicht wie WNYC, sondern überleben, weil sie am ehesten das öffentliche Radio und dessen Inhalte repräsentieren. Meist müssen sich die öffentlichen Radiostationen kaum oder keiner Konkurrenz stellen. Sollte Morning Edition nur eines von vielen hochwertigen Auswahlmöglichkeiten aktueller Audio-Programme während der Autofahrt darstellen, was passiert dann mit dem Rest ihrer Arbeit, beispielsweise ihrem Geschäftsmodell?

Bei den Zeitungen haben sich ein paar Riesen wie die New York Times der Herausforderung stellen können, indem sie ein paar erstklassige Teams zusammenstellten und mit den Neulingen direkt konkurrieren konnten. Aber in den Vereinigten Staaten gibt es fast 1.400 Tageszeitungen, und die meisten davon haben nicht die Möglichkeiten, die Fähigkeiten oder eine ausgeklügelte Strategie, die Aufmerksamkeit ihres Publikums online zu binden. Trotz all dieser Erfolgsmeldungen können Podcasts keine Lösung zur Krise der Lokalzeitungen liefern. Ich denke, dass wir weiterhin dabei zusehen werden, wie die Schere zwischen den WNYCs und den kleineren Radiozielgruppen auseinandergeht.

Die Zukunft, die ich hier erkennen kann, ist nicht nur schlecht. Es wird mehr tolle Shows geben als man überhaupt gucken kann, und es wird viel mehr hochwertige Sachen online zu lesen geben als je zuvor. Wir haben diese Trends aber auch schon vor 10 Jahren sehen können – Professionalisierung auf der einen Seite, den Aufbau von Plattformen auf der anderen. Und es wird wieder passieren. Somit wird ein weiterer Teil des Journalismus auseinandergerissen – es bleibt ein zweischneidiges Schwert.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) “Podcasting” by Nicolas Solop (CC BY 2.0)


 

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Vom Hobby-Blog zum Fulltime-Job

BLOG IDEAS (adapted) (Image by Owen W Brown [CC BY 2.0] via Flickr)

Wie das eigene Blog zum Aushängeschild im Netz wird – und wie man daraus Früchte für die eigene Zukunft ernten kann. In der Schule und im anschließenden geisteswissenschaftlichen Studium habe ich eigentlich alles „richtig“ gemacht: Netzwerke knüpfen, Praktika absolvieren, Gedanken über die Zukunft machen und nicht zu viel Zeit verlieren. Die ewige „Und was machst du dann damit?“-Frage („damit“ = Kunstgeschichte & Germanistik) konnte ich trotzdem nie beantworten. Bis mir was anderes dazwischen kam: Mein Netz-Leben und das Bloggen hat mir mehr Erfahrung und Pluspunkte gebracht als alle guten Abschlussnoten zusammen.

 


 

  • Quereinstieg in neue Jobs unabhängig von Studium, Ausbildung und Noten.
  • Knüpf dir dein Netzwerk.
  • Bleib authentisch.

Das digitale Schaufenster

 

Nach dem klassischen Verlags-Volontariat bewarb ich mich auf mehrere Texterinnen- und Redaktionsstellen. Auf die Erkenntnis, dass ich aus meinem Netzwissen und den kommunikativen Fähigkeiten mehr machen kann, musste ich erst gestoßen werden: Mein zukünftiger Arbeitgeber googelte und rief an. Allerdings wollten sie mich nicht als „Online-Redakteurin“, wofür ich mich ursprünglich beworben hatte, sondern fragten, ob ich mir auch vorstellen könnte, als „Social Media Managerin“ zu arbeiten. Sie würden jemanden wollen, die tatsächlich im Netz unterwegs ist. Abschlussnoten seien dabei egal. Das war vor zwei Jahren mein Quereinstieg in den Job, der mir immer noch den größten Spaß bereitet. Seitdem habe ich die Erfahrung gemacht, dass mein Blog meine digitale Visitenkarte geworden ist. Unabhängig vom Zugang zu meinem Lieblingsberuf brachte und bringt mir das Blog die meisten Kontakte, Schreibaufträge, Vortragsangebote und anderen Anfragen. Mein Blog ist mein digitales Schaufenster.

Doch was machen, wenn man noch gar nicht bloggt? Oder das eigene Blog noch nicht so aufgehübscht ist, dass es als Schaufenster durchgehen könnte? Absolute BeginnerInnen finden im Netz viele Tipps, wie ein Blog optimaler Weise aufgebaut und gestaltet sein sollte. Grundsätzlich gilt aber: Mach, was dir gefällt. Das Blog ist deine Plattform – es soll also dich und nicht irgendeine gut gemeinte Anleitung widerspiegeln. Überlege dir vorher, über welche Themen du bloggen möchtest, was dir am Herzen liegt, was du loswerden möchtest. Ein guter Tipp: Denk dir Rubriken aus – das erleichtert sowohl dir als auch den Lesenden die Orientierung.

Es geht es los: Die Adresse ist eingerichtet, das Template steht und die Finger liegen auf der Tastatur – und dann? Nichts. Eine Schreibblockade. Das kann passieren. In der Blogparade vom PR-Doktor gibt es viele nützliche Tipps gegen das schwarze Loch im Kopf.

Beziehungen knüpfen

Die Journalistin Carolin Neumann fragte auf Twitter ihre FollowerInnen, warum sie bloggen. Eine der häufigsten Antworten? Um Netzwerke zu knüpfen und andere BloggerInnen kennenzulernen. Allein davon, dass ein Blog im Netz existiert, wird es nicht gelesen oder gar weiterempfohlen. Lies andere Blogs, kommentiere, mach auf dich aufmerksam. Das funktioniert auch über Twitter – nutzt Hashtags und verbreite deine Blogposts. Nimm sogenannte „Blogstöckchen“ auf (Online-Fragebögen, die im Netz weitergereicht werden). Und, so marketinglastig das klingt, grundlegende SEO-Kenntnisse können nie schaden.

Irgendwann ist es dann soweit und du bekommst die erste Anfrage einer Agentur. Sie wollen ein Banner auf deinem Blog schalten, dass du ein Produkt von ihnen testest oder sie in einem netten Artikel verlinkst. Dafür bieten sie dir, wow, sogar einen Produktgutschein oder ködern dich mit Gimmicks, die du kostenlos (sic!) über deinen Blog verlosen darfst. Lass dich nicht verarschen. Die Firma, für die du wirbst, profitiert davon. In anderen Werbekanälen müssten sie dafür viel Geld bezahlen. Lass dich nicht instrumentalisieren, sondern professionalisier dich. Peter Manderfeld hat ein Dos and Don’ts in Sachen „Blogger Relations“ für BloggerInnen zusammengestellt.

Am wichtigsten, wenn du mit einem Unternehmen oder einer Agentur erfolgreich für beide Seiten zusammenwillst, ist dein Media Kit. Damit kannst du deinen Erfolg auch selbst in die Hand nehmen – such nach möglichen Kooperationspartnern und zeig Werbemöglichkeiten auf deinem Blog.

Sympathisch überzeugen

Was würdest du von dir lesen wollen, wenn du dich selbst im Netz suchst? Das ist auch das, was andere Leute von dir lesen sollten, wenn sie nach dir suchen. Zukünftige ArbeitgeberInnen können durch deinen Auftritt im Netz überzeugt werden. Gerade für Selbstständige ist eine gut sichtbare Präsenz im Netz unabdingbar. Mach dich zum/r ExpertIn in deinem Fachgebiet. Aber: Bei aller Professionalität – bleib du selbst. Eine glattgebügelte, hyperkorrekte Oberfläche nimmt einem sowieso niemand ab. Gerade eigene Charakterzüge und Meinungen machen dich zu der Person, die andere gerne in ihrem Team, ihrer Zeitung oder auf ihrer Plattform haben wollen.

Erfolge nicht zurückhalten: Zeig deine Erfahrung und dein Können. Bescheidenheit bringt dich nicht weiter. Aufträge und Jobangebote kommen, wenn Menschen wissen, was du kannst. Und wenn dich andere Menschen weiterempfehlen. Nur zu bloggen, um Aufträge oder Jobs zu bekommen – das funktioniert nicht. Spaß und Authentizität sind die Hauptsache. Dazu gehört auch, nicht jedes Kooperationsangebot oder jeden Auftrag anzunehmen. Über die Online-Pokerschule schreiben, obwohl man nicht einmal weiß, was ein Royal Flush ist? Nein. Im schlimmsten Fall verliert man dadurch sogar LeserInnen. Ausprobieren, dazulernen und ehrlich bleiben – das sind die besten Tipps, um den eigene Hobby-Blog zur Online-Visitenkarte zu pimpen. Gar nicht so viel anders wie in diesem „Real Life“.


Videotipp: re:publica 2013 – Personal Branding Kampagne: Wie der Job dich findet

Lektüretipp: Das Buch zur Jobsuche im Netz


Image (adapted) „BLOG IDEAS“ by Owen W Brown (CC BY 2.0)

 


 

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Rechtliche Fallstricke: Blogger im Paragrafendschungel

Keep up and blog on (adapted) (Image by Alexander Baxevanis [CC BY 2.0] via Flickr)

Blogger und Webseitenbetreiber laufen Gefahr, in die Mühlen der Justiz zu geraten. Heise warnt vor den rechtlichen Fallstricken. Was Blogger und Webseitenbetreiber oft nicht wissen ist, dass auch sie dem deutschen Presserecht und einer besonderen Sorgfaltspflicht unterliegen. Doch Unkenntnis schützt nicht vor Strafe. In einem Gerichtsurteil ist ein Blogger bereits wegen eines Zitats verpflichtet worden, eine Unterlassungserklärung zu unterzeichnen, schreibt c’t in einem nächste Woche erscheinenden Sonderheft zum Thema Webdesign.

Die juristische Einordnung von Blog-Einträgen ist heiß umstritten, fasst das Heise-Magazin c’t die aktuelle Lage zusammen. eine klare Gesetzeslage oder Rechtsprechung wurde in der vergangenen Legislaturperiode vom Bundesjustizministerium versäumt und ein Blick auf mögliche neue Konstellationen der Bundesregierung lassen den Verdacht zu, dass eine Änderung dieser Situation nicht in Sicht ist. In dem konkreten Fall, der im Magazin geschildert wird, hatte ein Blogger einen Zeitungsartikel zitiert, dessen Original kurz nach Veröffentlichung aus dem Netz genommen werden musste, weil das im Artikel genannte Unternehmen eine einstweilige Verfügung gegen die zitierte Zeitung erwirkt hatte. Der Blogger nahm den Eintrag vom Netz, weigerte sich aber, eine Unterlassungserklärung abzugeben, wozu ihn das Oberlandesgericht München letztlich verurteilte.

Vorsicht gilt grundsätzlich bei zitierten Tatsachenbehauptungen. Ist dem Blogger bekannt, dass sie nicht stimmen, sollte er sich deutlich und ausreichend vom Inhalt distanzieren, rät das c’t special Webdesign. Über Gegendarstellungs- und Berichtigungsanspruch hinaus kann ein Betroffener unter Umständen auch Zahlungsansprüche geltend machen, etwa als Schadensersatz oder Schmerzensgeld. Die wenigsten Blogs in Deutschland verdienen überhaupt Geld, eine Reserve für Rechtsstreits hat wahrscheinlich überhaupt kein Blog.

Betreibt ein Blogger auch ein Forum, kommen noch ganz andere Fallstricke hinzu: Offensichtlich strafrechtlich relevante Einträge sollte er sofort löschen. Sogenannten Trollen, die destruktiv und penetrant konstruktive Diskussionen stören, kann man mit passender Software zu Leibe rücken. Erst vor einer Woche wies der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) die Klage eines großen News-Portals aus Estland zurück, wodurch Betreiber von Internetportalen als auch Foren für beleidigende Kommentare ihrer Nutzer zur vollen Verantwortung gezogen werden können.


Image (adapted) „Keep up and blog on“ by Alexander Baxevanis (CC BY 2.0)


 

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Nützliche Tipps zum Aufwerten von Bier-Fotografien

Wenn es eine Sache gibt, die Bierliebhaber noch mehr lieben als das Bier an sich, dann ist es das Posten der Fotos von ihrem Bier im Internet. // von Matthew Curtis

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Ob es nun aktuelle Bilder der Getränke sind oder Fotos von der letzten Ausbeute, sie können nicht abwarten zu fotografieren und es sogleich auf einem beliebigen Social-Media-Kanal zu teilen. Aber wer kann es ihnen in der heutigen Zeit verdenken? Moderne Plattformen wie Instagram, Twitter und Pinterest bieten einem die Möglichkeit, seine Freunde innerhalb von Sekunden wissen zu lassen, was man gerade trinkt, egal wie weit man gerade voneinander entfernt ist.

Für das Schreiben über Bier bietet der Fotozusatz eine gute Methode, um den Inhalt zu vertiefen und zu verstärken. Das kann beispielsweise ein Foto als Ergänzung einer Bierbewertung sein. Desweiteren können Reisetipps mit Ortsfotos ergänzt werden oder die Bilder dienen im Allgemeinen einfach als Mittel, um lange Passagen eines Textes zu unterbrechen. Wenn das gut gelingt, wird es nicht nur die Verbindung zu den bisherigen Lesern verbessern, zusätzlich werden auch neue Leser dazugewonnen.

Es ist wichtig, sich Zeit für Fotos zu nehmen

Für mich ist Fotografie zu einem fundamentalen Teil des Schreibens über Bier geworden. Genauso viel Zeit wie ich für das Zusammenfügen des Textes aufwende, widme ich den Aufnahmen und dem Bearbeiten der Fotos. Das bedeutet zwar sehr viel Zeitaufwand, der sich aber wirklich lohnt. Jedoch war ich nicht immer auf diesem Stand, denn einige Posts von früher zeigen traurig fotografierte Bilder, die wenig oder gar keine Aussage beinhalteten. Sie waren schlecht gerahmt, oft war ich viel zu nah am Gegenstand und ich habe immer nur Flaschen von gebrautem Bier mit einem Glas, das einen anderen Markennamen enthielt, fotografiert – ein großer Fauxpas.

Der vielleicht größte Fehler meiner Fotografie wurde durch die unzureichende Lichtquelle verursacht, folglich wurden meine Aufnahmen grobkörnig und unfokussiert. Die Mehrheit meiner Fotos sagte absolut nichts über Bier aus – sie passten nicht annähernd zu dem Geschriebenen.

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Bilder sagen mehr als der Text

Im Januar 2014 las ich einen Artikel, der alles änderte. Der detaillierte Beitrag von Michael Kiser auf Hill Farmstead faszinierte mich vom ersten bis zum letzten Paragrafen. Es waren aber nicht nur die Worte, die meine Aufmerksamkeit ergriffen. Die erstaunliche Fotografie verschaffte mir das Gefühl, als wäre ich wirklich an diesem Ort gewesen. Das erste Foto in dem Artikel von einem traurigen, nass durchtränkten Shaun Hill sagte mehr über die Brauerei aus, als der Text beschreiben konnte. Es war das erste Mal das ich einen Bericht, Good Beer Hunting, auf Kisers Seite las, aber von dem Moment an habe ich nicht einen verpasst.

Durch diesen Bericht realisierte ich, dass ich als Bierautor keinen besonders guten Job machte. Ich bot meiner Leserschaft nicht den Service, den sie verdienten. Von diesem Zeitpunkt an war ich engagiert, jeden Aspekt meines Inhalts aufzubessern. Ein wichtiger Schritt war hierbei die Investition in eine geeignete Kamera. Während ich mir selber die Kenntnisse der Fotografie beibrachte, wurde mir klar, dass wenn ich meine Kamera überall mit hin nehme, mir mehr und mehr neue Themen begegneten, über die es sich lohnt zu schreiben. Im Nachhinein gesehen, war das eine meiner besten Investitionen.

Der wesentlichste Punkt von guter Bierfotografie ist wohl die Sicherheit, dass man über eine gute Lichtquelle verfügt. Eine geeignete Kamera und eine gute Linse mit einer hohen Blendeneinstellung sind natürlich ebenfalls sehr hilfreich. Das Bier und Orte mit niedrigen Lichtverhältnissen sind nach wie vor untrennbar, Tageslicht ist aber dennoch dein bester Freund. Du solltest über das Ablichten eines Gegenstandes genauso gut nachdenken, wie du über das Verfassen eines Satzes oder Absatzes nachdenkst. Machst du alles Nötige, um sicherzustellen, dass der Gegenstand im Fokus der Darstellung steht? Unterstützt die Abbildung die zu erzählende Geschichte?

A Moment in New Belgium 650x400

Durch Fotos Gefühle vermitteln

Der beste Ratschlag, der mir in Bezug auf die Bierfotografie gegeben wurde, war mich von dem fokussierten Gegenstand zu entfernen und dessen Umgebung und die Menschen drum herum im Gesamtbild zu erfassen. Jeder kann ein vernünftiges Foto von einer Bierflasche machen. Viel schwieriger ist es, dass Foto so zu schießen, sodass es ein bestimmtes Gefühl vermittelt. Im Wesentlichen sollte die Bierfotografie genauso behandelt werden wie das Schreiben – das beinhaltet natürlich auch zu wissen, wann man sich von dem Zeug trennen muss, das offensichtlich nicht funktioniert.

Um tolle Ergebnisse zu erzielen, musst du nicht unbedingt viel Geld in eine teure Kamera investieren, denn jeder von uns trägt eine gute Kamera immer mit sich, in unseren Smartphones. Smartphone-Fotos scheinen oft ein wenig leblos zu sein, aber mit ein wenig sorgfältiger Bearbeitung können diese zum Leben erweckt werden. Es gibt tolle Apps, wie z.B. Afterlight (Android | iOS) und VSCO Cam (Android | iOS), die einfach zu bedienen sind und die Qualität der Fotos enorm verbessern. Auch Instagram selbst – meine erste Wahl für schnelles und einfaches Teilen meiner Fotografien – ist heutzutage sehr empfehlenswert.

Berlin Beer Green 650x400

Komm nicht in Versuchung eingebaute Filter zu benutzen, besser ist es, selber zu probieren, den Gegenstand in Bezug auf seine Umgebung in den Fokus zu setzen. Merke dir, dass das ganze Verbessern nichts bringt, wenn das Foto langweilig und nicht fokussiert ist. Mein letzter Ratschlag ist, wenn man Fotos für seine eigene Online-Inhalte nutzt, man sie so groß wie möglich fotografieren sollte. Verkleinert die Fotos nicht! Es gibt nichts Schlimmeres als einen angemessenen Beitrag zu lesen, der mit winzigen und schwer entzifferbaren Bildern versehen ist. Man würde doch auch keine klitzekleine Schrift für einen geschriebenen Text wählen, oder?

Das Wichtigste ist aber, dass eine Kamera sein ständiger Begleiter ist, wo immer man hingeht und vor allem, dass man den Spaß an der Sache nicht verliert. Viel Spaß beim Fotografieren!

Übersetzung von Janine Billker.


Teaser & Images by Matthew Curtis.


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Die Vermessung der österreichischen Blogger-Szene

Blogging (adapted) (Image by Till Westermayer [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Sie schreiben über Spritzwein, Palatschinken, Kirchen, Toiletten, Bier, Trachten, Hochzeiten und natürlich über Essen, Fashion, Reisen und Technik: In Österreich gibt es definitiv eine vielfältige Blogger-Szene (u.a. auf Blogheim.at gelistet), doch wie sie leben und arbeiten, darüber gibt es recht wenig Informationen. Die in der Szene sehr umtriebigen Teilzeit-Blogger Petra Köstinger und Tom Schaffer haben es sich deswegen zur Aufgabe gemacht, in regelmäßigen Abständen eine Umfrage zu machen, die genau das abfragt.

Heute haben sie die Ergebnisse veröffentlicht – und sie geben spannende Einblicke in die Welt der österreichischen Blogger. Zwar kann man die Umfrage nicht repräsentativ nennen, weil die Grundgesamtheit nicht bekannt ist, aber mit knapp 460 Teilnehmern gibt die Befragung sicher gute Insights in die Szene. Zu der Demografie: Österreichische Online-Schreiberlinge sind sehr oft Frauen (62 Prozent), die meisten sind zwischen 18 und 30 Jahren alt (47 Prozent). Und sie sind sehr ausdauernd: Die größte Gruppe (29 Prozent) betreibt einen oder mehrere Blogs bereits länger als fünf Jahre.

Auch die Hauptmotivationen überraschen nicht – Interesse am Thema, Spaß am Schreiben und das Teilen von Wissen stehen im Vordergrund. Nur sechs Prozent sehen Bloggen als Arbeit an, für 45 Prozent hat sich die Tätigkeit zu einer Mischung aus Beruf und Hobby entwickelt. Die überwiegende Mehrheit (80 Prozent) sieht ihren Blog als möglichen Partner für Unternehmen an.

Wenn es um das Veröffentlichen von bezahlten Beiträgen (“Sponsored Posts”) geht, ist die Mehrheit (64 Prozent) noch ablehnend. Für jene, die mit ihrem Blog Geld verdienen, ist Sponsored Content dann aber doch die wichtigste Einnahmequelle (27 Prozent), vor indirekten Einnahmen über Vorträge, Workshops etc. (25 Prozent), klassischer Online-Werbung (24 Prozent) und Partnerprogrammen (21 Prozent). Reich wird damit in Österreich niemand: Nur acht Prozent verdienen mit ihrem Blog mehr als 2.000 Euro pro Monat, weitere sieben Prozent zwischen 1.000 und 2.000 Euro. Satte 38 Prozent machen mit ihrem Online-Auftritt zwischen 0 und 50 Euro im Monat.

Das könnte auch an den Reichweiten liegen. 35 Prozent der Befragten geben an, pro Monat weniger als 1.000 Leser zu haben, weitere 41 Prozent haben eigenen Angaben zufolge zwischen 1.000 und 10.000 Leser pro Monat. Insgesamt 17 Prozent kommen auf mehr als 10.000 Besucher im Monat. Übrigens 36 Prozent sagen selbst, dass sie gerne mehr Leser hätten.


Image (adapted) „Blogging“ by Till Westermayer (CC BY-SA 2.0)


 

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5 Lesetipps für den 7. September

In unseren Lesetipps geht es heute um die neueste Version des Jugendmedienschutz-Staatsvertrages, Online-Betrüger, Netzpolitik.org, Nutzerdaten-Speicherung in Russland und Software-Umrüstungen. Ergänzungen erwünscht.

  • JUGENDMEDIENSCHUTZ beck-community: Umformulieren statt novellieren – Zum nunmehr dritten Versuch eines JMStV-Entwurfs: Der Leipziger Medienrechtexperte Prof. Dr. Marc Liesching kritisiert die neueste Version des Jugendmedienschutz-Staatsvertrag im Beck-Blog mit deutlichen Worten. Fazit: Die dringlichen Fragen eines zeitgemäßen Schutzes von Kindern und Jugendlichen im Web 2.0 bleiben vollumfänglich unbeantwortet. Liesching attestiert dem Neuregelungsversuch redaktionelle Scheinregelungen statt wirkliche Neuregelungen und im Vergleich zu vorherigen Neufassungsversuchen verliert das Vertragswerk immer mehr an Substanz. Es ist offensichtlich eine Schande, wie sehr die Medienwirklichkeit missachtet wird.

  • ONLINE BETRÜGER DIE WELT: Cyber-Kriminalität: Flüchtlingskrise hilft Online-Betrügern: Konten, die mit falscher Identität eröffnet wurden, bereiten derzeit der Polizei und den Staatsanwaltschaften große Sorgen. “Bank Drops” nennt sich diese Art von Geschäften mit Konten und werden von Kriminellen vor allem für Betrügereien im Online-Handel benutzt. Plattformen wie Ebay oder auch Amazon, machen sich die Betrüger ebenfalls zunutze. Außerdem erhöht die derzeitige Flüchtlingskrise das Sicherheitsrisiko zusätzlich, denn Asylbewerber können leichter an ein neues Konto kommen, da die Finanzaufsicht BaFin, die Anforderungen an die Dokumente gelockert hat. Das bedeutet, dass Flüchtlinge, die sich am Bankschalter ausweisen müssen, nicht so stark kontrolliert werden, was verschiedene Banken allerdings mit gemischten Gefühlen sehen.

  • NETZPOLITIK.ORG tagesschau.de: Fall Netzpolitik.org: BKA durchleuchtete Journalisten: Das BKA hat sich über die finanziellen Verhältnisse der beiden Journalisten von netzpolitik.org erkundigt. Markus Beckedahl und André Meister waren zeitweise des Landesverrats verdächtigt. Das Bundeskriminalamt soll sich Informationen bei der Rentenversicherung und der Meldebehörde der beiden eingeholt haben. Außerdem erhielten sie neun Seiten mit Informationen über die Macher von netzpolitik.org, von der Finanzdienstleistungsaufsicht des Bundes, BaFin. Es gibt allerdings keine Hinweise darauf, dass die zwei Journalisten abgehört oder gar observiert wurden.

  • RUSSLAND FAZ: Kreml will russische Nutzerdaten in Russland speichern: In Russland müssen ab sofort jegliche russische Nutzerdaten gespeichert werden, denn die Regierung ist der Meinung, dass alle Daten der Bürger geschützt werden müssen. Anfang September ist dieses Gesetz in Kraft getreten. Menschenrechtler sind allerdings besorgt, denn sie vermuten dahinter ganz andere Motive. Die Frage ist, ob es tatsächlich nur um die Sicherheit der Bürger geht oder um Überwachung? Oder ist steckt dahinter vielleicht auch der Wunsch, Daten für einen potenziellen Eingriff gegen ausgesuchte Ziele zur Verfügung zu haben?

  • UMRÜSTUNG heise online: Funkregulierung als Angriff auf alternative Software: “Open-Source-Projekte gefährdet”: Eine Software-Umrüstung, von Geräten die Funksysteme enthalten, soll laut der neuen Richtlinie der US-Regierungsbehörde FCC, bald verboten werden. Durch diese Maßnahme würde etlichen Open-Source-Projekten, in denen Betriebssysteme für Geräte fremder Hersteller entwickelt werden, das Licht ausgemacht werden. Allerdings dürfte dieses Verbot sich auf die ganze Branche auswirken, da eine DRM-typische Maßnahme, gegen Umrüstungen mit fremder Software, von der FCC gefordert wird. Das bedeutet, dass Hersteller ihre Entwicklungsprozesse überprüfen und falls nötig um Schutzmaßnahmen gegen Software-Umrüstung erweitern müssen, damit ihre Geräte die Freigabe der FCC für den US-Markt erhalten.

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Nutze Netzpiloten 1-Klick: Mit nur einem Klick werden dir bequem alle 40 Sekunden die hier besprochenen Seiten „vorgeblättert“ START.

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Tumblr: Massives Problem mit Fake-Accounts

Analog Tumblr (adapted) (Image by scottjacksonx [CC BY 2.0] via Flickr)

Tumblr meldet fast monatlich neue Nutzerrekorde, doch bis zu 90 Prozent der Blogs könnten inaktiv oder gefälscht sein. Der Social-Blogging-Dienst Tumblr behauptet, dass er 134,8 Millionen Blogs beheimatet, auf denen täglich im Schnitt 88,3 Millionen Postings veröffentlicht werden. Diesen Zahlen zufolge größer als die populäre Blog-Plattform WordPress (knapp 70 Mio. Blogs, 38 Mio. Updates pro Monat) und besonders beliebt bei US-Teenies, hat sich Yahoo im Mai 2013 Tumblr um 1,1 Mrd. Dollar gekauft. Doch es ist nicht alles eitel Sonnenschein auf David Karps Webseite: Denn neben Querelen mit Porno-Inhalten kämpft Tumblr hinter den Kulissen mit einem massiven Problem: Fake-Profile. Bis zu 90 Prozent der Blogs könnten inaktiv sein, und mit Hilfe des neue Eigentümers Yahoo werden diese gefälschten Accounts still und heimlich nach und nach gelöscht, wie ich in Erfahrung gebracht habe. Weiterlesen »

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Notes ergänzt den medialen Walled Garden von Facebook

Facebook (image by geralt [CC0] via pixabay)

Chris Sutcliffe kuratiert in seinem (wirklich empfehlenswerten) morgendlichen Media Briefing ein paar Stimmen aus der US-Medienbranche zum Redesign von Notes, mit dem Facebook scheinbar sein Feature zum Blogging fit machen möchte. Demnach möchte Facebook mit Notes vor allem dafür sorgen, dass es einen vermeintlichen Grund weniger gibt, die sich immer mehr nach außen abschirmende Plattform zu verlassen: einen Ort für längere und von Nutzern generierte Inhalte, denn auf dem kann Facebook auch gleich mehr Werbung anzeigen. Es geht, wie immer, nur ums Geld verdienen.

Ein Blogging-Tool für mehr als eine Milliarde Menschen

Besonders interessant ist die Motivation der Designer John Lax and Geoff Teehan, die schon für Medium verantwortlich waren, wodurch sich auf die offensichtliche Ähnlichkeit erklärt. In dem Statement, das bereits gestern in meiner ersten Einschätzung der Chancen von Facebooks Notes als Blogging-Plattform verlinkt war, betonen die beiden, dass es ein unglaublicher Reiz für sie war, ein Dienst für über eine Milliarde Menschen zu entwickeln.

Unabhängig von der Wahrscheinlichkeit, dass nahezu jeder Nutzer von Facebook ab jetzt auch nur mindestens einmal mit Notes etwas bloggen wird, ist die Motivation für den Wechsel zu Facebook nachvollziehbar. Mit Medium haben die Designer von Teehan+Lax bewiesen, dass sie einen Sinn fürs Blogging haben. Ein über Jahre vernachlässigten Dienst des wohl bekanntesten sozialen Netzwerks aufzupeppen, ist sicher eine interessante Aufgabe. Ich hätte mir eigentlich nur gewünscht, Google hätte sie für ein Upgrade von Blogger verpflichtet.

Facebook baut einen Walled Garden für Online-Medien

Facebooks Gründe sind aber andere, als seinen Mitgliedern in erster Linie einen verbesserten Dienst anzubieten, damit diese endlich auch auf Facebook bloggen können. Das von Mark Zuckerberg gegründete soziale Netzwerk hat immer nur ein einziges Ziel: Geld verdienen. Und diesem Ziel muss auch das Redesign von Notes dienen.

Mic Wright stellt die Aktion in seinem Artikel auf The Next Web deshalb auch in eine Linie mit anderen Vorhaben von Facebook, wie den Ausbau des Video-Bereichs, das Instant-Stories-Programm und den Streaming-Dienst namens Mentions. Notes ist nur die Ergänzung für längere Inhalte, vor allem wenn sie von Nutzern verfasst wurden, um die selbigen komplett auf der Plattform zu halten. Eigentlich fehlt nur noch eine Podcast-Funktion.

Mathew Ingram geht in seinem Beitrag auf Fortune den gleichen Gedanken nach und sieht im Versuch der Wiederauferstehung von Notes einen Kampf um das digitale Publikum, das nun nicht mehr zu Medium oder LinkedIn wechseln muss, um in einem sozialen Netzwerk einen längeren Gedanken zu veröffentlichen. Jacob Kastrenakes sieht das in seinem Beitrag auf The Verge genauso, genau wie Brian Barrett auf Wired, doch gehen alle drei Autoren davon aus, dass Facebook den vermeintlichen Vorteil eines größeren Publikums hat. Ein Irrglaube.

Die richtige Nische ist wertvoll, nicht die Masse

Die mehr als 1,4 Milliarden Nutzer von Facebook sind nicht das potenzielle Publikum, welches man als Blogger auf der Plattform erreichen wird. Zum einen weil die Masse dieser Menschen alles andere als homogen ist: sie haben unterschiedliche Interesse, sprechen unterschiedliche Sprachen und nutzen Facebook auf unterschiedliche Art und Weise. Ihr größter gemeinsamer Nenner ist wahrscheinlich der Konsum und meiner Meinung setzt Facebook auch genau darauf. Vor allem Medien und Unternehmen werden viel Geld ausgeben, um mit ihren Postings Reichweiten zu erzielen. Chefredakteure und Geschäftsführer werden eher mit Notes bloggen als Blogger und einfache Nutzer, die sich das nicht leisten können oder wollen.

Und das müssen sie auch nicht, besonders nicht die Blogger. Einen vermeintlichen Blog wie die Nachrichtensendung Tagesschau gibt es auch nicht, also die breite Masse der Bevölkerung ansprechenden Content. Die Nische hat ihren Wert, also das Publikum, das sich für den Content wirklich interessiert und diesen auch gezielt konsumiert. Qualität ist hier wichtiger als potenzielle Reichweiten, die wie schon gesagt eigentlich unrealistisch sind.

Selbst Netzpiloten.de, mit einer für ein deutschsprachiges Blog beachtlichen Reichweite, ist ein deutschsprachiges auf den digitalen Wandel fokussiertes Nischenblog. Und deshalb ist es für uns interessanter, ein Publikum mit genau diesen Eigenschaften – beherrscht die deutsche Sprache und interessiert sich für den digitalen Wandel – zu erreichen, als auf den Facebook Walls einer nicht an unseren Inhalten interessierten Masse zu erscheinen. Besonders wenn diese Reichweite demnächst nur noch gegen Bezahlung zugänglich ist, wie es neben der Anzeige von Werbung ein weitere Option für Facebook ist, Geld zu verdienen.


Image „Facebook“ (adapted) by geralt (CC0 Public Domain)


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Trotz Medium-Design wird Notes von Facebook kein Erfolg

Facebook (image by Simon [CC0] via pixabay)

Nach Jahren verpasst Facebook seinem niemals wirklich genutzten Blogging-Feature Notes ein schickes Design-Update, das nicht von ungefähr an Medium erinnert. Letztes Jahr verkündete die für Medium verantwortliche Design-Firma Teehan-Lax, dass sie sich Facebook anschließen wird. Einige Medien sehen in dem neu designten Dienst schon die vermeintliche Zukunft des Blogging, aber Blogger werden sich weiterhin hüten, direkt bei Facebook zu posten. Anders als die meisten Medien ist Unabhängigkeit für Blogger wichtiger und wirklich interessant ist Notes immer noch nicht. Es sieht jetzt nur schicker aus.

Erste Medium, jetzt Notes: Teehan-Lax

Vor vier Jahren wurde der Twitter-Mitgründer Evan Williams auf das aus Toronto stammende Design-Team Teehan-Lax aufmerksam. Sie sollten Williams sein nächstes Projekt, einen simpel gehaltenen Blogging-Dienst in dem das reine Blogging im Vordergrund steht, designen. Heute kennen wir dieses Projekt als Medium (unser Autor Jakob Steinschaden beantwortete zum Start der Plattform die wichtigsten Fragen zu Medium).

Inzwischen will Medium mehr als nur eine Plattform zum Blogging sein und schafft es, vor allem relevante Akteure außerhalb der Netzwelt als Autoren zu gewinnen, was es zu mehr als nur das schickeste Netzfeuilleton unserer Tage macht. Facebook hat dafür scheinbar sein Interesse am Blogging entdeckt und Teehan-Lax akquiriert, sein Feature Notes neu zu designen. Herausgekommen ist ein stark an Medium erinnerndes Blogging-Tool, das einen Nachteil hat: es ist ein Feature von Facebook.

John Biesnecker verfasste einen der ersten Blogpost mit Facebooks neu designtem Notes
John Biesnecker verfasste einen der ersten Blogpost mit Facebooks neu designtem Notes

Facebook baut Notes zum Blogging-Tool um

Notes sollte schon immer die Antwort von Facebook auf viele andere, wesentlich erfolreichere Publishing-Tools sein. Vor 2009 konnte man nur 160 Zeichen lange Meldungen absetzen, dann wurde das Zeichenlimit im März 2009 auf 420 Zeichen erhöht, im Juli 2011 dann auf 500 Zeichen, zwei Monate später sogar auf 5.000 Zeichen und seit November 2011 kann man sogar mehr als 60.000 Zeichen lange Beiträge veröffentlichen. Angenommen wurde der Dienst aber nicht. Persönlich habe ich Leute schon mit Twitlonger, Google+ und Evernote bloggen sehen, noch nie aber mit Notes auf Facebook.

Und das wird sich meiner Meinung so schnell auch nicht ändern, denn Notes kann wesentlich weniger als vergleichbare Dienste und die Entwicklung von Facebook lehrt uns, dass das an dieser Stelle gerne angeführte Reichweiten-Argument eine Täuschung ist. Perspektivisch werden auch Notes-Blogger sich Reichweite kaufen müssen. Und Facebook, das sich selbst verstärkt als Nachrichten-Plattform sieht, wird die viel Geld für Reichweite ausgebenden, traditionellen Medien stets bevorzugen. Facebook ist und wird kein Ort, an dem sich Blogger gerne aufhalten werden. Daran ändert auch kein Redesign von Notes.

Was Blogger wollen (und Notes nicht bietet)

Es gibt Blogger, die wollen einfach nur schreiben. Laut Brian Barretts Wired-Artikel über Notes sind das sogar wieder mehr Jugendliche, bei denen Blogging nach einer Dekade wieder beliebter wird. Sie werden Funktionen wie Embedding vermissen, denn in einem Beitrag bei Notes kann kein Video von YouTube oder Podcast von Soundcloud embedded werden. Und selbst wenn diese Feature kommen, bieten Blogging-Plattformen wie Medium, Tumblr und sogar Blogger mehr Möglichkeiten, sein Blog individueller zu gestalten. Und es sind eben nicht die Netzwerke, in denen sich jetzt schon unsere Eltern und Großeltern herumtreiben.

Andere Blogger wollen mit ihren Blogs Geld verdienen oder sich als eine Marke etablieren. Sie nutzen Blogs als Plattform für ihre digitale Identität, die mehr als nur das Profil bei Facebook ist. Sie wollen ihre Blogs um Funktionen ergänzen, die Facebook einem nicht bieten kann und mit den an Medium erinnernden Ansatz auch nicht bieten will. Meiner Meinung nach werden, ähnlich wie beim Facebook-Feature Mention, vor allem Unternehmen und Personen des öffentlichen Lebens, bzw. die ihre Profile betreibenden Agenturen, mit Notes bloggen. Notes ist nicht für uns Blogger und das ist wohl auch besser so. Es wäre sonst ein vom Start her schon peinlicher Versuch.


Teaser (adapted) by Foundry (CC0 Public Domain)

Image by Simon (CC0 Public Domain)


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#LessonLearned: Embedding von Videos, Fotos und Podcasts

Wie geht Embedding im eigenen Blog (Image by geralt [CC0 Public Domain], via Pixabay)

Durch das Embedding von Multimedia-Inhalten, also das „Einbetten“ von beispielsweise Videos, Fotos oder Podcasts, können eigene Beiträge interessanter gestaltet werden. Doch gerade diese für BloggerInnen praktische Funktion ist oft gar nicht bekannt, dabei bieten u.a. mit YouTube, Twitter, Facebook, Instagram und SoundCloud viele große Plattformen die Möglichkeit an, den Content von Dritten rechtssicher zu nutzen und in eigenen Beiträgen zu embedden.

Bei den Netzpiloten nutzen wir die Methode des Embedding von Multimedia-Inhalten, um in unseren Artikeln bestimmte Themen oder Aussagen weiterführend zu behandeln. Anstatt beispielsweise eine angesprochene Rede von jemanden Zitierten wiederzugeben, betten wir das Video der Rede ein, oder geben unseren LeserInnen, durch einen ein Thema behandelnden Podcast, auf unserer Seite die Möglichkeit, über unseren Text hinaus mehr zu erfahren. Hält man sich an die Regeln und achtet darauf, was für Inhalte durch Embedding genutzt werden, stellt dies keinen Rechtsverstoß dar.

Nachfolgend schildere ich für eine Auswahl an sozialen Netzwerken die Möglichkeit des Embedding von Inhalten (grundsätzlich ähnelt sich das Verfahren bei fast allen Plattformen):

1. Videos von YouTube

Embedding von YouTube-Videos im eigenen Blog

Unter jedem YouTube-Video findet sich die Option „Teilen“. Klickt man darauf, gibt es als zweite Möglichkeit das „Einbetten“ von Videos. Hier zeigt YouTube einen HTML-Code an, den man kopieren und in der HTML-Ansicht seines Blog-Editors einfügen kann. Unter der Vorschau des Videos können Nutzer zwischen verschiedenen Größen wählen, in denen das Video angezeigt werden soll oder eine benutzerdefinierte Größe nach den Maßen des eigenen Blogs festlegen. Dadurch können zum Beispiel in einem Beitrag besprochene Videos auch direkt in dem Artikel eingebetten werden, so dass die LeserInnen selber sehen können, ohne die Seite zu verlassen, was gemeint ist. So haben wir am Ende von Patrick Kiurinas Artikel über Slack, den Mitgründer und CEO Stewart Butterfield „selber zu Wort kommen lassen“.

2. Tweets und Videos von Twitter

Embedding von Tweets und Videos von Twitter im eigenen Blog

Während meiner Reise als ElbeBlogger habe ich viele Videos mit der Twitter-App aufgenommen und nach der Aufnahme getwittert. Wenn ich dann über das Erlebte bloggte, habe ich die Videos direkt bzw. die Tweets mit den Videos in den Artikel eingebaut. Ein gutes Beispiel dafür ist mein Artikel über die Elblotsen, in dem es viele kleine Twitter-Videos gibt (am Ende sogar ein Video von YouTube), die den Text perfekt ergänzen. Dazu öffnet man einen Tweet im Browser, klickt auf das Drei-Punkte-Menü und wählt „Tweet einbetten“ aus. Ähnlich wie bei YouTube kann dann ein HTML-Code kopiert und in der HTML-Ansicht des Blog-Editors eingefügt werden. Handelt es sich um ein getwittertes Video, kann dieses auch an sich embedded werden, es empfiehlt sich aber immer den Tweet (auch ohne Foto oder Video) zu embedden, da dann auch der Text angezeigt wird.

3. Fotos und Video von Instagram

Embedding von Fotos und Videos von Instagram im eigenen Blog

Beim Enbedding ähnelt Instagram in der Herangehensweise Twitter. Ist ein Bild oder Video im Browser geöffnet, kann man durch einen Klick auf das Drei-Punkte-Menü am unteren rechten Rand die Funktion des Embedding nutzen. Durch einen weiteren Klick auf den „Embed“-Knopf erscheint der HTML-Code, der wieder kopiert und dann in der HTML-Ansicht des Blog-Editors eingefügt werden kann. Wer in dem HTML-Code die passende Zeile zur Breitenangabe findet, kann auch selber den Code an die Maße des eigenen Blogs anpassen. Fotos und Video werden auf die gleiche Art und Weise eingebettet. Ich habe dies einmal für ein Videoformat genutzt, in dem ich dem Autor Tim Cole interviewte, seine Antworten als Instagram-Videos aufzeichnete und die veröffentlichten Videos hintereinander weg einbettete und nur noch die Fragen in Textform zwischen die Videos setzte.

4. Podcasts und Musik von SoundCloud

Embedding von Musik und Podcasts von SoundCloud im eigenen Blog

Musik nutzen wir (zumindest bis jetzt) auf Netzpiloten.de nicht, allerdings gerne mal einen Podcast oder die Audio-Aufzeichnung eines Interviews. Im Februar haben wir beispielsweise den Vorsitzenden des Bundestagsausschuss „Digitale Agenda“, Jens Koeppen, interviewt und die Aufzeichnung des Interviews auf SoundCloud veröffentlicht und dann die Datei dem Transkript des Interviews vorangestellt. Dazu muss die SoundCloud-Datei im Browser geöffnet und auf „Share“ gedrückt werden. Ähnlich wie bei YouTube wählt man jetzt die zweite Option, „Embed“, und bekommt den HTML-Code angezeigt, den man dann wieder kopieren und in der HTML-Ansicht des Blog-Editors einfügen kann. SoundCloud bietet einem noch die Wahl zwischen drei Größen des eingebetteten Players und noch kleine Individualisierungen, ähnlich wie auch YouTube.


Teaser & Image „Finger“ (adapted) by geralt (CC0 Public Domain)


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