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COWORK 2019: Momentum der Coworking-Szene

Das Bundesarbeitsministerium werkelt an einem Gesetz für Home Office und will eigentlich, dass Menschen sich aussuchen können, wann sie von wo ihrer Arbeit nachgehen. Traditionsunternehmen wie Otto und Siemens bauen ihren Mitarbeitern Arbeitsräume, in denen sie ohne feste Sitzordnung abteilungsübergreifend miteinander arbeiten und wollen damit Kollaboration und Agilität im Unternehmen verankern. Bürocenter wie WeWork, Rent24 und Design Offices stellen Kickertische und bunte Sofas vor die gläsernen Bürokästen und nennen dies Community und Zukunft der Arbeit. Im Fazit ist alles gut gewollt, aber dann nur schlecht gekonnt.

Wer das alles gut und vor allem aus vorgelebter Überzeugung kann, sind die Menschen in den Coworking Spaces. Am vergangenen Samstag trafen sich mehr als 150 von ihnen in Mannheim zur jährlich stattfindenden COWORK, einer Konferenz mit Barcamp zu den Themen Coworking und Neue Arbeit. Im Jahr 2015 war ich das erste Mal als Gast mit dabei, seit 2016 bin ich als Mitorganisator der Veranstaltung ehrenamtlich engagiert. Die deutschsprachige Coworking-Szene ist an sich noch sehr klein und auch jung, aber bereits hervorragend vernetzt. Jedes Jahr wächst die Gästeliste der COWORK und auch die Anzahl internationaler Gäste steigt stetig.

Es geht nicht bloß um die Büros.

In diesem Jahr überraschten mich aber zwei Sachen ganz besonders. Erstens, gefühlt die Hälfte der auf dem Barcamp angebotenen Sessions handelten von Coworking im ländlichen Raum. Jedes Mal, wenn wieder jemand eine Session rund um die Themen Rural Coworking, Workation, Arbeitsplätze für Pendler*innen oder Team Offsites vorschlug, applaudierte die Menge. Selbst die Politik hat in Bemühungen um gleiche Lebensverhältnisse, das Thema schon auf dem Schirm und scheint ein Faible für die gemeinsamen Arbeitsräume zu entwickeln. Zweitens, viele Themen des Barcamps drehen sich um die Professionalisierung von Coworking Spaces und neue Geschäftsgebiete.

Veranstaltungsort der COWORK 2019 war das Kreativwirtschaftszentrum C-HUB (Bild: Daniel Lukac für Startup Mannheim)

Coworking ist in aller Munde. Das war es schon länger, aber leider viel zu oft als reines Buzzword im Marketing. Inzwischen scheint aber verstanden worden zu sein, dass es bei Coworking Spaces um mehr als nur Büros mit WLAN, Tischen und Stühlen geht. Vor allem die Werte der Bewegung – Offenheit, Gemeinschaft, Zusammenarbeit, Zugänglichkeit und Nachhaltigkeit – sind prägende Elemente, mit denen sich Coworking Spaces von den bisherigen Büroanbietern unterscheiden können. Dazu können Themen kommen, wie einen Ort für Freelancer zu schaffen, Coworking für Frauen oder eben Coworking auf dem Land. Das Warum ist relevant.

Die Coworking-Szene lebt Neue Arbeit vor.

Damit zeigt die Coworking-Szene, dass sie selbst nicht nur ein Ort für Neue Arbeit ist, sondern selber die Ideen von Frithjof Bergmann momentan am besten vorlebt. In nahezu allen Punkt der aktuellen Debatten um die neue Arbeitswelt, haben Coworking Spaces im Kleinen bereits Antworten entwickelt und geliefert. Kein Wunder, dass uns der Stand der Diskussionen um New Work, Flexibilität, Selbstorganisation, Netzwerke, Innovation, Communities und Freiheit in der deutschen Wirtschaft eher verwundert, da sie so rückständig wirken. Die Szene hat ein Momentum, in dem sie die Entwicklung der neuen Arbeitswelt nachhaltig prägen kann.

Wir haben das schon einmal getan, wie Markus Albers in seiner Keynote auf der COWORK 2019 zeigte. Coworking, vor allem dessen Prinzipien, sind Teil der neuen Arbeitswelt. Bisher wurde jedoch nur alles Haptische kopiert. Wie jedoch wir als Coworking-Szene Communities betrachten, entwickeln und pflegen, wird in Zukunft noch relevanter werden. Diese Perspektive zeigte Anja C. Wagner in der zweiten Keynote des Eröffnungstages auf. Wir sollten wieder voranschreiten und in unseren Coworking Spaces eine Realität schaffen, die in den Unternehmen wie eine Utopie erscheint. Dadurch überzeugen wir am Ende die Menschen von der Kultur des gemeinsamen Arbeitens.

Coworking ist eine Kultur des Miteinanders.

Für mich bleibt eine wichtige Erkenntnis der diesjährigen Veranstaltung, dass unser Produkt nicht der Arbeitsplatz, sondern unsere Kultur ist. Coworking ist eine Kultur und kein Profitcenter der Immobilienwirtschaft. Diese Kultur ist unglaublich facettenreich. Die Räume sind dabei ein Instrument, dass uns hilft, etwas nach unseren Werten zu gestalten. Niemand betreibt einen Coworking Space des Arbeitens wegen. Wir wollen eine Umgebung schaffen, in der Menschen nicht alleine sind, in der Nischengruppen sich entfalten oder gesellschaftliche Minderheiten sich frei bewegen können. Wir wollen mit Hilfe von Coworking die Welt verbessern.


Graphic: Max Bachmeier

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Out of Office: Über den Wandel der Arbeit

Arbeit verändert sich. Automatisierung und Künstliche Intelligenz führen dazu, dass wir Menschen vielleicht bald gar nicht mehr arbeiten müssen. Oder was anderes machen und das dann Arbeit nennen. Vielleicht kommt es aber auch ganz anders, denn manchmal sind es gerade die Kleinigkeiten, die den Unterschied machen. Wie zum Beispiel die Elektrizität.

Als ich Ende Februar das Hamburger Museum der Arbeit besuchte, war diese Kleinigkeit kurz weg und schon ging kein Gerät mehr. Power is the new Wi-Fi, witzelt man gerne im Berliner St. Oberholz. An diesem Tag führte die Abwesenheit der Elektrizität dazu, dass ich kein Ticket für das Museum kaufen konnte und umsonst in die Ausstellung „Out of Office“ durfte.

Im dritten Stock der 1871 gebauten ehemaligen Fabrik der „New-York Hamburger Gummi-Waaren Compagnie“ in Barmbek, wird sich noch bis zum 19. Mai 2019 dem digitalen Wandel der Arbeitswelt angenommen. In 11 Stationen können sich Museumsgäste der Dimension der Veränderung und den damit einhergehenden Diskussionen unserer Gesellschaft widmen.

Wir sind mitten im Wandel – wie immer

1996 konnte der Schachweltmeister Garry Kasparov noch gegen den Schachcomputer „Deep Blue“ gewinnen, ein Jahr später schon nicht mehr. Die Maschine hatte den Menschen besiegt. Heutzutage nutzen wir Künstliche Intelligenz in Übersetzungsprogrammen, für bessere Bilder mit unserem Smartphone und auch, um besser von A nach B zu kommen.

Dies verändert nicht nur unsere Leben, sondern auch, wie wir arbeiten. Technische Entwicklungen gab es aber schon immer in der Arbeitswelt. Sie sind nicht neu und auch Technologien brauchen stets ein bisschen, bevor sie Alltag in Orten der Arbeit werden. Der Wandel, den wir momentan erleben, ist nur der Wandel unserer Zeit. Mehr auch nicht.

Bisher haben wir allerdings den sozialen Aspekten dieses Wandels nicht die Bedeutung eingeräumt, die sie haben. Dabei drehen sie sich vermutlich um die besten Antworten auf den Wandel, wie uns die Geschichte der Technik selbst lehrt. Die Antwort auf die Industrielle Revolution, der letzten großen Veränderung der Arbeitswelt, war nämlich der Sozialstaat.

Das Eisenwalzwerk (Moderne Cyklopen)“ von Adolph von Menzel, 1872 – 1875, Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin

Es braucht Orientierung im Wandel

Anstatt sich also am Technikdiskurs abzuarbeiten, wie das viel zu viele Panik-Bücher verkaufende Autor*innen gerne machen, bedarf es Orientierung in Zeiten des Wandels. Die Ausstellung „Out of Office“, die mit Adolph von Menzels „Das Eisenwalzwerk“ beginnt und mit Fragen nach nötigen Fähigkeiten in der neuen Arbeitswelt endet, schafft dies ganz hervorragend.

Die Ausstellung belehrt einen nicht, sondern schafft auf angenehme Weise, manchmal mit Anekdoten der technologischen Entwicklung, eine Wissensgrundlage zum Thema. Darauf aufbauend werden auch die gesellschaftlich relevantesten Fragen mitgegeben, die es zu klären gibt. Als ich da war, sah ich auch drei intensiv diskutierenden Schulklassen. Ein schönes Bild der Jugend.


Image: „Tagging Robot“ by Banksy, picture alliance, via Stiftung Historische Museen Hamburg)

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“Mobile Recruiting” – mit einem Wisch zum Traumjob?

mohamed_hassan - pixabay

Anschreiben formulieren, Lebenslauf überarbeiten, Zeugnisse scannen und professionelles Bewerbungsbild erstellen lassen. Der Weg zu einer soliden Bewerbung, wenn auch online versendet, beinhaltet noch immer viele Schritte. Doch ist dieser Prozess überhaupt noch zeitgemäß? Die Bewerbung per Smartphone verspricht Abhilfe. Aber wie genau verändert „Mobile Recruiting“ den Bewerbungsprozess und welche Vor- und Nachteile entstehen dabei für Privatpersonen und für Firmen?

Kaum ein Unternehmen setzt heutzutage noch auf Printanzeigen, wenn es um die Rekrutierung von neuem Personal geht. Stellenanzeigen in verschiedenen Online-Portalen gehören längst zum guten Ton im Personalmanagement von Unternehmen aller Art, ob Mittelständler oder Großkonzern. Doch nicht nur der Stellenmarkt, sondern auch der Bewerbungsprozess selbst steht dabei im Wandel der Digitalisierung. So versprechen zahlreiche Apps, den Bewerbungsprozess zu erleichtern, indem sie umfassend auf diesen vorbereiten oder gar versuchen ihn komplett zu erneuern. Vereinfachte Bewertungssysteme oder mit Hilfe von Algorithmen optimierte Auswahlprozesse sollen dabei helfen, Job und Bewerberin oder Bewerber noch besser aufeinander abzustimmen. Besonders die typischen Wünsche der Generation Y, wie beispielsweise Flexibilität, Mobilität und schnelle Informationsbeschaffung, erhalten dabei die Möglichkeit, endlich auch bei der Jobsuche Berücksichtigung zu finden.

Bewerbung per App – it’s a match!

Laut einer Studie der Hochschule Rhein Main und der Jobbörse Jobware benötigen die Hälfte aller Befragten noch immer zwischen ein und drei Stunden für eine Bewerbung. Zeitersparnis, das höchste Gut der Generation Y, steht deshalb im Vordergrund jeder App. Jobportale wie Monster.de oder Stepstone.de werben daher mit Kurzbewerbungen, die versprechen die Bewerbung mit einem Klick zu versenden. Gleichzeitig bekommen Unternehmen standardisierte Bewerbungen, die einfacher vergleichbar sind.

Die App „TalentCube“ geht einen Schritt weiter. Mit Hilfe von selbstgedrehten Kurzvideos soll das klassische Bewerbungsgespräch künftig bequem mit dem Smartphone von zu Hause geführt werden. Unternehmen erhalten die Möglichkeit, die App mit job- oder persönlichkeitsbezogenen Fragen zu füttern. Die Bewerberinnen oder Bewerber beantworten diese Fragen dann mit Hilfe von kurzen Videos, die sie selbst mit der Frontkamera ihres Smartphones drehen. Der Clou: Dabei erhalten alle nur einen Take, um die Fragen zu beantworten, so wird die Situation eines klassischen Bewerbungsgesprächs simuliert und simultan die Spontanität getestet. Keine Anreisekosten, keine Wartezeit und trotzdem ein persönlicher Eindruck der Jobanwärter. Ein Gewinn an Zeit und Effizienz sowohl für Jobsuchende als auch für die Personalabteilung, so zumindest die Hersteller der App.

Beim „Robot Recruiting“ entscheidet der Algorithmus

Nicht nur der Bewerbungsprozess, sondern auch das Auswahlverfahren selbst wird zunehmend durch moderne Technik optimiert. Beim sogenannten „Robot Recruiting“ liest nicht die Personalabteilung, sondern der Computer den Lebenslauf der Jobinteressenten. Dabei entscheidet ein Algorithmus, wer für den Job geeignet ist. Unter dem Deckmantel der fairen Bewertung gleicht der Algorithmus dabei ab, ob die für den Job geforderten Eigenschaften erfüllt sind. Welche Eigenschaften gefragt sind, entscheidet die Person, die den Algorithmus programmiert. Hard-Skills wie Sprachkenntnisse oder Jahre an Berufserfahrung sind dabei für die meisten Algorithmen selbstverständlich einfacher auszulesen als Soft-Skills, wie beispielsweise Teamfähigkeit. Trotzdem könnte ein transparentes Bewertungssystem frei von menschlichen Vorurteilen für ein Plus an Fairness auf dem Arbeitsmarkt sorgen, wenn auch (unter Umständen) auf Kosten des Bauchgefühls, das bisher noch in den meisten Unternehmen darüber entscheidet, wer wirklich ins Team passt.

Damit sind Algorithmen in der Lage, nicht nur unter Personen auszuwählen, die sich aktiv für den Job beworben haben, sondern auch selbständig in verschiedenen Netzwerken nach passenden Kandidatinnen und Kandidaten zu suchen. Welche Seiten wurden geliked, worüber wird gepostet und vor allem: wer verfügt über ein ausreichend großes Netzwerk? Wer kennt die führenden Köpfe der Branche? Ist eine passende Kandidatin oder ein passender Kandidat gefunden, bewirbt sich das Unternehmen bei diesen. Damit dreht sich der klassische Bewerbungsprozess und Unternehmen buhlen aktiv um ihr zukünftiges Personal. Setzt sich diese Form des „Robot Recruitings“ durch, bedeutet das, dass sowohl Firmen als auch Privatpersonen, ob auf der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle oder nicht, darauf angewiesen sind, Präsenz auf Online-Plattformen zu zeigen. Laufen damit alle, die nicht bereit sind ihre Daten online preiszugeben Gefahr, auf dem Arbeitsmarkt abgehängt zu werden?

Risiken und Nebenwirkungen

Um die Vorteile der Digitalisierung im Bewerbungsprozess langfristig nutzen zu können, gilt es nach offenen Baustellen in der aktuellen Entwicklung zu suchen. Die Suche danach beginnt mit der Zielgruppe. Die Generation Y, die gerade erste Schritte auf dem Arbeitsmarkt unternimmt, bewegt sich gewohnt intuitiv und damit problemfrei in digitalen Gewässern. Sie ist gewöhnt an schnelle Bewertungssysteme und kurze Kommunikationswege. Damit liegt ein naheliegendes Problem auf der Hand: Andere Generationen sind gewohnt an alte Bewerbungsprozesse und sind weniger präsent auf den entsprechenden Plattformen. Diese Beobachtung geht Hand in Hand mit der, über die Art der Jobs, die auf den neuen digitalen Pfaden wandern. Scheinbar naturgegeben erscheinen Sektoren, die ihr täglich Brot auf die eine oder andere Weise durch oder mit Hilfe von medialen Prozessen verdienen, offener für neue digitale Entwicklungen. Eine Stelle in einer Redaktion oder einer Marketing Abteilung wird daher potentiell eher Gebrauch von den neuesten Bewerbungstools machen, als ein Ausbildungsplatz in einer Autowerkstatt.

Eine weitere Herausforderung bietet der Datenschutz. Was passiert mit sensiblen Bewerberdaten nach dem Bewerbungsverfahren und wie erkläre ich dem Algorithmus, dass ich nicht möchte, dass meine Daten in autonomen Headhuntings Berücksichtigung finden? Letztendlich birgt die mobile Bewerbung damit die Gefahr, die gläserne Bürgerin oder Bürger zum Optimum des Bewerbungsmarktes zu erheben. Privates und Berufliches vermischen sich unwiderruflich, wenn auf sozialen Netzwerken nur noch das geteilt wird, was dem zukünftigen Arbeitgeber oder der zukünftigen Arbeitgeberin potentiell gefallen könnte. Wird der Arbeitsplatz zudem beispielsweise auf dem eigenen Profil angegeben, stellt sich außerdem die Frage, ob auf der entsprechenden Plattform noch als Privatperson agiert wird, oder doch als Repräsentant des Unternehmens.

Letztendlich erscheinen besonders kleine und mittelständische Unternehmen in Deutschland noch immer im Dornröschenschlaf hinsichtlich der Akzeptanz neuer Techniken. An innovativen Ideen, die versprechen den Bewerbungsprozess einfacher, transparenter und damit letztendlich effektiver zu machen mangelt es jedenfalls nicht. Denn die Bewerbung per Smartphone bietet nach wie vor viel Potential. Neben der Zeitersparnis stellt vor allem die objektive Bewertung einen großen, potentiellen Vorteil des Mobile Recruitings dar. Ob zwischenmenschliche Prozesse und das Recht auf Privatsphäre dabei jedoch genügend berücksichtigt werden, bleibt abzuwarten.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Politik-Digial


mohamed_hassan / pixabay

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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • iOS 12 t3n: iOS 12: Apple will, dass ihr eure iPhones weniger nutzt: Ab Montag findet in San José, Kalifornien die Worldwide Developers Conference 2018 statt. Apple soll auf dem Event wohl in einer Keynote iOS 12 ankündigen. Mit dem Software-Update sollen iPhone-Nutzer dazu angehalten werden, ihre Smartphone-Nutzung besser unter Kontrolle zu halten. Das neue Feature wird sich darum drehen nicht mehr Zeit am Smartphone zu verbringen, sondern weniger und gezielter. Am Montag wird in der Keynote bekannt gegeben, welche Features bis zum Release noch erwartet werden können.

  • GAMES welt: Dürfen Androiden aus Notwehr Menschen töten?: Mit „Detroit: Become Human“ wurde jetzt das neuste Spiel des Entwicklers Quantic Dream veröffentlicht. In dem düsteren Setting des Spiels sind Androiden die Sklaven der Menschen – sie müssen die schweren und unangenehmen Arbeiten der Menschen verrichten. Das dystopische Game wirft fragen über die Zukunft von künstlichen Intelligenzen auf und trifft den Zeitgeist. Die ganze Review zum Game könnt ihr bei Welt.de nachlesen.

  • ARBEIT politik-digital: Mit dem Turing-Bus durch die Arbeitswelten der Zukunft: Alan Turing war einer der einflussreichsten Theoretiker der frühen Computerentwicklung und Informatik. Die Gesellschaft für Informatik e.V. hat ihr mobiles, digitales Bildungsprojekt nach dem Urvater des Computers benannt – der Turing-Bus. Das Bildungsangebot reist unter dem Motto „Arbeitswelten der Zukunft“ zu Schulen, Jugendclubs und lokalen Institutionen in kleine und mittelgroße Städte in Deutschland. Heute, am 1. Juni, wird die zweite Station Rangsdorf angesteuert.

  • DIGITALISIERUNG gründerszene: Warum die Hypo-Vereinsbank ihre Digital-Pläne zurückdreht: Die Hypovereinsbank stellt Innovationsprojekte ein. Einst wurde beispielsweise der Einstieg beim Finleap-Startup Moneymap hoch angepriesen. Diese Beteiligung wurde jetzt allerdings verkauft. Damit hat die HVB binnen kurzer Zeit ihre beiden offenbar einzigen direkten Fintech-Beteiligungen abgestoßen. Wie kann es sein, dass sich eine der wichtigsten deutschen Banken aus ihren Fintech-Beteiligungen zurückzieht – während die übrige Branche, darunter inzwischen auch die Deutsche Bank, in die entgegengesetzte Richtung steuert?

  • KI handelsblatt: Merkel will Deutschland für KI-Forscher flexibler machen: Viele Forscher im Bereich der Künstlichen Intelligenz verlassen Deutschland. Die Kanzlerin möchte den Trend aufhalten. In einer Diskussionsrunde mit dem portugiesischen Ministerpräsidenten Antonio Costa äußerte sich die Kanzlerin, dass Deutschland in Sachen Digitalisierung und Zukunftstechnologien flexibler und wettbewerbsfähiger werden soll.

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Warum Design Thinking mehr als nur ein Buzzwort ist

Wie können wir herausfinden, was Kunden wollen? – Design Thinking! Wie testen wir, was die beste Unternehmensstrategie ist? – Design Thinking! Wie bekommen wir neue Ideen für unsere Marke? – Design Thinking! Egal was man mit seinem Unternehmen erreichen möchte, die Antwort scheint stets Design Thinking zu sein. Was steckt hinter dem Buzzwort und liefert es wirklich immer die besten Ergebnisse für Unternehmen?

Vom Startup bis zum DAX-Konzern, wer heutzutage nicht auf Design Thinking setzt, hat offensichtlich einen der größten Trends der Arbeit 4.0 verpasst. Allein auf Google liefert der Begriff mehr als 17 Millionen Ergebnisse. Wer in der modernen Arbeitswelt lebt, kommt offensichtlich um Design Thinking nicht herum. Warum eigentlich?

Design Thinking hat tatsächlich die Art und Weise, wie Unternehmen an Problemstellungen herangehen, komplett revolutioniert. Das Konzept wurde ursprünglich vom IDEOU-Institut der Universität Stanford entwickelt und hat seitdem die gesamte Arbeitswelt im Sturm erobert.

Das IDEOU-Institut erhält mittlerweile sogar so viele Anfragen zu dem Thema, dass die Mitarbeiter eine Verschnaufspause brauchen. Auf Nachfrage der Netzpiloten etwa hieß es vom Presseteam: „Wir haben das Glück, viele Anfragen zum Thema zu bekommen. Jedoch wurden mit Anfragen zu Touren und Interviews überschwemmt. Deshalb haben wir entschieden, dass es für uns jetzt wichtig ist, uns auf unsere Lehre und unsere Studenten zu konzentrieren.”

Wenn man sich einmal anschaut, welche Wellen das Konzept geschlagen hat, ist das verständlich.

Der Weg ist das Ziel

Design Thinking entstand ursprünglich im Silicon Valley, um Ingenieuren das Thema „Produktdesign” näher zu bringen. Der zentrale Ansatz dabei ist, sich nicht lediglich auf bestehende Informationen zu berufen, die man in der Vergangenheit gesammelt hat, sondern den Kunden der Zukunft im Blick zu haben.

Beim Design Thinking geht genau so sehr um Lösungen, wie um den Weg dahin. Daher wird Design Thinking als Prozess zur Lösungsfindung beschrieben. Dabei handelt es sich aber nicht um einen gradlinigen Prozess – vom Problem zur Lösung – sondern vielmehr um einen Kreislauf.

Dieser erfolgt in mehreren Schritten. Je nach Design-Thinking-Schule sind das vier, fünf, sechs oder sogar sieben unterschiedliche Phasen. Dazu gehören:

    • Empathie mit den Nutzern
    • Definition der Nutzerwünsche und -probleme und der eigenen Einsichten
    • Ideenfindung: Hier werden bestehende Annahmen hinterfragt, um so innovative Lösungen zu erhalten
    • Prototyp: Lösungen entwickeln
    • Testen: Die Lösungen werden in der Praxis getestet

Danach beginnt der Prozess wieder von vorne.

Um wirklich innovative Lösungen zu erhalten, arbeiten Teams interdisziplinär und ein wenig nach der Chaos-Methode. Dazu gehören kreative Ansätze wie Mind-Mapping und spielerische Herangehensweisen wie das Basteln von Prototypen. Kurz gesagt, es darf und soll sogar bunt und verrückt sein. Denn lineares Schwarz-Weiß-Denken fühlt selten zu Innovation.

So hat Design Thinking als Methode zur kreativen Lösungsfindung mehrere Vorteile. Erstens bietet der Fokus auf den Kunden eine nutzerfreundlicheren Ansatz. Zweitens ist es durchaus hilfreich, verkrustete Prozesse in einem Unternehmen aufzubrechen und so Raum für neue, kreative Ideen zu schaffen. Drittens können so Lösungen ausprobiert und konstant verbessert werden, anstatt jahrelang an der perfekten Lösung zu arbeiten, die Nutzer am Ende möglicherweise gar nicht wollen oder brauchen. Auch Fehler können so viel schneller erkannt und behoben werden.

Design Thinking bringt Unternehmen dazu divers und kreativ zu arbeiten

Warum gerade jetzt so viele Unternehmen Design Thinking in ihre Arbeit integrieren, erklärt Falk Uebernickel, Professor am Design Institut der Universität St. Gallen: „Früher waren Probleme kompliziert, heute sind sie komplex. Während man früher Fachexperten brauchte, um ein Problem zu lösen, muss das Team heute interdisziplinär sein, damit man die ganze Vielschichtigkeit eines Problems verstehen kann. In vielen Unternehmen wird dieser Gedanke der Interdisziplinarität und Agilität jedoch noch nicht gelebt. Design Thinking bringt Unternehmen dazu, Projekte bewusst in möglichst diversen Teams mit unterschiedlichsten Fähigkeiten zu erarbeiten.“

So erfolgreich die Methode für viele vielschichtige Probleme sein kann, so sehr ist das Konzept auch zum Buzzwort geworden. Auch Falk Uebernickel hat das beobachtet: „Der Grund dafür ist, dass oftmals zu viel in die Methode rein interpretiert wird. Das schadet sowohl Design Thinking, als auch den Unternehmen. Ich beobachte zum Beispiel, dass die Methode für jegliche Art von Problemstellungen herangezogen wird, obwohl sich manchmal mit einem klassischen V-Modell bessere Problemlösungswege erarbeiten ließen.“

Darüber hinaus hinterfragt Design Thinking oftmals die komplette Struktur einer Organisation. Darauf sind nicht immer alle Unternehmen vorbereitet, wenn sie die Methode einführen. Deshalb sollte Design Thinking nach Ansicht von Uebernickel stets von Experten begleitet werden.

Falk Übernickel – Image by Marinela Potor

Design Thinking kann mehr

Dann kann die Methode zu wirklich spannenden Ergebnissen führen. So hat das Institut für Design Thinking der Universität St. Gallen in seiner 15-jährigen Arbeit nicht nur mit Studenten, sondern auch mit Unternehmen zusammengearbeitet und dabei zum Beispiel bereits vor acht Jahren eine Kreditkarten-App entwickelt, als ein solches Konzept noch völlig futuristisch klang.

Eine weitere Erfolgsgeschichte war die Zusammenarbeit mit einem deutschen Pharmakonzern, wie Falk Uebernickel berichtet: „Wir haben eine App entwickelt, die Patienten mit Multipler Sklerose dabei hilft, ihre Übungen zum Erhalt der Muskelkraft mühelos in ihren Alltag zu integrieren. Aus einer Datenbank kombiniert die App ein Bewegungsprogramm für die Patienten, angepasst an den jeweiligen Schweregrad der Erkrankung.“

Solch erfolgreiche, kundennahe Produkte wären ohne Design Thinking sicherlich nicht entwickelt worden. Genau das macht die Methode für sämtliche Unternehmen, vom Startup bis zum Konzern so spannend. Auch wenn Design Thinking sicherlich keine Lösung für sämtliche Probleme in einem Unternehmen liefern kann und soll, ist es dennoch mehr als nur ein Buzzwort.

Dennoch stellt sich die Frage: Wenn jeder das Konzept nutzt, kann es wirklich noch innovativ sein? Ja – glaubt Falk Uebernickel. Richtig angewendet, kann Design Thinking seiner Meinung nach ein leistungsstarkes Werkzeug sein und Mitarbeiter innovativer machen: „Letztendlich geht es bei Design Thinking nicht darum, dass das Konzept innovativ ist. Jeder Mitarbeitende sollte Design Thinking verstehen, damit sich sein Potenzial zur Innovationsfähigkeit bestmöglich entfalten kann. Wenn Design Thinking als Methode seine Innovativität verliert, wir im Gegenzug jedoch die Innovativität eines jeden Mitarbeitenden hinzugewinnen, dann steht wahrer Innovation nichts im Weg.“


Images by Marinela Potor

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Destination Check: HR Future Day 2018

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Die Human Ressource Abteilungen in Medienhäusern müssen seit Beginn der Digitalisierung verschiedene Herausforderungen bewältigen. Die Akademie der Deutschen Medien hat dieses Jahr den HR Future Day in Kooperation mit Bommersheim Consulting abgehalten und die aktuell interessantesten Themenfelder diskutiert.

New Work, Employer Branding, HR-Tech, HR-Strategien und Personalentwicklung im digitalen Medienhaus. Mit diesen Themenfeldern hat die Akademie der Deutschen Medien den HR Future Day 2018 angeteast. Und das hat geklappt. Viele Interessenten aus dem Medienbereich haben den Weg ins Literaturhaus München angetreten. Hier haben sie Lösungen für die verschiedensten Herausforderungen ihres Arbeitsalltags gefunden. Ansätze für diese Lösungen sollten die Speaker der Konferenz bringen.

Hier haben die Veranstalter einen Hochkaräter nach dem anderen aufgefahren. Haufe Group, Bertelsmann, TU München, Google Germany, Axel Springer und ProSiebenSat.1 Media. In kurzen Spotlight-Sessions wurden außerdem Gründer von Startups eingeladen, die den Teilnehmern interessante Entwicklungen im HR-Bereich näher gebracht und die Arbeit ihrer Unternehmen erklärt haben. Für WhatsBroadcast war zum Beispiel der Head of Content, Jo Lenz, auf dem HR Future Day. In seiner Session wurde klar, was für eine unglaubliche Power in Messengerdiensten steckt. Außerdem wurde besprochen wie man diese zum Recruiting junger Talente nutzen kann. Hier wurde schnell ein Gespräch zwischen mehreren Teilnehmern gestartet, die ihre Erfahrungen im Recruiting über Messenger teilten und so anderen Lösungen für Probleme mitgeben konnten.

Nah am Mitarbeiter sein

Die einzelnen Speaker haben über verschiedene Themenfelder im HR-Bereich gesprochen. Als Fazit konnte man am Ende jedes Panels allerdings heraushören, dass es immer darum geht, wirklich nahe am Mitarbeiter zu sein. Mária Heydebreck ist HR Business Partner Tech bei Google Germany und gab den letzten Vortrag vor der Mittagspause. Google setzt verstärkt auf Transparenz. Zudem will Google dem Mitarbeiter zeigen, dass im Unternehmen Information kein Machtsymbol sei. Jede Woche findet Donnerstag (TGIAF) oder Freitag (TGIF) der Google Livestream statt. Jeder Mitarbeiter kann diesen Livestream von überall verfolgen und wird über die News der vergangenen Woche informiert.

Von Bertelsmann war Dr. Nico Rose auf dem HR Future Day 2018. In seinem Vortrag setzte er die Konzentration auf positive Psychologie im Arbeitsalltag. Mitarbeiter müssen den Sinn in ihrer Arbeit erkennen und von den Führungspositionen die nötige Anerkennung bekommen. Das ist für Nico Rose der Treiber des Unternehmenserfolgs.

„One size fits all“ wird aussterben

Prof. Dr. Isabell Welpe von der TU München sieht in der richtigen Organisation von New Work den zukünftigen Erfolg der digitalen Medienhäuser. Unternehmen müssen Bewerbern die Chance geben alternative Arbeitsmöglichkeiten zu bieten. Also zum Beispiel im Homeoffice von überall arbeiten zu können. „One size fits all“ wird laut Prof. Dr. Welpe in naher Zukunft aussterben. Auch beim letzten Vortrag, der von Yvonne Riedel gehalten wurde, hört man diesen Ton heraus.

Yvonne Riedel ist Head of Employer Branding bei der ProSiebenSat.1 Mediengruppe. Für sie ist klar: Young Talents müssen sich nicht mehr bei Unternehmen bewerben, sondern Unternehmen bei den Talents. Sie gab den Teilnehmern des HR Future Days mit, dass, wenn man Geld investiert, muss das auf jeden Fall in die Karriereseite fließen! Die perfekte Präsentation ist essentiell, um Bewerber anzuziehen.

Wir waren vom diesjährigen HR Future Day begeistert und fanden die Speaker der Vorträge und Spotlight Sessions sehr interessant. Wie Veranstalter, Speaker und Teilnehmer den HR Future Day wahrgenommen haben, könnt ihr in den folgenden Statements sehen.


Teilnehmer: Dominic Bönisch, Gründer und Geschäftsführer von Joblocal GmbH


Wie ist dein Eindruck vom HR Future Day?

Gutes Spektrum an Referenten und Themen, die von wissenschaftlichen Blickwinkeln, wie Dr. Nico Rose oder Prof. Dr. Welpe bis hin zu konkreten Case Studies am Beispiel Google oder P7S1, gereicht haben. Innerhalb eines Tages konnte man so verschiedensten Input für die eigene HR-Strategie aufsammeln und spart sich das „Vor-Recherchieren“ der eventuell infrage kommenden Themen. Die Veranstaltung ist ein guter Auftakt, um die Themen zu selektieren und dann gezielt zu vertiefen. Super war auch der Austausch mit den Referenten.

Welcher Vortrag war dein Highlight und warum?

Dr. Nico Rose mit seinem „Return on Sinnvestment“ hat mir tolle Gedankenanstöße gegeben, die ich bereits eine Woche später in unserem Managementworkshop umsetzen konnte (zum Beispiel KAARMA für Führungskräfte).

Hat dir etwas gefehlt, oder hättest du über ein bestimmtes Thema gerne mehr gehört?

Working out loud. Gibt es hier Case Studies zur erfolgreichen Umsetzung?!

Würden Sie den HR Future Day weiterempfehlen?

Ja! Definitiv!


Veranstalter: Leonie Rouenhoff, Akademie der Deutschen Medien


Was ist euer Fazit von der Konferenz?

Wir sind begeistert! Der HR Future Day war ein voller Erfolg! Das Programm aus Strategievorträgen und Fallbeispielen von HR-Experten aus der Verlagsbranche, digitalen Vorreitern und Wissenschaftlern ist bei den Teilnehmern sehr gut angekommen. Und das ist natürlich unser schönster Erfolg. Die Diskussion gemeinsamer Fragestellungen rund um die Themen New Work, Employer Branding und HR-Tech und auch der Blick über den Tellerrand auf andere Branchen haben das Event ausgemacht!

Was war euer Highlight?

Die Highlights waren die innovativen Vorträge mit interaktiven Elementen. Schön, dass sowohl interessante Erfolgsbeispiele, aber auch harte Lessons Learned geteilt wurden. Ein Highlight waren natürlich auch die Teilnehmer aus der Medien-, aber auch aus anderen Branchen, die HR-Innovation in ihren Häusern vorantreiben. Es wurde rege mitdiskutiert. Das war eine tolle Atmosphäre, hier im Literaturhaus. Intensiver Austausch und Networking!

Was erwartet ihr vom nächsten HR Future Day?

Was wir erwarten? Die Verlagsbranche befindet sich im stetigen Wandel. Wir hoffen daher, dass sich der HR Future Day inhaltlich so spannend weiterentwickelt wie in den letzten Jahren. Und dass sich der Austausch zwischen den verschiedenen Branchen, zwischen Unternehmen und Startups weiter intensiviert.


Image by Akademie der Deutschen Medien; (adapted) by Nils Hansen

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Brexit und das Recht auf Arbeit für Asylbewerber in Irland

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Die Hauptnachrichten des irischen Fernsehsenders RTE werden seit Beginn des Jahres nicht etwa deshalb Minute für Minute analysiert, weil auf einmal knallharter Journalismus zu bewundern wäre. Nein, der Fokus gilt dem neuen Duo vor der Kamera. “Anchorman” war gestern. RTE hat “Anchorwomen”. Zuletzt war es ein Mann und eine Frau, die gemeinsam die Sendung präsentierten. Bis sich die Frau darüber beschwerte, dass ihr Kollege mehr verdiente.

Die Diskussion bei RTE ward losgetreten. Der Mann wechselte zu RTE Radio, die Frau wurde zu den Spätnachrichten weggelobt. Nun geht alles davon aus, dass die beiden Frontfrauen natürlich beide gleich viel verdienen. Auch, dass das Gehalt natürlich auf Augenhöhe mit dem liegt, was ein Mann verdienen würde. Statt Geld wird nun gezählt, welche der beiden Damen öfter links am Pult sitzt und welche öfter rechts. Das ist ja wichtig. Denn die neue, revolutionäre Art der Anmoderation, dass beide am Anfang vor der Kamera stehen, war schon nach einer Woche nicht mehr so wichtig.

Ist es nicht egal, wer wo sitzt?

Meiner Meinung nach ist es generell vollkommen unwichtig, wer wo sitzt, wenn Beiträge anmoderiert werden. Ich kriege nur die Krise, wenn zwei Beiträge willkürlich im Programm auftauchen, ohne Zusammenhänge aufzuzeigen. Jüngstes Beispiel: Zwei Veranstaltungen, bei denen es um Jobs ging. Um Jobs im Zeitalter von Brexit. Um Jobs in Irland. In Irland, dem Land der Auswanderer. Dem Land, das fast schon einen Kult um seine eigenen Migranten betreibt. Und wenn der erste dieser Migranten fast 20 Jahre nach Auslaufen seines Visums von Trump’s Immigrations-Schergen des Landes verwiesen und heimgeschickt wird, dann ist das Geschrei so groß wie die Pressemeute, die sich zum Empfangs-Kommittee für den verlorenen, deportierten Sohn hinzugesellt. Aber zurück zu den Jobs und den beiden Veranstaltungen.

Unsicherheit darüber, wie Brexit tatsächlich aussehen wird, herrscht nicht nur bei denen, die die Sache angestoßen haben. Also bei der britischen Regierung. Unsicher fühlen sich auch viele Arbeitnehmer. Egal ob britische Staatsbürger oder EU-Bürger. Das gilt für fast alle Sektoren, außer vielleicht für Immigrations-Beamte. Aber im Londoner Tech-Sektor ist die Unsicherheit auf jeden Fall zu spüren. Somit machte es für die Macher von “Tech Life Ireland” absolut Sinn, eine Jobbörse in London zu veranstalten. Diese war, wenn man sich den betreffenden Bericht bei RTE anschaute, hervorragend besucht.

Berechtigte Sorgen

Fast 20 Firmen reisten mit Jobangeboten an und mit neuen Kollegen – oder besser gesagt erst einmal mit deren Zusagen – wieder ab. In ein paar Wochen oder höchstens Monaten müssen sich die Neurekruten keine Sorgen mehr um Brexit machen. Nein, Sorgen muss man sich eher um bezahlbaren Wohnraum machen. Denn sowohl Hypotheken als auch Mieten sind hier schon wieder so hoch – wenn nicht gar höher – wie im Boom. Und der Crash, der dem Boom folgte, ist schon wieder vergessen.

Da viele sich die immer weiter steigenden Mieten nicht leisten können, steigt die Zahl derer, die nach Rauswurf durch Vermieter in Notunterkünften enden, immer weiter an. Und mit der Zahl derer, die auf neue, normale Unterkünfte warten, die gar nicht so schnell gebaut werden können, wie sie gebraucht werden, steigt leider auch die Zahl derer, die die Schuld bei Unschuldigen suchen. Wie anders ist es zu erklären, dass die Angst vor dem “Faktor Anreiz im Zeitalter von Brexit” als Begründung dafür herhalten muss, dass das Urteil des höchsten irischen Gerichts, welches Asylbewerbern das Recht auf Arbeit gewährt, ignoriert und eben jenes Recht stark eingeschränkt wird.

Einschränkungen und Demonstrationen

Es geht um Asylbewerber, die seit Jahren in Aufnahmelagern leben. Und die sich vor allem mittels Arbeit nicht nur selber ernähren. Sondern es geht auch um die, die sich auch integrieren wollen. Womit wir bei der zweiten Veranstaltung zum Thema Jobs wären, die bei RTE im gleichen Programm lief. Nachdem eine Taskforce der irischen Regierung nach dem Urteil des Supreme Courts zum Recht auf Arbeit für Asylbewerber so reagierte, dass starke Einschränkungen gemacht wurden, fanden in mehreren Städten Demonstrationen statt, die sich gegen die Beschränkungen richteten. So muss ein neuer Job zum Beispiel mindestens mit 30.000 Euro vergütet werden und viele Jobs sind ausgenommen.

Dass dazu zum Beispiel auch Jobs für gut ausgebildete Ingenieure gehören, war anhand der Plakate so mancher betroffener Asylbewerber offensichtlich – “Ich möchte als Bau-Ingenieur arbeiten.” – dass solche Einschränkungen in einem Land gelten, das in London nach Fachkräften sucht, macht so gar keinen Sinn. Was Sinn machen würde, wäre wenn der Taskforce zumindest ein Arbeitgeber-Vertreter angehört hätte.

Noch ist es aber nicht zu spät

Es besteht noch die Möglichkeit, dass die Regierung Vertreter des Arbeitsministeriums mit Vertretern von Arbeitgebern im Einzugsgebiet von Asylbewerber-Heimen an einen Tisch bringt und Listen mit Anforderungen an Bewerber erstellt. Außerdem besteht noch die Möglichkeit, die Mitarbeiter des Arbeitsministerium danach diese Listen mit Asylbewerbern abgleichen zu lassen. Und Nein – ich sage nicht, dass jeder davon ein Coder oder ein Ingenieur ist. Aber jeder Einzelne, der so vermittelt werden kann, hilft hoffentlich ein bisschen, den Schreiern, die Asylbewerber als Schuldige sehen, das Maul zu stopfen. Und RTE hat auch noch die Möglichkeit, nicht nur einen Beitrag über solch gelungene Beispiele von Integration ins Programm zu nehmen. Sondern auch Kontext herzustellen, vollkommen egal, wer in welcher Position den Beitrag anmoderiert.

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Urlaub machen beim Arbeiten, arbeiten im Urlaub

Lily - stock adobe com

Work… was? Wer nach „Workation” im Internet sucht, landet höchstens beim Slang-Lexikon. Denn der Begriff, zusammengezogen aus den englischen Wörtern „work” (Arbeit) und „vacation” (Urlaub), ist noch relativ neu. Gemeint ist damit eine Kombination aus Arbeit und Urlaub. Hier tauscht meist das gesamte Team den drögen Bürotisch gegen einen Laptop am Strand. Willkommen in der Arbeitswelt der Millennials!

Es ist nicht verwunderlich, dass gerade diese Generation das neue Arbeitskonzept erfunden hat. Millennials sorgen sich um ihre Work-Life-Balance wie keine andere Generation vor ihnen. Sie erwarten von ihrem Job viel mehr als nur eine finanzielle Stütze. Sie wollen sich durch ihre Arbeit selbst verwirklichen. Die Welt verändern und dabei auch noch Spaß haben. Dass das alles wirklich möglich ist, zeigt das Konzept der Workation.

Warum das Homeoffice nicht an den Strand verlegen?

Denn mit der zunehmenden Digitalisierung der Arbeitswelt, können immer mehr Aufgaben vom Computer aus online erledigt werden. Damit sind nicht nur Freelancer und digitale Nomaden gemeint, die grundsätzlich ihre Arbeit über das Internet erledigen. Auch in klassischen Unternehmen ist die ständige Anwesenheit am Arbeitsplatz kein Muss mehr. Meetings können per Videochat abgehalten, Briefings über E-Mail und Cloudtechnologien verteilt werden. Auch der Kundenservice läuft vielerorts auf Social-Media-Kanälen. Warum also nicht das Homeoffice noch einen Schritt weiter denken? Das Büro am Wohnzimmertisch oder im Nachbarscafé mit einem Coworking-Space in Thailand austauschen?

Was zunächst nach einer billigen Ausrede klingt, um vom Chef einen zweiten Jahresurlaub zu bekommen, hat in der Praxis viele Vorteile für das Team, die Kunden und das Unternehmen. Zum einen führt eine Workation das Team näher zusammen. Logisch: Wenn die Mitarbeiter nicht mehr um Punkt 17 Uhr getrennte Wege gehen, schweißt das zusammen. Vielmehr teilen sie sich beispielsweise während ihres Arbeitsurlaubs ein Zimmer oder navigieren gemeinsam durch eine fremde Stadt. Oder sie gehen nach Feierabend alle miteinander an der Strandbar chillen. Hierdurch entsteht ein ganz anderes Teamgefühl. Das Miteinander wird intensiver, man lernt sich intensiver kennen und – so die Theorie – arbeitet damit auch besser zusammen.

Studien belegen: Arbeiten in der Sonne macht Mitarbeiter produktiver

Darüber hinaus bietet ein neues Arbeitsumfeld auch völlig neue Inspiration. Das liegt eigentlich auf der Hand. Neues Land, neue Umgebung, neue Menschen, neue Kultur. All das regt die Kreativität auch im Arbeitsumfeld zwangsläufig an. Neue Ideen für den Job können da förmlich sprudeln. Unternehmen versprechen sich deshalb von einer Workation nicht nur besseren Teamgeist, sondern auch neue Impulse für das eigene Business. Nach einer Studie von Inc Magazine arbeiten Angestellte sogar produktiver, wenn das Arbeitsumfeld mehr Flexibilität zulässt.

Ein weiterer Pluspunkt ist das Networking. Denn die meisten Unternehmen wählen international beliebte Coworking-Spaces als Büros für ihre Workation. Hier hat das Team die Chance, neue Kontakte aus aller Welt zu knüpfen und so ein neues Netzwerk zu bilden, was vom heimischen Büro aus gar nicht möglich wäre.

Ach so, und da wäre auch noch der Faktor „Sonne”. Eine wissenschaftliche Untersuchung unter 444 Angestellten hat gezeigt, dass Sonne bei der Arbeit für glücklichere, entspanntere und ausgeglichenere Mitarbeiter sorgt.

Was, wenn nicht jeder zur Workation möchte?

Die Argumente klangen auch für Jenny so überzeugend, dass sie als Head of People & Culture beim Interior-Design-Startup 99chairs gemeinsam mit ihrem Kollegen Michael gleich eine Präsentation für das Unternehmen ausarbeitete. Tenor: Das Team von 99chairs sollte unbedingt während des grauen Berliner Winters seine Koffer packen und auf in die gemeinsame Workation starten. Gerade in einem Unternehmen, dass eine neue Art von Büro verkauft, bietet sich so ein Eigenexperiment schließlich an.

Einige Wochen später sitzt Jenny im Coworking-Space Greenpoint in Kapstadt. Sie kann während des WhatsApp-Gesprächs mit den Netzpiloten gar nicht aufhören, von der Sonne, dem Strand und der tollen Landschaft in Südafrika zu schwärmen. Einen Monat ist das Team schon hier, die Workation ist bis Ende Februar angesetzt. Sie glaubt, dass die Entscheidung zur Workation die richtige war. „Es gab natürlich auch viele kritische Fragen zur Workation-Idee. Zum Beispiel die Frage nach der Effizienz oder dem Kundenservice”, erzählt sie im Gespräch. „Es wollten auch nicht alle Kollegen mit. Manche wollten nicht die vollen zwei Monate aus Berlin weg.” Wenn man bedenkt, dass so manch einer möglicherweise die Familie zwei volle Monate allein zurücklassen müsste, ist das absolut nachvollziehbar.

Für all das hat das Team letztendlich Lösungen gefunden. Wer nicht mitwollte, hält derzeit im Berliner Büro die Stellung. Wem zwei Monate zu lang erschienen, konnte den Aufenthalt beliebig verkürzen. Wer lieber in einem Einzelzimmer wohnt, konnte dies tun, erklärt Jenny. „Es ist natürlich verständlich, dass am Anfang viele Fragen und auch Ängste da sind. Wir machen dies ja zum allerersten Mal. Wir fanden aber auch, dass die Workation eine tolle Chance für das Team sein könnte und haben deshalb gesagt, dass wir es lieber probieren wollen, statt aus Angst abzusagen.”

„Überrascht, wie produktiv wir arbeiten“

Insgesamt haben sich 25 von 60 Mitarbeiter dazu entschieden, nach Südafrika zu fliegen. Flug und Unterkunft mussten sie selbst bezahlen, den Coworking-Space zahlt das Unternehmen.

Bisher mit vorwiegend positiven Ergebnissen, sagt Jenny. „Wir waren sehr überrascht, wie produktiv wir arbeiten. Dadurch, dass wir hier nicht das typische Büroumfeld um uns und damit weniger Ablenkung haben, gehen wir ganz gezielt an die Arbeit und sind am Abend erstaunt, wie viel wir geschafft haben.” Sie findet ebenfalls, dass die Zusammenarbeit im Team sich stark gebessert hat.

Tafelberg; Image by 99chairs
Auf dem Tafelberg; Image by 99chairs

Die Theorie zu den Vorteilen einer Workation scheint sich bei 99chairs also in der Praxis zu bestätigen. Was ist aber mit den zurückgebliebenen Mitarbeitern? Schmollen die im nasskalten Berlin, während es sich das halbe Team in der südafrikanischen Sonne gutgehen lässt? Genau das war anfangs auch die Befürchtung von Jenny. „Wir wollten am Anfang bei unseren Videokonferenzen gar nicht so viel von Kapstadt und all unseren Erlebnissen erzählen, um den heimischen Kollegen nicht vor den Kopf zu stoßen. Dann haben die Kollegen in Deutschland aber gemerkt, dass sie sich ausgeschlossen fühlten, und zu wenig von uns und unserer Zeit hier mitbekommen und sie gerne mehr an unserer Workation teilhaben möchten.”

Also hat das Team kurzerhand eine Officekamera im Coworking-Space in Kapstadt aufgestellt und so winkt man sich während des Arbeitstages über 13.000 Kilometer Entfernung virtuell zu und bleibt stets in Kontakt. „Wir haben einfach gemerkt, dass gerade auf die Distanz hin die visuelle Kommunikation extrem wichtig ist und wirklich sein muss.” So sind sie auch auf die etwas ungewöhnliche Idee eines Tele-Wine-Wednesdays gekommen. Nach Feierabend sitzten die Mitarbeiter im Berlin mit einem Glas Wein im Büro, während die Workationer in Kapstadt das gleiche tun – und so gemütlich beim Weinchen miteinander plauschen.

Wenn der Chef plötzlich eine Badehose trägt

So toll das alles klingt, so kommen einem doch auch Zweifel auf, ob das wirklich alles so hervorragend läuft, wie alle behaupten. Was ist, wenn der Kollege-Zimmergenosse einem tierisch auf den Keks geht? Auf Abstand gehen ist auf einer Workation schließlich nicht so gut möglich. Und wie ist das eigentlich mit dem Respekt, wenn der Chef plötzlich in der Badehose vor den Mitarbeitern steht? Jenny lacht: „Wir haben unsere Gründer schon öfter in Badehosen gesehen! Wir waren ja schon vor dieser Workation auf gemeinsamen Trips in Prag, Frankreich oder Spanien. Das ist also kein Problem. Uns sind ohnehin flache Hierarchien wichtig, sodass der gegenseitige Respekt nicht verloren geht, nur weil man gemeinsam Kajak fährt.”

Workout; Image by 99chairs
Workout; Image by 99chairs

Tatsächlich kamen die Zweifel an dem Sinn und Zweck der Workation für das 99chairs-Team aus einer ganz anderen Richtung. In Südafrika angekommen, wurde ihnen erst klar, dass im Land Wasserknappheit herrschte. Nun hatten sie also erst einen nicht gerade klimafreundlichen Flug hinter sich. Angekommen stellten sie nun auch noch fest, dass sie knappe Ressourcen verbrauchten. Kurzzeitig überlegte das Team sogar deswegen, die Workation wieder abzubrechen. Doch nach einiger Recherche beschlossen sie, aus der Not eine Tugend zu machen. Die Mitarbeiter bekamen Tipps zum Wassersparen. Das Team fand ebenfalls eine Webseite, mit der jeder, der wollte, für den Klimaschutz spenden konnte. Auch wenn sie Ausflüge machen, achten sie darauf, dass sie faire oder ökologisch verantwortliche Touranbieter wählen. Sicherlich sei das aber in Zukunft ein Aspekt, auf den man stärker achten werde, sagt Jenny.

Einige Fragen sind noch zu klären

Offen ist, ob es denn zu einer weiteren Workation bei 99chairs kommen sollte. Denn so viel Spaß das Team auch hat, sobald alle wieder zurück in Deutschland sind, soll ausgewertet werden, ob die Workation wirklich so positiv gelaufen ist, wie erwartet. Wurden die Kunden nicht vernachlässigt? Ist das Arbeitspensum gleich geblieben? Sind tatsächlich neue, kreative Impulse dazugekommen? „Das alles kann man natürlich jetzt noch nicht sagen”, gibt Jenny zu. „Wir sehen dies erstmal als Pilotprojekt an und schauen dann im Anschluss, ob und wie wir das wieder machen.”

Das ist auch der Grund, weshalb sie sich auch erstmal lieber auf die nahe Zukunft konzentriert. In den nächsten Tagen hat das Workation-Team schließlich viel vor. Wandern, Museumsbesuche, Restaurants ausprobieren, ein Besuch im Open-Air-Kino und ein Angus & Julia Stone Konzert stehen auf dem Programm.

Workation entwickelt sich zum eigenen Geschäftsfeld

Doie vielfältigen Aktivitäten haben die Mitarbeiter von 99chairs übrigens komplett selbst zusammengestellt – von der Buchung der Unterkunft bis hin zum Tagesausflug. Das ist die eine Möglichkeit, eine Workation zu organisieren. Das Konzept wird derzeit aber gerade in der jungen internationalen Startup-Szene so beliebt, dass es auch immer mehr professionelle Anbieter gibt, die spezielle Workation-Pakete für Freelancer und Unternehmen anbieten.

Surf Office mit Sitz in Lissabon und auf den Kanarischen Inseln kombiniert zum Beispiel das Urlaubsfeeling am Strand mit Coworking, Workation und – wie der Name schon sagt – Surfen. Nomad House wiederum legt den Fokus auf nicht nur sonniges und entspanntes, sondern vor allem auf konzentriertes und zielstrebiges Arbeiten für Startups. Das Workation-Angebot von Refuga möchte Unternehmen mit thematischen Programmen, wie Frauen-Workations oder einem Ökofarmprogramm in Italien anlocken.

Es haben sich auch schon einige Hotspots für Workations herausgebildet, die nicht überraschend auch einige der Lieblingsaufenthaltsorte von digitalen Nomaden sind. Dazu gehören Chiang Mai in Thailand, Medellín in Kolumbien sowie Ubud auf Bali oder auch Lissabon.

Noch ist dies sicherlich ein Nischenmarkt. Aber es ist sicherlich nur eine Frage der Zeit, bis auch größere Unternehmen die Vorteile des Konzepts erkennen und auf den Workation-Wagen aufspringen.


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Images by 99chairs


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Im #NewWorkTrain: Grenzenlose Arbeit

ICE_4_Berlin_Hauptbahnhof_(3)

Wie wir arbeiten, sagt viel über unsere Vorstellungen zu Leben aus. Arbeit nimmt eine derartig wichtige Bedeutung in unserer Gesellschaft ein, dass man an ihr sowohl unsere Fähigkeiten als auch unsere Grenzen ablesen kann. Sie verrät viel über unsere heutige Zeit. Mein Opa erzählte mir einmal, dass es in dem altmärkischen Dorf, in dem er als Jugendlicher aufgewachsen ist, eine ältere Frau gab, die angeblich noch niemals dieses Dorf verlassen hatte. Ihr ganzes Leben, ihre ganze Arbeitswelt, spielte sich in diesem einen Dorf ab. Ein Darüberhinaus gab es nicht.

Diese Realität der Frau ist erst wenige Jahrzehnte her. Die ersten Computer waren bereits erfunden. Heutzutage passen wesentlich weiterentwickelte Geräte in unsere Hosentasche. Mit modernen Verkehrsmitteln sind die Städte dieses Landes besser miteinander vernetzt und in kürzerer Zeit zu erreichen als vielleicht früher noch das nächste Dorf. Man könnte meinen, dass die Welt kleiner geworden ist. Dies stimmt aber nicht, die Welt ist noch so groß und weit, wie sie es eh und je war. Durch moderne Technologien ist sie nur näher aneinandergerückt, einfach enger vernetzt.

Die Arbeitswelt von morgen: Vernetzt und dezentral

Meine Realität sieht heutzutage eher so aus, dass ich frühmorgens in Berlin in einen ICE steige und in eine andere Stadt fahre, um von dort zu arbeiten. Manchmal muss ich zu einem Kunden, Mal eine Veranstaltung besuchen oder ich möchte einen Menschen für den persönlichen Austausch treffen. Ab und zu geht es mir auch nur um das persönliche Vergnügen, einfach woanders zu sein. Städte wie Hamburg, Hannover oder Leipzig sind manchmal von Berlin aus schneller zu erreichen als von Friedrichshain in den Wedding zu kommen.

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Mit der Fahrplanumstellung der Deutschen Bahn Mitte Dezember startet der neuen ICE 4 in den Regelbetrieb. Die Fahrtzeit kann hier und in anderen ICE sowohl Arbeitszeit als auch Erholung sein. Die vorbeirauschende Landschaft hilft mir gleichermaßen zu entspannen als auch in meinen Flow einzutauchen und produktiv von unterwegs zu arbeiten.

Dank des kostenlosen WLAN im Zug, sind große Hürden des mobilen Arbeitens genommen. Dazu kommen mit den nagelneuen ICE 4 weitere Vorteile: Die neuen Züge verfügen mit der Multiprovider-Technik über die neueste WLAN-Technologie. Das System greift während der Fahrt auf die jeweils schnellsten Datennetze – LTE, 3G – zu und bündelt die Kapazitäten der Netzbetreiber. So werden höhere Datenvolumina verarbeitet. Dadurch erhalten im Zug arbeitende Reisende wie ich eine schnellere und stabilere WLAN-Verbindung.

Steckdosen für Strom waren schon länger ausreichend in ICE-Zügen vorhanden, nun kann aber die Fahrtzeit online verbracht werden. Der neue ICE 4 verspricht zusätzlich mehr Stauraum und einsehbare Gepäckablagen, ein innovatives Beleuchtungskonzept mit tageszeitabhängiger LED-Lichtsteuerung, Reservierungsanzeige und Sitznummern als Digitalanzeige in den Kopfstützen, Rückenlehnen, die beim Verstellen nicht den Hintermann stören, sondern in die Sitzschale gleiten, neuartige Klimaanlagen – kurz vieles, was das Arbeiten im Zug noch komfortabler macht.

Im Gegensatz zum Flugzeug ist der Zug damit sowohl das umweltfreundlichere Verkehrsmittel als auch besser für die mobile Arbeit geeignet. Mit fünf Zügen ist der ICE 4 mit dem Fahrplanwechsel am 10.12.17 auf den Strecken Hamburg – München und Hamburg – Stuttgart unterwegs. Die ICE-4-Flotte wird bis 2023 auf insgesamt 119 Züge wachsen. Der Anteil des ICE 4 an der im gesamten ICE-Netz angebotenen Sitzplatzkapazität beträgt dann mehr als 40 Prozent. Die neue Zuggeneration wird damit das Rückgrat des Fernverkehrs bilden.

Der ICE 4 wird zum idealen New Work Train

Für meinen Opa erscheint meine Art zu arbeiten, nur mit einem Laptop im Zug sitzend ständig herumzufahren, immer noch nicht ganz real. Inzwischen arbeiten aber bereits rund die Hälfte der deutschen Arbeitnehmer mobil, wie der freie Autor Markus Albers auf dem „New Work Train“-Event der Deutschen Bahn Anfang September erklärte. Mit dem eigenen Smartphone, so Albers, habe man ja all das, was früher ein Büro ausmachte, inzwischen stets mit sich. Passenderweise fand diese Veranstaltung in einem von Hamburg nach Kassel fahrenden ICE 4 statt.

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Die neu errungenen Freiheiten in der modernen Arbeitswelt, die Individualisierung dieser, führt dazu, dass Arbeit kein Konzept mehr ist, dass an Ort und Zeit gebunden ist. In immer mehr Berufen können sich Menschen aussuchen, wann und wo sie arbeiten wollen. Sebastian Sooth von der DB mindbox, dem Berliner Innovationslab der Deutschen Bahn, erklärte auf der gleichen Veranstaltung, was dies für Pendler bedeutet. Der Arbeit muss nicht mehr hinterhergezogen werden, man kann wohnen, wo man möchte und von unterwegs arbeiten – frei und selbstbestimmt.

Vernetzt und dezentral arbeiten zu können, nimmt stetig zu. Wichtig dafür ist eine Unternehmenskultur, die derartige Freiheiten den Mitarbeitern ermöglicht und für ortsunabhängige Arbeit ausgelegte Prozesse. Die technischen Grundlagen sind bereits vorhanden. Selbst ein ICE 4 ist inzwischen ein rollendes Büro. Noch mehr Orte müssten, wie der ICE 4, den Bedürfnissen der modernen Generation entsprechen und den neu gewonnenen Freiheiten auch Raum bieten. Arbeit muss Ausdruck von Selbstverwirklichung sein und nicht nur der Ausdruck der eigenen Grenzen.


Image (adapted) „ICE 4 Berlin Hauptbahnhof (3)“ by Andre_de (CC BY-SA 4.0)

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Die Zukunft der Arbeit könnte weiblich sein

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„Frauen können die Gewinnerinnen des digitalen Wandels werden, wenn wir es klug anstellen“, sagte Andrea Nahles 2015 auf der Konferenz zur Geschlechtergerechtigkeit der Internationalen Association for Feminist Economics (IAFFE) in Berlin – damals noch als Arbeitsministerin. Hat sie damit Recht? Ist die Zukunft der Arbeit weiblich?

Neue Jobmodelle, neue Möglichkeiten für Frauen

Nach Ansicht von Nahles liegen die Chancen für Frauen in der Arbeit 4.0 vor allem in der Digitalisierung. Diese verändert zum Einen die Art und Weise wie wir arbeiten. Das Internet und Cloud-Technologien führen zum Beispiel dazu, dass wir nicht mehr immer und jederzeit physisch am Arbeitsplatz sein müssen. Vieles wird heutzutage, statt im Büro, im Homeoffice erledigt. Resultate seien wichtiger als Anwesenheit, sagte Nahles.

Das gilt natürlich nicht nur für Frauen, jedoch könnte gerade dieser Wandel vor allem Frauen den Zugang zur Arbeitswelt erleichtern. Während sie bisher vielleicht zwischen Kind und Karriere wählen mussten, können sie nun beides ohne große Kompromisse haben.

Darüber hinaus verändern sich durch die Digitalisierung ebenfalls die Berufsbilder für Frauen. Während zum Beispiel Krankenschwester ein typischer Frauenberuf war, wird diese Arbeit wahrscheinlich bald komplett von Robotern erledigt. Das gäbe Frauen aber auch „ganz neue berufliche Perspektiven auf gut bezahlte, gut abgesicherte Industriearbeitsplätze“, sagt Nahles.

Ganz ähnlich sieht dies auch die prämierte US-Unternehmensberaterin und Digitalisierungsxpertin Cheryl Cran. Sie sieht ebenfalls in neuen Jobmodellen eine große Chance für Frauen. Denn Frauen können ihrer Meinung nach durch Freelancing, Homeoffice oder Telearbeit nun problemlos Familie und Job miteinander vereinen. Tatsächlich ist ein steigender Anteil der Freiberufler in den USA weiblich. Nach Zahlen der National Association of Women Business Owners wagen ebenfalls viele Frauen den Schritt in die Selbstständigkeit und gründen eigene Unternehmen. So wurden 9,1 Millionen US-Firmen von Frauen gegründet, die zusammen beinahe 8 Millionen Menschen beschäftigen.

Auch Männer seien nicht mehr bereit, 14-Stunden-Tage zu schieben und suchen einen bessere Work-Life-Balance. Jobsharing-Modelle, in denen sich Männer und Frauen eine Managerposition teilen, seien gar nicht mehr so selten. Auch renommierte Tech-Unternehmen wie Facebook oder Tesla suchen laut Cran händeringend qualifizierte Frauen für Spitzenpositionen.

Roboter geben Frauen mehr Muskelkraft

In einem Kommentar für die irische Onlinepublikation Siliconrepublic.com geht Cheryl Cran sogar noch einen Schritt weiter. Sie behauptet: Gerade die sogenannten Soft Skills – Kommunikationsfähigkeit, Empathie, Emotionale Intelligenz – die Frauen ihrer Meinung nach von Natur aus mitbringen – werden in Zukunft viel mehr gefragt als „männliche“ Arbeitsweltattribute wie Wille, Entschlossenheit, Egoismus und Aggressivität. Cran glaubt zwar, dass in Zukunft eine Kombination aus männlichen und weiblichen Attributen gefragt sein wird, doch dabei haben Frauen ihrer Meinung nach einen Vorteil: „Frauen werden erfolgreich sein in einer Zukunft, in der Jobs, die früher physische Stärke erforderten – Bau, Produktion, Landwirtschaft -, durch Roboter verbessert werden.

Sprich: Frauen haben nicht nur Vorteile aufgrund ihrer natürlichen Eigenschaften, sie können nun auch Jobs ausüben, die ihnen bisher aus rein physischen Gründen verwehrt waren. Cran nennt das Beispiel einer Roboter-Rüstung, die in Japan in der Pflege genutzt wird. Diese kann man sich als Mensch überziehen und damit die eigene Muskelkraft verstärken.

Auch die Soziologin Christiane Funken sagt in ihrem Buch „Sheconomy“: Die Arbeitswelt der Zukunft ist weiblich. Allerdings zögert die Wissenschaftlerin, dies wie Cran auf angeborene Eigenschaften zurückzuführen. Vielmehr stellt sie klar: „Frauen werden traditionellerweise auf Fähigkeiten hin erzogen, die der Arbeitsmarkt dringend braucht.“ Da Frauen also in vielen Kulturen eher dazu erzogen werden, diplomatisch, zurückhaltend, zuvorkommend, freundlich und schon gar nicht aggressiv zu sein, könnte ihnen dies in einer Arbeitswelt, die genau diese Eigenschaften verstärkt, sucht und fördert, zugute kommen.

Neue Chancen gibt es nur dann, wenn Frauen sie nutzen

Doch ganz so rosig, wie die Expertinnen die Zukunft sehen, ist sie nicht. Nur weil Frauen neue Chancen haben, bedeutet dies nicht, dass sie diese auch nutzen werden. Frauen haben zum Beispiel mehr Angst vor der Digitalisierung als Männer. Nach einer Umfrage des Markt- und Sozialforschungsinstitut Ipsos misstrauen Frauen dem digitalen Wandel mehr als Männer.

Markus Grabka vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) glaubt sogar, dass Frauen die großen Verlierer der Digitalisierung sein werden. Seiner Ansicht nach werden Tätigkeiten wie Verkauf, Terminpflege und Organisation oder Dienstleistungen in der Gastronomie in Zukunft zu 80 Prozent von Robotern ausgeführt. Das sind aber genau die Jobs, die aktuell mehrheitlich von Frauen ausgeübt werden.

Während Expertinnen wie Cran oder Funke hier eine neue Möglichkeit sehen, warnt Grabka vor dem besonders hohen Risiko auf Jobverlust für Frauen. Tatsächlich ist der Arbeitsalltag derzeit für Frauen nicht gerade rosig – trotz Digitalisierung. Die DGB-Studie „frau geht vor“ hat beispielsweise ermittelt, dass Frauen schwierigere Arbeitsbedingungen als Männer beklagen. 52 Prozent der Frauen, aber nur 43 Prozent der Männer klagen über höhere Arbeitsbelastung, mehr Kontrolle, Überwachung und Stress. Das zeigt auch, dass die Macho-Kultur in Unternehmen immer noch verbreitet ist, auch in Start-ups.

Auch wird der Kampf um begehrte Arbeitsplätze härter, und es ist nicht anzunehmen, dass Männer sich in Zukunft weniger um gute Jobs bemühen werden.

Nicht alle Männer sind machtgierige Egoisten

Bei der ganzen Debatte ist es aber auch nicht unbedingt förderlich, grundsätzlich alle Männer als machtbesessene Egoisten darzustellen und alle Frauen als hilflose Opfer. Denn es ist nicht notwendigerweise die Schuld der männlichen Kollegen, wenn der Arbeitsplatz keine Flexibilität bietet, um das Kind morgens in die Kita zu bringen oder am Nachmittag abzuholen – was übrigens auch Väter tun. Klar ist: Wenn sich mit dem digitalen Wandel Unternehmensstrukturen nicht verändern und sich besser an aktuelle Lebensweisen von Männern UND Frauen anpassen, verlieren am Ende alle.

Deswegen betont Sheconomy-Autorin Christiane Funken auch, dass es ihr nicht darum geht, Frauen gegen Männer aufzuspielen. Vielmehr sei es so, dass Geschlechterrollen sich ohnehin immer mehr verschieben und verändern. Männer wollen genau so mehr Freizeit haben oder Zeit mit der Familie verbringen wie Frauen.

Das bestätigen auch Zahlen des Zukunftsinstituts in einer Untersuchung zum „Female Shift“ in der Arbeitswelt. Demnach glauben 65 Prozent der Männer, dass beide Elternteile gleichberechtigt für die Kindererziehung verantwortlich sind. Oft gehen Wunsch und Realität noch auseinander, doch immerhin nimmt bereits jeder vierte Mann in Deutschland Elternzeit in Anspruch. Frauen wiederum nehmen Machtpositionen selbstbewusster an als noch vor 20 Jahren. So birgt die Arbeitswelt der Zukunft idealerweise nicht mehr Chancen für Männer oder für Frauen, sondern für alle.


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Das Atelier als New Work-Gegenkonzept

Art studio with wall graffiti (adapted) (Image by Matthieu Comoy [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Der Bildungsethiker Christoph Schmitt beschäftigt sich in seinem neuen Buch „Digitalisierung für Nachzügler: Einsichten eines digitalen Immigranten“ mit der Frage, wie wir es schaffen können, die alten Bilder von Arbeit und Beruf in unseren Köpfen zu überschreiben. „Sie preiszugeben, um offen zu werden für völlig neue Ansätze, Erlebnisse, Erfahrungen und Erkenntnisse. Wir setzen uns unerwarteten Entdeckungen aus, die durch einen glücklichen Zufall möglich werden.“

Zufallsbegegnungen

Also das von Niklas Luhmann erprobte Verfahren „Serendipity“ – etwas zu finden, was man gar nicht gesucht hat. Man begegnet einem unbekannten Thema und wird davon magisch angezogen. Schmitt beschreibt seine MOOC-Erlebnisse – seine Expeditionen in Massive Open Online Course-Formaten – etwa das von Anja C. Wagner organisierte Leuchtfeuer-Projekt.

Unzählige beeindruckende Videos dokumentieren, wie viele ’neue Räume‘ des Lernens und Arbeitens es quer über den Planeten schon gibt: Coworking Spaces in total unterschiedlichen Ausprägungen, Makerspaces in allen Formen; wie die entstanden sind und sich etablieren. Was ihnen wichtig ist: nach welchen Werten sie arbeiten.

Neue Räume für digitale Kultur

Es gehe um neue Räume, die im Kontext der Digitalisierung so wichtig sind. Und diese physischen Umgebungen sollte man anders gestalten, um auch die Ökonomie im Ganzen zu verändern. „Klassisch hierarchische Strukturen – also annähernd 100 Prozent der KMU und Konzerne – ersticken Coworking im Keim. In solchen Monokulturen gedeiht Coworking nicht, weil hier das Querdenken und Querarbeiten strukturell verhindert wird“, schreibt Schmitt. Das klassische Modell der Arbeitswelt wird dominiert von Belohnung und Bestrafung, von Kontrolle und Reglement – das genaue Gegenteil von Coworking und Kollaboration.

Klassische Organisationen kann man nicht revolutionieren

„Oft höre ich, dass sich doch auch in traditionellen Kulturen einzelne Schollen bilden und sich quasi unter der Oberfläche (‚unterm Schirm‘) klammheimlich vernetzen können und die Orga von unten her revolutionieren. Mit solchen Hypothesen positionieren sich im Moment vor allem klassische Consulting-Anbieter, die aus der zunehmenden Hilflosigkeit auf den Chefetagen Profit schlagen. Die Annahmen hinter diesem ‚Coworking light‘ funktionieren aber nicht“, konstatiert Schmitt. Und er hat recht. Was mit Begriffen wie Industrie 4.0 oder New Work beschrieben wird, kaschiert nur die alte industriekapitalistische Organisationsform, die fast alle Volkswirtschaften auf unserem Planeten dominieren. Der überkommene Taylorismus der Massenfertigung bekommt nur einen digitalen Anstrich. Nach wie vor sind die Lebens- und Arbeitswelten nach funktionalistischen Prinzipien auseinandergerissen.

New Work-Berater kaschieren die alte Arbeitswelt

Da können New Work-Berater herumlabern, wie sie wollen: Man muss aus diesem Käfig ausbrechen: „Menschen und ihre Ideen entwickeln sich aus solchen Organisationen hinaus und bilden neue Netzwerke. Überall – nur nicht in der Organisation selbst“, so die Erkenntnis von Schmitt. Für den Ausbruch hat Schmitt eine gute Metapher ins Spiel gebracht: Das Atelier. „Der Begriff stammt aus dem Französischen und steht für Werkstatt. Und ein Atelier ist noch mehr: Es ist der Arbeitsplatz eines Kreativen, beispielsweise die Werkstatt einer Künstlerin oder eines Fotografen, oder auch eine Produktionsstätte wie beim Filmatelier. Es ist auch ein Ort der Selbstinszenierung und der Ausstellung. Das Atelier ist ein Ort, an dem Menschen zugleich leben, arbeiten, lernen, wo sie ihre Produkte oder Dienstleistungen präsentieren und verkaufen. Ein Atelier birgt Werkstatt und Schaufenster in einem. Wohnen, leben und arbeiten wachsen hier zusammen… Hier verweilen Menschen und kommen miteinander ins Gespräch.“

Nachhause kommen

In der Vorstellung von Schmitt ist das Atelier in seiner ganzen Vielfalt die Art und Weise, wie Lernen und Arbeiten sich in Zukunft verbinden werden: Lernen als Kunst, als Lebenskunst, als eine Kunst des Entstehens von Leben. Leben und Lernen als Kunst. Die Kunst, das Leben zu entfalten als Lernvorgang.

Im Interview auf dem Watson Summit in Luzern verweist Schmitt auf die Initiative „Neustart Schweiz“ mit dem Motto „Nachhause kommen“. Diese Atelier-Ideen sind der wahre Katalysator für New Work. Und heute haben wir gegenüber den Ateliers im 18. oder 19. Jahrhundert einen entscheidenden Vorteil: Wir können lokal tätig sein und uns dennoch die ganze Welt erschließen. Das Notiz-Amt ist davon überzeugt, dass man mit der Idee des Ateliers eine neue Form der digitalen Kultur begründen kann, jenseits von aseptischen Glasfassaden-Büros und dem Optimierungswahn von Effizienz-Einpeitschern.


Image (adapted) „Art studio with wall graffiti“ by Matthieu Comoy (CC0 Public Domain)


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Die Netzpiloten sind Partner der OPEN!2017

Partnergrafik_Open

Seid dabei bei der Konferenz für digitale Innovation: Bei der OPEN! könnt ihr alles über Erfolgsfaktoren und innovative Ansätze der Open-Bewegungen für Unternehmen und Organisationen erfahren. Unter dem Motto „Offene Kultur in Zeiten künstlicher Intelligenz“ findet die OPEN! dieses Jahr am 6.12. 2017 im Geno-Haus in Stuttgart statt.

Dieses Jahr geht es bei der Konferenz rund um das Thema künstliche Intelligenz: Nach den Keyotes werden in drei parallelen Panels die Themen „Virtual Reality und künstliche Intelligenz – Chancen für den Kultursektor?“,„Künstliche Intelligenz und die Zukunft der Arbeit – Utopie oder Dystopie?“ sowie „Kreativität als Grenze lernender Systeme?“ dikutiert. Zudem wird durch ein Showroom mit interaktiven Exponaten und Präsentationen die Möglichkeit gegeben, digitale Innovation anzufassen und auszuprobieren.

Im Fokus stehen vor allem die Vernetzung und der Austausch: Unter dem Titel „Kl@Future Work“ läd die OSB Alliance im zweiten Teil zu einem World Café ein. Hier können sich die Teilnehmer zu diesem Thema aus technischer, rechtlicher sowie gesellschaftlicher Perspektive mit Experten austauschen.

Neugierig geworden?

Dieses Jahr wird die Konferenz von der MFG Innovationsagentur Medien- und Kreativwirtschaft Baden-Wüttenberg, in Kooperation mit der Open Source Business Alliance und dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst in Baden-Württemberg veranstaltet.

Unter den Referenten werden unter anderem der Philosph, Publizist und Autor Prof. Dr. Richard David Precht erwatet sowie Dirk Helbing, Professor für Computational Social Science am Department für Geistes-, Sozial- und Politikwissenschaften und Mitglied des Informatikdepartments der ETH Zürich.

Sichert euch noch heute Tickets! Weiter Informationen zum Programm und Keynotes findet ihr außerdem hier.

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Selbstverwirklichung – ein Versprechen an die Frauen?

Frau(adapted)(Image by Free-Photos [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Erst letzte Woche hatte meine Mitbewohnerin mit ihrem Freund Schluss gemacht. Eine Trennung ist nie leicht, das wissen wir alle. Somit hatte ich sie auch nicht ihre Freiheit zelebrierend und tanzend auf dem Tisch erwartet. Doch anstatt dass sie auch nur einen Funken Erleichterung empfand, wurde sie die nächsten Wochen von Ängsten geplagt. Der Grund: Sie war 27 – und Single.

Man könnte nun natürlich argumentieren, dass Frauen heutzutage im Zuge der Emanzipation selbstständig Kinder großziehen können und somit nicht mehr abhängig vom Mann sind. Dass dieser Wandel jedoch nicht nur in den Köpfen, sondern auch im gesellschaftlichen System noch nicht angekommen ist, lässt sich nicht nur an meiner Mitbewohnerin erkennen.

Die Aussichten für alleinerziehende Mütter sind nicht rosig

Denn auch andere Ergebnisse sprechen Bände: Nach dem Statistischen Bundesamt ist in 9 von 10 Fällen der alleinerziehende Elternteil die Mutter. Dabei gilt mehr als ein Drittel aller Alleinerziehenden als arm. Alleinerziehende Mütter verdienen zudem deutlich weniger als alleinerziehende Väter – das liegt vor allem daran, dass das männliche Pendant zweimal so häufig in Vollzeit arbeitet.

Die Fürsorgearbeit ist immer noch Aufgabe der Frauen

Dieser Unterschied lässt sich auch darauf zurückführen, dass trotz des Aufrüttelns der Rollenbilder seit den 90er Jahren, die Fürsorgearbeit Aufgabe der Frauen bleibt. Familiäre Angelegenheiten sowie unbezahlte häusliche Arbeit stehen Größenteils in ihrer Verantwortung, während die vergütete Erwerbsarbeit weiterhin von den Männern übernommen wird. Für Frauen, die einer Erwerbsarbeit nachgehen wollen, scheint eine Doppelbelastung unausweichlich. Viele Frauen verzichten daher auf eine Vollzeitstelle oder gehen erst gar nicht arbeiten, wodurch ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt erheblich verschlechtert werden.

Zusammenfassen kann man also sagen, dass Frauen aufgrund der Fürsorgearbeit öfter in Teilzeit oder befristeten Verhältnissen arbeiten – und somit im Schnitt deutlich weniger verdienen als Männer. Um genau zu sein, verdienten Frauen nach dem unbereinigten Gender Pay Gap im Jahr 2016 22 Prozent weniger als ihre männlichen Pendants. Alleinerziehende Mütter, die sowieso unter der Vereinbarkeit von Beruf und Familie leiden, treffen diese Umstände besonders hart.

Erfolg für die Männer – Selbstverwirklichung für die Frauen?

Unser Arbeitsleben hier in Europa dauert im Durchschnitt 34,5 Jahre. Es scheint somit nicht verwunderlich, dass der Beruf für viele als identifikationsstiftend gilt und die Arbeit für die Selbstverwirklichung genutzt wird: Neben den täglichen Besorgungen und Verpflichtungen beibt kaum noch Zeit, Interessen nachzugehen, die diese Aspekte erfüllen könnten. Doch sind Frauen und Männer im gleichen Maße von dieser Entwicklung betroffen?

Wirft man einen Blick auf die Situation der Männer, so hat sich zumindest was die Fürsorgearbeit betrifft, seit den 90er Jahren nicht viel geändert: Männer sind immer noch überwiegend die Brotverdiener und üben bestenfalls ihr Leben lang einen Beruf aus, der auch ihre privaten Interessen widerspiegelt. Dabei ist ihnen vor allem der Erfolg bei der Arbeit wichtig, denn ihre persönliche Zufriedenheit hängt stärker von der beruflichen Stellung ab als bei Frauen.

Wenn für Männer somit der Erfolg bei der Arbeit an erster Stelle steht – bleibt dann die Selbstverwirklichung für die Frauen? Sie könnte jedenfalls eine attraktive Chance darstellen, die eigenen Wünsche und Interessen in den Vordergrund zu stellen, die bei der Kindererziehung lange Zeit zu kurz kamen.

Wandel muss her

Die Fürsorgearbeit der Frauen hat somit Auswirkungen auf viele Komponenten: Sie beeinflusst nicht nur den Gender Pay Gap und stellt für viele alleinerziehend Mütter eine erhebliche Herausforderungen dar, sondern könnte beispielsweise auch ein Grund sein, warum Frauen selten in Führungspositionen zu sehen sind – Selbstverwirklichung kann schließlich auch der einfache Wunsch sein, einen Beruf zu finden, der mit der Familie gut zu vereinbaren ist.

Trotzdem sollten wir uns daran erinnern, dass wir im Jahr 2017 leben – und Männer genauso wichtig für die Kindererziehung sind wie Frauen. Somit sehe ich es auch als die Aufgabe unserer männlichen Gegenüber, die Möglichkeit, länger und öfter als bisher als Elternteil zuhause zu bleiben, wahrzunehmen, um einen Wandel voranzutreiben.


Image (adapted) „Frau“ by Free-Photos (CC0 Public Domain)


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Willkommen im Coworking Space der Zukunft: Zu Besuch im Epicenter Stockholm

Epicenter (Image by Epicenter)

„Willkommen im Epicenter, dem Büro der Zukunft!“ Mit einem breiten Lachen begrüßt Patrick Mesterton neue Besucher in Schwedens angesagtestem Coworking Space mitten in Stockholm. Man merkt, dass er eigentlich noch hinzufügen möchte: „Willkommen im besten Coworking Space der Welt!“ Als einer der drei Gründer des Epicenters ist Patrick Mesterton sichtlich stolz auf das, was er und seine Mitstreiter in zwei Jahren auf die Beine gestellt haben.

Transformation, Erneuerung, Zukunft

Schwedens erstes „Digital House of Innovation“ nennen sie ihren Coworking-Space. Tatsächlich verwandelten die Gründer, inspiriert vom Silicon Valley, in kürzester Zeit ein marodes Bankgebäude in einem ehemaligen Rotlichtviertel in einen modernen Hub für Startups, führende Tech-Firmen sowie Freelancer und digitale Nomaden aus aller Welt. Transformation, Erneuerung und Zukunft sind die Grundpfeiler der Epicenter-Philosophie und sollen so dazu beitragen, dass Schweden zur „Kreativhauptstadt der Welt“ wird.

Innenhof (Image by Marinela Potor)
Innenhof des Epicenters (Credit by Marinela Potor)

„Als wir das Epicenter im Januar 2015 eröffnet haben, waren wir innerhalb von zwei Wochen komplett ausgebucht“, erzählt Patrick Mesterton beim Netzpiloten-Besuch vor Ort. Und das will schon etwas heißen. Immerhin erstreckt sich das Epicenter auf rund 30.000 Quadratmeter und bietet Büroräume auf einer Fläche von 12.000 Quadratmeter. Aktuell hat das Epicenter mehr als 3.000 Mitglieder. Denn Miete zahlt hier keiner, die Räume werden über Mitgliedschaftsraten verrechnet. Es gibt von offenen Lounges bis zu 3.000 Quadratmeter großen Privatbüros viele verschiedene Arbeitsmöglichkeiten. Im Prinzip ist dabei jeder, der hier von seinem Laptop aus arbeiten möchte, willkommen.

Nun ja, fast jeder. Denn für Unternehmen ist es mittlerweile schwierig geworden, im heiß umschwärmten Epicenter noch Büroräume zu bekommen. Das liegt auch ein wenig daran, dass es für Unternehmen einfach als „cool“ gilt, hier ein Büro zu haben – und als Wettbewerbsvorteil beim heißen Kampf um die klügsten Köpfe gesehen wird. So müssen Mitglieder sich tatsächlich bewerben – und vom Epicenter angenommen werden.

„So wollen wir sicherstellen, dass wir wirklich nur den besten Mix aus Startups und etablierten Konzernen unter einem Dach haben. Denn es bringt ja nichts, wenn du nur Gründer in einem Coworking Space hast, die zwar tolle Ideen haben, aber sich finanziell nicht helfen können. Oder nur große Konzerne, denen die frischen Ideen ausgehen“, erklärt Patrick Mesterton den Bewerbungsprozess.

Das Rezept scheint aufzugehen, im Epicenter sitzen Unternehmen wie Spotify, Google und Microsoft, aber auch junge Startups wie das Smart-Lock-Unternehmen Glue oder Zoundio, eine Gitarrenapp, die auf künstlicher Intelligenz basiert, oder auch Splay, Schwedens größtes YouTube-Netzwerk.

Motto (Image by Marinela Potor)
Motto (Credit by Marinela Potor)

Innovation an jeder Ecke

Doch es sind nicht nur die Unternehmen, die für das kreative Ambiente sorgen. Es ist auch die Aufmachung des Coworking Spaces, die an jeder Ecke beinahe aufdringlich „Innovation“ schreit. Der 24-Stunden-Zugang zum Space oder die schicken Tablets, die als Türschilder dienen, sind dabei noch das Langweiligste, was man hier sieht.

So steht im großen Innenhof des Epicenters eine von Samsung entwickelte ADHS-Box, in der Coworker selbst erleben können, wie Menschen mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung die Welt erleben. „Eine Störung, die übrigens sehr viele Gründer haben“, sagt Patrick Mesterton und meint das ganz ernst. Dann gibt es auch noch Telepräsenz-Roboter, mit denen Anrufe entgegengenommen werden können und ein robotischer Automat verkauft Smoothies auf Bestellung.

Seit Kurzem können Nutzer mit unter der Haut implantierten RFID-Chips Türen öffnen und Getränkeautomaten bedienen.

Biochip (Image by Marinela Potor)
Patrick Mesterton ordert ein Getränk per Chipimplantat: Credit by Marinela Potor

Menschen, die zu Cyborgs werden? Im Epicenter liegt das, was viele als Biohacker-Spinnerei abtun, voll im Trend. So kommen viele Epicenter-Mitglieder begeistert zu den regelmäßigen „Chip n‘ Beer After Work“ Sessisons.

Gesunde Körpern und rege Geister

Es ist aber nicht nur die Technologie, die für neue Ideen bei den Coworkern sorgen soll. Das Epicenter scheint eine ausgeprägte „mens sana in corpore sano“ Mentalität zu haben. Tatsächlich sehen alle Coworker hier erstaunlich fit und gesund aus. Das mag eben auch an den vielfältigen Gesundheits-, Fitness- und Sportangeboten liegen.

Es gibt Yoga-Klassen, Massageexperten, ein Fitnessstudio und das – selbstredend gesundheitsbewusste – Restaurant im Coworking-Space wird von Jens Dolk geleitet, einem der bekanntesten kulinarischen Experten des Landes, der sich aktuell stark gegen die Verschwendung von Essen einsetzt.

Die Epicenter-Gründer sind mit jeder Erneuerung stets bemüht, dem futuristischen Ansatz ihres Coworking Spaces treu zu bleiben. So wird gerade in der „Orangerie“ ein weiteres Restaurant gebaut, zu dem auch Nicht-Mitglieder Zutritt bekommen sollen.

Dahinter steckt aber mehr als lediglich eine neue Einnahmequelle, erklärt Mesterton. „Diese Gäste können unseren Coworkern und Unternehmen sozusagen als Quelle für Konsumerforschung nutzen.“ Marketingforschung an lebenden Laborratten sozusagen. Wer sich Chipimplantate unter die Haut stechen lässt und Biohacker-Frühstücke schmeißt, findet das natürlich gar nicht seltsam.

Der Erfolg spricht fürs Epicenter. Bereits im kommenden Jahr möchten die Gründer expandieren. Im September 2018 soll das nächste Epicenter in Helsinki eröffnet werden.


Image „Epicenter“ by Epicenter


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  • DEUTSCHE POST Manager Magazin: „Streetscooter“ soll auch ohne Fahrer auskommen: Nachdem der elektrische Lieferwagen der Deutschen Post „Streetscooter“ so gute Arbeit geleistet hat und mittlerweile rund 3.400 Fahrzeuge dieser Art auf Deutschlands Straßen unterwegs sind, soll es sich beim nächsten Entwicklungsschritt um autonom fahrende Autos handeln. Um dies zu testen, wird vorerst die Roboterwagen-Technologie in einige bisher fahrende Streetscooter eingebaut. Hierbei sollen die Fahrer allerdings nicht ersetzt werden, sondern ihnen das Arbeiten effektiv erleichtern. Sobald der Fahrer das Fahrzeug verlässt, kann er von Tür zu Tür gehen, ohne immer wieder einsteigen und das Fahrzeug mitnehmen zu müssen. Die Streetscooter folgen dem Fahrer dann ganz einfach von selbst.

  • WHATSAPP t3n: Whatsapp: Online-Status öffnet Überwachung Tür und Tor: Der Whatsapp Online-Status als Schwachstelle – der kalifornische Softwareentwickler Rob Heaton hat in einem Blogeintrag gezeigt, wie einfach Dritte die Nutzer bei Whatsapp überwachen können. Allerdings verrät nicht nur der Online-Status eine Menge über die Nutzer, sondern auch die mangelnde Privatsphäreeinstellung. Durch den Online-Status können Dritte sich einen Überblick über die Aktivitäten verschaffen und so ein aussagekräftiges Protokoll erstellen, was zum Beispiel zeigt, wann ein Nutzer am Morgen aufsteht, wann er schlafen gegangen ist, oder ob dieser in der Nacht wach war. Alles, was man für die Überwachung braucht, ist lediglich die Rufnummer des Nutzers. Heaton warnt davor, dass sich diese Überwachung in einem größeren Maße entwickeln und Dritte somit immer mehr Informationen über die Nutzer sammeln könnten.

  • VIRTUAL REALITY Heise: Studie: Virtual Reality, mobile Assistenten und 5G lassen Verbraucher kalt: Flaute bei Angeboten aus dem Bereich Virtual Reality. Nach dem großen Hype im vergangenen Jahr, gehen nun die Zahlen deutlich zurück. Auch im Hardware-Bestand sind die Zahlen, im Gegensatz zum Vorjahr, kaum gestiegen. Das zeigt eine Studie, bei der im Juli weltweit 53.000 repräsentativ ausgewählte Verbraucher in 33 Ländern online befragt wurden – etwa 2.000 davon in Deutschland. Hierbei zeigte sich, dass der Trend allerhöchstens zu höherwertigen VR-Hardware Produkten geht, wie beispielsweise die Full-Feature-Brillen. „Cardboards“ haben längst an Bedeutung verloren. Auch die smarten Assistenten auf den Smartphones stoßen eher auf mindere Begeisterung, denn diese werden in den meisten Fällen lediglich für die Navigation benutzt. Die Studie zeigt, dass VR noch weit von einem Massenphänomen entfernt ist und bei uns irgendwie nicht so richtig ankommt.

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  • MESSENGER Welt: Nutzung von Messengern im Job „massiv problematisch“: Die meisten nutzen mittlerweile sämtliche Messenger wie WhatsApp, den Facebook Messenger und Co. Auch im Berufsleben hat sich die Art miteinander zu kommunizieren etabliert und sogar werden schon teilweise Emails durch Messenger ersetzt. Allerdings ist das nicht immer so hilfreich, wie man womöglich denken mag. Viele Nutzer sprechen dadurch berufliche Termine und andere wichtige Dinge ab, aber auch andere nutzen sie gleichzeitig für private Absprachen und Zwecke. Die Nutzung sehen Experten eher als problematisch, weil Nutzer gegen Datenschutzrichtlinien verstoßen könnten. Es könnte sein, dass Unternehmen künftig eigene Richtlinien zur Nutzung von Messengern einführen.

  • IPHONE ZDNet: Bericht: Apple untersucht Akkus aufgeplatzter iPhone 8 Plus: Aufgeblähte Akkus beim iPhone 8 Plus? Hoffentlich sind es nur zwei Einzelfälle, die bisher gemeldet wurden. In beiden Fällen haben die Besitzer berichtet, dass der Akku sich so stark aufgebläht habe, dass sich sogar das festverklebte Display vom Rahmen gelöst hatte. Einer der beiden Käufer habe sein iPhone schon beschädigt im Karton vorgefunden. Apple untersucht derzeit die Vorfälle. Schon im vergangenen Jahr gab es immer wieder Meldungen von Samsung Galaxy Note 7-Besitzern, die über überhitzte Akkus geklagt haben. Der Herstellungsfehler hatte in Einzelfällen sogar für Brände und Personenschäden gesorgt. Bleibt zu hoffen, dass es bei Apple durch überhitzte Akkus nicht erneut zu solchen Vorfällen wie beim Samsung Galaxy Note 7 kommt.

  • ZTE Golem: ZTE soll faltbares Smartphone mit zwei Displays planen: Ob es in Deutschland dieses Smartphone geben wird, ist noch unbekannt, aber dennoch ist es ziemlich interessant zu sehen, wie sich Smartphones weiterentwickeln. Auch wenn das Prinzip nicht ganz neu ist, plant der chinesische Hersteller ZTE ein Smartphone mit zwei Displays. Unter dem Namen Axon M soll es sich anhand eines Scharniers aufklappen lassen und zugleich so zu nutzen sein, wie ein Tablet. Der Bildschirm hat dann eine Größe von 6,8 Zoll. Auch die Ränder sollen so schmal gehalten sein, dass diese beim Aufklappen kaum auffallen dürften. Auf jedem Bildschirm können dann beispielsweise unterschiedliche Apps gestartet und genutzt werden. Am 17. Oktober will ZTE auf einer Pressekonferenz seine neuen Smartphones vorstellen – vielleicht befindet sich darunter auch schon das neue faltbare Axon M.

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  • DYSON Welt: Staubsaugerhersteller Dyson will „radikal andere“ E-Autos bauen Ein „radikal anderes“ Elektroauto – hinter diesen Worten versteckt sich ein Plan von James Dyson, der Entwickler des bekannten beutellosen Staubsaugers. Bis 2020 möchte dieser ein Elektroauto auf den Markt bringen, was neben leistungsstarken Batterien noch weitere Neuheiten beinhalten soll, worüber allerdings noch geschwiegen wird. Das Elektroauto soll sich von all den anderen E-Autos auf dem Markt unterscheiden und weder einen Sportwagen darstellen, noch soll er günstig sein. Für die Produktion möchte James Dyson mehr investieren, als für die Entwicklung und Forschung seiner Staubsauger und heuert mit seinem Unternehmen daher „aggressiv“ weitere Arbeitskräfte an.

  • TWITTER Chip: Twittern soll einfacher werden: Jetzt rüttelt der Konzern an seinen Grundfesten: Ist es vorbei mit dem genauen Abzählen der Zeichen, wenn man einen Tweet versenden möchte? Twitter ist gerade dabei doppelt so lange Tweets auszuprobieren. Anstelle der 140 Zeichen, sollen die Nachrichten nun auf 280 Zeichen aufgestockt werden. Twitter geht von einem positiven Effekt aus und blickt der Neuerung zuversichtlich entgegen. Der Test soll jedoch vorerst in einer kleinen Runde gemacht werden, bevor sich der Kurznachrichtendienst komplett für die Aufstockung der Zeichenanzahl entscheidet. Die Meinungen zu der Neuerung sind bei den Nutzern allerdings noch geteilt. Während die einen ihre Begeisterung ausprechen, sind die anderem dem gegenüber eher verhalten, da Twitter mit der Änderung, laut der Nutzer, auch ein Stück weit seine Identität verliert.

  • ARBEIT t3n: Produktivität im Job: Diese Angewohnheiten solltest du dringend bleiben lassen: Jeder hat seine Angewohnheiten und Marotten, die er nur schwer ablegen kann. Manchmal aber ist das Ablegen von schlechten Angewohnheiten unabdingbar, wenn man sich auf der Arbeit nicht so schnell ablenken lassen möchte. Das fängt schon abends beim Schlafengehen an: Finger weg vom Smartphone! Vielen fällt das vermutlich sehr schwer, ist aber für einen gesunden und tiefen Schlaf auf jeden Fall ratsam. Das gilt auch dann, wenn man mitten in einer Aufgabe oder in einem Meeting steckt. Umso schlechter schaffen wir es uns wieder in das ursprüngliche Thema hinein zu finden, auch wenn es nur einmal kurz das Checken der eingegangenen Nachrichten ist. Der Mensch soll etwa 15 Minuten brauchen, um sich direkt auf eine Aufgabe zu fokussieren. Weitere Angewohnheiten, die man besser ablegen sollte, gibt es in diesem interessanten Artikel.

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Die Industrielle Revolution lehrt uns die Zukunft der Automatisierung von Arbeit

Kohlekraftwerk (adapted) (Image by 526663 [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Während sich die Automatisierungstechnik und die künstliche Intelligenz stetig verbessert, sorgen sich viele Menschen über die Zukunft der Arbeit. Was werden die Menschen tun, sorgt sich so mancher, wenn Millionen Menschen keinen Job mehr haben? Wie werden sie sich und ihre Familien versorgen und welche Veränderungen werden eintreten (oder sind nötig), damit sich die Gesellschaft anpasst?

Viele Ökonomen sagen, dass es keinen Grund zur Sorge gibt. Sie weisen darauf hin, dass große historische Veränderungen der Arbeit an sich und des Arbeitsmarktes – vor allem die Industrielle Revolution zwischen dem 18. und 19. Jahrhundert – nicht zu wesentlichen sozialen Umbrüchen oder weit verbreitetem Leiden geführt haben. Diese Ökonomen sagen, dass die Menschen andere Jobs finden, wenn die Technologie Jobs zerschlägt. So lautet die Aussage eines Wirtschaftswissenschaftlers:

„Seit dem Beginn des industriellen Zeitalters besteht die wiederkehrende Angst, dass der technische Wandel eine Massenarbeitslosigkeit hervorbringen wird. Neoklassische Ökonomen sagten voraus, dass dies nicht geschehen wird, weil die Menschen andere Jobs finden werden, wenn auch möglicherweise erst nach einer langen Phase der schmerzhaften Anpassung. Im Großen und Ganzen hat sich diese Voraussage als korrekt erwiesen.”

Und sie haben Recht, wenn sie von der langen Phase der schmerzhaften Anpassung reden. Die Nachwirkungen der Industriellen Revolution beinhalteten zwei große kommunistische Revolutionen, die Zahl der Todesopfer betrug hier nahezu 100 Million. Der stabilisierende Einfluss des modernen Wohlfahrtsstaats zeichnete sich erst nach dem zweiten Weltkrieg ab, fast 200 Jahre nach dem Beginn der Industriellen Revolution im 18. Jahrhundert also.

Heutzutage, wo die Globalisierung und Automatisierung die Unternehmensproduktivität dramatisch steigern, stagnieren die Löhne. Die zunehmende Leistung der Automatisierungstechnologie und künstlicher Intelligenz bedeutet, dass noch mehr Schmerz folgen könnte. Bagatellisieren diese Ökonomen die historischen Aufzeichnungen, wenn sie die Zukunft voraussagen, indem sie uns im Wesentlichen sagen, wir sollen uns keine Sorgen machen, weil sich die Dinge in ein oder zwei Jahrhunderten bessern werden?

Der Wendepunkt ist erreicht

Um von der Industriellen Revolution zu lernen, müssen wir sie in den richtigen historischen Kontext setzen. Die Industrielle Revolution war ein Wendepunkt. Über viele tausend Jahre vorher war wirtschaftlicher Wachstum praktisch vernachlässigbar, grundsätzlich folgte er dem Bevölkerungswachstum: Die Bauern bauten mehr an als vorher, die Schmiede stellten mehr Werkzeuge her, aber die Menschen der frühen Ackerbaugesellschaften Mesopotamiens, Ägyptens, Chinas und Indiens hätten ihre Welt im Europa des 17. Jahrhunderts durchaus wiedererkannt.

Als aber Dampfkraft und industrielle Maschinen im 18. Jahrhundert hinzukamen, hob die wirtschaftliche Aktivität ab. Das Wachstum, das hier in einigen wenigen Jahrhunderten stattfand, war auf einer ganz anderen Skala wiederzufinden als alles, das vorher geschehen war. Jetzt gerade könnten wir an einem ähnlichen Wendepunkt, der von manchen als „vierte Industrielle Revolution“ bezeichnet wird, stehen. Jetzt erscheint alles, was in der Vergangenheit passiert ist, unbedeutend im Vergleich zu der potenziellen Produktivität und Profitabilität der Zukunft.

Eine falsche Vorhersage

Schnell unterschätzt man die Auswirkung von Globalisierung und Automatisierung, die da kommen mag – ich habe das selbst auch getan. Im März 2000 erreichte der NASDAQ Composite Index einen Höchststand und brach dann ein, womit er acht Billionen US-Dollar an Marktbewertungen innerhalb der folgenden zwei Jahre mit sich riss. Zur selben Zeit ermöglichte die globale Ausbreitung des Internets das Offshore-Outsourcing von Softwareproduktionen, was zu der großen Angst führte, dass Jobs in der Informationstechnologiebranche im großen Stil verschwinden könnten.

Die Association for Computing Machinery machte sich Sorgen darüber, was diese Faktoren für die Computerausbildung und Beschäftigung in der Zukunft bedeuten könnten. Ihre Studiengruppe, bei der ich Mitvorsitzender war, berichtete im Jahr 2006, dass es keinen wirklichen Grund gäbe, zu glauben, dass die Jobs in der Computerindustrie aus höher entwickelten Ländern abwandern würden. Die vergangene Dekade hat diesen Schluss untermauert.

Unser Bericht gestand aber zu, dass „Handelsgewinne unterschiedlich verteilt werden könnten“, was bedeutet, dass manche Individuen und Regionen Gewinn und andere Verlust machen würden. Außerdem war es eng auf die Informationstechnologieindustrie fokussiert. Hätten wir auf die Breitenwirksamkeit von Globalisation und Automatisierung in der Wirtschaft geachtet, hätten wir die größeren Veränderungen, die damals schon um sich griffen, möglicherweise gesehen.

Ausbreitung in der Herstellung

In beiden Industriellen Revolutionen, der ersten und der heutigen, schlugen sich die ersten Effekte in der Herstellung in der entwickelten Welt nieder. Durch den Austausch von Arbeitern durch Technologie verdoppelte sich die amerikanische Fertigungsproduktivität ungefähr zwischen 1995 und 2015. Als Ergebnis daraus erreichte die Beschäftigungsrate einen Höchststand um 1980 und nahm seit 1995 steil ab, während das Produktionsvolumen heutzutage ein Rekordhoch verzeichnet.

Anders als im 19. Jahrhundert aber verbreiten sich die Auswirkungen von Globalisierung und Automatisierung in den Entwicklungsländern. Die „Elephantenkurve“ des Ökonomen Branko Milanovic zeigt, wie Menschen, die 1998 nach ihrem Einkommen geordnet wurden, ein steigendes Einkommen bis zum Jahr 2008 erleben durften. Während das Einkommen der Armen stagnierte, führten die steigenden Einkommen in Schwellenländern hundert Millionen Menschen aus der Armut. Menschen, die an der Spitze der Einkommensskala standen, profitierten ebenfalls von der Globalisierung und Automatisierung

Das Einkommen der Arbeiter- und Mittelklasse in den entwickelten Ländern stagnierte allerdings. In Amerika ist beispielsweise das Einkommen von Produktionsmitarbeitern heutzutage inflationsbereinigt genauso hoch wie um das Jahr 1970. Nun kommt die Automatisierung auch in die Entwicklungsländer. Ein aktueller Bericht der International Labor Organization fand heraus, dass mehr als zwei Drittel der 9,2 Million Jobs in der südostasiatischen Textil- und Schuhbranche durch die Automatisierung gefährdet sind.

Das Ausmaß der Probleme anerkennen

Automatisierung und künstliche Intelligenz breiten sich nicht nur über die Welt aus, sie durchdringen auch ganze Wirtschaftssysteme. Buchhalter, Anwälte, Berufskraftfahrer und sogar Bauarbeiter – deren Jobs im Großen und Ganzen von der ersten Industriellen Revolution unbeeinträchtigt blieben – werden miterleben, wie sich ihre Arbeit wesentlich verändert, wenn sie nicht ganz von Computern übernommen wird.

Bis vor kurzem erkannte die gut ausgebildete berufliche Klasse, die auf der ganzen Welt vertreten ist, nicht, was mit der Arbeiter- und Mittelklasse in entwickelten Ländern geschah. Aber jetzt wird es auch mit ihnen geschehen. Die Ergebnisse werden alarmierend sein, zerstörerisch und unter Umständen lange anhalten. Die politischen Entwicklungen des letzten Jahres machen deutlich, dass das Thema des gemeinsamen Wohlstands nicht ignoriert werden kann. Es ist inzwischen offensichtlich, dass die Brexit-Abstimmung im Vereinigten Königreich und die Wahl des Präsidenten Donald Trump in Amerika zu einem Großteil durch sozioökonomische Missstände angetrieben wurden.

Unsere aktuelle Lage in Wirtschaft und Gesellschaft wird sich in bedeutender Weise verändern, ohne dass wir die Möglichkeit einfacher Abhilfen oder Anpassungenen haben, um ihre Auswirkungen zu verringern. Wenn man aber versucht, wirtschaftliche Vorhersagen zu treffen, die auf der Vergangenheit basieren, lohnt es sich, sich die Zurückhaltung des angesehenen israelischen Ökonomen Ariel Rubenstein aus seinem Buch „Economic Fables“ (2012) in Erinnerung zu rufen und diese zu praktizieren:

„Ich bin sehr damit beschäftigt, jede Interpretation zu verleugnen, dass ökonomische Modelle Schlussfolgerungen mit echtem Wert erzeugen.“

Rubinsteins Grundbehauptung, dass ökonomische Theorie uns mehr über ökonomische Modelle als über die wirtschaftliche Wirklichkeit verrät, ist eine Warnung: Wir sollten nicht nur auf Wirtschaftswissenschaftler hören, wenn es darum geht, die Zukunft der Arbeit vorherzusagen; wir sollten auch den Historikern zuhören, die ihren Vorhersagen oftmals eine tiefere historische Perspektive geben. Die Automatisierung wird das Leben vieler Menschen erheblich verändern, und zwar auf möglicherweise schmerzhafte und langanhaltende Weise.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Kohlekraftwerk“ by 526663 (CC0 Public Domain)


The Conversation

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Mythos Work-Life-Balance: Wenn man beim Sex kurz die Mails vom Chef checkt

apple-macbook (adapted) ( Image by Free-Photos [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Work hard, play hard – ein beliebtes Motto, um sich heutzutage ins Arbeits- und Feierabendleben zu stürzen. Dennoch hat sich über die Jahre keine Begrifflichkeit so etabliert wie unsere geliebte Work-Life-Balance.

Dabei sehe ich den Begriff an sich schon als problematisch. Wie Liebe und Hass, stellt die Balance einen Gegensatz dar: Arbeit vs. Leben. Der gängige Ausdruck „frei“ zu haben, wenn man nicht zur Arbeit muss, macht jedoch deutlich: Der Gegensatz von Arbeit ist Freizeit. Der Begriff „Work-Life-Balance“ wird von Wissenschaftlern daher sehr kritisch gesehen.

Im alltäglichen Gebrauch versteht man unter der Work-Life-Balance jedoch ein Gleichgewicht, dass dafür sorgen soll, dass das Private und der Spaß neben der Arbeit nicht zu kurz kommen. Firmenevents, Tischtennisplatten im Keller und Ausflüge auf Kosten des Unternehmens können damit gemeint sein. Kollegen werden zu Freunden – würde nicht jeder von uns gerne mit seinen besten Kumpels im Büro sitzen und Freitagnachmittags das Bier aus dem Firmenkühlschrank plündern? Natürlich würden wir das.

Der Heiligenschein beginnt zu flackern

Doch wenn man genauer hinsieht, muss man sich eingestehen, dass der Heiligenschein der angepriesenen Work-Life-Balance zu flackern beginnt: Ein paar Überstunden zu machen, wenn die Deadline eines Projektes ansteht, ist schon okay – doch dass es bereits Studien darüber gibt, wie oft Menschen beim Sex kurz aufs Handy schauen, um ihre Mails zu checken, ist einfach nur erschreckend. In seinem Buch nennt Markus Väth dies als einen Beweis, dass der Kapitalismus keine Privatsphäre kennt.

Des Weiteren nennt Väth die Digitalisierung als schwarzes Schaf, die der Work-Life-Balance einen Strich durch die Rechnung macht. Die „immer online“- Gesellschaft zerstört die verletzliche Grenze zwischen Arbeit und Privatleben, die in den 90ern durch die „nine-to-five“-Jobs existierten: Es wird zeitzonenübergreifend gearbeitet und man ist immer und überall erreichbar.

Mit der Digitalisierung wurde somit der Begriff des „Work-Life-Blendings“ geboren (aus dem Englischen von „to blend“: sich überschneiden), der beschreibt, dass Arbeit und Privatleben ineinander übergehen. Doch auch das Work-Life-Blending stellt eine ernstzunehmende Gefahr für den Einzelnen dar, denn durch die kontinuierliche Erreichbarkeit wird die arbeitsfreie Zeit verkürzt. Und auch die Firmenausflüge und das Freibier haben nur einen Zweck: Sie wollen die Verbundenheit zum Unternehmen stärken. Wenn alle Kollegen länger bei der Arbeit bleiben, dann tut man es eben auch –  die angepriesene Gleitzeit wird zur unbezahlten Arbeitszeit. All diese Faktoren treiben den Menschen nicht selten über die Grenzen seiner Belastbarkeit hinaus.

Die Arbeit steht auf dem Siegertreppchen

Bye bye, Privatleben, könnte man sagen – die Leistungsgesellschaft hat den ersten Platz an die Arbeit vergeben. In Vorstellungsrunden folgt nach dem Namen direkt der Beruf, die Arbeit wird zum Teil der Identität. Dies ist nicht weiter verwunderlich, wenn man bedenkt, dass das Arbeitsleben der Deutschen im Schnitt 34,5 Jahre dauert: 34,5 Jahre, fünf Tage die Woche, eine Tätigkeit. Neben täglichen Besorgungen und der Familie scheint es schon bewundernswert, dass man es schafft, privat noch einem Hobby nachzugehen.

Kritiker der Work-Life-Balance würden an dieser Stelle auch die Zukunft der Arbeit erwähnen, die im Zuge der Digitalisierung und Automatisierung gewaltige Veränderung in der Arbeitswelt herbeiführen wird. Wenn die Lohnarbeit durch die Automatisierung entfallen wird oder durch die Digitalisierung immer mehr Menschen in prekären Verhältnissen arbeiten müssen, werden Prognosen einer Life-Life-Balance, oder besser: einer Work-Work-Balance gar nicht mehr so unrealistisch.

Die Work-Life-Balance ist ein individuelles Konzept

Ob es sich bei der Work-Life-Balance jedoch um einen generellen Mythos handelt, sei mal so dahingestellt. Fakt ist: Die Work-Life-Balance, also das Gleichgewicht zwischen Arbeits- und Privatleben, ist ein Konzept, das weder vom Staat noch vom Unternehmen in Schutz genommen wird. Wie bei den meisten Dingen des Lebens sind wir für uns selbst verantwortlich und müssen lernen, wo wir die Grenze ziehen. Explizites Abschalten sehe ich dabei von großer Bedeutung. Zudem lehnen nach Christoph Koch moderne Konzepte eine immer gleich bleibenden Balance zwischen Arbeit und Leben ab: Das Leben sollte vielmehr in Phasen gedacht sein, in der sich Müßiggang und Vollgas abwechseln.

In der Praxis scheint meiner Ansicht nach – vor allem für junge Menschen – der Ansatz sinnvoll, sich so früh wie möglich mit einem geeigneten Beruf auseinanderzusetzen: Sucht man sich eine Arbeit, die mit den privaten Interessen einhergeht, so wird der Drang nach einem Ausgleich nach der Arbeit vermindert. Die Yogastunden zur Stressreduktion kann man sich nach der Arbeit dann vielleicht sogar komplett sparen.


Image (adapted) „apple-macbook“ by Free-Photos (CC0 Public Domain)


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Your Social: Strategie und Kreativität für Soziale Medien

Brainstorming (adapted) (Image by SFIO CRACHO) via Adobe Stock

Wer heute sein Business aufbauen möchte, kommt an sozialen Medien nicht mehr vorbei. Freundschaften werden auf Facebook offiziell besiegelt, Jung und Alt spielen mit den witzigen Snapshat-Filtern und wer einen Job sucht, geht auf LinkedIn, statt die Zeitung aufzuschlagen. Social Media sind eng mit dem Alltag verwoben und das perfekte Sprachrohr für Firmen, um potentielle Kunden zu erreichen, direktes Kundenfeedback und mehr Sichtbarkeit zu bekommen.

Seit ein paar Monaten arbeite ich bereits für die Social Media Agentur “Your Social” Dubai. Rudolph Banholzer leitet das Büro in Media City und nimmt sich gerne ein paar Minuten, um über die Entwicklung von sozialen Medien und Agentur zu sprechen.

Rudolph Banholzer
Rudolph Banholzer

Der Österreicher mit libanesischen Wurzeln wuchs zwischen Europa und dem Nahen Osten auf. Nach seinem Bachelor of Commerce in Kanada und Master of Business Administration in Spanien, begann 2012 das Abenteuer mit der Social Media Agentur. Seine Geschäftspartner gründeten Your Social bereits 2010 in Holland; mit Dubai und Rudolph Banholzer wurde der Schritt in einen neuen und vor allen Dingen lohnenswerten Markt gewagt. In den Vereinigten Arabischen Emiraten liegt die Social Media Penetration Rate bei 99% – das bedeutet, dass von den 99.33 Millionen Einwohnern 99.20 Millionen in sozialen Medien unterwegs sind. Im globalen Vergleich liegen sie damit ganz vorne. In Deutschland hingegen liegt die Rate gerade mal bei 41% – von 80.66 Einwohnern sind es nur 33.00 Millionen, die Facebook und Co. nutzen.

Im lichtdurchfluteten Großraumbüro gibt er Einblick in die Arbeit seines 21-köpfigen Teams: ”Your Social ist eine kreative und strategische Social Media Agentur, die Firmen hilft, ihren Online-Auftritt in den sozialen Medien zu perfektionieren, um die wirtschaftlichen Ziele zu erreichen.” Hinter den Facebook-, Instagram- und Twitter-Accounts großer Firmen steckt also idealerweise ein komplettes Team. Designer sorgen für ästhetisch ansprechende Bild- oder Video-Inhalte, die durch gut durchdachte Texte ergänzt und mit Strategie eingesetzt werden.

Eine Wissenschaft für sich

Was einfach erscheint, ist eine Wissenschaft für sich. Der 35- jährige erklärt: ”Unsere Arbeit setzt sich aus fünf verschiedenen Elementen zusammen: Das erste, wichtigste Element sind die sogenannten Insights, also der Einblick in die Data.”

Wer sich als Neukunde bei Your Social bewirbt, wird also zuerst von oben bis unten im Netz durchleuchtet. Wer spricht über die Firma? Wie sieht die Zielgruppe aus, wo wohnt sie und wie alt sind die Kunden? In welchem Moment interessiert sich der Kunde für das angebotene Produkt – vor dem Kauf oder wenn er es bereits erworben hat? Sind die Kommentare negativ? Welche Firma steht in Konkurrenz und wie verhält sich dort die Kundschaft?

Die Listening Tools liefern Fakten, aus denen das Social Media Marketing Department von Your Social eine Strategie entwickelt. Sobald diese seitens des Kunden abgesegnet wurde, geht es um die kreative Umsetzung: “Wir produzieren als weiteres Element den Content. Das können Bilder sein, wie auch Video-Animationen, Gifs oder 360-Grad-Bilder.” Your Socials kreative Köpfe und Strategen setzen sich anfangs jeden Monats zu Power Sessions zusammen.

Gemeinsam wird über neuen Kampagnen gebrütet, Brainstorming für die Posts und Texte betrieben und neue Ziele und Aufgaben gesetzt. Jeder Kanal wird dabei einzeln unter die Lupe genommen. Während bei Instagram eher “Behind-the-Scenes” einer Firma gezeigt werden kann, gilt für Twitter die pure Information. Gerne wird auch das Team auf firmeninterne Veranstaltungen geschickt, um dort einen Film zu drehen oder lustige Gifs mit den Mitarbeitern zu kreieren. Wer freut sich nicht, seinen Kollegen auch online ein “Like” für den Award zu geben, den er am Ende des Jahres verliehen bekommen hat?

Warum ist ihre Marke ein Held?

Weiterhin kommt Community Management hinzu: “Ganz wichtig ist Kommunikation. Wir kümmern uns um die Interaktion und Antworten auf Anfragen. Immer häufiger wenden sich Kunden auch mit Beschwerden an soziale Medien, da sie dort eine schnellere und persönlichere Antwort erwarten. Dabei ist es wichtig, je nach Marke den richtigen Ton zu treffen und niemals auf automatisierte Antworten zurückzugreifen. Wir Menschen wollen mit anderen Menschen kommunizieren, nicht mit Robotern.”

Your Social (Image by Maren Meheust)
Your Social (Image by Maren Meheust)

Darum trifft sich Rudolph Banholzer mit seinem Team auch mit seinen Kunden in Workshops und fragt genau nach, wie die Firma sich selbst beschreiben würde – mit einer meist überraschenden Frage: Warum ist ihre Bank/ihr Restaurant oder ihre Modemarke ein Held? Nach den ersten verdutzten Sekunden werden dann gemeinsam Adjektive gesammelt, die am Ende der Marke mehr Charakter verleiht und Your Social in ihrer Arbeit hilft: “Wir möchten die Marke human machen, damit wir in diesem Sinne auch mit den Followern kommunizieren können. Ist sie eher familiär, witzig oder seriös? Wir betreiben ganz anderes Community Management für eine Bank oder Versicherung, als für eine Fitnesscenter oder Restaurant.”

Das Freundschaftsbuch der Sozialen Medien

Jeder Kunde bekommt sein eigenes Storybook, das ein wenig an die Freundschaftsbücher von damals erinnert. Interesse und Eigenheiten der Marke werden festgehalten und sogar die Freunde bei Namen genannt: Pro Brand gibt es drei bis vier Social Persona, die geographisch und demographisch für eine Zielgruppe stehen und gemeinsam im Workshop mit dem Kunden bestimmt werden: Ahmed, der azugeschnittutoverrückte Araber in Saudi; Georg, der golfspielende deutsche Expat in den UAE und Fatma, die Fashion begeisterte Inderin in Kuwait. Es wird damit nicht nur der Marke ein Gesicht gegeben, sondern auch den Kunden, was ungemein hilft, persönlich zugeschnittenen Inhalt zu produzieren.

Als fünftes Element kommt das Advertising dazu: “Das Werben im Social Media-Bereich wird immer wichtiger. Diese Entwicklung, bei der Facebook der Vorreiter war, lässt sich besonders in den letzten drei Jahren beobachten. Wenn eine Firma über soziale Medien heute werben will, dann muss sie ein gewisses Budget zur Verfügung stellen, um die Kunden zu erreichen. Wir stellen mit der unserer Strategie sicher, dass es gut und für die richtige Zielgruppe eingesetzt wird.”

Soziale Medien – Die Alleskönner

Wenn nun aber jeder soziale Medien nutzen kann, warum extra eine Agentur einstellen? Was meistens unterschätzt wird, sind die breiten Möglichkeiten der neuen Technologien. So erklärt Banholzer: “Man nutzt soziale Medien, um zu werben. Man kann sie aber auch verwenden, um besser einzustellen, detaillierteres Customer Feedback zu bekommen und Kundenservice anzubieten. Oder um die firmeninterne Kommunikation zu verbessern.” Dies alles muss gekonnt sein und ist mit Zeit, Mühe und vor allen Dingen mit Können verbunden, was viele Firmen nicht aufbringen können.

Mittlerweile vertrauen über dreißig Kunden auf den Service der Agentur, die bald auch Asien erschließen möchte: “Singapur wird wahrscheinlich die nächste Etappe für Your Social. Bis dahin bleibt der internationale Markt hier in Dubai im Fokus, den wir mit Kreativität und persönlichen Touch für uns gewinnen möchten.”


Image (adapted) „Brainstorming“ by SFIO CRACHO/stock.adobe.com

Images by Your Social


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Was mich bei der Arbeit produktiver macht? Geräusche.

St-Oberholz (adapted) (Image by Tobias-Kremkau) (CC BY 4.0)

Der Weg zu allem Großen geht durch die Stille, schrieb einst der deutschsprachige Schriftsteller Paul Keller, einer der meistgelesenen Autoren in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und Inspirationsquelle für Michael Ende zu seinem Roman „Die unendliche Geschichte“. Nun gut, das mag sein, und bestimmt auch auf andere zu treffen, aber ich bin da anders. Ich brauche Geräusche, um vermeintlich Großes zu schaffen.

Vor Kurzem musste ich eine wichtige Abgabefrist für einen Artikel einhalten und plante etwas Zeit am Sonntag ein, um diesen Artikel fertig zu schreiben. Als ich an meinem neuen Schreibtisch saß, einem äußerst schicken Designerstück, passierte einfach nichts. Mir war schon länger bewusst, dass ich niemand mehr bin, der im Home Office produktiv sein kann. In diesem Moment wurde es mir wieder schmerzhaft bewusst.

Warum manche lieber im Café arbeiten

Erst nachdem ich in ein Café in meiner Friedrichshainer Nachbarschaft ging und etwas eingepfercht zwischen Szenetouristen aus Neukölln und Brooklyn saß, und mir den Steckdosenverteiler mit zwei anderen Menschen teilte, konnte ich mich voll dem Artikel widmen. Kaffee ist wichtig für Produktivität, aber ein genauso individueller Aspekt wird gerne schnell vergessen: Geräusche helfen dabei, produktiver zu sein.

Kohlenquelle_Tobias-Kremkau
Arbeiten in der Berliner Kohlenquelle. Image by Tobias Kremkau

Stille tut das unter Umständen nicht, wie ich im Frühjahr 2013 merkte. Es war der erste Tag im neuen Büro des Projekts, für das ich damals arbeitete. Als die Glocken der benachbarten Sophienkirche anfingen zu läuten, wurde mir schlagartig klar, dass ich zum ersten Mal in Berlin bewusst eine Kirchenglocke wahrgenommen hatte und wie still es bisher hier war. Ab dem Moment konnte ich mich nicht mehr konzentrieren.

Mein damaliger Kollege Sebastian Haselbeck empfahl mir daraufhin die App Coffitivity, die mich seitdem durch das Arbeitsleben begleitet. Dieser Webservice, den es auch als App für Android und iOS gibt, spielt einem Hintergrundgeräusche von Cafés aus der ganzen Welt vor. Momentan gibt es sechs Geräuschkulissen, drei davon umsonst. Das Startup selbst forscht nun bereits seit Jahren zum Thema Produktivität.

Ich nutze die App regelmäßig, wenn ich in einer Umgebung arbeite, deren Geräuschkulisse mir nicht liegt. Sogar in meinem Zuhause wende ich sie an. Neulich saß ich an einer für mich wichtigen Präsentation für einen Bankvorstand und schaltete die App ein. Ich kam dadurch so intensiv in meinem Flow, dass ich die nächsten vier Stunden nicht einmal aufblickte. Ich ging so in meiner Aufgabe auf, dass ich Raum und Zeit vergaß.

Hintergrundgeräusche helfen dabei, produktiver zu sein

Dies mag auf den ersten Blick zwar paradox erscheinen, aber ich als Coworking Manager kann am besten in Cafés arbeiten, also mit der Geräuschkulisse von Cafés im Ohr. Vor dem Hintergrund, dass Coworking Spaces aus der Kaffeehauskultur heraus entstanden sind, relativiert sich die Überraschung etwas. Dazu kommt, dass die offenen Räume in Coworking Spaces ähnliche Atmosphären wie in Cafés schaffen können.

Die Studie „Is Noise Always Bad?“ von 2012 wies nach, dass nicht zu laute Hintergrundgeräusche sich grundsätzlich positiv auf die kreative Leistung auswirken können. Das lebendige Drumherum hilft mir persönlich sehr, mich auf meine Arbeit zu konzentrieren. Für andere ist es Musik. Bei der richtigen Musikauswahl wird das Glückshormon Dopamin freigesetzt, was wiederum gute Laune machen und die Leistungsbereitschaft anregen kann.

Was Cafés und Coworking Spaces für manche Menschen zu idealen Arbeitsorten macht, wenden Raumplaner auch in Büros an. Soundscaping nennt sich das, Soundmapping habe ich auch schon einmal gehört, und meint die bewusste Gestaltung des akustischen Umfeld oder der Klangkulisse eines Büros. So soll die Konzentrationsfähigkeit gesteigert und bei richtiger Anwendung sogar die Produktivität vervielfacht werden.

Auf der TEDGlobal 2009 erklärt Julian Treasure, wie uns Geräusche beeinflussen.

Die Arbeit in einem Coworking Space und die intensive Auseinandersetzung mit Fragen zur Zukunft der Arbeit haben mir eines sehr bewusst gemacht: wo, wann und wie Menschen am besten arbeiten können, ist eine sehr individuelle Entscheidung. Für mich persönlich klappt es am besten in lebendig klingenden, offenen Umgebungen. Eine Blaupause für andere kann das aber nicht sein. Im besten Fall aber ein überfälliger Denkanstoß, sich diese Frage einmal selbst zu beantworten.


Images by Tobias Kremkau (CC BY 4.0)


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Von der Fabrikhalle zur Denkfabrik: der Factory Campus Düsseldorf

Nordrhein-Westfalen ist so etwas wie ein Stiefkind, wenn es um Start-ups geht. Weder das Ruhrgebiet noch das Rheinland galten bisher als Innovationshub für Gründer, trotz hoher Bevölkerungsdichte, guter Wirtschaftsleistung und attraktiver Städte. Das soll sich jetzt ändern. Ein Beispiel dafür ist der Factory Campus in Düsseldorf.

Wo einst eine Fabrik für Recycling-Maschinen stand, hat im Oktober 2016 das Unternehmen seine Pforten geöffnet. Auf 34.000 Quadratmeter erstreckt sich der Coworking Space im Stadtteil Lierenfeld, der ehemals zum Industriegürtel in Düsseldorf gehörte. Der Campus ist eins der jüngsten Beispiele, das zeigt, wie Nordrhein-Westfalen im Rennen um die Start-ups mit anderen Hubs wie München oder Berlin gleichziehen möchte.

Megaprojekt: Wie aus einer Fabrikhalle ein Coworking Space wird

Coworking Manifest (Image by Marinela Potor)
Das Coworking Manifest (Image by Marinela Potor)

Hinter dem Factory Campus steckte anfangs noch Yvonne Firdaus, die in Düsseldorf schon den Coworking Space „Garage Bilk” gegründet hatte. Mittlerweile leiten Manfred Voß, Stefan Schulz und Marc Breddermann den Coworking Space. Letzterer ist auch der Investor, der den Umbau des Factory Campus von einer verlassenen Fabrikhalle zu einem modernen Arbeitsumfeld möglich gemacht hat. Breddermann ist ebenfalls Geschäftsführer der Breddermann Gruppe, einem Immobilienunternehmen mit Sitz in Hagen, das damit auch an der Umsetzung des Campus-Konzepts beteiligt ist.

Wie alles einmal aussehen soll und was schon alles gemacht wurde, erklärt Ralf Neuhäuser. Der “Factory-Campus-Botschafter” hat die Netzpiloten auf eine Campustour und einen Tag zum Coworken eingeladen. Auf seiner Tour wird deutlich: Seit der Gründung hat sich hier viel getan. So ist das Pioniergebäude fast fertig, der Innenhof lädt an diesem Sommertag mit Holzbänken zum Ausruhen ein und auch das wichtigste in einem Coworking Space läuft: Das Internet. Der Factory Campus wirbt mit 2 Gigabit Uplinks, die am Testtag auch kein einziges Mal versagen oder langsam scheinen.

Ralf Neuhaeuser (Image by Marinela Potor)
Ralf Neuhäuser (Image by Marinela Potor)

Doch bei einem so großen Gelände liegt auch noch viel Arbeit vor dem Factory Campus Team. So zeigt Neuhäuser stolz auf das wohl beeindruckendste Gebäude auf dem Areal, die große Halle. Der Umbau der Halle ist eins der nächsten großen Projekte des Coworking Spaces.

Hier soll, wenn alles nach Plan läuft, in den nächsten drei bis vier Jahren eine Mischung aus Eventräumen, Tagungsräumen und Gastronomie entstehen – alles in nachhaltiger und smarter Bauweise, wie Neuhäuser betont. Überhaupt ist Nachhaltigkeit ein wichtiges Thema im Coworking Space. Der Innenhof, jetzt noch gepflastert, soll zu einem großen grünen Park werden. Eine Ladestation für E-Bikes gibt es bereits und gerade werden Parkplätze mit Ladestationen für E-Autos fertig gestellt.

Geplant ist auch, in naher Zukunft ein Parkhaus mit 500 Stellplätzen und Ladeinfrastruktur zu bauen. Mit der Sanierung der kommenden Jahre sollen aber nicht nur Büros, sondern auch Ateliers und Maker Spaces geschaffen werden. Auch ein Biergarten soll dann im Innenhof stehen. Doch auch jetzt schon versucht der Factory Campus von Foodtruck bis Regionalmarkt seinen Nutzern viel zu bieten.

Kreatives Arbeiten statt Bierpong

Der Factory Campus ist sichtbar bemüht, seinen Mietern nicht einfach nur Büroräume zur Verfügung zu stellen, sondern aus dem Factory Campus eine rege Mischung aus Ideenschmiede, Startup-Hub und angenehmem Arbeitsumfeld zu schaffen. Vieles davon ist jetzt schon erkennbar. Startups wie Kopfquadrat, wertvoll. oder auch Urbam haben genauso ihre Büroräume hier wie

Klassenzimmer (Image by Marinela Potor)
Kreatives Arbeitsumfeld im „Klassenzimmer“ (Image by Marinela Potor)

etablierte Unternehmen wie AXA, deren Startup-Center hier sitzt. Unter den Coworkern finden sich junge Entrepreneure genauso wie erfahrene Geschäfsleute, aber auch Mompreneurs kommen hier zusammen. So eignet sich der Factory Campus sowohl zum ernsthaften als auch zum entspannten Arbeiten. Insgesamt strahlt der Factory Campus eher „kreatives Arbeitsumfeld” als „wilde Bierpong-Zone” aus.

So können neben den offenen Arbeitsplätzen auch private Büroräume gemietet werden. Die Büros können entweder flexibel, für einen oder drei Monate oder in bestimmten Fällen auch für längere Zeiträume gemietet werden, es gibt aber auch Tagesarbeitsplätze (Kostenfaktor: 15 Euro) für Freelancer. Konferenz- und Tagungsräume können ab zwei Stunden gemietet werden.

Um trotz all der privaten Büros dennoch den Austausch der unterschiedlichen Unternehmen und Coworker auf dem Campus anzuregen, gibt es regelmäßige Treffen der Mieter, Veranstaltungen sowie Meetups, und auch im Gebäude selbst gibt es zahlreiche offene Chillout-Zonen, Kaffeeräume oder auch Kreativräume, in denen sich die Coworker austoben, beziehungsweise ausruhen können.

Toilettenwand (Image by Marinela Potor)
Kreative Toilettenwand (Image by Marinela Potor)

Der Factory Campus setzt auf moderne Einrichtung, helle Räume und humorvolle Design-Ideen, die die Coworker inspirieren sollen. So gibt es auf den Toiletten beispielsweise Malstifte, mit denen Benutzer die Wandtapete verschönern können.

Die Open Spaces haben gemütliche Sofas und Stühle, doch hier geht es naturgemäß auch etwas lauter zu. Wer mehr Ruhe zum Arbeiten braucht, ist wahrscheinlich besser mit einem Büro bedient. Für punktuelle Ruhezonen können aber auch die schallisolierten „Telefonboxen” genutzt werden.

Doch auch eine Ruhezone ist schon in Arbeit. Aktuell entsteht ein Ruhe- und Wellnessbereich, in dem beispielsweise Yoga- und Pilatesworkshops angeboten werden können. Auch Duschen und Handtücher können hier für drei Euro gemietet werden. Wer möchte, kann hier auch eine Schlafkabine für ein kurzes Nickerchen mieten.

Chill-Zone (Image by Marinela Potor)
Die gemütliche Chill-Area. (Image by Marinela Potor)

Factory Campus setzt auf Abomodell

Insgesamt fällt auf, dass jede noch so kleine Zusatzleistung beim Factory Campus separat gebucht werden muss. „Uns war es wichtig, dass unsere Mieter die verschiedenen Angebote modular buchen können”, erklärt Ralf Neuhäuser das Prinzip hinter den vielfältigen Mietangeboten. „Manche Unternehmen brauchen vielleicht nur ab und zu einen Konferenzraum. Startups wollen möglicherweise erstmal nur eine Postadresse und ein Postfach. Andere Freelancer wollen nur hin und wieder kommen, dafür aber an einem Fixed Desk arbeiten. All das kann man entsprechend separat buchen.” Wer wiederum Mitglied wird, bekommt vieles inklusive – das genaue Angebot variiert je nach Abo. So will der Space natürlich auch einen Anreiz für die Memberships schaffen, denn diese sollen laut Ralf Neuhäuser das Kernstück des Coworking-Modells werden.

Eingang Factory Campus (Image by Marinela Potor)

Die Auslastung scheint gut zu sein, aussagekräftige Zahlen gibt es derzeit aber nicht. Dazu sei das Kommen und Gehen im Moment noch zu dynamisch, sagt Neuhäuser.

Nach einem Tag auf dem Factory Campus lässt sich zusammenfassen: Hier findet sich ein angenehmer, inspirierender Arbeitsplatz. Es ist erstaunlich, was hier in so kurzer Zeit aus einem alten Fabrikgebäude entstanden ist – und in Zukunft noch entstehen wird. Bleibt nur zu hoffen, dass Coworking Spaces wie dieser tatsächlich mehr Startups und kreative Köpfe in die Region locken können.


Images by Marinela Potor


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Homo Digitalis: Digitale Unternehmer sind schöpferisch und kreativ

Tastatur (adapted) (Image by JeongGuHyeok [CC0 Public Domain] via pixabay)

Die Digitalisierung fordert alle Unternehmen und auch die akademischen Disziplinen heraus. Eine Antwort will jetzt die BWL im Strategischen Management liefern. Das dokumentieren jedenfalls die Autoren Thomas Hutzschenreuter, Torsten Wulf und Dodo zu Knyphausen-Aufseß in einem Gastbeitrag für die FAZ. Keiner wisse genau, wie neue Branchenstrukturen aussehen, welche Plattformen und Technologien sich durchsetzen und wie digitale Technologien zukünftig ausgeprägt sein werden. Zudem hänge die Beschaffenheit der Welt jenseits der digitalen Transformation von den Akteuren selbst ab. „Wir sprechen in diesem Zusammenhang von Endogenität, womit gemeint ist, dass die Veränderung eines Systems aus dem System selbst heraus und nicht ausschließlich von außen beeinflusst wird.

Betonung der Unterschiedlichkeit

Auch wenn die Forschung zum Strategischen Management eine Reihe von inhaltlichen Beiträgen zum Umgang mit Chancen und Risiken der Digitalisierung geleistet habe, darf dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass Digitalisierungsansätze in Unternehmen so unterschiedlich sind wie die Unternehmen selbst. Deshalb könne das Strategische Management nur in begrenztem Maße generell gültige, allgemeine Empfehlungen für den Umgang mit der digitalen Transformation liefern. Strategie sei immer individuell.

Wie Lehrstühle sowie Lehrbücher mit diesen Empfehlungen umgehen und wie man sich auf das Echtzeit-Management in der Datenökonomie ausrichtet, bleibt abzuwarten. Zumindest eine Erkenntnis hat sich bei den drei Autoren durchgesetzt: Die Zeit der „Wöhe-BWL“ sei vorbei. Was nun kommt, dass müsste erst erkundet werden. Löblich ist zumindest das Bekenntnis der drei Wissenschaftler, dem Ansatz des Nationalökonomen und Soziologen Joseph Schumpeter zu folgen. In seinem Erstlingswerk „Das Wesen und der Hauptinhalt der theoretischen Nationalökonomie“ aus dem Jahr 1908 (!) hat er auf die Bedeutung individueller Erscheinungen besonders für die Ökonomik hingewiesen.

Wie Einzelne die Ökonomie verändern

Das erläutert Jesko Dahlmann in seiner vorzüglichen Arbeit „Das innovative Unternehmertum im Sinne Schumpeters: Theorie und Wirtschaftsgeschichte“ (erschienen im Metropolis-Verlag). Schumpeter spricht vom methodologischen Individualismus, der vom Handeln Einzelner ausgeht, um kollektive und gesellschaftliche Phänomene nachvollziehen zu können. Nur die Detailuntersuchung könne beachtenswerte Ergebnisse ergeben. Ökonomen besäßen die unglückliche Neigung, viel zu häufig zu aggregieren und auf diese Weise wichtige Unterschiede zu verschleiern. „Hütet Euch vor Durchschnitten“, sagte Schumpeter gern.

Der Entrepreneur ist kein Homo Oeconomicus

Schumpeters Entrepreneur unterscheidet sich deutlich vom so genannten Homo Oeconomicus der traditionellen Wirtschaftswissenschaft. Der Schumpetersche Unternehmer unterläuft das rein ökonomische Kalkül. Es geht ihm nicht um Zweckrationalität, sondern um das Schaffen des Neuen selbst.

Dahlmann verweist auf die wirtschaftssoziologischen Arbeiten von Euteneuer und Niederbacher, die darlegen, dass es an empirischen Belegen für Schumpeters Unternehmerbild mangelt. Diese Figur werde selbst explizit definiert und nur wenige der in der Forschungspraxis auf den Unternehmer bezogenen Hypothesen stehen auf einer soliden theoretischen Grundlage oder sind durch Fallstudien empirisch abgesichert. Was macht also einen Unternehmer konkret aus, der es vermag, die Wirtschaft in neue Bahnen zu lenken? Heute müsste man fragen, wer ist wirklich ein Homo Digitalis, der im 21. Jahrhundert Akzente setzen kann? Es geht dabei um das schöpferische Gestalten und nicht um das passive Konsequenzen ziehen.

Vulgärkapitalisten ohne dauerhaften Erfolg

Dahlmann ist den Schumpeter-Kriterien für den schöpferischen Unternehmer gefolgt und hat neun Persönlichkeiten der zweiten industriellen Revolution ausführlich untersucht. Seine Ergebnisse führen zu Überraschungen, die den vulgärkapitalistischen Lemuren im Silicon Valley wohl überhaupt nicht gefallen werden: Alle ausführlich analysierten Geschäftsmänner haben sich durch ein außergewöhnliches soziales Engagement ausgezeichnet. „Siemens gründete bereits 1872 eine Pensions-, Witwen- und Waisenkasse für seine Angestellten, weitere Maßnahmen folgten. Rathenau war nicht nur jahrzehntelang Mitglied im karitativen Verein ‚Gesellschaft der Freunde’, auch die AEG-Arbeiter profitierten auf verschiedene Weise von seinem sozialen Verantwortungsgefühl. Oetker zahlte zusätzliche Jahresabschlussvergütungen und Weihnachtsgeld an seine Mitarbeiter, organisierte Betriebsausflüge, richtete eine Kaffeeküche ein, zudem waren die kostenlosen Koch- und Backkurse bei der weiblichen Belegschaft außerordentlich beliebt. Troplowitz reduzierte die wöchentliche Arbeitszeit der Beiersdorf-Angestellten bereits im Jahr 1912 auf lediglich 48 Stunden (üblich waren damals 60 Stunden) bei vollem Lohnausgleich.“ So gehen die Aufzählungen weiter.

Mehr Schöpfer als Zerstörer

Diese Unternehmer waren weitaus mehr Schöpfer als Zerstörer. Sie hatten höhere Ambitionen und starrten nicht einseitig auf Profite. „Ihre Innovationen haben ihren Unternehmen den wenig aussichtsreichen Kampf erspart, stets kostengünstiger als die Konkurrenz sein zu müssen“, so Dahlmann. Es waren eben rebellische Unternehmer, die sich nicht mit Effizienzinnovationen zufrieden gaben oder Gewinn-Exzesse über die Entlassung von Mitarbeitern betrieben. Sie starrten nicht auf utopische Renditen, sondern konzentrierten sich auf langfristige Wettbewerbsvorteile über neuartige und bessere Produkte und neue Produktionstechniken. Es waren Unternehmen, die sich durch Erfindungen einen Vorsprung verschafften und nicht durch Kartellabsprachen im Hinterzimmer.

Kann das mit dem Methodenkasten der Mainstream-Ökonomen überhaupt abgebildet werden? Die das Allgemeine betrachten und Einzelphänomene unterschätzen, die auf exogene Faktoren schielen und Maßnahmen nach dem Gießkannen-Prinzip empfehlen? Die Manager ausbilden, aber keine rebellischen Unternehmer, die das Vorhandene in Frage stellen und das Bessere anstreben? Das kann weder die BWL noch die VWL. Schaffen wir also wie Leibniz Akademien als anti-institutionelle Einrichtungen für neues Unternehmertum. Das Notiz-Amt sieht die Notwendigkeit einer neuen Theorie jenseits des universitären Betriebes.


Image (adapted) „Tastatur“ by JeongGuHyeok (CC0 Public Domain)


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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

Follow me
  • WHATSAPP Chip: WhatsApp immer besser: Diese Foto-Funktion gibt es endlich für Android: Foto-Fans können sich freuen, denn der Messenger WhatsApp möchte nun auch endlich auf angesagte Filter in der Foto-Funktion umsteigen. Bisher können Nutzer ihre Bilder lediglich zuschneiden oder mit einem Smiley aufbessern, was dennoch für die meisten als langweilig gilt. Die Anzahl der Nutzer, die Bilder direkt über den Messenger aufnehmen, gehen zudem immer weiter zurück. Daher möchte Whatsapp schon bald dem Trend mit angesagten Filtern für schönere Fotos ebenfalls nachgehen.

  • NINTENDO Heise: Klage gegen Nintendo: Switch-Controller sollen Patent verletzten: Gamevice verklagt Nintendo. Laut dem US-amerikanischen Hersteller von Gaming-Zubehör für Smartphone und Tablets, sollen die neuen Controller von Nintendo, die unter dem Namen „Nintendo Switch“ bekannt sind, zu sehr den Controllern einer Spielekonsole aus dem Jahr 2012 ähneln. Bislang war Nintendo mit seinen Controllern am Markt sehr erfolgreich. Gamevice aber fordert nun Schadensersatz und einen Verkaufsstopp.

  • APP Golem: Forscher finden über 4000 spionierende Android-Apps: Seit Anfang des Jahres soll ein Anbieter etwa 4.000 Apps auf den Markt gebracht haben, die teilweise auch über den Google Play-Store verbreitet wurden. Diese Apps können sowohl das Mikrofon am Smartphone aktivieren als auch Telefonate mitschneiden und SMS versenden. Die Sicherheitsfirma Lookout gab dieser Malware-Familie den Namen „Sonic Spy“. Die Gefahr bei diesen Apps besteht vor allem darin, dass beispielsweise teure Sondernummern angerufen und Log-Daten und Informationen über WLAN-Access-Points übertragen werden können.

  • HOMEOFFICE Zeit: Wer flexiblere Heimarbeit fordert, droht mit Schlafentzug: Ein Traum für viele Arbeitnehmer: Acht Stunden für die Arbeit, acht Stunden Freizeit und dazu noch acht Stunden Schlaf. Schlafforscher finden dies genau richtig, denn derzeit sieht der Arbeitsalltag für die meisten Arbeitnehmer ganz anders aus. Weniger Schlaf, lange Arbeitszeiten und eine ständige Erreichbarkeit. Wichtig wäre es hier einmal genauer darüber nachzudenken, die digitalen Möglichkeiten zu nutzen und Home Office zu einem wesentlicheren Bestandteil im Arbeitsalltag zu machen.

  • ANDROID T-Online: Kurz vor Start: Das kann Android 8.0: Jetzt dauert es nicht mehr lange, bis die finale Version des neuen Betriebssystems Android 8 veröffentlicht wird. Auch wenn der Name noch nicht bekannt ist – viele spekulieren, dass der Name Oreo, benannt nach der bekannten Keksmarke, sein wird – gibt es schon einige Details zu den neuen Funktionen des Betriebssystems. Nutzer können sich unter anderem über individuelle Benachrichtigungen, Bild-im-Bild-Videos oder über die stromsparende App-Bremse freuen.

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Chronisch Kranke fordern gesetzlichen Anspruch auf Homeoffice

Homeoffice (adapted) (Image by kaboompics) (CC0 Public Domain) via Pixabay

Tim Cole und Ossi Urchs haben in ihrem Buch „Digitale Aufklärung“ die Dezentralität als „Wertschöpfungsnetzwerk“ beschrieben: Komplexe Aufgaben werden in einfache Module zerlegt und über das Netzwerk an Personen vergeben, die dafür die nötige Kompetenz und Zeit besitzen. So werden einzelne Mitarbeiter, Arbeitsgruppen und sogar ganze Organisationseinheiten projekt- und aufgabenbezogen zu Teams zusammengeführt und bilden damit eine Art virtuelle Organisation auf Zeit. Urchs und Cole sprechen sehr treffend von einer „Cloud-Belegschaft“. Technologisch ist das schon längst umsetzbar.

Magere Homeoffice-Bilanz in Deutschland

In der Realität sieht das leider anders aus. Der Anteil der Beschäftigten, die im Homeoffice arbeiten können, stagniert oder wird in manchen Unternehmen sogar wieder zurückgeschraubt. Deutschland liegt nach einer Studie des DIW beim Anteil der Personen mit Homeoffice unter dem EU-Durchschnitt und deutlich hinter anderen Ländern wie Frankreich oder den skandinavischen Ländern zurück. Nur zwölf Prozent aller abhängig Beschäftigten hierzulande arbeiten überwiegend oder gelegentlich von zu Hause aus, obwohl dies bei 40 Prozent der Arbeitsplätze theoretisch möglich wäre. In den meisten Fällen scheitert der Wunsch nach Heimarbeit an den Arbeitgebern. Würden sie umdenken, könnte der Anteil der Heimarbeiter auf über 30 Prozent steigen.

Viele Arbeitnehmer fürchten sich davor, dass die eigenen Leistungen über dezentrale Strukturen nicht mehr richtig wahrgenommen werden. Beschäftigte lieber im Büro arbeiten zu lassen, ist auf der Arbeitgeberseite häufig von der Tatsache beeinflusst, dass man Führung über Autorität und weniger über Vertrauen realisiert. Das sind die beiden wichtigsten Angstaspekte: Zum einen die Frage aus Arbeitgebersicht, ob Mitarbeiter ohne Kontrolle überhaupt Ergebnisse leisten und zum anderen, ob Kontrolle außerhalb der Unternehmensgrenzen überhaupt möglich ist.

Pomadiger Breitbandausbau trocknet ländliche Regionen aus

Und dann gibt da noch den pomadigen Breitbandausbau, der sich negativ auf die Verteilung der Arbeitskräfte auswirkt. Der demographische Wandel ist geprägt von Regionen, die durch ihre urbane Struktur überhaupt kein Problem bei qualifizierten Arbeitskräften haben. Aber es gibt immer mehr Regionen, die zurückbleiben. Des Weiteren zeigt sich die Entwicklung, die man landläufig nur für Ostdeutschland vermutet hat, nun auch dramatisch in Westdeutschland.

Es ist also ein generelles Problem, dass manche Regionen regelrecht ausbluten, da die Überalterung zusätzlich damit verbunden ist, dass die jungen und mobilen Leute diese Regionen verlassen. Kritisch wird es vor allem in Regionen, in denen keine angemessene digitale Anbindungs-Konstellation gegeben ist. Gerade für dezentrales Arbeiten benötigt man schnelles Internet. Aber da gibt es einen Teufelskreis. Jene Regionen, in denen Firmen abwandern oder Nachwuchskräfte das Dorf oder den ländlichen Raum verlassen, büßen Steuer- und Gebühreneinnahmen ein. Diese wiederum werden benötigt, um Infrastruktur zu finanzieren.

Starre Arbeitsmodelle schlecht für chronisch Kranke

Auch chronisch Kranke sind von den starren Arbeitsmodellen in Unternehmen und der öffentlichen Verwaltung betroffen. „Für Rheumaerkrankte führt das zu vielen Problemen, etwa wenn Arzttermine anstehen. Rund 81 Prozent der Befragten haben sich dafür ausgesprochen, dass es einen gesetzlichen Anspruch auf Homeoffice geben sollte“, teilt die Deutsche Rheuma-Liga in einer Pressemitteilung mit.

Das Notiz-Amt begrüßt diese Initiative und verweist auf eine Podiumsdiskussion im Digital Hub Bonn, wo es um das Thema Rheuma & Arbeit geht. Im Livestream auf Facebook könnt Ihr die Bonner Kandidaten für den Deutschen Bundestag in der Kommentarfunktion ja mal fragen, was sie von dieser Forderung halten und warum dezentrales Arbeiten nicht stärker gefördert wird. Am Dienstag, den 15. August, um 18 Uhr geht es los.


Image „Homeoffice“ by kaboompics (CC0 Public Domain)


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Stowe Boyd über Slack, Coworking und die Zukunft der Arbeit


Dieser Beitrag ist Teil einer Artikelreihe im Vorfeld der internationalen Tech-Konferenz Viva Technology, zu der vom 15. bis 17. Juni 2017 rund 50.000 Teilnehmer und über 5.000 Startups nach Paris kommen. Die Netzpiloten werden als Medienpartner der Viva Technology mit vor Ort sein. Und hier gibt es Tickets für das Event zu gewinnen.


Der Futurist und Forscher Stowe Boyd hat schon den ein oder anderen Trend in der vermeintlichen Arbeitswelt von morgen aufgespürt, getestet und kommentiert – und manche davon dann auch wieder spurlos verschwinden sehen. Nicht alles, was die Zukunft der Arbeit sein soll, hat dann auch die Macht, wirklich etwas zu verändern. Wir haben uns mit ihm im Vorfeld der VivaTech, auf der er auch als Redner auftreten wird, über Slack, Coworking, und wie Künstliche Intellligenz die Zukunft der Arbeit verändern wird, etwas genauer unterhalten: 

Tobias Schwarz: Vor beinahe neun Jahren haben Sie ein Interview mit einem meiner Vorgänger, Peter Bihr, bei Netzpiloten durchgeführt und erklärt, warum die E-Mail nicht mehr funktioniert. Was denken Sie heute über die E-Mail?

Stowe Boyd (adapted)
Image by Stowe Boyd

Stowe Boyd: Ich wette, dass ich so etwas Ähnliches wie das Folgende gesagt habe: Wir wollen die E-Mail für ein weites Spektrum von Anwendungsfällen anwenden, es stellt sich jedoch heraus, dass es am besten für Applikationen, die Spaminhalten sehr ähnlich sind, geeignet ist, wie beispielsweise E-Mail-Newsletter. Die Stelle, an der E-Mail nur schlecht funktioniert, ist exakt dieselbe wie die, bei der die Menschen eine Art der Arbeitskommunikation anwenden wollen – wie beispielsweise Slack, Hipchat und Microsoft Teams –, speziell rund um Kommunikationen in kleinen Gruppen. Die E-Mail ist geschäftlich, während ein Chat dialogorientiert ist.

Die E-Mail ist überhaupt nicht tot, die sofortige Nachrichtenübermittlung nimmt jedoch zu. Diese Veränderung geschah sogar in Unternehmen mit Programmen wie Slack, Circuit und Microsoft Teams. Ist das lediglich ein Trend der Kommunikation – oder wird dies der neue Standard sein?

Ja, dies sind Arbeitskommunikationsprogramme. Sie sind chatraumbasiert und unterscheiden sich etwas gegenüber sofortiger Nachrichtenübermittlung, basierend auf Freundeslisten. Arbeitskommunikation ist grundsätzlich eine Ablehnung der dominanten Entwurfsmetapher der vorangegangenen Ära, der seriellen Datenübertragung auf der Arbeit, wie sie mit den Programmen Yammer, Chatter und IBM Connections gefunden werden kann.

Die Arbeitskommunikation agiert hauptsächlich auf der Basis eines kleineren Teams, also mit weniger als zehn bis zwölf Mitarbeitern, während sich die serielle Datenübertragung an die Arbeit auf einer höheren sozialen Ebene, wie mit dutzenden oder hunderten von Menschen  orientiert. Man muss dabei bedenken, dass die meiste Arbeit in kleinen Teams vollbracht wird.

Vor einigen Monaten kritisierten Sie Slack aufgrund der geringeren Effektivität der  Gruppenchats mit einer Gruppe, die größer als zehn Leute ist. Wie können sich Ihrer Meinung nach, auf die Bürokommunikation zugeschnittene Programme, verbessern?

Sie stellen den Sinn des Gesagten falsch dar. Zunächst wies ich darauf hin, dass die optimale Gruppengröße bei der Arbeitskommunikation – wie bei Slack – bei unter zwölf Personen liegt. Zweitens vermerkte ich das Phänomen der „sozialen Vermengung“, die in Organisationen passiert, die Slack-Kanäle offen lassen. Eine Menge Leute von Außerhalb fangen an, den Chaträumen beizutreten und die Arbeit des Kernteams zu unterbrechen, indem sie zu viele Fragen stellen und eine Menge Lärm machen. Drittens passieren eine Menge verborgener Sachen in Chaträumen, weil diese Räume intransparent sind. Intransparent kann jedoch, abhängig vom Kontext, sowohl gut als auch schlecht sein.

Das stimmt, aber wie wir arbeiten, ändert sich grundlegend – es wird mehr dezentralisiert und miteinander verbunden sein, wenn es nicht jetzt schon der Fall ist. Welches sind Ihrer Meinung nach die anderen Veränderungen, abgesehen von Bürokommunikation, die wir in den nächsten zehn Jahren sehen werden?

Wir haben die vollen Auswirkungen der etablierten Erfindungen des 21. Jahrhunderts – wie beispielsweise mobile, soziale und Kommunikationstechnologien, die das menschliche Leben umorganisiert haben – nicht voll integriert und der Durchbruch zu dem, was als digitale Transformation im Unternehmenssektor bezeichnet wird, ist eine direkte Konsequenz aus diesen Megatrends.

Wir werden allerdings nicht die Zeit haben, um diese Welle zu Ende zu reiten, weil wir von einer Vielzahl anderer Technologien getroffen werden, die wahrscheinlich gleichwertige oder größere Auswirkungen auf uns haben werden: Künstliche Intelligenz, erweitere Realität und das Internet der Dinge. Insbesondere die KI stellt außergewöhnliche Herausforderungen für die Zukunft der Arbeit dar. Gerade die KI kann zu einer Zukunft ohne Jobs führen, wenn sie sich in jeder Ecke und Nische ansiedelt, während die Welt immer „führerloser“ wird. Ich arbeite an einem Buch zu diesem Thema, es trägt auch den Arbeitstitel „Führerlos“.

In einem Interview, das Sie mit Jennifer Magnolfi geführt haben, sagten Sie einmal, dass Sie fasziniert sind von der Vorstellung, dass Unternehmen sich Coworking und Räume wie Nährböden anschauen – Sie nannten das den „Laufstall des Coworking“. Da ging es um Tischtennisplatten, Nerf-Waffen und so weiter. Was wurde zur modernen Antwort des Cubes und dem Arbeitsbereich des 21. Jahrhunderts, der sich durch geschlossenen Türen auszeichnet? Was denken Sie heutzutage über Coworking?

Ich denke, dass Coworking als ein Element der modernen Umwelt des Arbeitsplatzes fest etabliert ist. Die Ökonomie ist für Freiberufler, Startups, kleine Teams und sogar in größeren Unternehmen gerade sehr spannend. Zur selben Zeit ist Coworking ein Teil des Trends, weil es überall vorkommt. Die Ästhetik, die jeden Arbeitsplatz auf dieselbe, unpersönliche und entmenschlichte Weise ausschauen und funktionieren lässt. Der Umstand, dass ich für ein paar Stunden mit wenig Ausrüstung und geringen Kosten zu einem Coworking-Space kommen kann, oder einem Café oder einer öffentlichen Bibliothek, erscheint wie ein Schnäppchen.

Auf der anderen Seite: wenn ich gehe, ist es so, als ob ich nie da gewesen wäre. Ich bin nicht davon überzeugt, dass alle unserer Arbeitsplätze – und zu einem wachsenden Umfang gehört auch unser Zuhause dazu – keine Spur von uns aufweisen sollten, wenn wir einmal gehen.

Auf der jährlichen deutschen Coworking-Konferenz COWORK wurde diskutiert, dass Coworking als ein kleiner Trend zu einer kleineren Industrie kommerzialisiert wird und ersetzt, was davor war. Denken Sie, dass Coworking im Unternehmensbereich oder Lösungen des  Büro-Sharings von Immobilienunternehmen wie WeWork die Zukunft dieser Bewegung darstellen?

Kommerzielles Coworking ist eine Antwort auf die fehlende Verwurzelung und die geringen Margen, die mit der Ökonomie von Freiberuflern und Startups verbunden wird. Die Zahl der Freiberufler nimmt zu, zumindest in den vereinigten Staaten, und zwar aufgrund der Verschiebung der Arbeitsstruktur von Vollzeitangestellten zu auftragsbasierten „Arbeitnehmern“ und Unternehmen. Also wird der Trend weitergehen.

Vor einigen Wochen beriet ich eine Gruppe, die von dem Bundesministerium für Bildung und Forschung eingeladen wurden, um darüber nachzudenken, wie die Zukunft der Arbeit im Jahr 2030 aussehen wird. Sie beschrieben Dinge, die sie im Jahre 2030 haben möchten, die bereits Realität sind – von denen sie nur nichts wussten. Wie wird Arbeit im Jahr 2030 aussehen?

Alfred North Whitehead sagte einmal: „Es ist das Geschäft der Zukunft, gefährlich zu sein“. Tatsächlich zu erraten, wie die Zukunft aussehen wird, kann erschreckend sein. Die Leute werden angehalten, keine weiteren Änderungen vorzunehmen, selbst wenn sie danach gefragt werden. Sie tun lieber so, als wäre morgen genau wie gestern, obwohl sie es nicht wirklich glauben. Die Alternative wäre, ihre grundlegenden Prämissen zu hinterfragen, die unsere heutigen Gesellschaft darstellt.


Image by Stowe Boyd


Die Netzpiloten sind Partner der Viva Technology und werden vor Ort berichten. Wir verlosen Tickets für das Event, das vom 15. Bis 17. Juni 2017 in Paris stattfindet. Um an der Verlosung teilzunehmen, macht einfach mit und nutzt eure Chance auf Tickets for free für die Viva Technology! Zeit habt ihr dafür bis Dienstag, den 06. Juni. Viel Glück!

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Coworking Insights: Coworking in Cafés braucht eine neue Antwort!

St-Oberholz_by_Andreas-Louca

Coworking Spaces sind Orte der Arbeit, die sich nicht aus Bürostrukturen, sondern aus der Kaffeehauskultur entwickelt haben. Vor allem die traditionellen Kaffeehäuser in Wien haben das Prinzip bis heute geprägt und vorgelebt – auch ohne WiFi. Das von mir zusammen mit Koulla Louca 2005 in Berlin gegründete St. Oberholz ist so ein Café, dass das Konzept des Arbeitens im Café erst in Deutschland bekannt machte – mit WiFi.

Inzwischen besteht das St. Oberholz aus drei Cafés, zwei davon mit angeschlossenen Coworking Spaces. Was sie mit den Wiener Kaffeehäusern des 19. Jahrhunderts verbindet, sind die gleichen Werte: gelebte Offenheit, größtmögliche Freiwilligkeit sowie leichte Zugänglichkeit.

Der Deal war immer unausgesprochen, aber stets klar: die Gäste honorierten genau diese Werte, vor allem die Idee der Freiwilligkeit, mit fairem Verhalten durch angemessenen Konsum. Dieser Deal scheint nicht mehr aufzugehen.

Gäste zeigen verändertes Verhalten

Nach Befragungen uns bekannter ähnlicher Coworking-Cafés lässt sich feststellen, dass die Selbstverständlichkeit, dass man in einem Café auch dessen Produkte konsumiert, wenn man dort verweilt und über einen langen Zeitraum WiFi und Strom nutzt, nicht mehr ausreichend gegeben ist. Dieses Phänomen hat in den letzten Jahren ein problematisches Ausmaß angenommen und die ursprüngliche Idee der Offenheit wird damit torpediert. Es ist kein neues Phänomen, jeder Betreiber eines Cafés kennt es. Selbst in Cafés ohne WiFi tritt es auf.

Die Reaktionen auf diese Entwicklung fallen verschieden aus. Viele Cafés beschränken den Zugang zeitlich zum WiFi oder bieten es gar nicht mehr an. Die Nutzung von Laptops wird teilweise verboten. Manche Coworking Spaces haben ihre Cafés bereits für die Öffentlichkeit geschlossen. Dabei ist doch gerade das offene Café, das jeder nutzen kann – und nicht nur die Member-, eine wichtige Schnittstelle der Coworking Spaces mit der Außenwelt.

Woher rührt diese veränderte Verhaltensweise von Gästen, sobald mobiles Arbeiten und ein Laptop involviert sind? Warum würde ein Gast in einem Sushi-Restaurant niemals nach heißem Wasser für seine Fünf-Minuten-Terrine fragen (so geschehen im St. Oberholz), aber sich ins Coworking Cafés fremdes Essen und Getränke mitbringen?

Offenheit ist verdächtig

Remote-Work_im_St-Oberholz

Ein Gast isst ein Döner Kebab im Café.

Kellner: „Du darfst hier keine mitgebrachten Speisen essen.“
Gast: „Aber ihr verkauft ja kein Kebab.“
Kellner: „Bitte pack das sofort weg und bestelle etwas von unserer Karte.“
Gast: „Das Kebab wird später aber kalt sein und nicht mehr schmecken.“
Kellner: „Entweder du packst es jetzt weg und bestellst etwas oder du musst bitte gehen.“
Gast packt missmutig das Kebab ein: „Aber ich habe gestern auch schon einen Kaffee bei Euch gekauft.“

Die Verhaltensweise der Gäste deutet auf ein vermindertes Schuldempfinden und unterdrückte Schamfähigkeit hin. Denn sonst würde man sich eher für sein Verhalten entschuldigen und sich erwischt fühlen, als mit dem Gastronomen auch noch über selbstmitgebrachte Speisen diskutieren. Es scheint aber überhaupt kein Unrechtsempfinden in der Bewertung des eigenen Verhaltens vorhanden zu sein. Die Psychologie kennt verschiedene Faktoren, die Schuld und Schamempfinden mindern können. Einer der Faktoren lautet: unbewusstes Wiedergutmachungsrecht.

Die Nutzung des Internets und digitaler Dienste ist heute mit einer hohen Unsicherheit der Nutzer und Intransparenz der Nutzung ihrer Daten verbunden. Jeder, der sich auch nur ein klein wenig mit den Mechanismen des Plattformkapitalismus auskennt, weiß, dass nicht die kostenlose Plattform, sondern er selber das Produkt ist. Er weiß, dass seine Daten als Ware verkauft werden, kennt aber nicht das exakte Ausmaß. Er akzeptiert gezwungenermaßen diesen Deal, da er im Gegenzug die unverzichtbare Plattform und deren Dienste nutzen kann. An dieser Stelle wird ein grundlegendes Gefühl des Misstrauens und des Opfererfahrens erzeugt.

Hier kommt nun eine Verwechselung ins Spiel: Coworking Cafés, die von idealistischer Freiheit geprägt sind, erscheinen ebenso verdächtig wie digitale Plattformen. Wenn der Cafégast nicht konsumieren muss, sondern nur konsumieren darf, wenn er möchte, ist das Konzept verdächtig. Es wird unbewusst vermutet, dass diese Offenheit nur damit zu tun haben kann, dass der Ort auf eine andere, intransparente Art und Weise die Nutzer kommerziell ausbeutet. Vielleicht werden auch hier die Nutzerdaten an die Industrie verkauft, Ideen von Gründern gestohlen und kopiert. Meldungen über für Außenstehende schwer nachzuvollziehende milliardenschwere Bewertungen einer internationalen großen „Coworking“-Marke tun ein Übriges, den Verdacht zu erhärten.

Es scheint dem Gast also in Ordnung zu sein, sich ein Getränk am Morgen zu kaufen, davon drei Schlucke zu trinken, es auf dem Tisch stehen zu lassen, als Symbol des Hacks des freiwilligen Konsums und damit in Überzeugung moralischer Überlegenheit stundenlang den Ort zu nutzen, ohne weitere Bestellungen aufzugeben. Im unbewussten Misstrauen verhaftet, dass man heutzutage eben nichts mehr geschenkt bekommt, sondern man selber die Ware ist.

Ein zweites psychologisches Phänomen prägt das veränderte Konsumverhalten. Kurt Lewin definierte den Begriff des „Aufforderungscharakters“ von Situationen. Er beschreibt das Zusammenspiel zwischen Objekt und Person, die immer in Wechselwirkung zueinanderstehen. Ein heranrollender Ball löst in manchen Menschen das Bedürfnis aus, mit ihm zu spielen, in anderen tut er das nicht.

Einer der Meister im Ausnutzen des Phänomens ist Apple. Das Unternehmen beschäftigt nicht wenige Psychologen die dafür sorgen, dass die Apple Produkte ununterbrochen sagen: Nutz mich! Sitzt der Gast nun in einem Café vor einem Laptop, so kann man davon ausgehen, dass das Café deutlich weniger Psychologen beschäftigt als der Laptophersteller. Der natürlich gegebene Aufforderungscharakter des Cafés tritt daher deutlich in den Hintergrund gegenüber dem Aufforderungschampion auf dem Tisch und erklärt eine zweite wichtige Komponente der verminderten Konsumbereitschaft der Gäste. Der Kampf um Aufmerksamkeit geht klar an die digitalen Endgeräte, das analoge Café hat keine Chance. Die ununterbrochen vernetzten Geräte lassen uns leicht und schnell beschäftigt sein. Zu beschäftigt für Essen und Trinken.

Die Antwort ist verblüffend einfach

Doch wie können Betreiber von Cafés dieses Misstrauen auflösen und wieder als Produkte anbietende Geschäfte wahrgenommen werden, ohne dabei durch Einschränkungen und Verbote das eigentliche Coworking-Prinzip zu zerstören?

Die Antwort ist verblüffend einfach: Service. Service am Tisch, der perfekt unaufdringlich ist und die Coworker mit Ihren Bedürfnissen abholt.

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Service muss groß geschrieben werden (Image: La Citta Vita, CC BY-SA 2.0)

Kellner übernehmen so eine Funktion, die sie bereits seit Jahrhunderten erfüllen. Die Beziehung zwischen Stammgast und Service ist ähnlich wie die zwischen Coworker und Community Manager. Ähnlich wie durch das Community Management in einem Coworking Space entsteht somit eine Bindung zu dem Café als Ort an sich und zugleich auch wieder eine Form der Aufforderung, zu verzehren. Kellner sollten im perfekten Fall auch grundlegende Prinzipien des Community Managements beherrschen, die Nöte und Bedürfnisse erkennen und Menschen miteinander vernetzen. Sie sollten durch Ihren Service den Arbeitsalltag der Gäste erleichtern und nicht erschweren. Coworking-Cafés könnten Ladekabel, Kopfhörer, sogar Papier und Stift, anbieten, um das Nutzungserlebnis positiv zu beeinflussen. (Im St. Oberholz verkaufen wir täglich im Schnitt drei Lightning-auf-USB-Kabel.)

Coworking funktioniert in seiner vollen Blüte nur mit Elementen der Gastronomie. Im besten Fall erschreckt sich der Gast am Ende seines Arbeitstages über die Rechnung, erfreut sich aber zugleich über den produktiven Tag im Café. Wenn die Qualität des Service und der angebotenen Produkte stimmt, wird sich der Gast daran erinnern und nicht an die Höhe der Rechnung.


Image (adapted) „Service“ by La Citta Vita (CC BY-SA 2.0)

Image (adapted) „St. Oberholz“ by Andreas Louca


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Zwischen Selbstoptimierung und Cyborg: Kann Biohacking unsere Produktivität steigern?

Technologie (adapted) (Image by Tumisu [CC0 Public Domain] via pixabay)

Ein gesünderes Leben, mehr mentale Stärke, bessere Konzentration und eine bessere Performance. Das sind einige der Ziele der Biohacking-Bewegung. Der Trend aus dem Silicon Valley ist längst auch in Deutschland angekommen. Doch ist Biohacking tatsächlich eine gesunde Form der Selbstoptimierung oder werden wir damit über kurz oder lang zu arbeitsoptimierten Cyborgs?

Zwei Monate hat er durchgehalten. So lange hat Fabian Foelsch kaum feste Nahrung zu sich genommen. Foelsch will damit aber nicht etwa ein paar Kilo abspecken oder eine Detox-Kur machen. Er will testen, ob ihn sein Nahrungsverzeicht produktiver macht. Er gehört zu den Menschen, die medizinisches und biologisches Wissen nutzbar machen wollen, um die eigene Leistung und sich selbst zu optimieren. Fabian Foelsch ist ein Biohacker.

Wenn man sich selbst zum Versuchskaninchen macht

Damit sind nicht unbedingt die DIY-Biologen gemeint, die in Garagenlabors Bakterien zur Verhütung züchten oder Mikrochips entwickeln, die wir uns unter die Haut einpflanzen. Bei der neuen Generation der Biohacker steht vor allem eines im Zentrum: Selbstoptimierung. Diese soll aber nicht etwa über genetische Experimente erfolgen, sondern vielmehr über die optimale Nutzung unserer körperlichen Funktionen. Biohacking light also. Maximilian Gotzler, Gründer der Marke Flowgrade, gilt in Deutschland als Biohacking-Experte. Er definiert den Begriff folgendermaßen: „Biohacking ist die Kunst, die neuesten Erkenntnisse aus Technologie und Natur so zu kombinieren, dass wir uns selbst weiterentwickeln und ein besseres Selbstverständnis entwickeln können.“

Im Zentrum steht dabei die Selbstvermessung. Überspitzt könnte man auch sagen, dass wir uns beim Biohacking selbst zu Versuchskaninchen machen. Gemeint ist damit das intensive Beobachten des eigenen Körpers nach wissenschaftlichen Methoden. Das kann so etwas Simples sein wie ein Ernährungstagebuch oder auch das Messen von Blutwerten, Körperfett oder komplexere Methoden wie etwa der Einsatz von Messtechnologien wie Schlaftrackern. Mit solchen Daten wollen Biohacker herausfinden und letztendlich messbar machen, was dem Körper gut tut und was ihn leistungsfähiger macht. Und sie wollen daraus Produkte für den Massenmarkt entwickeln.

Businessmodell Biohacking

Biohacking dient also nicht nur der Selbstoptimierung, es ist ein Geschäftsmodell. Das hat auch der temporäre Nahrungsverweigerer Fabian Foelsch vor einigen Jahren erkannt. Er kommt aus dem Leistungssport, hat dann aber eher klassisch BWL studiert – „also ganz langweilig“, wie er im Gespräch mit den Netzpiloten gesteht. So richtig warm wurde er denn auch nie mit seiner Arbeit im Bereich der Finanzen. So beschloss er schließlich, sein eigenes Wissen um die Performanceverbesserung aus dem Sport für den Massenmarkt zu skalieren – und startete so 2016 sein Start-Up BRAINEFFECT.

Sein aktuelles Nahrungsexperiment ist dabei nur einer der vielen Selbsttests, die er und seine Mitarbeiter im Start-Up ausprobieren. Ziel ist es dabei, Nutzern nicht nur hilfreiche Tipps wie etwa über das hauseigene Magazin zu geben.

Dazu gehören etwa Ratschläge wie weniger Kaffee trinken oder öfter an die frische Luft gehen. Das klingt nach recht banalen Tipps, die man mit ein wenig gesundem Menschenverstand wahrscheinlich auch ohne viel Geld für teure Produkte selbst umsetzen kann. Dennoch haben Biohacking-Unternehmen und Food-Brands wie BRAINEFFECT offensichtlich den Nerv der Zeit getroffen. Denn das Start-Up entwickelt auch eigene Biohacking-Produkte. Gemeinsam mit einem Team aus Leistungssportlern, Ärzten, Lebensmittelchemikern und Ernährungswissenschaftlern bietet das Unternehmen verschiedene Food-Produkte zur Selbstoptimierung an. Diese haben Namen wie „Sleep“, „Mood“ oder „Focus“ und sollen – durch rein natürliche Zutaten, wie das Unternehmen versichert – den Schlaf, die Laune oder die Konzentrationsfähigkeit verbessern.

Diese Produkte sind sehr gefragt. „Wir richten uns mit unseren Produkten an eine Vielzahl von Menschen. Unsere Kunden sind Sportler, Gründer, Banker, aber auch Mütter oder schlichtweg Menschen, die ihr Wohlbefinden verbessern wollen“ , sagt Foelsch. Diese Kunden nennt er auch „Alltagshelden“ oder „Büroathleten“. Damit ist auch klar, dass jeder von uns ein potentieller Biohacking-Kunde ist. Wer will denn schließlich nicht fitter, ausgeschlafener, entspannter und leistungsfähiger sein?

Tatsächlich könnte man dies in Eigenarbeit und durch Selbstbeobachtung wahrscheinlich auch ohne Start-Ups wie BRAINEFFECT erreichen. Doch die Biohacker profitieren dabei auch von einer grundlegenden menschlichen Eigenschaft: der Faulheit. Anstatt uns mit Schlaftrackern oder Blutdruckmessgeräten selbst zu beobachten, ist es natürlich simpler, einfach eine Melatonin-Kapsel für besseren Schlaf einzunehmen. Auch wenn hinter diesen Produkten wissenschaftliche Erkenntnisse und fundierte Studien stecken: Im Prinzip wird damit – wie schon seit Jahrhunderten – Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit aus der Flasche verkauft.

Fabian Foelsch (2)
Fabian Foelsch (Image by BRAINEFFECT)

Medizinisches Wissen demokratisieren

Das wäre dann vielleicht einfach nur geschicktes Marketing und nicht weiter bemerkenswert. Doch wird mit solchen Start-Ups nicht auch das Bild der optimierten Supermenschen, passend zur Always-On-Mentalität propagiert? Nur, wenn man Selbstoptimierung einseitig definiert, findet Fabian Foelsch.

Natürlich klingt Biohacking für viele nach der Heranzüchtung von Cyborgs oder optimierten Fließbandmenschen für Unternehmen. Doch das ist eigentlich genau das Gegenteil von dem, was wir anstreben. Wer bei Leistung an Energiedrinks und durchgepowerte Nächte denkt, hat das Konzept nicht wirklich verstanden. Tot-Optimierung ist nicht das Ziel. Uns geht es nämlich genau darum, Burnout zu verhindern. Es geht beim Biohacking um nachhaltige Leistungsfähigkeit, also eher um den Marathon als um den Sprint“ . Denn – und das ist Fabian Foelsch sehr wichtig – Leistung kann nur dann optimiert werden, wenn wir uns auch ausreichend Ruhe und Entspannung gönnen. Kein Wunder also, dass gerade gesunder und erholsamer Schlaf für ihn im Zentrum der Selbstoptimierung steht.

Dahinter steckt aber auch das Wissen um die stetig wachsende Digitalisierung unserer Arbeit, sagt Foelsch. „Je mehr traditionelle Jobs wegfallen, desto mehr müssen wir Arbeit neu definieren. Es geht nicht mehr darum, Dinge auswendig zu lernen oder Fließbandarbeiter zu schaffen. Wir müssen vor allem an unserer Kreativität arbeiten.“

Genau dabei soll uns Biohacking helfen. Denn mit den Methoden der Selbstbeobachtung und der Selbstoptimierung können wir demnach nicht nur produktiver sein, aber auch mental fitter und somit kreativer. Wie viele Biohacker sieht Foelsch seine Arbeit auch ein Stück weit als Demokratisierung von medizinischem Wissen. Analysen und Befunde, die früher nur von Ärzten durchgeführt werden können, kann man heutzutage ganz einfach selbst machen. Dieses Wissen kann dann positiv genutzt werden. Denn je mehr wir von unserer Biologie verstehen, desto selbstbestimmter können wir leben.

Es geht Biohackern wie Foelsch also nicht darum, aus Menschen Duracell-Hasen zu machen, sondern darum, dass wir unser eigenes Leben in die Hand nehmen. Nach Meinung von Foelsch sollten uns Methoden wie Biohacking dabei helfen, bewusstere Lebensentscheidungen treffen zu können. „Dazu gehört auch, dass ich auch mal abends Pizza essen gehe. Selbst, wenn ich weiß, dass ich danach schlechter schlafe, ist mir dann in dem Moment der schöne Abend mit meiner Freundin wichtiger. Aber es war dann eine bewusste Entscheidung, die auf fundiertem Wissen über mich selbst basiert“.

Andersherum können wir mit diesem Wissen auch Dinge vermeiden, die uns schaden. Wenn wir beispielsweise wissen, dass das Licht am Smartphone Gift für unseren Schlaf ist, können wir vor dem Zubettgehen stattdessen einfach ein Buch lesen. Wie weit man bei der Selbstbeobachtung und Selbstoptimierung geht und inwieweit man sich auf bestimmte Maßnahmen versteift, ist dabei jedem selbst überlassen. Doch fest steht, dass Biohacking uns immerhin eine Tür zu einem ausgeglichenerem, gesünderen Leben öffnen kann.


Image (adapted) „Technologie“ by Tumisu (CC0 Public Domain)


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Gewaltenteilung für die Maschinenwelt – Warum wir Utopien brauchen

Himmel (adapted) (Image by Alexas_Fotos [CC0 Public Domain] via pixabay)

Wenn Technokraten über Zukunft reden, kommen in der Regel 4.0-Wortungetüme heraus, die sich in Zahlen, Effizienz und Effektivität suhlen. Alles wird besser. Kaum einer formuliert, wie und was wirklich besser werden soll. Welche Ziele, welche Werte und welche Ethik werden angestrebt? Die Silicon-Valley-Himmelsstürmer und die Copy-Cat-Abziehbilder in Deutschland erstreben die Weltherrschaft, verweigern aber den normativen Diskurs. Man will besser werden, neue Horizonte erstreben, Vergangenheit zurücklassen, beginnt Sätze mit dem Adverb „beyond“ und verharrt in Zwischenorten, Zwischenzeiten und in Wartesälen des Denkens.

Digitalisierung im Wartesaal des Denkens

Bei Intellektuellen wie Politikern im Westen scheint heute Stillstand im Fortschritt zu herrschen, jeglicher Richtungssinn verloren gegangen zu sein …“ , schreibt Günter Blamberger im Band „Möglichkeitsdenken – Utopie und Dystopie in der Gegenwart“ , erschienen im Wilhelm-Fink-Verlag. Es dominiert selbst bei den digitalen Vordenkern eine Trägheit des Kopfes, weil man dem kritisierten Bestehenden weder praktisch noch theoretisch etwas entgegenzusetzen hat. Kein futuristisches Denken, keine Utopien und keine Phantasien.

Die Human Resources programmieren die Employer Branding Maschine rasch noch auf die Kohorte der so genannten ‚Millennials‘, während männliche Mittfünfziger in den Chefetagen der Konzerne und auf den Podien der Lobbyverbände Phrasen dreschen vom Internet of Things oder der Industrie 4.0. Kaum einer weiß, was er da redet, geschweige denn, wie er seine Organisation und seine Mitarbeiter dorthin bekommt. Und in einer solchen Situation lässt sich vortrefflich Geld verdienen. So planen die meisten ihren nächsten Karriereschritt hin zur sich bereits andeutenden Vollendung des beruflichen Lebenswerks. Nach mir die Sintflut. Analog oder digital? Mir doch egal“ , so Robert Frankenin seinem Blog „Digitale Tanzformation“.

Graf Zahl an der Unternehmensspitze

Graf Zahl steuert die Unternehmensgeschicke und vielleicht noch Daniel Düsentrieb, der Vorhandenes etwas besser macht. Blinklicht-Innovationen, die Professor Lutz Becker in der dritten Folge des Utopie-Podcast #KönigvonDeutschland im Gespräch mit dem Zukunftsforscher Sven Gabor Janszky angeschnitten hat.

Es fehlen leidenschaftliche Zukunftsbilder, meint Janszky. Es mangelt an Regelbrechern, die die geschriebenen und ungeschriebenen Gesetze in Frage stellen. Wir können noch so viele Digital Hubs gründen und Fördermittel herauspusten, letztlich konzentrieren wir uns auf Tätigkeiten, die die vorhandenen Technologien etwas besser machen.

Das große Gemälde für gesellschaftliche Utopien sucht man vergeblich. „Unternehmen haben heute in den allermeisten Fällen nicht einmal mehr das kleine Einmaleins der Beziehungsarbeit zu ihrer Belegschaft drauf. Sie stiften statt Sinn nur Angst und Verwirrung, wenn sie jedes Individualschicksal der großen Optimierungsmaschine unterwerfen“ , führt Franken aus.

Humankapital wird abgebaut

Humankapital eben. Stellenabbau, permanente Befristung und prekäre Lohnsituation mag kurzfristig dem Shareholder Value dienen – langfristig führt es in die Sackgasse. Statt mutig Neues zuzulassen und alte Systeme auf den Kopf zu stellen, karren wir Busladungen grauer Damen und Herren durchs kalifornische Silicon Valley. Auf dass sie die Muse der digitalen Innovation durchs Busfenster hindurch küssen mögen. Das ist Möglichkeitsdenken auf Sparflamme. Dabei gibt es keinen Determinismus, der uns vorschreibt, wie wir die Zukunft gestalten. Etwa die Rolle von wenigen Super-Computern, die nur von wenigen Menschen beherrscht werden. Gibt es wirklich nur eine Handvoll Götter, die dem Rest der Menschheit diktiert, wie wir leben sollen?

Neue Regeln denken

Wir könnten ja über neue Systeme nachdenken, die eine demokratische Gewaltenteilung für die Maschinenwelt ermöglicht, schlägt Janszky vor. Also neue Regeln, um den Machtmissbrauch von Künstlicher Intelligenz zu verhindern. Algorithmen programmieren, die dezentral, offen und kollaborativ ausgerichtet sind. Szenarien beschreiben und dann Impulse zur Realisierung bieten. Sich nicht mehr als der allwissende Experte inszenieren, das können mustererkennende und musterbrechende KI-Maschinen sowieso bald besser machen, sondern als Erster unter den Lernenden neue Möglichkeitsräume erarbeiten. Nicht konstruierten ökonomischen Sachzwängen hinterherlaufen, sondern lebenswerte Zukunftsentwürfe diskutieren. Die D2030-Initiative hat dazu interessante Skizzen geliefert. So könnte es in gut 20 Jahren ausschauen:

So kann Zukunft aussehen

Die deutsche Wirtschaft entwickelt und fertigt weiterhin erfolgreich in einem zunehmend hochdynamischen Wettbewerb. Grundlage dafür sind neben erfolgreichen mittelständischen Unternehmen vor allem eine breite Innovationskraft durch handlungsfähige Allianzen, ein substanzieller Bürokratieabbau sowie ein offenes Bildungs- und ein vielfältiges Wissenschaftssystem. Auf dem Arbeitsmarkt entsteht eine „Projektwelt“ mit flexiblen Arbeitsverhältnissen, die jedoch nicht in prekäre Beschäftigung mündet, sondern breiten Bevölkerungsgruppen deutlich Wohlstandszuwächse ermöglicht.

Offenheit für Menschen und Ideen sowie eine neue „Wir-Orientierung“ prägen die Gesellschaft.? Es werden neue Formen von Gemeinschaft, bewusstem Konsum und kultureller Offenheit erprobt – unterstützt durch die den Zusammenhalt fördernde, digitale Transformation und die gewachsene Qualität der Medienangebote. Öffentliche Daten stehen den Bürgern in großem Umfang zur Verfügung. Die breite Zuwanderung wird allgemein akzeptiert und als Chance für Veränderung begriffen. Zudem ermöglicht die Migration einen demografischen Ausgleich, und trägt insofern zum Interessenausgleich von Jungen und Alten in einem neuen „Generationenvertrag“ bei.

Der Gegensatz von Wirtschafts- und Umweltinteressen löst sich immer weiter auf. Der Einsatz von Rohstoffen kann deutlich verringert werden. Um der latenten Gefahr eines Rebound-Effektes zu begegnen, werden immer mehr Produkte und Produktionsprozesse in geschlossenen Stoffkreisläufen gehalten.
Es gibt einen akzeptierten Politikbetrieb im Zusammenspiel mit aktiver Zivilgesellschaft.? In der Politik hat sich das Subsidiaritätsprinzip in der Breite durchgesetzt: Entscheidungen werden wo möglich dezentral, wo nötig aber auch auf transnationaler Ebene getroffen. So kann Deutschland von einer vertieften europäischen Integration profitieren. Bürgerschaftliches Engagement erfolgt zudem über direkte Bürgerbeteiligung oder konsultative Elemente. Darüber sollten wir intensiver debattieren. Gefordert ist ein utopisches Denken, das Zeitkritik zur Sprache bringt – also all das, was uns zur Zeit gegen den Stricht geht – und Denkwenden provoziert. In diesem Dickicht möglicher Zukünfte diskutiere ich in der nächsten netzökonomischen Runde in Köln mit Repräsentanten der D2030-Initiative.

Offen, kollaborativ und ohne Teleprompter. Hashtag zum Mitdiskutieren #D2030. Oder einfach vorbeikommen. Das Notiz-Amt wird darüber berichten.


Image (adapted) „Himmel“ by Alexas_Fotos (CC0 Public Domain)


 

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Die Netzpiloten sind Partner beim Year of the Rooster

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In München findet am 27. April das Festival Zukunft des Digital Business im Year of the Rooster statt. Das Motto lautet dieses Jahr „Where Robots meet Buddhas“. Eingeladen zu dem Event sind Führungskräfte, buddhistische Mönche, Bestseller-Autoren und Gründer aus der Technologie-Szene. Hier sind einige der Themen, die bei dem Festival auf der Agenda stehen werden:

  • Zukunft der Arbeit und Bildung
  • Digitale Führung und persönliche Entwicklung
  • Zukunft der Medien und des Marketing
  • Internet der Dinge
  • Digitale Technologien
  • Achtsamkeit und Wohlbefinden

Warum teilnehmen?

Der Veranstalter, die Freeformers GmbH, nennt einige Gründe, die dafür sprechen, an dem Event teilzunehmen:

  • Interaktive Workshops rund um App Prototyping, Design Thinking, Live Video, Drohnen und Blockchain
  • Verständnis der Schlüsselthemen, die die digitale Wirtschaft streifen: Internet der Dinge, VR, Robotics, Zukunft der Medien, der Mobilität und der Arbeit.
  • Speed Networking, internationale „Movers and Shakers“ großen Marken treffen, Startups und Agenturen
  • Internationale Speaker aus den USA, Australien, Deutschland, der Schweiz und Großbritannien

Seht euch hier den Trailer für die diesjährige Veranstaltung an:

Beim Year of the Rooster erwarten euch viele Experten, die ihr Wissen gerne mit euch teilen. Unter anderem vor Ort sein werden:

Die Veranstaltung findet in München im Kulturzentrum Backstage statt. Hier könnt ihr eure Tickets kaufen.

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