Instagram (Bild: Zenspa1 [CC BY 2.0], via Flickr)

Nachgeschaut: US-Medien auf Instagram

Wie findet Journalismus im Foto-Netzwerk Instagram statt? Ein Analyse von zehn Medien auf Instagram – heute: fünf US-Medien. // von Felicitas Hackmann

Instagram

Instagram hat mehr zu bieten als Kaffee, Schuhe und Selfies. Sie können auch für Medien relevant sein. Anhand von zehn Medien aus den USA (TIME Magazine, Verge, Wired, Chicago Tribute, Vogue) und Deutschland (t3n, Süddeutsche Zeitung Magazin, Vogue Deutschland, Bild, Netzpiloten.de) wollen wir analysieren, wie Instagram im modernen Journalismus eingesetzt wird. Im ersten Artikel analysiert unsere Gastautorin Felicitas Hackmann fünf US-Medien, die mit verschiedenen Strategien und unterschiedlichen Erfolgen Instagram in ihrer redaktionellen Arbeit nutzen.


Warum ist das wichtig? Medien brauchen Reichweite. Neben Facebook und Twitter ist auch Instagram ein relevanter Player geworden.

  • Fünf Beispiele aus den USA, die zeigen, wie unterschiedlich Instagram für die Verbreitung von Inhalten genutzt werden.

  • Die Medien setzen auf visuelle Highlights mit Kurznachrichten, um auf relevante Inhalte der eigenen Medien hinzuweisen.

  • Instagram wird aber nur für die Erhöhung der Reichweite genutzt, sondern auch um das Image einer Medienmarke zu präsentieren.


TIME Magazine

time

Das TIME Magazine nutzt Instagram zum einen, um Serien wie ihr “Photo of the Week” zu promoten, posten ihr Magazin Cover, oder greifen Inhalte von Photojournalisten auf, die sie verlinken. Die fast 650.000 Follower haben mit zwischen knapp unter 2.000 und über 24.000 Likes ihre Begeisterung gezeigt.

Interessanter Weise arbeitet das TIME Magazine kaum mit Hashtags, verlinkt allerdings nach Möglichkeit die Photografen. Während Hurricane Sandy überließ das TIME Magazine fünf Photografen den Zugang zu ihrem Instagram Account, damit sie von unterschiedlichen Orten direkt live berichten konnten.


Verge

verge

Das Verge Magazin zählt auf Instagram fast 22.800 Follower, hält sich aber im Vergleich mit anderen inhaltlich sehr zurück. Die 8 Bilder, die in den vergangenen 4 Wochen geschossen wurden, wurden mit etwas unter 800 und etwas über 2.500 Likes bewertet. Inhaltlich sind es meistens neue Technik-Spielzeuge, wie z. B. das Galaxy S5, dessen Wasserfestigkeit sie sofort getestet haben. Zwar gibt es auch mal ein Konferenzbild, richtige Insights aus dem Redaktionsalltag erhält man jedoch nicht.


Chicago Tribune

chicago

Jeden Montag wird auf dem Account der Chicago Tribune ein Image mit dem neuen Motto der Woche gepostet, dass die rund 14.300 Follower auffordert, ihre Bilder dazu mit #TRIB2014 zu taggen. Über die Woche werden von der Redaktion drei Bilder ausgewählt und auf Instagram sowie auf dem Blog gepostet. Eingesendet werden jede Menge.

Die eingesendeten, reposteten Bilder (höchstes 650) sind von der Like-Anzahl beliebter als die Aufrufe (106) der Redaktion. Artikel, Schlagzeilen und ähnliches werden gar nicht gepostet.


Wired

wired

Mit 500 und bis fast 3.000 Likes haben die rund 157.000 Follower die Bilder der Wired belohnt. Auch hier finden sich insgesamt wenig Hashtags. Es gibt keine Bilder der Redaktion, sondern ausschließlich Bilder, die auf Artikel bei wired.com oder auf Inhalte der aktuellen Ausgabe verweisen. Zwischendurch gibt es auch das Cover des Printmagazins. Wired, das von faszinierenden Stories und Produkten der Zukunft lebt, hält sich nicht mit schlechten Smartphone Shots auf, sondern führt die hohe Bildqualität auf ihrem Instagram Account weiter.


Vogue

vogue

Vogue möchte man sein. In den letzten 4 Wochen hat das Modeblättchen den schlechtesten Like-Wert mit immerhin über 16.000 hingelegt. Das Bild von Beyoncé und JayZ dagegen schießt mit 80.000 Likes den Vogel ab. Das alles bei fast 1,8 Millionen Followern, die neben Gala Bildern, Model shots, behind-the-scenes auch mit Büro Fotos bespaßt werden.


Zusammenfassung der Analyse

Shots aus der Redaktionskonferenz? Muffins mit Logo oder der Hund der Praktikantin? Nein. Bei den oben gezeigten Medien (und weiteren nicht aufgelistete Bespielen) finden sich fast ausschließlich professionelle Bilder, die als Titelbild für Nachrichten oder als Nachrichtenbild für eine Kurznachricht dienen, oder visuelle Highlights.

Instagram bietet die technische Tücke, dass Links nicht funktionieren. Daher verweisen viele Redaktionen im Text darauf, dass das Thema zum Bild auf der Nachrichtenseite zu finden ist (z.B. “Find more about this on ….com” oder “___ is this week’s topic on …..com”). Instagram ist auch als Eventbegleiter häufig dabei und auch hier werden gerne professionelle Bilder (wie im letzten Beispiel von der Vogue) genommen, die dann per Instagram hochgeladen werden.

Daraus lässt sich schließen, dass Instagram zwar zum einen genutzt wird, um Reichweite zu schaffen, aber auch, um das Image einer Medienmarke zu stärken, z. B. mit ausgefallen, aber besonders auch mit professionellen Bildern. Und das ergibt Sinn: Instagram ist, so wie auch Pinterest, ein Medium, das von Bildern lebt. Als Instagram-Follower wollen wir nichts verwackeltes oder mittelschönes sehen. Wir wollen etwas entweder unheimlich schönes oder unheimlich erstaunliches sehen. Der Austausch mit den Lesern, wie im Beispiel von der Chicago Tribute, zählt daher eher zur Ausnahme. Doch auch hier lässt sich feststellen, dass nur die besonders schönen Bilder repostet werden.

Die Like-Zahl mag im Verhältnis zur Followerzahl nicht besonders hoch aussehen, jedoch muss dabei beachtet werden, dass die Nutzer, die Instagram von ihrem Smartphone gelöscht haben nicht auch ihren Account gelöscht haben und somit weiterhin als Nutzer (Follower) gelten.

Laut Instagram hat das Netzwerk über 200 Millionen aktive monatliche Nutzer (ob das heißt App öffnen, liken, oder kommentieren wurde auf Anfrage nicht kommentiert). Es werden täglich 1,6 Milliarden Bilder geliked und 60 Millionen Fotos werden täglich geteilt.

Die Anzahl der täglichen Nutzer wollte Instagram nicht mitteilen. Sie wären für die Bewertung allerdings relevant, da bei Instagram immer der aktuellste Content zu erst sichtbar ist. Folgt man mehreren Accounts müsste man einiges an Zeit aufwenden, um Bilder der letzten Woche zu finden (oder direkt über einzelne Accounts gehen).

* Zahlen: Stand 11.05.2014; Untersucht wurden die vergangenen 4 Wochen.


Morgen schreibt Felicitas Hackmann auf Netzpiloten.de über fünf deutsche Medien auf Instagram.


Teaser & Image by Zenspa1 (CC BY 2.0)


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Felicitas Hackmann

Felicitas Hackmann

studierte Medienwissenschaft in Siegen und arbeitete zwischendurch und danach in Startups wie z.B. Airbnb und Stuffle. Nach San Francisco und Hamburg, ging es 2014 nach Berlin, wo sie als freie Reporterin, für z.B. VentureVillage, schreibt. Ohne Twitter, Foursquare und Spotify geht es nicht! Alles weitere gerne in 140 Zeichen an @frau_feli.

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