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PostSecret – wo die verratenen Geheimnisse geheim bleiben

Pascal Brokmeier Unsplash com

PostSecret ist ein Kunstprojekt, das Menschen ermöglicht, ihre Geheimnisse anonym auf einer Postkarte zuzusenden.

Jeder hat Geheimnisse. Manche haben nur eins. Manche wiederum Hunderte. Viele Geheimnisse sind unschuldig. Und viele tragen eine schwere Verantwortung mit sich.

Es tut immer gut, Geheimnisse loszuwerden. Sei es mit einer vertrauten Person oder mit einem wahllosen Fremden. Doch Frank Warren hat einen Weg gefunden, um den Menschen ihre Geheimnisse abzunehmen – ohne, dass sie sich die Konsequenzen fürchten müssen.

Was ist PostSecret überhaupt?

Die Aktion startete im Jahr 2004 und ist bis heute aktiv. Auf der PostSecret-Homepage kann man mehrere Bilder mit Inhalten finden, die teilweise zum Lachen bringen und teilweise erschreckend sind. Denn es gibt nur eine Regel: Das Geheimnis muss der Wahrheit entsprechen und der Einsender darf noch nie über dieses Geheimnis gesprochen haben. Natürlich können diese Bedingungen nicht überprüft werden. Der Empfänger und die internationale Community hoffen einfach, dass es sich um echte Probleme, Sehnsüchte und Ähnliches handelt.

Jeden Sonntag werden 20 ausgewählte Postkarten auf PostSecret veröffentlicht. Frank Warren erhält wöchentlich gut 1.000 Stück und wählt dann die Besten aus. Es gibt zwar kein Archiv auf der Blogseite, was den Inhalt deutlich eingrenzt, doch die Sammlung auf Facebook ist mittlerweile riesig. Wer diese ganz durchstöbern möchte, muss sich Zeit nehmen (am besten drei bis vier Urlaubstage, sonst gibt es keine Chance auf Erfolg). Die Sammlung beträgt nämlich über 1.400 Fotos; dazu haben andere Personen 2.550 Bilder gepostet, die wahrscheinlich auch eine ganze Menge skurriler, interessanter Geheimnisse enthalten.

PostSecret spricht auch vor allem seriöse Themen an, die uns vielleicht peinlich vorkommen und zählt deshalb als eine der zehn Webseiten, die unseren Weltanblick verändern könnten.

PostSecret und Suizid

Warren ist hauptberuflich Vertreter für medizinische Produkte und arbeitet ehrenamtlich bei Hopeline – einer Telefonseelsorge für Suizid-Gefährdete. Bisher erschienen vier seiner Bücher zum Thema PostSecret. Die Einnahmen aus dem Verkauf landen bei Hopeline.

Frank Warren schenkt dem Selbstmord-Thema viel Aufmerksamkeit. Auch die PostSecret-Galerie zeigt, dass dieses Problem nicht der Vergangenheit angehört. Im Gegenteil, Selbstmord ist ein weltweit aktuelles Thema. Zur Veranschaulichung kann man sich die Anzahl an Suizid-Suchen in Suchmaschinen anschauen. Allein in den USA suchen monatlich mehr als eine halbe Million Menschen nach Suizid-verwandten Ergebnissen bei Google. In Deutschland sterben durchschnittlich 10.000 Personen im Jahr durch Suizid.

PostSecret ist keine direkte Hilfestelle, aber das Kunstprojekt verdeutlicht die schwersten Themen unseres Lebens.

Es macht klar, dass jeder mit eigenen Dämonen kämpft und man sich dafür nicht schämen muss. Und die Anzahl der verschickten Postkarten beweist, dass es hilft, darüber zu sprechen. PostSecret zeigt am unteren Seitenende die Anzahl der Besucher. Diese zählt derzeit knapp 808 Millionen Views.

Frank Warren besucht öfter Schulen, Universitäten und andere öffentliche Plätze auf der ganzen Welt, um über PostSecret zu sprechen. Diese Treffen erfolgen durch Nachfragen von Interessierten. Mittlerweile gibt es von Warren überprüfte PostSecret Blogs in der französischen und deutschen Sprache.


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Nuro R1 – die Zukunft des Einkaufens

Enge Parkplätze, Menschenmassen und langes Warten an den Kassen: selber einkaufen zu gehen ist nervenaufreibend und kostet Zeit.

Die Alternative dazu ist, sich die Lebensmittel vom Supermarkt direkt liefern zu lassen. Doch auch hier stößt man des Öfteren auf Probleme. Viele Supermarktketten können die Produkte nur innerhalb der nächsten Tage und teilweise nur zu sehr ungünstigen Zeiten liefern. Die spontane Grillparty mit Freunden am Abend ist somit kaum bequem möglich. Allerdings möchte die amerikanische Supermarkt-Kette „Kroger“ nun Abhilfe schaffen; sie führen in Zusammenarbeit mit dem Start Up-Unternehmen „Nuro“ erste Tests mit autonom fahrenden Lieferfahrzeugen durch.

Pilotprojekt startet diesen Herbst auf den ersten öffentlichen Straßen

Dies mag zuerst nicht sonderlich aufregend erscheinen, schließlich tüfteln auch Firmen wie Uber oder Google schon seit längerem an selbstfahrenden Fahrzeugen. Und das nicht nur zum Liefern von Lebensmitteln, sondern auch für den sonstigen alltäglichen Gebrauch. Doch „Nuro R1“, so der Name des selbstfahrenden Wagens, hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber der Konkurrenz; da er ausschließlich zum Liefern von Lebensmitteln erdacht ist, ist er deutlich kleiner als ein gewöhnlicher PKW. Somit fällt ihm das Navigieren durch den Straßenverkehr leichter. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu 40 km/h ist zudem die Gefahr eines Unfalls, welcher beträchtlichen Schaden nach sich zieht, geringer als bei normal großen autonomen Fahrzeugen.

Zurzeit liefert die Kette „Kroger“ jedoch noch nicht aktiv mit diesen Fahrzeugen aus. Ihr derzeitiges Projekt im Bereich autonomes Fahren beschränkt sich auf PKW anderer Hersteller wie Toyota, welche sie mit ihrer selbstfahrenden Technik aufrüsten. Auf abgeschlossenen Teststrecken führt das Unternehmen im Moment noch ausgiebige Versuche durch, bevor „Nuro R1“ reale Kunden bedienen darf. Kroger gab nun allerdings bekannt, die „Nuro R1“ Fahrzeuge erstmals im Herbst diesen Jahres im Bundstaat Arizona einzusetzen. Dann wird das kleine, runde Lieferfahrzeug mit einem Code bedient werden können, der vorher Kunden auf das Smartphone gesendet wird. Diese Art der Lebensmittellieferung erleichtert das Einkaufen nicht nur für vielbeschäftigte Berufstätige, sondern auch für ältere oder kranke Menschen, die ohnehin Schwierigkeiten im Alltag haben. Sollte sich dieses Projekt als erfolgreich herausstellen, gibt es bereits Vorschläge wie man auch andere Gegenstände wie Möbel oder Ähnliches mit jeweils angepassten Fahrzeugen einfach und schnell liefern lassen könnte.

Der „Nuro R1“ – auch bald bei uns in Deutschland?

Auch bei uns gibt es seit Jahren mehrere Projekte rund um das Thema „autonom fahren“, allerdings ist die Gesetzeslage hierzulande etwas komplizierter als in den USA. Bisher darf nur auf ausgewählten Testgebieten überhaupt mit selbstfahrenden Fahrzeugen experimentiert werden. In Arizona hingegen erlauben es die Gesetze diese Fahrzeuge auch aktiv einzusetzen. Sollte also das Fahrzeug „Nuro R1“ jemals auch auf deutschen Straßen verkehren, müsste zunächst ein entsprechendes Gesetz erlassen werden. Bis dahin können wir uns weiter an den Erfolgen der amerikanischen Konzerne erfreuen und hoffen, dass auch wir eines Tages in den Genuss eines solchen Lieferfahrzeuges kommen.


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Ein Russischer Diplomat muss gehen, 700 US-Unternehmen bleiben

Kolumnen_Rainer2

In Dublin wird wieder an allen Ecken und Enden gebaut. Es gibt einerseits zu wenig Wohnungen und andererseits entsprechen viele Bürogebäude nicht mehr den Ansprüchen zahlungskräftiger Mieter. Gerade im Bereich der sogenannten „Silicon Docks“ am Hafen. Hierbei handelt es sich oft um US-Unternehmen, die ihren Mitbewerbern folgen und ihre Europazentralen nach Dublin verlegen. Unter all den dringend benötigten Wohnhäusern, die hochgemauert werden, sowie den imposanten Baukränen, die Arbeitsraum für Techies in die Höhe ziehen, war ein Bauzaun an der russischen Botschaft lange zu vernachlässigen.

Kaum jemand fragte sich, warum eine Botschaft in einem kleinen Land wie Irland 20 neue Diplomaten braucht. Dann kam der Giftanschlag von Salisbury und die koordinierte Reaktion des Westens in Form der Ausweisung zahlreicher Diplomaten. Irland hat nur einen Diplomaten zurück nach Moskau geschickt. Das Geschrei darüber, wie sich denn das neutrale Irland zum Erfüllungsgehilfen der Briten in einem neuen, kalten Krieg machen könnte, war aber unheimlich groß. Man konnte fast glauben, dass es James Bond wirklich gibt und dass sein treuer Helfer Q einen irischen Pass hat.

Der neue kalte Krieg

Also mal ganz langsam. Hier sind ein paar Zahlen: ein Russischer Diplomat musste – bis jetzt – gehen. Zwanzig Prozent der in Irland lebenden Arbeiter und Angestellten sind bei einem der 700 US-Unternehmen beschäftigt, die sich hier angesiedelt haben. Viele davon sind Tech-Firmen, die zweifelsohne ein Top-Ziel russischer Hacker darstellen. Die Präsenz dieser Unternehmen macht die strategischen ökonomischen und infrastrukturellen Interessen der USA auch zu Interessen Irlands. Ob es den lautstarken „Neutralisten“ nun gefällt oder nicht. Und dass Russland in seiner Botschaft im kleinen Irland Platz für 20 weitere Diplomaten schaffen will, klingt auf einmal nicht mehr ganz so merkwürdig, oder?

Mir muss aber nun niemand mit dem Argument kommen, dass nun, da der eine Diplomat ausgewiesen wurde und der Neubau für 20 weitere Diplomaten in diesem neuen kalten Krieg im wahrsten Sinne des Wortes auf Eis liegt, auf einmal wieder alles in Ordnung sei. Denn keiner weiss genau, was die verbliebenen Diplomaten so machen.

Pearl Harbour im irischen Mayo

Werden in der Botschaft Hackerangriffe auf US-Infrastruktur in Irland mit Hackern im heimatlichen Moskau koordiniert? Vielleicht. Haben es Hacker aber so oder so auf die oben beschriebenen US-Unternehmen abgesehen? Mit Sicherheit. Denn eins ist klar – die irischen Sicherheitsbehörden sind mit denen der USA nicht zu vergleichen. Das macht Irland zum leichten Angriffsziel.

Man kann durchaus einen Vergleich zu Hawaii ziehen, wo 1940 die Zentrale der US-Pazifik-Flotte angesiedelt war. Die Japaner flogen aufgrund dieser strategischen Wichtigkeit damals einen Überraschungsangriff auf Pearl Harbour. Killala ist kein Ort auf Hawaii, sondern ein Dorf in der irischen Grafschaft Mayo. In Killala kommt das superschnelle Glasfaser-Kabel zu Tage, das unter Wasser die USA mit Europa verbindet. Dass dieses Kabel die Kapazität für ein Drittel aller weltweit geführten Telefonate hat, sollte reichen, um die Wichtigkeit dieser Art von Infrastruktur zu unterstreichen.

Irland ist zu naiv im Umgang mit russischen Cyber-Attacken

Wem das zu sehr nach James Bond und seinem russischen Widersacher General Arkady Ourumov – in „Goldeneye“ vom deutschen Schauspieler Gottfried John verkörpert – klingt, dem sei entgegnet, dass Fiktion in Irland bereits zur Wirklichkeit geworden ist. Im vergangenen Jahr schickten russische Hacker Phishing-eMails unter anderem auch an Ingenieure beim irischen Elektrizitäts-Unternehmen ESB. Einer der betroffenen Kunden von ESB, die danach Opfer des Petya-Virus wurden, ist das US-Pharma-Unternehmen MSD, das hier 1.600 Mitarbeiter beschäftigt.

Dass der ehemalige Vize-Direktor des militärischen Sicherheitsdienstes Irlands jüngst in einem Interview Irland als „naiv“ im Umgang mit russischen Cyber-Attacken und als „höchst verwundbar“ bezeichnet hat, sollte politischen Entscheidern zu Denken geben. Alles redet von einem russischen Diplomaten, dessen Ausweisung allein schon die irische Neutralität in Frage stelle. Wir sollten aber eher von den 700 US-Unternehmen reden, die 20 Prozent der Erwerbstätigen in Irland beschäftigen. Die haben alle Trump im Ohr, der sie mit seiner Steuerreform zurück in die Heimat locken will. Wenn nur ein paar davon auch noch einen russischen Wurm in den Servern haben, dann könnte sich der Wind bald drehen. Da mag das Guinness auch noch so lecker, die Wiesen noch so grün und die Wellen noch so toll sein; Pub-Tourismus, Öko-Tourismus und Surf-Tourismus, Tourismus überhaupt, wird die Beschäftigung, die die 700 US-Unternehmen geschaffen haben, niemals ersetzen können.

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US-Inkubator: Mit Wagniskapital zum Wahlsieg

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Die Diskussion darüber, welche und wieviele Daten die fragwürdige Firma Cambridge Analytica bei Facebook abgegriffen hat, hat auch die deutsche Öffentlichkeit für das Thema „politisches Microtargeting“ sensibilisiert. Dabei sind sich ernstzunehmende Experten einigermaßen einig, dass durch die psychografischen Verfahren der Daten-Analytiker kaum die Manipulation eines willfährigen Wahlvolks durch Donald Trump ins Werk gesetzt wurde. Doch wie Trumps Digitalkampagne vor allem Facebook für seine Zwecke genutzt hat, ermöglichte insbesondere einen effizienten Einsatz seiner finanziellen Ressourcen.

So gelang es, die seit Obama für den datengestützten Wahlkampf wesentlich besser aufgestellten Demokraten, gewissermaßen auf eigenem Terrain zu schlagen. Diese Schmach sitzt bei liberalen US-Techies nun tief und führte bald zur Forderung, die Vorherrschaft auf diesem Gebiet zurückzuerobern. Die selbstkritische Analyse ist dabei wesentlich weitergehender als eine Konzentration auf den Kandidaten Trump nahelegen würde. Dank der Finanzierung durch wohlhabende Sympathisanten ist ein ganzes Netzwerk von Firmen entstanden. Diese können republikanischen Interessenten für alle Aspekte der Kampagnenführung eigene Tools anbieten. Demgegenüber hat die Demokratische Partei sich auf die Präsidentschaftswahlkämpfe fokussiert und dabei die Wahlen sowohl zwischen als auch unterhalb der nationalen Ebene sträflich vernachlässigt.

Auf höheres Niveau heben

In diese Lücke wollen Veteranen aus den Obama-Kampagnen und der progressiven politischen Startup-Szene mittels Wagniskapital stoßen. Unter dem Titel “Higher Ground Labs” investieren sie in einschlägige Startups, betreiben ein betreffendes Akzelerator-Programm und unterstützen Unternehmer-Persönlichkeiten mit Stipendien. Gerade wurde mit 13 Startups eine zweite Gruppe annonciert, die nun durch das Wagniskapital eine viermonatige Förderung erhält. Damit könnten die hier vertretenen Anbieter sogar noch für die Midterm Elections im November 2018 relevant werden. Bei denen wird ein Drittel der Senatoren und das gesamte Repräsentantenhaus neu gewählt.

Vieles von dem, was in der aktuellen Auswahl präsent ist, hört sich noch nach Zukunftsmusik an. Es wirkt gerade aus der Perspektive der deutschen Parteiendemokratie befremdlich. Einerseits geht es dabei um Werkzeuge für die Ansprache von Wählern durch freiwillige Helfer auf diversen Kanälen. Andererseits aber auch um die Nutzung Künstlicher Intelligenz für die Identifizierung affiner Zielgruppen. Der Datafizierung des politischen Wettbewerbs scheinen dabei keine Grenzen gesetzt zu sein.

Dies hört sich am Beispiel einer Datenbank-Anwendung zur Gegnerbeobachtung dann doch nach dem Kauderwelsch an, mit dem auch Cambridge Analytica seine Kunden ködert: “Factba.se lets you own your opposition and live inside their decision curve. It is a transparency engine, allowing any PAC, campaign, organization, or company efficiently track and search every word a person has ever said, publicly or online, in real time. This lets you immediately identify discrepancies, changes in position, tonal shifts and areas of weakness. Every word spoken by your opponent makes your campaign stronger and the opponent weaker.

In den Schutz der Stimmabgabe investieren

Interessant ist schließlich, dass nicht nur Prozesse von denen Kampagnen direkt profitieren kommerziell professionalisiert werden. Auch andere Aspekte der Wahl, die eigentlich von staatlichen Stellen gewährleistet werden sollten werden professionalisiert. Wähler konkurrierender Kandidaten von der Wahrnehmung des Wahlrechts anzuhalten gehört zum politischen Geschäft. In diesem Umfeld ist aber auch der Schutz der Stimmenabgabe eine Dienstleistung, die für Kampagnen so relevant sein kann, dass eine Aufforderung plausibel erscheint, wie sie die “Voter Protection Partners” formulieren: “Investing in Voters’ Last Mile”.


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Borderliners: Irland, Trump & Brexit

Kolumnen_Rainer

Am Anfang kommt erst mal das Ende. Ich hatte in meiner Reihe “CheckUp Ireland” für die Netzpiloten über irische Tech-Themen geschrieben. Als die “Chefpiloten” dann wegen einer neuen Kolumne an mich herantraten, lag das Thema Brexit als eine Art Bogen für die Kolumne auf der Hand. Und warum “Borderliners”? Erinnert Ihr Euch noch an den Film “Flatliners” mit einem Kiefer Sutherland, bevor er mit „24“ omnipräsenten war? Dort wurde mit dem Tod gespielt und mit immer riskanteren Wiederbelebungen Grenzen überschritten.

In dieser Kolumne wird es auch um Grenzen und um Tod gehen. Zwar sehen viele in England, Wales, Schottland, Nordirland (na ja) und sogar hier in Irland Chancen im Brexit. Aber es gibt auch zahlreiche Beobachter in Irland (und in Nordirland, wenn sie nur ehrlich sind), die den Tod ganzer Industrien vorhersehen und sogar Tote befürchten, wenn es wieder Grenzkontrollen geben sollte. Ich komme also gar nicht umhin, am Anfang erst mal wieder zum Ende zurückzukommen.

Da wir gerade vom Ende reden…

Während ich hier so tippe, läuft im Hintergrund CNN live aus Davos und der Mann, der den größeren Atomknopf als der andere Irre hat, aber gemeinsam mit ihm unser aller Ende ein bischen näher bringt, läuft durch’s Bild, was ich persönlich als Störung desselben empfinde. Da schaue ich mir doch lieber “Friends” auf Comedy Central an. Diese Möglichkeit hat aber nicht jeder und so mancher Entscheider kann dem pompösen Präsidenten gar nicht entgehen. Trumps Steuer-“Reform”, die im Grunde nichts anderes als eine radikale Steuersenkung ist, erzeugte in Dublin bei denen, die US-Multinationals nach Irland bringen, Herzkasper bis fast schon hin zum Stillstand (womit wir wieder bei den “Flatliners” wären).

Aber zurück zu den “Borderliners”. Nordirland hatte zwar mehrheitlich gegen Brexit gestimmt. Die Regional-Regierung in Belfast ist aber wegen Streitereien zwischen der pro-irischen nationalistischen Partei Sinn Féin und der unionistischen und stolz am lautesten “God save the Queen” singenden DUP seit über einem Jahr suspendiert. Es kann also zumindest nicht gemeinsam Einfluss auf Brexit-Entscheidungen in London genommen werden. Böse Zungen behaupten, dass das der DUP gar nicht mal unrecht ist, hält sie doch die Minderheitsregierung der Tories (noch) unter Theresa May davon ab, Kiefer Sutherlands “Flatliners” beizutreten. Aber die Briten bauen ja eh auf all die verbesserten Handelsverträge, die nach Brexit ohne die böse EU mit der ganzen Welt abgeschlossen werden.

Vor allem der “besondere Freund” im Weissen Haus stehe bereit, versucht Theresa May die Zweifler in Belfast zu beschwichtigen. In Belfast? Das Belfast, in dem der kanadische Flugzeugbauer Bombardier Teile für Flugzeuge von tausenden “stolzen Briten” bauen lässt? Teile, die für Kunden in den vom besonderen Freund regierten USA bestimmt sind? Der Freund kündigte nach einer Intervention des Bombardier-Konkurrenten Boeing mal eben an, Strafzölle in Höhe von 292 Prozent auf die Teile aus Belfast zu knallen.

Zwar entschied die US-Handelskommission gerade erst in dieser Woche gegen die radikale Maßahme, dennoch bekam Theresa May hier einen Vorgeschmack darauf, dass “America First” auch zwischen Freunden nicht als “Britain First” missverstanden werden darf. “Britain First” ist für Trump halt nur dann interessant, wenn er hetzerische Videos der Anti-Immigrations-Bewegung gleichen Namens retweetet.

Tja, wer solche Freunde hat …

Kein Wunder also, dass es immer mehr Stimmen gibt, die ein zweites Referendum der Briten ins Spiel bringen. Dass zu diesen Stimmen neben den bereits erwähnten herzkranken Iren und einigen Londoner Labour-Abgeordneten auch immer mehr Mitglieder von Theresa Mays Tories zählen, darf eigentlich nicht verwundern. Vielen Konservativen wird schlecht, wenn sie den eigenen Ministern dabei zuhören müssen, wie sie sich gegenseitig widersprechen, was die Brexit-Strategie der Regierung anbetrifft. Dass aber ausgerechnet Nigel Farage, der ehemalige Anführer der UK Independence Party und Freund von Donald Trump, neulich im BBC-Interview mit Andrew Marr ein zweites Referendum ins Spiel brachte, ließ nicht nur den Kiefer seines Gastgebers nach unten sinken. Nur dieser arrogante Nigel, der seinem pompösen Buddy Donald sehr nahe kommt, was die Verachtung von Umfragen (und Einwanderern) anbetrifft, konnte es fertig bringen, Andrew Marr und der britischen Öffentlichkeit bei einem eventuellen Referendum noch höhere Prozente für Brexit vorherzusagen.

Ob nach einem zweiten Referendum oder ohne eine erneute Abstimmung (aber dafür ohne einen Plan) – Theresa May gab sich dennoch in Davos weiterhin zuversichtlich, was die Zukunft des Empire anbetrifft. Klar, die Wege dort wurden ja für Staatsoberhäupter und Konzernchefs gut gestreut. Derweil schlittert das Königreich aber weiter ins Ungewisse, was die Zukunft nach Brexit anbetrifft. Und gegenüber, auf der anderen Seite der irischen See, verschlingt man lieber “24” im Boxset, als sich so am Brexit zu verschlucken, dass statt dessen “Flatliners” auf dem Programm steht.

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Chelsea Manning kandidiert für den US-Senat

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Chelsea Manning, bekannt als Whistleblowerin und als Aktivistin, will sich für den US-Bundesstaat Maryland in den Senat wählen lassen. Das kündigte sie in Form eines Videos an. Mannings Kandidatur zeugt von bemerkenswertem Mut. Sie könnte die gesellschaftlichen Anliegen, für die sie sich seit Jahren einsetzt, erheblich weiter bringen. Zudem sollte Mannings Bereitschaft, sich nach den Regeln des Systems für ihre Werte und Ziele einzusetzen, deutlich zeigen, was von einem großen Teil der an ihrem Verhalten geäußerten “Kritik” zu halten ist.

Whistleblowerin und Häftling

Chelsea Manning ist vor allem als Whistleblowerin bekannt. Im Jahr 2010 leitete die damalige US-Armeeangehörige zahlreiche Geheimdokumente, die Fehlverhalten der Army und anderer US-Behörden aufdeckten, an die Leaking-Website WikiLeaks weiter. WikiLeaks verdankt Manning einige seiner spektakulärsten Leaks.

Allerdings wurde Manning verraten und in einem Aufsehen erregenden Prozess zu einer 35-jährigen Freiheitsstrafe verurteilt. Erst Anfang 2017 wurde sie als eine der letzten Amtshandlungen von Präsident Barack Obama begnadigt.

Aktivismus

Ihr Leben in Freiheit widmete Chelsea Manning vor allem dem Aktivismus. Auf Instagram und Twitter verbreitet die 30-Jährige Fotos aus ihrem Leben, aber immer wieder auch politischem Content an ihre große Anhängerschaft. Auch wenn sie nach den spektakulären Leaks von 2010 nicht mehr viel mit WikiLeaks zu tun zu haben schien, steht sie nach wie vor zur Notwendigkeit von mehr politischer Transparenz. Vor allem aber ist sie eine entschlossene Kämpferin für die Rechte der LGBTQ-Gemeinde.

In den letzten Monaten wurde Manning zu einer der größten Kritikerinnen von US-Präsident Donald Trump. Die Abneigung basiert auf Gegenseitigkeit – bereits kurz nach der Entscheidung seines Amtsvorgängers, Manning vorzeitig aus der Haft zu entlassen, tat Trump auf Twitter seinen Unmut über diesen Entschluss und über Mannings Handlungen kund.

Manning gegen die Mächtigen

Ihren Entschluss, für den Senat zu kandidieren, gab Manning auf Twitter in Form eines Videos bekannt. Darin bezeichnet sie die aktuellen Zeiten als „herausfordernd“, als „Zeiten von Unterdrückung und Hass“. „Wir brauchen nicht mehr oder bessere Anführer – wir brauchen jemanden, der bereit ist, zu kämpfen,“ so Manning in ihrer Botschaft, die sich vor allem gegen Machtmissbrauch der Mächtigen richtet.

Kandidatur für die Demokraten

Manning will für die Partei der Demokraten antreten. Ihr Gegner in den demokratischen Vorwahlen dürfte der angesehene, seit zwölf Jahren im Senat sitzende Ben Cardin werden. Es wird sich zeigen, ob Manning mit ihrem Kampfgeist und ihrer Social-Media-Präsenz die Wählerinnen und Wähler ausreichend von sich überzeugen kann, um diesen erfahreneren Gegner zu schlagen.

Ein mutiger Schritt

Mannings Kandidatur für den Senat zeigt deutlich, wie unsachlich und dumm ein Teil der gegen sie geäußerten Kritik ist. Wer auf diese Weise ein politisches Amt anstrebt, ist weder unpatriotisch noch eine Verräterin noch lediglich an unkonstruktiver Kritik interessiert. Er macht sich die Dinge auch bestimmt nicht übermäßig einfach, indem er vorhandene und sinnvolle legale Möglichkeiten, ein Problem zu lösen, ignoriert. All diese Dinge sind Manning schon vorgeworfen worden. Und ihre Unterstützerinnen und Unterstützer wussten schon lange, was davon zu halten war.

Vor allem aber ist Mannings Kandidatur ein Zeichen der Hoffnung. Vor allem für die LGBTQ-Gemeinde, aber auch für alle, die sich gesellschaftliche Veränderungen wünschen. Eine Aktivistin, die wegen ihrer Überzeugungen im Militärgefängnis saß und nun versucht, die Mächtigen in ihrem eigenen Spiel zu schlagen. Das ist in jedem Fall eine spannende, inspirierende Geschichte. Ob Mannings Mut von Erfolg gekrönt wird, wird sich nun zeigen.


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Wusste die NSA über „Meltdown“ und „Spectre“ Bescheid?

Radar, Funktechnik, Signale (adapted) (Image by stux [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Die US-amerikanische NSA dementiert, im Vorfeld etwas von den kürzlich bekannt gewordenen CPU-Sicherheitslücken „Meltdown” und „Spectre” gewusst zu haben. Es spricht Bände über den Ruf einer Behörde, wenn diese dergleichen eigens betonen muss. Davon abgesehen ist die Glaubwürdigkeit des Dementis durchaus fragwürdig. In letzter Zeit wurde mehrfach bekannt, dass die NSA Sicherheitslücken in IT-Systemen kannte. Sie hielt diese jedoch mit Absicht geheim, um sie für eigene Angriffe zu nutzen und gefährdete so die Allgemeinheit.

Gravierende Prozessor-Schwachstellen

Die Prozessor-Sicherheitslücken „Meltdown“ und „Spectre“ beschäftigen derzeit die Fachwelt. Sie haben ein erhebliches destruktives Potential. Um den Jahreswechsel bekannt geworden, basieren sie auf einer Schwäche bei der „Memory Randomization“. Moderne Prozessoren legen Quellcode im Speicher zufällig ab, damit keine sensiblen Daten ausgelesen werden können. Bei den betroffenen Prozessoren geschieht dies jedoch nach einem vorhersehbaren Muster. Sensible Daten, beispielsweise Passwörter, kryptographische Schlüssel und in Programme eingegebene Informationen, sind so gefährdet. Da ein Angriff direkt über das Auslesen der Hardware funktioniert, wird er zudem vom Betriebssystem nicht protokolliert. Gelingt den Angreifern also ein unbemerkter Hardware-Zugriff, gibt es für die Betroffenen keine Möglichkeit, die Manipulation nachträglich festzustellen.

Betroffen sind vor allem Prozessoren der Marke Intel, aber auch anderer namhafter Hersteller. Der Fehler tritt bei Nutzung sämtlicher populärer Betriebssysteme – Windows, Linux, Mac OS X – auf. Da die Sicherheitslücke im Prozessordesign begründet liegt, ist sie für vorhandene Systeme nicht zu beheben. Lediglich ein Workaround auf Betriebssystem-Ebene ist möglich. Dieser allerdings würde, so schätzen Experten, Leistungseinbußen von einigen Prozent bis zu einem Viertel – je nach Auslastung – und auf Mobilgeräten in der Folge auch eine Verringerung der Akkulaufzeit zur Folge haben. Für zukünftige Prozessoren muss das Design so geändert werden, dass das Problem nicht mehr auftritt.

Dementi der US-Behörden

In die ohnehin hitzige und teils chaotische Diskussion über „Meltdown“ und „Spectre“ mischte sich vor Kurzem auch das Weiße Haus ein. Es betonte, der technische Geheimdienst der USA, die NSA, habe von den Prozessor-Schwachstellen nichts gewusst.

Die NSA wusste nicht von der Schwachstelle, hat sie nicht ausgenutzt und freilich würde die US-Regierung nie ein großes Unternehmen wie Intel einem Risiko aussetzen, um eine Angriffsfläche offenzuhalten“, sagte der Cybersicherheitskoordinator im Weißen Haus und Ex-NSA-Offizielle Rob Joyce der Washington Post.

Glaubwürdig oder eher nicht?

Zunächst einmal sagt es einiges über das mangelhafte Vertrauen der Menschen in die US-Behörden aus, dass ein solches Dementi überhaupt für nötig befunden wird. In den letzten Jahren haben die US-Behörden und mit ihnen kooperierende Unternehmen massiv an Vertrauen eingebüßt. Spätestens seit den Snowden-Enthüllungen stehen sie in den Augen vieler Menschen vor allem für massive Überwachung und die Missachtung individueller Rechte.

Hinzu kommt allerdings, dass das von Joyce vorgebrachte Dementi keineswegs allzu glaubwürdig ist. In letzter Zeit wurde die NSA mehrfach dabei erwischt, Sicherheitslücken und zugehörigen Angriffs-Quellcode – sogenannte Exploits – für sich zu behalten, um ihn für eigene Angriffe zu nutzen. Besonders gravierende Folgen hatte das im Falle des Ransomware-Trojaners WannaCry, der sich über eine der NSA mehrere Jahre bekannte Sicherheitslücke verbreitete. WannaCry legte auf der ganzen Welt eine große Zahl von Rechnern lahm.

Teilweise waren auch kritische Systeme, etwa beim ÖPNV, Krankenhäusern und Telekommunikationsunternehmen, betroffen. Interessant dabei: Das betroffene Unternehmen im Fall WannaCry hieß Microsoft, betraf die Lücke doch das populäre Windows-Betriebssystem. Die Beurteilung, ob es sich dabei nicht um ein großes US-Unternehmen handelt und was die Antwort auf diese Frage über die Glaubwürdigkeit des Weißen Hauses in dieser Angelegenheit aussagt, bleibt jedem selbst überlassen…


Image (adapted) „Radar, Funktechnik, Signale“ by stux (CC0 Public Domain


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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • NETZNEUTRALITÄT t3n: USA schaffen Netzneutralität ab: Auch die massiven Proteste haben nichts genützt, jetzt ist es beschlossene Sache: die Netzneutralität in den USA ist Geschichte. Mit drei zu zwei Stimmen hat die Federal Communications Commission der USA das Aus der Netzneutralität beschlossen. Erst 2015 wurden unter der Obama Regierung strikte Regeln für die Durchsetzung der Netzneutralität eingeführt. US-amerikanische Internet-Nutzer bangen jetzt um das freie Internet. Bereits Anfang des Jahres wurde der Schritt vom FCC-Vorsitzenden Ajit Pai – für das Amt von Donald Trump persönlich vorgeschlagen – angekündigt. Netzneutralität-Befürwörter fürchten jetzt ein Zwei-Klassen-Internet, die Gegner sehen allerdings keine Gefahr um ein freies Internet.

  • APPLE t-online: Apple kauft Musikerkennungs-App Shazam: Ihr mögt einen Song, wisst aber nicht wie er heißt – da kommt die App Shazam ins Spiel. Sie kann auf Knopfdruck erkennen, welcher Song zu hören ist. Mit der Musikerkennungs-App ist dem Konzern Apple jetzt eine wertvolle Übernahme gelungen. Rund 400 Millionen Dollar soll Apple für Shazam laut der Financial Times auf den Tisch gelegt haben. Das soll sich lohnen, denn durch die App verspricht sich Apple einen besseren Einblick auf den Musikgeschmack der User zu erlangen. Das macht Geschmacks orientiertes Marketing einfacher. Apple verspricht gemeinsame Pläne für die Zukunft und die hauseigene KI Siri greift bereits auf den Dienst zurück, wenn man sie nach einem Song fragt.

  • NETZDG handelsblatt: Angriff auf das Anti-Hass-Gesetz: Das Netzwerkdurchsetzungsgesetz – kurz NetzDG – ist umstritten. Die Fraktionen der Linken, FDP und der AfD arbeiten derzeit deswegen an eigenen Gesetzentwürfen, um am NetzDG zu rütteln. Das Gesetz soll gegen Hass-Kommentare in sozialen Medien schützen. Nicht überraschend also, dass die AfD dies torpedieren möchte. Das NetzDG war erstmals zum 1. Oktober in Kraft getreten. Es verpflichtet Online-Netzwerke strafbare Inhalte umfassender zu bearbeiten und sie schneller zu löschen.

  • GOOGLE zeit: Danach haben die Deutschen 2017 gegoogelt: Das Ende des Jahres nähert sich mit schnellen Schritten und da bleiben diverse Jahresrückblicke auch nicht fern. Der global am häufigsten gegoogelte Suchbegriff war Hurrikan Irma. Was haben die deutschen im Jahr 2017 am häufigsten in die Suchmaschine eingetippt? Ganz vorne bei den beliebtesten Suchanfragen sind dabei der G20-Gipfel, Bitcoin, die Bundestagswahl und die erst am 1. Dezember stattgefundene WM-Auslosung. Im vergangenen Jahr waren EM 2016 und Pokémon Go die Suchbegriffe des Jahres.

  • NETFLIX welt: Dieser Deal ist eine Kampfansage an Netflix: Der Deal ist durch und das Timing könnte nicht besser sein! Der Unterhaltungskonzern Disney hat jetzt angekündigt große Teile des Medienkonzerns 21st Century Fox zu übernehmen. Der Mega-Deal beschert dem Konzern hinter der Maus nicht nur die Rechte an den X-Men, die durch Fox bisher aus dem Marvel-Filmuniversum ferngehalten wurden, sondern auch an Serien wie den Simpsons oder Modern Family. Vor allem kann der Schritt aber als indirekte Kampfansage an Netflix und Co. angesehen werden. Erstkürzlich verkündigte Disney die Pläne eines eigenen Streaming-Dienstes. Mit den diversen, nun eigenen Lizenzen würde der dann ernsthafte Konkurrenz für andere Anbieter darstellen.

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US-Behörden überwachen weiter – auch ohne gesetzliche Grundlage

Good Things Come to Those Who Hustle (adapted) (Image by Hannah Wei [CC0 Public Domain] via Unsplash)

Die US-Behörden, namentlich die NSA und das FBI, dürfen weiterhin ohne Richterbeschluss die Telekommunikation überwachen, auch wenn das zugrunde liegende Gesetz Ende des Jahres ausläuft und der Kongress es nicht rechtzeitig verlängert. Das hat die US-Regierung um Präsident Donald Trump kürzlich verkündet. Demnach sollen die Überwachungsprogramme bis Ende April auch ohne gesetzliche Grundlage weiterlaufen dürfen. So lange hätte der Kongress Zeit, das zugrunde liegende Gesetz, §702 des „FISA Amendments Act“, zu verlängern.

Massive Telekommunikations-Überwachung

Das fragliche Gesetz erlaubt es den US-Behörden, von US-Unternehmen (wie etwa Google, Facebook und US-amerikanischen Telekommunikations-Providern) die Telefongespräche, E-Mails, SMS und andere Telekommunikation von Ausländerinnen und Ausländern ohne Richterbeschluss einzusehen, selbst wenn diese mit US-Bürgerinnen oder -Bürgern kommunizieren. Schon von Anfang an stand es in der Kritik der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung.

„Höchste legislative Priorität“

Schon seit über einem Jahr hatten Vertreter der Ermittlungsbehörden und Sicherheitsexperten den Kongress angehalten, den FISA Amendments Act schnellstmöglich zu verlängern. Sie betonten, die Herstellung einer gesetzlichen Grundlage für anlasslose Überwachung auch über den Jahreswechsel hinaus, habe „höchste legislative Priorität„, um die Sicherheit der USA zu gewährleisten.

Der Kongress allerdings hat bislang kein solches Gesetz verabschiedet. Das liegt einerseits daran, dass er mit anderen politischen Maßnahmen, unter anderem den von Donald Trump vorangetriebenen Steuersenkungen, beschäftigt war. Andererseits konnten sich die Abgeordneten bislang noch nicht darauf einigen, wie genau ein neues Überwachungs-Gesetz aussehen sollte.

Um nicht ohne Überwachungs-Befugnisse dazustehen, traf die US-Regierung nun eine folgenschwere Entscheidung. Demnach können die Behörden bis Ende April weiterhin anlasslos überwachen, ohne dass es eine neue gesetzliche Grundlage gibt.

„Wertvoll für den Schutz des Landes“

Vielen Geheimdienst-Vertreterinnen und -Vertretern ist das allerdings nicht genug. Sie befürchten, dass es mit der nun umgesetzten kurzfristigen Lösung im Frühjahr zu Problemen kommen könnte. „Wir sind vollkommen überzeugt, dass der Kongress dieses wichtige Statut vor Jahresende verlängern wird. Es nicht zu tun, wäre undenkbar angesichts des beträchtlichen Wertes, den Sektion 702 für den Schutz des Landes hat,“ erklärte Brian Hale, Sprecher des NSA-Direktors.

Schleichende Ausweitung der Überwachung

Das nun ablaufende Gesetz entstand aus dem geheimen „Stellarwind“-Abhörprogramm, das kurz nach dem 11. September von der Bush-Regierung eingeführt wurde. Nachdem das Wissen über das Programm öffentlich geworden war, verabschiedete die US-Regierung 2008 den „FISA Amendments Act“, der es in leicht abgewandelter Form legalisierte. Ursprünglich vor allem für die Terrorismus-Bekämpfung gedacht, wird das Gesetz nun für die verschiedensten Ermittlungszwecke eingesetzt.

Der Werdegang des Gesetzes ist ein prägnantes Beispiel dafür, wie rücksichtslos bei der Durchsetzung von Überwachungs-Befugnissen oft vorgegangen wird. Zunächst geheim, also ohne das Wissen der Bevölkerung, wurde ein Überwachungsinstrument geschaffen, das kaum demokratischer oder juristischer Kontrolle unterliegt. Es wurde, wie die meisten solcher Gesetze und Programme, auch Jahre und Jahrzehnte nach der ursprünglichen Bedrohung keineswegs überprüft oder eingeschränkt, sondern im Gegenteil weiter ausgeweitet und schleichend auf eine Vielzahl weniger akuter Bedrohungen erweitert. So entsteht schrittweise eine Situation, in der Überwachung normal und an keine konkrete Bedrohung mehr geknüpft ist.

Wünschenswert wäre, dass der Kongress die Gelegenheit nutzt, um dieses problematische Überwachungsinstrument kritisch zu überprüfen. Angesichts der Richtung, die die US-Politik diesbezüglich in den letzten Jahren eingeschlagen hat, ist das aber mehr als unwahrscheinlich. Zudem zeigt schon das nun erfolgte Einschreiten der Regierung, aus welcher Richtung der politische Wind weht. Ein kritischer und vorsichtiger Umgang mit derartigen behördlichen Befugnissen scheint keineswegs gewünscht zu sein. Stattdessen wird die nationale Sicherheit wieder einmal als General-Argument für jegliche Einschränkung der Bürgerrechte verwendet.


Image (adapted) „Good Things Come to Those Who Hustle“ by Hannah Wei (CC0 Public Domain)

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  • DARKNET wired: Revierkrieg im Darknet – Jemand greift die Schwarzmärkte an: Das Darknet steht unter Beschuss. Die IT-Forscherin Emily Wilson bemerkte jetzt eine Angriffswelle auf Märkte des Darknets und beobachtete, wie sich das Chaos ausbreitete. Betroffen sind der Handel mit Kinderpornographie, Daten- und Waffen und vor allem aber das Drogengeschäft. Die aktuellen Angriffe sind der bisherige Höhepunkt einer Reihe von DDoS-Attacken auf die Märkte.Jetzt wird nach Ursachen und vor allem Verantwortlichen gesucht. Am wahrscheinlichsten halten Experten derzeit eine Art Darknet-Revierkrieg.

  • STARTUPS gruenderszene: Wie zwei Startups die Bahn zur Pünktlichkeit erziehen wollen: Die Deutsche Bahn ist leider nicht dafür bekannt, besonders pünktlich zu sein. Zwei Startups aus dem Mindbox-Accelerator haben sich dieses Problems angenommen und wollen Verspätungen künftig vermeiden. Beim Mindbox Accelerator Programm können sich innovative Startups bewerben, um durch die Deutsche Bahn unterstützt zu werden. Das Startup Konux will Sensoren in Eisenbahn-Schwellen einbauen, um so Reperaturen voraussagen zu können und Verspätungen zu vermeiden. Das Berliner Startup Siut will lästige Verspätungen mit einer Fahrgast-Ampel umgehen.

  • NETZNEUTRALITÄT zeit: US-Behörde will offenbar Netzneutralität stark einschränken: Unter der Trump-Regierung haben schon so einige Regulierungen gelitten. Nun will der vom US-Präsidenten neu ernannte Präsident der US-Kommunikationsbehörde Obamas Regeln zur Netzneutralität abschaffen. Der Präsident der Federal Communications Commission, Ajit Pai, verkündigte in einem Statement im Dezember eine Neu-Abstimmung zum Entwurf „Anordnung zur Wiederherstellung der Freiheit im Internet“. Die aktuellen Regulierungen würden aus Sicht der Republikaner Innovation hemmen, wohingegen sich Demokraten weitesgehend für Netzneutralität und Regeln für ein freies Internet aussprechen.

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Wie Plattformen Politik machen: USA und Deutschland im Vergleich

USA (adapted) (Image by Zoltan Kovacs [CC0 Public Domain] via Unsplash)

Vor allem Facebook, aber auch Google und Twitter stehen unter dem Druck der Politik: Welche Rolle haben ihre Dienste bei der Wahl von Donald Trump gespielt? Der US-Kongress untersucht derzeit die Rolle, die die Gatekeeper der Online-Öffentlichkeit im Präsidentschaftswahlkampf gespielt haben. Auch Protagonisten russischer Provenienz haben die Plattformen dazu genutzt, um durch Falschmeldungen die öffentliche Meinung zu manipulieren. Im Fokus steht dabei die direkte Adressierung von Nutzern durch Anzeigen mit politisch relevanten Inhalten. Wie und in welchem Umfang die Unternehmen diese Einflussnahme ermöglicht haben, dazu mussten Vertreter der Firmen bei parlamentarischen Anhörungen aussagen.

Citizen Zuckerberg

Facebook hatte schon vor den Hearings bestätigt, dass solche Anzeigen platziert wurden und Twitter bereits publik gemacht, dass für die russische Regierung tätige Medien wie Russia Today und Sputnik seit 2011 global Werbung für 1,9 Millionen $ geschaltet haben. Diese Summe will das Unternehmen nun für Forschung über zivilgesellschaftliches Engagement auf der Plattform einerseits und ihre manipulative Nutzung andererseits spenden.

Gründer und Facebook-Vorstandsvorsitzender Mark Zuckerberg hat sich hingegen in einer Videobotschaft zu Wort gemeldet und Schritte angekündigt, „um die Integrität des demokratischen Prozesses zu schützen.. So die Diktion des mächtigen Medienunternehmers, der eine verlegerische Verantwortung für Inhalte doch kategorisch ausschließt. Die New York Times resümiert die Aktivitäten mit Blick auf eigens angeheuerte PR-Berater und ganzseitige Zeitungsanzeigen so: Facebooks Hauptquartier sei seit Monaten im Krisen-Modus um den Image-Schaden einzudämmen.

Freilich geht es dabei nicht nur um das öffentliche Ansehen des Social Network. Vielmehr versuchen die Strategen aus dem Silicon Valley eine weitergehende staatliche Regulierung ihrer Geschäftsmodelle zu verhindern. Denn inzwischen haben drei Senatoren eine Gesetzesinitiative ergriffen und den „Honest Ads Act“ für mehr Transparenz bei der politischen Online-Werbung auf den Weg gebracht: Es soll in Zukunft nachvollziehbar sein, wer inhaltlich und finanziell für die Veröffentlichung einer Polit-Anzeige verantwortlich ist.

Dieser Forderung sind Facebook und Twitter bereits mit Ankündigungen zuvorgekommen. Sie beinhalten die Kennzeichnung und Offenlegung der Anzeigen, die von einem Akteur geschaltet werden. Die betreffenden Inhalte werden dann in einem öffentlich zugänglichen Archiv vorgehalten. Darüber hinaus sollen verausgabte Summen und erreichte Zielgruppen genannt werden. Facebook stellt sogar in Aussicht, diejenigen Inserenten politisch relevanter Inhalte, die sich nicht als solche zu erkennen geben, durch Maßnahmen des maschinellen Lernens automatisch zu identifizieren.

Dark Posts und Silicon Valley Embeds

Damit wird nicht nur auf die aktuelle Diskussion um eine auswärtige Intervention reagiert. Bereits während des US-Wahlkampfs wurde kritisiert, dass insbesondere die Trump-Kampagne bei Facebook unzählige Varianten von Anzeigen für die unterschiedlichsten Zielgruppen lanciert hat. Diese sogenannten „Dark Posts“ sind nicht auf der für alle zugänglichen Präsenz von Donald Trump bei Facebook sichtbar gewesen, sondern wurden nur im News Feed von jeweils für relevant erachteten Nutzersegmenten ausgespielt. Insofern konnten sich Beobachter keinen Überblick über die Gesamtheit der getätigten Aussagen verschaffen, um beispielsweise Inkonsistenzen oder schmutzige Varianten von Wahlwerbung zu entdecken.

Die angekündigten Maßnahmen sind zwar weitgehend, doch sie adressieren nur einen Aspekt der Problematik, die mit der durch die Plattformen konstituierten politischen Öffentlichkeit verbunden ist. Eine aktuelle Studie von Daniel Kreiss und Shannon McGregor enthüllt nämlich das immense Ausmaß, mit dem “Technology Firms Shape Political Communication”. Die Kommunikationswissenschaftler zeigen, wie eng Facebook und Twitter, aber auch Google (und Microsoft) mit den Wettbewerbern zusammengearbeitet haben.

Die Technologie-Firmen haben mit eigens dafür abgestelltem Personal den Politikern, die ihre Dienste nutzen wollten, aktiv unter die Arme gegriffen. Sie stellten ihre Instrumente vor und machten Vorschläge zu deren Einsatz. Dies gilt vor allem für die Identifizierung und Adressierung relevanter Zielgruppen durch Anzeigen, von denen die Plattformen am ehesten finanziell profitieren. Insofern wurden nicht nur die Digital-Strategien der kollaborierenden Kandidaten direkt beeinflusst.

Gerade die Kampagne von Donald Trump hat davon profitiert, insofern sie mit minimalem Personaleinsatz operierte. Dieses Defizit gegenüber der personell aufwändig aufgestellten Organisation von Hillary Clinton konnte also durch die Kompetenz aus dem Silicon Valley kompensiert werden.

Plattformen: Der Blick nach Deutschland?

In den USA stehen Facebook, Google und Twitter unter politischem Druck, weil sie Anzeigen von Akteuren aus Russland mit manipulativen Inhalten publiziert haben. Der US-Kongress untersucht derzeit die Rolle, die die Gatekeeper der Online-Öffentlichkeit im Präsidentschaftswahlkampf gespielt haben. Gibt es vergleichbare Erkenntnis für die Rolle der Technologie-Firmen beim Bundestagswahlkampf?

Die Macht der Informationsintermediäre“ ist zwar auch in der deutschen Debatte ein Thema und ein Forschungsnetzwerk des Hans-Bredow-Instituts widmet sich sogar den Algorithmed Public Spheres. Doch die politische Kommunikationsforschung in Deutschland überlässt das Thema eher dem Datenjournalismus oder einer ebenfalls quantifizierenden Political Data Science.

Demgegenüber bewegen sich die Autoren der US-Studie über den direkten Einfluss großer Digital-Unternehmen auf die datenbasierte Kampagnenführung in der Tradition der qualitativen Sozialforschung. Sie haben sich in das Feld begeben, in dem die Kontakte zwischen Technologie-Firmen sowie politischen Kandidaten und Kampagnen in den USA angebahnt werden. Dort präsentieren die Firmen ihre Dienstleistungen und Produkte auf den Parteitagen der Kontrahenten. Mit dem betreffenden Personal wurden dann Interviews geführt, die Ausmaß und Inhalt der Kollaborationen zu Tage förderten.

Digitale Doppelgänger

Anhaltspunkte für ähnlich enge Kooperationen gibt es auch in Deutschland. Ende September berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg über den Online-Wahlkampf der Alternative für Deutschland: „The German Far Right Finds Friends Through Facebook“. Die AfD habe die auch für rechtspopulistische Parteien und Kandidaten in anderen Ländern tätige US-Agentur Harris Media angeheuert. Deren Vertreter habe bei seinem Deutschland-Aufenthalt direkt Facebooks Berliner Dependance aufgesucht, um eine Arbeitsbeziehung zur Anzeigenabteilung zu etablieren.

In den Fokus sei dabei das von Facebook angebotene Marketing-Instrument der Lookalike Audiences geraten: Ausgehend von bekannten Angaben zu den Abonnenten der AfD-Präsenz bei Facebook wurde eine gleich große Gruppe mit ähnlichen Eigenschaften aus der Gesamtheit der deutschen Nutzer gebildet, die dann für Werbemaßnahmen der Partei ins Visier genommen wurde.

Abgesehen von dieser Episode haben sich die Plattformen allen Parteien als relevanter Partner für die Kommunikation mit der Wählerschaft angedient. Instrument dieser Annäherung waren vor allem Informationsangebote über die politischen Positionen von Kandidierenden und Parteien. Diese Formate wurden den Nutzern von Facebook und Google bei algorithmisch passender Gelegenheit prominent angezeigt. Die Angaben zu Personen und Positionen konnten die betreffenden Akteure dabei selbst verfassen.

Vielleicht lässt sich diese Praxis am ehesten als freiwilliges Äquivalent zur kostenfrei ausgestrahlten Wahlwerbung im Rundfunk verstehen. Eine Parallele zum TV-Duell drängt sich darüber hinaus bei einem weiteren Angebot auf: YouTube veranstaltete zunächst mit Angela Merkel und später mit Herausforderer Martin Schulz für Internet-Verhältnisse epische Einzelinterviews. Bei diesem kamen diverse YouTube-Influencer zum Einsatz, die die beiden Kandidaten im firmeneigenen Berliner YouTube-Space befragten.

Dazu gab es im Gegensatz zu dem von der Kanzlerin in ein ihr genehmes Format verhandelten TV-Duell redaktionelle Einspieler und sogar Wortmeldungen von Zuschauern der beiden Livestreams, die von Google und YouTube auf der jeweiligen Startseite beworben wurden. Auch wenn auf diesem Weg noch keine enorme Reichweite erzielt wurde, dürfte den Kommunikationsstrategen in den Parteizentralen doch klar geworden sein, welcher Kanal in Zukunft den Draht zu Erstwählern herzustellen vermag.


Image (adapted) „USA“ by Zoltan Kovacs [CC0 Public Domain]


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Paradise Papers: Auch Apple wird verdächtigt

Apple (adapted) (Image by Medhat Dawoud [CC0 Public Domain] via Unsplash

Die Paradise Papers belasten neben vielen Prominenten (und solchen, die es gerne wären,) auch den IT-Giganten Apple. Berichten zufolge hat das Unternehmen aus dem kalifornischen Cupertino durch Tricks versucht, so wenig Steuern wie möglich zu zahlen. Illegal ist das (wahrscheinlich) nicht, besonders beliebt dürfte sich Apple damit allerdings auch nicht machen, zumal der Konzern immer wieder gerne betont, dass er ganz patriotisch einen Großteil seiner Steuern in den USA zahlt. Apple bestreitet die Vorwürfe allerdings.

Wollte Apple Steuern aus dem Weg gehen?

Wie schon die „Panama Papers“ befassen sich die sogenannten Paradise Papers mit sogenannten Steueroasen. Dabei handelt es sich um Staaten mit besonders niedrigen Steuersätzen oder günstigen Steuerschlupflöchern, in die reiche Personen oder Konzerne gerne ihre Gelder verschieben, um so wenig Abgaben wie möglich leisten zu müssen.

Die Paradise Papers stammen größtenteils von der Anwaltskanzlei Appleby und wurden von einem unbekannten Informanten der Süddeutschen Zeitung zugespielt. Diese hat die Dokumente mit Hilfe eines Zusammenschlusses investigativer Journalistinnen und Journalisten ausgewertet und dabei zahlreiche Prominente und bekannte Unternehmen aufgespürt, die ihr Geld gerne für sich behalten, statt Abgaben an den Staat zu leisten.

Zum Kreis dieser Unternehmen gehört auch der kalifornische IT-Gigant Apple, wie Recherchen der Süddeutschen Zeitung ergeben. Das Unternehmen, das in den letzten Jahren vor allem mit dem iPhone Rekord-Umsätze erzielte, soll in E-Mails mit diversen Anwaltsfirmen die Gründung neuer Geschäftssitze in Steueroasen diskutiert haben. Im Gespräch seien  die Britischen Jungferninseln, die Kaimaninseln, die Isle of Man sowie die im Ärmelkanal gelegenen Inseln Guernsey und Jersey gewesen, berichtet die SZ. Apple wollte sich demnach von den lokalen Autoritäten sogar vorab eine Bescheinigung ausstellen lassen, dass keine Steuern anfallen.

2015, ein Jahr nach dem entsprechenden E-Mail-Verkehr, kamen Apple und die Beraterfirmen offenbar ins Geschäft. Zwei Apple-Standorte werden seitdem auf Jersey geführt. Wie genau diese genutzt werden, ist allerdings unklar.

Fragwürdige Vorgeschichte

Schon zuvor war Apple wegen seiner Steuerpolitik in die Kritik geraten. Im Jahr 2013 gerieten der Konzern und sein CEO Tim Cook unter Beschuss, weil Apple einen Großteil seiner Geschäfte nach Irland verlegt hatte. Auch die irische Steuergesetzgebung war damals für Unternehmen wie Apple günstig – und Apple nutzte die bestehenden Möglichkeiten allem Anschein nach äußerst geschickt aus. Entsprechende Schlupflöcher wurden von der irischen Regierung allerdings 2015 geschlossen – wohl mit ein Grund für Apples Umzugspläne.

Apple bestreitet die Vorwürfe aus den Paradise Papers

In einer von der New York Times zitierten Stellungnahme bestreitet Apple die Vorwürfe. Der Konzern habe keine Geschäfte aus Irland verlegt, heißt es. Die Veränderungen, die 2015 an der Unternehmensstruktur vorgenommen wurden, seien sogar eigens darauf bedacht gewesen, Steuerzahlungen an die USA beizubehalten.

Die Glaubwürdigkeit dieser Aussage mag von Interessierten durchaus unterschiedlich beurteilt werden. Wenn das Dementi nicht die gewünschte Überzeugungskraft entfaltet, muss Aplle mit viel schlechter Presse rechnen. Gerade angesichts der Vorgeschichte dürften es weder die US-Politik noch die Öffentlichkeit gerne sehen, dass Apple weiterhin im Verdacht steht, Steuerzahlungen aus dem Weg gehen zu wollen. Womöglich werden auch Apples Anlegerinnen und Anleger „not amused“ reagieren – eine Konsequenz, die der Unternehmensführung gar nicht gefallen dürfte, hat sich doch in der Vergangenheit schon des Öfteren gezeigt, dass Apple wenig so fürchtet wie geschäftsschädigende Kontroversen.

Die Bedeutung des Whistleblowing

Die Wahrheit in dieser komplizierten und kontroversen Angelegenheit wird noch zu ergründen sein. Fest steht: Es ist gut, dass die entsprechenden Informationen jetzt in der Hand von Journalistinnen und Journalisten sind. So kann unethisches wie intransparentes Geschäftsgebaren nicht nur von seiten Apples, sondern auch durch viele andere Akteure offen gelegt wird. Eines zeigen die Paradise Papers, unabhängig von den Folgen für Apple und andere Beschuldigte, jetzt schon: Whistleblower gehören nach wie vor zu den wichtigsten Beschützerinnen und Beschützern unserer Demokratie.

Danken wir der Person, die die Paradise Papers geleakt hat, indem wir so viele Informationen wie möglich aus dem Material ziehen – und dafür sorgen, dass nicht, wie schon bei den Panama Papers, niemand außer den Whistleblowern aufgrund der Aufdeckung dubioser Machenschaften angeklagt wird.


Image (adapted) „Apple“ by Medhat Dawoud [CC0 Public Domain]


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  • WAHLMANIPULATION Heise: Wie Computer bei Wahlmanipulationen helfen: Schon von dem Begriff  „Gerrymandering“ gehört? Das Gerrymandering beschreibt eine Methode, die Grenzen eines Wahlkreises so zu gestalten, sodass mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Mehrheit erzielt wird. Vor allem Demokratien, die mit Wahlkreisabgeordeneten und nach einem Mehrheitswahlrecht arbeiten, sind für diese Methode aus dem vorletzten Jahrhundert anfällig. In den USA wird sie schon lange praktiziert und es wird immer schwieriger, sie gesetzlich zu verbieten. Schuld daran ist die moderne Technik: Denn Parteien setzten inzwischen eine Software mit genauen Wählerkarten und den jüngsten Neigungen der Bürger ein – so perfektionieren sie das Gerrymandering mit einer erschreckenden Genauigkeit.

  • DATENSCHUTZ Netzpolitik: Intransparente Datennutzung: Weitere juristische Schlappe für Facebook: Wer über Facebooks App-Zentrum Spiele von Drittanbietern nutzt, wie zum Beispiel Scrabble, Diamond Dash oder The Ville, muss diesen oft umfangreiche Daten zur Verfügung stellen. Seit 2013 läuft deswegen ein Verfahren gegen Facebook, bei dem die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) erneut Recht bekommen hat: So hat die Werbeplattform in der Vergangenheit nicht ausreichend über die Weitergabe der Daten informiert, wie das Berliner Kammergericht nun bestätigt. Grundsätzlich steht fest, dass Facebook sich an das deutsche Recht halten muss. Dies ist auch ein wichtiger Schritt zur Stärkung der Rechtsdurchsetzung bei global agierenden Digitalkonzernen.

  • SOFTWARE Welt: Diese Entwicklung soll deinen Alltag entscheidend verändern: Es könnte sein, dass in zwanzig Jahren die Reparatur eines Codes zur Lebenstauglickeit des Erdenbürgers gehört, wie heute das Sockenflicken oder das Austauschen einer Glühbirne. In Zukunft wird Software immer mehr unser Leben bestimmen. Sie zu verstehen und beherrschen wird nicht mehr nur Aufgabe von Codern sein, sondern alltägliche Kulturtechnik. Denn Einblicke hinter die Kulissen einiger Silicon-Valley-Unternehmen zeigen: Wir müssen wirklich über das Programmieren sprechen. Unter andrem auch über das Unternehmen GitHub, das mit der Organisation von Datenmemngen und Softwarentwicklung zu tun hat, aber noch viel wichtiger, ein Teil einer Industrie ist, die revolutioniert, wie das Zusammenarbeiten von sehr großen Menschengruppen in Zukunft funktionieren kann – und das nicht nur für Softwareentwicklung.

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NSA-Skandal: Ermittlungen offiziell eingestellt

The_dead_end (Image by Vaikoovery [CC by 3.0] via Pixabay)

Der Generalbundesanwalt hat die Ermittlungen wegen des NSA-Abhörskandals eingestellt. Er sieht keinen Anhaltspunkt dafür, dass die Behörden der USA und ihrer Verbündeten konkrete Straftaten gegen deutsche Bürger verübt haben. Die in den letzten Jahren aufgedeckte Massenüberwachung insbesondere der NSA reicht demnach nicht aus, um einen Anfangsverdacht zu rechtfertigen. Dieser Standpunkt ist in gewisser Hinsicht enttäuschend, aber ganz sicher nicht überraschend. Von Anfang an wurde der NSA-Skandal in Deutschland nur halbherzig aufgeklärt.

Kein konkreter Anfangsverdacht

Wie das Büro des Generalbundesanwalts in einer Pressemitteilung bekannt gibt, wurden die Ermittlungen gegen die Behörden der USA und ihrer Verbündeten, insbesondere Großbritanniens, eingestellt. Es hätten sich „keine belastbaren Hinweise für eine gegen die Bundesrepublik Deutschland gerichtete geheimdienstliche Agententätigkeit (§ 99 StGB) oder andere Straftaten“ ergeben, heißt es zur Begründung.

Zwar habe es massenhafte Überwachung durch die NSA und deren Verbündete gegeben, so die Erklärung. Es hätten sich aber weder in den Snowden-Dokumenten noch in anderen Quellen „konkrete Hinweise auf tatsächlich fassbare Spionagehandlungen der NSA in oder gegen Deutschland“ gefunden. Die Leaks hätten vielmehr nur die allgemeinen „Techniken und Fähigkeiten“ der Überwacher aufgedeckt. Diese seien den deutschen Behörden zudem bereits zuvor „als technisch machbar bekannt“ gewesen. Der NSA-Untersuchungsausschuss habe „keine Belege dafür gefunden, dass diese Techniken zielgerichtet gegen Deutschland eingesetzt worden sind“. Das gelte auch für die massenhafte Überwachung am Frankfurter Netzknotenpunkt De-Cix. Auch die Snowden-Dokumente könnten keine derartigen Beweise liefern. „Insbesondere geben die Dokumente keinen Aufschluss über konkret beschreibbare, tatsächlich durchgeführte Abhörmaßnahmen“, schreibt das Büro des Generalbundesanwalts weiter und kommt zu dem Schluss: „Vor diesem Hintergrund ist für weitere staatsanwaltschaftliche Untersuchungen von Gesetzes wegen kein Raum.“

Feigheit vor dem Verbündeten

Dem Buchstaben des Gesetzes wurde durch die nun für beendet erklärte Untersuchung wohl Genüge getan. Von einer umfassenden Aufarbeitung der bekannt gewordenen Grundrechtsverletzungen allerdings kann keine Rede sein. Rein technisch gesehen mag es stimmen, dass die Snowden-Dokumente und die anderen bekannt gewordenen NSA-Interna lediglich vorhandene Tools und technische Möglichkeiten aufzeichnen. Es bedarf aber keiner großen intellektuellen Leistung, sich auszurechnen, dass und in welch massivem Ausmaß diese Werkzeuge auch zum Einsatz kamen – gegen reale Menschen, darunter auch Bundesbürgerinnen und Bundesbürger, deren Rechte der deutsche Staat nicht verteidigt, da er Angst hat, sich den Unmut seiner amerikanischen Verbündeten zuzuziehen. Genau darauf läuft es nämlich bei aller Rhetorik und juristischen Spielerei hinaus.

Überraschend ist die nun getroffene Entscheidung des Generalbundesanwalts keineswegs. Von Anfang an ermittelte der NSA-Untersuchungausschuss eher halbherzig und oft unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Auch die Weigerung der Bundesregierung, Whistleblower Edward Snowden Asyl zu gewähren, spricht eine deutliche Sprache: Deutschland ist nur dann gegen Massenüberwachung, wenn dieser Widerstand nicht die Gefahr einer Meinungsverschiedenheit mit den USA birgt.

Einsatz für die eigenen Bürger wie auch für grundlegende freiheitliche Rechte sieht anders aus. Enttäuscht kann man kaum über diese Entscheidung sein, dazu ist sie zu vorhersehbar. Empörung und die Forderung nach Veränderung sind aber sehr wohl angebracht.


Image (adapted) „The dead end“ by Vaikoovery [CC by 3.0]


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  • FACEBOOK Computerbild: Oculus G0: Facebook kündigt günstige VR-Brille an: Facebook sieht Virtual Reality als Geschäft der Zukunft: Durch ein neues kabelloses Modell und eine Preissenkung möchte das Unternehmen eine Milliarde Nutzer für seine VR-Brillen gewinnen. „Oculus Go“ soll die günstigere Version der Ocolus-VR-Brille heißen, die Anfang 2018 auf den Markt kommen soll. Diese soll ohne PC oder eingeschobenes Smartphone auskommen und 199 US-Dollar (circa 168 Euro) kosten. Der Blickwinkel soll dabei genauso groß sein wie bei der Roft-Brille (100 bis 110 Grad) und eingebaute Köpfhörer sollen auch vorhanden sein. Facebook erhofft sich, durch eine aggressive Preispolitik, das Geschäft mit der virtuellen Realität ankurbeln zu können.

  • AMAZON Cashys Blog: Amazon: Alexa kann ab sofort unterschiedliche Benutzer erkennen (noch nicht in DE): Fans von Alexa, bzw. dem Echo-System von Amazon, haben diese Funktion schon lange ersehnt: Durch „Voice Profiles“ kann das System nun unterschiedliche Benutzer anhand ihrer Stimme unterscheiden. Vorest werden die Profile jedoch nur in den USA verteilt, bald werden sie auch nach Deutschland kommen. Die einzelnen Nutzer müssen hierzu zehn Sätze laut nachsprechen, damit Alexa die unterschiedlichen Profile anlegen und erkennen kann. Das Ganze soll mit allen Amazon Echos, Echo Dots und Echo Shows funktionieren. Aber Achtung: Nicht alle Funktionen werden sofort mit den Profilen unterstützt werden können.

  • APPLE Chip: „Google kauft Apple für 9 Milliarden“: Falsche Sensationsmeldung schockt die Börse : „Google kauft Apple für 9 Milliarden US-Dollar“ – mit dieser Nachricht verbreitete ein Börsenticker am Dienstag die Sensation schlechthin. Ein Tech-Gigant wie Google übernimmt einen anderen Tech-Giganten wie Apple – das ist eine Meldung, die in die Geschichte eingehen wird. Wenn sie denn wahr ist: Denn schon der kleine Verkaufspreis hätte am Dienstag stutzig machen sollen – allein im Frühjahr stieg Apples Börsenwert auf 800 Milliarden Dollar. Und tatsächlich, es handelte sich bei der Meldung nur um einen Test des Börsentickers Dow Jones. Die Nachricht hätte nie an die Öffentlichkeit gelangen sollen – doch schon zwei Minuten hatten ausgereicht, um am Dienstagmorgen einen leichten Ausschlag nach unten für Apples Aktienkurs zu beobachten. Im Medienhaus Dow Jones bedauerte man den Fehler sehr.

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Wie ich als Klimaforscher für Exxon gearbeitet habe

Sturm, Wolken, Löschen, Wetter [adapted) (Image by skeeze [CC0 Public Domain] via pixabay)

Die Versuche von ExxonMobil, an der Existenz und Dringlichkeit des Klimawandels Zweifel zu säen und Spenden des Unternehmens an Gruppen, die falsche Informationen über den Klimawandel verbreiten, sind bereits seit langer Zeit öffentlich bekannt. Im Jahr 2015 wurden investigative Berichte enthüllt, dass Exxon eigene Wissenschaftler beschäftigt, die bereits seit den 1970er Jahren eigene Klimamodelle erarbeiten. Hier haben sie Modelle entwickelt, die nicht nur akkurat waren, sondern auch zu Planungszwecken für die Zukunft des Unternehmens verwendet wurden.

Wie eine Ende August veröffentlichte und viel beachtete Studie nun bestätigt, unterschied sich das, was Exxon intern über den Klimawandel kommunizierte, quantitativ sehr stark von öffentlichen Statements. Die Forscher Geoffrey Supran und Naomi Oreskes fanden dabei insbesondere heraus, dass mindestens 80 Prozent der internen Dokumente und Veröffentlichungen zwischen 1977 und 2015 mit dem Stand der Wissenschaft übereinstimmten: der Klimawandel existiert tatsächlich und wurde vom Menschen verursacht. Außerdem wurden „begründete Unsicherheiten“ identifiziert, denen jeder Klimaforscher zu diesem Zeitpunkt zugestimmt hätte. Nichtsdestotrotz wurden gut 80 Prozent der bezahlten Werbung, die Exxon im gleichen Zeitraum in Auftrag gab, vor allem auf Faktoren wie Unsicherheit und Zweifel ausgerichtet.

Der starke Kontrast zwischen der internen und topaktuellen Diskussion zur Klimaforschung, während nach außen eine Desinformationskampagne zum Thema Klimawandel stattfand, ist genug, um zu verblüffen. Was ging bei Exxon vor sich? Ich kann hier eine neue Perspektive liefern – denn ich war selbst dabei.

Von 1995 bis 1997 hat Exxon zu einem Teil meine Masterarbeit unterstützt, die sich auf chemische Reaktionen von Methan und dessen Emissionen konzentrierte. Ich verbrachte 1996 einige Wochen als Praktikant im Exxon-Forschungslabor in Annandale, New Jersey. Außerdem habe ich jahrelang an kollaborativer Forschung teilgenommen, welche zu drei veröffentlichten Studien führte, die in Supran und Oreskes neuer Analyse zitiert werden.

Klimaforschung bei Exxon

Ein Forscher ist ein Forscher, egal, wo er arbeitet – und meine Kollegen bei Exxon waren keine Ausnahme. Bedacht, umsichtig und in voller Übereinstimmung mit dem wissenschaftlichen Konsens zum Thema Klima – dies sind Charakteristika, auf die jeder Forscher stolz wäre. Hatte Exxon eine Agenda für unsere Forschung? Natürlich – Exxon ist keine Wohltätigkeitsorganisation. Ihre Forschung und Entwicklung verfolgte Ziele. In meinem Fall war dieses Ziel, nichts zutage zu fördern, das im Bereich der Klimaforschung für Aufsehen sorgen würde. Ich sollte die Vorzüge der Reduktion von Methan quantifizieren.

Methan ist ein Abfallprodukt, das beim Abbau von Kohle und bei natürlichen Gaslecks auftritt. So finden wir es beispielsweise in Abwasseranlagen, bei furzenden und rülpsenden Kühen, Schafen, Ziegen und sonstigen Tieren, die wiederkäuen, bei der Zersetzung von organischem Müll in Abfallbehältern oder innerhalb gigantischer Termitenhügel in Afrika. Es tritt sogar in kleinen Mengen bei laktoseintoleranten Mitmenschen auf.

Methan absorbiert auf einer Massenbasis etwa fünfunddreißig Mal so viel Erdwärme wie Kohlendioxid. Methan hat eine weit kürzere Lebenszeit als Kohlendioxid, und wir produzieren weit weniger davon. Dass die Überproduktion des Kohlendioxid aufhören muss, ist also eine Tatsache. Wir beobachten mit Sorge, wie schnell die Erde sich erwärmt. Es lohnt sich also, den Methanausstoß so schnell wie möglich zu reduzieren, während wir langfristig kohlendioxidbasierte Brennstoffe abschaffen.

Für die Gas- und Ölindustrie bedeutet die Reduktion von Methanausstoß eine enorme Energieeinsparung. Es ist also nicht überraschend, dass ich während meiner Forschung keine merkliche Anleitung oder einen Eingriff in meine Forschung erfuhr. Niemand schlug vor, meine Kennzahlen zu überarbeiten oder meine Erkenntnisse „anzupassen“. Die einzige Auflage war, dass ein Zeitschriftenartikel mit einem Co-Autor einer internen Prüfung standhalten musste, bevor es zur Begutachtung freigegeben werden konnte. Dieses Vorgehen entspricht einer Richtlinie wie in vielen Bundesanstalten.

Wusste ich darüber Bescheid, was sonst zu dieser Zeit vor sich ging? Ich hätte es mir nicht vorstellen können. Gerade aus Kanada hergezogen, war ich mir nicht darüber bewusst, dass es Menschen gab, die Klimaforschung nicht akzeptierten – so wenig bewusst, dass es fast ein halbes Jahr dauerte, bis ich verstand, dass ich jemanden geheiratet hatte, der genau dies war. Abgesehen davon finanzierte Exxon zur gleichen Zeit, zu der meine Forschung als zweckmäßigste Art, den Einfluss des Menschen auf das Klima zu reduzieren, eine riesige Fehlinformationskampagne.

Dennoch haben die Entscheidungen von Seiten Exxons direkt zu der Lage beigetragen, in der wir uns heute befinden und die sich in vielerlei Hinsicht surreal anfühlt. In dieser Situation stellen sich viele gewählte Repräsentanten den Maßnahmen für das Klima entgegen, während China die USA in Bezug auf Windkraft, Solarenergie, wirtschaftliche Investitionen in saubere Energien und sogar die Existenz einer nationalen Obergrenze und Handelspolitik ähnlich des verhängnisvollen Waxman-Markey-Gesetzes von 2009 vorführen.

Persönliche Entscheidungen

Diese neueste Studie unterstreicht, warum viele Exxon dafür verantwortlich machen, wissentlich die Öffentlichkeit hinsichtlich eines so wichtigen Themas in die Irre geführt zu haben. Für Wissenschaftler und Akademiker jedoch wird es eine andere, moralisch ähnliche Debatte auslösen. Sind wir gewillt, finanzielle Unterstützung anzunehmen, die uns im Gegenzug für die Beschwichtigung des öffentlichen Bewusstseins angeboten wird?

Das Konzept, für sündhaftes Vergehen zu bezahlen, ist nicht neu. Von Völlereien im Mittelalter bis hin zur Kritik, die einige heute der Klimakompensation zugeschrieben haben: Der Mensch hat schon immer versucht, die Folgen seines Handelns abzuschwächen und sein Gewissen durch gute Taten zu beruhigen, insbesondere auf finanzielle Art und Weise. Heutzutage folgen viele Industrieunternehmen dieser Logik: Einerseits wird die Wissenschaftsleugnung unterstützt, andererseits wird topaktuelle Forschung und Wissenschaft gefördert.

Das Globale Klima- und Energieprojekt der Stanford University führt grundlegende Forschungen zu effizienten und sauberen Energietechnologien durch – mit Exxon als Sponsor. Der Philantroph und politische Gönner David Koch spendete 2015 einen bisher nie dagewesenen Betrag von 35 Millionen US-Dollar an das Smithsonian National Museum of Natural History, woraufhin drei Dutzend Wissenschaftler das Museum aufforderten, sich von Koch loszusagen, da er Lobbygruppen unterstützt, die die Klimaforschung „falsch repräsentieren“. Shell hat das „Atmosphere“-Programm des London Science Museum unterschrieben, um dann seinen Einfluss dazu zu nutzen, die Perspektive auf das, was Forscher über das Klima wissen, zu verzerren.

Es ist einfach, mit dem Finger auf andere zu zeigen, wenn es jedoch um uns selbst geht, mag die Wahl oft nicht so klar sein. Was ist am wichtigsten – der Nutzen von Forschung und Bildung, oder die Ablehnung von beschmutzten Geldern?

Die richtige Antwort auf moralisch fragwürdige Angebote ist ein uraltes Problem. Im Buch der Korinther antwortet der Apostel Paulus auf die Frage danach, was mit Lebensmitteln, die den Göttern geopfert wurden, geschehen soll: Essen oder vernichten?

Seine Antwort führt die Komplexität dieses Themas vor Augen. Essen ist immer Essen, sagt er – nach der gleichen Logik könnten wir heutzutage sagen, dass Geld immer Geld ist. Sowohl Nahrung als auch finanzielle Mittel können jedoch Bündnis oder Zustimmung bedeuten. Falls andere Parteien involviert sind, wird eine noch kritischere Antwort benötigt.

Was sollen wir Akademiker also tun? In unserer offenen und transparenten Welt, in der Informationen so leicht zugänglich sind, ist die Offenlegung von finanziellen Unterstützern sowohl wichtig als auch notwendig. Manch einer würde außerdem argumentieren, dass ein finanzieller Unterstützer, egal wie eng oder lose die Verbindungen sind, einen Schatten auf die  Forschungsergebnisse wirft. Andere hingegen würden sagen, dass die Gelder für das Gute genutzt werden können. Welches Argument hat das größte Gewicht?

Nach zwei Jahrzehnten im Bereich der Klimaforschung bin ich nicht länger so unschuldig, wie ich einst war. Ich bin mir derer nun viel zu bewusst, die Klimaforschung als „liberalen Unfug“ abtun. Jeden Tag attackieren sie mich auf Facebook, verteufeln mich auf Twitter und schicken mir gelegentlich sogar handgeschriebene Briefe – was immerhin Wertschätzung gegenüber der Kunstfertigkeit erbittet, wenn schon nicht des Inhalts. Was würde ich also nun tun, wenn Exxon mich anriefe?

Es gibt auf diese Frage nicht die eine richtige Antwort. Um für mich selbst zu sprechen: Ich würde sie bitten, die Gelder den Politikern zu geben, die eine sinnvolle Klimapolitik verfolgen – und ihre Zuwendungen an die, die dies nicht tun, einzustellen. Ich bewundere die praktische Antwort eines Kollegen: er schlägt vor, ein von Koch stammendes Honorar zu nutzen, um eine lebenslange Mitgliedschaft im Sierra Club zu erwerben.

Trotz der Tatsache, dass es keine einfache Antwort gibt, ist es eine Frage, die sich uns mehr und mehr jeden Tag stellt, und wir können diese Gratwanderung nicht länger machen. Als Akademiker und Wissenschaftlicher müssen wir einige schwierige Entscheidungen treffen; und nur wenn wir die weitreichenden Implikationen dieser Entscheidungen erkennen, können wir diese Entscheidungen mit Weitsicht treffen, statt mit halbgeschlossenen Augen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Sturm, Wolken, Löschen, Wetter“ by skeeze (CC0 Public Domain)


The Conversation

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US-Regierung fragt Daten Trump-kritischer Facebook-Accounts ab

Facebook (adapted) (Image by Simon [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Wie sich nun herausstellte, forderte die aktuelle US-Regierung zahlreiche Daten über Menschen an, die mit einer Trump-kritischen Facebook-Seite interagiert haben. Dieses Vorgehen ist ein weiteres besorgniserregendes Beispiel dafür, wie auch in Demokratien Überwachungstechnologie zur Identifizierung missliebiger politischer Meinungen eingesetzt wird. Bürgerrechts-Aktivistinnen und -Aktivisten protestieren nun energisch gegen das Vorhaben der US-Behörden. Sie halten es für äußerst undemokratisch und verfassungswidrig.

Geheimer Durchsuchungsbefehl

Dass die US-Behörden mit Hilfe von Durchsuchungsbefehlen Informationen über Nutzerinnen und Nutzer von Websites und Online-Diensten anfordern können, ist schon seit Jahren bekannt, ebenso die Tatsache, dass sie von diesem Recht gern und häufig Gebrauch machen. Das zeigen schon die Transparenzberichte der Plattform-Betreiber. Hinzu kommt, dass derartige behördliche Eingriffe häufig der Geheimhaltung unterliegen – die betroffenen Provider dürfen weder den Betroffenen noch der Öffentlichkeit mitteilen, dass ein Zugriff der Behörden stattgefunden hat.

Eine solche Anfrage traf nun auch die Betreiber des sozialen Netzwerks Facebook. Die US-Behörden forderten umfangreiche Informationen über drei auf Facebook registrierte Personen sowie die Nutzergemeinde einer Facebook-Seite an. Den Konten und der Seite war gemeinsam, dass dort Äußerungen getätigt wurden, die sich sehr kritisch mit US-Präsident Donald Trump befassen, und Demonstrationen gegen Trump und seine Regierung organisiert werden.

Die US-Regierung forderte praktisch alle von Facebook archivierten nicht-öffentlichen Informationen über die drei Benutzerkonten für den Zeitraum von November 2016 bis Februar 2017 an. Sogar bereits gelöschte Daten sollte Facebook herausgeben. Abgefragt wurden Passwörter samt Sicherheitsfragen und -antworten, hinterlegte Kreditkartendaten, Adressen, genutzte Apps und deren Daten, Fotos, Videos, gepostete Links, Chats und Videoverbindungen. Außerdem wurden Messenger-Mitteilungen untersucht und alle durchgeführten Suchen gescannt. Es wurden Freundeslisten in Augenschein genommen, es wurde untersucht, welche anderen User blockiert wurden oder eine Freundesanfrage abgelehnt haben. Schließlich wurden Postings und weitere Daten der drei betroffenen Nutzerinnen und Nutzer untersucht. Bei der fraglichen Facebook-Seite, der Seite „disruptJ20“, wurde abgefragt, welche Facebook-Nutzerinnen und Nutzer im betreffenden Zeitraum mit der Seite interagiert hatten. Dies wurde geprüft, indem sie etwa die Seite abonnierten, „Likes“ oder andere Reaktionen hinterließen, Kommentare posteten oder Postings der Seite mit ihren Freunden teilten. Insgesamt dürften mehrere tausend Menschen von dieser Suche erfasst worden sein.

Ursprünglich unterlag diese Anfrage, wie viele andere, der Geheimhaltung. Facebook setzte sich gegen diese Verpflichtung zur Geheimhaltung jedoch zur Wehr – und das letztendlich erfolgreich. Die Plattform-Verantwortlichen durften die betroffenen Nutzerinnen und Nutzer informieren. Diese wandten sich daraufhin an die US-Bürgerrechtsorganisation „American Civil Liberties Union“ (ACLU), die ihre Unterstützung zusagte.

Kritisch – aber nicht verdächtig

Die US-Regierung begründet die Anfrage mit Ermittlungen wegen Ausschreitungen bei Anti-Trump-Protesten am 20. Januar. Damals war es am Rande friedlicher Proteste zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstrierenden und der Polizei gekommen. Hunderte Demonstrantinnen und Demonstranten sind wegen der Auseinandersetzungen angeklagt und müssen sich vor Strafgerichten verantworten.

Die drei von der Facebook-Datenabfrage betroffenen Personen gehören indes nicht zu den Angeklagten. Sie waren lediglich an der Organisation der friedlichen Proteste und der Mobilisierung für diese beteiligt.

Gegen die Meinungsfreiheit

Die ACLU hält das Vorgehen der US-Regierung für verfassungswidrig. Unter anderem fürchtet sie, dass durch derartig einschüchternde Vorgehensweisen der Behörden andere Menschen in den USA an der Ausübung ihrer im ersten Zusatzartikel der Verfassung garantierten Meinungsfreiheit eingeschränkt werden.

Diese Befürchtung ist keineswegs unbegründet. Die „Chilling Effects“ einer massiven Überwachung, ihre lähmende und einschüchternde Wirkung und dadurch bedingte Einschränkung der Meinungs-und Pressefreiheit, sind mittlerweile gut dokumentiert.

Die betroffenen Nutzerinnen und Nutzer sind vollkommen unschuldig und keiner Straftat verdächtig – sie haben lediglich ihr Recht auf freie Meinungsäußerung und friedlichen Protest wahrgenommen. Dafür traf sie die volle Härte der US-Überwachungsgesetze. Ein solches Vorgehen ist einer Demokratie vollkommen unwürdig. Es bleibt zu hoffen, dass die Proteste der Betroffenen und der ACLU Erfolg haben. Anderenfalls wird sich die schrittweise Einschränkung der Bürgerrechte und des offenen politischen Diskurses in den USA weiter fortsetzen.


Image (adapted) „Facebook“ by Simon [CC0 Public Domain]


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Telekom präsentiert „Entertain Serien“

Telekom_EntertainmentSerien

Achtung Suchtfaktor! Mit „Entertain Serien“ kommen jetzt die heißesten Serien-Exportschlager nach Deutschland: Ab dem 04.10. könnt ihr The Handmaid’s Tale – Der Report der Magd, Better Things und Cardinal exklusiv und ohne Aufpreis bei EntertainTV sehen.

The Handmaid’s Tale – Der Report der Magd

Diese Serie zeigt eine düstere Zukunft in Amerika und ist nichts für schwache Nerven: Religiöse Fundamentalisten haben einen totalitären Staat aufgebaut. Durch Umweltkatastrophen sind fast alle Frauen unfruchtbar geworden – die wenigen, die noch fruchtbar sind, müssen als Mägde in reichen Häusern leben und den männlichen Herrschern Kinder gebären. Grundlage für die Serie war der Roman „The Handmaid’s Tale“ von Margaret Atwood, das bereits 1985 erschien.

Better Things

Better Things handelt von einer alleinerziehenden Mutter und davon wie sie ihre drei Töchter, ihre Schauspielkarriere und ihr Liebesleben unter einen Hut zu bekommen versucht. Schon die Episodentitel wie „Only women bleed“ (auf Deutsch: Nur Frauen bluten) lässen vermuten, dass die Serie mächtig Spaß macht. Die Ereignisse basiern zudem auf den echten Erlebnissen der Hauptdarstellerin und Produzentin Pamela Adlon und machen die Serie nicht nur schreiend komisch, sondern auch rührend – dafür gibt es in den USA viel Lob!

Cardinal

Diese Geschichte spielt im kanadischen Winter, wo der zwielichtige Polizeikommissar John Cardinal als Einziger bei dem Verschwinden eines 13-jährigen Mädchens einen Mord wittert. Als schließlich die Leiche des Mädchens gefunden wird, nimmt er die Spur wieder auf – doch Cardinal selbst hat keine lupenreine Vergangenheit. Seine Partnerin, Lisa Delorme, ermittelt deswegen zugleich heimlich gegen ihn. Die Story der ersten Staffel basiert auf dem Krimi vom kanadischen Schriftsteller Giles Blunt, mit dem Titel „Forty Words for Sorrow“.

Schon gewusst?

Die exklusiven Top-Serien bei EntertainTV gibt es jetzt ohne Aufpreis! Nur bei Telekom könnt ihr The Handmaid’s Tale – Der Report der Magd, Better Things und Cardinal ab dem 04.10 in Deutschland sehen. Doch es gibt noch viele andere Serien-Highlights zu entdecken: Holt euch jetzt EntertainTV und genießt die ganze Vielfalt!

Dieser Artikel wurde in freundlicher Zusammenarbeit mit der Telekom verfasst.

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Verschlüsselung: Misstrauen gegen NSA-Fachleute

Security(adapted)(Image by pixelcreatures [CC0 Public Domain] via Pixbay)

Eine Gruppe internationaler Fachleute hat die US-Sicherheitsbehörde NSA in der Diskussion um zukünftige Verschlüsselungs-Standards zum (zumindest teilweisen) Einlenken gezwungen. Die von der NSA vorgeschlagenen Krypto-Standards wurden abgelehnt. Die Expertinnen und Experten fürchten, die NSA habe die Standards nicht ihrer technischen Qualität wegen vorgeschlagen, sondern weil sie womöglich die Mittel habe, diese Verschlüsselung zu brechen. Der Vorfall zeigt, wohin das unehrliche Verhalten von Regierungsbehörden und ihr verantwortungsloser Umgang mit dem Thema IT-Sicherheit führen.

„Simon“ und „Speck“ ernten Misstrauen

Eine Delegation von US-Verschlüsselungsfachleuten, darunter einige Angehörige der Behörde NSA oder ihrer Zulieferer-Firmen, setzt sich dafür ein, dass die „International Organization of Standards“ zwei neue Verschlüsselungs-Algorithmen mit den Codenamen „Simon“ und „Speck“ zum Standard erhebt. Diese Bemühungen stoßen jedoch in der Fachwelt auf erheblichen Widerstand. Grund dafür ist das Misstrauen des zuständigen Experten-Gremiums gegenüber der NSA.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf E-Mails und Interviews berichtet, gehören dem fraglichen Gremium Fachleute unter anderem aus Deutschland, Japan und Israel an. Obwohl alle diese Länder grundsätzlich mit den USA verbündet sind, hegen rund ein Dutzend der beteiligten Kryptographie-Expertinnen und -Experten offenbar einiges Misstrauen gegen die NSA – was kaum verwundert angesichts der spätestens seit Edward Snowdens NSA-Leak bekannten Angewohnheit der USA, auch Verbündete auszuspähen. Die Fachleute befürchten, die NSA habe neue Verschlüsselungs-Werkzeuge womöglich nicht aufgrund ihres technischen Potentials vorgeschlagen, sondern weil sie wisse, wie diese zu umgehen seien.

Die NSA lenkt (teilweise) ein

Die fragliche Diskussion wird Reuters zufolge schon seit drei Jahren zwischen Fachleuten geführt. Da die Verhandlungen aber in geschlossenen Expertengesprächen stattfinden, wurde bislang nie öffentlich darüber berichtet.

Die NSA hat in der Diskussion ein Stück weit eingelenkt. Sie hat sich bereit erklärt, alle schwächeren Versionen der Verschlüsselungs-Werkzeuge aufzugeben. Lediglich die stärksten – und somit potentiell für Hacks am wenigsten anfälligen – Varianten sollen als neue Standards gefördert werden.

Krypto-Hintertüren? Für die NSA kein Neuland

Die Fachleute berufen sich in der Begründung ihrer misstrauischen Haltung vor allem auf die von Edward Snowden geleakten NSA-Interna. Diese belegen, dass die NSA die Umgehung und Schwächung von Sicherheitsstandards schon seit Jahren plant. Demnach beantragten NSA-Beamte unter anderem Finanzmittel, um „Schwachstellen in kommerzielle Verschlüsselungssysteme einzubringen“.

Die NSA hat entsprechende Absichten in Bezug auf „Simon“ und „Speck“ dementiert. Man wolle, dass kommerzielle Unternehmen auch die Regierung mit sicherer Software beliefern könnten, weswegen man sich für bessere Standards einsetze, und man gehe fest davon aus, dass „Simon“ und „Speck“ sicher seien, so die Behörde. Ob das allerdings die Zweifelnden überzeugen kann, bleibt mehr als fraglich.

Berechtigtes Misstrauen

In einer Zeit, in der Hintertüren in Verschlüsselungs-Standards weithin diskutiert werden, ist das Misstrauen der Fachleute gegenüber einer Behörde, die sich ohne konkrete Notwendigkeit für neue Standards in diesem Bereich einsetzt, gut zu verstehen. Gerade die USA haben sich in den letzten Jahren durch extrem unehrliches Verhalten in diesem Bereich ausgezeichnet, sei es durch das Geheimhalten von Software-Schwachstellen oder eben den Versuch, Verschlüsselungsstandards zu schwächen.

Dieses Verhalten hat schon das Vertrauen von Geschäftspartnerinnen und -partnern sowie Verbraucherinnen und Verbrauchern gegenüber US-Unternehmen, die häufig, freiwillig oder gezwungenermaßen, bei derartigen Aktionen mitwirken, nachhaltig geschwächt. Es verwundert nicht, dass dieses Misstrauen nun auch die US-Behörden selbst trifft.

Das geringere Übel

Das Verhalten der Expertinnen und Experten, die keinen von NSA-Beamten befürworteten Krypto-Standard unterstützen wollen, ist verständlich und klug. Allzu oft haben diese Behörde und ihre Verbündeten versucht, auf Kosten der allgemeinen IT-Sicherheit Möglichkeiten für Kontrolle und Spionage zu schaffen.

Zwar wäre es wünschenswert, dass die Behörden demokratischer Länder eine starke Verschlüsselung fördern. Solange ihnen jedoch bei diesen Bemühungen derart bedenkliche Hintergedanken unterstellt werden müssen, ist es nur recht und billig, ihre Beiträge mit Skepsis zu betrachten.

Letztendlich profitieren vom Verhalten der NSA so oder so nur IT-Kriminelle, sei es, weil Hintertüren vorhanden sind, die auch Kriminelle ausnutzen können, oder weil aufgrund der Tatsache, dass der NSA nicht vertraut werden kann, auf die Einführung eigentlich sinnvoller Neuerungen verzichtet wird. All das belegt nur aufs Neue, wie destruktiv die Geheimdienste und ihre Arbeitsweise für die freie Wissensgesellschaft sind. Das jedoch ist ein langfristiges Problem. Kurzfristig bleibt nur, sich so zu verhalten, wie es die internationalen Expertinnen und Experten gerade tun, und die Gelegenheiten für die Agentinnen und Agenten, Schaden anzurichten, gering zu halten. Verschlüsselung ist eines der wichtigsten Werkzeuge zur digitalen Selbstverteidigung. Hintertüren in Krypto-Werkzeugen sind dementsprechend gefährlich und auf jeden Fall zu vermeiden.


Image (adapted) „Security“ by pixelcreatures (CC0 Public Domain)


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Verfolgt WikiLeaks eine politische Agenda?

Moscow Rooftops (adapted) (Image by Evgeny) [CC0 Public Domain] via Pixabay

WikiLeaks wird in einem Bericht der Website “Foreign Policy” beschuldigt, Dokumente, die die russische Regierung inkriminieren, abgelehnt zu haben. Es wird spekuliert, dass das politische Gründe haben könnte. In den letzten Jahren häufen sich Indizien dafür, dass WikiLeaks auf Betreiben von Chefredakteur Julian Assange seine politische Neutralität zumindest ein Stück weit aufgegeben hat und nun eine politische Agenda verfolgt. Sollte es so sein, wäre dies höchst problematisch und würde den Idealen, auf die WikiLeaks sich beruft, widersprechen.

Ignorierte WikiLeaks Dokumente aus Russland?

Foreign Policy berichtet, WikiLeaks habe 2016 Dokumente angeboten bekommen, die inkriminierende Interna über die russische Regierung enthüllen. Diese habe die Website jedoch abgelehnt. Foreign Policy beruft sich bei seinem Bericht auf einen der Whistleblower, der der Website gegenüber sagte:

    „Wir sorgten dafür, dass mehrere Leaks, darunter der russische Hack, an WikiLeaks geschickt wurden. Das hätte russische Aktivitäten aufgedeckt und gezeigt, dass WikiLeaks nicht von russischen Sicherheitsbehörden kontrolliert wird.Viele WikiLeaks-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter und Freiwillige oder ihre Familien haben unter russischer Korruption und Grausamkeit gelitten, wir waren sicher, dass WikiLeaks es veröffentlichen würde. Assange nannte uns Ausrede um Ausrede.“

Zum Beweis legte der Informant Foreign Policy Teile eines Chatlogs vor, die seine Kommunikation mit WikiLeaks dokumentieren sollen. Schließlich wurden die Dokumente auf einer anderen Plattform veröffentlicht. Diese konnte allerdings nicht das gleiche Ausmaß an redaktioneller Aufarbeitung leisten. Auch erhielten die Dokumente dort weniger Aufmerksamkeit, als es wohl bei WikiLeaks der Fall gewesen wäre.

Julian Assange hat bislang weder gegenüber Foreign Policy noch über den offiziellen WikiLeaks-Twitteraccount Stellung zu den Vorwürfen genommen.

Wenig Leaks aus Russland

Zur Begründung für die Ablehnung der Dokumente führte WikiLeaks-Chefredakteur Julian Assange damals unter anderem an, sich auf den US-Wahlkampf konzentrieren zu wollen, da dieser ohnehin die öffentliche Aufmerksamkeit für sich beanspruche.

Auch sonst gibt es einige mögliche legitime Gründe für die Entscheidung von WikiLeaks. So erklärte Assanges ehemaliger Stellvertreter Daniel Domscheit-Berg (der WikiLeaks nach einem spektakulären Streit verließ und ein Enthüllungsbuch schrieb) bereits im März gegenüber dem französischen TV-Sender France 24: „Es sollte mehr Leaks aus Russland geben.“ Der Grund dafür, dass das nicht der Fall ist, liegt jedoch Domscheit-Bergs Meinung nach eher in der Tatsache begründet, dass die Leserschaft von WikiLeaks primär englischsprachig ist. Deswegen gebe es womöglich schlichtweg nicht genug Interesse an Leaks aus Russland, mutmaßt der Aktivist.

Julian Assange und seine politische Agenda

In den letzten Jahren häuften sich Anzeichen dafür, dass Julian Assange – der zunehmend im Alleingang die Vorgehensweise und das öffentliche Auftreten von WikiLeaks vorzugeben scheint – durchaus eine politische Agenda verfolgt. Schon die Tatsache, dass er politisches Asyl ausgerechnet in Ecuador in Anspruch nimmt – einem Land, das im Pressefreiheits-Ranking von Reporter ohne Grenzen aktuell auf Platz 105 (von 180) steht – macht stutzig, lässt sich allerdings noch mit äußeren Notwendigkeiten erklären.

Ohne Zweifel freiwillig allerdings moderierte Julian Assange im Jahr 2012 eine eigene Show beim Kreml-nahen TV-Sender RT (ehemals „Russia Today“) und führte für diesen Interviews durch. Auch war er nach eigener Aussage maßgeblich daran beteiligt, NSA-Whistleblower Edward Snowden nach Russland zu schaffen, wo dieser bis heute im Exil lebt. Zudem gibt es bereits seit Jahren Gerüchte darüber, dass Assange Leaks über russisches Fehlverhalten nicht oder nur sehr schleppend bearbeitet. Zudem warf er der Presse vor, in der Berichterstattung über die sogenannten „Panama Papers“ westliche Politikerinnen und Politiker zu leicht davonkommen zu lassen und sich stattdessen unter anderem auf Russland einzuschießen, obwohl in den Publikationen durchaus reichlich Berichte über fragwürdige Finanztransaktionen westlicher Polit-Größen auftauchten.

Auch im US-Wahlkampf, auf den sich die Website zeitweise konzentrierte, wirkten die Aktivitäten von WikiLeaks deutlich unausgeglichen. Fast im Wochenrythmus wurden kompromittierende Informationen über die demokratische Kandidatin Hillary Clinton und ihre Verbündeten veröffentlicht. Auch Assange selbst äußerte sich häufig sehr negativ über Clinton. Hingegen gab es keinen einzigen Leak über Clintons republikanischen Widersacher Donald Trump (dessen fragwürdiges Geschäftsgebahren spätestens seit der Trump University weithin bekannt ist, so dass es schwer fällt, zu glauben, er habe eine blütenweiße Weste und keinerlei an Leaks interessierte Feinde).

Im August 2016, kurz vor der Wahl, sagte Assange, er habe Material über Trump, dieses sei jedoch keiner Veröffentlichung würdig. Gegenüber „Foreign Policy“ erklärte er später, WikiLeaks habe „keine Original-Dokumente über die Kampagne erhalten, die nicht bereits öffentlich waren.“

Es gibt Spekulationen, dass die zahlreichen Leaks zu Lasten Hillary Clintons von russischen, der Regierung nahe stehenden Hackern stammen. Sie sollten, so die Theorie, dem Russland-freundlicheren Donald Trump einen Vorteil verschaffen. Schlüssig bewiesen wurden diese Mutmaßungen bislang jedoch nicht.

Rückbesinnung auf Gründungswerte erforderlich

Steckt Assange mit dem russischen Regime unter einer Decke? Möglich, aber unwahrscheinlich. Naheliegender ist, dass der WikiLeaks-Chefredakteur sich – wie auch Daniel Domscheit-Berg vermutet – von seinen eigenen politischen Meinungen und Vorurteilen zu kurzsichtigen und der Demokratie nicht zuträglichen Entscheidungen im Namen von WikiLeaks hinreißen lässt.

Es steht außer Frage, dass auch Journalistinnen und Journalisten politische Meinungen haben und diese öffentlich, auch im Rahmen ihrer Arbeit, äußern dürfen. Fakten selektiv auszuwählen, damit sie zur eigenen Agenda passen, ist jedoch etwas ganz anderes. Wer so vorgeht, betreibt keinen guten, die Demokratie fördernden Journalismus. Guter Journalismus präsentiert die Fakten und gibt den Leserinnen und Lesern, Zuschauerinnen und Zuschauern oder Hörerinnen und Hörern die Möglichkeit, sich eine eigene Meinung zu bilden. Das gilt umso mehr, wenn sich eine Publikation politische Neutralität und das kompromisslose Veröffentlichen von Informationen auf die Fahnen geschrieben hat, wie WikiLeaks.

Durch konsequentes Befolgen der eigenen Grundsätze wären die nun erhobenen Vorwürfe leicht zu vermeiden. So hätte WikiLeaks die angeblich nicht relevanten Informationen über Trump durchaus veröffentlichen und der Leserschaft die Entscheidung, ob diese Informationen einen wertvollen Beitrag zur Diskussion darstellen, überlassen können. Dergleichen wurde in der Vergangenheit oft getan. Von dieser Linie ausgerechnet an einer derart ideologisch aufgeladenen Stelle abzuweichen, ist zumindest taktisch unklug.

Es steht außer Frage, dass eine angebliche Komplizenschaft mit den ‚Bösen Russen‘ seit jeher ein gerne gegen politisch missliebige Personen, insbesondere Aktivistinnen und Aktivisten, erhobener Vorwurf ist. Alle kritischen Nachfragen in diese Richtung jedoch als „neo-McCarthyistische Propaganda“ abzutun, wie es Assange tut, ist angesichts seiner Äußerungen der letzten Jahre ein wenig zu billig. Bekanntermaßen neigt der Australier dazu, in jeder Kritik an seinen Handlungen eine Verschwörung der Mächtigen zu sehen. Dies mag in Einzelfällen zutreffen, jedoch sollte Assange durchaus dazu übergehen, sich zu fragen, ob die Kritik nicht in Einzelfällen doch zumindest teilweise berechtigt ist.

WikiLeaks kann einen wichtigen und wertvollen Beitrag zur Demokratie leisten, auch und gerade in diesen turbulenten Zeiten. Dazu muss es sich jedoch auf seine Gründungswerte besinnen Zu diesen zählt auch politische Unabhängigkeit. Steht diese in Zweifel, muss auch WikiLeaks als Quelle und einflussreiche journalistische Publikation hinterfragt werden. Das jedoch wäre sehr schade. So bleibt zu hoffen, dass bei WikiLeaks doch noch ein Umdenken, hin zu mehr Transparenz und politischer Unabhängigkeit, stattfindet.


Image (adapted) „Moscow Rooftops“ by Evgeny (CC0 Public Domain)


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  • GOOGLE googlewatchblog: Aktion in den USA: Google senkt den Preis der Pixel-Smartphones und legt ein Gratis Daydream obendrauf: In etwa zwei Monaten wird Google zwei neue Pixel-Smartphones vorstellen, die die Nachfolge der populären Geräte der ersten Pixel-Generation aus dem vergangenen Jahr antreten werden. Wer derzeit mit einem Pixel-Smartphone der ersten Generation liebäugelt, sollte aber vielleicht noch einige Tage Geduld haben – denn in den USA hat Google diese nun stark reduziert und packt noch ein Geschenk oben drauf. Es ist auch für Google nicht ungewöhnlich, dass der Preis aktueller Hardware sinkt wenn diese entweder ein gewisses Alter erreicht hat oder der Nachfolger schon in den Startlöchern steht. Ausgehend von Googles Zeitplan darf man damit rechnen, dass die Pixel 2-Smartphones Mitte Oktober vorgestellt werden und dann wohl gegen Ende Oktober oder Anfang November pünktlich zum Start des Weihnachtsgeschäfts verfügbar sind.

  • E-LEARNING t3n: E-Learning-Plattformen: 38 supernützliche Websites, die dir was beibringen: Nebenbei und für wenig Geld fortbilden? E-Learning-Plattformen machen es möglich. Immer mehr Websites warten mit Online-Kursen als Sprungbrett für die berufliche Karriere auf. Ein Überblick. Lernen war noch nie so leicht. Ein Gang in die Stadtbibliothek, das Buchen einer Sprachreise oder überteuerte Business-Seminare in einem Kuhkaff irgendwo in Deutschland – das muss heute dank des wachsenden Angebots an Online-Kursen niemand mehr in Kauf nehmen, um den Wissenshorizont nebenbei zu erweitern.

  • WORKLIFE spiegel: Runterfahren, aber richtig: Sie wollen die Ferien dieses Jahr für digital detox nutzen, weil Sie das Smartphone im Alltag stresst? Oder halten Sie sich selbst für immun und wollen nur deshalb keine Smartgeräte mitnehmen, weil Ihre Kinder außer an den Daumen kaum noch Bewegung haben? Super. Ein internetfreier Urlaub kann eine positive Erfahrung sein. Nur ist es leider so, dass sie nach einer radikalen Abstinenz wahrscheinlich sofort wieder zu ihren alten Gewohnheiten zurückkehren werden, ähnlich wie beim Jo-Jo-Effekt einer Blitz-Diät. Nutzen Sie die Urlaubszeit deshalb lieber, um ein bisschen mit Ihrem Verhältnis zu Technik herumzuexperimentieren.

  • GOOGLE heise: Google Home in Deutschland: Eine ernstzunehmende Konkurrenz für Amazons Echo: Googles smarter Lautsprecher ist jetzt auch hierzulande verfügbar – und spricht Deutsch. c’t hat den Assistant, den Funktionsumfang und den Sound unter die Lupe genommen. 149 Euro kostet Googles smarter Lautsprecher. Das Gerät ist ausschließlich mit einem schicken weißen Plastikgehäuse erhältlich. Die untere Lautsprecherabdeckung aus schieferfarbenem Stoff lässt sich auswechseln. Google hat dafür noch zwei metallene Alternativen in den Farben Kupfer und Karbon im Angebot (je 42 Euro).

  • EMOBILITÄT sueddeutsche: So soll das E-Auto endlich attraktiv werden: BMW, Daimler, Audi und Porsche sind eigentlich Lieblingsfeinde. Trotzdem haben sie sich vor fast einem Jahr zusammengeschlossen. Gemeinsam mit Ford verkündeten sie eine Allianz für Stromtankstellen. Bis 2020 sollen an Europas Fernstraßen Tausende E-Tankstellen entstehen, um Stromautos zum Durchbruch zu verhelfen.

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  • KI heise: „Das größte Risiko für unsere Zivilisation“: Elon Musk warnt erneut vor KI: Ohne die richtigen Gesetze sei die KI eine Bedrohung für die Zivilisation, dessen ist sich Elon Musk sicher und trägt seine Bedenken vor Gouverneuren der USA vor. Denn der Zeitpunkt, an dem die KI alles besser könne als der Mensch, werde kommen. Zurzeit seien die Bedenken zu wenig ernst genommen worden, doch Vorsorge ist besser als Nachsorge. Die Angst, dass sich bei einer Einmischung in die Wirtschaft wichtige Unternehmen aus der USA absetzen würden, wiegelt Musk ab, denn nach ihm würden die Vorgaben allen helfen, auch den Wirtschaftsriesen.

  • PAYPAL golem: Mit Paypal tanken: Die Tankstelle Shell arbeitet jetzt mit Paypal zusammen, sodass mobiles Zahlen via Smartphone für Kunden möglich wird. Die ersten Tankstellen mit diesem neuen Service sollen in Hamburg und Berlin starten, bis Ende 2017 soll dies jedoch auch deutschlandweit gehen. Bereits im Februar 2017 stellte Jaguar diesen Dienst für seine Kunden bereit, das aber nur in Großbritannien. So konnten Kunden ohne Kreditkarte einfach und schnell mit der Shell-App über den Bildschirm ihres Fahrzeuges die gewünschte Literanzahl Benzin bestellen. p>

  • APPLE wired: Warum Apple die Fitnessdaten seiner Mitarbeiter überwacht: Apple hat auf seinem Firmengelände in Cupertino ein eingenes Fitnesslabor entworfen, indem Angestellte Sport treiben dürfen. Nebenbei werden jedoch Daten über ihre Leistungen gemessen. Eine kleine Einschränkung bei dieser Vermessung gibt es derzeit noch im Bereich des Schwimmens, da es der Software nicht möglich ist die Schwimmarten wie Kraulen oder Brustschwimmen auseinanderzuhalten. Derzeit arbeitet Apple an der watchOS 4, sodass die Apple Watch direkt mit den Fitnessgeräten verbunden werden kann.

  • NETFLIX horizont: Starkes Wachstum bei Netflix: Netflix ist auf der Überholspur. Der Gewinn, der sich durch den Streamingdienst machen ließ, erhöhte sich um ein knappes Drittel und die Aktie stieg am Montag auf neun Prozent. Somit können die finanziell eher aufwendigeren Eigenproduktionen wie “The Crown” weiterhin gerechtfertigt werden. Auch global ist Netflix nach wie vor erfolgreich, über 4 Millionen neue Kunden konnte Netflix kurz zuvor noch gewinnen. Eine Leistung, mit der niemand gerechnet hätte.

  • ALEXA curved: HTC U11: Alexa erscheint in Kürze für die deutsche Version: Mit dem HTC U11 ist es jetzt erstmals in Deutschland möglich auch ohne Berührung auf Alexa zugreifen zu können, selbst im Sleep-Modus kann Alexa zukünftig Befehle ausführen. Was mit Alexa alles möglich ist? Rund 12.000 verschiedene Fähigkeiten besitzt sie, darunter das Abspielen von Musik, das Verwalten von Einkaufslisten, oder aber die Vorhersage des Wetters.

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  • WDR horizont: WDR legt im Juni beim Markenwert zu, die Telekom schwächelt: Der öffentlich-rechtliche Sender WDR legt trotz Kritik in den letzten Wochen an Markenwert zu, die Telekom muss hingegen mit einem Verlust von 28% bei der letzten Monatsauswertung rechnen. Experte Brecht verbucht diesen Erfolg aufgrund der positiven Assoziation mit der Marke, die als „modern„ und „innovativ“ beschrieben wird. Ein Ritterschlag in den kritischen Zeiten der Fake News. Zu der Telekom äußert sich Brecht, indem er feststellte, dass Telekom, um wieder wettbewerbsfähiger zu werden, mehr als nur gute Finanzen bräuchte.

  • BOSCH golem: Bosch testet selbstfahrende Taxis ab 2018: Selbstfahrende Autos scheinen immer attraktiver zu werden. So auch für das Unternehmen Bosch, welches jetzt selbstfahrende Taxis testen will. Ab 2018 soll diese Idee realisiert werden und erste kleine Robo-Taxis in deutschen Städten getestet werden. In welchen Städten genau diese Taxis dann zum Einsatz kommen werden, ist noch unklar. Fest steht jedoch, dass diese neue Technologie zum einen die Sicherheit auf den Straßen minimieren soll, zum anderen soll es die ebenfalls neue Idee des Carsharing attraktiver machen.

  • TENCENT heise: Chinesische Internetriesen liefern sich Wettkampf in Deutschland: Von China zu Deutschland, Alibaba und Tencent werden jetzt auch in Deutschland ihre Programme für mobiles Zahlen etablieren. Vorerst ist dies jedoch nur für chinesische Touristen möglich, die somit über das Chatprogramm WeChat von Tencent in Deutschland per Handy bezahlen können. Das sich diese Investition lohnt, zeigte die Auswertung des Unternehmen Wirecard, da chinesische Touristen pro Kopf ca. 3000€ während ihres Aufenthaltes ausgeben. Die Ausgaben konzentrieren sich dabei vor allem auf Luxusartikel wie Bekleidung, Schmuck und Kosmetik. Welche Marktmacht beide Unternehmen von China besitzen, ist alleine an der Anzahl der Nutzer, 938 Millionen, die WeChat-Nutzerkonten bei Tencent, sowie 400 Millionen Nutzer von Alipay, der Konkurrenzmarke von Alibab, zusehen.

  • KONKURRENTEN t3n: Apple vs. Google: Das sind die Stärken und Schwächen der beiden Tech-Riesen: Apple und Google sind die Großkonzerne. Die stärksten Konkurrenten wurden jetzt getestet und miteinander verglichen, unter anderem wurden die Aspekte Desgin und Userinterfaces miteinander verglichen, wobei Apple besser abschnitt. Doch Aussehen ist nicht alles, entschieden sich die Nutzer, bei der Software lag Google eindeutig vorne, nicht schön, aber zuverlässig sei die Google-Web-Software, zudem hatte sie noch keinerlei Skandale im Bezug auf Datensicherheit und Verlusten. Doch nicht nur bestehende Funktionen werden genauer gegenübergestellt, auch die Frage wie zukunfts tauglich beide Unternehmen mit dem Thema der künstlichen Intelligenz umgehen, wird auch dargestellt.

  • HACKERATTACKEN wired: Hackerattacken auf die Ukraine sind nur der Vorgeschmack: Die Ukraine als Testlabor für kommende Hackerangriffe? Die Ukraine ist ein beliebtes Land für viele Hackerangriffe, warum gerade dieses Land damit zu kämpfen hat, haben Experten untersucht und stellen ihren Verdacht nun vor. Ob Medien, der Finanzsektor, Transport, das Militär, oder die Energie, alle diese Sektoren waren schon einmal Opfer eines Angriffes, keiner war sicher vor dem gehackt werden, berichtete Kenneth Geers, der NATO-Botschafter mit Fokus auf die IT-Sicherheit. Nicht gänzlich unwichtig ist die Beziehung der Ukraine zu Russland, Spekulationen, dass es sich bei diesen systematischen Hackerangriffen womöglich um den russischen Geheimdienst handle, weisen Sicherheitsexperten zwar noch von sich, der Präsident Poroschenko hingegen ist sich sicher. Sicherheitsexperten betrachten diese Vorfälle geopolitischer und entwickeln die Theorie, dass es sich hierbei um ein Versuchsgebiet Russlands für einen Cyberkrieg gegen die USA handle.

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Gibt es strukturellen Rassismus im Internet?

Welt (adapted) (image by quicksandala [CC0] via pixabay)

Die rassischen Ungleichheiten, die die Amerikaner und unsere Gesellschaft heute belasten, sind in vielerlei Hinsicht ein Ergebnis der räumlichen Segregation. Weiße Menschen und nichtweiße Menschen leben in der Regel in verschiedenen Vierteln, gehen auf unterschiedliche Schulen und haben – basierend auf ihrer genetischen Herkunft – dramatisch unterschiedliche ökonomische Möglichkeiten. Diese physische Manifestation des strukturellen Rassismus ist eine historische Tatsache in diesem Land – und sie ist auch heute noch vorhanden.

Das Internet ist heute auf einer ähnlichen räumlichen Logik aufgebaut. Auf die gleiche Art und Weise, wie die Menschen von Viertel zu Viertel ziehen, um Dinge zu tun und ihre Zeit mit bestimmten Menschen zu verbringen, surfen sie auch von Website zu Website auf der Suche nach Inhalten. Websites erlangen und steigern ihren Wert, wenn sich Traffic und Sichtbarkeit der Website erhöhen.

Aber es gibt einen entscheidenden Unterschied: Internetnutzer haben – mehr oder weniger – die völlige Freiheit, sich dorthin zu bewegen, wo sie möchten. Websites können die Hautfarbe eines Nutzers nicht sehen und sie können nicht in der gleichen Weise den Einreiseverkehr regeln, wie Menschen in geografischen Räumen in der Lage sind und auch aktiv umsetzen. Deshalb kann man leicht zu der Vorstellung gelangen, dass die tatsächliche Struktur des Internets – die sozialen Milieus, die es produziert, und die neuen Wirtschaftsumfelder, die es erschaffen hat – nicht rassisch getrennt werden können, so wie es in der physischen Welt der Fall ist.

Und dennoch ist das Internet in der Tat nach rassischen Prinzipien aufgeteilt. Meine Forschung zeigt, dass Websites, die sich auf Rassenfragen konzentrieren, seltener besucht werden und in Suchergebnissen weniger sichtbar sind als Websites mit unterschiedlichen oder breiteren Themenspektren. Dieses Phänomen begründet sich nicht auf etwas, das einzelne Websites darstellen, sondern vielmehr scheint es auf der Art und Weise zu basieren, wie die Nutzer selbst Informationen online finden und teilen – ein Prozess, der vor allem von Suchmaschinen und zunehmend auch von Social-Media-Plattformen vermittelt wird.

Erforschung des Online-Rassismus

Wörter wie „Rassist“ und „Rassismus“ sind vorbelastete Begriffe, vor allem weil die Menschen sie fast immer mit individualisiertem moralischem und kognitivem Versagen verbinden. In den letzten Jahren ist sich die amerikanische Öffentlichkeit jedoch zunehmend darüber bewusst geworden, dass Rassismus auch für Kulturen und Gesellschaften im Allgemeinen gelten kann.
Meine Arbeit sucht nach Online-Entsprechungen für diesen systemischen Rassismus, in dem subtile Vorurteile die Gesellschaft und Kultur in einer Weise durchdringen, die überwältigende Vorteile für Weiße auf Kosten von Nicht-Weißen ergibt. Genauer gesagt versuche ich zu ermitteln, ob die Online-Umgebung, die vollständig von Menschen konstruiert wurde, systematisch Vor- und Nachteile in Bezug auf Rasse mit sich bringt – ob nun absichtlich oder unabsichtlich.

Es ist schwierig, sich dieser Frage zu nähern, doch ich beginne mit der Annahme, dass sich die heutigen technologischen Systeme in einer Kultur und Gesellschaft entwickelt haben, die systemisch und strukturell rassistisch ist. Dadurch erscheint es möglich und sogar wahrscheinlich, dass bestehende Tendenzen in ähnlicher Weise online wirken.

Darüber hinaus bieten die historischen geographischen Konfigurationen, die die rassische Ungleichheit hervorgebracht und erhalten haben, einen nützlichen Leitfaden für die Untersuchung, wie systemischer Rassismus online aussehen könnte. Die Landschaft im Netz und die Art und Weise, wie Menschen in ihr surfen, sind beides wichtige Faktoren, um dieses Bild zu verstehen.

Online-Navigation verstehen

Zunächst wollte ich einen Blick auf die Karte werfen – wie das Internet selbst von Website-Produzenten strukturiert wird. Ich nutzte ein Software-Programm namens Voson, um die Websites zu analysieren, die Alexa.com als die Top 56 der afro-amerikanischen Websites im Internet kennzeichnet. Voson durchsucht das Netz, um zu ermitteln, welche weiteren Websites die Quellseiten verlinken und welche Seiten Links zu den Quellseiten bereitstellen.

Dann habe ich versucht, einen eventuellen rassistischen Inhalt, so denn existent, von jeder dieser Tausenden von Websites zu bestimmen, um eventuelle Ungleichheiten zu erfassen, die in der Online-Landschaft existieren könnten. Im echten Leben umfasst die Ermittlung der räumlichen Ungleichheit in der Regel die Messung von Personenzuschreibungen, die in einer bestimmten geographischen Lage leben. Zum Beispiel bezeichnet die Postleitzahl 65035 ein „weißes“ Viertel, weil 99,5 Prozent der dort ansässigen Personen (Freeburg, Missouri) gemäß der US-Volkszählungsdaten weiß sind. Im Gegensatz dazu würde die Postleitzahl 60619, ein Gebiet in Chicago, als „nichtweiß“ betrachtet werden, weil nur 0,7 Prozent ihrer Bewohner weiß sind.

Um diese Art von Unterscheidung zwischen verschiedenen Websites zu machen, verließ ich mich auf Website-Metatags – also Beschreibungen, die der Ersteller der Website dergestalt codiert hatte, dass Suchmaschinen sie möglichst gut erfassen können und die Website dementsprechend in den Suchergebnissen erscheint. Als „rassenbezogene“ Websites habe ich diejenigen bezeichnet, die unter ihren Metatags Begriffe wie „Afroamerikaner“, „Rassismus“, „Hispanisch“, „Modellminderheit“ und „Afro“ hatten. Seiten ohne diese Begriffe in ihren Metatags habe ich als „nichtrassenbezogen“ bezeichnet.

Durch die Verwendung von Website-Metatags konnte ich zwischen rassenbezogenen und nichtrassenbezogenen Seiten (und dem getrennten Verkehr zwischen ihnen) unterscheiden, je nach dem, ob die Ersteller der Websites die Identität der Website selbst mit rassenbezogenen Begriffen definieren.

Online-Navigation verstehen

Sobald ich jede Seite als rassenbezogen oder nichtrassenbezogen eingeordnet hatte, schaute ich auf die Links, die die Website-Ersteller zwischen ihnen eingerichtet haben. Es gab drei mögliche Arten von Links: zwischen zwei rassenbezogenen Seiten, zwischen zwei nichtrassenbezogenen Seiten oder zwischen einer rassenbezogenen Seite und einer nichtrassenbezogenen.
Wie viele Links der jeweiligen Arten die Daten enthalten, würde zeigen, ob die Entscheidungen von Website-Erstellern durch Vorurteile beeinflusst sind. Wenn es keine Vorurteile gibt, wäre die Anzahl der Links gleichmäßig auf die einzelnen Arten von Websites im Datensatz verteilt. Wenn es hingegen Vorurteile gibt, wäre die Anzahl der Links unverhältnismäßig hoch oder niedrig.

Ich fand zwar leichte Unterschiede zwischen den idealen theoretischen Proportionen und der tatsächlichen Anzahl von Links, allerdings waren sie nicht eindeutig genug, um die Vermutung aufkommen zu lassen, dass irgendeine Form der Segregation im Online-Verhalten der Menschen durch Website-Ersteller verursacht wird. Menschen, die im Internet surfen, indem Sie einfach wahllos Links auf Websites anklicken, würden nicht signifikant häufiger oder seltener auf rassenbezogenen oder nichtrassenbezogenen Seiten landen, als es im Hinblick auf die Anzahl der jeweiligen Websites, die vorhanden sind, normal wäre. Aber die Leute folgen nicht nur den Links – auch ihre Vorlieben haben einen Einfluss beim Navigieren im Internet.

Segregation sehen

Bei meiner zweiten Ermittlung wollte ich herausfinden, wie sich die Leute zwischen den Webseiten bewegen. Ich betrachtete die gleichen 56 Seiten wie bei der vorherige Analyse, aber dieses Mal verwendete ich Similarweb, eine bekannte Website zur Messung von Internet-Traffic. Für jede Website produziert Similarweb Daten, aus denen hervorgeht, von welchen Websites die Menschen kamen und auf welche Websites die Leute als nächstes navigierten. Ich charakterisierte diese Seiten ebenfalls als „rassenbezogen“ oder „nichtrassenbezogen“ und identifizierte drei Arten von Verbindungen, die die Menschen beim Anklicken nahmen: zwischen zwei rassenbezogenen Seiten, zwischen zwei nichtrassenbezogenen Seiten oder zwischen einer rassenbezogenen Seite und einer nichtrassenbezogenen.

Hauptaugenmerk auf die Suchmaschinen

Das bringt uns näher an die Wahrheit, wenn es um getrennte Traffic-Muster und potenzielle Ungleichheiten bezüglich der Rasse geht. Meine Daten zeigten auch, dass nichtrassenbezogene Seiten in den Suchergebnissen deutlich höher liegen und daher wahrscheinlich mehr Sichtbarkeit genießen, als rassenbezogene Seiten. Die rassenbezogenen Seiten sind weniger sichtbar, haben weniger Traffic und ziehen daher wahrscheinlich weniger Nutzen aus Sichtbarkeit (wie Werbeeinnahmen oder höhere Suchmaschinen-Rankings).

Es könnte verlockend sein, darauf hinzuweisen, dass dies nur die Benutzerpräferenzen widerspiegelt. Das könnte dann der Wahrheit entsprechen, wenn die Benutzer wissen würden, auf welche Websites sie gehen wollen, und dann direkt zu ihnen navigieren. Aber in der Regel wissen die Nutzer das nicht. Es ist viel wahrscheinlicher, dass die Leute ein Wort oder eine Phrase in eine Suchmaschine wie Google eingeben. Tatsächlich macht der direkte Verkehr nur etwa ein Drittel des Verkehrsflusses zu den Top-Seiten des Internets aus. Um eine Schlussfolgerung der Suchoptimierungsfirma Brightedge zu zitieren: „Die organische Suche übertrumpft andere Traffic-Generatoren auf überwältigende Weise.“

Obwohl natürlich noch mehr Forschung notwendig ist, legt meine Arbeit so weit nahe, dass neben den Vorlieben der Nutzer, nichtrassenbezogene Websites eher zu besuchen als rassenbezogene Websites, auch die Suchmaschinen eine ähnliche Wirkung hervorrufen: Nichtrassenbezogene Websites werden in den Suchergebnissen deutlich weiter oben angezeigt als rassenbezogene Seiten. Das führt zu weniger Traffic und weniger finanzielle Unterstützung in Form von Werbeeinnahmen für rassenbezogene Seiten.
In beiden Fällen beeinflussen Menschen und Suchmaschinen den Traffic in einer Weise, die Vorteile für nichtrassenbezogene Websites und Nachteile für rassenbezogene Seiten bedeuten. Das ähnelt dem, was in der Offline-Welt als systemischer, struktureller Rassismus bezeichnet wird.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Welt“ by quicksandala (CC0 Public Domain)


The Conversation

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Digital Economy Compass: Was die Zahlen für Deutschland bedeuten – Teil 2

Smart Home (adapted) (Image by Pixaline [CC0 Public Domain] via pixabay


Was sind die aktuellen digitalen Trends weltweit? Wie entwickelt sich der Wettbewerb auf digitalen Plattformen? Diese Fragen versucht der „Digital Economy Compass“ von Statista in regelmäßigen Abständen zu beantworten. Wir haben in unserer Artikelreihe einen Blick auf die Trends geworfen.


Auch wenn die Digitalisierung der Wirtschaft für viele noch ein Mysterium sein mag, spielt sich für viele Unternehmen mittlerweile genau hier das Kerngeschäft ab. Die Digital Economy von E-Commerce bis E-Travel boomt. Zahlen und Prognosen zu den verschiedenen Branchen liefert der aktuelle Digital Economy Compass 2017 von Statista. In dieser Serie schauen wir genauer darauf, was diese Zahlen für Deutschland bedeuten. Diesmal im Visier: Der SmartHome-Markt.

Ein dynamischer Markt ist nicht dasselbe wie ein großer Markt

Zugegeben, SmartHome ist ein weites Feld. Statista blickt dabei auf die Bereiche Home Entertainment, Haussicherheit, Automatisierung des Hauses sowie auf das Energiemanagement und Ambient Assisted Living. Laut Statista können wir hier ein immenses Wachstum erwarten. Demnach wird sich der globale SmartHome-Markt bis zum Jahr 2021 mehr als vervierfachen.

Smart Home Markt weltweit
Screenshot: SmartHome-Markt weltweit (Quelle: Statista)

Insbesondere Deutschland scheint demnach mit einem erwarteten Wachstum von beinah 40 Prozent bis zum Jahre 2021 neben China einen der dynamischsten SmartHome-Märkte der Welt zu haben.

Smart Home Entwicklung
Screenshot: SmartHome Entwicklung (Quelle: Statista)
Thomas Köhler
Image by Thomas Köhler

Ein dynamischer Markt sei aber nicht das gleiche wie ein großer Markt, gibt Thomas Köhler, Experte für Digitalisierung und Technologietrends der Zukunft, gegenüber den Netzpiloten zu bedenken: „Deutschland hat in erster Linie Nachholbedarf. Man darf außerdem nicht vergessen, dass Wachstum von einem viel geringeren Niveau aus prozentual betrachtet immer gut aussieht. Absolut gesehen jedoch fällt der Vergleich insbesondere zwischen Deutschland und den USA wenig schmeichelhaft für Deutschland aus.“ Mit anderen Worten: Deutschlands SmartHome-Markt ist noch sehr klein und muss im globalen Vergleich kräftig aufholen.

Dabei gilt auch zu bedenken, dass die Märkte völlig unterschiedlich ticken und ein direkter Vergleich schwierig ist. Während die Statista-Zahlen zeigen, dass in den USA die größten Einnahmen im Bereich „Haussicherheitssysteme“ abfallen, ist dies in Deutschland kein großes Thema. Das könnte durchaus an den unterschiedlichen Sicherheitssituationen der beiden Länder liegen, vermutet auch Thomas Köhler. Während US-Amerikaner eher präventiv vorgehen, neigen Deutsche seiner Meinung nach eher dazu, erst dann Alarmanlagen und Sicherheitssysteme zu installieren, nachdem ein Einbruch erfolgt ist.

Viel bewegter ist in Deutschland dagegen das Segment der Energienachrüstung und Automatisierung von Häusern. „Bei Neubauten in Deutschland ist Hausautomatisierung vielfach ein Thema. Heizungs- und Lichtsteuerungen dominieren wiederum bei den Nachrüstlösungen. Die marktgängigen Angebote von Telekommunikationsunternehmen und Energieversorgern hierzulande zielen im Wesentlichen auf diese beiden Segmente ab“, sagt Köhler.

SmartHome: Ein klarer Marktführer fehlt in Deutschland

Laut Statista werden dabei – zumindest aus globaler Sicht – insbesondere Digital Assistants wie etwa Amazons Alexa in Häusern immer häufiger vorkommen.

Digital Assistants
Screenshot: Digital Assistants (Quelle: Statista)

Digitalisierungsexperte Thomas Köhler teilt diese Einschätzung. Auch in Deutschland sei Alexa die dominierende Lösung. Für die datenschutzbewussten Deutschen erstaunlich. Doch Köhler ist sich nicht sicher, ob dieser Trend in Deutschland lange anhalten wird: „Nach anfänglicher Euphorie klingt bei vielen Nutzergesprächen mittlerweile Enttäuschung heraus. Wir erleben da gerade einen ähnlichen Effekt wie bei der Einführung von Apples Siri vor einigen Jahren. Noch ist es aber zu früh für eine langfristige Einschätzung. Ich persönlich gehe davon aus, dass Sprachsteuerung mit Assistenzsystemen einen wichtigen Platz im Haushalt einnehmen und in zahlreiche Geräte integriert werden wird.“

Insgesamt scheint Deutschland im Bereich SmartHome noch am Anfang zu stehen, sodass konkrete Zukunftsprognosen noch zu gewagt erscheinen. Auch ein Blick auf die wichtigsten Unternehmen in diesem Markt bestätigt dies.

Smart Home Player
Screenshot: SmartHome Player (Quelle: Statista)

Sowohl Startups als auch etablierte Player dringen in Deutschland auf den Markt vor und besetzen dabei unterschiedliche Segmente. Während Startups sich eher auf den Nachrüstungsmarkt konzentrieren, haben große Konzerne wie Medion einfache SmartHome-Angebote im Petto. Dennoch finden Verbraucher in keinem Bereich wirklich überzeugende Lösungen, findet Thomas Köhler. „Bis jetzt sehe ich keine klare Marktführerschaft und bei den Kunden eher Verwirrung durch die Vielzahl an zumeist inkompatiblen Angeboten.“

Möglicherweise fehlt in Deutschland noch ein innovativer Player in diesem Bereich, der den SmartHome-Markt hierzulande wirklich inspirieren und antreiben könnte.

Sieht dies vielleicht in der digitalen Mobilitätsbranche besser aus? Was die Statista-Zahlen zu den Märkten „E-Travel“ und „Connected Cars“ für Deutschland bedeuten, werden wir im Detail im dritten und letzten Teil zum Digital Economy Compass 2017 erörtern.


Image (adapted) „Smart Home“ by Pixaline (CC0 Public Domain)


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  • MEDIENKONSUM horizont: Deutsche verbringen erstmals mehr Zeit mit digitalen Medien als mit TV: Laut einer zentralen Studie des Marktforschers E-Marketer verbringen die Deutschen neuerdings sogar mehr Zeit mit der digitalen Nutzung, als vor dem Fernseher. Die bis jetzt benötigten 214 Minuten stiegen auf 226 Minuten pro Tag an, die Zeit, die mit TV verbracht wurde, stieg nur um eine Minute. Die Zukunftsaussichten stehen gut für die sozialen Medien, ihre Beliebtheit wird zusätzlich angetrieben durch die mobilen Endgeräte, die diese Entwicklung weitgehend verstärken.

  • RÜSTUNGSEXPORT n24: An diese Länder liefert Deutschland die meisten Waffen: Deutschland und sein Waffenexport ist ein leidliches Thema und fügt noch mehr Leid zu. Laut dem aktuellsten Rüstungsbericht war der deutsche Waffenexport nun schon doppelt so hoch wie noch im Jahr zuvor. Gerade Gebiete wie Katar, zu dem Arabien und Ägypten noch letzte Woche den Kontakt abbrachen, aufgrund der angeblichen Unterstützung von Terroristen, gehören zu den größten Kunden. Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) rief zur Transparenz auf und forderte ein Mitspracherecht des Bundestages im Rüstungsexport. Zurzeit tagt das Gremium, welches den Bundessicherheitsrat beinhaltet und neben Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Vizekanzler Gabriel sieben weitere Kabinettsmitglieder, geheim. Es bleibt abzuwarten, was der Denkanstoß über eine mögliche Transparenz zum Thema Waffenlieferungen in Zukunft bringen wird.

  • CELONIS gruenderszene: Celonis: Erst in die USA – und schon bald an die Börse: Wie es ist unterschätzt und nicht wahrgenommen zu werden, darin kennen sich die Celonis Gründer aus. 2011 gründeten sie ihre Datenanalyse-Software in München und suchten nach Investoren, die ihnen ein kleines Startkapital biete. Doch das geringe Alter und die daraus angeblich resultierende fehlende Erfahrung schreckte viele ab. Sechs Jahre später hat es das Unternehmen geschafft und will sogar an die Börse gehen und auf dem amerikanischen Markt expandieren. Ob diese Pläne realisiert werden, wird sich nach dem Celonis-Gründer Alex Rinke 2020 zeigen.

  • GESICHTSERKENNUNG wired: Terrorfahndung: De Maizière fordert Gesichtserkennungs-Software: Nach dem Bundesaußenminister Thomas de Maizière soll jetzt eine Software zur Gesichtserkennung eingesetzt werden, um gegen mögliche Terroristen schnell und effektiv vorzugehen. Zusätzlich soll die Erlaubnis des Zugriffes auf Messenger-Dienste wie WhatsApp den Sicherheitsbehörden in Zukunft die Arbeit erleichtern. Die ersten Tests mit der neuen Software sollen im Sommer am Bahnhof Berlin Südkreuz durchgeführt werden. Grundrechte werden hierbei jedoch nur minimal eingeschränkt, so De Maizière, da die Gesichtserkennungssoftware nur bei eingespeicherten Terroristen Alarm schlägt. Wie beruhigend!

  • YAHOO gruenderszene: Während du schliefst- Marissa Mayer verabschiedet sich offiziell von Yahoo: Alles hat ein Ende. Yahoo-CEO Marissa Mayer teilte nun in einem Schreiben an ihre Mitarbeiter mit, dass sie sich nach fünf Jahren an der Spitze nun verabschiedet. Grund hierfür war die Übernahme von Yahoo durch Verizon. Wohin ihre nächste Reise gehen wird, ist noch unklar. Fest steht jedoch, dass knapp 2.000 Arbeitsplätze gestrichen werden sollen.

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Wie ein Raketenmotor aus dem 3D-Drucker eine neue Ära der Raumfahrt einläutet

Raketenstart (adapted) (Image by WikiImages [CC0 Public Domain] via pixabay)

Die Rakete, die am 25. Mai von Neuseeland aus ins All geschossen wurde, ist etwas ganz Besonderes: Sie ist nicht nur die erste Rakete, die von einem Privatgelände aus gezündet worden ist, sondern auch die erste, die von einem Motor angetrieben wird, der fast ausschließlich aus dem 3D-Drucker kommt. Das mag vielleicht die Erwartungen nach Schlagzeilen erste Rakete aus dem 3D-Drucker im All, die viele Medien veröffentlicht haben, nicht ganz erfüllen, zeigt aber, wie ernst diese Technik von der Raumfahrtindustrie genommen wird.

Die Teammitglieder, die hinter der Electron-Rakete der US-Firma RocketLab stehen, sagen, dass der Motor innerhalb von 24 Stunden gedruckt wurde und dass er die Effizienz und Leistung anderer Systemen übertrifft. Es gibt noch nicht viele Informationen über die genauen Details der im 3D-Verfahren gedruckten Komponenten, aber es ist wahrscheinlich, dass viele von ihnen in Richtung minimales Gewicht bei gleichbleibender struktureller Leistung designed wurden, während andere Teile optimiert wurden, um einen effizienten Durchlauf von Flüssigkeiten aufrechtzuerhalten. Die Vorteil daran, das Gewicht zu reduzieren und komplexe Designs erschaffen zu können, sind wohl die wichtigsten Gründe dafür, dass der 3D-Druck sein wichtigstes Anwendungsgebiet in der Raumfahrt finden könnte – inklusive dramatischer Auswirkungen.

Die Technologie, die man umgangssprachlich als 3D-Drucker bezeichnet, kann höchst komplizierte Formen produzieren. Zum Beispiel waren wir in der Lage, Gitterstrukturen exakt so zu produzieren, dass sie weniger Gewicht aufweisen als zuvpr, aber genau so robust sind wie ähnliche, feste Komponenten. Das ermöglicht die Produktion optimierter, leichter Teile, die vorher nicht kostengünstig genug herzustellen waren.

Das Mikrogitter von Boeing ist ein Extrembeispiel: Das mechanische, feste Gerüst besteht zu 99,9 Prozent aus Luft. Nicht alle 3D-Druckprozesse können solch komplexe Dinge produzieren, aber auch Gewichtseinsparungen von ein paar Prozent machen in der Luftfahrt einen großen Unterschied im Spritverbrauch.

3D-Druck funktioniert meist am besten in der Produktion von vergleichsweise kleinen, komplizierten Teilen, da in der Produktion von größeren Teilen die hohen Material- und Verarbeitungskosten überwiegen. Zum Beispiel kann ein neuer Stutzen das Mischen von Treibstoffen in einem Motor optimieren, was zu einer höheren Effizienz führt. Die Oberfläche eines Hitzeschildes zu vergrößern, indem man eine strukturierte statt einer glatten Oberfläche produziert, kann dazu führen, dass die Hitze wesentlich effizienter abtransportiert und somit die Gefahr der Überhitzung deutlich minimiert wird.

Auch der Abfall kann durch die Technik reduziert werden – das ist wichtig, da besonders in der Raumfahrt teure und seltene Materialien verwendet werden. 3D-Druck kann auch ganze Systeme auf einmal produzieren, statt sie aus vielen Teilen zusammenzusetzen. Zum Beispiel konnte die NASA die Anzahl der Komponenten eines ihrer Injektoren für eine Rakete von 115 auf nur noch zwei Stück verringern. Außerdem können 3D-Drucker auch geringe Stückzahlen fertigen – was in der Raumfahrtindustrie wichtig ist – ohne gleich teure Herstellungswerkzeuge fertigen zu müssen.

Im Orbit

3D-Drucker finden auch im All ihren Platz, wo es in tausenden Kilometern Entfernung schwierig ist, viele Teile mitzunehmen und Ersatz zu organisieren. Es gibt bereits einen 3D-Drucker auf der Internationalen Raumstation ISS, der es den Ingenieuren ermöglicht, ein Design zu schicken, das die Astronauten ausdrucken können.

Der momentante Drucker arbeitet nur mit Plastik, also wird er hauptsächlich zum Werkzeugmachen verwendet oder für Einweg-Ersatzteile von Komponenten, die schnell kaputt gehen wie Türgriffen. Aber sobald 3D-Drucker auch andere Materialien unkompliziert verarbeiten können, werden wir einen weiteren Anstieg in ihrer Verwendung sehen. Eines Tages werden die Leute im All sogar ihr eigenes Essen und biologisches Material produzieren können. Recycling könnte auch die kaputten Teile wieder zu Rohstoffen für 3D-Drucker machen.

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Astro-Drucken. Image by Barry Wilmore/NASA

Wenn man noch weiter in die Zukunft blickt, könnten 3D-Drucker sogar nützlich sein, um Kolonien zu bauen. Am Mond gibt es beispielsweise kaum traditionelles Baumaterial, aber die Europäische Agentur für Raumfahrt (ESA) hat bewiesen, dass Sonnenenergie die Produktion von Ziegeln aus Mondstaub antreiben kann – ein erster Start für ein solches Unterfangen. Forscher untersuchen nun, wie man 3D-Druck auf dieser Idee aufbauend verwenden und komplett gedruckte Gebäude auf dem Mond entwickeln kann.

Um diese Ideen in die Realität umzusetzen, wird weitere Forschung, verbesserte Materialien und Prozesse nötig sein – nur so können Komponenten den extremem Konditionen im All standhalten. Ingenieure werden auch an optimierten Designs arbeiten müssen und Methoden finden, die 3D-gedruckten Teile einer Sicherheitskontrolle zu unterziehen. Auch die Schwerkraft – oder eher ihre Abwesenheit – ist eine Herausforderung an die Technologie: Viele Prozesse verwenden aktuell Pulver oder Flüssigkeiten als Rohstoffe – daher wird bei fehlender oder geringer Schwerkraft einiges an Tricks aufgewendet werden, um 3D-Druck zu ermöglichen.

Möglicherweise werden auch neue Materialien und Technologien erforderlich sein. Aber die Forschung geht weiter und 3D-Druck wird immer mehr im All einsetzt werden – auch wenn ein komplett gedrucktes Raumfahrzeug in nächster Zeit noch nicht ins All starten wird. Da ist noch Luft nach oben.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Raketenstart“ by WikiImages (CC0 Public Domain)


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Inokulationstheorie: Fehlinformationen benutzen, um Fehlinformationen zu bekämpfen

Tablet (adapted)(image by Kaboompics -Karolina [C00]via pexels)

Als Psychologe, der zum Themenbereich der Fehlinformation forscht, konzentriere ich mich darauf, den Einfluss dieser zu verringern. Im Wesentlichen ist es mein Ziel, meinen eigenen Job irgendwann abzuschaffen. Die neuesten Entwicklungen zeigen, dass ich damit wohl keine gute Arbeit geleistet habe. Fehlinformation, falsche Nachrichten und „alternative Fakten“ sind beliebter denn je. Das Oxford Dictionary benannte „post-truth“ (dt.: „postfaktisch“) als das Wort des Jahres 2016. Wissenschaft und wissenschaftliche Beweise werden gerade massiv attackiert.

Glücklicherweise hat die Wissenschaft einen Weg gefunden, sich selbst zu schützen. Dieser stammt von einem Zweig der psychologischen Forschung, die als Inokulationstheorie bekannt ist. Diese Logik ist abgeleitet von der Impfungen: Eine kleine Dosis von etwas Schlechtem hilft, eine ausgewachsene Krankheit zu verhindern. In meine kürzlich veröffentlichten Forschungsbericht habe ich versucht, Leute einer schwachen Form der Fehlinformation auszusetzen, um sie auf den echten Fall vorzubereiten – die Resultate waren vielversprechend.

Zwei Möglichkeiten, bei denen Fehlinformation schaden kann

Fehlinformation wird schnell generiert und verbreitet. Eine aktuelle Studie, die Argumente gegen Klimawissenschaft mit Argumenten bezüglich Richtlinien gegen Klima-Maßnahmen vergleicht, fand heraus, dass die Verweigerung der wissenschaftlichen Untersuchungen relativ ansteigt. Aktuelle Forschung indiziert, dass diese Art der Anstrengung einen Einfluss auf die Wahrnehmung und auch auf die wissenschaftliche Kompetenz der Menschen hat.

Eine aktuelle Studie, die der Psychologe Sander van der Linden leitete, hat ergeben, dass Fehlinformationen zur Klimawissenschaft einen wesentlichen Einfluss auf die öffentliche Wahrnehmung haben. Die Fehlinformation, die genutzt wurde, ist der am meisten geteilte Klimaartikel des Jahres 2016. Es handelt sich um eine Petition über globale Erwärmung und der Grundthese, dass die Menschen das Klima nicht zerstören, die von 31.000 Leuten mit einem Abschluss in Bachelor of Science oder höher unterstützt wurde. Dieser eine Artikel verringerte die Wahrnehmung der Leute zum wissenschaftlichen Konsens. Dabei akzeptieren die meisten Menschen einen gewissen wissenschaftlichen Konsens. Dieser Zugang ist bei Wissenschaftlern bekannt als „Zugangsglaube“, der die Einstellung zum Klimawandel und der Unterstützung der Aktionen gegen Klimazerstörung stützt.

Zum selben Zeitpunkt, als van der Linden seine Forschung in den USA durchgeführt hat, war ich in Australien mit der Ausführung meiner eigenen Forschung betreffend des Einflusses von Fehlinformationen beschäftigt. Per Zufall habe ich denselben Mythos benutzt und den gleichen Text des Petitionsprojektes genommen. Nachdem ich die Fehlinformation aufgezeigt hatte, habe ich die Leute gebeten, den wissenschaftlichen Konsens der von Menschen verursachten globalen Erwärmung einzuschätzen. Ziel war es, den Effekt zu messen. Ich fand vergleichbare Resultate, dass Fehlinformation die Wahrnehmung der Leute betreffend des wissenschaftlichen Konsens‘ verringert. Weiterhin fand ich heraus, dass Fehlinformation manche Menschen mehr betraf. Je konservativer eine Person war, desto größer der Einfluss der Fehlinformation.

Dies passte gut mit den anderen Forschungsergebnissen zusammen, die herausstellten, dass Menschen Nachrichten gemäß ihren bereits existierenden Überzeugungen interpretieren – völlig egal, ob es nun Informationen oder Fehlinformationen waren. Wenn wir etwas sehen, das wir mögen, ist es wahrscheinlicher, zu denken, dass es wahr ist und es unsere Überzeugungen stärkt. Wenn wir stattdessen Informationen dazu finden, die im Konflikt zu unseren Überzeugungen stehen, ist es wahrscheinlicher, dass wir die Quelle diskreditieren.

Allerdings geht das noch tiefer. Jenseits der fehleraften Information, mit denen der Mensch zu tun hat, besitzt die Fehlinformation einen noch hinterlistigeren und gefährlicheren Einfluss. In der Studie von van der Linden stellte sich heraus, dass die Menschen ihre Meinung nicht änderten, wenn sie sowohl mit den Fakten als auch den Fehlinformationen konfrontiert wurden. Die zwei gegensätzlichen Informationen heben sich also gegenseitig auf.

Fakten und „alternative Fakten“ sind wie Materie und Antimaterie. Wenn diese aufeinandertreffen, gibt es eine Hitzeexplosion, auf die dann nichts mehr folgt. So kann auf subtile Weise gezeigt werden, wie Fehlinformationen Schaden anrichten. Sie geben nicht nur die falschen Informationen preis, sondern hindern die Menschen daran, an Fakten zu glauben. Oder, wie Garry Kasporov es eloquent ausdrückte: Fehlinformationen „vernichten die Wahrheit“.

Die wissenschaftliche Antwort auf Klimaverweigerung

Der Angriff auf die Wissenschaft ist beeindruckend und, wie die Forschung indiziert, ebenso imstande, deutlich zu effektiv zu sein. Passenderweise besitzt die Wissenschaft die Antwort auf Klimaverweigerung. Die Inokulationstheorie bedient sich des Konzeptes des Impfens, bei dem wir einer schwachen Form eines Virus ausgesetzt sind, um gegenüber dem echten Virus eine Immunität aufzubauen. Dies wird auf unser Wissen angewandt.Ein halbes Jahrhundert der Forschung hat nun ergeben, dass wir, wenn wir einer „schwachen Form der Fehlinformation“ ausgesetzt sind, eine Abwehr aufbauen, sodass wir nicht von echter Information beeinflusst werden.

Der sogenannte „Impf-Text“ beinhaltet zwei Elemente. Zuerst enthält er eine explizite Warnung über die Gefahr, von Fehlinformation fehlgeleitet zu werden. Zweitens muss man zusätzlich Gegenargumente bieten, um die Fehler der Fehlinformation aufzuzeigen. Bei der Herangehensweise von van der Linden zeigt er, dass viele Unterzeichner eine gefälschte Identität besaßen (beispielsweise war (beispielsweise war fälschlicherweise eines der Spice Girls auf der Unterschriftenliste aufgeführt), so dass 31.000 Beteiligte nur ein winziger Teil (weniger als 0,3 Prozent) aller US-Wissenschaftsabsolventen seit 1970 darstellen, und dass insgesamt weniger als ein Prozent der Unterzeichner eine Expertise in der Klimawissenschaft aufweisen konnten.

In meinen neulich veröffentlichen Untersuchungen testete ich die Impf-These mit einem anderen Ansatz. Während ich Patienten gegen das Petitionsprojekt geimpft habe, habe ich es überhaupt nicht angesprochen. Stattdessen sprach ich mit ihnen über die Fehlinformationstechnik der Nutzung von „falschen Experten“ – Leute, die gegenüber der Masse den Eindruck erwecken, dass sie Erfahrung besitzen, wobei dies jedoch nicht der Fall ist.

Ich fand heraus, dass die Erklärung der Fehlinformationstechnik den Einfluss der Fehlinformation ohne die spezifische Nennung der Fehlinformation komplett gegeneinaner aufhob. Nachdem ich beispielsweise erklärte, wie falsche Experten in der Vergangenheit für frühere Fehlinformationsprojekte benutzt wurden, waren die Teilnehmer nicht überzeugt, wenn sie von falschen Experten des Petitionsprojektes konfrontiert wurden. Weiterhin wurde die Fehlinformation über das politische Spektrum hinweg neutralisiert. Ob man nun also konservativ oder liberal ist, ist egal – niemand will von irreführenden Techniken getäuscht werden.

Die Inokulation zur Anwendung bringen.

Die Inokulation ist eine mächtige und vielseitige Form der wissenschaftlichen Kommunikation, die unterschiedlich genutzt werden kann. Mein Ansatz war es, meine Erkenntnissse zur Inokulation mit der kognitiven Psychologie der Widerlegung zusammenzutun, um einen Trugschluss aus Fakten und Mythen zu schaffen.

Diese Strategie beinhaltet die Erklärung der Fakten, gefolgt von der Einführung eines Mythos, der in Verbindung zu diesen Fakten steht. An diesem Punkt werden den Menschen zwei gegenseitige Informationen präsentiert. Der Konflikt wird damit in Einklang gebracht, dass erklärt wird, wie die Technik funktioniert, die einen Mythos benutzt, um den Fakt zu verzerren.

Wir haben den Ansatz in größerem Umfang in einem kostenfreien Onlinekurs über Fehlinformation zum Klima benutzt, um die Klimaverweigerung zu erklären. Jede Vorlesung nahm die Struktur einees Trugschlusses aus Fakten und Mythen an. Wir begannen damit, eine Tatsache zum Klima zu erklären und führten dann einen verwandten Mythos ein, daraufhin folgte eine Erklärung des Trugschlusses, auf dem die Annahme basierte. Auf diesem Weg bereiteten wir unsere Studenten gegen die 50 häufigsten Klimamythen vor, während wir zugleich die Grundlagen der Klimaveränderung erklärten.

Wir wissen beispielsweise, dass wir Menschen die globale Erwärmung verursachen, weil wir in der Klimaveränderung viele Muster beobachten, die typisch für Treibhauseffekte sind. Anders ausgedrückt kann der menschliche Faktor beim Klima beobachtet werden. Jedoch besagt einer der Mythen, dass das Klima sich in der Vergangenheit auf natürliche Weise verändert hat, bevor es die Menschen gab; deswegen muss das, was nun passiert, auch natürlich sein. Dieser Mythos geht dem Irrtum nach, dass man in vielen Fällen (unlogische) Schlüsse zieht, in denen die Prämisse nicht zur Schlussfolgerung führt. Es ist, als ob man eine Leiche mit einem Messer im Rücken findet und argumentiert, dass Menschen bereits zuvor an natürlichen Effekten in der Vergangenheit gestorben sind, also muss dieser Tot ebenso von natürlichen Ursachen herbeigeführt worden sein.

Die Wissenschaft hat uns darüber aufgeklärt, dass die Antwort auf die Klimaverweigerung der Menschen nicht sein kann, diese Menschen mit Wissen zu bombardieren. Die Fehlinformationen stellen eine Realität dar, deren Ignoranz wir uns nicht leisten können – wir können die Verleugnung der Wissenschaft nicht verleugnen. Wir sollten es stattdessen als eine Möglichkeit der Bildung betrachten. Fehleinschätzungen im Klassenzimmer znzusprechen, ist eines der mächtigsten Werkzeuge, um Wissenschaft zu lehren. Es stellt sich heraus, dass der Schlüssel zur Beendigung der Wissenschaftsverleugnung darin liegt, die Leute nur ein bisschen der Wissenschaftsverleugnung auszusetzen.


Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.

Image (adapted)„Tablet“ by Kaboompics-Karolina (CC0 Public Domain)


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Verwirrspiel um geleaktes NSA-Dokument

bedrohlich (adapted) (image by Momonator [CC0 ] via pixabay)

Nach Angaben der NSA wurde die NSA-Whistleblowerin Reality Leigh Winner durch ein per Drucker in ein Dokument eingefügtes Wasserzeichen enttarnt. Noch sind die Behauptungen unbewiesen, doch die Diskussion zeigt, was technisch möglich ist und welchen Herausforderungen sich investigative Journalistinnen und Journalisten im 21. Jahrhundert gegenüber sehen. Sie zeigt aber auch, dass Whistleblowerinnen und Whistleblower endlich durch wirksame Gesetze geschützt werden müssen.

Whistleblowerin enttarnt?

Die Website „The Intercept“ steht für investigativen Journalismus. Am 5. Juni veröffentlichte die Website einen Bericht basierend auf einem streng geheimen NSA-Dokument. Nach Angaben der Redaktion wurde dieses Dokument anonym eingereicht. Soweit die bekannten Fakten.

Kurz darauf behauptete die NSA, mit Hilfe des Dokuments die verantwortliche Whistleblowerin, Reality Leigh Winner, enttarnt zu haben. Winner, eine 25-jährige junge Frau aus dem US-Bundesstaat Georgia, arbeitet für eine Firma, die mit der NSA zusammenarbeitet. Die NSA behauptet, Winner habe das Dokument auf einem ihr zuzuordnenden Drucker – einem Gerät der Marke Xerox – ausgedruckt. Dabei sei ohne das Wissen der Whistleblowerin ein Wasserzeichen eingefügt worden. Als The Intercept der NSA das Dokument vorlegte, um dessen Echtheit bestätigen zu lassen, habe die Behörde mit Hilfe des FBI so die Verantwortliche identifizieren können. Einige Quellen berichten sogar, Winner habe bereits gestanden.

Vorsicht ist geboten

The Intercept mahnt in einer Stellungnahme zur Vorsicht. Die zum Fall vorgelegten Dokumente, unter anderem ein Durchsuchungsbefehl, in dem die Vorwürfe gegen Winner erläutert werden, enthielten „unbewiesene Behauptungen und Spekulationen, die dazu angetan sind, der Regierung in die Karten zu spielen, und deswegen skeptisch betrachtet werden sollten“. Winner sehe sich Vorwürfen gegenüber, die noch nicht bewiesen seien. Ebenso wenig sei bislang bewiesen, dass die Behauptungen des FBI, wie es zur Festnahme Winners gekommen sei, der Wahrheit entsprächen.

The Intercept begegne der Angelegenheit „mit größter Ernsthaftigkeit“, sei aber aktuell noch nicht bereit, sie weitergehend zu kommentieren, heißt es abschließend in der Stellungnahme.

Quellenschutz: Im 21. Jahrhundert eine schwierige Aufgabe

Wie von The Intercept betont, sind bislang noch nicht alle Fakten bekannt. Dennoch zeigt der Fall auf, wie schwierig es mittlerweile tatsächlich ist, Informationen anonym weiterzugeben. Eine ganze Reihe von technischen Details, die vielfach kaum bekannt sind, können zur Enttarnung führen.

Für investigative Journalistinnen und Journalisten bedeutet dies eine große Herausforderung. Einerseits ist es ihre Aufgabe, relevante Informationen, auch aus Insider-Hand, zu veröffentlichen und wenn möglich mit Original-Dokumenten zu untermauern. Andererseits ist der Quellenschutz unter diesen Umständen eine wahre Herkules-Aufgabe. Sollte tatsächlich sogar The Intercept, eine Website, die sich seit einigen Jahren mit großem Einsatz und Know-How dem investigativen Journalismus widmet, hierbei ein derart folgenschwerer Fehler unterlaufen sein, wäre dies durchaus besorgniserregend.

Wir brauchen endlich wirksamen Whistleblower-Schutz!

Andererseits zeigt die Diskussion um Reality Leigh Winner auch, dass Whistleblowerinnen und Whistleblower endlich eines wirksamen gesetzlichen Schutzes bedürfen. Aktuell sind sie auf Gedeih und Verderb darauf angewiesen, ihre Anonymität zu wahren oder sich – wie Edward Snowden – rechtzeitig ins Exil zu flüchten. Anderenfalls drohen ihnen für einen Akt, der dem Wohle der Allgemeinheit dient und kriminelle oder zumindest unethische Verhaltensweisen der Mächtigen und Einflussreichen aufdeckt, empfindliche Strafen. Dieser Zustand ist unwürdig für das 21. Jahrhundert.

Whistleblowerinnen und Whistleblower sollten endlich als die Heldinnen und Helden anerkannt werden, die sie sind, Kämpferinnen und Kämpfer für eine moderne, freie, informierte Gesellschaft. Stattdessen sieht es jedoch so aus, als würden die USA ihr Vorgehen gegen diese Menschen noch verschärfen und eventuell sogar den investigativen Journalismus selbst kriminalisieren. Dagegen muss energisch vorgegangen werden. Das zumindest ruft uns der aktuell noch so undurchsichtige Fall Reality Leigh Winner noch einmal ins Gedächtnis.


Image (adapted)„bedrohlich“ by Momonator (CC0 Public Domain)


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  • ZENSUR heise: Livestream ohne Hass: Journalisten befürchten Zensur im EU-Parlament: Die Sitzungen des EU-Parlaments können Bürger über Livestreams im Internet mitverfolgen. Nun hat das Parlament Anfang des Jahres eine Änderung in ihrer Geschäftsordnung verabschiedet, die dem Parlament erlaubt bei verleumderischen oder rassistischen Verhaltensweisen eines Mitglieds die Übertragung zu unterbrechen und dem Mitglied erlauben die Passage zu löschen. Journalisten sehen diese Zensur das als Eingriff in die Pressefreiheit, da viele Journalisten auf den Livestream angewiesen sind, wenn sie nicht vor Ort sein können. Das Parlament verteidigt die Änderung mit der Begründung, dass sie Extremisten keine Plattform bieten möchten.

  • AD-BLOCKER netzpolitik: Ad-Blocker: Schutz der Geschäftsmodelle wichtiger als Schutz vor Schadsoftware: Die Ad-Blocker des Internets schützen Nutzer nicht nur vor aufdringlicher Online Werbung, sondern auch vor so genanntem „Malvertising”, dem Transport von Malware über Werbeanzeigen. Aus diesem Grund sprach sich das Bundesamt für Sicherheit und Informationstechnik erst für die Verwendung eines Ad-Blockers aus, mit der Einschränkung, dass das Blockieren aller Werbebanner als unverhältnismäßig eingestuft werde. Nun zieht das BSI seine Empfehlung generell zurück. Nutzer sollten auf Antivirus-Software zurückgreifen.

  • ONLINE HANDEL t3n: Grüne in Niedersachsen wollen Online-Handel am Sonntag einschränken: Supermärkte und Geschäfte haben in Deutschland am Sonntag geschlossen. Durch die Einführung von Online-Shops konnten Kunden auch am Sonntag bestellen. Die Versammlung der Grünen in Niedersachsen möchten mit einem Änderungsvorschlag „den Sonntag schützen“ und Online-Shopping am Sonntag einschränken. Bestellungen können zwar am Sonntag aufgegeben werden, sollten allerdings erst am Montag bearbeitet werden.

  • KONTROLLE golem: US-Grenzschutz will Lichtfeldkamera für Gesichtserkennung: An den Grenzübergängen der USA sollen nun Lichtfeldkameras installiert werden. Mit dieser Neuerung können Insassen von Fahrzeugen auch durch getönte oder verspiegelte Scheiben erfasst werden. Die Kameras sind mit Gesichtserkennung ausgestattet und sollen eine Effizientere Abhandlung von Kontrollen ermöglichen, da die Insassen im Auto sitzen bleiben können. Eine Lichtfeldkamera erfasst nicht nur Farbe und Intensität von Licht, sondern auch die Richtung aus der es komme. Diese Technik ermöglicht es Fokus und Belichtung zu ändern.

  • COMPUTERSPIELE sueddeutsche: „Hey, wir haben echte Panzer!“: Viele junge Menschen haben ein Faible für Computerspiele. Auf der weltweit größten Videospielmesse Gamescom in Köln sind Aussteller aller großen Genres vertreten, aber auch weitere Aussteller wie die Bundeswehr. Sie möchte Messen wie die Gamescom nutzen um Nachwuchs zu generieren. Kritiker verurteilen diese Maßnahme. Ein Videospiel stehe im großen Gegensatz zu der Realität eines Soldaten. Die Bundeswehr äußert sich, dass sie mit der Präsenz nur die Zielgruppe erreichen möchten, nicht um eine viel zu junge Gruppe für Krieg zu begeistern.

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