Telephone App (Bild: Per-Olof Forsberg [CC BY 2.0], via Flickr)

Kontextsensitive Apps – Das Smartphone wird endlich intelligent

Kontextsensitive Apps sollen die Daten der verschiedenen Smartphone-Sensoren künftig stärker vernetzen um dem Nutzer automatisch die richtigen Informationen zu präsentieren. // von Daniel Kuhn

App Construction (Bild: Johan Larsson [CC BY 2.0], via Flickr)

Für Smartphones gilt die alte Regel, dass ein Gerät nur so intelligent ist, wie der Nutzer, der es bedient. Gemeine Zeitgenossen könnten nun behaupten, dass der Begriff Smartphone daher oftmals unzutreffend ist. Allerdings nicht mehr lange, denn mit kontextsensitiven Apps bahnt sich eine neue Generation von Anwendungen an, die den Nutzer mit passenden Informationen und Funktionen versorgen, je nachdem wo er gerade ist und was er gerade tut.


  • Kontextsensitive Apps präsentieren die richtigen Informationen zum richtigen Zeitpunkt.
  • Ort, Tageszeit, Aktivität und andere Information dienen als Grundlage für die dynamische Auswahl.
  • Die Auswahl kontextsensitiver Apps ist derzeit noch sehr überschaubar, wird aber schon bald deutlich größer.

Google Now war eines der ersten großen Beispiele für eine kontextsensitive App. Der virtuelle Assistent behält unter anderem Tageszeit und Aufenthaltsort im Blick und präsentiert dem Nutzer abhängig davon relevante Informationen. Dabei ist Google Now sicher nicht die erste App dieser Art und sicher auch nicht die letzte, sondern schlicht der erste prominente Vertreter dieser Kategorie.

Zwar sind kontextsensitive Apps derzeit ein heißer Trend in der Technikwelt, allerdings stecken viele Ideen noch in der Entwicklungsphase und somit oftmals noch hinter verschlossenen Türen. Zwei solcher Apps für Android wagen aber ganz vorsichtig in Form von geschlossenen Beta-Versionen den Weg ins Rampenlicht. Aviate ist ein Homescreen Ersatz, der auf die vielen Anpassungsmöglichkeiten, die Android bietet, verzichtet, dabei aber nicht statisch daherkommt, sondern sich dynamisch an die Tageszeit sowie Uhrzeit anpasst. Außerdem werden die installierten Apps automatisch in Kategorien und den Kontext-abhängigen Profilen präsentiert. Wacht man morgens auf präsentiert Aviate dem Nutzer zum Beispiel die Termine und Aufgaben des Tages, die favorisierten News-Apps, sowie Informationen zum Wetter, während auf dem Weg zur Arbeit die bevorzugte Musik-App und Google Maps angeboten werden. Interessante Orte, wie Geschäfte, Lokale oder Restaurants zeigt Aviate ebenfalls an, so dass der Nutzer nicht erst langwierig und selbstständig auf die Suche gehen muss.

Einen ähnlichen, wenn auch nicht ganz so umfassenden Ansatz verfolgt Cover, ein kontextsensitiver Ersatz für den Lockscreen. Dieser blendet ebenfalls je nach Tageszeit oder Aktivität die passenden Apps ein, so dass man, ohne das Smartphone überhaupt entsperren zu müssen, bereits Einblick in die entsprechenden Apps hat. Somit sollen immer die richtigen Apps zur richtigen Zeit angezeigt werden. Dafür nutzt Cover aber nicht nur die im Smartphone verbauten Sensoren, sondern analysiert auch, welche Apps der Nutzer wann und wo verwendet.

Google Now, Aviate und Cover sind nur die ersten Vorboten dieser neuen App-Generation – in naher Zukunft werden wir sicher noch deutlich mehr intelligente Apps sehen, die uns das Leben leichter machen sollen. Doch ist das überhaupt wünschenswert?

Natürlich werden dem Nutzer viele kleine Arbeitsschritte abgenommen und viele weniger technikaffine Nutzer werden in den Genuss von Funktionen kommen, die es zwar schon längst gibt, deren Existenz ihnen aber völlig unbekannt war. Die Tatsache, dass das Smartphones aufgrund einen zu kennen scheint, da sie immer im richtigen Moment die richtige Information parat haben, lässt sie ein Stück weit menschlich erscheinen, was bisher lediglich dem Moto X einigermaßen gelingen konnte. Die Kehrseite der Medaille ist allerdings, dass immer mehr Daten eines Nutzers gesammelt und mit einander in Verbindung gesetzt werden. Den Entwicklern von Aviate ist kurz nach Beginn der Beta-Phase ein Fauxpas unterlaufen, bei dem die Nutzerdaten ungesichert und vor allem unverschlüsselt im Netz zu finden waren. Diese Lücke ist natürlich längst behoben, allerdings wird dadurch deutlich, dass das blinde Vertrauen, dass die Startups verantwortungsvoll mit den Nutzerdaten umgehen, nicht immer gerechtfertigt ist. Außerdem dürfte nicht allen Nutzern das Gefühl gefallen, dass man ein Stück weit die Kontrolle über das Smartphone abgibt und dieses eine Art Eigenleben entwickelt.

Trotzdem ist der Trend aber ganz klar abzusehen, dass die App-Entwickler in Zukunft immer stärker versuchen werden, die Daten der ohnehin vorhandenen Smartphone-Sensoren miteinander zu verbinden und dem Smartphone somit immerhin eine gefühlte Intelligenz zu verleihen und dem Nutzer das Leben zu erleichtern. Zu welchem Preis dies geschehen wird, ist allerdings noch nicht abzusehen.


Teaser by Per-Olof Forsberg (CC BY 2.0)

Image by Johan Larsson (CC BY 2.0)


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Daniel Kuhn

Daniel Kuhn

ist Wahl-Berliner mit Leib und Seele und arbeitet von dort aus seit 2010 als Tech-Redakteur. Anfangs noch vollkommen Googles Android OS verfallen, geht der Quereinsteiger und notorische Autodidakt immer stärker den Fragen nach, was wir mit den schicken Mobile-Geräten warum anstellen und wie sicher unsere Daten eigentlich sind.

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