Foursquare bereitet sich für ein Comeback vor

Der etwas aus der Mode gekommene Dienst Foursquare überarbeitet sich gerade selber. Den Anfang macht eine neue App für iOS, mit neuem Design, und einer neuen Ausrichtung. Obwohl Foursquare bereits seit 13 Jahren existiert, ist der Dienst in den letzten Jahren etwas in Vergessenheit geraten. Die abnehmende Zahl der in den sozialen Netzwerken geposteten Check-Ins ist dafür nur ein Indiz. Den Entwicklern ist diese Entwicklung ebenfalls nicht entgangen und sie arbeiten bereits an einem Comeback. Das neue Design der iOS-App ist dabei aber nicht die wichtigste Neuerung, sondern die Entwicklung weg vom Gamification-Modell hin zur Entdeckungsplattform.


  • Foursquare plant nach den sinkenden Nutzerzahlen der letzten Zeit nun ein Comeback.
  • Der Schwerpunkt soll vom Gamification-Modell auf die Entdeckung neuer Orte verlagert werden.
  • Foursquare wird zum kontext-sensitiven Reisebegleiter, der immer die passenden Tipps parat hat.

Vor wenigen Jahren noch sah man bei Facebook ständig, dass Freunde sich über Foursquare in Clubs, Kneipen, Cafés oder Supermärkten eingecheckt haben. Hin und wieder hat sich jemand stolz als Mayor seines Lieblingslokals präsentiert, doch in letzter Zeit hat die Zahl dieser Posts stark abgenommen und auch die Zugriffszahlen der Foursquare-Nutzer spiegelten dies wieder. Zum einen liegt dies sicher daran, dass inzwischen alle möglichen Apps und Dienste ebenfalls die Möglichkeit bieten, seinen Aufenthalt an einem Ort der Welt mitzuteilen, aber auch daran, dass die Nutzung von Foursquare mit vergleichsweise viel Aufwand und immer weniger Mehrwert verbunden ist. Es muss sich also etwas ändern, damit der 13 Jahre alte Dienst nicht völlig unter geht.

Vor kurzem wurde die die siebte Iteration der iOS-App veröffentlicht, die sich passenderweise sehr stark am flachen Erscheinungsbild von iOS 7 orientiert. Die wichtigeren Änderungen finden aber wie so oft hinter den Kulissen des neuen Designs statt. Das Benachrichtigungssystem von Foursquare wurde komplett neu aufgebaut. Dieses kommt nun dem über 13 Jahre alten Traum des Foursquare-Gründers Dennis Crowley endlich sehr nah – nämlich eine App zu besitzen, die wie ein guter Reisebegleiter immer wieder Hinweise gibt, wenn man sich zufällig in der Nähe eines spannenden Ortes oder einer gut versteckten Bar befindet, oder wenn es in einem Restaurant ein besonders beliebtes Gericht gibt. Crowley wollte also schon lange eine kontext-sensitive App schaffen.

Dies gelang nun endlich durch eine clevere Idee des Foursquare-Entwicklers Anoop Ranganath und Datenwissenschaftler Blake Shaw, wie ein Artikel auf Wired verrät. Die vorhandene Datenbank von Orten wurde mit den dazugehörigen Daten zu GPS, WLAN-Hotspot und Standorten der Mobilfunkmasten in der Nähe verknüpft. So konnte das Benachrichtigungssystem auf Geofencing umgestellt werden und gibt sich nun extrem energieeffizient, da die einzelnen Signale nicht ständig für die Standortbestimmung herangezogen werden müssen.

Ein weiteres Problem wurde in der Testphase deutlich, nämlich, dass die App ständig Benachrichtigungen schickt, wenn man sich in einer Gegend befindet, in der man sich sehr häufig aufhält. Solche Gegenden wie die eigene Wohngegend, oder die Umgebung der Arbeitsstelle kennt man meistens sehr gut und ist nicht unbedingt dort um neue Orte zu entdecken. Anders verhält es sich natürlich in fremden Städten oder Stadtteilen, so dass dies nun auch stärker von Foursquare für Benachrichtigungen bedacht wird. Auf diesem Weg wird der Entdeckungscharakter der App deutlich stärker in den Mittelpunkt gerückt, während der Gamification-Charakter immer mehr an Bedeutung verliert.

Eine Entwicklung, die mit dieser Neuausrichtung einhergeht, wird allerdings nicht ausschließlich positiv betrachtet – in der neuen Version der iOS-App gibt es keine Möglichkeit mehr, sich privat an einem Ort einzuchecken, also ohne dass die Freunde etwas davon erfahren. Der geheime, nicht öffentliche Check-In ist natürlich für den Spielcharakter durchaus noch zuträglich, aber auf einer Entdeckerplattform ist die Geheimniskrämerei natürlich niemandem dienlich. Die App kann aber auch passiv zum Entdecken genutzt werden, wenn man sich nicht aktiv an einem Ort einchecken möchte.

Bisher sind die neuen Funktionen lediglich in der iOS-App enthalten – die Android-App ermöglicht noch den privaten Check-In, muss dafür aber auch auf die neuen Benachrichtigungen verzichten. Es ist aber davon auszugehen, dass es nicht lange dauern wird, bis man auch hier mit einem Update nachbessert.


 


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Daniel Kuhn

Daniel Kuhn

ist Wahl-Berliner mit Leib und Seele und arbeitet von dort aus seit 2010 als Tech-Redakteur. Anfangs noch vollkommen Googles Android OS verfallen, geht der Quereinsteiger und notorische Autodidakt immer stärker den Fragen nach, was wir mit den schicken Mobile-Geräten warum anstellen und wie sicher unsere Daten eigentlich sind. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

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