Tobias GillenJournalisten: Selbstdarsteller, die

Warum Journalisten sich oftmals mit dem Vorwurf der „Selbstdarstellerei“ im Social Web auseinander setzen müssen. Und warum das nur die halbe Wahrheit ist.

Journalisten: Selbstdarsteller, die

Immer wieder werde ich gefragt, wie ich mir denn anmaßen könne, als Journalist eine Fanpage zu betreiben. Und auch vielen Kollegen – das weiß ich aus vielen langen Gesprächen – ergeht es meist nicht anders. In Zeiten des Internets, wo Blogs, Twitter, Tumblr und Facebook zum obligatorischen Handwerkszeug eines jeden Journalisten gehören sollten, wird die berichtende Zunft gerne als Ansammlung eingebildeter Selbstdarsteller betitelt. Warum das nicht stimmt und warum wir uns dennoch auf einem schmalen Grat bewegen.

Journalisten haben die Aufgabe, die Öffentlichkeit zu informieren, zu recherchieren, aufzuklären, zu berichten, Meinungen zu geben und sie klar zustellen. Das ist im Groben die allgemeine Auffassung der Tätigkeit eines Journalisten. Sicherlich gehört das alles dazu, doch im Hintergrund sind heute noch viele weitere Punkte wichtig geworden. So war es noch nie so einfach, mit den Konsumenten, also Lesern, Hörern oder Zuschauern, zu diskutieren und sich von ihnen wichtiges Feedback quasi in Echtzeit einzuholen.

Dies geschieht, so will es der Lauf der Zeit und der Stand der Entwicklung, heute vorwiegend über Twitter, Facebook, Google+ oder Blogkommentare. Hin und wieder ist auch noch eine ausführliche E-Mail dabei, einmal im Jahr ein Brief, aber insgesamt sind es doch die sozialen Netzwerke, die unseren Input füllen. Umso weniger verwunderlich ist es wohl, dass wir Journalisten uns auch dementsprechend aktiv auf den oben genannten Plattformen bewegen (sollten). Bei Twitter und Google+ ist das kein Problem. Komischerweise treten die Vorwürfe der Selbstdarstellung nur bei Facebook-Seiten auf, selten auch bei Bloggern (ich erinnere nur mal an Richard Gutjahrs vorbildliche Kairo-Reise, die nachher von Blogs (1, 2, …) stark kritisiert wurde).

Doch woran liegt es, dass auf Facebook aktive Journalisten so häufig attackiert werden? Vermutlich liegt es am Begriff “Fanpage”, der auch mir ein wenig sauer aufstößt. Selbstverständlich arbeite ich nicht, um Fans zu haben und die Leser sollten – ginge es nach mir – auch am liebsten nicht auf “Gefällt mir” klicken. Andererseits möchte ich auch nicht mein pri