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Netzpiloten @Campfire 2018

Journalismus ist lebenswichtig für unsere Gesellschaft! Deshalb finden wir es toll, dass es jetzt ein innovatives, offenes und charmantes Open-Air-Festival zu diesem Thema gibt. Auf dem Campfire 2018 vom 31. August bis 02. September in Düsseldorf wird Journalismus erfahrbar gemacht und viele Macher, Experten und Medien-Interessierte tauschen sich aus und lernen sich kennen.

Drei volle Tage geht es unter anderm um solche Fragen: Wie wird unsere Arbeit, unser Leben, die Kommunikation und die Gesundheitsindustrie in der Zukunft aussehen? Was passiert mit uns, wenn alle diese Bereiche, die uns umgeben von der Digitalisierung durchdrungen sind?

Auf dem Campfire soll die Zukunft des Journalismus beleuchtet werden. Hierbei sind nicht nur Experten oder Journalisten angesprochen, sondern auch Schüler und Studenten sind herzlich willkommen. Namhafte Speaker aus renommierten Unternehmen und Zeitungsverlagen wie beispielsweise Markus Feldenkirchen – Spiegel Journalist und Autor – oder Wiebke Möhring – Professorin für Print- und Onlinejournalismus – werden zudem ihr Expertenwissen auf zwei Hauptbühnen oder aber in mehreren Programmzelten an die Teilnehmer weitergeben.

Tiefere Einblicke in zahlreichen Workshops

Wer tiefer in die Thematik einsteigen möchte, für den bieten sich zahlreiche Workshops mit spannenden Themen an, wie unter anderem:

  • Über alle Grenzen hinweg – wie wir weltweite Themen recherchieren
  • Wie ihr Menschen für eine gemeinsame Aktion begeistert
  • Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen „Design Thinking“ und „Lean Startup“
  • So organisierst du ein Barcamp

Wir finden: Dabei sein lohnt sich auf jeden Fall! Freut euch auf 150 Programmpunkte in 15 Programmzelten, 10.000 tolle Besucher, zahlreiche Speaker und Experten und einen spannenden Austausch. Was das Wichtigste ist, ist natürlich auch die Möglichkeit sich untereinander zu vernetzen und drei lehrreiche und innovative Tage auf dem Festival Campfire 2018 zu verbringen. Und das Allerbeste: das Festival ist kostenlos!

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Algorithmen und Journalisten: Zusammenarbeit ist Pflicht

Apple (adapted) (Image by Pexels [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Seit die Nachrichten- und Presseagentur Associated Press die Produktion und Publikation von Quartalsberichten im Jahr 2014 automatisiert hat, haben Algorithmen, die automatisch Berichte aus strukturierten, maschinenlesbaren Daten generieren, die Nachrichtenindustrie aufgerüttelt. Die Versprechen dieser Technologie – die oft auch als automatisierter Journalismus bezeichnet wird – sind verlockend: Einmal entwickelt, können solche Algorithmen eine unbegrenzte Anzahl an Berichten zu einem spezifischen Thema und zu geringen Kosten hervorbringen. Und sie schaffen dies schneller, günstiger, mit weniger Fehlern und in mehr Sprachen als es menschliche Journalisten je tun könnten.

Diese Technik bietet die Möglichkeit, mit der Erstellung von Inhalten für sehr kleine Zielgruppen Geld zu verdienen – und vielleicht sogar mit personalisierten Newsfeeds für nur eine Person. Und wenn dies gut funktioniert, nehmen die Leser die Qualität der automatischen News als gleichwertig mit den von Journalisten erstellten Nachrichten wahr.

Als Forscher und Erzeuger von automatisiertem Journalismus habe ich herausgefunden, dass computergestützte Nachrichtenberichterstattung einige wesentliche Stärken zu bieten hat. Ich habe allerdings auch deutliche Schwächen identifiziert, die die Wichtigkeit von Menschen im Journalismus hervorheben.

Die Möglichkeiten der Automatisierung identifizieren

Im Januar 2016 habe ich das „Handbuch zum automatisierten Journalismus“ veröffentlicht, das den Stand der Technik zu dieser Zeit untersuchte. Darin wurden auch Schlüsselfragen für die zukünftige Forschung aufgestellt und potentielle Implikationen für Journalisten, Nachrichtenkonsumenten, Medienkanäle und die Gesellschaft im Ganzen diskutiert. Ich kam zu dem Ergebnis, dass der automatisierte Journalismus sich trotz seines Potentials noch in den Kinderschuhen befindet.

Zum jetzigen Zeitpunkt versorgen Systeme des automatisierten Journalismus vor allem spezielle Zielgruppen unterschiedlicher Größe mit sehr spezifischen Informationen, indem sie beispielsweise Zusammenfassungen von Sportveranstaltungen in unteren Ligen, Finanznachrichten, Kriminalitätsberichte oder Erdbebenwarnungen bereitstellen. Die Technologie ist auf diese Aufgabentypen beschränkt, weil die Informationsarten, die die Systeme aufnehmen und in Texte verwandeln können, die dann für Menschen tatsächlich lesbar und verständlich sind, begrenzt sind.

Am besten funktioniert die Verarbeitung von Daten, die genauso akkurat strukturiert sind wie Aktienkurse. Hinzu kommt, dass Algorithmen nur beschreiben können, was passiert ist – und nicht warum, weswegen sie am besten geeignet sind für routinebasierte Berichte, die auf Fakten beruhen, und entsprechend wenig Spielraum für Unsicherheiten oder Interpretationen bieten, wie beispielsweise Informationen darüber, wo und wann sich ein Erdbeben ereignet hat. Der entscheidende Vorteil von computergestützter Berichterstattung ist, dass sie wiederholte Abläufe schnell und einfach erledigen kann. Daher wird sie am besten eingesetzt, um sich wiederholende Ereignisse abzudecken, für die es erforderlich ist, immer wieder eine hohe Anzahl an ähnlichen Berichten zu produzieren. Dies gilt beispielsweise für Sportveranstaltungen.

Wahlberichterstattung

Ein anderer sinnvoller Bereich für automatisierte Nachrichtenberichterstattung sind Wahlen – im Speziellen im Hinblick auf Ergebnisse der zahlreichen Umfragen, die während der Hauptwahlkampfzeit fast täglich herausgegeben werden. Ende 2016 tat ich mich mit Kollegen aus der Forschung und dem deutschen Unternehmen AX Semantics zusammen, um auf der Grundlage von Prognosen für die US-amerikanische Präsidentschaftswahl in diesem Jahr eine automatisierte Nachrichtenberichterstattung zu entwickeln.

Die Prognosedaten wurden vom PollyVote-Forschungsprojekt bereitgestellt, das ebenfalls die Plattform für die Publikation der produzierten Texte darstellte. Wir etablierten einen vollständig automatisierten Prozess, vom Sammeln und Zusammenführen der Prognosedaten über den Austausch der Daten mit AX Semantics bis hin zur Texterstellung und Publikation dieser Texte.

Im Laufe der Wahlsaison veröffentlichten wir fast 22.000 automatisierte Nachrichtenberichte in englischer und deutscher Sprache. Da diese einem vollautomatisierten Prozess entstammten, gab es in den finalen Texten oft Tippfehler oder fehlende Worte. Wir mussten außerdem deutlich mehr Zeit als angenommen für die Fehlerbehebung aufwenden. Die meisten Schwierigkeiten entstanden auf Grundlage von Fehlern in den Quelldaten. Sie waren also nicht durch den Algorithmus begründet – was eine weitere, wesentliche Herausforderung für den automatisierten Journalismus unterstreicht.

Die Grenzen identifizieren

Der Entwicklungsprozess unserer eigenen textgenerierenden Algorithmen hat uns aus erster Hand die Potentiale und Grenzen von automatisiertem Journalismus aufgezeigt. Es ist unerlässlich, sicherzustellen, dass die Daten so akkurat wie möglich sind. Es ist einfach einen Prozess zu automatisieren, der aus einer singulären Sammlung von Daten einen Text erzeugt, wie beispielsweise die Ergebnisse einer einzigen Umfrage. Aber Einblicke zu liefern, wie zum Beispiel eine Umfrage mit Ergebnissen einer anderen Umfrage zu vergleichen, ist deutlich schwerer.

Die vielleicht wichtigste Lektion, die wir gelernt haben, war, wie schnell wir die Grenzen der Automatisierung erreicht hatten. Als wir die Regeln entwickelten, aufgrund derer der Algorithmus Daten in Text verwandeln sollte, mussten wir Entscheidungen treffen, die auf den ersten Blick einfach erscheinen mögen – zum Beispiel, ob die Strategie eines Kandidaten als „groß“ oder „klein“ beschrieben werden soll, und welche Signale nahelegen, dass ein Kandidat in einer Umfrage an Boden gewinnt.

Die Arten der subjektiven Entscheidungen waren sehr schwierig in vordefinierte Regeln umzuformulieren, die auf alle Situationen, die in der Vergangenheit aufgetreten waren, anwendbar sein sollten – geschweige denn auf Situationen in der Zukunft. Ein Grund ist, dass der Kontext relevant ist: Ein Vier-Punkte-Vorsprung für Clinton im Vorfeld der Wahl beispielsweise war normal, während eine Vier-Punkte-Führung für Trump eine große Nachricht gewesen wäre. Die Fähigkeit, diesen Unterschied zu verstehen und die Zahlen entsprechend für die Leser zu interpretieren, ist unabdingbar. Es bleibt eine Hürde, die Algorithmen nur schwer überwinden können.

Hingegen werden es menschliche Journalisten schwer haben, die Automatisierung zu übertreffen, wenn es um wiederholte und routinebasierte Nachrichten geht, die auf Fakten beruhen, die lediglich einer Überführung der rohen Daten ins Schriftliche bedürfen, so wie Sportveranstaltungen oder die Quartalsberichte eines Unternehmens. Algorithmen werden schneller Anomalien in den Daten feststellen und zumindest erste Entwürfe für viele Berichte generieren können.

Doch für die Menschen ist nicht alles verloren. Journalisten haben eine Menge Möglichkeiten, Aufgaben zu übernehmen, die Algorithmen nicht bearbeiten können, wie beispielsweise die Zahlen im Kontext zu betrachten – sowie die Bereitstellung detaillierter Analysen, Hintergrundberichte und Interviews mit wichtigen Persönlichkeiten. Diese zwei Typen der Berichterstattung werden zukünftig wahrscheinlich eng integriert sein – mit den Computern, die ihre Stärken nutzen, und uns Menschen, die wir uns auf unsere Stärken konzentrieren.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Apple“ by Pexels (CC0 Public Domain)


The Conversation

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Spieleentwickler gegen Fake News

Spiele (adapted) (image by Pexels [CC0] via pixabay)

Was ich toll an dem Spiel finde, ist, dass ich sehr schlecht darin bin und dass andere Leute sehr schlecht darin sind.“ Möchtest du deine eigenen Fake News erstellen? Ja, dafür gibt es eine App. Möchtest du Spaß dabeihaben, wenn du lernst, wie du Fake News von deinem Medienkonsum entfernst? Zum Glück gibt es dafür auch einige Apps.

Die Epidemie von Fake News während und nach der Präsidentschaftswahl in den USA brachte mehrere Spieledesigner und Journalisten dazu, über den Tellerrand hinauszuschauen, um gegen das Problem anzugehen. Sie sagen, dass große Geister ähnlich denken – und drei verschiedene Gruppen haben drei ähnliche Apps entwickelt, um Usern zu helfen, wie sie den Unterschied zwischen marktschreierischen Schlagzeilen und tatsächlichen Fakten erkennen können.

„Es ist heutzutage anstrengend, politisch aufmerksam zu sein”, meint Christopher Cinq-Mars Jarvis, der Entwickler eines Spiels, das auf überprüften Behauptungen von PolitiFact basiert. „Etwas, das es etwas erreichbarer macht und Hilfe anbietet. Dies funktioniert nicht nur mit Politik, sondern mit einer Vielzahl an Dingen.“

Nach der Wahl war Jarvis inspiriert, sich mit PolitiFact zusammenzutun, um das Handyspiel PolitiTruth zu entwickeln. Die Agentur für Digitale Medien ISL mit Sitz in Washington D.C. kreierte ‚Fake News: The Game‘ und veröffentlichte es als eine App und als Handyspiel für Spielautomaten, wie sie in manchen Bars stehen. Und Maggie Farley, ein Mitglied der JoLTan der American University und ehemalige L.A. Times-Korrespondentin, entwickelte das Konzept eines Fake News-Spiels mit Lindsay Grace, der Geschäftsführerin von AU Game Lab, sogar noch vor der Wahl – obwohl das Labor kurz vorher die Version 2.0 von Factitious veröffentlichte. Dabei handelte es sich um ein browserbasiertes Spiel.

Die Spiele haben alle etwa das gleiche Setup: Der Spieler bekommt eine Überschrift, einen Artikel oder eine Behauptung und muss dann den Wahrheitsgrad erraten. Nichts davon ist ausgedacht – alles ist irgendwo online veröffentlicht worden, entweder auf einer Website, die bekannt für Fake News ist, oder auf einer Seite einer wirklich existierenden Organisation. ‚Fake News: The Game‘ zeigt nur eine Überschrift und Facticious bezieht einen kleinen Ausschnitt eines Artikels mit einer Überschrift und einer Quelle ein, wenn man dies auswählt. (Factitious ist ein Open Source-Projekt, das mit der Knight Foundation entwickelt wurde, die für Gaming im Journalismus gewährt wird. Knight unterstützt auch das Nieman Lab.)

PolitiTruth bezieht aus dem Archiv von PolitiFact aus überprüften Behauptungen bestimmte Zitate und den Namen der Person, von der es stammt. Auch wird drn Kontext, der besagt, wann und wo das Zitate entstanden ist, angegeben. Der Spieler muss dann den Wahrheitsgrad der Behauptung des Zitats erraten. Man erhält Punkte für richtige Antworten. Bei manchen Spielen werden die auf einer weltweit einsehbaren Liste angezeigt.

Machen diese Spiele so süchtig wie Pokemon Go oder Candy Crush? Das ist zu hoffen. „Die globale Pandemie von falschen Informationen ist offensichtlich unvermeidbar und wahr und wenn wir auch nur eine winzige Rolle spielen können, um dagegen angehen zu können, dann sind wir erfreut und gespannt, dass wir etwas für die gute Seite tun können“, sagt D.J. Saul, Marketingchef und Geschäftsführer von ISL.

Gaming im Journalismus ist ein Konzept, das zunehmend Erfolg hat. Das bestätigt zumindest Rose Eveleth kürzlich in unsererem Schwestermagazin, den Nieman Reports:

Da die digitale Technologie es ermöglicht, immer mehr aus unserem Leben als Kunden mit einzubringen, zu spielen, Punkte zu sammeln oder gegen andere anzutreten, haben sämtliche Firmen Dinge wie Spiele in ihre Strategien eingebunden. Energielieferanten bewerten deine Energieeffizienz im Vergleich zu anderen Haushalten in deiner Nachbarschaft; Krankenversicherungen motivieren dich, Punkte zu sammeln, indem du Sport machst und aktiv bleibst. Foursquare motiviert seine Nutzer, regelmäßig ihre Lieblingsorte zu besuchen, um zu „gewinnen“ und Bester zu werden.

Für Journalisten bieten diese Art Spiele eine attraktive Möglichkeit, um Geschichten zu erzählen. Sie können komplexe System simulieren, bei denen verschiedene Entscheidungen unterschiedliche Enden bewirken können. Sie können Emotionen und Dringlichkeit in den Spielern hervorrufen. Und sie können die Menschen mit Erfahrungen in Verbindung bringen, die sie womöglich niemals im echten Leben haben werden. „Unser Job als Journalisten ist es, die Öffentlichkeit zu informieren“, sagt der Journalist und Spieledesigner Sisi Wie. „Indem wir Emotionen und Empathie nutzen, wird es durch das Spiel für den Leser möglich, sich auf eine neue Weise zu informieren, die die Leser sofort verstehen und sich auch später noch daran erinnern können.“

Nach links oder rechts zu wischen, um eine Entscheidung zu fällen, iwie es bei Dating Apps wie Tinder und Bumble üblich ist, kann hier genauso hilfreich sein. Ich habe mit Mitgliedern aus jedem Entwicklerteam gesprochen, um zu sehen, was sie wirklich aus ihren Fake News-Spielen gelernt haben. Dies haben sie herausgefunden:

Ein Fake-News-Spiel ist nicht so weit hergeholt

Lindsay Grace, der Geschäftsführer des AU Game Lab, ist fasziniert vom Konzept von Spielen in Nachrichtenproduktion. The Onion ist eine besondere Spieleform. Wo hat dies einen Platz im großen Mediensystem?“ sagt er. „Die Menschen verbinden Unterhaltungsnachrichten, Leute wie Jon Stewart und die vielen Daily Shows mit traditionellen Nachrichten und sie verschmelzen miteinander… Wir haben herausgefunden, dass es innerhalb der Spielewelt ebenfalls Verschmelzungen gibt. Wir haben das Konzept die ernsten Spiele verkauft. Hier glaubt man, dass Spiele uns helfen, uns anders zu entwickeln, Lernmöglichkeiten und Möglichkeiten bieten, um komplexe Systeme zu verstehen. Warum sollte man dies nicht miteinander verbinden?“

Jarvis, der Entwickler von PolitiTruth, ist als Programmierern geboren. Mit dem Journalismus hat er nicht so viel am Hut, obwohl PolitiFact ihm durchaus ein Begriff ist. „Es entstand eine abhängige Beziehung seit der letzten Wahl“, erzählt er. Seine Idee für ein Fake News-Spiel „entstand, als ich sah, dass sie eine offene Programmierschnittstelle haben. Ich dachte, dass dies eine optimale Gelegenheit ist, um etwas zu erschaffen, wo man die Menschen motivieren kann, sich diesem tollen Journalismus zu stellen und sie in gewisser Weise auszutricksen, indem es in einen Wettkampf umwandelt.“

Manchmal braucht man mehrere Versuche, um das richtige Spieledesign zu schaffen

Factitious von AU begann vor der Wahl als Gameshow Spiel. Aber es wurde schnell klar, dass für Personen, die nichts mit Nachrichten zu tun haben, das Spiel zu steuern, erläutert Grace. „Die erste Version dieses Spiels passte nicht wirklich zu dem, was wir über die Aufmerksamkeitsspanne von Menschen wissen, wie die Interaktion Spaß macht und wie man eine schnelle mobile Erfahrung designt. Die zweite Version hat all diese Punkte bereits eingebaut.“ Die Änderung zahlte sich aus: das erste Spiel hatte nur ein paar hundert Spieler, aber Grace meint, dass Factitious mehrere Millionen Mal in den wenigen Monaten gespielt wurde, in denen es live erreichbar ist.

Das Wischen wie bei Tinder funktioniert

Grace gab zu, dass die Einführung vom „Wischen nach links oder nach rechts, um zu sehen, ob ein Artikel echt ist oder unter Fake News fällt“, einen entscheidenden Unterschied für das neue Design machte. Jarvis von PolitiTruth bemerkte einen ähnlichen Erfolg: „Als wir das Spiel bei der E3 [die Electronic Entertainment Expo in Los Angeles] bekanntgaben, nannten die Menschen es gerne ‚Tinder für Fake News‘.“

Informationen wollen aufgesaugt werden

In den ersten drei Tagen von Factitious spielten sich die Teilnehmer laut Grace durch 1,6 Millionen Artikel. Das durchschnittliche Ergebnis für Menschen, die die 15 Artikel des Spiels durchspielten, liegt bei 82 Prozent richtigen Antworten. „Wenn man gut spielen möchte, kann man den Inhalt jedes Artikels überprüfen, bevor man wischt“, sagt er. „Das ist eine Verhaltensänderung, die sonst nur durch Twitter oder Facebook scrollen und nur teilen, ohne zu überprüfen, ob es wahr ist.“

Saul von ISL führt aus, dass die Daten von ‚Fake News: The Game‘ zeigen, dass die Menschen immer akkurater werden, je öfter sie spielen. Die Spieler haben einen Durchschnitt von 65 Prozent in der korrekten Identifizierung von realen oder falschen Überschriften.

Die Nutzer von PolitiTruth haben eine weltweite Erfolgsrate von 70 Prozent, meint Jarvis. „Das Spiel wäre kein nützliches Mittel, wenn man immer 100 Prozent erreichen würde.“ Er merkte an, dass die Ausschnitte in dem Spiel tatsächlich manche Nutzer informieren. „Die Menschen sollen nicht denken, sie müüssen den ganzen Artikel lesen, aber sie können es tun. Wenn etwas merkwürdig erscheint, können sie direkt auf die Nachrichtenseite weitergeleitet werden. Sie können sogar sehen, wie Kommentarschreiber und andere Menschen auf diese journalistische Erhebung geantwortet haben“, sagte er.

Die Menschen sind davon überrascht, wie schlecht sie abschneiden

“Es macht viel Spaß, den Menschen dabei zuzuschauen, wie sie das Spiel spielen. Sie können nicht glauben, dass manche Ergebnisse tatsächlich wahr sind. Sie glauben jedoch auch nicht, dass etwas falsch ist – auch wenn sie die Antwort bereits kennen“ berichtet Saul. (Zusätzlich zur App reist ‚Fake News: The Game‘ durch verschiedene Bars in der Region von D.C. im Stile eines Arcade-Spiels aus den Neunzigrn.)

“Was ich an dem Spiel wirklich toll finde, ist, wie schlecht ich darin bin und wie schlecht andere Menschen darin sind”, schlussfolgert Jarvis über PolitiTruth. „Sogar Menschen, die insgeheim denken, dass sie wissen, was passiert, wischen nach links und liegen komplett falsch. Es ist eine große Herausforderung für das politische Bewusstsein.“

Jedoch kann es Menschen frustrieren, weswegen sie das Spiel schnell verlassen. Grace schloss daraus, dass es einen deutlichen Unterschied zwischen Menschen gibt, die Zeit damit verbringen Factitious durchzuspielen und denen, die das Spiel vorzeitig verlassen. „Die Menschen, die aufgeben, erzielen meistens schlechte Ergebnisse und verlassen das Spiel vor dem vierten ALevel,“ erläutert er und bemerkt, dass diese Gruppe rund 20 bis 30 Prozent der Spieler ausmacht. „Sie sind frustriert und kriegen nicht die Antwort, die sie erwarten.“

Auch die Entwickler lernen – aus den Daten der Spieler

„Wir führen detaillierte Statistiken, die wir hoffentlich demographisch analysieren können, um gezielt zu sehen, woher die Fake News kommen und wer dafür am anfälligsten ist,“ fasst Jarvis zusammen. Aaron Sharockman, Geschäftsführer von PolitiFact, führt aus, dass diese Einblicke in das Verhalten der Nutzer dem zukünftigen Faktencheck behilflich sein können. „Die Menschen spielen das Spiel gerne, aber wir kriegen viele Informationen nebenbei, die wir nutzen können“, sagte er.

„Wir können darüber nachdenken, was wir auf Fakten überprüfen und wie wir das machen.“ Als Teil der Knight Foundation, die die Produktion des Spiels unterstützt, hat das Factitious Team vor, die Daten mit verschiedenen Nachrichtenorganisationen zu teilen. „Wir können es dort auslegen und unsere Zielgruppe das Spieldurchspielen lassen“, erklärt Grace. „Nachrichtenorganisationen können Dinge machen, wie das Bild tauschen… Überschriften bearbeiten, den Haupttext einsehen.“

Diese Spiele sind nicht das Ende

ISL überlegt, seine Sets zu verkaufen, sodass die Menschen die Arcadeversion von ‚Fake News: The Game‘ selbst aufbauen können, aber auch, dass Spieler das Spiel mit Alexa von Amazon mit einem von ISL entwickelten Skill zu nutzen. Saul erklärte, dass ein vorgeladener O-Ton von Donald Trump den Nutzern mitteilt, ob sie richtig oder falsch liegen.

Da Factitious ein Open-Source-Projekt ist, ist AU Game Lab vorsichtig in Bezug auf Fake News-Produzenten, die falsche Versionen des Spiels anbieten. „Wir haben es so gestaltet, dass es leicht erreichbar ist. Die Herausforderung ist, dass wir auch in Bezug auf Branding vorsichtig sein müssen,“ sagt Grace. „Wenn jemand ein Fake News Spiel entwickeln möchte und sämtliches schädliches Material einbauen möchte, müssen wir aufpassen.“ Andererseits ist PolitiFact gespannt PolitiTruth als ein neues Mittel für Reichweite zu haben. “Während wir alles versuchen, um so transparent und objektiv wie möglich zu sein, gibt es Teile in der Bevölkerung, die uns als voreingenommen betrachten,“ sagt Sharockman. „Das Spiel wäre ein neuer Weg, um Leser in einem anderen Format zu erreichen, mit ihnen in einer neuen Weise zu interagieren und langzeitig zu sehen, ob wir das Vertrauen in den Faktencheck und PolitiFact selbst verbessern können.“

Sharockman fügte in diesem Herbst hinzu, dass PolitiFact verschiedene Experimente veröffentlichen wird, um die Verbreitung von Fake News mit der Unterstützung der Knight Foundation zu bekämpfen. Dieses Spiel ist einer dieser Experimente und Sharockman hofft auch, dass das Spiel Einzug in die Schulen halten wird, um für mehr Nachrichtenkompetenz sorgen zu können.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „NiemanLab“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Spiel“ by Pexels (CC0 Public Domain)


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Die perfide Strategie der Populisten – Wer nicht „zum wahren Volk“ zählt, gilt als Verräter

Erfolgreiche Populisten unterschiedlicher Couleur sind Meister der Inszenierung und bauen auf die Reflexe einer Öffentlichkeit, die in immer kürzeren Intervallen auf die theatralische Regie der Populisten reagiert. Schaut man in das Hauptwerk „Strategeme“ des Sinologen Harro von Senger, der die berühmten 36 Strategeme der Chinesen aus drei Jahrtausenden darlegt, ist dieses Vorgehen kein neues Phänomen. Etwa das Strategem Nummer Sieben: „Aus einem Nichts etwas erzeugen“ – etwas aus der Luft greifen; etwas Erfundenes als Tatsache ausgeben (neudeutsch: Fake-News); Gerüchtefabrikation; Verleumdungs- und Lügenkampagne („Merkel muss weg“); Diffamierungstaktik; Aufbauschungsmanöver. Man könnte es auch philosophischer in den Worten von Lao Zi ausdrücken: „Die Dinge in der Welt entstehen aus dem Seienden, das Seiende entsteht aus dem Nichtseienden.“

Populistische Gedankenkonstrukteure im David-Goliath-Modus

Was die populistischen Gedankenkonstrukteure dabei bedienen, folgt einer psychologischen Funktion: Sie reduzieren die Komplexität der Wirklichkeit und schaffen eine einfache Struktur im Kopf. Als Projektionsfläche der Vereinfachung dienen Sündenböcke und Dämonen, die man für alles Böse, Unverständliche und Ungerechte verantwortlich macht. Die Identität der eigenen Gruppe erzielt man dabei mit dem David-gegen-Goliath-Erzählmuster. Für zufällige Ereignisse, für unvorhersehbares Handeln, für menschliche Fehler oder komplizierte Verfahren ist dabei kein Platz. Stets gibt es nur eine einzige Ursache, die als Beweis für das dunkle Spiel eines übermächtigen Gegners herangezogen wird. Jeder Gegenbeweis wird als Fälschung tituliert, jeder fehlende Beleg ist ein Indiz für eine absichtliche Unterschlagung. Mit dieser Teflon-Strategie wollen sich Populisten unangreifbar machen.

Moralischer Alleinvertretungsanspruch

In der nationalistischen Variante, die wir bei den Populisten in Europa und den USA erleben, kommt noch eine weitere Taktik hinzu: Sie behaupten: „Wir sind das Volk.“ Sie meinen jedoch: „Wir – und nur wir – repräsentieren das Volk.“ Nachzulesen in dem lesenswerten Essayband „Was ist Populismus“ von Jan-Werner Müller. Damit werden alle, die anders denken, als illegitim abgestempelt, „ganz unabhängig davon, mit wie viel Prozent der Stimmen ein offizieller Volksvertreter ins Hohe Haus gewählt wurde“, so Müller.

Populisten seien zwangsläufig antipluralistisch; wer sich ihnen entgegenstellt und ihren moralischen Alleinvertretungsanspruch bestreitet, gehört automatisch nicht zum wahren Volk. „Das mag wie eine Banalität klingen, ist aber von entscheidender Bedeutung in Auseinandersetzungen mit Populisten, die behaupten, den Willen des Volkes zu repräsentieren und zu vollstrecken – in Wirklichkeit jedoch eine symbolische Repräsentation des angeblich ‚wahren Volkes’ instrumentalisieren, um demokratische Institutionen, die dummerweise nicht von Populisten dominiert werden, zu diskreditieren“, führt Müller weiter aus.

Populismus ist demnach eine ganz bestimmte Politikvorstellung, die ein imaginäres Volk als moralisch rein und homogen definiert und gegen unmoralische, korrupte und parasitäre Dunkelmänner und Dunkelfrauen in verschiedenen Institutionen in Position bringt. Wer diese anmaßende Vereinnahmung des „Volkes“ in Frage stellt, wird kurzerhand vom „einzig wahren Volk“ abgetrennt. Das reicht von der Lügenpresse bis zur „Volksverräterin“ Merkel.

In Wahrheit geht es um „Nur wir vertreten das Volk“

Hinter dem Spruch „Wir sind das Volk“ steckt eigentlich die Botschaft „Nur wir vertreten das Volk“. Dieser Alleinvertretungsanspruch der Populisten und deren Verhältnis zur Demokratie macht die Gemengelage so gefährlich. Sie sind kein nützliches Korrektiv in einer Demokratie, um den vermeintlichen Abstand zwischen Politik und „Volk“ wiederherzustellen. Wer so denkt, ist schon auf der semantischen Leimspur der Populisten unterwegs. Populisten interessieren sich nicht für plurale Willensbildung, für das langwierige Bohren dicker Bretter bei der Bewältigung von Problemen; ihre Kritik gilt auch nicht dem Prinzip der politischen Repräsentation. Ihre Agitation richtet sich gegen die amtierenden Repräsentanten, die angeblich nicht die Interessen des „Volkes“ vertreten.

Da niemand sagen kann, wo die Interessen eines jeden Einzelnen liegen, sind populistische Demagogen wie Erdogan oder Orbán an Teilhabe, Offenheit und Pluralität überhaupt nicht interessiert. Sie geben sich als die Kenner des wahren Volkes aus und hebeln jeden aus, der sich ihnen in den Weg stellt. Wer sich den Populisten nicht anschließt, wird ausgeschlossen. Wer Volk sagt, meint in Wahrheit Ent-Individualisierung und sogar Ent-Menschlichung, die bis zur Inhaftierung und Beseitigung aus dem öffentlichen Leben reichen kann. Populisten sind keine Problemlöser, sie nutzen Probleme, um das politische System zu destabilisieren.

Klugheitsstrategien im Umgang mit Populisten

Wer das durchschaut, sollte klüger vorgehen – im Journalismus, im politischen Diskurs und in seinem Verhalten im Social Web. SZ-Onlinechef Stefan Plöchinger liefert in einem Journalist-Gastbeitrag eine kluge Gegenstragie. Die wichtigste Haltung sei, nicht den Durchlauferhitzer für populistische Phrasen zu spielen. Man sollte nach Auffassung des Notiz-Amtes auf die Pöbeleien von Hofer, Strache, Petry und Co. nicht wie ein Pawlowscher Hund reagieren und auf das Strategem Nummer Sieben hereinfallen. Wer News fälscht, haarsträubende Behauptungen aufstellt und täglich Ressentiments absondert, hat keine Geschichten verdient. „Wir Journalisten brauchen wohlüberlegte Taktiken gegen die ständige Eskalation, statt die Populisten-Strategie weiter blind zu bedienen – weil blinde Journalisten keine Journalisten sind“, schreibt Plöchinger.

Was noch wichtiger ist: Gesicht zeigen und sich nicht hinter irgendwelchen Redaktionsmauern verkriechen. Immer wenn Journalisten greifbar werden und nicht nur als „die Medien“ sichtbar sind, wenn wir in unserer Arbeit so etwas wie Ombudsleute für Leser, Hörer, Zuschauer und dem journalistischen Beruf werden, dann entsteht nach Meinung von Plöchinger auch Vertrauen in den Journalismus. Das Niveau der digitalen Debatte kann zudem nur steigen, wenn jeder Journalist endlich auch versteht, im Digitalen erfolgreich unterwegs zu sein – ohne diese ewige Offline-Online-alles-wird-schlimm-Attitüde. 


Image „natural“ by Unsplash (CC0 Public Domain)


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Warum es falsch war, Facebook für seine Zensur zu tadeln

facebook(image by FirmBee[CC0 Public Domain] via Pixabay)

Die Entscheidung von Facebook, ein Posting eines Norwegers zu blockieren, das ein Bild beinhaltete, das einst den Pulitzerpreis gewann und ein verängstigtes und nacktes Mädchen zeigt, das vor einer Napalm-Attacke während des Vietnamkriegs flieht, wurde von Journalisten und anderen Vertretern der Meinungsfreiheit mir einem Aufschrei der Empörung aufgenommen.

Der norwegische Autor Tom Egeland hatte das Bild auf seiner Facebookseite als einen Teil der Reihe „Sieben Fotos, die die Geschichte der Kriegsführung veränderten“ gepostet. Sein Nutzerkonto auf Facebook wurde anschließend blockiert. Als die norwegische Aftenposten hierüber berichtete und dabei auch das Bild in der Berichterstattung zeigte und es auf Facebook postete, wurde das Bild auch hier geblockt. Facebook zitierte seine Richtlinien, die das Hochladen von Bildern, welche nackte Kinder zeigen, als Teil ihres Kampfes gegen die Kinderpornographie auf der Plattform verbieten.

Von nun an gerieten die Dinge vollends außer Kontrolle. Die Zeitung bildete das Foto quer über seiner Titelseite ab (das Gleiche taten auch andere Nachrichtenkanäle, einschließlich des Guardian in Großbritannien), gefolgt von einem Brief, der mit „Lieber Mark Zuckerberg“ betitel wurde, verfasst von dem Herausgeber Espen Egil Hansen. Hansen drückte seine Befürchtungen aus, dass „der mächtigste Herausgeber der Welt“, der verantwortlich ist für „das wichtigste Medium der Welt“, seiner Meinung nach „die Freiheit einschränkt, statt versucht, sie zu vergrößern.“

Norwegens Premierministerin Erna Solberg schaltete sich auch ein, indem sie die „zutiefst zu bedauernde“ Entscheidung einen Versuch nannte, „unsere gemeinsame Geschichte zu editieren.“ Der CEO des Index of Censorship, Jodie Ginsberg, drückte es noch unverblümter aus: „Absolut idiotisch“, verkündete sie. Journalisten, Politiker und andere Menschen auf der ganzen Welt publizierten das Bild erneut als eine Form des Protests und als ein Zeichen der Solidarität.

Nach ein paar Tagen machte Facebook einen Rückzieher. Es stellte das Foto wieder ein und zitierte seinen „ikonischen Status als Bild mit einer historischen Bedeutung“ was, wie gesagt wurde, „schwerer wiegt als der Schutz der Gemeinschaft durch seine Entfernung.“ Das Unternehmen versprach, „unsere Rezensions-Mechanismen anzupassen“ und sich mit „Herausgebern und anderen Mitgliedern unserer globalen Gemeinschaft bezüglich dieser wichtigen Fragen, die vor uns liegen“, zusammen zu tun. Es war eine gute, wenn auch verspätete Entscheidung. Aber war es ein Sieg für die Meinungsfreiheit? Nicht grundsätzlich.

Zweimal falsch über ein richtig

Facebooks ursprüngliches Argument, dass das Posten des ikonischen Fotos es anschließend schwerer machen würde, das Posten von Fotos anderer nackter Kinder zu verbieten, war wohl unaufrichtig, aber auch einfach falsch. Eine Firma mit den offensichtlichen und tatsächlich unglaublichen technischen Erfahrungen, über die sie sicher verfügt, kann bestimmt einen Algorithmus entwickeln, der solche Kennzeichen wie den Pulitzerpreis berücksichtigt, wenn eine Veröffentlichungs-Aufforderung gemacht wird.

Auch wenn es hier zunächst größere Schwierigkeiten mit den Algorithem gibt, die solche Entscheidungen über die Veröffentlichung treffen, mit der Hilfe von Menschen oder auch ohne, sollte das Problem in diesem speziellen Fall gar nicht erst aufgetaucht sein. Aber die Herausgeber stehen mit der Entscheidung auch auf tönernen Füßen, wenn sie Facebook vorschreiben wollen, was es veröffentlichen darf und was nicht. Es ist tatsächlich ironisch, dass sie denken, das zu tun wäre angemessen, wenn nicht sogar die richtige Verhaltensweise. Um zu verstehen, wieso dies geschehen ist, muss man sich die verständliche Wut vorstellen, wenn es andersrum wäre: wenn eine dritte Plattform (oder auch jeder andere) versuchen würde, einem Journalisten vorzuschreiben, welche Artikel er oder sie verfassen soll und wie diese wiedergegeben werden dürfen.

Die Pressefreiheit vermittelt das Recht, freie Entscheidungen darüber zu treffen, über was berichtet wird, wie berichtet wird und was mit den Informationen passiert, nachdem man über diese verfügt. Es ist die Freiheit zu entscheiden, was man sagt, genauso wie, wann und wo und wie man es sagt. Sie vermittelt auch das Recht, gar nichts zu sagen.

Jeder Herausgeber muss über diese Freiheit verfügen, wenn sie irgendeine Bedeutung hat – einschließlich, ja, einschließlich Facebook. Entgegen seiner kürzlichen, komplizierten Versuche, sich selbst als eine „Technikfirma“ oder Plattform zu definieren, statt als eine „Medienfirma“, ist es ganz klar beides.

Eine Entscheidung Facebooks, bestimmte Teile einer Information nicht erscheinen zu lassen, könnte eine schlechte Entscheidung sein – ob es auf den Richtlinien basiert oder eher auf einem Algorithmus, in den einige Kleinigkeiten noch eingebaut werden müssen – aber es ist weder Tyrannei noch Zensur. Das Unternehmen hat anderen Menschen nicht gesagt, was sie mit dem Foto machen können oder sollten. Es hat eher sein Recht ausgeübt, die Entscheidung in Verbindung mit dem Bild auf seiner eigenen Seite zu treffen.

Die Macht der Plattform

Was die Angelegenheit trotz allem noch verzwickter macht, ist, dass die Aftenposten mit ihrer umfassenden Anklage recht hat, dass Facebook über noch nie dagewesene globale Macht bei dem Fluss von Informationen verfügt. Aber diese Macht über die Presse, die von bedeutendem Ausmaß ist, unterscheidet sich eigentlich ziemlich von der Zensur, wie sie traditionellerweise und auch juristisch definiert wird.

Facebook kann es nicht verhindern, wenn etwas für die Öffentlichkeit sichtbar werden soll, da es keine Kontrolle darüber hat, was die Verfasser veröffentlichen oder was andere Nutzer über ihre eigenen Kanäle senden. (Selbst Einzelpersonen wie der Autor Egeland können Informationen unter anderem durch ihren Blog verbreiten, neben vielen weiteren Optionen.)

Die Macht, die Facebook dennoch hat, ist die, die Sichtbarkeit eines Inhalts auszudehnen, nachdem es veröffentlicht oder geschickt wurde. Im Gegenzug ist diese Sichtbarkeit, wenn Facebook sich dazu entschließt, die Macht der erweiterten Sichtbarkeit nicht einzusetzen – wie es ein Recht dazu hat – deutlich begrenzt. Und noch wichtiger: geschätzte 40 Prozent der Besucher einer Nachrichtenseite kommen ursprünglich von Facebook, die Prozentzahl ist somit sogar höher als die von Google. Das Problem für die kommerziellen Medien ist somit primär ein ökonomisches – ihre Fähigkeit, Einnahmen zu erzielen, hängt völlig davon ab, ob die Leute ihre Waren sehen (und sich im Idealfall auf diese einlassen) und von den Informationen, die sie produzieren und liefern – und nur im weiteren Sinn ein Problem der Editierung.

Die derzeitige Gesetzgebung tendiert dazu, die ökonomischen und die redaktionellen Bereiche separat zu behandeln: den ersten als eine primär kommerzielle Angelegenheit und den zweiten als eine Problematik der zivilen Freiheit, zu dem beispielsweise auch die Meinungsfreiheit gehört. Ein solches zwiespältiges Verständnis funktioniert gut genug, wenn die beiden Parteien zugleich die Schaffung der Inhalte sowie deren Verteilung kontrollieren. Aber im vergangenen Jahrzehnt veränderte sich die Situation mit der unaufhaltsamen Zunahme und dem exponentiellen Wachstum von externen Plattformen. Medienkonzerne produzieren ihre Inhalte nicht mehr alle selbst (zum Beispiel verlassen sie sich immer mehr auf Material, das durch die Nutzer geschaffen wurde) und sie kontrollieren eine abnehmende Anzahl der Art und Weisen, wie diese zugänglich sind.

Ihre Reichweite ist auf diese Weise eingeschränkt durch die Verfügbarkeit ihres Inhalts auf dem Informations-Lieferungs-Mechanismus einer anderen Person. Zusätzlich zu Facebook und Google umfassen diese Mechanismen Twitter, YouTube (das zu Google gehört), Yahoo! und ein schnell zunehmende Anzahl anderer Technologien des „social Sharing“. In anderen Worten liegt die Effektivität der Nachrichtenfirmen und möglicherweise auch ihr Überleben, zumindest bis zu einem gewissen Grad, nicht in ihren Händen. Die Situation ist beängstigend und frustrierend zugleich. Der Herausgeber der Aftenposten verkündete auf seiner Titelseite mit seinem „Brief“ an den Facebook-Chef: „Redakteure können mit dir als Meister-Redakteur nicht leben.“ Und obwohl er es nicht gesagt hat, als einen Meister-Herausgeber ebenfalls nicht.

Dennoch müssen sie mit Zuckerberg und seinen Kollegen leben – irgendwie. In der voraussehbaren Zukunft werden Inhalte geteilt, aber die Dimensionen, in diesen dieser geteilte Inhalt erscheint, wird der Kontrolle diverser Entitäten unterliegen, die über verschiedene Organisationskulturen und verschiedene Vorstellungen, was einen wertvollen Inhalt ausmacht und über verschiedene ökonomische Interessen verfügen. Der unvermeidbare Kampf um diesen höchst umstrittenen Schauplatz hat jede Menge Auswirkungen – nicht nur für die Medien- und Technologieunternehmen, welche direkt involviert sind, sondern auch für Millionen von Menschen, die sich darauf verlassen, dass beide ihre Arbeit verrichten – und zusammenarbeiten.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „Facebook“ by FirmBee (CC0 Public Domain)


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Scoopa Dopado: Das war das scoopcamp 2016

Am gestrigen Donnerstag fand zum achten Mal das scoopcamp, eine Innovationskonferenz für Medien, statt. Seit 2009 lädt Hamburg@work – und seit 2014 nextMedia.Hamburg – jährlich zusammen mit der Deutschen Presse-Agentur GmbH (dpa) zu dieser Veranstaltung ein. Experten, Entscheider und Innovatoren der IT- und Medienbranche nehmen daran teil, um über Trends und aktuelle Themen an der Schnittstelle zwischen Redaktion, Programmierung und Produktentwicklung zu diskutieren.

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Jeremy Gilbert über die Washington Post (Image by Marina Blecher)

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Preisverleihung des Scoop Awards und Vorträge über die Zukunft des Journalismus. Verena Pausder, Gründerin von Fox and Sheep, Geschäftsführerin der Haba Digitalwerkstatt und Unterstützerin der Plattform Startup Teens, erhielt den Scoop Award 2016 für ihre zahlreichen Projekte, die Kinder und Jugendliche früh mit der Digitalisierung vertraut machen. In ihrer anschließenden Rede forderte sie dazu auf, dass man Kinder stärker in Sachen Digitalisierung fördert. Außerdem plädierte sie für mehr Programmiererinnen. Um dies zu erreichen, sollte man vor allem Mädchen früher mit dem Thema vertraut machen.

Auch die anderen Speaker Assaf Sagy, Vice President of International Markets bei Playbuzz und Jeremy Gilbert, Director of Strategic Innitiatives bei der Washington Post, hielten sehr interessante Vorträge. Gilbert erklärte insbesondere das Erfolgsgeheimnis der Zeitung und betonte, dass es nicht nur einen speziellen Weg gibt, Nachrichten zu konsumieren, sondern dass jeder Nutzer andere Vorstellungen hat. Um diese abzudecken, nutzt die Washington Post sehr viele soziale Netzwerke.

Nach der Mittagspause fand dann die Abstimmung des scoopcamp-Hackathons statt, dieser wurde gemeinsam mit dem next media accelerator und der Hamburg Media School ausgeführt. Zuerst stellten die drei Hackathon-Teams unter der Leitung von Klaus Weinmaier und Meinolf Ellers ihre Projekte vor.
Ellers ist seit 30 Jahren bei der Deutschen Presse-Agentur tätig und engagiert sich bei der Initiative nextMedia.Hamburg. Außerdem ist er Mitglied im Beirat und Dozent des Studiengangs „Digital Journalism“ an der Hamburger Media School, Klaus Weinmaier arbeitete sehr lange bei Östereichs führender Medienplattform derStandard.at, die er 1995 mitgründete. Im Jahr 2013 machte er sich mit der Medien- und Innovationsberatung „The Engagement Lab“ selbständig. Seine Agentur unterstützt Medien und Brands bei der Entwicklung digitaler Strategien und innovativer Produkte. Außerdem ist er Dozent an der Hamburger Media School.

Im Anschluss stimmte dann das Publikum für das beste Konzept ab – zur Wahl standen der News Ninja, der KI Bot James und der Argubot. Gewonnen hat letztendlich Argubot, ein Bot der seinen Nutzern aussagekräftige Argumente zu aktuellen Themen liefert.

Die Gewinner des Hackathon (Image by Marina Blecher)
Die Gewinner des Hackathon (Image by Marina Blecher)

Am Nachmittag fanden dann noch vier Workshops zu den Themen Social Media, Immersive Storytelling, Investigativjournalismus, Datenjournalismus und Produktinnovationen statt.

Am besten gefiel uns der Social Media Workshop mit Niddal Salah-Eldin (Welt), Miriam Richter und Joachim Dreykluft (SHZ). Sie erklärten, wie ihre Redaktion mit Kommentaren umgehen und mit welchen Programmen sie diese verarbeiten.

In dem Workshop Immersive Storytelling ging es um 360°-Videojournalismus. Isabelle Sonnenfeld, Leiterin vom Google News Lab, und Max Boenke von der Berliner Morgenpost, haben einen Einblick in ihre Arbeit gegeben. Außerdem zeigte Max Boenke, was man alles mit 360°-Kameras machen kann und was es für Unterschiede zwischen den Kameras gibt. Beide haben ausführlich erklärt, wofür und wie sie 360°-Videos einsetzen. Zwischendurch haben sie spannende Beispiele gezeigt.

In dem Workshop Investigativjournalismus berichteten Vanessa Wormer und Jan Lukas Strozyk über das Projekt „Panama Papers“. Sie erklärten, was genau die Panama Papers sind und mit welchen Programmen sie an dem Projekt gearbeitet haben. Zum Abschluss fand dann noch ein Panel über die Bedingungen von Medien-Startups mit Richard Gutjahr, Dirk Zeiler, Janos Moldvay, Sigrun Albert und Isabelle Sonnenfeld statt.

Das Abschluss-Panel zu Startups (Image by Marina Blecher)
Das Abschluss-Panel über Medien-Startups (Image by Marina Blecher)

Insgesamt war das scoopcamp eine tolle Veranstaltung mit einem abwechslungsreichen Programm. Die Themen Startups und Innovationen in den Medien zogen sich als roter Faden durch den Tag. Die diesjährige Moderatorin Eva-Maria Lemke hat sehr gut durch das Programm geführt und hatte immer den passenden Spruch auf den Lippen. Das Theater Kehrwieder war eine schöne Location, die uns vor allem durch die Atmosphäre überzeugte und in der schönen Speicherstadt gelegen war. Die Netzpiloten freuen sich, beim nächsten Mal wieder dabeizusein!


Images by Marina Blecher


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„Wenn Journalisten etwas nicht zeigen dürfen, macht mich das wütend!“

Dominic Nahr (Image by Berti Kolbow-Lehradt)

Beim Lumix Festival für jungen Fotojournalismus in Hannover zeigt derzeit der preisgekrönte Fotoreporter Dominic Nahr (33) Südsudanesen auf der Flucht vor der Gewalt. Er dokumentiert die Ereignisse, weil es fast niemand sonst tut, und die Welt sehen soll, was auf ihr passiert. Geschönte Bilder lehnt er ab. Journalisten Aufnahmen vorzuenthalten – wie derzeit bei der EM – geht für ihn gar nicht. Im Interview sprachen wir mit ihm darüber, was Bildjournalisten zeigen müssen und was sie nicht dürfen.

Berti Kolbow-Lehradt (BK): Du kommst gerade aus dem vom Bürgerkrieg geschüttelten Südsudan zurück. Im Fernsehen wird gerade die Fußball-EM zelebriert. Ist dieser Kontrast für dich seltsam?

Dominic Nahr (DN): Ich schaue praktisch nie fern und lese auch kaum Zeitung oder Internet. Das mache ich ganz bewusst. Sonst wäre es wohl sehr frustrierend, wenn ich mitkriegte, wie wenig Interesse die Menschen am Not anderer haben. Dass die EM läuft, habe ich bislang nur am Rande wahrgenommen.

BK: Hast du auch von dem Streit um die TV-Bildauswahl bei der EM erfahren, die deutsche Journalisten kritisieren?

DN: Von den nicht gezeigten Hooligan-Ausschreitungen im Stadion? Ja. Das ist krass! Meinungsfreiheit ist mir heilig. Ob das Zeigen der Bilder zu Aggression bei Trittbrettfahrern beigetragen hätte, ist eine Frage für sich. Die Entscheidung sie zu veröffentlichen oder nicht, sollte Journalisten überlassen werden. Wenn Journalisten etwas nicht zeigen dürfen, macht mich das wütend!

BK: Laut einem Zeitungsinterview hast du selbst schon mindestens einmal entschieden, sehr brutale Bilder nicht der Redaktion zu übergeben. Was lässt du weg? Nach welchen Kriterien entscheidest du das?

DN: Wenn ich im Einsatz bin, fotografiere ich immer das komplette Ereignis in all seinen Facetten – ob grausam oder nicht. In dieser Hinsicht schon während des Fotografierens die Schere anzusetzen, ist in der Hektik der Situation kaum möglich. Das mache ich hinterher. Bei der Darstellung von Gewalt ist die Wahrung der Menschenwürde für mich das oberste Auswahlkriterium. Werden Opfer bloßgestellt, zeige ich die Bilder nicht.

BK: Du nimmst als Foto-Produzent also gewisserweise auch inhaltlichen Einfluss. Wie sehen deine Auftraggeber das?

DN: Die meisten sind damit einverstanden. So funktionieren Fotoreportagen. Ich achte darauf, dass meine Bilder im Rahmen einer Serie eine authentische, unverfälschte, aber geschlossene Geschichte erzählen. Dafür muss ich die aus meiner Sicht passendsten Bilder auswählen und andere weglassen. Es gibt nur wenige Redaktionen, die das komplette Rohmaterial sehen wollen. National Geographic zum Beispiel möchte immer alles von mir haben. Und das bereits seit dem Beginn unserer Zusammenarbeit im Jahr 2010. Nicht erst, seit der Debatte um Steve McCurrys Arbeit für die Zeitschrift.

BK: Fotojournalisten-Legende McCurry steht in der Kritik, weil er einige seiner Bilder stärker bearbeitet hat als angenommen. Inwiefern bearbeitest du deine Bilder?

DN: Es gibt zu Recht strenge ethische Regeln rund um den Wahrheitsgehalt von Pressefotos. Daher mache ich nur das Nötigste. Zum Beispiel die jeweiligen Unzulänglichkeiten eines Bildsensors bei Licht- und Farbwidergabe hinterher am Computer zu korrigieren, ist unverzichtbar. Einen eigenen Bildstil zu kreieren, finde ich ebenfalls legitim. Ich mag kontrastreiche Bilder mit tiefen Schwarzwerten.

BK: Veränderst du damit nicht schon die Bildaussage?

DN: Nein, ich lenke nur den Blick des Betrachters auf die zentralen Bildbestandteile. Die Dramatik der Situation durch die Bildästhetik zu betonen, ist wichtig. So kann ich Leser von Publikumsmedien für Teile des Weltgeschehens interessieren, zu denen sie sonst keinen Bezug haben. Schwierig wird es erst, wenn man das Bild am Rechner zu stark beschneidet. Manchmal muss Cropping sein, etwa wenn ich mit einer weitwinkligen Festbrennweite fotografiert habe. Dann schneide ich für die Bildaussage unnötige Bereiche rund um das Motiv weg. Hingegen bewaffnete Kämpfer wegzuschneiden, damit das Bild friedlicher wirkt, geht zu weit, um mal ein Negativbeispiel zu nennen. Man muss die ganze Geschichte zeigen.

BK: Vielen Dank für das Gespräch.

 

Der 33-jährige Dominic Nahr zeigt noch bis zum Sonntag, den 19. Juni, beim Lumix Festival für jungen Fotojournalismus in Hannover Fotos vom Leben während des Bürgerkriegs im jüngsten Land der Welt, dem ostafrikanischen Südsudan. Sein Beitrag ist einer von 60 Fotoreportagen und Multimedia-Essays talentierter Nachwuchsfotografen. Sie werden bei der fünften Festivalauflage voraussichtlich wieder rund 35.000 Menschen auf das ehemalige Expo-Gelände in Hannover locken.
Dominic Nahr hat rund 30 Länder in Afrika bereist und wurde für seine Dokumentationen unter anderem bei den World Press Photo Awards und als Schweizer Fotograf des Jahres ausgezeichnet. Er arbeitet für Time Magazine, National Geographic, Stern und andere.


Image by Berti Kolbow-Lehradt


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Die Washington Post erstellt „alternative Artikelformate“

Washington, DC, June 2011 The Washington Post (adapted) (Image by Daniel X. O'Neil [CC BY 2.0] via flickr)

Hat die Washington Post Ihr Alter und Einkommen richtig geraten, nur aufgrund der Apps auf Ihrem Handy? (Zur Info: Laut meiner Apps bin ich ein „alleinstehender Mann unter 32, der mehr als 52.000 US-Dollar pro Jahr verdient.“) Die Rätselei um das Alter begleitete einen Artikel von Washington Post-Reporterin Caitlin Dewey über eine recht unsichere Forschungsarbeit, wie die Nutzung bestimmter Apps gewisse demographische Merkmale vorhersagen kann.

Ein Team der Washington Post baute hier zudem ein Feature ein, mit dem man einen Persönlichkeitstest machen konnte. Es handelte sich bei dem Test um eine recht aussagekräftige Zusammenstellung, die traditionelle Quizfragen, ein Wissensspiel, ein Spiel, bei dem man möglichst rasch raten musste, ein Kartenspiel und sogar ein Zitate-Quiz enthielt. „Das Team hat dies für den Nutzer personalisiert, so dass man mehr über sich selbst lernen kann, wenn man sich auf die Geschichte einlässt. Es führt dazu, dass die Geschichte bei den Nutzern eher hängen bleibt, als wenn sie sie einfach nur lesen würden.“, berichtet Greg Barber, Leiter des Projekts Digitale Nachrichten bei der Washington Post, der auch an Strategien und Partnerschaften beim redaktionsübergreifenden The Coral Project arbeitet. Er meint:

Mehr Farben auf unserer Palette zu haben als nur Texte, Fotos und Videos, kann wirklich hilfreich sein, um eine bestimmte Geschichte zu erzählen.

Das Redaktionsteam der Washington Post erstellte die Infrastruktur hinter den Fragespielen, ebenso eine Reihe anderer Werkzeuge, die darauf abzielen, den Leser dazu zu bringen, mehr zu tun als nur zu lesen: Sie sind verantwortlich für spielähnliche Funktionen wie Diskutier-Bingo, Fantasie-Spiele und Oscar-Tipprunden, aber auch für Funktionen wie Notizen (früher bekannt als Wissenskarte).

Bis vor Kurzem wurde das Redaktionsteam für diese Art von Artikeln als „Spiele-Team“ tituliert, weil es eine Reihe von Quizfragen und ähnlichen interaktiven Funktionen entwickelt hatte, die als Teil der verlagseigenen Veröffentlichungsplattform Arc mit ihrer Lizensierung anderen Herausgebern angeboten wurden. Die Werkzeuge, die seitdem entwickelt wurden, sind auch als Teil des Arc-Pakets gedacht.

„Wir haben ‚Spiele‘ gemacht, aber es wurde klar, dass diese Bezeichnung nicht ganz das ausdrückt, was wir tun, und das war der Moment, an dem wir anfingen, nach anderen Namen zu suchen.“, sagt Alex Remington, der Produkt Manager, der dabei half, das Projekt ins Leben zu rufen. „Schon früh entwickelten wir eine Kreuzworträtsel-App und tauchten ein in diese besondere Welt.“, meint Jen Kastning, Leiterin des Softwareentwicklungsteams. „Dann erkannten wir, dass es in den Nachrichtenredaktionen einen großen Bedarf dafür gibt, neue Werkzeuge zu entwickeln, um Reportern zu helfen, ihre Geschichten zu erzählen. Und wir wollten unseren Endnutzern helfen, mehr zu interagieren, so dass sie einen Artikel nicht nur lesen, sondern ein Quiz machen, an einer Umfrage teilnehmen oder einen Lückentext ausfüllen konnten.“ Kastning führt eine Hand voll Entwickler in die neuen Büros der Washington Post.

Der Vorteil von interaktiven Features wie den Kreativspielen ist, dass Besucher dazu ermutigt werden, zur Webseite der Post zurückzukehren und über mehrere Runden zu wählen, um dann zu erfahren, wer zum Gewinner gekürt wurde. Wie das Team ermittelt, ob ein Tool sinnvoll war (und ob es entsprechend genutzt wurde), kann verschieden sein, aber es gibt einige simple Hinweise. Barber wies auf die diesjährigen „Beer Madness Bracket“-Spiele hin, die in der Endwahlrunde um die 16.000 Stimmen erreicht hatten (und mehr Stimmen als im Vorjahr). Dies gilt als Beispiel für eine erfolgreiche Eingliederung eines nicht traditionellem Erzählerwerkzeugs. Genauso überwacht das Team die Stimmen in einmaligen Umfragen – wie beispielsweise, als die Leser gefragt wurden, welches Rezept Dana Milbank nutzen soll, wenn er kocht und buchstäblich seine Kolumne über Trump verschlingt – und immer wieder den Traffic, den der Artikel generiert.

Deweys Handyapp-Persönlichkeitstest schloss damit, dass er Millionen von Besuchern anlockte, was das Team dazu zwang, zurückzukehren und Verbesserungen an der Architektur vorzunehmen („Eine große Reichweite zu haben war ein ziemliches Problem, aber es wurde klar, dass wir immer noch ziemlich ineffizient waren, als wir diese ausweiten wollten.“, sagte Remington). Das Team überprüfte diese Kombinationen auch, um Einblicke über Erfolge mit Reportern und Herausgebern zu teilen.

Wann ist der Bedarf der Nachrichtenredaktionen so groß, dass das Team ein wiederverwendbares Werkzeug entwickelt? Wann arbeitet das Team nur mit Graphikeditoren, um eine einmalige App zu errichten, die im Verlauf nicht aufrechterhalten werden muss? Ein interaktives Bingo-Spiel wirkt sich zum Beispiel erst einmal so, als könne man es eher selten einsetzen. Als Philip Bump ein Donald Trump-Grimassen-Bingo für The Fix zusammenstellte, frotzelte er: „Ein großes Lob an das Technikteam der Washington Post, die dieses Tool zusammengebaut haben, nur damit ich das Dümmstmögliche damit anstellen kann. Anfang letzten Herbstes wussten wir, dass uns eine unglaublich stressige Zeit der Diskussionen bevorstand. Es gab die Idee des Politik-Teams, dass es cool wäre, ein interaktives Bingo-Spiel zu haben. Alle paar Wochen, oder sogar noch öfter, würde es entweder eine Demokraten- oder Republikaner-Debatte geben, ganz zu schweigen von den Stadtversammlungen im Rathaus und ähnlichen Veranstaltungen. Also entschlossen wir uns dazu, das herauszubringen.

Das Team hatte ungefähr fünf Wochen vor der ersten Debatte im letzten Spätsommer, um das Tool betriebsfähig zu machen und um sicherzustellen, dass es auf dem Telefon funktionierte (man musste das Backend einrichten, das Frontend schreiben und designen, Links in die veröffentlichen Inhalte der Post errichten, sodass das eingebettete Werkzeug ordentlich angezeigt wurde). „Nachdem der Höhepunkt der Debatten erreicht war, ging die Nutzung des Tools stark zurück, aber wir hatten das schon erwartet und es ist okay. Das Bingo-Tool war eine interessante Schwelle. Wenn ein Tool überhaupt nur zwei Mal genutzt wird, haben wir unsere Zeit verschwendet. Wenn es aber zehn, zwölf Mal genutzt wird, vielleicht nicht“, so Barber.

Einen Nachrichtenredaktionspartner mit einem redaktionellen „Einführungsfall“ zu haben, ist problematisch. Barber führt aus:

Wir vermitteln Leute in der Nachrichtenredaktion, die uns beim Herausgeben helfen werden. Wir unterhalten uns in der Redaktion. Wir arbeiten möglicherweise mit mehreren Abteilungen zusammen, um sicherzugehen, dass wir kein Tool erstellen, das nur die Anforderungen einer Abteilung erfüllt, sondern etwas, das in der Nachrichtenredaktion auch weiterhin benutzt wird.

Und er geht auf die Nutzungsmöglichkeiten detaillierter ein: „Wir wollen etwas haben, wo unsere Journalisten einfach hineingehen und in ihre Geschichte integrieren können. Wir wollen, dass die ganze Organisation darüber nachdenkt, wie man einen Nutzer am besten dazu zu bringen kann, eine Geschichte zu verstehen und sich darauf einzulassen.“ Es gibt über Slack einen Kanal, in dem jeder um Hilfe bitten, Wünsche äußern und Anmerkungen einbringen darf. Das Team führt eine Programmerweiterung ein, um es für Reporter, die mit WordPress arbeiten, einfacher zu machen, das Werkzeug, das sie in ihrer Geschichte wollen, auszuwählen und zu integrieren.

Warum nicht vorgefertigte Werkzeuge von Dritten benutzen oder eine der vielen Angebote aus offenen Quellen da draußen optimieren? Während das Team seine „Augen danach offen hält, was woanders entwickelt wird, sodass wir einen breiten Überblick über das haben, was die Industrie tut und welche Technik bereits erhältlich ist,“ geht es oft schneller, seinen eigenen Code zu entwickeln und diesen zu individuell anzupassen. Das Überprüfungsteam, das politischen Forderungen eine gewisse Anzahl von „Pinocchios“ zuweist, basierend auf deren relative Wahrheit, wollte ein Werkzeug, dass es auch Lesern erlauben sollte, ihre eigenen Pinocchios zu verteilen. Das Artikelteam entwickelte ein Bewertungsfeature, der von dem selben Code wie das Umfragefeature angetrieben wurde, und probierte mit der Feature-Abteilung an anderen Anwendungen, wie Restaurant- und Showbewertung.

Das Artikelteam arbeitet außerdem eng mit der Grafik zusammen, welche sich einschaltet, um zu klären, ob sie das geforderte Feature allein entwickeln können, oder ob das Feature etwas ist, in das das Artikelteam involviert werden möchte (dieses Team hat ein Lesezeichen-Tool entwickelt, das Leser zurück zu längeren Geschichten geleitet hat). Die Ideen können auch vom Entwicklerbüro in New York City kommen. Die Wissenskarte hatte ihren Ursprung bei der Idee, wiederverwendbare Erklärungsschnipsel an bestimmten Worten und Phrasen in komplizierten Geschichten zu kreieren. Sie erschien erstmal im vergangenen Sommer und beinhaltete Artikel über Technikfirmen und die Herausforderung, mit ISIS umzugehen. Der New York Design Shop begann, mit Artikel-Tools zusammenzuarbeiten, um daran zu arbeiten, das Feature zu automatisieren (das Tool kehrte im Februar bei Berichterstattungen über Zika in der Washington Post zurück).

Andere Features befinden sich in Vorbereitung, einschließlich eines Flussdiagramm-Tools. „Wir versuchen herauszufinden, wie man das die Administratorenseite strukturieren kann,“, sagt Kastning. „Wenn Leute ein Flussdiagramm erstellen wollen, müssen sie mit einer vorgefertigten Idee in das Tool gehen, wie sie die Geschichte illustrieren wollen: Ist es besser, dies über anklickbare Schritte laufen zu lassen oder sollte es spielerischer sein?“ Kastning fasst zusammen: „Wir hatten unterschiedliche Herangehensweisen, was es hieß, ‘Spiele zu entwickeln’. Aber das sind immer noch Werkzeuge für Geschichten! Alles, was wir entwickeln, ist nur eine neue Möglichkeit für Journalisten, Geschichten zu erzählen.“

Dieser Artikel erschien zuerst auf “Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Washington, DC, June 2011: The Washington Post“ by Daniel X. O’Neil (CC BY 2.0)


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Trends des Monats Januar

Grönlands-Eisdecke-Screenshot-by-NYT

Gemeinsam mit der Standortinitiative der Hamburger Medien- und Digitalwirtschaft, nextMedia.Hamburg, stellen wir euch ausgewählte Trends des Monats vor. Die Medien- und Digitalbranche ist ständig in Bewegung. Fast im Tagesrhythmus gibt es neue, innovative Medienprojekte, praktische Gadgets oder neue digitale Geschäftsmodelle. Wir stellen euch dieses Mal Twenty20, Visual Perceptive Media – die Plattform für individuelle Filme, die schmelzende Eisdecke Grönlands, Piqd und First Draft News vor.

Twenty20 – Für die Fotografen unter uns

Mit Twenty20 kann jeder ein Fotograf sein, denn das US-amerikanische Unternehmen bietet eine Plattform, bei der jeder seine eigenen fotografierten Werke hochladen kann. Egal ob Profi oder Laie. Diese Bilder können dann von Firmen gekauft und verwendet werden. Einzelbilder bekommt man hier für 20 und 80 Cent. Und dabei gehen die Fotografen nicht leer aus: 80 Prozent bekommen sie für Einzelfotos. Bei dem von der Plattform angebotenem Abo-Modell für monatlich 225 US-Dollar bekommt der Urheber immerhin 20 Prozent. Selbst große Unternehmen wie Google oder Viacom sind Kunden des online betriebenen Foto-Portals.

Visual Perceptive Media – Kaum ein Film ist individueller

Wie es denn, wenn sich Filme an ihre Zuschauer anpassen könnten? Mit Visual Perceptive Media ist das möglich. Und dabei ist das Prinzip ganz einfach: Durch die Analysieren der Nutzerprofile, wird genau herausgefiltert, welche Musik der Nutzer zum Beispiel mag und welche Farbe ihm ganz besonders gefällt. Die Filme werden dann so zusammengesetzt, dass er sich ganz nach dem Nutzergeschmack zusammenfügt. Beispielsweise wird die Hintergrundmusik geändert oder bestimmte unerwünschte Szenen werden einfach weggelassen.

Grönland schmilzt und bietet eindrucksvolle Bilder

Die schmelzende Eisdecke Grönlands und der Klimawandel haben zwar viele Nachteile, dennoch bringen sie beeindruckende Bilder mit sich. Die New York Times hat wieder anhand von Drohnen einige tolle Luftaufnahmen geliefert und einen spektakulären Einblick in die Landschaft Grönlands gewährt. Verknüpft mit einer spannenden Geschichte, wirkt die Reportage doppelt so fesselnd. Untermalt mit interaktiven Elementen, wurden auch die sozialen Medien auf die Bilder aufmerksam und so wurde schon auf Twitter die fesselnde Geschichte über den Klimawandel in Grönland bereits über 800 Mal geretweetet.

Piqd – Leseempfehlungen von Experten

Um die Frage zu klären, was man heute so im Internet lesen sollte, gibt es jetzt Piqd. Hierbei handelt es sich um einen News-Aggregator, der sich auch Fachjournalisten, Wissenschaftlern und Politikern zusammensetzt. Ein Mal am Tag empfehlen sie einen Link aus ihrem Fachgebiet. Dazu schreiben sie dann ihre Zusammenfassung oder eine kleine Rezension. Die Themen sind dabei ganz unterschiedlich. Der Nutzer findet hier alles: Von Games bis hin zu gesellschaftlichen Themen oder Politik. Die Registrierung ist hierbei kostenfrei, allerdings kostet die Kommentarfunktion 3 Euro im Monat.

First Draft News – Journalisten und Social Media

Auch für Journalisten bieten die sozialen Medien inzwischen brauchbare Informationen. Doch leider sind diese in der heutigen Zeit kaum noch von Fake-Nachrichten zu unterscheiden. Das Risiko auf eine Falschmeldung hineinzufallen ist ziemlich groß, sodass First Draft News diese entlarvt. Die Plattform bietet Hilfe im Umgang mit der Informationssuche und bei der Verarbeitung der gefundenen News.


Teaser & Image “Grönlands Eisdecke Screenshot” by NYT


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Journalisten: Selbstdarsteller, die

Warum Journalisten sich oftmals mit dem Vorwurf der „Selbstdarstellerei“ im Social Web auseinander setzen müssen. Und warum das nur die halbe Wahrheit ist.

Immer wieder werde ich gefragt, wie ich mir denn anmaßen könne, als Journalist eine Fanpage zu betreiben. Und auch vielen Kollegen – das weiß ich aus vielen langen Gesprächen – ergeht es meist nicht anders. In Zeiten des Internets, wo Blogs, Twitter, Tumblr und Facebook zum obligatorischen Handwerkszeug eines jeden Journalisten gehören sollten, wird die berichtende Zunft gerne als Ansammlung eingebildeter Selbstdarsteller betitelt. Warum das nicht stimmt und warum wir uns dennoch auf einem schmalen Grat bewegen.

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YouTube: Von Catcontent zum ernstzunehmenden Broadcaster

YouTube wird zur Broadcasting-Plattform und knackt mit dem Stratos-Jump Rekorde. Was bedeutet das für Medienhäuser und Journalisten?

YouTube Felix Baumgartner

Schon seit einiger Zeit entwickelt sich die Videoplattform YouTube ein Stück weit weg vom Motto „Broadcast Yourself“, auf der sich „ganz normale Leute“, also etwa Amateurfilmer, selbst darstellen konnten, lustige Katzenvideos hundertfach geteilt wurden oder die besten Fußballtricks von Cristiano Ronaldo und Lionel Messi um die Welt gingen. Natürlich ist dies auch jetzt noch möglich, doch ist ein ganz klarer Trend zur Professionalisierung zu erkennen. Weiterlesen »

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Brüder Grimm oder Blogger vs. Journalisten?

Die Journalisten der sogenannten klassischen Medien scheinen der Grabenkämpfe mit den Bloggern müde geworden. Lange Zeit stritten die zwei Lager hartnäckig gegeneinander, jedes überzeugt von der Dominanz seiner Sicht. Die klassischen Medien fühlten sich bedroht und irritiert durch die wachsende Zahl der Konkurrenten im Internet und ihrer Art, Informationen zu sammeln, zu verbreiten und vor allem meinungsstark und persönlich zu kommentieren. Blogger waren für sie eitle Möchtegerns ohne Reichweite und Geschäftsmodell, krankhafte Egos auf der Suche nach Anerkennung oder einfach nur irrelevant. Auf der anderen Seite standen die digitalen Publizisten, die den Kollegen aus dem althergebrachten Journalismus vorwarfen, sie würden das Netz in keinster Weise begreifen, der neuen Form der Kommunikation nicht annähernd gerecht werden und deshalb in nicht allzuferner Zeit arbeitslos sein. Der Witz am Rande: Gerade die kritischsten Blogger und Netzpublizisten sind oder waren selbst Journalisten oder professionelle Kommunikatoren… Weiterlesen »

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Eine Religion der Ungläubigen

In einem lesenswerten Beitrag zur Reihe der Süddeutschen Zeitung Wozu noch Journalismus hat Jakob Augstein von der freitag Stellung genommen. Er hat eine Abhandlung über Gay Talese geschrieben, den amerikanischen Journalisten, der durch solche Sätze polarisiert:

„Wir Journalisten sollten eine Religion der Ungläubigkeit predigen! Ein Heiliger Orden der Ungläubigen, das sollten wir sein. Wir sollten unseren Dienst in Klöstern der Wahrheit tun, über die Schriften gebeugt. Und diese Klöster sollten weit, weit weg sein von den Palästen.“

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Bloxpert.de: Journalisten finden Blogger

Bloxpert LogoJournalisten brauchen permanent vertrauenswürdige Quellen und Interviewpartner. Nach Möglichkeit sollten es nicht immer die gleichen sein. Trotzdem kommt es häufig vor, dass zu einem bestimmten Thema immer wieder die gleiche Person befragt wird – schlichtweg, weil es zu lange dauert, für ein kurzes Statement einen neuen Experten zu suchen. Dieses Problem soll Bloxpert für die Journalisten lösen.

Bloxpert ist ein Projekt von Nicole Simon (Twitter), Autorin des Twitterbuchs Mit 140 Zeichen, die mit dem Dienst aber auch noch ein zweites Problem angeht: Journalisten fragen sie häufig an, als Ansprechpartner oder eben mit der Bitte, Kontakt zu anderen Experten herzustellen. Bloxpert soll diesen Prozess abkürzen. Der Dienst ist für beide Seiten kostenlos.

Der gerade offiziell gestartete Dienst ist denkbar simpel: Blogger registrieren sich mit ihrer Emailadresse, Jouranlisten können in diesen Pool von Bloggern posten und nach Ansprechpartnern zu bestimmten Themen fragen. Die Experten zum jeweiligen Themengebiet melden sich beim Journalisten zurück. (Nur die Anfragen gehen derzeit noch über Nicoles virtuellen Schreibtisch.) Mehr geschieht nicht. Mehr muss aber auch nicht geschehen.

Dass das durchaus funktionieren kann, ist schon bewiesen. Das amerikanische Vorbild HARO (kurz für Help A Reporter Out), wo rund 50.000 Blogger registriert sind und mehrmals täglich mit den Fragen recherchierender Journalisten konfrontiert werden.

Weitere Infos zu Bloxpert, sowie vergleichbare Kontaktbörsen für Journalisten in anderen Bereichen gibt’s bei Kooptech, oder direkt auf dem Bloxpert Blog.

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Journalisten stehen Web 2.0 abwartend gegenüber

Deutsche Journalisten und Blogger, das scheint eine Mischung, die sich für den Augenblick zumindest noch nicht wirklich verträgt.
Doch nicht nur Bloggern stehen die Schreiber in den Redaktionen des Landes kritisch gegenüber. Zu diesem Ergebnis zumindest kommt eine aktuelle Umfrage der dpa-Tocher ’news aktuell‘ unter 1.195 Journalisten in Deutschland.

Die genauen Ergebnisse gibt es bei news aktuell ebenso wie eine Zusammenfassung.

Dazu passen die Reaktionen einer Podiumsdiskussion anlässlich der „Rolandsecker Gartengespräche“, zu denen der Verlag Rommerskirchen eingeladen hatte.
Thomas Knüwer und Daniel Fiene waren ebenso dort wie Jens Matheuszik.
[tags]journalisten,web 2.0,blogger[/tags]

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