(Fotos via Instagram.com, Profile: nashgrier, shonduras, tatjanamariposa, evantubehd, jeromejarre)

Immer schön grinsen: Wie sich junge Social-Media-Stars verkaufen

Populäre Social-Media-Apps wie Vine, Snapchat und Instagram haben eine ganze Reihe an bekannten Nutzern hervorgebracht, die ihre Reichweite teuer an Firmen und Marken vermarkten können. // von Jakob Steinschaden

(Fotos via Instagram.com, Profile: nashgrier, shonduras, tatjanamariposa, evantubehd, jeromejarre)

Wo Aufmerksamkeit ist, da sind auch die Werbe-Dollar nicht weit: In den relativ jungen Bilder- und Video-Welten von Vine, Snapchat und Instagram haben es sich nicht nur Normalnutzer, sondern auch deren Jungstars bequem gemacht. Sie erreichen über die Smartphone-Apps ein Millionenpublikum, das für die Werbeindustrie sehr interessant ist. Und schon beginnen Millionen Dollar zu fließen.


Warum ist das wichtig? In den sozialen Netzwerken haben sich Socia-Media-Stars entwickelt, die mit ihrer Reichweite Geld verdienen und modernes Marketing neu definieren.

  • Seit Snapchat seine “Stories”-Funktion gelauncht hat, können User anderen und deren Videogeschichten folgen, was bereits einige Stars produziert hat.

  • Vine, die Video-App von Twitter, hat ähnlich wie YouTube einige Jungstars produziert, die bereits gut von ihrer Popularität leben.

  • Auch bei Instagram gibt es Stars und Sternchen, die unter ihre Selfies auch gerne mal Fotos von Produkten mischen.


In den 1990ern hätten Fans von Bands und Musikern wohl noch “Sellout!” geschrien, wenn ihre Idole ihnen auf der Bühne zwischen den Songs ein paar Produkte nahegelegt hätten. Im Social-Media-Zeitalter gehört so genanntes Product Placement aber mittlerweile dazu wie die obligatorischen Selfies. Nicht nur in den USA, auch in Europa gibt es immer mehr Jungstars, die ihre Reichweiten auf Snapchat, Vine oder Instagram an Marken verkaufen, damit diese eine junge, mobile Zielgruppe mit ihrer Werbung erreichen können. Die Summen, die dabei mittlerweile fließen, sind beträchtlich, und eigene Agenturen kümmern sich um die Vermarktung.

Jerome Jarre, Frankreich (Vine, Snapchat)

Den Grinser des 24-jährigen gebürtigen Franzosen, der mittlerweile von New York aus werkt, haben schon viele Menschen auf dem Smartphone-Display gehabt. Er hat sich in nur zwei Jahren mit meistens lustigen Kurzvideos, in denen er unbedarfte Personen veräppelt, auf Twitters Video-Plattform Vine eine Gefolgschaft von mehr als acht Millionen Followern aufgebaut, bei Snapchat haben seine kurzen Video-Storys ein potenzielles Publikum von etwa eineinhalb Millionen Nutzern. Diese Reichweite verkauft Jarre, der sich in einem YouTube-Video eigentlich Unabhängigkeit von Werbeagenturen auf die Fahne schrieb, mittlerweile ab Marken und ihre Werbebotschaften. Laut AdWeek kostet es 25.000 US-Dollar, wenn man in einem Vine-Video vorkommen will, 35.000 US-Dollar verlangt er für Snapchat-Marketing. Außerdem hat Jarre nur wenige Monate, nachdem er auf Vine so populär wurde, eine Talent-Agentur namens GrapeStory gegründet, die junge Social-Media-Stars vermarktet. Die Agentur hat für Kunden wie General Electric, Virgin Mobile oder Aquafina Kampagnen auf Vine umgesetzt, die den Unternehmen tausende neue Follower und Interaktionen mit Nutzern brachte.

Tatjana Catic, Österreich (Instagram)

Die schöne Oberösterreicherin, die bei diversen Miss-Wahlen sowie der Model-TV-Show “Austria´s Next Top Model” mitgemacht hat, ist wohl Österreichs größter Instagram-Star. Ihrem Account, den sie vor etwa zwei Jahren gestartet hat, folgen mittlerweile mehr als 430.000 Instagram-Nutzer, von Catic gepostete Fotos bekommen hohe Interaktionsraten. Die Grundregel dabei: Je mehr Bikini, desto mehr Likes. Catic, die von einer australischen Agentur unter Vertrag genommen wurde, verkauft ihre Reichweite mittlerweile an Marken. Wie zufällig mischen sich unter ihre Selfies schön in Szene gesetzte Produkte wie Make-up von MAC, Schuhe von Nike oder Sportler-Tabletten von Shredz. Ob das der Instagram-Mutter Facebook auf Dauer gefällt, ist fraglich – denn die wollen selber Werbung an die Fans verkaufen und sehen sicher nicht lange dabei zu, wie bezahlte Social-Media-Stars Produkte in die Kamera halten.

Nash Grier, USA (Vine)

Der 17-Jährige aus North Carolina, USA, hat es mit sechs Sekunden langen Slapstick-Clips auf Twitters Video-Plattform Vine zum meist gefolgten Nutzer geschafft und erreicht dort bis zu elf Millionen User. Diese Reichweite machen sich mittlerweile auch Marken wie Virgin Mobile oder Sonic zunutze gemacht, für die Grier eigene Vines gestaltet hat. Einem Artikel der Huffington Post zufolge nimmt Grier bzw. sein Management 25.000 bis 100.000 US-Dollar, wenn für Marken eigene Vines produziert werden sollen. Der Vine-Star wird von der Agentur 26mgmt, die noch eine ganze Reihe an anderen Social-Media-Sternchen unter Vertrag hat, darunter etwa Bart Baker (5 Mio. YouTube-Abonnenten) oder Griers jüngerer Bruder Hayes (3,5 Mio. Vine-Follower).

Shaun McBride, USA (Snapchat)

Der 27-jährige Vertreter einer Snowboard-Firma aus Utah hält bei etwa 150.000 Followern auf Snapchat, wo er besser als “shonduras” bekannt ist. Berühmt ist er vor allem deswegen geworden, weil er Snapchat-Fotos mit der App-eigenen Funktion übermalt (man kann mit dem Finger am Display zeichnen) und so witzige Mini-Kunstwerke geschaffen hat. Seine Popularität hat etwa Disney dazu gebracht, ihn nach DisneyLand einzufliegen, um ihn von dort Bilder posten zu lassen. Auch Taco Bell und die Major League Soccer sollen bis zu 30.000 US-Dollar abdrücken, damit McBride für sie an digitalen Kampagnen arbeitet.

Evan, USA (YouTube)

Der Kinderstar aus den USA zählt auf seinem YouTube-Kanal EvanTubeHD fast 1,2 Millionen Abonnenten, die Clips werden im Laufe des Jahres eine Milliarde Views erreichen. Dem Neunjährigen kann man in den Videos dabei zusehen, wie er Spielzeug ausprobiert und Kommentare abgibt. Alleine hätte er es so weit natürlich nicht gebracht. Sein Vater Jared schneidet und produziert die unterhaltsamen Clips und hat die Vermarktung übernommen. Laut Newsweek verdient er damit mittlerweile Millionen US-Dollar, und das nicht nur weil man an den Werbeeinnahmen, die YouTube mit den Spots macht, mitschneidet. Denn wenn ein Spielzeughersteller will, dass Evan ein Produkt bespricht, dann müssen sie Geld dafür bezahlen. Denn die Reviews gelten mittlerweile als kaufentscheidend, weil so viele Kinder und ihre Eltern die Videos ansehen.


Teaser & Image by  Instagram.com (Profile: nashgrier, shonduras, tatjanamariposa, evantubehd, jeromejarre)


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Jakob Steinschaden

Jakob Steinschaden

ist seit 2006 publizistisch auf Papier und Pixel tätig. Er arbeitet in Österreich als Journalist und hat die beiden Sachbücher "Phänomen Facebook - Wie eine Webseite unser Leben auf den Kopf stellt" (2010) und "Digitaler Frühling - Wer das Netz hat, hat die Macht?" (2012) veröffentlicht. In seinem Blog “Jakkse.com” und in Vorträgen schreibt und spricht er gerne über die Menschen und ihr Internet – von Social Media über Mobile Business und Netzpolitik bis zu Start-ups.

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