Flipboard (adapted) (Image by Johan Larsson [CC BY 2.0] via Flickr)Flipboard (adapted) (Image by Johan Larsson [CC BY 2.0] via Flickr)

Flipboard 3.0 bringt neues Design und mehr Themenauswahl

In der neuesten Version 3.0 orientiert sich Flipboard deutlich an Foursquare, doch kann das reichen um sich gegenüber Facebook als Newsquelle durchzusetzen? Es gibt unzählige Apps, die versuchen, News-Artikel für den Nutzer interessant aufzubereiten. Alle haben jedoch ein gemeinsames Problem: Immer mehr Nutzer bedienen sich bei Facebook und Co als Newsquelle. Flipboard, eine der erfolgreichsten News-Apps, versucht nun mit dem Update auf Version 3.0 diesem Trend etwas entgegenzusetzen. Ähnlich wie beim neuen Foursquare kann der Nutzer aus einer riesen Auswahl an Themen auswählen, die ihn interessieren, um die Artikelauswahl noch persönlicher zu gestalten. Doch reicht das, um sich gegen die Social Networks durchzusetzen?

With a little help from Foursquare?

Ich mochte Flipboard eigentlich immer sehr gerne. Die Benutzeroberfläche ist ansprechend und der Ansatz, die Inhalte wie ein Magazin aufzubereiten, weiß zu gefallen. Doch so oft ich es auch mit Flipboard versucht habe, ich bin doch immer wieder bei Feedly und Social Networks gelandet, wenn ich wissen wollte, was in der Welt passiert. Und ich bin sicher kein Einzelfall. Zwar wurde Flipboard über 100 Millionen Mal heruntergeladen und es kommen täglich 250.000 neue Nutzer hinzu, doch immer mehr Menschen wenden sich an Facebook, Twitter oder Google+, um sich über das Weltgeschehen zu informieren. Mit Version 3.0 will Flipboard seine Nutzer nun mit maßgeschneiderten Meldungen bei Laune halten.

Eine der größten Änderungen hat Flipboard sich dafür bei Foursquare abgeguckt. Der Location-basierte Check-In-Empfehlungsdienst hat mit dem letzten Update die Möglichkeit eingeführt, dass der Nutzer seine Vorlieben für Geschmäcker und bestimmte Speisen und Getränke angibt, was die App dann wiederum nutzt, um persönliche Empfehlungen zu geben. Ganz ähnlich funktioniert nun auch das neue Flipboard. Startet man die neue App, kann man sich aus über 34.000 Themen die aussuchen, die einen interessieren – Flipboard sortiert dann die Artikel aus den entsprechenden Bereichen in Kategorien für den Nutzer und befüllt diese immer mit den neuesten Meldungen. Mit der Auswahl der interessantesten kann der Nutzer somit sein virtuelles Magazin also noch viel stärker als zuvor personalisieren.


Flipboard-CEO Mike McCue stellt die Neuerungen in einem Video vor:


Mensch gegen Algorithmus

Mit der individuellen Themenzusammenstellung und der anschließenden automatischen Versorgung mit neuen Artikeln hat Foursquare nun also einen Algorithmus ins Rennen um die Leserschaft geschickt. Bisher lag der Fokus bei Flipboard eher auf den mit Version 2.0 eingeführten Magazinen. Diese gibt es immer noch, werden aber durch die Automatisierung von dem Problem befreit, dass sie immer davon abhängig waren, dass ein Nutzer sie regelmäßig mit neuen Inhalten befüllt. Ein weiteres Problem mit den Magazinen ist, dass sie nur die Interessen des Erstellers wiederspiegeln, nicht aber unbedingt auch immer genau die des Lesers. Die App wird also quasi zu einem Cyborg.

Um die News allerdings nicht völlig in maschinelle Hände zu geben, wurde ebenfalls die Sektion ‚The Daily Edition‘ ins Leben gerufen. Mehrere Redakteure stellen die Daily Edition zusammen, in der jeden Morgen um 7 Uhr das Tagesgeschehen des Vortages in Bereichen wie Sport oder Wirtschaft aufbereitet wird. Der Mensch ist also immer noch ein Kurator, allerdings wurde der Schwerpunkt deutlich weg von den bisherigen Nutzer-kuratierten Inhalten gelegt. Damit versucht sich Flipboard stärker von Social Networks abzugrenzen. Dort sind auch die User diejenigen, die spannende Artikel in ihren Freundes- und Bekanntenkreis teilen, doch wer am Ende welchen Beitrag überhaupt zu sehen bekommt, liegt wiederum im Ermessen des Facebook-Algorithmus, der eher zur Willkür neigt. Außerdem werden diese Beiträge thematisch nicht vorsortiert, so dass man sich täglich mit einem gewaltigen Grundrauschen herumschlagen muss. Dies könnte nun also der große Vorteil gegenüber den verrauschten Netzwerken sein, dass die Themen einerseits zwar eingegrenzt und das Grundrauschen reduziert werden, gleichzeitig aber die Entdeckung neuer Themen und Inhalte durch die menschlich kurierten Bereiche erleichtert. Kann dies reichen, um Nutzer von Facebook als Haupt-Newsquelle wegzulocken? Möglich. Ich werde der App jedenfalls noch mal eine Chance geben.


Image (adapted) „Flipboard“ by Johan Larsson (CC BY 2.0)


Schlagwörter: , , , , , ,
Daniel Kuhn

Daniel Kuhn

ist Wahl-Berliner mit Leib und Seele und arbeitet von dort aus seit 2010 als Tech-Redakteur. Anfangs noch vollkommen Googles Android OS verfallen, geht der Quereinsteiger und notorische Autodidakt immer stärker den Fragen nach, was wir mit den schicken Mobile-Geräten warum anstellen und wie sicher unsere Daten eigentlich sind. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

More Posts - Website - Twitter - Facebook - Google Plus