CityBeat: Daten sollen helfen, News zu finden

CityBeat versucht, durch Instagram-Daten, die mit Geomarkierungen versehen sind, die neuesten Nachrichten zu entdecken. Oft jedoch erfolglos oder zu spät. Am 12. März 2014, kurz nach 9:30 Uhr, explodierten zwei Wohnungen in East Harlem, als eine Wasserleitung in eine Gasleitung stürzte. Acht Menschen wurden getötet und es gab Dutzende Verletzte. Reporter rasten zum Ort des Geschehens, aber vier Redaktionen – The New York Times, BuzzFeed, Gothamist und The New York World – nutzten einen anderen Dienst, um über die Geschehnisse zu berichten: CityBeat, ein Programm, das auf algorithmischer Basis geomarkierte Postings aus den sozialen Medien heraussucht, um in New York neue Stories zu finden. CityBeat wurde von den Forscher der Cornell Tech, genau genommen Cornell’s Außenstelle für angewandte Wissenschaften in New York, und Rutgers entwickelt und wurde zu dem Zeitpunkt gerade von den vier Redaktionen getestet.

Bei CityBeat erschienen Berichte über die eingestürzten Gebäude in den sozialen Medien, aber als man endlich genug Posts zusammenhatte, um einen Algorithmus zu registrieren, wussten die Nachrichtenorganisationen bereits von der Explosion und die Reporter und Fotografen waren auch schon vor Ort. „[Das Feuer von Harlem] war zwar in den Schlagzeilen, aber erst eine halbe Stunde später… in so einem Moment nutzen wir Instagram nicht“, sagte einer der Journalisten, der von den Forschern für ihren Bericht interviewt wurde.

Die Teilnehmer sind überzeugt, dass CityBeat am nützlichsten sei, wenn man Events planen wolle: Konferenzen, Konzerte, Events oder PR-Aktionen, wie das eine Mal, als ein Mann in einem Bärenkostüm durch Manhattan spazierte. Das Programm war weniger effektiv, wenn es darum ging, Nachrichten in Echtzeit zu bespielen. „Wir haben darüber gesprochen, dass das eine Einschränkung ist. Wir verstehen die Basis der Information“, so Raz Schwartz, einer der Mitverfasser der Studie. „Die sozialen Medien sind wahrscheinlich nicht die beste Art, um die neuesten Geschehnisse herauszufinden.“

Schwartz arbeitet jetzt im User Experience Team bei Facebook mit, führte die Studie aber als Teil seiner Forschung im Anschluss an seine Doktorarbeit bei Cornall, zusammen mit Mor Naaman, Professor bei Cornall, und Rannie Teodoro von Rutgers, durch. Die Studie wurde vom Brown Institute For Media Innovation der Columbia-Universität gefördert. Kürzlich präsentierte Schwartz die Ergebnisse auf einer Konferenz im englischen Oxford.

Obwohl die Forscher auf andere Themengebiete ausgewichen sind, gibt es CityBeat noch immer. Die Seite wurde gebaut, um auf großen Bildschirmen in Redaktionsräumen gezeigt zu werden. Sie besteht aus drei großen Teilen. Es gibt die Detected Events List (dt.: Liste der gefundenen Ereignisse), eine Zusammenfassung der Ereignisse, die der Algorithmus innerhalb der letzten 24 Stunden durch seine Instagram-Daten gefunden hat. Es gibt auch ein Fenster, mit dem neue Ereignisse mit Ortsangabe in New York angezeigt werden. Das dritte Element ist eine Seitenleiste, die Statistiken in Tweets, Hashtags und mehr anzeigt.

Um Events rund um New York zu finden, sucht sich der Algorithmus von CityBeat die Instagram-Daten heraus, die eine Geomarkierung haben. Wenn er viele Fotos von einem bestimmten Ort herausfiltert, wird ein ‚Candidate Event‘ aufgemacht, in dem alle Fotos auftauchen, die sich mit dem Ereignis beschäftigen. Wenn dies geschehen ist, wird eine automatische Nachricht an die Mitarbeiter von Amazon Mechanical Turk gesandt, die kontrollieren, ob es sich um ein berichtenswertes Ereignis handelt und nicht etwa um eine Gruppe Menschen, die einfach nur Selfies von ihrem Besuch des Empire State Buildings posten. Diese Vorgehensweise erwies sich jedoch als „problematisch“, wie die Mitarbeiter in ihrem Bericht festhielten. „Oft wurde man bei Amazon Mechanical Turk von der Fülle verschiedener Fotos, die auftauchten und wirkliche Ereignisse als Störung klassifizierten, abgelenkt“, so die Studie.

Algorithmen und Bots sind in der letzten Zeit in den Nachrichten recht alltäglich geworden. Sowohl die Associated Press als auch die Los Angeles Times nutzen Bots, um bestimmte Artikel zu schreiben. Apps wie SmartNews benutzen Algorithmen, um sich durch Millionen von URLs zu suchen und somit ihren Usern Neuigkeiten zu präsentieren; und natürlich ist da noch Facebook, das die Zukunft eines Verlegers mit einem verbesserten News Feed verändern kann.

Während in den Redaktionen noch getestet wurde und man nicht sehr überzeugt vom Nutzen der Plattform war, sagte Schwartz, dass er trotzdem daran glaube, dass man aus dem Experiment namens CityBeat gelernt habe, nämlich etwas über die Rolle, die Algorithmen bei den Nachrichten spielen können. „Das haben wir schon überall gesehen“, sagt Schwartz und bezieht sich dabei auf die zunehmende Nutzung von redaktionellen Algorithmen. „Es wächst und wächst und wir müssen verstehen, was das heißt. Wir müssen verstehen, was passiert, wenn wir dem Algorithmus die Macht über die Auswahl und Erstellung unserer Nachrichten geben.“

Dieser Artikel erschien zuerst auf Niemanlab. Übersetzung von Anne Jerratsch.

 

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Joseph Lichterman

Joseph Lichterman

schreibt für das an der Harvard Universität angesiedelte Nieman Journalism Lab über Innovation in der Medienbranche. Davor arbeitet er für die Nachrichtenagentur Reuters und berichtete über den wirtschaftlichen Niedergang von Detroit.

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