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Wie YouTube die Erde flach macht

Dass die Erde keine Scheibe ist, gehört eigentlich längst zur Selbstverständlichkeit. Schon Aristoteles erkannte vor rund 2.300 Jahren, dass von Schiffen stets erst die Mastspitze zu sehen war und leitete daraus die Kugelgestalt der Erde ab. Auch Unterschiede in Sternenbildern trugen zu dieser Erkenntnis bei. Trotzdem gibt es sie noch: Die Verfechter einer Erde in Scheibenform – und nicht einmal von vier Elefanten getragen, die ihrerseits auf einer durchs All schwimmenden Schildkröte stehen, wie in Terry Pratchetts humorstrotzenden Scheibenwelt-Romanen.

Die Verfechter der Flat Earth-Bewegung vermehren sich derzeit sogar, oder treten zumindest präsenter auf den Plan. Schuld daran: Ausgerechnet die digitale Videoplattform YouTube. So zumindest eine Studie der Texas Tech University.

Durch YouTube zum Flat Earther

Grundlage der Studie sind Interviews mit 30 Teilnehmern der Flat Earth Conference, der größten Konferenz der Flat Earth-Bewegung. Zugegeben, 30 Interviews sind keine stichhaltige Basis, trotzdem sind die Erkenntnisse aus den Interviews sehr interessant. So gaben 29 der 30 Befragten an, durch YouTube-Videos überzeugt worden zu sein. „Die einzige Person, die das nicht behauptete, war mit seiner Tochter und seinem Schwiegersohn da, die es auf YouTube gesehen und ihm davon erzählt haben“, sagt Asheley Landrum, Leiterin der Studie, an der Texas Tech University. Die Videovorschläge tauchten neben Videos zu anderen Verschwörungstheorien, wie etwa zum 11. September oder einer inszenierten Mondlandung, auf.

Hier greifen die Videos also genau die Personen auf, die ohnehin schon eine Skepsis bezüglich offizieller Darstellungen haben. Einige gaben aber auch an, die Videos angeschaut zu haben, um die Theorien widerlegen zu wollen. Schließlich konnten die Videos sie aber doch überzeugen.

Auch YouTube sieht Handlungsbedarf

Das Problem ist dem Videoportal jedoch nicht fremd. Bereits vor Veröffentlichung der Studienergebnisse sprach YouTube das Thema selbst im Rahmen ihres Blogs an. YouTube kündigte Änderungen in den Empfehlungen an, um extremen Inhalten entgegen zu wirken. Dabei werden sogar explizit auch die Flat Earth-Videos erwähnt. „Zu diesem Zweck werden wir beginnen, die Empfehlung grenzwertiger Inhalte und Inhalte, die den Nutzer auf schädliche Art falsch informieren – wie Videos, die eine erfundene Wunderheilung bewerben, die Erde als flach bekennen oder unverhohlen falsche Aussagen über historische Ereignisse wie 9/11 machen – zu reduzieren.“

Die Inhalte verbieten möchte YouTube trotzdem nicht. Man möchte weiterhin eine Plattform für freie Meinungsäußerung bleiben, extreme Inhalte aber nicht noch befeuern. Die Änderung soll über eine Kombination aus maschinellem Lernen und der Zusammenarbeit mit menschlichen Experten erreicht werden. Die Änderungen betreffen vorerst nur eine kleine Auswahl amerikanischer Videos. Sobald das System zuverlässig funktioniert, soll es aber auch auf andere Länder ausgeweitet werden.

Wir brauchen auch andere Videos

Landrum sieht YouTube übrigens nicht explizit als schädlich an. „Es gibt viele nützliche Informationen auf YouTube, aber eben auch viele Fehlinformationen“, erklärt sie gegenüber TheGuardian. „An eine flache Erde zu glauben ist an sich nichts Schlimmes, aber es kommt zusammen mit einem allgemeinen Misstrauen gegenüber Institutionen und Experten. Wir möchten, dass die Menschen Informationen kritisch hinterfragen, aber eben ausgewogen.“ Auch die Wissenschaft sieht sie in der Pflicht. „Wir wollen kein YouTube, voll mit Videos, die begründen die Erde sei flach. Wir brauchen auch andere Videos, die beweisen, warum diese Gründe falsch sind und Wege zeigen, wie man es selbst herausfinden kann.“

Auch die Scheibenwelt-Romane bieten eine flache Welt – mit einer Prise Humor und Gesellschaftskritik (Provisionslink)


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Digitale Weihnachten – Ebooks als Geschenkidee

Weihnachten steht vor der Tür. Spätestens jetzt stürzen die Menschen los und machen sich auf die Suche nach dem perfekten Weihnachtsgeschenk. Da geht es schon mit der ersten Frage los, die oftmals nicht einfach zu beantworten ist: „Was schenke ich bloß?“

Es gibt natürlich so viele Möglichkeiten. Wenn es nicht jedes Jahr den gleichen Pulli, lediglich in einer anderen Farbe oder dasselbe Parfum geben soll, dann gilt es herauszufinden, welche Geschenke besonders angesagt sind. Dafür gibt es im Netz natürlich zahlreiche Anregungen und auch Statistiken, die unter anderem zeigen, welche Geschenke am liebsten verschenkt werden.

In einer Studie vom Handelsverband Deutschland zeigt sich, dass an erster Stelle, der am liebsten verschenkten Sachen zu Weihnachten, Geschenkgutscheine stehen. Kurz danach Produkte zur Kosmetik und Körperpflege. Ich persönliche finde den dritten Punkt ja sehr interessant: Bücher und Schreibwaren. Dabei müssen es ja auch nicht immer physische Bücher sein. Spart euch den Versand oder das Verpacken und verschenkt einfach mal ein Ebook!

Wie verschenkt man Ebooks?

Oft fragt man sich natürlich, wie man eigentlich ein Ebook verschenken kann. Dabei bieten viele Händler diesen Service mittlerweile schon an und das ist gar nicht mal schwer. Kunden, die beispielsweise gerne bei Thalia einkaufen, müssen lediglich das gewünschte Buch auswählen. Anschließend tragen sie den Empfänger mit einem Grußtext ein und dann das Wunschdatum. Schon in wenigen Augenblicken befindet sich das Ebook auf dem Weg zum Beschenkten.

Bei Hugendubel läuft das ganz ähnlich. Auch hier kann das Wunsch-Ebook verschenkt und per Mail mit dem passenden Wunschtermin versendet werden. Probiert es einfach mal aus!

Aber es muss nicht unbedingt dieser Weg zum Verschenken von Ebooks gewählt werden. Es gibt noch weitere Möglichkeiten dies zu tun. Passend zur Studie des Handelsverbands gibt es natürlich noch die Option Ebooks über Geschenkgutscheine zu verschenken. Bei Amazon beispielsweise, kann man digital einen passenden Kindle-Gutschein versenden, der ebenfalls per Email versendet wird. Diese Gutscheine sind eine wirklich schöne Idee, da man in Sachen Gutschein hier die Wahl hat zwischen dem klassischen Kindle-Design, einem eigenen Foto oder einem niedlichen Gruß-Video, welche der Beschenkte per Mail angezeigt bekommt.

Also, versucht es doch mal mit einem digitalen Geschenk, ich bin mir sicher, die beschenkten Bücherwürmer werden sich freuen!


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YouTube dominiert on-Demand-Musik – Music Consumer Insight Report

Der Weltverband der Phonoindustrie (IFPI) hat kürzlich den diesjährigen Music Consumer Insight Report veröffentlicht. Die Studie geht der Frage auf den Grund, wie die Menschen weltweit Musik konsumieren. Ein Ergebnis beeindruckt vor allem: Mit 47 Prozent fällt der größte Teil gestreamter Musik auf YouTube. Insgesamt machen Video-Portale 52 Prozent aus, kostenpflichtige Audio-Streamingdienste 28 Prozent und ihren kostenlose Konkurrenz 20 Prozent. Ein Drittel der Befragten gab die Verfügbarkeit auf YouTube übrigens als Hauptgrund an, keinen kostenpflichtigen Audio-Streaming-Dienst zu nutzen.

Wer glaubt die modernen Medien würden die alten Musikkanäle verdrängen, wird überrascht sein. 86 Prozent der Konsumenten hört noch immer Radio und überhaupt geht ein Viertel des gesamten Musikkonsums auf das Radio zurück.

Musik ist überall

Musik zieht sich quer durch unser Leben. Durchschnittlich hört der Mensch fast 18 Stunden Musik pro Woche – meist unterwegs. Zwei Drittel der Befragten gaben an, Musik im Auto zu hören. Mit 77 Prozent müssen sich die Deutschen in ihrem liebsten Fortbewegungsmittel nur Südafrika geschlagen geben. Auch in den öffentlichen Verkehrsmitteln (54 Prozent) und während der Arbeit oder des Lernens (40 Prozent) lassen wir uns gerne beschallen. Dass nur 36 Prozent ihre liebsten Künstler live auf Konzerten und Festivals hören, ist da fast schon ein bisschen traurig.

In Zukunft wird sich der Konsum aber weiter wandeln. Die jüngeren Teilnehmer der Studie neigen bedeutend eher dazu, ihre Lieblingsmusik unterwegs zu hören. Mehr als die Hälfte der Befragten zwischen 16 und 24 Jahren gaben außerdem an, sich für das Smartphone zu entscheiden, wenn sie nur ein Gerät zur Musikwiedergabe haben könnten. Das Smartphone ist zudem vor allem in südamerikanischen Ländern beliebt. Mexiko, Brasilien und Argentinien führen das Ranking an.

Andere Länder, andere Musik

Beim Musikgeschmack gibt es starke Unterschiede zwischen den Ländern. Zwar erfreuen sich vor allem Pop, Rock und Elektro globaler Beliebtheit, doch viele Kulturen sind auch noch fest mit ihren heimischen Genres verwurzelt. In Japan hören beispielsweise 66 Prozent der Befragten J-Pop und 29 Prozent Soundtracks speziell aus Animes. In Frankreich wird hingegen noch viel Chanson gehört und lateinamerikanische Musik ist in ihren Herkunftsländern auch noch immer sehr beliebt.

Beeindruckend ist auch der Stellenwert von Soundtracks. 30 Prozent der Befragten gaben an, gerne Soundtracks aus Film und Fernsehen zu hören – Platz 4 in den beliebtesten Genres weltweit.

Nicht immer legal

Um an die Musik zu kommen, sehen es viele nicht allzu eng mit Verletzungen des Urheberrechts. 17 Prozent gaben an, in Suchmaschinen nach illegalen Downloadmöglichkeiten zu suchen. Immerhin 23 Prozent downloaden Musik über File Hoster oder P2P-Anbieter. Ganze 32 Prozent laden sich jedoch Lieder illegal von Audio- oder Videostreams runter.


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10 Jahre App Store – von der Revolution in den Scheintod?

App Store Man holding smart phone with colorful application icons comming out

Der 10. Juli 2008 ist ein historischer Tag in der Geschichte der Smartphone-Applikationen. Denn an jenem Tag, etwa ein Jahr nachdem das erste iPhone auf den Markt gekommen ist, ging der Apple iTunes Shop an den Start, heute als Apple App Store bekannt. Auch nach zehn Jahren beschäftigen wir uns täglich mit Apps und seit Jahren wird ihnen ein baldiger Tod vorausgesagt. Aktuelle Statistiken aber behaupten das Gegenteil – was ist dran?

Ist die App doch nicht tot? Zur Perspektive des App Store

Seitdem es Apps gibt wurde aus dem Smartphone nicht nur ein mobiles Telefon mit Internetzugang, sondern ein Gerät, das dem Nutzer in fast jeder Lebenslage behilflich sein kann. Lange Zeit wurde den Apps das unausweichliche Ende vorhergesagt. Sie würden durch Ergänzungen in den Smartphone-Betriebssystemen ausgetauscht und Big Player à la Facebook und Google würden mit ihren Marken den App-Markt quasi beherrschen. Eine aktuelle Studie des Bitkom-Verbands beweist allerdings, dass sich App-Umsätze auf einem Rekordhoch befinden und die Downloads im App Store von Apple und Google brummen.

In Deutschland ergaben die Umsätze durch Apps in 2018 bisher rund 1,6 Milliarden Euro. Das ist fast eine Verdreifachung im Vergleich zu 2013, als der Umsatz bei 547 Millionen Euro lag. Auch App-Downloads erfuhren ein Hoch und stiegen 2018 bisher um 17 Prozent. Das teilt der Digitalverband Bitkom auf Basis von Daten des Marktforschungsinstituts research2guidance mit. Die Devise dabei ist: weg vom bezahlten Download, hin zu In-App-Käufen!

Die App scheint also trotz vieler Voraussagen noch lange nicht auf ihr Ende zuzusteuern, ausgenommen kostenpflichtiger Apps, die wohl aber auf Dauer immer zurückgehen werden. Tatsächlich verzeichnete der App Store 2018 bereits den größten Zuwachs in seiner zehnjährigen Geschichte.

180710-App-Markt-PG (Image by research2guidance)
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Was sind Zombie-Apps?

Sogenannte Zombie-Apps sind solche, die in der schieren Flut der täglich hochgeladenen Anwendungen scheinbar untergehen – digitale Untote. Laut Berichten des Technik-Portals TechCrunch löscht Apple monatlich rund 14.000 Apps, die nur etwa null bis einige wenige Downloads erziehlen und so auch nicht im Store-Ranking auftauchen.

Die Anzahl der neuen Apps hat sich in den letzten Jahren beinahe verdoppelt. Zum Start des App Store 2008 waren rund 500 Anwendungen online, 2018 sind es rund 6 Millionen – 3,8 im Google Play Store und 2 Millionen im Apple App Store. 

WeChat – die ultimative App?

Bei uns im Westen hat man meist eine oder zwei Messenger-Apps, Shopping-Apps, Social-Media-Plattformen und vielleicht einen E-Wallet. Dafür benötigt der Nutzer schon einmal eine Hand voll verschiedener Apps. In China gibt es eine App, die alle von diesen Funktionen beinhaltet – und mehr! WeChat, eine App aus dem Hause Tencent, hat das Land im Sturm erobert und als Bürger in China kommt mal wohl kaum drum herum – selbst auf dem Wochenmarkt wird mit dem sogenannten WeChat Wallet bezahlt.

Ob sich Giganten wie Facebook oder Google bald an den Kollegen aus China angleichen bleibt abzusehen. In China ist die Plattform ein unverzichtbarer Marketingkanal, den hierzulande immerhin das Kaufhaus Breuninger schon nutzt.

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Die Stereotype der KI: „Gaydar“ und die liberale Gesellschaft

Self-Portrait-photo-adapted-Image-by-Ian-Dooley-CC0-Public-Domain-via-Unsplash

Gemäß dem alten Sprichwort „Wissen ist Macht“ streben Unternehmen immer stärker danach, intime Detailinformationen ihrer Kunden zu sammeln, um einen Wettbewerbsvorteil gegenüber ihren Mitstreitern zu erhalten. Der Anstieg von künstlicher Intelligenz oder auch der KI – also Algorithmen, die von Maschinen dazu verwendet werden, riesige Datenmengen auszuwerten – stellt eine besonders verlockende Möglichkeit dazu dar. Genauer gesagt ist der enorme Fortschritt im Bereich der künstlichen Intelligenz, besonders in der Musterunterscheidung und Kategorisierung, ein führendes Forschungsobjekt, um die Fähigkeiten für zunehmend schwierigere Datengewinnungsaufgaben zu untersuchen.

Diese Technologie ist nicht mehr beschränkt auf die einfache Kategorisierung von direkt nachvollziehbaren Online-Verhaltensweisen wie beispielsweise das Liken von bestimmten Marken oder Bildobjekten. Künstliche Intelligenz wird auch dazu benutzt, intimere Charakteristika wie Persönlichkeit, Geschlecht und Alter durch Sprachgebrauch auf diversen sozialen Medien zu analysieren. Zusätzlich wird eine Gesichtsbildanalyse durchgeführt, um die Wahrscheinlichkeit zu bestimmen, ob jemand ein Verbrechen begehen wird oder ob er ein Terrorist oder pädophiler Verbrecher sein könnte. Erst neulich hat eine Gruppe von Forschern der Universität Stanford künstliche Intelligenz dazu benutzt, die sexuelle Orientierung durch Fotos von unterschiedlichen Gesichtern vorherzusagen. Natürlich hat die Entwicklung solcher Methoden, bei denen persönliche Informationen über die Probanden gewonnen wurden, enorme Auswirkungen für die Privatsphäre.

Noch problematischer wird es, wenn es um die algorithmenbasierte vereinfachte Kategorisierung von Personen geht. Um künstliche Intelligenz für die Kategorisierung von Menschen auszubilden, müssen einzelne, definierte Zielkategorien vorgegeben werden und große Mengen vorklassifizierter Daten. So wird der Mensch auf einzelne sozio-psychologische Klassen reduziert.

Der Maschinen-„Gaydar“

Die kürzlich erfolgte Untersuchung, die basierend auf einem Foto zu bestimmen versuchte, ob eine Person homosexuell oder heterosexuell ist, ist ein klares Beispiel dafür, wie die Wahl von vorklassifizierten Kategorien uns ein binäres Bild von Sexualität auferlegt. Der Zweck der Studie war es, zu zeigen, dass Gesichter subtile Informationen über unsere sexuelle Orientierung enthalten, die von tiefen neuralen Netzwerken – eine Klasse von künstlicher Intelligenz – wahrgenommen und interpretiert werden können.

Um eine ausreichend große Datenmenge für diesen Typ des maschinellen Lernens zu erhalten, sammelten sie 130.741 Portraits von öffentlichen Profilen auf amerikanischen Dating-Webseiten. Der Datensatz enthielt die gleiche Anzahl an Bildern von homosexuellen und heterosexuellen Personen. Die sexuelle Orientierung wurde je nach den Voreinstellungen, welches Geschlecht das Gegenüber haben sollte, das auf den Profilen eingesehen werden kann, bestimmt. 

Auch wenn Dating-Webseiten einen recht eindeutigen Indikator für das sexuelle Interesse einer Person darstellen mag, widerspricht der Einsatz dieser Daten zum Training einer binären Klassifizierung der Realität eines vielfältigeren Spektrums unseres Verständisses von sexuellen Ausrichtungen, die sich von Asexualität bis zu diversen Graden der Bisexualität erstrecken können.

Das Problem ist folgendes: Wenn ein automatisches System erst einmal in der Lage ist, eine solche heruntergebrochene Einteilung mit einem hohen Grad an Verlässlichkeit bereitzustellen, wird es zu einem Werkzeug, dass einfach als Maßstab herangezogen werden kann. Klassifizierungen, die auf diesen vereinfachten sozio-psychologischen Merkmalen basieren, werden zu einem interessanten neuen Wert, mit dem die Personalisierung von Diensten ergänzt werden können. Sollte sich eine solch vereinfachte Perspektive auf Menschen weiter etablieren, haben wir alle ein ernstzunehmendes Problem.

Der Diskussionsteil der Studie zur Kategorisierung von Gesichtern indiziert, dass die Forscher sich den weiteren Konsequenzen dieser Art von Studie bewusst sind. Sie gehen sogar so weit, zu sagen, dass es eine der treibenden Motivationen für diese Arbeit war, die „politischen Entscheidungsträger, die generelle Öffentlichkeit und homosexuelle Gemeinschaften auf das Risiko, dem sie bereits gegenüberstehen könnten, darauf aufmerksam zu machen“. Dies geschehe aufgrund von Tätigkeiten, die „wahrscheinlich hinter verschlossenen Türen in Unternehmen und Regierungsorganisationen durchgeführt werden“.

Feedback beschaffen

Unglücklicherweise folgte die eingesetzte Methode, trotz des sozialen Bewusstseins, der gängigen Praxis in diesem Forschungsbereich, wo alle öffentlich zugänglichen Daten als „Freiwild“ gelten – unabhängig davon, ob die Forschungsobjekte niemals beabsichtigten, diese Daten für Forschungszwecke bereitzustellen. Natürlich wäre es schwierig gewesen die Personen zu kontaktieren, deren Bilder genutzt wurden. Aber zumindest hätte man Vertreter von unterschiedlichen Gemeinschaften für die Rechte Homosexueller konsultieren sollen.

Um ihre Bedenken über den Einfluss dieser Art von Forschung auf die Rechte der Betroffenen auszudrücken, hätten die Forscher der betroffenen LGBT-Gemeinschaften die Möglichkeit geben sollen, ihre Sichtweise im Diskussionsteil der Arbeit preiszugeben. Dies hätte nicht nur deren eigene Reaktion verändert, sondern auch die Art der medialen Berichterstattung. Solch eine Einbeziehung der Interessensgruppen ist eines der Schlüsselprinzipien von verantwortlicher Forschung und Innovation, die Nachhaltigkeit, Zugänglichkeit und Erwünschtheit von Forschungsprozessen und Leistungen zu garantieren versucht.

Um also die Probleme von unkontrolliertem Gebrauch von künstlicher Intelligenz für unternehmerischen Zugewinn zu adressieren, ist es wichtig, eine Kultur zu schaffen, die die Einbeziehung von Interessensgruppen fördert. Sie sollte zudem auch ethische Fragen innerhalb der Bereiche der Forschung und Entwicklung von künstlicher Intelligenz beachten. Die gute Nachricht ist, dass dies bereits durch die Zunahme von ethischen Richtlinien, Initiativen und der Entwicklung von ethisch basierten Industriestandards in Angriff genommen wird. Sie sollen Möglichkeiten bereitstellen, um den ethischen Gebrauch von künstlicher Intelligenz sicherzustellen, ganz ähnlich denen der Lebensmittelsicherheitsstandards.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Self Portrait photo“ by Ian Dooley (CC0 Public Domain)


The Conversation

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Wie schaffen wir es, dass uns Social Media nicht einsam macht?

Einsam (adapted) (Image by Jad Limcaco [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Montagmorgen, 8 Uhr, es regnet. Wie ein Mantra scrollst du deinen Facebook und Instagram-Feed im Bett durch: Die Bilder vom Wochenende geben deinem Ego digitale Streicheleinheiten, die es leichter machen, aufzustehen. Doch spätestens wenn du am Montag Nachmittag zum hundertsten Mal dein Handy entsperrt hast, ohne genau zu wissen, warum, wird die Suchfunktion auf Instagram genau eine Funktion haben: Dich daran zu erinnern, dass Frauen mit thigh gap und operierten Nasen eine andere Liga sind. Wie Real Madrid für Eintracht Frankfurt: sie sind einfach unerreichbar.

Den Drang zur übertriebenen Selbstdarstellung nennt man performative Ökonomie. Wie so oft im menschlichen Verhalten ist der Wunsch nach Belohnung der Antrieb. Soziale Belohnung in diesem Fall, in Form von Likes, Abonnenten, Klickraten, Pressenennungen, Interviews.

Dass so ein Verhalten nicht lange gut gehen kann, ist nichts Neues: Eine Studie der University of Pittsburgh hat herausgefunden, dass junge Erwachsene, die mindestens zwei Stunden täglich in den sozialen Medien verbringen, doppelt so anfällig für das Gefühl der sozialen Isolation sind. So können zum Beispiel das Gefühl des Ausgeschlossen-Seins, wenn man Bilder von Unternehmungen der Freunde sieht, und die Auslassungen der negativen Ereignisse in einem zu Hochglanz polierten News-Feed eine geradezu bleierne Einsamkeit auslösen.

Das Alice-im-Wunderland-Syndrom: Es macht uns krank

Die Social Media Studie #StatusOfMind geht zudem davon aus, dass jeder sechste Jugendliche momentan an Angststörungen leidet. So geben vier von fünf Heavy Usern in der Studie an, dass Social Media sie ängstlicher macht. „Fomo“ nennt sich dieses Phänomen: Fear of Missing Out. Es entsteht somit Stress, wenn man immer die glücklichen Bilder seiner Freunde aus dem Urlaub sieht.

Eine weitere schlechte Nachricht für Heavy User: Wer mehr als zwei Stunden am Tag auf Social Media verbringt, hat ein schlechteres Selbstbild. Das eigene Leben scheint nicht mehr so attraktiv zu sein, wenn man die unrealistischen Ausschnitte aus dem Leben der Anderen sieht. Vielleicht ist es das Alice-im-Wunderland-Syndrom, das in uns steckt, und uns die Scheinwelt immer als schöner erachten lässt als sie eigentlich ist.

Selbstdarstellung und Körperkult: Und der Geist verkümmert

In dem Video „Wie perfekt wollen wir sein?“ spricht der Philosoph David Richard Precht mit der Schriftstellerin Juli Zeh über den heutigen Körperkult und Fitnesswahn. Es ist nicht zu leugnen, dass wir in einer Zeit leben, in der der Geist immer mehr verkümmert. Dies hat nicht nur mit der Abkehr von Religionen zu tun, sondern auch mit unserem Drang, uns vergleichbar und messbar zu machen. Hier zeigt sich die performative Ökonomie in ihrer vollen Pracht, denn der Köper ist im Gegensatz zum Geist greifbar.

Plattformen wie Instagram und Facebook spornen diese Entwicklung weiterhin an. Zudem werden die User immer jünger. Dies sind sehr beunruhigende Umstände, wenn man die Auswirkungen von sozialen Netzwerken auf die mentale Gesundheit betrachtet. So sind Jugendliche die am meisten gefährdete Gruppe für Suchtverhalten, da ihre neurobiologischen Prozesse anders verlaufen als bei Erwachsenen.

Das Gegenteil von Einsamkeit: Verbindung

Die Frage ist also: Wie können wir soziale Medien nutzen, ohne dass sie das Gefühl der Einsamkeit fördern?

Auf der Suche nach einer Antwort, bin ich auf einen sehr sehenswerten Ted Talk von der Forschungsprofessorin Bréne Brown gestoßen. Dort beschreibt sie, wie sie durch ihre Arbeit als Sozialpädagogin bereits lange Zeit wusste, dass es die Verbindungen mit anderen Menschen sind, die unserem Leben Sinn und Bedeutung verleihen.

In ihren Forschungen kam sie zu einer bedeutenden Erkenntnis: Menschen, die sich mit anderen verbunden fühlen, haben die Fähigkeit, sich anderen gegenüber verletzlich zu zeigen. Sie glauben daran, dass Verletzlichkeit wertvoll ist – obwohl es risikoreich ist und es keine Garantie gibt. Zum Beispiel wenn man als Erster „Ich liebe dich“ sagt. Brown schlussfolgert somit, dass Verletzlichkeit nicht nur mit Schande, Angst und dem Verlangen nach Selbstwert in Verbindung zu bringen ist – sondern auch essenziell  für Glück, Kreativität, Zugehörigkeit und Liebe ist.

Lassen wir das mal kurz sacken. Es scheint keineswegs so, als würde unser Drang nach Selbstdarstellung in den sozialen Medien es erlauben, sich verletzlich zu zeigen (auch nicht überraschend: Instagram wurde zu der Plattform mit dem größten negativen Einfluss gekürt). Dabei ist die meisten Zeit unseres Lebens Alltag – doch wo findet man im World Wide Web das Plätzchen,  wo sich die fettige Haut und die Speckröllchen verstecken?

Wie werden soziale Medien wieder sozial?

Einen Alltag ganz ohne Internet zu führen, ist heutzutage kaum möglich und auch für die meisten nicht erstrebenswert. So schlussfolgerte der Internetjunkie Paul Miller nach einem Jahr Internet-Abstinenz, dass diese Erfahrung nicht nur positiv war. Sein Fazit nach der Rückkehr in die Online-Welt: „Kann sein, dass ich mit dem Internet Zeit verschwende oder mich ablenke – aber zumindest hab ich wieder Anschluss.“

Es ist somit unsere Entscheidung, was dieser Anschluss im fördert: Sei es Neid, Hass, Einsamkeit – oder Zugehörigkeit und Verständnis. Denn es lassen sich auch starke Gegenbeispiele im Netz finden. So ging zum Beispiel der Instagram-Account von Celeste Baber viral. Und das nicht, weil sie Modelmaße hatte – sondern weil sie darstellte, wie absurd die Modelposen der Stars sind und absolut gar nichts mit der Realität zu tun haben. Ein weiteres Beispiel wäre Bodyposipanda: Megan Jayne Crabbe zeigt durch ihren harten Weg aus der Magersucht heraus, dass nicht die Klamottengröße bestimmt, ob man glücklich ist.

Was schlussfolgere ich daraus? Nicht das Perfekte schafft Verbindung – sondern vor allem das Verletzliche und Authentische, in dem wir uns selbst wiedererkennen. Denn das Netz eröffnet uns diese grandiose Möglichkeit, mit anderen Menschen von überall in Kontakt zu treten und unsere Ängste und Sorgen gemeinsam von Bord zu werfen. So können soziale Medien wieder sozial werden. Zudem sind die beiden genannten Accounts Beispiele für wahrhaftig mutige und selbstbewusste Frauen – ganz ohne Photoshop und Size Zero. Und sie sind in jedem Fall einen Klick auf den Folgen-Button wert.


Image (adapted) „Einsam“ by Jad Limcaco [CC0 Public Domain]


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Warum Menschen an Verschwörungstheorien glauben und wie man ihre Meinung ändert

Ich sitze im Zug, als seine Gruppe Fußballfans hereinströmt. Direkt vom Spiel – ihr Team hat offenbar gewonnen – besetzen sie die leeren Sitze um mich herum. Eine Frau nimmt eine weggeworfene Zeitung und kichert hämisch, als sie über die neuesten „alternativen Fakten“ liest, die von Donald Trump verbreitet wurden.

Die anderen mischen sich schon bald mit ihren Gedanken über die Vorliebe des US-Präsidenten für Verschwörungstheorien ein. Das Gespräch geht bald in andere Verschwörungen über und ich höre gerne zu, als die Gruppe sich erbarmungslos über Klimaleugner, Chemtrails Mems und die neueste Erleuchtung von Gwyneth Paltrow lustig macht.

Dann herrscht Stille und einer nutzt dies als Möglichkeit, Folgendes anzuführen:

Dieses Zeug mag Unsinn sein, aber versucht nicht, mir zu erzählen, dass man allem vertrauen kann, was einem von der breiten Masse zugeführt wird! Denkt an die Mondlandung. Sie waren offensichtlich gefälscht – und das nicht einmal gut. Ich habe vor ein paar Tagen diesen Blog gelesen, in dem stand, dass nicht einmal Sterne auf den Bildern zu sehen waren!

Zu meinem Erstaunen führt die Gruppe weitere „Beweise“ an, die die Falschmeldung über die Mondlandung unterstützen: Widersprüchliche Schatten auf Fotos, eine wehende Fahne, obwohl es auf dem Mond doch keine Atmosphäre gibt oder wie Neil Armstrong gefilmt wurde, als er auf der Mondoberfläche herumstapfte, wenn doch keiner da war, der die Kamera gehalten hatte.

Noch eine Minute zuvor schienen sie rational denkende Menschen zu sein, die fähig waren, Beweise zu beurteilen und eine logische Schlussfolgerung zu ziehen. Aber nun gehen die Dinge den Bach hinunter. Also atme ich tief durch und entscheide mich dazu, mich einzumischen: „Eigentlich kann das alles recht einfach erklärt werden…“

Sie drehen sich zu mir, entsetzt, dass ein Fremder es wagt, sich in ihr Gespräch einzumischen. Ich mache unbeirrt weiter und konfrontiere sie mit einem Schwall von Fakten und rationalen Erklärungen.

„Die Flagge flatterte nicht im Wind, sie bewegte sich nur, als Buzz Aldrin sie in den Boden gesteckt hatte! Die Bilder wurden zur Tageszeit auf dem Mond gemacht – und natürlich kann man tagsüber die Sterne nicht sehen. Die komischen Schatten sind da wegen der sehr weitwinkligen Linsen, die die Fotos ein wenig verzerren. Und es hat niemand das Bildmaterial genutzt, auf dem Neil die Leiter hinuntersteigt. Eine Kamera war außen an der Mondfähre angebracht. Die hat gefilmt, wie er seinen gigantischen Sprung gewagt hat. Wenn das noch nicht reicht, liefern die Fotos vom Landeplatz des Lunar Reconnaissance Orbiter den letzten entscheidende Beweis, auf denen man ganz deutlich die Spuren sehen kann, die die Astronauten hinterlassen haben, als sie über die Mondoberfläche gingen.“

So, jetzt habe ich es ihnen gezeigt, denke ich bei mir. Aber es scheint, als wären meine Zuhörer noch lange nicht überzeugt. Sie wenden sich von mir ab und geben jede Menge seltsame Behauptungen ab. Stanley Kubrick hat alles gefilmt, Mitwissende sind auf geheimnisvolle Weise gestorben, und so weiter…

Der Zug hält. Es ist nicht meine Station, aber ich steige trotzdem aus. Als ich etwas verschüchtert auf die Lücke zwischen Zug und Bahnsteigkante starre, frage ich mich, warum es meine dargelegten Tatsachen absolut nicht geschafft haben, ihre Meinung zu ändern.

Die einfache Antwort ist, dass Fakten und rationale Argumente nicht wirklich so gut dafür geeignet sind, die Überzeugungen der Leute zu ändern. Das kommt daher, dass unsere rational denkenden Hirne sich an unsere nicht so weit entwickelte, evolutionär bedingte Verbindungen in unserer Wahrnehmung angepasst haben. Ein Grund, warum Verschwörungstheorien so oft auftauchen, ist unser Wunsch, der Welt eine Struktur zu geben. Wir sind außerdem bestrebt, in allem, was uns begegnet, bestimmte Muster zu erkennen. Tatsächlich zeigte eine kürzlich durchgeführte Studie einen Zusammenhang zwischen dem Verlangen nach Struktur und der Tendenz, an eine Verschwörungstheorie zu glauben.

Schauen Sie sich beispielsweise diese Sequenz an:
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Können Sie ein Muster erkennen? Sehr wahrscheinlich – und Sie sind nicht alleine. Eine kurze Twitter-Umfrage (die einer weitaus strengern kontrollierten Studie nachempfand) behauptete, dass 56 Prozent der Leute mit Ihnen übereinstimmen, obwohl die Sequenz nur entstanden ist, weil ich eine Münze geworfen habe.

Es scheint, als wäre unser Wunsch nach Struktur und unsere Fähigkeit, Muster zu erkennen, lebhaft ausgeprägt, was eine Tendenz herbeiführt, Muster zu erkennen – wie Konstellationen, Wolken, die wie Hunde aussehen und Impfstoffe, die Autismus herbeiführen – wenn eigentlich gar keine da sind.

Die Fähigkeit, Muster zu sehen, war für das Überleben unserer Ahnen wahrscheinlich sehr nützlich – es war wohl besser, fälschlicherweise Anzeichen eines Raubtieres zu vermuten, als eine echte große hungrige Katze zu übersehen. Aber wirft man dieselbe Tendenz in unsere informationsreiche Welt hinein, sehen wir nichtexistente Verbindungen zwischen Ursachen und Effekten – also Verschwörungstheorien – einfach überall.

Gruppenzwang

Ein weiterer Grund, warum wir so erpicht darauf sind, an Verschwörungstheorien zu glauben, ist der, dass wir soziale Wesen sind. Unser Status in der Gesellschaft ist von einem evolutionären Standpunkt aus weitaus wichtiger, als Recht zu haben. Daher vergleichen wir unsere Handlungen und Vorstellungen immer mit denen unserer Mitmenschen und passen sie an, um dazuzugehören. Das bedeutet, dass wir sehr wahrscheinlich dem folgen, was die Gruppe glaubt, der wir uns zugehörig fühlen.

Der Effekt sozialer Beeinflussung auf unser Verhalten wurde gut im Jahr 1961 durch das Straßenecken-Experiment demonstriert, das von dem US-Psychologen Stanley Milgram, der wegen seiner Untersuchungen, wie man Gehorsam gegenüber Autoritäten einfordert, berühmt geworden ist, und seinen Kollegen durchgeführt wurde. Das Experiment war einfach und unterhaltsam genug, um es nachzumachen. Entscheiden Sie sich einfach für eine belebte Straßenecke und starren Sie 60 Sekunden lang in den Himmel.

Mit großer Wahrscheinlichkeit werden nur ein paar Menschen stehen bleiben und schauen, was Sie sich ansehen – in dieser Situation fand Milgram heraus, dass nur etwa vier Prozent der Passanten mitmachten. Nun bringen Sie einige Freunde mit und probieren Sie es noch einmal. Wenn die Gruppe wächst, werden immer mehr Fremde stehen bleiben und nach oben starren. Hat die Gruppe erst einmal eine Größe von 15 Leuten erreicht, die in den Himmel starren, werden um die 40 Prozent der Passanten stehen bleiben und ihr Gesicht zusammen mit Ihnen in die Höhe strecken. Sicherlich hat jeder von uns Erlebnisse dieser Art schon einmal in Kaufhäusern bemerkt, wenn man sich zu den Ständen hingezogen fühlt, um die eine ganze Menschentraube steht.

Das Prinzip gilt genauso für Gedanken. Wenn mehrere Leute etwas glauben, ist es wahrscheinlicher, dass wir dies als wahr akzeptieren. Und wenn wir durch unsere soziale Gruppe einer bestimmten Idee extrem ausgesetzt sind, wird diese in unsere Weltanschauung eingebettet. Kurz gesagt ist der soziale Beleg eine weitaus effektivere Überzeugungstechnik als ein Beleg, der rein auf Fakten basiert. Das ist auch der Grund, weshalb diese Art von Beleg in der Werbung so beliebt ist („80 Prozent der Mütter stimmen zu“).

Der soziale Beweis ist nur einer aus einer Menge logischer Täuschungen, die ebenfalls dazu führen, dass wir Beweise übersehen. Ein verwandtes Problem ist der omnipräsente Bestätigungsfehler. Hier tendieren viele Leute dazu, jenen Daten zu glauben, die ihre Ideen unterstützen und die Beweise zu ignorieren, die sie nicht bestätigen. Wir alle leiden daran. Denken Sie einfach an das letzte Mal zurück, als im Fernsehen oder im Radio eine Debatte lief. Wie überzeugend war das Argument, das gegen unsere Ansichten war im Vergleich zu jenem, das mit unserer Überzeugung übereinstimmte?

Aller Wahrscheinlichkeit nach haben wir, ganz egal, wie rational die jeweilige Seite war, die Gegenargumente hauptsächlich ausgeblendet, während wir uns auf die Seite derer schlagen wollten, die mit unserer Auffassung übereinstimmten. Bestätigungsfehler manifestieren sich auch als eine Tendenz, Information aus Quellen zu wählen, die bereits mit unseren Anschauungen übereinstimmen (die wahrscheinlich aus dem sozialen Umfeld stammen, aus der wir kommen). Daher bestimmten Ihre politischen Anschauungen wahrscheinlich ihren Nachrichtenkonsum.

Natürlich gibt es ein Glaubenssystem, das logische Täuschungen wie Bestätigungsfehler erkennt und versucht, sie aus dem Weg zu räumen. Die Wissenschaft macht durch Wiederholungen von Beobachtungen aus Anekdoten reine Daten, reduziert Bestätigungsfehler und akzeptiert, dass Theorien durch neue Beweise aktualisiert werden können. Das heißt, sie ist offen genug, ihre Kerntexte zu bearbeiten. Trotzdem werden wir alle von Bestätigungsfehlern geplagt. Der Starphysiker Richard Feynman beschrieb ein Beispiel, das in einer der schlüssigsten Gebiete der Wissenschaft auftrat: Der Elementarteilchenphysik.

„Millikan hat die Ladung eines Elektrons durch ein Experiment mit fallenden Öltropfen gemessen und bekam eine Antwort, von der wir nun wissen, dass sie nicht ganz richtig ist. Sie weicht ein wenig ab, weil er den falschen Wert für die Viskosität der Luft hatte. Es ist interessant, sich die Geschichte der Messungen der Ladungen von Elektronen nach Millikan anzusehen. Wenn man sie als eine Funktion der Zeit darstellt, kommt man darauf, dass eines etwas größer ist als die Millikans und das nächste etwas größer als dieses und das nächste wiederum größer, bis sie letztendlich auf eine höhere Zahl kommen.“

„Warum kamen sie nicht gleich darauf, dass die neue Zahl höher war? Für Geschichten wie diese schämen sich Wissenschaftler. Wenn sie eine Angabe erhielten, die die Millikans überstieg, dachten sie, sie hätten eine Fehler gemachtsuchten und fanden eine Lösung, warum etwas eventuell falsch war. Wenn sie eine Zahl hatten, die näher an Millikans Wert war, suchten sie nicht so gründlich.“

Mythos-erweiternde Pannen

Manch einer mag sich nach den populären Medien richten und Irrglauben und Verschwörungstheorien durch den Mythos-erweiternden Zugang zu bewältigen. Den Mythos neben der Realität zu nennen scheint eine gute Möglichkeit zu sein, um die Tatsachen und die Lügen zu vergleichen, sodass die Wahrheit ans Licht kommen wird. Aber wieder stellt sich heraus, dass dies ein schlechter Zugang ist. Es scheint einen Fehlschlageffekt hervorzurufen. Hierbei ist der Mythos letztendlich das, was im Kopf bleibt – und nicht die Tatsache selbst.

Eines der hervorragendsten Beispiele dazu hat eine Studie gezeigt, die Flyer zu Mythen und Fakten über Grippeimpfstoffe bewertete. Direkt nach dem Lesen erinnerten sich die Teilnehmer genau an die Fakten als Fakten und die Mythen als Mythen. Doch nur 30 Minuten später schien dies völlig auf den Kopf gestellt worden zu sein, da man sich an die Mythen viel eher als „Fakten“ erinnerte.

Man glaubt, dass das reine Erwähnen der Mythen hilft, diese zu untermauern. Wenn dann die Zeit vergeht, vergisst man den Kontext, in dem man den Mythos gehört hat – in diesem Fall während einer Erklärung – und erinnert sich nur mehr an den Mythos selbst.

Was noch schlimmer ist: Führt man einer Gruppe mit einem sehr festgesetzten Anschauungskatalog neues Wissen vor, kann dies ihre Anschauungen noch bestärken, obwohl die neue Information diese eigentlich schwächen sollte. Neue Beweise führen zu Widersprüchlichkeiten in unserem Weltbild und zu einem damit assoziierten emotionalen Unwohlsein. Aber anstatt unsere Anschauungen zu modifizieren, tendieren wir dazu, sie vor uns selbst zu rechtfertigen und anderslautende Theorien umso mehr abzulehnen, was uns noch mehr in unserem Weltbild bestärkt. Diese Tatsache kennt man als „Bumerang-Effekt“. Tatsächlich ist dieser Effekt ein großes Problem, wenn man versucht, Menschen zu besserem Verhalten umzupolen.

Beispielsweise haben Studien gezeigt, dass öffentliche Informationsanzeigen, die dazu dienen sollten Rauchen, Alkohol- und Drogenkonsum zu reduzieren, alle den gegenteiligen Effekt erzielten.

Freundschaften können helfen

Wenn wir uns also nicht auf die Fakten verlassen können, wie bringen wir Leute dann dazu, ihre Verschwörungstheorien oder andere irrationale Ideen zu verwerfen? Wahrscheinlich kann hier nur Bildung langfristig helfen. Damit meine ich nicht eine Vertrautheit mit wissenschaftlichen Fakten, Zahlen und Techniken. Was tatsächlich notwendig ist, ist Bildung in der wissenschaftlichen Methode, wie beispielsweise analytisches Denken. Tatsächlich zeigen Studien, dass das Verwerfen von Verschwörungstheorien mit mehr analytischem Denken verbunden ist. Viele Leute werden nie in der Wissenschaft tätig sein, aber wir nutzen sie oft genug. Daher brauchen die Bürger die Fähigkeiten, wissenschaftliche Behauptungen kritisch zu beurteilen.

Natürlich würde es mir bei der Situation im Zug nicht helfen, den Lehrplan eines Landes zu ändern. Für einen direkteren Zugang ist es wichtig, zu verstehen, dass es sehr hilft, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Bevor man beginnt, jemanden bekehren zu wollen, sollte man erst einmal gemeinsame Werte feststellen.

Um den Fehlschlageffekt zu vermeiden, sollte man die Mythen ignorieren. Man sollte sie gar nicht erwähnen. Wichtig sind nur die Kernpunkte: Impfstoffe sind sicher und reduzieren die Chance, Grippe zu bekommen, um 50 bis 60 Prozent. Und das reicht. Man sollte keine Missverständnisse benennen, da man sich an diese oft besser erinnert.

Man sollte seine Gegner auch nicht provozieren, indem man deren Weltbild in Frage stellt. Stattdessen sollte man Erklärungen anbieten, die mit den bereits existierenden Vorstellungen harmonieren. Beispielsweise verändern konservative Klimawandel-Leugner ihre Meinung eher, wenn man ihnen auch die Geschäftsmöglichkeiten für die Umwelt präsentiert.

Ein weiterer Vorschlag: Nutzen Sie Anekdoten, um ihren Argumente zu präsentieren. Menschen engagieren sich mit Hilfe von persönlichen Erzählungen weitaus mehr als durch Diskussionen oder Situationsbeschreibungen. Erzählungen verbinden Ursache und Effekt. So werden die Schlussfolgerungen, die präsentiert werden sollen, unvermeidlich mit abgespeichert.

All das soll natürlich nicht heißen, dass die Fakten und wissenschaftlicher Konsens nicht wichtig sind. Sie sind es sogar sehr. Aber wenn man sich der Makel in unserem Denken bewusst ist, ist es einfacher, seinen Standpunkt auf überzeugendere Weise zu präsentieren.

Es ist unverzichtbar, dass wir Lehrsätze herausfordern. Aber statt willkürliche Punkte miteinander zu verbinden oder eine Verschwörungstheorie zu erschaffen, müssen wir von den Entscheidungsmachern die entsprechenden Beweise verlangen. Fragen Sie nach den Daten, die eventuell eine Anschauung untermauern und suchen Sie nach Informationen, die sie auf die Probe stellen. Ein Teil dieses Prozesses bedeutet, unsere eigenen voreingenommenen Instinkte, Begrenzungen und logische Täuschungen zu erkennen.

Wie wäre also mein Gespräch im Zug verlaufen, hätte ich meine eigenen Ratschläge beherzigt? Gehen wir zu dem Moment zurück, als ich begriff, dass die Dinge den Bach runtergingen. Dieses Mal atme ich tief durch und mische mich ein. „Hey, tolles Ergebnis beim Spiel. Eine Schande, dass ich kein Ticket bekommen konnte.“ Bald sind wir vertieft ins Gespräch und diskutieren über die Chancen des Teams in dieser Saison. Nach ein paar Minuten des Gesprächs, wende ich mich an den Verschwörungstheoretiker. „Hey, ich dachte gerade an diese Sache, die du über die Mondlandung gesagt hast. War nicht auf einigen Fotos auch die Sonne zu sehen?“ Er nickt. „Was bedeutet, dass es am Mond Tag war. Würdest du denken, dass man dort, wie hier auf der Erde, Sterne sehen kann?“„Hm, wahrscheinlich nicht, daran habe ich nicht gedacht. Vielleicht war in diesem Blog nicht alles richtig.“

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Arbeitsplatz“ by Free-Photos (CC0 Public Domain)


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Sag mir, wo du herkommst, und ich sage dir, wie schlau du bist? – Neue Studie wirft Fragen auf

Students having a test in a classroom (adapted) (Image by luckybusiness via AdobeStock)

Lust auf einen kleinen Test? Lesen Sie den obigen Titel einmal, decken Sie ihn dann ab und schreiben Sie Wort für Wort auf, woran Sie sich erinnern. Haben Sie Schwierigkeiten dabei? Wie gut Sie sich schlagen, könnte abhängig davon sein, in welchem Land Sie leben.

Dies geht aus einer neuen Studie hervor, die in der Psychological Science veröffentlicht wurde, bei der 200.000 Frauen und Männer aus 27 verschiedenen Ländern auf fünf Kontinenten getestett wurden. Es zeigte sich, dass Frauen aus eher konservativen Ländern in Gedächtnis-Tests schlechter abschnitten als Frauen aus Ländern, in denen Geschlechtergerechtigkeit herrscht.

Demographie-Experte Eric Bonsang und seine Kollegen analysierten Daten von über 50-jährigen Testpersonen aus verschiedenen Ländern. Sie nutzten vorhandene Daten zu kognitiver Leistung, um die episodische Gedächtnisleistung zu ermitteln, also deren Erinnerung an autobiographische Ereignisse. Diese beinhalteten die Aufgabe, sich innerhalb von einer Minute an so viele wie möglich der vorgelesenen Wörter zu erinnern – entweder direkt danach oder nach einer kurzen Verzögerung. Das Team ermittelte für jedes Land das Level der Geschlechtergleichheit auf Basis der Menge an Personen, die der folgenden Aussage zustimmten: „Wenn Jobs knapp sind, sollten Männer das größere Recht haben, einen Job auszuüben als Frauen“.

Die Frauen übertrafen die Männer in Bezug auf die Gedächtnisleistung in wie Schweden, Dänemark, den Niederlanden, den USA und anderen europäischen Staaten. In Ghana, China, Südafrika und in einigen weiteren Staaten mit traditionelleren Geschlechterrollen (wie auch Russland, Portugal, Griechenland und Spanien) war das Ergebnis genau andersherum. Frauen aus diesen Ländern schnitten schlechter ab als die Männer – und genau das hatten die Forscher vorausgesagt. Interessanterweise schnitten Männer aus Ländern, in denen Geschlechtergerechtigkeit herrscht, ebenfalls besser ab als Männer aus konservativen Staaten (wenn auch geringfügig).

Die Ergebnisse waren nicht von der Region oder der ökonomischen Entwicklung eines Landes (BIP pro Kopf aus dem Jahr 2010) abhängig. Ein potentiell ausschlaggebender Faktor ist hingegen, dass moderne Staaten (wie viele der oben genannten Länder) über bessere Gesundheitsversorgung verfügen. Ältere Erwachsene mögen schlicht gesünder sein. Doch dies erklärt nicht zwingend die Unterschiede zwischen den sozialen Geschlechtern – die Studie kam immerhin zu dem Schluss, dass dieser Effekt für Frauen stärker war als für Männer.

Die Autoren argumentieren stattdessen, dass die Einstellungen einer Gesellschaft zu Geschlechterrollen bestimmt, welche Verhaltensweisen und Charakteristiken für Frauen und Männer als angemessen angesehen werden. Diese sozialen Erwartungen wiederum beeinflussen die Lebensziele, Berufswahl und Erfahrungen von Frauen (und Männern). Daraus resultierend kann es vorkommen, dass Frauen in Staaten mit eher klassischem Rollenverständnis weniger Zugang zu kognitiv stimulierenden Aktivitäten aus Bildung und Arbeitswelt haben. Teilhabe an Bildung und Arbeit erklärte tatsächlich die Ergebnisse in 30 Prozent der Fälle.

Schädliche Stereotype

Während die Studie einen Beweis dafür liefert, dass auf Stereotypen basierende Einstellungen unsere Fähigkeiten beeinflussen, bedürfte es für einen umfassenden Test dieser Theorie einer Untersuchung der Fertigkeiten, die stereotypisch als feminin angesehen werden – so wie soziale Sensibilität oder Sprachkompetenz.

Würden zum Beispiel Männer aus Staaten mit traditionellem Rollenverständnis in Tests zur sozialen Sensibilität im Vergleich mit den Frauen schlechter abschneiden? Eine Studie, die mit amerikanischen Studenten durchgeführt wurde, hat genau das gezeigt. Und es ist durchaus möglich, dass dieser Effekt in konservativeren Staaten noch viel stärker ausgeprägt ist.

Die Ergebnisse dieser Studie wurden in Form von „Stereotyp-Bedrohung“ erklärt – die Angst, etwas zu tun, womit negative Eigenschaften, die typischerweise mit Mitgliedern einer stigmatisierten Gruppe assoziiert werden, bestätigt oder verstärkt würden. Sagen wir, Sie sind eine Frau und sitzen in einem Mathe-Test. Die allgemeine Auffassung, dass Frauen in Mathe nicht gut sind, spukt in Ihrem Hinterkopf herum, und ihr Ergebnis fällt womöglich schlechter aus, weil Sie Schwierigkeiten haben, sich zu konzentrieren. Die Angst nimmt uns unsere kognitiven Ressourcen und führt zu Leistungsschwäche bei Aufgaben, die für die stereotypisierte Gruppe als Herausforderung angenommen werden.

Dieser Effekt ist sehr stark und wurde in einer Reihe von Studien belegt. Erinnerte man sie an negative Stereotype, schnitten beispielsweise Frauen in Mathe-Tests oder Afroamerikaner in Tests zu intellektuellen Fähigkeiten schlechter ab. Tatsächlich könnte die neue Studie also mit der „Stereotyp-Bedrohung“ erklärt werden.

Wir haben uns die neurologische Untermauerung dieses Effekts angesehen. In unserer neuen Studie, die in der Frontiers Aging Neuroscience veröffentlicht wurde, wurde eine Gruppe älterer Teilnehmer gebeten, einen Artikel über im Alter nachlassende Erinnerungsleistung zu lesen (Altersstereotyp). Wir zeigten, dass daraus resultierend ihre Reaktionszeiten in kognitiven Tests verlangsamt waren. Mehr noch, die Gehirnwellen-Aktivitäten der Testpersonen zeigte, dass ihre Gedanken über sich selbst negativer waren. Dies zeigten EEG-Daten, die mit Hilfe von Elektroden Gehirnwellen maßen und aufzeichneten.

Unsere Studie zeigt, dass kurzfristige Konfrontation mit negativen Stereotypen einen beeinträchtigenden Effekt auf kognitive Funktionen hat. Ähnliche Prozesse mögen bei Frauen, die in Staaten mit konservativem Rollenverständnis ständig negativen Geschlechter- und Altersstereotypen ausgesetzt sind, gewirkt haben – was wiederum ihr schlechtes Abschneiden im Gedächtnistest erklären kann.

Was macht einen Staat sexistisch?

Ein weiterer Faktor, den zukünftige Studien in Betracht ziehen sollten, ist das erweiterte politische System eines Staates – nicht nur die Geschlechter-Einstellungen als solche. Eine Studie nimmt an, dass Modernisierung fortschreitend zu Demokratisierung und Liberalisierung führt – auch in Bezug auf Geschlechterrollen. Das gesellschaftliche Erbe, ob politisch oder religiös, beeinflusst die Werte einer Gesellschaft.

Tatsächlich zeigen unsere Studien zu kulturübergreifenden Einstellungen zu Frauen und Männern, dass diese in langjährigen Demokratien wie Großbritannien liberaler sind als in Staaten, die noch auf dem Wege zu einer Demokratie sind (wie Polen oder Südafrika). Wir haben außerdem herausgefunden, dass Einstellungen zu Geschlechtern auch von dem vorherrschenden politischen System beeinflusst werden: Diese waren in Südafrika nach der Apartheid konservativer ausgeprägt, während sie im post-kommunistischen Polen weniger konservativ waren. So hat also die Geschichte institutionalisierter Ungleichheit (Apartheid) gegen die aufgezwungene Emanzipierung (Kommunismus) einen langanhaltenden Einfluss auf den nationalen Level an Sexismus.

Vielleicht ist es also kein Zufall, dass die Staaten mit einer besonders lange bestehenden Demokratie auch diejenigen mit der größten Geschlechtergleichheit sind. Wie meine Forschung nahelegt, sind sowohl Demokratisierung als auch die Verminderung der „Stereotyp-Bedrohung“ – insbesondere durch die Massenmedien wie zum Beispiel durch Werbung mit nicht-traditionellen Geschlechterrollen – wichtige Faktoren. Dies sollte unser Fokus sein, um bei einer Menge von Fähigkeiten eine größere Gleichheit von Männern und Frauen rund um den Globus zu erreichen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Students having a test in a classroom“ by luckybusiness/AdobeStock.com


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Was mich bei der Arbeit produktiver macht? Geräusche.

St-Oberholz (adapted) (Image by Tobias-Kremkau) (CC BY 4.0)

Der Weg zu allem Großen geht durch die Stille, schrieb einst der deutschsprachige Schriftsteller Paul Keller, einer der meistgelesenen Autoren in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und Inspirationsquelle für Michael Ende zu seinem Roman „Die unendliche Geschichte“. Nun gut, das mag sein, und bestimmt auch auf andere zu treffen, aber ich bin da anders. Ich brauche Geräusche, um vermeintlich Großes zu schaffen.

Vor Kurzem musste ich eine wichtige Abgabefrist für einen Artikel einhalten und plante etwas Zeit am Sonntag ein, um diesen Artikel fertig zu schreiben. Als ich an meinem neuen Schreibtisch saß, einem äußerst schicken Designerstück, passierte einfach nichts. Mir war schon länger bewusst, dass ich niemand mehr bin, der im Home Office produktiv sein kann. In diesem Moment wurde es mir wieder schmerzhaft bewusst.

Warum manche lieber im Café arbeiten

Erst nachdem ich in ein Café in meiner Friedrichshainer Nachbarschaft ging und etwas eingepfercht zwischen Szenetouristen aus Neukölln und Brooklyn saß, und mir den Steckdosenverteiler mit zwei anderen Menschen teilte, konnte ich mich voll dem Artikel widmen. Kaffee ist wichtig für Produktivität, aber ein genauso individueller Aspekt wird gerne schnell vergessen: Geräusche helfen dabei, produktiver zu sein.

Kohlenquelle_Tobias-Kremkau
Arbeiten in der Berliner Kohlenquelle. Image by Tobias Kremkau

Stille tut das unter Umständen nicht, wie ich im Frühjahr 2013 merkte. Es war der erste Tag im neuen Büro des Projekts, für das ich damals arbeitete. Als die Glocken der benachbarten Sophienkirche anfingen zu läuten, wurde mir schlagartig klar, dass ich zum ersten Mal in Berlin bewusst eine Kirchenglocke wahrgenommen hatte und wie still es bisher hier war. Ab dem Moment konnte ich mich nicht mehr konzentrieren.

Mein damaliger Kollege Sebastian Haselbeck empfahl mir daraufhin die App Coffitivity, die mich seitdem durch das Arbeitsleben begleitet. Dieser Webservice, den es auch als App für Android und iOS gibt, spielt einem Hintergrundgeräusche von Cafés aus der ganzen Welt vor. Momentan gibt es sechs Geräuschkulissen, drei davon umsonst. Das Startup selbst forscht nun bereits seit Jahren zum Thema Produktivität.

Ich nutze die App regelmäßig, wenn ich in einer Umgebung arbeite, deren Geräuschkulisse mir nicht liegt. Sogar in meinem Zuhause wende ich sie an. Neulich saß ich an einer für mich wichtigen Präsentation für einen Bankvorstand und schaltete die App ein. Ich kam dadurch so intensiv in meinem Flow, dass ich die nächsten vier Stunden nicht einmal aufblickte. Ich ging so in meiner Aufgabe auf, dass ich Raum und Zeit vergaß.

Hintergrundgeräusche helfen dabei, produktiver zu sein

Dies mag auf den ersten Blick zwar paradox erscheinen, aber ich als Coworking Manager kann am besten in Cafés arbeiten, also mit der Geräuschkulisse von Cafés im Ohr. Vor dem Hintergrund, dass Coworking Spaces aus der Kaffeehauskultur heraus entstanden sind, relativiert sich die Überraschung etwas. Dazu kommt, dass die offenen Räume in Coworking Spaces ähnliche Atmosphären wie in Cafés schaffen können.

Die Studie „Is Noise Always Bad?“ von 2012 wies nach, dass nicht zu laute Hintergrundgeräusche sich grundsätzlich positiv auf die kreative Leistung auswirken können. Das lebendige Drumherum hilft mir persönlich sehr, mich auf meine Arbeit zu konzentrieren. Für andere ist es Musik. Bei der richtigen Musikauswahl wird das Glückshormon Dopamin freigesetzt, was wiederum gute Laune machen und die Leistungsbereitschaft anregen kann.

Was Cafés und Coworking Spaces für manche Menschen zu idealen Arbeitsorten macht, wenden Raumplaner auch in Büros an. Soundscaping nennt sich das, Soundmapping habe ich auch schon einmal gehört, und meint die bewusste Gestaltung des akustischen Umfeld oder der Klangkulisse eines Büros. So soll die Konzentrationsfähigkeit gesteigert und bei richtiger Anwendung sogar die Produktivität vervielfacht werden.

Auf der TEDGlobal 2009 erklärt Julian Treasure, wie uns Geräusche beeinflussen.

Die Arbeit in einem Coworking Space und die intensive Auseinandersetzung mit Fragen zur Zukunft der Arbeit haben mir eines sehr bewusst gemacht: wo, wann und wie Menschen am besten arbeiten können, ist eine sehr individuelle Entscheidung. Für mich persönlich klappt es am besten in lebendig klingenden, offenen Umgebungen. Eine Blaupause für andere kann das aber nicht sein. Im besten Fall aber ein überfälliger Denkanstoß, sich diese Frage einmal selbst zu beantworten.


Images by Tobias Kremkau (CC BY 4.0)


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Die Herausforderungen einer effektiven Führungskraft

Führungskraft (adapted) (Image by Rawpixel) (CC0 Public Domain) via pixabay

Weil die Menschen mehr denn je auf ihre Entscheidungsträger im sozialen, politischen und organisatorischen Bereich schauen, steht eine ordentliche Führungskraft wie nie zuvor im Mittelpunkt. Statt zu helfen, erscheinen Entscheidungsträger allerdings oft als ein Teil des Problems. Wenn es um Politiker geht, wird den Anführern von politischen Parteien oft die Schuld zugesprochen, weil sie daran gescheitert sind, ihren Wählern eine klare Vision zu bieten und für ihre eigenen moralischen Fehler oder ihrer Unfähigkeit, Wahlversprechen einzuhalten, einzustehen.

Theresa May, die britische Premierministerin, wurde weitestgehend für das schlechte Abschneiden der konservativen Partei bei den Parlamentswahlen des Landes im Jahr 2017 verantwortlich gemacht. Ihr roboterhaft herübergebrachtes Motto, dass man „stark und stabil“ bleiben müsse, erhielt viel Kritik.

Währenddessen scheint ein nie endender Nachrichtenfluss die vermeintlichen Lügen des US-Präsidenten Donald Trump aufzudecken und darüber hinaus seine Geeignetheit für das Amt in Frage zu stellen. Andererseits scheint es einen steigenden Trend unter den Politikern auf der ganzen Welt zu geben, Gesetzesvorschläge aufgrund moralischer anstatt ökonomischer Standpunkte zu unterstützen oder sie abzulehnen.

In organisatorischer Hinsicht kriegen wir oft zu hören, dass sich das Vertrauen in Führungskräfte im Zuge der Finanzkrise, einer Reihe von Unternehmensskandalen sowie den fortwährenden Herausforderungen eines Mitarbeiters, eine „gute Arbeitsstelle“ zu sichern, auf einem Rekordtief befindet. Auch wenn man die aufsehenerregendsten Versagensfälle nicht übersehen kann, ist Führung nicht bloß ein Prozess, der sich auf der höchsten Stufe der Hierarchie abspielt. Wenn wir etwas über Führung, und wie sie in einem organisatorischem Umfeld funktioniert, erfahren wollen, müssen wir uns ebenso anschauen, wie Führungsverhalten und Einstellungen innerhalb der gesamten Organisation verbreitet werden.

Was die Forschung sagt

In unserer Forschung machen wir es uns zum Ziel, herauszufinden, was eine effektive Führungskraft ausmacht. Wir waren besonders interessiert an „zielgerichteter Führung“, weil ein rücksichtsvoller und zielgerichteter Ansatz oft als ein Gegenmittel für erzielte Misserfolge, herbeigeführt von einem rücksichtslosen Fokus auf kurzfristige finanzielle Erfordernisse, bejubelt wurde.

Zielgerichtete Führungskräfte sind Personen mit einer starken Überzeugung ihres persönlichen moralischen Kompasses, einer überzeugenden Vision für ihr Team und einer Berücksichtigung der Bedürfnisse des breiten Spektrums an Bedürfnissen der Stakeholder, wenn es um die Entscheidungsfindung geht. Es gibt viele weitere Führungstypen wie beispielsweise die charismatische Führungskraft, die auf die Stärke der Persönlichkeit und auf eine Vision vertraut, um die Leistungsfähigkeit ihrer Anhänger zu fördern. Dennoch kann die charismatische Führung, wie auch andere Führungsformen, eine dunkle Seite haben, die die Anhänger auf den falschen Pfad führen kann.

Zielgerichtete Führungspersonen sind jedoch vergleichsweise selten. Als wir eine Auswahl verschiedener Manager im Vereinigten Königreich befragten, bewerteten sich lediglich 21 Prozent als sehr zielgerichtet. Als wir diese Zahl noch weiter herunterbrachen fanden wir heraus, dass 35 Prozent aller Anführer aussagten, dass sie eine starke Vision für ihr Team haben und sich einem breiten Spektrum von Stakeholdern gegenüber verpflichtet fühlen. Nur acht Prozent sagten aus, dass sie einen starken moralischen Kompass besitzen. Als wir die Mitarbeiter fragten, sagten 40 Prozent aus, dass ihr Manager sich ethisch korrekt verhält.

Dies ist wichtig, weil die Befragung herausfand, dass zielgerichtete Führungskräfte von ihren Anhängern als moralisch vorbildlich angesehen werden. Dadurch sind die Mitarbeiter zufriedener, leisten mehr, kündigen nicht so schnell und sind eher zu Mehrarbeit bereit.

Zielgerichtete Anführer entstehen aber nicht im luftleeren Raum; einige Organisationen sind geeigneter als andere, wenn es darum geht, ein Arbeitsumfeld zu entwickeln, in der eine Führungskraft sich zielgerichtet verhalten kann. Als wir uns sowohl öffentliche, private und gemeinnützige Sektoren in Fallstudien angeschaut haben, tauchten hier einige interessante Abweichungen auf.

In Organisationen, bei denen die oberste Führung ein positives Beispiel darstellte, war die umfassende Verbreitung zielgerichteter Führung innerhalb der Organisation wahrscheinlicher. Eine Person, mit der wir in einem Handelsunternehmen sprachen, erläuterte: „Unser Vorstandsvorsitzender ist sehr, sehr visionär und absolut jeder hat die Vision geglaubt, die er wegen der Umwandlung des Unternehmens kommen sah. Ich glaube, dass es einen hohen Bewusstseinsgrad auf allen Mitarbeiterebenen gibt.“

Genauso wichtig ist eine starke Sammlung authentischer Unternehmenswerte. Bei einer Stiftung wussten und teilten die Leute dieselben Werte und ethischen Überzeugungen, was sie dazu ermutigt, sich übermäßigen Forderungen entgegenzustellen. Wir fanden auch heraus, dass klare und bekannte Richtlinien zum Whistleblowing viele Menschen von einer Organisation überzeugt hatte, die die Fragen der Ethik ernst nimmt. Auch wenn nicht alle Leute sich mit der spezifischen, religiösen Tradition der Stiftung identifizierten, waren sie dennoch begeistert vom ethischen Kodex, der von der Führungskraft vorgegeben wird.

Befreie deine Leute

Was sich aus der Studie ebenso ergab, war der schädigende Effekt, der die verborgene Arbeit in einer eingeengten Umwelt aufweist. Wo immer den Menschen entweder die Zeit oder die Ressourcen fehlten, war das erste Opfer meistens die Fokussierung auf Zielgerichtetheit und die ethischen Fragen. Wie es ein Anführer der Abteilung der Zentralregierung sagte: „Wenn Du sehr sehr hart arbeitest und die Dinge stressig werden, konzentrierst Du Dich auf die Aufgabe anstelle der Person.“

Eine andere Einschränkung von Organisationen ist die Schwierigkeit und Einbettung einer einzigen, klaren und konsequenten Vision, speziell in großen diversen Organisationen, die bereits eine Reihe von Neuorganisationen, Zusammenschlüssen und Übernahmen durchgemacht haben. Dies wurde von einem Teilnehmer zusammengefasst, der kommentierte, dass seine Organisation „eine Unmenge an Visionen hat“, die die Mitarbeiter verwirrte und im unklaren darüber ließ, wo die Prioritäten liegen.

Es gibt eine Reihe an Möglichkeiten für Führungskräfte, um zu zeigen, dass sie „zielgerichtet führen“. Die erste ist es, sicherzustellen, dass man weiß, wie die Vision der Organisation aussieht. Wer sich in einer leitenden Funktion befindet, sollte eine eine bedeutungsvolle und weit verbreitete Vision erarbeitet haben. Jede Führungskraft wird dann darüber nachdenken müssen, wie diese Vision für sein Team relevant werden kann. Regelmäßige Diskussionen über Visionen und Werte sind wichtig, damit die Menschen sehen, wir ihre Arbeit der Organisation nutzt und welchen Beitrag sie leistet.

Zweitens sollten sich Anführer Gedanken über ihren persönlichen moralischen Kodex machen: Welches sind die Kernwerte, die für Dich selber als Individuum am meisten zählen? Die Leute lassen ihre Werte nicht an der Eingangstür zurück, wenn sie ihre Arbeitsstelle betreten, also sollte man darüber nachdenken, wie die Werte in die eigene Arbeit integriert werden können. Schlussendlich sollte man sich im Entscheidungsfindungsprozess nicht auf kurzfristige Leistungsergebnisse konzentrieren, sondern ebenso darüber nachdenken, wie die verschiedenen Stakeholder davon beeinträchtigt werden.

Angesichts des momentan vorherrschenden Arbeitsklimas und der langen Zeit der Instabilität und Veränderung im Vereinigten Königreich während der Vorbereitungen auf den Brexit ist es wahrscheinlich, dass diese Belastungen nur größer werden. Dies wird Führungskräfte aus allen Bereichen vor weitere Herausforderungen stellen, „zielgerichtet“ zu handeln, obwohl die Notwendigkeit dieses Handelns noch nie wichtiger war.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Teamwork“ by rawpixel (CC0 Public Domain)


 

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Chronisch Kranke fordern gesetzlichen Anspruch auf Homeoffice

Homeoffice (adapted) (Image by kaboompics) (CC0 Public Domain) via Pixabay

Tim Cole und Ossi Urchs haben in ihrem Buch „Digitale Aufklärung“ die Dezentralität als „Wertschöpfungsnetzwerk“ beschrieben: Komplexe Aufgaben werden in einfache Module zerlegt und über das Netzwerk an Personen vergeben, die dafür die nötige Kompetenz und Zeit besitzen. So werden einzelne Mitarbeiter, Arbeitsgruppen und sogar ganze Organisationseinheiten projekt- und aufgabenbezogen zu Teams zusammengeführt und bilden damit eine Art virtuelle Organisation auf Zeit. Urchs und Cole sprechen sehr treffend von einer „Cloud-Belegschaft“. Technologisch ist das schon längst umsetzbar.

Magere Homeoffice-Bilanz in Deutschland

In der Realität sieht das leider anders aus. Der Anteil der Beschäftigten, die im Homeoffice arbeiten können, stagniert oder wird in manchen Unternehmen sogar wieder zurückgeschraubt. Deutschland liegt nach einer Studie des DIW beim Anteil der Personen mit Homeoffice unter dem EU-Durchschnitt und deutlich hinter anderen Ländern wie Frankreich oder den skandinavischen Ländern zurück. Nur zwölf Prozent aller abhängig Beschäftigten hierzulande arbeiten überwiegend oder gelegentlich von zu Hause aus, obwohl dies bei 40 Prozent der Arbeitsplätze theoretisch möglich wäre. In den meisten Fällen scheitert der Wunsch nach Heimarbeit an den Arbeitgebern. Würden sie umdenken, könnte der Anteil der Heimarbeiter auf über 30 Prozent steigen.

Viele Arbeitnehmer fürchten sich davor, dass die eigenen Leistungen über dezentrale Strukturen nicht mehr richtig wahrgenommen werden. Beschäftigte lieber im Büro arbeiten zu lassen, ist auf der Arbeitgeberseite häufig von der Tatsache beeinflusst, dass man Führung über Autorität und weniger über Vertrauen realisiert. Das sind die beiden wichtigsten Angstaspekte: Zum einen die Frage aus Arbeitgebersicht, ob Mitarbeiter ohne Kontrolle überhaupt Ergebnisse leisten und zum anderen, ob Kontrolle außerhalb der Unternehmensgrenzen überhaupt möglich ist.

Pomadiger Breitbandausbau trocknet ländliche Regionen aus

Und dann gibt da noch den pomadigen Breitbandausbau, der sich negativ auf die Verteilung der Arbeitskräfte auswirkt. Der demographische Wandel ist geprägt von Regionen, die durch ihre urbane Struktur überhaupt kein Problem bei qualifizierten Arbeitskräften haben. Aber es gibt immer mehr Regionen, die zurückbleiben. Des Weiteren zeigt sich die Entwicklung, die man landläufig nur für Ostdeutschland vermutet hat, nun auch dramatisch in Westdeutschland.

Es ist also ein generelles Problem, dass manche Regionen regelrecht ausbluten, da die Überalterung zusätzlich damit verbunden ist, dass die jungen und mobilen Leute diese Regionen verlassen. Kritisch wird es vor allem in Regionen, in denen keine angemessene digitale Anbindungs-Konstellation gegeben ist. Gerade für dezentrales Arbeiten benötigt man schnelles Internet. Aber da gibt es einen Teufelskreis. Jene Regionen, in denen Firmen abwandern oder Nachwuchskräfte das Dorf oder den ländlichen Raum verlassen, büßen Steuer- und Gebühreneinnahmen ein. Diese wiederum werden benötigt, um Infrastruktur zu finanzieren.

Starre Arbeitsmodelle schlecht für chronisch Kranke

Auch chronisch Kranke sind von den starren Arbeitsmodellen in Unternehmen und der öffentlichen Verwaltung betroffen. „Für Rheumaerkrankte führt das zu vielen Problemen, etwa wenn Arzttermine anstehen. Rund 81 Prozent der Befragten haben sich dafür ausgesprochen, dass es einen gesetzlichen Anspruch auf Homeoffice geben sollte“, teilt die Deutsche Rheuma-Liga in einer Pressemitteilung mit.

Das Notiz-Amt begrüßt diese Initiative und verweist auf eine Podiumsdiskussion im Digital Hub Bonn, wo es um das Thema Rheuma & Arbeit geht. Im Livestream auf Facebook könnt Ihr die Bonner Kandidaten für den Deutschen Bundestag in der Kommentarfunktion ja mal fragen, was sie von dieser Forderung halten und warum dezentrales Arbeiten nicht stärker gefördert wird. Am Dienstag, den 15. August, um 18 Uhr geht es los.


Image „Homeoffice“ by kaboompics (CC0 Public Domain)


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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • WAHL googlewatchblog: Google Trends & 2Q17: Google startet neues Trends-Portal zur Bundestagswahl 2017: Welche Suchanfragen machen die Deutschen em häufigsten zur Bundestagswahl? Welche Partei ist online am beliebtesten? Wo liegen ihre Interessen? Google hat ein Trendportal redaktionell aufgearbeitet und stellt nun diese Daten zur Verfügung. Erst kurz davor hatte Google angekündigt, dass Politiker zur Bundestagswahl selbstverfasste Politikerinformationen in den Suchergebnissen anzeigen lassen können. In einem andren Portal zeigt Google auch an, mit welchen Suchbegriffen die Spitzenkandidaten verknüpft sind. Damit kann die Suchmaschine zu einem aktiven Wahl-Werkzeug werden.

  • GAMING heise: Studie: Computerspiele könnten die Gedächtnisbildung beeinflussen: Eine kanadische Studie hat nun den Einfluss von Videospielen auf die Gehirnentwicklung haben. Ergebnisse sind unter anderem, dass Spiele weder einen rein negativen oder rein positiven Einfluss haben. Die Veränderungen hängen davon ab, welche Art von Lernen die Spieler bevorzugen. Die Forscher sind zuversichtlich, dass sie mit den Ergebnissen, die sie aus dieser Studie gewonnen haben, weitere Phänomene erklären zu können.

  • WATCH zeit: Reality TV statt Hochglanzdrama: Facebook ist jetzt auch im Fernsehmarkt. Denn das Netzwerk finanziert mit „Watch“ nun eigene Fernsehinhalte. Über Facebook Watch sollen Mitglieder von Facebook demnächst exklusive Serien und Filme streamen können – direkt aus der App. Der Service soll kostenlos sein. Die Videos in Facebook Watch sind momentan noch empfehlungen von abbonierten Freunden, soll allerdings um ein breites Angebot erweitert werden. Gemessen werden die Empfehlungen an der Anzahl der Reaktionen, beispielsweise des Lach-Smileys. In einem Blogeintrag stellen Produzenten des Dienstes auch Livestream Möglichkeiten und ständige Kontaktaufnahme mit den Videomachern in Aussicht.

  • UBER handelsblatt: Großaktionär verklagt Ex-Chef Kalanick: Angesichts fallender Bewertungen am Kapitalmarkt verklagt Benchmark Capital, einer der größten Investoren des Fahrdienstvermittlers Uber, das Unternehmen und seinen früheren Vorstandschef Travis Kalanick. Die Vorwürfe seien Betrug, Verletzung der Sorgfaltspflicht und Vertragsmissbrauch. Der Investor fordert aufgrund der vielen Skandale und Ereignisse innerhalb von Uber Schadensersatzzahlungen. Uber hatte zuletzt große Einschnitte in den gehandelten Bewertungen hinnehmen müssen, so dass Benchmark Capital mit 20 Prozent Stimmrecht anhand ihrer Aktien ein sehr wichtiger Investor für die Zukunft von Uber ist.

  • SNAPCHAT spiegel: Snap-Aktie stürzt ab: War der Weg an die Börse doch nicht das Richtige? Snapchats Mutterfirma Snap Inc. Enttäuscht auch mit dem zweiten Quartalsbericht an der Wall Street. Trotz wachsender Nutzerzahlen konnte das Unternehmen keine hohen Umsätze verzeichnen. Der Verlust stieg drastisch von 116 Milliarden auf 443 Milliarden US-Dollar. Diesen Verlust konnte auch der um 150 Prozent gestiegene Umsatz nicht ausgleichen. Der Grund für die fallenden Zahlen sind Konkurrenzdienste wie Instagram, die einst einzigartige Funktionen von Snapchat kopieren.

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  • SMARTPHONE netzwelt: Studie: Legt das Smartphone besser nicht auf den Tisch!: Das Smartphone einfach mal nicht auf den Tisch, sonders woanders hinlegen. Das kann auch auf der Arbeit besonders sinnvoll sein, wie eine Studie jetzt bewiesen hat. Die Gehirnleistung wird stark beeinträchtigt, sobald sich das Smartphone direkt auf dem Tisch befindet, was Forscher der Universität Texas in Austin jetzt herausgefunden haben und dabei reicht schon die bloße Präsenz des Geräts. Einer der Gründe ist vor allem, dass wir ständig den Drang unterdrücken, immer wieder auf eingehende Nachrichten zu achten. Also besser mal das Smartphone auf der Arbeit beiseitelegen.

  • AMAZON Handelsblatt: Drogeriekette macht bei Amazon Prime mit: Eine Kooperation zwischen Amazon und Rossmann in Berlin – in diesem Sinne soll der Online-Händler ein ganzes Einzelhandelssegment, den Drogeriebereich, abdecken. Wie soll das Ganze funktionieren? Prime-Kunden können dann etwa 5.000 Artikel bestellen, die sie innerhalb weniger Stunden nach Hause geliefert bekommen. Unter dieser Auswahl befinden sich aber nicht nur Drogerieprodukte, sondern auch Lebensmittel und Babyprodukte.

  • NETFLIX WELT: Disney kündigt Netflix – und setzt auf eigenen Streaming-Dienst: Disneys erster eigener Stramingdienst – Disney hat die Partnerschaft mit Netflix gekündigt. Ab dem Jahr 2019 sollen keine Neuveröffentlichungen mehr von Disney auf dem Streamingportal ausgestrahlt werden. Vielmehr plant der US-Unterhaltungsriese ein eigenes Streamingangebot mit eigenen Inhalten auf den Markt zu bringen. Nachdem Disney dies angekündigt hatte, rutschten die Netflix-Aktien um fünf Prozent ab.

  • SMARTPHONE Heise: Essential Phone findet Investoren und startet Serienfertigung: Die Firma von Andy Rubin, dem Erfinder von Android, ist es gelungen genügend Investoren zu finden, um sein erstes Smartphone, dem Essential Phone, fertigen zu lassen. Hierbei handelt es sich um ein Android-Gerät mit einem 5,7-Zoll-Bildschirm und einem Titangehäuse. Der Preis in den USA soll etwa bei 700 US-Dollar liegen. Eigentlich hätte das Smartphone schon im Juni im Handel verfügbar sein sollen, doch konnte diese Frist nicht eingehalten werden. In der kommenden Woche soll ein neuer Termin bekannt gegeben werden.

  • GOOGLE GoogleWatchBlog: Better Ads: Google will das Web von aufdringlicher Werbung befreien und zeigt die größten Probleme: Um aufdringliche Werbung herauszufiltern, möchte Google im Chrome Browser einen Adblocker integrieren. Das Ganze soll in etwa fünf Monaten geschehen. Zudem möchte Google den Webmastern dabei helfen, die Werbung „akzeptabel“ umzugestalten. Zu diesem Thema hat Google jetzt eine Statistik veröffentlicht, die die Probleme aufzeigt, die durch sogenannte Adblocker entstehen.

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  • SMARTPHONEt3n: Smartphones machen dumm und unkonzentriert, auch wenn man sie gar nicht nutzt: Eine Studie mit rund 800 Smartphone-Nutzern der Universität Texas hat herausgefunden, dass die Anwesenheit eines Smartphones die Denk- und Konzentrationsfähigkeit beeinträchtigt. Durch einige Computerbasierte Tests wurden diese Faktoren untersucht. Beispielsweise schnitten Nutzer am schlechtesten ab, die ihr Smartphone auf dem Tisch liegen hatten, am besten diejenigen, die es im Nebenraum liegen hatten. Die Anwesenheit des Smartphones verhindert konzentration, da sich das Gehirn darauf konzentrieren muss, nicht auf das Smartphone zu gucken.

  • APPS sueddeutsche: Stiftung Warentest: „Pokémon Go“ oder „Candy Crush“ sind nichts für Kinder: Stiftung Warentest und jugendschutz.net haben in einem aktuellen Test 50 Handyspiele auf Kinder- und Jugendschutz und Datenschutz untersucht. Viele der Apps, beispielsweise „Candy Crush“ oder „Pokémon Go“ wurden von den Testern als bedenklich eingestuft. Grund dafür sind zu aufdringliche Werben oder Aufforderungen zu In-App-Käufen. Einen ausreichenden Datenschutz bieten nur vier der in der Studie getesteten Apps. Stiftung Warentest empfiehlt Eltern mit ihren Kindern mitzuspielen um sie über Gefahren aufklären zu können, nicht altersgerechte Apps mit einer Kindersicherung zu sperren und während die Kinder spielen alle Internetdienste auszuschalten, da so Chatfunktionen oder Werbung unterbunden werden kann.

  • CYBERANGRIFFE handelsblatt: Cyberangriffe treiben Kosten langfristig nach oben: Nach der erneuten Cyberattacke, die auch in Deutschland einige Unternehmen befallen hat, schätzen Versicherer nun ein, dass die Kosten für Firmen drastisch ansteigen können. Es müssen mehr Gelder und langfristige Kosten eingeplant werden. Vielen fehle ein Verständnis der Konsequenzen der Cyberangriffe, sagte Lloyds-Chefin Inga Beale. Konsequenzen seien beispielsweise Abgang von Kunden und fallende Aktienkurse.

  • FACEBOOK techcrunch: Facebook now has 2 billion monthly users… and responsibility: Der US-Konzern Facebook jagt einen Rekord nach dem anderen. Facebook zählt mittlerweile 2 Milliarden monatliche Nutzer. Dreizehn Jahre nach Gründung von Facebook und nur 5 Jahre nach dem ersten Meilenstein kann Facebook dieses Wachstum verkünden. Gründe für den Anstieg der Nutzerzahlen ist die immer schneller werdende Innovation und Entwicklung im Technikbereich, der die Menschen miteinander über soziale Netzwerke wie Facebook vernetzt. Doch mit Wachsender Nutzerzahl werden nun auch Bedenken laut, dass sich Facebook mehr seiner Verantwortung bewusst werden solle.

  • FESTNETZ faz: Wozu noch Festnetz?:
    Brauchen wir das Festnetz überhaupt noch in Zeiten von Smartphones, wo doch alles schneller, mobiler und moderner geht? Kommunikation via Festnetz und generelles Telefonieren wird heutzutage sogar als leicht aufdringlich gesehen, viel diskreter hingegen eine kurze Nachricht per Whats-App. Doch das Festnetz bietet auch Vorteile, unabhängig vom Akku und Empfang, eine gute Akkustik und nicht wegzudenken, das Familientelefon. Die Traumkombination aus beiden bietet derzeit das Home Talk füs iPhone und Android.

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Warum Emojis der nächste Passwort-Trend werden könnten

Emoji (adapted) (Image by TeroVesalainen [CC0 Public Domain] via pixabay

Würdest du dein Smartphone lieber mit einer simplen und klassischen 4-stelligen PIN oder mit einem Emoji entsperren? Wäre es einfacher und komfortabler, „🐱💦🎆🎌“ im Kopf zu behalten als beispielsweise „2476“?

Smartphone-Nutzer benutzen Emojis normalerweise, um Stimmungen, Gefühle und Gesprächsnuancen in E-Mails und Textnachrichten auszudrücken. Teilweise werden sogar ganze Nachrichten nur mit Emojis verschickt. 2015 hat eine britische Firma versucht, Emoji-Passwörter anstelle von PINs an Bankautomaten einzusetzen. Allerdings gibt es bis jetzt noch keine offizielle Studie darüber, wie einfach diese zu benutzen waren oder wie sicher die Emoji-Passwörter im Vergleich zu anderen Methoden wie PINS sind.

Um mehr darüber durch ein Experiment und in der echten Welt herauszufinden, hat ein Team von Wissenschaftern der Technischen Universität Berlin, der Universität Ulm und der University of Michigan unter der Leitung der Doktorandin Lydia Kraus von der TU Berlin den Dienst EmojiAuth entwickelt. EmojiAuth ist ein Emoji-basiertes Login-System für Android-Smartphones.

Wie gut würden Nutzer sich an ihre emojigesteuerten Passwörter erinnern können? Wären diese möglicherweise auch sicherer? Und könnten sie ebenfalls unterhaltsamer sein und das Entsperren des Smartphones für den Nutzer spaßiger gestalten?

Emoji-Passwörter kreieren

Die meisten Smartphone-Nutzer haben ihren Bildschirm gesperrt und müssen diesen dementsprechend mehrmals täglich entsperren. Viele Menschen nutzen numerische PINs, aber die Forschung hat gezeigt, das Bilder einfacher zu merken sind als Zahlen oder Buchstaben. PINs können aus einer geringeren Anzahl von Symbolen zusammengesetzt werden oder aus einer Kombination aus den Zahlen 0 bis 9. Passwörter hingegen können aus einer deutlich größeren Anzahl Ziffern bestehen, sind allerdings schwierig auf Smartphones zu tippen. Emojis dagegen erlauben es uns, von über 2.500 möglichen Emojis zu wählen, wodurch die Emoji-Passwörter viel resistenter gegen Hacking oder Spionage sind.

Im ersten Experiment gaben wir 53 Teilnehmern ein Android-Smartphone und teilten sie in zwei Gruppen ein. Die erste Gruppe von 27 Personen suchte sich ein Passwort aus, welches aus zwölf beliebigen Emojis bestand. Die zwölf beliebigen Emojis konnten aus einer Emoji-Tastatur ausgewählt werden, die aus allen möglichen Emojis individuell für jeden Nutzer generiert wurde. (Sobald die Tastatur eingestellt wurde, blieb es gleich). Die verbleibenden 26 Personen suchten sich eine numerische PIN aus.

In den meisten Fällen haben die Teilnehmer ihr Emoji-Passwort nach einer der drei folgenden Methoden ausgewählt:

  1. nach einem Muster des Emoji-Keyboards (beispielsweise von oben nach unten oder die Emojis, die sich in den Ecken befinden),
  2. nach persönlichen Vorlieben für bestimmte Emojis oder
  3. es wurden mit den Emoji-Mustern Geschichten kreiert.

Ein Teilnehmer hatte beispielsweise ein Lied im Kopf und suchte Emojis aus, die dem Text des Liedes entsprachen. Nachdem die Teilnehmer einige Male das neue Passwort eingegeben hatten, wurden sie eine Woche später gebeten, die Passworte für den Test in das Smartphone einzugeben.

Die Resultate ergaben, dass sowohl PINs als auch Emoji-Passworte leicht zu merken sind. Alles in Allem haben die PIN-Nutzer ihr Passwort im Schnitt ein paar Mal häufiger behalten. Das könnte allerdings auch daran liegen, dass Menschen in der Regel daran gewöhnt sind, PINs zu nutzen und sich diese zu merken. Die Teilnehmer mit den Emoji-Passworten berichteten allerdings von größerem Spaß bei der Eingabe ihrer Codes.

Emoji-Passworte im Alltag

Als nächstes wollten wir herausfinden, wie gut Emoji-Passworte dem Test im Alltag standhalten. Auf den Android-Smartphones von 41 Teilnehmern wurde ein spezieller Login-Screen für deren Email-App für etwa zwei Wochen installiert. Die eine Hälfte nutzte Emoji-Passworte, die andere Hälfte nutzte PINs.

Wie wir in dieser Studie herausfanden, haben die Nutzer, die Emoji-Passworte verwendeten, Emojis gewählt, die einem Muster auf der Tastatur entsprachen, nach persönlichen Vorlieben ausgesucht wurden oder eine Geschichten erzählten. Beide Teilnehmergruppen, sowohl die Gruppe mit den PINs als auch die mit den Emojis, berichteten, dass ihr Passwort leicht zu merken und zu nutzen war. Die Emoji-Testgruppe gab jedoch an, dass die Eingabe ihrer Passworte mehr Spaß machte als nur Zahlen einzugeben.

Zusätzliche Sicherheit

Am Ende der Studie haben wir die Sicherheit der Emoji-Passwörter getestet. Hierfür haben wir die Teilnehmer gebeten, den Leitern der Studie über die Schulter zu schauen, während diese ihr Passwort eingaben. Dabei fanden wir heraus, dass die Emoji-Passworte , die auf sechs zufällig gewählten Emojis basieren, bei dem „über-die-Schulter-schauen“ am schwierigsten zu „klauen“ beziehungsweise zu merken waren.

Andere Arten von Passwörtern, wie zum Beispiel vier oder sechs Emojis oder Zahlen, die nach einem Muster gewählt wurden, waren leichter zu beobachten und korrekt zu merken. Unsere Studien, die ein Mitglied unseres Forschungsteams am 30. Mai in Rom präsentieren wird, zeigen, dass eine Emoji-basierte mobile Identifikation nicht nur praktisch ist, sondern auch eine unterhaltsame Art, sich Passwörter leichter zu merken und diese zu schützen. Dies gilt nur, solange die Nutzer keine Emojis verwenden, die einem Muster der Tastatur entsprechen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Emoji“ by TeroVesalainen (CC0 Public Domain)


The Conversation

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Gallup: Wie Führungskräfte ihre Mitarbeiter zur inneren Kündigung treiben

Image (adapted) (Image by energepic)[CC0 1.0] via Pexels

Kommunikation in Unternehmen besteht oft nur noch aus positiven Phrasen. Wenn Mitarbeiter dann zynisch werden, ist es meistens schon zu spät. Das gilt auch für viele Social Media-Berater: Sie predigen Wasser und saufen Wein. Sie sind im Ego-Shooter-Modus unterwegs und pflegen die Clickbaiting-Kunst. Die selbsternannten Gurus propagieren eine Kultur des Teilens und sind selbst mehr als geizig beim Verschenken von Aufmerksamkeit und Link-Autorität. Sie fordern Dialogbereitschaft, turnen aber nur im Sender-Modus durchs Netz. Nur die Maschine der Selbstvermarktung läuft auf Hochtouren.

Lächerliche Kommunikation

In der externen und internen Unternehmenskommunikation glänzen diese Protagonisten mit einem Stakkato aus positiven Floskeln. Das wirkt nicht nur extern lächerlich, sondern auch intern:„Das kann so mit der Realität einer Organisation nicht übereinstimmen. Keine Organisation der Welt ist nur positiv. Deshalb entsteht ein riesiger grauer oder gar schwarzer Bereich an nicht formulierten Negativeindrücken. Und die braucht ein Ventil und das ist der Zynismus“, so der Soziologe Dirk Baecker. Zynismus sei eine Form der extrem intelligenten Beobachtung. Der zynische Kommentar ist in der Regel der letzte Kommentar zu einem Sachverhalt. Vorher schaltet man in den Modus „Dienst nach Vorschrift“ oder reagiert mit innerer Kündigung, was nach Analysen von Gallup bei 85 Prozent der Beschäftigten der Fall ist. „Der Zynismus ist die Form der Rede und die innere Kündigung ist die Form des Handelns“, konstatiert Baecker.

Und das hat viel mit den Vorgesetzten zu tun. „Die Arbeitszufriedenheit in Deutschland hängt sehr stark von Führungsqualitäten ab“, so Gallup-Studienleiter Marco Nink in einer Session auf der re:publica in der Watson Work Lounge von IBM.

Gallup: Wo bleiben die emotionalen Bedürfnisse der Mitarbeiter?

Wie werden die emotionalen Bedürfnisse der Beschäftigten am Arbeitsplatz berücksichtigt? Da sieht es düster aus. „Ist da jemand, der sich für mich als Mensch interessiert? Bin ich nicht nur ein Rädchen im Getriebe oder werde ich wirklich als Individuum behandelt? Die jährliche Engagement-Studie von Gallup fördert in den vergangenen 16 Jahren ein sehr drastisches Bild zutage. Den wenigsten Führungskräften gelingt es, diese Bedürfnisse zu adressieren“, erläutert Nink. Die große Masse der Beschäftigten macht deshalb Dienst nach Vorschrift. „Das ist keine Frage der Einstellung auf Seiten der Mitarbeiter, sondern eine Frage der Mitarbeiterführung“, betont Nink. Was läuft also falsch in unserem Land, wo wir doch seit Ewigkeiten über New Work, Motivation, flache Hierarchien, Mitbestimmung, 360-Grad-Beurteilungen, rote und blaue Felder in Organisationen, kybernetische Steuerungsmethoden und Motivationsmethoden sinnieren?

97 Prozent der Führungskräfte finden sich toll

„Es beginnt beim Fremdbild und Selbstbild der Führungskräfte. Wir haben in der letzten Untersuchung gefragt, wie sich Führungskräfte einschätzen. Nahezu alle, also 97 Prozent haben uns gesagt, sie halten sich für eine gute Führungskraft. Wenn man das Fremdbild dagegen setzt, passt das überhaupt nicht zur Realität. Sieben von zehn Beschäftigten geben zu Protokoll, in ihrer beruflichen Karriere auf schlechte Führungskräfte gestoßen zu sein. Ein Fünftel denkt zur Zeit darüber nach, wegen des direkten Vorgesetzten das Unternehmen zu verlassen“, sagt der Gallup-Forscher.

Humankapital als Kostenfaktor

Es reicht wohl nicht aus, in hübschen Schaubildern und abstrakten Abhandlungen über die Veränderungen der Organisation zu fabulieren. Man muss grundlegender denken. Was macht gute Führung aus? Fast alle Vorgesetzten sind nach Erfahrungen von Nink fachlich hervorragend ausgebildet. Im Tagesgeschäft reicht das nicht aus. In MBA-Programmen, in der BWL oder in Business-Schools geht es in erster Linie um Kennzahlen, das Verwalten und um „Humankapital“ als Kostenfaktor. Der menschliche Umgang mit Mitarbeitern steht nicht auf der Agenda. „Wir müssen die Ausbildung verändern und die Beförderungslogik in Unternehmen durchbrechen. In Deutschland macht jemand Karriere, wenn er lange dabei ist oder etwas besonders gut in seinen fachlichen Aufgaben kann. Das sind keine belastbaren Indikatoren. In vielen Fällen befördern Unternehmen ihre qualifizierten Mitarbeiter zu einer ganz schlechten Führungskraft“, kritisiert Nink in Berlin.

Fehlanzeige bei digitaler Medienkompetenz

Besonders mangelhaft seien die digitalen Medienkompetenzen. Es gehe nicht mehr nur um Face-To-Face-Gespräche, sondern auch um virtuelle Teams, um Interaktion und um Matrix-Organisationen. „Man schaut auf Kennzahlen und missachtet dabei die weichen Faktoren, was wiederum zu Lasten der Kennzahlen geht“, moniert Nink. Ein Teufelskreis, der den Druck im Unternehmen weiter erhöht. Dabei haben Teams mit emotionaler Bindung 50 Prozent weniger Fehlzeiten, weniger Fluktuation, weniger Arbeitsunfälle und weniger Schwund in der Produktion. Sie kommen auch bei Kundenbewertungen besser weg. Wer sich um die qualitativen Kriterien der Arbeit nicht kümmert, versagt auch bei den quantitativen Kriterien. So einfach ist das.

Seit einigen Wochen gibt es dazu einen sehr kritischen New Work-Diskurs: „Grundtenor der Diskussion ist, dass das, was ‚oberflächlich nach Emanzipation aussieht, in Wirklichkeit nichts anderes als ein Straffen der Fesseln’ sein könnte, wie es die englische Philosophin Nina Power in Bezug auf das Neue Arbeiten schrieb“, so die DigiTreff-Moderatorin Inga Ketels.

Das Notiz-Amt fürchtet, dass das recht idealistische New Work-Konzept in der Realität der Arbeitswelt letzten Endes nichts anderes sein könnte als digitale Käfighaltung mit einem scheinheiligen Anstrich von Wohlfühl-Maßnahmen.

Am Donnerstag werden wir das ab zirka 18 Uhr beim Bonner DigiTreff im Digital Hub besprechen. Mit Anwesenden nach dem Fishbowl-Prinzip und mit den Abwesenden über Facebook Live. Man hört, sieht und streamt sich.


Image (adapted) „pexels-photo-288477“ by energepic (CC0 Public Domain)


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Daten und Organe: Warum Spenden nach dem Tod sinnvoll ist

Ehr (adapted) (Image by mcmurryjulie [CC0 Public Domain] via pixabay)

Den meisten Menschen ist bewusst, dass sie ihre Organe spenden können, wenn sie sterben. Das zu tun, ist sehr wichtig: Jeder verstorbene Spender kann damit Leben retten, wenn er seine Organe und sein Gewebe spendet und diese für Transplantationen genutzt werden. Die Unterstützung der Organspende durch die Bevölkerung ist sehr groß – in manchen Ländern beträgt sie mehr als 80 Prozent, auch wenn viele Menschen es noch nicht geschafft haben, sich als Organspender registrieren zu lassen. Aber Organe sind nicht das Einzige, was ihr spenden könnt, wenn ihr tot seid. Wie wäre es mit einer Spende eurer medizinischen Daten?

Daten scheinen nicht auf dieselbe Art wichtig zu sein wie Organe. Menschen brauchen Organe, um am Leben zu bleiben, um nicht für mehrere Stunden am Tag an der Dialyse angeschlossen sein zu müssen. Medizinische Daten sind ebenfalls sehr wertvoll – auch wenn sie nicht unmittelbar jemandem das Leben retten. Warum? Weil medizinische Forschung nicht ohne medizinische Daten erfolgen kann. Ungünstigerweise sind die Behandlungsunterlagen der meisten Menschen nach ihrem Tod für die Forschung nicht zugänglich.

Beispielweise kann Schichtarbeit den Tagesrhythmus stören. Dies wird inzwischen als eine mögliche Ursache für Krebs angesehen. Eine große Kohortenstudie mit bis zu hunderttausenden Individuen könnte uns helfen, verschiedene Aspekte der Schichtarbeit zu betrachten, inklusive Chronobiologie, Schlafstörungen, Krebsanzeichen und vorzeitigem Altern. Die Ergebnisse einer solchen Studie könnten für die Krebsvorsorge sehr wichtig sein. Aber momentan könnte jede dieser Studien durch die Unmöglichkeit, Daten von Teilnehmern einzusehen und zu analysieren, wenn diese gestorben sind, lahmgelegt werden.

Datenrechte

Während ihrer Lebenszeit haben Menschen bestimmte Rechte, die es ihnen ermöglichen, zu kontrollieren, was mit den sie betreffenden Daten geschieht. Beispielsweise können wir kontrollieren, ob unsere Telefonnummern und Adressen öffentlich zugänglich sind. Wir können Kopien der Daten erfragen, die bei jeglichen öffentlichen Körperschaften von uns gespeichert sind und kontrollieren, was Facebook über uns anzeigt. Wenn wir tot sind, können wir dies alles natürlich nicht mehr. Die Kontrolle unserer digitalen Identität nach dem Tod ist ein kontroverses Thema. Beispielsweise können Familien oftmals nicht auf die iTunes-Käufe oder auf die Facebookseite eines verstorbenen Verwandten zugreifen, um anzuzeigen, dass er oder sie verstorben ist.

Sobald es um medizinische Aufzeichnungen geht, wird es noch komplizierter. Während sie am Leben sind, stimmen viele Menschen einer Teilnahme an medizinischer Forschung zu, sei es ein klinischer Versuch mit einem neuen Medikament oder eine Längsschnittstudie mit medizinischen Aufzeichnungen. Ohne ihre Einwilligungserklärung kann eine Studie normalerweise nicht stattfinden. Medizinische Vertraulichkeit wird allgemein als extrem wichtig angesehen und kann nur durch die Zustimmung des Patienten aufgehoben werden.

In den meisten Rechtsprechungen gilt dies auch, wenn eine Person tot ist – mit dem zusätzlichen Problem, dass von ihr zu diesem Zeitpunkt keine Zustimmung mehr eingeholt werden kann. Aber es wäre falsch, anzunehmen, dass jeder eine solche strenge Datenvertraulichkeit über den Tod hinaus wünscht. Genau wie im Leben würden manche Menschen ihre Daten der medizinischen Forschung zur Verfügung stellen, um neue Behandlungsmöglichkeiten zu entwickeln, die Menschenleben retten könnten.

In Anerkennung dieser Tatsache wurde Forschern in einigen Ländern gestattet, die Daten verstorbener Personen zu nutzen. In Großbritannien werden Behandlungsunterlagen nach dem Tod des Patienten für 100 Jahre als vertrauliche Verschlusssache behandelt. Man kann jedoch die Erlaubnis des Public Records Office einholen, um die Daten des Verstorbenen für die Forschung zu nutzen.

Allerdings hat das Vereinigte Königreich eines der tolerantesten Systeme weltweit, wenn es um die Datennutzung nach dem Tod geht. Im Gegensatz dazu müssen deutsche Forscher einige Hürden meistern. Erstens müssen sie nachweisen, dass das Recht des Einzelnen auf Privatsphäre weniger wichtig ist als der potentielle gesellschaftliche Nutzen durch die Studie – was schwierig zu beweisen ist, da kein Forscher vor Durchführung einer Studie weiß, was deren letztendlicher Nutzen sein wird. Zweitens müssen sie immer, wenn es machbar ist, anonymisierte Daten nutzen. Das heißt, viele wertvolle Hintergrundinformationen über Patienten könnten nicht verfügbar sein, weil alle potenziell identifizierenden Daten entfernt wurden. Drittens müssen die Forscher belegen, dass es keinen anderen Weg gibt, um die Forschungsfrage zu beantworten. Und viertens müssen sie nachweisen, dass die Person nicht um ihre Zustimmung gebeten werden konnte.

In den USA werden Forscher dazu ermutigt, Daten nach dem America COMPETES Act zu teilen. Aber dieses Gesetz bezieht sich auf Daten, die bereits von Forschern genutzt werden, statt ihnen Zugang zu den Behandlungsunterlagen Verstorbener zu geben, welche im Normalfall nach dem Tod vertraulich bleiben.

Unser Vorschlag

Die Forscher müssen sich hier mit riesigen Hürden auseinandersetzen. Auch wenn sie diese irgendwann überwinden können, wird in jedem Fall Zeit und Geld verschwendet. Wäre es nicht einfacher, wenn die Menschen sich als Datenspender melden könnten, genau wie sie sich als Organspender registrieren lassen können? Auf diese Weise läge den Forschern die Zustimmung vor, die Daten postum zu nutzen. Leider gibt es nirgendwo ein existierendes System, um das auch zu leisten.

Als Forscher für Medizin und Ethik empfinden wir die Regelungen, die den Datenaustausch in einigen Ländern abdecken, als unangemessen. Wir meinen, dass Länder nationale Datenbanken von Datenspendern einrichten sollten, die von Patienten genutzt werden könnten, um zu kontrollieren, wie ihre medizinischen Daten genutzt und geteilt werden. Die Patienten sollten mit diesen Datenbanken aber auch die Möglichkeit haben, anzuzeigen, ob sie eine weitere Verwendung ihrer Daten nach dem Tod wünschen.

Die Menschen sollten angeben können, mit welcher Art Projekten sie ihre Daten teilen wollen, welche Teile ihrer Behandlungsunterlagen sie zur Verfügung stellen, und ob sie bereit sind, Daten auch nichtanonymisiert bereitzustellen. Sie sollten ebenfalls eine „allgemeine Zustimmung“ zur zukünftigen Datennutzung erteilen können, wenn sie das möchten. Eine Datenspende nach dem Tod sollte diskutiert werden, um zu vermeiden, dass die Daten mit den Patienten sterben, was wiederum zu weiteren Todesfällen führt, denn es behindert die medizinische Forschung.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Ehr“ by mcmurryjulie (CC0 Public Domain)


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Codewort Introspektion – Wie Veränderungen im Körper unsere Entscheidungen beeinflussen

Wie werden wir uns unserer eigenen Gedanken und Gefühle bewusst? Und was lässt uns wissen, wann wir eine gute oder schlechte Entscheidung getroffen haben? Jeden Tag sind wir mit vielschichtigen Situationen konfrontiert. Wenn wir aus unseren Fehlern lernen wollen, ist es wichtig, dass wir ab und zu über unsere gefällten Entscheidungen nachdenken. Habe ich die richtige Entscheidung getroffen, als ich mit der Hypothek meines Hauses gegen den Markt spekulierte? War die Ampel gerade noch grün oder doch schon rot? Habe ich wirklich Schritte auf dem Dachboden gehört oder war es nur der Wind?

Wenn wir es mit ungewissen Ereignissen zu tun haben, wenn beispielsweise die Windschutzscheibe unseres Wagens während der Fahrt beschlägt, sind wir nicht mehr so sicher, ob wir in dem Moment richtig hingeschaut und uns für die beste Lösung entschieden haben. Wir gehen davon aus, dass die Fähigkeit, unsere eigenen Erfahrungen bewusst zu untersuchen, davon abhängt, als wie zuverlässig oder „verschwommen“ unser Gehirn die Informationen beurteilt, die diese Erfahrungen bewirken. Dieses Erlebnis wird auch Introspektion genannt. Einige Wissenschaftler und Philosophen glauben, dass diese Fähigkeit zur Introspektion ein notwendiges Merkmal des Bewusstseins ist und das entscheidende Bindeglied zwischen Sinneseindruck und Bewusstsein bildet.

Man nimmt an, dass das Gehirn eine Art Statistik aufstellt, die Möglichkeiten gemäß ihrer Verlässlichkeit gewichtet, um ein Gefühl des Vertrauens zu erzeugen. Dieses Gefühl befindet sich mehr oder weniger im Einklang mit dem, was wir tatsächlich gesehen, gefühlt oder getan haben. Und obwohl diese Theorie einen vernünftigen Ansatz bietet, um unser Vertrauen angesichts einer breiten Palette von Situationen zu erklären, vernachlässigt sie eine wichtige Tatsache über unser Gehirn – es befindet sich in unserem Körper. Sogar jetzt, während Sie diese Worte lesen, werden Sie wahrscheinlich zumindest ein vages Bewusstsein davon haben, wie sich Ihre Socken anfühlen, wie schnell Ihr Herz schlägt oder ob der Raum, indem Sie sich befinden, eine angenehme Temperatur hat.

Auch wenn wir uns dieser Dinge nicht immer bewusst sind, gibt der Körper immer wieder vor, wie wir uns und die Welt um uns herum erleben. Das heißt, die Erfahrung ist immer von einem bestimmten Ort aus, in einer bestimmten Perspektive verkörpert. Tatsächlich legen die jüngsten Forschungen nahe, dass unser Bewusstsein von der Welt sehr stark von exakt diesen internen Körperzuständen abhängt. Aber was ist mit Vertrauen? Ist es möglich, dass, wenn wir über das nachdenken, was wir gerade gesehen oder gefühlt haben, unser Körper im Hintergrund die Fäden zieht?

Einrichten des Experiments

Um diese Möglichkeit experimentell zu testen, entwickelten wir ein Szenario, in dem wir subtile, unbewusste Veränderungen in der physiologischen Erregung der 29 Teilnehmer – wie Herzschlag und Pupillenerweiterung – nachvollziehen konnten. Wir wollten herausfinden, wie sich dies auf ihre bewussten Entscheidungen und ihr Vertrauen auf eines einfachen visuellen Reiz hin auswirken würde. Da wir wissen, dass wir Menschen im Allgemeinen unser Vertrauen gemäß der Verlässlichkeit eines Erlebnisses gewichten, wollten wir herausfinden, ob diesem Prozess durch eine plötzliche, unbewusste Veränderung des Erregungszustandes entgegengewirkt werden oder ob er sogar umgekehrt werden könnte.

Dies erforderte einen experimentellen Reiz, bei dem die Präzision oder die sunsicherheit eines visuellen Erlebnisses manipuliert werden konnte. Um dies zu erreichen, mussten Freiwillige auf einem Bildschirm eine Wolke aus sich bewegenden Punkten betrachten und entscheiden, ob diese nach links oder rechts zogen. Sie mussten auch ihr Vertrauen in diese Entscheidung bewerten. Unsere Punktreize wurden insbesondere dahingehend entworfen, dass sie entweder eine hohe oder eine niedrige Wahrnehmungspräzision zulassen.

Auf der linken Seite des Bildschirms bewegten sich die Punkte klar und relativ eindeutig nach rechts. Die rechten Punkte bewegten sich jedoch und verteilten sich über die ganze Fläche. In statistischer Hinsicht ist die Varianz ihrer Bewegung also höher. Wie erwartet, waren die Aussagen der Teilnehmer, die den den rechten Teil mit den verschwommeneren Punkten betrachteten, weniger genau. Die Teilnehmer hatten ein geringeres Vertrauen. Das Gehirn wirkt wie eine Art Statistiker. Ohne, dass unsere Freiwilligen zuvor darüber Bescheid wussten, intergrierten wir bei etwa der Hälfte der Testpersonen eine Abbildung eines angewidertschauenden Gesichtes. Dies wurde jedoch nur so kurz eingeblendet, dass es nicht bewusst wahrgenommen werden konnte.

Diese subtile Manipulation sorgte für einen erhöhten Herzschlag und erweiterte Pupillen bei den entsprechenden Teilnehmern. Dies hat evolutionäre Gründe, denn Gefühle wie Ekel stellen einen starken Reizfaktor für Situationen dar, in denen etwas in unserem Körper schief gegangen sein könnte. Wenn jemand in unserer Nähe also angewidert schaut und sich zu erbrechen beginnt, wird oftmals eine ähnliche Reaktion in unserem eigenen Körper ausgelöst. Durch eine kurze Reizung bei allen Teilnehmern, die dieses Signal erhielten, konnten wir eine Art „introzeptiven Vorhersagefehler“ bewirken – wir konnten ihr Gehirn dazu bringen, zu denken, dass in ihrem Körper gerade etwas Unerwartetes passiert sei. Dadurch konnten wir nicht nur untersuchen, ob ein vom Hirn gesteuertes Vertrauen mit Reaktionen vom Herzen und der Pupille korrelieren, sondern auch sehen, ob die Störung der Abbildung die Art und Weise verändert, wie die Menschen von ihren Erlebnissen berichteten.

Tatsächlich haben wir festgestellt, dass diese überraschenden Veränderungen in der Erregung des Freiwilligen den Auswirkungen der veschwommenen Punkte auf ihr Vertrauen entgegenwirkten, was das Vertrauen für die einfacheren Punkte leicht verringerte und es für die schwierigeren stärkte. Darüber hinaus konnte diese Umkehrung in den Reaktionen von Pupille und Herz selbst beobachtet werden. Je mehr ein Körper eines Freiwilligen auf den unsichtbaren Ekel reagierte, desto deutlicher ging das Vertrauen bei dem jeweiligen Test verloren. Obwohl sich das Bewusstsein wie eine Art Statistiker verhielt, nutzte es auch Informationen des Körpers, um zu beeinflussen, wie sich die Teilnehmer fühlten.

Diese Ergebnisse, die in der Zeitschrift eLife veröffentlicht wurden, deuten darauf hin, dass sich unsere visuellen Erfahrungen auf mehr als nur das beziehen, was das Auge sieht. In der Tat hängt es auch von dem inneren Zustand unseres Körpers ab – von unserem Herzen und unserer physiologischen Erregung. Wenn wir unsere Erfahrung beurteilen und das Auge des Geistes gleichsam nach innen wenden, scheint es, dass der Körper beeinflusst, was wir vorfinden.

Dies ist ein wichtiger erster Schritt zum Verständnis, wie der Körper den Geist beeinflusst, auch wenn wir uns dessen nicht bewusst sind. Angesichts dieser Erkenntnisse ist unsere Forschergruppe gespannt darauf, aufwändige Computermodelle für diesen Prozess zu entwickeln. Unsere Hoffnung ist es, dass solche Modelle es uns ermöglichen, eine Vielzahl von psychiatrischen und medizinischen Zuständen, wie Angst und Psychose, besser zu verstehen, da Veränderungen der körperlichen Signale und des Selbstbewusstseins des Patienten möglicherweise in eine unrealistische, weil besonders sichere oder unsichere Welt einschließen könnten. Dies kann letztlich zu neuen Behandlungen führen, die auf die Auswirkungen der kardiovaskulären Erregung auf gestörtes Vertrauen und Selbstbewusstsein setzen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image “eye” (adapted) by BreaW (CC0 Public Domain)


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Warum viele Tiere nicht in der Stadt leben können

mammoths-image-by-paul-bica-via-flickr

Eine Sendung im BBC zeigte vor wenigen Tagen die genialen Strategien auf, die sich einige Tiere zu Eigen machen, um in urbaner Umgebung leben zu können. Wenngleich beeindruckend, sind diese Spezies in der Minderheit. Während die Anzahl der Menschen in den Städten auf der ganzen Welt beständig steigt, sollten wir unsere Aufmerksamkeit eigentlich auf die Tiere richten, die zu einem Leben in der Stadt nicht in der Lage sind.

Die Urbanisierung stellt die extremste Form des Habitatverlustes für die meisten Pflanzen und Tiere dar. Wenn Gemeinden und Städte wachsen, leben Menschen in höherer Dichte zusammen und das natürliche Habitat wird durch harte, undurchlässige Strukturen wie Straßen und Bauwerke ersetzt. Die schädliche Verschmutzung steigt an, genauso wie der Lärm der Industrie und des Verkehrs, gleichfalls der Umfang der künstlichen Beleuchtung und die Zahl der eingebrachten Räuber, wie beispielsweise Katzen.

Wenn die verbleibenden Nischen natürlichen oder halb-natürlichen Habitate (wie Überbleibsel natürlicher Habitate oder von Menschenhand geschaffene Parks) immer isolierter werden, werden in der Stadt lebende Tiere von den Möglichkeiten der Nahrungssuche, ihren Ruheplätzen oder Artgenossen abgeschnitten oder riskieren den Tod, wenn sie es dennoch versuchen. Zusammengefasst machen diese Veränderungen Städte zu Orten, in denen das Leben für viele Lebewesen unmöglich ist.

Leben im urbanen Dschungel

Typischerweise finden wir eine verminderte Varianz von Pflanzen und Tieren in stärker bebauten Gebieten – und das gilt für alle Gruppen der Tierwelt. In einer weltweiten Studie schätzten Forscher, dass sich in Städten nur acht Prozent der Vogelarten und 25 Prozent der Pflanzenarten aufhalten, die in diesem Gebiet vor der Urbanisierung gelebt hätten. Sobald der Lebensraum eines Wirbeltieres urbaner wird, ist es gleichzeitig stärker vom Aussterben bedroht. Tatsächlich wird geschätzt, dass die urbane Entwicklung dafür verantwortlich ist, dass 420 Wirbeltierarten heute auf der Liste der bedrohten Arten stehen.

Es sind die opportunistischen Allround-Spezies wie Füchse und Ratten – und, wie wir in der Sendung sehen konnten, auch einige Affen – die sich an eine breite Varianz von Umwelteinflüssen anpassen können. Im Kontrast dazu haben Arten, die große Areale für eine ausreichende Nahrungsversorgung benötigen, spezialisierte Lebensräume oder besondere Anforderungen an ihre Ernährung. Die Tierarten mit einem sehr engen geografischen Spektrum schlagen sich inmitten der urbanen Entwicklung eher schlecht.

Im Jahr 2011 veröffentlichte das Zentrum für Biologische Diversität eine Liste mit zehn Spezies aus den USA, denen die Ausrottung als Folge des menschlichen Bevölkerungswachstums droht. Viele von ihnen wurden direkt durch die urbane Entwicklung beeinflusst, unter anderem der Floridapanther, der Mississippi-Gopherfrosch oder der Langes Metalmark-Schmetterling. Es existieren nur noch 150 Exemplare dieses Schmetterlings auf der Welt, der in einer kleinen, küstennahen Zuflucht in Kalifornien lebt. Zufälligerweise ist das auch noch die letzte Heimat einiger Wildblumen, wie der Antiochiendünen-Nachtkerze und des Contra Costa-Mauerblümchen.

Fledermäuse leiden ebenfalls an der Urbanisierung. Teilweise ist der Grund hierfür, dass viele Arten auf Wälder als Futter- und Schlafplätze angewiesen sind. Dennoch können selbst Fledermäuse, die wir oft in Städten sehen, oft schwer mit dem Leben in bebauten Gebieten umgehen.

Beispielsweise kann man die in Europa weit verbreitete Gemeine Zwergfledermaus oft in Gebäuden schlafend oder in Stadtparks umherfliegen sehen. Studien der University of Stirling, die ehrenamtliches Vogelmonitoring als Teil des Bat Conservation Trust’s National Bat Monitoring Programme nutzt, zeigen aber, dass diese Fledermausart weit weniger in dicht besiedelten Gebieten registriert wurde als in schwächer besiedelten.

Grünere Städte schaffen

Ungefähr die Hälfte der weltweiten Bevölkerung lebt aktuell in urbanen Gegenden, die rund drei Prozent der Erdoberfläche bedeckt. Beide Werte wachsen rasant. Gleichzeitig breiten sich Städte am schnellsten in einige der biologisch vielfältigsten Areale der Welt aus, unter anderem in Teilen Afrikas oder Asiens, was noch weitere Spezies in Gefahr bringt. Zum Beispiel ist das östliche Afromontane in Afrika eine Gegend, der einer der höchsten Urbanisierungsgrade vorhergesagt wird. Diese Gebiet ist Heimat einer beeindruckenden Palette von Pflanzen und Tieren, die nirgendwo sonst mehr existieren. Einige Spezies wie die Giraffe, die erst kürzlich auf die Liste der bedrohten Arten gesetzt wurde, wurden hier auch gefunden.

Eine Spezies durch Ausrottung zu verlieren, ist nicht nur eine Tragödie für das Tierreich. Menschen sind von biologischer Diversität abhängig, da sie eine breite Palette an „Dienstleistungen“ bietet. Zum einen direkt, zum Beispiel Nahrung oder Feuerholz, oder indirekt, wie den Nährstoffkreislauf, Bestäubung und die Bereitstellung von klarem Wasser reiner Luft.

Dennoch ist die Situation nicht vollkommen hoffnungslos, es gibt viele Möglichkeiten, die wir individuell oder auf lokalem Level und als Gesellschaft durch die Entwicklung von nachhaltigen Strategien urbaner Planung angehen können. Viele Studien zeigen, dass das Instandhalten und Erweitern von Grünstreifen in Städten und Gärten die Bewahrung von Wildtieren fördert und menschliche Gesundheit und Wohlbefinden stärkt. Grüne Dächer und Wände können Habitate für das Tierreich darstellen und den Einfluss der urbanen Hitze-Inseln reduzieren. Ebenso können sie Regenwasser absorbieren und die Gebäudedämmung verbessern.

Während es unmöglich scheint, dass beispielsweise Hyänen und Menschen in Harmonie miteinander leben, sich Falken inmitten von Wolkenkratzern aufschwingen und Affen sich durch den Dschungel der Großstädte schwingen, müssen wir uns auch die Spezies bedenken, die nicht mit dem Leben in der Stadt umgehen können. Während sich urbane Gebiete ausbreiten und weiterentwickeln, lohnt es, sich bewusst zu halten: Wenn wir Städte für das Tierreich bewohnbarer machen, profitieren auch wir Menschen davon.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „Mammoths“ (adapted) by Paul Bica (CC BY 2.0)


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Passwort-Sicherheit: Viel Raum für Verbesserungen

Aktuelle Analysen belegen, dass es mit der Passwort-Sicherheit bei vielen Nutzerinnen und Nutzern noch immer nicht weit her ist. Nach wie vor dominieren ausgesprochen schwache Passwörter wie „123456“ oder „qwerty“ (beziehungsweise sein deutsches Gegenstück). Das öffnet Online-Kriminellen Tür und Tor zu derart „abgesicherten“ Benutzerkonten. Es besteht also Handlungsbedarf. Keineswegs sollten die vernichtenden Forschungsergebnisse aber als Signal interpretiert werden, die Flinte ins Korn zu werfen und Benutzer-Schulungen als sinnlos abzutun.

Studie belegt: Passwort-Sicherheit lässt nach wie vor zu wünschen übrig

IT-Sicherheitsforscherinnen und -forscher des Unternehmens Keeper haben in einer Studie die beliebtesten Passwörter des Jahres 2016 analysiert. Dazu haben sie rund 10 Millionen Benutzer-Konten aus sicherheitsrelevanten Vorfällen des Jahres 2016 untersucht.

Die Ergebnisse sind nicht ermutigend. Sie legen nahe, dass viele Nutzerinnen und Nutzer sich noch immer zu wenige Gedanken über Passwort-Sicherheit machen – und dass diejenigen, die Websites betreiben und administrieren, nicht für bestimmte Mindeststandards bei der Passwort-Vergabe sorgen. In der Folge wird es Kriminellen unnötig leicht gemacht, Benutzer-Konten zu kompromittieren.

Kopfschütteln bei Fachleuten

„Als wir die Liste mit den häufigsten Passwörtern 2016 sahen, konnten wir nicht aufhören, die Köpfe zu schütteln“, so das wenig ermutigende Fazit der Sicherheits-Expertinnen und -Experten. Die Reaktion ist verständlich. Der Studie zufolge wurde in nicht weniger als 17 Prozent der Fälle das Passwort „123456“ vergeben. Damit ist dieses Passwort der unangefochtene Spitzenreiter. Auch die längeren Zahlenfolgen „1234567“, „12345678“, „123456789“, „1234567890“ und „987654321“ schafften es unter die Top Ten, ebenso wie „111111“ und „123123“.

Die Vorliebe vieler Nutzerinnen und Nutzer für bequeme Muster auf der Tastatur beweist auch der Klassiker „qwerty“ (auf einer englischen Tastatur der Beginn der obersten Buchstabenreihe; auf deutschen Websites ist erfahrungsgemäß auch das Äquivalent „qwertz“ populär), der es immerhin auf den dritten Platz schafft. Abgerundet werden die Top Ten durch den Begriff „password“. Je nach Nationalität des Forums oder der Website taucht dieser häufig neben Englisch auch in der jeweiligen Landessprache auf.

Vier der zehn beliebtesten Passwörter umfassten nur sechs Zeichen oder weniger. Das macht sie anfällig für einen sogenannten Brute-Force-Angriff, bei dem schlichtweg alle möglichen Zeichenkombinationen der Reihe nach durchprobiert werden. Mit modernen Rechnern geht dies für kurze Passwörter erstaunlich schnell. Nur Sekunden benötigen diese für das Knacken eines Passwortes von sechs Zeichen oder weniger Länge. Angesichts der heutigen Hardware-Leistung und der leichten Verfügbarkeit von Cloud-Rechenzeit empfiehlt es sich für wichtige Konten, Passwörter von zehn oder mehr Zeichen zu verwenden. Acht sollten es auf jeden Fall mindestens sein, um ein Mindestmaß an Sicherheit zu bieten.

Insgesamt beweisen die Nutzerinnen und Nutzer nur wenig Kreativität beim Ausdenken ihrer Passwörter. Die 25 von Keeper identifizierten beliebtesten Passwörter wurden 2016 für über die Hälfte der analysierten Benutzer-Konten eingesetzt. Das ist ein großes Problem, denn jedes derart beliebte Passwort ist unweigerlich auch in der Cybercrime-Szene bekannt. Somit findet es sich in Wörterbüchern, die für Angriffe auf Benutzer-Konten eingesetzt werden. Unabhängig von der Länge sind solche Passwörter in Sekunden zu erraten.

Insgesamt hat sich die Liste der populärsten Passwörter in den letzten Jahren nur sehr wenig verändert. Das ist besorgniserregend, zeigt es doch, dass bisherige Aufklärungskampagnen nur bedingt Erfolg hatten. Manche Nutzerinnen und Nutzer sind offenbar noch immer zu unwissend und/oder bequem, um sichere Passwörter zu verwenden.

Tipps und Tricks: Begriffe aus dem Wörterbuch vermeiden

Die Expertinnen und Experten geben einige Tipps, die die Passwort-Sicherheit erhöhen sollen. So empfehle es sich, Passwörter mit verschiedenen Arten von Zeichen – Ziffern, großen und kleinen Buchstaben und unter Umständen auch Sonderzeichen – zu verwenden, um einen Wörterbuch-Angriff zu erschweren. Aus dem selben Grund sollten Begriffe, die als Passwörter populär sind, und idealerweise auch alle Begriffe aus gängigen Wörterbüchern gemieden werden.

Um dies zu erreichen, ist beispielsweise die als Leetspeak bezeichnete Methode, Buchstaben durch ähnlich aussehende Ziffern oder Sonderzeichen zu ersetzen, denkbar. Alternativ können beispielsweise Sätze gebildet und die Anfangsbuchstaben der darin enthaltenen Wörter als Passwort verwendet werden.

Wer Probleme hat, sich schwierige Passwörter zu merken, und deswegen immer wieder auf schwache Varianten zurückgreift, kann alternativ einen Passwort-Manager nutzen. Diesen Tipp geben die Expertinnen und Experten von Keeper zwar wohl nicht ohne Hintergedanken – immerhin bietet ihr Unternehmen unter anderem auch solche Software an – er wird aber nichtsdestotrotz in der Branche vielfach und zu Recht vertreten. Übrigens bringen viele Betriebssysteme und Webbrowser mittlerweile eine derartige Funktionalität auch schon mit.

Provider in der Pflicht

Neben den Nutzerinnen und Nutzern sieht Keeper – zu Recht – aber vor allem die Betreiber-Firmen von Online-Angeboten in der Pflicht. Diese, so wird vorgeschlagen, sollen mit Hilfe technischer Maßnahmen durchsetzen, dass Passwörter gewisse Mindeststandards erfüllen. Das ist angesichts der Studien-Ergebnisse offensichtlich nötig und zumindest eine kurzfristige Lösung, um Schlimmeres zu verhindern.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Daneben darf aber auch die Schulung der Nutzerinnen und Nutzer nicht vernachlässigt werden. Kein Zweifel, Statistiken wie diese sind entmutigend. Dennoch wäre es der gänzlich falsche Weg, wie von den Kollegen von The Register (nicht ganz ernst gemeint) vorgeschlagen, „einfach aufzugeben“ angesichts der Lernresistenz einiger Menschen. Manche Lernerfolge benötigen einfach Zeit, stellen sich aber irgendwann doch noch ein.

Aktuelles Beispiel dafür ist die Verwendung von Verschlüsselungs-Technologien. Jahrelang schien sich diese trotz unbestreitbarer Vorzüge nicht durchsetzen zu können. Im letzten Jahr jedoch schien endlich der Knoten sowohl bei der Industrie als auch bei den Nutzerinnen und Nutzern zu platzen und starke Kryptographie erreichte den Mainstream. Hoffentlich wird die Nutzung sicherer Passwörter, ruhig durch Rückgriff auf technische Hilfsmittel, auf ähnlichem Wege auch noch zu einer Selbstverständlichkeit. 


Image „datenschutz“ (adapted) by succo (CC0 Public Domain)


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Warum wir Fremden in der Sharing Economy mehr trauen als unseren Kollegen

Vertrauen ist ein wichtiges Element in jeder Beziehung, vor allem jedoch, wenn es sich um Finanzielles dreht. Der Aufstieg von Sharing Economy-Plattformen wie Airbnb und Uber – auf denen man einen Fremden für einen bestimmten Service entlohnt – ist besonders von Vertrauen abhängig. Sind sie wirklich, was sie vorgeben, zu sein? Werden sie erfüllen, was sie versprochen haben?

Mit digitaler Hilfe wird Vertrauen zwischen Personen aufgebaut, die sich noch nie getroffen haben. Tatsächlich zeigen meine Untersuchungen, dass, wenn diese Funktionen gut konzipiert sind, die Dienste der Sharing Economy mehr Vertrauen zwischen Fremden aufbauen als man zwischen zwei  Kollegen erwarten würde.

Das waren die Erkenntnisse der jüngsten Forschung über die Nutzer von BlaBlaCar, einer Plattform für Mitfahrgelegenheiten. Dieser Dienst wird weltweit für Fahrten von einer Stadt in die andere benutzt. Er verbindet Fahrer mit Menschen, die eine Mitfahrgelegenheit brauchen und bringt so das Trampen ins digitale Zeitalter.

Die Studie wurde zusammen mit Arun Sundararajan, einem Professor der New York University, Frédéric Mazzella, CEO von BlaBlaCar, und Verena Butt D’Espous, Kommunikationschefin von BlaBlaCar, publiziert. Wir führten eine Umfrage von 18.289 BlaBlaCar-Mitgliedern in elf europäischen Ländern durch und fanden heraus, dass 88 Prozent der Befragten einem Mitglied mit einem kompletten digitalen Profil besonders vertrauen würden.

Überraschenderweise ist dieser Wert höher als das Vertrauensniveau der Menschen in ihre Kollegen und Nachbarn. Tatsächlich sagten bei Nutzung des gleichen Maßstabs nur 58 Prozent der Befragten, dass sie einem Kollegen ‚vertrauen‘ würden und 42 Prozent würden einem Nachbarn ’sehr vertrauen‘. Beim Vertrauen zu vollständig ausgefüllten Profilen von Fremden auf der Seite für Mitfahrgelegenheiten lagen die Level fast genauso hoch wie für Familienmitglieder (94 Prozent) und Freunde (92 Prozent).

Dieses Vertrauen in Fremde hängt davon ab, wie sie sich online präsentieren. Die Strategie von BlaBlaCar, um Vertrauen aufzubauen, ist eine Kombination verschiedener Faktoren. Unter anderem gehören dazu kurze Biografien in Form von Selbstbeschreibungen und die Möglichkeit, persönliche Informationen wie die Telefonnummer und eine E-Mail-Adresse auf dem Profil zu hinterlegen. Außerdem sind die Profile oft mit anderen Online-Profilen der Mitglieder auf Facebook oder LinkedIn  verbunden.

Der Schlüssel zum Erfolg

Ein anderer Weg, wie Vertrauen in der Sharing Economy aufgebaut wird, liegt darin, das Vertrauen der Nutzer in die Plattform selbst zu stärken. Wenn sie dem Unternehmen dahinter oder der Marke selbst vertrauen, wirkt sich das auf die aktiven Nutzer der Plattform

Ein Faktor gilt auch als verlässlich: Der Airbnb-Versicherungsschutz (bis zu 1 Million US-Dollar) greift automatisch bei jeder Transaktion. Ein Versicherungsschutz ist demnach wohl extrem relevant. Die Vermietung der eigenen Wohnung mit dem persönlichen Hab und Gut an einen Fremden scheint extrem risikoreich, der Versicherungsschutz jedoch gibt den Nutzern das Gefühl, dass sie auf alle  Eventualitäten vorbereitet wären.

Eine weitere wichtige Eigenschaft ist der Review-Prozess, bei dem sich Gastgeber und Gast gegenseitig bewerten. Das funktioniert ähnlich wie bei anderen elektronischen Marktplätzen, wie beispielsweise Ebay. Der Unterschied bei Unternehmen wie Airbnb ist, dass die Plattform sicherstellt, dass Bewertungen nur öffentlich werden, nachdem beide Seiten diese auch eingereicht haben. Das hindert Nutzer daran, sich gegenseitig positiv zu bewerten, nur weil sie Angst haben, für eine negative Bewertung bestraft zu werden. Die Bewertungen sind somit ehrlicher und verlässlicher.

Die Plattform bietet zudem Zimmer überall auf der Welt. Das führt zu einem Netzwerk-Effekt – weil viele andere diesen Dienst weltweit nutzen, muss er zwangsläufig sicher sein. Dem Nutzer ist das bewusst, wenn er auf der Plattform ist – und es hilft, Vertrauen aufzubauen.

Mit der steigenden Zahl an Menschen, die das Internet nutzen, werden Sharing Economy-Plattformen wie Airbnb und BlaBlaCar zur Norm. Die Überlebensfähigkeit dieser Neulinge hängt an ihrem Vermögen, Vertrauen zwischen ihren Dienstleistern und den Nutzern zu sichern. Ihre Seiten müssen also digital so konzipiert sein, dass diese Vertrauen zwischen Fremden aufbauen – dieser Faktor ist unwahrscheinlich wichtig.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „hitchhiker“ by Unsplash (CC0 Public Domain)


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Warum Gefahr aufregend ist – allerdings nur für manche Leute

Fallschirmspringen (image by skeeze [CC0] via Pixabay)

Der letzte Sommer war der bislang tödlichste für Wingsuit-Flieger. Aber was bringt manche Leute dazu, von einer Klippe basejumpen zu wollen, sich bis zur Besinnungslosigkeit zu betrinken oder bei Fremden per Anhalter mitzufahren, während andere nicht mal an einer Achterbahnfahrt Freude haben? Gibt es so etwas wie ein Angsthasen-Gen oder eine Draufgänger-Hirnstruktur? Oder ist der Grad, in dem wir uns von Gefahr angezogen fühlen, davon abhängig wie beschützerisch unsere Eltern waren?

Ob unsere Schwächen nun Extremsport, zu schnelles Fahren, Drogen oder andere gefährliche Verhaltensweisen sind, es ist typischerweise eine Mischung aus Risiko und neuen Erfahrungen, die uns zu etwas antreibt. Was Psychologen „novelty seeking“ nennen, ist die Vorliebe für das Unerwartete oder Neue. Leute mit dieser Eigenschaft sind oft impulsiv und schnell gelangweilt – aber neue Erfahrungen setzen eine Welle von Chemikalien im Gehirn frei, die bei ihnen ein Lustempfinden auslösen.

Für eine Ratte oder ein Menschen mit einer Vorliebe für das Neue besteht eine höhere Wahrscheinlichkeit, Drogen zu nehmen und bis zur Besinnungslosigkeit zu trinken. Die Konzepte von Risiko und Neuem sind in gewissem Maß miteinander verknüpft: Ein neuer Reiz ist grundsätzlich riskanter im Hinblick darauf, dass irgendeine damit verbundene Konsequenz unbekannt ist. Allerdings können wir diese beiden Aspekte im Labor voneinander trennen.

Es geht immer um Dopamin

Dopamin, von Neuronen dazu verwendet, Nachrichten an andere Neuronen zu übermitteln, wird oft als das „Glückshormon“ des Gehirns beschrieben. Dopaminzellen befinden sich im Mittelhirn, tief im Stammhirn, und senden „Projektionen“ an Hirnregionen wo das Dopaminmolekül freigesetzt wird – wie zum Beispiel jene, die bei der Kontrolle des Handelns, der Wahrnehmung und Belohnung beteiligt sind.

Studien haben gezeigt, dass das Dopaminsystem von lohnenden Erfahrungen wie der Nahrungsaufnahme, Sex oder der Einnahme von Drogen aktiviert werden kann. In einer Studie mit Parkinson-Patienten, die Medikamente einnahmen, die die Dopaminrezeptoren stimulieren, um deren motorische Symptome zu behandeln, entwickelten 17 Prozent höchst unerwartet ein Suchtverhalten im Bezug auf Glücksspiel oder zwanghaftes sexuelles Verhalten sowie das Kauf- und Essverhalten. Diese Patienten suchten außerdem eher das Risikound zeigten in den Labortests eine Vorliebe für Neues. Es hat also den Anschein, dass ein aktives Dopaminsystem uns dazu bringt, mehr Risiken einzugehen. Eine Studie zur Risikoeinschätzung hat gezeigt, dass ein erwarteter Sieg mit einem Anstieg an Hirnaktivität in Dopaminregionen verbunden ist, wohingegen eine erwartete Niederlage mit einer Abnahme solcher Aktivität verbunden ist. Beide treiben uns dazu, Risiken einzugehen.

Wingsuit-Fliegen oder Achterbahnfahren sind aus einer Belohnung heraus motiviert – ein Nervenkitzel – aber Wingsuit-Fliegen könnte auch von einem Drang getrieben sein, einen Verlust zu vermeiden (in diesem Fall den Tod). Die Wahrscheinlichkeit eines Nervenkitzels durch Base Jumping oder eine Achterbahn liegt nahezu bei 100 Prozent.

Aber während die Wahrscheinlichkeit, bei einer Achterbahnfahrt umzukommen, bei nahezu Null Prozent liegt, ist die Chance, beim Base Jumping zu sterben, erheblich höher. Je näher die Extreme zusammenliegen, bei null Prozent oder bei den vollen Hundert, desto sicherer, aber je näher sie bei den 50 Prozent lagen, desto unsicherer. Viele, aber nicht alle Studien haben gezeigt, dass Leute mit einem bestimmten Dopaminrezeptor wahrscheinlicher den Nervenkitzel suchen. Diese Genvariante steht auch in Verbindung mit einem größeren Ansprechen auf unerwartete Belohnung im Gehirn, was den unerwarteten Nervenkitzel noch prickelnder macht. Die genetische Verdrahtung könnte deshalb auch die Tendenz zum Base Jumping erklären in Verbindung mit der Vorliebe für Neues und möglicherweise auch für Risiko und Belohnung.

Wie wir aufgezogen werden, hat allerdings auch einen Einfluss. Jugendliche sind im Allgemeinen risikofreudiger, teilweise auch deshalb, weil sich ihr Gehirn noch in der Entwicklung befindet und sie anfälliger für Gruppenzwang sind. Und es gibt natürlich auch weitere Gründe, warum wir uns an Bungee Jumping oder Alkoholexzessen erfreuen, als die Affinität zum Risiko und dem Reiz des Neuen. Zum Beispiel kann das in gesellschaftlichen Situationen eintreten, in denen wir einem Gruppenzwang gerecht werden müssen oder wenn wir uns niedergeschlagen oder gestresst fühlen.

Warum sind wir inkonsistent?

Wenn unsere Gene beeinflussen können, ob wir mutig oder ängstlich sind, wie kommt es dann dazu, dass wir so ein wechselhaftes Verhalten zeigen? Zum Beispiel gehen wir im Urlaub skydiven, schließen aber eine Reiseversicherung ab. Wir verhalten uns unterschiedlich, abhängig davon, ob das Risiko als das Erlangen einer Belohnung oder das Vermeiden eines Verlusts wahrgenommen wird – ein Effekt, der als Framing bekannt ist.

Die meisten von uns tendieren dazu, riskante Belohnungen zu vermeiden. Wir gehen dann wohl eher nicht skydiven, aber im Fall eines unwahrscheinlichen Ereignisses mit hohem Gewinn – wie einem Lotterieticket – sind wir gerne bereit, das Risiko einzugehen. Außerdem suchen wir normalerweise das Risiko, um große Verluste zu vermeiden. Dies ist davon abhängig, wie wahrscheinlich es ist, dass eine Folge eintritt. Im Fall eines unwahrscheinlichen, aber möglicherweise besonders schlechten Ausgangs wie dem Risiko, in massive Schulden zu geraten, während man im Ausland in einer medizinischen Einrichtung versorgt wird, wollen wir kein Risiko eingehen und schließen eine Reiseversicherung ab. Menschen, die sich an Gefahr erfreuen, oder die an Suchtstörungen leiden, haben andere Risikotendenzen. Pathologische Konsumenten illegaler Drogen, Alkohol oder Lebensmittel suchen alle das Risiko im Angesicht einer Belohnung – indem sie nach dem Rausch streben. Aber die Konsumenten illegaler Drogen werden von riskanteren, höheren Belohnungen getrieben, wohingegen pathologisch von Alkohol oder Lebensmitteln Abhängige von weniger riskanten, geringeren Belohnungen getrieben sind.

Wie wahrscheinlich es ist, dass wir ein Risiko eingehen, kann auch beeinflusst werden. Eine Studie mit Ratten hat gezeigt, dass Risikobereitschaft reduziert werden kann, indem das Dopaminsignal nachgeahmt wird, welches die Informationen über vorherige negative Auswirkungen früherer riskanter Entscheidungen liefert – wie einen Schlag auf den Fuß oder wie es ist, keine Nahrung zu erhalten. Die Risikobereitschaft bei exzessiven Trinkern kann auch reduziert werden, wenn sie explizit einem Verlustergebnis ausgesetzt sind – wie die Erfahrung, Geld zu verlieren, anstatt dies nur zu erwarten. Eine Nacht in einer Notaufnahme könnte deshalb schon ausreichen um deren Verhalten zu ändern. Außerdem kann ein neuer und unerwarteter Kontext risikobereites Verhalten steigern, was erklären könnte, warum wir im Urlaub mit höherer Wahrscheinlichkeit Risiken eingehen. In einer kürzlich erfolgten Studie haben meine Kollegen und ich Teilnehmern eine Reihe bekannter und unbekannter Gesichter gezeigt und sie gebeten, zwischen einem riskanten Wagnis und einer sicheren Entscheidung zu wählen. Wenn den Versuchspersonen ein neues Gesicht gezeigt wurde, waren sie eher bereit, das riskante Wagnis einzugehen.

Die Studie zeigte, dass Teilnehmer mit höherer Hirnaktivität im Striatum, einer Region, die an der Freisetzung von Dopamin beteiligt ist, im Kontext des unbekannten Gesichts Entscheidungen mit höherem Risiko trafen. Diese Ergebnisse weisen darauf hin, dass Neues die Ausschüttung von Dopamin in dieser Hirnregion erhöht, was dann möglicherweise die Erwartung einer Belohnung steigert.

Von Gefahr angezogen zu werden, ist allerdings nicht unbedingt etwas Schlechtes. Unsere Gesellschaft benötigt sowohl Risikoträger als auch Risikovermeider, um zu funktionieren. Wir brauchen Leute, die Grenzen sprengen, um eine Station auf dem Mars zu errichten oder Leute aus einem Feuer zu retten und wir brauchen die, die Regeln festschreiben und Vorschriften durchsetzen, um unsere Gesellschaft funktionsfähig zu halten.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „Fallschirmspringen“ by skeeze (CCO Public Domain)


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Kreativität auf Knopfdruck? Wie Freelancer Routinen besser nutzen

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Zeit ist Geld. Dies schrieb Benjamin Franklin im Jahr 1748 in seinem Buch „Ratschläge für junge Kaufleute“ und wollte damit die antike Vorstellung, dass Zeit ein kostbares Gut ist, in den Kontext der modernen Arbeitswelt stellen. Doch vor allem heutzutage lebt Arbeit viel von Kreativität, trotzdem hat Franklins Sprichwort auch nach über 265 Jahren kaum an Bedeutung verloren. Laut der vor Kurzem veröffentlichten Studie „State of Create 2016“ von Adobe können Kreative nur 35 Prozent ihrer Arbeitszeit für schöpferische Aufgaben nutzen. Für die Studie hat Adobe zwischen dem 19. September und 3. Oktober 2016 online 5.026 Arbeitnehmer aus den USA, Japan, Frankreich, Großbritannien und Deutschland befragt. 1.006 Menschen kamen aus Deutschland.

Die Ergebnisse sind weltweit alarmierend: 85 Prozent der Befragten geben an, dass sie sich gezwungen sehen, eher produktiv als kreativ zu sein. Das ist viel kreatives Potenzial, das durch ein falsches Arbeitsethos ungenutzt bleibt. Und Zeit ist so eher verloren als wertvoll. Dies wissen vor allem die befragten Arbeitnehmer, auch in Deutschland. 83 Prozent der Deutschen sehen in Kreativität einen wichtigen Beitrag zur Gesellschaft. Fast genau so viele glauben, dass Kreativität fördernde Unternehmen tendenziell zufriedenere Beschäftigte haben und Kreativität ein Schlüssel für wirtschaftliches Wachstum sein kann. Doch wie kann der Kreativität am Arbeitsplatz mehr Freiheit eingeräumt werden?

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Freelancer in Coworking Spaces sind auf Kreativität angewiesen (Image: Tobias Schwarz, CC BY 4.0)

Im firmeneigenen Blog gibt Adobe fünf Tipps, wie man in der Praxis mit hilfreichen Programmfunktionen, Online-Diensten und kostenlosen Apps der Adobe Creative Cloud mehr Raum für kreatives Denken freimacht. Doch das allein reicht natürlich nicht, vor allem wenn man Adobe-Programme gar nicht nutzt. Und technische Lösungen sind meist nur die halbe Miete, weshalb ich drei Freelancer, die Mitglieder in dem von mir geleiteten Coworking Space des St. Oberholz sind, gefragt habe, wie sie sich denn diese Freiräume für mehr Kreativität schaffen. Ihre Antworten sind nicht nur sehr nützlich für andere Kreative, sondern auch die perfekte Ergänzung zu den Tipps von Adobe:

  1. Auf die Einstellung kommt es an: Routinen lieben (lernen)

Mit diesen kleinen Aufgaben zwischendurch hat der Designer Ted Young-Ing weniger ein Problem. Sein Ideal, gut vorbereitet zu sein und sich, nachdem alles erledigt ist, dem Kreativen zu widmen, klappt allerdings in der Praxis seltener. Für ihn ist es eine Frage der Einstellung; er betrachtet diese Unterbrechung vom Kreativen als kleine Pausen für sein Gehirn.

Wenn Routineaufgaben etwas Vorteilhaftes haben, dann, dass man sie schon öfters machen musste und weiß, was verlangt wird. Das Wort Routine stammt aus dem Französischen und bedeutet vielsagend „Wegerfahrung“, es geht also um das durch frühere Aktionen Gelernte zu wiederholen – und das, ohne noch viel darüber nachdenken zu müssen.

  1. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort: Routinen nutzen (lernen)

Der Social-Media-Berater Jörg Leupold sieht in diesen Aufgaben, für die man keine Kreativität braucht, die aber erledigt werden müssen, kleine Gelegenheiten, sich etwas zu entspannen und auch zu bewegen. Während eintöniger Arbeit hört er gerne Musik und kommt durch die Fokussierung sogar in einen sogenannten Flow (der glücklicher und produktiver machen kann), wie er erzählt.

Kreative Aufgaben, wie das Schreiben eines Konzeptes, erledigt er gerne woanders, beispielsweise im St. Oberholz. Die Fahrt mit dem Fahrrad dahin und der sprichwörtliche Tapetenwechsel helfen ihm dabei, mit den ganz anderen Herausforderungen kreativer Aufgaben besser fertig zu werden.

  1. Individuelle Strukturen schaffen: Routinen organisieren (lernen)

Die Innovationsberaterin [Name auf Wunsch der Person im Nachhinein gelöscht, Anmerkung der Redaktion – 04.06.2018] lebt in ihrem Beruf von Kreativität und Leidenschaft. Ihre wichtigsten Tipps mögen deshalb erst einmal überraschen, gehören aber zu den besten Strategien, um Aufgaben effizient zu bewältigen: Rituale setzen, mit Checklisten arbeiten und Aufgaben möglichst outsourcen.

Auch Freiheit in der Arbeit braucht Struktur. Bestimmte Aufgaben an zugewiesenen Wochentagen zu erledigen, Aufgaben listen und priorisieren oder beispielsweise den Postverkehr von einem externen Dienstleister einscannen zu lassen und digital zugeschickt zu bekommen, kann einem mehr Handlungsspielraum verschaffen.


Disclosure: Dieser Artikel ist auf Bitte von Adobe, die veröffentlichte Studie zu kommentieren, redaktionell unabhängig verfasst worden. Adobe zahlte eine Aufwandsentschädigung für die geleistete Arbeit des Autors, nahm aber keinerlei Einfluss auf den veröffentlichten Artikel.


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Das passiert, wenn wir bei Facebook auf ‚Gefällt mir‘ klicken

Keys (Image by bykst [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Heutzutage scheinen Unternehmen ganz versessen darauf zu sein, dass man auf ihrer Facebook-Seite auf ‚Gefällt mir‘ klickt. Es ist schwierig, das Internet zu durchstöbern, ohne dabei mit Aufforderungen überhäuft zu werden, dass man bei der Facebook-Seite eines Unternehmens ein Like hinterlassen soll. Manchmal soll man das auch bei Wettbewerben und Angeboten tun, bei denen es notwendig ist.

Aus Sicht des Unternehmens bietet ein Like auf Facebook die Möglichkeit, bei den Nutzern präsent zu bleiben – ein Marketingkonzept, das bedeutet, dass ein Konsument zuerst an eine bestimmte Marke denkt, wenn es um ein bestimmtes Produkt oder eine bestimmte Dienstleistung geht, indem man Werbebotschaften in der Nachrichteneinspeisung des Nutzers auf Facebook erscheinen lässt.

Ein Like zu erhalten, kann also als Maßstab herangezogen werden, um festzulegen, welche Erfolge Kampagnen in den sozialen Medien erzielt haben. Je mehr Nutzer bei einer Firma auf ‚Gefällt mir‘ klicken, umso erfolgreicher skalieren sich deren Werbemaßnahmen. Aber ist das wirklich so? Um das herauszufinden, befragten wir hunderte von Facebook-Nutzern, um der Bedeutung und dem Wert der Likes auf die Spur zu kommen. Wir wollten die Motivationen herausfinden, die darin bestehen, bestimmten Marken ein Like zu geben und herausfinden, wie dies die Interaktionen zwischen den Nutzern und den Firmen beeinflusst. Wir versuchten auch, herauszufinden, inwiefern dies je nach Marke variiert – zum Beispiel zwischen Herstellern von Produkten und Dienstleistungsanbietern. Durch die Erkenntnisse zweier Studien konnten wir aufzeigen, dass das, was die Likes über den Konsumenten sagen und das, was diese über die Marken denken, die ihnen gefallen, überraschend unterschiedlich ist.

Die Loyalität des Likes

Für die erste Studie baten wir 150 Facebook-Nutzer, uns etwas über eine Marke zu erzählen, die sie kürzlich auf Facebook mit einem Like markiert haben. Wir baten sie anschließend darum, ihre Motivation hinter dem ersten Klick auf den ‚Gefällt mir‘-Knopf zu beschreiben. Sie sollten außerdem ihre Interaktionen mit der Marke beschreiben, die sie unternommen haben, seit sie auf ‚Gefällt mir‘ geklickt haben und eventuelle Veränderungen benennen, die sie seitdem bemerkt haben.

Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass der vorrangige Grund, warum Konsumenten sich dazu entschließen, einer Marke ein Like zu geben, ein Gefühl der Loyalität oder der Pflicht ist, eine Marke zu unterstützen. Die größte Prozentzahl der Befragten gab an, dass sie eine Marke einfach deshalb mit ‚Gefällt mir‘ markieren, weil sie das Gefühl hatten, das ein echter Fan genau dies tun sollte. Die nächste Gemeinsamkeit schien mehr damit zusammenzuhängen, dass man für das Like etwas bekommt, beispielsweise Informationen, soziales Ansehen oder die Teilnahme an Gewinnspielen.

Interessanterweise berichtete nur ein relativ kleiner Prozentsatz der Befragten, dass sie bei einer Marke auf Facebook auf Like klicken, weil ihnen diese Marke einfach gefällt und weil sie ihr gegenüber ein positives Verhältnis haben. Das ist nicht dasselbe wie das Gefühl der Loyalität. So kann man beispielsweise ein positives Verhältnis zu der Marke Rolls-Royce empfinden, nachdem man deren Produkte in Werbungen oder Produktplatzierungen gesehen, aber nie eines ihrer Autos besessen hat.

Man verspürt also keine Loyalität oder keine Verpflichtungen der Marke gegenüber. Diese Feststellung zeigt, dass manche Nutzer, die vielleicht bisher noch kein Produkt der Marke gekauft haben, besagte Marken vielleicht dennoch aus verschiedenen Gründen auf Facebook mit einem Like bedenken. Schaut man sich die Interaktionen seit dem ersten Like einer Marke an, gaben mehr als die Hälfte der Nutzer an, dass sie, während sie eventuell die Beiträge der Firma gelesen oder ihre Bilder im Newsfeed bei Facebook angeschaut haben, der Marke keine einzige persönliche Information überlassen haben.

Nur ein Fünftel sagte, dass sie einen Beitrag oder Inhalte der Marke geteilt haben, während nur 17 Prozent berichteten, dass sie Beiträge der Firmen auch aktiv kommentiert haben. Schlussendlich gab es auch jede Menge an interessanter und widersprüchlicher Gelegenheiten, bei denen die Befragten anmerkten, dass sich das Verhältnis zur Marke nicht geändert hat – zugleich schilderten sie aber die positiven markenbezogenen Folgen, die ihnen das Like eingebracht hat.

Zum Beispiel hat ein Befragter angemerkt, dass seine Einstellung zu Ford sich nicht verändert habe, seit er die Ford-Seite mit einem Like markiert hatte. Später sagte er aber, dass er sich mehr Bilder neuer LKWs der Firma auf Facebook angeschaut habe. Dies könnte als Veränderung in der Beziehung zwischen Nutzer und Marke interpretiert werden, da der Nutzer mehr mit der Marke interagiert. Dies suggeriert, dass das Erschaffen von Likes auf Facebook tatsächlich positive Folgen für eine Firma haben kann – einschließlich der gesteigerten Interaktion mit den Fans.

Werden alle Likes gleichberechtigt benutzt?

Während die erste Studie interessante Ergebnisse lieferte, wollten wir sehen, ob es einen statistisch bedeutenden Unterschied macht, wie Facebook-Nutzer die Interaktion mit Produkten und die mit Dienstleistungsmarken beschreiben. Während verschiedene Unternehmen versuchen, dasselbe Ergebnis zu erzielen, gibt es Beweise dafür, dass Unterschiede bezüglich der Art, wie Produktmarken und Dienstleistungsmarken mit potentiellen Kunden interagieren, durchaus existieren, sodass diese unterschiedliche Einbindungsstrategien benötigen.

Genau wie Marken nicht vergleichbar sind, sind auch nicht alle Likes gleichwertig. Es erscheint vielleicht natürlicher, bei einer Marke auf ‚Gefällt mir‘ zu klicken, die auch ein tatsächliches Produkt herstellt, beispielsweise wie bei einem Autohersteller oder einer Kleidungsmarke, als bei einer Dienstleistung, wie einem Klempner, einem Kabelanbieter oder einem Hundefrisör. Das lässt sich auf unsere unerklärliche Natur zurückführen, laut derer Dienstleistungen für Konsumenten unter Umständen viel schwerer zu bewerten sind. Dementsprechend müssen Firmen soziale Interaktionen mit ihren Kunden anregen, um Werte vermitteln und angemessene Erwartungen festsetzen zu können.

In unserer zweiten Studie befragten wir also 300 Facebook-Nutzer, um diese Unterschiede zu erforschen und entdeckten einige interessante Gemeinsamkeiten und Unterschiede bezüglich der Art und Weise, wie diese mit den Marken, die Produkte verkaufen und denen, die Dienstleistungen anbieten, interagieren. Zum Beispiel fanden wir heraus, dass „Fans“ einer Produktmarke sehr viel wahrscheinlicher davon berichten, passiv mit einem Unternehmen zu interagieren, indem sie zum Beispiel Beiträge lesen oder einen Like abgeben – ganz im Gegensatz zu den Fans von Dienstleistungsservices. Sie erklärten auch, dass sie in Zukunft weitere Käufe tätigen wollten. Wir konnten keine Unterschiede zwischen den Gruppen entdecken, trotz ihrer Absichten, an mehr aktiven Interaktionen auf Facebook teilzuhaben, indem man beispielsweise Beiträge teilt oder kommentiert.

Die Ergebnisanalyse

Was bedeutet das nun alles? Erst einmal wissen wir jetzt, dass das bloße Sammeln von Likes auf Facebook notwendigerweise noch nichts darüber aussagt, wie sehr ein Kunde mit einer Firmenmarke in Verbindung steht. Viele unserer Befragten geben der entsprechenden Firma aus einem anderen Grund ein Like, als dass eine Auseinandersetzung stattfinden würde. In anderen Worten entspricht die Quantität an Likes nicht der Qualität der Beziehung.

Außerdem sollten Markenvertreter und Social Media-Manager nicht automatisch vermuten, dass neue Facebook-Freunde die Marke grade erst kennenlernen. Viele der Befragten verspürten eine Verpflichtung gegenüber einer beliebten und oft gekauften Marke, bei Facebook ein Like zu vergeben – obwohl die passive Auseinandersetzung mit den Freunden wohl eher nicht die beste Art ist, die meiste Aufmerksamkeit zu erhalten.

Ginge es nach den Experten, die über die Vorteile einer Einbindung Facebooks diskutieren, so eröffnet es doch Vorteile, wie zum Beispiel eine zunehmende gedankliche Präsenz. Die Markenmanager sollten nicht immer vermuten, dass ihre lautesten und aktivsten Anhänger auf Facebook die einzigen sind, die ihre Botschaft verstehen. Letztendlich können Dienstleistungs- und Produktmarken von unserer Forschung auch Dinge lernen. Für die ersteren war das Gefühl der Markenverbundenheit ein bedeutendes Ergebnis der Interaktion auf Facebook.

Diese Firmen sollten sich vielleicht etwas mehr auf die Personalisierung ihrer Facebook-Mitteilungen konzentrieren, um zu versuchen, dieses erhabene Gefühl der Verbundenheit zu stimulieren und zu verbessern. Obwohl die Markenverbundenheit bei Produktmarken geringer war, waren die Kaufabsichten und das Verhältnis zur Marke – also die negativen oder positiven Assoziationen, die man zur Marke hat – höher. Um dieses Verhältnis auszugleichen, sollten diese Firmen vielleicht mehr Aktionen auf Facebook miteinbauen und ihre neusten und besten Produktangebote präsentieren. Wenn also das nächste Mal eine Marke auf Facebook mit einem Like bedacht wird, sollten wir nicht vergessen, was der Firma damit mitgeteilt wird – und ob das die Botschaft ist, die wir vermitteln wollen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „Keys“ by bykst (CC0 Public Domain)


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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

Follow me

  • EVERNOTE golem: Evernote verliert Daten: Evernote hat Daten von Kunden verloren, die diese dem Dienst in Form von Notizen anvertraut hatten. Der Fehler liegt in der Mac-Version von Evernote. Dort kamen durch einen Bug seit einiger Zeit Anhänge in den Textnotizen zu Schaden, die unbemerkt entfernt wurden. Angeblich soll nur eine kleine Personengruppe betroffen sein. Der Fehler existiert offenbar schon seit einigen Versionen. Laut Evernote begannen die Datenlöschungen im Juni 2016 und stiegen durch eine Version von September 2016 an. Nutzer sollten über die Softwareaktualisierung des Betriebssystems sofort das aktuelle Update 6.9.1 einspielen. Kunden, die vom Datenverlust betroffen sind, erhalten eine kostenlose Premium-Mitgliedschaft für ein Jahr.

  • KI t3n: Pech für Fußgänger: Selbstfahrender Mercedes soll im Zweifel immer den Fahrer schützen: Das Zeitalter der vollständig autonomen Fahrzeuge steht vor der Tür. Das wirft auch einige komplexe ethisch-moralische Fragen auf. Wissenschaftler, Philosophen und Rechtsexperten setzen sich derzeit mit genau diesen Fragen auseinander. Seit dem 30. September 2016 beschäftigt sich in Deutschland sogar eine Ethikkommission mit dieser Thematik. Nun erklärt Christoph von Hugo, Abteilungsleiter für aktive Sicherheit bei der Daimler AG, dass ein autonomes Fahrzeug im Zweifelsfall immer den Fahrer schützen sollte.

  • APPLE heise: Lahmer Speicher im Einstiegsmodell : Der Flash-Speicher des kleinsten iPhone 7 mit 32 GByte ist deutlich langsamer als die um 110 Euro teurere Ausführung mit 128 GByte Speicherplatz, wie ein Test von Mac & i ergab. Das Duplizieren eines 4K-Videos mit einer Länge von 5 Minuten dauerte auf dem 32-GByte-iPhone fast vier Mal länger als auf einem iPhone 7 mit 128 GByte Speicher. Das 32-GByte-iPhone-7 wies im Test sowohl eine auffällig niedrigere Schreib- als auch Lesegeschwindigkeit auf als das mit 128 GByte: der Unterschied betrug Faktor 7.

  • CYBERCRIME pressebox: Jeder zweite Internetnutzer durch Cybercrime geschädigt: Etwa 47 Prozent der Internetnutzer in Deutschland sind im vergangen Jahr in Deutschland mit Cybercrime konfrontiert gewesen – das meldet der Bitkom unter Berufung auf eine selbst durchgeführte repräsentative Befragung von 1.017 Internetnutzern. Rund die Hälfte der Betroffenen soll darüber hinaus konkrete wirtschaftliche Schäden erlitten haben. Daher sei es notwendig, das Sicherheitsniveau im Internet zu erhöhen. „Mehr Sicherheit für Internetnutzer erreichen wir nur, wenn alle Beteiligten daran mitwirken: Wirtschaft, Politik, Sicherheitsbehörden und nicht zuletzt jeder einzelne Verbraucher selbst“, sagte Winfried Holz, Bitkom-Präsidiumsmitglied.

  • SAMSUNG sueddeutsche: Runde Ecken: Apple und Samsung streiten über 399 Millionen Dollar: Die Rechtsabteilungen der Unternehmen dürften eigentlich gut beschäftigt sein, aber wütende Kunden und europäische Steuergesetze reichen Apple und Samsung offenbar nicht. Seit Jahren verklagen sie sich gegenseitig. Manche sprechen vom Patentkrieg. Nun trafen sie sich mal wieder vor Gericht und stritten um abgerundete Ecken, silberne Kanten, schwarze Vorderseiten und 16 bunte App-Symbole – und um 399 Millionen Dollar. Für beide Parteien sind dreistellige Millionensummen alltäglich, doch dieser Termin war ein besonderer.

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Das sehen Hunde, wenn sie fernsehen

hund(image by lightstargod[CC0 Public Domain] via Pixabay)

Hundebesitzer bemerken oft, wie ihre Tiere fernsehen oder auf Computerbildschirme und Tablets schauen. Aber was geht in ihrem Hundekopf vor? Tatsächlich konnten Studien durch eine Rückverfolgung ihres Sehvermögens mithilfe ähnlicher Methoden, wie sie beim Menschen verwendet wurden, feststellen, dass Haushunde bestimmte Bilder und Videos bevorzugen.

Diese Studie deutet darauf hin, dass Hunde bevorzugt andere echte Hunde sehen – aber unsere Studien haben auch herausgefunden, dass es zunächst die Geräusche sind, die Hunde zum Fernseher oder zu anderen Geräten locken.

Die beliebtesten Geräusche umfassen dabei das Bellen von Hunden sowie deren Winseln, aber auch die Laute, die Menschen erzeugen, wenn sie Hunde loben und ihnen freundlich Befehle erteilen und das Quietschen von Spielzeug.

Dennoch schauen Hunde ganz anders fern als es Menschen tun. Statt still zu sitzen, nähern sich die Tiere oft dem Bildschirm, um genauer hinschauen zu können und laufen wiederholt zwischen ihrem Besitzer und dem Fernseher hin und her. Sie sind sehr zappelige, interaktive Zuschauer.

Hunde sehen auf dem Bildschirm auch andere Dinge als Menschen. Hunde sehen zweifarbig – sie haben zwei Arten von Farbrezeptor-Zellen und sehen Farben innerhalb zweier Farbspektren: blau und gelb. Die Farbverwendung in den Medien ist sehr wichtig für Hunde und erklärt, warum der Hunde-Fernsehsender DogTV diese Farben bei seinen Programmen bevorzugt verwendet. Hundeaugen sind außerdem viel sensibler gegenüber Bewegungen und Tierärzte vermuten, dass das verbesserte, flimmerfreie Fernsehen, das aus dem Wechsel von normalem zu hoch auflösendem Fernsehen resultiert, Hunden ermöglicht hat, die Medienprogramme im Fernsehen besser wahrzunehmen.

Mögen Hunde das TV-Programm

In Studien wurden auch mehrere Bildschirme verwendet, um zu sehen, ob Hunde aussuchen können, was sie anschauen. Frühe Forschungen haben ergeben, dass Hunde unfähig sind, sich zu entscheiden, wenn sie mit drei Bildschirmen konfrontiert werden und sich stattdessen nur einen Bildschirm anschauen, ganz egal, was auf diesem gezeigt wird. Dies muss noch mit zwei Bildschirmen getestet werden und möglicherweise auch noch einmal mit mehr als dreien.

Während die Wissenschaft gezeigt hat, dass Hunde sich auf Fernsehprogramme einlassen können und dass sie bestimmte Programme bevorzugen, muss sie noch komplexere Fragestellungen erforschen, wie beispielsweise die Frage, ob ihnen Fernsehen eigentlich tatsächlich gefällt. Wir Menschen schauen oft anstrengendes Bildmaterial oder Videos, die uns eine Vielzahl an Emotionen durchleben lassen, von Erschütterung zu Wut und Schrecken. Wir schauen auch nicht nur deshalb fern, um uns wohlzufühlen. Wir wissen jedoch nicht, ob ähnliche Faktoren Hunde dazu motivieren, fernzusehen.

Worauf sich ein Hund einlässt, variiert jedoch von Hund zu Hund und hängt von seiner Persönlichkeit, Erfahrung und von seinen Vorlieben ab. Es wird spekuliert, ob dies davon beeinflusst wird, was ihre Herrchen schauen, da Hunde dem Blick der Menschen und anderen Kommunikationssignalen, wie zum Beispiel Gesten und Kopfschütteln, folgen.

Anders als bei Menschen gibt es bei Hunden sehr kurze Interaktionen mit den Medien mit einer Zeitspanne von meist unter drei Sekunden, wobei die Tiere bevorzugt kurze Blicke auf den Fernseher werfen, anstatt sich auf diesen zu fokussieren, wie es die Menschen tun. Studien haben herausgefunden, dass selbst Medienprogramme, die speziell für Hunde konzipiert wurden, zum Großteil von diesen nicht geschaut werden. Das ideale Fernsehprogramm für Hunde sollte daher viele Bildausschnitte beinhalten und keine Szenarios mit langen Geschichten.

Aber während Hunde ihren eigenen Fernsehsender haben und eine Vorliebe dafür gezeigt haben, andere Hunde zwischen kurzen Interaktionsphasen im Rahmen spezieller Programme in bestimmten Farben zu sehen, bleiben noch viele Dinge unklar. Dennoch besitzt die Technologie das Potential, für Unterhaltung für den Haushund zu sorgen, wodurch das Wohlergehen der allein im Zwinger und zu Hause gelassenen Hunde gesteigert wird. Man sollte allerdings noch keine Hundeversion der Nachrichten erwarten.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „Hund“ by lightstargod (CC0 Public Domain)


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Warum Smartphones oft schlechte Laune machen

Apple (Image by Ed Gregory [CC0 Public Domain] via Pexels)

Mehr als die Hälfte der Deutschen nutzen Smartphones. Die Meisten verbringen auch sehr viel Zeit in sozialen Netzwerken. Facebook, Instagram, Twitter und Snapchat tragen dazu bei, dass wir unsere Bilder und Erlebnisse mit anderen teilen. Doch welche Auswirkungen hat der häufige Konsum eigentlich auf unseren Alltag und wie beeinflussen Smartphones unsere Emotionen?

Sarah Diefenbach hat sich mit diesem Thema genauer beschäftigt. Sie ist Professorin für Wirtschaftspsychologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, studiert hat sie Psychologie mit Nebenfach Informatik. Schwerpunkte ihrer Forschung sind das Konsumentenerleben im Bereich interaktiver Produkte und die Betrachtung von Mensch-Technik-Interaktion aus einer psychologischen Perspektive. Gemeinsam mit Daniel Ullrich hat sie das Buch „Digitale Depression: Wie neue Medien unser Glücksempfinden verändern“ [Affiliate Link] geschrieben. Ullrich ist Post-Doc am Lehrstuhl für Medieninformatik der LMU München. Er promovierte zum Thema Intuitive Interaktion mit technischen Produkten. Seine Forschungsschwerpunkte sind Nutzererleben und positive Erlebnisse mit Technik, insbesondere mit intelligenten Systemen und Robotern.

Sarah Diefenbach
Sarah Diefenbach erforscht Emotionen und die alltägliche Nutzung von Smartphones

Ihr gemeinsames Buch handelt davon, dass viele Menschen ihre Glücksmomente zerstören, indem sie alles mit ihrem Smartphone festhalten wollen. Dadurch, dass wir unser Glück ständig tracken, posten und teilen wollen, verlernen wir, es direkt zu erleben. Wir posten Fotos in sozialen Netzwerken, um uns gut zu fühlen, wir wollen das Glück intensivieren, indem wir es mit anderen teilen.

Allerdings treten wir damit auch in einen Wettbewerb. Alle posten Fotos und suchen Bestätigung durch möglichst viele Likes. Neben den vielen tollen Urlaubsfotos der Kontakte scheint das eigene Leben plötzlich belanglos. Doch das ist nur eine der vielen Alltagssituationen, die unser Glück gefährdet. Egal ob wir mit jemandem essen gehen oder im Zug sitzen, Technik und digitale Medien sind meistens in unserem Alltag vertreten. Diese ständige Präsenz kann auch zu Konflikten führen und unsere Gefühle beeinflussen.

Im Interview erzählt Sarah Diefenbach unter anderem, worauf es bei der Nutzung von Smartphones ankommt und wie unsere Emotionen davon beeinflusst werden.

Marina Blecher: Finden Sie, dass wir unsere Umwelt anders wahrnehmen als diejenigen, die kein Smartphone benutzen? Und wenn ja, wie?

Sarah Diefenbach: Das kann man auf jeden Fall sagen. In unserem Buch beschreiben wir die Smartphones als eine Linse, durch die wir unsere Umwelt permanent wahrnehmen. Man könnte fast sagen, das Smartphone nimmt für uns wahr, erklärt uns, wie wir die Welt zu sehen haben. Besorgniserregend ist, dass wir uns dieser Filterfunktion oft nicht bewusst sind. Auch was uns Amazon empfiehlt oder was Google uns als Treffer vorschlägt, ist ja schon eine Vorselektion. Es wird immer schwerer, zwischen direkter Wahrnehmung und gefilterter Realität zu unterscheiden.

In Ihrem Buch schreiben Sie auch darüber, dass es in manchen Situationen unglücklich macht, wenn man sich zu viel mit dem Smartphone beschäftigt. Gibt es auch Studien dazu, dass die sozialen Medien emotionale Auswirkungen haben?

Ja, da gibt es einige Studien. Eine, die ich sehr anschaulich und interessant finde, handelt von Facebook. Je mehr Zeit man auf Facebook verbringt, umso überzeugter ist man, dass andere ein besseres Leben haben und glücklicher sind als man selbst. Eine andere Studie zeigt, dass die Nutzung von Facebook oft schlechte Laune macht – dennoch nutzt man es immer wieder. Da stellt sich natürlich die Frage: Liegt es daran, dass die Leute diesen Effekt nicht vorhersagen können? Oder ist es eine Art Sucht – man weiß, dass es nicht gut tut, aber man kann nicht anders? Oder einfach nur dieser Wunsch nach schneller Ablenkung?

Und finden Sie auch, dass die neuen Medien Auswirkungen auf den Umgang miteinander haben? Beispielsweise, dass die Menschen sich mittlerweile schlechter unterhalten können?

Man muss mit kausalen Aussagen dieser Art vorsichtig sein, das Verhalten zeigen wir ja immer noch selbst. Ein Beispiel aus unserem Buch ist, dass die Diskussionen nicht mehr so tiefgehend sind. Wenn man zusammen mit Freunden an einem Tisch sitzt und es gibt irgendwo Uneinigkeiten sagt einer „Ach, das schau ich schnell nach.“ Wikipedia sagt so und so – „End of Discussion“. Es wird vieles schnell abgebügelt.

Soziale Netzwerke begünstigen Vergleiche und Bewertungen: man urteilt über andere Menschen wie über Produkte aus einem Online-Shop. Ich will nicht generell den sozialen Medien die Schuld zuspielen, aber ich denke, sie unterstützen uns leider in Verhaltensweisen, die nicht gerade gut für uns sind.

Und wieso wollen wir ständig erreichbar sein und können selbst bei einem gemeinsamen Essen unsere Smartphones nicht einfach weglegen?

Ich habe den Eindruck, dass es mittlerweile so eine Art antrainierte Angst ist, etwas zu verpassen. Durch diese Norm, ständig erreichbar zu sein, wird auch erwartet, dass andere ständig antworten. Und wenn man es nicht tut, gilt es fast schon als Beleidigung oder mangelnder Respekt dem anderen gegenüber. Jedoch haben wir diese Normen selbst geschaffen und wir können auch wieder neue Normen schaffen.

Wie gehen Sie mit der Technik um? Ärgern Sie sich manchmal auch über Ihren Konsum oder achten Sie darauf, die Technik nicht so häufig zu nutzen?

Ja, ich achte darauf und deshalb ärgere ich mich selten. Aber ich finde es auch bei mir selbst interessant zu beobachten, wie sich Routinen oder Automatismen entwickeln. Wenn ich mein Notebook anmache – eigentlich nur, um eine bestimmte Information nachzuschauen – mache ich oft automatisch auch das E-Mail-Programm auf. Ich bekomme neue Nachrichten und setzte mich damit auseinander. Am Ende habe ich vielleicht vergessen, was ich ursprünglich wollte. Das sind erstmal Kleinigkeiten, aber trotzdem machen sie bewusst, wie stark diese Einflüsse sind und wie leicht man in Verhaltensweisen reinrutscht, die man nicht beabsichtigt hat.

Bei vielen Jugendlichen hat man das Gefühl, dass sie sozusagen süchtig nach ihren Smartphones sind. Ab wann sollte man sich Ihrer Meinung nach Sorgen um den Umgang mit digitalen Medien machen?

Ich finde, man kann schlecht sagen, dass es ab einer bestimmten Dosis problematisch wird. In unserem Buch schlagen wir vor, einfach mal den letzten Tag Revue passieren zu lassen. Wie oft habe ich mit Technik interagiert und wie viel davon waren positive Momente? Und wenn man dabei entdeckt, dass es eigentlich mehr Stress ist oder man sogar Menschen im direkten Umfeld vernachlässigt, wenn man das Gefühl hat, keine Erholung zu finden und niemandem gerecht zu werden – viele Menschen berichten, dass sie ständig erreichbar sind, aber trotzdem das Gefühl haben, sie sind nicht genug für andere da. Solche Beobachtungen könnten ein Anlass sein, den Konsum zu reduzieren – und gleichzeitig mehr Zeit für andere schöne Dinge zu gewinnen.


Image „Apple“ by Ed Gregory (CC0 Public Domain)

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  • AMAZON golem: Amazon will Lebensmittelläden eröffnen: Künftig sollen Amazon-Kunden ihre Bestellungen in eigenen Lebensmittelläden des Onlineversandhändlers abholen können. Der Kunde soll sich die Waren aussuchen können und die von ihm bestellten Artikel entgegennehmen. Damit spart sich Amazon die Lieferung verderblicher oder schwer zu transportierender Waren zum Kunden. Es soll zunächst in den USA mit Teilnehmern des Frischedienstes Amazon Fresh getestet werden. Auch in Deutschland sollen Berichten zufolge Vorbereitungen für den Start des Lebensmittellieferdienstes Amazon Fresh getroffen werden.
  • YAHOO PC-WELT: Yahoo will Abwanderung seiner Nutzer dreist verhindern: Mit einem dreisten Trick versucht Yahoo zu verhindern, dass von Datenklau und Spionage genervte Nutzer zu einem anderen E-Mail-Anbieter wechseln. Nachdem Hacker die Daten von 500 Millionen Benutzern gestohlen haben und nachdem bekannt wurde, dass das Unternehmen für einen US-Geheimdienst die E-Mails von Millionen Nutzern durchsucht hat, wollen sicherlich viele zu einem anderen Anbieter wechseln. Doch das ist gar nicht so einfach, weil Yahoo die automatische E-Mail-Weiterleitung abgeschaltet hat.
  • WINDOWS heise online: Windows-Update macht Minix-PC unbrauchbar: Nach dem Einspielen einer falschen Firmware, die Windows 10 automatisch per Windows Update installiert, booten Mini-PCs von Typ Minix NEO Z64W mit Atom Z3735F nicht mehr. Nach Informationen von heise online sind derzeit keine anderen Systeme mit Bay-Trail-Technik beziehungsweise Atom Z3735F von dem Firmware-Update-Fehler unter Windows 10 betroffen. Nach Informationen im Minix-Supportforum liefert Windows Update das falsche Firmware-Update auch nicht mehr aus.
  • SMARTPHONE HORIZONT: Android dominiert, Apple macht Kasse: Im weltweiten Smartphone-Markt ist Samsung bislang die klare Nummer eins. Im zweiten Quartal kam der südkoreanische Konzern nach Berechnungen der Marktforscher von IDC mit rund 77 Millionen verkauften Computer-Handys auf einen Anteil von gut 22 Prozent. Apples iPhone lag mit 40,4 Millionen Telefonen und knapp zwölf Prozent Marktanteil auf Platz zwei. Doch da Apple auf günstige Modelle in seinem Angebot verzichtet, erzielt der Konzern mit Abstand die höchsten Gewinne in der Branche.
  • DEUTSCHLAND Handelsblatt: Für viele Senioren ist die Pflege zu teuer: Was Altenpflege in Deutschland kostet, ist je nach Region extrem unterschiedlich. Viele Senioren können sich keinen teuren Heimplatz leisten. Doch auch günstige Pflege hat ihren Preis, wie eine aktuelle Studie zeigt. In einer am Mittwoch vorgestellten Studie der Bertelsmann-Stiftung, übersteigt der fällige Eigenanteil für den Heimplatz in fast der Hälfte aller Städte und Kreise (44 Prozent) das durchschnittliche Haushaltsbudget der über 80-Jährigen. Bislang fehle es der Politik an einer Lösung, wie Altenpflegekräfte leistungsgerecht bezahlt werden, ohne die Pflegebedürftigen und ihre Familien finanziell zu überfordern.
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  • AMAZON futurezone: Wer gleich das erste Angebot im Einkaufsfeld auf Amazon bestellt, zahlt in 75 Prozent der Fälle nicht den günstigsten Preis, so eine Studie. Investigative Journalisten von Pro Publica haben herausgefunden, dass in vielen Fällen Amazon als preisgünstigster Händler in den Suchergebnissen gelistet war, obwohl es andere, günstigere Händler gab. Amazon selbst gibt an, die Preise für Prime-Kunden optimiert zu haben.
  • WEB t3n: Web.de wird zum Stromanbieter: Das bekannte Internetportal Web.de will jetzt zum Stromanbieter werden. Unter dem Namen Web.de Strom bietet das Portal ab sofort drei unterschiedliche Stromtarife an. Den Strom produziert Web.de allerdings nicht selbst, sondern kauft ihn zu tagesaktuellen Preisen auf dem Strommarkt ein. Die Kunden will die United-Internet-Tochter mit Ökostrom und Bonuszugaben, wie einem iPad Air 2, überzeugen.
  • STARTUP heise online: Hamburger Start-up Protonet verschiebt Smart-Home-Projekt „Zoe“: 318.000 US-Dollar hatte das Start-up Protonet für seine Smart-Home-Zentrale Zoe gesammelt, nachdem es aber Verzögerungen gab, soll das Geld wieder an die Unterstützer zurückgehen. Vier Monate nach dem erfolgreichen Abschluss einer Crowdfunding-Kampagne für die datenschutzfreundliche Smart-Home-Zentrale „Zoe“ hat das Start-up Unternehmen Protonet das Projekt auf eine unbestimmte Zeit verschoben.
  • EUROPA SPIEGEL ONLINE: EU-Kommission schafft Roaming-Gebühren doch ab: Ab Mitte 2017 sollen Handynutzer ohne zeitliche Begrenzung kostenfreies Roaming im EU-Ausland nutzen können. Jeder Nutzer soll „wie daheim“ Roaming nutzen können. Allerdings müssen Missbrauche verhindert werden können. Anbietern werden dafür eine Reihe von Möglichkeiten an die Hand gegeben. Der endgültige Vorschlag soll nun im Dezember angenommen werden. Zuvor sind Beratungen mit der europäischen Regulierungsbehörde Berec, den EU-Staaten und weiteren Beteiligten wie Telekom-Unternehmen geplant.
  • APPLE Süddeutsche Zeitung: Apple soll Interesse an McLaren haben: Apple ist an der Übernahme des britischen Sportwagenherstellers McLaren interessiert. McLaren baut straßentaugliche Sportwagen, die bis zu einer Million Euro kosten können. In den vergangenen Jahren erlöste McLaren damit jeweils rund eine Viertelmilliarde Pfund. McLaren könnte bis zu 1,7 Milliarden Euro wert sein. Zuletzt hieß es in Medienberichten, das Interesse von Apple verlagere sich eher auf die Entwicklung von Software für Roboterwagen.
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