Es war ein symbolischer Akt. Am Wochenende hatten einige Aktivisten, die sich dem Occupy-Gedanken nahe fühlen, vor dem Apple Flagship Store am Hamburger Jungfernstieg protestiert. Denn Apple lässt seine heiß begehrten Produkte in China unter teilweise abenteuerlichen und lebensgefährlichen Bedingungen produzieren. Das ist nicht neu. Auch andere IT-Firmen lassen ihre Tablets, Notebooks und Smartphones bei denselben Produzenten herstellen. Auch bei diesen Produktionslinien kann nicht davon ausgegangen werden, dass sie besonders umsichtig vonstatten gehen, von umweltschonenden Verfahren ganz zu schweigen. Denkt man das Thema noch weiter, dann erscheinen ausgemergelte Kinder in afrikanischen Minen vor dem geistigen Auge der Mediengesellschaft, die im Schlamm nach Seltenen Erden suchen. Dasselbe kennen wir auch von den tödlichen Chemie-Cocktails in denen Inder jahrelang stehen, um unsere billige Kleidung bzw. die Stoffe dafür zu färben.

Es wäre sinnvoll, wenn man sich nicht alle zwei Jahre neue Laptops und jährlich ein neues Smartphone kaufen würde solange nicht sinnvolles Recycling und umsichtige Produktionsmethoden gang und gäbe wären. Aber nicht nur die pickeligen Nerds und Geeks haben zahlose Menschenleben in Asien und Afrika auf dem Gewissen. Auch die adretten Mädchen, die bei ZARA und H&M noch ein paar billige Teile ergattern müssten bei Licht besehen nur ein oder zweimal Nachdenken, was sie anrichten...

Proteste sind cool. Cooler ist jedoch das eigene verantwortungsvolle Handeln im Alltag.

Occupy Society.

Und das sagt John Stewart (Daily Show) dazu (via): [MEHR]

Ein kleiner Denkanstoß zum Wochenende. Wahrscheinlich haben ja weder diejenigen recht, die glauben, dass es ohne Social Media keinen arabischen Frühling gegeben hätte noch diejenigen, die das Gegenteil behaupten. Die Blogger und Aktivisten in den Maghreb-Staaten jedenfalls wissen um die Möglichkeiten seit YouTube, Facebook, Twitter und Blogs - ganz zu schweigen von der niedergeknüppelten iranischen Revolution. Aber wissen wir im ruhigen Europa und den USA um die Möglichkeiten direkter Handlungen trotz, wegen bzw. nach Occupy?

Courtesy by Propaganda Times



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We’ve recently been doing a number of interviews on the Quantified Self, the trend of capturing behavioral and body data for analysis and sharing. One of the questions that keeps popping up in these interviews and everyday conversations alike is: Where will this lead down the road? In other words, how will our life change if we continue on this path?

It’s a loaded question of course, and has many aspects – of societal change, the perception of the self, business models, privacy, ownership and control, just to name a few.

So I’m going to engage in a little speculation and write a scenario of an everyday scene. Please think of it as playful exploration, a thought experiment rather than full-blown forecasting scenarios or predictions.

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No fun fair without Kasperle

Darauf hat die Welt gewartet. Der berühmteste Abschreiber der Nation, Karl-Theodor zu Guttenberg, wird nun also Vertreter in Sachen Internetfreiheit und soll im Auftrag der EU-Kommission nicht nur die Instanz selber, sondern auch die Mitgliedsstaaten, Drittländer und Nichtregierungsorganisationen in der Welt beraten. Das bestätigte gestern die EU-Kommissarin Neelie Kroes. Die Logik hinter dieser Entscheidung kommt einem Kasperle-Theater gleich. Denn, so wie der Kasper im Theater für den nötigen Spaß sorgt, soll auch der Ex-Minister im netzpolitischen Geschehen die Augen der Beobachter zum Strahlen bringen. Dabei kommt es gar nicht mal auf die fachliche Eignung an. Polarisieren ist das Schlüsselwort der Stunde. Nun ja. Zumindest unter diesen Anforderungen kann es keinen besseren Mann für diesen Job geben.

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AlternativlosDie Podcast-Staffel Alternativlos hat eine neue Folge herausgebracht, die sich mit dem Begriff Terrorismus im Allgemeinen und auch im Speziellen von rechts beschäftigt. Was genau ist eigentlich Terrorismus? Und was ist es nicht?

Die Macher Frank Rieger und Felix von Leitner (fefe) sprechen unter anderem auch über die Haager Landkriegsordnung und diskutieren in diesem Kontext darüber wie sich der Tatbestand des Terrorismus in Kriegszeiten über dieses eigentliche Kriegsrecht hinweg setzt und wie Staaten die sich im Krieg befinden, sich selber zum Terroristen machen, weil sie die Haager Landkriegsordnung missachten. Allen voran dient hier natürlich die USA, mit der Causa Guantanamo als Paradebeispiel.

Herausgekommen ist ein wirklich spannender Gedankenaustausch, der hier mal mit einigen Begrifflichkeiten aufräumt und zum Nachdenken anregt. Nach dem Klick auf die Timeline werdet Ihr auf die eigentliche Seite weitergeleitet. Viel Spaß beim Zuhören!

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Es geht los. Oder besser gesagt: Es hört nicht mehr auf. Seit einigen Monaten wird gegen die robusten Daten angeschrieben. Und es scheint zu klappen. Waren vor einem halben Jahr noch alle Wirtschaftsdaten im grünen Bereich, beginnt so langsam das Pendel ins Gegenteil zu kippen. Kennen wir. Passiert alle paar Jahre. Da aber parallel das System aus Schlaraffenland-Versprechern alias Politikern und deren Finanziers ein grundlegendes Problem nicht mehr unterm Deckel halten kann, wird es nun ernst im Staate Massenmedien. Und da jetzt sowohl Mutbürger als auch Wutbürger aus allen Rohren beschossen werden mit Endzeitstimmung (diesmal will sich keiner nachher sagen lassen, er hätte nicht gewarnt), beginnt der ewige Satz, dass Märkte zu 50% Psychologie sind sogar drittklassigen Experten einzuleuchten.

So etwas als selbsterfüllende Prophezeiung zu bezeichnen, wenn alle Reichen aus Südeuropa ihr Vermögen auf Deutsche und Schweizer Banken bringen, grenzt an eine Tautologie. Bank-Run ist Gebot der Stunde, während die Occupy-Bewegung noch auf die ehemaligen Herrscher der Welt einzudreschen versucht. Dabei hat sie die Rechnung ohne den Schöpfer der Welt gemacht: den Bürger. Denn der Bürger investiert sein Geld nicht. Nach Reihenendhaus, Wintergarten und zweiter Garage, die zum großen Teil mit Schwiegerelterns Hilfe gestemmt wurden, muss das übrig bleibende Geld - nach Abzug des Zehnts der Versicherungsindustrie, die das Geld "gut" anlegt, auf ein Sparkonto. Da türmen sich Aberbillionen bei den Sparkassen und Volksbanken. Kein Wunder, dass die öffentlichen Landesbanken angesichts solcher Sicherheiten ein paar Dutzend Milliarden verzocken wollten.

Denn die Versicherer mussten ja ihrerseite mithilfe der Privatbanken auch noch was anlegen. Nur gibt es mittlerweile nichts mehr anzulegen, weil der Konsum in den westlichen Ländern langsam aber sicher kein Wachstum mehr verzeichnet, sogar leicht rückläufig ist. Weil keiner einer dritte Garage, einen zweiten Wintergarten oder einen dritten Fernseher braucht...

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Der aktuell wieder aufkeimende Hype um Gamification belegt ganz gut, wie man Menschen spielerisch motiviert und wie diese, sich bildende Energie, gleichzeitig in die falsche Richtung gelenkt werden kann.

gamification

Gamification vermischt spieltypische Belohnungssysteme mit alltäglichen To Dos, die uns anhand von zu knackenden Highscores, Erfahrungspunkten oder stetig weiterentwickelten Fortschrittsbalken am Ehrgeiz packen und bei Laune halten sollen. Durch Gamification versuchen wir immer besser zu sein als alle anderen. Zum Teil bei ganz lapidaren Anwendungen und Handgriffen. So kommt es vor das Personen Artikel auf eBay verkaufen, nur um einen weiteren goldenen Stern auf dem Benutzerkonto blinken zu lassen oder das wir wie beim Beispiel foursquare besonders oft in bestimmte Lokalitäten einchecken, um uns mit dem Status „Conny’s Bar Bürgermeister“ ansprechen zu lassen. Sogar manche Steuererklärungssoftwares sind mit sogenannten Fortschrittsbalken ausgestattet, die uns am Ende mit abstrusen Punkte-Systemen suggerieren wollen, dass wir dieses Jahr besonders schnell dem Fiskus unsere Daten übermittelt haben.

Gamification macht banale und alltägliche Dinge zum Wettbewerb und oftmals verführt der Umgang mit diesen Anwendungen uns dazu diese eher sinnlosen Dinge, dadurch stärker in unser Leben oder unser Handeln zu integrieren. Dabei sollte man das Erfolgssystem Gamification vielmehr in gesellschaftliche Projekte mit einbeziehen...

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„Die Würde des Menschen ist unantastbar! Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“

Nicht von ungefähr steht dieser Satz als Art. 1, Absatz 1 am Anfang des Grundgesetzes. Menschen, gleich ob als Individuum oder Angehörige einer Gruppe können bereits durch Worte und nicht erst durch Taten ihrer Würde und damit ihres Schutzes beraubt werden. So geschah es, als die Nazis 1933 die Macht im Reichstag übernahmen: Lange vor Reichskristallnacht, Wannseekonferenz und Deportation in die Vernichtungslager, lange vor Internierung, Folter und Zwangsarbeit hetzte die NS – Propaganda gegen ihre politischen Gegner, vermischte und vermengte Ängste, Vorurteile und Verschwörungspropaganda zu einer giftigen medialen Wolke, die letzten Endes das kollektive Bewusstsein breiter Bevölkerungsschichten vernebelte. Erst durch die jahrelange Schmähung von Juden und Roma, Homosexuellen und Sozialdemokraten, Kommunisten und Pazifisten, Intellektuellen und Klerikern konnte die braune Führung auf eine hohe Akzeptanz, ja zumindest Toleranz ihrer brutalen Eliminierung sämtlicher Menschen bauen, die ihrer zynischen Ideologie nicht folgten...

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WikiLeaks LogoDass WikiLeaks aus Geldmangel gescheitert ist, macht mich persönlich sehr betroffen. Dass die Schließung eine vorübergehende Sache ist, hoffe ich dennoch. WikiLeaks galt lange Zeit als demokratischer, als die meisten Parlamente, die sich diesen Stempel aufsetzten. Chefredakteure der wichtigsten Zeitungen der Welt tummelten sich um Assange und sein Projekt. Regierungen kührten WikiLeaks und die Macher zum Staatsfeind Nr. 1. Das Projekt jedoch gab vielen Menschen die Hoffnung zurück, dass man nicht nur etwas von oben nach unten, sondern auch von unten nach oben verändern kann. Dass WikiLeaks in der Tat ein starkes Vermächtnis in den Gedanken der Menschen und im Umgang mit Demokratie hinterlassen hat, versuchen viele Kritiker und Realisten derzeit zu relativieren. Zum absoluten Bedauern meinerseits.

Diese 47-minütige Reportage, deren Link ich gestern mal wieder aus meinen Lesezeichen ausgegraben habe, spiegelt ganz gut die Geschichte Assanges und die von WikiLeaks von Beginn bis kurz vor Ende wider. Besonders schockierend ist dabei der Part des Colleteral Murder Videos, also die Aufnahmen des vorsätzlichen Mordes an Presseleuten und zivilen Bürgern, durch die Hand des amerikanischen Militärs. Die Veröffentlichung dieses Videos, dass einem jedes mal wieder einen Schauer über den Rücken laufen lässt, steht stellvertretend für sämtliche Missetaten, die durch WikiLeaks an die Oberfläche gebracht worden.

WikiLeaks hat viel erreicht und bedarf weiterer Unterstützung. Auch von euch!

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Jetzt im Moment räumt die Polizei mit großem Aufgebot den seit Monaten besetzten Zucotti Park, in dem die Occupy Wall Street Bewegung OWS sozusagen ihre Heimat gefunden hat. "Da ist unser Heim!" schrien die Aktivisten als sie ab zwei Uhr nachts an Händen und Füßen auseinandergezogen und einzeln abgeführt wurden. "Gewaltlos" war einmal mehr das Moto, das alle sich gegenseitig zuriefen, um sich nicht provozieren zu lassen, was angesichts der Uhrzeit und den schlaftrunkenen Menschen offensichtlich keine einfache Sache ist. Angeblich geht es wieder um die Sauberkeit. Schon einmal hatten alle vorbildlich aufgeräumt und alles gesäubert. Warum es diesmal die Leute nicht selbst machen sollten, ist bisher unklar. Der Bürgermeister hatte eine halbe Stunde vorher per twitter eine Ankündigung im Netz verbreitet:
Occupants of Zuccotti should temporarily leave and remove tents and tarps. Protesters can return after the park is cleared. Die New York Times berichtet, dass ein Polizist gewichtigere Gründe für die Aktionen offenbarte:"The city has determined that the continued occupation of Zuccotti Park poses an increasing health and fire safety hazard."

Im Livestream nach dem Klick ist einiges dazu zu sehen:

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Im Laufe der Menschheitsgeschichte erlebte die Art und Weise, wie wir kommunizieren, immer wieder Quantensprünge. Nach der Erfindung der Sprache, der Schrift und des Buchdrucks ist die Digitalisierung der vierte große Schritt. Besonders davon betroffen ist unser Umgang mit Wissen und Kultur. Jeder kann heutzutage perfekte Kopien von Musik, Filmen, Büchern und anderen Werken erstellen, was die Geschäftsmodelle der Branchen, die sich fast vollständig auf die Vermarktung von Kopien spezialisiert haben, ins Wanken bringt. In diesem Kontext gewinnt das Urheberrecht immer mehr an Bedeutung. Doch um es durchzusetzen, werden immer wieder harte Maßnahmen, wie z.B. Hausdurchsuchungen und "Three-Strikes", ins Gespräch gebracht oder schon durchgeführt. Heutzutage gerät das Urheberrecht damit in Konflikt mit den bürgerlichen Freiheitsrechten. Zur Rechtfertigung solcher Maßnahmen greifen die Befürworter immer wieder zum Begriff des "geistigen Eigentums", der dem Urheberrecht eine grundrechtliche Bedeutung verleiht. Doch die Digitalisierung selbst stellt diesen Begriff auf den Prüfstand...

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occupy ist schickDer Kapitalismus und die Strohmänner dahinter fristen im Moment ein Dasein, welches keine hohe Anerkennung findet in der Bevölkerung. Protest regt sich bekanntlich auf der ganzen Welt in Form der Occupy Bewegung. Es wird protestiert gegen die Globalisierung, die Gier und die fehlende soziale Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Die Embleme des Kapitalismus werden dabei fett und mit völliger Ablehnung auf Protest-Plakaten, Flyern und auch auf der Kleidung zur Schau gestellt. Dumm nur, dass zumindest die Markenembleme auf der Kleidung nicht immer als kritische Symbolik verstanden werden können. Auf der Brust gebrandmarkt durch verschiedene Logos bekannter Textilhersteller und mit den neuesten Gadgets aus zumeist fragwürdigen asiatischen Produktionsbedingungen ausgestattet, machen sich viele Protestler unglaubwürdig im Kampf gegen das böse Kapital...

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AlternativlosIn dieser zweistündigen Aufnahme der Reihe "Alternativlos" reden die Macher Frank Rieger und Felix von Leitner (fefe) mit Frank Schirrmacher, einem der Herausgeber der FAZ, über den politischen Diskurs im Wandel der Zeit. Man geht auf den Verfall der politischen Diskussion in Deutschland ein und vergleicht auch die Rhetorik der Staatsmänner der Nachkriegszeit mit denen der Gegenwart. Dabei werden vorallem Adenauer, Weizsäcker, Schmidt und Kohl mit Personen wie Merkel, Guttenberg und Wulff verglichen. Das Fazit in diesem Vergleich hält wenige Überraschungen bereit.

Für einige Überraschungen sorgen aber Frank Schirrmachers Einschätzungen wie es um die Kompetenzen der heutigen Politiker in Bezug auf die aktuellen Themen Staatstrojaner, Griechenland-Krise oder Fukushima steht.

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Guy-Philippe GoldsteinDie Kriege von Heute werden nicht mehr auf dem Schlachtfeld bestritten, sondern im Web. Computerprogramme wie Stuxnet oder der vor einigen Tagen entdeckte Virus Duqu spionieren wirtschaftliche Ziele aus und senden Daten an deren Entwickler zurück, bis hin zur Manipulation der spionierten Anlagen. Das damit allerdings nicht nur Wirtschaftspionage betrieben wird, sondern auch politische Krisen herauf beschworen werden können, die im Ernstfall sogar den Weltfrieden in Gefahr bringen, ist möglich. Bei TEDxParis spricht Guy-Philippe Goldstein darüber, wie Cyberattacken von der digitalen Welt in die physische Welt umschlagen können. Der Redner selber ist der Autor von "Babel Minute Zero", einem Roman, der die Realität des Cyberwar in unserer aktuellen geopolitischen Topographie untersucht.

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Die Massenmedien sind erstaunt. Es gibt Individuen. Mitten unter uns. Manche machen sogar von ihrem Recht Gebrauch, öffentlich ihren Unmut zu äußern. In den Ländern mit einer lebendigen sozialen Kultur kommt es zu koordinierten und gemeinsamen Aktionen. In New York, wo der Gebrauch der Mikrofone untersagt wurde, wiederholen alle Zuhörer die Sätze der selbst ernannten Redner als "human microphone". In einigen europäischen Ländern, die eine aktive Demonstrationskultur kennen, gibt es richtige Aufmärsche. Da es weder um Tierversuche noch um Atomkraft geht, sind die Demonstrationszüge in Deutschland noch etwas verhalten. Auffällig ist jedoch, dass jeder sein eigenes Süppchen kocht. Darauf haben sich viele Jahrzehnte lang viele Politiker verlassen können. Denn es werden viele Haltungen mit einer einzigen Handlung verknüpft: Dem Marschieren vor und um Institutionen. Noch immer glauben, viel Bürger, dass dort die Macht herrscht. Die Vertreter dieser scheinbar einflussreichen Körperschaften zucken jedoch schon länger mit den Schultern. Genauso wie die Medien.

Das Zeitalter der Verschwörungstheorien ist vorbei. Es ist offenbar geworden, dass Politiker nichts anderes tun, als alle paar Jahre genau das in die Medien abzusondern, was die Umfragen besonders honorieren. Dann jedoch nehmen sie die Beine in die Hand und schauen, wer den größten Einfluß verspricht. Das ist der Sektor banking & finance, also Banken und Versicherungen und zusätzlich einige große DAX-Unternehmen. Neu ist diese Erkenntnis nicht. Neu ist die Tatsache, dass offenbar wird, dass es keiner Parteien mehr Bedarf, um zwischen der Macht in den DAX-Firmen und dem Souverän zu verhandeln. Neu ist auch, dass es noch keinen modus operandi dafür gibt. Der Motor der Demokratie stottert, aber er läuft noch, nur die Reifen (Parteien) haben kein Profil mehr. Angesichts des Morasts, den die letzten Dekaden der Alleinherrschaft der Eliten um uns aufgehäuft haben, brauchen wir tiefe Rillen in den Profilen. Die überall monstranzartig beschworene Partizipation (gerne auch im Kontext mit dem Internet) hat dabei mindestens einen Haken: ihre Legitimation.

Was sollte eine Familie, die gemeinsam über 12 Milliarden Euro an flüssigen Mitteln und diversen Firmenanteilen verfügt, dazu veranlassen, auf eine Kakophonie von 40 Millionen Stimmen zu hören. Oft genug haben sie intern ausreichend Disharmonie. Das Problem ist nicht die Finanzkrise, das Problem ist auch nicht der Protest. Das Problem ist die Führungsschwäche der politischen Kaste.

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