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Japans neues Zeitalter: Tradition und Moderne kombiniert

Japan (adapted) (Image by Andre Benz [CC0 Public Domain] via Unsplash)

Viele Menschen sind von Japan fasziniert. Man stellt sich ein Land vor, das zwischen zwei Sphären existiert. Einerseits gibt es dort die traditionelle „alte Welt“ mit Tempeln, Teezeremonien und kalligraphischen Kirschblüten. Andererseits leuchtet hier auch eine futuristische „neue“ Welt voller Hochgeschwindigkeitszüge, KI-Hunden und trendigen Spielekonsolen.

In Form von Mangas und Animes, Spielen wie Pokemon Go!, Filmen und sogar Snacks (möchte jemand ein Maccha-KitKat?) hat die japanische Popkultur dies alles zu einem süchtigmachenden, spaßigen Potpourri für den Westen zusammengemixt.

Egal ob es futuristische Mecha-Roboter sind, die auf den alten Hängen des Mount Fuji herumstapfen oder J-Pop-Stars, die wie Plastikpuppen in Seidenkimonos glänzen – wir sind süchtig nach einem Genuss, den es nur in Japan gibt. Müsste man etwas erfinden, was dieses Gefühl fassbar macht, wäre es wohl eine Art elektronisches Sushi: etwas Traditionelles, das mit einer Innovation gepaart wird, woraus ein perfekter Snack aus dem Alten und dem Neuen entsteht. Aber was wissen wir wirklich über das heutige Japan – abgesehen von ‚Kawaii‚ (Niedlichkeit), Ninjas und dieser mysteriösen Geschmackssensation Umami?

2D- und 3D-Welten bewohnen

Ganz im typischen japanischen Stil, in dem man das Zwischenleben (alt und neu, Ost und West, salzig und süß) liebt, ist das 2,5-dimensionale Theater eine digital-technologische Kunstform, die zwischen 2D- und 3D-Welten existiert. Es begann ursprünglich als fanbasierte Idee und entwickelte sich innerhalb der letzten zehn Jahre zu einer gefestigten Industrie und Institution mit ihren eigenen Rechten. Produktionen der 2,5 Dimension machte die 2D-Welt von Manga, Anime und Videospielen auf einer 3D-Ebene lebendig und nutzen die neuesten digitalen Entwicklungen und Kommunikationsplattformen.

Die Nutzung von sozialen Netzwerken, Smartphones und anderen Technikspielereien (wie etwa Brillen, die Untertitel einblenden) bereichern die Erfahrung des Publikums, indem man sich noch mehr und intensiver beteiligen soll. Das 2,5-dimensionale Theater kommt aus einem Land mit einer langen Geschichte von künstlerischen Bühnenproduktionen – von Noh und Bunraku bis zu Kabuki – und ist damit ein perfektes Beispiel für zahlreiche japanische Kreativindustrien, alte und neue, die durch die digitale Technologie zusammenkommen, um vollkommen neue Erfahrungen zu schaffen.

Solche digitalen Phänomene zeigen, dass die Gesellschaft immer öfter auch Augmented Reality nutzen möchte. Produkte und Leistungen motivieren die Nutzer, immer wieder neue Wege zu suchen, um Realitäten durch digitale Technologien noch echter darzustellen. Es gehört zur Norm, uns zu digitalisieren (wie diejenigen, die ihre Fitnessdaten durch Fitbits generieren) und unsere Leben sind dauerhafte, personalisierte, winzige 2D-Dimensionen.

Beispielsweise handelt es sich bei der Ricoh THETA SC um eine virtuelle Kamera, die 360-Grad-Bilder aufnimmt und Nutzern hilft, ihre eigene “Zwischenrealität” zu erschaffen. Vor wenigen Wochen wurde eine limitierte Edition „Hatsune Miku“ veröffentlicht. Die Nutzer können nun neben dem beliebten virtuellen Sänger in jeder Umgebung ihrer Wahl „existieren“.

Roboter und digitale Währungen

Shinzo Abe, der japanische Premierminister, untersucht eine Anzahl von Ressourcen „um Roboter als Grundpfeiler für unsere wirtschaftliche Wachstumsstrategie zu machen“, die während der Olympiade im Jahr 2020 in Tokio zur Schau gestellt werden sollen. Gefeiert als der „vierte Pfeiler“ von Abenomics, scheint Tokio 2020 tatsächlich Anreize für die Regierung geboten zu haben, um Japans „weiche“ Macht anzukurbeln (unvergessen bleibt Abe als Super Mario während der Abschlusszeremonie in Rio 2016) und die Position des Landes als Weltmacht zu stärken. Auch hier gestaltet die digitale Technologie den Weg.

Japanische Banken haben Pläne für die Einführug digitaler Währungen angekündigt. Ihr Ziel ist es den J-Coin in Japan bis 2020 in Umlauf zu haben – auch soll Tokio wieder als finanzielles Zentrum etabliert werden.

Gleichzeitig arbeitet Toyota, einer der größten Sponsoren für Tokio 2020, an selbstständig fahrenden Autos, die in der Nähe der Veranstaltungsorte während der Olympiade genutzt werden. Die japanische Regierung plant außerdem das Straßennetzwerk des Landes, um eine digitale Infrastruktur zu bieten.

Neben all dem Hi-Tech ist es auch faszinierend, wie große digitale Plattformen wie Uber und AirBnB tatsächlich in Japan scheitern – und zwar Dank rechtlicher, sozialer und kultureller Gründe. In gewisser Hinsicht zeigt dies den Druck Japans auf, das westliche und selbstprojizierte Bild eines Landes zwischen den Welten beizubehalten. Ist es für Japan möglich, zugleich alt als auch neu zu sein und dabei in seinen eigenen gegensätzlichen Spannungen gefangen zu sein?

Japan ist wahrscheinlich an der Spitze einer digitalen Revolution. Aber wenn eine dieser Innovationen global wird, werden sie trotzdem den Stempel des japanischen, eben etwas eigenen Charakters haben, der das Land so einzigartig macht.


Image (adapted) „Japan“ by Andre Benz (CC0 Public Domain)


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  • ROOMBAS wired: Roombas sollen private Wohnungen für Google und Amazon scannen: Das Unternehmen iRobot hat seit seiner Gründung schon viele Haushaltsroboter verkauft, am erfolgreichsten die der Reihe Roomba, die die Wohnungen autonom reinigen können und durch Infrarotsensoren Hindernisse, wie Möbel und Kanten, in der Wohnung erkennen. Seit 2015 gibt es eine kleine Neuerung, wobei die Roombas über ein Karten- und Visualisierungssystem verfügen, so kann die Wohnung kartografiert werden und die Reinigung geht noch schneller und hindernisloser. Interessant sind diese Lagepläne für Google, Apple und Co., die ihre intelligenten Assistenten wie Alexa damit optimieren könnten. Ein Problem be dem Datenschutz könnte es jedoch geben, da private Raumaufzeichnungen bestehen.

  • CHROME t3n: Chrome hat den Browser-Krieg gewonnen – sagt der ehemalige Technikchef von Mozilla: Der ehemalige Technikchef Andreas Gal nimmt Stellung zu dem Konkurrenzkampf um Chrome und Firefox. Firefox habe demnach keine Chance mehr gegen Chromes Marketing gehabt. Messen kann man den Verlust von Firefox daran, dass im Vergleich zu den Jahren davor 22 Prozent weniger Firefox-Installationen aktiv waren. Die genauen Zahlen des Verlaufes veröffentlichte Andreas Gal zuletzt auf Github. Eine Verbesserung für Firefox scheint nicht in Sicht zu sein, da Goole und Chrome es verstehen würden ihre Monopolstellung geschickt zu nutzen um Eigenwerbung zu betreiben.

  • EPLAYER horizont: ProSiebenSat.1 Puls 4 und 4Sports vermarkten ePlayer von Perform Media Germany: Ab jetzt investieren ProSiebenSat.1 Puls 4 und 4 Sports in die Online Vermarktung des ePlayers der Perform Group, die monatlich um die 120 Millionen User erreicht. Der Inhalt von ePlayer bezieht sich unter anderem auf digitale Sportinhalte und ihre Zusammenarbeit sei ein wichtiger Schritt in Richtung Zukunft, so die Leitung 4Sports, Sportvermarktung bei ProSiebenSat.1 Puls 4. Zu unterschätzen ist der ePlayer nicht, denn er ist im deutschsprachigen Raum der mit dem attraktivsten Videocontent, der einer der größten europäischen Fußball-Ligen wie die LaLiga, die Premier League und die Serie A mit innehat.

  • UBER NGIN: Japanischer Tech-Konzern will Milliarden-Anteil an Uber übernehmen: Der japanische Telekommunikations- und Medienkonzern Softbank soll jetzt bei Uber einsteigen, etwa ein neuer Großinvestor? Spekulationen blieben offen, bis jetzt hat sich keiner der beiden Parteien dazu geäußert und auch das Wall Street Journal beruft sich auf Insiderwissen. Genauere Pläne seien nach dem Wall Street Journal zwischen den beiden Konzernen sowieso erst zu machen, wenn der Vortsnad neu besetzt worden ist. Aufgrund der Anschuldigungen im Thema Sexismus und Diskriminierung schadet der Mitgründer Travis Kalanick dem Ruf des Unternehmens zunehmend.

  • GROUPIFY gruenderszene: Dieser Gründer liefert Onlineshops mit einer smarten Idee deutlich mehr Kunden: Gemeinsam shoppen? Das hat der Groupify-Gründer Alex von Harsdorf erfunden. Mit dem neuen Start-up können Freunde zu einem Onlineshop eingeladen werden, so sollen sich unter anderem die Versandkosten geteilt werden. Trotz des großen Potenzials hat das Unternehmen bis jetzt auf Investoren oder Investitionen in das Marketing von außerhalb verzichtet, ein Gespräch mit einigen Investoren schien aber bereits schon gemacht worden zu sein.

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Bitcoin & Co: Alternative Währungen sind die Zukunft

Bitcoin (adapted) (image by MichaelWuensch [CC0] via pixabay

Als ich 2012 zu unterrichten begann, beschloss ich, meinen Kurs mit einer Analyse darüber zu beginnen, wie Geld die Ordnung der Gesellschaft beeinflusst. Was meine Schüler besonders faszinierend fanden, war die damals aufkommende Welt der Krypto-Währung, die ich schon ausführlich als wesentlichen Bestandteil in der Zukunft von Währung beschrieben habe.

Einige Kollegen kritisierten meine Herangehensweise. Sie beschuldigten mich, meine Studenten indirekt dazu zu ermutigen, in eine, wie sie es sahen, düstere, vom Verbrechen heimgesuchte, finanzielle Unterwelt zu investieren. Aber ich enthüllte lediglich jungen Köpfen ein sich schnell entwickelndes, komplexes Phänomen, das in meinen Augen einen großen Einfluss auf die Machtverteilung in der Weltwirtschaft haben würde.

Hinter den meisten Krypto-Währungen verbirgt sich eine einfache Technologie, die als “Blockchain” bekannt ist. Es handelt sich um ein System, das es peer-to-peer-Finanzkonten über mehrere Quellen ermöglicht, alle Transaktionen, die innerhalb eines Netzwerkes auftreten, aufzuzeichnen. Das führt zu einer transparenten Open-Access-Registry von Geldströmen, die die Vermittlung durch Finanzbehörden überflüssig macht. Dies fordert die allgemeine Annahme heraus, dass ein Geldsystem nur durch zentrale Planung funktionieren kann.

Wie ich in meinen Buch „Wellbeing Exonomy: Success in a World Without Growth“ erkläre, machen Geldsysteme einen beispiellosen Wandel von einer zentralen Behörde zu einem dezentralisierten Netzwerk durch. In der Regel wird Geld von Staaten und Banken verwaltet. Dabei befinden sich die Nutzer auf der Empfängerseite finanzieller politischer Entscheidungen. Im Gegensatz dazu sind die meisten alternativen Währungen peer-to-peer. Das bedeutet, sie werden von den Nutzern selbst verwaltet und benötigen niemanden, der hier Mittler ist. Einige davon haben dank der Technik eine internationale Reichweite, während andere sich ausschließlich an einem bestimmten Ort befinden.

Schauen wir uns einmal BitCoin an, die bekannteste peer-to-peer-Währung der Welt. Sie verfügt über ein Börsenkapital von über 40 Milliarden US-Dollar. Eine Person, die im Jahr 2009 das Äquivalent von einem US-Dollar in BitCoin gekauft hat, würde jetzt ungefähr 25 Millionen US-Dollar besitzen. Ein BitCoin ist aktuell genauso viel Wert wie zwei Unzen Gold. Andere mögliche Währungen, die in Zukunft enorm an Wert gewinnen werden, sind Ethereum, Litecoin und Ripple.

Die Welt im Sturm erobern

Viele dieser Währungen sind ziemlich unbeständig. Ihre Höhen und Tiefen erreichen über zehn Prozent des Wertes auf einer wöchentlichen Basis. Aber der längerfristige Trend ist beeindruckend. Viele Länder können sich dafür begeistern. Im April diesen Jahres akzeptierte Japan die Währung BitCoin als legale Bezahlmöglichkeit im Einzelhandelsmarkt. Nachdem man noch im vergangenen Jahr vor digitalen Währungen zurückschreckte, machte die russische Regierung eine 180-Grad-Wende. Präsident Wladimir Putin traf sich mit den Entwicklern von Enthereum und versprach, Krypto-Währungen bereits im Jahr 2018 anzuerkennen.

Nach anfänglichem Zögern ließ die People’s Bank of China Abhebungen in BitCoin im Juni 2017 wieder zu, was die Währung in neue Höhen katapultierte. In den USA werden Krypto-Währungen immer mehr sowohl als Zahlungsmethode als auch als Wertanlage akzeptiert.

Die Regierung von Australien hat ebenfalls beschlossen, neue innovative digitale Währungsunternehmen zu fördern, indem man Händler und Investoren von Steuern ausgenimmt. Es ist klar, dass Kryptowährungen in naher Zukunft als Zahlungsmethode für viele Transaktionen deutlich öfter genutzt werden – vom Online-Shopping bis hin zum Supermarkt um die Ecke.

Entwicklungsländer sind auf der Überholspur

Immer mehr aufstrebende Wirtschaftsysteme öffnen sich den Krypto-Währungen. In Venezuela ist BitCoin bereits zur Parallelwährung geworden. Sie bietet Millionen von Bürgern die Möglichkeit, Transaktionen durchzuführen und Unterhalt zu verdienen. In einem Land, wo die offizielle Währung fast nichts wert ist, können die Bürger ihr Essen und andere grundlegende Notwendigkeiten bezahlen. Es erlaubt ihnen zudem, Waren aus dem Ausland zu kaufen und dabei die noch strengeren Finanzkontrollbestimmungen zu überwinden.

Im Osten Afrikas haben heimische Erfinder Krypto-Währungssysteme vorgestellt, um grenzübergreifende Transaktionen zu unterstützen, wie beispielsweise Initiativen wie BitPesa unterstützen.

In Südafrika sind Krypto-Währungen besonders beliebt. In Nigeria setzen einheimische Händler und Aktivisten darauf, dass dieses neue Geld eine Möglichkeit schafft, die Wirtschaft zu demokratisieren. Dieser Wunsch wird dadurch verstärkt, dass Nigeria bisher mit konventionellem Geld gescheitert ist.

Laut meinem Kollegen Verengai Mabika, Gründer von BitFinance in Simbabwe, hat der Zusammenbruch des offiziellen Finanzsystems seines Landes die Währung Bitcoin zu einer attraktiven Alternative gemacht. Das ist besonders bei Online-Zahlungen der Fall, die von Banken eingeschränkt sind. Ebenso gilt dies für Überweisungen, die das Rückgrat der Wirtschaft darstellen.

Eine wachsende Anzahl der Bevölkerung in Simbabwe benutzen Krypto-Währungen auch als eine Art Sparschwein (37 Prozent aller Bitfinance-Kunden nutzen den Service für diesen Zweck), erzählt mit Verengai. Das geschieht vor allem nach dem massiven Verlust der eigenen Ersparnisse während der Hyperinflation im Jahr 2008, die zum Kollaps von Banken im ganzen Land geführt hat.

Dezentralisierung und lokale wirtschaftliche Entwicklung

Die Dezentralisierung des Geldes befindet sich tatsächlich im Zentrum dieses neuen Trends und kann sich möglicherweise auch auf andere Bereiche auswirken. Die Vertragsplattform Ethereum ist als intelligentes System designt und stellt ein Handelssystem dar, das komplett auf peer-to-peer-Besitzrechten basiert. FairCoin wurde für Genossenschaften, Sozialwirtschaften und Fair-Trade-Netzwerken weltweit entwickelt.

Krypto-Währungen sind nur die Spitze eines Eisberges. Laut neuesten Schätzungen gibt es über 6.000 komplementäre Währungen weltweit, 50mal so viel wie bei konventionellen Geldsystemen. Die meisten davon sind nutzerkontrolliert und zinsfrei. Man kann kein Geld verdienen, indem man einfach mit ihnen handelt. Geld anhäufen macht in dieser Welt keinen Sinn. Das ist so, weil der Wert nicht in der Anhäufung, sondern im Austausch liegt.

Der Anwendungsbereich ist oft auf gewisse Gebiete oder Transaktionstypen begrenzt, beispielsweise für Körperpflege, nachhaltige Mobilität und lokalen Handel. Das schafft einen Anreiz, einheimische ökonomische Entwicklung und Möglichkeiten des Geldwechsel, die von Nutzer-Communities bewertet sind, zu unterstützen.

Regiogeld, ein Netzwerk einheimischer Währungen, die ich untersucht habe, als ich in Deutschland geforscht habe, hat sich bereits im ganzen Land verbreitet. Es gilt als das größte System lokaler Währungen, die kleine Unternehmen unterstützt und Gemeinschaften stärkt.

In naher Zukunft werden wir eine Vielzahl an Währungen mit unterschiedlichen Eigenschaften und Zielen haben. Diese Entwicklungen wird die Wirtschaftssysteme in den verschiedenen Ländern gegenüber Krisen stärker machen und eine gerechtere und nachhaltigere Entwicklung fördern, denn die Nutzer werden mitbedacht und die lokalen Strukturen gestärkt.

Wie meine Untersuchungen zeigen, könnte eine Verquickung von regionalen, nationalen und einheimischen Währungen auch die beste Lösung nicht nur für Afrika, sondern auch für die Europäische Union sein, die sich noch immer mit dem instabilen und schwerfälligen Euro herumschlägt. Was auf anderen Kontinenten klappt, könnte auch hier funktionieren. Gilt das auch für jeden anderen Vorgang einer regionalen Integration von Afrika zu anderen Kontinenten.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Bitcoin“ by MichaelWuensch (CC0 Public Domain)


The Conversation

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Irgendwann in Cyborgland: Ghost in the Shell weicht den philosophischen Zukunftsfragen aus

Ghost in the Shell (adapted) (Image by Christian Frank [CC BY 2.0] via flickr).jpg

Wie eng werden wir mit unserer Technologie in Zukunft zusammenleben? Inwiefern wird sie uns verändern? Und wie nah ist “nah”? Ghost in the Shell stellt sich eine futuristische, hochtechnologische, jedoch auch schmutzige und ghettoartige Metropole vor, die von Menschen, Robotern und technologisch erweiterten menschenartigen Cyborgs bewohnt wird.

Hinter Fähigkeiten wie übermenschlicher Stärke, Ausdauer und einem Röntgenblick, die alle durch körperliche Erweiterungen ermöglicht werden, liegt einer der transformativsten Aspekte dieser Welt, nämlich die Tatsache, dass wir als Cyborgs zwei Hirne statt nur einem besitzen können. Unser biologisches Gehirn – der “Geist” in der “Schale” – würde sich via neuralen Implantaten mit leistungsfähigen Computern verbinden, die uns blitzschnelle Reaktionen sowie erhöhte Kräfte im Bereich Schlussfolgerung, Lernen und Gedächtnis ermöglichen.

Im Jahr 1989, als das Internet noch in den Kinderschuhen steckte, sah der japanische Künstler Masamune Shirow, der Verfasser der Mangaversion von Ghost in the Shell, voraus, dass diese Schnittstelle zwischen Hirn und Computer die fundamentale Einschränkung des Menschlichen überwindet: Dass unsere Gedanken in unseren Köpfen gefangen sind. In Shirows transhumaner Zukunft wären unsere Geister befähigt, herumzuwandern und Gedanken und Eindrücke an andere verbundene Hirne weiterzugeben, via Cloud in entfernte Geräte und Sensoren einzudringen und sogar in das Hirn eines anderen “hineinzutauchen”, um dessen Erfahrungen zu verstehen.

Shirows Geschichten mahnten ebenso einige der Gefahren dieses gigantischen technologischen Sprungs nach vorn an. In einer Welt, in der Wissen mit Macht gleichzusetzen ist, würden diese Schnittstellen der Hirnrechner neue Wege für Überwachung und Kontrolle der Regierung und neue Arten von Verbrechen wie beispielsweise den “Geistraub” – ferngesteuerte Kontrolle von Gedanken und Handlungen anderer, erschaffen. Trotzdem gibt es zu Shirows Erzählung auch eine spirituelle Seite: Dort könnte der Cyborgzustand der nächste Schritt in unserer Evolution darstellen und die Erweiterung der Perspektive und die Verbindung von Individualität mit einer Verbindung von Geistern ein möglicher Weg zur Erleuchtung sein.

Lost in translation

Stark anlehnend an die Neuerzählung der Version von Regisseur Mamoru Oshii aus dem Jahr 1995 präsentiert die aktuelle Hollywood-Interpretation mit Scarlett Johansson als Major einen Cyborg für Sektion 9, einer von der Regierung betriebenen geheimen Sicherheitsorganisation, die beauftragt ist, Korruption und Terrorismus zu bekämpfen. Der neue Film unter der Regie von Rupert Sanders ist visuell atemberaubend und die Geschichte stellt einige der besten Szenen des Animes liebevoll nach.

Schade ist jedoch, dass Sanders’ Film sich betreffend der Kernfrage, wie diese Technologie den menschlichen Zustand verändern könnte, deutlich zurückhält. Wenn die Besetzung mit westlichen Schauspielern für die meisten Rollen schon nicht genug ist, übt er eine Form von kultureller Aneignung durch die Überlagerung des Mythos eines actiongeladenen amerikanischen Helden aus. Wer man ist, wird von den einen Handlungen in einer Art definiert, dass beinahe das genaue Gegenteil dieser Idee verkörpert wird.

Major kämpft die Schlachten ihrer Herren mit einer zunehmenden Zurückhaltung und hinterfragt die von ihr verlangten Taten, immer steht eine mögliche Flucht und ein Reflektieren im Raum. Sie ist keine Actionheldin, sondern jemand, der versucht, Fragmente von Bedeutung innerhalb der Existenz als Cyborg zusammenzufügen,  mit man sich ein lebenswertes Leben zusammensetzen kann.

Eine Szene in der Mitte des Films zeigt noch schonungsloser die zentrale Rolle, die die Gedanken rund um die eigene Erschaffung spielen. Wir sehen den kompletten Zusammenbruch eines Mannes, der, seines ‚Geistes‘ beraubt, mit der Feststellung zu kämpfen hat, dass seine Identität mit falschen Gedanken eines Lebens, das nie gelebt wurde, und einer Familie, die niemals existierte, zusammengesetzt ist. Der Anime aus dem Jahr 1995 besteht darauf, dass wir lediglich aufgrund unserer Erinnerungen zu Individuen geworden sind. Während der neue Film den größten Teil des Geschichtsverlaufes beibehält, verweigert er sich den Schlussfolgerungen der Vorlage. Statt uns über unsere Erinnerungen zu definieren, sagt uns Majors Stimme, dass „wir an Erinnerungen hängen, als ob diese uns definieren, wir jedoch von unseren Handlungen definiert werden“. Vielleicht soll es beruhigend gemeint sein, für mich ist es jedoch verwirrend und entspricht nicht der Idee des ursprünglichen Films.

Der neue Film weicht ebenso von einer anderen Schlüsselidee aus Shirows Werk ab, dass der menschliche Geist, eigentlich sogar die gesamte menschliche Rasse, im Grunde aus Informationen besteht. Wenn der Anime aus dem Jahr 1995 die Möglichkeit behandelt, den Körper verlassen zu können, die das Bewusstsein in  höheren Ebenen befördert und man so „an allen Dingen teilhaben kann“, gibt die Neuverfilmung lediglich verschleierte Hinweise darauf, dass der Zusammenschluss von Geistern oder die Formung eines menschlichen Geistes mit dem Internet entweder positiv oder auch nur transformativ sein kann.

Offene Leben

In der  echten Welt sehen wir uns bereits jetzt mit dem Gedanken von verbundenen Geistern konfrontiert. Touch-Bildschirme, Tastaturen, Kameras, Handys oder gar die Cloud: Wir sind immer mehr direkt und unmittelbar mit einem erweiternden Kreis von Menschen verbunden, während wir unser privates Leben der  Überwachung und einer potenziellen Manipulation von Regierungen, Werbetreibende oder schlimmerem offenhalten.

Die Schnittstellen zwischen Hirn und Computern sind ebenso im Kommen. Es existieren bereits Hirnimplantate, die einige der Symptome von Hirnerkrankungen wie Parkinson und Depression lindern können. Andere werden entwickelt, um Beeinträchtigungen wie beispielsweise Blindheit oder gelähmte Gliedmaßen zu kontrollieren. Auf der anderen Seite wurde die ferngesteuerte Verhaltenskontrolle mit implantierten Gehirnstimulatoren mit verschiedenen Tierarten demonstriert – eine erschreckende Technologie, die – zumindest theporetisch – auch an Menschen angewendet werden könnte.

Die Möglichkeit, unseren Geist freiwillig zu verbinden, ist ebenso vorhanden. Geräte wie Emotiv sind einfache, tragbare, auf Elektroenzophalografie (EEG) basierte Geräte, die einige der von unserem Hirn ausgestoßenen charakteristischen Signale erkennen und intelligent genug sind, um diese Signale zu interpretieren und in nützlichen Output zu verwandeln. Beispielsweise kann ein mit einem Computer verbundenes Emotiv ein Videospiel mit den bloßen Gedanken des Trägers kontrolliert werden.

Zu den Aspekten der künstlichen Intelligenz untersuche ich in meinem Labor bei Sheffield Robotics die Möglichkeit, Nachbildungen mit Robotern für Veranstaltungen zu bauen. Diese Verschmelzung solcher Systeme mit dem menschlichen Gehirn ist mit der heutigen Technologie bisher nicht möglich – es ist jedoch in den nächsten Jahrzehnten vorstellbar. Wer wäre nicht interessiert, wenn ein Implantat entwickelt werden würde, das unser Gedächtnis und unsere Intelligenz verbessern könnte? Solche Technologien zeichnen sich bereits am Horizont ab – und solche SciFi-Ideen wie bei Ghost in the Shell machen deutlich, dass wir gut daran täten, die Macht der fundamentalen Veränderung der condition humana nicht zu unterschätzen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Ghost in the Shell“ by Christian Frank (CC BY 2.0)


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  • GESELLSCHAFT zeit: Japans smarte Utopie: Während die Politik hierzulande über die Industrie 4.0 und ihre Folgen diskutiert, ist Japan schon einen Schritt weiter: Auf der Cebit in Hannover präsentierte das Partnerland seine Pläne für eine „Gesellschaft 5.0“. „Wir stehen am Anfang des fünften Zeitalters der Menschheitsgeschichte. Nach Industrie 4.0 kommt Society 5.0, in der sich alles untereinander vernetzt“, sagte Premierminister Shinzo Abe in seiner Rede. Das Konzept blieb da noch etwas konturlos. In einer Anzeige der Financial Times, in der die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt dafür warb, wurde die Vision etwas schärfer. Gesellschaft 5.0 bedeutet die fünfte Entwicklungsstufe der Menschheitsgeschichte, nach dem Jäger und Sammler, Agrar-, Industrie- und Informationszeitalter komme nun das Zeitalter der Vernetzung. „In dieser ultrasmarten Gesellschaft“, heißt es in der Zeitungsanzeige, „wird Japan weiter die Netzwerk- und Internet-der-Dinge-Kapazitäten von fortgeschrittenen Innovationen in der Herstellung bis in jeden Winkel der Gesellschaft ausbauen und dramatisch die Lebensqualität verbessern und das Wirtschaftswachstum ankurbeln.“ Sensoren, Roboter, Big Data und Cloud Computing würden in die Gesellschaft „integriert“, um Menschen zu helfen, „unüberwindbare“ Probleme zu lösen.

  • DATENSCHUTZ breitband: Internet-User in den USA als neue Geldquelle: In den USA gibt Trump die User-Daten zum Verkauf frei. So versteht er den Markt. Reichtum durch Daten. Tatsächlich ist es aber viel schlimmer als das klingt, denn es geht um die Daten, die die Internet Service Provider über ihre Nutzer sammeln können. Nicht einmal Google oder Facebook, allseits als Datenkraken verschrien, haben so viel Einsicht in das tägliche Internetverhalten der Menschen. Jeder Webseiten-Besuch, jede App, jegliche Nutzungszeiten, Downloadstatistiken werden über den Provider erfasst und können verkauft, vermarktet werden. Zusätzlich haben vor allem die Provider sehr genau Daten zu den Nutzern selbst!

  • MICROSOFT golem: Kritik an Microsoft-Monopol in der Verwaltung: Der ehemalige Abteilungsleiter für Informationstechnik und Cybersicherheit im Innenministerium, Martin Schallbruch, hat die IT-Beschaffung der Verwaltungen kritisiert, weil diese fast ausschließlich auf proprietäre Software von Microsoft setzen: „Viele staatliche Verwaltungen sind so abhängig von diesem einen Anbieter, dass sie nicht mehr die Wahl haben, welche Software sie nutzen wollen. Damit laufen die Staaten Europas Gefahr, die Kontrolle über ihre eigene IT-Infrastruktur zu verlieren“, sagte er dem Tagesspiegel.

  • GOOGLE horizont: Uber bestreitet Ideen-Klau bei Google: Uber hat vor Gericht den Vorwurf zurückgewiesen, seine selbstfahrenden Testwagen seien mit gestohlener Technologie der Google-Roboterautos unterwegs. Die Google-Schwesterfirma Waymo will als ersten Schritt eine einstweilige Verfügung gegen Uber erreichen, die das Roboterwagen-Programm des Fahrdienst-Vermittlers lähmen könnte. Sechs Wochen nach der explosiven Waymo-Klage legte Uber nun erstmals ausführliche Argumente zur Verteidigung vor.

  • E-MOBILITÄTheise: Passagierflüge mit Elektroflugzeugen sollen in zehn Jahren beginnen: Zwei Start-ups aus den USA sowie etablierte Hersteller arbeiten intensiv an Flugzeugen, die statt mit Kerosin mit Strom fliegen sollen. Zunum Aero, hinter dem Boeing und die Airline JetBlue stehen, will Anfang der 2020er Jahre mit elektrischen Flügen von US-Regionalflughäfen beginnen, Wright Electric aus dem Inkubator Y Combinator verfolgt ähnliche Pläne, und auch Siemens und Boeing selbst zeigen Interesse an dem Thema. Das berichtet Technology Review online in „Start-ups wollen elektrisch fliegen“.

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Eltern und Roboter-Babys: Neues über die Eltern-Kind-Bindung

Angeregt durch die schrumpfende Bevölkerung hat sich in Japan ein neuer Trend entwickelt, bei dem mechanische Babys dazu genutzt werden, Paare dazu zu ermutigen, sozusagen „Eltern“ zu werden. Die verschiedenen Herangehensweisen unterscheiden sich sehr voneinander und werden durch unterschiedliche Geisteshaltungen angetrieben, die auch einige Fragen aufwerfen – wie nicht zuletzt, ob diese Roboter-Babys das Ziel erreichen, für das ihre Entwickler sie konstruiert haben.

Um all dies zu verstehen, lohnt es sich, die Gründe hinter dem so dringend beworbenen  Bevölkerungswachstum in Japan zu erforschen. Das Problem stellt die unverhältnismäßige Zahl alter Menschen dar. Laut Prognosen der UN sollen im Jahr 2050 mehr als doppelt so viele Japaner über 70 Jahre alt sein als es 15- bis 30jährige geben wird.  Dies wird auf eine Reihe von Faktoren zurückgeführt, unter Anderem auf die sogenannten Parasiten-Singles, außerdem auf immer mehr unverheiratete Frauen sowie auf einen Mangel an Einwanderung.

Was sind also die verschiedenen Herangehensweisen, um mehr Menschen die Elternschaft schmackhaft zu machen? Man preschte mit verschiedenen Lösungen vor: Angefangen bei Robotern, die ein Baby oder dessen Verhaltensweisen nachahmen bis zu Robotern, die ziemlich lebensecht aussehen. Bei Toyota haben die Ingenieure kürzlich den Kirobo Mini auf den Markt gebracht. Der Roboter soll eine Maßnahme sein, die emotionale Reaktion des Menschen hervorzuheben. Der Roboter sieht nicht aus wie ein Baby, aber er verhält sich so „hilflos“ wie ein baby. Beispielsweise erkennt und reagiert er auf Menschen in einer hohen Tonlage und bewegt sich tapsig und unsicher, eben wie ein echtes Baby.

Am anderen Ende des Spektrums steht Yotaro, ein motorgetriebener Baby-Simulator, der eine Projektionsfläche für den Gesichtsbereich hat, sodass Emotionen und Gesichtsausdrücke angezeigt werden können. Der Simulator reagiert, wenn er berührt wird und kann verschiedene Stimmungen darstellen. Mithilfe einer Schniefnase kann er sogar so tun, als sei er krank.

Ermutigend oder abschreckend?

Die Befunde der Vergangenheit suggerieren möglicherweise, dass man das Bevölkerungswachstum fördern könnte, wenn man Paaren mechanische Baby-Simulatoren gibt. Vor kurzem wurden Experimente mit Roboter-Babys und Jugendlichen durchgeführt. In den USA und in Australien hat man unter anderem herausgefunden, dass sie trotz der Überprüfung der Babys getestet wurden, um vor Schwangerschaften in der Jugend zu warnen. Die Roboter haben diese Umstände in der Gruppe, der die mechanischen Babys zugeteilt wurden, im Vergleich zur Kontrollgruppe erhöht. Dennoch wäre es zu einfach, zu sagen, dass es bei allen Nutzern von Roboter-Babys dasselbe Ergebnis wäre. Sowohl das Alter als auch kulturelle Unterschiede spielen beim Ausgang eine wichtige Rolle.

Genauso wie darauf abgezielt wird, ein Bevölkerungswachstum zu bewerben, zielen Forscher auch darauf ab, junge Paare auf die längerfristigen Bedürfnisse eines heranwachsenden Babys vorzubereiten. Man entwickelte eigens Roboter, die Kinder in verschiedenen Altersgruppen repräsentieren sollten, vom „neun Monate alten Noby“ zum „zwei Jahre alten“ Kleinkindern, wie des CB2 (obwohl letzterer das Ergebnis einer Forschung ist, die die Entwicklung eines biometrischen Körpers erforschte).

Während ein deutlicher Fokus darauf gelegt wurde, was in einen Baby-Roboter gelangt, gibt es potenzielle emotionale Probleme für die „Eltern“. Es gab eine nicht geringe Anzahl an Studien, die die Beziehung zwischen Mensch und Roboter untersuchten. Forscher haben entdeckt, dass ein hoher Grad an Bindung zwischen beiden entstehen kann, wenn die Maschine ein sozialer Roboter ist, der über ein menschenähnliches Aussehen verfügt oder menschenähnliche Verhaltensweisen an den Tag legt.

Es gibt einige interessante Vorsichtsmaßnahmen zu dieser Faustregel, wie zum Beispiel das sogenannte verblüffende Tal, das Mashiro Mori ermittelt hat. Es zeigt auf, dass es eine Reihe an realistischen menschlichen Eigenschaften gibt, die Menschen eher abstoßend als anziehend finden.

Momentan ist die Entwicklung recht einseitig, wenn man schlichtweg menschliche Eigenschaften auf den Roboter projiziert. Aber es gibt zurzeit einige Projekte, bei denen Roboter entwickelt werden, die sich die Techniken der künstlichen Intelligenz zu Nutze machen, sodass sie ihre eigene Beziehung zu den Menschen formen können.

Dies führt dann zu den ethischen Fragen nach der angebrachten Verwendung von Robotern. Moralisten fragen sich und uns, ob der Einsatz eines Roboters innerhalb eines speziellen Gebiets akzeptabel ist und auch, ob sich der Roboter selbst moralisch korrekt verhält. Die Roboter-Babys betreffend, sind bereits jetzt eine Reihe an Problemen aufgetaucht. Sollte es den „Eltern“ beispielsweise gestattet sein, sich die Eigenschaften ihres Roboters auszusuchen? Sollten Eltern vielleicht therapiert werden, wenn sie ihr Roboter-Baby abgeben? Und soll das „Baby“ später auf die gleiche Weise von jemand anderem verwendet werden?

Diese Probleme werden möglicherweise während der gesamten Lebensspanne des „Kindes“ immer wieder auftauchen. Wenn ein Punkt erreicht wird, an dem Eltern ihr Roboter-Baby aufgrund von Defekten gegen ein anderes austauschen müssen oder weil sie zum Beispiel ein älteres „Kind“ möchten, wie wird dann die emotionale Bindung zum ersten „Kind“ auf den Ersatz übergehen, wenn man bedenkt, dass diese Maschine dieselbe „Person“ darstellen soll?

In praktischer Hinsicht wäre dies vielleicht durch Software-Updates möglich, ähnlich wie die heutigen Updates bei Smartphones – oder indem man Komponenten verpflanzt, um zu ermöglichen, dass das sich entwickelnde „Kind“ Charakteristiken und Erinnerungen beibehält, ähnlich wie beim Austausch einer Festplatte in einem Computer.

Doch selbst wenn man Asimovs drei Gesetze der Robotik berücksichtigt, wird es problematisch, abhängig von der Interpretation dieser Gesetze. Zum Beispiel sagt das erste Gesetz aus, dass ein Roboter einem menschlichen Wesen nicht schaden soll. Was ist, wenn man Schaden auf emotionaler oder psychologischer Ebene betrachtet? Man könnte argumentieren, dass einem Menschen möglicherweise als ein Resultat der Aktionen des Roboters Schaden zugefügt wird, wenn er eine Bindung zu einem Roboter-Baby aufbaut .

Im Allgemeinen wirft die Nutzung sozialer Roboter viele Probleme auf, sowohl in ethischer als auch in technischer Hinsicht. Die sinkenden Geburtenraten sind tatsächlich ein echtes Problem, das zudem immer mehr zunimmt. Roboter-Babys werden vielleicht auch nicht die Lösung sein, aber eventuell könnten sie zu Forschungen führen, die ein besseres Verständnis und einen Einblick in das Problem der sinkenden Geburtenrate ermöglichen.

 

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „partner“ by ThomasWolter (CCO Public Domain)


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Wie ein japanisches Startup künstliche Sternschnuppen erzeugen will

Stars are falling from the sky (adapted) (Image by Michael Pollak [CC BY 2.0] via Flickr)

Es war einmal eine japanische Astronomin, die in einer klaren Nacht im Jahr 2001 in den Sternenhimmel blickte. Gefühlt Tausende von Sternschnuppen erhellten das Dunkle um sie herum und versprühten jene Magie, aus denen Träume gemacht sind. Doch Träume sind dazu da, um Wirklichkeit zu werden, dachte sich Lena Okajima – und gründete etwa zehn Jahre später das Unternehmen Global Star ALE: Ein Startup, nach ihrer liebsten Biersorte benannt, das künstliche Sternschnuppen erzeugen möchte.

Verrückte Idee oder wahrgewordenes Märchen?

Astronomen, Physiker und Ingenieure arbeiten seitdem an dieser verrückten Idee und 2018 soll nach Angaben des Startups der weltweit erste künstliche Meteoritenschauer auf die Erde niederprasseln. Doch ist die Idee wirklich verrückt oder einfach nur ein Märchen, das für und durch Lena Okajima wahr wird? „Als jemand, der einen Doktortitel in Astronomie hat, war Okajima klar, dass es technisch möglich ist, künstliche Meteoritenschauer herzustellen. Es ging also nur darum, diese Idee, die sie schon lange im Kopf hatte, auch umzusetzen,“ sagt Unternehmenssprecherin Rie Yamamoto gegenüber den Netzpiloten. Sie glaubt fest daran, dass die Welt „außerirdische Unterhaltung“ braucht.

Angeblich haben schon viele Organisationen Interesse an der Technologie gezeigt. Auch wenn das Unternehmen verneint, dass die Technologie im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen 2020 in Tokio entwickelt wurde, ist es dennoch denkbar, dass künstliche Sternschnuppen genau zu solchen Großereignissen eingesetzt werden könnten. Otto Normalverbraucher wird sich dagegen ein solches Schauspiel wohl erstmal nicht leisten können: Allein die Kosten, um eine Rakete mit Meteoren in den Weltall zu schießen, kostet mehrere Zehntausende Euro.

Ein Meteoritenschauer zum Selbermachen

Doch was braucht es eigentlich, um einen künstlichen Meteoritenschauer zu erzeugen? Man nehme kleinste Partikel, packe sie in einen Sternschnuppenschussgerät und setze das Ganze unter Gas-Druck, stecke dann alles in eine Rakete und schieße diese anschließend mit einer Geschwindigkeit von etwa 28.000 Kilometern pro Stunde 500 Kilometer über die Erdoberfläche. Sobald die Rakete sich dann in der voraus exakt berechneten Umlaufbahn befindet, sorgt ein vorprogrammierter Automatismus dafür, dass sich der Druck auf die Partikelkapsel löst und die Meteoriten gen Erde fallen, wobei sie völlig verbrennen. Wir sehen dann künstliche Sternschnuppen am Himmel.

Künstliche Sternschnuppen (Image by Global Star ALE)
Künstliche Sternschnuppen (Image by Global Star ALE)

Dabei werden sich diese Sternschnuppen von Global Star ALE deutlich vom natürlichen Himmelsspektakel unterscheiden. Erstens verbrennen die künstlichen Meteoriten langsamer und zweitens sind die Partikel chemisch so präpariert, dass sie nicht nur heller leuchten als natürliche Sternschnuppen, sondern sogar in verschiedenen Farben. So können die Sternschnuppen durch chemische Stoffe wie Kupfer oder Cäsium strahlend grün oder blau leuchten – und das ist dann in einem Umfang von 200 Kilometern zu sehen. Ein solcher Schauer könnte also locker von einer gesamten Großstadt wie Tokio mit 30 Millionen Einwohnern gesehen werden. Zugegeben, das klingt beeindruckender als ein popeliges Silvesterfeuerwerk.

Farben (Image by Global Star ALE)
Farben (Image by Global Star ALE)

Bei Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Astronomen

Global Star ALE will aber nicht nur ein bombastisches Himmelsschauspiel inszenieren, das Startup behauptet auch, dass ihre Technologie der Forschung helfen kann. So sollen die künstlichen Meteoriten beispielsweise dazu dienen, die Mechanismen der echten Himmelskörper besser zu verstehen – etwas, was aufgrund ihrer Geschwindigkeit und Unsichtbarkeit im Weltall für Astronomen bisher keine leichte Aufgabe ist.

Wissenschaftler haben jedoch Zweifel an dem künstlichen Meteoriten-Experiment. Zwar glaubt keiner, dass die künstlichen Meteoriten direkten Schaden auf der Erde anrichten können, aber viele, wie etwa Moribah Jah, Direktor des Programms für Himmelskörperbeobachtung an der Universität von Arizona, befürchten, dass es durch die Global Star ALE Meteoriten zu Weltraumkollisionen kommen kann. Obwohl das Unternehmen versichert, die Umlaufbahnen anderer Weltraumobjekte durch den Space-Track-Algorithmus der NASA genau zu berechnen, sagt Jah gegenüber dem National Geographic, dass eine solche Berechnung nicht präzise genug sei: „Space Track gibt zwar Daten über die generelle Laufbahn eines Objektes an, aber nicht den präzisen Standort, was die Genauigkeit von ALE verringern könnte.“

ALE-Sprecherin Yamamoto erklärte jedoch gegenüber den Netzpiloten, dass das Unternehmen neben der Umlaufbahn-Berechnung einen zusätzlichen Sicherheitspuffer von bis zu 50 Kilometern von jedem anderen Objekt im Weltall einkalkuliert, um so jegliches Kollisionsrisiko auszuschließen: „Darüber hinaus werden wir auch die Zahl der Satelliten, die wir in den Weltraum befördern, sehr gering halten. In den ersten Jahren werden wir nicht mehr als einen oder maximal zwei Satelliten pro Jahr einsetzen.“ Star ALE versichert ebenfalls, dass sie den internationalen Weltraumregelungen folgen werden, nach denen ein Satellit nach spätestens 25 Jahren wieder zur Erde zurück geholt wird, um so nicht selbst zu einem gefährlichen Flugobjekt zu werden.

Umlaufbahn Satelliten (Image by Global Star ALE)
Umlaufbahn Satelliten (Image by Global Star ALE)

Dennoch ist nicht auszuschließen, dass mit steigender Nachfrage (und sinkendem Preis), die Zahl dieser Satelliten stetig wächst und somit nicht nur das Kollisionsrisiko steigt, sondern ebenfalls zusätzlicher Weltraummüll entsteht. „Wir Menschen sind schon sehr gut darin, die Erde zu verschmutzen. Ich glaube nicht, dass wir jetzt noch anfangen müssen, den Weltraum zuzumüllen,“ sagt Guido Thimm, Astronom und wissenschaftlicher Geschäftsführer des Zentrums für Astronomie der Universität Heidelberg, im Netzpiloten-Gespräch. Er hat darüber hinaus auch Bedenken zum Verbrennungsprozess. Star ALE möchte zwar nicht verraten, aus welchen Materialien die künstlichen Meteoriten hergestellt sind, doch Thimm befürchtet, dass durch die Verbrennung der Partikel mit den farbgebenden Chemikalien gefährliche Rückstände in die Erdatmosphäre gelangen könnten. Er ist daher der Meinung, dass die Menschheit auch sehr gut ohne künstliche Sternschnuppen zurechtkommen kann: „Wenn ich Sternschnuppen sehen will, schnappe ich mir einfach eine Decke, gehe nachts zu einem dunklen Ort und beobachte von dort zig Sternschnuppen – und das ganz umsonst.“


Image (adapted) „Stars are falling from the sky“ by Michael Pollak (CC BY 2.0)


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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • TECH-FESTIVAL gruenderszene: Tech Open Air bekommt erste Finanzierung und expandiert: Das Berliner Tech Festival „Tech Open Air“ möchte expandieren und hat direkt Investoren für diesen Plan gefunden. SoundCloud, Zalando und Native Instruments sollen überzeugt worden sein. Die Veranstalter möchten das Festival über den Atlantik bringen. Ein Ziel ist die kalifornische Stadt Los Angeles. Das Festival startete 2012 zum ersten mal und wurde die erste Konferenz der Startupbranche. Finanziert wurde das Projekt jedes Jahr durch Crowdfunding. Technologie, Kunst, Musik und Wissenschaft sollten die Themenbereiche des Festivals sein. Neben Los Angeles gaben die Veranstalter bekannt, dass man jedes Jahr auch einen exotischen Ort ansteuern wolle.

  • GOOGLE thenextweb: Google-funded $300 million 60Tbps trans-pacific cable goes live tomorrow: Vor einem Jahr kündigte Google Projekt an, das Japan und die USA verbinden werde. 300 Millionen Dollar steckte Google in dieses Projekt. Es handelt sich um eine Verbindung aus Fiberglas-Kabeln, die eine Geschwindigkeit von 60 Tps bringen sollen. Neben Google haben fünf andere Unternehmen an dem Projekt mitgearbeitet. Die Kabelverbindung soll vor allem Großstädten helfen mit der enormen Datenmenge, die dort unterwegs ist fertig zu werden. Auf amerikanischer Seite sollen Los Angeles, Seattle, Portland und die San Francisco Bay Area von dem Projekt profitieren.

  • CHATBOT t3n: Falschparker, aufgepasst! Dieser Chatbot geht für euch gegen Strafzettel vor: Auch schon einmal einen Strafzettel wegen Falschparkens zu Unrecht bekommen? In London hat ein 19-jährige Joshua Browder jetzt einen sogenannten Chatbot programmiert, um Strafzettel anzufechten – mit Erfolg! Bereits 150.000 Nutzer sollen in London umgerechnet vier Millionen Euro an Strafgeldern gespart haben. Wie das funktioniert? Die Website DoNotPay bietet die Möglichkeit der Eingabe der (angeblichen) Falschpark-Situation und ermittelt mithilfe eines Algorithmus individuell, ob die Strafe berechtigt ist oder nicht.

  • PINTEREST heise: Pinterest verstärkt Fokus auf Online-Handel : Durch die Etablierung eines plattformübergreifenden Warenkorbs für den US-amerikanischen Markt will Pinterest sich im Online-Shopping noch weiter ausbauen und seine Präsenz verstärken. Bei der Suche nach Ideen und Artikel für die Einrichtung oder Mode können diese, auch wenn es sich um verschiedene Anbieter handelt, im Warenkorb abgelegt werden. Die bisherigen Kaufen-Buttons, die Händler den Artikeln hinzufügen können, werden somit erweitert und so soll ein besseres Kauferlebnis gewährleistet werden. In Deutschland steht der Dienst jedoch noch nicht zur Verfügung.

  • APPS mashable: The app that matches surplus food with the hungry: Viele Unternehmen werfen unfassbare Mengen an Lebensmittel weg, die am Ende des Tages nicht gegessen wurde. Anstatt das Essen containerweise vergammeln zu lassen, will eine App nun das übrig gebliebene Essen von Unternehmen über ein Nachfrageportal an Institutionen vermitteln, die Essen für Hungernde bereitstellen. Die App nennt sich „Copia“ und will ein Bewusstsein dafür schaffen, zu überlegen wie verschwenderisch wir mit Lebensmitteln umgehen, während andere hungern.

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Überwachen ohne Knast: Die neuen Fußfesseln machen nicht nur Gefangene unfrei

Control (adapted) (Image by marcusrg [CC BY 2.0] via flickr)

Für manche verurteilten Kriminellen endet die Bestrafung nicht mit der Entlassung aus dem Gefängnis. Dank neuer elektronischer Fußfesseln können Bewährungshelfer aus den USA nun frisch entlassene Häftlinge 24 Stunden am Tag beobachten. Diese stellen nicht nur fest, ob man beispielsweise nach Mexiko geflohen ist, sondern können die exakten Bewegungen ermitteln. Die gesammelten Daten können dabei helfen, weitere Straftaten zu verhindern. Die Fußfesseln stellen nicht nur sicher, dass Ausgangssperren eingehalten werden, sondern registrieren auch, wenn Süchtige sich in Gegenden bewegen, in denen sie sich Drogen beschaffen könnten oder wenn Gewalttäter sich zu nah an das Haus ihres Ex-Partners heranwagen. Aber moderne Fußfesseln wie der ExacuTrackAT gehen noch viel weiter. Einige Systeme können physische Veränderungen feststellen, wie zum Beispiel Alkohol oder Drogen im Blut. In Zukunft könnten sogar sexuelle Erregung oder andere Dinge, die auf eine Verletzung der Bewährungsauflagen hindeuten, wahrgenommen werden. Aber der psychologische Effekt einer so ausgedehnten, intimen Überwachung kann auch als eine Art von erschöpfender, unterschwelliger mentaler Folter gesehen werden. Die Regierung Großbritanniens plant jetzt die Einführung von ähnlichen Fußfesseln für entlassene britische Häftlinge. Obwohl sie gemeinsam mit weiteren Gefängnisreformen angekündigt wurde, die als überraschend liberal angesehen wurden, bezeichnet der Schritt in Richtung größerer Überwachung einen besorgniserregenden Eingriff in die Rechte von Gefangenen. Er könnte sich aber auch auf diejenigen unter uns auswirken, die eher nicht ins Gefängnis kommen werden.

Die Macht von HOPE

Das Justizministerium will einem Vorbild des US-Amerikanischen Strafvollzugs namens HOPE (Hawaii’s Opportunity Probation with Enforcement, dt.: Bewährungsstrafe mit Überwachung) folgen. HOPE wurde im Jahr 2004 eingeführt, um die Rückfallquoten von entlassenen Häftlingen zu senken, indem sie elektronische Fußfesseln tragen und sich von Zeit zu Zeit bei ihren Bewährungshelfern melden mussten. Wer nicht erschien, kam ein paar Tage lang zurück ins Gefängnis. Die Ergebnisse waren erstaunlich: So sank beispielsweise die Rückfallquote bei den Drogenabhängigen, verglichen mit der nicht überwachten Testgruppe, um 93 Prozent. Obwohl sie ursprünglich kein Hauptbestandteil des Programms waren, wurden elektronische und jetzt digitale Fußfesseln über die Jahre ein wichtiger Teil von HOPE, das aktuell in den USA weit verbreitet ist. Der Erfolg von HOPE ist mindestens teilweise der Verdienst von verbesserten elektronischen Fußfesseln und weiteren Neuerungen in den Bereichen GPS, Biometrie und Geoprofiling. Kontrolle bringt jedoch eine ganze Menge ethischer Fragen mit sich. Nicht nur, weil man in die Privatsphäre der Menschen eindringt, indem man sämtliche Vorgänge im Körper überwacht, sondern auch wegen der Frage des Datenschutzes. Schon jetzt gibt es Befürchtungen, dass die Daten, die beispielsweise durch Fitnessarmbänder gewonnen werden, verkauft, gestohlen oder für andere Zwecke verwendet werden. So hat das Krankenhaus in Cleveland, Ohio, kürzlich biometrische Daten seiner Angestellten dazu benutzt, deren Beiträge zur Krankenversicherung stark zu erhöhen, falls ihre Lebensweise für gesundheitsschädlich erachtet wurde. Diese Befürchtungen sind so weit verbreitet, dass die Vorsitzende der größten Datenschutzbehörde der USA, der Federal Trade Commission, kürzlich sagte, sie weigere sich, einen Fitness Tracker zu tragen, da sie sich wegen der möglichen Verwendung ihrer biometrischen Daten Sorgen mache. Von Häftlingen gewonnene Daten laufen ebenso Gefahr, missbräuchlich verwendet zu werden – mit dem Unterschied, dass diese ihre Fußfesseln nicht einfach ablegen können. Trotzdem ist der steigende Gebrauch von elektronischer Überwachung eine Warnung für all jene außerhalb des Gesetzes, dass ihr Leben einmal auf ähnliche Art von digitalen Armbändern kontrolliert werden könnte.

Dauerhafte Resozialisierung

Die Reform in Großbritannien zeigt, dass Gefängnisse nicht länger nur zum Einsperren da sind, sondern als Resozialisierungszentren dienen. Einmal in Freiheit, wird das ganze Leben im virtuellen Gefängnis der digitalen Fußfessel beobachtet und kontrolliert. Wie schon erwähnt, stattet eine steigende Anzahl von Privatunternehmen ihre Angestellten mit tragbaren Fitnesstrackern aus, um sicherzustellen, dass sie nach den Regeln der Gesundheitsstandards der Firmen leben. Einige Arbeitgeber haben sogar eine noch drastischere Überwachung eingeführt, um zum Beispiel Schwangerschaften zu erkennen. Dies spiegelt sich in der aktuellen Situation in Japan wider, wo Unternehmen den Hüftumfang ihrer Angestellten regulieren und Strafen zahlen müssen, falls sie es nicht tun. Was Gefängnisse und manche Unternehmen gemeinsam haben, ist, dass sie Machtzentren sind. Sie geben vor, uns zu besseren Menschen zu machen, wenn sie im Gegenzug dafür unsere persönlichsten Daten erhalten. In Zukunft werden wohl Häftlinge wie auch Angestellte dauerhaft auf Bewährung sein, während sie Tag für Tag versuchen, den Erwartungen ihrer Vorgesetzten zu genügen. Falls nicht, müssen sie damit rechnen, von ihren Armbändern verraten zu werden und vor irgendeiner wichtigen Person ihre biologischen Verfehlungen rechtfertigen zu müssen. Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Control“  by marcusrg (CC BY 2.0)


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Panono: “Wir wollen die Spiegelreflex der 360-Grad-Fotografie werden”

Panono_Pfeil_Jakob Steinschaden

Jonas Pfeil steht auf einem Hochhaus in Tokio und wirft einen schwarz-grünen Ball in die Luft, nur um gleich darauf von einem Hauswächter ermahnt zu werden, dass das hier gar nicht gehe. Das 360-Grad-Foto, das die Kamerakugel im Flug mit 36 Einzelkameras und insgesamt 108 Megapixel aufgenommen hat, hat Pfeil aber natürlich trotzdem in der Tasche.

“Wir wollen die Spiegelreflex der 360-Grad-Fotografie werden”, sagt Pfeil später im Gespräch. Gemeinsam mit Björn Bollensdorff und Qian Qin hat er das Startup Panono in Berlin 2012 ins Leben gerufen und vier Jahre Entwicklungszeit in den mittlerweile weltbekannten Fotoball gesteckt. Bis Mitte März konnte die Jungfirma rund 650 Panonos (zum Stückpreis von 1500 Euro) verkaufen, mehr als 35.000 interaktive Panoramabilder wurden von den Nutzern auf die Server hochgeladen. Die Chancen auf die Marktführerschaft in der hochqualitativen 360-Grad-Fotografie stehen nicht schlecht: Laut Pfeil böte man eine fünf Mal bessere Auflösung als die Konkurrenz.

Fotos in der Cloud

Die Cloud – Panono hat sich bei den Amazon Web Services eingemietet – ist die zentrale Komponente des Startups. Denn während die Hardware von Jabil, einem der größten Auftragsherstellern der Welt neben Foxconn (Apple), in Polen hergestellt wird, liegt das eigentliche Know-how des Startups in seiner Software. Denn erst auf den Servern werden die 36 hochauflösenden Einzelbilder zu einem nahtlosen Gesamtfoto zusammenrechnet, auf dem man sich im Web, auf Smartphones, mit Tablets und natürlich auf Virtual-Reality-Brillen umsehen kann:

Was die Ball-Kamera nicht kann: Video. “Wir wollen keine Kompromisse eingehen. Wenn man Foto und Video macht, dann ist beides nicht optimal”, sagt Pfeil. Deswegen fokussiert sich Panono, das bis dato vor allem Hobby-Fotografen mit dem nötigen Kleingeld begeisterte (das Startup sammelte via Crowdfunding insgesamt 2,6 Millionen Euro ein), zunehmend auf den B2B-Markt. Versicherungen, Immobilienfirmen, Tourismusgesellschaften oder Bauunternehmen will man künftig gleich mehrere Panonos verkaufen, weil diese die 360-Grad-Kamera brauchen könnten, um detailreiche Aufnahmen von Häusern, Baustellen oder anderen Objekten zu schießen.

Aus diesem Grund ist Pfeil auch in Japan unterwegs gewesen., denn dort sitzen führende Kamerahersteller wie Nikon oder Canon, zu deren Portfolio und weltweiten Vertriebsnetzen eine 360-Grad-Kamera auch ganz gut passen würde. Ob es Panono geschafft hat, einen der großen Kamerahersteller als strategischen Partner oder gar als Käufer gewonnen zu haben, wird die nähere Zukunft weisen.

Image by Jakob Steinschaden


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BuzzFeed gibt es jetzt auch in Japan

Screenshot BuzzFeed Japan (Image by Buzzfeed)

Seit Kurzem gibt es eine japanische Version von BuzzFeed. Der Launch wäre ohne Yahoo nicht möglich gewesen. Anders als bei den früheren Erweiterungen, die voll und ganz BuzzFeed gehören, ist BuzzFeed Japan eine gemeinsame Partnerschaft mit Yahoo Japan. BuzzFeed hat 51 Prozent Beteiligung und Yahoo Japan 49 Prozent Beteiligung an dem Projekt. Die Financial Times berichtete im vergangenen August, als die neue Seite angekündigt wurde.

Yahoo Japan ist eine der größten Seiten in Japan. Laut der Firma werden monatlich 88 Prozent aller japanischen Internetnutzer erreicht, monatlich kommt das Portal auf 56 Milliarden Seitenaufrufe. In einem Artikel, der letzten Sommer veröffentlicht wurde, fasst Präsident Greg Coleman zusammen, wie die Partnerschaft funktionieren kann und erklärt außerdem, dass BuzzFeed hofft, Kapital daraus zu schlagen, dass Yahoo seinen eigenen Markt zu Hause gut genug kennt:

“Wir werden ein gemeinsames Projekt mit der Marke BuzzFeed anbieten. Dazu gehören die eigene technische Plattform, und die Idee sowie das Verfahren, um redaktionellen Inhalt zu entwickeln, und Native Advertising. Yahoo! Japan wird das gemeinsame Unternehmen in kulturellen Fragen beraten, die Besucher auf die Webseite BuzzFeed Japan lenken und den Verkaufskanal inne haben, um BuzzFeed Japan auf den Markt zu bringen.”

Was ist also anders, wenn man in Japan neu anfängt? Das Teilen auf den sozialen Netzwerken ist der Schlüssel zum Wachstum und Geschäftsmodell von BuzzFeed. Außerdem haben die Benutzer in Japan andere Social-Media-Gewohnheiten als wir in den USA oder Westeuropa. Laut einer Studie von Klout aus dem Jahr 2015 sind Facebook-  und Twitternutzer in Tokio eher außerhalb ihrer Arbeitszeiten aktiv, während hingegen in New York, San Francisco, Paris und London die meisten Beiträge in den sozialen Netzwerken während des Arbeitstages zustande kommen. BuzzFeed startete seine erste internationale Seite im Vereinigten Königreich im Jahr 2013 und expandierte dann rasch weltweit.


Das Unternehmen hatte ursprünglich geplant, die japanische Seite schon 2014 aufzubauen, aber in einem Interview aus dem letzten Frühling sagte mir Scott Lamb, BuzzFeeds Vizepräsident für Internationales, dass das Unternehmen mehr Zeit brauche, um die beste Strategie für Japan zu entwickeln:

“Ich denke, dass wir uns zwei Herausforderungen stellen müssen. Die erste ist eine interne. BuzzFeed wächst sehr schnell und die internationalen Start-Prozesse, verbrauchen viele Ressourcen. Wir haben den größten Teil des ersten Halbjahres damit verbracht, mehr interne Mitarbeiter einzustellen und eine Struktur innerhalb BuzzFeed zu generieren, die wir anpassen können, so dass wir all diese Dinge geschickter und schneller erledigen können.

Aber es gibt auch konkrete Herausforderungen in den unterschiedlichen Märkten. Als wir nach Deutschland kommen wollten, war es ein wenig einfacher für uns. Ich hatte dort vorher schon gearbeitet und hatte somit einige Verbindungen. Es gibt viele Leute bei BuzzFeed, die die Märkte in Frankreich und dem Vereinigten Königreich ähnlich gut kennen. Japan war einer der Märkte, von dem wir im Unternehmen sehr wenig wussten, und es hat einfach eine längere Zeit gedauert, um herauszufinden, welche die richtige Marketingstrategie für uns sein wird.”

BuzzFeed vertritt auch international sein typisches Modell. Angefangen hat es mit einem kleinen Team, das sich schnell verbreitende Geschichten, für die BuzzFeed berühmt ist, produziert, bevor es sich auch auf die traditionelle Berichterstattung ausgeweitet hat. Im Vereinigten Königreich wurde BuzzFeed zum Beispiel nur mit drei Mitarbeitern gestartet. Heute sind sie im Besitz einer ganze Nachrichtenzentrale in Großbritannien und haben am Sonntag zusammen mit der BBC die Ergebnisse einer jahrelangen Untersuchung über Spielmanipulation im Tennis veröffentlicht.

Allerdings berichtet BuzzFeed Japan schon seit Anfang an über Neuigkeiten. Am Dienstag veröffentlichte man eine japanische Übersetzung der redaktionellen Richtlinien, die der Chefredakteur Shani O. Hilton im letzten Jahr geschrieben hatte. Der Aufmacher und der am meisten aufgerufene Beitrag der Seite war der Bericht über das Atomkraftwerk Fukishima Daiichi rund fünf Jahre nach dem dortigen Unglück.

Es werden auch Artikel wie den über die Spielmanipulation auf Japanisch übersetzt. “Der Grundgedanke war, dass wir internationale Büros nicht nur als Begleiter betrachten wollten, sondern dass diese auch ihre eigene Anziehungskraft entwickeln”, teilte mir BuzzFeed-Entwicklungsmanager Luke Lewis im vergangenen Frühling mit, der auch der erste Redakteur der britischen Ausgabe von BuzzFeed war.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Teaser & Images by BuzzFeed Japan


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BuzzFeed-Gründer Jonah Peretti mailt seinen Mitarbeitern

Jonah Peretti (image (adapted screenshot) by Re_code)

Am Dienstag wendete sich BuzzFeed-CEO und Gründer Jonah Peretti in einer Mail an die gesamte Belegschaft und verkündete ein paar Neuigkeiten, die es in sich haben. Unter anderem hat BuzzFeed einen Fernseh-Deal mit NBCU geschlossen, kommt mithilfe von Yahoo nach Japan und wird noch stärker Inhalte für andere Plattformen produzieren. Am Ende profitieren davon laut Peretti vor allem die BuzzFeed-Mitarbeiter, weshalb wir seine doch altbackene Mail mal in den BuzzFeed-Style übersetzt haben, damit sich auch alle an der frohen Kunde erfreuen können. Gern geschehen, Jonah.

1. BuzzFeed kommt ins Fernsehen!

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Das US-amerikanische Medienunternehmen NBCUniversal (NBCU) hat eingewilligt, 200 Millionen US-Dollar in BuzzFeed zu investieren und mit dem Unternehmen eine Partnerschaft einzugehen, sodass BuzzFeed seine Reichweite auch auf Film und Fernsehen ausweiten kann. Die Kooperation und vor allem die Investition versetzt BuzzFeed in die Lage, neue Projekte zu starten, die sie alleine niemals alleine auf die Beine hätten stellen können.

2. Nihongo wo hanasemasu ka? BuzzFeed bald schon.

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BuzzFeed goes Japan, zumindest zum japanischen Ableger von Yahoo, das eines der führenden Internet-Unternehmen auf dem japanischen Markt ist. Dadurch muss BuzzFeed nicht von selbst neu starten, sondern kann das Netzwerk von Yahoo nutzen, schnell Nutzer mit seinen eigenen Inhalten zu erreichen. BuzzFeed-Präsident Greg Colemann erklärt die Details der Kooperation in einem eigenen Beitrag.

3. BuzzFeed produziert mehr Inhalte für andere Plattformen.

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Facebook wandelt sich immer mehr zu einer Nachrichtenplattform und das wohl am meisten alles auf soziale Netzwerke setzende Medium BuzzFeed darf da natürlich nicht fehlen. Doch neben Instant Articles kooperiert BuzzFeed auch mit Snapchat Discover und Apples News App, ist also eigentlich überall vertreten, um ein an seinen Inhalten interessiertes Publikum zu erreichen. Noch nie war die URL eines Medienunternehmens wohl so bedeutungslos wie bei BuzzFeed.

4. BuzzFeed ist zu allem bereit und vor allem mit jedem.

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Die Plattform für die eigenen Inhalte ist BuzzFeed egal, redaktionelle und kreative Unabhängigkeit ist es laut Peretti aber nicht. Doch weder Geld (siehe dazu Punkt 1 zum Investment von NBCU) noch Reichweite (siehe BuzzFeeds Distributionsstrategie in Punkt 3) sollen daran was ändern. Am Ende muss alles BuzzFeed dienlich sein.

5. And the winner is: die BuzzFeed-Mitarbeiter!

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Wer jetzt aber glaubt, dass von den Investitionen und dem Zugang zu BuzzFeed über mehr Medien und Plattform, sogar in neuen Sprachen, vor allem das eigene Publikum profitiert, der irrt. Für Peretti sind es vor allem die Mitarbeiter, die durch die von ihm ausgehandelten Kooperationen am meisten profitieren. Denn neben mehr Möglichkeiten, innerhalb des Unternehmens Karriere zu machen, hat die Leistung der Mitarbeiter einen größeren Einfluss. Da bleibt uns wohl nur noch, allen Angestellten von BuzzFeed zu gratulieren. You rock!

6. Jonah Peretti will noch (einmal) überrascht werden!

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Ein erstaunliches und manchmal wunderliches Medienunternehmen wie BuzzFeed aufgebaut zu haben, kann noch nicht das Ende sein. Peretti freut sich vor allem auf das, was noch kommt und mit welcher überraschenden Entwicklung sein Unternehmen ihm noch eine Freude machen wird.


Teaser & Image „Jonah Peretti“ (adapted screenshot) by Re/code


CHIEF-EDITOR’S NOTE: Wenn Ihnen unsere Arbeit etwas wert ist, zeigen Sie es uns bitte auf Flattr oder indem Sie unsere Reichweite auf Twitter, Facebook, Google+, Soundcloud, Slideshare, YouTube und/oder Instagram erhöhen. Vielen Dank. – Tobias Schwarz

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Digitalisierung in Japan: Mobile Erdbebenwarnung per App

Ein Junge nach der Zerstörung. Erdbeben und Tsunami, Japan 2011 (adapted) (Image by Schweizerisches Rotes Kreuz [CC BY 2.0] via Flickr)

In Japan zeigt sich besonders, wie lebenswichtig die Digitalisierung ist. Mit einer mobilen Erdbebenwarnung per App werden so im wahrsten Sinne des Wortes Leben gerettet. Roboter verkaufen Kaffeemaschinen, und Getränkeautomaten empfehlen je nach Alter, Geschlecht und Wetter unterschiedliche Drinks – Japan besticht mit digitalem Ideenreichtum. So überrascht eine Erdbeben-Warnapp nicht, ist aber in ihrer Ausgereiftheit weltweit vorbildlich – und demonstriert, in welchem Maße die Digitalisierung in Japan alltäglich und lebenswichtig ist.

EQInfo – Erdbeben weltweit“ ist nur eines von vielen Beispielen für Erdbeben-Warnapps und gibt weltweit Informationen zu Erdbeben. Andere sind länderspezifisch angelegt und eher für geografisch und geologisch Interessierte von Bedeutung. Für Japan als erdbebenreichstes Land der Welt mit rund 1.500 seismisch registrierten Beben pro Jahr reicht diese Art der App nicht aus, weil keine Warnung damit möglich ist.

Die japanischen Erdbeben-Apps sind dementsprechend viel ausgereifter und variieren von Wetter-Apps, die neben der Wetteranzeige auch vor Naturkatastrophen warnen, bis hin zu speziellen Erdbeben-Frühwarn-Apps. Vor allem nach dem Tohoku-Erdbeben im März 2011, besser als Fukushima-Erdbeben bekannt, ist die Anzahl der Nutzer von Warn-Apps sehr stark gestiegen. „Yurekuru Call“ ist eine solche Frühwarn-App. Zuerst für das iPhone entwickelt, später auch auf Android nutzbar, informiert die App per Push-Notification über Erdbeben-Warnungen, inklusive errechneter seismischer Stufe. Diese 2010 auf den Markt gebrachte App ist eine effektive Verbreitungslösung für Erdbebenwarnungen und kann sogar personalisiert werden: So kann man individuell einstellen, ab welcher Stufe man gewarnt werden möchte und für welches Gebiet. Der Nutzen liegt auf der Hand: Smartphones sind weit verbreitet und durch einen selbst gewählten Signalton werden die User alarmiert. Da die Warnungen nur wenige Sekunden Vorwarnzeit geben, sollte man bei Alarm sofort Schutz unter einem Tisch suchen.

Die App als logische Weiterentwicklung

Diese Entwicklung ist die logische Folge eines langen Prozesses im Bereich der Katastrophenwarnung. Die App zur Erdbeben-Frühwarnung konnte jedoch erst mit den Smartphones ihre enorme Verbreitung finden. Als großer offizieller Player in der Warnung vor Katastrophen wie schwerem Regen, Vulkanaktivitäten, Tsunamis und Erdbeben spielt das Japanische Wetteramt mit den täglich aktuellen Warnungen auf seiner Homepage schon lange eine wichtige Rolle. Seit 1995 wird das Netz aus Seismographen in und um Japan ausgebaut.

Zunächst hatte das Japanische Wetteramt über TV, Radio und eigens dafür gebaute Geräte Warnungen verbreitet. Im Oktober 2007 veröffentlichte es ein Erdbeben-Frühwarnsystem, und schon im selben Jahr wurde eine erste Ausstattung japanischer Mobiltelefone mit einem direkten Zugang zur Erdbebenwarnung angedacht. Die drei großen japanischen Handy-Hersteller, AU, Docomo und Softbank, haben ihre Geräte schrittweise auf automatischen Alarmempfang umgestellt. Die Warnungen des Wetteramtes werden heute automatisch an die Smartphones weitergeleitet und machen sich durch einen schrillen Signalton bemerkbar, auch bekannt als Area Mail. Damit wird der Alarm nur an die in den betroffenen Gebieten georteten Geräte geschickt, die von Auswirkungen des Bebens betroffen sind. Die Anwendung ist kostenlos und auf japanischen Geräten vorinstalliert, es ist also keine zusätzliche App nötig. Das iPhone kann übrigens seit dem iOS 5 (Ende 2011) auch automatisch die offiziellen Alarme empfangen.

Das weltweit fortschrittlichste Frühwarnsystem

Japan ist führend in der Erdbeben-Frühwarnung, dank eines ausgeklügelten Systems von rund 1.000 seismischen Sensoren, die um und vor Japan verteilt sind. Dadurch, dass  schon die schwächeren primären Wellen eines Erdbebens von den Seismographen erfasst werden, können wichtige Sekunden gewonnen werden. Die Lokalisierung des Epizentrums ermöglicht die Berechnung der Reichweite, so dass gezielt nur Personen in den betroffenen Gebieten gewarnt und die entsprechenden Schutzmaßnahmen für diese Region eingeleitet werden können. Die automatisierten Warnungen haben eine weitreichende Wirkung: Schnellzüge werden angehalten, Fahrstühle gesichert, Maschinen heruntergefahren und Gaszufuhren gestoppt. Mit der automatischen Weiterleitung an mobile Endgeräte bzw. Smartphones ist die Frühwarnung umso effektiver.

Potential und Grenzen des Warnsystems

In Japan hat das Frühwarnsystem bereits viele Leben gerettet, aber auch das hat seine Grenzen. Problematisch ist zum Beispiel die unterschätzte Ausbreitung des Erdbebens, wenn Personen nicht rechtzeitig gewarnt werden, weil das Ausmaß falsch eingeschätzt wurde. Weniger fatal, aber eine nicht unbedeutende Fehlerquelle sind falsche Alarme, da die Sensoren sehr sensibel sind. Ebenfalls höchst problematisch ist, dass sehr nah am Epizentrum gelegene Regionen keine frühzeitige Warnung erhalten können, da das Erdbeben dort zeitgleich mit den Warnungen ankommt.

Für nicht japanischsprachige Touristen gibt es seit September 2011 mit SafetyTips auch eine Warn-App auf Englisch, Koreanisch und Chinesisch. Ausgestattet mit einer Liste der letzten Erdbeben, einer Evakuierungsanleitung und praktischen Sätzen auf Japanisch für den Notfall bietet sie eine Hilfe für ausländische Besucher. Und die Technik entwickelt sich weiter. Um nur ein Beispiel zu nennen: 3D-Projektoren können bei Katastrophen der Orientierung dienen, indem sie im Straßenbild mobile Warnhinweise geben. Die Nutzung von digitalen Errungenschaften ist in Japan also aufgrund der vorhandenen Gefahren weit verbreitet und viel mehr als ein praktischer Luxus. Sie kann im Notfall Leben retten.

Dieser Artikel steht unter der Creative Commons Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported Lizenz und ist zuerst auf Politik Digital erschienen.


Image (adapted) „Ein Junge nach der Zerstörung. Erdbeben und Tsunami, Japan 2011“ by Schweizerisches Rotes Kreuz (CC BY 2.0)


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Mediathekenumschau vom 14. Oktober

Bildempfangsstörung (Bild Paulae [CC-BY-3.0], via Wikimedia Commons)

In der Mediathekenumschau heute: Erinnerungen an einen alten Mann aus dem Kiez und was die Nachbarn damit zu tun haben. Außerdem: Der lange Weg zur Staatsbürgerschaft und Erotik bei den Öffentlich-Rechtlichen. // von Hannes Richter

Es ist so eine Sache mit den Mediatheken: Für viele Digital Natives sind sie schon Fernsehersatz – alles ist überall abrufbar. Doch nur auf Zeit: Gerade die öffentlich-rechtlichen Programme sind oft nach einer Woche wieder offline. Verlängertes Fernsehen statt digitales Archiv. Bevor sie verschwinden, fischen wir die besten Perlen aus der TV-Flut.

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Sanwa Stereoscopic-Viewer: 3D-YouTube-Brille für dein iPhone

Sanwa Stereoscopic-Viewer

Das Stereoscopic-Gadget ist von uns nicht ganz ernst gemeint, aber irgendwie doch ein Hingucker. Es hilft im wahrsten Sinne des Wortes in neue Welten einzutauchen. Das Gerät im Taucherbrillen-Design macht es nämlich möglich, 3D-YouTube-Videos gebührend über das iPhone zu konsumieren. Die Technologie ist allerdings recht klobig und erinnert an die ersten Augmented-Reality-Brillen aus den 60igern.

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Video: Fukushima für Kinder

In Japan wird den Kindern das, was dort in Fukushima gerade passiert, auf eine – sagen wir mal – verworren-kreative Art erklärt. Einiges ist bizarr, einiges ist schlicht falsch und insgesamt wird auf diese Weise sicher die Verwirrung noch weiter steigen. Ich verstehe jetzt besser, warum sich endlich auch viele Japaner mittlerweile getäuscht fühlen von denen, die für sie sorgen sollen: die Regierung und die großen Firmen. Aber schaut selbst, nach dem Click…
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Verehrtes japanisches Volk,

das Beileid unserer gesamten Autoren-Mannschaft gilt den vielen Toten und ihren Angehörigen, die durch das Erdbeben, den Tsunami und den Störfall im Atomreaktor ums Leben kamen oder noch kommen werden.

Leider gibt es große Probleme bei der Hilfe der Überlebenden, die wir in Deutschland nicht ausreichend würdigen. Denn hier entbrennt ein Wettbewerb der Gutmenschen. Manche machen sich große Sorgen wegen der Beschwichtigungen von offizieller Seite, die selten in einem realen Verhältnis zum echten Zustand der Katastrophen stehen. Viele Deutsche bewundern die Energie mit der jeder einzelne Japaner versucht, zu helfen. Noch mehr Menschen aus unserem Land betrachten die Hilfe der offiziellen Stellen jedoch mit Sorge.

Die große asiatische Tradition, Gemütsbewegungen für sich zu behalten, wird in Deutschland gern als Ausdruck der Stärke angesehen und bewundert. Wir alle wissen, dass Stärke nur dann ein guter Ratgeber ist, wenn es sich um einen gerechten Kampf handelt. Der Kampf der Technologie gegen die Gesetze der Natur ist aber in weiten Teilen ein Ausdruck krankhafter und wahnhafter Hybris, die es dem Menschen im Westen nach dem Verlust spriritueller Erbauung erlaubt hat, selbst etwas zu erschaffen, was seine eigenen Möglichkeiten bei weitem übersteigt. Die Atomkraft als Energiegewinnung ist so eine Übersteigerung des Menschen mit den Mitteln der Technologie.

Wir haben in Deutschland spätestens seit dem zweiten Weltkrieg ein tiefes Verständnis für die Potentiale der Technologie in verantwortungslosen Händen. Daher kommt auch die weit verbreitete Angst vieler Deutscher, wenn wir uns näher mit der Betreiberfirma Tepco beschäftigen und die hilflos wirkenden Versuche, Tonnen von radioaktivem Müll mit Wasserschläuchen zu kühlen. Auch die Verharmlosung der bereits freigesetzten Strahlung in Luft, Wasser, Boden und Nahrung macht uns nicht zuversichtlicher, dass das japanischen Volk in den besten Händen ist.

Giri und Ninjô sind wichtige Werte in Japan. Wir würden sie als Ehre und Menschlichkeit übersetzen. Beides wären gute Ratgeber für einen transparenten Umgang der Offiziellen Japans über die wahren Verhältnisse rund um Fukushima und Onogawa. Aber beide Werte sollten nach meiner Ansicht auch unsere hiesigen Besserwisser dazu anleiten, nicht den Nächsten (Helfer) zu bewerten, sondern selbst ein besseres Vorbild zu sein – im Handeln wie im Denken.

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Jörg Wittkewitz

Wem nichts Besseres einfällt, der könnte einfach in den nächsten 12 Monaten vermehrt japanische Produkte kaufen, was dem drohenden Wirtschaftsabschwung in Japan entgegenwirken könnte. Denn Nachfrage ist nicht immer nur bloßes Konsumieren. Es lenkt auch mittelbar die Schicksale von Arbeitern, Angestellten und ihren Familien. Aber das kennt man bereits hoffentlich aus der Diskussion über nachhaltigen Lebenswandel und der/die geneigte Leser/in setzt das schon um.

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An der Hilfe sollt Ihr sie erkennen…

Die Betreiberfirma des zerborstenen Atomkraftwerks Fukushima TEPCO beweist der Welt einen großen Dienst. Sie zeigt das Gesicht der Industrialisierung: Arbeitslose, Obdachlose und Gastarbeiter werden stundenweise verheizt, um der Welt zu zeigen, dass man irgendetwas tut. Hunderttausende Japaner frieren und hungern. Die Welt schaut gebannt dabei zu und kann sich glücklich schätzen als bessere Hälfte der Welt dazustehen.

Man könnte sich also beruhigt hinsetzen, per Click bei iTunes oder den vielen Hilfsorganisationen ein paar EURO platzieren und auf schnelle Besserung wetten. Aber mancher wird sich erinnern, wieviele Milliarden noch übrig sind von den Tsunami-Spenden die vor einigen Jahren in Thailand und Umgebung hätten niederprasseln können. In der Realität liegen diese Schätze noch immer auf diversen Konton der Banken und bringen schöne Zinsen ein. Es wäre also genug Geld da um ganz Japan drei Wochen zu ernähren. Angesichts des organisatorischen Chaos in Japan gewinnt man aber den Eindruck, dass nationaler Stolz weitaus schlimmere Folgen hat als das Ausliefern der Bevölkerung an gewissen- und hilflose Verantwortliche.

Wieso bitten Japaner über Facebook ihre Freunde im Ausland, ihnen Nachrichten über Fukushima zukommen zu lassen? Wieso lässt die Regierung keine Fachleute ins Land, die Erfahrung mit solchen drohenden nuklearen Katatrophen haben?

Aber angesichts des millionenfachen Konsums von apokalyptischen Bildern aus Japan fordert das Über-Ich der medialen Öffentlichkeit eine Teilnahme und Verantwortung… Weiterlesen »

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