Bots: Warum wir bald mit Künstlicher Intelligenz chatten werden

“Bist du Mann oder Frau?” “Wie alt bist du?” “Kannst du mir deine Position schicken?” Wer mal mit einem Bot plaudern will, der braucht sich dazu nur die Messaging-App Telegram installieren und mit dem @HotOrBot einen Chat anfangen. Sein Versprechen: Er sucht relevante Flirtpartner in der Umgebung, die den eigenen Vorstellungen entsprechen. Noch ist das natürlich eine ziemlich abgespeckte Version einer künstlichen Intelligenz, aber sie lässt den Nutzer zumindest erahnen, in welche Richtung sich die Angelegenheit entwickeln kann.

Telegram sieht sich als Vorreiter bei Bot-Technologie. Bereits im Sommer 2015 haben die Macher der App mit 100 Millionen monatlichen Nutzern eine Bot-Plattform gestartet, über die Entwickler ähnlich einem App-Store ihre Bots (die abgekürzte Version von “Robot”) anbieten können. So gibt es auch einen @ImageBot, der sich auf die Suche nach gewünschten Bildern (z.B. “happy dog”) machen kann, einen @PollBot, mit dessen Hilfe man Umfragen erstellen kann, oder gar einen @StoreBot, der andere Bots empfiehlt. Telegram erlaubt diesen Bots mittlerweile auch, in die Chats der Menschen hineinzufunken. Über die Befehle @gif, @vid, @pic, @bing, @wiki, @imdb und @bold kann man sie kleine Aufgaben verrichten lassen, während man weiter mit Freunden chattet.

Auch Facebook will Bots

Bots wie bei Telegram wird man bald auch in anderen Messaging-Apps sehen. Am 12. und 13. April hält Facebook seine F8-Entwicklerkonferenz ab und Gerüchten zufolge will man dort eine eigene Bot-Plattform für die Messenger-App vorstellen. Diese automatisierten Chat-Kontakte gibt es in den USA testweise bereits jetzt: Über den Messenger kann man etwa ein Uber-Taxi rufen oder bei Flügen der KLM einchecken. Künftig sollen Unternehmen und Software-Entwickler wie in einem App-Store eine ganze Reihe weiterer nützlicher Bot-Gehilfen anbieten können.

Auch Microsoft will im Bot-Geschäft mitmischen: Für seine VoIP/Chat-Software Skype werden ebenfalls Bots getestet, die über die “Skype Bot Platform” angeboten werden sollen. Wie schlecht das noch funktioniert, zeigt das Beispiel des Chatbots Tay. Eigentlich hätte Tay von Nutzern lernen sollen, wie junge Menschen sprechen. Doch die User fütterten ihn mit rassistischen Inhalten, die Tay wiederholte – nein, Künstliche Intelligenz ist das noch nicht.

Google ist gefordert

Für Facebook und Microsoft stellen ihre Kommunikations-Plattformen Messenger, Skype oder WhatsApp aber auf jeden Fall das Vehikel für ihre Künstlichen Intelligenzen dar. Microsofts “Cortana” und Facebooks “M” sollen die Dolmetscher zwischen Mensch und Maschine sein, also die KIs, die den User verstehen, seine Anfragen an Software und Datenbanken weitergeben und die Ergebnisse in einfach verstehbarer Form zurückliefern – und zwar im Chatfenster der Messaging-App.

Ob die Nutzer der Messaging-Apps auf diesen Zug aufspringen, bleibt erst einmal abzuwarten. Läuft die Sache groß an, dann ist vor allem Google gefordert. Denn wer in einer Messaging-App nach allem fragen kann und Antworten von Bots bekommt, muss (zumindest mobil) nicht mehr die Google-Suche anwerfen. Für Facebook und Microsoft wiederum sollen die Bots Geld abwerfen: Denn jedes Mal, wenn einer der Bots dem Nutzer etwas verkauft (z.B. eine Taxifahrt, eine Pizza-Lieferung oder eine Hotelbuchung), könnten sich die IT-Riesen am Umsatz beteiligen lassen.


Image (adapted) “Tomy Chatbot” by ☰☵ Michele M. F. (CC BY-SA 2.0)


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Jakob Steinschaden

Jakob Steinschaden

ist seit 2006 publizistisch auf Papier und Pixel tätig. Er arbeitet in Österreich als Journalist und hat die beiden Sachbücher "Phänomen Facebook - Wie eine Webseite unser Leben auf den Kopf stellt" (2010) und "Digitaler Frühling - Wer das Netz hat, hat die Macht?" (2012) veröffentlicht. In seinem Blog “Jakkse.com” und in Vorträgen schreibt und spricht er gerne über die Menschen und ihr Internet – von Social Media über Mobile Business und Netzpolitik bis zu Start-ups.

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