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5 Best Cases für innovatives KI-Storytelling

Im privaten Umfeld gewöhnen wir uns bereits nach und nach an die digitale Media-Intelligenz von Sprachassistenten wie Alexa, Siri und Google Assistant. Es stehen weltweit aber schon viele weitere smarte Medienanwendungen bereit, die über kurz oder lang in unserem persönlichen Medienkonsum eine Rolle spielen können. Die künstliche Intelligenz nimmt Einfluss aufs Geschichtenerzählen. In einem Best Cases Report der Medieninitative nextMedia.Hamburg in Kooperation mit dem InnoLab der Hamburg Media School werden zehn spannende Beispiele zum Thema Artificial Storytelling porträtiert. Hier sind die ersten fünf davon:

1. Sheldon County – Ein individueller Podcast

Podcasts erfreuen sich derzeit großer Beliebtheit. PhD-Student James Ryan hat die Vision, individuelle Podcasts für jeden Hörer zu erstellen. „Sheldon County“ heißt sein KI-basierter Podcast, der nach dem KI-Pionier Sheldon Klein benannt ist. Auf Grundlage einer beliebigen Zahl wird ein eigener exklusiver Podcast im Universum von Sheldon County generiert.

Handlungsstränge, Personen, Charakterzüge und Beziehungen werden aus einer Datenbank zu einer Geschichte zusammengefügt. Anschließend liest ein Sprachsynthesizer den Text und speichert ihn als Podcast. 2019 soll Sheldon County als Betaversion erscheinen. Bis dahin gibt es aber bereits die ersten Folgen auf Soundcloud zu hören.

2. KI-Autoren schreiben Bücher

Nicht nur Podcasts, auch ganze Bücher möchte man mit Hilfe von Artificial Storytelling erschaffen. Zack Thoutt, begeisterter Game of Thrones-Anhänger, konnte das lange Warten auf den nächsten Band nicht mehr aushalten. Er fütterte ein rekurrentes, neuronales Netz mit den bereits erschienenen fünf Bänden. Entstanden sind fünf Kapitel, die zwar nicht gerade ein Meisterwerk sind, aber durchaus zeigen in welche Richtung es gehen kann.

Der Japaner Hitoshi Matsubara trat mit seinem von einer KI erschaffenen Werk „The Day a Computer writes a Novel“ an einem Wettbewerb an. Er kam damit sogar in die zweite Runde des „Nikkei Hoshi Shinichi Literary Award“.

3. Fußball als 3D-Hologramm

Konstantinos Rematas und seine Kollegen von der University of Washington sehen die Zukunft des Fußballs in 3D-Hologrammen. Das 3D Hologramm entsteht dank AR-Technologie direkt auf dem Tisch. Als Grundlage dienten 12.000 Spielermodelle aus dem Computerspiel FIFA von EA Sports.

In Zukunft wollen sie die Technologie aber so weit ausbauen, dass auch Live-Spiele als Augmented Reality-Erlebnis Wirklichkeit werden. 3D-Hologramme funktioniert so derzeit aber nur in Verbindung mit der HoloLens von Microsoft.

4. ANGELINA – Neue Möglichkeiten im Game-Design

Künstliche Intelligenzen werden in der Spieleentwicklung eher für kleine Aufgaben genutzt. Die KI ANGELINA (Akronym für „A Novel Game-Evolving Labrat I’ve Named Angelina“) entwickelt hingegen komplette Spiele samt Spielregeln und Umgebungen.

Die Spiele gestaltet Angelina beispielsweise auf Basis von Fotos. Charaktere orientieren sich an News von Webseiten oder Social Media-Plattformen. KIs wie Angelina sollen laut Entwickler Michael Cook trotzdem eher eine unterstützende Rolle in der Programmierung einnehmen, anstatt den Menschen zu ersetzen.

5. Dreamwriter – Journalismus aus der Dose

Tencent heißt der chinesische Social Media-Riese, die mittlerweile genau so umsatzstark ist wie Facebook. Deren AI Dreamwriter ist in der Lage, selbstständig journalistische Texte zu schreiben. Die Rede von Zach Seward, Executive Editor bei Quartz wurde bei der Media Summit 2017 bereits aufbereitet und veröffentlicht, bevor Seward die Bühne verlassen hatte.

Neugierig auf fünf weitere zukunftsweisende Anwendungen?

Die kompletten 10 Cases stehen bei nextMedia.Hamburg zum kostenlosen Download bereit!

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit der Medieninitative nextMedia.Hamburg und dem InnoLab der Hamburg Media School.


Image by peshkova via stock.adobe.com

 

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Never mind the Killerroboter – Unzuverlässig sind sie alle.

Drohne (adapted) (Image by anne773 [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Die Anführer von mehr als 100 der weltweit größten Unternehmen der KI-Branche sorgen sich um die Entwicklung der „Killerroboter“. In einem offenen Brief an die Vereinten Nationen warnten die Führungskräfte – inklusive Elon Musk, dem Gründer von Tesla und den Gründern von Googles KI-Abteilung – dass die autonome Waffentechnologie von Terroristen und Despoten gehackt werden und anschließend für böse Motive verwendet werden könnte.

Aber die Gefahr ist im echten Leben weitaus größer – und speist sich nicht nur aus menschlichem Versagen, sondern auch aus dem der Maschinen. Studien von komplexen Systemen haben gezeigt, wie sich ein Verhaltensmuster entwickeln kann, das weitaus unvorhersehbarer ist als die Summe einzelner Maßnahmen. Auf einer Ebene deutet das darauf hin, dass sich menschliche Gesellschaften, verglichen mit dem Verhalten Einzelner, sehr unterschiedlich verhalten können. Dieses Prinzip kann jedoch genauso auf Technologien angewendet werden. Sogar Ökosysteme von relativ simplen KI-Programmen, die wir als dumme, nützliche Bots bezeichnen, können uns überraschen – sogar dann, wenn die individuellen Bots sich gut verhalten.

Die individuellen Elemente, die ein komplexes System wie einen Wirtschaftsmarkt oder das Wetter als Ganzes ausmachen, haben die Tendenz, nicht auf eine simple, lineare Art und Weise zu interagieren. Das macht es sehr schwierig, dieses System als Modell zu verstehen. Beispielsweise ist es nach vielen Jahren der Klimaforschung immer noch unmöglich, langfristige Wettervorhersagen zu treffen. Diese Systeme sind oft sehr sensibel gegenüber kleinen Veränderungen und deshalb anfällig gegenüber explosiven Rückkopplungsschleifen. Es ist darüber hinaus sehr schwierig, den präzisen Status eines solchen Systems an einem bestimmten Zeitpunkt festzustellen. Alle vorher genannten Aspekte machen diese Systeme intrinsisch unvorhersehbar.

Alle diese Prinzipien sind anwendbar auf große Gruppen von Einzelpersonen, die auf ihr eigenes Verlangen hin Entscheidungen treffen. Ob es sich hierbei um eine menschliche Gesellschaft oder eine Gruppe von Robotern handelt, ist dabei irrelevant. Meine Kollegen und ich erforschten kürzlich den Typ eines komplexen Systems, das geeignete Roboter dazu benutzte, Wikipedia-Artikel automatisch zu bearbeiten. Diese verschiedenen Roboter wurden von Wiki-Nutzern entwickelt, wobei die der zugrundeliegenden Open-Source-Software kostenlos und frei zugänglich und deswegen jedem zur Forschung verfügbar ist. Einzeln haben sie alle das gemeinsame Ziel, die Enzyklopädie zu verbessern. Ihr kollektives Verhalten stellt sich allerdings als überraschend ineffizient heraus.

Diese Wikipedia-Bots arbeiten sehr gut, wenn sie auf bewährten Regeln und Absprachen basieren. Weil die Webseite jedoch über kein zentrales Führungssystem verfügt, gibt es keine effektive Koordination zwischen den Personen, die diese Bots betreiben. Als Ergebnis fanden wir Bots, die ihre Artikel gegenseitig jeweils über mehrere Jahre hinweg editierten und die Bearbeitungen der anderen Kontrollinstanz rückgängig machten, ohne, dass es jemandem aufgefallen war. Und weil diese Bots über keinerlei Wahrnehmung verfügen, bemerkten sie es selbst auch nicht.

Die Bots sind für den Zweck entwickelt, den Bearbeitungsprozess zu beschleunigen. Jedoch können kleine Diskrepanzen in der Entwicklung der Bots oder zwischen den Menschen, die diese Bots nutzen, zu einer massiven Verschwendung von Ressourcen im Rahmen eines „Bearbeitungs-Krieges“ führen, der von menschlichen Redakteuren weitaus schneller gelöst werden könnte.

Wir fanden ebenso heraus, dass die Bots sich innerhalb der verschiedenen Sprachversionen von Wikipedia unterschiedlich verhielten. Die Regeln sind mehr oder weniger die gleichen, die Ziele sind ebenso identisch, die Technologie ist dieselbe. Jedoch ist in der deutschen Wikipedia die Kooperation zwischen den Bots weitaus effizienter und produktiver als beispielsweise in der portugiesischen. Dies kann nur mit den Differenzen zwischen den Redakteuren, die diese Bots in verschiedenen Umfeldern laufen lassen, erklärt werden.

Exponentielle Verwirrung

Wikipedia-Bots verfügen über nur wenig Autonomie. Das System verhält sich ohnehin schon anders als die Ziele der individuellen Bots. Jedoch plant die Wikimedia Stiftung den Einsatz einer KI, die den Bots einen höheren Grad von Autonomie verleihen soll. Dies wird wahrscheinlich zu noch mehr Fällen von unerwartetem Verhalten führen.

Es wurde auch untersucht, was passiert, wenn zwei Bots, die dazu entwickelt wurden, mit Menschen zu sprechen, auf einmal untereinander interagieren. Die Antworten künstlicher persönlicher Assistenten wie Siri von Apple überrascht uns schon überhaupt nicht mehr. Wenn man aber zwei dieser Chatbots zusammenbringt, können diese schnell anfangen, sich auf eine überraschende Weise zu verhalten. Sie können beispielsweise einen Streit führen und sich sogar gegenseitig beleidigen.

Umso größer das System wird und umso autonomer ein Bot ist, umso komplexer und unvorhersehbarer ist das zukünftige Verhalten eines Systems. Wikipedia ist ein Beispiel einer großen Anzahl relativ einfacher Bots. Das Chatbot-Beispiel zeigt eine kleine Anzahl eher komplexerer und kreativerer Bots auf – in beiden Fällen entwickelten sich unerwartete Konflikte. Die Komplexität und damit die Unvorhersehbarkeit, steigt exponentiell, je mehr individuell agierende Bots dem System hinzugefügt werden. In einem zukünftigen System mit einer großen Anzahl sehr kluger Roboter könnte das unerwartete Verhalten unsere Vorstellungskraft übersteigen.

Selbstfahrender Wahnsinn

Bei selbstfahrenden Autos gibt es beispielsweise spannende Fortschritte zur Effizienz und zu Sicherheitsaspekten des Straßenverkehrs. Wir wissen jedoch noch nicht, was passieren wird, wenn wir einmal ein großes, ungezähmtes System voller autonomer Fahrzeuge haben. Sie könnten sich völlig anders verhalten als weniger Fahrzeuge dies in einer kontrollierten Umgebung tun würden. Und sogar noch unerwarteteres Verhalten könnte in dem Fall auftreten, wenn fahrerlose Autos von verschiedenen Personen in unterschiedlichen Umgebungen „trainiert“ werden und anfangen, miteinander zu kommunizieren.

Menschen können sich neuen Regeln und Standards sehr schnell anpassen – aber immer noch damit Schwierigkeiten haben, den Systemwechsel durchzuführen. Dies kann für künstliche Akteure weitaus schwieriger sein. Wenn ein auf deutsche Standards eingestelltes Auto beispielsweise in Italien fährt, wissen wir einfach nicht, wie es mit den geschriebenen Regeln und ungeschriebenen Normen umgeht, die von den vielen anderen Autos befolgt werden, die auf italienische Standards eingestellt sind. Etwas so Ordinäres wie das Überqueren einer Kreuzung könnte plötzlich eine tödliche Gefahr bergen, weil wir einfach nicht wissen, ob die Autos so miteinander kommunizieren, wie sie es sollen oder etwas total Unvorhersehbares tun.

Denken wir nun an die „Killeroboter“, die Elon Musk und seinen Kollegen Sorgen bereiten. Ein einziger dieser Roboter könnte in den falschen Händen sehr gefährlich sein. Aber was ist mit einem unvorhersehbaren System von „Killerrobotern“? Daran will ich nicht mal denken.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Drohne“ by anne773 (CC0 Public Domain)


The Conversation

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Wenn Cortana Behördengänge macht: Künstliche Intelligenz in der öffentlichen Verwaltung

Thomas Langkabel bei Microsoft Explained über Künstliche Intelligenz in der öffentlichen Verwaltung

Auto ummelden, Pass verlängern oder Kindergeld beantragen: Behördengänge mag niemand. Denn persönliche Besuche beim Amt und Warteschlangen nerven genauso wie manche Angelegenheiten nur per Brief oder Fax erledigen zu können. Die Verwaltung zu digitalisieren, kommt hierzulande nur schleppend voran. Dabei ließe sich E-Government schneller umsetzen als viele glauben, davon ist Thomas Langkabel überzeugt. Der Technologie-Experte von Microsoft hat eine Vision: Bürger müssen sich nicht mit Ämtern rumärgern, sondern lassen dies Chatbots erledigen. Was Künstliche Intelligenz in der öffentlichen Verwaltung bewirken kann und warum ein Mentalitätswandel noch wichtiger ist als neue Technik, erklärte Thomas Langkabel im Netzpiloten-Interview am Rande der Digitalkonferenz Microsoft Explained in Berlin.

Netzpiloten: Was kann Künstliche Intelligenz in der öffentlichen Verwaltung mir persönlich als Bürger bringen?

Thomas Langkabel: Derzeit sind Behördengänge oft mühselig, weil Bürger sich viele Fragen stellen müssen: Welche Behörde ist zuständig? Auf welchem Weg muss ich sie kontaktieren? Welche Angaben und Dokumente muss ich bereithalten? Das ließe sich drastisch vereinfachen, wenn Cortana oder ein anderer intelligenter digitaler Assistent alles Nötige automatisch mit den zuständigen Behörden-Chatbot klärt.

Das klingt nach Science-Fiction. Wie soll sich das in naher Zukunft umsetzen lassen?

Die Idee ist nicht so weit hergeholt. Bund und Länder stellen derzeit die Weichen für einen Portalverbund im Internet. Damit wird es möglich sein, dass Bürger auf nur einer Webseite alle Behördenangelegenheiten erledigen, egal welche Anlaufstelle in welchem Ort zuständig ist. Zur Idee gehört auch, dass jeder Bürger einen Datensafe hat und entscheiden kann, ob und welcher Behörde er Zugriff darauf gibt. Denkt man das weiter, ist der Schritt nicht weit zu meinem persönlichen digitalen Assistenten, der Zugang zu meinem Datensafe und meinen Outlook-Kalender hat und für mich beim Behördenportal die Verlängerung meines Reisepasses erledigt.

Wie würde so ein Vorgang in der Praxis konkret ablaufen?

Denkbar ist, dass der intelligente Assistent weiß, dass ich bald ins Ausland verreise, dafür einen Reisepass benötige und dieser vorher abläuft. Der Assistent weißt mich darauf hin und fragt um Erlaubnis, ob er alles für die Verlängerung in die Wege leiten soll. Dann ermittelt er das zuständige Amt und „bespricht“ sich dort mit dem Chatbot. Der Bot „beschreibt“ Cortana den Prozess und teilt mit, dass ich einen persönlichen Termin und ein aktuelles Passbild brauche. Cortana wiederum weiß, wann ich Zeit habe und verhandelt mit dem Bot online eine Terminabsprache aus. Das alles könnte ich als Bürger erledigen, in dem ich mit nur einem Wort meiner Künstlichen Intelligenz erlaube, alles vorzubereiten. Wie schön und einfach wäre das bitte?!

Warum braucht es für solche Modernisierungsmaßnahmen eigentlich Künstliche Intelligenz, also selbstlernende Algorithmen, warum reicht nicht „normale“ Software?

Weil es das Ziel sein muss, dass ich die Wünsche mit natürlicher Sprache äußere und nicht formelhafte Kommandos auswendig lernen muss. Ich möchte sagen können: „Ich brauche eine Baumfällgenehmigung“ oder „Ich möchte einen Baum fällen“. Dann soll der intelligente Assistent wissen was zu tun ist, selbst wenn diese Erlaubnis einen ganz anderen amtlichen Namen hat.

Und Sie wollen darauf hinaus, dass Künstliche Intelligenz eben sehr gut beim Erkennen von Zusammenhängen sein kann?

Genau, die Software muss komplexe semantische Zusammenhänge entschlüsseln und wissen, was ich meine, auch wenn ich etwas Anderes sage. Das geht mit Künstlicher Intelligenz viel besser als mit herkömmlicher Software.

KI Verwaltung Cortana Microsoft Explained

Das Beispiel, das Sie schildern, beinhaltet noch viele Detailprobleme. Zum Beispiel müsste ich wirklich alles im Outlook-Kalender eintragen, sonst legt mir Cortana den Behördentermin vielleicht auf ein Zeitfenster, an dem ich mich mit meinem Freund Peter treffen möchte, ohne dass dies im Kalender steht.

Natürlich gibt es noch Herausforderungen. Ich skizziere letztlich eine Vision, keinen Plan, der fertig in der Schublade liegt. Aber in einer idealen Welt ist der intelligente Assistent so auf mich bzw. meine Lebensrealität trainiert, dass er auch dann meine Verhaltensweisen mit hoher Wahrscheinlichkeit vorausplant, ohne dass ich sie schriftlich festhalte. So eine enge Verzahnung von Alltag und Technologie mag zwar für manche erschreckend klingen. Aber wenn es mir persönlich hilft, halte ich so eine Entwicklung für legitim.

Dass Privatnutzer technologisch gewappnet sind, ist das eine. Damit ihre Vision real werden kann, müsste man auf der anderen Seite Künstliche Intelligenz in der öffentlichen Verwaltung flächendeckend einführen. Das geht doch nicht von heute auf morgen.

Ja, so eine Entwicklung geht nicht schlagartig. Aber sie ist auch keine Zukunftsmusik mehr. Es geht schon los! So testet die Stadt Bonn bereits den ‚Botty Bonn‘ als Chatbot, über den Bürger per Smartphone Auskünfte von der Verwaltung erhalten, andere Beispiele entstehen bereits in Krefeld oder dem Landkreis Lüneburg. Das sind alles bereits gute Ansätze, aber noch wichtiger als einfach nur Künstliche Intelligenz in der öffentlichen Verwaltung einzuführen, ist, dass sich auch strukturell etwas in der Verwaltung ändert.

Was meinen Sie damit?

Es geht mir um drei Aspekte. Erstens muss die Verwaltungsausbildung generell reformiert werden. Statt ausschließlich Verwaltungsjuristen, die sich im Paragraphendschungel perfekt auskennen, bräuchten wir auch Personal, das sich mit der Entwicklung von Verwaltungsstrukturen beschäftigt und Prozesse eigeninitiativ hinterfragt.

Zweitens muss die Innovationsfreude gestärkt werden. So wie in der der Wirtschaft der Wettbewerb die Entwicklung antreibt, könnte man in der öffentlichen Verwaltung die Zufriedenheit von Bürgern erheben, vergleichen und hinterfragen, warum sie hier besser ist als dort.

Und drittens müssen Verwaltungen dazu übergehen, Anreize für Verhaltungsänderungen von Bürgern zu setzen. Es reicht nicht einfach, digitale Angebote einzuführen, sie müssen auch beworben werden. Das Maß der Digitalisierung wird häufig nur am Vorhandensein einzelner Angebote gemessen, aber nicht an ihrer tatsächlichen Nutzung. Wir brauchen nicht nur Open Government Data, sondern Open Government Performance Data.

Das setzt einen Mentalitätswandel in der öffentlichen Verwaltung voraus, der häufig noch viel länger dauert als technologische Innovation. Wie lässt sich das erreichen?

Das ist eine Frage des politischen Willens. Sowas passiert nicht von selbst. Zwar glauben manche, dass man bloß warten muss, bis die Generation der Digital Natives im Verwaltungspersonal ausreichend vertreten ist. Aber das halte ich für zu kurz gedacht. Es gibt nämlich auch viele Skeptiker in dieser Alterskohorte. Daher ist es kein generationskulturelles Problem, sondern ein strukturelles Problem, dass nur durch neue Ausbildungsinhalte angegangen werden kann. Aber das System wird sich nicht von selbst reformieren. Daher muss die Politik ran.

Wie lange würde so eine Reform benötigen, bis sie greift?

Angenommen, wir fangen jetzt an, würde es mindestens drei bis vier Jahre dauern, bevor überhaupt eine Modernisierung jenseits von vereinzelnden und daher insgesamt wenig wirksamen Projekten zu spüren ist, weil solange eben die Verwaltungsausbildung dauert. Ein flächendeckender Impact durch einen Mentalitätswandel kann sogar zehn bis 15 Jahre erfolgt sein – sofern wir jetzt anfangen.

Und wann könnte Cortana für mich Termine vereinbaren?

Wenn alle Beteiligten das wollten, ließe sich Künstliche Intelligenz in der öffentlichen Verwaltung innerhalb von drei bis vier Monaten einführen. Die technische Infrastruktur ist nämlich gar nicht das Problem, weil die meiste Rechenleistung in der Cloud liegt. Man bräuchte also keine neue Hardware, sondern nur harten Willen dafür.

Vielen Dank für das Gespräch. 

Über Thomas Langkabel, National Technology Officer bei Microsoft Deutschland

Thomas Langkabel verantwortet seit 2011 die Technologie-Entwicklung und -Strategie bei Microsoft Deutschland. Cloud Computing, Digitale Transformation und E-Government gehören zu seinen Schwerpunktthemen. In diesem Zusammenhang spricht er auch über Künstliche Intelligenz in der öffentlichen Verwaltung. Thomas Langkabel arbeitet in seiner Rolle auch in verschiedenen Gremien in Verbänden und Institutionen, wie etwa dem Arbeitskreis „Digitale Verwaltung“ des BITKOM oder den Arbeitsgruppen „Innovativer Staat“ und „Ethik“ der Initiative D21. Der diplomierte Ingenieur der Luft- und Raumfahrttechnik diente vor seinem Wechsel in die IT-Beratung als technischer Offizier der Luftwaffe.

Dieses Interview entstand in Zusammenarbeit mit Microsoft.


Images by Berti Kolbow-Lehradt


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  • TWITTER t3n: Studie: Bis zu 48 Millionen Twitter-Nutzer sind in Wirklichkeit Bots: Jeder siebte Twitter-Nutzer ist ein Bot. Das hat die University of Southern California jetzt in einer Studie ermittelt. Das sind bis zu 15 Prozent der rund 319 Millionen aktiven Nutzern, die gar nicht echt, sondern Social Bots sind. Die Studien-Autoren machten dabei eine ganze Reihe verschiedener Account-Klassen aus. Tatsächlich sind laut der Studie nicht alle Bots schlecht, eine Großzahl wird jedoch auch für politische Stimmungsmache genutzt. Vor allem angesichts der deutschen Bundestagswahl sind Social Bots ein brisantes Thema, so hat sich die Bundesregierung gegen den Einsatz derer entschieden.

  • TECHNOLOGIE heise: Männer weich wie Stahl: Von Gendered Technology und Normkörpern: Technologie ist gegenderet. Das ist eine These von Prof. Dr. Sigrid Schmitz, welche sie innerhalb eines Gastauftrags beim Kick-Off Meeting des Promotionskollegs KoMMa.G (Konfigurationen von Mensch, Maschine und Geschlecht) in Braunschweig vorgestellt hat. „Gendered Technology“ beschreibt demnach geschlechtlich beeinflusste Technologie und Schmitz’ Ziel ist es die soziale Konstruktion von Technologie zu verstehen, die „co-construction of gender and technology“.

  • SMART CLOTHING golem: Smarte Jacke ermöglicht Gestensteuerung des Smartphones: Wearables und smarte Kleidung kommen langsam aber sicher auf den Mainstreammarkt. Unter der Zusammenarbeit von Google und Levi’s ist jetzt eine smarte Jeansjacke, die Commuter Trucker, entstanden. Die Jacke für soll schon bald erscheinen und wird innerhalb von Google’s “Project Jacquard”, dabei geht es um Textilien mit leitenden Fasern, entwickelt. Die leitenden Fasern sollen als Touchpads fungieren und so durch Gesten die Smartphonesteuerung ermöglichen, um dieses beispielsweise auf dem Fahrrad nicht mehr aus der Tasche holen zu müssen.

  • AFFECTIVE COMPUTING zeit: Fühlst du es auch?: Gefühle und Emotionen sollten herkömmlicherweise immer die menschlichen Attribute sein, die Computer und künstliche Intelligenzen nicht adaptieren sollten. Auf der noch laufenden Digitalkonferenz SXSW in Austin in Texas wurde jetzt die Zukunft des affecitve computing, also der einfühlsamen Maschinen, vorgestellt. Mehrere Vorträge in diesem Jahr beschäftigen sich mit der Frage, wie diese emotional intelligenten Maschinen aussehen könnten – und welche Regeln sie beachten müssen.

  • CYBERPUNK spiegel: Die Angstmacher lagen ziemlich richtig: Vor allem in den Achtzigerjahren erfreuten sich die düsteren Zukunftsvisionen der Autoren und Filmemacher des Cyberpunk-Genres großer Beliebtheit. Dystopien zeigen im Gegensatz zu Utopien zukunftspessimistische Szenarien einer einer Gesellschaft, die sich zum Negativen entwickelt. Die Kollegen der Spiegel Online-Redaktion geben einen interessanten Überblick über dystopische Thesen der Achtziger, die sich in gewisser Form in 2017 bewahrheitet haben.

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  • USA süddeutsche: Tausche USA-Visum gegen Facebook-Passwort: Die Themen USA und die Einreise nach ebenda waren in letzter Zeit ohnehin bereits schwierig – jetzt will der US-Heimatschutzminister Visa-Antragsteller noch gründlicher beleuchten. Zu solchen Überprüfungsmaßnahmen einer Person könnte unter anderem auch die Abfrage von Passwörtern für Konten in sozialen Medien zählen. Bereits seit Ende 2016 können USA-Urlauber freiwillig ihre Nutzernamen bei Facebook oder Twitter angeben. Noch ist die Passwort-Abfrage nur eine Idee, wie in vielen Aspekten sollte man aber unter der Regierung auf alles gefasst sein.

  • SOCIAL MEDIA heise: Steckt in jedem ein Troll?: Jeder der schon mal in den Kommentarsektionen von Social Media Kanälen unterwegs war hat wahrscheinlich Begegnung mit ihnen gemacht – Trolle. Keine Monster unter Brücken, sondern Kommentatoren deren einziges Ziel es ist, ein Maximum an Störung zu verursachen und Streit anzuzetteln. Forscher der Universitäten Stanford und Cornell behaupten in jedem von uns könnte ein solcher Troll stecken. Zu deren Studie soll nun Ende Februar ein Fachaufsatz auf der CSCW 2017 vorgestellte werden.

  • CROWDFUNDING golem: Protonet ist insolvent: Das Server-Startup Protonet aus Hamburg ist insolvent. Einst hatte die Firma über Crowdfunding eine, für deutsche Verhältnisse, Rekordfinanzierung von 3,2 Millionen Euro erhalten. Laut eigener Aussage habe Protonet intern nicht erfolgreich gewirtschaftet und neue Investoren blieben auch aus. Vor fünf Jahren wurde das Unternehmen mit dem Ziel gegründet, sichere und unkompliziert zu betreibende Server für Kunden herzustellen, bei denen Daten nur in Deutschland gespeichert werden sollten.

  • SLACK t3n: Chatbot fürs Firmenwissen: Obie bringt Confluence, Evernote und mehr in eure Slack-Kanäle: Obie zeigt, wie viel Arbeit uns Chatbots schon heute in der Teamkommunikation abnehmen können. Wichtige und arbeitsrelevante Informationen liegen oft genug auf einer Unzahl von verschiedenen Diensten verstreut, von Cloud-Speichern über Notizdienste hin zum firmeneigenen Wiki. Der Bot führt diese jetzt aus diversen Tools zusammen und setzt sich so zum Ziel, Ordnung und Übersicht im Kommunikations-Verlauf zu schaffen. Der Chatbot kann kostenlos zu Slack hinzugefügt werden.

  • WEARABLES googlewatchblog: Smartwatches: Google stellt Android Wear 2.0 sowie LG Watch Style & LG Watch Sport vor: Am gestrigen Abend hat Google sein neues Smartwatch Line-up inklusive neuem Betriebssystem präsentiert. Wofür benutzen Menschen Wearables wie Smartwatches eigentlich? Für diese Frage hat sich der Konzern für den Nachfolger des Android Wear Betriebssystems knapp drei Jahre Zeit gelassen und stellt jetzt das Modell 2.0 in den Fokus. Besonderes Feature ist beispielsweise die Option, mehrere Watch Faces gleichzeitig anlegen zu können, beispielsweise für eine Oberfläche für die Arbeit oder für zu Hause.

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  • FACEBOOK süddeutsche: Ein Selfie mit der Kanzlerin bringt Facebook in Bedrängnis: Trivialer geht es fast nicht – ein Selfie. Das im September 2015 aufgenommene Bild wurde dem jungem Syrer Anas Modamani allerdings zum Verhängnis. Als er gerade einen Monat in Deutschland war, posierte er zusammen mit Angela Merkel in Berlin. Jetzt steht er vor dem Würzburger Landgericht, Grund dafür ist Hetzte auf rechten Seiten, die den Teenager als Terroristen diffamieren. Inwieweit Facebook hier mitverantwortlich ist und ob eine gewisse Sorgfaltspflicht verletzt wurde, soll jetzt entschieden werden.

  • PAYPAL venturebeat: PayPal launches Slack bot for peer-to-peer payments: Chatbots sind gefühlt in aller Munde. Der Bezahl-Dienst PayPal hat jetzt auf der Team-Messaging-App Slack seinen eigenen Bezahl-Bot gelauncht. Der Bot lässt Nutzer mit dem Shortcode „/paypal“ peer-to-peer (P2P) Zahlungen von bis umgerechnet rund 9.300 Euro ausführen. PayPal hat rund 5 Millionen tägliche Nutzer und mit dem Bezahl-Bot nun ihren ersten dieser Art veröffentlicht. Auf Slack gibt es im Gegensatz rund 900 Bots für die Automatisierung von Aufgaben.

  • NETZNEUTRALITÄT zeit: Ein Deregulierer, wie Trump ihn mag: Ajit Pai ist der von Trump eingesetzte neue Vorsitzende der Federal Communications Commission (FCC) und wartet nicht lange, um aktiv zu werden. Er beginnt direkt damit, seine eigene Behörde, die Regulierung zur Netzneutralität in den USA, zu entmachten. Bislang untersagte diese Providern, den Internetverkehr gegen Bezahlung zu bevorzugen. Die Sorge um ein „Zwei-Klassen-Internet“ ist jetzt groß.

  • YOUTUBE cnet: Youtube takes on Facebook Live with mobile live streaming: Youtube zieht, nach Facebook oder Instagram, nun auch mit bei der mobile Live-Streaming-Welle. Was im Juni verpsrohen wurde, soll jetzt bald verfübgar sein und zunächst für beliebte Youtuber, also mehr als 10.000 Abonennten, verfügbar sein. Neu ist Live-Streaming für die Video-Plattform allerdings nicht, seit 2015 ist es über die Sparte “Youtube Gaming” möglich, Gaming-Content zu streamen. Das neue Feature „Super Chat“ soll es zudem Zuschauern ermöglichen, direkt mit den Youtubern zu sprechen, allerdings gegen einen Preis.

  • ROBOTER heise: Fahrender Last-Roboter als Begleiter für Menschen: Gestern war “Liebe-deinen-Roboter-Tag”, klingt komisch, ist aber so. Dieser Tag soll sich auf die Interaktion zwischen Mensch und Roboter fokussieren. Beispielsweise arbeitet derzeit eine US-Tochterfirma des Vespa-Herstellers Piaggio an einem kleinen Roboter, der als Helfer für Menschen fungieren soll und Lasten von bis zu 20 Kilogramm befördern kann. Der blaue, runde Helfer soll, ebenfalls wie der Aktionstag, dazu anregen, über die Rolle der Roboter in unserer Gesellschaft und deren Zukunft nachzudenken.

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Können Algorithmen auch „Filterblasen aufstechen“? Eindrücke von den Medientagen München

Big_Data_Prob (adapted) (Image by KamiPhuc [CC BY 20] via flickr)

Am vergangenen Donnerstag gingen die 30. Medientage München zu Ende. Das Kongressprogramm stand wenig überraschend in weiten Teilen unter der Fragestellung, was Big Data, Bots, Algorithmen und künstliche Intelligenz für Medienunternehmen und den Journalismus bedeuten. Am Ende bleibt der Eindruck, dass es ein bisschen zu viel um die KI-optimierte Auslieferung personalisierter Werbung ging, und ein bisschen zu wenig um die Frage, wie Algorithmen und künstliche Intelligenz den Qualitätsjournalismus von morgen beflügeln können, damit er weiterhin seine gesellschaftliche Relevanz behaupten kann. Am Bedarf dafür mangelt es nicht. Doch der Reihe nach.

Da war erst einmal die Eröffnungsrede von Angela Merkel. Sie äußerte sich bemerkenswert klar und, ja, in weiten Teilen auch bemerkenswert besorgt. Es war die Rede von einem „tiefgreifenden Umbruch nicht nur der Medienlandschaft, sondern auch der gesamten gesellschaftlichen Kommunikation“, und man könne „noch nicht richtig überblicken, was das alles für die gesellschaftlichen Verhältnisse in Deutschland, in Europa, auf der Welt bedeutet.“ Und dann baute sie eine Indizien-Kette auf, sprach davon, dass einem natürlich nicht alles gefallen kann, was man zu lesen, zu hören und zu sehen bekommt, dass aber gerade die Vielfalt der Medieninhalte und Meinungen eine freie Presse auszeichnet, diese Vielfalt aber immer mehr Leute immer weniger interessiere, dass es durch „digitale Technik“ ein Leichtes sei, sich in der eigenen Welt hermetisch abzuschotten…

Im Fluchtpunkt ihrer Argumentation stand natürlich das böse A-Wort, es ging um Algorithmen und die „großen Plattformen“, die beispielsweise dazu führten, dass den Medienkonsumenten „gezielt und fast ausschließlich bestimmte Informationen angeboten werden – solche also, die an die bereits offenbarten Interessen der jeweiligen Internetnutzer oder an Empfehlungen und Kommentaren ihrer Internetfreunde anknüpfen.“

Ein solches Medienverhalten würde zur Verzerrung der Wahrnehmung führen und zu einem Blick auf die Welt, der weit von der Realität entfernt sein kann, mit Folgen für den gesellschaftlichen Diskurs. Da war sie wieder, die postfaktische Gesellschaft.

Besonders interessant war in diesem Zusammenhang dann Merkels Zuspruch für eine Feststellung von Klaus Schwab, Präsident des Weltwirtschaftsforums: Entscheidungsträger dieser Gesellschaft würden es verpassen, sich mit diesen „disruptiven Trends“ zu beschäftigen, sie seien nämlich in „traditionellen“ Denkmustern verhaftet. Das hört sich so an, als wäre da ein Groschen gefallen (wirklich der Richtige?), als wären ihr und den „traditionell“ denkenden Entscheidungsträgern in Davos plötzlich aufgefallen, dass mit dem „algorithmic turn“ mächtige neue Konkurrenz aufgezogen ist im Geschäft um die Gestaltung gesellschaftlicher Realitäten und Wahrnehmungen.

Wenn es so etwas wie Filterblasen und Echokammern gibt – wofür es noch keine empirischen Belege gibt – dann nicht erst seit der Popularisierung von Algorithmen. In der „traditionellen“ Welt analoger Entscheidungsträger waren und sind das beispielsweise die Hintergrund- und Kamingespräche. Aus den Worten der Kanzlerin spricht die Erkenntnis, dass es plötzlich nicht mehr nur die politischen Eliten und klassischen Institutionen sind, die regulierend und strukturierend auf die Gesellschaft einwirken, sondern eben auch Algorithmen, die soziale Prozesse beeinflussen können, in dem sie Informationsflüsse und Aufmerksamkeitsressourcen lenken, Meinungs- und Willensbildung prägen, gesellschaftliche Kommunikation, Diskursräume und Öffentlichkeit strukturieren. Schließlich lassen sich Algorithmen konzeptionell, ihrer Wirkung und Funktion nach auch als Institutionen begreifen und beschreiben. Ja, selbst in der Intransparenz ihrer Wirkungsweise ähneln sie klassischen Institutionen.

„Algorithmen gewinnen sozusagen eine gesamtgesellschaftliche Bedeutung“, so Merkel. Ist diese Erkenntnis tatsächlich jetzt erst angekommen in der Politik? Reichlich spät. Vielleicht fragt man sich in den Parteizentralen und Ministerien plötzlich, ob diese Algorithmen, Plattformen und Filterblasen etwas damit zu tun haben, dass der Hass seit kurzem näher rückt, als man es als Spitzenpolitiker und Amtsträger gewohnt ist, oder dass man sich mittlerweile freuen soll, wenn man auf öffentlichen Auftritten immerhin nicht ausgebuht wurde. Gegen die algorithmische Verzerrung und Filterblasen helfe, laut Merkel, nur ein Qualitätsjournalismus, der einordnen und Einzelaussagen in Beziehung setzen soll. Hieran schließt sich mein zweites Medientage-Takeaway an.

Natürlich ist es richtig, dass in dieser Gemengelage gerade auch eine Chance für den Journalismus liegt. Das wurde während des Vortrags von Armin Wolf so deutlich wie sonst leider nur noch selten in den weiteren Panels der Medientage. Gerade im „Zeitalter seiner digitalen Reproduzierbarkeit und Simulation“ sei es die Aufgabe des Qualitätsjournalismus, die Fakten wieder zurückzubringen in die „postfaktische Gesellschaft“, den Lesern Urteilsvermögen zu ermöglichen, Sinn von Unsinn zu unterscheiden, so Wolf. Journalisten „müssen Social Media-Plattformen hacken“, „die algorithmus-produzierten Filterblasen aufstechen und die Newsfeeds mit ordentlichem Journalismus infiltrieren.“ Man hatte so eine Ahnung, was er da sagen wollte.

Wolf fragte nach dem „Gegenangriff“, in der sich die alten journalistischen Tugenden mit den Mitteln der Digitalisierung verbünden, damit Journalismus auch weiterhin eine „Dienstleistung an der Gesellschaft“ erbringen kann. Und eigentlich waren diese Medientage ja auch der richtige Ort, um sich ernsthaft mit der Frage auseinanderzusetzen, wie die durch KI ausgelöste „zweite Welle der Digitalisierung“ (Wolfgang Wahlster, Deutsches Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz) dabei helfen kann, dass Medien auch weiterhin „so etwas wie die Infrastruktur einer Demokratie“ (Armin Wolf) bleiben, und dass der Qualitätsjournalismus Bestandteil und Nutznießer der zukünftigen öffentlichen Dateninfrastruktur und Informationssphäre wird.

Auffällig am weiteren Kongressprogramm war jedoch, dass eher nach Möglichkeiten der Monetarisierung gefragt wurde, nach dem Innovationspotential für „Content Marketing“ und „Programmatic Advertising“, und weniger danach, wie diese „zweite Welle der Digitalisierung“ trotz Rationalisierungsdruck zur Realisierung der von Wolf beschworenen journalistischen Tugenden beitragen kann (zu den vielen entsprechenden Panels über KI und Marketing musste man zumindest früh kommen oder im Gang stehen).

Wie können Big Data, Algorithmen, künstliche Intelligenz, kognitive Systeme und semantische Verfahren dabei helfen, noch umfassender und präziser zu recherchieren, die Story in den Bergen unstrukturierter Daten zu erkennen, zu kontextualisieren, zu verifizieren und zu falsifizieren, noch mehr Themen abzudecken, noch mehr Sprachen zu bedienen und einem noch größeren Publikum zu ermöglichen, „qualifizierter am demokratischen Diskurs teilzunehmen“ (Armin Wolf)? Diese inhaltliche Diskussion um das Innovationspotential für das journalistische Handwerk und dem gesellschaftlichen Mehrwert eines Computational Journalism kam zu kurz. Angesichts der massiven Glaubwürdigkeitskrise des Journalismus, der Rede von Echo-Kammern, von der postfaktischen Gesellschaft und Wutbürgern, die „dem Internet“ mehr trauen als als den Qualitätsmedien, hätte man diesen Fragen einen größeren Platz einräumen müssen.

Es bringt jedoch auch nichts, wenn der Diskurs über die Bedeutung von Algorithmen in einer Mediengesellschaft durchweg moralisiert und rein normativ geführt wird, wenn Extrempositionen wie bedenkenloser Fortschrittsglaube oder die Überhöhung algorithmischer Macht bzw. die Fokussierung auf dominante Plattformen eine Debatte unmöglich machen. Ein differenzierter und disziplinenübergreifender Diskurs muss die (medien-)ethischen Problemlagen und aber auch die Chancen und das Innovationspotential nüchtern benennen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Co://aboratory“.


Image (adapted) „Big_Data_Prob“ by KamiPhuc (CC BY 2.0)


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Wenn Roboter fühlen lernen

human-face-image-by-kuloser-cc0-public-domain-via-flickr

Roboter sind nicht mehr aus unserem Leben wegzudenken. Die 24-Stunden-Hilfskräfte, die für uns stellvertretend schrauben, löten, Botengänge erledigen, Fragen beantworten und zu unserer Unterhaltung und Zerstreuung bereitstehen, sind rund um die Uhr mit nimmermüder Geschäftigkeit für uns da.

Schöne neue Welt, wenn auch vielleicht ein bisschen gruselig. Denn die maschinellen Helfer sind günstiger und verlässlicher als so mancher Mensch: ein Arzt-Bot wird nie selbst krank, eine selbstdenkende Roboter-Hebemaschine kriegt keinen Bandscheibenvorfall. Ob sie unsere Arbeitskraft irgendwann vollständig ersetzen sollen und ob wir das überhaupt wollen, wird noch immer heiß diskutiert.

Von Androiden und geheimen Wünschen

So weit, so gut. Der reine Nutzen der Helfer steht ohnehin nicht infrage. Wie weit unsere Faszination bezüglich der maschinellen Gehirne und Lernprozesse geht, kann seit Jahrzehnten in der Literatur- und Filmwelt untersucht werden.

So prägt der polnische Philosoph und Autor Stanislaw Lem seit mehr als 60 Jahren die Science-Fiction-Szene eingehend mit seinen Ideen von virtueller Realität, neuralen Netzen und künstlicher Intelligenz. Oft nahm er dabei die scheinbar uneingeschränkte Zukunftsgläubigkeit der Menschen aufs Korn, um ihnen, ähnlich wie in Ray Bradburys „Mars-Chroniken“ (absolute Leseempfehlung für den Herbst!), den Spiegel des Menschen als rücksichtsloses Raubtier an seiner Umwelt vorzuhalten.

Der Autor Philip K. Dick entwickelte die Idee der menschenähnlichen Androiden mit seinem Roman „Träumen Androiden von elektrischen Schafen“ weiter, der später in der bekannteren Dystopie „Blade Runner“ mit Harrison Ford verarbeitet wurde. Hier treffen wir auf eine künstliche Intelligenz, die nicht nur unsterblich und geradezu übermenschlich stark ist, sondern auch fühlen kann und will. Sehr ähnlich wird dieser Gedanke auch gerade mit dem gerade erschienenen Westworld-Remake erzählt, der sich gerade in den Serien-Charts nach oben arbeitet.

Ähnlich aufgebaut ist auch die Figur des Data im Star-Trek-Universum (TNG), die nach einem Roboter aus dem 50er-Jahre-Film „Alarm im Weltall“ geschaffen wurde. Datas innigster Wunsch ist es, so menschlich und emotional wie möglich zu werden. Dank eines eigens für ihn entwickelten Emotions-Chips gelingt ihm das in einigen Folgen von „Raumschiff Enterprise“ zunehmend, jedoch unterscheidet er sich noch immer von den Menschen: Zwar hat er ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein, was man den heute existierenden KIs höchsten als einprogrammierte Widerborstigkeit anrechnen kann, aber er versteht beispielsweise keine Witze. Humor ist eine allzu menschliche Eigenschaft, und diese Hürde kann Data nicht überspringen.

Kommen zwei Roboter in eine Bar…

Auch Humorversuche von Computern aus dem echten Leben scheitern hier, oder sind zumindest Geschmackssache. Wer jemals versucht hat, eine sinnvolle oder gar erheiternde Diskussionen mit Bots wie Apples Siri zu führen, wird ihr wohl zumindest keinen Sendeplatz für die nächste Late-Night-Show anbieten wollen – Computer sind einfach nicht witzig.

Von Marvin, dem depressiven Roboter aus „Per Anhalter durch die Galaxis“ über GERTY, der dem Mondeinsiedler Sam Bell in „Moon“ die Einsamkeit erleichtern soll bis hin zu der fantastischen Liebesgeschichte zwischen Mensch und Interface: Wir wollen von dem Gedanken nicht ablassen, unsere Roboter zu emotionalisieren. Vielleicht ist das auch verständlich – schließlich rücken sie immer näher an uns heran.

Braucht Pflege Emotionen?

Die neue Generation der Roboter soll nach diesen Ideen vielleicht nicht den menschlichen Humor, aber doch eine gewisse Emotionalität und Empathie lernen. Ob das klappt, testen wir gerade unter anderem in Pflegeheimen, wo die neuen Pflegeroboter zum Einsatz kommen, denn wie vieles andere auch, wird derzeit bei Robotern die Emotionen noch stark infrage gestellt. Allerdings verstehen viele Forscher, Wissenschaftler und Psychologen unter dem Wort Emotionen jeder etwas anderes. Wie soll auch ein Roboter das gleiche menschliche Lächeln und Empathie imitieren, wie es nur ein Mensch von Natur aus kann?

In Japan wird in der Pflege schon recht viel Technologie eingesetzt, so gab es hier den einen oder anderen Extremfall: der oft beunruhigende Einsatz der Technik – wie die Anti-Weglauf-Halskette oder Bewegungssensoren – gehen vielen Menschen dann doch deutlich zu weit. Mit solchen Maßnahmen wird hierzulande wohl eher nicht zu rechnen sein. Dezent eingesetzte Technik in den Pflegeheimen oder Wohnungen, wie das Heben aus dem Bett oder in die Badewanne kann eine gute Lösung sein, ist aber derzeit leider noch sehr teuer. Dabei müssen Roboter weder Emotionen zeigen noch mit uns sprechen. Hier geht es ausschließlich um die körperliche Entlastung der Pflegekräfte. Alles andere, wie freundliche Bedienung, Hilfsbereitschaft oder ein herzliches “Guten Morgen”, beherrschen wir Menschen selbst wahrscheinlich am besten.

Bots, die mit uns sprechen

Die Technik entwickelt sich immer weiter. So scheint es mittlerweile fast normal zu sein, sich statt eines Haustiers einen eigenen sprechenden Roboter zuzulegen. Der Roboter Kirobo Mini, der im nächsten Jahr auf den Markt kommen soll, tanzt auf dem schmalen Grat zwischen Spielzeug und Helferlein. Vielleicht taugt er auch als Begleiter für ältere Menschen oder als Beifahrer für lange Autofahrten?

Mal abgesehen von den eher wenigen Emotionen und den vorprogrammierten Sätzen der Roboter, die ja scheinbar irgendwann zum alltäglichen Leben der Menschheit dazugehören werden, gibt es immer wieder kuriose Geschichten über Roboter, die auf ganz andere Art und Weise mit uns sprechen, wie beispielsweise in der Geschichte von Eugenia Kuyda und Roman Mazurenko beschrieben wird.

Nach einem Verkehrsunfall starb Roman Mazurenko mit nur 34 Jahren. Seine beste Freundin Eugenia kam auf eine ganz ausgefallene Idee: Sie sammelte sämtliche SMS und Kurznachrichten von Roman zusammen und schrieb daraus ein Programm – das ganze klingt ein bisschen wie der Film “Transcendence” mit Johnny Depp. Anhand dieses Programms war es ihr möglich, virtuelle Gespräche mit Roman zu führen.

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Screenshot by Zeit Online Blog – Wie ein Toter als Chatbot weiterlebt

Auf diese Weise möchte ein australisches Startup die Menschheit unsterblich machen. Bislang halten sie sich bezüglich der konkreten Umsetzung sehr bedeckt, aber dennoch kann verraten werden, dass Daten der Menschen, ihre Verhaltensweisen, Kommunikationsarten und Denkweisen gesammelt werden, um daraus eine künstliche Intelligenz zu schaffen. Des Weiteren wird verraten, dass das menschliche Gehirn eines Verstorbenen eingefroren und in einen künstlichen Körper eingesetzt werden soll. Ziemlich kurios wirkt das Ganze definitiv – und abgesehen von der grundsätzlichen Frage danach, ob das überhaupt möglich sein wird, bleibt auch die Frage nach ethischen Bedenken bestehen.

Eine Frage der Ethik

Die Frage, wie man das Thema Roboter und Emotionen und ein mögliches, digitales Weiterleben nach dem Tod – was ja eigentlich auch kein richtiges Leben ist, sondern lediglich eine Sammlung von Daten, die einen echten Menschen imitieren soll – ethisch einordnen soll und kann, ist schwer zu beantworten. Für den einen mag es sehr sinnvoll sein und vielleicht auch ein Stück weit über die Trauer eines Verstorbenen hinweg helfen. Wenn man noch ein paar Worte an jemanden richten, der nicht mehr wieder kommen kann, dann kann das für manche Menschen eine große Hilfe sein.

Auf der anderen Seite ist es aber auch vorstellbar, dass die Menschen sich in die Vorstellung eines digitalen Abbilds eines Menschen verrennen und eventuell nicht in der Lage sind, die Endlichkeit und den Tod zu akzeptieren. Dieser Gedanke wird in einer Folge der britischen Science-Fiction-Serie „Black Mirror“ behandelt. Hier wird deutlich: Wenn wir den Tod tabuisieren oder sogar vollkommen verlernen, mit ihm umzugehen, sondern uns ein Substitut suchen, werden wir niemals loslassen können.

Wenn Roboter in unser Leben eingreifen und uns einen Vorteil bieten, indem sie uns schwere Arbeiten abnehmen oder uns den Alltag erleichtern, dann ist das schön und gut. Aber sie sollten nicht zu sehr in unser Menschsein eingreifen. Menschlichkeit und Einzigartigkeit macht uns aus. Wir sollten sie uns in der Zeit der Digitalisierung umso dringender bewahren.


Image „Human Face“ by Kuloser (CC0 Public Domain)


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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

Follow me

  • DIGITALISIERUNG medium: Warum die Tempel der Digitalisierung oft scheitern: Die Digitalisierung dominiert derzeit alle Agenden und stellt vor allem klassisch organisierte Unternehmen vor Herausforderungen. Gerade in Deutschland, wo es den meisten Unternehmen grundsätzlich gut geht, löst die Digitalisierung aber eher ein abstraktes Bedrohungsgefühl aus. Spürbar ist die Sorge, den Anschluss zu verlieren, echter Handlungsdruck ist nicht erkennbar. Als Reaktion auf diese Sorge investieren Unternehmen viel Zeit, Geld und Mitarbeiterengagement in digitales Wettrüsten. Die Konsequenz: viel Aktionismus?—?aber wenig spürbare Veränderung.

  • COWORKING letstalkaboutstartups: Wie Startups von Coworking Spaces profitieren können: Coworking Spaces profitieren von Startups, aber auch Startups profitieren von einem Coworking Space. Zum einen bieten die meisten Coworking Spaces noch bezahlbare Raummieten an, so dass Startups den Weg aus den eigenen vier Wänden oder einem Café in ein professionelles Umfeld auch bezahlen können. Zum anderen sind Coworking Spaces auch Sammelbecken an talentierten Menschen, die man hier auf Augenhöhe besser kennenlernen kann.

  • MARKETING horizont: „Die Branche wird ein Problem bekommen“: In der Influencer-Szene wird zunehmend über Schleichwerbung diskutiert – auch beim HORIZONT-Kongress „Content Marketing 2016“, der gestern in Frankfurt stattfand. „Die Branche wird ein Problem bekommen, weil man das Thema zu lax angeht“, erklärte Matthias Bannert, CEO und Gründer der Influencer-Agentur bOOst.me. „Viele Influencer agieren in der Arbeit für Marken zu naiv“, so Bannert, „sie kennen teilweise den Unterschied zwischen Redaktion und Werbung nicht.“

  • MARKT gruenderszene: Die FDP hat Angst vor der Zukunft der Mobilität: Die Meinung von Christian Lindner ist eindeutig: Das von einigen Parteien geforderte Verkaufsverbot von Verbrennungsmotoren ab 2030 sei Schwachsinn, schreibt der FDP-Chef in der Welt. Damit würde man knapp 800.000 Arbeitsplätze gefährden und überhaupt sei die neue Technologie gar nicht ausgereift. Lindner hat Angst um den Golf GTI. Das Kulturgut verschwindet aber nicht, es wird sich nur verändern. Seine Alternative: einfach weitermachen. Doch mit so einer Politik zieht man dem Technologiestandort Deutschland und der Autoindustrie den Boden unter den Füßen weg.:

  • BOTS handelsblatt: Keine „Social Bots“ bei Bundestagswahl: Nach der CDU haben sich auch SPD und Grüne gegen den Einsatz von computergenerierten Nachrichten im Bundestagswahlkampf 2017 ausgesprochen. „Die SPD hat bislang keine Social Bots benutzt und wird dies auch in Zukunft nicht tun“, sagte SPD-Generalsekretärin Katarina Barley der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch. Der persönliche Eindruck sei viel wichtiger als solche von Computern erzeugte Kommentare. „Manipulation durch Social Bots lehnen wir ab“, sagte auch der Bundesgeschäftsführer der Grünen, Michael Kellner, zu Reuters. Zuvor hatte sich bereits CDU-Generalsekretär Peter Tauber gegen einen Einsatz ausgesprochen.

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Die künstliche Hilfskraft: Wie ein Roboter jedes unserer Bedürfnisse errät

Banksy NYC, Coney Island, Robot (adapted) (Image by Scott Lynch [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Sie ist da – die Welt, in der Hilfsroboter mit uns leben, uns durch den Tag bringen und sogar unsere Freunde werden. Science-Fiction wird zur wissenschaftlichen Tatsache.Wie der Science-Fiction-Autor William Gibson offenkundig bemerkt hat: „Die Zukunft ist bereits hier – sie ist nur noch nicht gleichmäßig verteilt.“ Die Nachfrage nach Hilfs-Robotern boomt, und sowohl die akademische als auch die industrielle Welt und das Militär machen Überstunden, um den Bedarf zu decken, während eine völlig neue Industrie an Fahrt gewinnt. Die Nachfrage wird durch die Existenz dieser langweiligen, schmutzigen und gefährlichen Jobs angekurbelt, die trotzdem gemacht werden müssen. Also durch dieser schlecht bezahlten Jobs, die als unter der Würde eines Menschen angesehen werden, zumindest in der entwickelten Welt. Was gäbe es also besseres als einen lebensechten Roboter, um uns von dieser Schufterei zu befreien?

Gute Gesellschaft

Natürlich müssen Roboter auch eine angenehme Gesellschaft sein, wenn wir sie in unser Leben lassen, unser Zuhause und unseren Arbeitsplatz mit ihnen teilen und sie Dinge für uns tun lassen sollen. Diese Anforderungen gelten für alle Roboter, nicht nur diejenigen, die laufen und sprechen, sondern auch für künstliche Intelligenz, die in größere Systeme oder das Internet integriert sind. Benutzerfreundlichkeit wird durch natürliche Sprache und affektives Berechnen erreicht, die es der KI erlaubt, Sie „kennenzulernen“, indem sie den Zyklus Ihres emotionales Zustands durch eine Ableitung Ihrer Stimmlage oder Körpersprache im Laufe der Zeit erkennt. Die Großen in der Technikwelt, wie etwa Google, Microsoft, Apple und Facebook, stecken großen Aufwand in Softwares, die Sprache verstehen können und als sogenannte Chatbots bekannt sind. Sie werden als die nächste große Sache angesehen. Der Vorstandsvorsitzende von Microsoft, Satya Nadella, sagte auf der Build-Konferenz in San Francisco im März, dass Chatbots, oder „Konversation als eine Plattform“, die nächste große Sache im Programmieren wäre, genauso wichtig wie der Wechsel zu graphischen Benutzeroberflächen, dem Webbrowser und Touchscreens. Das ist ein hoher Anspruch, nachdem viele sagen würden, dass dies wichtige Entwicklungsschritte der Interaktion zwischen Mensch und Computer sind. Chatbots bergen das Potenzial in sich, Computerressourcen für nicht-technische Benutzer leicht erreichbar zu machen. Man kann einen Chatbot nutzen, um einen Termin auszumachen, das Auto zur Inspektion anzumelden, Blumen für den ganz besonderen Jemand zu kaufen, einen Urlaub zu buchen, eine Wohnung zu finden oder besondere Interessen auszuleben. All dies wird möglich werden, wenn man einfach einen natürlich sprechenden digitalen Assistenten danach fragen kann, dies zu erledigen. Unter dem Deckmantel von Microsofts Cortana, Facebooks M, Apples Siri, Amazons Alexa und all denen, die noch kommen, werden sich diese kleinen Chatbots einschmeicheln und die Kontaktstelle zwischen Ihnen und den vielen Arbeiterrobotern sein. Sie werden wie eine Kombination aus Vorstandsassistent und Concierge sein, ein enger Vertrauter, der Ihre Bedürfnisse vorhersieht und die Aktivitäten der Vertreter auf einer niedrigeren Ebene reibungslos koordiniert, während diese ihrer Arbeit in der Cloud nachgehen.

Die Poeten von Silicon Valley

Schriftsteller finden heutzutage einträgliche Beschäftigungen in der Welt der Spitzentechnologie, wie neulich in der Washington Post berichtet wurde. Autoren, die einst Drehbücher und Gedichte geschrieben haben nutzen ihr Talent nun, um liebenswerte Charaktere für Chatbots zu erschaffen und ihnen coole Dinge einzupflanzen, die sie sagen können. Die neue Rasse intelligenter digitaler Assistenten sieht gut aus, klingt gut und werden unterstütz durch die neuste KI. Da der Trend hin zur Integration von Geräten in verschiedenen informationstechnologischen Umgebungen geht und den Menschen somit Zugang zu ihren Cloud-verbundenen Anwendungen und Daten über Plattformen hinweg gibt, ist es angemessen, zu erwarten, dass Ihr digitaler Assistent mit Ihnen geht, wenn Sie von einem Gerät zum nächsten wechseln oder von einem Ort zum anderen gehen. Wenn Sie beispielsweise Ihr Zuhause verlassen und in Ihr selbst fahrendes Auto steigen, das seine Batterien mit der Energie der Solarzellen auf Ihrem Dach selbständig geladen hat, wird derselbe digitale Assistent, mit dem Sie in Ihrem Heimarbeitsplatz interagiert haben, zur Stimme in Ihrem Auto werden, der Sie nun die Richtung ansagen. An einem bestimmten Wochentag wird das Auto Sie, wohlwissend, dass Sie zu dieser Zeit an diesem Tag normalerweise zur Arbeit fahren, in einem angemessen gesprächigen Tonfall fragen, ob dies Ihr Ziel ist, so wie es jeder gute Chauffeur tun würde. In der Folgewoche werden Sie ins Auto springen und es bitten Sie zur Arbeit zu bringen, aber der digitale Assistent wird sie an Ihren Arzttermin in Ihrem Kalender erinnern und sollten Sie nicht stattdessen dorthin fahren? Auf dem Weg zu dem Termin werden Sie einige Emails, die der Assistent verfasst hat, überprüfen und versenden. Sie haben außerdem die Zeit, die Inhalte eines Antrags zu diktieren, mit Hilfe Ihres wissenschaftlichen Mitarbeiters/Fahrers. Die Vorstellung eines intelligenten, natürlich sprechenden Assistenten wird trotzdem wahrscheinlich die vier Stadien der Ideenakzeptanz durchlaufen, wie sie durch den Britischen Genetiker John Burdon Sanderson Haldane beschrieben wurden:

  1. Das ist wertloser Unsinn
  2. Das ist eine interessante, aber abwegige Sichtweise
  3. Das ist wahr, aber ziemlich unwichtig
  4. Ich hab’s doch immer gesagt!

In etwa fünf, vielleicht auch erst in zehn Jahren, wenn wir unsere Skepsis überwunden haben und auf unsere digitalen Assistenten angewiesen sind, werden wir uns wundern, wie wir überhaupt jemals ohne sie zurecht gekommen sind. Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Banksy NYC, Coney Island, Robot“ by Scott Lynch (CC BY-SA 2.0)


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Datenbeziehungen: Wie kommunizieren wir in Zukunft?

Tomy Chatbot (adapted) (Image by ?? Michele M. F. [CC BY-SA 2.0] via flickr)

Dieser Beitrag ist Teil einer Artikelserie, die sich im Vorfeld der Konferenz MSFT Explained (am 27. September in Berlin) mit Fragen der Digitalisierung unserer Gesellschaft auseinandersetzt.


“Guten Morgen, Theodore. Du hast in fünf Minuten ein Meeting. Willst du vielleicht *versuchen* aufzustehen?” “Du bist echt lustig.” “OK. Gut, ich bin lustig.”

Bei diesem Gespräch handelt es sich nicht etwa um den vertrauten Austausch zwischen zwei Verliebten im Halbschlaf, sondern um eine Konversation zwischen Mensch und Maschine. Im Film “Her” verliebt sich der introvertierte Theodore Twombly in seine virtuelle Assistentin Samantha. Alles nur Science Fiction – oder demnächst Wirklichkeit? Wie weit sind wir noch von den Samanthas, den HALs und den Jarvis‘ entfernt, die uns täglich unterstützen und unser Leben organisieren? Viele Entwickler, Startups und Investoren sind der Meinung, dass sogenannte Chatbots der nächste Schritt in diese Richtung sind. Die grundlegende Idee hinter Chatbots ist dabei simpel. Es handelt sich um Programme, die nicht auf visuelle Oberflächen angewiesen sind, sondern direkt mit den Menschen auf einer gemeinsamen Ebene kommunizieren können: Die Sprache.

Der Messenger als User Interface

Einer dieser Vordenker ist Chris Messina, Erfinder des Hashtags und Developer Experience Lead bei Uber. Anfang 2015 prägte er den Begriff des Conversational Commerce. Für ihn ist klar: Bald wird sich ein Großteil der Interaktionen zwischen Kunden, Marken und Geschäften in Chat-Umgebungen auf mobilen Endgeräten abspielen. Messina argumentiert, dass das Medium Chat mehrere Vorteile gegenüber klassischen Apps besitzt. So müssten Nutzer beispielsweise keine Apps mehr installieren, sondern nur noch mit dem Messenger ihrer Wahl einen Chatbot anschreiben. Eine Pizza-Bestellung mit einem Chatbot würde also — im Gegensatz zur klassischen App — nicht über mehrere Untermenüs ablaufen, sondern zu einem Frage-Antwort-Spiel werden:

Nutzer: Ich hätte gerne eine Salami Pizza Bot: Gern! Welchen Käse? Nutzer: Gouda :D Bot: Die gleiche Adresse wie letzte Woche? Nutzer: Jupp! Bot: Die Pizza wird in 20 Minuten geliefert.

Wenn man sich die aktuellen Nutzerzahlen anschaut, ergibt das auch Sinn. Beim Global Social Media Ranking stehen vier Messenger in der Top Five. Und während die Anzahl der Downloads anderer Apps stark zurückgeht, kommunizieren vor allem junge Leute fast ausschließlich über Nachrichten innerhalb ihres bevorzugten Chatdienstes. In China hat sich dieser Wandel hin zum Messenger als Plattform für andere Dienste innerhalb weniger Jahre vollzogen. Hier heißt der Platzhirsch WeChat, das für viele westliche Konkurrenten als Vorbild dient. Der Dienst ist in China zu einer Art Meta-App geworden, die tausende von anderen Apps in sich vereint. So können WeChat-Nutzer in der App nicht nur Nachrichten schreiben und empfangen, sondern auch Taxis bestellen, Nachrichten lesen, Tische reservieren, Arzttermine vereinbaren, Shoppen, Geld überweisen und Stars folgen. Kein Wunder also, dass immer mehr chinesische Nutzer die App kaum noch verlassen. Westliche Messaging-Apps wie Kik, Telegram aber auch der Teamchat Slack sind dem Vorbild gefolgt und haben damit begonnen, ihre Tore für Chatbots zu öffnen. Und spätestens seit der Öffnung des Facebook-Messengers für Entwickler im April 2016 ist das Thema in aller Munde.

Chatbots als virtuelle Assistenten

Über das Teamchattool Slack haben Bots bereits die Arbeitswelt erreicht. Die kleinen Programme leben hier direkt im Chatraum, können aber auch privat als “Person” angeschrieben werden und erfüllen die unterschiedlichsten Aufgaben. Howdy koordiniert beispielsweise Team-Meetings und Sammelbestellungen, Birdly wiederum sammelt die Spesenabrechnungen des Teams in einer Excel-Tabelle und kann sogar abfotografierte Rechnungen automatisch einlesen. Und Blossom gibt der New York Times-Redaktion Tipps, welche Inhalte demnächst auf Facebook geteilt werden sollten. All diese Bots sind zwar durchaus mächtige Programme, sind aber von künstlichen Intelligenzen wie Samantha noch weit entfernt. Sie verstehen meist nur bestimmte Befehle und können, wenn überhaupt, nur kurze Gespräche mit ihren Nutzern führen. Deutlich näher an der Idee einer Samantha wiederum dürfte “Amy Ingram” sein, die Entwicklung des Start-Ups x.ai. Amy soll eine Art virtuelle Sekretärin sein und die lästige Aufgabe der Terminkoordination vollkommen selbstständig übernehmen können. Die Idee ist dabei einfach: Man setzt Amy einfach in den CC-Kontakt der letzten E-Mail und die Software spricht sich mit den Menschen am anderen Ende ab, geht auf deren Wünsche ein und trägt Termine entsprechend der eigenen Verfügbarkeit und Präferenzen in den Kalender ein. Amy ist dabei so gut, dass viele Nutzer oft gar nicht bemerken, dass sie mit einem Computerprogramm kommunizieren. Auch die großen Tech-Firmen arbeiten bereits an ihren eigenen virtuellen Assistenten. So können Apples Siri, Microsofts Cortana, Amazons Alexa und Googles Google Now durchaus auch als Bots klassifiziert werden, die man jedoch nicht über geschriebene, sondern gesprochene Sprache aktiviert. Dabei bleiben die ausgeführten Befehle aller dieser Assistenten noch eher simpel – und auch wenn Siri in ihrer nächsten Iteration endlich nicht mehr nur auf Apples eigenen Dienste zugreifen kann, bleibt sie noch weit entfernt von Samantha.

Die Stärken von Chatbots: Kontext und Personalisierung

Besonders spannend wird es, wenn Dienste wie Amy Ingram unsere vorhergehenden Entscheidungen nutzen können, um zu lernen, wie wir ticken. Ein starker Faktor ist hierbei der Kontext: Unterwegs wird das Smartphone genutzt, während der Arbeit der Laptop und auf der Couch das Tablet. Dabei wird es für Services immer wichtiger, auch plattformübergreifend zu verstehen, wann wir welche Dinge benötigen. Wenn der Pizza-Bot aus obigem Beispiel weiß, welche Zutaten ich gerne hätte und wohin ich am liebsten bestelle, egal von welchem Gerät ich mit ihm kommuniziere, werden die Vorteile solcher lernender Concierge-Services klar: Ich muss mich nicht überall neu anmelden und meine Accounts und Präferenzen verwalten, sondern der Bot lernt direkt aus dem Messenger heraus, was ich will. Je mehr Kontext der Service schon hat, desto einfacher werden folgende Interaktionen für Nutzer. Die besondere 1-zu-1 Beziehung zwischen Chatbot und Mensch ist dabei der klare Vorteil dieser Interfaces: Das vertraute Messaging-Umfeld wird genutzt, um durch fortlaufende Gespräche eine persönliche Beziehung aufzubauen und so den Service immer weiter zu personalisieren. Die Geschwindigkeit und Richtung der Konversation wird von den einzelnen Nutzern bestimmt, nicht von der Dienstleistung. Wenn diese Charakteristiken weiter ausgebaut werden, nähern wir uns Szenarien wie Samantha an: Vollständige Personalisierung auf Bedürfnisse der individuellen Nutzer.

Wo führt die Reise hin?

Gerade mit der kommenden Automatisierung und Vernetzung des Internet-of-Things (IoT) wird klar, welche Bedeutung Sprachassistenten für die Zukunft haben könnten. Es macht deutlich mehr Sinn, Sprachbefehle zu geben, als für jedes neue Haushaltsgerät ein eigenes Interface zu entwickeln und zu erlernen. Letztendlich ist ein in den Raum gesprochenes “Siri, fahr doch bitte schon einmal den Tesla vor” auch deutlich cooler, als das Smartphone aus der Hose zu kramen, die App zu suchen, zu warten bis sie geladen ist und sich dann durch die Menüs zu wühlen, bis man den richtigen Button gefunden hat. Die Grundlagen werden hierfür bereits gelegt. Siri ist beispielsweise schon heute in der Lage, Geräte über Apples Homekit-Plattform zu steuern und Alexas Lautsprecher kann schon heute mit ein wenig Entwickler-Geschick zu einem Steuerungsterminal für das eigene Haus umfunktioniert werden. So beeindruckend diese Zukunft jedoch auch klingt, könnte sie auch eine Reihe von Risiken mit sich bringen. Eine virtuelle Assistentin im Haus müsste beispielsweise den ganzen Tag per Mikrofon Gesprächen lauschen, sollte sie gebraucht werden. Auch könnte sie als Hauptschnittstelle mit allen technischen Geräten im Haus zu einem großen Sicherheitsrisiko führen und Ziel Nummer eins für Hacker und Schadsoftware werden. Es ist das eine, wenn ein Virus den eigenen Laptop lahm legt, etwas vollkommen anderes jedoch, wenn das Haus auf einmal nicht mehr so funktioniert, wie es sollte.

Alles nur ein Hype?

Von dieser Zukunft sind wir aber noch ein gutes Stück entfernt. Denn obwohl viele Bots wie Siri, Alexa oder Cortana einfache Sprachbefehle verstehen, scheitern sie oft an komplexeren Fragestellungen. Und bis eines dieser Programme in der Lage sein wird, einen echten Dialog mit uns zu führen, werden wohl noch einige Jahre vergehen. So ist die menschliche Sprache, geschriebene wie auch gesprochen, um ein Vielfaches komplexer als ein visuelles Interface, das nur klar strukturierte Befehle und Funktionen zulässt. Die Sprache ist außerdem voll von Metaphern, Redewendungen und Inhalten, deren Bedeutung im Kontext mit anderen Informationen zugänglich ist. Dazu kommen Dialekte und Akzente, die bereits den ein oder anderen sprachgesteuerten Dienst vor Herausforderungen gestellt haben. Bisherige Chatbots gleichen diesen Nachteil oft durch eine Kombination aus natürlichem Dialog und Buttons aus, wie beispielsweise im Facebook Messenger – eine Übergangslösung, um Nutzern klare Befehle entlocken zu können.

Auch wenn die heutigen Bots oft noch umständlich sind und als unsexy empfunden werden, sind sie dennoch ein Vorgeschmack auf das, was uns in den nächsten Jahren erwartet. Natürlich werden Bots und virtuelle Assistenten nicht klassische Apps und visuelle Nutzeroberflächen verdrängen können, aber sie werden in der Lage sein, mit uns auf Augenhöhe zu kommunizieren. Und auch wenn der virtuelle Sekretär dann immer noch keinen Kaffee kochen kann, kann es vielleicht die IoT-Kaffeemaschine, die mit ihm verbunden ist. Nur verlieben sollte man sich trotzdem immer noch nicht.


Image (adapted) „Tomy Chatbot“ by ?? Michele M. F. (CC BY-SA 2.0)


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Facebook Bots mit ein paar Bugs

Man (Image by geralt [CC0 Public Domin], via Pixabay)

Wissen Sie noch, wie es war, als Bots voll angesagt waren? Vor laaaaaanger Zeit (genauer: im April) kündigte Facebook an, dass man beginnen würde, Bots in seiner Messenger Chat-App zu unterstützen, und CNN, das Wall Street Journal und andere Verleger – ebenso wie zahlreiche Einzelhändler und andere Marken – starteten Bots auf der Plattform.

Obwohl CNN sagte, dass die User im Schnitt zwei Minuten mit ihrem Bot verbringen, scheint es, dass die Reaktion auf die Bots verhalten ausfiel, da sich Nutzer über Fehlfunktionen, lange Reaktionszeiten und übermäßig viele Benachrichtigungen beschwerten.

Als aus dem Frühling schließlich Sommer wurde, schien sich die Aufmerksamkeit der Verleger in Richtung Facebook Live und anderer, schickerer Plattformen zu verlagern. Und doch hat das das Unternehmen nicht davon abgehalten, ihre Arbeit an Messenger-Bots fortzuführen. Facebook sagt, dass es aktuell mehr als 11.000 davon im Messenger gibt. Vor wenigen Tagen hat die Washington Post ihren eigenen Bot veröffentlicht. Die Zeitung sagt weiter, dass sie Pläne hat, den Bot auf andere Plattformen auszuweiten, darunter SMS, Slack und Alexa, der Assistent von Amazon. Die Washington Post plant, schließlich auf “jeder Bot-fähigen Plattform” vertreten zu sein, sagte Joey Marburger, der Produktleiter der Washington Post. Das Ziel ist, die Bot-Erfahrung auf allen Plattformen ähnlich zu gestalten.

Während andere Medienoutlets darauf drängten, von Beginn an Bots in den Messenger zu bringen, hat sich die Washington Post dazu entschieden, sich zurückzuhalten und zu untersuchen, wie die User auf die Bots reagieren, die Verleger und Nicht-Verleger herausbringen. Eine Erkenntnis: User und Washington Post-Redakteure mögen die zugespammten und nicht-responsiven Benachrichtigungen nicht, die die meisten Bots bieten. Als Konsequenz daraus entschied die Zeitung, die erste Version des Bots vollständig responsiv zu gestalten, was bedeutet, dass der Bot Ihnen nichts schickt, solange Sie nicht darum bitten.


“Wir haben darüber eine Weile nachgedacht”, sagte Marburger. “Wir wissen, dass wir sie bauen können — wir wissen, dass wir die Feeds und die APIs haben, sie zu betreiben. Aber wie soll die tatsächliche Erfahrung aussehen? Wie sieht ein Ansatz aus, den wir auch im Nachhinein nochnutzen können, um zu lernen, wie Leser mit dem Bot in einer Chat-Umgebung interagieren?”

“Bots sind nicht neu, aber sie zu nutzen, um Nachrichten und Informationen zu bekommen und Dinge zu kaufen, das ist offensichtlich neu,” fuhr er fort. “Sie müssen das Erlebnis hinbekommen. Lasst uns das nicht von vornherein vermasseln und sie mit Schlagzeilen vollspammen. Lasst uns all diese Unterhaltungserfahrungen als einen ersten Zwischenstopp betrachten. Lasst uns mit der Zeit wachsen.”

WaPoMessenger
Die Nutzer können den Post-Bot nach den beliebtesten Artikeln oder nach der Berichterstattung zu bestimmten Themen fragen. Wenn die Nutzer ihre Postleitzahl eingeben, wird ihnen der Bot auch auf ihren Ort zugeschnittene Ergebnisse von landesweiten oder lokalen Wahlen senden. In wenigen Wochen wird der Bot die Berichterstattung der Post von den olympischen Sommerspielen beinhalten.

Die Washington Post plant, irgendwann auch Benachrichtigungen hinzuzufügen. Dies geschieht jedoch nur, wenn die Nutzer sie anfordern, sagte Marburger. So könnten Nutzer beispielsweise den Bot bitten, ihnen jeden Morgen zu der Zeit, zu der sie aufwachen, die Top-Nachrichten zu schicken. Sie plant auch, mehr Informationen wie etwa grundlegende Wetterdaten, Sportergebnisse und -statistiken und ein Nachrichtenquiz hinzuzufügen. (Die Washington Post hat im letzten Jahr mit einem Bot für ein Nachrichtenquiz auf Kik experimentiert.)

Und während sie weiterhin die Bots auf verschiedenen Plattformen ausbaut, will die Washington Post sicherstellen, dass die Erfahrung interaktiv ist und nicht auf “starren, roboterhaften Kommandos” basiert. Marburger sagte aber auch, dass der Bot reibungslos funktionieren muss, damit die User ihn tatsächlich interaktiv nutzen. Im Idealfall wird der Bot so einfach zu nutzen sein wie Google. Die Nutzer sollten nicht darüber nachdenken müssen, was die beste Art ist, Berichte oder Informationen anzufordern.

Die Washington Post wollte auch, dass der Bot interaktiv ist, weil er so auf Alexa-fähigen, also sprachgesteuerten Geräten wie dem Amazon Echo einfacher zu nutzen sein wird. (Wenig überraschend: Amazon-Gründer und -Geschäftsführer Jeff Bezos ist derjenige, dem die Washington Post gehört.)

“Wenn Sie die Leute dazu bringen, offenere Fragen zu stellen, fangen Sie an, sich in eine Unterhaltung hineinzutasten”, sagte er. “Sobald Sie das tun, reagieren die Leute vielleicht auf Dinge, sie stellen möglicherweise kompliziertere Fragen, und darauf wollen wir wirklich hinarbeiten, damit es sich nicht so anfühlt, als müssten Sie eine Unmenge an Befehlen auswendig lernen.” Die aktuelle Version des Post-Bots kann jedoch noch nicht auf diesem Level arbeiten.

WaPoMessenger2

So fragte ich den Bot beispielsweise nach Berichten über Pokémon Go — doch er spuckte mir nur Artikel über Evan Bayhs Antrag im Senat von Indiana aus und einen Kommentar einer Mutter, die wissen wollte, warum sie die Bildschirmzeit ihrer Kinder nicht begrenzt. Außerdem fand er einen Text aus dem April, der Aprilscherze auflistete, einen Bericht über eine Entführung in Washington, D.C. und eine Rezension der Fernsehshow X-Factor.

Marburger zeigte Verständnis für Problem und sagte, diese Schwierigkeiten mit der Sprachverarbeitung seien das Hauptproblem, das die Washington Post jetzt, da sie den Bot auf den Markt bringt, zu lösen versucht.

“Der offene Suchspeicher, den er aufbaut, ist im Moment der größte Bug,” sagt Marburger. “Diese zu bauen, das ist der schwere Teil – also die Verarbeitung natürlicher Sprache und in der Lage zu sein, identifizierbare Wörter herauszupicken, die dann auf die korrekten Ergebnisse eingehen. Im Moment erhalten wir ein paar willkürliche Ergebnisse, aber wir arbeiten gerade daran, das zu verbessern. Das war von vornherein ein ausbaubares Feature, auf das wir nicht vollständig gebaut haben. Wir können es aber verbessern, während die Leute anfangen, es zu benutzen, also wollten wir es herausbringen und sehen, was wir daraus lernen können.”

Während viele Medienoutlets ihre Bots von externen Unternehmen erstellen ließen, wurde der der Washington Post intern entwickelt. Marburger sagte, es habe zwei Ingenieure gegeben, die an separaten Bots gearbeitet haben. Einer hat sich um den Schlagzeilen-Bot gekümmert, der andere um den Wahlergebnisse-Bot. Beide kamen schlussendlich zusammen und konnten ihre Arbeit zu einem einzigen Bot kombinieren. Der Prozess dauerte etwa zwei Wochen, doch der Start wurde wegen Urlauben und dem Feiertag am 4. Juli verschoben.

Die Washington Post plant, den nächsten Bot für SMS zu starten. Der Release ist für diesen Herbst vorgesehen. Marburger sagte, ein SMS-Release dauere länger, weil “es viele rechtliche Aspekte gibt, die interessant sind und um die man sich bei Chat-Apps keine Sorgen machen muss.“ Nach den SMS steht Slack als nächstes auf dem Bot-Plan der Zeitung.

Marburger sagte, dass sich die Washington Post dazu entschieden hat, sich zunächst auf diese drei Plattformen zu konzentrieren, weil jede ihre eigenen Launen und Besonderheiten hat, deren Bewältigung nützlich sein wird, bevor man zu anderen Diensten übergeht. “Wir versuchen, einige klare Unterscheidungsmerkmale zu haben. Messenger unterscheidet sich sehr von SMS, was sich sehr von Slack unterscheidet“, sagte er. “Das sind drei unterschiedliche Erfahrungspunkte. Wir denken, wir können von all diesen drei Bereichen eine Menge lernen, bevor wir die Lücken dazwischen mit anderen Nachrichtenplattformen ausfüllen.”

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Nieman Journalism Lab“ unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „Man“ by geralt (CC0 Public Domain)


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Auf der Jagd nach Facebooks Fake-Armee

Keyboard (Image by geralt [CC0 Public Domain], via Pixabay)

Haben Sie sich jemals gefragt, warum so viele Leute bestimmte Facebook-Seiten liken, ganz egal, wie langweilig diese sind oder wie selten sie aktualisiert werden? Dabei könnte es sich wohl um Fälle von „Like-Farming“ handeln, dem Prozess der künstlichen Erhöhung der Zahl von Facebook-Likes einer Seite.

Forscher wie ich haben Computeralgorithmen entwickelt, die authentische Likes von künstlichen, kontrollierten Likes unterscheiden können. Aber wie sich herausstellte, können einige der raffinierteren Farmen Aufspürwerkzeugen ausweichen, einschließlich denen, die von Facebook selbst verwendet werden. Deshalb haben wir jetzt einen experimentellen Weg entwickelt, um nach Farm-Accounts zu suchen, einschließlich denen, die von echten Usern betrieben werden.

Facebook erlaubt den Nutzern ihrer Seiten, Produkte und Events zu bewerben, mit Kunden und Fans zu kommunizieren und sich selbst mittels zielgerichteter Werbung zu promoten. Angeblich haben mehr als 40 Millionen Kleinunternehmen aktive Facebook-Seiten, und fast 2 Millionen von ihnen nutzen Facebooks Werbeplattform, um, wenn möglich, ihre Zielgruppe zu erweitern und mit mehr Kunden in Verbindung zu treten.

Wenn jemand die Zahl der Likes seiner Seite schnell erhöhen will, so kann er diese auch von Farmern kaufen. Die Preise liegen hierfür ungefähr zwischen 10 US-Dollar (7 britische Pfund) und 100 US-Dollar (70 britische Pfund) pro hundert Likes, je nachdem, ob man eine bestimmte Region ansprechen möchte. Beispielsweise sind Likes von US-amerikanischen Accounts normalerweise teurer. Sie können sogar komplette vorgefertigte Seiten kaufen, die bereits eine hohe Anzahl von Likes und Followern haben, und diese dann anpassen, um Ihre eigene Organisation zu promoten. Auch wenn diese bezahlten Likes nicht von engagierten Kunden kommen mögen, können sie die Seite oder ihren Besitzer beliebter erscheinen lassen und somit die Anziehungskraft auf potenzielle Kunden oder Follower steigern.

Farmen können auf verschiedene Arten falsche Likes generieren, und die Methode, die sie dabei einsetzen, hat erheblichen Einfluss sowohl auf ihre Kosten als auch darauf, wie schwer es ist, sie zu aufzuspüren. Ein offensichtlicher Weg ist es, Fake-Accounts zu erstellen, wobei dies etwas umständlich ist, da Facebook Überprüfungsmechanismen nutzt, um das automatische Erstellen von Nutzerkonten durch Computer-„Bots“ zu verhindern. Zum Beispiel muss ein Code eingegeben werden, der auf dem Bildschirm angezeigt oder an ein Mobiltelefon gesendet wird. Eine andere Strategie ist die Übernahme von echten Accounts, deren Passwörter veröffentlicht oder mittels Spionagesoftware auf den Computern der Nutzer gestohlen wurden.

Aber es ist auch wichtig, anzumerken, dass es auch Netzwerke echter Nutzer gibt, die bereit sind, Seiten auf Anfrage oder im Austausch gegen andere Dienstleistungen oder kleine Zahlungen zu liken. Außerdem können Sie Nutzer dazu bringen, eine Seite zu liken, indem Sie ihnen Zugang zu Verlosungen, Rabatten oder exklusiven Inhalten versprechen.

Verschiedene Farmen nutzen auch verschiedene Strategien, um eine Entdeckung zu verhindern. Manche liefern Likes in Salven und verwenden Nutzerkonten, die nicht wirklich mit dem Rest des Netzwerkes verbunden und somit schwerer zu bemerken sind. Andere nutzen einen unauffälligeren Ansatz und imitieren das Verhalten regulärer Nutzer, indem sie tatsächliche beliebte Seiten und bezahlte Werbung liken. Jeder Account liked nur eine kleine Zahl an Seiten und verlässt sich auf viele andere Accounts, von denen jeder mit vielen verschiedenen Freunden verbunden ist und die schrittweise weitere Likes liefern.

Diese Strategie, bei der Fake-Accounts genutzt werden, um wirklich beliebte Seiten zu liken, kann zu peinlichen Situationen führen, wenn sie aufgedeckt wird. So wurde beispielsweise Hillary Clinton kritisiert, als ihr Facebook-Account plötzlich über Nacht tausende von Likes aus Thailand und Myanmar erhielt. Aber sie kann auch die legitimen Werbekampagnen echter Facebook-Nutzer schädigen, die für Klicks von echten Usern bezahlen, aber welche von Fakes erhalten.

Als Versuch, dem Farming entgegenzuwirken, hat Facebook in Kooperation mit Wissenschaftlern von Universitäten mehrere Werkzeuge entwickelt und veröffentlicht, um Spam und falsche Likes aufzuspüren. Eines von ihnen mit dem Namen CopyCatch entdeckt Gruppen von Betrügern, die zusammenarbeiten und meist dieselben Seiten zu ungefähr derselben Zeit liken. Eine andere Methode, die SynchroTrap genannt wird, macht sich die Tatsache zunutze, dass bösartige Accounts im Normalfall ähnliche Aktionen immer um dieselbe Zeit herum durchführen. Dadurch kann der Algorithmus diese Fakes aufspüren, wenn er eine Ansammlung von ihnen entdeckt, die über einen längeren Zeitraum hinweg zusammen agieren.

Das Problem ist, dass diese Methoden nur geringe Chancen haben, die geschickteren (und teureren) Farmen zu finden, welche die Accounts echter Menschen Fakes oder gehackten Profilen vorziehen. Das liegt daran, dass sie sich auf die Aktivitätsmuster von Seiten und Usern konzentrieren und dadurch wichtige Charakteristiken dieser „echten“, von den Farmen genutzten Accounts übersehen. Diese Profile werden oft hauptsächlich als Werkzeuge zum Geldverdienen erstellt. Damit unterscheidet sich ihre Aktivität von der eines typischen Accounts in einem sozialen Netzwerk.

Nicht ganz so „echte“ Nutzer

In unserer aktuellen Studie haben meine Kollegen und ich uns das Ziel gesetzt, diese Unterschiede anzugehen, indem wir uns anschauten, wie und was User auf Facebook posten, um so die Genauigkeit von Aufspürmechanismen zu verbessern. Wir fanden heraus, dass Posts, die von diesen „echten“ Farm-Accounts gemacht wurden, aus weniger Wörtern bestanden, ein eingeschränkteres Vokabular nutzten und eine geringere Lesbarkeit aufwiesen, als die Posts normaler Nutzer. Ihre Posts waren auch stark auf einige bestimmte Themen fokussiert und generierten deutlich mehr Kommentare und Likes. Außerdem bestand ein Großteil ihrer Aktivität einfach nur aus dem Teilen von Inhalten wie Artikeln, Videos und Posts, die von anderen Usern gemacht wurden.

Daraufhin brachten wir maschinell lernenden Algorithmen bei, diese Muster zu nutzen, um eine Reihe von Accounts zu analysieren, von denen wir wussten, dass sie von Farmen bereitgestellte Likes beinhalteten. Wir stellten fest, dass die Algorithmen mit einer annähernd perfekten Erfolgsquote die Farm-Accounts aufspürten, einschließlich der unauffälligeren „echten“ Konten.

Es muss sich erst noch zeigen, ob dieselben Techniken angewendet werden können, um Like-Farmen über Facebooks 1,2 Milliarden Nutzer und viele Milliarden Posts hinweg akkurat aufzuspüren. Es könnte sich herausstellen, dass, während diese Techniken besser darin werden, Farm-Accounts aufzuspüren, ebendiese Accounts neue Wege finden, ihre Posting-Gewohnheiten zu ändern, um sogar noch besser darin zu werden, „unschuldige“ User zu imitieren – ein ökonomisches Katz-und-Maus-Spiel. Die Frage ist, wie viel sie das kosten wird und ob das Erstellen immer mehr realistischer Farm-Accounts sich lohnen wird.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „Keyboard“ by geralt [CC0 Public Domain]


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Von Roboter bis Chatbots: Was bringt die Zukunft der Arbeit 4.0?

Gimme Work ! (adapted) (Image by Arthur Caranta [CC BY-SA 2.0] via flickr)

Wir schreiben das Jahr 2020. Eine Frau macht ihren alljährlichen Gesundheitscheck beim Hausarzt. Doch als die Sprechstundenhilfe die Tür zum Behandlungsraum öffnet, findet sie hier keinen Arzt, sondern stattdessen lediglich verschiedene Instrumente und einen großen Monitor. Vom Bildschirm aus wünscht ihr Hausarzt ihr einen „guten Morgen“ und erklärt ihr, wie sie selbst ihren Puls messen, ihren Brustkorb abhören und ihre Reflexe testen kann. Zehn Minuten später ist die Untersuchung vorbei, die Daten werden per Internet an den Hausarzt weitergeleitet, die Ergebnisse bekommt die Patientin per E-Mail zugeschickt. Sieht so die Zukunft der Arbeit aus? Wenn man den aktuellen Prognosen glauben kann, durchaus! Die Digitalisierung unserer Gesellschaft hört schließlich nicht bei selbstfahrenden Autos, Chatbots und dem Internet der Dinge auf – natürlich wird auch unsere Arbeitswelt davon beeinflusst. Arbeit 4.0 nennen Experten diese rasant schnelle Digitalisierung. Die Bundesregierung erachtet diesen Prozess als so wichtig, dass sie dazu sogar ein Grünbuch herausgegeben hat.

Digitalisierung der Arbeit wird zum Standard

Die ersten Veränderungen sind in vielen Branchen schon deutlich spürbar: Internetversandhäuser verkaufen mehr Bücher als ein Buchgeschäft, eine Internet-Suchmaschine macht der Autobranche Konkurrenz und ein Online-Videokanal bringt mehr Stars hervor als jedes Plattenlabel. Natürlich ist nicht jede Branche gleich stark von der Digitalisierung der Arbeitswelt betroffen, doch eins ist klar: Internetfirmen dringen vermehrt in analoge Bereiche. Das beeinflusst nicht nur die Unternehmen, sondern auch Arbeiter querbeet. Während sich Automechaniker noch vor wenigen Jahren bei ihrer Arbeit die Ärmel hochkrempelten und unter die Motorhaube guckten, werden jetzt Autos mithilfe von Software repariert. Lehrer tauschen Tafel und Kreide gegen ein digitales Whiteboard aus und Steuerberater werden immer öfter durch digitale Programme ersetzt. Damit ist auch klar: Unsere Arbeit wird stärker an die digitale Entwicklung gekoppelt und IT-Kenntnisse werden in jedem Job immer wichtiger. Arbeitgeber setzen einfach voraus, dass ihre Mitarbeiter sich schnell an neue Technologien gewöhnen und damit umgehen können.

Halbwertszeit für Wissen wird immer kürzer

Die Herausforderung dabei ist nicht so sehr das Erlernen eines neuen Programms, sondern die Tatsache, dass die Halbwertszeit für Wissen immer kürzer wird. Je schneller neue Technologien erfunden und alte verbessert werden, desto schneller ist auch unser digitales Wissen überholt. Wir werden uns also daran gewöhnen müssen, uns in immer kürzeren Abständen in neue Technologien einarbeiten zu müssen. Mitunter bedeutet das auch, dass ein großer Teil dessen, was jemand in seiner Ausbildung lernt, in ein paar Jahren schon nicht mehr aktuell oder sogar völlig überholt ist. Das Wissen aus der Ausbildung mag damit schon bald nicht mehr so gefragt sein wie die Lernfähigkeit einer Person. Die Bereitschaft zu lebenslangem Lernen, eine hohe IT-Kompetenz sowie interdisziplinäres Denken und Handeln gehören daher schon jetzt zu den Schlüsselanforderungen in der Arbeitswelt. So mancher mag sich davon eingeschüchtert fühlen. Denn man muss damit nicht nur ständig mit dem technologischen Zeitgeist mithalten können, viele klassische analoge Jobs werden mit dem Wandel zur Arbeit 4.0 auch verloren gehen. Je nachdem, wen man fragt, sehen die Zahlen dazu sehr unterschiedlich aus. Doch klar ist: Viele Jobs wird es bald schon nicht mehr geben. Gleichzeitig bringt die Digitalisierung der Arbeit aber auch viele neue Berufe mit sich. Denn wenn alles von Maschinen gesteuert wird, muss es schließlich auch mehr Fachleute geben, die diese Maschinen entwickeln und bedienen können. Denken wir nur zurück an die Industrielle Revolution. Das Fließband hat sicher viele Jobs gekostet, doch auch neue Möglichkeiten eröffnet. Ähnliches könnte auch von der digitalen Revolution zu erwarten sein.

Was bedeutet Arbeit 4.0 für die älteren Generationen?

Doch nicht jeder kann so optimistisch in die Zukunft blicken. Gerade ältere Arbeitnehmer fühlen sich von den neuen Trends überrollt. Denn sie sind nicht wie die „Digital Natives“ mit dieser Technologie aufgewachsen und natürlich ist es im Alter auch nicht mehr so leicht, etwas Neues zu lernen. Doch selbst für die Generation 50+ kann der Prozess zur Arbeit 4.0 auch Vorteile haben, glaubt Laura Geiger vom Institut für angewandte Arbeitswissenschaft (hierzu mehr im Interview mit Laura Geiger): „Es ist schwer, zuverlässige Prognosen über die Zukunft der Arbeit zu treffen. Aber neben einer Zunahme der Belastung für ältere Arbeitnehmer ist natürlich auch eine psychische Entlastung durch die stärkere Automatisierung und Digitalisierung denkbar.“ Wenn also immer mehr Arbeitsprozesse digitalisiert werden, kann das nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine Erleichterung sein. Statt sich Details merken zu müssen, übernimmt das eine Software. Statt schwere körperliche Arbeit leisten zu müssen, können Maschinen eingesetzt werden. Angesichts der niedrigen Geburtsraten in Ländern wie Deutschland ist es durchaus denkbar, dass die Digitalisierung der Arbeit auch gerade dafür genutzt wird, um unsere alternde Gesellschaft zu entlasten. Die Silver Surfer wurden schließlich auch schon als lukrative Zielgruppe entdeckt. Wer sagt denn, dass sie nicht auch aktiv am Prozess der Digitalisierung der Arbeit beteiligt werden?

Spannende Zukunft der Arbeit 4.0

Wo genau uns die Zukunft der Arbeit 4.0. hinführt, ist nicht abzusehen. Doch wir werden uns sicherlich in Zukunft auf viele krasse Veränderungen in der Arbeitswelt gefasst machen müssen. Roboter könnten die Arbeit von Babysittern und Altenpflegern übernehmen, Ärzte könnten komplizierte Operationen mithilfe von technischen Assistenten durchführen, und Chatbots könnten das Schreiben von Artikeln für Journalisten übernehmen. Welche Neuerungen sich durchsetzen, ist nicht sicher. Doch eins ist klar: Auf uns wartet eine neue, spannende Arbeitswelt 4.0.


Image (adapted) „Gimme Work !“ by Arthur Caranta (CC BY-SA 2.0)


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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

Follow me
  • APPLE forbes: The World’s Most Valuable Brands 2016 Es ist wieder soweit. Das Forbes Magazin hat die wertvollsten Unternehmen der Welt aufgezählt. An der Spitze steht immer noch unangefochten der Konzern Apple. Trotz der sinkenden Umsatzzahlen im ersten Jahresquartal, was auf den „schwachen“ iPhone-Verkauf in China zurückzuführen ist, wird Apple ein Wert von 154,1 Milliarden Dollar angerechnet. Also fast doppelt so viel wie der zweite Platz, den Google belegt.
  • WLAN heise: Kommentar: Merkel bezwingt den Zombie namens Störerhaftung: „Endlich. Der faule Kompromiss, den uns die Große Koalition als WLAN-Gesetz verkaufen wollte, ist da, wo er hingehört: In der Tonne. Da musste Mutti erst ein Machtwort sprechen, bis auch die letzten Betonköpfe in der Union ihren Widerstand gegen freies WLAN aufgegeben haben. Offenbar war das störrische Beharren auf den deutschen Sonderweg selbst der Bundeskanzlerin langsam peinlich.“ So schnell ging es dann – die Störerhaftung ist Geschichte.
  • YOUTUBE mashable: YouTube wants you to share videos with friends in new chat feature: Youtube steht wohl kurz davor einen eigenen Messenger zu veröffentlichen. Der Konzern testet diesen mit ein paar Nutzern. Zu finden ist der neue Nachrichten-Service auf der Youtube App für Smartphones. Man will damit das Teilen von Videos verstärken und der Konkurrenz Snapchat und Facebook Einhalt gebieten.
  • MESSENGER-BOT gründerszene: Der Messenger-Bot zweier Kölner findet Jobs für Dich: Microsoft-Chef Satya Nadella verkündete vor kurzem „Bots sind die neuen Apps“. Das wollten zwei Kölner dann ganz genau unter die Lupe nehmen. Weil sie mit einem Jobportal in der Googlesuche keine CHnace gegen große Portale hatten, starteten sie ein Projekt, in dem ein Bot, Arbeitssuchenden in einem Chat Stellenangebote schickt. „Jobmehappy“ wurde für den Facebook-Messenger entwickelt. Nach kurzer Zeit hatte der Bot schon 400 Nutzer angelockt, die auf der Suche nach Arbeit waren.
  • GOOGLE digitaltrends: The Google Cardboard VR viewer is now available outside of the US: Das Google Cardboard gibt seinen Kunden die Möglichkeit in die Virtual Reality abzutauchen. Bisher allerdings nur in den Vereinigten Staaten. Das will Google nun ändern. In wenigen Ländern, außerhalbt der USA, ist es nun auch möglich die Headsets zu erwerben. Auch Deutschland gehört zu diesen Ländern. Hierzulande wird es um die 20 Euro kosten. Das ist etwas teuerer als in den USA. Dort kostet es 15 Dollar.

Image chalabala / 123RF Lizenzfreie Bilder


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Der Bot macht’s möglich: Personalisierte News per Benachrichtigung auf Slack

Nachrichten (adapted) (Image by hzv_westfalen_de [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Personalisierung ist eines der zentralen Features der Breaking News-App. Nutzer können über 90.000 Themen verfolgen und Push-Benachrichtigungen erhalten – von den Panama Papers über NBA-News bis hin zu anderen interessanten Themen. Der Service „Breaking-News“, der zu NBC gehört, bietet jetzt für Nutzer eine neue Möglichkeit an, Nachrichten zu verfolgen. Seit Mitte April 2015 können Nutzer, die die Integration der Breaking News-App für Slack installiert haben, einen Bot für topaktuelle Nachrichten beauftragen, um spezifischen Themen zu folgen. Breaking News hat die erste Integration für Slack im August 2015 gestartet, jedoch war es damit zunächst nur möglich, größere Nachrichtenthemen per Benachrichtigung zu verfolgen und erlaubte es den Nutzern nicht, diesen Service zu personalisieren. Das Integrations-Feature wurde auf ca. 1.700 Slacks erweitert, seit es eingeführt wurde. Viele davon sind Nachrichtenagenturen, bei dem das Personal einen Großteil ihres Tages auf Slack zubrachte. Die meisten „größeren Nachrichtenagenturen“ nutzen das Slack-Integrations-Feature, sagte Cory Bergman, der Manager von Breaking News, und fügte hinzu, dass Sicherheits- und Finanzfirmen ebenso unter den häufigen Nutzern sind. 

Die Unternehmen beginnen, dies als ihre Echtzeit-Kommunikations-Plattform zu nutzen, und so liegt es nahe für uns, daran beteiligt zu sein – besonders, wenn Firmen es so personalisieren können, dass es sich ihren Bedürfnissen anpasst.

Der Bot versteht Kommandos , die nach Themengebiet geordnet sind. Um also einem Thema zu folgen, gibt der Nutzer die Kommandos /breakingnews follow Donald Trump oder /breakingnews follow Hillary Clinton in die Slack-Kommandozeile ein. Der Service erkennt, dass der Nutzer diesen Kandidaten folgen möchte und hält ihn auf dem Laufenden – sogar, wenn es sich um Alltägliches handelt. Man kann Themen auch abwählen, so kann man beispielsweise die Updates für die Wahlen ausschalten, sobald ein Gewinner im November feststeht. Natürlich geht dies auch früher. Die Firma möchte dies letztendlich in eine zweigleisige Angelegenheit verwandeln, sagte Bergman. Er würde gerne sehen, wie Nachrichtenagenturen eventuell in der Lage wären, Slack zu nutzen, um Artikel zu Breaking News zurückzusenden, damit diese dann in Benachrichtigungen eingebunden werden können. Breaking News ist natürlich nicht der einzige Anbieter, der Nachrichten über Slack vermittelt. Die New York Times hat bereits einige Berichterstattungen über den Präsidentschaftswahlkampf auf Slack vorgenommen und lud seine Leser ein, ihre Fragen an die Redaktion über die Chatplattform zu senden. Digg veröffentlichte ebefalls einen Bot, der Nutzer nach Artikeln per Keywords, Domainnamen und mehr suchen lässt. Der Nachrichtendienst Storyful stellte letztes Jahr auch ein Slack-Produkt vor. Der Bot von Storyful zielte auch auf Nachrichtenagenturen ab – sehr ähnlich dem Angebot von Breaking News. Zu dieser Zeit sagte mir Brian Ries, der Redakteur für Echtzeitnachrichten von Mashable, bei denen neulich als Folge davon, dass sie sich aus der Berichterstattung zurückzogen, rund 30 Mitarbeiter entlassen wurden, dass sie Benachrichtigungen von der Associated Press, Reuters, Breaking und Storyful in einen extra eingerichteten Slack-Channel gepackt hätten. (Update: Nachdem dieser Artikel veröffentlicht wurde, erhielt ich eine Mail von einem Sprecher von Mashable, der mir mitteilte: „Wir entfernen uns nicht von der Berichterstattung, wie Sie sagen…Was wir tun, ist, dass wir uns von der Berichterstattung von Weltnachrichten und Politik als eigenständigem Channel zurückziehen. Es hat den Entdeckungsprozess komplett modernisiert und hat den Inhalt von Storyful viel näher an den Arbeitsfluss der Editoren gebracht“) Breaking News möchte sich auch in der Workflow der Nutzer integrieren, um die Produkte so besser nutzbar zu machen. Die Firma wird von einem eigenen CMS geführt, Velocity genannt, der auf einem API aufbaut. „Da wir komplett auf einem API aufgebaut sind, mit voll strukturierten Dateien, macht es das Aufsetzen von Bots sehr einfach“, sagte Bergman. Der Facebook Messenger ist die nächste Nachrichten-App, in die Breaking News mit einem Chat Bot vorstoßen möchte, aber Bergman sagte, dass er glaube, dieses Feature werde dort anders genutzt, weil der Messenger persönlicher sei und nicht arbeitsbezogen, da es sich um eine Smartphone-App handelt. Facebook gab bekannt, man wolle einen Chat Bot-API bei seiner F8 Entwicklerkonferenz vorstellen. Vor wenigen Wochen stellte Breaking News auch eine Integration für Microsoft Office 365 vor, und Bergman sagte, dass in den nächsten paar Wochen von der Firma geplant sei, eine Verteilung auf ziemlich beträchtliche Plattformen vorzunehmen, die keine Botform haben, sondern eher die Form eines Flusses. Bots bieten neue Möglichkeiten für Breaking News. Bergman sagte, dass er sich vorstellen könne, dass eines Tages Nutzer Benachrichtigungen von Breaking News über ihr Auto erhalten, wenn in ihrer Nähe etwas passiert oder einen persönlichen Assistenten beauftragen , wie bei Amazon Echo, das Nachrichten-Updates bereitstellt.

Wir können Ihnen nicht nur sagen, was bei einem ausgewählten Thema vor sich geht, sondern können auch die Brisanz als Einschätzung nutzen, wir können den Standort als Einschätzung nutzen, und wir können Ihre Interessen als Einschätzungen nutzen, basierend auf den Themen, denen Sie folgen. Das schafft eine große Menge an Nutzungsmöglichkeiten in der Welt der Bots. Das ist aufregend für uns.

Bergman sagte, dass Breaking News nach Wegen suche, Bots zu bauen, die über mehrere Plattformen hinweg anwendbar seien: „Das könnte sehr unhandlich werden, verschiedene Bots, auf verschiedene Arten für verschiedene Dinge zu programmieren.“ Die Welt der Nachrichten-Bots ist immer noch in der Entwicklung und Bergman sagte, dass er sie als „Langzeitanwendung von Wert“ für Breaking News sehe, um fähig zu sein „spezifische Informationsfragen zu beantworten und spezifische Informationen für Leute mit den entsprechenden Bedürfnissen zur Verfügung zu stellen“, und zwar auf eine Art und Weise, mit der es für sie einfacher ist, auf diese zuzugreifen. Er fügt hinzu: „Wir haben eine Menge Zeit auf Push-Benachrichtigungen verwendet… und Bots haben in manchen Anwendungsfällen die Fähigkeit, zu weniger Unannehmlichkeiten zu führen als Push-Benachrichtigungen. Sie müssen keine App herunterladen und die Push-Benachrichtigungen aktivieren. Sie können sich einfach unterhalten.“ Dieser Artikel erschien zuerst auf “Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Nachrichten“ by hzv_westfalen_de (CC0 Public Domain)

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Keynotes der F8 Konferenz von Facebook

Mark Zuckerberg on stage at Facebook's F8 Conference (adapted) (Image by Maurizio Pesce [CC BY 2.0] via flickr)

Facebooks jährliche Entwicklerkonferenz F8 ist auf der selben Ebene wie die Keynotes von Apple und Google, was wichtige Neuigkeiten für Redaktionen betrifft. Die Keynote-Präsentation von CEO Mark Zuckerberg Mitte April (hier das Video dazu) war ein Hinweis darauf, dass sich das Unternehmen in einer imperialen Phase befindet (Ich meine damit, dass seine Produkt-Roadmap geprägt von Drohnen, Satelliten und Lasern war). Immer größere Teile der Nachrichtenwelt werden in den Bann dieser kleinen blauen App auf unseren Smartphone gesogen. Demnach wird das, was auf der F8 passiert, immer relevanter für alle, die in die Nachrichtenproduktion involviert sind. Hier sind einige der Highlights.

  • Eine Bot-Plattform für den Facebook Messenger.

Wie bereits vorausgesagt wurde, kündigte Zuckerberg eine Entwicklerplattform an, die Unternehmen (einschließlich Nachrichtenunternehmen) Bots erstellen lässt, die mit Messenger-Nutzern interagieren. Einer der beiden Beispielbots, die er vorführte, war von CNN – eine Nachrichtenübersicht mit einem Karussell an Geschichten, mit denen man auf Wunsch interagieren kann („Geschichte lesen“, „Zusammenfassung holen“ und „Frag CNN“ sind die drei Optionen, die angezeigt werden – es ist unklar, wozu „Frag CNN“ führt). Zuckerberg merkte außerdem an, dass die App von den Aktionen der Nutzer lernen und ihre Inhaltszusammensetzung mit der Zeit personalisieren wird.

Ich habe beobachtet, dass ein paar Menschen auf Twitter posteten, dass es Ähnlichkeiten mit der iPhone-App Quartz hat – was wahr ist. Aber was Chatbots so anziehend macht, ist hauptsächlich die Tatsache, dass sie innerhalb einer existierenden Chatumgebung existieren, nach der wir bereits süchtig sind und nicht in einer separaten App, deren Nutzung vielleicht oder vielleicht auch nicht zur Gewohnheit werden kann (Quartz hat die Chat-Blasen nicht erfunden). Es ist der nächste Schritt auf dem langen Weg des Distributed Contents (deutsch etwa: geteilter Inhalt) zum Besseren oder zum Schlechteren. Falls ihr die Größenordnung dieser Gelegenheit (oder dieser Verlagerung) bezweifelt, hilft die Bekanntgabe von Zuckerberg: Facebook Messenger und WhatsApp verarbeiten jetzt 60 Milliarden Nachrichten am Tag – also dreimal mehr als die SMS zu ihrer Höchstzeit. Verlagshäuser, einschließlich Business Insider und The Wall Street Journal, begannen kurz nach der Bekanntgabe, ihre eigenen Bots anzukündigen.

  • Facebook Bookmarking wird größer.

Ich muss gestehen, mir war überhaupt nicht bewusst, dass es Facebook Bookmarking gibt. Allerdings benutzen Zuckerberg zufolge 250 Millionen Menschen jeden Monat den „Speichern“-Button auf Facebook. Auf der Konferenz wurde ein „auf Facebook speichern“-Button für das Web angekündigt. Kein guter Tag für Pocket oder Instapaper. Aus The Verge:

Wenn sich das sehr nach Pocket oder Instapaper anhört, dann liegt es wohl daran,  nun ja, dass es so ähnlich ist – nur, dass es in der beliebtesten App der Welt mit eingebaut ist. Es gibt jedoch bedeutende Unterschiede, anders als Pocket und Instapaper, entfernt Facebook die Formatierung der Artikel und die Werbung nicht. Aufgrund des hohen Anteils an Traffic, den viele Herausgeber Facebook zu verdanken haben, könnte das Unternehmen mehr Erfolg bei dem Versuch haben, Herausgeber dazu zu bewegen, einen „Auf Facebook speichern“-Button hinzuzufügen als Pocket, welches selbst einen ähnlichen Button anbietet.

Irgendwie ironisch, dass der König des Distributed Contents 2016, die Könige des Distributed Contents 2010 zerschlägt.

  • Ein neues Sharing-Werkzeug für Text.

App-Entwickler können ihren Apps nun ein Sharing-Werkzeug für Zitate beifügen; Amazon benutzt es für die nächste Kindle-App:

Nun muss man den Text nicht mehr auf dem Kindle kopieren und bei Facebook einfügen, sondern man kann ihn einfach auswählen und auf Facebook direkt teilen. Facebook wird den Text in einem neuen Blockzitatformat einfügen und eine vollständige Vorschau der originalen URL anzeigen.

Für Herausgeber mit einer Nachrichten-App wird es sich lohnen, über den Reiz von mehr Facebook-Traffic nachzudenken (im Gegenzug UX Clutter von Yet Another Sharing Option).

  • Mehr Möglichkeiten, um Videos auf Facebook Live zu streamen.

Anstatt nur vom Handy aus, kann man ab jetzt von anderen Geräten Live Videos übertragen, zum Beispiel von professionellen Kameras oder Drohnen:

— Niv Dror ? (@Nivo0o0) 12. April 2016

Es ist eine Programmierschnittstelle (API) – das bedeutet, dass die Kamerahersteller ihre Software dementsprechend updaten müssen, was aber einige Zeit dauern könnte. Aber die API soll auch Zugang zu mehr als nur eine bessere Kameraqualität gewähren – künftig werden wir alle möglichen Arten von Videobearbeitung, Mischwerkzeugen und Overlay-Werkzeugen sehen, die gebaut werden (Chris Cox von Facebook erwähnte, dass BuzzFeed an einer Live-Gameshow arbeitet, welche durch eine API möglich gemacht werden soll).

  • Künstliche Intelligenz (AI), die Nachrichten liest.

Es ist unklar, was das kurzfristig bedeutet, aber Zuckerberg sprach die Idee an – Facebook könnte eine künstliche Intelligenz entwickeln, die in der Lage sei den Inhalt von Nachrichtenartikeln zu lesen und besser zu verstehen. Somit werden dem Nutzer bessere Inhalte empfohlen, die auch von Wert für sie sind (obwohl Facebook uns schon viele Hinweise in Bezug auf jeden beliebigen Artikel gibt, um festzustellen, ob er in unseren News Feed passt oder nicht, handelt es sich noch hauptsächlich um soziale Signale und nicht um inhaltliche Signale).

— John Brandon (@jmbrandonbb) 12. April 2016

  • Instant Articles für alle.

Oh, ja – es wurde zwar nicht in den F8 Keynotes erwähnt, aber wie im Februar schon angekündigt, kann jetzt jeder Herausgeber auf Instant Articles von Facebook veröffentlichen. Meldet euch hier an. Dieser Artikel erschien zuerst auf “Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Mark Zuckerberg on stage at Facebook’s F8 Conference“ by Maurizio Pesce (CC BY 2.0)


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Bots: Warum wir bald mit Künstlicher Intelligenz chatten werden

Tomy Chatbot (adapted) (Image by ?? Michele M. F. [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

“Bist du Mann oder Frau?” “Wie alt bist du?” “Kannst du mir deine Position schicken?” Wer mal mit einem Bot plaudern will, der braucht sich dazu nur die Messaging-App Telegram installieren und mit dem @HotOrBot einen Chat anfangen. Sein Versprechen: Er sucht relevante Flirtpartner in der Umgebung, die den eigenen Vorstellungen entsprechen. Noch ist das natürlich eine ziemlich abgespeckte Version einer künstlichen Intelligenz, aber sie lässt den Nutzer zumindest erahnen, in welche Richtung sich die Angelegenheit entwickeln kann.

Telegram sieht sich als Vorreiter bei Bot-Technologie. Bereits im Sommer 2015 haben die Macher der App mit 100 Millionen monatlichen Nutzern eine Bot-Plattform gestartet, über die Entwickler ähnlich einem App-Store ihre Bots (die abgekürzte Version von “Robot”) anbieten können. So gibt es auch einen @ImageBot, der sich auf die Suche nach gewünschten Bildern (z.B. “happy dog”) machen kann, einen @PollBot, mit dessen Hilfe man Umfragen erstellen kann, oder gar einen @StoreBot, der andere Bots empfiehlt. Telegram erlaubt diesen Bots mittlerweile auch, in die Chats der Menschen hineinzufunken. Über die Befehle @gif, @vid, @pic, @bing, @wiki, @imdb und @bold kann man sie kleine Aufgaben verrichten lassen, während man weiter mit Freunden chattet.

Auch Facebook will Bots

Bots wie bei Telegram wird man bald auch in anderen Messaging-Apps sehen. Am 12. und 13. April hält Facebook seine F8-Entwicklerkonferenz ab und Gerüchten zufolge will man dort eine eigene Bot-Plattform für die Messenger-App vorstellen. Diese automatisierten Chat-Kontakte gibt es in den USA testweise bereits jetzt: Über den Messenger kann man etwa ein Uber-Taxi rufen oder bei Flügen der KLM einchecken. Künftig sollen Unternehmen und Software-Entwickler wie in einem App-Store eine ganze Reihe weiterer nützlicher Bot-Gehilfen anbieten können.

Auch Microsoft will im Bot-Geschäft mitmischen: Für seine VoIP/Chat-Software Skype werden ebenfalls Bots getestet, die über die “Skype Bot Platform” angeboten werden sollen. Wie schlecht das noch funktioniert, zeigt das Beispiel des Chatbots Tay. Eigentlich hätte Tay von Nutzern lernen sollen, wie junge Menschen sprechen. Doch die User fütterten ihn mit rassistischen Inhalten, die Tay wiederholte – nein, Künstliche Intelligenz ist das noch nicht.

Google ist gefordert

Für Facebook und Microsoft stellen ihre Kommunikations-Plattformen Messenger, Skype oder WhatsApp aber auf jeden Fall das Vehikel für ihre Künstlichen Intelligenzen dar. Microsofts “Cortana” und Facebooks “M” sollen die Dolmetscher zwischen Mensch und Maschine sein, also die KIs, die den User verstehen, seine Anfragen an Software und Datenbanken weitergeben und die Ergebnisse in einfach verstehbarer Form zurückliefern – und zwar im Chatfenster der Messaging-App.

Ob die Nutzer der Messaging-Apps auf diesen Zug aufspringen, bleibt erst einmal abzuwarten. Läuft die Sache groß an, dann ist vor allem Google gefordert. Denn wer in einer Messaging-App nach allem fragen kann und Antworten von Bots bekommt, muss (zumindest mobil) nicht mehr die Google-Suche anwerfen. Für Facebook und Microsoft wiederum sollen die Bots Geld abwerfen: Denn jedes Mal, wenn einer der Bots dem Nutzer etwas verkauft (z.B. eine Taxifahrt, eine Pizza-Lieferung oder eine Hotelbuchung), könnten sich die IT-Riesen am Umsatz beteiligen lassen.


Image (adapted) “Tomy Chatbot” by ?? Michele M. F. (CC BY-SA 2.0)


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Social Media Forensics Siegen

Social Media, Social Network (adapted) (Image by Joe The Goat Farmer [CC BY 2.0] via flickr)

Werden Social Media Trends durch Bots manipuliert? Das Social Media Forensics Team der Uni Siegen entlarvt Bot-Netze in den sozialen Medien. Journalisten, Politiker und Bürger beobachten die Trends in den sozialen Netzwerken, um herauszufinden, was die Menschen aktuell bewegt. Tatsächlich werden aber viele dieser Social-Media-Trends durch aggressive Bot-Netze und Trolle bewusst manipuliert. So entstehen zunehmend gesellschaftliche Debatten über Themen, die künstlich gepusht werden – ein Trend, den Forscher der Universität Siegen aufhalten wollen. In einem Forschungsprojekt über Social Media Forensics entwickeln sie Algorithmen, um die Bot-Netze zu entlarven.

Gesellschaftliche Debatten werden im Netz gemacht. Wenn plötzliche Themen wie #unsereLisa oder Köln in den Vordergrund rücken, dann liegt das daran, dass Politiker und Journalisten Social-Media-Trends folgen. Kein Journalist würde beispielsweise über Donald Trump berichten, wenn nicht fast jeder seiner Tweets trenden würde. Schließlich wollen Journalisten am Puls der Zeit bleiben und Politiker auf das eingehen, was ihre Wähler motiviert. Doch was, wenn all diese Social Media Trends gar nicht echt sind? Wenn das Gezwitscher auf Facebook und Twitter nur künstlich ist und lediglich über speziell programmierte Algorithmen künstlich geschaffen wird? Genau mit diesen Fragen beschäftigen sich Simon Hegelich und sein Team im Projekt “Social Media Forensics” an der Universität Siegen.

Social Media Forensics ist ein neuer Bereich der digitalen Forensik. Einfach erklärt ist ein digitaler Forensiker die Person in den CSI-Folgen, die relevante Computerdaten in einem Verbrechen analysiert. Digitale Forensiker überprüfen Alibis mit Hilfe von Log-In-Daten, sie spüren Urheberrechtsverletzungen auf oder gehen illegalen Aktivitäten von Personen oder Organisationen im Netz nach. Social Media Forensics oder auch Network Forensics wiederum sind auf das Sammeln von Traffic-Daten in Echtzeit spezialisiert. Wenn also ein verdächtiger Post im Internet auftaucht, sind Social-Media-Forensiker gefragt, die diese Posts sofort registrieren und zur Analyse speichern können. Simon Hegelich und sein Social-Media-Forensics-CSI-Team konzentrieren sich in ihrem Projekt an der Universität Siegen dabei vor allem auf verdächtige Bots und Trolle.

Gefährliche Bots überschwemmen das Internet

Trolle sind reale Nutzer im Internet, die bewusst andere User in Foren durch aggressive Posts provozieren wollen oder einfach jede Menge Spam-Links posten. Ein Bot ist eine Applikation, die repetitive Aufgaben im Internet übernimmt – also im Prinzip wie ein automatisierter Troll arbeiten kann. Sie werden dabei vor allem zur Kommunikation eingesetzt. Die meisten von uns sind wahrscheinlich schon mal einem Bot in einem Chatraum begegnet. Sie wirken zunächst wie ein ganz normaler Gesprächspartner, um sich dann etwa durch nervige Links als Bots zu entpuppen.

Der Ur-Chatbot geht dabei auf den MIT-Professor Joseph Weizenbaum zurück. Dieser erfand in den 1960er Jahren das Computerprogramm ELIZA, das sich mit echten Menschen unterhalten konnte. Mittlerweile sind diese Bots so fortgeschritten, dass sie bei jeder Unterhaltung dazulernen und so wie ein echter Gesprächspartner wirken. Bots arbeiten so raffiniert, dass sie nur sehr schwer und meist nur von Spezialisten als Roboter zu enttarnen sind. So werden sie zum Beispiel oft im Marketing verwendet, um bestimmte Links zu setzen und so künstlich hohe Klickzahlen zu generieren. Aber auch Privatpersonen nutzen Bots, erklärt Simon Hegelich gegenüber den Netzpiloten. Auf Twitter gab es zum Beispiel einen bekannten Wissenschaftler, der Bots nutzte, um User auf den Klimawandel aufmerksam zu machen: “Jedes Mal, wenn jemand in einem Post den Klimawandel leugnete, erhielt dieser Nutzer von diesem Wissenschaftler automatisch einen Link mit einer Studie zum Klimawandel.”

Twitter hat den Wissenschaftler mittlerweile gesperrt. Das sind die eher harmlosen Varianten von Bots. Gefährlich wird es, wenn diese Technologie von politischen Organisationen bewusst missbraucht wird, um Trends im Netz zu manipulieren. Wie viele Bots und Trolle es in den sozialen Netzwerken gibt, ist unklar. Doch Twitter hat beispielsweise gerade 125.000 Accounts gesperrt. “Da werden einige Bots darunter gewesen sein”, vermutet Hegelich. Diese Bots können mit ihrer Präsenz das Internet mit ihren falschen Posts geradezu überschwemmen.

Bots erzählen Witze und kommentieren Sportereignisse

Genau hier schreitet das Forschungsprojekt der Uni Siegen ein. Finanziert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung wurde das Projekt #SoMeFo am 1. August 2015 ins Leben gerufen. Programmierer arbeiten hier mit Sozial- und Politikwissenschaftlern zusammen, nicht nur um Bot-Netze zu entlarven, sondern auch um herauszufinden, welche Folgen diese manipulierten Social-Media-Trends eigentlich haben. “Es ist klar, dass niemand ein Faschist wird, nur weil bei ihnen im Facebook-Feed plötzlich rassistische Posts von Bots erscheinen”, stellt Hegelich klar. Seiner Meinung nach wollen die Bot-Netze weniger Menschen politisch bekehren, dafür aber politische Debatten steuern.

So haben er und sein Team beispielsweise ein ganzes Netz an Bots und Trollen entlarvt, das während der Ukraine-Krise täglich massiv Bot-Meldungen verbreitete. So könnten an einem Tag etwa 15.000 falsche Twitterprofile bis zu 60.000 gefakte Posts verbreiten. “Diese Bots posten aber nicht ständig politische Propaganda, sondern wirken wie ganz normale Profile. Sie posten zum Beispiel auch Witze oder Kommentare zum Sport in der Ukraine und eben nur ab und zu politische Kommentare – und sind so nur ganz schwer von anderen Nutzern als Roboter-Posts zu erkennen”, sagt Hegelich. Mit ihren Programmen konnten die Forscher aber gewisse Charakteristiken ausfindig machen, die ihnen ganz klar zeigten: Hier sind Bots am Werke. Dazu gehören beispielsweise Avatarbilder. Wer Tausende von falschen Profilen kreiert, braucht auch Profilbilder. Roboter wählen dabei die Bilder, auf die sie im Internet schnell und einfach Zugang haben, Comiczeichnungen zum Beispiel. Die Algorithmen der Wissenschaftler können dabei entschlüsseln, welche Avatarbilder zu einem normalen, also menschlichen, Profil gehören und welche höchstwahrscheinlich von Bots ausgewählt wurden.

Ein anderes Beispiel, das Hegelich und seinem Team aufgefallen ist, ist die Invasion von CSU-Seiten mit fremdenfeindlichen Kommentaren zur Flüchtlingskrise. Gerade dieses Thema scheint für politische Organisationen im rechten Milieu ein gefundenes Fressen zu sein. Bots eignen sich hervorragend, um eine Masse von künstlichen Meinungen ins Netz zu stellen. “Auch der selbsterklärte IS nutzt Bots und auch im mexikanischen Wahlkampf 2013 wurden massenweise Bots eingesetzt.” Genau hier liegt der Schlüssel zum Erfolg von politischen Botschaften, die durch Bots manipuliert werden: Die Masse. Da die wenigsten von uns erkennen, ob es sich bei den Kommentaren und Posts um echte Meinungen oder um Bots handelt, wirkt es so als ob eine große Anzahl von Menschen eine bestimmte Meinung vertrete.

Wer die Hashtag-Trends bestimmt, bestimmt den gesellschaftlichen Diskurs

Dies ist auch die größte Gefahr, die Simon Hegelich in Bot-Netzen sieht: “Bots können gesellschaftliche Debatten durch ihre schiere Masse bestimmen und in eine gewünschte Richtung lenken.” Wenn also der russische Außenminister den Twitter-Trend #unsereLisa aufgreift, um sich politisch zu äußern oder Politiker ihre Agenda ändern, weil sie glauben, die Mehrheit der Bevölkerung stehe dahinter, kann das brandgefährlich werden. So kann dann ganz schnell aus Politik für’s Volk Politik für Bots werden – gesteuert von Organisationen, die bewusst eine politische Agenda voranbringen wollen.

Das ist feingeschliffene Meinungsmache im digitalen Zeitalter. Denn wer die Hashtag-Trends bestimmt, bestimmt auch die gesellschaftliche Debatte. Die Manipulateure wissen, dass sowohl Politiker als auch Journalisten sich auf die Trendanalysen der sozialen Medien stützen, um herauszufinden, welche Themen die Menschen im Moment bewegen oder wie die Stimmung im Land aussieht. Wenn ein Journalist etwa beschreiben möchte, wie die Deutschen zu Flüchtlingen stehen, kann er eine Twitter Trendanalyse aufrufen und sehen, wie die Stimmungslage mehrheitlich aussieht. Nur, wenn diese Stimmungslage von vorneherein manipuliert ist, schreibt der Journalist über eine ausländerfeindliche Stimmung, die es möglicherweise so gar nicht gibt – und erzeugt diese damit vielleicht erst. “Deswegen finde ich es auch sehr riskant, wenn in Nachrichtensendungen Journalisten teilweise ganz ungeprüft Tweets verlesen oder einblenden, ohne zu wissen, ob dahinter eine wirkliche Meinung steckt”, sagt Hegelich. Journalisten müssten viel genauer prüfen, wer eigentlich hinter diesen Posts stecke.

Doch bisher fehlen vielen die Tools, um dies überhaupt nachprüfen zu können. Genau daran arbeitet das Social-Media-Forensics-Team in Siegen derzeit. “Ziel ist es, eine Art Spamfilter für Bots zu erstellen, den dann jeder Nutzer bei sich einstellen kann, genau wie bei Emails”, sagt Hegelich. Er hält nicht viel davon, wenn Facebook oder Twitter selbst die Bot-Tweets sperren. Denn erstens könne man nicht zu 100 Prozent sagen, ob ein Account wirklich zu einem Bot gehört. So können zum Beispiel auch ganz unschuldige Nutzer gesperrt werden. Zweitens sei es viel effektiver, wenn Nutzer selbst entscheiden, welche Meldungen sie sehen wollen und welche nicht. So sieht Hegelich für sich und sein Team noch sehr viel Arbeit vor sich: “Es reicht nicht, die Bot-Netze nur zu entlarven. Wir müssen auch untersuchen, welche Effekte diese massiven Bot-Attacken eigentlich haben. Bisher tappen wir da noch im Dunkeln.”


Image (adapted) “Social Media, Social Network” by Joe The Goat Farmer (CC BY 2.0)


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