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Guilty Pleasure: Wirtschaftswandel-Bücher schmökern!

Ich gehöre zur Generation der Digital-Unternehmer, die um die Jahrtausendwende angefangen haben ihre Firmen zu starten. Mein guilty pleasure ist es von jeher, dass ich Artikel, Dokumentationen und Bücher verschlinge, die den großen Wandel der Arbeitswelt zum Thema haben.

Vermutlich auch deshalb, weil ich ganz unbescheiden hoffe, dass wir als Pioniere der sogenannten New Economy viele Akzente gesetzt hatten, die heute schließlich die Transformationsprozesse großer Firmen mitbestimmen. Wir wollten uns Mitte der 90er Jahre in absolut allem absetzen von der Old Economy. Wir kamen angezogen wie coole Fahrradkuriere in unsere Büros und spazierten in genau demselben Outfit in die holzgetäfelten Notarräume zur Millionen-Unterschrift.

Nichts konnte uns lässig genug sein, alles musste unkonventionell und total unverstellt daherkommen. Hohen EU-Beamten wurden beim Bürobesuch Sitzbälle angeboten. Meetings fanden im Stehen statt, im Treppenhaus, im Cafe, auf der Parkwiese. Sehr schnell ging uns die Selbstinszenierung in Fleisch und Blut über. Die begeisterte Ungläubigkeit der Old-Economy erfüllte uns mit Genugtuung. – Ich bin ganz froh, dass diese naive Zeit vorbei ist ;)

Selbstvergewisserung für die eigene Arbeitsbiographie

Wie gesagt: Wenn mir heute ein Buch in die Hände kommt, wo vorne draufsteht „12 überraschende Lösungen für Menschen, Wirtschaft und Gesellschaft“, bin ich sofort neugierig. Als wollte ich insgeheim nachschauen, ob aus dem gefeierten Work- und Lifestyle unserer Anfangsjahre etwas Sinnvolles geblieben ist.

Stefanie Kuhnhen und Markus von der Lühe, zwei sympathische Media-Macher (sie ist Geschäftsführerin einer Hamburger Kreativagentur und er macht ein Digitalisierungsfestival in München) spielten mir ihren neuesten Meta-Trend-Reader in die Hände. Sie haben in großer Fleißarbeit „Das Ende der unvereinbaren Gegensätze“ nachgewiesen. Ich fand das Buch inhaltlich sehr anregend, als Publikation aber etwas schwerfällig und recht altmodisch ediert. Empfehlen will ich es mit ein paar O-Tönen der beiden Autoren zu ihrem Wurf:

Markus von der Lühe und Stefanie Kuhnhen; Fotografie von Engels Uli Schneider
Hallo Stefanie, hallo Markus! Vorab eine Frage zur Form eures Buches: Was genau habe hier gelesen? – Ihr hantiert mit vielen wissenschaftlichen Erklärmodellen, ihr führt akribische Quellennachweise. Liest sich streckenweise wie eine Doktorarbeit.

Gute Frage! Was wir geschrieben haben, ist ein Ratgeber mit zwölf Handlungsanweisungen. Wir haben bewusst eine Mischung aus Theorie und Praxis gewählt. Denn der Metatrend, den wir beschreiben, basiert auf harten Fakten, Sekundärstudien und bekannten Theorien. Und um in die konkrete Beweisführung zu gehen, haben wir diese bewusst mit lebendigen und persönlichen Stories aus unserer Lebenswelt kombiniert. So hoffen wir, die beiden Pole Lesespaß und Seriosität auf neue Art und Weise zusammen zu führen.

Eure Beobachtung ist, dass große Spannungsfelder sich derzeit auflösen (z.B. Arbeit – Privatleben, Mensch – Technologie). Eure Schlussfolgerung daraus ist, dass wir alle uns ganzheitlicher wahrnehmen und integrativer agieren müssen. Richtig verstanden?

Richtig verstanden. Wir glauben daran, dass die digitale Transformation nicht damit getan ist, sich einfach systematisch zu digitalisieren. Sie wird die Verflechtung von „allem mit allem“ nach sich ziehen. Das heißt, man muss auch sich selbst ganzheitlicher wahrnehmen, um der Ganzheitlichkeit überhaupt Raum geben zu können. Das Leben besteht aus Ying und Yang, aus Entspannung und Dynamik, aus Hartem und Weichem, aus Natur und Technologie. Es gilt, dem allen viel mehr, viel multioptionaler gerecht zu werden. Das geht nur über Wahrnehmung, Werte und sich immer wieder neu fragen, was jetzt Sache ist. Also, was im Moment das Wichtigste ist. Wir plädieren für eine multioptionale, integrierte Denkweise, die unserem Leben in der ganzheitlichen Welt gerechter wird.

Jetzt meine geltungssuchende Frage: Würdet ihr den Startups der Jahrtausendwende zuschreiben, dass sie die Auflösung vieler der von euch beschriebenen Gegensätze eingeleitet haben?

Wir glauben nicht, dass die Startup-Bewegung sie alleine eingeleitet hat. Startups sind vielmehr das Symptom einer komplexer werdenden Welt, bei denen die Veränderungen besonders stark und frühzeitig zum Ausdruck kommen. Das ist auch ein Phänomen der neuen Gesellschaftsordnung, die gerade entsteht: Ursache und Effekt stehen in keinem klaren Zusammenhang mehr. Wir glauben aber, dass Startups ein wichtiger Teilbereich dieser Bewegung sind, die sich durch unsere Gesellschaft wie ein roter Faden zieht.

So gerne ich eurem harmonischen Leitbild folgen würde, kann ich die Auflösung der Gegensätze auf der großen Weltbühne nicht sehen. Die Trumps und Putins und die ganze Weltmacht Chinas stehen mit genau dem gegenteiligen Verhalten in vollem Saft. Macht mir eher bange. Euch nicht?
Image by Springer Verlag

Im Gegenteil: Trump, Brexit, Erdogan, AfD, Putin und die Datenschutzdebatte sind für uns eher Symptome einer sich radikal verändernden Gesellschaft und somit Übergangsphänomene. Wir spüren alle, dass die Welt, so wie wir sie kennen, für immer der Vergangenheit angehören wird. Das ist es, was den Menschen Angst macht.

Für uns sind die aktuell negativen, nationalistischen, despotischen Symptome jedoch auch Hoffnungsboten für eine neue Zeit. Denn wir sehen sie als Zwischenschritt auf dem Weg in das neue Integrierte, mit dem wir die großen Probleme der Zeit dann auch lösen können. Ganz bestimmt ist das eine Betrachtungsweise in einem 50-Jahre-Zeitraum – so, wie es bei Metatrends der Fall ist. Wir wollen bestimmt nicht sagen, dass alles gut und harmonisch ist. Wir wollen uns alle aber dazu aufrufen, uns für diese integrierte Sicht.

Das Buch „Das Ende der unvereinbaren Gegensätze“ ist erschienen im Springer Verlag und z.B. per Amazon zu bestellen (Provisionslink)

 

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Sonnenenergie für Zuhause: Photovoltaik im Smart Home Trend

Deutschland will das Fossil-nukleare Energiezeitalter hinter sich lassen und strebt weiter Richtung nachhaltige Energiegewinnung. Dabei spielt die Stromerzeugung aus Sonnenenergie eine entscheidende Rolle. Aber genügen unsere Bemühungen in Sachen Photovoltaik im Jahr 2018 schon? Laut Fraunhofer Institut noch nicht ganz. Demnach erreicht Deutschland seine selbstgesteckten Ziele im Ausbau erneuerbarer Energien im Photovoltaik-Bereich nur zum Teil. Dennoch liefert Sonnenenergie hierzulande bereits 1,75 Gigawatt von den angestrebten 2,5 Gigawatt pro Jahr.

Photovoltaikmarkt auf Wachstumskurs

Forschungsinstitute und Hersteller arbeiten deshalb mit Hochdruck daran, den Wirkungsgrad von Solarzellen und Modulen weiter zu steigern und gleichzeitig Herstellungskosten zu senken. Jüngst hat etwa das Fraunhofer ISE seinen Weltrekord für multikristalline Siliziumzellen auf 22,3 Prozent verbessert und so kann Photovoltaik inzwischen mit sinkenden Kosten punkten und verzeichnet weltweit wieder starken Zuwachs. Vom Wachstum des Photovoltaikmarktes, immer besseren Solartechnologien und Speichermöglichkeiten, profitieren schließlich auch die Endverbraucher.

Private Solarstromerzeuger

So wundert es nicht, dass jedes Jahr tausende kleine Photovoltaik-Anlagen auf Wohnhäusern in Betrieb gehen. In Deutschland kommen laut Bundesverband Solarwirtschaft monatlich 5.000 neue Solaranlagen auf Hausdächern hinzu, so dass er hierzulande inzwischen schon rund eine Million private Solarstromerzeuger zählt. Solarstrom zu erzeugen und selbst zu nutzen ist momentan eine der kostengünstigsten Arten der Stromversorgung. Bei kleinen Photovoltaik-Anlagen betragen die Kosten pro Kilowattstunde etwa neun bis 13 Cent – beim Stromversorger zahlen Kunden rund das Doppelte für dieselbe Leistung. Und mit einer eigenen Solaranlage lässt sich immerhin ein Viertel des Haushalt-Bedarfs decken.

Wem die Anschaffungskosten für eine eigene Solaranlage dennoch zu hoch sind, kann sich inzwischen eine Solaranlage mieten. Seit einigen Jahren bieten viele Energieversorger auch Solaranlagen zum Mieten oder Pachten an. Die Höhe der Solaranlagen-Miete hängt genau wie beim Kauf, von der Größe der Anlage ab. Für Ein- und Zweifamilienhäuser müssen Endkunden mit 50 bis 100 Euro pro Monat rechnen. Nach einer bestimmten Laufzeit können die gepachteten Anlagen dann meist kostenlos übernommen werden. Ein großer Vorteil bei dieser Variante: während der Pachtzeit kümmert sich der Vermieter um Wartung und eventuelle Reparaturen. Den so erzeugten Solarstrom können die Kunden natürlich ebenfalls für sich selbst nutzen oder ihn ins Netz einspeisen. Bei unabhängigen Vergleichsportalen können sich Verbraucher über das passende Miet-Angebot für die eigene Solaranlage informieren.

Netzeinspeisung oder Eigenbedarf? Beides!

Dank sinkender Anschaffungspreise lohnt also die Investition in eine Photovoltaik-Anlage inzwischen mehr denn je. Doch wohin mit dem zu viel sauber erzeugten Solarstrom? Strom, den der Erzeuger nicht selbst nutzt, kann er ins Stromnetz speisen und erhält eine Vergütung. Doch diese Einspeisevergütung sinkt seit Jahren und vor allem der Eigenverbrauch des Solarstroms rückt in den Fokus.

Der Trend geht in Richtung Stromspeicher für Photovoltaik-Anlagen seit auch die Anschaffungspreise für Batteriespeicher fallen. Ein eigener Energiespeicher macht Hausbesitzer zeitweise unabhängig vom Stromnetz und der Anteil an selbstverbrauchtem Strom kann auf ganze 60 Prozent steigen.

Kein Wunder, dass laut Bundesverband Solarwirtschaft deutsche Haushalte und Unternehmen allein im vergangenen Jahr mehr als 30.000 neue Solarstromspeicher installiert haben. Damit hat sich das Marktvolumen in den letzten drei Jahren verdreifacht und Solarstrom-Speicher sind inzwischen ab 3.000 Euro zu haben. Darüber hinaus können Verbraucher auch für Solarstromspeicher eine entsprechende Förderung erhalten.

Sonnige Aussicht: Smart Home begünstigt Solaranlagen

Ein weiterer spannender Trend beim Eigenverbrauch entwickelt sich außerdem im Bereich Smart Home. Hier gibt es eine Reihe von Geräten, mit denen sich Stromfluss und Energieverbrauch optimieren lassen, so dass die Umweltbelastung sinkt und die Stromersparnis weiter steigt. Auch dezentrale Energiespeicher und Smart Grids sind im Smart Home eindeutig auf dem Vormarsch und begünstigen Besitzer einer Solaranlage.

Wenn Sie mit dem Gedanken spielen, sich eine Solaranlage zuzulegen, gilt es vorher die wichtigsten Voraussetzungen zu prüfen. Dazu gehören die benötigte Fläche zur Installation am Haus, der eigene Stromverbrauch, nach dem sich die Größe der Anlage richten sollte und gegebenenfalls die Finanzierung der Anlage. Nach der Montage müssen Betreiber die Photovoltaik-Anlage im Register der Bundesnetzagentur eintragen lassen, sobald sie ans Stromnetz geschlossen ist.

Über die Trends 2018 für Solarthermie-Anlagen, Photovoltaik-Anlagen, Batteriespeicher und zum Energiemanagement können sich Verbraucher zudem auf Messen wie der Intersolar Europe vom 20. bis 22. Juni 2018 in München informieren.

Dieser Artikel erschien in Zusammenarbeit mit der Beko Käuferportal GmbH.

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Von der Bullshit-Ökonomik zur narrativen Netzökonomie

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Birger P. Priddat, Professor für Wirtschaft und Philosophie, hat einen genialen Weg gefunden, das Lehrgebäude der Ökonomik in seinen Grundfesten zu zerlegen. Die Wirtschaftswissenschaftler betrachten ihre akademische Disziplin bekanntlich wie eine soziale Physik, weil sie so genau, präzise und logisch sei. Problem: Dieser Glaube existiert nur in den Köpfen der Ökonomen. „Nichtökonomen können das nicht prüfen, da sie die Sprache der Ökonomie, insbesondere ihre Algebra, weder kennen noch verstehen“, so Priddat in einem Beitrag für die Zeitschrift „Kursbuch“ mit dem Schwerpunkt Bullshit.Sprech.

Nun ist das mit dem Nichtverstehen nicht so dramatisch. Von Quantenphysik haben die meisten Menschen auch keinen blassen Schimmer. Dennoch gilt die Wirkmächtigkeit dieser Forschungsrichtung. Beim wirtschaftlichen Handeln sieht das aber anders aus. Hier geht es um eine soziale und politische Ökonomie. Die meisten Akteure der Wirtschaft können mit der Sprache der Ökonomen nichts anfangen.

Die Sprache der Ökonomik hat mit dem Wirtschaftsgeschehen nichts zu tun

Sie nehmen sie nicht zur Kenntnis oder ignorieren sie in ihrem täglichen Schaffen. Das Verhalten der Wirtschaftsakteure ist irrationaler, emotionaler, moralischer, amoralischer, stimmungsabhängiger, kultureller geprägt, sozialer, konventionaler, als es der Normenkatalog der Rationalitäten der Ökonomik zulässt. „Die Wirtschaft funktioniert wunderbar, ohne dass die Akteure etwas von Ökonomie verstehen – jedenfalls nicht so, wie Ökonomen Ökonomie verstehen“, erläutert Priddat. Wenn das so ist, was leistet dann die Ökonomik überhaupt für die Analyse der Wirtschaft? Wenn viele nicht verstehen, was Ökonomen sagen: „Mit wem reden Ökonomen dann – außer mit sich selber? Wem erklären sie was? Und – wie funktioniert Wirtschaft dann tatsächlich?“, fragt sich der Wissenschaftler der Universität Witten-Herdecke. Vieles passt einfach nicht rein in die simplen mathematischen Modellwelten. Was algebraisch nicht abgebildet werden kann, bleibt links liegen. Oder man flüchtet sich in kleine Experimente mit völlig irrelevanten Forschungsfragen.

Es zählen hoch gerankte Journals und Berufungen

Was die Ökonomen in Ekstase versetzt, sind nicht wirkmächtige Erklärungen des Wirtschaftsgeschehens, sondern Veröffentlichungen in hoch gerankten Fachpublikationen. Ökonometrie und das experimentelle Design gelten als Ausdruck hoher Wissenschaftlichkeit, führen zu Berufungen an die universitären Lehrstühle, öffnen die Kassen der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und bringen Steuergelder in die Drittfinanzierung – etwa über die Blaue Liste des Bundesfinanzministers. Ohne diese 40 bis 50 Millionen Euro, die jedes Jahr im Bundeshaushalt eingestellt werden, könnten die Wirtschaftsforschungsinstitute wohl nicht überleben.

Es fehlen mittlerweile Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die mit ihrer Form der Wissenschaft relevante gesellschaftliche und politische Debatten anstoßen, moniert Professor Uwe Schneidewind, Präsident des Wuppertal-Instituts, in einem Beitrag für den Sammelband „Transformative Wirtschaftswissenschaft im Kontext nachhaltiger Entwicklung“.

Dem Vorbild Kittler folgen

Für neue Forschungsansätze sind das doch ideale Bedingungen. Wir erschaffen eine neue Wissenschaft und verabschieden uns von BWL und VWL. Wie das geht, hat Friedrich Kittler mit der Erfindung der Medientheorie unter Beweis gestellt – in einem antiakademischen Gestus übrigens.

Auf Basis der Untersuchungen von Priddat könnten wir das auch mit einer neuen Theorie für das Ökonomische versuchen. Nennen wir das Ganze einfach „Netzökonomie“ – da sind wir doch in der Next Economy Open-Community schon Trendsetter. Letztlich geht es im wirtschaftlichen Kontext um Kommunikation – also um Netzwerke: Familie, Verwandte, Freunde, Kollegen, Bekannte, Vereinsmitglieder, Stammtische, Nachbarn. „Kommunizieren ist gemeinsames Interpretieren“, schreibt Priddat. „Vertraut man bestimmten Netzwerken, kann diese Kommunikation entscheiden, welche Informationen informativ sind und welche nicht.“ Dabei spielen nach Ansicht von Priddat andere Dinge eine Rolle als rein ökonomische: Information, Kommunikation, Netzwerke, Vertrauen – hier befinden wir uns vollständig in der sprachlichen Dimension.

Der unterschätzte narrative Faktor

Die meisten ökonomischen Aktivitäten bestehen aus Überzeugungsarbeit. Realitäten werden über Dynamiken in Netzwerken erzeugt. Das kann man in tradierten Modellen nicht präzise abbilden und vorhersagen. Die Berechnungen der Ökonomik sind systematisch ungenau, weil die Methoden den narrativen Faktor mehr oder weniger ignorieren. Auf dieser Grundlage könne man ermessen, welchen Bullshit die Ökonomik erzählt, wenn sie uns suggerieren möchte, dass in die Zukunft hineingerechnet werden kann. Einbildungen – also Imaginationen – werden für die Entwicklung der Wirtschaft unterschätzt. „Die Wirkung der Imagination beruht auf der Plausibilität ihrer Erzählung, so dass der Rezipient guten Glaubens werden kann, fortan die Welt aus der Perspektive der Erzählung neu zu betrachten“, so Priddat. Das Wirkliche sei letztlich nichts anderes als das, was verwirklicht wird. Die Poesie der Ökonomie sei eine Produktion von Bedeutungen. Das kann positive und auch negative Wirkungen erzielen.

Meinungen über Tatsachen bestimmen das Handeln

So zählte der Ökonom Wilhelm Röpke zu den Ursachen für die Verschärfung der Weltwirtschaftskrise von 1929 psychologische Faktoren: Selbst bei einigermaßen feststehenden Tatsachen würde das Wort eines griechischen Philosophen gelten, dass nicht die Tatsachen die Handlungen der Menschen bestimmen, sondern die Meinungen über die Tatsachen.

Im digitalen Kontext geht das noch schneller als in den 1920er und 1930er Jahren. Wir brauchen dafür neue Beschreibungen und Erklärungen, wir brauchen andere Bilder und Konzepte der Ökonomie. Der methodologische Bullshit der Mainstream-Ökonomik läuft da ins Leere. Der Ausschluss von Ereignissen und Relationen, die Ignoranz kommunikativer Welten und die selbstbezüglichen Modellwelten demontieren die Wirtschaftswissenschaft. Wir brauchen etwas Neues: Narrative Netzökonomie. Die neu gegründete Kölner #Gruppe17 – sie ist in Anlehnung an die legendäre Gruppe 47 noch im Dezember 2017 aus der Taufe gehoben worden – arbeitet an einer neuen Denkschule. Das Notiz-Amt wird das medial begleiten.


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Handwerk 4.0: Die digitalen Klempner kommen

Workbench and Tools (adapted) (Image by Jeff Sheldon [CC0 Public Domain] via Unsplash) Handwerk 4.0

Die beste Autowerkstatt online finden? Den Fahrradreparaturdienst per Twitter anheuern? Klimaanlage im Netz planen? Die Digitalisierung der Handwerksbranche, auch Handwerk 4.0 genannt, läuft in Deutschland auf Hochtouren.

Handwerk 4.0 – was ist das eigentlich?

Angelehnt an das Prinzip der Industrie 4.0, heißt dies, dass Abläufe und Arbeitsprozesse im Handwerk zunehmend digitalisiert werden. Sprich: Was vorher Menschen erledigt haben, übernimmt nun ein Computer, beziehungsweise eine Software und irgendwann wahrscheinlich ein Roboter. Die Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz definiert den Begriff folgendermaßen:

„Handwerk 4.0 beschreibt Betriebsstrukturen, Arbeitsprozessabläufe, Produkte und Dienstleistungen von Handwerksbetrieben, die in einem bisher noch nicht dagewesenen Maß digital vernetzt, adaptiv wissensbasiert und aus Kundensicht höchst intelligent in Erscheinung treten.“

Ganz klar, die Handwerksbranche ist im Wandel. Das hat auch die Politik erkannt, und sieht offensichtlich Handelsbedarf. So hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie als Teil der Förderinitiative „Mittelstand 4.0 – Digitale Produktions- und Arbeitsprozesse“ das Kompetenzzentrum „Digitales Handwerk” ins Leben gerufen. Von Infoveranstaltungen über Webinare bis hin zu Lehrvideos. Hier können traditionelle Handwerksbetriebe wie Dachdecker oder Bäckereien Informationen rund um die Digitalisierung ihres Fachfelds bekommen.

Auch ein Blick auf die Branchenpublikation handwerksblatt.de bestätigt, dass Handwerksbetriebe sich zunehmend digitalisieren. Viele Veröffentlichungen widmen sich explizit dem digitalen Wandel der Branche. Neben einer ganzen Serie „Handwerk 4.0” werden zum Beispiel regelmäßig Artikel mit Titeln wie „Cyberangriffe auf Handwerksbetriebe” oder „Online-Shops lohnen sich auch für Handwerker” veröffentlicht.

Der starke Fokus auf die Digitalisierung des Handwerks ist jedoch keine Einbahnstraße. Sie ist auch eine Antwort auf verändertes – digitales – Kundenverhalten. Nach einer Umfrage der Gelbe Seiten Marketinggesellschaft läuft beispielsweise das Suchen und Finden von Diensten, auch von Handwerkern, zunehmend im Internet ab. Demnach:

  • recherchieren 80 Prozent der 18 bis 39-Jährigen im Web
  • suchen 42 Prozent der Deutschen nach Handwerkern zuerst online statt Bekannte zu fragen
  • werden 25 Prozent aller Anfragen ab 2020 online gestellt

Startups stürmen die Handwerksbranche

Gerade junge Gründer sind sich darüber im Klaren, dass die nächste Welle von Kunden die Digital Natives sind. Und die suchen, wie diese Zahlen belegen, nicht mehr im Telefonbuch nach einem Klempner. Das Handwerk 4.0 ist für diese Kunden keine Entwicklung. Es ist bereits die grundsätzliche Erwartungshaltung an die Branche.

Bastian Scherbeck, Andreas Schmidt und Peter Pawlitzek gründeten zum Beispiel ihr Startup Livecycle, weil ihnen der Service bei Fahrradreparaturen gelinde gesagt, „unterirdisch” erschien, wie sie im Interview verrieten. Der Kunde sei bisher kaum ernst genommen worden. „Wenn dein Fahrrad kaputt ist, musst du es selbst in die Werkstatt bringen und dann auch noch lange auf die Reparatur warten. Wenn das dein Haupttransportmittel ist, ist das eigentlich nicht akzeptabel“, sagt Bastian Scherbeck.

Bei Livecycle drehen die Gründer daher das Prinzip um: Die Handwerker kommen zum Kunden und reparieren das Fahrrad vor Ort. Alles von der Terminvereinbarung über die Preisfrage wird vorab online geregelt. Schneller, zeitsparender, billiger ist auch das Motto von Caroobi. Das Berliner Startup bringt auf einer Online-Plattform Autowerkstätten mit Autobesitzern zusammen. User geben hier ein, welche Reparaturen sie benötigen und können anschließend verschiedene Angebote online vergleichen – und direkt über die Webseite buchen. Damit wollten sie Autoreparaturen übersichtlicher, transparenter, flexibler und einfacher gestalten, sagen die Gründer.

Ein Wandel der klassischen Handwerksdienste

So machen gerade viele klassische Handwerksdienste wie das Bodenhandwerk, Malerbetriebe oder Dachdecker eine digitale Wandlung durch, oft angetrieben durch junge Gründer.

Robin Lanzer ist einer dieser Gründer. Der gelernte Farben- und Lackentwickler mit BWL-Studium arbeitet seit 17 Jahren im Handwerk. Mit seinem Startup Jeez will er den lästigen Baumarkt-Besuch überflüssig machen. Seine Idee ist dabei ähnlich wie der Ansatz von Livecycle. Wenn es für Kunden zu umständlich ist zum Baumarkt zu gehen, kommt eben der Baumarkt zum Kunden. Statt also selbst stundenlang von einer Abteilung zur anderen zu rennen, Farben, Bodenbeläge, Regale und Nägel zu suchen, kommen die Experten von Jeez zu den Kunden in die Wohnung. Die Beratung findet in den eigenen vier Wänden statt. Auch hier wird der Service im Netz gebucht, sodass Kunden so wenig Zeit und Nerven wie möglich verlieren.

Das ist ebenfalls der Ansatz von Stegimondo. Das Startup mit Sitz in Berlin positioniert sich selbst wiederum als „Der Online Dachdecker“ und wirbt mit Attributen wie Schnelligkeit, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit um seine Dienste.

All diese Beispiele zeigen: Das Handwerk 4.0 ist keine Zukunftsvision, es ist bereits Realität. Einige Brancheninsider sind daher der Meinung, dass traditionelle Handwerksbetriebe nur zwei Optionen haben: Voll in die Digitalisierung einsteigen – oder untergehen.


Image (adapted) „Workbench and Tools“ by Jeff Sheldon (CC0 Public Domain)

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Wie Merkel die VWL-Pseudorechnungen weglächelt: Mainstream-Ökonomen und Politik

Wissenschaft (adapted) (Image by Giammarco Boscaro [CC0 Public Domain] via Unsplash)

Obwohl vielen Vertretern der so genannten Mainstream-Ökonomie klar ist, dass man politisch nicht im luftleeren Raum operiert und es auch immer um normative Fragen geht, sehen sich die Mainstream-Ökonomen dennoch als politisch neutral. Es gibt nach Ansicht von Rüdiger Bachmann, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der University of Notre Dame im US-Bundesstaat Indiana, keinen monolithischen Block von Marktliberalen oder Libertären.

Man würde eher das komplette parteipolitische Spektrum auch bei den Ökonomie-Professoren finden. „Der akademische Mainstream ist bei normativen Fragen zurückhaltender. Man kann Modelle oder Daten erst einmal sprechen lassen ohne direkt abzutesten, welche politischen Implikationen das nach sich zieht“, so Bachmann in einem Streitgespräch mit dem Autor der Notiz-Amt-Kolumne.

Auf meine Intervention, ob das nicht pharisäerhaft sei, sich hinter Modellen zu verstecken, antwortete Bachmann, das habe mit Pharisäertum nichts zu tun, das ist wissenschaftlich. „Ich habe da keine politische Agenda.“ Man könne Ökonomik betreiben mit einem Minimum an normativer Ausrichtung. Protagonisten, die sich von der herrschenden Lehre abwenden, werden aber nicht als Methoden-Kritiker gewertet, sondern vom Mainstream abgewatscht. Bachmann sprach von politischer Agitation. Der Vorsitzende des Vereins für Socialpolitik, Professor Achim Wambach, sieht das ähnlich. „Der pluralen Ökonomenbewegung geht es vielfach mehr um Politik als um Wissenschaft, da schwingt oft eine markt- und kapitalismuskritische Agenda mit.

Wer ist nun links und wer ist rechts in der Ökonomik?

Sind dann die Mainstream-Ökonomen rechts und reaktionär, wenn das andere Lager doch angeblich links ist? Diese Stigmatisierungen führen zu nichts. So wertet Professor Lutz Becker, Studiendekan der Hochschule Fresenius in Köln, die Disputation mit Bachmann:

„Da wird, wenn es um die Pluralen geht, in politischen Kategorien wie rechts und links argumentiert, die in meinen Augen – trotz einer aktuellen Renaissance – historisch obsolet sind.“ Dann gehe es in den Antworten des Mainstream-Ökonomen direkt wieder auf eine empiristische Argumentationslinie. Das sei auch nicht schlüssig, weil beispielsweise mit der Gewichtung von Faktoren riesige Hintertüren offen bleiben. „Oder anders: Man beruft sich auf Daten, verfolgt aber de facto und durch die Hintertür interpretative Zugänge, die aber dann ausgeblendet oder gar scharf zurückgewiesen werden.“

Becker fehlen in den Aussagen von Bachmann sowohl die Verortung der Mainstream-Ökonomik als auch der schlüssige rote Faden in der Argumentation. Bleibt das Argument von Wambach und Co. übrig, dass es ja mit der Verhaltensökonomie in Kombination mit neurowissenschaftlicher Kleckskunde, mit Institutionenlehre, Spieltheorie und finanzwissenschaftlichen Modellen genügend Ansatzpunkte für Methodenvielfalt im Mainstream gibt.

Rechtfertigungserzählungen der herrschenden Lehre

Aber auch das ist eine dürftige Replik. Es sind Rechtfertigungserzählungen. Bei den verhaltensökonomischen Laborexperimenten denkt man, den homo oeconomicus besser zu verstehen. Man hat ein wichtiges Defizit im klassischen Ansatz gekittet und alles ist wieder in bester Ordnung.

Die Ökonomie hat ihr Standardmodell, dann wirft man ihr irgendetwas vor: Kein Problem, das kriegen wir gefixt. Jetzt machen wir Experimente, jetzt haben wir doch einen sehr viel differenzierteren homo oeconomicus. Aber was sie eben nicht leistet in einer Zeit des massiven Umbruchs, ist Orientierung.  Diese Welt, in der wir heute leben, ist ja in einer ganz massiven Form durch die Ökonomie geprägt. Jetzt merken wir, dass ganz viele Dinge auf uns zukommen, die eine gewaltige neue Herausforderung darstellen“, so Professor Uwe Schneidewind in der Diskursreihe der D2030-Initiative. 

„Die ökonomischen Dynamiken treiben die ökologische Sache immer noch in die falsche Richtung. Aber auch Fragen wie die Digitalisierung. Plötzlich haben wir mit Null-Grenzkosten-Produkten zu tun, wir haben mit Produktivitätssprüngen zu tun, die vermutlich das Maß vorangegangener technologischer Wenden noch mal überwinden. Jetzt würde man sich ja eine Ökonomie wünschen, die vor denkt. Was heißt das? Auch so etwas wie Grundeinkommen, wie organisieren wir unseren Sozialstaat? Das sind ganz neue Formen. Was ist denn eigentlich mit der Geldwirtschaft in einem Zeitalter von Bitcoin? Also wenn es vielleicht gar keine Zentralbanken mehr gibt und braucht. Also ganz viele Fragen.“

Experimente in Boxen

Mainstream-Ökonomen wirken nicht als öffentliche Intellektuelle. Sie versagen als Orientierungskompass und verkriechen sich mit ihren teilweise irrelevanten Experimenten in Boxen und kanzeln Kritiker als linke Spinner ab, die mit statistischen Verfahren und Mathematik auf Kriegsfuß stehen. Wenn man tradierte Ökonomen mit empirischen Methoden in ihrem Modellplatonismus zerlegt, reden sie sich mit Rechenfehlern heraus oder verweisen auf notwendige Vereinfachungen in den Berechnungen.

Dahinter stecken Immunisierungsstrategien, um sich einer  wissenschaftstheoretisch sauberen Überprüfung zu entziehen. Hans Albert hat das in seiner Schrift „Nationalökonomie als Soziologie der kommerziellen Beziehungen“ ausführlich dargelegt: „Eines der beliebtesten Mittel, ökonomische Aussagen zu tautologisieren und sie damit empirischer Überprüfung zu entziehen, ist die Verwendung der so genannten ceteris-paribus-Klausel. Wenn ein ökonomisches ‚Gesetz‘ unter Anwendung dieser Klausel formuliert wird, dann ist der mehr oder weniger offenkundige Zweck dieser Einschränkung der, dieses Gesetz vor Falsifikation zu schützen. Wenn ein dem ‚Gesetz‘ widersprechender Fall aufgezeigt werden kann, dient die Klausel sozusagen seiner ‚Rettung‘ durch Aufweis eines Faktors, der nicht konstant geblieben ist.“

Wann stellt die Wirtschaftswissenschaft wieder spannende Fragen?

Man kann normativ, plural oder heterodox unterwegs sein und gleichzeitig etwa in der Bewertung von Szenarien mit statistischen Verfahren arbeiten. Was generell fehlt, ist nach Meinung von Schneidewind eine Ökonomie, die spannende und richtige Fragen stellt. „Das ist der Grund, warum ich gerne an die Uni gehe, weil ich merke: Wow, die behandeln da genau die richtigen Themen, die gesellschaftlich relevant sind. Von dorther wird man dann sehen, dass die Ökonomie automatisch pluraler und sehr viel interdisziplinärer sein muss. Etwa beim digitalen Wandel. Das bekommt man nur in den Griff, wenn ich auch ein technologisches Verständnis habe, wenn ich mich mit den sozialen, gesellschaftlichen, kulturellen Dynamiken auseinandersetze. Dadurch wird das also sehr viel multidisziplinärer und es findet idealerweise auch ein ganz intensiver Austausch mit Leuten statt, die diese Prozesse gestalten. Plötzlich kommen auch Unternehmen und Unternehmer gerne in Unis, um mitzudiskutieren, weil sie merken: Das hilft ihnen.“ Das sei heute alles nicht gegeben, weil sich das Fach nur über seine Methode definiert.

„Du kannst heute Karriere in dem Fach machen, wenn du die irrelevantesten Fragen ökonomisch sauber behandelst“, kritisiert der Präsident des Wuppertal-Instituts. Da gebe es keine Inspiration – beispielsweise für die Politik. „Wenn die Merkel den Sachverständigenrat weglächelt, weil sie sagt: Hey, das kann ich sowieso gleich in die Kiste schmeißen, weil es mir für meine Wirtschaftspolitik keine Orientierung gibt. Und wenn du einen Management-Praktiker fragst, wann er zum letzten Mal aus der Management-Lehre der BWL-Fakultäten einen Impuls bekommen hat, dann muss der ganz lange überlegen, wenn ihm überhaupt irgendetwas einfällt. Diese komplette Inspirationslosigkeit des Faches kann ich nur dadurch drehen, indem ich wieder die richtigen Fragen stelle. Dann ergibt sich der Rest von selbst“, sagt Schneidewind.

Private Hochschulen sorgen für frischen Wind

Es sei ja schon fast eine paradoxe Situation, dass die kritische Ökonomie, die das bestehende System hinterfragt, heute eher an privaten Hochschulgründungen gedeiht als an den staatlichen. Das sollte so nicht sein, moniert Schneidewind. Was wir ökonomisch erleben, müsse kritisch hinterfragt werden. „Dafür hat man staatliche Universitäten gegründet, damit es Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gibt, die frei von ökonomischen Zwängen das System in Frage stellen können. Es ist eine verkehrte Welt: Die staatlichen Häuser legitimieren das weiter und die kritischen Impulse kommen aus privaten Uni-Gründungen.“

Die Ursache sieht Schneidewind im Reproduktionsmodus des akademischen Systems. Nach den Reformwellen in den 60er und 70er Jahren, die sehr stark sozialwissenschaftlich und kritisch geprägt waren, kam eine Gegenbewegung mit einem naturwissenschaftlichen Paradigma. Am Ende verödet halt die Mainstream-Ökonomik an Monotonie. Das Notiz-Amt hält es für Zeitverschwendung, an eine Reformfähigkeit der etablierten Lehre zu glauben. Eher sollten private Institutsgründungen für neuen Geist sorgen.


Image (adapted) „Wissenschaft“ by Giammarco Boscaro [CC0 Public Domain]


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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • IPHONEX Augsburger Allgemeine: Heute ist Release des iPhone X: So kommen Sie schnell ans Smartphone: Es ist soweit: Heute ist der Release des iPhone X. Doch ganz so schnell kriegt man das Smartphone nicht in die Hände – laut Chip.de soll man sein Glück in einem Applestore oder Multimedia- Fachgeschäft probieren. Lieferzeit: Zwischen drei und vier Wochen. So hat das iPhoneX das größte Display, dass Apple bislang in einem iPhone verbaut hat und kommt beinahe ohne Rand aus. Und statt einer Home-Taste mit Fingerdrucksensor gibt es jetzt eine dreidimensionale Gesichtserkennung namens FaceID. Weitere News zum Release und Funktionen könnt ihr hier im Apple-Newsblog nachlesen.

  • MONOPOLISIERUNG Staltz: The Web began dying in 2014, here’s how: Schon vor dem Jahr 2014 waren die meisten von uns auf Google, Facebook und Amazon unterweg und auch heute werden die drei Technlogie-Giganten ausgiebig genutzt. Weder die Benutzeroberfläche noch die Funktionen auf den Websites haben sich groß verändert. Drastische Veränderungen haben jedoch in der Machtdynamik des Webs stattgefunden – die drei Unternehmen stehen im Mittelpunkt einer grundlegenden Transformation des Internets. Denn allein Google und Facebook machen 75% des Internettraffics aus. Das Wort „Netz“ wird immer unzutreffender und man fragt sich, was auf dem Intenet in Zukunft wird, unter der Monopolisierung von Google, Facebook und Amazon.

  • ERNEUERBARE ENERGIEN Medium: 100% renewables: ‘wishful thinking’ or an imperative goal?: Es wird oft bewzeifelt, dass eine Umstellung der weltweiten Energieversorgung auf 100% Erneuerbare möglich ist. In diesem Artikel behauptet der Autor jedoch, dass eine 100-prozentige globale erneuerbare Energiewende in der Tat innerhalb eines kurzen Zeitraums (20 bis 30 Jahre) technisch möglich sein könnte. Außerdem könne sie die Fähigkeit haben, der Zivilisation das gleiche oder noch mehr Energie zu liefern, als die gegenwärtige Infrastruktur, die von fossilen Brennstoffen dominiert wird – nur die gegenwärtigen wirtschaftlichen Umstände machen dem Ganzen einen Strich durch die Rechnung. Hier könnt ihr Insights lesen, die analysieren, was in diesem Kontext tatsächlich möglich ist.

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Die Industrielle Revolution lehrt uns die Zukunft der Automatisierung von Arbeit

Kohlekraftwerk (adapted) (Image by 526663 [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Während sich die Automatisierungstechnik und die künstliche Intelligenz stetig verbessert, sorgen sich viele Menschen über die Zukunft der Arbeit. Was werden die Menschen tun, sorgt sich so mancher, wenn Millionen Menschen keinen Job mehr haben? Wie werden sie sich und ihre Familien versorgen und welche Veränderungen werden eintreten (oder sind nötig), damit sich die Gesellschaft anpasst?

Viele Ökonomen sagen, dass es keinen Grund zur Sorge gibt. Sie weisen darauf hin, dass große historische Veränderungen der Arbeit an sich und des Arbeitsmarktes – vor allem die Industrielle Revolution zwischen dem 18. und 19. Jahrhundert – nicht zu wesentlichen sozialen Umbrüchen oder weit verbreitetem Leiden geführt haben. Diese Ökonomen sagen, dass die Menschen andere Jobs finden, wenn die Technologie Jobs zerschlägt. So lautet die Aussage eines Wirtschaftswissenschaftlers:

„Seit dem Beginn des industriellen Zeitalters besteht die wiederkehrende Angst, dass der technische Wandel eine Massenarbeitslosigkeit hervorbringen wird. Neoklassische Ökonomen sagten voraus, dass dies nicht geschehen wird, weil die Menschen andere Jobs finden werden, wenn auch möglicherweise erst nach einer langen Phase der schmerzhaften Anpassung. Im Großen und Ganzen hat sich diese Voraussage als korrekt erwiesen.”

Und sie haben Recht, wenn sie von der langen Phase der schmerzhaften Anpassung reden. Die Nachwirkungen der Industriellen Revolution beinhalteten zwei große kommunistische Revolutionen, die Zahl der Todesopfer betrug hier nahezu 100 Million. Der stabilisierende Einfluss des modernen Wohlfahrtsstaats zeichnete sich erst nach dem zweiten Weltkrieg ab, fast 200 Jahre nach dem Beginn der Industriellen Revolution im 18. Jahrhundert also.

Heutzutage, wo die Globalisierung und Automatisierung die Unternehmensproduktivität dramatisch steigern, stagnieren die Löhne. Die zunehmende Leistung der Automatisierungstechnologie und künstlicher Intelligenz bedeutet, dass noch mehr Schmerz folgen könnte. Bagatellisieren diese Ökonomen die historischen Aufzeichnungen, wenn sie die Zukunft voraussagen, indem sie uns im Wesentlichen sagen, wir sollen uns keine Sorgen machen, weil sich die Dinge in ein oder zwei Jahrhunderten bessern werden?

Der Wendepunkt ist erreicht

Um von der Industriellen Revolution zu lernen, müssen wir sie in den richtigen historischen Kontext setzen. Die Industrielle Revolution war ein Wendepunkt. Über viele tausend Jahre vorher war wirtschaftlicher Wachstum praktisch vernachlässigbar, grundsätzlich folgte er dem Bevölkerungswachstum: Die Bauern bauten mehr an als vorher, die Schmiede stellten mehr Werkzeuge her, aber die Menschen der frühen Ackerbaugesellschaften Mesopotamiens, Ägyptens, Chinas und Indiens hätten ihre Welt im Europa des 17. Jahrhunderts durchaus wiedererkannt.

Als aber Dampfkraft und industrielle Maschinen im 18. Jahrhundert hinzukamen, hob die wirtschaftliche Aktivität ab. Das Wachstum, das hier in einigen wenigen Jahrhunderten stattfand, war auf einer ganz anderen Skala wiederzufinden als alles, das vorher geschehen war. Jetzt gerade könnten wir an einem ähnlichen Wendepunkt, der von manchen als „vierte Industrielle Revolution“ bezeichnet wird, stehen. Jetzt erscheint alles, was in der Vergangenheit passiert ist, unbedeutend im Vergleich zu der potenziellen Produktivität und Profitabilität der Zukunft.

Eine falsche Vorhersage

Schnell unterschätzt man die Auswirkung von Globalisierung und Automatisierung, die da kommen mag – ich habe das selbst auch getan. Im März 2000 erreichte der NASDAQ Composite Index einen Höchststand und brach dann ein, womit er acht Billionen US-Dollar an Marktbewertungen innerhalb der folgenden zwei Jahre mit sich riss. Zur selben Zeit ermöglichte die globale Ausbreitung des Internets das Offshore-Outsourcing von Softwareproduktionen, was zu der großen Angst führte, dass Jobs in der Informationstechnologiebranche im großen Stil verschwinden könnten.

Die Association for Computing Machinery machte sich Sorgen darüber, was diese Faktoren für die Computerausbildung und Beschäftigung in der Zukunft bedeuten könnten. Ihre Studiengruppe, bei der ich Mitvorsitzender war, berichtete im Jahr 2006, dass es keinen wirklichen Grund gäbe, zu glauben, dass die Jobs in der Computerindustrie aus höher entwickelten Ländern abwandern würden. Die vergangene Dekade hat diesen Schluss untermauert.

Unser Bericht gestand aber zu, dass „Handelsgewinne unterschiedlich verteilt werden könnten“, was bedeutet, dass manche Individuen und Regionen Gewinn und andere Verlust machen würden. Außerdem war es eng auf die Informationstechnologieindustrie fokussiert. Hätten wir auf die Breitenwirksamkeit von Globalisation und Automatisierung in der Wirtschaft geachtet, hätten wir die größeren Veränderungen, die damals schon um sich griffen, möglicherweise gesehen.

Ausbreitung in der Herstellung

In beiden Industriellen Revolutionen, der ersten und der heutigen, schlugen sich die ersten Effekte in der Herstellung in der entwickelten Welt nieder. Durch den Austausch von Arbeitern durch Technologie verdoppelte sich die amerikanische Fertigungsproduktivität ungefähr zwischen 1995 und 2015. Als Ergebnis daraus erreichte die Beschäftigungsrate einen Höchststand um 1980 und nahm seit 1995 steil ab, während das Produktionsvolumen heutzutage ein Rekordhoch verzeichnet.

Anders als im 19. Jahrhundert aber verbreiten sich die Auswirkungen von Globalisierung und Automatisierung in den Entwicklungsländern. Die „Elephantenkurve“ des Ökonomen Branko Milanovic zeigt, wie Menschen, die 1998 nach ihrem Einkommen geordnet wurden, ein steigendes Einkommen bis zum Jahr 2008 erleben durften. Während das Einkommen der Armen stagnierte, führten die steigenden Einkommen in Schwellenländern hundert Millionen Menschen aus der Armut. Menschen, die an der Spitze der Einkommensskala standen, profitierten ebenfalls von der Globalisierung und Automatisierung

Das Einkommen der Arbeiter- und Mittelklasse in den entwickelten Ländern stagnierte allerdings. In Amerika ist beispielsweise das Einkommen von Produktionsmitarbeitern heutzutage inflationsbereinigt genauso hoch wie um das Jahr 1970. Nun kommt die Automatisierung auch in die Entwicklungsländer. Ein aktueller Bericht der International Labor Organization fand heraus, dass mehr als zwei Drittel der 9,2 Million Jobs in der südostasiatischen Textil- und Schuhbranche durch die Automatisierung gefährdet sind.

Das Ausmaß der Probleme anerkennen

Automatisierung und künstliche Intelligenz breiten sich nicht nur über die Welt aus, sie durchdringen auch ganze Wirtschaftssysteme. Buchhalter, Anwälte, Berufskraftfahrer und sogar Bauarbeiter – deren Jobs im Großen und Ganzen von der ersten Industriellen Revolution unbeeinträchtigt blieben – werden miterleben, wie sich ihre Arbeit wesentlich verändert, wenn sie nicht ganz von Computern übernommen wird.

Bis vor kurzem erkannte die gut ausgebildete berufliche Klasse, die auf der ganzen Welt vertreten ist, nicht, was mit der Arbeiter- und Mittelklasse in entwickelten Ländern geschah. Aber jetzt wird es auch mit ihnen geschehen. Die Ergebnisse werden alarmierend sein, zerstörerisch und unter Umständen lange anhalten. Die politischen Entwicklungen des letzten Jahres machen deutlich, dass das Thema des gemeinsamen Wohlstands nicht ignoriert werden kann. Es ist inzwischen offensichtlich, dass die Brexit-Abstimmung im Vereinigten Königreich und die Wahl des Präsidenten Donald Trump in Amerika zu einem Großteil durch sozioökonomische Missstände angetrieben wurden.

Unsere aktuelle Lage in Wirtschaft und Gesellschaft wird sich in bedeutender Weise verändern, ohne dass wir die Möglichkeit einfacher Abhilfen oder Anpassungenen haben, um ihre Auswirkungen zu verringern. Wenn man aber versucht, wirtschaftliche Vorhersagen zu treffen, die auf der Vergangenheit basieren, lohnt es sich, sich die Zurückhaltung des angesehenen israelischen Ökonomen Ariel Rubenstein aus seinem Buch „Economic Fables“ (2012) in Erinnerung zu rufen und diese zu praktizieren:

„Ich bin sehr damit beschäftigt, jede Interpretation zu verleugnen, dass ökonomische Modelle Schlussfolgerungen mit echtem Wert erzeugen.“

Rubinsteins Grundbehauptung, dass ökonomische Theorie uns mehr über ökonomische Modelle als über die wirtschaftliche Wirklichkeit verrät, ist eine Warnung: Wir sollten nicht nur auf Wirtschaftswissenschaftler hören, wenn es darum geht, die Zukunft der Arbeit vorherzusagen; wir sollten auch den Historikern zuhören, die ihren Vorhersagen oftmals eine tiefere historische Perspektive geben. Die Automatisierung wird das Leben vieler Menschen erheblich verändern, und zwar auf möglicherweise schmerzhafte und langanhaltende Weise.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Kohlekraftwerk“ by 526663 (CC0 Public Domain)


The Conversation

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Wir brauchen das Digitalministerium für den großen Sprung #BTW17

Flagge (adapted) (Image by karlherl [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Wir wollen, wir werden, es gilt, es muss, wir möchten, es soll. Die Inflation der Unverbindlichkeiten in der Politik der Bundesregierung zur digitalen Agenda hatte in den vergangenen vier Jahren Wackelpudding-Niveau.

Mangels zentraler Zuständigkeit und politischem Nachdruck wird die Digitalisierung in den verschiedensten Ministerien nur mit minimaler Sauerstoffzufuhr versorgt. Im Tagesgeschäft blockiert man sich mit Ressort-Eitelkeiten. Jeder kocht sein eigenes Süppchen. Wird sich das ändern? Schaut man sich das Wahlprogramm der CDU an, kann das bezweifelt werden.

„In den nächsten Jahren entscheidet sich, welche Länder bei der Digitalisierung erfolgreich und ganz vorne mit dabei sind. Dafür stellen wir die Weichen: Digitalisierung ist Chefsache. Deshalb wird im Bundeskanzleramt die Position eines ‚Staatsministers für Digitalpolitik’ neu geschaffen. Wir werden einen Kabinettsausschuss ‚Digitalpolitik’ einrichten, damit die Koordinierung zwischen den Ministerien weiter verbessert wird. Die Bundeskanzlerin wird einen ‚Nationalen Digitalrat’ berufen, der einen engen Austausch zwischen Politik und nationalen sowie internationalen Experten ermöglicht. Wir wollen, dass die klügsten Köpfe sich in den Dienst dieser Umgestaltung stellen“, heißt es hier.

Laber-Rituale auf Staatsminister-Niveau

Es geht wieder nur um interne Koordinierung, um Sitzungen, Konferenzen, Gremien und Posten – Laber-Rituale. Auf Bundesebene ist der Titel „Staatsminister“ eine auf Vorschlag des Bundeskanzlers oder der Bundeskanzlerin im Einvernehmen mit dem zuständigen Bundesminister vom Bundespräsidenten verliehene Bezeichnung, an einen parlamentarischen Staatssekretär des Bundes für die Dauer seines Amtsverhältnisses oder für die Wahrnehmung einer bestimmten Aufgabe, ohne dass damit eine größere Machtfülle verbunden wäre. Und bei den Etats sieht es wohl auch eher mager aus. Wie viel wird wohl in den Haushaltsplan eingestellt für den Breitband-Ausbau – ohne auf die ausbau-unwillige Telekom oder die Wettbewerber zu verweisen? Was im CDU-Programm steht, sind Placebo-Maßnahmen.

Politik wird mit Etats gemacht

Die Relevanz von politischen Themen lässt sich abmessen an den Finanzgrößen im Haushaltsplan der Bundesregierung. Mit Etats wird Politik gemacht. Internet Governance-Experte Professor Wolfgang Kleinwächter hält ein Digitalministerium für unwahrscheinlich. Sollte es funktionieren, wäre es ein Superministerium, das in Kernbereiche nahezu aller anderen Ministerien hineinregieren müsste. „Auch im Verteidigungs- und im Entwicklungshilfeministerium sind ‚Cyber’ und ‚Digital’ mittlerweile Führungsschwerpunkte. Sinnvoller wäre es, einen mit entsprechenden Kompetenzen ausgestatteten Internet-Koordinator im Bundeskanzleramt anzusiedeln – das geht in die Richtung des CDU-Vorschlags. Eine solche Koordinierung haben die Chinesen 2013 eingeführt, wo die sogenannte ‚Cyber Administration of China’ (CAC) als Scharnier zwischen dem Präsidenten und den einzelnen Ministerien fungiert.“

Wir benötigen die Internet Plus-Schubkraft

Ich schätze Kleinwächter sehr. Aber der Vergleich mit China hinkt. Entscheidend ist die KP China – der Regierungskoordinator hat nichts zu melden. Die Parteinormen regieren das Land. Und hier ist das Programm Internet Plus entscheidend beim Umbau des Landes. Was Kleinwächter und die Merkel-Partei ins Spiel bringen, ist nach Ansicht von Professor Tobias Kollmann vom Beirat „Junge Digitale Wirtschaft“ beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie eindeutig zu wenig. „Wir brauchen ein eigenständiges Digitalministerium, um das Tempo der Digitalisierung zu erhöhen. Zur Zeit laufen wir international hinterher. Wir müssen jetzt aber doppelt so schnell laufen, um wieder nach vorne zu kommen.“

Gründung des Umweltministeriums war ein programmatisches Statement.

Deshalb sei eine zentrale Kraft vonnöten, die dieses Thema mit den entsprechenden Budgets anzieht. Man dürfe sich nicht wieder in verschiedenen Ressorts verlieren. „Es dauert viel zu lange, in allen Ministerien die digitale Kompetenz auf der Arbeitsebene einzuziehen. Wir brauchen ein starkes Digitalministerium, das diese Misere beseitigt und eine eigene politische digitale Identität entwickelt. Die haben wir im Moment nicht. Wir haben auch keine zentrale Stimme in Brüssel zu dieser Thematik.“

Kollmann vergleicht die Sogwirkung einer solchen Entscheidung mit der Schaffung des Umweltministeriums im Jahr 1986. Auch Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Ökologie sind Querschnittsthemen – von Verkehr, Bauen, Landwirtschaft, Wirtschaft bis Bildung. Als Klaus Töpfer sein Amt als Bundesumweltminister antrat, war das ein klares programmatisches Statement für die Relevanz des Umweltschutzes. „Wenn man sieht, was sich danach entwickelt hat und wie wichtig die Umweltpolitik geworden ist, dann war es auch eine richtige Entscheidung“, erläutert Kollmann im StudioZ-Interview auf der Kölner Fachmesse Zukunft Personal.

Man müsse die Digitalisierung gleichberechtigt an den Kabinettstisch bekommen. „Ein Staatsminister darf zuhören, aber nicht viel entscheiden. Das ist zu wenig. In dieser Funktion wird mit einem überschaubaren Thema nur koordiniert. Deswegen hoffe ich inständig, dass man sich besinnt und das Thema größer denkt und den großen Sprung für eine große Vision wagt. Das geht nur aus einer Hand“, so Kollmann.

Das Notiz-Amt findet vor allem den Vergleich mit dem Bundesumweltministerium einleuchtend. Die neue Bundesregierung sollte dem Rat von Kollmann folgen.


Image (adapted) „Flagge“ by karlherl [CC0 Public Domain]


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Können sich alte Industriekonzerne zu Plattformen wandeln?

Automobilindustrie(adapted)(Image by MikesPhotos[CC0 Domain] via Pixabay)

Das autonome Fahren sei nicht alleine beherrschbar, zitiert Spiegel Online den BMW-Chef Harald Krüger. Genauso sehe es bei neuen Mobilitätsdiensten aus, also bei der Frage, wie die Menschen sich künftig jenseits des eigenen Autos und des bekannten öffentlichen Nahverkehrs fortbewegen, etwa mit selbstfahrenden Shuttlebussen.

„Das Automobil als Wirtschaftsfaktor reicht nicht mehr. Die Branche muss sich neu erfinden. Denn künftig werden die Autokäufer von heute dank autonom fahrenden Fahrzeugen eher neue Mobilitätsdienste nutzen, um ihr Ziel zu erreichen – und diese verstärkt mit anderen Nutzern teilen“, schreibt Spiegel Online-Redakteurin Kristina Gnirke. Gerade bei der Entwicklung autonom fahrender Autos zeige sich jedoch, wie knifflig dieser Wandel für die Autohersteller wird. Bislang würde jeder Konzern lieber seinen eigenen Weg ausprobieren.

Abwehrschlachten nach alten Rezepten

Und nicht nur das. Die Lobbyisten, wie VDA-Präsident Matthias Wissmann ergehen sich in überflüssigen Abwehrschlachten zur Bewahrung alter Konzepte. Da werden dann mahnende Stimmen sogar als „Feinde des Verbrennungsmotors“ tituliert. Auf diesem Diesel-Niveau sollte man nicht weiter agieren und seine Zeit mit Software-Updates verschwenden, kritisiert D2030-Geschäftsführer Klaus Burmeister bei der Vorstellung des Memorandums ‚Der Zukunft eine Stimme geben‘ in Berlin.

‚Es geht nicht um den Diesel. Es geht darum, bis 2030 ein vernetztes Mobilitätssystem zu erfinden, welches intermodal mit allen Verkehrsträgern in der Lage ist, weltweit zu konkurrieren. Wie bekommen wir einen Wandel hin‘, fragt Burmeister.

Die Gestern-Orientierung von Auto-Lobby und Politik lässt sich auch am Bundesverkehrswegeplan ablesen.

Teer, Beton und keine Infrastruktur für autonome Mobilität

„Da werden bis 2030 fast 300 Milliarden Euro in Teer und Beton investiert. Nur 500 Millionen Euro gehen in die vernetzte Infrastruktur für autonome Mobilität. Da stimmt das Bild nicht“, so Burmeister.

Aber können die Industriekonzerne mit ihrer alten Ego-Logik überhaupt anders agieren? Das bezweifelt Professor Martin Kornberger im Netzpiloten-Interview. „Die Prinzipien des Marktes gelten unternehmensintern nicht.“ Da setze man auf Hierarchie, Fließband-Fertigung und Kommandowirtschaft. Es seien zwei Systeme, die parallel laufen. „Das Versprechen des Marktes soll durch das Gegenteil eingelöst werden. Dieser Widerspruch steckt tief in der marktwirtschaftlichen Theorie und kann nur schwer überwunden werden“, erläutert Kornberger.

Plattformen als Ausweg

Die Auseinandersetzung mit Plattformen sei ein Ausweg. „Es gibt dort Marktelemente, Freiheitsgrade und sogar starke soziale Bindungen. Es gibt Nutzer, die freiwillig mitmachen. Die Autoindustrie braucht ein Ökosystem, das insgesamt Mobilität erzeugt. Diese Herausforderung wird in Wirtschaftskreisen fast überhaupt nicht diskutiert. Das ist aber die komplementäre Seite zur Veränderung der Technologie“, betont der Organisationswissenschaftler. Man könne das nicht nur auf neue Antriebsverfahren reduzieren.

Die Verschiebung in diesem alten Machtgefüge wolle keiner angehen. Man verharrt in der überkommenden Logik. Uber sei vom Ansatz her richtig gewissen. In der Ausführung wirke das allerdings monopolisierend und sei genauso limitierend wie die etablierten Konzepte. Es wäre tausendmal spannender, wenn es dabei Pluralität geben würde. Können die alten Industriekonzerne die Transformation zu Plattformen überhaupt bewerkstelligen?

Kornberger ist skeptisch: „Die Beispiele aus der Wirtschaftsgeschichte belegen eher das Gegenteil. Die Kutscher haben nicht das Automobil erfunden. Genauso wenig waren die Eiswürfel-Lieferanten die Wegbereiter für Kühlschränke. Es steckt unendlich viel Beharrungsvermögen und Macht in den Strukturen. Da ist es einfacher, bis zur letzten Minute Schreibmaschinen herzustellen als zu versuchen, ins Computer-Business einzusteigen. Es passiert relativ selten, dass sich große Unternehmen neu erfinden.“ Das ist ein dystopisches Szenario für die Platzhirsche. Von Einzelakteuren erwartet Kornberger keine Änderungen.

Kollektives Handeln organisieren

Relevant seien einzig und allein organisatorische Stellschrauben. „Das ist etwas Kollektives und das stimmt mich optimistisch, weil man zum ersten Mal kollektives Handeln durch das Internet anders organisieren kann. Es ist viel einfacher geworden, sich zu vernetzen. Projekte wie Wikipedia sind dafür die besten Beispiele. Die Kreativität der Crowd kann schon sehr beeindruckend sein, wenn man sie richtig organisiert.“ Wie kann das traditionelle Management dort hinkommen? Unternehmen wie BMW operieren doch noch nach Methoden des 19. Jahrhunderts. Sie sollten sich diese Methoden anschauen und damit experimentieren. „Das ist nicht Rocket Science. Die Top-Manager sollten endlich ihre Kontrollverlust-Ängste ablegen“, empfiehlt Kornberger von der Lyion Business School. Ob die alte Führungsgarde die dafür nötige Imagination mitbringt, darf bezweifelt werden.

Anstellen und Einstellen – da liegt das Problem im Personalmanagement

Müssen Nachwuchskräfte mit einem anderen Denken rekrutiert werden? „Die ganze Idee mit Anstellen und dann Einstellen ist der Kern der Hierarchie. Der oder die Richtige soll für einen genau definierten Job gefunden werden. Im Netzwerk läuft das anders.“ Wann werde dort jemand mit seinem Wissen relevant? Das sei abhängig von der Resonanz, vom Kontext und nicht vom Organigramm. „Die individualisierte Personalauswahl in Unternehmen tut sich damit schwer. Auf Plattformen ist diese Frage ausgelagert. Die behandeln das sehr viel flüssiger und dynamischer“, resümiert Kornberger im Vorfeld der Kölner Fachmesse Zukunft Personal. Das Notiz-Amt wird dort am 19. und 20. September in Halle 3.1 Stand F27 zum #StudioZ verwandelt und in Interviews mit Experten des Personalmanagements weiter diskutieren.


Image(adapted)„Automobilindustrie“by MikesPhotos [CC0 Public Domain]


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Große politische Denker für die große Transformation gesucht

thought (adapted) (Image by TeroVesalainen [CC0 Public Domain] via pixabay)

Zentralistisch, großindustriell, subventionsbelastet, wettbewerbsfrei – die Energiekonzerne in Deutschland sind Fossile. Es ist höchste Zeit, unsere Stromversorgung anders zu organisieren. Wer bei der Energiewende von Planwirtschaft und von staatlichen Eingriffen in das Wirtschaftssystem redet, wie FDP-Bundestagskandidat Thomas Sattelberger, sollte über das Abwälzen von Kosten und Risiken der Atomindustrie auf die Steuerzahler nicht schweigen. Würde man diese Gesamtkosten in den Strompreis einrechnen und die Milliarden Euros an Fördergeldern für AKWs raus rechnen – Ökonomen nennen das Internalisierung externer Effekte – müssten wir viel höhere Preise für eine Kilowattstunde berappen.

Unwirtschaftliche Großorganisationen behindern die Energiewende

Die Atomenergie und auch die Energie aus Kohle binden gigantische Finanzmittel, personelle Ressourcen und konservieren unwirtschaftliche Großorganisationen. Man kann den Dinosauriern in Politik und Wissenschaft ja mal eine Gegenrechnung präsentieren, die vom Forum „Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft“ in der Studie „Billiger Strom aus Atom und Kohle?“ aufgestellt wurde. Für die Zeit von 1970 bis 2008 ergibt sich eine Summe von rund 165 Milliarden Euro, die als Staatsknete kassiert wurde. Dann kommen noch die Kosten für den Rückbau der Atomkraftwerke dazu – etwa 42 Milliarden Euro. Zusammen ergibt das Subventionen von über 200 Milliarden Euro. Aber damit sind wir nicht ganz fertig mit der Vollkostenrechnung. Es folgen Rückbaukosten für die noch laufenden Atommeiler, die mit 34 Milliarden Euro beziffert werden. Dann fehlen die Kosten für die Endlagerung für den hochradioaktiven Abfall, für den es bislang kein Endlager gibt. Hierfür stehen die Kosten in den Sternen. 

Solarindustrie im Stich gelassen

Professor Lutz Becker von der Hochschule Fresenius erwartet von der Politik, dass sie ein Konzept für eine mittelständisch geprägte Energiewende vorlegt. „Die deutsche Solarindustrie ist am ausgestreckten Arm verhungert. Den Bürger Windparks werden alle erdenklichen Steine in den Weg geworfen, den Ausbau machen andere. Also was ist zu tun, um etwa ein bürgerliches und mittelständisches Engagement zu fördern? Ich habe zunehmend den Eindruck, dass solche Fragestellungen viele überfordern.“ Da ist er nicht alleine. Alles werde angeblich der Wettbewerb regeln. Ob Klimaschutz, E-Mobilität, Unternehmensdemokratie oder Breitbandausbau – man überlässt die zentralen Fragen dem Markt, so tönt es seit Jahren aus den Denkzentralen der FDP. Mit Ordo-Liberalismus hat das aber nichts zu tun. Mit Wirtschaftspolitik als Staatskunst schon gar nichts. Der Wettbewerbsgedanke ist eine quasi-religiöse Schimäre. Die Wirklichkeit in planwirtschaftlich organisierten Konzernen sieht anders aus.

Nach außen Marktordnung predigen, nach innen Planwirtschaft organisieren

Ich fand immer eine besondere Ironie in dem Umstand, dass Unternehmer, die doch gemeinhin als die Fürsprecher der unsichtbaren Hand des Marktes auftreten, in ihren eigenen Organisationen auf die sichtbare Hand des Managers vertrauen“, so Professor Martin Kornberger von der Business School Lyon. In der Realität setzen die Marktprediger auf Hierarchie, zentrale Planung, Abschottung, Absprachen und Macht. Da werden Pfründe verwaltet, das Brot-und-Butter-Geschäft bis zum bitteren Ende abgeschöpft, Innovationen verhindert und politische Hebel zur Abwehr des Allgemeinwohls eingesetzt. Die res publica geht dabei den Bach runter. Es ist geradezu lachhaft, jene Protagonisten der Autokonzerne, die sich in über tausend „Arbeitsgruppen-Sitzungen“ in zentralen Fragen des PKW-Marktes abgesprochen haben, zu Gralshütern einer Marktordnung zu machen und von ihnen eine ökologisch ausgerichtete Mobilitätswende zu erwarten.

Metaphysisches Erlösungswissen

Alexander Rüstow, einer der Architekten der Sozialen Marktwirtschaft, warnte vor einem Laisser-Faire-Dogmatismus, der von einem theologisch-metaphysischen Erlösungswissen gespeist wird und in der neoklassischen Theorie eine säkularisierte Entsprechung gefunden hat. Es dominiert nicht nur in der FDP der Absolutheitsanspruch einer Marktsteuerung, die in planwirtschaftlichen Planspielen der Konzerne vermodert. Gleichzeitig wird der Ordnungsfaktor Staat als Störfaktor gebrandmarkt. Von den Repräsentanten des Staates muss mehr erwartet werden. Dabei geht es nicht um Interventionismus oder Dirigismus. Es gibt zentrale Gestaltungsfragen für die Zukunft, die wir nicht mehr an die reduktionistischen Ziele von Managern koppeln dürfen. Darauf verweist das D2030-Beiratsmitglied Professor Dirk Helbing.

Volkswirtschaft neu erfinden

Wir haben noch nicht so richtig begriffen, was diese UN-Agenda 2030 und die Pariser Klimaverträge implizieren. Sie implizieren, dass wir 40 bis 50 Prozent CO2 reduzieren müssen. Warum hat das dramatische Folgen? Weil die Weltbevölkerung quasi proportional zum Erdölverbrauch gestiegen ist. Wenn wir jetzt also CO2 reduzieren und damit auch den Erdölverbrauch, dann ändert sich die Tragfähigkeit der Erde, das heißt, die Anzahl der Menschen, die auf diesem Planeten leben können. Eine Reduktion um ein einziges Prozent bedeutet, 80 Millionen Menschen werden sterben. Sie ahnen also schon, dass diese Frage der Nachhaltigkeit nicht ein Hobby von uns sein wird, sondern da geht es um Leben und Tod. Das müssen wir lösen, und zwar innerhalb von weniger als 15 Jahren. Das ist halb so viel Zeit, wie wir damit verbringen, eine Straße zu planen und zu bauen.

In diesem Zeitraum müsse man die Volkswirtschaft neu erfinden, und zwar aus zwei Gründen: „Einerseits, weil viele alte Tätigkeiten von künstlicher Intelligenz und von Robotern übernommen werden, und andererseits, weil wir eine kohlenstoffarme Wirtschaft brauchen. Können Sie sich das vorstellen, was das bedeutet, innerhalb von gut einem Jahrzehnt die halbe Volkswirtschaft umzubauen? Was das für eine gewaltige Herausforderung ist, die selbstverständlich die gesamte Zivilgesellschaft betrifft und einbeziehen muss“, fragt Helbing. Wenn wir in Zukunft in Freiheit und Demokratie leben wollen, dann müssen wir es schaffen, das Nachhaltigkeitsproblem anders zu lösen.

Nicht durch Optimierung, sondern durch Innovation. Innovation braucht Freiheit. Und es braucht aber auch Strukturwandel: Eine Veränderung des Geldsystems, des Finanzsystems, des Wirtschaftssystems und der gesellschaftlichen Organisation im partizipativen Sinne“, erklärt Helbing. Hört man zu dieser großen Transformation irgendetwas im Bundestagswahlkampf? Da ergeht man sich eher in Verteidigungsreden des Dieselmotors. Das Notiz-Amt blickt gespannt auf die Pressekonferenz der D2030-Zukunftinitiative, die mitten in der heißen Phase des Bundestagswahlkampfes auf diese Gestaltungsaufgaben mit der Vorstellung eines Memorandums aufmerksam machen will. Am 11. September, um 11 Uhr im Haus der Bundespressekonferenz. Das Notiz-Amt wird dabei sein und das Ereignis live übertragen.


Image (adapted) „thinking“ by geralt (CC0 Public Domain)


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Die Netzpiloten sind Partner der OMK 2017

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Es ist bereits das sechste Mal, dass die Online-Agentur web-netz und die Leuphana Universität die „OMK 2017 – Online Marketing Konferenz Lüneburg“ veranstalten. Hier dreht sich alles um das Thema Online-Marketing mit spannenden Speakern aus der Wirtschaft und Wissenschaft, die ihre Erfahrungen mit rund 600 Besuchern teilen.

Am 28. September könnt ihr auf dem Leuphana Campus in Lüneburg mit Referenten wie unter anderem Marcell Jansen – Ex Nationalspieler – oder Luana Theodoro da Silva – Instagram Star und Influencer – über die neuen Herausforderungen des Online-Marketings diskutieren und spannende Einblicke im Bereich E-Commerce sammeln. Den ganzen Tag über erhaltet ihr bei einem vielfältigen Programm anregende 30-Minuten Slots von über 20 Speakern. Dabei dreht sich alles um die aktuellen Trends im Online-Marketing. Erhaltet aufschlussreiche Forschungsergebnisse und wertvolle Insights von großen Unternehmen wie beispielsweise Xing AG, Google, Tom Tailor oder Facebook.

Das Ganze wird untermauert mit einem gemütlichen Warm-up am Abend vor der Konferenz im Old Dubliner Irish Pub, Foodtrucks – die den Tag über für die Verpflegung sorgen – und einer After-Show Party.

Die OMK in Lüneburg ist eine Non-Profit-Veranstaltung, bei der der Erlös des Events in ein Forschungsprojekt der Leuphana Universität fließt.

Wer Teil dieser spannenden Konferenz sein möchte, der sollte sich schnellstens Tickets sichern!

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Die Umstellung auf Elektroautos – das Schwarze Loch der Wirtschaft?

city traffic lights (Image by Negative Space) (CC0 Public Domain) via Negative Space

Eine der wichtigsten politischen Ankündigungen der britischen Regierung im letzten Jahrzehnt – mit Ausnahme des Brexit – ist wahrscheinlich das Verkaufsverbot für neue Dieselfahrzeuge, Benziner und LKW ab dem Jahr 2040. Es scheint der Schlüsselmoment im Kampf gegen Verschmutzung und Klimawandel zu sein, aber der Wechsel von fossilen zu elektronisch betriebenenen Fahrzeugen wird einschneidend und extrem teuer. Die Auswirkungen müssen systematisch überdacht werden.

Dabei wird wohl als erstes klar, dass das britische Steuersystem einen enormen Schock erleiden wird. Die Regierung nahm etwa 28 Milliarden Pfund durch Kraftstoffsteuer im Jahr 2016/2017 ein. Es handelt sich dabei um den größten Teil der indirekten Besteuerung und beläuft sich dabei auf die gleiche Menge, wie Tabak-, Alkohol-, Spiel- und Kraftfahrzeugsteuer zusammen genommen.

Die Beseitigung von Dieselfahrzeugen, Benzinern und Lastwagen wird diesen Steuerfluss schwächen – dieser muss daraufhin ersetzt werden. Die Besteuerung von Benzin und Diesel beträgt im Moment 69 Prozent des Gesamtpreises. Zum Vergleich: die Einnahmen durch Besteuerung von Kraftstoff tragen die Renten für mehr als vier Millionen Briten.

Elektronische Träume

Um die durch das Verbot verloren gehenden Gelder zu ersetzen, wäre eine Ladesteuer für Elektroautos eine Möglichkeit. Momentan beträgt die Mehrwertsteuer auf gemeinschaftliche Energienutzung fünf Prozent – die Zahl müsste dramatisch ansteigen, um den Verlust auszugleichen.

Bisher hat sich die Regierung dazu noch nicht geäußert. Anscheinend wurde der Sachverhalt bis jetzt als gegeben hingenommen oder vielleicht auch einfach ignoriert. Es scheint, als wäre es noch lange hin bis zum Jahr 2040, und der Übergang wird durch die Produktlebenszyklen abgemildert. Allerdings werden sich die Kaufgewohnheiten der Menschen schon lange vor der Frist dramatisch ändern.

Für jedes Land muss eine kreative Lösung für das steuerliche Defizit entwickelt werden, die dem gleichen Kurs folgt. Doch Grund zur Sorge ist nicht nur die ungewisse Steuerlage. Das allmähliche Ersetzen von mehr als 31 Millionen Dieselfahrzeugen und Benzinern mit Elektrofahrzeugen oder selbstfahrenden Fahrzeugen stellt einen Moment des Wandels dar, der für Großbritannien womöglich eine noch größere Bedrohung darstellt als der Brexit.

Im Jahr 2017 erreichte die Marktkapitalisierung des Elektroauto-Pioniers Tesla 51 Milliarden US-Dollar und übertraf damit die von General Motors und ist somit merklich höher als die von Ford. Die Auswirkung revolutionärer Technologien auf etablierte und konventionelle Automobilherstellern wird nun offensichtlich. Wir können nicht wissen, wie sich das in einem Land wie Großbritannien, in dem 169.000 Arbeiter in diesem Bereich beschäftigt sind und ein Umsatz von mehr als 70 Milliarden britische Pfund in diesem Bereich gemacht wird – was sich jedoch bisher kaum mit dieser neuen Industrie in Kontakt kam – auswirkt. Wo also bleibt die britische oder europäische Version eines Tesla?

Netzblockade

Das Verbotsziel im Jahr 2040 bringt ein weiteres großes Problem mit sich. Die 25.410.360 Häuser und Grundstücke in England und Wales müssen neu vernetzt werden. Das momentane System wird nicht ausreichen. Wenn jeweils zwei Autos zur täglichen Fortbewegung geladen werden müssen, so würde das das bisherige System aufgrund der zu hohen Belastung zerstören.

Das heißt, alle Häuser und alle Netze, die diese versorgen, müssen ausgebaut werden, um sicherzustellen, dass die benötigte Menge zum Laden der Elektrofahrzeuge sicher zur Verfügung gestellt werden kann. Ein weiterer erheblicher Kostenfaktor, der noch mehr Störungen mit sich bringt.

Es ist zwar möglich, ein Fahrzeug an einer gewöhnlichen britischen Steckdose aufzuladen, jedoch würde die Ladezeit etwa zwölf bis 15 Stunden betragen. Außerdem besteht Brandgefahr, wenn die Steckdose alt ist oder für die enorme Energiemenge ungeeignet. Spezielle 32-Ampere-Ladestellen mit einer Ladezeit zwischen fünf und sieben Stunden könnten installiert werden. Jedoch stellt sich die Frage: Hat Großbritannien genügend Elektriker, um den Ausbau umzusetzen?

Die Veränderungen lassen außerdem davon ausgehen, dass es in erster Linie genügend Elektrizität gibt. Großbritannien leidet jedoch schon seit mehr als zwei Jahrzehnten an der ungenügenden Investition in Stromerzeugungskapazität. Zum jetzigen Zeitpunkt würde das Laden von Millionen Elektroautos in Ausfällen und Systemversagen im ganzen Netz resultieren.

Hunderte Milliarden Pfund an Investitionen in zusätzliche Stromerzeugungskapazitäten werden nötig sein. Im Juli hat National Grid einen Bericht veröffentlicht, der verschiedene Szenarien untersucht und zukünftige Verbrauchszahlen des Systems vorhergesagt hat. Eines dieser Szenarien stellte vor, dass im Jahr 2050 alle Fahrzeuge elektrisch seien, was einen Höchstverbrauch von ebendiesen Fahrzeugen auf einem Höhepunkt von 30 Gigawatt erreichen könnte. Das ist ungefähr die Hälfte des momentanen Gesamtbedarfs.

Die Regeln der Straße

Doch die wesentlichen Fragen fangen hier erst an. Straßen und Bürgersteige werden durch die Installation elektronischer Ladestationen einen enormen Umbruch erfahren. Was wird aus den 8.500 Tankstellen in Großbritannien? Auch wenn die meisten zu elektronischen Ladestationen umgebaut werden, müssen diese dennoch gewartet und dekontaminiert werden. Es wird einen signifikanten Einbruch der Beschäftigungszahlen und der Wirtschaft geben, wenn die Raffinerien schließen. Dies wird sich auf 18.000 Vollzeitstellen in Großbritannien auswirken. Auch andere kleine, subtile Änderungen werden sich ergeben. Die Umgangsformen werden neu definiert – wann kann man die Ladestation des Nächsten für umsonst nutzen, wann gegen Gebühr?

Das Verbot verlangt nach einer dramatischen Restrukturierung des Steuersystems zusammen mit der neuen Investition in die Infrastruktur. Unsere Schätzung in Höhe von einer Milliarde britischer Pfund ist auf der Basis der Kosten neuer Stromerzeugung in Kombination mit der Installation von Ladestationen kalkuliert. Es handelt sich um einen Ausgangspunkt für Diskussionen. Niemand war bisher in der Lage, die vollständigen Kosten dieser einfachen Regierungserklärung zu kalkulieren.

Es könnte sein, dass sich die Verkehrsmittelnutzung in einer Weise verändert, dass viele der möglichen Investitionen nicht gebraucht werden – der Besitz eines Autos könnte vielleicht durch die Autoversion der bereits bestehenden Fahrradverleih-Systeme in Städten ersetzt werden. Dennoch hat Großbritannien nur 23 Jahre Zeit, um sich an die zukünftig wichtigste Form des Transports, der Energieerzeugung und der Steuerrevolution anzupassen – zumal auch persönliche Datenwolken und das Internet selbst im Fahrzeug Einzug halten.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „City Trafic Lights“ by NegativeSpace (CC0 Public Domain)


The Conversation

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Netzpiloten sind Partner der Privacy Conference in Berlin

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In Berlin wird ausgiebig über das Thema Datenschutz gesprochen und ihr habt die Chance dabei zu sein! Wir verlosen unter unseren Lesern zwei Tickets für die Privacy Conference. Um bei der Verlosung mitzumachen, könnt ihr hier teilnehmen. Zeit dafür habt ihr bis zum 22. August. Wir wünschen euch viel Erfolg!

Teilnahmebedingungen


Am 19. September ist es endlich soweit: die internationale Privacy Conference in Berlin öffnet ihre Tore. Hier teilen Datenschutz-Experten ihre praktischen Erfahrungen aus der digitalen Wirtschaft.

Besucher erhalten von Experten aus Wirtschaft, Behörden und Wissenschaft praxisbezogene Lösungen, wie diese die neue EU- und internationale Datenschutzregelung in ihren Unternehmen integrieren und einhalten können.

Zudem werden in zahlreichen Panels und Diskussionen Themen besprochen wie unter anderem der internationale Datenfluss oder dem Datenschutz Management. Trefft dabei auf namhafte Speaker wie Jan Philipp Albrecht – Abgeordneter des Europäischen Parlaments – oder Marit Hansen, die Landesbeauftragte für Datenschutz Schleswig-Holstein und Diplom-Informatikerin. Mehr zum Ablauf der Konferenz findet ihr hier.

Wer Teil der spannenden Privacy Conference sein möchte, der sollte sich schnell Tickets sichern und sich das Datum auf jeden Fall merken.


Image by Fotolia.de – sora_nus adapted by Netzpiloten

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Die Netzpiloten sind Partner des Digital Transformation Summit

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In Berlin findet am 26. und 27. September der Digital Transformation Summit statt. Im Zentrum stehen dabei die Durchbrüche, vor denen Unternehmen stehen, die unsere Welt revolutionieren werden und die Digitalisierung der Wirtschaft, die viele Marktteilnehmer zur Neuausrichtung ihrer Geschäftsmodelle zwingt. Beim Wandel in das digitale Zeitalter können dem deutschen Unternehmertum die Disruption, Innovation und die Etablierung einer digitalen Führungskultur helfen, um nur einige Schlagwörter zu nennen.

Der Digital Transformation Summit, ins Leben gerufen durch die WirtschaftsWoche, begleitet Unternehmer auf dem spannenden Digitalisierungsweg mit inspirierenden Praxisbeispielen und Best Cases, die die digitale Transformation beispielhaft vorangetrieben haben, ergänzt durch frische Energie der „jungen Wilden“.

Abwechslungsreiches Programm

Auf dem zweitägigen Programm stehe Vorträge, Panel-Talks, Fishbowl-Talks, Workshops und ein Digital
Playground. Die Redaktion der Wirtschaftswoche ist vor Ort und moderiert die Veranstaltung, außerdem könnt ihr das Geschehen live in Social Media verfolgen. Vor Ort sein werden Vorstände, Geschäftsführer und Inhaber bekannter Großunternehmen, marktführender Mittelständler und inspirierender Startups sowie Spitzenpolitiker und Experten aus Wissenschaft und Gesellschaft, die für den Blick über den Tellerrand sorgen.

Spannende Speaker und interessante Themen

Zu den Speakern, auf die ihr euch beim Digital Transformation Summit freuen könnt, gehören:

Die Location ist das zentral gelegene Microsoft Atrium in Berlin-Mitte. Hier kommt ihr zur Anmeldung.

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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • KI heise: „Das größte Risiko für unsere Zivilisation“: Elon Musk warnt erneut vor KI: Ohne die richtigen Gesetze sei die KI eine Bedrohung für die Zivilisation, dessen ist sich Elon Musk sicher und trägt seine Bedenken vor Gouverneuren der USA vor. Denn der Zeitpunkt, an dem die KI alles besser könne als der Mensch, werde kommen. Zurzeit seien die Bedenken zu wenig ernst genommen worden, doch Vorsorge ist besser als Nachsorge. Die Angst, dass sich bei einer Einmischung in die Wirtschaft wichtige Unternehmen aus der USA absetzen würden, wiegelt Musk ab, denn nach ihm würden die Vorgaben allen helfen, auch den Wirtschaftsriesen.

  • PAYPAL golem: Mit Paypal tanken: Die Tankstelle Shell arbeitet jetzt mit Paypal zusammen, sodass mobiles Zahlen via Smartphone für Kunden möglich wird. Die ersten Tankstellen mit diesem neuen Service sollen in Hamburg und Berlin starten, bis Ende 2017 soll dies jedoch auch deutschlandweit gehen. Bereits im Februar 2017 stellte Jaguar diesen Dienst für seine Kunden bereit, das aber nur in Großbritannien. So konnten Kunden ohne Kreditkarte einfach und schnell mit der Shell-App über den Bildschirm ihres Fahrzeuges die gewünschte Literanzahl Benzin bestellen. p>

  • APPLE wired: Warum Apple die Fitnessdaten seiner Mitarbeiter überwacht: Apple hat auf seinem Firmengelände in Cupertino ein eingenes Fitnesslabor entworfen, indem Angestellte Sport treiben dürfen. Nebenbei werden jedoch Daten über ihre Leistungen gemessen. Eine kleine Einschränkung bei dieser Vermessung gibt es derzeit noch im Bereich des Schwimmens, da es der Software nicht möglich ist die Schwimmarten wie Kraulen oder Brustschwimmen auseinanderzuhalten. Derzeit arbeitet Apple an der watchOS 4, sodass die Apple Watch direkt mit den Fitnessgeräten verbunden werden kann.

  • NETFLIX horizont: Starkes Wachstum bei Netflix: Netflix ist auf der Überholspur. Der Gewinn, der sich durch den Streamingdienst machen ließ, erhöhte sich um ein knappes Drittel und die Aktie stieg am Montag auf neun Prozent. Somit können die finanziell eher aufwendigeren Eigenproduktionen wie “The Crown” weiterhin gerechtfertigt werden. Auch global ist Netflix nach wie vor erfolgreich, über 4 Millionen neue Kunden konnte Netflix kurz zuvor noch gewinnen. Eine Leistung, mit der niemand gerechnet hätte.

  • ALEXA curved: HTC U11: Alexa erscheint in Kürze für die deutsche Version: Mit dem HTC U11 ist es jetzt erstmals in Deutschland möglich auch ohne Berührung auf Alexa zugreifen zu können, selbst im Sleep-Modus kann Alexa zukünftig Befehle ausführen. Was mit Alexa alles möglich ist? Rund 12.000 verschiedene Fähigkeiten besitzt sie, darunter das Abspielen von Musik, das Verwalten von Einkaufslisten, oder aber die Vorhersage des Wetters.

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Die Netzpiloten sind Partner des INTERACTIVE Festival 2017

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In Köln findet am 16. und 17. August das INTERACTIVE Festival 2017 statt. Bei dieser Veranstaltung treffen die Themen digitale Kultur und Wirtschaft aufeinander. Zum fünften Mal kommen in der Rheinmetropole Experten und Interessierte zusammen und passend dazu gibt es dieses Jahr auch fünf Schwerpunkte der Veranstaltung: Retail, Community, Media/VR, Sports und Growth.

Das Wissen vermitteln euch die Experten mithilfe verschiedener Module. Es handelt sich um Vorträge, interaktive Panels und Workshops, bei denen euch geballtes Wissen und die neuesten Erkenntnisse aus unserer digitalisierten Gesellschaft erwarten.

Darum gibt es das Festival

Ins Leben gerufen wurde das INTERACTIVE Festival im Jahr 2012/ 2013. Ortsansässige Kreative und Macher stellten fest, dass Köln durchaus das Potenzial einer Digitalstadt besitzt. Allerdings gab es zu der Zeit noch kein Forum für diese Strömung. Aus der Not machten sie eine Tugend – und so fand schon im darauffolgenden Sommer, im Juni 2013, das erste Festival statt, damals noch unter dem Namen INTERACTIVE Cologne. Von Anfang an beeindruckte das Festival mit einem außergewöhnlichen Format-Mix, den es sich auch im fünften Jahr bewahrt hat.

Wer hier genau richtig ist

Das INTERACTIVE Festival spricht ein breites Publikum an. Alle, die Teil der Kreativ- und/ oder Digitalbranche sind, sollten sich das Festival nicht entgehen lassen, aber auch User und Bürger, die die digitale Transformation und Disruption verstehen wollen, kommen hier auf ihre Kosten.

Wie wird digitale Technologie unser Leben verändern? Macht sie Dinge einfacher oder komplizierter? Welche Auswirkungen hat sie auf die Wirtschaft, auf die Politik, oder auf jeden von uns? Das Festival wird Antworten auf diese Fragen liefern, indem es sie in Vorträgen, Workshops, bei Hackathons und Parties thematisiert.

Interessante Speaker und spannende Vorträge

Freut euch unter anderem auf diese Speaker:

Das INTERACTIVE Festival findet in der Industrie- und Handelskammer zu Köln statt. Hier bekommt ihr eure Tickets.

+++ Rabattaktion +++

Mit uns kommt ihr günstiger an Tickets! Statt 150 Euro zahlt ihr für euer Ticket nur noch 99 Euro. Gebt dazu einfach den Rabattcode „NETZ2017IAC“ ein und sichert euch eure vergünstigten Tickets.

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Digital Economy Compass: Was die Zahlen für Deutschland bedeuten – Teil 3

Electric Car (adapted) (Image by MikesPhotos) [CC0] via Pixabay

Was sind die aktuellen digitalen Trends weltweit? Wie entwickelt sich der Wettbewerb auf digitalen Plattformen? Diese Fragen versucht der „Digital Economy Compass“ von Statista in regelmäßigen Abständen zu beantworten. Wir haben in unserer Artikelreihe einen Blick auf die Trends geworfen.


Auch wenn die Digitalisierung der Wirtschaft für viele noch ein Mysterium sein mag, spielt sich für viele Unternehmen mittlerweile genau hier das Kerngeschäft ab. Die Digital Economy von E-Commerce bis E-Travel boomt. Zahlen und Prognosen zu den verschiedenen Branchen liefert der aktuelle Digital Economy Compass 2017 von Statista. In dieser Serie schauen wir genauer darauf, was diese Zahlen für Deutschland bedeuten. Diesmal im Visier: Der Mobilitätsmarkt.

Die Zeit der Reisebüros ist vorbei

Transport, Connected Cars und E-Travel sind die drei großen Mobilitätsbereiche, die der Digital Economy Compass 2017 von Statista untersucht. All diese Märkte boomen aktuell. Insbesondere im Bereich E-Travel lässt sich dies feststellen. Denn obwohl jetzt schon der Großteil der Reiseplanung und -buchung online stattfindet, wird diese Branche laut Statista noch stärker wachsen. Bis 2021 sollen sich demnach die Einnahmen aus der Online-Reisebuchung beinahe verdoppeln.

e Travel Markt - Screenshot Statista Digital Economy Compass
E-Travel Markt (Quelle: Statista). Screenshot by Marinela Potor

Die Träger dieses Trends sind dabei ganz klar die USA und China. Auch in Deutschland wird ein Wachstum erwartet, wenn auch die erwarteten Einnahmen von 44,35 Milliarden US-Dollar deutlich geringer sind als in den USA oder China. Reisebüros werden damit dennoch auch hierzulande bereits in wenigen Jahren wahrscheinlich fast keine Rolle mehr spielen, vermutet Thomas Köhler, Experte für Digitalisierung und Technologietrends der Zukunft. „Reisebüros sind zukünftig im Wesentlichen nur für Spezialreisen und Events gefragt, oder zur Abwicklung der Reiseprozesse von Firmen und anderen großen Organisationen“, sagt er gegenüber den Neztpiloten.

Thomas Köhler
Thomas Köhler (Quelle: Thomas Köhler)

„Flixbus ist das deutsche Gegenstück zu Uber“

Dies bestätigt ein Blick auf die wichtigsten Player im E-Travel. Von der Transportplanung über die Rideshare-Plattform Bla Bla Car bis hin zur Unterkunftsbuchung über Airbnb – Nutzer planen mittlerweile fast jeden Schritt ihrer Reise online.

Neben US-Mobilitätsriesen wie Expedia oder Uber, wertet der Digital Economy Compass von Statista auch einige deutsche Unternehmen als große globale Player in diesem Bereich: Die Deutsche Bahn, Lufthansa und Flixbus.

Player E-Travel - Statista Digital Economy Compass
E-Travel Player (Quelle: Statista). Screenshot by Marinela Potor

 

Wirklich innovativ sei von diesen drei Transport-Anbietern aber nur Flixbus, findet Thomas Köhler: „Flixbus ist in der Tat ein Phänomen, für mich ist das das deutsche Gegenstück zu Uber und zudem ein Musterbeispiel für Entrepreneurship.“

Lufthansa dagegen habe seinen Service zwar konsequent durchdigitalisiert, hinke aber bei Ausnahmefällen und Störungen stark hinterher, sagt Köhler. Die Deutsche Bahn wiederum überzeugt Köhler überhaupt nicht: „Die Deutsche Bahn halte ich für extrem reaktiv und langsam. Man war zwar frühzeitig in Carsharing und alternativen Mobilitätsmodellen dran, hat aber bis heute nichts draus gemacht, während alles drumrum boomt.“

Autoland Deutschland fällt zurück

Neben E-Travel wirft der Digital Economy Compass 2017 auch einen Blick auf Connected Cars – ein weiteres wichtiges Zukunftsthema in der Mobilitätsbranche. Wie wichtig dieser Bereich ist, zeigt allein die Tatsache, dass von BMW über Daimler bis Jeep nahezu jedes Autounternehmen der Welt an verschiedenen Technologien des Connected Cars arbeitet.

Der Connected-Cars-Markt hat also nach den Prognosen von Statista ein sehr großes Wachstumspotential. In den USA wird in den kommenden fünf Jahren ein Einnahmen-Wachstum von 25,5 Prozent pro Jahr in diesem Segment erwartet, in China 55,8 Prozent und in Deutschland immerhin 34,1 Prozent.

Connected Cars Wachstum - Statista Digital Economy Compass
Connected Cars Wachstum (Quelle: Statista). Screenshot by Marinela Potor

Dabei seien aber die sehr optimistischen Zahlen zu steigenden Einnahmen von Statista mit Vorsicht zu genießen, gibt Köhler zu bedenken. Als Autor eines der ersten Bücher zum Thema „Connected Cars“ weiß Köhler, dass viele Unternehmen das Label gerne für eine Reihe von Features nutzen. Darunter kann sowohl der Bluetooth-Anschluss als auch der Autopilot fallen. Connected Cars sei also ein sehr weites Feld und es sei schwer abzuschätzen, auf welche Technologien sich die Statista-Zahlen genau bezögen. Doch eins ist dennoch sehr offensichtlich: Das Autoland Deutschland wird künftig immer weiter hinter den USA und China zurückfallen.

Die Modelle, auf die deutsche Autobauer wie BMW oder Daimler setzen, seien zu kurzfristig gedacht, kritisiert Köhler: „Sie schaffen es, teure Extras teils für mehrere tausend Euros zu verkaufen und manchmal sogar noch ein Abo-Modell daraufzusetzen. Dieses margenträchtige Geschäft hat man noch immer weitgehend im Griff, auch wenn es an den Rändern erodiert. Anders gesagt: Das Geschäft ist endlich.“

Fehlt hier möglicherweise die Zukunftsvision eines Elon Musk? Teils ja und teils nein, findet Köhler. Musk habe zwar einerseits die verschlafene Branche aufgeweckt und gezeigt, dass auch Neueinsteiger in einem so etablierten Markt wie dem Automarkt erfolgreich sein können. Dennoch lehne sich der US-Unternehmer manchmal etwas zu weit aus dem Fenster: „Alleine mit der Namensgebung „Autopilot“ hat er Hoffnungen geweckt, die in der Praxis nur unter eng begrenzten Bedingungen erfüllt werden können. Von einem echten voll autonomen Fahrzeug bei dem man auf Lenkrad und Pedale verzichten kann sind wir noch Jahrzehnte entfernt.“

Von Deutschland bis China, von E-Travel bis Connected Cars: Der globale Mobilitäts-Markt bietet noch viel Raum nach oben.


Image (adapted) „Electric Car“ by MikesPhotos (CC0 Public Domain)

Image by Thomas Köhler


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  • HACKER sueddeutsche: WannaCry, NSA und BND: Globaler Cyber-Angriff zeigt, wie riskant die Arbeit der Geheimdienste ist: Seit Freitag sind weltweit Hunderttausende Computer von dem Hackerangriff rund um den Wurm „WannaCry“ betroffen. Die Attacke scheint zunächst gestoppt, ist aber noch nicht ganz überstanden. Die Hacker haben den Notausgang, den ein IT-Spezialist eher zufällig fand und dadurch die Weiterverbreitung von WannaCry stoppte, aus der Ransomware entfernt, erneute Angriffe seien also möglich. Betroffen waren große Konzerne wie Renault oder die Deutsche Bahn und ausgelöst wurde die Attacke, wenn auf einen E-Mail-Anhang geklickt wurde.

  • DIGITALISIERUNG t3n: Bahnchef will die Fahrkarte abschaffen: Laut Bahnchef Richard Lutz ist der klassische Bahn-Fahrschein bald passé. Die Digitalisierung nimmt auch in den öffentlichen Verkehrsmitteln Einzug und nun soll auch das digitale Ticketing eingeführt werden. In Zukunft soll der Zug über das Handy des Passagiers erkennen, wann dieser ein- und aussteigt und infolgedessen automatisch einen Betrag abbuchen. Das dafür benötigte WLAN-Netzwerk wird derzeit bereits ausgebaut. Nicht unbeteiligt an dieser Entwicklung war sicherlich auch der weltweite Wanna-Cry-Hackerangriff am Freitag, von dem auch die Deutsche Bahn betroffen war.

  • KONFERENZ heise: Cube Tech Fair: Zum Abschluss rockt Steve Wozniak das Haus: Am Freitag endete die neue, dreitägige Startup-Messe Cube Tech Fair in Berlin. Zu den Stargästen zählten Tech-Aktivistin Robin Wright und Apple-Mitgründer Steve Wozniak. Der Job von „The Woz“ auf der Messe war es, einen mit einer Millionen Euro dotierten Startup-Preis zu verleihen, nicht ohne aus seinem bewegten Leben zu erzählen. Insgesamt konnte die Messe rund 5.000 Besucher versammeln und soll auch im nächsten Jahr wieder stattfinden.

  • MICROSOFT spiegel: Windows 10 öffnet sich für iOS und Android: Vergangene Woche hat auch Microsofts hauseigene Entwicklerkonferenz, die “Build 2017”, stattgefunden. So eine Konferenz kommt selbstverständlich nicht ohne große Ankündigungen aus und so war auch Windows 10 ein zentrales Thema. Microsoft hat auf der Build 2017 das Windows 10 Fall Creators Update der Öffentlichkeit präsentiert und will damit insgesamt einen viel größeren Fokus auf Nutzer mobiler iOs- und Android-Geräten legen. Windows 10 zeigt sich offen wie nie und holt sogar den größten Konkurrenten an Bord: Apples iTunes wird im Windows Store verfügbar sein.

  • WIRTSCHAFT faz: Delivery Hero: Frisches Geld für Foodora-Muttergesellschaft: Der südafrikanische Investor Naspers hat jetzt 387 Millionen Euro in die “Lieferheld”, “Foodora” und “Pizza.de” Muttergesellschaft gesteckt. Das Internet-Beteiligungsunternehmen Rocket Internet hat für den Essenslieferdienst Delivery Hero einen weiteren Investor gefunden. Damit sinkt der Anteil des Internet-Brutkastens an Delivery Hero von zuletzt knapp 38 Prozent auf etwa 33 Prozent.Schon 2015 und 2016 war der Börsengang für Delivery Hero geplant, 2017 soll es nun nach einem Wachstumssprung des Unternehmens soweit sein.

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Wie DAX-Vorstände ihre Gehälter festlegen und Martin Schulz zu kurz springt

Tresor (adapted) (Image by DasWortgewand [CC0_Public Domain] via Pixabay)

Im Kreisverkehr der Deutschland AG verlaufen die Karrieren auf C-Level wie geschmiert. Vorstände wechseln über Kamingespräche, Seilschaften und Verbindungen zu mächtigen Aufsichtsräten und finanzstarken Investoren, die seit Ende der neunziger Jahre immer mehr Einfluss auf das Geschehen von börsennotierten Unternehmen bekommen. Oder in den Worten des ehemaligen DAX-Vorstandes Thomas Sattelberger:

„Karrieren werden beim Pinkeln gemacht. Karrierepolitik findet in geschlossenen Räumen statt, wo nicht jeder Zutritt hat. Und sie findet in Räumen statt, wo nur Männer sind. Das ist dann wie im vatikanischen Konklave, das kann ich aus 30 Jahren Erfahrung sagen, denn ich war Opfer und Täter von Karriereentwicklung.“

Und das gilt nicht nur für die Kunst des Postenwechsels, sondern auch für die Festlegung der Vorstandsbezahlung.

Bullshit-Detektor der Volkswirtschaftslehre

Da ist es gut, dass es einen Ökonomen wie Martin Hellwig gibt. Von der Wochenzeitung „Die Zeit“ wurde er vor ein paar Wochen als kritisch, klug und kantig porträtiert. Er deckt immer wieder nicht nur Widersprüche in Theorien auf, sondern beschäftigt sich auch mit den zum Teil fragwürdigen Leistungen der Ökonomik in der wirtschaftspolitischen Beratung. Hellwig, der bis Ende April Direktor des Bonner Max-Planck-Instituts zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern war, ist ein Mythenjäger – ein „Bullshit-Detektor der Volkswirtschaftslehre“, schreibt die Zeit. „Er war Vorsitzender der Monopolkommission und schrieb nach der Finanzkrise einen internationalen Bestseller über die Lügen der Bankenlobby“. Sein Fazit gegenüber der Zeit: „Bei vielen großen Themen kommt mehr zusammen, als dass eine präzise Modellierung möglich wäre.“

Mathematische Modelle versagen in der wirtschaftspolitischen Beratung

Sie würden das Problem erheblich einengen. „Und diese Einengung erfordert wiederum ein Urteil darüber, was bei einem Phänomen wichtig ist und was unwichtig. Dazu fehlt uns aber die Grundlage.“ Mit Mathematik lässt sich eben nicht alles erklären. Auch nicht die hohen Managergehälter, die sich in den vergangenen 30 Jahren immer drastischer von den Durchschnittslöhnen entfernen. Viele Ökonomen erklärten das mit der neuen Macht der Aktionäre.

„Weil die Konzerne sich am Finanzmarkt finanzieren konnten, brauchten sie die Banken nicht mehr, die bei ihnen lange mitregiert hatten. Auch Gewerkschafter oder Staatsvertreter bremsten den Anstieg der Gehälter nicht mehr, so die Theorie. Aktionäre bezahlten demnach nun aus eigenen Stücken so gut dafür, dass die CEOs den Börsenwert ihrer Unternehmen nach oben trieben. Später stellte sich allerdings heraus, dass die CEOs auch dann riesige Summen verdienten, wenn der Börsenwert sank oder die Zukunft gleich ganz verspielt wurde. Und es wurde offenbar, was Hellwig schon länger erkannt hatte: Die Explosion der Chefbezahlung war nicht die Folge von Aktionärsmacht, vielmehr hatten die Manager es wohl selbst so beschlossen“, so die Zeit. Das fing in den USA an und als Daimler den amerikanischen Automobilkonzern Chrysler übernahm, war es auch in Deutschland so weit. Man erinnert sich vielleicht noch an die Exzesse des Herrn Schrempp.

Wer hat die Macht in Großunternehmen?

Die Macht lag und liegt nicht bei den Aktionären, die auf dem Papier das Sagen haben. „Die eigentliche Macht in den Großunternehmen liegt bei den Managern“, sagt Martin Hellwig im Gespräch mit der Zeit. „Die Bedeutung von ‚Shareholder-Value‘, den Börsenkursen und den Boni, ist nicht etwa von den Anlegern erzwungen, sondern von den Managern selbst gefördert worden.“ An dieser Stelle des Zeit-Beitrages kommen dann leider nur Fragen, aber keine Lösungen. Warum? Und warum gerade in den 1990er Jahren? Und ist das nun gut oder schlecht für die Lenkung einer Volkswirtschaft? Nur ein Gedankengang wird noch zur Diskussion gestellt:

„Wenn es stimmt, dass an der Spitze der Großunternehmen gerade keine Rücksicht auf die vielen kleinen Aktionäre genommen wird, dann muss man wohl deren Macht nicht schwächen, sondern stärken, um die Spitzengehälter unter Kontrolle zu halten.“

Wenn das so ist, reicht dann die Forderung von Politikern wie Martin Schulz aus, die Managerbezüge gesetzlich zu begrenzen? Die SPD hat Pläne vorgestellt, die die steuerliche Absetzbarkeit der Managergehälter von Aktiengesellschaften und vergleichbaren Kapitalgesellschaften bei 500.000 Euro im Jahr decken. Die Union will dagegen die Festlegung der Managergehälter der Aktionärshauptversammlung eines Unternehmens übertragen. Auch das greift zu kurz. Warum haben sich denn die Vorstandsbosse von den Interessen der Aktionäre abgekoppelt? Es liegt an den fundamentalen Machtverschiebungen in den börsennotierten Konzernen.

Kein Stimmrecht für Dealmaker

Am Aktienmarkt sind immer häufiger die privaten Anleger die Verlierer. Unternehmen buhlen um Ihre Gunst, um eine stärkere Streuung der Aktien zu erzielen, dann aber werden sie wieder vernachlässigt und die großen Investoren bestimmen den Takt. Inwieweit dient die Finanzwirtschaft eigentlich noch der Realwirtschaft und welche Rolle spielen dabei die Privatanleger am Aktienmarkt? Spielen dabei überhaupt noch unternehmerische Interessen eine Rolle oder geht es nur um den schnellen Gewinn an der Börse?

Es geht um das sogenannte Principal-Agent-Problem – das heißt, die Frage, wie man als Eigentümer die im Auftrag handelnden Personen so steuert und überwacht, dass man nicht systematisch betrogen oder am Nasenring vorgeführt wird. Das Shareholder Value-Prinzip hat das Unternehmertum auf finanztechnische Kennziffern reduziert. Gewinn kann man aber nicht mit wirtschaftlich-unternehmerischer Leistung verwechseln.

Heutzutage sind Shareholder keine Aktionäre mehr im Sinne des unternehmerischen Eigentümers, sie sind Dealmaker.

Die sogenannten institutionellen Anleger halten heute fast 70 Prozent der Aktien, während sie 1950 lediglich neun Prozent besaßen. Den institutionellen Anlegern geht es in erster Linie um die Turnover-Rate, also um Aktienumschichtungen und weniger um unternehmerische Belange, sonst würden diese Manager die Papiere länger halten.

Zusammenspiel von Vorständen, mächtigen Aufsichtsräten und Investoren offenlegen

Mein erster Vorschlag: Wer an der Bestellung des Aufsichtsrates und über diesen Weg an der Corporate Governance mitwirkt, sollte einer Haltefrist unterworfen werden. Wer das nicht tut, darf in der Hauptversammlung kein Stimmrecht haben. Zweiter Vorschlag: Verbesserung der Transparenz bei den Beteiligungsverhältnissen und Offenlegung von Überschneidungen zwischen Top-Management und institutionellen Anlegern.

Institutionelle Investoren und Hedge Fonds schlüpfen auch in Deutschland in die Rolle, die ehedem den Großaktionären vorbehalten war.

„Sie tun so, als wären sie langfristig denkende Mehrheitseigentümer, aber in den meisten Fällen verschwinden sie genauso schnell wieder, wie sie gekommen sind – allerdings erst, nachdem sie das Management ausgetauscht und umfangreiche Ausschüttungen an die Aktionäre, also sich selbst, durchgesetzt haben“, so die Erfahrungen von Werner Seifert, ehemaliger Chef der Deutschen Börse.

Für alle Akteure auf den Kapitalmärkten der OECD sollten Offenlegungspflichten gelten. „Es darf nicht sein, dass Fonds, die auf den Cayman-Inseln registriert sind und so gut wie keine Informationen über ihre Eigentümer oder ihre Geschäftspraktiken herausrücken, zentralen Einfluss darauf nehmen können, wie große und größte Unternehmungen in Deutschland und in anderen Industriestaaten geführt werden“, kritisierte Seifert schon vor dem Ausbruch der Finanzkrise und fand bis heute wenig Gehör. Das Mindeste, was man von diesen Anteilseignern verlangen müsse, sei die Offenlegung ihrer Beteiligungen. Auf Facebook hab ich das ausführlicher dargelegt:

Managergehälter und Allianzen mit Dealmakern #KollaborativeRecherche

Wenn also Vorstände, einflussreiche Aufsichtsräte und institutionelle Anleger in einem Boot sitzen und ihre Geschäftchen aushandeln, gehen die Vorschläge von SPD und CDU ins Leere.


Image (adapted) „Tresor“ by DasWortgewand (CC0 Public Domain)

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  • FACEBOOK heise: Facebook-Seite sammelt Kinderbilder: Eine Facebook-Seite mit dem mehrdeutigen Namen „SAsha TIschREin“ sammelt Bilder von Säuglingen und Kleinkindern. Die Bilder wurden ursprünglich von stolzen Eltern hochgeladen, die die Fotos von ihrem Nachwuchs in dem sozialen Netzwerk geteilt haben. Jedoch sind auf einigen der Bilder auch Kinder zu sehen, die fast nackt in der Badewanne oder am Strand sind. „Das Phänomen ist in unserem Fachdezernat Cybercrime bekannt“, sagt ein Sprecher des Bayerischen Landeskriminalamtes. „Eine Straftat lässt sich daraus nicht ableiten, da die Eltern in der Regel diese Bilder posten und entsprechend freigeben.“ Somit sei der Zugriff auf die jeweiligen Bilder erlaubt. Auf eine Anfrage via Facebook-Nachricht antwortet ein Administrator: „Viele FB Nutzer schmeißen ihre Informationen durchs www wie Konfetti. Genau das wollen wir aufzeigen. Besonders liegt uns der Schutz von Kinderbildern am Herzen. Das www ist voll von üblen Menschen, die diese Bilder für ihre Zwecke missbrauchen und dem wollen wir entgegen wirken.“

  • POST golem: DHL will Smart in Berlin zur Paketstation machen: In Berlin haben sich 100 Besitzer eines Smarts gemeldet, um bei einem Pilotversuch der DHL mitzumachen, wie die Berliner Morgenpost berichtet. Dabei wird der Kofferraum des Fahrzeugs zur mobilen Packstation umfunktioniert. Die Besitzer tragen dies bei der Bestellung ins C/O-Feld ein und generieren damit einen Code. Diesen muss der Zusteller über die App eingeben, wenn er sich dem Smart nähert. Dadurch öffnet sich der Kofferraum und der Zusteller kann das Paket dort hinterlegen.

  • WIRTSCHAFT futurezone.at: Deutsche Unternehmen drängen in chinesischen Online-Handel: Deutschlands Discount-Marktführer Aldi wagt den Schritt nach China – allerdings nicht mit eigenen Läden, sondern per Internet. Ab Frühjahr 2017 werden chinesische Kunden auf einem Online-Marktplatz des E-Commere-Riesen Alibaba, unter anderem Wein, Snacks und Frühstücksprodukte aus dem Aldi-Eigenmarkensortiment bestellen können. „Wir sind davon überzeugt, dass auch chinesische Kunden ein großes Interesse an der Qualität und den günstigen Preisen haben, die wir ihnen bieten können“, begründete der Aldi-Landesgeschäftsführer China, Christoph Schwaiger am Donnerstag den Schritt.

  • SNAPCHAT t3n: Snapchat-Aktie startet mit 41 Prozent Gewinn: Dank der hohen Nachfrage lag der Einstandskurs der am Donnerstag unter dem Kürzel SNAP erstmals an der New York Stock Exchange gehandelten Papiere der Snapchat-Mutter Snap mit 24 Dollar rund 41 Prozent über dem Ausgabepreis von 17 Dollar. Die Platzierung erreichte ein Volumen von 3,4 Milliarden Dollar (3,2 Milliarden Euro). Snap war zum Börsendebüt insgesamt rund 24 Milliarden Dollar wert. Schon vor dem Snap-Börsengang war die Preisspanne für die Ausgabe der Aktien wegen großer Nachfrage nach oben korrigiert worden – von 14 bis 16 Dollar auf 17 Dollar.

  • SMARTHOME Welt: Das kann die intelligente Heimbeleuchtung von Ikea: Unter dem Namen „IKEA Tradfri“ (schwedisch für „drahtlos“) vertreibt IKEA intelligente Smarthome-Produkte. Zum Sortiment gehört auch eine Leuchte, deren Farbtemperatur in drei Stufen angepasst werden kann – von kalt bis warm. Die Steuerung funktioniert dabei über eine Fernbedienung, die auch über eine Wandhalterung verfügt. Konkurrenzprodukte wie etwa die Philips Hue White Ambiance bieten zudem eine WLAN-Funktion an, sodass die Leuchte über das Smartphone gesteuert werden kann. Das ist bei der IKEA-Leuchte nicht vorgesehen, wodurch das Gerät allerdings konkurrenzlos einfach zu installieren ist.

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Narrative Simulationen von digitaler Rebellion – Wie Erzählungen die Ökonomie umformen

calculator (adapted) (Image by stevepb [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Professor Robert Shiller von der Yale-Universität wundert sich, warum sich die Ökonomen-Zunft nicht stärker mit dem Faktor der Narration beschäftigt, um wirtschaftliche Schwankungen zu erklären. Also Erzählungen, die sich wie ein Virus verbreiten, neudeutsch viral werden oder sich als Mem entpuppen und das Denken und Handeln der Menschen beeinflussen. Die Kollegen des Wirtschaftsnobelpreisträgers Shiller haben vielleicht Besseres zu tun. Die meisten. Sie arbeiten lieber mit Gleichungen, rechnen mit allgemeinen Gleichgewichtsmodellen, fabulieren von Angebots- und Nachfrageströmen und laufen der Illusion hinterher, mit Preisen und der Entwicklung der Geldmenge das wirtschaftliche Geschehen zu erläutern.

Ursache- und Wirkung-Irrtümer in der Ökonomik

Dabei sind sie häufig nicht in der Lage, in ihren Formeln Wirkungen und Ursachen zu unterscheiden. Es passiert sogar, dass sie den ceteris paribus-Variablen kausale Wirkungen zuschreiben. Oder die Wirkungen gehen ihren Ursachen voraus. „Die Werte der Variablen können nur anhand dessen ermittelt werden, was sie eigentlich erklären sollen“, so Tobias Schmidt zum Phänomen der Zirkelschluss-Ökonomie, die man nicht widerlegen kann und somit wissenschaftstheoretisch eher der Theologie zuschreiben sollte.

Die Schwächen der Theorie werden dennoch weggebügelt, etwa von einem FAZ-Leser aus Mörfelden-Walldorf: „So wichtig und zum Teil sogar amüsant solche ‚Narrative’ im Einzelfall auch sein mögen, so können sie doch eine systematische theoretische Durchdringung von wirtschaftlichen Großkrisen mit Hilfe mathematischer Modelle nicht ersetzen.“ (Erinnert Euch an das Ursache-Wirkung-Verwirrspiel der ceteris paribus-VWL-Theologen, Anm. d. Autors).

„Von daher erscheint es mir wichtiger, die praktische Anwendung solcher Modelle etwa durch einen Ausbau der ökonometrischen Forschung zu verbessern, als nach lustigen oder auch weniger lustigen Anekdoten und Erzählungen zu suchen.

Auch gegen noch mehr und bessere praktische Beispiele in der Volkswirtschaftslehre, wie es der langjährige Doyen der Wirtschaftswissenschaften, Paul Samuelson, in so vorbildlicher Weise vorgeführt hat, sowie eine verstärkte Zusammenarbeit mit angrenzenden Disziplinen wie der Geschichte, der Politologie, der Soziologie oder der Psychologie wäre meines Erachtens nichts einzuwenden. Aber Narrativ-Ökonomie? Nein, danke!“

Schumpeter war in Bonn weiter

Was der Doktor dort zu Papier gebracht hat, würde einem wohl auf fast jeder VWL- oder BWL-Fachtagung entgegen geschleudert werden. Wer die Gottheiten der Mainstream-Ökonomik antastet, erntet „Nein, danke“-Repliken. Dabei waren Wirtschaftswissenschaftler in Deutschland schon einmal weiter, etwa Joseph Schumpeter, der in seiner Lehrtätigkeit an der Bonner Universität der mentalen Verfassung der Gesellschaft nachging. Die So­zio­lo­gie taucht nicht zu­fäl­lig so häu­fig in seinen Vor­le­sun­gen auf. 

Wirtschaftsordnung und mentale Verfassung der Gesellschaft

Als er 1927 sei­nen ers­ten Auf­ent­halt als Gast­pro­fes­sor an der Har­vard Uni­ver­si­tät an­trat, hat­ten sich die dor­ti­gen So­zio­lo­gen noch nicht vom wirt­schafts­wis­sen­schaft­li­chen In­sti­tut ab­ge­spal­ten, um eine selb­stän­dige „Gruppe für So­zi­al­be­zie­hun­gen“ zu bil­den. Das er­wies sich für Schumpe­ter als glück­li­cher Um­stand, denn seine ei­gene Be­trach­tungs­weise der Ökonomie ori­en­tierte sich im­mer stär­ker an der So­zio­lo­gie. Er war be­strebt, un­an­ge­mes­sene Ver­ein­fa­chun­gen zu ver­mei­den. Seine Hin­wen­dung zu ei­ner in­ter­dis­zi­pli­nä­ren Sicht­weise des öko­no­mi­schen Ge­sche­hens brachte er be­reits 1926 in ei­nem Auf­satz un­ter dem Ti­tel „Gus­tav von Schmol­ler und die Pro­bleme von heute“ zum Aus­druck. Darin wür­digt er Schmol­ler da­für, das Feld der Na­tio­nal­öko­no­mie über die Gren­zen der rei­nen Theo­rie aus­ge­wei­tet zu ha­ben.

Schmol­ler habe ge­mein­sam mit Max We­ber ei­ner neuen Art von his­to­risch fun­dier­ter Wirt­schafts­so­zio­lo­gie oder So­zi­al­öko­no­mie den Weg ge­wie­sen. Das war sei­nen ei­ge­nen For­schun­gen ge­schul­det und sei­nen Er­fah­run­gen in Po­li­tik so­wie Ge­schäfts­le­ben. Belege für diese These finden in dem Aufsatz von 1928 „Die Ten­den­zen un­se­rer so­zia­len Struk­tur“.

Hier un­ter­sucht Schum­pe­ter die Dis­kre­panz zwi­schen der Wirt­schafts­ord­nung Deutsch­lands und der So­zi­al­struk­tur. Die Wirtschaftsorga­ni­sa­tion war ka­pi­ta­lis­tisch, die deut­sche Ge­sell­schaft war aber in ih­ren Ge­bräu­chen und Ge­wohn­hei­ten nach wie vor in länd­li­chen, ja so­gar feu­da­len Denk­wei­sen ge­fan­gen – heute in­dus­trie­ka­pi­ta­lis­tisch. Die öffentliche Meinung hinkte der wirtschaftlichen Realität hinterher, mit fatalen Folgen für den Arbeitsmarkt.

Hipster-Scheiß mit Ausbeutungsabsichten

Virus, Frame oder Mem – hier geht es nicht um lustige Geschichten oder Anekdoten, es geht um die Orientierung der Menschen, die zu massiven Veränderungen der Volkswirtschaften führen können. Etwa die Story vom anarchischen Sillicon Valley, die in Wahrheit nur ein lauwarmer Hipster-Scheiß zur Rechtfertigung von unentgeltlich geleisteter Arbeit ist. Nach Ansicht des Wirtschaftswissenschaftlers Philip Mirowski sei das eine der wirksamsten Erzählungen zur Simulation von Rebellion. Man erzeugt eine blumige Fata Morgana, um den Menschen das Gefühl eines vollständigen Ausstiegs aus dem Marktsystem zu geben, um dieses Gefühl dann für Marktprozesse in Dienst zu nehmen.

Das Aufbegehren gegen das kapitalistische Establishment mit einer frechen Hacker-Kultur ist ein gigantisches Täuschungsmanöver. Dieses eigentümliche Hybrid aus freiwilliger unbezahlter Arbeit, hierarchischer Kontrolle und Kennzahlen-Orientierung in den Silicon Valley-Konzernen sowie kapitalistischer Aneignung sei in der gegenwärtigen Ära der Netzökonomie so vorherrschend geworden, dass manche darin eine neuartige Wirtschaftsordnung sehen. Der freiwillige Verzicht auf die Vergütung wertvoller Leistungen sorgt für satte Renditen bei den kalifornischen Technologie-Champions. Man bekommt als Gegenleistung das vage Versprechen, „Reichweite“ zu ernten und Netzwerke knüpfen zu können. „Für weniger als einen Hungerlohn erfüllen überqualifizierte Bittsteller die niedrigsten Aufgaben“, moniert Mirowski.  

Illusion von Freiheit und Selbstbestimmung

Das färbt auch auf die traditionelle Wirtschaft ab. Man baut auf die Freelancer-Ökonomie und lässt die Freiberufler im Geist der Selbstbestimmung und Freiheit mit mickrigen Honoraren vor die Wand laufen. Hauptsache, alle haben ein gutes Gefühl im Duz-Modus.

Das Notiz-Amt sieht die Notwendigkeit, diesen Teil der Geschichte neu zu erzählen. Etwa über den Haudrauf-Unternehmer Oliver Samwer, der sogar sterben würde, um zu gewinnen. Think big hat er seinen Leuten als Losung aufgegeben. Execution now, lautet einer seiner Lieblingsbefehle. Da hilft nur weglaufen und den Mittelfinger zeigen: „Mir widerfuhr die traurige Ehre, dass ich nur drei Tage Personalchef von Groupon war und mit den Samwer-Brüdern zusammen gearbeitet habe, bis ich mich mit einem dieser Typen so anlegte, dass ich in der Mittagspause gegangen bin“, erläutert Heiko Fischer von Resourceful Humans.

Jungunternehmer-Pornohefte feiern Vulgärkapitalisten

Den Führungsstil solcher Karrieristen müsse man aufbrechen. Nicht nur das. Man muss ihnen in der Öffentlichkeit die Leviten lesen und sie entlarven. Etwa die Geschichten im Jungunternehmer-Pornoheft Business Punk, in dem die neue Unanständigkeit gefeiert und Arschlöcher wie Uber-Gründer Travis Kalanick abgejubelt werden. Es ist ja auch abgefahren, wenn jemand Gesetze für sinnlos hält, Steuerhinterziehung predigt und staatliche Regeln mit exterritorialen Insel-Pseudostaaten aushebeln will.

Öffentliche Kontrolle, anstrengende und zeitraubende Gesetzgebungsverfahren stören die Business Punker. Als Ergebnis bekommen wir repressive Toleranz, wie es Herbert Marcuse formulierte. Repräsentiert von Vulgär-Kapitalisten wie Donald Trump. Antidemokratische Systemzersetzung im Geiste egozentrischer Machtspiele á la Peter Thiel.

Auch das ist Teil der narrativen Ökonomie, die man endlich öffentlich und ohne Schongang debattieren sollte.


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Trump-Ideologie hinter der Bubblegum-Hippie-Fassade im Silicon Valley

startup (adapted) (Image by StartupStockPhotos [CC0 Public Domain] via Pixabay)

In der Wirtschaft geht es immer um Wertentscheidungen. Jeder ökonomische Formelkonstrukteur ist gefordert, seine Weltsicht zu erklären. Das gilt auch für jene, die auf Bühnen über die Notwendigkeit der Digitalisierung schwätzen, aber sich in Wirklichkeit hinter Begriffskaskaden verstecken. Die Keynote-Dauerredner sprechen von Digitaler Transformation, Digitalem Darwinismus (sozusagen die Donald Trump-Variante des Business-Darwinismus), Disruption oder Innovation, erläutern aber nicht, welche Programmatik dahinter steckt.

„Wenn wir wirklich eine inklusive, nachhaltige und verantwortliche Gesellschaft und Ökonomie wollen, müssen wir unsere Bilanzen und Logiken ändern. Ich halte das für fundamental. Was sind die grundlegenden Paradigmen und Theorien der Ökonomie? Die sind implizit normativ. Am Ende ist Digitalisierung kein Selbstzweck. Es gibt auch keinen Determinismus* (*=Die Anschauung, dass alle Ereignisse im Voraus festgelegt sind und es keinen freien Willen gibt, Anm. des Autors). Wir haben gestalterische Freiheiten. Wohin führen unsere Denkansätze?“, fragt sich Winfried Felser in der netzökonomischen Ideenrunde.

Wie gerecht ist die Netzökonomie?

Darüber denkt in der digitalen Technologieszene kaum einer nach. Umso mehr müsste sich die Wirtschaftswissenschaft mit diesen Fragen beschäftigen, fordert Uwe Schneidewind, Präsident des Wuppertal-Instituts.

Die Ökonomik sollte etwas zu möglichen und wünschenswerten Szenarien in der Zukunft sagen. Sie muss wieder Möglichkeitswissenschaft werden: Wie könne eine Ökonomie aussehen, die die Produktivitäts­fortschritte der Informationswirtschaft für einen Wohlstand nutzt, der bei möglichst vielen Menschen ankommt? „Sind Postwachstums­gesellschaften denkbar, die dennoch eine hohe Lebensqualität für zehn Milliarden Menschen innerhalb der planetaren Grenzen schaffen? Wie sehen Perspektiven für einen zeitgemäßen Kapitalismus aus? Ein solches Zielwissen ist normativ, die zugrunde liegenden Normen bedürfen der Explizierung und der Begründung“, so Schneidewind.

Tschakka-Weisheiten im Killermodus

Im Silicon Valley ist davon wenig zu spüren. Da findet man eher eine Menge Donald Trump-Ideologie, auch wenn die kalifornischen Protagonisten der Netzökonomie das empört zurückweisen würden: Das Dasein sei ein Dschungel, in dem man bereit sein muss, zu kämpfen – das ist das Credo von Trumps „kontrollierter Paranoia“. Überleben werde nur der Stärkere. Für den neuen Präsidenten der USA gibt es nur zwei Sorten von Menschen: Gewinner und Verlierer, man ist entweder das eine oder das andere. „Sei ein Killer“, so der „pädagogische“ Leitspruch seines Vaters.

Den ideologischen Überbau für den donaldistischen Siegeszug lieferte der evangelikale Tschakka-Wanderprediger Norman Vincent Peale, Autor des Bestsellers  „The Power of Positive Thinking“: „Formuliere und präge deinem Verstand ein mentales Bild von dir selbst als jemand ein, der Erfolg hat. […] Halte hartnäckig daran fest. Lass es niemals verblassen. Denk nie von dir selbst als jemand, der versagt“, so die anarcho-kapitalistischen Phrasen von Peale. Bei Trump wird das Prinzip zur Manie: „Ich gewinne, ich gewinne, ich gewinne immer. […] Am Ende gewinne ich immer, ob nun beim Golf, beim Tennis oder im Leben, ich gewinne einfach immer. Und ich sage den Leuten, dass ich immer gewinne, weil ich eben immer gewinne.“ Und wenn er nicht gewinnt, straft er die Leute eben ab, die nachweisen, dass er nicht immer gewonnen habe. Oder er empfiehlt gar die Übernahme oder gar Schließung von Institutionen, die seinem Siegeswahn im Wege stehen.

Hütchenspieler im Tal der Zukunft

Plappern die Papageien im „Tal der Zukunft“ einen anderen Sound? Hinter der sektenhaften New-Age-Wir-verbessern-die-Welt-Fassade steckt doch sehr viel Sieger-Gequatsche und Aufgeblasenheit á la Trump.

Ein Großteil der Silicon-Valley-Gründergeneration besteht aus ziemlich unangenehmen Typen, schreibt der Journalist und Drehbuchautor Dan Lyons in seinem Opus „Von Nerds, Einhörnern und Disruption“. „Frühere Hightech-Unternehmen wurden von Ingenieuren und MBAs gegründet, heutige von jungen, moralfreien Hütchenspielern, von der Art Jungs (und es sind fast alles junge Männer), die sich im Kino ‚The Social Network‘ angesehen haben, in dem Mark Zuckerberg als diebischer, heimtückischer Lügner dargestellt wird, und die danach genauso werden wollen wie er. Viele haben gerade erst das College abgeschlossen – oder sich nicht einmal die Mühe gemacht, es abzuschließen.“ In ihren Unternehmen gehe es zu wie im Hauptquartier einer Studentenvereinigung. Twitter habe wirklich einmal eine Betriebsfeier mit dem Thema Fraternity (Studentenverbindung) gegeben.

Frauen begrapschen und Wasserpfeifen mit Bier befüllen

„Seit 2012 gibt es im Silicon-Valley-Wörterbuch den Begriff brogrammer – ein Programmierer vom Typ bro, ein jugendlicher Macho, der seine Wasserpfeife mit Bier füllt und Frauen begrapscht. Bald kommen die unvermeidlichen Skandale und Prozesse, die Geschichten über schleimige Gründer, die weibliche Angestellte belästigen oder, in einem extremen Fall, ihre Freundin zusammenschlagen. Solche Leute stehen an der Spitze der neuen Generation Hightech-Unternehmen, solchen Leuten vertrauen viele Menschen sehr viel Geld an. Man möchte sich ja gerne vormachen, dass die Zeche, wenn diese Blase platzt, von den Risikokapitalgebern der Sand Hill Road in Menlo Park gezahlt wird, aber ein Großteil des Geldes, das man diesen Kids jetzt nachwirft, stammt aus Pensionsfonds“, warnt der frühere Newsweek-Technologieredakteur. Die Zeche werden sehr viel mehr Leute zahlen müssen als nur ein paar Berufsinvestoren, die Risiken gewohnt seien.

Gierige Investoren und unmoralische Gründer

„Wenn ich mich in San Francisco umsehe, fürchte ich, dass das alles nicht gut gehen kann. Diese Kombination aus Wunschdenken, billigem Geld, gierigen Investoren und unmoralischen Gründern ist das Rezept für eine Katastrophe“, so Lyons. Gute Gründe, um auch den netzökonomischen Diskurs mit normativer Brille zu führen. Fernab von den Hurra-Meldungen über neue Gadgets, Apps und Plattformen.

Das Silicon Valley ist ethisch betrachtet kaum hübscher als die Wall Street, mit deren Milliarden aus dem Derivatenhandel es reich geworden ist, bemerkt Zeit-Autor Alard von Kittlitz. Wenn es nicht sogar noch unangenehmer sei, wegen seiner grell geschminkten Bubblegum-Hippie-Fassade. Das Notiz-Amt sieht die Notwendigkeit eines kritischen Rationalismus im Umgang mit den „Helden“ der Digitalisierung.


Image „startup“ by StartupStockPhotos (CC0 Public Domain)


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Man braucht eine Gemeinschaft, um ein Start-up zu errichten

Es ist eine alte Weisheit, dass man ein ganzes Dorf braucht, um ein Kind aufzuziehen. Gleichermaßen braucht man eine Gemeinschaft, um ein erfolgreiches Start-up-Unternehmen zu errichten, das wächst, skaliert und zu einer gesunden Wirtschaft beiträgt. Das war die Nachricht von Brad Feld, einem großen, weltweit agierenden Risikokapitalanleger und Mitbegründer von TechStars, als er zum Zentrum für Businesswachstum der UniSA kam, um mit Risikoanlegern, ‚Business Angels‘, Wachstumsunternehmern, Politikern, Gemeindevorsitzenden und Studenten zu reden.

Seine Nachricht war klar: Start-up-Gemeinschaften können in Städten mit 50.000 und mehr Einwohnern gegründet werden. Obwohl Größe nicht zählt, tun es Gemeinschaftsverhalten und Start-up-Dichte. Wir in Australien beschäftigen uns viel mit unternehmerischen Ecosystemen. Wir zeichnen sie auf und analysieren ihre Stärken und Schwächen. Unsere Analysen sind klinisch und datenbezogen: Hier finden sich Zahlen der gestarteten Unternehmen, Zahlen der verfügbaren Kollokationsflächen und die Menge des angelegten Geldes jedes Jahr.

Nachdem man Brad angehört hat, ist klar, dass dies allein nicht ausreichen wird. Australien ist immer noch zu weit entfernt vom Prozess, Unternehmen zu starten und zu vergrößern. Wir brauchen mehr Menschen, die gewillt sind, sich diesen Prozess zu erarbeiten und daran teilzuhaben. Ein Unternehmen zu starten und vor allem zu vergrößern, ist nicht so einfach zu handhaben. Es reicht nicht, beschreiben und diagnostizieren zu können. Wir müssen uns viel mehr persönlich in unsere australischen Start-ups einbringen.

In den letzten Jahren sind wir besser darin geworden, Menschen darin zu bestärken, Dinge einfach auszuprobieren und ein neues Geschäftsmodell zu starten. Aber es ist oft noch ein langer Weg, bis man Unterstützung erhält, um ein wachstumsstarkes Unternehmen zu werden. Dazu gehören vor allem ie Faktoren Wissen, Betreuung, eine gewisse Geldmenge, Märkte und Kunden. Und wir hätte beinahe einen großen Teil des Ganzen vergessen: Unternehmern zu zeigen, wie sie elegant scheitern – um sie dann bei einem Neubeginn zu unterstützen und nicht aufzugeben. Kurzum- wir müssen Start-up-Gemeinschaften bilden; nicht nur Start-ups, die eigentlich Ecosysteme sind.

Brad verdeutlichte einige essentielle Elemente für eine dynamische Start-up-Gemeinschaft:

  • Menschen, die ein Unternehmen starten wollen, auch Betreuer und Unterstützer der Unternehmer, die es versuchen, scheitern und versuchen es erneut
  • Gemeindeführer mit einer 20-jährigen Perspektive, die sich auf den Aufbau einer Kultur, in der der Versuch, das Risiko, Scheitern und die Hilfe von CEOs, um erfolgreich zu sein, die Norm ist
  • Menschen, die ihr Eigeninteresse beiseite legen können und sich auf das Geben (von Ideen, Zeit, Rat, Geld) konzentrieren, ohne eine Belohnung zu erwarten
  • Menschen, die Außenseiter willkommen heißen und Unterschiede wertschätzen – egal, ob es um das Geschlecht, die Perspektiven, Kulturen, Wissen und Erfahrung geht.

Wir müssen unsere Einstellungen anpassen und unsere Erwartungen danach richten, wie viele Start-ups eigentlich erfolgreich sind, welche Werte zu erwarten sind, wie schnell sie wachsen und wie viel Unterstützung sie brauchen. Nur wenige der größten Unternehmer der Welt haben es bei ihrem ersten Versuch geschafft; normalerweise braucht es einige Misserfolge und Wendungen, um es richtig zu machen. Kinder werden nicht über Nacht zu Erwachsenen, und nicht alle werden Wissenschaftler. Es kann nicht jede Investition ein Erfolg werden – und wir können nicht warten, bis wir absolut sicher sind, dass es einer wird.

Einmal investierte Brad 25.000 US-Dollar in 75 Start-up-Unternehmen und er verdoppelte von einigen den Wetteinsatz. Hat er Geld verloren? Ja – er verlor bei den meisten sein Geld. Aber das Geld, das er einnahm, übertraf die Gesamtmenge der gesamten Investitionen. Viele der Unternehmer, die beim ersten Mal gescheitert sind, starteten ein neues Unternehmen und er investierte beim zweiten Mal in sie – im Wissen, dass sie dieses Mal viel mehr über den Start-up-Prozess wussten als zu der Zeit, wo er seine erste Investition machte. Beim zweiten Mal bilanzierte Feld: „Man wäre ein Idiot, wenn man sie nicht unterstützen würde“.

Leider gibt es keinen Start-up-Simulator, mit dem Unternehmer üben und lernen können, was alles schieflaufen kann, also müssen wir sie alle bei ihrer Entwicklung unterstützen. Je stärker die Start-up-Gemeinschaft ist, umso wahrscheinlicher ist es, dass manche Unternehmen wachsen und skalieren, die wiederum anderen Unternehmen dabei unterstützen können, zu verstehen, wie man wächst und skaliert. Wir müssen sicherstellen, dass unsere Start-ups über die Werkzeuge, das Wissen und die Strukturen verfügen, die ihnen verstehen helfen, was hier vor sich geht.

Wir müssen erfahrene CEOs bestärken, sich als Mentor einzubringen und ihre Erfahrungen beim Starten, Wachsen und Verlassen von Unternehmen teilen. Wir müssen diejenigen ausbilden, die Risikokapitalfonds investieren, sowohl mithilfe von Venture Capital als auch als ‚Business Angel‘, um mehr realistische Erwartungen an die Zeitfenster der Kapitalrendite zu bekommen. Wenn wir diese Art unterstützender Gemeinschaft bilden, wird die Dichte der Start-ups ansteigen, die Zahl der erfolgreichen Unternehmen wird zunehmen, es wird mehr Jobs geben, Investoren kommen gut voran und Australien wird florieren wie nie zuvor.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „hands“ (adapted) by geralt (CC0 Public Domain)


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Das Netz und die Wirtschaft: Es läuft nicht wie geplant

Während mittlerweile knapp der Hälfte der weltweiten Bevölkerung online ist, gehen die Versuche, das Internet weiter zu verbreiten, unvermindert weiter. Die Likes von Facebook und Google bieten „kostenlose“ Datendienste an, während Satelliten, Drohnen und Ballons eingesetzt werden, um diese Orte abzudecken, die die traditionellen Technologien nicht erreichen konnten.

Diese Agenda geht auf das Grundprinzip zurück, dass die Verbreitung des Internets direkt zu wirtschaftlichem Wachstum und zu wirtschaftlicher Entwicklung führt. Es dürfte wenig überraschend sein, eine solche  Begründung von Leuten aus dem Silicon Valley zu hören. Schließlich profitieren sie von der Verbreitung dieser Technologie und es ist ihre Mission, „die Welt offener und vernetzter zu gestalten“. Einfacher ausgedrückt, steckt die Logik dahinter, dass das Internet eine demokratisierende Kraft ist, die allen überall und in jeder Weise zugutekommt.

Sehr ähnliche Ideen greifen auch in den Kreisen der internationalen Entwicklung um sich. Ganz besonders betrifft es Afrika. Besucht man ein Treffen der Oberschicht, wo die Mächtigen sich versammeln, wie etwa das World Economic Forum oder der Weltgipfel zur Informationsgesellschaft, wird man ähnlichen Erzählungen begegnen. Sie preisen das Potenzial der Technologie oder speziell des Internets an, um die Entwicklung zu befeuern und die Armut zu lindern.

Jedoch verspotten Wissenschaftler zunehmend die Idee des technologischen Determinismus – der Glaube oder die Annahme, dass Technologie im Alleingang unsere soziale Welt antreibt und formt. Sie betonen vielmehr das komplexe Vor und Zurück zwischenmenschlichem Handelns, der Gesellschaften und von Technologien wie dem Internet.

Wie sollen wir mit dieser riesigen Kluft zwischen den unterschiedlichen Denkweisen umgehen? Können wir sicher davon ausgehen, dass das Internet  auf die Entwicklung eine positive Wirkung hat – und das immer und überall?

Eine erstaunliche Lücke

In einer bevorstehenden Arbeit versucht unsere Forschungsgruppe am Oxford Internet Institute diese Fragen anzusprechend. Wir wollten einen direkten Vergleich zwischen dem Diskurs von einflussreichen Schauspielern in der internationalen Entwicklung und der zur Verfügung stehenden  Faktenlage ziehen. Afrika wurde unser Anwendungsbereich, weil der Kontinent angeblich von einer „digitalen Renaissance“ oder „Informationsrevolution“ mitgerissen wurde, die die industrielle Revolution des Nordens überspringt.

Wir haben die ICT-Strategien von sechs afrikanischen Ländern und 13 vielbeachteten Berichten von Geschäftsmännern, Entwicklungsorganisationen und Beratungsfirmen analysiert. Die Entwicklung hat viele Dimensionen, daher haben wir unsere Analyse auf den Einfluss des Internets auf das wirtschaftliche Wachstum und die Ungleichheit beschränkt.

Es überrascht vielleicht nicht, wenn die Leser darüber informiert werden, dass wir auch Meinungen von Regierungen und Entwicklungsgruppen ermittelt haben, die die positiven Effekte des Internets überteuert verkaufen sollen. Wir waren sogar erstaunt, wie groß diese Lücke war.

Die Berichte und Strategien gaben an, dass das „Internet eine ungeheure, unbestrittene Kraft für das wirtschaftliche Wachstum und den sozialen Wandel ist“. Wissenschaftliche Studien fassten zusammen, dass der Einfluss des Internets auf die Entwicklung unsicher und unterschiedlich ist, und dass es im Süden geringere Effekte als im Norden gab.

Fehlgeleitete Anstrengungen

Wir waren auch überrascht, wie pauschal und sogar sorglos einige der Behauptungen waren. Einige Berichte nutzten vereinfachende Methoden, um den „Einfluss“ oder die „Effekte“ zu bewerten, während sie ihre Ergebnisse als endgültig bewarben. In einem anderen Beispiel hat ein Bericht sogar eine Quelle falsch zitiert, um seine Argumentation zu stützen, dass das Internet die globale Ungleichheit senkt. Diese Behauptung war eigentlich gegenläufig zu den Erkenntnissen gründlicher Studien.

Die Ergebnisse unserer Analysen zeigten, dass Afrikanische Regierungen, internationale Organisationen und Beratungsfirmen große Visionen zu dem Einfluss der Internetvernetzung nähren. Das Internet wird als positiver, integrativer und transformativer Entwicklungsmotor gesehen. Diese Behauptungen wurden ungeachtet eines Mangels oder Gegenbeweises getätigt. Daher gibt es so ein spürbares Risiko, dass die integrative „digitale Entwicklung“ lediglich ein Trugbild sei, das Politik und Praxis dazu verleitet, Geld und Ressourcen mit fehlgeleiteten Anstrengungen zu verschwenden. Wir argumentieren nicht, dass das Internet für die Entwicklung unwichtig ist. Dagegen ermutigen wir einen differenzierteren Blick, der anerkennt, dass die Verbreitung der Internetvernetzung mit Risiko und unbeabsichtigten Folgen kommt. Während die Wertschöpfung globalisiert wird, bleibt die Wertegewinnung oft im Norden.

In einem weiteren Sinn interpretiert, können die Informationstechnologien die Gräben in der  Gesellschaft vertiefen. Es wäre unverantwortlich und naiv, würden wir weiterhin vorgeben, dass eine größere Vernetzung einfach zu einer besseren Entwicklung für alle und überall führend würde.

Ein ermutigendes Zeichen, dass so eine Anerkennung innerhalb der internationalen Entwicklung möglich ist, war der neueste Entwicklungsbericht der Weltbank. Er gab im Grunde zu, dass die digitale Entwicklung für viele „digitale Habenichtse“ im Süden nicht greifbar war.

Was wir ermutigend fanden, war, dass dieser Bericht das Ergebnis einer produktiven Diskussion zwischen der Wissenschaft und den Praktizierenden darstellte. Wenn wir den Einfluss des Internets in die Richtung lenken sollen, die für die Armen und Machtlosen der Welt funktioniert, werden noch viele weitere Gespräche zwischen den Gläubigern und Skeptikern der digitalen Entwicklung folgen müssen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Ethernet Cable“ by pfly via Flickr (CC BY-SA 2.0)


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Apple, China und die New York Times: Geld über Prinzipien

not-found (Image by xiaoxinghai [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Apple hat die New-York-Times-App aus dem chinesischen AppStore entfernt, da sie angeblich dortigen Vorschriften widerspricht. Vorangegangen war eine Kontroverse um einen Artikel über Ex-Staatschef Wen Jiaobao. Der Spagat zwischen den Werten der Führungsspitze und den Gesetzen und Normen der bedienten Länder ist für internationale Konzerne oft schwierig. Apples Einlenken geht jedoch zu weit – und zeigt damit klar, welchen wirtschaftlichen und politischen Druck China ausüben kann.

China lässt New-York-Times-App entfernen

Wie viele populäre Publikationen bietet auch die New York Times Nutzerinnen und Nutzern von Mobilgeräten eine eigene App an. Unter anderem gibt es diese für Geräte mit Apples Betriebssystem iOS, namentlich das iPhone und iPad. Chinesische Apple-Nutzer allerdings können auf die App seit Kurzem nicht mehr zugreifen. Apple hat sie nämlich auf Aufforderung der chinesischen Regierung aus dem AppStore, über den Software heruntergeladen werden kann, entfernt. Davon war sowohl die englischsprachige als auch die ins Chinesische übersetzte Version der App betroffen. Dieser Schritt erfolgte bereits am 23. Dezember 2016. Die Hintergründe waren jedoch lange unklar.

Apples chinesische Pressesprecherin Carolyn Wu erklärte auf Nachfrage, die App verstoße gegen lokale Vorschriften und habe deswegen aus dem AppStore entfernt werden müssen. Welche Vorschriften die App genau verletzt, erläuterte Wu allerdings nicht. Ebenso wenig äußerte sie sich dazu, wie die chinesische Regierung an Apple herangetreten ist. Die New York Times bat Apple nach eigenen Angaben darum, die App auch in China wieder freizugeben, blieb damit allerdings bislang erfolglos.

Verbotene Informationen

China ist dafür bekannt, umfassend das Internet zu zensieren. Umgangssprachlich werden die extremen Zensurmaßnahmen auch ‚Great Firewall of China‘ genannt. Auch die Website der New York Times unterliegt schon lange dieser Zensur. Sie ist für chinesische Nutzerinnen und Nutzer bereits seit 2012 blockiert. Damals hatte die Zeitung einen Artikel veröffentlicht, der kritisch die Vermögensverhältnisse von Chinas Ex-Staatschef Wen Jiabao und dessen Familie durchleuchtete.

Seit der Blockierung der NYT-Website durch die Regierung griffen immer mehr Chinesinnen und Chinesen zur App der Zeitung, um die Artikel trotzdem lesen zu können. Die allermeisten Menschen in China besitzen ein Smartphone. Dieser Strategie, die behördliche Zensur zu umgehen, wollte die chinesische Regierung nun mit der Entfernung der NYT-App wohl einen Riegel vorschieben. Nach chinesischem Recht dürfen Apps keine „verbotenen Informationen oder Inhalte publizieren oder analysieren“. Verbotene Inhalte sind unter anderem solche, die beispielsweise „die nationale Sicherheit gefährden, die gesellschaftliche Ordnung stören und die legitimen Rechte und Interessen anderer Menschen verletzen.“denn auch

Allerdings ist die Zensur der App nur effektiv gegen diejenigen, die sich erst jetzt für die Zeitung zu interessieren beginnen, ein neues Mobilgerät gekauft beziehungsweise ihr altes zurückgesetzt oder ein neues Benutzerkonto bei Apple angelegt haben. Wer die App nämlich bereits heruntergeladen hat, kann sie weiterhin nutzen. Lediglich downloaden lässt sie sich nicht mehr.

Die Macht Chinas und die Profitgier Apples

Auch internationale Unternehmen, die Inhalte im Internet anbieten, können nicht losgelöst von nationalen Gesetzen agieren. So viel steht fest. So zeigt beispielsweise Googles Transparenzbericht, dass immer wieder Inhalte aus den Suchergebnissen deutscher Nutzer entfernt werden, die gegen die vergleichsweise strenge deutsche Gesetzgebung zur Volksverhetzung verstoßen. Innerhalb gewisser, sinnvoller Grenzen hat diese Vorgehensweise ja auch ihre guten Seiten – schließlich soll das Internet, um einmal eine beliebte Phrase der Konservativen zu zitieren, die hier ausnahmsweise zutrifft, ja kein rechtsfreier Raum sein.

Im Falle Chinas allerdings bezweifelt wohl kaum jemand, dass die Regierung autoritär und die Zensur von Internet-Inhalten rigoros sind. Apples Einlenken dürfte also weder politisch noch ethisch, sondern vielmehr rein wirtschaftlich motiviert sein. Immerhin ist China – trotz zunehmender Konkurrenz von chinesischen Anbietern – Apples drittstärkster Absatzmarkt. Diesen will der Elektronik-Gigant aus dem kalifornischen Cupertino offensichtlich nicht durch das Beharren auf politischen Werten gefährden.

So bleibt ein negativer Beigeschmack bei der Betrachtung dieses Falles. Apple kann sich an anderer Stelle noch so als Hüter von Freiheit und Bürgerrechten zu präsentieren versuchen – letztendlich werden diese anscheinend dem Profit komplett untergeordnet. Das muss auf lange Sicht keine sinnvolle Geschäftsstrategie sein, denn auch die Verteidigung solcher Werte kann durch erhöhtes Vertrauen der Nutzer in die Marke langfristig bares Geld bringen – ist aber kurzfristig bestimmt der einfachere und profitablere Weg.

Neben den mangelnden Prinzipien Apples wird durch die Vorgänge rund um die NYT-App auch wieder einmal offen gelegt, welchen enormen wirtschaftlichen Druck China ausüben kann. Es ist schließlich kein Zufall, dass nicht nur Apple, sondern auch zahlreiche andere wirtschaftliche Akteure – nicht zuletzt die deutsche Bundesregierung – vor der Wirtschaftsmacht Chinas immer wieder einknicken. Und das ist angesichts des Verhältnisses der chinesischen Regierung zu den Menschenrechten eine ausgesprochen beunruhigende Erkenntnis.


Image „not-found“ by xiaoxinghai (CC0 Public Domain)


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Virtual Reality – Next Big Thing oder flüchtiger Hype?

In dieser Woche bekomme ich die Möglichkeit, mir die Virtual Reality World im Sportpark Gelsenkirchen anzuschauen. Da ich mich leider weder zu den technik- noch zu den gamingaffinen Menschen zählen kann, habe ich mich im Voraus schon einmal etwas über diese noch recht frische Technologie informiert und den Tatbestand hier für euch zusammengefasst:

„Virtual Reality ist eine sehr vielversprechende und interessante Technologie mit sehr großem Potenzial, für die Spieleindustrie wie für alle Unterhaltungsbranchen“, findet Maximilian Schenk, Geschäftsführer vom Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU). Tatsächlich scheint in der Branche eine Goldgräberstimmung zu herrschen, denn Virtual Reality (VR) ist seit der Entwicklung der 3D-Multiplayer-Spiele in den 90er Jahren mal wieder etwas richtig Innovatives. Das Spieleerlebnis wird durch Virtual Reality auf ein neues Level gehoben, da der Eindruck einer realen Welt vermittelt wird und der Spieler so mit dem Spiel verschmilzt. Das Display folgt den Kopfbewegungen des Trägers, sodass das Gefühl entsteht, sich direkt in der virtuellen Welt zu bewegen.

VR kommt bei Umfragen gut an

Eine Umfrage des Meinungsforschungsunternehmens GfK (Gesellschaft für Konsumforschung) zeigt auch ein großes Interesse an VR bei den Spielern. Demnach wollen 35 Prozent der Internetnutzer in Deutschland künftig Virtual Reality-Brillen zum Spielen nutzen. Nach Erhebungen des Konsumelektronikverbandes GFU denken immerhin 20 Prozent der Befragten über den Kauf einer VR-Brille nach. Die folgenden Generationen der Virtual Reality-Geräte werden allerdings aufgrund der hohen Preise und der für eine optimale Nutzung benötigte Hardware zunächst vor allem die Early Adopter ansprechen, heißt es auf der Website der GfK. Das von Facebook für 2 Milliarden US-Dollar übernommene amerikanische Unternehmen Oculus gehört zu den Pionieren der Technologie. Sein Modell Rift ist seit September offiziell für Endverbraucher in Deutschland erhältlich, allerdings zum stolzen Preis von 699 Euro.

VR hat ein hohes wirtschaftliches Potenzial

Trotzdem soll VR laut der Trendstudie Consumer Technology 2016 das ‚Next Big Thing‘ in der Unterhaltungselektronik sein, denn Virtual Reality soll sich in nur kurzer Zeit zu einem Milliardengeschäft entwickeln: Zwischen 2016 und 2020 dürften sich die Umsätze mit dieser Computertechnologie allein in Deutschland mehr als versechsfachen. Das prognostizieren das Prüfungs- und Beratungsunternehmen Deloitte und der Digitalverband Bitkom. „Für eine neue Technologie ist dies ein auffallend starkes Wachstum“, sagt Klaus Böhm, Media-Direktor von Deloitte. Diesen vielversprechenden Markt wollen sich natürlich auch Samsung, HTC, Sony und Co. nicht entgehen lassen und haben ebenfalls bereits VR-Brillen entwickelt.

VR ist vielseitig einsetzbar

Aber auch in anderen Bereichen könnte Virtual Reality unseren Horizont erweitern: „Wir sehen sinnvolle Anwendungsmöglichkeiten für Virtual Reality unter anderem in der Unterhaltung, in der Medienbranche oder in der Touristik“, erklärt Timm Lutter, der bei Bitkom für Consumer Electronics und Digital Media verantwortlich ist. Mit VR-Brillen sollen wir nämlich in Zukunft nicht nur die Möglichkeit bekommen, VR-Spiele zu spielen, sondern auch andere Orte zu bereisen, Musikkonzerte oder andere Ereignisse von Zuhause aus und trotzdem hautnah zu erleben. 

VR aus einer kritischen Perspektive

Doch neben all der Beweihräucherung ist es vielleicht auch angebracht,  Virtual Reality von einem etwas unaufgeregten Standpunkt zu betrachten. Die Website mobilegeeks.de hat sich mit den Negativaspekten dieser Technologie auseinandergesetzt.

Neben dem Hinweis auf den wenig erschwinglichen Preis wird der Leser auch darauf aufmerksam gemacht, dass die Hampelei in der virtuellen Realität auch „verdammt dämlich“ aussieht. Des Weiteren wird neben der VR-Brille auch eine leistungsfähige Grafikkarte sowie die passende Software benötigt. Ein noch überzeugenderes Argument ist die Tatsache, dass VR auch ein sehr hohes Suchtpotenzial bietet: Menschen, die mit ihrer Lebenssituation unzufrieden sind, könnten sich dankbar in die „schöne neue Welt“ flüchten, befürchtet der Autor. Ich für meinen Teil freue mich auf meine erste Erfahrung mit dem ‚Next Big Thing‘ und werde euch selbstverständlich Bericht erstatten.


Image „augmented-reality“ by Pexels (CC0 Public Domain)


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Check-up Ireland: Stuck in the Middle – Wir stecken fest

Seit 1997 lebe ich nun schon in der irischen Hauptstadt Dublin. Mein erster Job bei AOL hatte auch ein wenig mit Tech zu tun – wenn man die berüchtigten Freistunden-CDs als „Tech“ ansieht oder das Verbinden an die technische Hotline durchgehen lässt. Im Verlauf der kommenden zwölf Monate werde ich nun die „Tech-Insel“ aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. 

Irlands Tech-Entscheider schauen sorgenvoll auf Trump & Brexit

In dieser Kolumne warf ich erst vor kurzem einen durchaus positiven Blick auf das vergangene Jahr. Zu Beginn des neuen Jahres gehen viele Blicke sowohl nach Westen über den Atlantik als auch nach Osten über die Irische See nach London. Noch bis vor wenigen Monaten ließ Irlands Sandwich-Position zwischen den USA und dem so wichtigen Handelspartner Großbritannien Politiker und Industrielle im Einklang endlose Jubelarien auf den Standort-Vorteil der Iren anstimmen. Die Wahl von Donald Trump und die Entscheidung der Nachbarn für das Brexit sorgten jedoch für tiefe, übelklingende Kratzer auf dieser altbewährten Platte. Nun kramt manch einer „Stuck in the Middle with you“ der Gruppe ‚Stealers Wheel‘ hervor: „Clowns to the left of me, jokers to the right, here I am stuck in the middle with you!“

Sowohl Milliarden-Investitionen von US-Firmen als auch der rege Handel mit den Briten hatten schon immer auch viel mit Steuern und Zöllen zu tun. Was wird sich links und rechts ändern und was bedeutet es für Irland? 

Trump to the left

Noch weiß niemand genau (wahrscheinlich auch er selbst nicht), welche seiner Wahlversprechen Donald Trump wirklich umsetzen wird. Ein Zentralstück seiner Wirtschaftspolitik sollen aber erhebliche Steuersenkungen werden. Unter anderem war im Wahlkampf immer wieder die Rede davon, den Körperschaftssteuersatz von 35 Prozent auf 15 Prozent zu senken – eine Zahl, die in Irland, wo der Leitsatz 12,5 Prozent beträgt, Sorgenfalten auf die Stirnen der Ansiedlungspolitiker treibt. Zu stark ist noch die Abhängigkeit der irischen Wirtschaft von Multinationals, vor allem aus den USA, die insgesamt rund 200.000 Menschen beschäftigen. Facebook, Microsoft, Google und Apple gehen dabei vorneweg. 

Jede auch noch so kleine Änderung bei der Körperschaftssteuer wird direkte Folgen in Irland nach sich ziehen. Zwar hat es in den letzten 30 Jahren auf US-Seite keine signifikanten Änderungen gegeben und jede Administration, auch wenn sie von einem Lautsprecher wie Trump geleitet wird, tut sich schwer daran, spürbar UND schnell an der Körperschaftssteuer zu drehen. Da diese rund zehn Prozent des US-Steueraufkommens ausmacht, werden Donald Trump und seine Berater vorsichtig zu Werke gehen müssen, damit der Schuss, der US-Unternehmen und ihre Steuern nach Hause locken und die Wirtschaft erstarken lassen soll, nicht nach hinten losgeht. Zu bedenken ist auch, dass schon heute ein Teil der Profite von US-Unternehmen mit irischen Tochterfirmen sowohl in Irland als auch in der Heimat besteuert werden.

Auf Twitter drohte Trump jüngst diversen Autoherstellern mit Einfuhrzöllen falls Fabriken nicht ins Homeland zurückverlagert werden sollten. Zweifelsohne spielt die Tatsache, dass es sich bei dem Land, aus dem die Produktion zurückgebracht werden soll, um dessen Lieblingsfeind Mexiko handelt, eine besondere Rolle. Toyota und Chrysler gaben auch schnell nach und kündigten Milliarden-Investionen in den USA nach. Könnten den Drohungen an Auto-Bosse via Twitter bald Drohungen an Tech-Bosse bei Facebook oder Google (nicht bei Twitter, die weder in Irland noch in den USA Profite machen) folgen? Noch ist nichts derart in Sicht. Doch zum einen ist Donald Trump unberechenbar und zum anderen benötigen Investoren – egal ob in der Auto-Industrie oder in Tech – Sicherheit. Und da die alles andere als gegeben ist, warten viele Investoren erst einmal ab.

Brexit to the right

Noch spricht die britische Regierung mehr- und vor allem unstimmig darüber, wie das mit dem Brexit genau funktionieren soll. Dies sorgt in der Wirtschaft ebenso für Unsicherheit wie die bangen Fragen, was genau Trump so vorhat. Und genau wie Trump reden auch britische Politiker davon, den Körperschaftssteuersatz zu senken. Nur greift die Unsicherheit in Bezug auf den (noch) gemeinsamen Handels- und Reiseraum mit dem Vereinigten Königreich und was wohl daraus werden möge, wenn der Brexit umgesetzt wird, schon jetzt spürbar um sich – noch bevor der Artikel 50 des EU-Vertrags überhaupt aktiviert wurde. Zwar macht man sich in Bereichen wie FinTech berechtigte Hoffnungen, dass Finanzunternehmen Investitionen von London nach Dublin verlegen werden, um weiterhin Zugang zum einheitlichen EU-Markt zu haben. Da hört es dann aber auch auf. So manch ein Unternehmen hält Investitionen, was den britischen Markt betrifft, erst einmal zurück. Andere denken gar darüber nach, den Firmensitz nach Großbritannien zu verlagern, was dann Sinn macht, wenn zwei Drittel der Kunden dort sind und es zu lange dauern würde, neue Märkte zu erschließen.

Über Jahre hinweg konnten irische Firmen sich darauf ausruhen, dass in Bezug auf den wichtigsten Handelspartner in Europa die Fähigkeiten der Mitarbeiter ideal waren. Man spricht die gleiche Sprache und der Nachwuchs ist technisch gut ausgebildet. Dem Ausruhen folgt jetzt aber mehr und mehr die Unruhe – und neue Fragen: Kennt sich bei uns eigentlich jemand mit Ausfuhrzöllen aus?


Image “ireland” by belindasoundso (CC0 Public Domain)


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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • APPLE MACERKOPF: 5-Zoll-iPhone mit vertikaler Dual-Kamera geplant: Laut einem taiwanesischen Zulieferer für die iPhone-Produktion plant Apple für das Jahr 2017 die Einführung eines dritten iPhones. Bislang gibt es aus der neusten Generation das iPhone 7 und das iPhone 7 Plus, das neben einem größeren Display auch über eine zweite Kamera verfügt, die als Weitwinkel- und Teleobjektiv fungiert. Bei dem geplanten Modell ist durchgesickert, dass die Kameras nicht wie bislang horizontal angeordnet sein sollen, sondern vertikal. Es wird vermutet, dass dies auf Platzmangel zurückzuführen ist. Es ist nicht das erste Mal, dass Gerüchte die Runde machen, dass neben den Nachfolgern von iPhone 7 und iPhone 7 Plus auch ein drittes Modell eingeführt werden soll. Die Gerüchteküche brodelt – so ist von einem OLED-Display und von drahtlosem Laden die Rede.

  • MICROSOFT heise: Microsoft räumt Übereifer beim Windows-10-Upgrade ein: In zwei Monaten läuft die Zeit ab, während derer Benutzer von Windows 7 und 8 kostenlos auf das neue Windows 10 aktualisieren können. Da sich einige Benutzer aber hartnäckig gegen die neue Version sperren, griff Microsoft in letzter Zeit zu immer aggressiveren Methoden. Den Gipfel erreichte ein Verfahren, bei dem Nutzer wiederholt beim Systemstart zu dem Upgrade aufgefordert wurden. Die entscheidende Neuerung: das Klicken auf die Schließen-Schaltfläche (das rote „X“ oben rechts) bedeutet, dass man das Upgrade durchführen will und nicht, dass man dies ablehnt. Zahlreiche Instanzen hatten sich dagegen aufgelehnt. Nun hat Microsoft sich für den Übereifer entschuldigt und gibt an, daraus gelernt zu haben.

  • WIRTSCHAFT FAZ: Wirtschaftsverbände rechnen mit eher verhaltenem Wachstum: Das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) hat 48 Wirtschaftsverbände befragt, welche Prognose sie für das kommende Jahr treffen. 28 der befragten Verbände rechnen für 2017 mit einem Produktionsanstieg, doch nur drei erwarten eine wesentliche Steigerung. Acht Verbände rechnen sogar mit einem schlechteren Ergebnis. Terrorängste macht das IW nicht für das stagnierende Wachstum verantwortlich. Stattdessen sei das Arbeitsplatzrisiko ausschlaggebend, sagte Michael Hüther der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Es sei bereits das dritte Jahr in Folge, in dem im Grunde kein großer Dynamik-Gewinn hinzukomme, aber auch nicht großartig etwas verloren ginge.

  • AMAZON t3n: Amazon Echo könnte bei Lösung eines Mordfalls helfen: Bei der Klärung eines Mordfalls soll Amazon Echo mit der Software Alexa helfen. Der Angeklagte verfügt über zahlreiche Systeme, die miteinander zusammen hängen. Die Polizei fordert von Amazon die Bereitstellung von Sprachaufnahmen, die in der Wohnung des Angeklagten entstanden sind. Die Analyse dieser soll wichtige Details zum Tathergang liefern. Amazon weigert sich bis jetzt, diese Daten herauszugeben und begründet dies damit, dass man die Technik nicht gegen ihre Benutzer einsetzen wolle. Nur auf gerichtlichen Beschluss hin würde man die Daten zur Verfügung stellen. Immerhin hat der Konzern den Behörden bereits Kontodaten und den Bestellverlauf des Angeklagten übermittelt.

  • JUDIKATIVE Zeit: Der Staat wird zum Hacker: Vor dem Hintergrund des Falls Apple vs. FBI aus dem Frühjahr 2016 gibt Kurt Opsahl, stellvertretender Direktor der US-Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF), einen Ausblick über die Zukunft der Strafverfolgung. Erstens Gesetze, die Unternehmen zur Kooperation verpflichten; zweitens öffentlicher Druck auf die Hersteller, sich nötigenfalls selbst zu kompromittieren; drittens staatliches Hacken von Geräten.

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Check-up Ireland: FoodCloud vertreibt dunkle Wolken der Essensarmut

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Seit 1997 lebe ich nun schon in der irischen Hauptstadt Dublin. Mein erster Job bei AOL hatte auch ein wenig mit Tech zu tun – wenn man die berüchtigten Freistunden-CDs als „Tech“ ansieht oder das Verbinden an die technische Hotline durchgehen lässt. Im Verlauf der kommenden zwölf Monate werde ich nun die „Tech-Insel“ aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten.

FoodCloud vertreibt dunkle Wolken der Essens-Armut

Wohltätigkeit wird nicht nur in Irland gerade in der Vorweihnachtszeit großgeschrieben. Es wird rege gespendet für Bedürftige in Haiti oder Syrien, aber auch für Obdachlose in der eigenen Stadt. Der Crash mag vorbei sein und die Wirtschaft mag wachsen, doch nicht überall ist die Wende zu spüren. Das hat die Regierung bei der Wahl erfahren, als trotz sinkender Arbeitslosigkeit aus einer satten Mehrheit eine wankende Minderheitsregierung wurde. Zu viele Erwachsene, aber vor allem zu viele Kinder werden in Dublin nicht satt. Das Gerede vom neuen Boom ist die alte Leier derer, die eh schon genug Geld haben. Statt des wiedererwachten keltischen Tigers sehen die Armen in Vororten wie Tallaght nur streunende Katzen – die aber wenigstens die Ratten vertreiben.

Nicht von ungefähr wurde Tallaght gewählt, um eine neue Initiative vorzustellen, die der Essensarmut den Kampf angesagt hat. „FoodCloud“, eine Online-Plattform, die Geschäfte, die überschüssige Lebensmittel haben, mit Wohltätigkeitsorganisationen zusammenbringt, hat sich mit der „Bia Food Initiative“ vereint, einem Betreiber von Depots in ganz Irland, über die Essen umverteilt wird. Deren neuer Name lautet „FoodCloud Hubs“ und im Sinne von „gemeinsam sind wir stark“ hilft man jetzt den Schwachen in Irland, Essensarmut zu überwinden. FoodCloud bietet Lösungen für überschüssige Lebensmittel bei jedem Schritt der Lieferkette an.

Neben Bedürftigen aus Tallaght und den unvermeidlichen Politikern fanden sich beim FoodCloud-Launch auch viele Mitglieder der Startup-Community, die sich auch bei „normalen“ Startup-Events über Technologien informieren oder Lösungen diskutieren. Das Wie, Wer und Wo zu Finanzierung und Talent-Aquise wurde bei diesem Anlass aber vom Was-kann-ich-tun und Wo-kann-ich-mich-einbringen in Bezug auf Social Enterprise ersetzt. Über der FoodCloud schwebten hier die Gedanken des Dubliner Tech-Kosmos zu Bereichen wie Umwelt, Verschwendung und Ernährung. Nichts fühlte sich hier abgehoben an. Für die Bodenhaftung sorgten allein schon die Menschen aus Tallaght und deren Schicksale, sowie die Lieder des High Hopes Choir, der aus Obdachlosen besteht.

So manch einer der anwesenden Gründer hat sich aber in Tallaght nicht zum ersten Mal mit Unternehmensvorsätzen beschäftigt. Mehr und mehr geht „Social“ mit „Enterprise“ einher – Startups und ihre Netzwerke diskutieren innovative Lösungen zu alten Problemen und sorgen somit dafür, dass Tech vollkommen neue Schichten der Bevölkerung durchdringt. Populistisches Gerede à la Trump von der „Tech-Elite, die nichts für die Zurückgelassenen tut“, würde zumindest in Tallaght nicht gut ankommen. Der Mann hat eh mit seinem Luxus-Golf-Ressort an der Westküste Irlands, wo die Elite Greenfees um die 200 Euro zu zahlen hat, genug zu tun.

Auch im Bereich Social Enterprise beweisen irische Initiativen und Unternehmen wie FoodCloud, dass die Lösungen, die lokal funktionieren, oft auch global eingesetzt werden können. CoderDojo oder ChangeX sind weitere Beispiele, die eine Würdigung verdienen – und das nicht nur zur Weihnachtszeit.


Image Irland by flesheatingbug (CC0 Public Domain)


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Die sinnlosen Bullet-Point-Plantagen des Managements – Leere in Wissenschaft und Wirtschaft

Erleben wir im Augenblick beim VW-Verwesungsprozess nicht nur die Götterdämmerung des Verbrennungsmotors, sondern auch den Niedergang einer rückwärtsgewandten Firmen-Autokratie, die der ehemalige DAX-Vorstand Thomas Sattelberger an der Hochschule Fresenius in Köln skizzierte?

Folgt man der herrschenden BWL-Lehre an deutschen Universitäten, ist davon nichts zu spüren. Große Teile der Betriebswirtschaftslehre sind in den 1960er Jahren stecken geblieben. „Das war die Zeit, als Großkonzerne die Organisationsform à la mode waren“, schreibt Axel Gloger in seinem Buch „Betriebswirtschaftsleere – Wem nützt die BWL noch?“. Die meisten Fakultäten züchten Nachwuchs für Konzerne, Staat und Unternehmensberatungen. Der legendäre und stinklangweilige Wöhe, die Bibel der Betriebswirte, ist nicht nur schlecht geschrieben, er vermittelt in technokratischen Darstellungen Binsenweisheiten („Unternehmen erzielen in guten Jahren Gewinne, in schlechten Jahren Verluste“), erzeugt Scheinsicherheiten, produziert Planungsillusionen und  vermittelt ein „Alles-im-Griff-Denken“.

Mechanischer Jargon der BWL

Das BWLisierte Management glänzt mit mechanischem und gestanztem Jargon. Die Sprache und das Denken verkümmern: „Die Herrschaft der Zahlen hat dazu geführt, dass sich Buchstaben nicht mehr wie Buchstaben verhalten, sondern wie Zahlen“, zitiert Gloger den Philosophen Jürgen Werner. Die Folgen illustrierte Sattelberger in empirischen Befunden:„Bestnoten gibt es für Deutschlands Manager von ihren Mitarbeitern vor allem für die Fachkompetenz sowie für die Fähigkeit zur Kostenkontrolle. Bei der Führungskompetenz schneiden sie in allen Punkten erheblich schlechter ab als Führungskräfte, sowohl in der EMEA-Region als auch weltweit. Gerade das Vermitteln von Visionen und Inspiration gelingt deutschen Führungskräften im Vergleich zu ihren Kollegen weltweit weniger“.

Sattelberger spricht von einer Herrschaft der Klone in den Top-Etagen der Konzerne und großen mittelständischen Unternehmen. Und die wird eben auch schon im universitären Standardwerk Wöhe angelegt. „Wenn wir unseren BWL-Klassiker aufschlagen, wissen wir, warum die Welt verbulletpointet ist. Das ganze Buch ist so, eine riesige, nicht enden wollende Bullet-Point-Plantage,“ meint Gloger.

Das ist auch für das Management stilprägend. In Lehre und Praxis dominieren Aufzählungs-Friedhöfe. „Erst mal einen Business-Plan machen, Best Practice-Folien vorbereiten und Perfomance messen“ – fertig ist das Tunnel-Denken im Management. Je stärker das Kästchendenken die Regentschaft in Organisationen prägt, desto geistloser funktioniert das System. In diesem Sperrgut der Leerformeln gedeihen Kontroll-Biotope, Misstrauen, ermüdende Rechtfertigungs-Meetings und gefälschte Erfolgsmeldungen.

Querköpfe werden demoralisiert

Aus dieser ökonomistischen Wagenburg müsse man ausbrechen, fordert Sattelberger in seinem Kölner Vortrag vor über 200 Studierenden. Das fange bei den systemstabilisierenden Mechanismen der Rekrutierung und Beförderung von Gleichartigkeit an. In Schaufenster-Reden fordern Top-Manager Unternehmertypen und Querköpfe. „Nur 20 Prozent der Firmen rekrutieren sie schließlich. Wenn ‚die Typen‘ dann da sind, gibt es ‚Demoralisierung‘ durch süße Verlockung, Daumenschrauben oder Gruppendruck“, konstatiert Sattelberger.

Man sollte nach seiner Ansicht Disruptoren in die Chefetagen schicken und nicht Böcke zu Gärtnern machen wie bei VW, RWE, EON oder der Deutschen Bank. Die Forderungen des Personalexperten: „Gründen und soziale Innovation in entstehende Unternehmens-DNA integrieren. ‚Reinfräsen‘ innovationsfördernder Kulturinseln in alte Arbeitskultur: Social Labs und Experimentierfelder für ‚New Work‘ schaffen. Abspaltung aus alter Unternehmensstruktur heraus (OldCo & NewCo) oder Diversifikation unter Beteiligungsholding. Auf- und Ausbau kreativer Ökologien. Der Nukleus hierfür muss an Hochschulen entstehen. Zudem benötigen wir ‚Digitale Freiheits-Wirtschaftszonen’„.

Homer statt Wöhe

Wir brauchen auch mehr Freiheitsgeist in der Ökonomik. Gloger bringt in seinem Opus die klassische Bildung ins Spiel. Das Notiz-Amt betrachtet den Lehrplan des St. John’s College in Santa Fe als Vademekum gegen die Stoff-Huberei in BWL und VWL. In der Leseliste findet man Homers „Odyssee“, die „Nikomachische Ethik von Aristoteles“, Machiavellis „Fürst“ und Thomas Hobbes’ „Leviathan“. Dante, Molière, Leibniz, Kafka, Kant, Goethe, Plato und Einstein sind die Wegbegleiter der Studierenden und nicht die technokratischen Schwurbeleien eines Wöhe.

Zur Next Economy Open #NEO16x am 2. Dezember um 14 Uhr werden wir den Diskurs zur Managementleere fortsetzen. Da hört, sieht und streamt man sich hoffentlich :)


Image “update” by geralt (CC BY 2.0)


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