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Machteliten-Hacking ist möglich – Warum Fatalismus bei Trump und Co. nicht hilft

Justitia (adapted) (Image by Markus Daams [CC BY 2.0] via Flickr)

Jahrelang haben die „liberalen“ Eliten die da unten und ihre Sorgen heimlich verachtet. „Jetzt wählen die Abgehängten die Rassisten, und der Schreck ist groß“, schreibt Elisabeth Raether in der Zeit. Nichts habe den Siegeszug von Donald Trump aufhalten können: keine Satire-Nummer, kein tadelnder Leitartikel, keine Häme über die Haare des pöbelnden Bauunternehmers. Und Michael Seemann führt aus, dass die Abgehängten und Verlierer der Globalisierung die alten Eliten zurückwünschen, die noch in derselben Welt gelebt haben wie sie.

„Deswegen schafft Trump, was Mitt Romney nicht schaffen konnte: Identifikationsfigur zu sein und positiver Entwurf einer Elite zu sein, zu dem sich die Arbeiter verbinden können. Trumps Erfolg kommt ohne Bildung und ohne Political Correctness aus, deswegen wirkt er erreichbar. Er repräsentiert eine entmachtete Elite der guten alten Zeit, die sich die Leute zurückwünschen. Eine Elite, die zwar egoistisch und brutal kapitalistisch war, die aber kulturell anschlussfähig und national bezogen blieb.“ Weil man gegen die globale Klasse nicht moralisch und argumentativ gewinnen könne, bleibt der alternativen Rechten nur noch, jede Moral und jedes Argument zu verweigern.

Fakten gegen die postfaktischen Populisten

Trump, Brexit und die Rehabilitation von „völkisch“ seien argumentative und moralische Pflastersteine in unsere Vitrinen. „Sie sind der internationale Aufstand gegen die kulturelle Hegemonie der globalen Klasse. Der Brexit macht die Richtung klar: eine andere Welt ist möglich. Aber als Drohung“, resümiert Seemann. Seit Jahren ertönt schon das Lied, wie die Globalisierung und die seit dem Untergang des sozialistischen Lagers fehlende „Angst vor einer kommunistischen Revolution“ die heutige Wirtschaftselite ökonomisch viel unabhängiger vom Lebensstandard der breiten Mittelschichten gemacht habe.

Diese globale Elite lebt perfekt vernetzt und abgesondert vom Rest der Bevölkerung. Wir werden beherrscht von einer transnationalen Klasse der Superreichen. Und genau diese Gemengelage nutzen die „postfaktischen“ Rassisten und Chauvinisten für ihre politischen Beutezüge aus. Das klingt ziemlich fatalistisch.

Vielleicht helfen Fakten weiter und da lohnt der Blick in die Forschungsarbeit des Soziologen Michael Hartmann, die im Campus Verlag unter dem Titel „Die globale Elite“ erschienen ist.  „Nur wenn die Topmanager der größten Unternehmen und die reichsten Menschen der Welt durch umfangreiche und kontinuierliche Erfahrungen außerhalb ihres Heimatlands einen eigenständigen Habitus ausbilden, der sich deutlich von dem ihrer auf nationaler Ebene verbleibenden Pendants unterscheidet, kann man von einer transnationalen Klasse oder Elite reden“, erläutert Hartmann. In seiner Analyse hat er weltweit 20.000 Konzernchefs, Aufsichtsratsvorsitzende, Chairmen, Board Members und Milliardäre unter die Lupe genommen und kommt zu einem überraschenden Ergebnis.

Globale Elite ziemlich lokal

„Im Durchschnitt stammt nur jeder zehnte CEO der weltweit größten und global aktivsten Unternehmen und ein etwas höherer Prozentsatz der Chairmen und übrigen Board-Mitglieder aus dem Ausland. Sogar nur ungefähr jeder zwanzigste CEO kann einen Studienabschluss einer renommierten ausländischen Business School oder Elitehochschule aufweisen. All das ist umso aussagekräftiger, als diese Prozentsätze sich auf die größten Unternehmen der Welt beziehen.

Weil die Inter- wie Transnationalität der Spitzenmanager umso stärker ausfällt, je größer die Konzerne sind, würden die Werte in dem Maß zurückgehen, in dem eine höhere Anzahl von Unternehmen berücksichtigt würde.“ Wenn es eine globale Wirtschaftselite oder gar eine globale Elite unter Einschluss der einflussreichsten Politiker und Mitglieder der anderen Eliten nicht gibt, dann eröffnet das nach Ansicht von Hartmann politische Handlungsspielräume.

Man braucht nicht auf die Einsicht der Superelite zu warten

Wer allerdings von einer einheitlichen weltweiten Superelite ausgeht, der kann angesichts der fehlenden Gegenkräfte auf globaler Ebene nur noch auf die Einsicht dieser Superelite oder auf das schmerzhafte Ende des neoliberalen Kapitalismus hoffen. Häufig gehe die Beschwörung globaler Eliten Hand in Hand mit der gleichzeitigen Feststellung, dass man dagegen nichts unternehmen könne. Wenn Wissenschaftler wie Wolfgang Streeck konstatieren, dass diese Eliten sich „keine Gedanken mehr über nationales Wirtschaftswachstum machen [müssen], weil ihre transnationalen Vermögen so oder so wachsen“ und sich mit ihrem Geld absetzen, dann verleitet das eher zu Endzeitszenarien als zu politischem Denken und Handeln.

Staaten können handeln

„Tatsächlich existieren für die Politik vielfältige Handlungsmöglichkeiten, diesen Entwicklungen etwas entgegenzusetzen, zumindest in den größeren Staaten dieser Erde“, so Hartmann. Besonders, wenn es um die Plünderung der öffentlichen Sphäre geht. Etwa bei der Umgehung von Steuerzahlungen oder der Privatisierung von öffentlichen Gütern. „Der Kampf gegen Steuerflucht ist jedenfalls nicht aussichtslos, wenn ein politischer Wille da ist. Das belegt auch das faktische Ende des vor wenigen Jahren noch als quasi naturgesetzlich betrachteten Schweizer Steuergeheimnisses“, betont Hartmann.

Als Beispiel führt er den Silicon Valley-Konzern Facebook an, der angekündigt hat, künftig alle Werbeeinnahmen auf dem britischen Markt auch in Großbritannien zu versteuern und nicht in Irland wie bisher. „Das dürfte ebenfalls zu einer drastischen Erhöhung der Steuerbelastung führen, denn Facebook hat bislang den wesentlich günstigeren Steuersatz in Irland genutzt und 2014 in Großbritannien gerade einmal 4327?Pfund Körperschaftssteuer gezahlt“, betont Hartmann. Das Unternehmen reagiere damit wie Google auf eine ab dem 1. April 2015 in Kraft getretene Änderung der britischen Steuergesetzgebung, die für Unternehmen, die derartige Steuervermeidungsstrategien betreiben, einen von 20 auf 25 Prozent erhöhten Steuersatz auf so ins Ausland verschobene Gewinne vorsieht.

Der gerade bei Politikern beliebte Hinweis auf die ungeheure Macht der globalen Wirtschaftselite und die eigene Ohnmacht ihr gegenüber verschleiere solche Möglichkeiten. Das Notiz-Amt sieht beste Möglichkeiten für das Machteliten-Hacking über gesetzgeberische Initiativen, um für mehr Verteilungsgerechtigkeit zu sorgen. Die globale Elite ist wohl doch eher eine Schimäre. Sie ist zumindest kein scheues Reh, das beliebig Ausweichmanöver an den Tag legen kann.


Image (adapted) „Justitia“ by Markus Daams (CC BY 2.0)


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Wie zwei Nobelpreis-Gewinner uns lehrten, wie Unternehmen ticken

Eine der bemerkenswertesten Entwicklungen in der Wirtschaftstheorie ist die neue Art, wie wir Unternehmen betrachten. Wir sehen nicht länger eine vorgefertigte Form, die einen Prozess oder eine Technologie verwendet, um Material in Produkte zu verwandeln. Heutzutage denken wir bei Firmen an eine Verknüpfung von Verträgen zwischen Interessenseignern, Kreditgebern, Managern, Arbeitern, Kunden, Lieferanten und vielen mehr.

Diese Entwicklung führte uns dazu, die Unternehmensführung durch das Konzept der Verträge zwischen diesen Interessenseignern zu betrachten. Oliver Hart und Bengt Holmström haben das Fundament gelegt, das uns ermöglicht, dies zu tun. Die Gewinner des Nobelpreises für Wirtschaft des Jahres 2016 haben einige Hilfe geleistet, um diesen Beitrag anzuerkennen.

Während Verträge normale Praxis sind, sind sie prinzipiell nicht einfach gestrickt. Sie werden vielleicht zu einem Zeitpunkt entworfen, an dem die Ziele der Interessenseigner variieren (das sogenannte „Problem der Geschäftsführung“). Beispielsweise wenn die Aktieninhaber den Gewinn eines Unternehmens maximieren wollen, während die Manager vielleicht durch Fusionen und Aufkäufe ein Imperium errichten möchten.

Es gibt auch einen Umstand namens „asymmetrische Information“, bei dem die Aktionen einer Gruppe aus Interessenseignern nicht sichtbar für andere Interessenseigner in der Firma ist. Jeder kann die Berichte über die Vermögenslage lesen, aber die Interessenseigner können nicht direkt sehen, wie viel Mühe die Manager investieren, um Gewinne zu erzielen.

Aktieninhaber können dennoch einen Vertrag mit den Führungskräften des Unternehmens eingehen, der die Manager dazu anspornt, den Interessen der Aktieninhabern entsprechend zu handeln. Die Bezahlung kann von den wahrnehmbaren Maßnahmen der Firmenleistung abhängig gemacht werden. Auf ähnliche Weise können vielleicht Anteile und Aktienrechte miteingeschlossen werden. Durch den Nobelpreis wird dem finnischen Professor Holmström vom Massachusetts Institute of Technology  seine Demonstration, wie Aktieninhaber einen optimalen Vertrag für einen Geschäftsführer entwickeln sollten, dessen Handlungen sie nicht völlig überwachen können, anerkannt.

Verträge können auch unvollständig sein. Es ist entweder nicht möglich oder zu teuer, Verträge zu schreiben, die alle möglichen zukünftigen Ausgänge berücksichtigen. Es ist genau diese Unvollständigkeit der Verträge, die eine Erkenntnis für die Unternehmensführung liefert. Das geht durch die Forschungen durch Hart, einem britischen Professor, der in Harvard arbeitet, hervor.

Der Kern aller Dinge

Man nehme zum Beispiel ein einfach auszuführendes Bezahlsystem in einer Firma, in der die Aktieninhaber die Firma besitzen, aber in der die Kontrolle beim Management liegt. Die Beziehung bietet gleichermaßen ein Unternehmensführungs-Problem sowie asymmetrische Informationen. Wie zuvor bereits erwähnt wurde, bestünde eine Option für die Aktieninhaber darin, einen Vertrag aufzusetzen, der die Vergütung des Managers von wahrnehmbaren Ergebnissen abhängig macht, wie etwa vom Umsatz oder von dem Gewinn.

Aber Gewinne können von Faktoren beeinflusst werden, die außerhalb der Kontrolle des Managers liegen und ein Vertrag, der alle Kombinationen der Bemühungen des Managers und der äußeren Faktoren berücksichtigt, ist ungültig. Manager arbeiten üblicherweise zusammen, daher wird es sich vermutlich als schwierig erweisen, die Ergebnisse auf eine einzige Person zurückzuführen. Man kann Verträge aufsetzen, die die Gruppe bestrafen, wenn ein Produkt scheitert oder wenn sich eine Fabrik als nicht effizient erweist. Aber Holmström argumentierte, dass die Ungewissheit über die Gründe eines solchen Scheiterns bedeuten würden, dass eine Überwachung notwendig ist und dass die damit verbundenen Kosten daher unvermeidbar wären.

Man könnte die Leistung von Managern im Gegensatz zu ihren Kollegen beurteilen, um über die Vergütung zu entscheiden (der Geschäftsführer eines Supermarktes würde sich wahrscheinlich darüber freuen, wenn die Verkäufe um 10 Prozent steigen würden, bei den Aktieninhabern wäre dies weniger der Fall, wenn es bei anderen Geschäften bis zu 12 Prozent wären). Aber diese Herangehensweise würde immer noch nur dann funktionieren, wenn man den Einfluss von äußeren Faktoren auf die Leistung der Manager erfolgreich beseitigen könnte.

In diesem Fall, in dem einfache Verträge nicht einfach zu entwerfen oder durchzusetzen sind, bedarf es eines Mechanismus‘ – einer Unternehmensführung – die sicherstellt, dass die Interessen der nicht am Management beteiligten Aktieninhaber nicht untermauert werden.  Hart sieht die Unternehmensführung als ein Mechanismus an, um Rechte über die Kontrolle des nicht-menschlichen Vermögens einer Firma zwischen den Interessensvertretern zu verteilen.

Der Kredit ist fällig

Eine interessante Folge dieser Perspektive der Geschäftsführung ist der Grundgedanke der Schulden. Angenommen, die Interessenseigner eines Unternehmens sind hauptsächlich interessiert an kurzfristigen Gewinnen, während die Manager ein bombastisches Konstrukt eines Imperiums, das private Vorteile und Nutzen bringt, bevorzugen. Jeglicher Vertrag, der versucht, ein solches Unterfangen zu thematisieren, ist wahrscheinlich unvollständig, unfähig, die Verantwortung für sämtliche Einflüsse auf die zukünftigen Gewinne des Unternehmens zu tragen.

Dies eröffnet Möglichkeiten für einen bedeutenden Streit zwischen den Aktieninhabern und den Managern bezüglich ihrer Vergütung. Manager werden vielleicht eher behaupten, dass es trotz ihrer besten Bemühungen zu geringen Gewinnen kam, als aufgrund ihrer geringen Anstrengungen oder ihres Urteilsvermögens.

Wie können Schulden in diesem Fall helfen? Ein Schuldvertrag kann den Gläubiger dazu befähigen, die Liquidität einer Firma durchzusetzen, wenn es seinen Zahlungspflichten nicht nachkommen kann. Wenn die Firma gute Leistungen erzielt und diesen Pflichten nachkommen kann, bleibt die Kontrolle über das Vermögen der Firma bei den Managern. Wenn die Firma jedoch nicht die gewünschten Leistungen erzielt und den Kreditgebern das Geld nicht zurückzahlen kann, kann sie aufgelöst werden. Zum Zeitpunkt der Liquidation, nachdem den Kreditgebern das Geld zurückgezahlt wurde, verfügen die Aktieninhaber über die restlichen (oder über die verbliebenen) Rechte über die Finanzen der Firma – die Manager haben kein Recht über die Finanzen mehr.

In anderen Worten, wo die Verträge zwischen Aktieninhabern und Managern unvollständig sind, können Schulden, aus welchem Grund diese auch immer aufgenommen werden, eine Koordinierung der Ziele erzwingen. In den Worten von Hart und Sanford J. Grossman: „Manager können den Verlust ihrer Position nur verhindern, indem sie produktiver sind.“ Produktive Manager sind genau das, was die Aktieninhaber wollen. Die Kapitalstruktur eines Unternehmens kann daher zugleich dazu verwendet werden, um Manager zu disziplinieren und dazu, um Außenstehenden (Gläubigern) einen Ansporn zu geben, diese Disziplin durchzusetzen. Hart und Grossman untersuchten auch, wie Kontrolle bezüglich der mit den Wahlrechten verbundenen Arbeit ausgeübt wird.

Holmström und Hart liefern nicht alle Antworten, um das Problem, das mit einer schwachen Unternehmensführung verbunden ist, zu lösen. Sie veranlassen uns dazu, über ein Unternehmen als einen Mikrokosmos der Gesellschaft nachzudenken, in dem Interessensvertreter mit verschiedenen Zielen um Macht und Kontrolle konkurrieren. Ihre Arbeit hat uns geholfen, uns von verallgemeinernden Regeln über Dinge wie finanzielle Strukturen und Bezahlung fortzubewegen und hat uns dazu geführt, den Fokus darauf zu legen, diese Verträge und Mechanismen funktionstüchtig zu machen. Das ist ein sich verändernder Beitrag für die Forschung über Unternehmensführung.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „gears“ by MustangJoe (CC0 Public Domain)


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Netzpiloten kooperieren mit Publishers‘ Summit 2016 + Ticketverlosung

Am 7. und 8. November 2016 findet wieder die größte und bedeutendste Veranstaltung des Verband Deutscher Zeitschriftenverleger e. V.,  der Publishers‘ Summit in Berlin statt.

Lasst euch auf dem Jahrestreffen der Verlagsbranche von nationalen und internationalen Top-Speakern aus Medien, Politik, und Wirtschaft inspirieren.

Auf dem Kongress  dreht sich alles um die Leistungsfähigkeit, Produktvielfalt und Wachstumschancen der deutschen und internationalen Zeitschriftenverlage. Außerdem erfahrt ihr alles über Trends, Innovationen und Herausforderungen der Branche. Der Höhepunkt der Veranstaltung wird die Publishers‘ Night sein, auf der mit rund 1.000 geladenen Gästen die „Goldene Victoria“ in mehreren Kategorien verliehen wird.

Seid dabei unter den 700 erwarteten Teilnehmer und hört euch an, was Verlagschefs wie Manfred Braun, Geschäftsführer FUNKE Mediengruppe, Stefan Rühling, Sprecher Deutsche Fachpresse, Julia Jäkel Chief Executive Officer Gruner + Jahr, Philipp Welte, Vorstand Hubert Burda Media und Dr. Andreas Wiele, Vorstand Vermarktungs- und Rubrikenangebote Axel Springer SE über ihre Konzepte und Lösungsideen zu sagen haben.

 

+++Gewinnspiel+++

Wer sich die Publishers‘ Summit 2016 nicht entgehen lassen möchte, kann bei uns noch bis zum 31. Oktober um 16 Uhr zwei Tickets gewinnen! Hierfür müsst ihr nur eine Mail mit dem Betreff Publishers‘ Summit 2016 an gewinn@netzpiloten.de senden. Die Gewinner werden selbstverständlich von uns benachrichtigt. Wir wünschen viel Glück!

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Regelbrecher beim alternativen Wirtschaftsbuchpreis – Martin Gaedt gewinnt den #AWB16

Buch (Image by Shawn Reza [CC0 Lizenz] via Pexels)

Auf Facebook äußerte sich Anfang der Woche massive Kritik am diesjährigen Handelsblatt-Wirtschaftsbuchpreis, der traditionell zur Frankfurter Buchmesse stattfindet.

Hauptkritik von Nils Pfläging: „Der Buchpreis ist meiner bescheidenen Ansicht nach komplett falsch – nicht nur schlecht kuratiert. Beispiel Shiller/Akerlof – sollten die wirklich für den deutschen Wirtschaftsbuchpreis nominiert sein?“ Zumindest könnte man das differenzierter angehen und eine internationale Kategorie einführen. Die Liste glänzt neben wenigen Ausnahmen auch in diesem Jahr mit den üblichen Prominenten – Keese, Schäuble, Sinn, Wagenknecht und Co. Dabei gibt es nach Ansicht von Professor Lutz Becker extrem gute deutschsprachige Wirtschaftsbücher, die nie in einem Ranking erscheinen. Grund genug, spontan einen alternativen Wirtschaftsbuchpreis ins Leben zu rufen und die Nominierung kollaborativ im Netz vornehmen zu lassen.

ichsagmal.com explodierte

Herausgekommen ist eine bunte Mischung von Werken, die man auf dem ersten Blick gar nicht als ökonomische Abhandlung verortet. Etwa: Ulrike Guérot: „Warum Europa eine Republik werden muss – Eine politische Utopie“, Dietz-Verlag, 2016. Oder: Felix Stalder: „Kultur der Digitalität“, Suhrkamp Verlag, 2016. Sieben Bücher wurden nominiert.

Der Wettbewerb entfaltete bei seinem Kaltstart eine große Resonanz. Der ichsagmal.com-Blogbeitrag wurde 431 Mal auf Facebook geteilt, intensiv auf Twitter kommentiert und mit einigen Proklamationen begleitet.  8.345 Stimmen wurden abgegeben bei knapp 4.000 Seitenaufrufen am finalen Abstimmungstag. Mehrfach-Votings waren möglich, was von zwei Buchfan-Fraktionen weidlich genutzt wurde. Man kennt das ja von TV-Abstimmungen beim Eurovision Songcontest. Die Zahl der Einzelaufrufe zeigt aber, dass sich sehr viele Buchbegeisterte für ihre Favoriten ins Zeug legten.

Autor mit Netzwerkstärke

Sieger des ersten alternativen Wirtschaftsbuchpreises #awb16 ist Martin Gaedt mit seinem Opus „Rock your idea – Mit Ideen die Welt verändern“, erschienen im Murmann-Verlag. Das kristallisierte sich erst in den letzten vier Stunden des Votings heraus. Am Donnerstagabend sah Claus Dierksmeier mit seinem Buch „Qualitative Freiheit: Selbstbestimmung in weltbürgerlicher Verantwortung“ wie der sichere Sieger aus.

Das Netzwerk von Gaedt bewies wohl die größere Ausdauer oder hatte die schnelleren Finger. Gaedt setzte sich mit 58 Prozent durch. Dierksmeier verzeichnete 38 Prozent. Alle nominierten Autorinnen und Autoren vereint die Originalität ihrer Gedanken. So reibt sich Gaedt in seinem Buch an der Konformität des Wirtschaftslebens, wie der frühere Personalvorstand Thomas Sattelberger. Blind und unaufmerksam werde alles Unpassende bei der Rekrutierung aussortiert. Genau dieses Unpassende sei aber für Innovationen so wichtig.

Fluch der Gleichheit

„Mitarbeiter verstärken den Fluch der Gleichheit, wenn jeder liest, was alle lesen, und jeder sieht, was alle sehen. Dann fehlt Fremdes, Paradoxes und Unpassendes. Branchenvertreter gehen auf dieselben Fachmessen, lesen dieselben Magazine und werden von ihren Kollegen im Gleichen bestärkt, die dasselbe denken, machen, lesen und berichten“, schreibt Gaedt. Es dominieren in Organisationen dressierte Äffchen, Ja-Sager und Schmeichler, in der unangenehmen Form sogar Schleimer, die es jedem recht machen wollen.

Gaedt plädiert dagegen für die Suche nach Regelbrechern, um Routineunternehmen ins Wanken zu bringen, die in erster Linie die Erfolge der Vergangenheit verwalten. Professor Claus Dierksmeier zählt als zweitplatzierter Buchautor mit seinem Plädoyer für qualitative Freiheit eher zu den unangepassten Denkern. Er ist ein Regelbrecher der besonderen Art, denn er wagt das Unterfangen, den politischen Liberalismus neu zu definieren. Und das ist überfällig.

Ökonomistische Liberale im Niedergang

Man erkennt es am Niedergang der FDP, die in den vergangenen 20 Jahren eher einer ökonomistischen Variante des Freiheitsbegriffes gefolgt ist.

Gegen die Marktvergötzung quantitativer Liberaler ist als qualitatives Grundprinzip festzuhalten: Die Freiheit zur Selbstbestimmung soll durch Märkte realisiert, nicht unterminiert werden. Der Markt hat den Menschen und ihrer Freiheit zu dienen, nicht umgekehrt.

Liberale auf dem politischen Parkett sollten aufhören, von der Notwendigkeit einer marktkonformen Demokratie zu faseln, die sich in den einzelnen Unternehmen als Gehorsamskäfig abspielt. Wer ausschließlich in das Horn der ökonomischen Maximierung bläst, hintergeht die Freiheit zur bürgerlichen Selbstbestimmung und blendet das Machtgehabe von Konzernen und großen mittelständischen Unternehmen aus. Auch hier ist ein Regelbruch vonnöten. Qualitativer Liberalismus steht in Konfrontation mit oligarchischen und plutokratischen Strukturen, die sich unter dem Deckmantel wirtschaftlicher Freiheit ausbreiten und Bürgerrechte mit Füßen treten. Insgesamt ein erfreuliches Aufmerksamkeitsspektakel, das mit dem alternativen Wirtschaftsbuchpreis losgetreten wurde. Alle Nominierten sind Gewinner. 

Mit dem Sieger und dem Co-Sieger werde ich in den nächsten Wochen Autorengespräche via Hangout on Air führen und ausführlich auf die beiden Bücher eingehen. Das Notiz-Amt freut sich schon auf den #AWB17 – der wird dann früher gestartet und mit Talkformaten auf der Frankfurter Buchmesse begleitet.


Image „Buch“ by Shawn Reza (CC0 Public Domain)


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Unsere Welt ist keine reine Marktwirtschaft – doch Ökonomen wissen nichts davon

Grünes übergeben (adapted) (Image by Maik Meid [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Wir halten es für selbstverständlich, dass wir in einer Marktwirtschaft leben. Die reguläre Wirtschaft ist besonders mit dieser Idee verbunden. Tatsächlich basieren die Grundpfeiler auch hierauf und die Entwicklung von Angebot und Nachfrage sowie die Preisbalance ergeben außerhalb dieses Marktkontexts keinen wirklichen Sinn. Doch heute ist der Markt in großen Teilen des dynamischen Sektors unserer Wirtschaft entweder nicht vorhanden oder nur ein Teil der Sache.

Natürlich beinhaltet die digitale Wirtschaft Firmen wie Apple und Amazon, die Produkte auf dem Markt verkaufen. Sie umfasst aber auch gänzlich unterschiedliche Modelle. Das Internet ist das Reich der Geschenke. Die große Mehrheit der Seiten, die wir herunterladen, sind kostenlos – und Seiten wie Wikipedia sind komplexe Beispiele für eine aktive Schenkökonomie.

Einige der erfolgreichsten kommerziellen Unternehmen, wie zum Beispiel Google und Facebook, verlassen sich auf Geschäftsmodelle, die Schenkungspraktiken mit dem freien Markt vermischen. Die Waren, die sie verkaufen, sind völlig von den Geschenken abhängig, die sie verteilen.

Damit diese Formen der Schenk- und Hybridwirtschaft sinnvoll eingesetzt werden können, entwickelt meine Forschung des kalkulatorischen Gewinns und der Schenkungs- und Digitalwirtschaft die Idee, dass wir die Wirtschaft als eine miteinander interagierende Mischung aus Marktpraktiken und und deren gegenteiligen Aktionen betrachten sollten.

Die Schenkökonomie in Aktion

Wikipedia, die größte und meistgenutzte Enzyklopädie, die die Welt jemals gesehen hat, ist ein beispielhafter Fall für die digitale Schenkökonomie. Wikipedia dominiert diesen Sektor und hat mehr oder weniger das Aussterben der Enzyklopädien besiegelt, die man sich noch kaufen musste. Das ganze begann damit, dass Microsoft seine Encarta an Leute verschenkte, die sich einen Computer zulegten.

Wikipedia basiert im Allgemeinen auf drei Schenkungspraktiken: es bietet uns kostenlosen Zugang zu seinen Inhalten, diese Inhalte werden von Freiwilligen ohne Bezahlung redaktionell betreut und die laufenden Kosten werden aus Spenden finanziert. Sobald Arbeit ehrenamtlich verrichtet wird, gelten die alten Regeln nicht mehr. Die Redakteure von Wikipedia haben keine Manager über sich, die bestimmen, was sie nach den Regeln der Top-Down-Methode zu tun haben. Sie suchen sich ihre Aufgabe selbst und arbeiten in ihrer eigenen Geschwindigkeit. Die Qualität ihrer Arbeit wird nicht durch Leistungsbeurteilungen oder drohende Arbeitslosigkeit sichergestellt – stattdessen führt man miteinander Qualitätsdebatten im Wikipedia-Forum, die dem Austausch dienen. Dabei verpflichten sich die Redakteure selbst gemeinschaftlich zur Einhaltung der festgelegten Normen.

Die konventionelle Wirtschaft verfügt nicht über Instrumente, mit denen Phänomene wie die Wikipedia analysiert werden können. Die Seite verfügt über kein Einkommen, keine Börsenkapitalisierung und keinen kalkulatorischen Gewinn, nach dem wir sie einschätzen könnten. Weder menschliche Motivationen, noch kooperative Koordinationsmechanismen passen zu Marktmodellen der absoluten Maximierung und des absoluten Marktgleichgewichts. Wenn wir unsere Wirtschaft beurteilen wollen, wären wir eigentlich besser dran, Systeme wie die Wikipedia-Community zu ignorieren?

Ein hybrides Machtzentrum

Im Gegensatz dazu erscheint Google wie eine Firma, die man durch traditionelle ökonomische Theorien erklären können sollte. Die zweitgrößte Firma der Welt in Sachen Marktkapitalisierung erzeugte im Jahr 2015 Gewinne in Höhe von 75,5 Milliarden US-Dollar – und zwar größtenteils durch den Verkauf von Anzeigen.

Das ist durchaus ein Markt, oder? Dieser existiert allerdings nur, weil Google seinen Nutzern Geschenke macht. Sein Herzstück ist die kostenlose Internetsuche. Wenn Google uns Suchergebnisse liefert, erhält es als Nebenprodukt des Suchprozesses Informationen über unsere Interessen und benutzt diese, um sehr viel effektiver und gezielter zu werben, als je zuvor in den konventionellen Medien möglich war.

Hier haben wir zwei zutiefst voneinander abhängige Praktiken: eine Marktpraxis, bei der Werbung verkauft wird, die nur deshalb existieren kann, weil es eine Praxis des Verschenkens der kostenlosen Internetsuche gibt. Kostenlose Zeitungen bieten ein ähnliches Modell an, aber Google arbeitet in völlig anderen Dimensionen. Ganz egal, wie gut Nachfrage und Angebot die Ergebnisse auf dem Werbemarkt darlegen können, sagen sie uns doch nichts darüber, wie Google diese Werbemöglichkeiten zunächst überhaupt erhält.

Um hybride Modelle der Wirtschaft wie dieses erklären zu können, brauchen wir einen Ansatz, der Schenk- und Marktpraktiken in gleichem Maße als bedeutend ansieht und der die Art und Weise analysieren kann, wie diese kombiniert werden.

Wirtschaft und die Schenkökonomie

Obwohl ich die digitale Schenkökonomie hier hervorgehoben habe, ist die Schenkökonomie an sich viel älter und verbreiteter, als ich es je ausdrücken könnte – sie war lediglich weniger deutlich mit der Marktwirtschaft gepaart, als es für uns in der Wirtschaftswelt ersichtlich war. Um ein Beispiel zu nennen, haben Menschen seit jeher ökonomische Vorteile innerhalb ihres Haushalts produziert, ohne dass sie sich diese gegenseitig angeboten haben. Wenn ein Elternteil für seine Familie kocht, ist das ebenso produktiv, wie wenn ein Berufskoch für seine Kunden in einem Restaurant kocht. Der Unterschied ist bloß, dass hierbei kein Bargeld den Besitzer wechselt.

Eine Studie über den Haushalt in Australien fand beispielsweise heraus, dass bei einer Monetarisierung – der Fall tritt ein, wenn an einen Haushalt ein Betrag in Dollar entsprechend der Marktwirtschaft vergeben wird – der Haushaltssektor an sich bereits größer ist als der Marktsektor. Ebenso beschränkt sich die „alte“ Schenkökonomie nicht auf Geschenke für Freunde und für die Familie – Wohltätigkeit, Freiwilligenarbeit und Blutspenden sind bekannte Formen von Geschenken, die wir fremden Menschen machen.

Ökonomen neigen gern dazu, die Schenkökonomie zu übersehen, wo auch immer sie stattfindet – nicht nur, weil die Werkzeuge, die Ökonomen verwenden, wie beispielsweise die Einkommens- und Gewinnkalkulationen sowie der Aktienmarkt und Aktienkurs, nur Märkten einen Sinn entlocken können, aber auch, weil es keine Methode gibt, wie man Produkte bewerten kann, die nicht verkauft werden. Wir sind alle gewöhnt daran, Dinge nach dem Preis zu beurteilen, den sie auf dem Markt erzielen, aber solche Preise gibt es im Schenkungsbereich nicht.

Das bedeutet jedoch nicht, dass seine Produkte keinen Wert haben, sondern eher, dass wir eine vollkommen dysfunktionale Vorstellung des Wertes von Dingen verinnerlicht haben, im Rahmen derer wir eine Wirtschaft ausschließlich in marktwirtschaftlichen Aspekten betrachten. Wir konzentrieren uns so sehr auf die monetäre Seite der Wirtschaft, dass wir nicht die Absurdität der Bewertung derselben auf Kosten der Dinge, die wir für einander tun und die wir nicht beziffern können, erkennen.

Wenn wir erreichen wollen, dass die Wirtschaft von heute und die Möglichkeiten von morgen sinnvoll eingesetzt werden, müssen wir endlich damit anfangen, die Welt als ein komplexes Etwas zu betrachten, das aus Marktpraktiken und Nicht-Marktpraktiken zugleich besteht. Wir müssen damit anfangen, Produkte nach ihrem menschlichen Nutzen zu beurteilen, statt nach ihrem Preis.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Grünes übergeben“ by Maik Meid (CC BY-SA 2.0)


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Netzpiloten sind Partner der OPEN! 2016

Bereits zum zweiten Mal findet die OPEN! 2016 statt – die Konferenz für digitale Innovation. Hier treffen Unternehmer, Denker, Verwaltungsexperten und Forscher aus ganz Deutschland aufeinander, um die Frage nach der Disruption zu klären: Wie einschlägig sind offene Systeme heute, morgen und in der Zukunft?

Für alle Interessierten gibt es ein umfangreiches Programm mit wissenswerten Themen, welches sich in vier Panels gliedert. In diesen Panels werden die Bereiche Industrie, Wissenschaft und Forschung, Kultur- und Kreativwirtschaft und die öffentliche Verwaltung angesprochen. Hierbei kann jeder an verschiedenen Vorträgen und spannenden Workshops teilnehmen von Referenten wie beispielsweise Karsten Panier oder Dr. Steffen Evers.

Die Konferenz werden Prof. Dr. Sabine Brunswicker – unter anderem Projektleiterin für Innovationsmanagement am Fraunhofer IAO Stuttgart – und Dr. Holger Schmidt, dem Chefkorrespondent mit Schwerpunkt Internet für das Magazin FOCUS, als Keynote-Speaker eröffnen und die Teilnehmer den Vormittag über begleiten, bis es dann am Nachmittag in die einzelnen Panels geht.

Aber danach ist noch nicht Schluss: Die Teilnehmer finden sich am Abend noch einmal zusammen, denn dann wird der Open Source Business Award verliehen – der Innovationspreis der OSB Alliance, bevor es dann ins Get-Together übergeht, wo sich noch einmal alle miteinander austauschen können.

+++ Das Gewinnspiel ist beendet +++

Wer diesen spannenden Tag voller Innovation nicht verpassen möchte, der kann bei uns Tickets gewinnen. Hierfür müsst ihr nur eine Mail mit dem Betreff OPEN! 2016 an gewinn@netzpiloten.de senden. Dafür habt ihr Zeit bis zum 15.11.2016 um 16 Uhr. Die Gewinner werden selbstverständlich von uns benachrichtigt. Wir wünschen viel Glück!

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Res publica statt geheimer Kabinettspolitik – CETA und TTIP schaden dem Gedanken der Republik

Cicerón (Marcus Tullius Cicero) (adapted) (Image by sn6200 [CC BY 2.0] via Flickr)

Der Zweite Senat des Bundesverfassungsgerichts hat mehrere Anträge auf Erlass einer einstweiligen Anordnung abgelehnt, die sich gegen eine Zustimmung des deutschen Vertreters im Rat der Europäischen Union zur Unterzeichnung, zum Abschluss und zur vorläufigen Anwendung des Freihandelsabkommens zwischen der Europäischen Union und Kanada (Comprehensive Economic and Trade Agreement – kurz CETA) richteten.

Dennoch sind einige Hürden formuliert worden. Die Bundesregierung muss sicherstellen, dass ein Ratsbeschluss über die vorläufige Anwendung nur die Bereiche von CETA umfassen wird, die unstrittig in der Zuständigkeit der Europäischen Union liegen.

Verfassungsgericht sieht Demokratiedefizite

Bis zu einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts in der Hauptsache muss eine hinreichende demokratische Rückbindung der im Gemischten CETA-Ausschuss gefassten Beschlüsse gewährleistet und eine einseitige Beendigung der vorläufigen Anwendung durch Deutschland möglich sein. Verfassungsrechtliche Bedenken manifestieren sich an der Frage, ob durch das Handelsabkommen ein demokratisches Defizit entstehen könnte – vor allem im Gemischten Ausschuss, das mit Vertretern von Kanada und der EU besetzt sein soll, aber nicht unbedingt mit Vertretern der einzelnen Mitgliedsstaaten.

Das mögliche Eigenleben dieses Gremiums behagt den Verfassungsrichtern nicht. Nach dem CETA-Vertragswerk könnte der Gemeinsame Ausschuss eigenständig neue Vorschriften erlassen und sogar Änderungen im Vertragstext vornehmen. „Legitimiert“ werden diese Entscheidungen nur durch den Europäischen Rat der Regierungschefs und Minister mit einer qualifizierten Mehrheit. Deutschland und andere Mitgliedsländer könnten überstimmt werden. Von demokratischer Legitimierung kann man an dieser Stelle nicht mehr sprechen – noch weniger von einem Republikanismus im Geiste Ciceros. Neudeutsch könnten wir auch von ’social citizenship‘ sprechen – also aktive Bürgerbeteiligung als Charakteristikum der Republik.

Wo bleibt das öffentliche Wohl?

Es geht um die res publica, die öffentliche und gemeinsame Sache für das Wohl der Bürgerinnen und Bürger. „Der princeps, die politischen Repräsentanten, hatten in der Antike zwar Gesetzgebungsvollmacht, mussten diese aber stets dem öffentlichen Wohl unterstellen und Rechenschaft darüber ablegen“, schreibt Ulrike Guérot in ihrem Buch „Warum Europa eine Republik werden muss – Eine politische Utopie“.

Was in der geheimen Kabinettspolitik der EU-Technokraten mit den USA und Kanada in den Abkommen TTIP und CETA verhandelt wird, ist von reinem Ökonomismus und Nützlichkeitsdenken geprägt – aber nicht vom Ziel des Gemeinwohls. Hier folgt man der Schimäre einer marktkonformen Demokratie, die ohne soziale Kontrolle zur Demokratur mutiert.

Freihandel führt nicht automatisch zu Freiheit

Die These des ‚doux commerce‘, nämlich dass durch Handel, einem auf Eigeninteresse basierendem Austausch auf Märkten, ein Verflechtungszusammenhang und eine Entwicklungsdynamik entsteht, die quasi naturnotwendig zu Wohlstand, Freiheit und Friede in der internationalen Staatenwelt führen, war nach Ansicht von Guérot schon immer ein Märchen: „Weder das französische Ancien Régime noch das heutige Saudi Arabien waren durch Handel vor der Despotie gefeit.“

Besonders dort, wo der Waffen-Handel floriert, sei vom ewigen Frieden keine Spur. Von Tyrannei schon eher. Es sei erstaunlich, wie hartnäckig sich die Märchenerzählung vom friedensstiftenden Charakter des Handels seit dem frühneuzeitlichem Konzept des doux commerce bis zu heutigen Freihandelsabkommen im politischen Diskurs gegen jedes bessere Wissen halten konnte.

Noch erstaunlicher ist es, wie sich heutige Polit-Technokraten mental so weit vom Gedankengut der Republik entfernen konnten. Wie kann man aggressive Handelsabkommen unterzeichnen, die unserer Mitbestimmungskultur schaden und sich einer öffentlichen Kontrolle des Treibens der Wirtschaftsakteure, ihrer Konglomerate, Lobbyisten, Einflüsterer und Spin-Doktoren entziehen? „Will die EU also etwas, das zwar einigen transnational organisierten Kapitalgruppen ökonomisch viel bringt, nicht aber der Mehrheit der europäischen citoyens“, fragt sich Guérot, Leiterin des Departments für Europapolitik und Demokratieforschung an der Donau-Universität Krems.

Ohne soziale Organisation, Mitsprache und gemeinschaftsstiftende Elemente degradieren wir die Gesellschaft zu einem Anhängsel des so genannten Marktes, der von Machtinteressen dominiert wird. Das beschrieb Karl Paul Polanyi bereits in den 1940er Jahren in seinem Hauptwerk „The Great Transformation“.

Weise und kluge Regierungen setzen auf offene Verfahren

Große Wirtschaftsorganisationen wollen ihre Dominanz in geschlossenen Zirkeln absichern – Wettbewerb, Transparenz oder gar die öffentliche Rechtfertigung des unternehmerischen Tuns stehen dabei nicht auf der Agenda. Die Agora – also den Versammlungsplatz der griechischen Antike – meiden sie in jeder Ausprägung. Sie kungeln auf den Spuren von Klemens Wenzel von Metternich lieber in Geheimrunden als sich auf nicht kontrollierbare Disputationen mit der Zivilgesellschaft einzulassen.

Aber letzteres ist das Herz der res publica. Das öffentliche Aushandeln von Positionen. „Weise und kluge Regierungen setzen auf offene Verfahren“, sagt Internet-Governance-Experte Professor Wolfgang Kleinwächter im Netzpiloten-Interview.

Solche Prozesse seien zweitaufwändig, aber die Ergebnisse sind nachhaltiger. „90 Prozent der Themen, die in den Handelsabkommen TTIP und CETA verhandelt werden, betreffen öffentliche Interessen und sollten deswegen auch öffentlich besprochen werden“, fordert Kleinwächter.

Wer die Zivilgesellschaft zum Zaungast degradiert, fördert Ressentiments und radikale Gruppierungen. „Wenn Big Business und Big Goverment zusammengehen, dann ist das kein Multi-Stakeholder-Modell. So etwas führt nur zu einer Tyrannei der Mächtigen“, warnt Kleinwächter.

Ratschlag des Notiz-Amtes: Bevor die Karlsruher Verfassungsrichter beim CETA-Abkommen zu einer Entscheidung in der Hauptsache gelangen, sollten sie vorher nicht nur im Grundgesetz blättern, sondern prinzipiell über das Wesen der Republik nachdenken. Die Lektüre der berühmten Cicero-Reden könnte helfen.


Image (adapted) „Cicéron (Marcus Tullius Cicero)“ by sn6200 (CC BY 2.0)


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Digitales Gemeinwohl durch faire Datenpolitik

Blue Screen of Death in Silver Black Laptop (Image by Markus Spiske [CC0 Public Domain] via Pexels)

Es mangelt nicht an Beiträgen, die Deutschland eine fehlende Gestaltungsfähigkeit in Sachen Digitalisierung attestieren. Dieses Defizit ist auch beim Thema Datenschutz zu verzeichnen. Deutschland gilt zwar als stark im Datenschutz, aber diese Stärke verkehrt sich zusehends in eine Schwäche. In der digitalen Gesellschaft ist der Umgang mit Daten grundlegenden Veränderungen unterworfen, aber weder die hierzulande geführte Datenschutzdebatte noch der Rechtsrahmen trägt diesem Wandel bislang angemessen Rechnung.

Mit Datenminimierung, Einwilligung und Zweckbindung werden durch die Europäische Datenschutzgrundverordnung nun EU-weit Datenschutzprinzipien festgeschrieben, die uns in der Vergangenheit gerade nicht davor bewahrt haben, dass mit unseren Daten eifrig Handel getrieben wurde, ohne dass wir davon etwas erfahren, geschweige denn davon profitiert haben. Daten können jedoch Reichtum schaffen. Aufgabe der Politik ist es, sicherzustellen, dass die Gesellschaft von der Datennutzung profitieren kann. Dies sollte ein wichtiger Bestandteil der Datenpolitik des 21. Jahrhunderts sein.

Natürlich machen personalisierte digitale Dienstleistungen den Alltag einfacher. Es geht aber nicht nur darum, dass Amazon uns noch bessere Bücher und Facebook noch passendere Freunde empfiehlt, oder dass wir gezieltere Werbung angezeigt bekommen. Es geht auch nicht nur um Effizienzgewinne durch Daten, die schon jetzt den Arbeitsmarkt, Produktionsprozesse und das Bildungssystem verändern. Vielmehr geht es auch um echten gesellschaftlichen Fortschritt, der mit mehr Daten erzielt werden kann – beispielsweise, wenn Ärzte den Gesundheitszustand einer Person detailliert analysieren und mit einer Vielzahl von anonymisierten Daten anderer Patienten vergleichen können. Es geht darum, durch bessere Steuerung knapper Ressourcen zentralen Herausforderungen, auf die wir noch keine Antworten haben, besser begegnen zu können, etwa weil immer mehr Menschen in immer größeren Städten leben, weil sich Migrationsströme um die Erde bewegen und die Folgen des Klimawandels offen sind.

Nun bringt allein die Verfügbarkeit personenbezogener Daten Risiken mit sich. Schon 1983 haben die Richter des Bundesverfassungsgericht davor gewarnt, dass der „gläserne Mensch“ mit der Demokratie unvereinbar sei. Und Entscheidungen über ein ahnungsloses Individuums aufgrund irgendwelcher ominöser Daten, von denen der Betreffende nichts weiß, seien menschenunwürdig. Zwar wird das Europäische Datenschutzsystem durch die neue Datenschutzgrundverordnung in Zukunft „dichter“ in dem Sinne, dass es auch auf amerikanische Unternehmen, die europäischen Kunden ihre Dienstleistungen anbieten, anzuwenden ist. Trotzdem steht fest: Der Trend zum Datensammeln lässt sich nicht stoppen, weil über Daten inzwischen ganze Märkte funktionieren.

Viele dieser so wertvollen Daten gelangen mit unserer Genehmigung in die Hände von Unternehmen. Denn auf ‚Akzeptieren‘ klicken wir alle – allzu oft ahnungslos – recht zuverlässig. Während aber die Menge der zu Verfügung stehenden Daten enorm wächst, stehen diese in der Regel weder den Verbrauchern selbst noch der Forschung zur Verfügung. Auch gemeinwohldienliche Nichtregierungsorganisationen partizipieren derzeit kaum am Datenreichtum unserer Gesellschaft.

Nur wenige Unternehmen verfügen über mächtige Dateninfrastrukturen, also sowohl über enorme Mengen wertvoller Daten als auch über die entsprechenden Analysefähigkeiten. Manche horten diese Informationen, um sich so den entscheidenden Wettbewerbsvorteil gegenüber Rivalen zu sichern, andere betreiben mit den Daten einen regen Handel. Das Geschäft von Firmen, die auf den Handel mit Daten spezialisiert sind, so genannte Data Broker, ist alleine in den Vereinigten Staaten mehrere Milliarden US-Dollar wert. Die auf Daten basierte Werbeindustrie hatte dort im Jahr 2014 Einnahmen in Höhe von 50 Milliarden US-Dollar.

„Der Geist ist aus der Flasche“, sagt Dirk Helbing, Professor für Soziologie an der ETH Zürich. Große Mengen unserer Daten sind schon online und werden genutzt. Jedes Mal wenn wir „googeln“, hinterlassen wir Spuren in der digitalen Welt. Jede Minute werden auf YouTube 300 Stunden neuer Videos geladen, auf Twitter 350.000 Tweets gesendet und mehr als 4 Millionen Facebook-Posts „geliked“. Alle diese Daten erlauben wertvolle Aussagen über Individuen. Bis 2020 soll nach Schätzungen des World Economic Forums die Menge der digitalen Daten 44 mal grösser sein als 2009 – auch weil sie zunehmend nicht mehr von Menschen, sondern von „smarten“, mit dem Internet (und damit auch unter einander) verbundenen Geräten generiert werden.

Informationelle Selbstbestimmung im 21. Jahrhundert muss anders aussehen als das, was man sich in den 1980er Jahren darunter vorgestellt hat. Es ist eine wichtige und – zugegeben – schwierige politische Aufgabe, die Datenpolitik so zu gestalten, dass wir einerseits von der Verfügbarkeit der Daten profitieren können, anderseits aber vor Missbrauch dieser Daten geschützt werden. Beim Datenschutz sollte es nicht nur um „Abwehr“ gehen, sondern auch um „gute Nutzung“ von Daten. Eine Nutzung, von der die ganze Gesellschaft profitieren kann.

Statt so zu tun, als ob eine „Ausgabesperre“ für Daten möglich und erstrebenswert wäre, sollten wir den Schwerpunkt auf Transparenz und Kontrolle der konkreten Datenverwendung verlagern und den Schwerpunkt der Datenpolitik darauf legen, sicherzustellen, dass die  Datenauswertung auch gemeinwohlorientierten Zwecken dient. Die soziale Marktwirtschaft, ein zentrales Prinzip des Grundgesetzes, muss auch in die datenbasierte Wirtschaft Einzug halten.

Wie würde eine soziale Marktwirtschaft für Daten aussehen? Mindestens diese drei Elemente sollte sie enthalten:

  • Echte Auswahlmöglichkeiten für die Bürger: Förderung von technischen Lösungen und Systemen, die den Bürgern ermöglichen, Daten gezielt zu teilen oder auch zu schützen. Diese könnten die Form eines Bürgerkontos haben, auf dem Daten aus vielen Quellen gespeichert sind, wobei es an dem Bürger liegt, welche Daten er mit wem teilen will und jeder Zugriff auf Daten zu Kontrollzwecken aufgezeichnet wird.
  • Vorgaben bezüglich der gemeinwohldienlichen Nutzung von Daten: Beispielsweise sind Daten, die über die Sensoren von vernetzten Autos gesammelt werden, für Kommunen, Akteure der öffentlichen Daseinsvorsorge und für die Forschung relevant (so zum Beispiel für Verkehrslenkung und Parkraummanagement). Es muss sichergestellt werden, dass die Daten auch tatsächlich für diese Zwecke verfügbar sind.
  • Förderung der Verfügbarkeit der Daten zur Forschungszwecken und gemeinwohlorientierten Zwecken. Daten sind eine wichtige Infrastruktur. Zur Zeit aber verfügen vor allem private Unternehmen über komplexe, gut organisierte Datenbanken, aus denen wertvolle Erkenntnisse gewonnen werden können und tagtäglich gewonnen werden – für die privaten Zwecke.
  • Eine öffentliche Dateninfrastruktur ist in Deutschland so gut wie nicht existent. Der Staat muss daher gezielt den Ausbau eines öffentlichen Daten-Ökosystems fördern. Dazu zählt auch die Ausbildung von Fertigkeiten, Daten nicht nur für wirtschaftliche, sondern auch für gemeinwohldienliche Zwecke zu nutzen.
  • Offene Regierungsdaten sind ein wichtiger Bestandteil eines solchen Daten-Ökosystems: Bund, Länder und Kommunen müssen nicht-personenbezogene Verwaltungsdaten in maschinenlesbarer Form sowie bedingungs- und kostenlos der Allgemeinheit zur Verfügung stellen, denn in diesen Daten schlummert ein unermesslicher Schatz, auf den eine Gesellschaft im 21. Jahrhundert nicht verzichten kann.

Vor drei Jahren twitterte Bundeswirtschaftsminister Gabriel: „Ich will weder einen allwissenden Daten-Kapitalismus noch einen allwissenden Daten-Staat.“ In der Zwischenzeit ist die Bundesregierung vom Prinzip der Datensparsamkeit abgerückt. Kanzlerin Merkel und Vizekanzler Gabriel verkündeten auf dem IT-Gipfel im Herbst 2015, das Prinzip der Datensparsamkeit dürfe legitimen Geschäftsinteressen nicht länger im Weg stehen.

Ich hoffe, der nächste Schritt wird so aussehen: Wir machen uns klar, dass die gesamte Gesellschaft von digitalen Daten profitieren sollte, und wagen daher eine Investition in die öffentliche Dateninfrastruktur.


Mehr dazu am 18.10.2016 in einem Hintergrundgespräch mit Prof. Dr. Dirk Helbing von der ETH Zürich beim Berliner Think Tank Stiftung Neue Verantwortung.


Image „Blue Screen of Death in Silver Black Laptop“ by Markus Spiske (CC0 Public Domain)


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Netzpiloten sind Partner von StartupCon 2016

Am 27. Oktober 2016 ist es wieder soweit: Die StartupCon findet zum dritten Mal statt, dieses Jahr mit noch mehr räumlichen Kapazitäten in der LANXESS Arena Köln. Wer sich für neue Geschäftsmodelle und –ideen interessiert, sollte hier auf keinen Fall fehlen. Bei der StartupExpo, die zum zweiten Mal im Rahmen der StartupCon abläuft, bekommen etwa 300 Startups die Möglichkeit, sich und ihre Ideen einem großen Publikum vorzustellen und potenzielle Partner, Kunden und Investoren kennenzulernen.

Aber das ist bei weitem noch nicht alles: Die StartupCon wird dieses Jahr mit dem international gefragten Top-Speaker Arun Pudur die Herzen der Gründergemeindemitglieder höher schlagen lassen. Arun Pudur, Gründer des Technologie-Startups Celframe, machte mit zarten 21 Jahren seine erste Million und wurde bereits fünf Jahre später zum Billionär. Heute, mit 39, zählt er zu einem der 10 reichsten Menschen der Welt.

Außerdem laufen parallel zur StartupCon drei weitere Konferenzen: Die IndustryCon vermittelt geballtes Wissen zur Digitalisierung, die ConversionCon möchte neue Horizonte eröffnen und die Wirtschaft stärken und die InfluenceCon hat es sich zur Aufgabe gemacht, eine Professionalisierung hinsichtlich Influencer Marketing am Markt zu etablieren.
Inspiration und Information kann man sich bei zahlreichen Vorträgen und Workshops holen. Ziel des Events sei es, Gründergeist zu vermitteln, sagt Veranstalter Christian Weis.

+++ Das Gewinnspiel ist beendet +++

Wer jetzt Lust bekommen hat, bei diesem spannenden Event dabeizusein, sollte nicht länger zögern! Schreibt uns einfach eine Mail mit dem Betreff StartupCon 2016 an gewinn@netzpiloten.de und gewinnt ein Ticket für die Veranstaltung. Ihr habt Zeit bis zum 17. Oktober um 16 Uhr. Viel Glück!

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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • APPLE t3n: 7 neue Funktionen von iOS 10: Nachdem das iPhone 7 vorgestellt wurde, ist nun das neue Betriebssystem iOS 10 rausgekommen. Das Update gibt es für alle Geräte ab iPhone 5, iPad mini 2, iPads der 4. Generation und iPod Touch der 6. Generation. 7 neue Funktionen wie z.B. die Intelligente Tastatur, man kann ab sofort mit einer einzigen Tastatur in mehren Sprachen schreiben, ohne ständig diese wechseln zu müssen, hält das neue Update bereit.
  • CHINA Welt: Wirtschaft in China stabilisiert sich wieder: Chinas Wirtschaft scheint wieder zulegen zu können. In China wächst vor allem die Nachfrage nach Autos stark. Außerdem gab es noch 1,13 Millionen zusätzliche Arbeitsplätze im August. Der Sprecher Sheng Laiyun sehe „positive Veränderungen und viele Lichtblicke“, besonders in der Realwirtschaft, bei der Vorlage der Wirtschaftsdaten für den Einzelmonat August.
  • ADBLOCKER Trending Topics: „Adblocker werden den Markt verändern, weil sie zeigen, dass die Big-Data-Geschäftsmodelle nicht funktionieren“: 100 Millionen Nutzer soll Adblock Plus laut Angaben des Herstellers haben. Weltweit setzt der irischen Firma PageFair zufolge jeder fünfte Smartphonenutzer auf einen Werbeblocker. Bereits 2013 wurde bekannt, dass sich Google und Amazon mit Eyeo arrangierten und sich von der Werbeblockade freikauften. In Brüssel braut sich derzeit ein Gewitter zusammen, das die Geschäftsmodelle der großen Silicon-Valley-Riesen massiv infrage stellt.
  • UBER heise online: Schweiz lockert Regeln für Taxis wegen Konkurrenz mit Uber & Co.: Gestern stimmte in der Schweiz der Nationalrat mit deutlicher Mehrheit für eine Lockerung der strengen Vorschriften für Taxifahrer. Taxifahrer befänden sich im Nachteil gegenüber des Fahrdienstes Uber. Der Schweizer Nationalrat will gleiche Ausgangsbedingungen für den Wettbewerb zwischen Taxifahrern und Fahrdiensten wie Uber. Aktuell unterliegen Taxifahrer speziellen Vorschriften, beispielsweise einer Bewilligung für berufsmäßige Personentransporte, einer Fahrtenschreiberpflicht oder speziell geregelten Arbeitszeiten.
  • IOS Süddeutsche Zeitung: Rückkehr des „Ziegelsteins“: iPhone-Nutzer berichten von Update-Problemen Kaum ist iOS 10 rausgekommen, da gibt es schon Probleme. Viele Nutzer berichten von Update Problemen wie z.B. dass das Wlan-Update auf iOS 10 iPhone und iPad im Wartungsmodus einfriert. Das Problem lässt sich nur durch eine Wiederherstellung reaktivieren.
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IoTcamp 2016

iotcamp-2016-logo-image-by-iotcamp

In unserer heutigen Zeit ist das Internet nicht mehr wegzudenken. In vielen Bereichen wird es tagtäglich wichtiger und irgendwann wird es unabdingbar sein. Bis dahin ist es sinnvoll, dass man sich in punkto Internet vorbereitet und auf dem Laufenden bleibt. Das IoTcamp bietet hierfür die ideale Möglichkeit.

IoT steht für Internet of Things. Das IoTcamp widmet sich also dem Thema Industrie 4.0 genauer und bietet hier auf produktive Art einen Austausch zwischen wichtigen Personen aus den verschiedensten Bereichen. Das Ganze wird im BarCamp Format geschehen, was bedeutet, dass zu Beginn der Veranstaltungen der Ablauf, die Themen und die Schwerpunkte von den Teilnehmern festgelegt werden. Das Oberthema wird „Internet“ sein, auf welches Techblogger Sascha Pallenberg einstimmen wird.

Es werden wichtige Personen unter anderem aus der Wirtschaft, der Politik, aus verschiedenen Startups und auch aus dem Bereich Medien am Camp teilnehmen und zu einem offenen Gespräch animieren. Das Besondere wird der offene Austausch, die Produktivität der einzelnen Teilnehmer und die Interaktion zwischen all den Interessierten sein. Unterstützt wird die Veranstaltung von Knowledge Partnern, wie beispielsweise Amazon Web Services, Fraunhofer FOKUS oder METRO GROUP unter der Moderation von Stefan Evertz.

+++ Das Gewinnspiel ist beendet +++

Wer also Lust hat am 04. Oktober in Düsseldorf an der Veranstaltung teilzunehmen, der hat hier die Chance drei Tickets für das Iotcamp in diesem Jahr zu gewinnen. Schreibt uns einfach eine Mail bis Donnerstag, den 22.09.2016 – 17 Uhr an gewinn@netzpiloten.de mit dem Betreff „IoTcamp“. Selbstverständlich werden die Gewinner von uns benachrichtigt!

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Box Relay treibt die Automatisierung der Wirtschaft voran

Heute startet im für derartige Tech-Events bekannte Moscone Center in San Francisco die Jahreskonferenz des vor Ort ansässigen Cloud-Anbieter Box namens BoxWorks. Vermeintlich eines von vielen Events in der Stadt, in der noch diese Woche das neue iPhone von Apple präsentiert wird. Allerdings werden die Weichen für die Zukunft einer digitalisierten Arbeitswelt vor allem auf der BoxWorks gelegt.

Dabei kennen private Cloud-Nutzer meist das nur im Namen um eine Tätigkeit ergänzte Dropbox, aber es ist vor allem, dass aus Redwood City stammende Unternehmen Box, dass für die heutige Wirtschaft und auch Verwaltung, immer wichtiger wird. Immerhin sind die meisten der 500 umsatzstärksten Unternehmen der Welt Kunden, sowie u.a. das US-Justizministerium und die Downing Street 10.

Vor diesem Hintergrund muss auch die erste Bekanntmachung der diesjährigen BoxWorks gelesen werden: „Box und IBM haben heute Box Relay angekündigt, eine neue Workflow-Lösung, die nativ in Box verfügbar sein wird. Die Lösung wird es für jeden Mitarbeiter in einem Unternehmen einfacher machen, benutzerdefinierte oder vorgefertigte Workflows (…) zu erstellen, zu verfolgen und zu verwalten.

Automatisierung ist ein historisch gewachsenes Bedürfnis

Wenn zurzeit über das Thema Automatisierung gesprochen wird, fallen oft und schnell historische Vergleiche mit dem Verschwinden der Webstühle. Die Sorge ist, dass durch die Automatisierung (im schlimmstenfalls in Kombination mit Künstlicher Intelligenz) noch mehr Arbeitsplätze vernichtet werden und dies in einem Ausmaß, dass durch die gleichzeitige Schaffung neuer Tätigkeiten nicht kompensiert wird.

Schaut man sich aber in seinem direkten Umfeld um, sind das meist noch Zukunftsvisionen. In meinen bisherigen Jobs stellte sich Automatisierung öfters mehr als Wunschszenario dar, das vor allem eine Vereinfachung bestimmter Arbeitsprozesse mit sich bringen sollte, statt einer Bedrohung meiner eigenen Eignung für die jeweilige Tätigkeit. Sowohl Startups als auch Corporates wünschen sich Automatisierung.

Und das auch nicht erst seit der zunehmenden Digitalisierung der Wirtschaft. Schon 1745 entwickelte der englische Schmied Edmund Lee eine Vorrichtung, durch die sich Windmühlen selbstständig nach der Windrichtung ausrichten konnten. Ein schon seit der griechischen Antike wichtiges Thema. Das Prinzip der Automatisierung und der Wunsch danach sind nicht neu. Lange war das Narrativ aber positiver besetzt als heute.

Ende des 15. Jahrhunderts führte vor allem die Entwicklung der Fließbandfertigung in den Werften des Arsenale Novissimo zum Aufstieg Venedigs. Und mit Henry Ford, der das Prinzip im Jahr 1913 verfeinerte und mechanisierte, hatte der Kapitalismus sein Paradebeispiel gefunden. Ford konnte so seine Produktion um das Achtfache steigern, Materialkosten einsparen und die Löhne seiner Arbeiter erhöhen.

Box und IBM wollen effizientere Prozesse ermöglichen

Vermutlich wird die Kooperation zwischen Box und IBM keinen vergleichbar historischen Effekt haben, aber sie stellt ein wichtiges Signal für die heutige Wirtschaft dar: Automatisierung ist Trumpf. Und aufgrund des maßgeblichen Einfluss von Box und IBM auf die Wirtschaftswelt, könnte diese gemeinsam entwickelte Lösung die Arbeit von Millionen von Menschen beeinflussen – vor allem vereinfachen.

Workflow im Unternehmen funktioniert nicht – komplexe, zersplitterte Software und manuelle Prozesse hemmen die Produktivität“, kritisiert Box-Gründer und CEO Aaron Levie. Aber für Unternehmen, die „kognitiv werden möchten, ist die Fähigkeit für Teams, über Inhalte zu iterieren, neue Einblicke zu ermöglichen und auf natürliche Weise zusammenzuarbeiten, von entscheidender Bedeutung“, wie Inhi Cho Suh, General Manager für Zusammenarbeitslösungen bei IBM Analytics, erklärt.

Dieses zusammen entwickelte Produkt könnte Mitarbeiter in die Lage versetzen, einfachere digitale Workflows über verschiedene Funktionen hinweg zu erstellen. Dies würde, und dass bei den größten Unternehmen der Welt, die Verwaltungszeit von Projekten verringern und die Teamproduktivität erhöhen. Box Relay könnte das Sinnbild für einen Unternehmens-Workflow auf die einfache Art sein und das in durch Globalisierung und Digitalisierung immer komplizierter werdenden Wirtschaft.

Am Tag des Erscheinens einer Pressemitteilung muss jede Behauptung als Wunschdenken betrachtet werden, bestenfalls als Ziel. Dies ist aber spannend, wie Levie weiter ausführt: „Das völlig neue Box ist ein Ort, wo Ihre gesamte Arbeit zusammenkommt. Box Relay trägt seinen Teil zu dieser Vision bei, indem es jedem eine einfache Möglichkeit bietet, Routineprozesse zu erstellen, zu verfolgen und zu verwalten – ohne Box verlassen zu müssen.

Wichtige Impulse für die zukünftige Arbeitswelt

Mit Box Relay kann die Unternehmens-IT weniger als Bremser und viel mehr als Unterstützer auftreten, die es den Mitarbeitern ermöglicht, sich auf andere Arbeiten zu konzentrieren und zugleich bessere Möglichkeiten zur Optimierung und Automatisierung von Prozesse bietet. Das gilt auch für Workflows zwischen internen und externen Teams, bspw. in der Zusammenarbeit mit Kunden, Partnern oder auf der ganzen Welt verteilt arbeitenden Freelancer-Teams.

Mit Box Relay wird das Wechseln zwischen Systemen nicht mehr nötig, da es auf der Plattform, der Unternehmen bereits die Verwaltung ihrer wertvollsten Inhalte anvertraut haben, ein Workflow-Tool bietet. Benutzer können Inhalte bearbeiten, die automatisch wieder bei Box gespeichert werden, wodurch Integrationen unter anderem mit Office 365, Adobe und Salesforce genutzt werden.

In wenigen Jahren werden wir wissen, ob Box Realy ein historischer Meilenstein sein wird, vergleichbar mit Fords Fließbändern. Die Ziele des gemeinsamen Projekts von Box und IBM sind aber zugleich der Fahrplan für sich modernisierende Unternehmen: Verringerung der IT-Abhängigkeit und Stärkung von Endbenutzern, Erschaffen nahtloser Prozesse im „erweiterten Enterprise“ und Verringern der Zeit, die mit der Verwaltung von Projekten verbracht wird.


Wie schon 2015 nehmen die Netzpiloten auch in diesem Jahr auf Einladung von Box.com an der BoxWorks teil. Für Snackable Content aus San Francisco könnt Ihr Tobias Schwarz auf Twitter und Instagram folgen.


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Industrie 4.0 – Gehirn-Vernebelung am Fabriktor

Indtustrie-Skyline (adapted) (Image by Nico Kaiser [CC BY-SA 2.0] via flickr)

Industrie 4.0 ist nach Auffassung von Thomas Sattelberger der deutsche Kastrat für Digitalisierung. Man könnte auch von einer Gehirn-Vernebelung sprechen. „Die ganze Frage, wie es mit Smart Services aussieht, mit Dienstleistungen allgemein, mit Bildung, Pflege oder Gesundheit, wird total vernachlässigt“, monierte Sattelberger auf der Next Economy Open in Bonn. Es ist tragisch, dass die Industrie 4.0-Prediger im alten Effizienz-Denken der Massenfertigung verharren.

Fordismus verpuffte vor 60 Jahren

Dabei war die Dynamik des fordistischen Produktionsmusters bereits in den 1960er Jahre verpufft, wie der Wirtschaftshistoriker Werner Abelshauser in seinem Standardwerk „Deutsche Wirtschaftsgeschichte seit 1945 belegt“. Seit rund 50 Jahren schrumpft die Zahl der Arbeitsplätze in der Massenproduktion. Da ist keine Umkehr in Sicht.

Industrie 4.0-Denkfehler

Wenn wir unsere fabrik-fixierte Nabelschau mit dem ausschließlichen Ziel der Effizienzverbesserung nicht ablegen, schaffen wir keine Perspektiven für neue Arbeitsplätze und für neue Märkte. Am Beispiel der Speed Factory, die Adidas mit dem fränkischen Unternehmen Oechsler realisiert, kann man das eindrücklich nachvollziehen. Ziel ist es, den ‚individuellen’ Schuh in Ansbach zu produzieren. Nur 160 Mitarbeiter werden in den nächsten Jahren eine halbe Million Sneakers produzieren. Wenn wir uns dabei nur auf den Akt der Fertigung fokussieren, sieht die Beschäftigungsbilanz eher mickrig aus. „Wenn wir blindlings den Protagonisten von ‚4.0’ folgen, gibt es keine Arbeit mehr für die allermeisten in unserer Gesellschaft“, moniert Ralf Volkmer in einem Thesenpapier für den YouBusiness-Talk, der am 6. September in Bonn stattfindet. Ein Denkfehler. Auch der Autor von Lean-Knowledge-Base reduziert den Blickwinkel auf die Fabrikproduktion und sitzt damit im gleichen Boot wie die Industrie 4.0-Denker.

Vernetzung für Kunden

Die Amerikaner machen es anders und nennen dieses Thema ‚Industrial Internet‘, schreiben Andreas Syska und Philippe Lièvre in ihrem Buch „Illusion 4.0“: „Sie vernetzen intelligente Produkte, Supply Chains und Fabriken. Das ist aus unserer Sicht auch der richtige Ansatz.“ Deutsche Ingenieure denken in technischen Schnittstellen. Der Gedankenschritt reicht nur von Maschinen zu übergeordneten Steuerungssystemen. „Wir sehen hierzulande größtenteils fabrikinterne Lösungen….Der eigentliche Sinn der digitalen Vernetzung und ihre enormes Potenzial liegt vielmehr in datenbasierten Geschäftsmodellen und damit außerhalb der Fabrik. Das hat man in Deutschland noch nicht verstanden, weshalb in Deutschland auch nichts Entsprechendes zu sehen ist. Industrie 4.0 kommt hierzulande gedanklich einfach nicht aus dem kleinen Karo der Fabrik heraus“, monieren Syska und Lièvre. In den USA werden Plattformen geschaffen und mit intelligenten Produkten sowie Services vernetzt.

Schnittstellen schaffen keine neuen Märkte

Die Deutschen hingegen tüfteln an Schnittstellen, faseln von höherer Produktivität, ergötzen sich an neuen Maschinen und vertrödeln ihre Zeit mit der Frage, wie man das Ganze technisch ans Laufen bringt. Die Amerikaner fragen, welches Geschäft damit gemacht werden kann. Die Rollenverteilung ist für uns nicht lukrativ. Jenseits des Atlantiks werden die digitalen Claims abgesteckt und das Gold geschürft, Deutschland liefert als verlängerte Werkbank die Spitzhacken und Spaten. Die deutsche Industrie hat sich widerstandslos in die zweite Reihe drängen lassen – zum austauschbaren Hardware-Lieferanten.

Die eigentliche Produktion findet außerhalb der Fabriken statt. Das erkennt man aber nicht, wenn der eigene Denkhorizont am Werkstor endet, führen die Illusion 4.0-Autoren aus.

Rollrasen, Mähdrescher und grüne Beratung

Wir laufen immer noch dem industriekapitalistischen Irrtum hinterher, dass Maschinen und Fabriken das eigentliche Geschäft sind. Sie sind aber nur Mittel zum Zweck. Plattformen und Anwendungen sind der Umsatztreiber. Wir marschieren in kleinen Schritten in ein Desaster, wenn das perfekt produzierte, aber nicht digitalisierte Produkt nicht mehr nachgefragt wird. Die reine Herstellung eines iPhones bringt doch für Apple nicht die Wertschöpfung. Design, nutzerfreundliches Interface, Vertrieb, Marketing, Software-Applikationen und die höchst erfolgreiche Internetplattform iTunes waren entscheidend für den Erfolg von Steve Jobs. Beim Landmaschinenhersteller John Deere war man bis in die 1990er Jahre auf den Maschinenverkauf fokussiert. Der Landmaschinenhersteller erkannte frühzeitig die Wachstumspotenziale auf dem gesamten Green Market und kaufte mehrere Unternehmen aus dem Garten- und Landschaftssegment. Aus John Deere wurde JDL. Die frühere Mähdrescherfirma verkauft jetzt Rollrasen, Landschaftskonzepte, Beratung, vergibt Kredite für Gartenbauunternehmen und baute eine Fortbildungsakademie auf. Mit der reinen Maschinen-Zentrierung wäre das Unternehmen schon längst untergegangen.

Die größte Niederlage unserer jüngeren Wirtschaftsgeschichte

Und wer machte und macht aus dem vom Fraunhofer-Forscher Karlheinz Brandenburg erfundenen Musikstandard mp3 in Kombination mit Produkten, Software und Plattform noch mal das größte Geschäft auf diesem Planeten? Das Notiz-Amt kennt die Antwort und sieht dieses Faktum nicht als Erfolgsbilanz einer deutschen Instanz für Grundlagenforschung, sondern als eine der schlimmsten Niederlagen in der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Man hört, sieht und streamt sich zu dieser Debatte am 6. September um 16 Uhr.


Image (adapted) „Industrie-Skyline“ by Nico Kaiser (CC BY-SA 2.0)


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Seid ihr bereit für die Jobs der Zukunft?

Future (Image by thehorriblejoke (CC0 Public Domain) via Pixabay)

Die Welle der Artikel über die Auswirkungen der Automatisierung, die meist negativ dargestellt wird, reißt nicht ab. Der neueste stammt von StartupAUS, Australiens staatliche Anlaufstelle für Startups. Dieser Artikel folgt der inzwischen vertrauten Linie, welche durch die Phrase „exponentielle Technologien“ verdeutlicht wird: Exponentielle Verbesserungen bei Rechnerleistung und Fortschritte in Technologien wie künstlicher Intelligenz, Robotertechnik, Big Data, Cloud Computing und dem Internet der Dinge werden einen tiefgreifenden Einfluss auf künftige Arbeitsplätze haben. Derzeit gibt es in Australien fast fünf Millionen Arbeitsplätze – das wären etwa 40 Prozent der Erwerbstätigen, die bis 2030 überflüssig werden.

Diese Berechnung folgt einem detaillierten CEDA-Bericht aus dem Jahr 2015, der die Modellbildung, die von StartupAUS genutzt wird, begleitet hat. Reden wir hier vom Untergang? Es ist sicherlich richtig, dass die Technologie seit Jahrhunderten im Zentrum des Wandels und der Verbesserung in der Wirtschaft steht. In diesem Prozess hat sich das Wesen vieler Berufe dramatisch verändert. Manche Berufe sind ganz verschwunden, viele neue wurden geschaffen. Jeder Wandel beinhaltete ein gewisses Maß an Spannungen, wenn Menschen einen Nutzen daraus ziehen konnten, während für andere schwere Zeiten anbrachen. Wirtschaftlicher Fortschritt konnte also nie ohne Schmerzen für einige Beteiligte erreicht werden.

Die große Frage lautet, ob wir noch mehr dieser Veränderungen durchmachen müssen, oder ob die exponentiellen Technologien einen noch dramatischeren Wandel einleiten. Wenn man die Vorhersage von Arbeitsplatzverlusten bedenkt, müssen wir beachten, dass der Verlust dieser Stellen nahezu immer mehr Aufmerksamkeit erreicht als die Schaffung neuer Stellen. Der Verlust alter Stellen tritt zudem oftmals geballt auf (wie im Fall der australischen Automobilindustrie), während neue Stellen eher verstreuter und systemgeneriert geschaffen werden.

Im CEDA-Bericht hat Phil Ruthven den Verlust von 146.800 Stellen von Beginn der Untersuchungen im Jahr 1999 bis zum Juni 2014 dokumentiert, im Vergleich zur Schaffung von 944.500 neuer Stellen im selben Zeitraum. Bernhard Salt zufolge hat die Schaffung neuer Stellen den Stellenabbau seit 2000 um zehn zu eins überflügelt. Daher sollte unser Augenmerk vielleicht lieber auf den Fähigkeiten und den nötigen Bedingungen für zukünftige Arbeitstätigkeiten liegen.

Im Alleingang

Der Bericht von StartupAUS bringt zwei weitere wichtige Argumente an. Das erste lautet, dass „selbstständiges Arbeiten“ für unsere wirtschaftliche Struktur zunehmend wichtig wird. Es verändert unsere Sichtweise darauf, was wir als Arbeit ansehen. Dies ist ein Teil des Trends weg von Zugehörigkeit eines Arbeitnehmers zu einer einzigen oder nur einigen wenigen Firmen im Laufe unseres Arbeitslebens. Stattdessen starten wir unabhängig durch als Berater, Gewerbetreibende oder in kurzfristigen Beziehungen mit Kunden oder Klienten.

Die zunehmende Spezialisierung von Firmen in Verbindung mit der durch das Internet dramatisch angestiegenen Möglichkeit, spezifische individuelle Fähigkeiten zu erkennen und sich auf diese einzulassen, unabhängig vom physischen Aufenthaltsort, erlaubt es deutlich mehr Menschen, freiberuflich tätig zu werden. Man denke an die „Revolution des Einzelhandels“, jedoch wird diese Idee übertragen auf Manager und Verwaltung, im Grunde genommen auf alle Anbieter von wissensbasierten Dienstleistungen.

Wie werden also die Berufe der Zukunft aussehen? Es gibt regelmäßige Wettbewerbe, sich die verrückteste neue Berufsbezeichnung auszudenken. Man versuche es mit Bot-Lobbyist, Produktivitätsberater, Meme-Berater, Big Data-Doktor oder Corporate Disruptor.

Aber die meisten Stellenbezeichnungen werden dieselben wie heute sein. Es wird immer noch Zimmerleute, Krankenschwestern, Straßenbauer und sogar Lehrer geben. Das Wesen dessen, was sie zu tun haben und die benötigten Fähigkeiten werden sich jedoch verändern – genauso, wie sie es in den vergangenen 20 Jahren getan haben.

Die zweite Behauptung der Untersuchung lautet, dass „Innovation Hubs“, die dafür ausgelegt sind, Cluster von Startup-Unternehmen zu fördern und anzuziehen, der Schlüssel sind, um die durch digitale Technologien gestellten Herausforderungen anzugehen. Demzufolge „ist die Entwicklung eines harten Kerns an Innovationsberufen entscheidend für das Erfassen und das maximale Ausnutzen von Gelegenheiten, die sich durch die digitale Verwandlung ergeben“.

Wir können uns darin einig sein, dass das Phänomen der Startups ein zunehmend wichtiger Bestandteil unserer Wirtschaft ist, dass es ein angemessener Behelf des Wandels durch digitale Spaltung ist, und dass es ein neues und aufregendes Werkzeug darstellt, um Innovation voranzutreiben und zu erreichen. Es ist jedoch offensichtlich, dass es weder den Einfluss noch das Ausmaß hat, welches nötig wäre, um unsere Wirtschaftsentwicklung nach der Zeit der Schwerindustrie und des Tagesbaus zu verändern. Mehr und besser finanzierte Innovation Hubs können einen wertvollen Beitrag leisten, aber es ist viel mehr nötig.

Ich schlage schlussendlich zwei Handhabungen für schnell umsetzbare Aktionen vor: Die erste ist die Umgestaltung unseres Bildungssystems in Richtung der Entwicklung von Fähigkeiten, die in Zukunft benötigt werden. Das betrifft nicht nur (oder sogar alleinig) das Programmieren, obwohl dies einen wichtigen Teil der digitalen Bildung ausmacht – Fähigkeiten im MINT-Bereich werden hier aber ebenso entscheidend sein.

Außerdem werden allgemeinere Fähigkeiten wie die intuitive Mustererkennung, Flexibilität und das Erlernen und Tolerieren von Uneindeutigkeit, das Sichten und Bewerten von Informationen sowie persönliche Ausdauer und Mobilität wichtig sein.

An zweiter Stelle steht das Anerkennen der entscheidenden Rolle, die Regierungen bei der Vorbereitung und der Gewährleistung von Veränderungen spielen. Dies könnte durch die Schaffung eines Bewusstseins, das neue Vorbilder von Arbeit mit einschließt, erreicht werden. Zusätzlich sollte die Neugründung von Unternehmen gefördert werden und es muss ein soziales Sicherheitssystem entstehen, das für die, die sich in den Komplikationen der Veränderungen nicht zurechtfinden, einfach zugänglich sein muss.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „Future“ by thehorriblejoke (CC0 Public Domain)


The Conversation

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Mit einem Schatten in der Birne misslingt die digitale Transformation

Konferenz (Image by Unsplash (CC0 Public Domain) via Pixabay)

Unternehmensführer haben angeblich längst persönlich Verantwortung für das Gelingen der digitalen Transformation übernommen. Das behauptet zumindest eine Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).

Für die Untersuchung wurden ausschließlich CEOs und Aufsichtsratsvorsitzende von 78 der umsatzstärksten Unternehmen aus Deutschland ausgewählt – frei nach dem Motto „Frag den Bäckermeister, wie er seine Brötchen beurteilt“.

Führungskräfte wollen den Kontrollverlust „organisieren“

„In der Studie artikulieren die Manager deutlich, dass jetzt vor allem die richtige Führung und die richtige Kultur zum Ziel führen. Denn es ist nicht trivial, den Kontrollverlust zu organisieren. Es braucht einen Mentalitätswandel, lieber früh zu scheitern, um zielstrebig die Richtung zu ändern. Dazu gehören Offenheit und Flexibilität, um stärker als bisher auf Kooperationen mit Wettbewerbern zu setzen“, schreiben die Studienautoren.

Mitarbeiter nicht transformationsbereit?

Die größten Defizite beim digitalen Wandel ihrer Organisationen, sehen die Manager in den Chefetagen übrigens nicht bei sich selbst, sondern – welch eine Überraschung – bei ihren Mitarbeitern. Auch die Wettbewerber werden durchgehend schlechter beurteilt als das eigene Unternehmen. „Keiner nennt in diesem Zusammenhang aber potenzielle Disruptoren aus der digitalen Welt, beispielsweise Startups, alle achten bisher nur auf klassische Konkurrenten.“ Für den eigenen Führungsstil wird zwar auch Nachholbedarf konstatiert, allerdings sehen hier die Umfrageteilnehmer die kleinste Transformationslücke.

Digitale Kompetenz bei Vorständen zweitrangig

Bei Vorstandsbesetzungen spielen die Aspekte der digitalen Transformation keine dominante Rolle, obwohl das Thema von existenzieller Relevanz für Unternehmen ist. Bei Aufsichtsratsbesetzungen ist die Lücke noch größer. Das überrascht nicht wirklich, wo doch die wichtigsten Posten in Unternehmen eher im Verborgenen ablaufen. Da zählt eben Habitus mehr als die Qualifikation, wie der ehemalige Konzernvorstand Thomas Sattelberger im ichsagmal-Sommerinterview konstatierte.

Sonst würden sich nicht so viele Psychopathen durchsetzen. Viele von denen haben nach Erfahrungen von Sattelberger einen Schatten in der Birne: Sie sind neurotisch, aggressiv und machiavellistisch – also machtbesessen. Siehe auch den Netzpiloten-Beitrag „Top-Manager und die dunklen Hinterzimmer der Macht

Wie wollen die narzisstischen Old Boys in einer vernetzten Welt überleben?

In dieser Gemengelage wollen die Old Boys der Wirtschaft die Digitalisierung und den Kontrollverlust in einer vernetzten Welt stemmen? Das kann nicht gutgehen.

Es reicht halt nach Auffassung des Kölner Ökonomen Thomas Vehmeier nicht aus, einige TED-Konferenzen zu besuchen, mal rüber ins Valley zu reisen, die Krawatte gegen einen Schal zu tauschen, um andere zu belehren, wie man das mit dem Digitalen richtig zu machen habe. Nicht die Mitarbeiterschaft blockiert die Transformation, sondern der Manager-Narzissmus. „Demut und Lernen wären angebracht“, fordert Vehmeier. Das passt allerdings nicht zur machiavellistischen Persönlichkeitsstruktur vieler CEOs und Aufsichtsratsbosse.

Unlogische Netzstrukturen sind Gift für Firmenbosse

Wenn autoritäre und egozentrische Organisationsprinzipien in Unternehmen auf die anarchischen und unlogischen Strukturen des Internets prallen, erfahren die Steuermänner und Steuerfrauen der Wirtschaft sehr schnell, dass die alten Kontrollmechanismen nicht mehr funktionieren. Ob sie aus diesen Erfahrungen lernen oder die beleidigte Leberwurst spielen, wäre eine interessante Frage für empirische Untersuchungen. Ich befürchte, dass die Lernkurve ziemlich flach verläuft. Hier liegt wohl der Kern des Problems beim Umgang mit der digitalen Transformation. Es liegt nicht am Unverständnis gegenüber technologischen Veränderungen. Die Organisationssysteme in Konzernen und vielen mittelständischen Unternehmen sind in der digitalen Sphäre nicht mehr tragfähig. Unternehmensführer sehen ihre Organisation aber immer noch als kontrollierbare Entität – auch im Netz:

„Genau das funktioniert nicht mehr, auch wenn man strikte Social Media-Guidlines formuliert oder Regeln festlegt, wer in der Außenwelt etwas sagen darf und was er sagen darf. Auch hier versucht man, das Ganze in Kontrollstrukturen einzugliedern, damit krampfhaft das Bild einer einheitlichen Entität gewahrt wird. Das kostet unglaublich viel Energie und funktioniert am Ende doch nicht“, resümierte der Kontrollverlust-Blogger Michael Seemann schon vor ein paar Jahren.

Schönwetter-Denke der Egomanen

Folgt man den Erkenntnissen der IW-Studie, läuft das immer noch nach dem Prinzip „Wasch mich, aber mach mich nicht nass.“ Reflexionsfähig sind die wenigsten Protagonisten in der Unternehmenswelt. Solange sich an den Kaminkarriere-Mustern nichts ändert, bleiben Narzissten auf den Chefsesseln. Die Wesenszüge dieser Führungspersönlichkeiten stehen dem Umgang mit Kontrollverlust entgegen: Überhöhte Anspruchshaltung, unkritische Selbsteinschätzung und Egoismus. So etwas wird man mit normalen Umfragen nicht ans Tageslicht befördern. Das Notiz-Amt plädiert für Couch-Interviews beim Psychiater.


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Psychopathen-Systeme mit digitaler Tarnung

Crossed Fingers (Image by peter67 (CC0 Public Domain) via Pixabay)

Unternehmen können mit digitalen Technologien und neuen Geschäftsmodellen ihre Effizienz relevant erhöhen sowie ihre Wertschöpfung massiv verbessern. Solche Sätze werden einem in unterschiedlichen Variationen jeden Tag an den Kopf geballert. Egal, ob es um Plattform-Ökonomie, Internet der Dinge, vernetzte Fabriken oder gähnend langweilige Powerpoint-Monologe zur digitalen Transformation geht: Die immer gleichen Wortkaskaden werden zu neuen Geschichten über den Wandel der Wirtschaft in Zeiten des Internets zusammen gewürfelt. Es regiert eine offiziöse Sprache mit leeren Floskeln und positiven Formulierungen, die kaum auf Ablehnung stoßen. Denn schließlich geht es um Ziele, Strategien, Innovationen, Kundenorientierung, offene Kommunikation und Kollaboration. Das kann auf jeder digitalen Konferenz und in jeder internen Sitzung in Organisationen beliebig kombiniert werden – es bleibt folgenlos.

Management-Komödien ohne Krawattenzwang

Wir erleben auf unterschiedlichen Bühnen eine postfordistische Management-Komödie, die Mark Fisher in einem Beitrag für das Buch „Schöne neue Arbeit – Ein Reader zu Harun Farockis Film ‚Ein neues Produkt’“ beisteuert. Was sich in der Wirtschaft hinter einer Fassade der digitalen Modernität abspielt, ist die heuchlerische Inszenierung des Peinlichen und Absurden. Man vermittelt das Glaubensbekenntnis, lockere Netzwerke seien offener für grundlegende Umstrukturierungen als die überkommenen pyramidalen Hierarchien, die die Ford-Ära der industriellen Massenproduktion beherrschten. Die Verbindung zwischen den Knotenpunkten ist loser, man verzichtet auf Krawattenzwang, verordnet das kollektive Duzen und produziert kecke Imagevideos für Youtube – fertig ist die vernetzte Metamorphose. Hinter den Plattitüden der digital-darwinistischen Führungskräfte wuchert weiterhin eine bürokratische Mikroherrschaft, kaschiert mit einer durchsichtigen und schmierigen Onkelhaftigkeit.

Digitale Coolness kaschiert Narzissten-Herrschaft

Fast jeder durchschaut dieses Spektakel und weiß, dass jede Hoffnung auf Freiheit nur außerhalb der Arbeit zu suchen ist. Wie kann man das in einer Netzökonomie ändern, ohne in einem fatalistischen Sumpf des Selbstbetrugs zu landen? Wenn an die Unternehmensspitze in erster Linie Borderliner und Narzissten gelangen, ist das nur schwer zu ändern. So beschreibt der Psychologe Dr. Robert Hare die Einstellungen und Handlunge vieler Führungskräfte im Unternehmen als psychopathisch. Es gilt, „Konkurrenten zu vernichten oder auf die eine oder andere Weise zu schlagen. Sie zerbrechen sich nicht lange den Kopf darüber, wie sich ihr Verhalten auf die breite Öffentlichkeit auswirkt, solange die Leute die Produkte des Unternehmens kaufen.“ Nachzulesen in dem Joel Bakan-Opus „Das Ende der Konzerne“.

Große Unternehmen unterliegen komplett der Psychopathie-Diagnose von Hare. Sie handeln unverantwortlich, weil bei der Verfolgung ihrer Ziele jeder gefährdet ist, der ihnen in die Quere kommt. Sie versuchen, alles und jeden zu manipulieren, einschließlich der öffentlichen Meinung. Im Social Web wird das mit dem Weihrauch digitaler Coolness kaschiert. Hare verortet bei Konzernen – bei großen Mittelständlern ist das nicht anders – einen Hang zum Größenwahn, wenn sie ständig behaupten, die Nummer eins zu sein.

Zu beobachten bei jedem Messe-Kickoff mit Tschakka-Gebrüll. Asoziale Neigungen sind ebenfalls typisch und die Unfähigkeit, Schuldgefühle zu empfinden. Wenn sie wie VW bei einem Gesetzesverstoß erwischt werden, zahlen sie den Ablass und machen unbeirrt weiter. Bei Großunternehmen regieren oberflächliche Kontakte: „Ihr einziges Ziel besteht darin, sich der Öffentlichkeit auf eine Weise zu präsentieren, die anziehend wirkt, aber nicht kennzeichnend für ihre wahre Natur sein muss“, so Hare. Das zählt zu den herausragenden Kennzeichen von Psychopathen. Sie sind berüchtigt für ihre Fähigkeit, ihre egozentrische Persönlichkeit hinter einer einnehmenden Fassade zu verbergen. Man braucht nur auf die unrühmliche Geschichte des Energiekonzerns Enron blicken, die sich mit großzügigen Unterstützungen von Kommunen, Kunstprojekten, Museen, Bildungseinrichtungen und Umweltschutzgruppen hervortaten. Am Ende brach der Wohltätigkeitsaktionismus unter der Last von Habgier, Überheblichkeit und krimineller Energie zusammen.

Schafe im digitalen Change

Digitale Technologie wird das nicht ändern. „Offenheit, Transparenz, und Partizipation müssen intensiver in die Arbeitswelt einfließen“, fordert Guido Bosbach in einem Beitrag für LeanKnowledgeBase. Wie soll das in psychopathischen Systemen gelingen?

Es reicht nach Auffassung von Bosbach jedenfalls nicht, Menschen eine Transformation zu verordnen und sie durch den digitalen Change zu jagen, wie eine Herde Schafe zum Scheren. Es sei notwendig, zunächst die veralteten Systeme zu reflektieren und zu verändern.

Das klingt mir zu defensiv. Sie müssen in der Netzöffentlichkeit entlarvt werden. Sie dürfen nicht mehr Orte der Demokratie-Abwesenheit sein. Es müssen im Grundgesetz zusätzliche Eckpfeiler installiert werden, die verhindern, dass psychopathische Organisationen allzu großen Schaden anrichten. Das Notiz-Amt plädiert darüber hinaus für eine digitale APO, um ein Mindestmaß an Gegenöffentlichkeit zu den pharisäerhaften Tricksereien von digital-transformatorisch-darwinistischen Schwätzern aufzubauen.

Im Sommerinterview mit Thomas Sattelberger kommt das am 16. Juli noch einmal auf die Agenda. Man hört, sieht und streamt sich.


Image „Crossed Fingers“ by peter67 (CC0 Public Domain)


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Endlich vorbei oder der Anfang vom Ende? Der Brexit aus der Sicht dreier britischer Wirtschaftsblogger

Brexit (adapted) (Image by freestocks.org [CC BY 2.0] via Flickr)

Aus und Vorbei. Der 24. Juni 2016 markiert das Ende einer turbulenten Liebesbeziehung zwischen Großbritannien und der Europäischen Union. Nach einer 59-jährigen Achterbahnfahrt ist es nun kurz vor der goldenen Hochzeit offiziell: Es ist Schluss. Großbritannien hat die Scheidung eingereicht. Dabei ist es nicht das erste Mal, dass der Brexit zur Debatte stand. Bereits 1975 gab es ein Referendum in Großbritannien über das Verbleiben in der damalig benannten Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft. Damals stimmten 67 Prozent der Wähler für einen Verbleib in der Gemeinschaft. In diesem Jahr sah es anders aus, eine knappe Mehrheit (51,1 Prozent) stimmte für den Austritt aus der Europäischen Union.  

Ein Brexit, viele Meinungen

Seitdem überschlagen sich die Ereignisse wie bei einem Dominospiel: Großbritanniens Premierminister David Cameron hat seinen Rücktritt angekündigt, das britische Pfund befindet sich an der Börse scheinbar im freien Fall, Donald Trump nutzt die Abstimmung der Briten als Beleg für seine xenophoben Parolen und andere Politiker nehmen den Brexit als Vorbild für ein eigenes Ausscheiden aus der EU. Was viele bei der lauten Polemik dabei aus dem Blick verlieren, ist die Tatsache, dass der Brexit auch mal vorrangig ein wirtschaftliches Thema war. Hier ging es weniger um polnische Einwanderer und mehr um ökonomische Argumente für und gegen den Austritt aus der EU. Wie sehen also die Reaktionen der Wirtschaftsexperten im Netz aus? Was sagen Großbritanniens Blogger zum Referendum? Um das herauszufinden, haben die Netzpiloten deshalb mit drei der bekanntesten britischen Wirtschaftsblogger über ihre Meinung zum Brexit gesprochen – und sie dabei ausführlich zu Wort kommen lassen.

Warum stimmen Menschen für eine schlechte wirtschaftliche Zukunft ab?

Den Anfang macht dabei Robert Elliott, Wirtschaftsprofessor an der Universität Birmingham und seit Jahren renommierter Blogger zu Themen der Wirtschaft und Globalisierung. Seine Sicht auf den Brexit malt eine dunkle Zukunft für sein Land und die EU, in der beide Seiten ein bedeutendes Gegengewicht verloren haben: „Die wirtschaftlichen Konsequenzen des Brexits für das Vereinigte Königreich und die Wirtschaft der EU könnten sehr ernst sein, mit einer hohen Wahrscheinlichkeit, dass diejenigen, die FÜR den Austritt aus der EU gestimmt haben, davon auch am härtesten getroffen werden. Wähler, die traditionell eher politisch links abgestimmt haben, haben nun eine Route gewählt, die zu einer eher rechtskonservativen Regierung führen wird. Das wird auch negative Auswirkungen auf das Arbeitsrecht sowie die Unterstützung der Ärmsten unserer Gesellschaft haben. Etwas weiter betrachtet ist es auch möglich, dass mit dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU, die EU sich politisch weiter nach links bewegt – was sich wiederum negativ auf die Wettbewerbsfähigkeit der EU auswirken und was zu weiterer wirtschaftlicher Stagnation in den ärmeren Regionen Europas führen wird. Kurzfristig führt die Unsicherheit nach der Brexit-Abstimmung zu weniger ausländischen Investitionen, rückläufigem Konsum und einem damit einhergehenden Preisverfall sowie Jobverlusten. Der Verlust Tausender gut bezahlter Stellen im Finanzsektor, der sich wohl in anderen Orten der EU niederlassen wird (Dublin, Frankfurt oder Paris) mag viele im Norden Englands nicht großartig Sorgen bereiten. Dennoch sollte man nicht vergessen, dass der Verlust der wichtigen Steuern, die diese [Finanz-]firmen zahlen sowie das Konsumverhalten ihrer Angestellten gravierende Auswirkungen auf die Regierungsfinanzen haben werden.

Robert Elliott (Image by Robert Elliott_University of Birmingham)
Robert Elliott (Image by Robert Elliott/ University of Birmingham)

Die Vielzahl der Menschen, die jetzt eingestellt werden müssen, um die vielen Jahre der EU-Regulierung wieder aufzulösen, ist ebenfalls eine riesige Zeit- und Ressourcenverschwendung. Wenn unsere Wirtschaft so stark schrumpft wie viele es erwarten, werden wir das Geld, das wir durch die ausbleibenden EU-Beitragszahlungen einsparen, im höhren Maße durch reduzierte Steuereinnahmen wieder verlieren. Die EU-Subventionen für die ärmsten Regionen Englands werden nur sehr schwer anderweitig ersetzt werden können, sodass dies zu noch größeren Ungleichheiten im Vereinigten Königreich führen wird. Als Ökonom ist es für mich immer wieder erstaunlich, warum Menschen für eine solch schlechte wirtschaftliche Zukunft stimmen, obwohl Wirtschaftsexperten auf der ganzen Welt (IWF, Finanzministerien, Akademiker und andere) darauf vermehrt hingewiesen haben. Ich glaube, dass sowohl Europa als auch Großbritannien in naher Zukunft große wirtschaftliche Herausforderungen bevorstehen. Entgegen den Behauptungen von Michael Gove, dass Großbritannien genug von den Experten hat, vermute ich, dass Experten nun dringender als je zuvor benötigt werden, um das wirtschaftliche und politische Durcheinander zu entwirren, in das sich das Vereinigte Königreich selbst gebracht hat.

Endlich Draußen

Tim Worstall ist ein bekannter Wirtschaftsexperte und schreibt unter anderem bei Forbes über Wirtschaft und Finanzen. Anders als Elliott begrüßt Worstall den Austritt Großbritanniens aus der EU. Er erklärt gegenüber den Netzpiloten seinen Standpunkt: „Ich bin wohl am ehesten als Wirtschaftsblogger bekannt und meine Sicht auf die EU ist dementsprechend auch wirtschaftlich geprägt. Wer will schon Mitglied eines Clubs bleiben, der sich auf einen so riesigen Blödsinn wie den Euro verständigt hat? Fast jeder Wirtschaftsexperte der Welt hat vorausgesagt, dass der Euro nicht so funktionieren würde wie vorhergesagt und viele sehen das immer noch so. Dennoch scheint die allgemeine Wegrichtung zu sein, die Idee einzuprügeln bis die Moral besser wird.

Tim Worstall (Image by Tim Worstall)
Tim Worstall (Image by Tim Worstall)

Meine eigene Sicht ist von meiner Zeit in der Politik geprägt. Das bedeutet auch, dass ich mit Brüssel zusammengearbeitet habe und mich so eines Tages im Europäischen Parlament wiederfand. Als ich mich in diesem Gebäude umschaute, kam mir bei der Sicht auf die Bewohner dieses Hauses die Erleuchtung: Ich will einfach nicht, dass mein Land von diesen Idioten angeführt wird. Wir sind endlich draußen, der Job ist erledigt – und Gott sei Dank dafür!

Die Unsicherheit ist das Schlimmste

Leigh Caldwell sieht die Zukunft seines Landes und der EU dagegen alles andere als rosig. Caldwell ist Datenwirtschaftler, Autor des Buches „The Psychology of Price“ sowie Geschäftsführer der Forschungsgesellschaft INON und Wirtschaftsexperte für die Firma Irrational Agency. Auf seinem Blog schreibt er über Wirtschaft im Allgemeinen und die Psychologie dahinter im Besonderen. So sieht er auch mit Blick auf den Brexit eine wirtschafspsychologische Komponente: „Die direkten wirtschaftlichen Folgen sind klar – wahrscheinlich erhöhte Zölle und weniger Handel, eine Rezession in Großbritannien, sowie ein Umzug von Teilen der Londoner Finanzwelt nach Paris oder Frankfurt. Doch die größte Konsequenz ist die Ungewissheit. Was wird als nächstes passieren? Wir wissen es nicht! Psychologisch gesehen ist es für unser Gehirn schwerer, mit dem Unbekannten umzugehen (was entweder gut oder schlecht ausgehen kann) als mit einem garantiert schlechten Ausgang. Wenn du sicher weißt, dass etwas Schlechtes passieren wird, kannst du aufhören dir Sorgen zu machen und dich darauf vorbereiten.

Leigh Caldwell (Image by Leigh Caldwell)
Leigh Caldwell (Image by Leigh Caldwell)

Jedoch wissen wir nicht genau, ob Großbritannien die EU wirklich verlassen wird und unter welchen Bedingungen. Deshalb legen Unternehmen und Konsumenten ihre Ausgabenpläne erstmal auf Eis. Bürger der EU warten erstmal ab, bevor sie nach Großbritannien ziehen oder von hier wegziehen, wenn sie schon vor Ort sind. So kann die Angst vor einer Rezession zur selbsterfüllenden Prophezeiung werden. Es ist doch so, dass Unternehmen Entscheidungen genau so treffen wie der Rest von uns: nicht auf harten Fakten basiert, sondern sie gehen nach dem, was sich richtig anfühlt. Wenn sie nicht wissen, ob sie für ihre Exporte Zoll zahlen müssen oder ob ihre Angestellten nach Großbritannien ziehen können, ist es für sie unmöglich, die beste Entscheidung zu treffen. Die einfachste Entscheidung ist daher, stattdessen in ein anderes Land zu investieren. Ungewissheit zerstört die Wirtschaft in einem Land und das ist im Moment die größte Gefahr für das Vereinigte Königreich. Der Austritt aus der EU sendet ebenfalls ein Signal: Großbritannien ist nun auf sich alleine gestellt. Unabhängig von den objektiven, wirtschaftlichen Fakten kommt es so zur unbewussten Wahrnehmung, dass das Vereinigte Königreich nun in einer anderen Kategorie ist – und das macht es weniger wahrscheinlich, dass europäische Firmen hier einkaufen, verkaufen oder investieren. Auch für den Rest der EU besteht Unsicherheit, auch wenn nicht ganz so stark. Es scheint sogar möglich, dass der Brexit den Rest der EU näher zusammen bringt. Mittelfristig gesehen kann eine enger verbündete EU besser dastehen als im Moment, aber langfristig gesehen ist es für Großbritannien definitiv besser auf der gleichen Seite zu stehen wie alle anderen.


Image (adapted) „Brexit“ by freestocks.org (CC0 Public Domain)

 

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Zufallsgenerator fürs digitale Management

Führen im digitalen Zeitalter (Image by Gunnar Sohn)

Manager führen disziplinarisch – Leader haben Follower. So hat Harald Schirmer von Continental beim ersten Digital Leadership Summit in Köln die Polarität in der deutschen Wirtschaft zugespitzt. Dabei geht es nicht um die Frage „Wer hat den Größten“. Schirmer verortet eher Spannungsfelder im Top-Management. Führungskräfte agieren zwischen den Optionen Hierarchie-Netzwerk, Kontrolle-Vertrauen, Regeln-Handlung, Sicherheit-Transparenz.

Generaldirektoren meiden Transparenz und lieben Kontrolle

Wobei die meisten Manager im Generaldirektoren-Modus eher zu Hierarchie, Kontrolle, Regeln und Sicherheit neigen, auch wenn sie in der Öffentlichkeit das Gegenteil behaupten – etwa jener Zeitgenosse, der seine Karriere als CEO minutiös plant und künftig einen großen Sportartikel-Hersteller kommandiert. Stoßen solche Zeitgenossen auf die Realitäten der digitalen Sphäre, werden ihre Schwächen sichtbar.

Harald Schirmer erwähnte die Furcht eines Wirtschaftskapitäns, in einem Corporate Blog sichtbar zu werden. Das führe unter Umständen zu einer Flut von unangenehmen Kommentaren, die man nicht mehr steuern könne. Schreiben die Steuermänner des Top-Managements dann irgendetwas ins Netz, geschieht das genaue Gegenteil. Niemand interessiert sich für das über drei oder vier Kontrollstufen autorisierte Manager-Sprech. Fehlanzeige bei Blog-Kommentaren, Fehlanzeige bei Tweets oder Teilungen auf Facebook.

Der Kaiser ist nackt

Die Wichtigtuer der Deutschland AG, die sich über Seilschaften nach oben gearbeitet haben, stehen auf einmal in Konkurrenz zu den Normalos des Netzes. Sie sind nur noch ein Kaiser ohne Kleider. Insofern ist die Furcht vor dem Kontrollverlust in der digitalen Sphäre verständlich. Erfolgreiche Topmanager leben von Illusion des allwissenden Tatmenschen. Wer die Hosen runterlässt, macht sich verzichtbar. Schnell wird klar, wie wenig Können vorhanden ist.

Manager im Glücksmodus

Viele Protagonisten waren meist nur zur rechten Zeit am rechten Ort, so der Verhaltensforscher Chengwei Liu im Interview mit dem Harvard Business Management-Magazin:

Wir haben eine romantische Vorstellung von Anführern und denken, dass das Wohl der gesamten Gruppe, des gesamten Unternehmens oder gar der Nation von ihnen abhängt. Das tut es nicht. Forschungen zeigen, dass die Ernennung von CEOs den Erfolg von Unternehmen viel weniger beeinflusst, als die Finanzmärkte anfangs glauben. Topmanager können einfach nicht so viel ausrichten, wie wir es gern hätten.

CEOs per Losentscheid wählen

Chefs sollten daher per Zufallsverfahren ausgewählt werden, schlägt Liu vor. Anführer im antiken Griechenland wurden per Losentscheid rekrutiert.

Vieles weise darauf hin, dass dies auch für Unternehmen sinnvoll wäre. Zufallsmechanismen würden zu besseren Ergebnissen führen. Ein derartiges Vorgehen werde als fairer wahrgenommen, es kann Korruption verhindern und zu mehr Stabilität führen.

Unternehmen sollten zudem bedenken: Wer hochrangige Führungskräfte über die pseudo-rationale Bewertung von Leistung bestimmt, schafft Interessenkonflikte:
„Es kommt zu politischen Spielen. Die Bewerber arbeiten gegeneinander, um hervorzustechen, und schaden so dem Unternehmen. Ein Losentscheid macht dies überflüssig. Weil die Manager auf der höchsten Ebene ohnehin alle gleich gut qualifiziert sind, kann dies tatsächlich die beste Wahl sein“
, resümiert Liu.

Das Notiz-Amt hält das für einen klugen Ratschlag.


Image by Gunnar Sohn


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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • HACKER heise: G7 gegen Hacker: Cyber-Attacken sollen wie bewaffnete Angriffe gewertet werden können: Die japanische Zeitung „Yomiuri Shimbun“ berichtet, dass die G7-Staaten schärfer gegen die Hintergrundleute von Cyber-Attacken vorgehen wollen. Eine ausführliche Erklärung wollen die sieben großen Industriestaaten auf dem kommenden Gipfel in Japan abgeben. Laut Informationen der Yomiuri Shimbun, sollen Cyber-Attacken nun mit herkömmlichen bewaffneten Attacken durch ein Land oder einem terroristischen Angriff gleichgesetzt werden. Das heißt, dass attackierte Staaten das Völkerrecht und die Charta der Vereinten Nationen geltend machen können. Das damit laufende „Recht auf Selbstverteidigung“ würde Staaten die Möglichkeit geben, gewaltsam gegen Hacker vorzugehen.

  • DIGITALISIERUNG gruenderszene: „Zu wenig Internet tötet die deutsche Wirtschaft“: Während die TV-Sendung „Hart aber fair“ in den letzten Monaten vom Flüchtlingsthema regiert wurde und meist nichts Neues bei den Diskussionen angesprochen wurde, gab es am Montag mal wieder ein Thema, das auch ordentlich für Diskussionen sorgt – die Digitalisierung. Eigentlich sollte sich die Show auf das Smartphone und die Auswirkungen auf den Menschen konzentrieren, doch schnell wurde eine hitzige Diskussion über die Digitalisierung daraus. Frank Thelen, bekannt aus der TV-Show „Höhle der Löwen“, fand deutliche Worte. Wenn sich Deutschland der Digitalisierung nicht mehr öffne, so sei eine schwindende Rolle in der Weltwirtschaft vorprogrammiert. Und Kinder, die nicht lernen mit der Programmiersprache umzugehen, seien die Analphabeten der Zukunft.

  • GOOGLE spon: Projekt Abacus: So will Google das Passwort abschaffen: Wenn es nach Google geht, dann brauchen Nutzer von Android Smartphones in Zukunft kein Passwort mehr. „Abacus“ nennt sich das Projekt des Konzernriesen. Durch ein Programm soll das Nutzungsverhalten analysiert werden und mit Hilfe dieser biometrischen Daten ein einzigartiges Profil erstellen, das den Nutzer an der Stimme, Geschwindigkeit des Tippens, Bewegungsmuster und der Appnutzung erkennt. So sollen Passwörter und Nutzernamen überflüssig werden. Das Programm soll noch dieses Jahr gestartet werden.

  • APPLE tech: Apple will open Siri to developers and launch Amazon Echo-like smart speaker, report says: Apple will seine bekannteste Assistentin mehr Arbeit geben. Siri soll an Entwickler weitergegeben werden, um speziell auf bestimmte Firmen abgestimmt zu sein. Bis jetzt hat Siri nur mit Drittanbietern wie Yelp und Bing gearbeitet. Das Entwicklungsprogramm trägt den Namen „Siri SDK“ und soll noch im nächsten Monat veröffentlicht werden. Apple soll außerdem daran arbeiten, Siri auch auf dem Mac als Assistentin einzustellen.

  • FACEBOOK mashable: Chewbacca mom got to ride a bike alongside her favorite Wookiee: George Lucas lieferte mit Star Wars wohl die Science-Fiction-Saga überhaupt. Selten trifft man mal einen Menschen, der nicht das Geräusch der Atemmaske von Darth Vader erkennt – dafür muss dieser noch nicht mal Fan sein. Und auch ein anderer Star Wars Charakter ist aus dem Universum nicht wegzudenken. Mit seinem 2-Meter großen und pelzigen Körper, wurde Chewbacca zur Lieblingsfigur vieler Fans. So auch von Candace Payne. Sie kaufte sich vor kurzer Zeit eine Chewbacca-Maske und filmte ihre ersten Minuten damit in einem Facebook-Live Video. Dieses Video ist das am meisten geklickte Live-Video auf Facebook. Und Mark Zuckerberg persönlich nahm das als Grund, die Dame zum HQ ins Silicon Valley einzuladen. Mit einer wundervollen Überraschung.

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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • AUTO mobilegeeks: Warum Du in 30 Jahren nicht mehr Autofahren darfst: In 30 Jahren werden wir zwar noch im Auto sitzen, doch die Fahrten überlassen wir dann dem Computer. Im folgenden Beitrag geht es um autonom fahrende Autos, die uns jetzige FahrerInnen überflüssig erscheinen lassen. Die rechtlichen Anforderungen an das Steuer könnten wir eventuell verlieren bzw. diese auch nicht mehr erfüllen. „Schon übermorgen sind wir die Betrunkenen und Bekifften von heute.“
  • WORKFLOW berufebilder: 7 Regeln für erfolgreiches Delegieren: Jaja das Zeitmanagement. Für viele hat der Tag einfach zu wenig Stunden um ToDo´s oder Projekte abzuschließen. Wichtig ist dabei also eine gute Planung und eine gute Einteilung bzw. Verteilung von Arbeit. Delegiert man Arbeit richtig, entsteht ein ganz anderer Workflow und man hat selbst vielleicht nicht mehr so viel auf dem Tisch und mehr Zeit für das eigene Leben. Auch an alle, die lieber selbst Hand anlegen statt zu delegieren:7 Regeln für erfolgreiches Delegieren
  • INTERNET heise: Kabinettsklausur: Wirtschaft fordert Tempo in Digitalpolitik: Das Internet wird für Bürger und Firmen immer wichtiger. Deshalb will auch die Bundesregierung in ihrer Klausur beraten, wie die Entwicklung schneller vorankommen kann. Die Branche sieht Handlungsbedarf. „Wir brauchen in der Digitalpolitik noch mehr Tempo“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Branchenverbands Bitkom, Bernhard Rohleder.
  • DATENSCHUTZ golem: Safe-Browsing-API soll schneller und mobiler werden: Google hat die Version 4 seiner Safe-Browsing-API vorgestellt. Damit will der Technologiekonzern vor allem auf die Bedürfnisse von Smartphone-Nutzern besser eingehen. Googles Projekt zur Verbesserung der Internetsicherheit wird seit 2007 betrieben und kann zum Beispiel das Verlinken auf Seiten verhindern, die Malware verteilen, oder vor Social-Engineering-Werbeanzeigen warnen.
  • GOOGLE t3n: Sebastian Thrun: „Künstliche Intelligenz macht uns zu Supermenschen“: Er hat das selbstfahrende Auto bei Google mitentwickelt und in Stanford gelehrt: Der Solinger Sebastian Thrun gilt als eines der Superhirne unserer Zeit. Jetzt hat er sich eines neuen Projekts angenommen: Bildung. Im Interview spricht der 49-Jährige über die Gemeinsamkeiten von Büchern und Onlinekursen, schmerzhafte Veränderung – und Supermenschen.

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Sportliche, kommunikative Chefs machen noch keinen digitalen Frühling

Manager (Image by niekverlaan (CC0 Public Domain) via Pixabay)

Mit dem radikalen Wandel der Wirtschaft ist ein neuer Manager-Typ gefragt, schreibt Caspar Busse von der SZ und meint die Anforderungen der Digitalisierung. Schließlich spüren viele Unternehmen den Druck der Disruption und das sei ja so eine Art Zerstörung. Das Notiz-Amt verkneift sich jetzt weitere Ausführungen zur Disruptionstheorie und zu den Sabbeleien über die kreative Zerstörung, die nichts mit dem Werk des Ökonomen Joseph Schumpeter zu tun haben. Ein Verweis auf das Opus „Warum mich die disruptiv-digital-transformatorischen Keynote-Sprechautomaten nerven“ sollte genügen.

Rorsted redet sogar mit seinen Mitarbeitern

Aber was sollen denn nun Chefs in der vernetzten Wirtschaft mitbringen? Nach Ansicht von Busse sollten sie informell und nicht glattgebügelt sein sowie einen Hang zum „Querdenken“ haben. Gähn. Zu ihnen zählt der SZ-Autor den künftigen Adidas-Chef Kasper Rorsted. Der würde bei seinen Reisen meist ohne Entourage unterwegs sein und so direkt in Kontakt mit den Beschäftigten kommen – unabhängig von der Hierarchie-Stufe. „Wenn ihm etwas auffiel, sprach er das später bei dem verantwortlichen Vorgesetzten an.“ Wahnsinn. Man müsse präsent und für Mitarbeiter ansprechbar sein, wird Rorsted in dem Artikel zitiert. Hierarchien sollten keine Barriere sein. Das soll nun der Prototyp für den Vorstandschef neuer Prägung sein?

Schließlich sei der Däne erfolgreich und unkompliziert, er gibt sich nahbar und unabhängig, hat bereits in mehreren Branchen gearbeitet. „Gerade nahm er Abschied bei Henkel, eine Aktionärsvertreterin lobte ihn dabei als ‚Mann der Superlative’“, führt Busse weiter aus. Kein Wunder – was soll die Aktionärsvertreterin denn sonst dazu sagen?

Karrieristen der alten Schule

Rorsted mag ein kommunikativer und erfolgreicher Vorstandsvorsitzender sein, er ist zudem ein äußerst geschickter Architekt seiner eigenen Karriere im Netzwerk der immer noch mächtigen Deutschland AG. Er nutzt die informellen Runden, die von der Öffentlichkeit abgeschottet werden. Es soll intim zugehen. Ein Rückzug in die Privatheit, der ausschließlich über persönliche Kontakte läuft. Etwa in der alpinen Seilschaft von Herbert Henzler. Im elitären Männerzirkel der so genannten “Similauner” kraxeln unter Führung von Reinhold Messner Manager wie Hubert Burda und – welch ein Zufall – der noch amtierende Adidas-Chef Herbert Hainer. Wen findet man im Aufsichtsrat des Sportartikel-Herstellers? Henkel-Personalvorstand Kathrin Menges. Weitere Verbindungslinien zur Arbeitnehmerseite oder zu Finanzberatern kann man über Google recherchieren, nachzulesen in der aktuellen Ausgabe des Wirtschaftsmagazins Boardreport und – natürlich – bei den Netzpiloten. Rorsted ist sicherlich ein smartes Kerlchen. Aber er spielt immer noch auf der Klaviatur des klassischen Managements.

Personalberater-Schwafeleien

Was dann in der SZ-Story von Personalberatern abgesondert wird, ordnet das Notiz-Amt unter das übliche Consulting-Kauderwelsch ein. Die neuen Vorstandschefs müssten Kommunikation beherrschen, sollten aufnahmefähig sein und dürfen nicht erstarren. Sie sind wendig, machen unkonventionelle Vorschläge wie Telekom-Chef Höttges (der Autor bekommt an dieser Stelle einen leichten Lachkrampf), reisen regelmäßig ins Silicon Valley, treiben Sport und rauchen keine Zigarren oder Zigaretten mehr. Auweia. So wird das nichts mit der Netzökonomie.

Wer an die fortschreitende Vernetzung andocken will, sollte sich erst einmal von diesen dümmlichen Klischees verabschieden. Top-Leute in der Wirtschaft müssen erst selbst eine offene Netzwerkstruktur werden und entsprechend sichtbar, ansprechbar und dialogfähig sein – ohne Kontrollschleifen. Davon sind Rorsted, Höttges und Co. noch meilenweit entfernt. Es geht um eine Haltung, die sich vom Management der linearen Industrialisierung verabschiedet, fordert Soziopod-Blogger Patrick Breitenbach in einem Facebook-Posting. Ob Führungskräfte nun Kettenraucher sind, zehn Kilometer-Waldläufe in 40 Minuten absolvieren oder auswendig gelernte Kalenderweisheiten über Kommunikation fehlerfrei in die Kamera brabbeln, ist hierbei völlig wurscht.

Sozialinnovative Digitalkompetenz vonnöten

„Alle Lebensbereiche, Arbeit und Politik unterziehen sich einem umfassenden, technologisch-sozialen Wandel, dessen Folgen allerorten spürbar, aber erst zu einem deutlich späteren Zeitpunkt bewertbar sind“, schreiben Thomas Sattelberger und Martin Schössler in einem Gastbeitrag für die Wirtschaftswoche. Führungskräfte müssen eine sozialinnovative Digitalkompetenz erwerben – und sei es nur, um die Wechselbeziehungen ihrer Ideen in der realen Welt besser einschätzen zu können. „Selbst das greift aber vermutlich schon zu kurz, da technische, digitale und soziale Innovationen kaum noch voneinander zu trennen sind.“

Wird die digitale Revolution von Managern wie Rorsted und Höttges als sozialer Handlungsraum verstanden oder versuchen sie nicht eher, ihre Organisationen mit digitalen Werkzeugen auf Effizienz zu trimmen? In vielen Unternehmen werden mittlerweile Hierarchien abgebaut und Entscheidungsabläufe verschlankt. Weniger Hierarchie heißt aber nicht automatisch mehr Beteiligung und Verbesserung der Arbeitswelt.

Untersuchungen des Instituts für Sozialwissenschaftliche Forschung in München belegen, dass die meisten Führungskonzepte auf die rigide Umsetzung des Prinzips „Steuern nach Zahlen setzen“. Das führt oftmals zu einer Zentralisierung von Macht und Entscheidungskompetenz. Die Mitarbeiter sehen sich dann nur noch als zahlengetriebene Exekutoren von Sachzwängen und Vorgaben. Kontrollmöglichkeiten werden mit der Digitalisierung ausgebaut und Beschäftigte stehen gar unter einem strengeren Regime von Vorgaben. Man schafft damit eher eine digitale Fließband-Organisation mit dem Maschinen-Paradigma des 19. Jahrhunderts. Trackingsysteme zur Selbstoptimierung im Privatleben sind dafür ein prächtiges Beispiel. Ein sozialer Handlungsraum, der Menschen in neuer Qualität miteinander vernetzt und in Beziehung bringt, entsteht so nicht.

Am 3. Mai gibt es auf der re:publica in Berlin beim #hrfestival zu diesem Thema ein Interview mit Thomas Sattelberger.

Also dann: Man hört, sieht und streamt sich in der nächsten Woche!


Image „Manager“ by niekverlaan (CC0 Public Domain)


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Soeben gelandet – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • APPLE wired: Apple’s iPhone Sales Just Fell for the First Time—It Won’t Be the Last: Das wertvollste Unternehmen der Welt zieht Bilanz für das erste Quartal 2016. Und Apple muss sich erst mal die Augen reiben, denn der Boom um das Produkt „iPhone“ scheint abzuklingen. Im Vergleich zum ersten Quartal 2015 fiel der Verkauf um 32 Prozent. Apples Problem – Geräte von anderen Herstellern können mit der Technik des iPhones mithalten, und das zum halben Preis. Es hört sich dramatisch für Apple an, aber der Konzern hat Anfang des Jahres trotzdem 51 Millionen Smartphones verkauft.
  • SMARTPHONE sueddeutsche: Was Smartphones über Unfälle verraten können: „Führerschein, Fahrzeugpapiere und Ihr Smartphone bitte“. So könnte bald ein Satz lauten, den Polizisten bei Unfällen im Straßenverkehr aussprechen werden. Ein New Yorker Senator hatte im Januar einen Gesetzesentwurf vorgestellt, der besagt, dass Polizisten bei einem Unfall noch vor Ort kontrollieren sollen, ob einer der Beteiligten von seinem Smartphone abgelenkt war. Möglich machen soll das ein Auslesegerät, das Passwörter umgeht und Apps auf ihre letzte Benutzung untersucht.
  • SOFTWARE faz: Die Software vom Cern spielt Orakel: Wie ist unser Universum entstanden? Diese Frage stellt sich jeden Tag eine Gruppe von Forschern des Kernforschungszentrum Cern bei Genf. Sie schießen Protonen in einem Teilchenbeschleuniger aufeinander, die irgendwann zusammenprallen. Dies wird gemessen und eine enorme Datenmenge entsteht. Hier hilft eine Software aus der Quantenphysik.
  • Elektro-Auto handelsblatt: 4000 Euro Förderung für Elektro-Neuwagen: Die Zahl der Elektro-Auto-Nutzer ist übersichtlich. Nun will die Bundesregierung mit Subventionen den Verkauf vorantreiben. Auch durch hohe Kaufprämien sollen Bürger gelockt werden. Summen von 4000-5000 Euro sind derzeit im Gespräch. Wirtschaftsminister Gabriel und Verkehrsminister Dobrindt wollen heute darüber informieren.
  • TINDER mashable: Tinder just launched a group dating option in Australia: Die Dating-App Tinder hat eine mögliche neue Funktion angekündigt. „Tinder Social“ soll das Update heißen und könnte einen neuen Tinder-Trend bringen. Gruppen-Dates. Man soll mit seinen Freunden eine Gruppe erstellen können und sich dann mit anderen Gruppen treffen. Ob das funktioniert, wird aktuell in Australien getestet.

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Was Startups und Unternehmen voneinander lernen können

Startup (Image: StartupStockPhotos [CC0 Public Domain], via Pixabay)

Während Kooperationen zwischen kreativen Startups und etablierten Unternehmen in vielen Ländern gang und gäbe sind, hat sich Deutschland bis jetzt damit noch sehr schwer getan. Doch in den vergangenen Jahren haben auch deutsche Unternehmen und Startups erkannt, dass sie von einer solchen Zusammenarbeit profitieren können. Solche Kooperationen helfen dabei nicht nur den Firmen selbst, sondern langfristig auch der deutschen Wirtschaft.

Es tut sich was in der deutschen Wirtschaft. Langsam, vorsichtig und bedächtig, wie so vieles in Deutschland – aber es bewegt sich was. “Es” heißt dabei mal Accelerator-Programm, manchmal auch Mindbox oder auch Ventures – gemeint ist damit jedenfalls die Zusammenarbeit zwischen einem etablierten Unternehmen und einem Startup.

Das klingt erstmal nach nichts Neuem, aber was in Ländern wie den USA oder Israel schon seit Jahren geläufige Praxis ist, wird in Deutschland derzeit noch vorsichtig getestet. Dabei liegen die Vorteile einer Kooperation zwischen einem etablierten Unternehmen und Startups eigentlich auf der Hand: Klassische Unternehmen bekommen neuen Schwung und neue Ideen in alte Abläufe, junge Startups wiederum können von der Erfahrung und dem Know-how der traditionellen Unternehmen viel lernen. Dabei gibt es natürlich unterschiedliche Formen der Zusammenarbeit. Startups und Unternehmen können projektbezogen zusammenarbeiten oder es geht darum, in einem Joint-Venture durch eine Zusammenarbeit ein Problem zu lösen. Es gibt darüber hinaus auch Inkubator-Modelle sowie Förder-Kooperationen zwischen Startups und Unternehmen. Doch auch wenn die Formen der Zusammenarbeit variieren, sind die Vorteile ähnlich: Beide Seiten können von den Synergie-Effekten der Zusammenarbeit profitieren.

DGFP Praxis-Papiere Best Practices 06/2015 Innovationen und Lernen – Wie KMU und Startups voneinander profitieren können
DGFP Praxis-Papiere Best Practices 06/2015 Innovationen und Lernen – Wie KMU und Startups voneinander profitieren können

Deutschland fehlt die Experimentier-Kultur

Katharina Heuer, Geschäftsführerin der Deutschen Gesellschaft für Personalführung e.V. hat das Kooperations-Potential zwischen Startups und KMUs mit einigen Kollegen in einem Praxis-Papier genauer untersucht. Ihre Bilanz: Das große Potential solcher Kooperationen wird in Deutschland einfach noch nicht genug ausgeschöpft. Das liegt zum Teil daran, dass traditionelle Unternehmen sehr steife Strukturen haben, während die Hierarchien in Startups sehr flach sind. Ideen werden hier schnell umgesetzt, in Unternehmen mit komplexeren Personalstrukturen ist so etwas nicht ohne Weiteres möglich. So ist eine Zusammenarbeit für beide Seiten nicht immer ganz problemlos und geht nicht auch ab und zu mit einer gewissen Frustration einher. Doch das größte Hindernis bei der Kooperation zwischen Startups und Unternehmen sieht Heuer in der deutschen Unternehmenskultur:

Wir haben in Deutschland einfach keine Experimentier-Kultur. Unternehmen denken oft, dass immer alles sofort für alle gelten und direkt perfekt funktionieren muss, und so haben sich bisher viele Unternehmen in Deutschland einfach noch nicht an solche Kooperationen herangetraut

Viele etablierte Unternehmen trauen sich also nicht, auch mal zu scheitern. Genau da sind Länder wie die USA den Deutschen voraus, sagt Heuer: “Die Unternehmen dort probieren einfach etwas aus, und wenn es dann nicht funktioniert, dann ist das Teil des Lernprozesses.” Dennoch habe sich in Deutschland in den letzten zwei Jahren viel getan, findet Heuer. Klassische Großunternehmen, aber auch mittelständische Unternehmen gehen immer öfter auf Startups zu. “Da merkt man einfach, dass das Interesse aneinander wirklich groß ist”, sagt Heuer.

Unternehmen und Startups müssen sich erstmal beschnuppern

Ein Grund dafür könnte sein, dass in Deutschland gerade mehr Raum für solche Kooperationen geschaffen wird. So habe viele Coworking Spaces, wie beispielsweise das betahaus in Berlin, regelmäßige Accelerator-Programme, die genau diese Art von Zusammenarbeit zwischen etablierten Firmen und neuen Unternehmen fördern soll. Hier können sich beide Seiten erstmal ganz risikofrei beschnuppern und sich ganz langsam einer Kooperation annähern. Schließlich kann nicht jedes Unternehmen mit jedem Startup gut zusammen arbeiten und so kann es eine Weile dauern, bis man einen guten Kooperationspartner findet. Genau für diesen Annäherungsprozess bieten Accelerator-Programme wie die des betahauses in Berlin den nötigen Raum.

Einige große Unternehmen wie etwa ProSiebenSat.1 Media oder auch die Deutsche Bahn sind bereits auf den fahrenden Zug aufgesprungen. Nachdem die Deutsche Bahn zum ersten Mal in 2015 eine Startup-Kooperation per Wettbewerb ausgerufen hat, war das Programm offensichtlich so erfolgreich, dass das Unternehmen auch in diesem Jahr erneut Startups dazu aufruft, sich für ihr Accelerator-Programm zu bewerben. Warum? Weil die Deutsche Bahn ein komplexes Unternehmen ist, das in vielen Bereichen innovative Hilfe sucht – so erklärt es das Unternehmen zumindest selbst. Im Gegenzug verspricht die DB, dass sie für die Startups neue Märkte eröffnen kann.

Während die DB nach Startups sucht, die ihnen dabei helfen Probleme zu lösen, wollen ProSiebenSat.1 wiederum den Startups helfen. Ihr dreimonatiges Accelerator-Programm, zu dem zwei Mal im Jahr ausgerufen wird, ist darauf ausgerichtet, Startups und neue Unternehmern zu coachen. Und nicht nur das, die ausgewählten Startups erhalten dazu noch eine saftige finanzielle Unterstützung. Selbstverständlich erhoffen sich auch die Fernsehsender davon neue Impulse für das eigene Geschäft.

Von diesen Kooperationen profitieren letztendlich aber nicht nur die beteiligten Unternehmen und Startups. Da Startups generell einfach mehr ausprobieren können, entstehen so auch oft komplett neue Lösungsansätze. Mit der Unterstützung eines etablierten Unternehmens im Rücken haben sie dabei dann die Ruhe und auch die finanzielle Sicherheit, um ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen. So kann letztendlich die gesamte deutsche Wirtschaft von solchen Kooperationen profitieren.


Image “Startup” by StartupStockPhotos (CC0 Public Domain).

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Bots: Warum wir bald mit Künstlicher Intelligenz chatten werden

Tomy Chatbot (adapted) (Image by ?? Michele M. F. [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

“Bist du Mann oder Frau?” “Wie alt bist du?” “Kannst du mir deine Position schicken?” Wer mal mit einem Bot plaudern will, der braucht sich dazu nur die Messaging-App Telegram installieren und mit dem @HotOrBot einen Chat anfangen. Sein Versprechen: Er sucht relevante Flirtpartner in der Umgebung, die den eigenen Vorstellungen entsprechen. Noch ist das natürlich eine ziemlich abgespeckte Version einer künstlichen Intelligenz, aber sie lässt den Nutzer zumindest erahnen, in welche Richtung sich die Angelegenheit entwickeln kann.

Telegram sieht sich als Vorreiter bei Bot-Technologie. Bereits im Sommer 2015 haben die Macher der App mit 100 Millionen monatlichen Nutzern eine Bot-Plattform gestartet, über die Entwickler ähnlich einem App-Store ihre Bots (die abgekürzte Version von “Robot”) anbieten können. So gibt es auch einen @ImageBot, der sich auf die Suche nach gewünschten Bildern (z.B. “happy dog”) machen kann, einen @PollBot, mit dessen Hilfe man Umfragen erstellen kann, oder gar einen @StoreBot, der andere Bots empfiehlt. Telegram erlaubt diesen Bots mittlerweile auch, in die Chats der Menschen hineinzufunken. Über die Befehle @gif, @vid, @pic, @bing, @wiki, @imdb und @bold kann man sie kleine Aufgaben verrichten lassen, während man weiter mit Freunden chattet.

Auch Facebook will Bots

Bots wie bei Telegram wird man bald auch in anderen Messaging-Apps sehen. Am 12. und 13. April hält Facebook seine F8-Entwicklerkonferenz ab und Gerüchten zufolge will man dort eine eigene Bot-Plattform für die Messenger-App vorstellen. Diese automatisierten Chat-Kontakte gibt es in den USA testweise bereits jetzt: Über den Messenger kann man etwa ein Uber-Taxi rufen oder bei Flügen der KLM einchecken. Künftig sollen Unternehmen und Software-Entwickler wie in einem App-Store eine ganze Reihe weiterer nützlicher Bot-Gehilfen anbieten können.

Auch Microsoft will im Bot-Geschäft mitmischen: Für seine VoIP/Chat-Software Skype werden ebenfalls Bots getestet, die über die “Skype Bot Platform” angeboten werden sollen. Wie schlecht das noch funktioniert, zeigt das Beispiel des Chatbots Tay. Eigentlich hätte Tay von Nutzern lernen sollen, wie junge Menschen sprechen. Doch die User fütterten ihn mit rassistischen Inhalten, die Tay wiederholte – nein, Künstliche Intelligenz ist das noch nicht.

Google ist gefordert

Für Facebook und Microsoft stellen ihre Kommunikations-Plattformen Messenger, Skype oder WhatsApp aber auf jeden Fall das Vehikel für ihre Künstlichen Intelligenzen dar. Microsofts “Cortana” und Facebooks “M” sollen die Dolmetscher zwischen Mensch und Maschine sein, also die KIs, die den User verstehen, seine Anfragen an Software und Datenbanken weitergeben und die Ergebnisse in einfach verstehbarer Form zurückliefern – und zwar im Chatfenster der Messaging-App.

Ob die Nutzer der Messaging-Apps auf diesen Zug aufspringen, bleibt erst einmal abzuwarten. Läuft die Sache groß an, dann ist vor allem Google gefordert. Denn wer in einer Messaging-App nach allem fragen kann und Antworten von Bots bekommt, muss (zumindest mobil) nicht mehr die Google-Suche anwerfen. Für Facebook und Microsoft wiederum sollen die Bots Geld abwerfen: Denn jedes Mal, wenn einer der Bots dem Nutzer etwas verkauft (z.B. eine Taxifahrt, eine Pizza-Lieferung oder eine Hotelbuchung), könnten sich die IT-Riesen am Umsatz beteiligen lassen.


Image (adapted) “Tomy Chatbot” by ?? Michele M. F. (CC BY-SA 2.0)


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Erfolgreich und engagiert: Das neue Geschäftsmodell junger Startups

Vision (image by Unsplash [CC0 Public Domain] via Pixabay)new

Die Generation Y erobert mit ihren Startups die Onlinewelt. Ihr Erfolgsmodell: Umsatz machen mit Umweltbewusstsein. Während Entrepreneure vor 30 Jahren vor allem wirtschaftlich erfolgreich sein wollten, geht es den Jungunternehmern der Generation Y um vieles mehr. Mit ihren kreativen Geschäftsmodellen erobern sie derzeit den Onlinemarkt – mit großem finanziellen Erfolg. Doch den jungen Unternehmern geht es dabei nicht nur ums Geldverdienen, sie wollen mit ihren Businessmodellen die Welt verbessern.

Sie sind jung, sie sind idealistisch und sie sind erfolgreiche Unternehmer. Wohin man in Deutschland auch auf den Start-up Markt schaut, findet man Geschäftsmodelle, die sich kein geringeres Ziel gesetzt haben als die Welt zu verbessern – und damit Geld verdienen.

Gerade Online-Unternehmen begnügen sich nicht mehr damit “nur” eine kreative Businessidee zu haben, sie verfolgen gleichzeitig einen ökologischen und sozialen Ansatz. Dabei sehen die online Startups den Umweltaspekt und das soziale Engagement nicht nur als netten Nebengedanken, den man aus PR-Gründen noch vermarkten kann, er bildet die Grundlage der Geschäftsidee.

Leben aus dem Pappkarton

So verkaufen Gerald Dissen, Lionel Palm und Christian Hilse seit April 2013 Pappmöbel. “Room in a Box” haben sie ihr Unternehmen getauft und der Name ist Programm. Sie versenden über ihre Webseite tatsächlich Möbel aus umweltfreundlicher Wellpappe. Die Pappe besteht aus 85 Prozent recycelten Fasern, die wiederum zu 100% wiederverwertet werden.

Zum Room in a Box Standard-Repertoire gehören Betten, Regale, Tische und Stühle – also im Prinzip alles, was man so für eine Wohnung braucht. Der Clou dabei: Die Möbel sind nicht nur aus Pappe, sie lassen sich auch handlich wie Kartons zusammenfalten, wiegen damit kaum etwas und sind so auch sehr einfach zu transportieren. Sie halten darüber hinaus ein Gewicht von 1,5 Tonnen aus und sind angeblich auch kinderleicht zusammenzubauen.

Praktischer geht’s kaum noch: Anstatt beim nächsten Umzug die Möbel aufwändig per LKW von einem Ort zum nächsten zu karren, schickt man sein Bett-Paket dann einfach per Post an die neue Wohnungsadresse.

Diese kreative Idee kam Gerald Dissen auf einer Messe, als er in einem sehr stabilen Sessel aus Wellpappe saß und sich, ganz der Wirtschaftswissenschaftler, der er ist, dachte: “Das müssen ja unglaublich günstige Produktionskosten sein – so etwas möchte ich auch entwickeln.” Aus dieser ersten Idee wurde schließlich ein Unternehmen, das nicht nur sehr erfolgreich ist, sondern seine umweltfreundlichen Produkte mit großer Leidenschaft entwickelt.

 

Das individuellste Bio-Müsli aller Zeiten

Auch mymuesli entstand aus einer spontanen Idee. Auf einer Autofahrt hörten ein paar Studienfreunde einen Müsli-Radiospot. Schnell waren sie sich einig: Sie könnten nicht nur einen interessanteren Spot, sondern auch viel besseres Müsli produzieren.

mymuesli2go, a tv commercial – filmed and edited on an iPhone 4 from Max Wittrock on Vimeo.

Auf der Webseite von mymuesli können User sich seit 2007 ihr ganz individuelles Müsli mischen lassen – ohne Zuckerzusätze und aus rein ökologischen Zutaten vom regionalen Biobauern. Damit hatten die Gründer das wohl individuellste Bio-Müsli aller Zeiten erfunden, wofür sie unter anderem 2007 zum Startup des Jahres gewählt wurden und den Gründerpreis der Financial Times Deutschland erhielten. Interessanterweise ist mymuesli nicht in Berlin, der Metropole aller deutschen Start-ups, ansässig, sondern in Passau. Die Gründer Hubertus Bessau, Philipp Kraiss und Max Wittrock haben sich diesen Ort ganz bewusst ausgesucht, nicht nur weil dies ihr gemeinsamer Studienort war, sondern auch, weil sie die Nähe zu den lokalen Bauern und Behörden schätzen. Mittlerweile gibt es mymuesli nicht nur online, sondern auch in Geschäften an verschiedenen Standorten in Deutschland. Neben Müsli haben die Gründer mittlerweile weitere Portale für Kaffee, Orangensaft und Tee gegründet. Mymuesli ist ein weiteres Beispiel dafür, dass ökologische Ideen von jungen Unternehmen in der Onlinewelt nicht nur gut ankommen, sondern auch wirtschaftlich sehr erfolgreich sein können.

Die Suchmaschine, die Bäume pflanzt

Während Room in a Box und mymuesli noch sehr praktische Ideen im Netz verbreiten, müssen bei Ecosia sehr gesellschaftsbewusste Nerds am Werk gewesen sein. Ecosia verbindet Technologie mit Umweltschutz und gesellschaftlichem Engagement in einer Suchmaschine. Auch bei dieser sehr ambitionierten Suchmaschine stehen Ökologie und soziales Engagement an oberster Stelle, denn mit jeder Suchanfrage über Ecosia werden Bäume gepflanzt.

Das Prinzip dahinter klingt einfach: Nutzer durchsuchen das Web mit Ecosia. Damit werden Werbeeinnahmen generiert. Diese werden dann wiederum zum größten Teil (laut Aussage des Unternehmens 80 Prozent des Gewinns) dafür genutzt, um über ihren Partner WeForest in Burkina Faso Bäume zu pflanzen. Ecosia betont dabei, dass Bäume pflanzen das erste Glied in einer Kette für positive gesellschaftliche Entwicklung ist. Ihr Projekt hilft nicht nur dabei, einen nachhaltigen Umgang mit der Umwelt zu erzeugen, durch die gepflanzten Bäume können auch andere Nutzpflanzen wachsen. Das hilft dabei, die Luft zu filtern, weniger Krankheiten werden verbreitet und es kann mehr und gesündere Nahrung produziert werden. All diese Faktoren tragen letztendlich dazu bei, dass die Menschen in Burkina Faso bessere Einnahmequellen bekommen und es sich auch leisten können, ihre Kinder zur Schule zu schicken.

Ecosias Suchergebnisse werden mittlerweile vorwiegend über Bing generiert, Nutzer können sich aber auch Google-Ergebnisse anzeigen lassen. Neben der eigentlichen Suchmaschine kann man Ecosia auch als Add-on für Firefox oder Chrome hinzufügen. Jede Suchanfrage generiert dabei im Schnitt eine Spende von 0,4 Cent (Stand: September 2014). Als User bekommt man dabei auch gleich mit jeder Suchanfrage angezeigt, wie viele Bäume durch die eigene Nutzung von Ecosia gepflanzt wurden.

Ecosia wurde 2009 zur Klimakonferenz in Kopenhagen von Christian Kroll ins Leben gerufen. Nach einer Weltreise war Kroll bewusst geworden, wie stark unser Planet bedroht ist, und beschloss daher, seine Idee einer ökologisch bewussten Suchmaschine endlich in die Tat umzusetzen. Seitdem hat Ecosia dazu beigetragen, über 3 Millionen Bäume zu pflanzen. Erklärtes Ziel ist es, bis 2020 die 1 Milliarden-Grenze zu knacken.

Eine neue Generation von Weltverbesserern

Es ist sicher kein Zufall, dass die Gründer all dieser Unternehmen der Generation Y angehören. Diese junge Generation, die mit Internet und Smartphones aufgewachsen ist, protestiert nicht mehr wie die 68er gegen die Gesellschaft, sie versucht stattdessen die Gesellschaft aktiv zu verbessern. Die Webseite Generation Y charakterisiert sie als erfinderischer Macher, als Menschen, die es satt haben, in etablierten Unternehmen zu arbeiten. Sie wollen für progressive Firmen arbeiten, wo sich der Job nicht nur ums Geld dreht, sondern um eine mitreißende Idee. Wirtschaftlich erfolgreich sein UND sich für Umwelt und Gesellschaft einsetzen sind dabei kein Gegensatz mehr, sondern der neue Anspruch an die Arbeitssituation. Weil sich solche Stellen aber nur selten auf dem traditionellen Arbeitsmarkt finden, gründet die Generation Y eben ihre eigenen Startups und zwar genau in dem Bereich, den sie wie keine andere Generation dominiert: im Internet.


Teaser & Image “Vision”(adapted) by Unsplash (CC0 Public Domain)


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Die Welt versinkt in Inhalten und die Mediengiganten gleich mit

Redaktion (image by janeb13 [CC0 Public Domain] via Pixabay)new

Die Teilung zwischen redaktionell und kommerziell, Kirche und Staat in der Verlagstradition, ist nun ein Meilenstein der Industrie. Diese klassische Trennung wurde früher als Abmilderung in Befürwortung eines starken, unabhängigen Journalismus angewandt. Aber heute kann kein Verlagshaus die Realität der kommerziellen Inhalte ignorieren. Die unklare Linie zwischen Werbung und redaktionellen Inhalten war noch nie so verschwommen. Das Zauberwort in der Medienlandschaft lautet: Kommerzielle Partnerschaften.

Diese neue Realität zu verstehen, kann eine Herausforderung für Journalisten und Redakteure sein.

In Anbetracht dieses Wissens; was versprechen die Werbeprognosen für 2016?

Es ist ein Sektor, der sicher viel beobachtet wird, während die wichtigsten Spieler ihre strategischen Spielzüge überlegen, beeinflusst von den zukünftigen Veränderungen in der Mediengesetzgebung.

Erwartungen zu Werbeverkäufen

Martin Sorrell, Chef der globalen Mediengruppe WPP, blickt düster auf das Jahr zurück.

In einem kürzlich erfolgten Marktupdate warnte Sorrell, dass Kunden weltweit weniger für Werbung ausgäben. Er schrieb, dass er erwartet, dass das “maue BIP-Wachstum, die niedrige oder nicht vorhandene Inflation und die folglich niedrige Preissetzungsmacht zu einem Fokus auf Kostensenkung und nicht zur Umsatzsteigerung für die Erreichung eines Gewinnzieles führt.”

Einige der agentureigenen Marken von WPP in Australien sind GroupM, Mediacom, Mindshare, Y&R Brands, Ogilvy und Wundermann. Es ist ein Markt, der eine hohe Intelligenz vorzeigen kann.

Sorrell sagt, dass er trotz der Prognose einen Schub erwartet. Dank Olympia und den US- Präsidentschaftswahlen (und einer australischen Bundeswahl) gehen die Marketingausgaben über die normalen Anteile hinaus. Das wird ein hilfreicher Schub für die australischen Medienkonkurrenten sein, denn die Marktpositionierung beginnt, bevor neue Gesetze in Kraft treten. Aber wird er ausreichen?

Das Werbevertriebsteam muss sich zusammenschließen

Das sollte nicht falsch verstanden werden, denn trotz des jüngsten Fokus auf neue Veröffentlichungsmodelle und Video-Streaming-Services ist der größte Einkommensposten für Medienformen immer noch die Werbung. Daher wird derjenige, der den besten Vertriebsplan hat und landesweit deutliche Spuren hinterlässt, sicher gut bei den zukünftigen Auktionen dastehen.

Die eindeutigen Teilnehmer wurden klar dargestellt: Farifax Media schließen sich zusammen mit Nine Entertainement und/oder News Corp Australia und dem Ten Network. Hinzu kommen Firmen wie Google und Facebook, die möglicherweise mit Inhalten auf dem lokalen Markt unterwegs sind. Wenn einer dieser oder beide digitalen Riesen große australische Einkäufe tätigen, könnten sie die lokale Industrie noch weiter in Richtung der programmatischen Verkäufe treiben und den Verfall im gesamten Wert der Werbung weiter voranbringen.

Außerhalb dieser großen Namen kann man schwer nur etwas außer kleinerer, lokaler Möglichkeiten erkennen. Die großen Zusammenschlüsse sind die einzigen, die einen realen nationalen Fokus auf die Vertriebsleistung lenken könnten und dabei das benötigte Publikum erreichen.

Aber damit irgendwelche Fusionen auf lange Zeit funktionieren können, müssen die neuen Einheiten zuerst stark in Journalismus und Inhalte investieren, die wesentliches Publikum erreicht. Und ja, das haben wir schon mal gehört.

Inhalte spielen eine Rolle

Das Problem ist, dass wir in Inhalten ertrinken.

Die Ausbreitung von zweitrangigem Inhalt erschafft einen zusätzlichen Abwärtsdruck auf ein Werbemodel, das auf ein bestimmtes Level von Knappheit setzt, um Nachfrage zu erschaffen sowie Leistungen, die effektiv mit einem Preis versehen werden können. Je mehr Material auf dem Markt um den begrenzten direkten Werbevertrieb kämpft und dabei günstige Bestände innerhalb von Werbenetzwerken aufsagt, umso schwieriger wird es, gute Sachen zu produzieren.

In einem Essay für “The Atlantic aus dem Jahr 2013 schrieb Alexis Madrigal:

Die Notwendigkeit der Aktualität und die Professionalisierung der Produktion von Inhalten für den Nachschubstrom bedeutet, dass tausende und abertausende von Menschen mehr Schrott produzieren, als man sich vorstellen kann.”

Der Strom zeigt keine Anzeichen, langsamer zu werden.

Aber immer mehr Fusionen, welche die Aussicht auf neue inhaltliche Pakete und Kombinationen von Materialien anbieten, um ein großes Publikum anzuziehen, werden attraktiv für einige Investoren sein. Mehr denn je wird jedoch der Druck dieser Deals, diese Pakete einzigartig und unwiderstehlich zu machen, auf den Redakteuren und Produzenten lasten. Kreative Köpfe müssen heute gerissener und schneller sein.

Das Dilemma

Auf Grund des Umfangs an freiem Material, der Geldknappheit und dem Druck, das Produkt zu differenzieren, muss die Grenze für Redakteure und Herausgeber zwischen Journalismus und Werbung heute regelmäßig verhandelt und häufig umkämpft werden.

Redaktionelle Werte sind ausschlaggebend, um dies richtig hinzubekommen, zum Vorteil aller. Und in dieser Zeit bedeutet dies, loszulassen von den alten Annahmen der Trennung zwischen Redaktion und Vertrieb, sowie das Verstehen und Teilhaben an der Arbeit des Vertriebsteams.

Es bedeutet vermutlich auch, dass die Produktionsqualität neu verhandelt werden muss, um eine Nachfrage nach transportierbarem, rasch veränderbarem Material zu befriedigen. Alle Arten von Medien bewegen sich hin zu einer Belieferung über das Netz, Produktionskosten für Videos werden weiterhin sinken und die Möglichkeit der Entscheidung für Paketqualität und Preisgestaltung freigeben.

Medienherausgeber werden in der Lage sein, verschiedene Arten von Inhalten und Produktionsqualitäten für unterschiedliche Arten von Kunden (hier also: Einzelhandels- und Werbekunden) zusammenzuschnüren.

Wenn ein kleines, leichtgewichtiges Produktionsteam genauso viel hochwertiges Material produzieren kann wie ein vollständiges Rundfunkteam, dann ist die wirtschaftliche Entscheidung eindeutig.

Langanhaltender Erfolg für die australischen Medienunternehmen basiert auf der Fähigkeit ihrer redaktionellen Manager und Journalisten, mit ihren Vertriebs- und Marketingkollegen eng und produktiv zusammen zu arbeiten – sprich: Brücken statt Mauern zu bauen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Teaser & Image Redaktion (adapted) by janeb13 (CC0 Public Domain)


The Conversation

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Karriere im Kreisverkehr der Deutschland AG

Händeschütteln (Image adapted by geralt (CC0 Public Domain) via Pixabay)

In der Deutschland AG funktioniert das klassische Unterstützer-Netzwerk noch außerordentlich gut. Man trifft sich in lauschigen Eckchen in Kitzbühel, Davos, St. Moritz, auf Sylt oder kraxelt vier Tage mit Ex-McKinsey-Chef Herbert Henzler in den Alpen herum. Da laufen die Deals und Absprachen, da werden Wechsel besprochen und eingeleitet, da sichern sich die Top-Manager ihre Karriere ab.

Zwar sind die Unternehmen nicht mehr aneinander beteiligt wie früher. Aber in den Aufsichtsräten der großen Konzerne hat das alte Bündnis durchaus Bestand: Die immer gleichen Köpfe tauchen in etlichen Kontrollgremien auf. Ihr Erkennungsmerkmal: Sie sind männlich, meist im Rentenalter und blicken auf eine lange Erfahrung als Topmanager zurück, so das Handelsblatt.

Corporate Deutschland habe es versäumt, rechtzeitig für geeigneten Nachwuchs zu sorgen. Das werde allmählich in Vorständen und Aufsichtsräten zum Problem: “Ex-SAP-Finanzchef Brandt übernimmt bei RWE, Wolfgang Reitzle kehrt gerade zu Linde zurück. Beide sind Multi-Kontrolleure geworden. Die Deutschland AG bewegt sich – wenn auch nur im Kreis”, schreibt das Handelsblatt.

Rorsted und der Wechsel mit Ansage

In diesem Kreisverkehr gibt es aber wahre Meister, die perfekt auf der Karriere-Klaviatur spielen können. Zu ihnen zählt der 53 Jahre alte Henkel-Vorstandschef Kasper Rorsted, der am 1. August 2016 zu Adidas wechseln wird, um zwei Monate später den Vorsitz von Herbert Hainer zu übernehmen, der ein halbes Jahr vor Auslaufen seines Vertrags im März 2017 ausscheidet. Klare Verhältnisse, perfektes Timing und wohl ein von langer Hand vorbereiteter Coup, der Rorsted zur Avantgarde der Wechselkünstler macht.

Wie das funktioniert, hat der Organisationswissenschaftler Christian Scholz bereits 2013 in seinem FAZ-Blog “Per Anhalter durch die Arbeitswelt” erahnt: “Bevor irgendetwas anderes auch nur irgendeine Rolle spielt, muss das Interesse potenzieller Arbeitgeber geweckt werden.” Man muss direkt oder indirekt beweisen, dass man ein ganz Großer ist. Etwa in einem Bericht des Manager Magazins:

Henkel-Vormann Kasper Rorsted hat nie einen Zweifel daran gelassen, dass er sich als Manager mit ausgeprägtem Tatendrang sieht. Er trieb die Rendite des Düsseldorfer Markenartiklers (Persil, Pritt, Schwarzkopf) nach oben, trug einen Berg von Schulden ab und sorgte dafür, dass die Öffentlichkeit das auch mitbekam. Stichwort “Danish Dynamite”.

Zur Sicherheit sollte am Ende der Bewerbung noch ein kleiner Hinweis darauf stehen, dass der Kandidat in der operativen Marge bereits “auf 14,9 Prozent” geklettert ist und damit bereits über dem Ziel liegt. Schwieriger wird es nach Auffassung von Scholz, die Wechselabsichten zu begründen, wenn man doch bei seinem alten Arbeitgeber ein so großer Hecht ist:

Dieser Schritt ist schon kniffliger, wird aber hier als kommunikative Meisterleistung absolviert. Ohne auch nur irgendein Stückchen schmutzige Wäsche zu waschen, liest man, dass Kasper Rorsted gerne expandieren möchte, die Henkel-Familie lieber auf Nummer sicher gehen will.

Im O-Ton klingt das im Manager Magazin so:

Offenbar hat sich das Verhältnis zwischen Rorsted und dem Henkel-Clan, der die Mehrheit an dem Waschmittel-, Kosmetik- und Klebstoffkonzern hält, in jüngster Zeit etwas eingetrübt. Rorsted möchte expandieren, akquirieren, Risiken eingehen, die Henkel-Familie rund um Oberhaupt Simone Bagel-Trah dagegen lieber auf Nummer sicher gehen.

Der BWL-Professor genießt und schweigt nicht ganz: “Und dass rein zufällig auf der gleichen Seite ein Foto der Ex-Henkel-Managerin Tina Müller mit dem Hinweis ‘Neuer Style’ prangt, ist für Insider ebenfalls mehrdeutig eindeutig”, schreibt Scholz in seinem Blogpost.

Wohin die Reise hingehen sollte, hat der forsche Däne sehr geschickt offen gelassen. In seiner Blindbewerbung “An: Alle” meinte er wirklich “An: Alle”. Man liest, dass er gerne zum Industrie-Riesen Linde wechseln würde, sich aber auch die Leitung des Kristallkonzerns Swarovski quasi an der Seite von Karl-Heinz Grasser vorstellen könnte. Offener könne man eigentlich nicht sein. Lediglich eine gewisse Präferenz für den deutschsprachigen Süden “verfügt … bereits über eine standesgemäße Bleibe in München”, lässt Rorsted verschmitzt durchblicken. Mit Herzogenaurach ist auch dieser Wunsch in Erfüllung gegangen.

Und selbst das Signal von Demut und Bescheidenheit in Zeiten der Gier hat der neue Drei-Streifen-Topmanager bedient: Damit meint Scholz den Manager Magazin-Satz: “Selbst einem Assessment-Center-Test der Personalberatung Egon Zehnder hat sich Rorsted unterzogen”.

So etwas sei der unumstößliche Beweis, für einen guten Job die Extra-Meile zu gehen – vor allem, wenn man sich die methodische Fragwürdigkeit dieser Testreihen vor Augen führt, die Rorsted sicher kennt, da er dem Personalmanagement immer schon sehr nahe stand. Was sollen die Zweifel: “Ein Mann wie eine Maschine”, stellt sich jeder Herausforderung und ist für jede Prüfung bereit. Für den BWL-Professor Scholz schließt sich der Kreis. Für Rorsted auch. Käme der Wechselkünstler nicht aus Dänemark, müsste man ihn zur Strategem-Schule in China rechnen – also zur Lehre der 36 Strategeme des Meisters Sanshiliu Ji aus der Zeit um 1500. Etwa bei der Anwendung des Strategems Nummer Sieben: “Aus einem Nichts etwas erzeugen.”

Das Ausmünzungsstrategem

Nun ist die bisherige Rorsted-Karriere mehr als Nichts. Es geht dabei um die Veränderung seiner Position. Immerhin brauchte der Henkel-Mann rund drei Jahre, um seine Bewerbungstournee abzuschließen. Nennen wir es freundlich “schöpferisches Vorausdenken”. So sieht es der Sinologe Harro von Senger.

Setzt man das Strategem Nummer Sieben als Ausmünzungsstrategem ein, dann macht man sich das schier unerschöpfliche Potenzial der vom Menschen noch ungeformten Wirklichkeit zunutze. Dank einer Vision, also zunächst eines Luftgebildes, die man in die Wirklichkeit überführt, gelangt man zu einem Erfolg oder spielt man ein Gegenüber aus.

Gerade das Geschäftsleben sei ein Wettstreit der Kreativität. Die Konkurrenz werde durch kühne, in Leer-Räume vorstoßende Ideen und mit schöpferischem Vorausdenken überflügelt und nicht mit dem Alltagstrott-Management:

Es gilt, die unglaublich vielfältige Gestaltbarkeit des Wirklichen – etwas, was listenblinden Schlafmützen entgeht – mit Hilfe menschlicher Fantasie auszuloten und zu verwerten, erläutert von Senger.

Rorsted ist ein Champion des Ausmünzungsstrategems – mit der Geste der Entschlossenheit spielt er über Bande, um sich selbst ins Gespräch zu bringen und um im Gespräch zu bleiben. Selfie-Botschaft: Wer dazugehören will, muss erst einmal leiden!

Aufreibende Selektionsprozesse, Interviewmarathons und tagelange Gehaltspoker sind mythenbehaftete Initiationsriten, die den Ruf der Konzernmanager als auserwählte Führungsfiguren begründen. Die Botschaft lautet: Nur diejenigen, die willens sind, alles zu geben, dürfen hoffen, mitmachen zu können, erklären Joerg Bartussek und Oliver Weyergraf in ihrem Opus “Mad Business”, erschienen im Hanser Verlag.

Kalenderweisheiten in der Deutschland AG reloaded

Die “Operation Kronprinz” mache nie Pause! Neben der chinesischen Strategem-Kunde haben auch klassische Kalenderweisheiten im Konzernwesen Bestand. Immer dahin gehen, wo es weh tut. Denn nur gute Arbeit zu leisten reicht nicht aus: “Wer ganz oben mitspielen will, muss sich auch konzernpolitisch betätigen. Das ist leider so, selbst wenn man genau weiß, dass das für jede Firma eigentlich Gift ist”, so Bartussek und Weyergraf.

Da können sogar 40 bis 50 Prozent der Arbeitszeit für Innenpolitik draufgehen. Jeder Konzernpolitiker verfügt über ein feingesponnenes internes und externes Netzwerk aus vielschichtigen Kontakten. Politisch werde es vor allem dann, wenn jemand eher durch persönliche Beziehungen als durch wirkliche Sachargumentation vorankommt.

In der Deutschland AG reloaded hat sich Rorsted frühzeitig etabliert. Das ist ihm als Vorstandschef eines erfolgreichen DAX-Konzerns relativ leicht gefallen. Er nutzt die informellen Runden, die von der Öffentlichkeit abgeschottet werden. Es soll intim zugehen. Ein Rückzug in die Privatheit, der ausschließlich über persönliche Kontakte läuft. Etwa in der alpinen Seilschaft von Herbert Henzler. Im elitären Männerzirkel der so genannten “Similauner” kraxeln unter Führung von Reinhold Messner Manager wie Hubert Burda und – welch ein Zufall – der noch amtierende Adidas-Chef Herbert Hainer. Wen findet man im Aufsichtsrat des Sportartikel-Herstellers? Henkel-Personalvorstand Kathrin Menges. Weitere Verbindungslinien zur Arbeitnehmerseite oder zu Finanzberatern kann man über Google recherchieren.

Rorsted wird von Branchenexperten zugetraut, das angeschlagene US-Geschäft von Adidas in den Griff zu bekommen und auch Initiativen für neue Geschäftsmodelle anzustoßen – etwa bei der Digitalisierung. Er ist sportbegeistert, teamfähig und energiegeladen. Er wollte nach Süddeutschland und auch das ist gelungen. Netzwerke und Vitamin B für das berufliche Fortkommen zu nutzen, ist völlig in Ordnung. Nur sollten die Protagonisten der informellen Deutschland AG die Schwächen dieses Karriere-Systems nicht unterschätzen. Das Notiz-Amt verweist auf die Frühjahrsausgabe des Wirtschaftsmagazins Boardreport, in der man das alles ausführlich nachlesen kann. Der Titel: “Operation Kronprinz – Über die Kunst des Wechsels in einer vernetzten Welt.” Das Heft erscheint Ende März.


Image “Händeschütteln” by geralt (CC0 Public Domain).


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Business-Wetten für die digitale Wirtschaft

Busy traffic (adapted) (Image by dingcarrie [CC BY 2.0] via flickr)

Wird 2016 genau so sein? Alle Zeichen stehen auf ja. Wir sind vielleicht besorgt, dass eine potentielle, neue Blase zerplatzt oder dass sich der Aktienmarkt verlangsamt, aber dies hält neue Ideen, Businessmodelle oder Möglichkeiten nicht auf. Hier sind meine neun Prognosen, was sich im Bereich Business, Technik oder Soziale Netzwerke in 2016 verändern wird.

Immer wieder das Gleiche zu tun bringt einen niemals weiter

Im Jahr 2016 werden wir sehen, wie sich immer mehr Organisationen auf das Regulieren von Einkommen einstellen und nach neuen Märkten und Möglichkeiten suchen werden. Das wird gegensätzliches Denken erfordern – das Suchen nach radikalen und anderen Wegen ein Business am Laufen zu halten wie zum Beispiel: Die Kunden bezahlen, anstatt Geld von ihnen zu verlangen. Umweltanalyse-Teams werden in vielen Organisationen mit dem Ziel gegründet, dass man aktuelle Trends erkennt und versteht, und dabei auch den potenziellen Einfluss sieht, den diese auf das eigene Unternehmen haben können.

Ziel für 2016: Ein Team für die Umweltanalyse aufstellen.

Der Zug der Auftragswirtschaft wird nicht langsamer

Neu aufkommende Unternehmen werden 2016 nur stärker werden. Die Auftragswirtschaft wird anhalten und sich auf mehr ausweiten als Miete oder Karrieren. Wir werden mindestens einen neuen Spieler auf dem internationalen Markt sehen, dem Peers Inc.-Modell folgend – versorgen bedeutet für den Einzelnen, die Produkte und Dienste einfacher zur Verfügung zu stellen. Und der nächste große Akteur wird wahrscheinlich aus Asien kommen, ein Markt, der bisher größtenteils unberührt blieb.

Ziel 2016: Eine Plattform für die Auftrags-Wirtschaft werden.

Erfreue deine Kunden damit, ihre Bedürfnisse rechtzeitig zu erkennen und zu erfüllen

Wir werden einen Anstieg der vorausschauenden Organisationen sehen, also jene, die Produkte und Dienste in dem Moment, in dem man sie braucht, anbieten oder sogar schon bevor der Kunde überhaupt merkt, dass er sie braucht.

Wir werden die ersten kommerziellen Beispiele für die vorausschauende Lieferung erkennen (“dein Produkt liegt bereits vor deiner Tür, möchtest du es kaufen, oder sollen wir es zurücknehmen?”) Und nach dem erfolgreichen Absolvieren der einfachen Schritte und Kunden sich daran gewöhnen konnten, werden andere – oft überraschende – Akteure folgen; wir werden unter anderem die ersten vorausschauenden Regierungen sehen. Alles aufgrund des Fortschritts der digitalen Identität.

Ziel 2016: Definiere dein Produkt und die Dienste neu und werde eine vorausschauende Organisation.

Willkommen zu deinem digitalen, persönlichen Assistenten – einer der wirklich hilft und nicht nur so tut

Die digitale Identität wird nicht nur ein neues organisatorisches Verhalten ermöglichen, aber auch die Evolution anderer Technologien vereinfachen. Digitale, persönliche Assistenten werden sich weiter entwickeln. Sie werden nicht nur in der Lage sein, uns zu sagen wo der Film läuft, den wir am Wochenende sehen wollen oder uns an einen Arzttermin erinnern, sie werden auch in der Lage sein, unsere Rechnungen zu zahlen, den Stromanbieter zu wechseln oder uns in unserem Leben wirklich unterstützen, wie es ein echter Assistent tun würde (eine Art digitaler Vertreter des Menschen).

Ziel für 2016: Mehr Dinge erledigen können, indem man den digitalen Assistenten delegiert.

Wenn sich die Welt um dich schneller dreht als du, ist das Ende nah

Amtsinhaber von anlageintensiven Firmen werden von technologischen Fortschritten herausgefordert, und das mehr als in den Jahren zuvor. Der Janicki-Omniprozessor wird es kompletten Gemeinden ermöglichen, sich von Abwasser und Wassernetzen zu entfernen.

Hochleistungsbatterien in Garagen und selbstfahrende Autos werden es Individuen ermöglichen, mit Elektrizität außerhalb des Netzes zu handeln. Telefonanbieter werden mehr und mehr Druck von den Meta-Dienstleistern spüren. Die Bewegung derjenigen, die kein lineares Fernsehen mehr schauen, wird das Kabelfernsehen beeinflussen, auch in anderen Branchen.

Ziel für 2016: Wenn du ein Amtsinhaber in deiner Branche bist, fokussiere dich auf die Umweltanalysse, um Überraschungen zu vermeiden.

Digitales Kapital ist die Möglichkeit für das soziale Gut

Existierende Technologien werden reifen und in kritischen Situationen genutzt werden. Regierungsagenturen, Ersthelfer und das Katastrophenmanagement werden Periscope und Erwähnungen bei Facebook sowie Livestreaming nutzen, um Informationen zu sammeln. Wir werden die Kontrolle über unser digitales Ich behalten und zur gleichen Zeit fähig sein, unser “digitales Kapital” zu teilen, wenn es hilfreich ist. Die digitale Denkweise wird auch auf Organisationen angewendet werden, um nach Optionen zu suchen, um inaktive Anlagen zu digitalisieren, indem man neue Technologien benutzt.

Ziel für 2016: Habe einen genauen Blick auf deine Anlagen. Können sie neue Werte in die digitale Wirtschaft bringen?

Hardware wird die neue App

Mehr und mehr Leute werden es einfach finden, der “Maker-Kultur” beizutreten. Plattformen wie Arduino oder Raspberry Pi werden es mehr Leuten ermöglichen, schnell Hardwarelösungen als Prototypen zu erstellen. Wir werden Beispiele für Apps im Internet der Dinge sehen, die endlich verlockend und nützlich sind. Umgebungen wie Apples HomeKit, werden nur zu dem Impuls beitragen. Andererseits werden Plattformen wie Kickstarter den Weg zu effizienten “Prototyp-zu-Produkt”-Prozessen eröffnen.

Ziel für 2016: Tritt einem Maker-Space bei und unterstütze dieses.

Baue eine Gemeinschaft und ein Produkt (oder Dienst) wird sich entwickeln

Wir werden mehr Unternehmen sehen, die auf eine unorthodoxe Art starten werden, indem sie zuerst eine Gemeinschaft aufbauen und erst danach erkennen, welches Produkt oder welchen Dienst sie bereitstellen müssen. Digitale Gemeinschaften werden der neue unfaire Vorteil in jeder Industrie sein.

Ziel für 2016: Identifiziere und investiere in deine Gemeinschaften.

Digitale Intelligenz ist Trend

Die Gesellschaft wird weiterhin lernen, wie man mit den digitalen Wirtschaftstrends umgehen muss. Wir werden von der digitalen Bildung über digitales Benehmen zu digitaler Eleganz gehen. Und wir werden ein wachsendes Interesse im Bereich Sicherheit im Netz erleben, auch wenn die Regierungen versuchen werden, die Bevölkerung von der Nutzung von Verschlüsselungstools abzuhalten.

Ziel für 2016: Investiere in digitale Bildung und Entwicklung.


Image (adapted) “Busy traffic” by dingcarrie (CC BY 2.0)


 

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Der digitale Countdown – was er mit der Zukunft zu tun hat

Wo das Magische geschieht (Image by Anja C. Wagner)

Wir sind bequem. Uns geht es gut. Warum sollten wir etwas verändern? Das ist der Sound in unseren analogen Stuben. Aber es ginge auch anders. Ganz leicht. Letzthin habe ich einen schönen Satz gelesen, der den Nagel auf den Kopf trifft: Heute ginge es für Unternehmen und Institutionen nicht mehr darum, eine digitale Strategie zu entwickeln, sondern es ginge darum, eine Strategie für das digitale Zeitalter zu entwickeln. Voila! Gut auf den Punkt.

Kulturelle Disruption?

Ganz genau. Und zwar nicht nur im Hinblick auf den sozialen Umgang, sondern auf die komplette zukünftige Kulturgeschichte. Neben den selbstfahrenden oder fliegenden Autos, den virtuellen Staaten oder der solarbetriebenen Landwirtschaft, die uns “just-in-time” die Lebensmittel zuliefert, wann immer wir in unserem Kalender einen Verweis eingetragen haben: Raclette mit Familie am Samstag.

Das eine und das andere bedingen sich – das sollte man begreifen: Die Menschen und die Maschinen müssen miteinander auskommen, ansonsten wird es kritisch. Kultur wird gestaltet. Sowohl die soziale als auch die technologische Kultur. Sie entsteht nicht einfach so.

Das war schon während der französischen Aufklärung so, also dem Beginn des Zeitalters, das gerade zu Ende geht: Kulturelle Moderne und industrielle Modernität gehörten immer schon unmittelbar zusammen. Das eine hätte niemals ohne das andere wachsen können. Es braucht eine mitwachsende Kultur, um Technologien zum Blühen zu bringen. Und umgekehrt.

Nur die Erfahrungen der ersten Internet-Blase und des Web 2.0-Zeitalters ermöglichten ein Denken, das so transformativ alles Bisherige in Frage stellt. Die persönliche Erfahrung, was alles machbar ist, wenn Menschen, die sich selbst kaum kennen, an unterschiedlichen Punkten dieser Erde sitzend, gemeinsam anfangen, in Echtzeit zu kommunizieren. Welche kreative Gewalt daraus erwachsen kann.

Auf einmal scheint es denkbar, eine ganz neue Welt auszudrucken. Ich werde mir in absehbarer Zeit ein Paar passgenaue, vegane Schuhe oder ein fahrbares Haus für kleines Geld ausdrucken können – wahlweise mit meinem eigenen Design oder einer schicken Designvorlage, die ich mir im Onlineshop mit Bitcoins gekauft habe. Was bedeutet das für die Schuhindustrie? Was bedeutet dies für Stadtplaner? Für Architekten? Für Interior-Designer oder Förster?

Man kann es nur immer wieder wiederholen – und es ist kein Worst Case-Szenario, sondern die Realität von in ein paar Jahren: Nahezu JEDE Branche wird derzeit radikal umgedreht.

DAS BEDEUTET DIGITALER WANDEL!

Und dafür braucht es mehr als eine Strategie. Es braucht zunächst einmal mehr Erfahrung über die möglichen Dynamiken. Mehr Austausch. Und dann: Take Action!

Ja, woher soll ich denn bloß die Zeit dafür nehmen, höre ich euch fragen.

Seid gewiss: Ihr gewinnt sie auf der anderen Seite mehrfach zurück. Begebt euch rein in die Netze, arbeitet konsequent damit, probiert aus, seid neugierig und denkt mit.

Das Reisen verändert sich, der Handel, die Finanzierungsbranche, die Bildung – alles. Das ist jetzt bereits im Gange. Und hat Auswirkungen auf sämtliche Unternehmungen, die darin arbeiten.

Digitale Disruption Image by Anja C. Wagner

Was man aber verstehen muss: Die Branchen verändern sich nicht nur, weil es jetzt Internet gibt und neue algorithmische Verfahren. Sondern dadurch bedingt verändert sich zwangsläufig unsere gesamte Kultur:

  • Wenn klassische Erwerbsarbeit seitens des Menschen nur noch in Ausnahmefällen erforderlich ist, braucht es beispielsweise keine Reproduktionsurlaube mehr. Man muss sich dann nicht mehr erholen für den Malocherjob. Anderes wird dafür entstehen. Was? Gut, das werden wir sehen.

  • Es braucht auch nur noch bedingt Fortbildungen – und wenn, dann sehen sie ganz anders aus als heute. Auch Nachhilfe für Schulkinder braucht es dann nicht mehr, das erledigen Algorithmen pro-aktiv sinnvoller.

Damit wir uns nicht missverstehen: Natürlich braucht es auch weiter die Menschen, ansonsten würde Humanismus ja keinen Sinn mehr ergeben. Aber wie wir unsere neue Gesellschaft aufbauen, steht alles noch in den Sternen. Und nur die, die sich am Diskurs mit beteiligen, können dies mitgestalten. Aber dafür wäre ein Verständnis der Dynamiken sinnvoll.

Woran liegt’s?

Der Breitbandinvestitionsindex legt den Finger in die eine Wunde in Deutschland (bitte dem Link folgen und vor Ort die Grafik schauen): Je röter die Landkreise, desto weniger Zugang existiert dort auch zu den sozialen Netzwerken, symptomatisch visualisiert am Beispiel Facebook.

Die andere Wunde ist die, dass sich viele bornierte, vor allem ältere Menschen zieren, sich in die profanen Gefilde des sozialen Austauschs zu begeben. Und sich stattdessen mit Arroganz hinter ihren Papier-Zeitungen verschanzen. Nichts gegen Zeitungen – ich las sie auch mal gerne. Und manche auch heute noch. Online. Neben vielem anderen.

Denn unsere Zukunft wird im Netz entschieden bzw. in den durch unsere Netzpraktiken eingeübten Sozialmustern, die sich dann in zivilgesellschaftlichen Aktivitäten und idealer Weise in klugen, innovativen Ideen und Projekten ausdrücken.

Was man tun sollte?

Ganz einfach. Zugänge schaffen ins Netz – sowohl auf struktureller als auch auf ideeller Basis. Sowohl als Gesellschaft als auch als Individuum. Es tut auch nicht weh. Man muss nur starten. Vorbild sein. Voran gehen. Trendsetter werden im eigenen, persönlichen Umfeld.

Wollt ihr den Switch also mitgestalten auf der Seite der Aktiven, dann kommt rein in die gute Stube. Kauft euch ein Smartphone, meldet euch in einigen Netzwerken an – und startet!

  • Lernt kollaboratives Handeln zu leben.

  • Lernt die Macht der virtuellen Netzwerke kennen.

  • Lernt eure Arbeit neu zu organisieren.

Nur dann erfahrt ihr am eigenen Leib, was sich gerade da draußen tut. Und könnt damit darauf reagieren. Ja, im Netz bündelt sich auch viel Hass. Aber wir müssen dem entgegen treten mit einer Vielzahl konstruktiver Gespräche. Eine andere Kultur vorleben. Das bedeutet kulturelle Bildung im 21. Jahrhundert!

Gerade in Deutschland haben wir diesbezüglich noch gehörigen Nachholbedarf. Die Rate an AkademikerInnen in den sozialen Netzwerken ist sehr niedrig im Vergleich zu anderen Ländern. Das hat verschiedene Gründe und sagt letztlich auch wenig aus über die Klugheit von Beiträgen. Aber unter gesellschaftlichen Gesichtspunkten kann man es maximal unter Betriebsblindheit abheften. Oder Dummheit.

Flowcampus Image by Anja C. Wagner

Nicht nur im eigenen gesellschaftlichen Interesse, sondern auch im Interesse der nachfolgenden Generationen: Der Ton im Netz wird von der Mehrheit gesetzt. Und da muss das objektive Niveau deutlich steigen! Nicht im Sinne von abgehobenen Gesprächen oder bildungsbürgerlichen Diskursen, sondern einfach im normalen, authentischen, offenen Austausch untereinander.

Und kommt mir jetzt nicht mit diesen Standard-Ausreden, euch interessiere nicht das Mittagessen eurer Freunde oder Fans. Dann liegt dies an eurem persönlichen, subjektiven Netzwerk, für das ihr mit verantwortlich seid. Soziale Kommunikation bedeutet Austausch mit anderen, nicht wechselseitige, mediale Beschallung. Lernt das! Geht rein und arbeitet mit. Gerade in diesen Zeiten!

Was wir tun?

Wir bemühen uns, euch dabei zu unterstützen. Denn wir sind die ganzen Entwicklungsschritte von Beginn an mitgegangen. Und wir verfolgen auch keinen Metaplan seitens einer Behörde oder eines Grosskonzerns. Wir haben selbst viele Erfahrungen im Netz gesammelt. Ihr könnt euch also einige Umwege schenken, wenn ihr uns fragt. Und uns nebenbei vertrauen!

Wir starten im Frühjahr einen MOOC rund um diese Themen – es ist ein kostenfreier Online-Kurs auf der MOOC-Plattform der FH Lübeck, für den man sich bereits einschreiben kann: Er führt den Namen Arbeit 4.0 und es geht darum, unsere Zukunft zu gestalten.

Kommt dazu und diskutiert mit uns. KONSTRUKTIV!

Weitere Angebote rund um Arbeit 4.0 findet ihr in unserem FLOWCAMPUS.


Teaser & Images by Anja C. Wagner


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