Wie Twitter die Zukunft der Geldwirtschaft sieht – und verändert

James Alan Craig, ein schottischer Aktienhändler (Trader), wurde in den USA wegen vermeintlicher Manipulation von Aktienkursen durch die Nutzung von Twitter angeklagt. Gemäß dem US-amerikanischen Justizministerium hat der 62-Jährige, aus Dunragit in Dumfries und Galloway, durch die angebliche Verbreitung von falschen Informationen auf sozialen Netzwerken für Aktionäre einen Verlust von mehr als 1,6 Millionen US-Dollar verursacht. Laut Zeitungsberichten wurde er vom US-Justizministerium wegen Wertpapierbetrugs angeklagt. Gleichzeitig klagte die US-Börsenaufsicht mit einer separaten Beschwerde dasselbe Vergehen.

Vielen von uns fällt es wahrscheinlich schwer zu glauben, dass Informationen auf Twitter, Facebook, Blogs und dergleichen die Macht haben können, Finanzmärkte zu beeinflussen, aber es ist nicht das erste Mal, dass eine Geschichte wie diese in den Nachrichten Schlagzeilen schreibt.

Ein falscher Tweet vom gehackten Account eines Mitglieds der Associated Press, einer US-amerikanischen Nachrichtenagentur, vom 23. April 2013, mit der Behauptung, Barack Obama sei bei einer Explosion im Weißen Haus verletzt worden, verringerte den Wert des S&P 500 auf einen Schlag um 130 Milliarden US-Dollar.

Forschungen im Bereich der Wirtschaftskrise desselben Jahres deuten inzwischen darauf hin, dass Finanzmärkte von den negativen Gerüchten der Zeitungsberichte stärker beeinflusst werden als von Fakten und Tatsachen.

Soziale Medien sind ein beliebtes, offenes Forum, um Wirtschaft und Finanzen zu analysieren und besitzen die ebenso wichtige Rolle, die öffentliche Stimmung zu jeder Minute wiederzuspiegeln. Längst sind sie unerlässlich für Wirtschaftskommentatoren, politische Entscheidungsträger und deren treue Anhänger.

Ein paar Beispiele: Paul Krugman, ein führender Wirtschaftsexperte, verfügt über einen Twitter-Account mit ungefähr 1,5 Millionen Followern. IMF-Chef Christine Lagarde zählt ungefähr 320.000 Follower. Webseiten wie das Wall Street Journal und Financial Times verwenden für ausführliche Diskussionen um aktuelle Wirtschaftsthemen ebenfalls Updates in Echtzeit. Kein Wunder, dass diesen Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Akademiker haben genügend Beweise gefunden, dass die Gesprächsthemen der sozialen Medien die Zukunft der Märkte vorhersagen können. Vor allem in Zeiten von negativen Wirtschaftsnachrichten, wenn traditionelle Modelle, welche nur finanzielle Variablen verwenden, sich möglicherweise als inadäquat herausstellen, trifft dies besonders zu.

So haben Forschungen bewiesen, dass die Aktivität von Online-Recherchen als Vorhersage von Kursbewegungen des US-amerikanischen Aktienmarktes verwendet werden kann – und das selbst im weniger liquiden Wohnungsimmobilienmarkt. Beide Arbeiten argumentieren, dass die Effekte auf Preise mit der Intensität der Online-Recherche und der Beurteilung der Information durch die Käufer steigen.

Ich habe kürzlich als Co-Autor an einer Arbeit mitgewirkt, welche zeigt, dass zur Zeit der jüngsten Eurokrise Diskussionen der sozialen Medien und Google-Suchen, bezogen auf “Grexit”, sehr wohl einen Einfluss auf die Streuung der Kreditkosten zwischen Deutschland und den Peripheriestaaten der Eurozone Griechenland, Irland, Italien, Portugal und Spanien hatte. Dieser Effekt bestand über den der neuesten Wirtschaftsdaten hinaus.

Wir haben ebenfalls herausgefunden, dass Suchanfragen zu “Grexit” auf den Webseiten Google und Facebook weniger Auswirkungen auf den Markt hatten als das Stichwort #Grexit auf Twitter. Das überrascht nicht. Menschen tendieren dazu, eher auf Links auf Twitter zu klicken als auf Facebook.

Die meisten Nachrichten-Links auf Facebook (70 Prozent) kommen von Familie und Freunden, nur ein kleiner Prozentsatz (13 Prozent) wird von Organisationen oder Journalisten verschickt. Im Gegensatz dazu stammen 36 Prozent aller Nachrichten-Links auf Twitter von Familie/Freunden und 27 Prozent von Nachrichtenagenturen/Journalisten.

Dieses größere Spektrum an Quellen ermöglicht Twitter eine größere Bandbreite an Informationen. Twitter-Nutzer gelten außerdem als gebildeter als Facebook-Nutzer, welche große Ähnlichkeiten mit der Allgemeinbevölkerung aufweisen.

Dass die Information, die auf sozialen Medien auftaucht und geteilt wird, eine zentrale Rolle in der Stärkung der Effizienz von Finanzmärkten sein kann, ist keinesfalls zu viel gesagt – es sei denn sie wird bewusst durch das Posten von falschen Informationen missbraucht. Der Fall von James Alan Craig, schuldig oder nicht, beweist die Macht von Twitter, Märkte ebenso in Richtung illegal erlangter Gewinne steuern zu können als auch ihre nächsten Schritte vorherzusagen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „A Twitter Banner Draped Over The New York Stock Exchange For Twitter’s IPO“ by Anthony Quintano (CC BY 2.0)


 

Costas Milas

ist Experte für Währungspolitik und hat seinen Doktor in Ökonomie an der Universität Warwick gemacht. Heute unterrichtet er an der Universität in Liverpool.


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