Die besten Twitter-Alternativen

Seit Elon Musks Twitter-Übernahme kehrt einfach keine Ruhe im Netzwerk ein. Ein „Geistesblitz“ jagt den nächsten, Twitter heißt jetzt „X“ und sogar den blauen Vogel hat Musk herzlos abgeschossen. Kein Wunder, dass viele Nutzer bereits auf der Suche nach einer neuen Heimat sind. Doch was sind die besten Twitter-Alternativen oder gibt es überhaupt wirklich ein?

Wir stellen euch die populärsten Alternativen zu Twitter vor, blicken aber auch den Tatsachen ins Gesicht: Ein Netzwerk lässt sich nicht einfach durch andere Netzwerke ersetzen. Womöglich ist X selbst sogar die einzige wirkliche Alternative, die wir haben. Oder brauchen wir Twitter überhaupt noch in unserem Leben?

Mastodon – Dezentral im Fediverse

Die besten Twitter-Alternativen kann eigentlich nur Mastodon eröffnen. Es war der erste Konkurrent, der nach dem Twitter-Deal große Medienaufmerksamkeit erregte.

Vom generellen Look & Feel unterscheidet es sich nur wenig von X. Was es jedoch unterscheidet ist sein dezentralisierter Ansatz. Es gibt nicht „den einen“ Mastodon-Server, sondern gleich eine Vielzahl dieser. Man kann sich trotzdem untereinander verbinden. Die offene Schnittstelle erlaubt es sogar, dass man sich sogar über Mastodon hinaus mit Nutzern auf anderen dezentralen Plattformen. Mastodon ist Teil des Fediverse, zu dem auch einige andere Social Media-Alternativen gehören.

Die verschiedenen Instanzen innerhalb Mastodons können aber selbst bestimmen, welche Communities sie etwa aus ihrer eigenen Bubble aussperren wollen. Das kann für harmonischere Communities sorgen, zugleich aber auch als Zensur gesehen werden. Wobei das im Prinzip nicht anders ist wie bei Reddit oder Facebook-Gruppen. Nutzer selbst haben diese Möglichkeiten für sich selbst übrigens auch. Durch die Guidelines der unterschiedlichen Instanzen entsteht so eine sehr individuelle Nutzererfahrung. 

Ein interessantes Feature sind die Content-Warnings, die man selbst beim Verfassen eines Toots erstellen kann. Im Vergleich zu X unterstützt Mastodon weniger Medientypen. Dafür gibt es keine zeitliche Einschränkung bei Videos. Dafür schränkt das Limit von 40MB Länge und Qualität deutlich ein. 

Threads – Facebooks Twitter-Alternative

Threads ist die neueste Alternative zu Twitter und hatte eigentlich eine ideale Ausgangssituation. Auch Threads wirkt wie eine dreiste Kopie seines Vorbilds und erschien eigentlich zu einem optimalen Zeitpunkt. Elon Musk hatte gerade erst eine Limitierung der Zahl täglich anschaubarer Tweets durchgesetzt, als Meta quasi aus dem Nichts am 5. Juli 2023 Threads veröffentlichte. Zunächst tatsächlich mit beeindruckenden Zahlen. Am 7. Juli beeindruckte die App mit 49 aktiven Nutzern, die im Schnitt 21 Minuten Bildschirmzeit hatten.

Die Zahlen sind mittlerweile deutlich zurückgegangen. Am 1. August 2023 waren nur noch 9,6 Millionen Nutzer aktiv. Wirklich überraschend ist die Entwicklung allerdings nicht. Es ist schließlich ein Unterschied, ob man neugierig in eine App reinschaut, oder ein neues Social Network seine virtuelle Heimat nennt.

Eine interessante Twitter-Alternative ist Threads aber durchaus. So ist es stark mit der meta-Welt verbunden: Nutzer loggen sich mit ihrem Instagram-Account ein. Damit startet man gegebenenfalls mit einer viel größeren Follower-Basis. Auf der anderen Seite nutzt es dezentrale Technologie und es ist sogar eine Anbindung ans Fediverse geplant. Im Fediverse sind diese Pläne natürlich sehr umstritten, da es genau die kommerzielle Ebene wäre, die man durch die Dezentralität ausgegrenzt zu haben glaubte.

Für uns gibt es aktuell aber noch ein anderes Problem: Der Digital Markets Act sorgt dafür, dass Meta erst noch auf ein positive Rückmeldung der EU wartet. Vor allem die enge Verzahnung mit Instagram ist rechtlich ein kritischer Faktor. Somit ist aktuell ein großer Teil des europäischen Marktes noch augeschlossen.

Bluesky – Konkurrenz vom Twitter-Gründer

Woanders ist der Himmel immer blauer? Das hat sich vermutlich auch Twitter-Gründer Jack Dorsey gedacht. Angekündigt wurde Bluesky bereits 2019. Damals sollte das Projekt noch zu Twitter gehören. Mittlerweile dürfte Jack Dorsey froh sein, dass es seit Frühjahr 2022 auf eigenen Beinen steht und nun zum Kreis der besten Twitter-Alternativen gehört.

Bei den Wurzeln wundert es bei Bluesky wohl am wenigsten, dass es dem alten Twitter auf dem ersten Blick sehr ähnelt. Doch wie auch Mastodon und in Zukunft vermutlich Threads, setzt Bluesky auf einen dezentralen Ansatz.

Im Gegensatz zu Threads, wo die Desktop-Variante gerade erst ausgerollt wird, gehört Bluesky bereits von Anfang an zu den besten Twitter-Alternativen, wenn ihr auch vom PC aus aktiv sein wollt. Das Problem ist aktuell mehr die Exklusivität. Zugang zum Social Network erhaltet ihr nur per Einladungs-Code. Eigentlich ein kluger Schachzug, um die Kapazitäten kontrollierter zu skalieren, jedoch ein Problem, wenn man gemeinsam mit anderen den Umstieg plant. Ähnlich wie 2021 bei Clubhouse, sorgt diese Exklusivität aber auch für Begehrlichkeiten. 

X – Die beste Twitter-Alternative bleibt Twitter?

Ich habe sowohl auf Twitter als auch auf YouTube schon mehrfach die große Aufbruchsstimmung erlebt. Ein neues Netzwerk kommt, lockt mit Versprechungen und wird von Teilen der Community zum gelobten Land erklärt. Fakt ist: Drüben ist das Gras auch nicht zwingend grüner. Zunächst ist man noch berauscht. Alles ist neu und die Community um so vieles besser. Doch irgendwann endet diese Honeymoon-Phase.

Ja, man hat vermutlich eine weniger toxische Community, weil die eigene Bubble im Optimalfall mitzieht und in der ersten Zeit dort auch besonders aktiv ist. Außerhalb dieser Bubble ist die neue Welt dann aber doch karger und eventuell zieht es bald Teile der Bubble zurück zum Ursprung oder zum nächsten Netzwerk mit großen Versprechen. Gerade an dieser Stelle zerstört sich zu viel Konkurrenz dann auch wieder gegenseitig

Ein etwas zweifelhaftes Alleinstellungsmerkmal ist aktuell auch der morbide Trash TV-Charme von X. Hier wird es aktuell nicht langweilig, weil man nie weiß, mit welcher Idee Musk als nächstes um die Ecke kommt. Und auch wenn es danach aussieht, dass X kräftig am eigenen Ast sägt: Elon Musk wurde bereits oft belächelt, ehe Unternehmen wie Tesla dann doch zum großen Erfolg wuchsen.

Seine Vision ist außerdem nicht nur schlecht. Twitter ist für die Vision der X-App wohl nur die Basis. Musk schaut gerne nach Asien zu WeChat oder Line. Er möchte eine „App für alles“ erschaffen, die über die Social Media-Features hinaus in vielen Lebensbereichen genutzt wird. Während die besten Twitter-Alternativen sich um einen bekannten Markt streiten, will Elon Musk im Westen einen neuen erobern. Die Frage ist aber vor allem, wie lange die Community das mitmacht. Twitter war nie bekannt für große Änderungen – nun ist X jedoch das Netzwerk, das am radikalsten und oft auch unbedacht neue Ideen auf ihre Nutzer loslässt. Und somit verliert auch X derzeit Nutzer, während sich noch kein Konkurrent wirklich durchsetzt.

Für Communities gibt es auch andere Twitter-Alternativen

Eventuell seid ihr nicht einmal auf der Suche nach den besten Twitter-Alternativen, sondern allgemein auf der Suche nach einer neuen Heimat für eure Community. Nicht wenigen ist Twitter ohnehin zu toxisch und sie wollen lieber ihre Wohlfühl-Bubble. Da eignet sich dann etwa ein eigener Discord-Server, der euch mehrere Kanäle zum direkteren Austausch gibt und der sich intern einfacher moderieren lässt. 

Womöglich bieten euch Twitter und seine Alternativen ohnehin eigentlich wenig Mehrwert. In welchen Netzwerken seid ihr noch aktiv? In welchen sind die meisten eurer wichtigen sozialen Kontakte? Manche merken erst, wie wenig sie eine Plattform brauchen, wenn sie sich eine Auszeit gönnen und vielleicht sogar bemerken, dass ihnen diese guttut. 

Wenn ihr das Gefühl habt das Twitter euch ohnehin nicht so wichtig ist, dann versucht einfach eine Weile ohne X und Co auszukommen. Das gibt euch mehr Zeit für andere Netzwerke oder für ganz andere Hobbies. Das könnt ihr nicht nur für Twitter ausprobieren, sondern auch bei anderen Plattformen. Ein Social Media Detox kann nur einen Tag oder auch einen ganzen Monat dauern. Gebt bei längerer Auszeit aber am besten euren Followern Bescheid. Pausiert ihr nur eine Plattform könnt ihr auch schreiben, wo man euch noch erreichen kann.

Fun Fact: Cities Skylines hat noch seinen Vogel 

Keine wirkliche Alternative, da es sich um ein fiktives Social Network handelt. Die Stadtbau-Simulation Cities Skylines informiert euch über die Bedürfnisse der Bewohner über Posts im Social Network „Chirper“. Dieses hat wohl nicht gerade zufällig einen blauen Vogel als Logo.

Auch im kommenden Nachfolger Cities Skylines 2 müsst ihr auf Chirper nicht verzichten. Ich frage mich, ob Entwickler Colossal Order bereits mit dem Gedanken gespielt hat, Chirper tatsächlich als Twitter-Alternative umzusetzen. Nicht nur hätte der Nutzer wieder einen blauen Zwitschervogel – nein, ihr könntet ihn auch noch mit diversen Hüten anpassen. Da der Nachfolger in seinen Dev Diaries einen äußerst guten Eindruck macht, freu ich mich jedenfalls bereits auch wieder auf den blauen Vogel. Und wehe sie killen Chirper auch noch für die „C-App“.


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