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Netzpiloten @re:publica

Meist wollen wir Informationen, Hintergründe und Meinungen knapp und pointiert präsentiert bekommen. Doch all zu simple Parolen können die Gesellschaft spalten. Darum beschäftigt sich die re:publica dieses Jahr explizit mit der Kraft der Recherche, die Themen kritisch hinterfragt, gleichermaßen aber auch den Dialog sucht. Vom 6. bis zum 8. Mai findet die dreizehnte Auflage der Mammut-Konferenz unter dem Motto tl;dr in der STATION Berlin statt. Auch wir Netzpiloten sind als Medienpartner mit dabei und freuen uns auf die alljährliche Dosis Erklärungshilfe für die komplexe digitale Welt. Besonderes Augenmerk legen wir dieses Jahr auf die begleitenden Fachkonferenzen der re:publica (s.u.).

Welche Speaker werden da sein?

Mehr als 300 Speaker aus verschiedenen Bereichen tragen dieses Jahr zum umfangreichen Programm der re:publica bei. Beim (Digital) Body Talk beleuchtet Mediensoziologin Maike Janssen, was die Patienteneinwilligung im Zeitalter der digitalen Selbstüberwachung bedeutet. Netzpolitik.org-Autor Ingo Dachwitz referiert über die Relevanz von Daten im Wahlkampf zum EU-Parlament. Der humorvollen Seite politischer Debatten im Netz widmet sich Autorin und Journalistin Ingrid Brodnig. Der Managing Director Christian Bollert erklärt, warum sich Podcasts gerade für komplexe Themen gut eignen. Ebenso freuen wir uns auf Content Produzent Thorsten Poppe. Er blickt auf den Sport und zeigt auf, wie sich die Bundesliga-Klubs zu Medienhäusern entwickeln.

Welche Themen erwarten euch?

Die re:publica trennt die Zuordnung in Tracks und Topics. Tracks sind allgemeine Kategorien, die einer Session zugeordnet werden, Topics hingegen markieren Schlüsselthemen, die besondere Schwerpunkte der Veranstaltung darstellen.

Das sind die Tracks der re:publica 2019:

  • Politics & Society
  • Business & Innovation
  • Arts & Culture
  • Science & Technology
  • Leisure & Lifestyle
  • Media & Journalism
  • Mobilty & City
  • Research & Education

Das sind die Topics der re:publica 2019:

  • Digital Culture Club: Entsprechend des Mottos tl;dr, steht beim Digital Culture Club das Erzählen von Geschichten im Vordergrund.
  • EmanziTech: Veränderung nutzen, um alte Diskriminierungsmuster abzubauen.
  • MEDIA CONVENTION Berlin: Ein Medienkongress der zusammen mit der re:publica stattfindet und unter einem gemeinsamen Ticket läuft.
  • meine Stadt > deine Stadt > keine Stadt: Wie sehen smarte Städte aus und wie werden wir in ihnen leben?
  • Music – Reality Check: Entwicklungen und größere Zusammenhänge an den Schnittstellen von Musik und Technologie.
  • Podcats – Podcasting for the Meme Generation: Podcasts als Informationsquelle in Zeiten des „Information Overload“.
  • re:learn: Die Bildung macht den Sprung ins 21. Jahrhundert.
  • tl;dr: Über die Notwendigkeit, Themen kritisch zu hinterfragen, zu recherchieren und Kontroversen konstruktiv zu nutzen.
  • The Human Touch: Die Schnittstelle, an der Mensch und Digitalität aufeinander treffen.

Der Programmzeitplan wird ab Ende April auf der re:publica-Seite veröffentlicht. Die bislang bestätigten Sessions könnt ihr jedoch bereits einsehen.

Und sonst noch? – Die Fachkonferenzen der re:publica!

Im Umfeld der re:publica finden auch spannende Fachkonferenzen statt. Die Fachkonferenz Events re:loaded – Festivalisierung von Veranstaltungen diskutiert die Digitalisierung der Eventindustrie. Neben der Festivalisierung und dem Community-Buildung, geht es auch um ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit von Events. Auch der Umgang mit Teilnehmer-Daten wird beispielsweise beim Impulsvortrag „Datenschutz und DSGVO – Ein Jahr später“ vom politischen Referenten Ralf Bendrath thematisiert.  

Bei der Fachkonferenz Digital Hemp – Hanf: Das Öl des 21. Jahrhunderts dreht sich hingegen alles um das Potential der Hanfpflanze. Seine vielseitigen Möglichkeiten von Lebensmittel, über Bekleidung, bis hin zum Bio-Kraftstoff und Zellstoff-Plastik, machen ihn zu einem wertvollen Rohstoff der Zukunft. Auf der Digital Hemp werden aber auch der Einsatz von modernen Technologien wie Blockchain und IoT thematisiert. Unter anderem spricht auch Unternehmer Marlon Werkhausen über die digitalen Potentiale von Hanf.

Tickets für die re:publica erhaltet ihr hier. Mit den Tickets zur re:publica könnt ihr ebenfalls die parallel stattfindende MEDIA CONVENTION Berlin besuchen. Zu beiden Fachkonferenzen Events re:loaded und Digital Hemp gibt es allerdings eigene Tickets. Wir wünschen euch viel Spaß auf der re:publica und sehen uns im Getümmel!

 

 

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Nach dem Cebit-Debakel eine deutschlandweit wirksame Plattform für die digitale Gesellschaft schaffen

Folgt man den Recherchen der Wirtschaftswoche, wirkt die Beerdigung der einst größten Computermesse Cebit „wie Selbstmord aus Angst vor dem Tod“. Und das Ende kam überraschend. In meinen Analysen aus den vergangenen Jahren kritisierte ich den Niedergang dieser einst so wegweisenden Veranstaltung als Vertriebsspektakel auf dem Niveau von IT-Heizdeckenverkäufern. Da wurden Prozesse optimiert, CRM-Kanäle strukturiert, Effizienzpotenziale aufpoliert und die IT-Sicherheit fokussiert. Immer stand der Kunde im Mittelpunkt als König, Kaiser oder Papst. Am Ende des Messetages wurden dann noch die Lead-Champions in Corporate-wir-sind-die-Größten-Songs abgefeiert, um danach dem Fachpublikum wieder dümmliche IT-Weisheiten aus den 1990er Jahren an den Kopf zu feuern. Alles natürlich in disruptiv-digital-transformatischer Verpackung, schließlich sah man sich als Avantgarde der kommenden Gigabit-Gesellschaft. Durch den schleppenden Breitbandausbau, wird diese allerdings erst in einigen hundert Jahren zum Vorschein kommen.

Die peinliche Absage der Cebit

So habe ich das in meiner Kolumne skizziert und gefordert, dass die Cebit bunter, offener, kontroverser und digitaler werden muss – ohne IT-Prozess-Schwafelei. In diesem Jahr beim Cebit Business-Festival sah man einen radikalen Wechsel in die richtige Richtung. Jetzt den Stecker zu ziehen, ist peinlich und falsch. Oder in den Worten von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier: „Wo wir überall reden über die größte Herausforderung unserer Generation wäre es eine Dummheit sondergleichen, wenn wir die Cebit nicht bewahren.“ Die Dummheit ist nun Realität geworden. Die niedersächsische Landesregierung, die Bundesregierung und auch Spitzenverbände wie Bitkom sollten sich fragen, ob das Ziehen des Steckers nicht einer falschen und alten Messelogik entspricht.

Kassensturz-Logik nach Kennzahlen des 20. Jahrhunderts

Das Geld würde die Messegesellschaft nur in der Fläche verdienen und da verzeichneten die Macher erhebliche Rückgänge, die das Gesamtprojekt deutlich ins Minus gezogen hätten. Selbst für 2020 gab es keine Perspektive mehr, um die Schieflache zu beseitigen. Das wäre nur durch erheblichen Flächenzuwachs gelungen. Beton und Fläche sind wichtiger als eine durchdachte Strategie für die Positionierung von Digitalthemen. Hausgemachte und künstlich geschaffene Probleme nach dem Diktat des Controllings. Kennzahlen, die ein Fossil aus dem 20. Jahrhundert sind. Nach dieser Kassensturz-Logik würde es Firmen wie Amazon gar nicht geben, kontert Winfried Felser von der Diskussionsplattform Next Act: „Hier sind an einem Tag immaterielle Werte zerstört worden. Ein schmerzlicher Imageverlust für die Digitalisierung.

Verheerender Imageschaden

Für Andreas Gebhard, Mitgründer und Geschäftsführer der Digitalkonferenz re:publica sind die Folgen höchst unangenehm. „Die Absage schadet der Veranstaltungsbranche. Wer soll denn Verlautbarungen von Events noch glauben schenken? Zur Erinnerung: Nach der Cebit 2018 haben sich deren Sprecher mit Erfolgsmeldungen übertroffen. Alle Ziele seien erreicht worden. Und jetzt folgt die Absage. Das ist nicht glaubwürdig“, kritisiert Gebhard im Gespräch mit dem CIO-Kurator Stefan Pfeiffer und dem Autor der Notizamt-Kolumne.

Für alle Beteiligten fühle sich das komisch an. So auch für die Aussteller und Partner, die wohl erst aus der Presse von der Hauruck-Aktion erfahren haben.

„In den vergangenen Jahren gab es auf der Cebit ständige Kurswechsel und Experimente, die aber nie selbstkritisch hinterfragt wurden. Zumindest nicht öffentlich. Man saß auf einem hohen Roß. Neuerungen, die in einem Jahr ganz großartig präsentiert wurden, verschwanden in den Folgejahren in der hintersten Ecke einer Halle. Man hat nie Rückgrat bewiesen, ein Scheitern einzugestehen.“ Da werde halt im stillen Kämmerlein entschieden. Keine Transparenz, keine Kultur der Beteiligung, keine Weisheit der Vielen. „Irgendwann geht die Glaubwürdigkeit verloren und Aussteller sowie Besucher bleiben aus“, moniert Gebhard.

Cebit als Wirtschaftsdrama

Wenn man ein Wirtschaftsdrama auf die Bühne bringen wolle, könnte man Versatzstücke aus dem Niedergang der Cebit verwenden. „Man hat die digitale Transformation der kompletten Messe schlichtweg verschlafen. Es dominierte bis zuletzt eine Prospektsammel-Mentalität“, sagt Pfeiffer. Und die Ausreden am Ende kommen halt aus der klassischen Form der weltweit führenden Unternehmenskommunikation. PR-Wortschwall, wie die bizarre Formulierung von neuen spitzen Fachmessen für die digitale Wirtschaft. „Das ist Satire“, bemerkt Gebhard.

re:publica statt Cebit?

Die re:publica kann die Cebit nicht ersetzen. Aber sie ist durchaus geeignet, die digitale Agenda für unterschiedliche Akteure aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft erlebbar zu machen.

„Wir bringen die Leute aus unterschiedlichen Sektoren zusammen, diskutieren über Politik-, Wirtschafts- und Wissenschaftsthemen. Wir zeigen, wie Innovationen entstehen, und fragen, wie sich das alles auf die Gesellschaft auswirkt. Wir probieren neue Formate wie das Netzfest aus, um nicht nur mit Fachleuten ins Gespräch zu kommen, sondern alle gesellschaftlichen Gruppen zu erreichen“, so Gebhard. Und das würde auch der Cebit-Klientel guttun.

Das Areal am Gleisdreieck ist erweiterbar. Man kann vieles an den Kernbestand der re:publica-Konferenz koppeln – vor, während und nach der dreitägigen Hauptveranstaltung, die jedes Jahr Anfang Mai über die Bühne geht. Der scheidende Cebit-Vorstand Oliver Frese wollte ein Business-Festival mit mehr Musik, mehr guter Laune schaffen – weniger Schlipsträger-Messe. „Ein Viertel unserer Besucher waren in diesem Jahr Frauen“, sagte Frese im FAZ-Gespräch vor ein paar Wochen. Das zum Beispiel sei in der männerdominierten Technikbranche ein großer Erfolg. „Denn in den Vorjahren sind es vielleicht 15 bis 18 Prozent Frauen gewesen.“, sagt Frese.

Außerdem sei das Durchschnittsalter der Besucher deutlich gesunken, auf rund 35 Jahre von zuvor deutlich über 40 Jahren. All das kann die re:publica schon lange vorweisen. Bei den erfolgreich eingereichten Sessions lag der Frauenanteil diesmal bei 50 Prozent. Davon können andere Events nur träumen. Bauen wir doch die re:publica zur deutschlandweiten Dialogplattform für die digitale Gesellschaft aus – in allen Facetten und mit zentralen und dezentralen Dialogformaten.

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Die Deutsche Bank präsentiert #EconomyStories

Deutsche-Bank

Mit der Kampagne #EconomyStories präsentiert die Deutsche Bank momentan das Thema Artificial Intelligence in Business. Im Vordergrund steht dabei der Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Bezüglich dessen berichtet Christian Thurau vom Startup Twenty Billion Neurons, einer der Vorreiter in Europa, über eines der größten Themen des Zeitalters.

Die Deutsche Bank

Die Deutsche Bank AG gilt als größtes Kreditinstitut in Deutschland und seit der Aktienmehrheit an der Deutschen Postbank auch international als eine der systemrelevantesten Großbanken. Gegründet wurde die als Universalbank tätige DB im Jahr 1870 in Berlin. Seit den Jahr 1945 hat die Bank ihren Hauptsitz in Frankfurt am Main, mit wichtigen Niederlassungen in unter anderem Hongkong, London und New York.

Das Unternehmen Twenty Billion Neurons

Twenty Billion Neurons wurde 2015 als Startup in Berlin gegründet. Gemeinsam mit drei Studienfreunden entschied sich CEO Christian Thurau, die Zeichen der Zeit zu nutzen und das Unternehmen aufzuziehen. Durch den riesigen Bedarf in der Wirtschaft und das eigene, notwendige Know-how versucht Twenty Billion Neurons, Künstliche Intelligenz marktfähig zu machen.

Die #EconomyStories-Kampagne

In der aktuellen Kampagne legt das Unternehmen den Fokus auf Zeit in der digitalen Gesellschaft, Transformation und der Industrie sowie digitale Revolution. Ein wichtiger Aspekt des Projekts ist dabei unter anderem künstliche Intelligenz. Die Deutsche Bank hält es dabei für wichtig, die Kompetenzen in der Welt der KI zu erkennen und zu fördern. Zu diesem Zweck investiert das Unternehmen bereits jetzt viel Geld und Zeit in die Forschung. Das Ziel ist dabei, Maschinen die Umwelt genauso wahrnehmen zu lassen wie es die Menschen tun, sowie ihnen das Lernen beizubringen.

Durch Automatisierung in die Zukunft

Man hat die derzeit noch schwer vorstellbaren Vermutungen über eine Zukunft, in der Roboter und Maschinen den Großteil der wichtigen Aufgaben und Arbeiten erledigen. Diesbezüglich teilt die Deutsche Bank die Auffassung, neuartige Technologien zu fördern, zumal diese die Menschen von Arbeit befreien können.

Dieser Überzeugung ist auch Christian Thurau mit Twenty Billion Neurons. Das Wissen über die Welt soll Maschinen beigebracht werden, damit diese komplexe kognitive Aufgaben erfüllen können. Künstliche Intelligenz ist schon unter uns, dennoch ist man im Bereich der industriellen Automatisierung noch ganz am Anfang.

Artificial Intelligence würde ein Bewusstsein für die Automatisierung weiter stärken und zu einer Transformation, vor allem in der Industrie, führen. Damit kann die Zeit der digitalen Gesellschaft gestartet und der Mensch nach und nach von Arbeit befreit werden. Die Kampagne #EconomyStories hilft derweil, dieses Bestreben weiter zu unterstützen und eine künftige Welt zu schaffen, die die digitale Revolution aktiv vorantreibt.


Dieser Artikel erschien in Kooperation mit der Deutschen Bank

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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • DIGITALISIERUNG politik-digital: Digitale Grundrechte für alle – Veröffentlichung einer EU-Digitalcharta: Die digitale Politik hat akute Probleme und diese sollen heute in mehreren deutschen Tageszeitungen angesprochen werden. 27 Initiatoren aus der digitalen deutschen Gesellschafft haben es sich zur Aufgabe gemacht, mittels einer Digitalcharta auf Probleme in der EU-Netzpolitik hinzuweisen. Zentrale Themen sind Datensicherheit und informationelle Selbstbestimmung des Einzelnen, aber auch Richtlinien künstlicher Intelligenz sowie der Umgang mit Hassreden im Internet. Die Digitalcharta kann hier abgerufen werden.

  • DATENSCHUTZ sueddeutsche: Hunderttausende Kontonummern von Mitfahrgelegenheit.de-Kunden gestohlen: Auf unseren Smartphones tragen wir eine Vielzahl sensible Daten mit uns herum, Datenschutz ist hier essentiell. Die Mitfahr-App Mitfahrgelegenheit.de gibt es zwar seit etwa Anfang des Jahres nicht mehr, aber ehemalige Nutzer hatten jetzt trotzdem ein böses Erwachen. Rund 15 % der Nutzer von Mitfahrgelegenheit.de und Mitfahrzentrale.de wurden jetzt Opfer eines Datendiebstahls. In Umlauf gekommen sind dadurch mehrere Hunderausend Kontonummern, sowie E-Mail-Adressen oder Handynummern. Das Unternehmen hinter der App hat für Betroffene eine kostenlose Hotline eingerichtet.

  • NETFLIX heise: Netflix führt Download-Funktion für Offline-Wiedergabe ein: Netflix ist der wohl beliebteste Anbieter für Online-Streaming-Dienste, nur blöd, dass es noch nicht ansatzweise für jeden Nutzer möglich ist, einwandfrei mobil zu streamen. Daher soll die neue Download-Funktion der App Abhilfe verschaffen. Ausgewählte Serien und Filme können auf iOs- und Android-Geräte heruntergeladen und dann ohne Internetverbindung angesehen werden. Für die Funktion wird die aktuelle Version der App, sowie einiges an Speicherplatz benötigt. Eine Liste der zum Download verfügbaren Titel ist in der App vorhanden.

  • STUDIVZ t3n: Ach, das gibt’s noch? StudiVZ wird mal wieder verkauft: Was gab’s nochmal vor Facebook? Wir wissen, dass es schwer ist, sich an eine Zeit vor dem Social-Media-Übervater zu erinnern, aber da war ja noch StudiVZ! Das 2005 gegründete Netzwerk konnte zu Spitzenzeiten rund 16 Millionen Nutzer auf sich vereinen, was nach einer ersten Übernahme 2007 bereits 85 Millionen Euro einbrachte. Mit dem radikalen Aufstieg Facebooks ging das Netzwerk 2012 wieder in den Verkauf. Fast forward zu heute: Im Januar soll StudiVZ für nunmehr nur noch 10 Millionen verkauft werden. Lohnen soll sich der Kauf nach eigener Aussage des Käufers MEG trotzdem, denn StudiVZ und Schwester-Netzwerk MeinVZ können heute noch 10 Millionen registrierte Nutzer verbuchen.

  • TRUMP welt: Wer Donald Trump nicht mag, braucht diese App: Die, richtig gelesen, sogenannte “Anti-Trump-Organisation” hat jetzt eine App entwickelt, die zu einem Trump-Boykott des designierten Präsidenten aufruft. Rund 250 Firmen, Marken, Produkte oder Organisationen, die in irgendeiner Form mit dem Trump-Kosmos zu tun haben sind in der App aufgelistet. Laut eigener Aussage der Entwickler soll die App den Unternehmer an seiner sensibelsten Stelle treffen: dem Portemonnaie. Ein erster Blick auf die Liste last diese auch als rigoros erscheinen, selbst Unternehmen oder Vereine sind aufgelistet, die selbst gar keine Trump-Produkte führen, sondern sich „nur“ als Fan ausgesprochen haben. Anti-Trump-Einstellung schön und gut, unproblematisch ist eine solche Liste für den “kleinen Mann” im Einzelhandel einer der aufgeführten Unternehmen aber nicht.

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Netzpiloten sind Partner der re:publica in Dublin

In Dublin beginnt am 20. Oktober die diesjährige re:publica – Europas größte Konferenz zu den Themen digitale Gesellschaft und Internet. Auch in diesem Jahr gibt es wieder interessante Diskussionen und Vorträge, die sich dieses Mal vor allem mit Datenschutz, FinTech und Überwachung beschäftigen. Aber auch anschauliche Beispiele wie die Kult-App Pokemon Go wird bei dieser Konferenz nicht außer Acht gelassen, denn hier geht es nicht nur um den Spieletrend an sich, sondern auch um die rechtlichen Aspekte in Bezug auf die eigenen Daten. Hierzu wird Shermin Voshmgir, Gründerin des Berliner BlockchainHub, genauer darauf eingehen.

Neben einem vielfältigen Programm findet man viele weitere Speaker wie unter anderem Rachel O‘Dwyer und Prof. Peter Neumann, die zudem spannende Vorträge zu Themen wie Social Media und Terrorismus halten werden.

Wer also eine spannende Konferenz mit den interessantesten Themen rund um die digitale Gesellschaft nicht verpassen möchte, der sollte sich schnell noch Tickets für die re:publica am 20. Oktober in Irland besorgen.

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Schlau, aber abgehängt: Smartphones sorgen für eine digitale Zwei-Klassen-Gesellschaft

mobile (Image by cicwdn [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Manch einer würde behaupten, dass der rasche Aufstieg des mobilen Zugriffs in der Theorie keine gute Idee für Einzelpersonen und die Gesellschaft war. Eine Öffentlichkeit, die verknüpfter ist, ist auch informierter. Ein gesteigertes mobiles Vordringen bedeutet, dass sich mehr Menschen öfter als jemals zuvor miteinander verbinden können.

Aber einem neuen Bericht des Shorenstein Center on Media, Politics and Public Policy aus Harvard zufolge gibt es eine dunkle Seite der mobilen Revolution, die befürchten lässt, dass eine weniger beteiligte, „zweitklassige“ Nutzerschaft entsteht, die nicht so sehr von der mobilen Übernahme profitieren wie man annehmen könnte. Eine mobilere Öffentlichkeit könnte, paradoxerweise, eine weniger informierte werden.

Johanna Dunaway, ein ehemaliges Mitglied von Shorenstein und Verantwortliche für den Report, macht die Smartphones selbst für diese Entwicklung verantwortlich. Dank der Kombination von kleineren Bildschirmen, langsamerer Verbindungsgeschwindigkeit und unterschiedlichen Datenpreise sind mobile Geräte in vielerlei Hinsicht keine geeigneten Überträger der Nachrichtennutzung.

Mithilfe einer Eye-Tracking-Software konnten Dunaway und ihre Kollegen beobachten, wie sich Menschen mit Nachrichten auf ihren Handys beschäftigen. Ihr Ergebnis: „Wir fanden heraus, dass im Vergleich zu Computernutzern die Handynutzer weniger Zeit mit dem Lesen von Nachrichteninhalten verbrachten. Sie haben die Links auch nach längerer Nutzung seltener bemerkt und verfolgt.“ sagt Dunaway.

Ihre Befunde wurden von vorherigen Daten von Pew Research unterstützt, die herausfanden, dass, während die meisten Seiten mehr Besucher per Smartphones als über PCs kriegen, die Leser dazu tendieren, weniger Zeit mit dem Lesen als an mobilen Geräten zu verbringen.

Image via Nieman Lab
Image via Nieman Lab

In Anbetracht dessen, dass voraussichtlich bis 2020 zwei Drittel der Onlineaktivität auf mobilen Geräten geschehen wird, sind die Auswirkungen einer mobil dominierten Öffentlichkeit laut dem Bericht recht finster.

Dunaway sieht eine Verbindung zwischen den Risiken von Handys zu vielen anderen Herausforderungen der Nachrichtenagenturen. Diese haben Probleme, die Menschen in einem Medienökosystem zu informieren, das von Auswahl, Fragmentierung und der Anziehung von Nachrichtennutzern zu Quellen, die ihre Ansichten beweisen und Neigungen durchsetzen, dominiert wird.

Letztendlich bedeutet dies, dass Smartphones zwar den Nachrichtenagenturen helfen, mehr Menschen als je zuvor zu erreichen, das Problem jedoch darin besteht, dass diese mobilen Nachrichtennutzer weniger beschäftigt und weniger informiert sind. Sie werden wahrscheinlich mehr Aufmerksamkeit den Sport- und Unterhaltungsnachrichten als der politischen Berichterstattung widmen. Des Weiteren ist die Übernahme des Handys am deutlichsten in Kreisen von Latinos, Schwarzen und Amerikanern mit geringem Einkommen, was noch einmal eigene Herausforderungen hervorbringt, zeigt Dunaway auf:

    „Es könnte richtig sein, daraus zu schließen, dass wir ein Zeitalter einer zweitklassigen digitalen Bürgerschaft betreten, geführt von einer ausschließlich mobilen digitalen Unterschicht.
    Ein denkbares Ergebnis ist eine größer werdende Lücke zwischen denen, die politisch interessiert und informiert sind und denen, die es nicht sind. Setzt man voraus, dass diese Lücke entlang der Einkommens-, Rassen-, Ethik- und Berufsgruppen entsteht, könnte der Effekt eine Beschleunigung der Kluft zwischen Reich und Arm in Amerika nach sich ziehen – und dies zu einer Zeit, in der diese Schwelle bereits der Grund für politische Sorgen und Unruhen sind.“

Dieser Artikel erschien zuerst auf “Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „Mobile“ by cicwdn (CC0 Public Domain)


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Über die Existenz der Generation Y

Wandern (image by Unsplash (CC0 Public Domain) via Pixabay)new

Keine Gruppe der Gesellschaft ist in den Medien zurzeit so präsent wie sie. Die einen schwärzen sie an, die anderen verteidigen sie und die dritten bezweifeln, dass sie überhaupt existiert: die Generation Y. Das Y im Namen bezeichnet sie als Nachfolger der Generation X und wird zudem von vielen als „Why“ gelesen. Die Generation, die ständig hinterfragt und ganz spezielle Vorstellungen vom Leben und der Arbeitswelt hat, wird auch als Facebook-Generation, iGeneration oder Millenials betitelt. Ob diese Beschreibungen für ihre Vertreter wirklich passend sind, sei zunächst dahingestellt. Fest steht: Die junge Generation sorgt momentan für so viel Diskussion wie keine andere.

Das Profil einer Generation

Um sich näher mit der Generation auseinanderzusetzen, sollte einem zunächst bewusst sein, mit wem man sich im Einzelnen befasst. Grob werden der Generation Y alle zugeordnet, die zwischen den 80er Jahren und Mitte der 90er Jahre geboren wurden. Allerdings zählen zu den Ypsilonern längst nicht alle 20- bis 30-Jährigen. Das Phänomen beschreibt einen Teil dieser Generation, den man als eine Art Elite bezeichnen könnte, da seine Mitglieder mit dem Privileg finanzieller Absicherung und einer guten Bildung aufgewachsen sind. Er macht gerade einmal 25 Prozent dieser Altersgruppe aus. Zudem zeichnet die Generation vor allem auch eine spezielle Lebenseinstellung aus.

Hannah Bahl, Generation-Y-Expertin und selbst Ypsilonerin, nennt vier wesentliche Begriffe für die Generation, die gleichzeitig die wichtigsten Thesen über sie formulieren: Balance, Netzwerk, Serendipity und Resilienz.

  • Mit ihrem Wunsch, im Privatleben, aber dazu vor allem auch im Beruf glücklich zu sein, geht die Generation große Risiken ein. Wenn auch finanziell abgesichert, ist sie in einer Welt voller Arbeits-, Terror- und Umweltkrisen aufgewachsen. Sie steht so der Herausforderung gegenüber, in einem Leben voller Risiken und Unbeständigkeit, ihre Balance zu finden.
  • Die ständige Erreichbarkeit und starke Vernetzung der heutigen Gesellschaft zeichnet auch die Generation Y aus. Sie wird deshalb gerne auch als Digital Natives oder Internet-Generation bezeichnet, wobei ihnen in dieser Hinsicht die nachfolgenden Generationen schon ein ganzes Stück voraus sind.
  • Mit Serendipity bezeichnet Hannah Bahl eine Art Lebensgefühl der Generation. Es beschreibt die Offenheit und Neugier, die für die Suche nach etwas Unerwartetem nötig sind. In der Welt der unendlichen Möglichkeiten auf beruflicher Ebene und im Privatleben sei die Generation von der Hoffnung gekennzeichnet, trotzdem irgendwann ein Ziel zu erreichen.
  • Mit all dem geht auch der vierte Begriff einher, den Bahl mit ihrer Generation assoziiert: Resilienz. Sie beschreibt die Fähigkeit, flexibel mit Veränderungen und Instabilität umzugehen und bietet die Voraussetzung dafür, seine Balance zwischen Freiheit und Sicherheit zu finden.

Ansprüche an das Leben

Durch ihren Hang zur Selbstreflexion und dem Hervorheben der eigenen Wünsche, wird die Generation Y gern als egoistisch bezeichnet. Es dürfte eigentlich überflüssig sein, anzumerken, dass eine solche Pauschalisierung in keiner Generation greifen kann. Dennoch lässt sich der Vorwurf erklären, so Bahl:

Wenn wir fallen, klopfen wir uns kurz ab, rappeln uns wieder auf und machen weiter. Das spannende daran ist, denke ich, dass, wenn nichts mehr sicher ist, das Selbst im Umkehrschluss das Einzige ist, auf das man sich noch verlassen kann, was natürlich erklären würde warum diese Generation manchmal durchaus auch etwas egozentrische Tendenzen hat. Das Ru?ckbesinnen auf sich selbst und das In-Balance-bleiben, das der Generation Y ha?ufig als Egoismus vorgeworfen wird, ist somit wahrscheinlich einfach eine Methode, um die weitere eigene Handlungsfähigkeit im Netzwerk zu garantieren.

Es stellt sich die Frage, ob eine solche Rückbesinnung auf das eigene Ich nicht auch Vorteile mit sich bringt. Die hohen Ansprüche der Millenials und der beispielhafte Wunsch nach weniger Hierarchie im Job erwecken nicht den Anschein egoistischer Forderungen. Eine Veränderung der Strukturen könnte sich positiv auf die gesamte Arbeitswelt auswirken. „Gerade wenn es um die Frage, wie wir arbeiten und leben wollen geht, sind die Themen ja immer über-generational und ich glaube, dass auch ein 55-jähriger Mitarbeiter Lust hat, ein Sabbatical zu nehmen, das aber vielleicht nicht so vehement einfordern würde wie Generation Y es tut.“ , so die Generation-Y-Expertin.

Das Generationenkonstrukt

Bei all der Diskussion um die Generation Y, stellen sich einige die Frage, ob sie überhaupt existiert und ob sie den ganzen Medienwirbel wirklich wert ist. Der Grund dafür ist vor allem die Tatsache, dass die Generation Y neben ihrer realen Erscheinung auch ein Konstrukt ist, ein Modell für die Gesellschaft. Und auch für Unternehmen, die versuchen, Zielgruppen besser zu verstehen und sich diesen anzupassen. Wiederum bedeutet das nicht, dass die Generation in der Gesellschaft nicht existiert. Bei all der Analyse und den Zuordnungen sollte bloß vor allem nicht außer Acht gelassen werden, dass die Generation der Ypsiloner – wohl noch mehr als ihre Vorgänger – auch eine sehr vielseitige Generation ist. Das ist es auch, was beispielsweise der Komiker Adam Conver in seiner Präsentation „Millenials don’t exist“ auf etwas überspitztere Weise vermittelt. Die zunehmende Heterogenität der Gesellschaft und so auch der Generation Y wird in der ganzen Debatte oft hinter stereotypischen Charakterisierungen versteckt.

Die Herausforderungen der Zukunft

Worauf muss sich die Generation Y in Zukunft einstellen und wie wird sie diese selbst mitgestalten? Oder wird ihr in den Medien gar zu viel Aufmerksamkeit geschenkt? Die Generation der Millenials hat bereits einen Teil zur gesellschaftlichen Veränderung beigetragen. Ihre Herausforderung besteht jetzt darin, ihre Ziele weiterhin zu verfolgen und sich nicht von der Welle der Kritik aufhalten zu lassen. Daneben sieht Bahl auch eine Aufgabe darin, trotz der zunehmenden Vernetzung einen gewissen Abstand zur Beschleunigung zu finden:

Kämpferisch und fordernd zu bleiben und nicht den Fokus auf die Dinge, die man verändern möchte zu verlieren (in der gesamten Masse der Möglichkeiten, die sich so auf tun) ist, glaube ich, eine der großen Herausforderungen. Außerdem die große Frage, wie man sich Ruhepunkte schafft in einer Gesellschaft, die im Netzwerk einfach durch eine unfassbare Schnelligkeit geprägt ist.

Was ihre mediale Präsenz angeht, ist die Generation Y nicht die einzige, der eine derartige Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Durch die Beschleunigung der Gesellschaft und der Verbreitung von Nachrichten in den Medien ist eine so lebhafte Diskussion allerdings erst in dieser Generation möglich geworden. Der Meinung ist auch die Expertin: „Ich denke, dass man die Aufmerksamkeit wieder in eine intergenerationale Diskussion in der Gesellschaft zurückbringen müsste, um die Frage zu beantworten, wie wir alle gemeinsam zusammen leben wollen.“ Vielleicht ist genau das der richtige Ansatz, die Diskussion um die Generation Y zu betrachten. Denn schließlich besteht die Gesellschaft nicht ausschließlich aus Ypsilonern. Zudem wartet die nächste Generation bestimmt schon auf ihren eigenen großen Auftritt: Die wirklich wahren Digital Natives der Generation Z.

Der Artikel beinhaltet Ausschnitte eines Interviews mit Hannah Bahl. Die kompletten Antworten der Generation-Y-Expertin gibt es hier.


Image „Wandern“ by Unsplash (CC0 Public Domain)


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Bots: Warum wir bald mit Künstlicher Intelligenz chatten werden

Tomy Chatbot (adapted) (Image by ?? Michele M. F. [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

“Bist du Mann oder Frau?” “Wie alt bist du?” “Kannst du mir deine Position schicken?” Wer mal mit einem Bot plaudern will, der braucht sich dazu nur die Messaging-App Telegram installieren und mit dem @HotOrBot einen Chat anfangen. Sein Versprechen: Er sucht relevante Flirtpartner in der Umgebung, die den eigenen Vorstellungen entsprechen. Noch ist das natürlich eine ziemlich abgespeckte Version einer künstlichen Intelligenz, aber sie lässt den Nutzer zumindest erahnen, in welche Richtung sich die Angelegenheit entwickeln kann.

Telegram sieht sich als Vorreiter bei Bot-Technologie. Bereits im Sommer 2015 haben die Macher der App mit 100 Millionen monatlichen Nutzern eine Bot-Plattform gestartet, über die Entwickler ähnlich einem App-Store ihre Bots (die abgekürzte Version von “Robot”) anbieten können. So gibt es auch einen @ImageBot, der sich auf die Suche nach gewünschten Bildern (z.B. “happy dog”) machen kann, einen @PollBot, mit dessen Hilfe man Umfragen erstellen kann, oder gar einen @StoreBot, der andere Bots empfiehlt. Telegram erlaubt diesen Bots mittlerweile auch, in die Chats der Menschen hineinzufunken. Über die Befehle @gif, @vid, @pic, @bing, @wiki, @imdb und @bold kann man sie kleine Aufgaben verrichten lassen, während man weiter mit Freunden chattet.

Auch Facebook will Bots

Bots wie bei Telegram wird man bald auch in anderen Messaging-Apps sehen. Am 12. und 13. April hält Facebook seine F8-Entwicklerkonferenz ab und Gerüchten zufolge will man dort eine eigene Bot-Plattform für die Messenger-App vorstellen. Diese automatisierten Chat-Kontakte gibt es in den USA testweise bereits jetzt: Über den Messenger kann man etwa ein Uber-Taxi rufen oder bei Flügen der KLM einchecken. Künftig sollen Unternehmen und Software-Entwickler wie in einem App-Store eine ganze Reihe weiterer nützlicher Bot-Gehilfen anbieten können.

Auch Microsoft will im Bot-Geschäft mitmischen: Für seine VoIP/Chat-Software Skype werden ebenfalls Bots getestet, die über die “Skype Bot Platform” angeboten werden sollen. Wie schlecht das noch funktioniert, zeigt das Beispiel des Chatbots Tay. Eigentlich hätte Tay von Nutzern lernen sollen, wie junge Menschen sprechen. Doch die User fütterten ihn mit rassistischen Inhalten, die Tay wiederholte – nein, Künstliche Intelligenz ist das noch nicht.

Google ist gefordert

Für Facebook und Microsoft stellen ihre Kommunikations-Plattformen Messenger, Skype oder WhatsApp aber auf jeden Fall das Vehikel für ihre Künstlichen Intelligenzen dar. Microsofts “Cortana” und Facebooks “M” sollen die Dolmetscher zwischen Mensch und Maschine sein, also die KIs, die den User verstehen, seine Anfragen an Software und Datenbanken weitergeben und die Ergebnisse in einfach verstehbarer Form zurückliefern – und zwar im Chatfenster der Messaging-App.

Ob die Nutzer der Messaging-Apps auf diesen Zug aufspringen, bleibt erst einmal abzuwarten. Läuft die Sache groß an, dann ist vor allem Google gefordert. Denn wer in einer Messaging-App nach allem fragen kann und Antworten von Bots bekommt, muss (zumindest mobil) nicht mehr die Google-Suche anwerfen. Für Facebook und Microsoft wiederum sollen die Bots Geld abwerfen: Denn jedes Mal, wenn einer der Bots dem Nutzer etwas verkauft (z.B. eine Taxifahrt, eine Pizza-Lieferung oder eine Hotelbuchung), könnten sich die IT-Riesen am Umsatz beteiligen lassen.


Image (adapted) “Tomy Chatbot” by ?? Michele M. F. (CC BY-SA 2.0)


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Netzneutralität: Ein bisschen neutral?

NYC Rolling Rebellion Advocates for Net Neutrality and Takes on TPP & Fast Track (adapted) (Image by Backbone Campaign [CC BY 2.0] via Flickr)

Die am Dienstag von der EU beschlossene Regelung zur Netzneutralität ist unklar und lässt Hintertüren offen – zum Schaden des freien Internet. Die EU-Politiker bekannten sich zwar grundsätzlich zur Netzneutralität. Gleichzeitig wurden jedoch auch Ausnahmen beschlossen. Nicht näher definierte “spezielle Dienste” höherer Qualität sollen bevorzugt behandelt werden dürfen, wenn dies “notwendig” ist und sie damit die sonstige Datenübertragung nicht beeinträchtigen. Das lässt natürlich viel Spielraum für Interpretationen – und wirft die grundsätzliche Frage auf, ob ein bisschen Neutralität überhaupt möglich ist oder ob das freie Internet hier gerade stillschweigend geopfert wurde.

Netzneutralität: Freiheit und Gleichheit für Datenpakete

Unter Netzneutralität versteht man das gleichberechtigte Behandeln aller Datenpakete. Das heißt, dass alle Daten, seien es private Urlaubsfotos, kommerzielle Video-Streams oder das Programm professioneller Nachrichtenagenturen, so schnell weitergeleitet werden, wie es die technischen Möglichkeiten erlauben. Keine Übertragung hat gegenüber einer anderen Priorität.

Von Beginn des Internet an herrschte dort Netzneutralität. Die Geschwindigkeit der Datenübertragung hing von technischen Faktoren ab, nicht davon, ob ein Paket als wichtig eingestuft wurde, oder nicht. Die nun getroffene Einigung, könnte das erste großflächige Abweichen von diesem Prinzip darstellen.

In einem Internet, das nicht mehr neutral ist, drohen gleich in mehrerer Hinsicht negative Konsequenzen. Einerseits gibt natürlich die Möglichkeit, seinen Daten eine bevorzugte Behandlung zu erkaufen, großen, finanzstarken Konzernen viel Macht in die Hand. Die Leidtragenden wären Privatpersonen, kleine Startups, NGOs, und alle anderen, die sich die Überholspur auf der Datenautobahn nicht leisten können oder wollen. Einer der Vorzüge des Internets war immer, dass seine Nutzer dort gleichberechtigt kommunizieren und Informationen austauschen konnten. Eine Abkehr von der Netzneutralität untergräbt diese Vorzüge.

Andere Bedenken sind eher technischer Natur. Um zu wissen, welche Pakete eine Vorzugsbehandlung erhalten sollen, müssen die bei einem Netzwerk-Knotenpunkt ankommenden Daten zunächst einmal überprüft und gefiltert werden, etwa mit der sogenannten “Deep Packet Inspection”. Es liegt auf der Hand, dass diese Filter und die von ihnen gesammelten Daten leicht auch missbräuchlich verwendet werden könnten. In einer Zeit, in der sich die Meldungen über massive Internet- und sonstige Telekommunikationsüberwachung derart häufen, sollte das zu denken geben.

Die Netzneutralität ist also ein durchaus wichtiges Prinzip im Internet – dem Medium, ohne das heute nur noch die wenigsten Menschen ihr Arbeitsleben und ihre Freizeit gestalten. Leider ist das öffentliche Bewusstsein für dieses Thema noch immer schwach ausgeprägt. Allerdings tragen Kampagnen wie etwa die Petition von netzpolitik.org-Chefredakteur Markus Beckedahl in letzter Zeit dazu bei, diesen Zustand schrittweise zu ändern.

Neutral mit Ausnahmen

In der Nacht von Montag auf Dienstag einigten sich das EU-Parlament, die EU-Kommission und die Vertreter der EU-Mitgliedsstaaten, nicht nur auf die Abschaffung der Roaminggebühren für mobiles Internet-Surfen bis zum Jahr 2017. Außerdem wurde, von nicht-technikaffinen Menschen weniger beachtet, auch eine Regelung zur Netzneutralität beschlossen.

Dieser Regelung zufolge, soll das Internet zwar weiterhin grundsätzlich neutral sein, es gibt jedoch Ausnahmen für “spezielle Dienste”, die, wenn sie einen nicht näher bezeichneten Bedarf nachweisen können, Sonderrechte erhalten sollen.

Kritik von Experten und Aktivisten

Wenig überraschend sorgte der EU-Beschluss bei Befürwortern der Netzneutralität für Kritik. “Das ist eine Ja/Nein-Frage, entweder haben wir ein neutrales Netz oder nicht. Wir haben keines mehr”, so der Grünen-Abgeordnete Michel Reimon, der bei den nächtlichen Diskussionen dabei war. Auch der europäische Aktivisten-Dachverband “European Digital Rights” (EDRi) kritisierte die Einigung. In einer Stellungnahme spricht EDRi von einer “chaotischen, unscharfen und mehrdeutigen” Regelung, die erst durch Zusatzklauseln oder Richterurteile eine gewisse Klarheit erlangen könnte. Noch kritischer ist der deutsche Verein “Digitale Gesellschaft”. “In den Trilog-Verhandlungen wurde Europas digitale Zukunft zu Grabe getragen. Das Parlament hat nun die historische Chance, das Steuer in letzter Sekunde herumzureißen und sich der Abschaffung der Netzneutralität mit Nachdruck entgegen zu stemmen”, erklärte Geschäftsführer Alexander Sander.

Ein bisschen neutral ist sehr unfrei

Die Kritik ist berechtigt. Nicht nur ergibt es, wie von Reimon angemahnt, konzeptionell und rhetorisch keinen Sinn, einerseits Neutralität zu proklamieren, andererseits dieses Prinzip dann aber sofort wieder aufzuweichen; nicht nur ist die nun gefundene Regelung uneindeutig und chaotisch. Die Vergangenheit hat auch gezeigt, dass einmal in derartige Gesetze eingebaute Hintertüren und Ausnahmeregelungen nur allzu oft die erste Bresche sind, durch die dann der Angriff auf die Freiheitsrechte weitergeführt wird. Mit der Zeit könnte die Notwendigkeit für die digitale Überholspur immer großzügiger ausgelegt werden, ebenso wie die Definition spezieller Dienste. Der Text des Beschlusses gibt das her, und es gibt gerade in der Digitalpolitik genug Präzedenzfälle, um eine solche Entwicklung nicht nur denkbar, sondern sogar wahrscheinlich erscheinen zu lassen.

Noch gibt es die Hoffnung, dass der nun getroffene Beschluss nicht endgültig ist oder dass er zumindest durch Zusatzklauseln entschärft wird. Wem die Netzneutralität wichtig ist, der sollte sich dafür einsetzen, dass es so kommt – bevor aus “einem bisschen Neutralität” schnell sehr wenig Freiheit im digitalen Raum wird.


Image (adapted) “NYC Rolling Rebellion Advocates for Net Neutrality and Takes on TPP & Fast Track” by Backbone Campaign (CC BY 2.0)


 

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Zehn Irrtümer zum Einsatz digitaler Medien in Unternehmen

Jelly Atlanta Coworking @ Octane (adapted) (Image by Mike Schinkel [CC BY 2.0] via Flickr)

Wir stecken mitten im Wandel der Arbeitswelt durch die Digitalisierung. Die Drei-Tage-Arbeitswoche wird kommen. Nicht alle finden das toll. Viele Menschen haben derzeit Angst vor den sich abzeichnenden Veränderungen – aus sehr unterschiedlichen Gründen. Vor allem im deutschsprachigen Raum, da wir viel zu verlieren haben. Für einen Vortrag zur Sensibilisierung bei einem Kunden griff ich die 10 Irrtümer zum Einsatz digitaler Medien in Schulen von Christian Spannagel auf – und passte sie für Unternehmen an. Hier ein paar meiner Überlegungen.

Zehn Irrtümer zum Einsatz digitaler Medien in Unternehmen

Irrtum Nummer Eins: Digitale Themen sind nur was für (möchtegern) junge Menschen.

Die so genannten „Digital Natives“ gibt es gar nicht, das wissen wir heute. Sie pflegen maximal einen entspannteren Umgang mit digitalen Technologien. Wenn überhaupt. Aber es gibt keinen kausalen Zusammenhang zwischen Alter und Netzkompetenz: Sie müssen genauso lernen, wie Buchhaltung im Rechner funktioniert. Oder kollaboratives Arbeiten. Oder: Datenschutz und ein kooperatives Urheberrecht. Oder im Video einen Spannungsbogen aufbauen, der auch für Mutti funktioniert.

Das liegt alles nicht in den Genen der jungen Menschen. Sie müssen es lernen, wie Ältere auch.

Irrtum Nummer Zwei: Die Führungsspitze ist zuständig für die Marke in der digitalen Zukunft.

Diesen Kurzschluss von „Social Media = Marketing“ haben Marketer erfolgreich in den Köpfen implementiert. Aber er ist deutlich zu kurz gegriffen. Er entspricht altem Denken: Man hat irgendein Produkt und muss es “nur” in den Markt drücken.

Heute wissen wir: Die Menschen da draußen haben Probleme und Bedürfnisse und man muss es schaffen, ihnen zeitgemäße Lösungen anzubieten. Das war im Prinzip schon immer so. Nur ist heute der Wettbewerb ein anderer und Branchenfremde denken die Geschäftsmodelle ganz neu.

Da sich zudem Bedürfnisse und Probleme fortlaufend ändern, müssen sich meist auch die Lösungen ändern. Dazu gibt es jede Menge berühmter Beispiele, wie sich heute erfolgreiche Firmen im Laufe der Zeit verändert haben: Nokia startete als Papierfabrik; Starbucks als Espresso-Maschinenanbieter, Suzuki als Webstuhl-Anbieter.

Diese radikalen Veränderungen verlangen eine gehörige Offenheit in der Belegschaft und auch eine kreative, kooperative Zusammenarbeit im Team oder Unternehmen. Es geht demnach nicht nur um Vermarktung, sondern um eine Lösungsorientierung, die von innen heraus gelebt werden muss. Dabei können digitale Technologien helfen.

Irrtum Nummer Drei: Das Unternehmen muss im Netz die Kontrolle bewahren.

Es herrscht in vielen Unternehmen die Angst nicht zu wissen, wer was wo macht. Diese Angst ist begründet, wenn die interne Stimmung schlecht ist. Dann werden Social-Media-Guidelines und interne Abstimmungsprozesse definiert, die versuchen aufzufangen, was publiziert wird.

Die Wirkung des Unternehmens verläuft jedoch von innen nach außen, und zwar in die sozialen Netzwerke hinein – dort entscheidet sich der Erfolg der meisten Unternehmen. Sowohl im B2C- als auch im B2B-Bereich, was heute lieber H2H genannt wird: „From Human to Human“.

Stimmen also intern die Prozesse mit flacheren Hierarchien und transparenteren Kommunikationskanälen, wo jeder sieht, was der andere macht, können sich Mitarbeiter/-innen effizienter austauschen und ein gemeinsames Bild entwickeln und nach außen vermitteln.

Das Unternehmen atmet dann. Es braucht weniger Kontrolle darüber, was die Mitarbeiter/-innen sagen, sondern muss „nur“ darauf reagieren, was die Kunden sagen.

Irrtum Nummer Vier: Maschinen lösen die Menschen ab (und machen Menschen überflüssig).

Jeremy Rifkin hat auf seiner Vortragstour zu seinem neuen Buch Die Null-Grenzkosten-Gesellschaft angeführt, dass es noch zwei Generationen braucht bis Maschinen die unliebsame Arbeit übernehmen und wir uns den wichtigeren, sozialen Fragen zuwenden können.

Die Maschinen übernehmen also unsere derzeitige Arbeit – was aber gar nicht schlimm ist. Es braucht bis dahin „lediglich“ eines neuen Gesellschaftsvertrages, um die Produktivitätsgewinne gerechter zu verteilen.

Bis zu diesem Zeitpunkt gilt es, diese Veränderungen als Herausforderung zu sehen. Wir müssen uns alle weiter entwickeln – niemand bringt das von Haus aus mit. Außerdem müssen wir die zwischenmenschlichen Qualitäten suchen, um diese als USP der intelligenten, empathischen, kreativen Menschheit weiterzuentwickeln. Daraus entstehen dann neue Berufsbilder, die heute noch völlig unbekannt sind.

Irrtum Nummer Fünf: Digitale Medien sind eher ein Freizeit-Instrument.

Bis heute ist die Nutzung von Facebook und sozialen Medien in Firmen oft verboten, weil sie primär als private Werkzeuge wahrgenommen werden. Daher stammt das Vorurteil, digitale Medien dienten vorrangig dem Spaß und Vergnügen.

Diesem Verständnis liegt ein alter Medien-Begriff zugrunde – zumindest in der westlichen Welt, die mit Medien einen Konsumbegriff verbinden. Das ist ein fataler Irrtum, denn Digitalien stellt vor allem einen umfassenden Werkzeugkoffer für die Arbeit zur Verfügung, in den immer wieder neue Werkzeuge rein gelegt werden. Das ist erst der Anfang. Und die Werkzeuge werden immer einfacher zu handhaben, so dass selbst die Arbeit Spaß machen kann.

Jedoch halten Institutionen meist zu lange an ihren alten, teuren Systemen fest, obwohl sie kaum jemand nutzt. Dann nutzen die Leute lieber ihre aus dem Privatleben bekannten Dienste – auch teilweise illegal, weil diese es einem eben bequemer machen. Dropbox zum Beispiel, oder Skype, oder eben Facebook. So kursieren Dokumente und Gespräche im offenen Netz, wo wirklich niemand mehr die Kontrolle hat – außer der NSA …

Das kann man als Firma nicht verhindern. Man kann nur ein Problembewusstsein schaffen – und eine zeitgemäße Arbeitsumgebung.

Irrtum Nummer Sechs: Digitale Medien lösen analoge ab (und es braucht keine neuen Konzepte).

Digitalien ist mehr als nur ein paar bunte Bildchen und Multimedia. Das Neue ist der soziale, interaktive Charakter mit Netzwerk-Effekten. Daraus leiten sich neue Business-Konzepte ab – komplett neue, die alte Konzepte auf eine neue Stufe hieven. Erst recht, wenn wir das Potenzial von Smartphones mitdenken, wenn erst einmal das Bandbreiten-Problem gelöst ist.

Schauen wir uns die Musikindustrie an: Heute sind Konzerte wieder total in. Weil Musikhören im Alltag nichts mehr kostet, entwickeln sich neue Geschäftsmodelle.

Es ist soviel denkbar, wenn man sich kreativ darauf einlässt. Die entscheidende Frage heute ist nicht mehr: Wie kann ich dem Kunden möglichst viel verkaufen? Sondern zentral ist heute: Wie können wir unserem Kunden noch mehr helfen? Dazu braucht es die kollektive Intelligenz der gesamten Belegschaft. Also lieber zusammen arbeiten und immer wieder neue Ansätze testen.

Wir leben in einer Übergangsphase. Wir müssen testen, wie die Zukunft ausschauen könnte. Es ist wichtig, dass jeder mitdenkt und sich einbringt.

Irrtum Nummer Sieben: Ich muss mich mit diesen Technologien jetzt noch gar nicht auseinandersetzen (und ich gehe auch bald in Rente).

Schauen wir zurück: Wann wurde das erste iPhone auf den Markt gebracht? Wann Facebook wurde gegründet, wann Google? Alles noch ganz frisch – und das war erst der Anfang. Niemand weiß, wie die Welt schon sehr bald aussieht. Wir können das allesamt nicht denken – niemand.

Außer der wirklich genialen Faith Popcorn:

Die Technologien entwickeln sich also immer weiter und wir als Gesellschaft humpeln hinterher. Politik, Sozialsysteme – alles humpelt mindestens genauso wie wir.

Meine These: Nur wer mitmacht, kann die zukünftige Kultur mitgestalten. Wir müssen uns generationenübergreifend darüber austauschen – immerfort – was anstrengend sein wird. Manche bringen dabei mehr technologische Affinität mit, andere dafür mehr Erfahrung. Wenn man offen herangeht, können wir alle wechselseitig voneinander lernen und voran kommen – für uns und die nächsten Generationen.

Positiv nach vorne denken, was uns hier bekanntlich schwer fällt. Auch hart errungene, emanzipatorische Gewinne müssen grundlegend neu gedacht werden, was wieder hart sein wird. Wir müssen alle neu denken lernen.

Irrtum Nummer Acht: Mit der nachrückenden Manager-Generation ändert sich alles.

Heutzutage klagt jede/-r über die anderen. Es ist aber nicht so, als ob es nur an den Mitarbeiter/-innen läge, dass es in vielen deutschen Unternehmen nicht voran geht. Vor allem viele Führungskräfte haben Angst davor, ihre mühsam erarbeiteten Privilegien zu verlieren. Zu Recht! Angst davor, etwas falsch zu machen, weil sie ja auch nicht wissen, wie die Zukunft genau ausschaut – wie keiner von uns.

Dann erfolgt oft der Rückzug in die Arroganz. Statt sich auf Augenhöhe zu begegnen. Aber ein Wiki, in dem die falsche Eingabe eines Vorgesetzten nicht korrigiert werden darf, macht keinen Sinn. Damit wird die kollektive Intelligenz ausgeschlagen, die es in jedem Unternehmen gibt. Die Leute am Kunden sind meist diejenigen, die diese besser kennen.

Kluge Firmen wissen das und geben die Verantwortung ab. Bei Apple können die Mitarbeiter im Laden beispielsweise direkt darüber entscheiden, wie sie mit Reklamationen umgehen. Sie haben offensichtlich eine Wertebasis vermittelt bekommen. (Immer freundlich, immer kulant – eben kundenfreundlich – und die Leute rennen ihnen die Bude ein!)

Irrtum Nummer Neun: Zeit, die ich heute in digitale Medien stecke, spare ich später.

Das hoffen wir immer alle, aber es funktioniert wegen der dynamischen Entwicklungen nur bedingt. Man kann sich heutzutage sehr effizient organisieren und spart zunächst auch Zeit. So habe ich mir einmal einen ganzen Tag die Zeit genommen, mein E-Mail-System komplett neu zu organisieren und größtenteils zu automatisieren. Weil ich Dringendes von Mache-ich-wenn-ich-Zeit-habe getrennt habe, habe ich sehr viel freie Zeit gewonnen. Das hilft gegen den Informationsoverload – jedenfalls eine Weile, denn die Technologien treiben uns in gewisser Hinsicht. Vieles lässt sich immer weiter vereinfachen und überflüssige Arbeitsschritte können sinnvoller strukturiert werden – nur wir Menschen bleiben gleich.

Es ist ohne Zweifel mühsam, sich immer wieder mit neuen Tools und Prozessen zu beschäftigen. Das gilt für nahezu alle! Aber es wird seitens der Technologien immer einfacher. Die Maschinen lernen mit uns Menschen umzugehen.

Insofern erleichtern digitale Medien mittelfristig die Arbeit – aber man muss erst über den Berg, um die Aussicht genießen zu können – bis das nächste, bessere Tool am Straßenrand winkt. Dieser Irrtum stimmt also nur auf lange Sicht – mittelfristig stimmt die Aussage. Wir müssen immer weiter machen – und immer wieder neu beginnen.

Irrtum Nummer Zehn: Ich kann das nicht (weil ich das schon immer anders gemacht habe).

Doch! Jede/-r kann – davon bin ich überzeugt – wenn er oder sie will!

Ich habe meinem Vater letztes Jahr empfohlen, statt des sperrigen Computers, lieber auf ein Tablet zu setzen. Es hat einige Zeit gebraucht bis er sich mit dem Gedanken angefreundet hat. Heute geht er nirgends mehr ohne das Tablet hin. Seitdem wählt er seine Hotels nur noch nach WLAN-Empfang aus. Er fotografiert auf einmal. Und seit neuestem bewegt er sich auf Facebook – noch etwas unbeholfen und ich habe auch etwas Angst, aber er wächst da langsam rein.

Ohne Druck – und nur so kann es funktionieren. Ohne mühsame Klassenräume. Einfach machen – und nicht viel Privates preisgeben. Die sozialen Netzwerke sind unsere gesellschaftlichen Arbeitsräume. Dort verhandeln wir unsere Zukunft – idealerweise gemeinsam!

Fassen wir zusammen:

  • Der Erfolg eines Unternehmens im digitalen Zeitalter kommt von innen nach außen – und das wird unterstützt durch digitale Technologien.

  • Es müssen alle ran: Führung, IT, Mitarbeiter/-innen. Alle gemeinsam und möglichst kooperativ.

  • Wenn man intern eine moderne, gemeinsame Online-Umgebung auf Augenhöhe pflegt, entwickeln sich neue Konzepte und eine Aufbruchstimmung. Die Zukunft lässt sich mitgestalten.

  • In diesem Sinne: Auf geht’s!


Image (adapted) „Jelly Atlanta Coworking @ Octane“ by Mike Schinkel (CC BY 2.0)


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Smart Hero Award 2015: Verlängerung der Bewerbungsphase

Smart Hero Award

Bis zum 15. März werden noch auf soziale Medien setzende Projekte für den diesjährigen Smart Hero Award gesucht!

SmartHeroAward (Bild: Smart Hero Award Facebook)

Mit dem im letzten Jahr zum ersten Mal verliehenen Smart Hero Award werden Menschen und Projekte ausgezeichnet, die ihr ehrenamtliches und gesellschaftliches Engagement erfolgreich in und mit sozialen Medien umsetzen. In diesem Jahr übernimmt Manuela Schwesig, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, die Schirmherrschaft über den Wettbewerb. Die Netzpiloten sind offizieller Medienpartner.

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Shitstorms im Internet

Mobbing (adapted) (Image by Arieth [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Shitstorms, Mobbing, Rassismus, Sexismus und Stalking sind strafbar und durch Gesetze verboten. Spielen sich diese Straftaten online ab, scheinen alle Regeln außer Kraft gesetzt. Das muss sich ändern. Aber wie? Wer im Internet eine starke Meinung vertritt, wird oft Opfer von gewaltvoller Kommunikation bis hin zu Shitstorms. Anzeige erstattet fast niemand, denn das Netz wird von vielen immer noch als „rechtsfreier“ Raum betrachtet in dem alles nicht so „echt“ scheint wie in einem analogen Umfeld. Dabei leben wir schon lange nicht mehr in zwei Welten. Mobbing und Harrassment tun online genauso weh wie offline, denn hinter jedem Computer sitzt (meist) ein Mensch. Brauchen wir neue Gesetze für das Internet oder reichen die alten? Und was passiert mit der Meinungsfreiheit, wenn der Staat härter im Netz durchgreift?

Im Netz sinkt die Hemmschwelle

Katja Keul ist nicht auf Twitter oder Facebook. Bis auf 3 Videos auf ihrem Youtube-Kanal, ist sie nicht in den sozialen Medien vertreten. „Ich genieße es, keinen Attacken ausgesetzt zu sein“, sagt sie auf einer Veranstaltung zu Aggressionen im Internet der Heinrich Böll Stiftung und der Diskussionsplattform Publixsphere am 18. Februar (Mitschnitt hier).

Katja Keul ist Parlamentarische Geschäftsführerin der Fraktion Bündnis90/Die Grünen und Sprecherin für Rechtspolitik. Dass sie als Bundestagsabgeordnete abgesehen von ihrer Webseite im Internet kaum präsent ist, nennt sie eine „bewusste Schutzentscheidung“. Kollegen, die im Netz mehr kommunizieren merke man an, dass sie „nicht über den Shitstorms stehen“. Die Politikerin reagiert (oder reagiert eben nicht) auf ein Phänomen der zunehmenden verbalen Gewalt gegenüber Meinungsvertretern im Internet. Mobbing, Rassismus, Sexismus Drohungen und Stalking sind im Netz an der Tagesordnung und treffen vor allem Frauen und Minderheiten, die sich im emanzipativen Sinne zu diesen Themen äußern.

Dass im Internet heftiger und schneller gedroht wird als auf der Straße hat vor allem einen psychologischen Grund. Wer sich im Internet bewegt ist gesichtslos. Mithilfe von Pseudonymen kann vermeintlich anonym („vermeintlich“, denn im Prinzip ist jeder durch seine IP-Adresse auffindbar) diskutiert werden. Dies macht das Internet als freien Kommunikationsraum parallel zu traditionellen Kommunikationsarten so attraktiv. Die Abwesenheit von Klarnamen führt aber auch dazu, dass seltener ein Blatt vor den Mund genommen wird. Sobald man jemandem nicht ins Gesicht schauen muss und dort eine schmerzliche Reaktion wahrnimmt, sinkt die Hemmschwelle. Was es tatsächlich bedeutet, wenn attackierte Personen sich mit Hasskommentaren auseinandersetzen müssen, zeigt das Internet-TV-Format Disslike. Dort reagieren Personen des öffentlichen Lebens, wie der Berliner Musiker Marteria, Jan Böhmermann oder Gregor Gysi auf gegen sie gerichtete Online-Beleidigungen. Wenn Gysi sich gegen seine vermeintlich „gestresst, glänzende Glatze“ verteidigt, mag das etwas Komisches haben. Es belegt aber auch den Anspruch der Sendung zu zeigen, dass heutzutage „ein Klick reicht, um das digitale Ego des Künstlers der kontrollierten Inszenierung zu entreißen“.

Im Internet werden Straftaten begangen. Das kann man nicht durchgehen lassen.

Bei oben genannter Veranstaltung zu Gewalt im Internet sitzt neben Politikerin Katja Keul auch Dagmar Freudenberg auf dem Podium. Die Staatsanwältin und Vorsitzende der Kommission Strafrecht beim Deutschen Juristinnenbund ist dafür bekannt, dass sie mit ihren Meinungen aneckt. Ihre online veröffentlichten Artikel wurden schon „Ziel unschöner Kommentare“. Freudenberg findet das Internet sollte ein neutraler und anonymer Raum sein, in dem alle gleich behandelt werden. Leider würden vorwiegend Frauen, die sich im Netz äußern häufig Opfer von Gewalt in Form von Sexismus, Mobbing und Stalking. So nahm sich zum Beispiel die 15-jährige Amanda Todd das Leben, nachdem sie online massiv gestalkt und gemobbt wurde. „Im Internet werden Straftaten begangen. Und das darf man nicht durchgehen lassen“, sagt Freudenberg am 18. Februar in der Heinrich Böll Stiftung.

Strafverfolgung im Internet ist jedoch laut der Staatsanwältin keine einfache Sache. Im Strafrecht muss eine Tat einer bestimmten Person zugeordnet werden. Im Internet bewegen die meisten Straftäter sich jedoch nicht unter ihrem Klarnamen und sind schwer zu identifizieren. Hinzu kommt, dass das Internet ein schnelllebiges Medium ist. Nötigungen und Vergewaltigungsdrohungen werden im Sekundentakt verbreitet. Und Aufarbeitung braucht leider Zeit. Laut einer Studie zu Opferbetroffenheit des LKA Niedersachsen – wo Freudenberg derzeit auch Referentin für Opfer häuslicher Gewalt ist – erstatten die meisten Menschen denen Gewalt im Internet wiederfährt keine Anzeige. Man verspricht sich dort wenig Erfolg. Dieser Zustand wird ebenfalls durch eine Anfrage zu Straftaten gegen die persönliche Freiheit im Netz von Publixphere an die Polizei Berlin bestätigt. InternetServiceProvider wie Facebook oder Twitter sitzen im Ausland und sind generell nicht dazu verpflichtet Auskunft zur Identität ihrer User zu geben. Allein die Staatsanwaltschaft kann dies einfordern. Aufgrund der Laufzeiten diese Verfahrens (ca. 6 Monate) sei die Aussicht auf einen Ermittlungserfolg bei Straftaten mit Internetbezug „sehr gering“.

Ginge es nach Dagmar Freudenberg so muss man straf- und zivilrechtliche Grundlagen im Internet schaffen, denn das Internet unterscheidet sich in einem Punkt fundamental vom analogen Umfeld: Beleidigungen werden gespeichert und bleiben somit länger bestehen. Das kann natürlich auch mehr Schaden anrichten.

Gesetze gibt es schon. Das Netz braucht mehr Selbstregulierung.

Natürlich gibt es Argumente gegen neue Gesetze für das Internet. Und die kommen meist von den Menschen, die es am meisten nutzen. Neue Gesetze für das Internet bedeuten ein stärkeres Eingreifen des Staats in einen Raum, in dem traditionell unzensiert diskutiert werden konnte. In der netzpolitischen Community befürchtet man durch gesetzliche Einflussnahme des Kommunikationsverhaltens im Internet eine Einschränkung von freier Rede und Meinungsäußerung.

Der Journalist und Publixphere Community-Mitglied Julian Jostmeier versteht die häufige argumentative Unterteilung in on-und offline unserer Welt nicht. „Wir sind alle auf derselben Welt und das Netz ist daher kein rechtsfreier Raum. Deshalb brauchen wir auch keine neuen Gesetze“, entgegnet er Dagmar Freudenberg auf der Böll-Veranstaltung. Vielleicht würde es helfen die Person am anderen Computer zu visualisieren um sich bewusst zu machen, dass es keinen Unterschied macht, ob eine Beleidung im Internet geäußert wird oder auf der Straße. So etwas kann auch durch die Vermittlung durch Medienkompetenz in Schulen vermittelt werden, meint Jostmeier.

Charlott Schönwetter schreibt für den feministischen Blog Mädchenmannschaft. Um sich gegen Online-Hass zu schützen, wird der Blog stark moderiert. Kommentare werden erst frei geschaltet, nachdem sie gelesen wurden. Das gleiche gilt für Publixphere. Schönwetter und Jostmeier sind beide gegen neue Gesetze und für mehr Selbstregulierung von Online-Communities. Das kostet natürlich Zeit und Personal. Charlott Schönwetter hat noch eine andere Idee. Plattformen sollten mehr mit Verwarnsystemen arbeiten. „Wenn ein Tweet gewaltvoll ist und 1000 Mal geschickt wird, sollte Twitter eine Verwarnung an den User schicken“.

Fazit

Die Antwort auf zunehmende Gewalt im Internet kann nicht sein sich von ihm fernzuhalten. Gerade als Bundestagsabgeordnete(r) verschließen Katja Keul und viele ihrer Kollegen sich durch Abwesenheit im Netz ganzen Bevölkerungsgruppen. Für die jüngere Generation stellt sich nicht mehr die Frage, ob es eine On- und Offline Welt gibt. Ihre Welt war schon immer beides in einem und das wird auch weiterhin so bleiben. Angstfreie Kommunikation und Meinungsäußerung im Netz sollten als Bestandteil unserer Demokratie gesehen werden. Um diesen zu schützen, brauchen wir laut der netzpolitischen Community erst einmal keine neuen Gesetze, sondern intensivere Moderation von Diskussionsforen und ein stärkeres Bewusstsein dafür, dass man im Internet nicht unsichtbar ist. Gesellschaftliche Verhaltensregeln sollten dort genauso gelten wie auf der Straße.

Mehr zum Thema: Auf der Diskussionsplattform Publixphere wurde das Thema „Gewalt im Internet“ hier und hier diskutiert.


Image (adapted) „Mobbing“ by Arieth (CC0 Public Domain)

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Digitalisierung der Sprache: Thesaurus-Tage und Nasensmileys

Word Nerd (adapted) (Image by Ryan Hyde [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Um das Potential der Digitalisierung voll auszuschöpfen, müssen wir lernen, Sprachblasen zu überwinden und Wortbarrieren abzubauen. Lässt das Internet unsere Sprache verkümmern oder erweitert der permanente Stilwechsel unsere Wortgewandtheit? Skeptiker beschreien die linguistische Verflachung, Optimisten die Entstehung einer Weltsprache. Doch trotz globaler Verständigung dank Emojis tendieren wir dazu, Sprachbarrieren zwischen verschiedenen Gruppen zu schaffen. Um diese überwinden zu können, müssen wir uns mit unserer Art zu sprechen und zu schreiben auseinandersetzen.

Sprachverfall oder Kompetenzboost?

Am Samstag war der Tag der deutschen Sprache. „Wie passend„, dachte ich, als ich durch Zufall über diese Information stolperte. Das Thema Sprache hat mich die letzten Wochen ziemlich auf Trab gehalten. Es fing damit an, dass meine Freundin und ich im Urlaub beschlossen, dass es nicht angehen kann, dass wir zur Beschreibung der wilden Landschaft der Bretagne und der herzschlagbeschleunigende Weite des Atlantiks nur Worte finden konnten wie cool und geil. Wir schalteten also in den Thesaurus-Modus. Sobald jemand von uns (oder in unserer Umgebung) cool oder geil sagte, fingen wir an, Ersatz-Wörter zu suchen. Erschreckenderweise war das oft gar nicht so einfach und es stellte sich die Frage: Ist unser Wortschatz geschrumpft? Und wenn ja, woran liegt das bitte?

Am Internet!“ Die Antwort kommt ganz natürlich – und das in meinem angeblich so online-affinen Kopf. Was ist da los? Haben Panik-Aussagen wie „Twitter und SMS schaden der Sprache“ doch Anklang gefunden in meinem Gehör? Eigentlich habe ich mich gegen diese Angstmacherei immer gewehrt. Aber wenn ich jetzt darüber nachdenke, scheint es mir tatsächlich möglich. Groß- und Kleinschreibung habe ich in SMS oder Threema-Nachrichten längst aufgegeben. Die Autokorrektur macht da eh, was sie will. In privaten E-Mails oder Foren-Beiträgen spare ich mir Großschreibung selbst auf der Laptop-Tastatur. Und ganz ehrlich: Natürlich schreibe ich in geschriebenen Dialogen meistens keine ausgefeilten Sätze und genauso oft gibt es als Antwort nur ein: jo, passt, läuft, cool oder super.

Nun stell sich die Frage: Ist das schlimm? Sprache verändert sich nun einmal. Anne Curzan ruft mit Hilfe der fabelhaften Wort-Neukreation adorkable dazu auf, nicht aus purer Sturheit am liebgewonnenen Alten festzuhalten. Genauso wenig pessimistisch sehen das andere Sprach-Experten.

Die meisten von uns wechseln ständig zwischen verschiedenen Sprachstilen hin und her: „Morgens im Büro korrektes Hochdeutsch, nachmittags auf Twitter kurzsilbige Pointen, abends im Chat schluderiger Redeschwall.“ Deswegen sei unsere Schriftkompetenz sogar gestiegen. Tatsächlich wird von einigen Seiten schon das Zeitalter einer globalen Sprache ausgerufen – den Emojis sei Dank. Der erste Klassiker ist schon übersetzt: emojidick.com.

Die Nasenfrage bleibt bestehen

Also: Keine Panik? Ganz so einfach ist es dann doch nicht. Einmal sind Emojis keineswegs eindeutig. (Ich empfehle zur Weiterbildung auch 2 Broke Girls, Season 2, Episode 7). Für mich persönlich bieten einfache Text-Smileys schon genug Fallstricke. Ich habe neulich erst rausgefunden, dass ich wohl die einzige bin, die ^^ als amüsiert oder vielversprechend hochgezogene Augenbrauen verwendet. (Ja, ich wusste schon immer, dass das falsch ist, aber ich dachte bisher, dass wir das alle gleichermaßen kreativ uminterpretiert hätten.) Dazu kommt noch, dass wir zunehmend das Vertrauen in das reine geschriebene Wort verlieren. Selbst in meinen beruflichen E-Mails wimmelt es von :-) und ;). Nicht, dass nachher die E-Mail-Empfängerin meinen Witz als bare Münze nimmt. Was sagt es überhaupt über mich, dass ich ständig zwischen Nasen- und Nicht-Nasen-Smileys wechsele? Bin ich auf der Schwelle zwischen der :-) und der XD Altersgruppe? Und wenn schon ich mich ermahnen muss, XD-Nutzerinnen nicht als unzurechnungsfähig einzustufen, was ist wohl die umgekehrte Reaktion *wunder*?

Es scheint also durchaus angebracht, über Sprache und ihre Gestaltung im Internetzeitalter nachzudenken – nicht nur aus schöngeistigen und persönlichen Gründen. Netzpiloten-Kolumnist Nico Lumma hat die Wichtigkeit überlegter Formulierung bezogen auf den „sperrigen Begriff“ Netzpolitik schon angedeutet. Schrecken wir einen Großteil unserer Mitmenschen durch das bloße Wort ab? Hyperland führt die Debatte weiter: Es leuchtet ein, dass es schwierig wird, über Google und Facebook sachlich zu diskutieren, wenn wir beide durch die Dauerverwendung des Begriffs Datenkrake nur noch als „glitischige Ungetüme“ wahrnehmen. Und dass Worte wie Internetausdrucker und Netzversteher einen Graben in unserer Gesellschaft betonen, den wir lieber überwinden statt vertiefen sollten, trifft bei mir eh auf offene Ohren.

Innovationskiller Sprachblase

Wie ungemein wichtig Sprache bei der gemeinsamen Arbeit an der (digitalen) Weiterentwicklung unserer Gesellschaft ist, merke ich immer wieder, wenn ich mal aus meiner persönlichen Sprachblase herausschreite. Genauso abschreckend, wie auf mich am Anfang meiner Laufbahn die Ausdrücke vertikaler Mehrkanalansatz und medienbruchfreie Veraktung gewirkt haben, so unnötig erscheinen vielen die ständigen Anglizismen und Akronyme, mit denen ich permanent um mich schmeiße. Hat die EIdG egtl auch über die UX von Open-Gov-Projekten gesprochen? Btw, forscht überhaupt jmd zu OS bei so Cloud-Geschichten? Oft genug bringt mir das skeptische Blicke ein. Wie tragisch wäre es, wenn diese andere Sprache dazu führen würde, dass wir gar nicht mehr versuchen, einander zu verstehen? Wir können schlecht predigen, dass wir unsere gesellschaftlichen Denkprozesse für Innovationsimpulse von allen Seiten öffnen müssen, um dann unüberwindliche sprachliche Zugangshürden zu pflegen.

Was tun? Ich persönlich werde für mein eigenes Wohlbefinden dauerhaft im Thesaurus-Modus bleiben und weiterhin zwischen Nasensmileys und Emojis oszillieren. In meinen Vorträgen und Gesprächen werde ich mir noch mehr Mühe geben, meine Ideen möglichst blasenübergreifend zu erklären. Nicht falsch verstehen: Ich will geil, rofl und medienbruchfreie Veraktung nicht aus meinen Wortschatz verbannen. Ich will sie immer dann einsetzen, wenn sie die tatsächliche Idealbesetzung sind und nicht, weil mir nichts Besseres einfällt. Und ich will sie im Zweifelsfall umschreiben und ersetzen können. Mitstreiter jederzeit willkommen!


Image (adapted) „Word Nerd“ by Ryan Hyde (CC BY-SA 2.0)


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Das Problem der Netzpolitik ist die Netzpolitik

In seiner Kolumne beschäftigt sich Nico Lumma mit dem Medienwandel und Kompetenzen die damit einhergehen. Nicht nur im Beruf, sondern auch in der Schule und Familie. Diesmal geht es um Netzpolitik. // von Nico Lumma

Netzpolitik (Bild: redcctshirt [CC BY 2.0], via Flickr)

Netzpolitik ist ein Thema, das einfach nicht bei den Bürgerinnen und Bürgern ankommen will. Allein schon der sperrige Begriff steht im Weg, wenn es darum geht, das Thema anderen Leuten näher zu bringen. Die netzpolitische Avantgarde schafft es nicht ansatzweise, die Relevanz des Themas zu transportieren und Leute dafür zu begeistern.

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5 Lesetipps für den 30. Mai

In den Lesetipps geht es um Social Media für Millionen, digitale Bequemlichkeit, Automatisierung, Kritik am Urheberrecht und Google will europäischer werden. Ergänzungen erwünscht.

  • SOCIAL MEDIA Nieman Journalism Lab: Who’s behind that tweet?: Joseph Lichterman hat für das Nieman Journalism Lab die Social Media-Manager der US-Medien ABC News, AP, CNN, NBC News, The New York Times, USA Today und The Wall Street Journal gefragt, wie sie ihre Social Media-Accounts verwalten. Ein interessanter Einblick von Leuten, die tagtäglich Accounts mit Millionen Followern bespielen.
  • DIGITALE GESELLSCHAFT RP-Online.de: Apps bedrohen die Freiheit im WWW: Das Internet, wie wir es kennen, ist 25 Jahre alt – und vom Aussterben bedroht. Nicht nur durch politische Kontrollwut und den Kampf um „Vorfahrt“ für bestimmte Daten. Die größte Gefahr ist unsere eigene Bequemlichkeit, wie Tobias Jochheim in einem äußerst lesenswerten Kommentar auf RP-Online.de schreibt.
  • AUTOMATISIERUNG Netzwertig.com: Die Roboter kommen, doch Politiker sprechen noch immer von Arbeitsplatzschaffung: Das Beförderungs-Startup Uber will auf mittlere Sicht selbstfahrende Autos einsetzen. Amazon verzehnfacht in diesem Jahr die Zahl der Roboter in seinen Versandzentren. Maschinen nehmen Menschen die Arbeit weg – doch Politik und Volkswirtschaft sind überhaupt nicht vorbereitet, wie Martin Weigert auf Netzwertig.com erklärt.
  • URHEBERRECHT Interview mit Cory Doctorow: „Das Urheberrecht ist ein Nährboden für Überwachung“: Ein äußerst lesenswertes Interview von Lea Weitekamp mit dem Sci-Fi-Autor Cory Doctorow, in dem der EFF-Aktivist über die Vorteile von Creative Commons für Schriftsteller spricht und wieso die derzeitige Gestaltung des Urheberrechts „ein Nährboden für Überwachung“ ist.
  • GOOGLE de lege data: Google setzt EuGH-Entscheidung um und möchte europäischer werden: Nach der EuGH-Entscheidung im Streit zwischen der spanischen Datenschutzbehörde und Google um ein sogenanntes „Recht auf Vergessen werden“ im Internet, hat das Unternehmen am Freitag ein Webformular bereitgestellt, durch welches Nutzer nun Löschantrage für Suchergebnisse einreichen können. Dr. Carlo Piltz stellt das Formular auf seinem Blog vor.

Nutze Netzpiloten 1-Klick: Mit nur einem Klick werden dir bequem alle 40 Sekunden die hier besprochenen Seiten „vorgeblättert“ START.

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Justus Haucap gegen Google-Zerschlagung

Google Developer Day 2007 (adapted) (Image by meneame comunicacions sl [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Die digitalen Verlierer klagen über Google. Doch für hausgemachte Geschäftsprobleme ist nicht das Kartellrecht zuständig. Mal klagt der stationäre Einzelhandel über die vermeintliche Allmacht von Amazon mit weinerlichen Statements über den Smartphone-Beratungsklau, kleistert Schaufenster mit schwarzen Pappen zu und verweist auf die so wunderhübsche Urbanität auswechselbarer Fußgängerzonen mit dem Flair von bepissten Blumenkübeln. Mal wettert der Datenschutz-Deichgraf über die tückische Herrschaft von Facebook und erklärt jedem Like-Button in Ostfriesland den Krieg.

Und immer wieder muss Google als Projektionsfläche für aufgeregte Jägerzaun-Hausmeister, besorgte Bürgermeister, zerknirschte Verleger, analoge Gestern-Manager und fürsorgliche Kindermädchen-Politiker herhalten, um uns Internet-Nutzer vor dem Fegefeuer des teuflischen Suchmaschinen-Giganten zu bewahren. Schaut man sich die Koalition der Google-Heulsusen an, entdeckt man sehr viele Parallelen zu den Leistungsschutz-Gichtlingen, die sich durch Schutzrechte noch ein Weilchen über Wasser halten wollen, mit freundlicher Unterstützung der politischen Klasse in Berlin und Brüssel. Verwundert bin ich über die Google-Angst von Springer-Chef Matthias Döpfner, der doch bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit den Gewinnen protzt, die er mit seinem Unternehmen im Online-Geschäft einheimst. Aber es könnten ruhig noch ein paar Euro mehr sein, um Friede Springer bei Laune zu halten.

Dann gibt es die NSA-Verharmloser, die die Datenschutz-Verordnung der EU blockieren, davor warnen, sich in netzpolitischen Debatten allzu sehr auf die NSA zu versteifen, im gleichen Atemzug Spionage-Werkzeuge einkaufen und Lippenbekenntnisse für den Datenschutz abgeben.
Rhetorische Kraftprotzereien statt kartellrechtliche Klarheit

Sigmar Gabriel und andere Schwergewichte des Merkel-Kabinetts überbieten sich zur Zeit mit martialischen Wortmeldungen, um zu demonstrieren, wie man einen amerikanischen Konzern an die kurze Leine nimmt. Der Wirtschaftsminister erwägt gar die Zerschlagung oder Entflechtung von Google. Das Bundeskartellamt soll kartellrechtsähnliche Regulierungen prüfen, die Monopolkommission könnte ein Sondergutachten schreiben und vielleicht lässt sich ja auch die Nato motivieren, Barrieren gegen den Konzern aus Mountain View zu errichten (kleiner Scherz). Aber gerade vom Bundeskartellamt und den Wissenschaftlern der Monopolkommission kommen ganz andere Töne.

„Marktbeherrschung ist nicht illegal und einen Missbrauch der marktbeherrschenden Stellung von Google muss man erst einmal nachweisen“, sagt Professor Justus Haucap, Mitglied der Monopolkommission, im ichsagmal-Gespräch.

 

Er verweist auf die langwierige Untersuchung der Federal Trade Commission (FTC) in den USA, die im Januar des vergangenen Jahres abgeschlossen wurde: „Dort wurde Google einstimmig von dem Vorwurf des so genannten Search Bias freigesprochen. Es sei nicht nachweisbar, dass Suchergebnisse verzerrt ausgewiesen werden.“

Der EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia verlangt Nachbesserungen von Google, würde dann das Verfahren aber beenden. Zugeständnisse hat Google gemacht, etwa bei Shopping-Angeboten. Das geht einigen EU-Kommissaren aber nicht weit genug. So hat Energiekommissar Günther Oettinger schon mit einer Kampfabstimmung gedroht, um eine härtere Gangart gegen Google durchzusetzen. Haucap wundert sich über die Forderung nach weiteren Zugeständnissen, die Herr Oettinger nicht so richtig konkretisiert.

Bei den kartellrechtsähnlichen Regulierungen, die Wirtschaftsminister Gabriel fordert, bleiben auch mehr Fragen als Antworten zurück. „Wir haben das Verfahren der EU-Kommission, das offiziell noch nicht abgeschlossen ist. Da kann das Bundeskartellamt kaum denselben Vorwurf noch einmal untersuchen. Es ist kaum vorstellbar, dass die deutschen Wettbewerbshüter schärfere Sanktionen gegen Google durchsetzen als die EU-Kommission“, erklärt Haucap.

Gabriel und die doppelt gemoppelte Kartellprüfung

Zudem sei es in der Rechtssache nicht zulässig, diesen Fall national noch einmal aufzurollen, wenn in Brüssel eine Entscheidung getroffen wurde. Für sinnvoll erachtet Haucap die Überlegung, die Verlinkung auf Google-Dienste farblich anders darzustellen. Das würde als Information für den Verbraucher vollkommen ausreichen. Google würde diese Auflage wohl locker akzeptieren.

Stellt man den Missbrauch der Marktmacht eindeutig fest und kommt es zu einer Entflechtung von Google, bleibt zu prüfen, ob es auch den Interessen der Verbraucher dient. Werden die Dienste sowie Inhalte von der generischen Suche abgetrennt, könnte es bei der Suche zu Nachteilen für Nutzer kommen. Es ist nach Ansicht von Haucap keinesfalls vorteilhaft, Informationen nicht mehr direkt angezeigt zu bekommen – etwa Wetterberichte oder Aktienkurse. Würde das Bundeskartellamt für den deutschen Markt eine Entflechtung verfügen, hätte Google zwei Möglichkeiten. Man verkauft Dienste wie Youtube und Maps – was höchst unwahrscheinlich ist – oder man bietet diese Dienste in Deutschland einfach nicht mehr an. Dann freut sich höchstens die GEMA und MyVideo.

Wenn es um Suchfunktionen geht, bleiben zudem noch Abgrenzungsfragen zu klären. „Darf ich bei Amazon noch nach Büchern suchen oder ist das dann auch eine Suchmaschine? Für mich ist Amazon eine Suchmaschine. Wenn ich etwas über ein Buch wissen will, dann komme ich nicht auf die Idee, bei Google nachzuschauen“, betont Haucap.

Interessen der Verbraucher

Der Wirtschaftswissenschaftler hält die Entflechtung oder gar Zerschlagung von Google juristisch für nicht angemessen. Man würde viele Innovationsanreize kaputtmachen. Wichtiger sei Transparenz, die Google erfüllen muss. Andere Ideen, wie die Schaffung einer europäischen Suchmaschine, die von Chirac bis zum „FAZ“-Herausgeber Frank Schirrmacher ernsthaft erwogen wurde, hält der Direktor des Düsseldorfer Instituts für Wettbewerbsökonomie für lächerlich. Da würde man ein politisches Monstrum schaffen. Als Aufsichtsgremium würde sich so eine Art Rundfunkrat mit gesellschaftlich relevanten Gruppen anbieten, die über politisch opportune Linkergebnisse entscheidet – etwa bei der Einhaltung von Anti-Raucher-Kampagnen oder der Unterstützung von veganer Lebensweise. Ähnlich abstrus würde es in einer Google-Regulierungsbehörde ablaufen.

„Der Suchmaschinen-Konzern nimmt jährlich ungefähr 500 Änderungen des Suchalgorithmus vor. Das ist für mich eine Grusel-Vorstellung, wenn hier eine Behörde vorgeschaltet wird. Dann werden wohl Genehmigungen erst mit mehreren Jahren Verspätung erteilt“, meint Haucap.

Und wie steht es mit der personalisierten Suche. Führt die zur Diskriminierung von Konkurrenten? Es wäre ziemlicher Schwachsinn, wenn man das Stichwort Fußball eingäbe und weltweit die gleiche Trefferliste angezeigt würde, obwohl Google aus der Suchhistorie des Wettbewerbsökonomen weiß, dass er Fan von St. Pauli-Fan ist und entsprechende Suchergebnisse ganz weit oben angezeigt werden.

Geht es in den Beschwerden gegen Google wirklich um Verbraucherinteressen oder klagen vor allem jene, die unter der besseren Geschäftsstrategie des Silicon Valley-Riesen leiden? Für hausgemachte Probleme ist das Kartellrecht nicht zuständig. In den Kartellverfahren geht es nicht um die Geschäftsinteressen von wetter.com, Axel Springer, finanz.net oder auswechselbare Vergleichsportale, die sich beim Anblick von Google in die Hose machen. Es geht um die Interessen der Verbraucher.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf The European.


Image (adapted) „Google Developer Day 2007“ by meneame comunicacions, sl (CC BY-SA 2.0)


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„Erfindet euch neu! Eine Liebeserklärung an die vernetzte Generation“

Abseits von Kultur- und Technikpessimismus blickt Michel Serres geradezu neidisch auf die vernetze Generation und fordert sie dazu auf, sich und die Welt neu zu erfinden. Ein optimistisches Essay.

Der neue Schüler und die junge Studentin haben im Leben keine Kuh gesehen, kein Kalb, kein Schwein, kein Vogelnest„, schreibt der 1930 geborene Autor in seinem Buch „Erfindet euch neu – eine Liebeserklärung an die vernetzte Generation„. Die Welt habe sich gewandelt. Nichts sei mehr, wie es früher war. Der Franzose aber sieht darin eine große Chance für die Kleinen Däumlinge – so nennt er die Generation Smartphone -, die moderne Gesellschaft zu gestalten. Kommunikation, Arbeit, Bildung – das und mehr könne man nicht mit der Generation des Universitätsprofessors Michel Serres vergleichen. Die Digitalisierung mache diese Generation zu völlig anderen Menschen. „Sie haben nicht mehr den gleichen Kopf. […] Sie wohnen nicht mehr im selben Raum. […] Sie sprechen nicht mehr dieselbe Sprache. […] Die Kleinen Däumlinge plagen sich nicht mehr mit den gleichen Arbeiten.“ Serres sieht diesen Wandel keineswegs kritisch, sondern geradezu blauäugig optimistisch. „Angesichts dieser Umbrüche gilt es zweifellos, auf Neuerungen zu sinnen (…)„, schreibt er im Abschnitt mit dem Titel „Zuneigung“. In diesen Zeiten des Umbruchs bestehe Handlungsbedarf, um den Herausforderungen gerecht zu werden. Er schwärmt von der gegenwärtigen Situation und würde gerne selbst anpacken: „Ich wäre gern achtzehn, so alt wie die Kleinen Däumlinge, jetzt, da alles zu erneuern, ja erst noch zu erfinden ist„. Das Bildungswesen scheint für ihn besonders von der digitalen Gesellschaft betroffen zu sein. Lehrer müssten nicht mehr vorne stehen und den Kleinen Däumlingen Wissen einmassieren. Das Wissen sei schließlich überall verfügbar. „Ende des Zeitalter des Wissens„, resümiert Serres und fügt an: „Ende des Expertenzeitalters?“ Serres spricht von der „Kompetenzvermutung„. Fraglich ist, ob die Informationen, die überall und jederzeit im Internet auffindbar sind, mit Wissen, wovon Serres spricht, wirklich gleichzusetzen ist. Ist der Autor auch hier wieder blauäugig und zieht voreilige Schlüsse? Michel Serres ist sich der Situation, in der wir leben, durchaus bewusst. Er analysiert auf den rund 70 Seiten seines Werkes in teilweise erzählerischer Form, was die Digitalisierung bewirkt, womit seine Generation zu kämpfen hat und welche Herausforderungen angenommen werden müssen („Die neuen Technologien zwingen uns dazu, das vom Buch und der Seite implizierte Raumformat zu verlassen„). Er erkennt den Wandel im Bildungs- und Arbeitsleben, sieht in Daten und Codes großes Potential, blendet aber gleichzeitig Risiken aus. Leser seines Essays dürfen keine kritische Auseinandersetzung mit dem digitalen Wandel erwarten. Serres scheint blind vor Liebe zu sein. Das darf er bei seiner Liebeserklärung aber auch. Michel Serres (2013): Erfindet euch neu! Eine Liebeserklärung an die vernetzte Generation. Berlin: Suhrkamp Verlag. [8,00 Euro] – auch als E-Book erhältlich.

 


 

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5 Lesetipps für den 7. Oktober

In unseren Lesetipps geht es heute um die Kartografierung des Internets, akustisches Storytelling, Cybercrime, kein Unterschied zwischen online und offline und die Huffington Post als Vergangenheit des Journalismus. Ergänzungen erwünscht.

  • JOURNALISMUS Frank Zimmers Blog: Die Huffington Post geht zurück in die Zukunft: Für Frank Zimmer steht die Huffington Post nicht für kostenlose Blogbeiträge und aggregierte Meldungen, sondern für etwas anderes: für die Entakademisierung des Journalismus. Doch ein Journalismus ohne Redakteure mit akademischen Abschlüssen oder Volontariaten ist kein wirklicher Rückschritt, sondern eine Besinnung auf die Herkunft des Journalismus. Eine lesenswerte Erinnerung an die Geschichte der schreibenden Zunft.
  • DIGITALE GESELLSCHAFT Vocer: Online oder offline? Ich verstehe die Frage nicht: „Unsere Mediennutzung verändert sich dramatisch!“ Wie oft begegnen wir diesem apokalyptisch anmutenden Ausspruch? Medienpolitische Konferenzen, Vorträge, Artikeln und Interviews beschwören häufig die Endzeitstimmung der traditionellen Massenmedien. Sicherlich kommt dies einer Binsenweisheit gleich und doch verbirgt sich dahinter ebenfalls eine treffende Zustands- oder besser Prozessbeschreibung, wie Eva Flecken auf Vocer erklärt.
  • CYBERCRIME PandoDaily: Your body is the next frontier in cybercrime: Zunehmend werden auch unsere eigenen menschlichen Körper digitalisiert. Künstliche Augen und Herzschrittmacher sind nur zwei Gadgets, die in den letzter Zeit diskutiert wurden. Mit der Normalisierung des vernetzten Körpers steigert auch das Potenzial, diese Entwicklung für kriminelle Zwecke zu nutzen. Unsere Körper sind die nächste Grenze des Cybercrimes.
  • STORYTELLING Carta: Zehn Thesen zur Zukunft des akustischen Erzählens: Hörspiele, Features, Radiokunst, Reportagen und Lesungen sind akustisches Storytelling. Wenn im Radio Wörter und Klänge so anspruchsvoll gestaltet und kombiniert werden, dass sie eine erhöhte Aufmerksamkeit, das Zuhören, verdienen, spricht Andreas Bick auf Carta ich von einer akustischen Erzählung. Es ist die Kunstform, die durch das Medium Radio hervorgebracht wurde. Alles andere ist Musik, Literatur, Film, Theater oder etwas anderes.
  • INTERNET Süddeutsche.de: So sieht das Internet auf einer Weltkarte aus: Wissenschaftler vom Oxford Internet Institute haben versucht, das Internet zu kartografieren. Bei einem Konstrukt wie das World Wide Web gibt es natürlich auch hier Darstellungsprobleme, aber die Daten sind interessant und in den am Artikelende genannten Linktipps sind lesenswerte Ausführungen zur Aussagekraft der Daten.

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Nach der Wahl: die Netzpolitik muss 2.0 werden

People (adapted) (Image by ThisParticularGreg [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Deutschland hat gewählt, aber was bedeutet dies für die Netzpolitik? Es scheint in unserer Gesellschaft ein Verständnis für die Bedeutung als Querschnittsthema zu fehlen. In den Wahlprogrammen wurden Forderungen formuliert, in den Wahlkampfreden kamen die Themen vor, der Überwachungsskandal war Thema im Wahlkampf, aber nun wirkt es so, als ob neben Mindestlohn, Bürgerversicherung, Steuererhöhungen und anderen Klassikern des politischen Diskurses kaum noch Raum ist, um über die netzpolitischen Weichenstellungen für die nächste Legislaturperiode zu streiten.

Das ist fatal. Die Digitalisierung der Gesellschaft nimmt stetig zu, die Art und Weise, wie wir arbeiten verändert sich, die Kreativwirtschaft wächst und im Bildungsbereich sorgen immer neue Bildungsangebote im Netz und auf Tablets für Aufsehen. Im Deutschen Bundestag gab es in den vergangenen vier Jahren eine Enquete-Kommission zu Internet und digitale Gesellschaft, aber das kann nur der Anfang einer politischen Entwicklung gewesen sein. Dankenswerterweise hat jetzt Mathias Döpfner, der Chef der Springer AG, gefordert, ein Kreativministerium zu schaffen, um sich verstärkt um Internet, Digitalisierung und Urheberrecht kümmern zu können. Das geht schon in die richtige Richtung, verkennt aber die Vielschichtigkeit der Herausforderung der Digitalisierung unser Lebensbereiche, die sich eben nicht nur auf die Kreativwirtschaft beschränkt.

Aber es wird höchste Zeit, dass man Internet und digitale Gesellschaft als ein Querschnittsthema annimmt und ähnlich wie Europa auffasst: es betrifft alle Lebens- und Arbeitsbereiche und muss bei der zukünftigen Entwicklung unseres Landes immer mitbedacht werden, wenn wir die Chancen nutzen wollen, die sich durch die Digitalisierung bieten. Die Kreativwirtschaft ist so groß und vielfältig, hat aber kaum politischen Einfluß, obwohl sich genau hier der Wachstumsmotor der Zukunft entwickelt.

Wir müssen jetzt in eine neue Phase der Netzpolitik eintreten, von mir aus Netzpolitik 2.0, bei der wir das Gestalten der Zukunft in den Vordergrund nehmen und uns nicht mehr nur darauf verständigen, welche Entwicklungen wir nicht wollen und daher ablehnen. Ein Ministerium für Internet und digitale Gesellschaft wäre ein richtiger Schritt in die richtige Richtung, aber es muss sich dann auch eine begleitende Debatte entwickeln, die, ähnlich wie beim Thema Europa vor vielen Jahrzehnten, dafür sorgt, dass breite Teile der Gesellschaft involviert werden und die Relevanz des Themas für unsere Zukunft erkennen.


Image (adapted) „People“ by ThisParticularGreg (CC BY-SA 2.0)

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5 Lesetipps für den 20. September

In unseren Lesetipps geht es um die Zukunft von PR, eine Artikelreihe zur digitalen Gesellschaft, Videochat-Alternativen, Netzneutralität und Meilensteine des Internets. Ergänzungen erwünscht.

  • PUBLIC RELATIONS Pressesprecher: Hat PR eine Zukunft?: Während viele Köpfe aufgeregt über die Geschäftsmodelle eines modernen Journalismus debattieren, steht auch die PR-Branche vor einem Paradigmen-Wechsel. Thomas Mickeleit, Director of Communications bei Microsoft, beschreibt, warum die PR neue Geschäftsmodelle braucht und was sich ändern muss.
  • DIGITALE GESELLSCHAFT Süddeutsche.de: Debatte zur Digitalisierung von Süddeutsche und Vocer: Die Münchner Zeitung Süddeutsche und die Hamburger Medienplattform Vocer starten gemeinsam eine Artikelreihe zur Digitalisierung unserer Gesellschaft. Im Auftakt schreibt Stephan Weichert über die Debattenkultur und Politik im Digitalen.
  • VIDEOCHAT ReadWrite: 5 Services That Can Upgrade Your Video Chat Experience: Auf ReadWrite stellt Chris McConnell fünf Videochatdienste vor, die die meisten sicher noch nicht kennen. Denn es gibt mehr als Skype, Airtime und Hangouts. Die noch unbekannten Alternativen haben es in sich, längst vorbei sind die Zeiten, in dem Videochats qualitativ schlecht und schwer zu bedienen waren.
  • NETZNEUTRALITÄT Carta.info: Die Verwirklichung des vernetzten Kontinents: Das Netz soll ganz nach den Wünschen der großen Telkos reguliert werden. Damit entsteht ein Zweiklassennetz, in dem schnell vorankommt, wer gut zahlt. Auf Carta kommentiert Thomas Stadler den letzte Woche von der EU-Kommission vorgelegten Verordnungsvorschlag.
  • INTERNET Kroker’s Look @ IT: Von der ersten E-Mail zum ersten Tweet: Zwar wirken die Zeichnungen der Meilensteine eher wie Grabsteine, doch die von Michael Kroker besprochene Infografik ist doch interessant, zeigt sie die Geschichte des Internets und die wichtigsten Errungenschaften – von der ersten E-Mail zum ersten Tweet.

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5 Lesetipps für den 4. September

In unseren Lesetipps geht es um die Volkskunst der digitalen Gesellschaft, Filesharing, Jeff Bezos’s Nein zur Paywall, Social Media und sogenannte Experten. Ergänzungen erwünscht.

  • DIGITALE GESELLSCHAFT Berliner Gazette: Gedanken zu einer Volkskunst der digitalen Ära: Kann das Sammeln und Archivieren von digitalen oder analogen Daten eine Volkskunst sein? Ist Volkskunst nicht das genaue Gegenteil? Etwas, das aus dem Handwerk eines Objekts ein einzigartiges und persönliches Statement macht, häufig eines, das ein größeres Gemeinschaftsethos ausdrückt? Der Poet und Theoretiker der Kreativität Kenneth Goldsmith hat wenig Zweifel: Herstellen, Sammeln und Archivieren sind die neue Volkskunst.
  • FILESHARING iRights.info: Survey Bay – Die Vermessung der Filesharer: Die Cybernorms Research Group der Universität Lund hat Umfragedaten über 75.000 Nutzer der Piratebay auf der Website „The Survey Bay” veröffentlicht, die Aufschluss über deren Nutzungsgewohnheiten und Ansichten bieten. Die Forscher sprechen von der bislang größten Erhebung in einer Filesharing-Community. Bemerkenswert an den Daten ist unter anderem der Gender-Gap: Mehr als 93 Prozent der Antworten stammen von männlichen, nur etwa 6 Prozent von weiblichen Nutzern.
  • PAYWALL W&V: „Washington Post“-Käufer Bezos senkt den Daumen über Paywalls: Man verspricht sich viel von Jeff Bezos. Wenn jemand einen Weg aus der Krise der Printmedien findet, so scheint es, dann wird es der neue Eigentümer der „Washington Post“ sein, der schon mit seinem ersten Unternehmen Amazon die Welt veränderte. Auf Paywalls setzt Bezos übrigens nicht.
  • SOCIAL MEDIA ReadWrite: How Social Media Has Complicated Work Relationships: Konnektivität ist eine der aktuellsten Debatte über die Veränderungen unserer sich immer mehr digitalisierenden Gesellschaft. Durch Social Media wird auch das Berufsleben beeinflusst und bisherige Verhaltensmuster erweisen sich als nicht mehr zeitgemäß, während wir uns auf Neue noch nicht geeinigt haben.
  • MICROSOFT Techland: When People Describe Themselves as Experts, It’s a Good Sign They Aren’t: Die Übernahme von Nokias Handy-Sparte durch Microsoft hat gestern viele Meinungsbeiträge verursacht, meist von sogenannten Experten. Harry McCracken schreibt darüber, dass besonders die sich als Experten bezeichnenden Menschen meist genau das nicht sind. Oft steckt dahinter nur eine sehr aggressive PR-Kampagne.

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5 Lesetipps für den 3. September

In unseren Lesetipps geht es um Technologien und unsere Gesellschaft, Microsoft kauft Nokias Handy-Sparte, Yahoo! verlässt China und T-Online möchte ein bekanntes Nachrichtenportal werden. Ergänzungen erwünscht.

  • MICROSOFT/NOKIA Spiegel Online: Microsoft kauft Nokias Smartphone-Geschäft: Seit Jahren wird über dieses Geschäft spekuliert, dass jetzt Realität ist. Nokia trennt sich von seiner es berühmt gemachten Handy-Sparte und will sich künftig mehr auf das Netzwerkgeschäft konzentrieren. Käufer ist Microsoft, dass bereits mit mit dem mobilen Betriebssystem Windows Phone auf allen Smartphones von Nokia vertreten ist.
  • GESELLSCHAFT Techland: 3 Critical Tech Issues for Divorcing Couples to Address: Wie sehr wir in einer digitalisierten Gesellschaft leben zeigt dieser Artikel von Elizabeth Harper, die Paaren in kriselnden Beziehungen drei wichtige Internet-Tipps gibt, wie man miteinander umgehen soll, wenn es zur Zeit nicht mehr so gut läuft.
  • TECHNOLOGIE LinkedIn: The Four Disruptive Technology Forces that Will Change the World: Im LinkedIn-Blog schreibt der CEO des britischen Mobilfunkanbieters Everything Everywhere Ltd., Olaf Swantee, über vier unsere unserer digitalen Gesellschaft verändernden Kräfte, die sowohl nützlich als auch zerstörerisch wirken können.
  • YAHOO! TechWeek Europe: Yahoo! zieht sich aus China zurück: Yahoo! verlässt still und leise China. Es ist anzunehmen, dass Alibaba, das chinesische Unternehmen, dass Yahoo!-Dienste in China betrieb, mehr aus der Kooperation zog als Yahoo! und Marissa Mayer das nicht länger dulden wollte.
  • T-ONLINE W&V: T-Online startet News-Offensive: T-Online will stärker als Nachrichtenportal wahrgenommen werden. Der Leiter des Portals, Rolf Baumann, schickt dazu einen Teil der insgesamt 140 Redakteure in die Telekom-Büros in Bangkok und Peking und führt einen 24 Stunden-Dienst ein.

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EUDataP – P wie Populismus

In der aktiven Einflussnahme auf die Gesetzesgebung für einen europäischen Datenschutz fallen die Lobbyorganisationen, die die Interessen der Bürgerinnen und Bürger vertreten, immer öfters durch Populismus auf – was dem Ansehen und dem Anliegen schadet.

Beckedahl (Bild: Digitale Gesellschaft, CC BY-SA 2.0)

Die Verhandlungen zur Datenschutz-Grundverordnung (DS-GV) gehen in die heiße Phase. Vor der Sommerpause (Ende Juli) soll im federführenden LIBE Ausschuss des Europäischen Parlaments die Orientierungsabstimmung über mehr als 3000 Änderungsanträge zum Entwurf der Europäischen Kommission durchgeführt werden. Naturgemäß werfen die von dem neuen Datenschutzrecht betroffenen Wirtschaftskreise, ebenso wie die den Datenschutz verteidigenden Bürgerrechtler, noch einmal alles in die mediale Waagschale, um für ihre Position Stimmung zu machen.

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IN/SIDE/OUT: Das Partizipationspotential der digitalen Öffentlichkeit

Heute beginnt in Berlin die siebte re:publica. Die seit 2007 jährlich stattfindende Bloggerkonferenz dokumentiert nicht nur den Wandel der gesellschaftlichen Sicht auf Internet-basierte Kommunikation.

Die rasant wachsende Bedeutung der Veranstaltung zeugt auch vom Orientierungsbedarf der Öffentlichkeit bei der Bewertung digitaler Innovationen und neu entstandener Beteiligungsformen. Doch welche Möglichkeiten haben Bürgerinnen und Bürger, das politische und gesellschaftliche Leben mitzugestalten? Wer sich einen Überblick über das Web 2.0 und die dadurch entstandenen gesellschaftlichen und medialen Entwicklungen verschaffen will, kommt an der re:publica nicht vorbei.

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Manfred Spitzers Digitale Demenz – Der digitale Kaputtmacher

Manfred Spitzer kommt in seinem Buch Digitale Demenz nicht nur zu falschen Schlüssen. Es stellt auch eine Bedrohung für das bisher Erreichte in Bildung und Kindererziehung dar.

Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer kommt am Schluss seines Buches „Digitale Demenz“ zu einem resoluten und unmissverständlichen Urteil: „Digitale Medien führen dazu, dass wir unser Gehirn weniger nutzen, wodurch seine Leistungsfähigkeit mit der Zeit abnimmt.“. Ich muss ein Geständnis machen. Es war quälend und für mein Gehirn sicherlich eine Belastung. Das Spitzer-Werk wurde von mir in digitaler Version konsumiert und ich spürte förmlich die Schrumpfung meines Geistes. Weiterlesen »

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