Twitters Video-App Vine ist ein schlafender Social-Media-Riese

Seit wenigen Woche nutze ich mit dem Nokia Lumia 930 ein Windows Phone und meine erste Entdeckung nach dem Hochfahren des Smartphone war, dass es ja noch Vine gibt. Kurz nach dem Start der zu Twitter gehörenden Video-App für sechssekündige Clips Anfang 2013 habe ich die App noch ab und zu genutzt, doch irgendwann dann vergessen, dass es sie noch gibt. Laut einem Quartz-Artikel von Dan Frommer bin ich aber nicht der einzige, der da gerade eine spannende Entwicklung verpasst.

Die gute Nachricht: Vine existiert immer noch

Sechs Sekunden sind eine sehr kurze Zeit. Manche Nutzer schaffen es zwar, in der Zeitspanne durchaus kreativen und viralen Content zu erstellen, ich bin aber keiner davon. Mit den 15 Sekunden für Videos bei Instagram oder den 30 Sekunden direkt in der Twitter-App, konnte ich stets mehr anfangen. Aber meinem persönlichen Nutzungsverhalten zum Trotz gibt es Vine immer noch, was laut Dan Frommer das witzige an dem fast vergessenen Vine ist.

Immerhin nutzen jeden Monat mehr als 100 Millionen aktive Nutzer die App und sorgen für 1,5 Milliarden Loops genannte Wiedergaben von Videos. Vine ist inzwischen mehr als nur ein „Instagram für Videos“. Die iPhone-App ist laut dem Apps beobachtenden Dienst App Annie in übr 13 Ländern unter den Top-100-Apps und liegt in den USA sogar vor den Apps von Tinder und Shazam. Es muss an meiner persönlichen Snapchat-Periscope-Twitter-Bubble liegen (wobei diese gerade mit der Nutzung eines Windows Phone platzt), dass mir Vine etwas aus dem Fokus gerutscht ist.

Die bessere Nachricht: Vine lässt Content besser „snacken“

Was Apps wie Snapchat so interessant machen, ist zum einem das Potential für den E-Commerce, aber auch die Möglichkeit für die Medien, das Publikum auf einem neuen Distributionskanal zu erreichen, der einen kurzweiligen Zugang zum eigenen Content bietet. Tanya Sichynsky nutzte beispielsweise Snapchat, um für USA Today Sports vom Basketball zu berichten. Eine ihrer Lektionen war, dass sich mithilfe von Snapchat schnell Content generieren lässt, der den Nutzern ein einmaliges Nutzungserlebnis beschert.

Ähnlich sieht es bei Vine aus. Kurze Videos von Sportereignissen und Fernsehsendungen sind hier ebenfalls vorzufinden und die US-amerikanische Baseball-Liga Major League Baseball nutzt sogar schon die App, um Vine-Nutzer zu erreichen. Immerhin sind laut comScore rund ein Drittel der Nutzer aus den USA, dem wichtigsten Markt für die Sportart Baseball. In den kurzen Videos werden Highlights aus den Profispielen veröffentlicht und von den Nutzern geteilt. Wie auch bei Snapchat liegt der Reiz der App darin, dass kurze Inhalte „snackbar“ sind. Diese Mobile-native Charakter kann laut Frommer gerade in Zeiten von Smartwatches immer wertvoller werden.

Twitter und Vine teilen sich ein Problem: es fehlt ein Geschäftsmodell

Doch noch verdient Twitter kein Geld mit der App. Und so beiläufig wie die App von Twitter erwähnt wird, scheint sich das so schnell auch nicht zu ändern. Zurzeit arbeiten nur rund 40 Twitter-Mitarbeiter an Vine. Twitter konzentriert sich vollkommen auf Periscope, was laut Frommer auch Sinn macht, wenn Twitter weiterhin als eine mediale Plattform für Live-Events wahrgenommen werden möchte. Was Twitter in seinen Anfangstagen war, ist Periscope heute und war Vine einfach nie. Mit prominenten Beispielen vor Augen, muss man Twitter zumindest dafür loben, dass sie die App trotzdem nicht kaputt verändern, sondern einfach in Ruhe funktionieren lassen. Laut Quartz sind sogar offene Stellen für die App ausgeschrieben, u.a. „Music Content Strategist“.

Es lohnt sich wohl, demnächst mal wieder öfters auf Vine vorbei zu schauen und vielleicht auch das eine oder andere Video zu posten. Immerhin kann hier einfach noch jeder Content, egal von wem, unglaublich viral gehen.

Hier kann Vine für verschiedene Betriebssysteme heruntergeladen werden:


Teaser & Image „Vine“ (adapted) by Esther Vargas (CC BY-SA 2.0)


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Tobias Schwarz

Tobias Schwarz

ist Coworking Manager des St. Oberholz und als Editor-at-Large für Netzpiloten.de tätig. Von 2013 bis 2016 leitete er Netzpiloten.de und unternahm verschiedene Blogger-Reisen. Zusammen mit Ansgar Oberholz hat er den Think Tank "Institut für Neue Arbeit" gegründet und berät Unternehmen zu Fragen der Transformation von Arbeit.

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