Tag der Videospiele: Welche Games uns bewegen

Hoch die Tastaturen, dieses Wochenende wird eskaliert, Gamer! Der 8. Juli wird als ‚Tag der Videospiele‘ gefeiert. Wer diesen Tag ins Leben gerufen hat, und warum, ist unklar. Dennoch spricht nichts dagegen, diesen Tag mit einer gepflegten Partie [hier bitte euer Lieblingsspiel einsetzen] zu begehen.

Tag der Videospiele – warum ist Gaming relevant?

Ob auf dem Computer, einer Konsole oder gar Smartphone und Tablet – Videospiele sind weit verbreitet und inzwischen ein popkulturelles Phänomen. Immer mehr Realverfilmungen basieren darauf. Cosplay-Conventions, auf denen sich Menschen als Spielfiguren verkleiden, werden zum Mainstream. Und viele Menschen finden sogar Spaß an Videospielen, ohne sie selbst zu spielen, wie die hohen Zuschauerzahlen von Let’s-Play-Videos bei YouTube zeigen. Videospiele sind ein großes Business, Forschungsgegenstand der Wissenschaft und immer mal wieder ein Sündenbock für kulturpessimistische Politiker.

Vor allem aber sind Videospiele für viele Menschen ein Teil ihrer Biographie geworden. Viele erinnern sich gern an ihre ersten Gaming-Erfahrungen oder großartige Spielemomente, die lange zurückliegen. Auch die Redaktion von Netzpiloten, Applepiloten und Androidpiloten zockt immer mal wieder gern und leidenschaftlich. Den Tag der Videospiele nehmen wir zum Anlass, euch zu verraten, welche Games uns begeistern oder prägen.

BioShock – Wunderschön hässliches Spielesetting zum Eintauchen

Lisa Kneidl, Redakteurin: Videospiele spiele ich schon mein Leben lang, aber erst „BioShock“ hat mich im Jahr 2007 zu einer leidenschaftlichen Gamerin gemacht. In das wunderbare Storytelling dieser Mischform aus Egoshooter, Rollenspiel und Survival-Horror habe ich mich damals verliebt.

Atmosphäre wird in „BioShock“ großgeschrieben. Sie ist mitunter so nervenzerfetzend spannend, dass ich den ersten Teil nur bei Tageslicht spielen konnte. Er entführt den Spieler in die wunderschön zerstörte Unterwasserstadt Rapture in den Sechziger Jahren. Hier finden die Bewohner eine Zuflucht vor den Nachkriegswirren und wollen eine freie Gesellschaft aufbauen. Zu fröhlichen Swing-Titeln aus herrlich verzerrten Jukeboxen durch klaustrophobische Tunnel zu wandern, mit der Befürchtung, hinter jeder Ecke auf einen genetisch manipulierten Bewohner Raptures oder gar einem der berühmt-berüchtigten Big Daddies zu treffen, hat mich unvergleichlich gegruselt und fasziniert.

Das Setting der „BioShock“-Spielereihe hat mich derart in seinen Bann gezogen, dass die Spielfigur Elizabeth zu einer meiner Lieblingsrollen in meinem anderen Hobby – dem Cosplay – geworden ist.

Mario Kart: Double Dash!! – Zocken und zoffen wie Bruder und Schwester

Melina Mork, Praktikantin: Aufgewachsen mit einem großen, technikaffinen Bruder, wurde ich früh mit Videospielen sozialisiert. Zum einen, weil ich unbedingt zuschauen wollte, zum anderen, weil mein Bruder eine Gegnerin brauchte, gegen die er immer und immer wieder gewinnen konnte.

Das Spiel, das mich am längsten in dieser Hinsicht begleitet hat ist „Mario Kart: Double Dash!!“ für den Nintendo GameCube. Ich kann nicht aufzählen, wie oft ich mit meinem Bruder oder meinen Freunden die Strecken und Pokale gefahren bin und wie oft ich verloren habe. Aber es gibt kein schöneres Gefühl, als den Gegner auf den letzten Metern zu überholen, mit Items zu treffen oder auf dem Regenbogen-Boulevard nicht in den Abgrund zu stürzen. Und für mich persönlich war das schönste Erlebnis, meinen Bruder kürzlich zum ersten Mal zu besiegen – nach zehn Jahren Anlauf. Ich bin überzeugt: Ist man nach einer ausgiebigen „Mario-Kart“-Partie noch befreundet, wird die Freundschaft alles überstehen.

„Mario Kart: Double Dash!!“ und die Konsole Nintendo GameCube sind nur noch gebraucht zu haben, werden aber noch begeistert gespielt.

Tomb Raider: Rätselraten mit der taffen Amazone

Jonas Haller, Autor: Am liebsten spiele ich Games mit starken Geschichten. Adventure-Games sind deshalb meine Lieblingskategorie. Sie fesseln mich und lassen mich in eine andere Welt abtauchen. Mein persönlicher Favorit ist die „Tomb Raider“-Reihe – sowohl die Klassiker als auch die beiden Next-Gen-Neuauflagen.

Auch wenn die Stories rund um die taffe Lara Croft sehr linear sind, gefällt mir das Entdecken der liebevoll und detailliert modellierten Inselwelt sowie das Bewältigen kleiner Aufgaben und Rätsel. Kampfszenen sind nicht nur ein unüberlegtes Geballere, sondern bieten einen spannenden Strategie-Faktor. Auch deshalb kann man die Spiele gern ein zweites Mal durchzocken. Es zeigen sich immer wieder neue Lösungsmöglichkeiten. Ich hoffe, dass es in der Spielereihe noch die ein oder andere Fortsetzung geben wird.

Der aktuellste Titel, „Rise of Tomb Raider“, ist für PC, Xbox One und PlayStation 4 erhältlich.

Minecraft: Unendliche Möglichkeiten

Julia Froolyks, Autorin: „Was ist das Ziel des Spiels?“ – diese Frage höre ich öfter, wenn es um mein Lieblingsspiel „Minecraft“ geht. Darauf gibt es eigentlich keine richtige Antwort. Denn das Open-World-Spiel hat kein Ende im engeren Sinn. Die Spieler können hier in einer offenen Welt ale möglichen Objekte aus würfelartigen 3D-Blöcken konstruieren. Zudem können Spieler die Welt erkunden, Ressourcen sammeln und gegen Monster kämpfen – allerdings ist das kein Muss. Genau das ist das Schöne an „Minecraft“: Jeder Spieler erlebt die Welt auf seine eigene, individuelle Art.

Ich verbringe meine Zeit im Spiel am liebsten im Bergbau und besorge wertvolle Edelsteine, die andere Spieler zu Gebrauchsgegenständen verarbeiten können. Diese eintönige Aufgabe hat auf mich fast schon eine meditative Wirkung. Eine Multiplayer-Funktionen erlaubt das Zusammenspiel mit anderen Spielern. Sich für das Spiel zu verabreden und „ingame“ zu treffen, ist für mich und viele andere Menschen ein großer Spaßfaktor. Zudem ist das Spiel so komplex, dass ich mich auch außerhalb des Spiels über neue Funktionen informiere und mit anderen darüber diskutiere. „Minecraft“ ist also virtuell und in der Realität ein Spiel, das verbindet. Diese soziale Komponente und die Tatsache, dass kein Spielziel das Handeln einengt, machen „Minecraft“ zu etwas Besonderem.

„Minecraft“ ist für alle gängigen Plattformen erhältlich.

Grim Fandango: Komm mit ins Land der Toten!

Anne Jerratsch, Redakteurin: „Gehe zu, öffne Schublade, benutze seltsam aussehendes Objekt“ – die Spiele von Lucas Arts gelten bis heute als absolute Klassiker der Point-and-Click-Adventures. Die abgedrehten Stories und der einzigartige, oft anarchische Humor sind mittlerweile zu echten Internet-Memes geworden. Der neben dem Piratenklassiker „Monkey Island“ etwas vergessene mexikanische Noir-Thriller „Grim Fandango“ ist hierbei mein Favorit.

Hier schlüpft der Spieler in die Rolle von Manuel Calavera. Er ist bereits tot, muss aber als Reiseberater schuften, um sich sein Ticket ins Jenseits zu verdienen. Dabei trifft er die aufregende, aber ebenso tote Mercedes und kommt einem Korruptionskomplott auf die Spur. Der Humor ist hier mindestens so schwarz wie die Lungen der Beteiligten. Das Setting knüpft an die mexikanische Tradition des Día de los Muertos an und die liebevoll gestalteten Kulissen erinnern an Kinoklassiker wie Casablanca. Mehr als einmal bin ich zu einem früheren Spielstand zurückgekehrt, um durch die Gassen von Rubacava zu streunern oder in der Blue Casket-Bar abzuhängen. Als besonderes Bonbon wird das Spiel mit einem mitreißenden Soundtrack aus Blues und Jazz unterlegt, der jede Party aufmotzen kann.

Die Remastered-Version von Grim Fandango ist für PC, Mac, PlayStation 4 sowie für iOS und Android erhältlich

Game of Thrones: Ein „Spiel-Film“ für das iPad

Berti Kolbow-Lehradt, Redakteur: Ich spiele inzwischen überwiegend auf dem iPad. Die hochwertigen, mobilen Titel muss ich zwar mit der Lupe suchen, aber es gibt sie. Allen voran schätze ich die fantastisch erzählten „Interactive Fiction“-Spiele von Telltale, insbesondere „Game of Thrones“, das ich derzeit wieder durchspiele.

Die erzählerische Dichte fesselt mich mindestens so wie die Serien-Vorlage. Die innere Zerrissenheit der von mir gespielten Protagonisten bei manchen Entscheidungen geht mir manchmal bis ins Mark. Zwar ist mein Einfluss auf den Ausgang nicht so groß wie der Hersteller das suggeriert, trotzdem fühle ich mich hineingezogen in das Geschehen. Insofern macht mir die Mischung aus interaktivem Spiel und filmischer Erzählung nicht nur riesigen Spaß. Game of Thrones für iOS ist für mich auch ein Leuchtturm dafür, wie Storytelling in Lizenz-Videospielen heute sein sollte und dafür, dass die Qualität von Mobile Games dem Erlebnis von PC- und Konsolentiteln das Wasser reichen kann.

Game of Thrones ist neben iOS für alle gängigen Plattformen erhältlich.

Was zockt ihr am Tag der Videospiele? Was sind eure Lieblingsspiele und warum? Und welche Erinnerungen verbindet ihr mit ihnen? Erzählt es uns in den Kommentaren!


Image (adapted) Ten Too Many by Joel Stubston (CC BY SA 2.5)


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