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A Plague Tale: Innocence im Test – Atmosphärischer Singleplayer wird Überraschungshit

A Plague Tale: Innocence blieb lange unter dem Radar der allgemeinen Spielerschaft. Es schaffte es nach seinem Release am 14. Mai 2019 aber schnell, Bestnoten bei den Kritikern zu verbuchen. Das Action Adventure mit Story-Fokus des französischen Entwicklers Asobo Studio, wird schon jetzt als Geheimtipp gefeiert. Außerdem wird es mit Genre-Kollegen wie Hellblade: Senua’s Sacrifice (Provisionslink) verglichen, das seiner Zeit ebenfalls schnell von sich Reden machte. Dazu kommt das noch relativ unberührte Setting des 14. Jahrhunderts. Auch die mitreißende Geschichte der beiden Geschwister Amicia und Hugo in ihren Kampf gegen die Inquisition, die Pest und eine mysteriöse Krankheit.

Entfremdete Geschwister im Kampf gegen die Inquisition

Im Jahr 1348 wird Frankreich von der Pest, dem Hundertjährigen Krieg und der Inquisition heimgesucht. Inmitten dessen wachsen die wohlhabenden Geschwister Amicia und Hugo de Rune regelrecht behütet auf. Den Großteil des jungen Lebens von Hugo allerdings getrennt. Da der kleine Junge an einer mysteriösen Krankheit leidet, schottet seine Mutter ihn von der Außenwelt ab. Die Idylle wird aus dem Nichts zerstört, als die Inquisition mordend über den Hof der Familie herfällt. Mit nur einem Ziel: den kleinen Hugo gefangen nehmen. Den Geschwistern bleibt nur die Flucht und die Frage, wieso die Inquisition nach dem kleinen Jungen trachtet. Was hat es mit seiner Krankheit auf sich?

Emotionen schaffen

In 17 Story-Kapiteln und rund 15 Stunden Spielzeit erzählt A Plague Tale: Innocence die spannende Geschichte von Amicia und Hugo. Zunächst verlieren sie alles, gleichzeitig finden sie aber auch zueinander, nachdem sie jahrelang voneinander abgeschottet aufgewachsen sind. Das Storytelling erfolgt auf lineare Weise, was aber an keiner Stelle negativ auffällt. Die Story wirkt perfekt durchdacht und schafft es, subtil Emotionalität aufzubauen. Die Beziehung der Geschwister, die erst lernen müssen Zuneigung zueinander aufzubauen, wirkt überzeugend. Sie mögen sich zu Beginn kaum kennen. In späteren Kapiteln lässt man aber keinen Zweifel daran, dass Amicia für ihren kleinen Bruder durch die Hölle gehen würde.

Das wird durch die exzellente musikalische Untermalung und nicht zuletzt die großartige Synchronisation untermauert. Unbedingt auf Englisch spielen. Hier sprechen die Charaktere mit akkuraten französischen Akzenten! Insbesondere die Synchronsprecher von Amicia und Hugo wurden altersgerecht besetzt und erwecken die Figuren zum Leben.

Eine Verbindung als spielerisches Element

Spielerisch wird die Verbindung der Geschwister gekonnt damit betont, dass ihr Hugo fast immer an der Hand haltet. A Plague Tale: Innocence ist ein gekonnter Mix aus Stealth, Action-Game und Adventure mit Rätsel-Elementen. Der Kleine weicht euch dabei fast nicht von der Seite. Müsst ihr ihn doch einmal loslassen, um beispielsweise Wachen abzulenken, fühlt sich das sogar falsch an. Das Spiel ist aber alles andere als eine dröge Escort-Mission a la Ashley Graham aus Resident Evil. Hugo kann sich nämlich auch nützlich machen, indem er durch Löcher in Wänden und Zäunen schlüpft und euch Türen öffnet.

Kampfsequenzen sind gekonnt durch das Spiel gestreut. Sie wirken nachvollziehbar und realistisch, aber Amicia ist definitiv nicht hilflos. Anfangs ist sie nur mit einer Steinschleuder bewaffnet, aber sie lernt schnell den einen oder anderen Alchemie-Trick dazu und weiß sich so auf diverse Weisen zu verteidigen. Andererseits stirbt sie allerdings durch One-Hits. Das fordert den Spieler dazu auf, eine Stealth und Kampf-Strategie für das jeweilige Level zu entwickeln. Generell legt A Plague Tale: Innocence viel Wert auf gutes Pacing. Nervenaufreibende Stealth-Sequenzen stehen im angenehmen Wechsel mit ruhigeren Momenten und Rätsel-Passagen.

Das Spiel lässt euch oftmals keine Chance, eine grauenvolle Entscheidung treffen zu müssen, wenn es heißt, für Hugos Sicherheit zu sorgen und vor der Inquisition zu fliehen. Allerdings gehen solche Momente auch nicht spurlos an den Charakteren vorbei. Amicia fällt ihr erster Mord nicht leicht und das glaubt man ihr auch.

A Plague Tale: Innocence verfolgt euch mit Tausenden an Ratten

Wie der Name schon verrät, spielt A Plague Tale: Innocence zur Zeit der Pest. Hier trefft ihr allerdings auf schier entsetzliche Massen an Ratten, die unter einer Art Schwarmdenken handeln. Das Spiel schafft es aber auf beeindruckende Weise atemberaubend schön zu sein. In ruhigen und familiären Momenten sind die Schauplätze in goldene, herbstliche Farben getaucht. Aber es wirkt auch grotesk und grauenerregend. Berge voller totem Vieh oder ein frisch verlassenes Schlachtfeld des Hundertjährigen Kriegs bereiten Gänsehaut.

Quasi die dritten Hauptdarsteller des Spiels, neben Amicia und Hugo, sind die Horden an Ratten. Diese überrennen ganze Landstriche und lauern zudem als ständige Bedrohung im Untergrund. Asobo Studio nutzt für deren Animation eine eigens inhouse entwickelte Engine. Mit dieser treiben rund 5.000 Ratten gleichzeitig auf dem Bildschirm ihr Unwesen. Mit schrillen Violinen-Tönen, die euch das Blut in den Adern gefrieren lassen, kündigt das Spiel zudem die Biester an. Diese könnt ihr aber nur mit Feuer vertreiben und das bringt euch nur allzu oft in brenzliche Situationen. Durch Rätselraten und geschickte Interaktionen müsst ihr vor ihnen fliehen oder sie auf grauenvolle Weise als Waffe gegen Gegner einsetzen.

Fazit

Asobo Studio ist mit A Plague Tale: Innocence eine der besten Singelplayer-Erfahrungen der jüngeren Zeit gelungen. Mit Amicia und Hugo begegnet uns meiner Meinung nach das beste Haupt- und Nebencharakter Duo in einem Action-Adventure seit Booker und Elizabeth aus Bioshock: Infinite. Die Geschichte und Beziehung wird glaubhaft erzählt und die Dialoge und das Können der Darsteller stellen die Zuneigung der Geschwister und ihre Charakter-Motivationen überzeugend dar. Technisch ist das Spiel mit der Ratten-Engine beeindruckend und das Design ist – ob nun wunderschöne Lichtstimmungen oder groteske Leichenberge – atemberaubend. Die Geschichte rund um Hugos mysteriöse Krankheit wird befriedigend zu Ende erzählt und rundet die ca. 15 Spielstunden perfekt ab. A Plague Tale: Innocence ist spannend und mitreißend von Anfang bis Ende und mein persönliches bisheriges Spiel des Jahres 2019!

Taucht mit diesem atmosphärischen Trailer mit einem Gedicht gelesen von Game of Thrones Darsteller Sean Bean in das Universum von A Plague Tale: Innocence ein:

Getestet wurde die PlayStation 4 Version des Spiels, die mit freundlicher Unterstützung von Koch Media zur Verfügung gestellt wurde.

Erlebe die spannende Geschichte um Amicia und Hugo selbst. (Provisionslink)


Images by Asobo Studio / Koch Media

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“Bestes Deutsches Spiel” des DCP 2019 – Trüberbrook im Test

In Sachen Entertainment bin ich leicht gestrickt – wenn man mir sagt, eine Serie, Film oder Spiel seien “xyz-esque” – erinnert also an ein anderes Stück Medium, das mir gefällt – dann zögere ich nicht lange, mir selbst eine Meinung zu bilden. Als ich hörte, dass das Science-Fiction-Adventure Trüberbrook von Headup Games und dem deutschen Produktionsstudio btf als ein Mix aus Twin Peaks und Stranger Things beschrieben wird, weckte das direkt mein Interesse. Das wohl bekannteste Projekt von btf, welches 2012 von einer Gruppe Kunststudenten gegründet wurde, sind die TV-Formate Neo Magazin Royale und Schulz & Böhmermann.

2017 erreichte die Kickstarter-Kampagne des Studios für Trüberbrook – damals noch mit dem Untertitel “A Nerd Saves the World” – in 30 Stunden fast 200.000 Euro von über 5.000 Unterstützern. Da überrascht es auch nicht, dass so prominente Stimmen wie Nora Tschirner, Dirk von Lowtzow, Henning May, Katjana Gerz und Jan Böhmermann im Spiel vertreten sind. Anfang April wurde das Point & Click außerdem erst als “Bestes Deutsches Spiel” beim Deutschen Computerspielpreis 2019 ausgezeichnet. Was kann das kleine Story-Adventure also?

Twin Peaks trifft in Trüberbrook auf Heimatfilm

In Trüberbrook schlüpft man in die Rolle des Quantenphysikers Hans Tannhauser. Dieser findet sich durch den mysteriösen Sieg bei einem Gewinnspiel im Urlaub im fiktiven Luftkurörtchen Trüberbrook im Norddeutschland der 1960er Jahre wieder. Der verschlafene Ort wirkt zunächst unscheinbar, aber bald merkt Hans, dass dort seltsame Dinge vor sich gehen und er schließlich sogar die Welt retten muss.

Das storybasierte Adventure-Game versprüht einen ganz besonderen Charme. Grund dafür sind der Mix aus Science Fiction, Twin Peaks und Heimatfilm, die skurillen Charaktere und die handgebauten Kulissen. Letztere wurden übrigens aufwendig mit Photogrammetrie-Technik digitalisiert. Neben der exzellenten deutschen Sprachausgabe, lohnt es sich aber auch Trüberbrook auf Englisch umzustellen. Bis auf Tannhauser bleiben die Synchronsprecher der Charaktere die gleichen. So kann man sich darüber amüsieren, wie Nora Tschirner, Jan Böhmermann und Co. ihre deutschen Klischee-Akzente zum Besten geben.

Beim Gameplay greift das Spiel auf klassische Point & Click Mechanik zurück – das ist auf der Nintendo Switch leider oft ein bisschen holprig. Das anvisieren und wählen von Gegenständen und Charakteren mit dem Joystick ist dadurch ruckelig und unbeholfen. Das Genre eignet sich zwar ideal für das kurzweilige On/Off-Spielen in der Bahn, aber bei der Steuerung hatte ich es mir dann doch gewünscht, eine Maus in der Hand zu haben.

In Sachen Rätsel hätte Trüberbrook auch einen höheren Schwierigkeitsgrad vertragen können. Als Hans sammelt der Spieler in den verschiedenen Schauplätzen allerhand skurriler Gegenstände ein. Das reicht von einem Glas Glühwürmchen, über eine Krähenpfeife bis hin zu einem Meteor. Der Lösungsweg ist allerdings beinahe nonexistent. Anstatt dass man sich selbst darüber den Kopf zerbrechen muss, wie man die Gegenstände im Inventar kombinieren muss, macht das Spiel das ganz einfach von selbst. Dem Spieler ein wenig autonomes Denken zuzutrauen, hätte dem Spielspaß ein wenig mehr auf die Sprünge geholfen.

 

Fazit

Trüberbrook ist ein kurzweiliger und skurriler, wenn auch ein wenig zu leichter Spaß. Bei den rund 5 bis 10 Spielstunden ist die UVP von 29,99 Euro außerdem ein wenig happig. Die Story hätte ebenfalls ein wenig mehr Tiefe vertragen können. Man merkt aber, dass das Spiel mit viel Liebe gestaltet wurde: der Soundtrack besticht, die Hintergründe transportieren das urdeutsche Kleinod und kleine Hinweise auf Inspirationen wie Twin Peaks – Hans spricht per Memo mit einer “Beverly” so wie Special Agent Dale Cooper mit seiner “Diane” – sind tolle Referenzen für Genre-Fans.

Auch die Kickstarter-Unterstützer werden an diversen Stellen im Spiel gebührend in Szene gesetzt. Wer aber Fan von Stranger Things, Doctor Who und Co. ist, darf dennoch nicht zu viel in Sachen Komplexität erwarten. Dafür wird man aber mit angepassten Erwartungen definitiv Gefallen an seinem Aufenthalt im beschaulichen Luftkurörtchen Trüberbrook finden. Schnappt euch das Spiel am besten im Sale, denn spielenswert ist es allemal.

Trüberbrook ist für PC, Mac, Linux, PlayStation 4, Xbox One und die Nintendo Switch verfügbar. Auch ein Port auf mobile Geräte wird nicht ausgeschlossen. Getestet wurde für diesen Test die Nintendo Switch Version, die freundlicherweise von Headup Games zur Verfügung gestellt wurde.

Trüberbrook jetzt auf Amazon kaufen (Provisionslink).


Images by Headup Games

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My Time at Portia im Test: Harvest Moon in der Werkstatt

Am 12. September startete die Kickstarter-Finanzierung von My Time at Portia. Bereits zuvor gab es auf Steam eine frühe Demo-Version, in der sich Spieler einen ersten Eindruck vom Spiel verschaffen konnten. Die 146.697 Dollar reichten, um das Spiel zu finanzieren, und sogar ein paar zusätzliche Features freizuschalten.

Das kleine Entwicklerstudio Pathea Games aus China ist übrigens nicht völlig neu im Geschäft. Zuvor entwickelten sie das Open World Sandbox-Spiel Planet Explorers. Dieses musste jedoch auch einige Kritik einstecken, weil es zwar eine tolle Grundlage bot, für viele jedoch praktisch nie fertig entwickelt wurde. Konnte Pathea Games bei My Time at Portia das Spiel besser zum Abschluss bringen?

Handwerk statt Landwirtschaft

Doch worum geht es denn eigentlich in My Time at Portia? Am einfachsten lässt sich der Indie-Titel mit Harvest Moon vergleichen. Der große Unterschied: Statt einer eigenen Farm, bauen wir unsere eigene Werkstatt auf. Das Ganze spielt in einer postapokalyptischen, aber doch recht farbenfrohen Welt, in der viele technische Errungenschaften verloren gegangen sind.

Fast schon klischeehaft, startet das Spiel mit unserer Ankunft in der freien Handelsstadt Portia, in der wir die heruntergekommene Werkstatt unseres Vaters wieder aufbauen sollen. Dieser zieht derweil auf der Suche nach Abenteuer durch die Welt. Glücklicherweise ist Presley, der Handelsbeauftragte der örtlichen Handelsgilde, ein guter Freund unseres alten Herren und hilft uns bei den ersten Schritten. Ebenso hat unser Vater einige Anleitungen hinterlassen, mit denen wir unsere ersten Aufträge bewältigen sollen.

Es beginnt ziemlich einfach. Wir sammeln Rohstoffe vorerst vom Boden auf, einige Zweige und Steine, und bauen daraus unser erstes, primitives Werkzeug. Das ermöglicht uns nicht nur den Abbau von Steinvorkommen und Bäumen, sondern dient zugleich als erster Test, um unsere Handwerkskünste zu beweisen. Haben wir auch noch einen ersten Schmelzofen gebaut, werden wir offiziell als Baumeister anerkannt und dürfen unserer Werkstatt darüber hinaus einen Namen geben.

Das haben wir gebaut

Fortan werden wir alle Hände voll zu tun haben, Dinge zu bauen. Dafür gibt es unter anderem das Auftragsbrett der Handelsgilde. Dort dürfen wir täglich einen Auftrag nehmen, der uns nicht nur Geld, sondern auch den Bewohnern ein wenig näher bringt. Einige Bewohner sind allerdings auch Konkurrenten von uns, da wir nicht die einzige Werkstatt betreiben.

Für jeden Auftrag gibt es neben Geld auch eine Anzahl Rufpunkte. Bis Quartalsende sollte man auf der Rangliste der Handelsgilde mehr Punkte haben als die Konkurrenz, da je nach Platzierung ein paar Belohnungen für euch rausspringen. Snooker-Fans werden sich übrigens über die Namensgebung der anderen Handwerker amüsieren.

Neben den generischen Aufträgen vom schwarzen Brett, gibt es übrigens auch zahlreiche Aufträge aus der Geschichte heraus. Einige stehen für sich und drehen sich um unsere Mitbürger, andere treiben die Hauptstory voran, in der ihr helft, Portia zu einer florierenden Handelsstadt zu machen. Nicht selten steht ihr dabei auch in Konkurrenz mit eurem Erzrivalen Higgins.

Diese Quests sind oft größere Bauprojekte, die teils mehrstufig aufgebaut sind. Dafür bekommen wir meist spezielle Baupläne für unsere Fertigungsstation. Diese Aufträge bringen nicht nur mehr Geld und Rufpunkte, sondern erweitern auch Stück für Stück die Welt. Als ersten großen Auftrag sollen wir eine Brücke zu einer kleinen Insel bauen. Anschließend können wir auf der Insel ein paar zusätzliche Ressourcen abbauen. Außerdem gibt es dort noch eine ominöse Höhle.

Nach und nach hinterlassen wir ziemlich große Fußabdrücke in der farbenfrohen Postapokalypse. Kaum ein Spiel schafft es so schön, die eigenen Errungenschaften vor Augen zu führen. Mit Fortschreiten des Spiels sehen wir überall in der Welt verteilt die Werke, die wir selbst erschaffen haben. Und verdammt, es fühlt sich besser als irgendwelche aufploppenden Achievements an.

Unser Privatleben

Doch wo ist jetzt die Verbindung zu Harvest Moon, wenn wir doch Basteln anstatt die Felder zu bestellen? Zwar können wir tatsächlich auch diverse Pflanzen anbauen, doch ist es eher die Gesamterfahrung, die an die kultige Landwirtschaftssimulation erinnert. Die Jahreszeiten bestehen auch hier aus je vier Wochen und der Tag vergeht ähnlich schnell. Außerdem kann man sich mit jedem Bewohner der Stadt anfreunden oder gar eine romantische Beziehung beginnen.

Nicht nur mit Aufträgen, sondern auch mit gelegentlichen Geschenken kann man so nach und nach in der Gunst der Bewohner steigen, die einem mit der Zeit richtig ans Herz wachsen. Ein Blick in die My Time at Portia-Wiki ist da nicht schlecht, um zu schauen, womit man den Bewohnern die größte Freude machen kann. Außerdem stehen dort auch die Geburtstage, die man sonst erst ab einer gewissen Freundschaftsstufe im spielinternen Kalender angezeigt bekommt. Ein Geschenk zum Geburtstag gibt besonders viele Beziehungspunkte.

Viel zu tun in My Time at Portia

Wie der geistige Bruder, leidet aber auch My Time at Portia unter repetitiven Tätigkeiten, wenn es um Handwerk und die Pflege sozialer Kontakte geht, auch wenn man für Dates auch ein paar gemeinsame Aktivitäten zur Verfügung hat. Hier kommt dem Spiel zu Gute, dass es eine sehr breite Palette an Tätigkeiten bietet.

Um die Materialien zu sammeln, ziehen wir durch die Welt oder steigen mit der Spitzhacke in alte Ruinen ab, um dort diverse Erze abzubauen. Vergraben sind aber nicht nur Metalle, sondern auch Relikte aus „alter Zeit“, die wir wieder zusammensetzen können, wenn wir alle Teile zusammen haben. Außerdem gibt es auch noch Dungeons, in denen wir die Spitzhacke für das Schwert eintauschen und fiesen Monstern eins über die Rübe ziehen.

Auch innerhalb der Welt gibt es viele absurde Kreaturen zu sehen, darunter bunte Lamas und „Herr Marienkäfer“ – zugegeben, das englische „Mr Ladybug“ funktioniert als Wortwitz deutlich besser. Diese geben uns übrigens auch wichtige Zutaten fürs Handwerk. Da der Spaß an diesen Tätigkeiten sich irgendwann abnutzt und immer mehr Materialien gebraucht werden, gibt einen das Spiel später genug Möglichkeiten, automatisiert an Ressourcen zu gelangen.

Damit der Handwerker-Alltag nicht zu eintönig wird, hat My Time at Portia viele Minispiele versteckt. Außerdem finden in jeder Jahreszeit diverse Events statt, bei denen ihr auch zusätzliche Kleidungsstücke und Dekorationen erspielen könnt. Da muss gelegentlich auch schonmal das Haus oder das Grundstück vergrößert werden, um alle Möbel, Werkbänke und Dekorationen unter zu bekommen.

Fazit: Meine Zeit in Portia

Ich kann stolz sagen, dass ich Spieler der ersten Stunde bin. Bereits vor der Kickstarter-Finanzierung spielte ich die Demo und war skeptisch. Damals gab es noch wenig zu tun und die Technik hatte noch deutliche Macken. Doch so wie sich dem Spieler nach und nach die Welt entfaltet, fügte Pathea Games immer wieder neue Inhalte hinzu und ging dabei vorbildlich auf Spielerfeedback ein. Vor allem die Quality of Life-Verbesserungen am Truhen-Management haben wahre Wunder gewirkt.

Zwar sind viele Mechaniken Genre-typisch flach und repetitiv, doch das Gesamtbild ist am Ende stimmig und es gibt immer etwas zu tun. Die Storyquests sind einer der größten Vorteile gegenüber Harvest Moon und Stardew Valley und lassen uns die Charaktere richtig ans Herz wachsen. My Time at Portia findet außerdem das richtige Tempo, die Welt Stück für Stück zu öffnen und neue Charaktere einzuführen.

Meine Zeit in Portia war auf keinen Fall verschwendet. Ich muss mich nur umschauen und sehe in allen Himmelsrichtungen große und kleine Bauwerke, die durch meiner eigenen Arbeit entstanden sind – wobei die Werkstatt mittlerweile über eine automatisierte Fabrik verfügt. Mit den Einwohnern bin ich schon längst per du und Portia ist mittlerweile eine ernstzunehmende Handels-Stadt geworden. Da ich bald nicht mehr alleine wohne, sollte ich aber vielleicht noch mein Haus etwas vergrößern.

Ich habe das umstrittene Planet Explorers zugegeben nicht gespielt, aber mit My Time at Portia ist Pathea Games ein großartiges Spiel gelungen, das nun zurecht endlich seinen Release feiert. Konsolenspieler müssen sich allerdings noch gedulden. Für PS4, Xbox One und Switch erscheint das Spiel erst später im Frühjahr.


Image by Pathea Games

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Tag der Videospiele: Welche Games uns bewegen

TenTooMany (adapted) (Image by Joel Stubston [CC BY SA 2.5], via Wikimedia Commons) Tag der Videospiele

Hoch die Tastaturen, dieses Wochenende wird eskaliert, Gamer! Der 8. Juli wird als ‚Tag der Videospiele‘ gefeiert. Wer diesen Tag ins Leben gerufen hat, und warum, ist unklar. Dennoch spricht nichts dagegen, diesen Tag mit einer gepflegten Partie [hier bitte euer Lieblingsspiel einsetzen] zu begehen.

Tag der Videospiele – warum ist Gaming relevant?

Ob auf dem Computer, einer Konsole oder gar Smartphone und Tablet – Videospiele sind weit verbreitet und inzwischen ein popkulturelles Phänomen. Immer mehr Realverfilmungen basieren darauf. Cosplay-Conventions, auf denen sich Menschen als Spielfiguren verkleiden, werden zum Mainstream. Und viele Menschen finden sogar Spaß an Videospielen, ohne sie selbst zu spielen, wie die hohen Zuschauerzahlen von Let’s-Play-Videos bei YouTube zeigen. Videospiele sind ein großes Business, Forschungsgegenstand der Wissenschaft und immer mal wieder ein Sündenbock für kulturpessimistische Politiker.

Vor allem aber sind Videospiele für viele Menschen ein Teil ihrer Biographie geworden. Viele erinnern sich gern an ihre ersten Gaming-Erfahrungen oder großartige Spielemomente, die lange zurückliegen. Auch die Redaktion von Netzpiloten, Applepiloten und Androidpiloten zockt immer mal wieder gern und leidenschaftlich. Den Tag der Videospiele nehmen wir zum Anlass, euch zu verraten, welche Games uns begeistern oder prägen.

BioShock – Wunderschön hässliches Spielesetting zum Eintauchen

Lisa Kneidl, Redakteurin: Videospiele spiele ich schon mein Leben lang, aber erst „BioShock“ hat mich im Jahr 2007 zu einer leidenschaftlichen Gamerin gemacht. In das wunderbare Storytelling dieser Mischform aus Egoshooter, Rollenspiel und Survival-Horror habe ich mich damals verliebt.

Atmosphäre wird in „BioShock“ großgeschrieben. Sie ist mitunter so nervenzerfetzend spannend, dass ich den ersten Teil nur bei Tageslicht spielen konnte. Er entführt den Spieler in die wunderschön zerstörte Unterwasserstadt Rapture in den Sechziger Jahren. Hier finden die Bewohner eine Zuflucht vor den Nachkriegswirren und wollen eine freie Gesellschaft aufbauen. Zu fröhlichen Swing-Titeln aus herrlich verzerrten Jukeboxen durch klaustrophobische Tunnel zu wandern, mit der Befürchtung, hinter jeder Ecke auf einen genetisch manipulierten Bewohner Raptures oder gar einem der berühmt-berüchtigten Big Daddies zu treffen, hat mich unvergleichlich gegruselt und fasziniert.

Das Setting der „BioShock“-Spielereihe hat mich derart in seinen Bann gezogen, dass die Spielfigur Elizabeth zu einer meiner Lieblingsrollen in meinem anderen Hobby – dem Cosplay – geworden ist.

Mario Kart: Double Dash!! – Zocken und zoffen wie Bruder und Schwester

Melina Mork, Praktikantin: Aufgewachsen mit einem großen, technikaffinen Bruder, wurde ich früh mit Videospielen sozialisiert. Zum einen, weil ich unbedingt zuschauen wollte, zum anderen, weil mein Bruder eine Gegnerin brauchte, gegen die er immer und immer wieder gewinnen konnte.

Das Spiel, das mich am längsten in dieser Hinsicht begleitet hat ist „Mario Kart: Double Dash!!“ für den Nintendo GameCube. Ich kann nicht aufzählen, wie oft ich mit meinem Bruder oder meinen Freunden die Strecken und Pokale gefahren bin und wie oft ich verloren habe. Aber es gibt kein schöneres Gefühl, als den Gegner auf den letzten Metern zu überholen, mit Items zu treffen oder auf dem Regenbogen-Boulevard nicht in den Abgrund zu stürzen. Und für mich persönlich war das schönste Erlebnis, meinen Bruder kürzlich zum ersten Mal zu besiegen – nach zehn Jahren Anlauf. Ich bin überzeugt: Ist man nach einer ausgiebigen „Mario-Kart“-Partie noch befreundet, wird die Freundschaft alles überstehen.

„Mario Kart: Double Dash!!“ und die Konsole Nintendo GameCube sind nur noch gebraucht zu haben, werden aber noch begeistert gespielt.

Tomb Raider: Rätselraten mit der taffen Amazone

Jonas Haller, Autor: Am liebsten spiele ich Games mit starken Geschichten. Adventure-Games sind deshalb meine Lieblingskategorie. Sie fesseln mich und lassen mich in eine andere Welt abtauchen. Mein persönlicher Favorit ist die „Tomb Raider“-Reihe – sowohl die Klassiker als auch die beiden Next-Gen-Neuauflagen.

Auch wenn die Stories rund um die taffe Lara Croft sehr linear sind, gefällt mir das Entdecken der liebevoll und detailliert modellierten Inselwelt sowie das Bewältigen kleiner Aufgaben und Rätsel. Kampfszenen sind nicht nur ein unüberlegtes Geballere, sondern bieten einen spannenden Strategie-Faktor. Auch deshalb kann man die Spiele gern ein zweites Mal durchzocken. Es zeigen sich immer wieder neue Lösungsmöglichkeiten. Ich hoffe, dass es in der Spielereihe noch die ein oder andere Fortsetzung geben wird.

Der aktuellste Titel, „Rise of Tomb Raider“, ist für PC, Xbox One und PlayStation 4 erhältlich.

Minecraft: Unendliche Möglichkeiten

Julia Froolyks, Autorin: „Was ist das Ziel des Spiels?“ – diese Frage höre ich öfter, wenn es um mein Lieblingsspiel „Minecraft“ geht. Darauf gibt es eigentlich keine richtige Antwort. Denn das Open-World-Spiel hat kein Ende im engeren Sinn. Die Spieler können hier in einer offenen Welt ale möglichen Objekte aus würfelartigen 3D-Blöcken konstruieren. Zudem können Spieler die Welt erkunden, Ressourcen sammeln und gegen Monster kämpfen – allerdings ist das kein Muss. Genau das ist das Schöne an „Minecraft“: Jeder Spieler erlebt die Welt auf seine eigene, individuelle Art.

Ich verbringe meine Zeit im Spiel am liebsten im Bergbau und besorge wertvolle Edelsteine, die andere Spieler zu Gebrauchsgegenständen verarbeiten können. Diese eintönige Aufgabe hat auf mich fast schon eine meditative Wirkung. Eine Multiplayer-Funktionen erlaubt das Zusammenspiel mit anderen Spielern. Sich für das Spiel zu verabreden und „ingame“ zu treffen, ist für mich und viele andere Menschen ein großer Spaßfaktor. Zudem ist das Spiel so komplex, dass ich mich auch außerhalb des Spiels über neue Funktionen informiere und mit anderen darüber diskutiere. „Minecraft“ ist also virtuell und in der Realität ein Spiel, das verbindet. Diese soziale Komponente und die Tatsache, dass kein Spielziel das Handeln einengt, machen „Minecraft“ zu etwas Besonderem.

„Minecraft“ ist für alle gängigen Plattformen erhältlich.

Grim Fandango: Komm mit ins Land der Toten!

Anne Jerratsch, Redakteurin: „Gehe zu, öffne Schublade, benutze seltsam aussehendes Objekt“ – die Spiele von Lucas Arts gelten bis heute als absolute Klassiker der Point-and-Click-Adventures. Die abgedrehten Stories und der einzigartige, oft anarchische Humor sind mittlerweile zu echten Internet-Memes geworden. Der neben dem Piratenklassiker „Monkey Island“ etwas vergessene mexikanische Noir-Thriller „Grim Fandango“ ist hierbei mein Favorit.

Hier schlüpft der Spieler in die Rolle von Manuel Calavera. Er ist bereits tot, muss aber als Reiseberater schuften, um sich sein Ticket ins Jenseits zu verdienen. Dabei trifft er die aufregende, aber ebenso tote Mercedes und kommt einem Korruptionskomplott auf die Spur. Der Humor ist hier mindestens so schwarz wie die Lungen der Beteiligten. Das Setting knüpft an die mexikanische Tradition des Día de los Muertos an und die liebevoll gestalteten Kulissen erinnern an Kinoklassiker wie Casablanca. Mehr als einmal bin ich zu einem früheren Spielstand zurückgekehrt, um durch die Gassen von Rubacava zu streunern oder in der Blue Casket-Bar abzuhängen. Als besonderes Bonbon wird das Spiel mit einem mitreißenden Soundtrack aus Blues und Jazz unterlegt, der jede Party aufmotzen kann.

Die Remastered-Version von Grim Fandango ist für PC, Mac, PlayStation 4 sowie für iOS und Android erhältlich

Game of Thrones: Ein „Spiel-Film“ für das iPad

Berti Kolbow-Lehradt, Redakteur: Ich spiele inzwischen überwiegend auf dem iPad. Die hochwertigen, mobilen Titel muss ich zwar mit der Lupe suchen, aber es gibt sie. Allen voran schätze ich die fantastisch erzählten „Interactive Fiction“-Spiele von Telltale, insbesondere „Game of Thrones“, das ich derzeit wieder durchspiele.

Die erzählerische Dichte fesselt mich mindestens so wie die Serien-Vorlage. Die innere Zerrissenheit der von mir gespielten Protagonisten bei manchen Entscheidungen geht mir manchmal bis ins Mark. Zwar ist mein Einfluss auf den Ausgang nicht so groß wie der Hersteller das suggeriert, trotzdem fühle ich mich hineingezogen in das Geschehen. Insofern macht mir die Mischung aus interaktivem Spiel und filmischer Erzählung nicht nur riesigen Spaß. Game of Thrones für iOS ist für mich auch ein Leuchtturm dafür, wie Storytelling in Lizenz-Videospielen heute sein sollte und dafür, dass die Qualität von Mobile Games dem Erlebnis von PC- und Konsolentiteln das Wasser reichen kann.

Game of Thrones ist neben iOS für alle gängigen Plattformen erhältlich.

Was zockt ihr am Tag der Videospiele? Was sind eure Lieblingsspiele und warum? Und welche Erinnerungen verbindet ihr mit ihnen? Erzählt es uns in den Kommentaren!


Image (adapted) Ten Too Many by Joel Stubston (CC BY SA 2.5)


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The Walking Dead – Das Adventure-Spiel

Packende und mitreißende Zombieaction. Nun kommt das preisgekrönte Horror-Adventure von Telltale Games erstmals mit deutschen Untertiteln und Ingame-Texten als Retail-Box für Xbox 360, PS3 und PC in den Handel.

TWDnew

Basierend auf Robert Kirkmans Comic-Serie gibt es bereits seit dem 10. Mai alle fünf Episoden gut verpackt auf einer Disk. Das erstklassige Adventure von Telltale Games basiert auf der Kult-Comicserie von Robert Kirkman und setzt die Zombie-Apokalypse hochspannend, dramatisch und interaktiv in Szene. Auch bei schwierigen Entscheidungen einen kühlen Kopf zu bewahren ist dabei das Maß aller Dinge, denn du bestimmst das gesamte Spielgeschehen .

Bei uns habt ihr nun die Chance, das preisgekrönte Spiel  zu gewinnen. Und damit nicht genug: Wir packen noch die erste Staffel der TV-Serie (Uncut) und Band 1 des Comics oben drauf! Weiterlesen »

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