A Plague Tale: Innocence im Test – Atmosphärischer Singleplayer wird Überraschungshit

A Plague Tale: Innocence blieb lange unter dem Radar der allgemeinen Spielerschaft. Es schaffte es nach seinem Release am 14. Mai 2019 aber schnell, Bestnoten bei den Kritikern zu verbuchen. Das Action Adventure mit Story-Fokus des französischen Entwicklers Asobo Studio, wird schon jetzt als Geheimtipp gefeiert. Außerdem wird es mit Genre-Kollegen wie Hellblade: Senua’s Sacrifice (Provisionslink) verglichen, das seiner Zeit ebenfalls schnell von sich Reden machte. Dazu kommt das noch relativ unberührte Setting des 14. Jahrhunderts. Auch die mitreißende Geschichte der beiden Geschwister Amicia und Hugo in ihren Kampf gegen die Inquisition, die Pest und eine mysteriöse Krankheit.

Entfremdete Geschwister im Kampf gegen die Inquisition

Im Jahr 1348 wird Frankreich von der Pest, dem Hundertjährigen Krieg und der Inquisition heimgesucht. Inmitten dessen wachsen die wohlhabenden Geschwister Amicia und Hugo de Rune regelrecht behütet auf. Den Großteil des jungen Lebens von Hugo allerdings getrennt. Da der kleine Junge an einer mysteriösen Krankheit leidet, schottet seine Mutter ihn von der Außenwelt ab. Die Idylle wird aus dem Nichts zerstört, als die Inquisition mordend über den Hof der Familie herfällt. Mit nur einem Ziel: den kleinen Hugo gefangen nehmen. Den Geschwistern bleibt nur die Flucht und die Frage, wieso die Inquisition nach dem kleinen Jungen trachtet. Was hat es mit seiner Krankheit auf sich?

Emotionen schaffen

In 17 Story-Kapiteln und rund 15 Stunden Spielzeit erzählt A Plague Tale: Innocence die spannende Geschichte von Amicia und Hugo. Zunächst verlieren sie alles, gleichzeitig finden sie aber auch zueinander, nachdem sie jahrelang voneinander abgeschottet aufgewachsen sind. Das Storytelling erfolgt auf lineare Weise, was aber an keiner Stelle negativ auffällt. Die Story wirkt perfekt durchdacht und schafft es, subtil Emotionalität aufzubauen. Die Beziehung der Geschwister, die erst lernen müssen Zuneigung zueinander aufzubauen, wirkt überzeugend. Sie mögen sich zu Beginn kaum kennen. In späteren Kapiteln lässt man aber keinen Zweifel daran, dass Amicia für ihren kleinen Bruder durch die Hölle gehen würde.

Das wird durch die exzellente musikalische Untermalung und nicht zuletzt die großartige Synchronisation untermauert. Unbedingt auf Englisch spielen. Hier sprechen die Charaktere mit akkuraten französischen Akzenten! Insbesondere die Synchronsprecher von Amicia und Hugo wurden altersgerecht besetzt und erwecken die Figuren zum Leben.

Eine Verbindung als spielerisches Element

Spielerisch wird die Verbindung der Geschwister gekonnt damit betont, dass ihr Hugo fast immer an der Hand haltet. A Plague Tale: Innocence ist ein gekonnter Mix aus Stealth, Action-Game und Adventure mit Rätsel-Elementen. Der Kleine weicht euch dabei fast nicht von der Seite. Müsst ihr ihn doch einmal loslassen, um beispielsweise Wachen abzulenken, fühlt sich das sogar falsch an. Das Spiel ist aber alles andere als eine dröge Escort-Mission a la Ashley Graham aus Resident Evil. Hugo kann sich nämlich auch nützlich machen, indem er durch Löcher in Wänden und Zäunen schlüpft und euch Türen öffnet.

Kampfsequenzen sind gekonnt durch das Spiel gestreut. Sie wirken nachvollziehbar und realistisch, aber Amicia ist definitiv nicht hilflos. Anfangs ist sie nur mit einer Steinschleuder bewaffnet, aber sie lernt schnell den einen oder anderen Alchemie-Trick dazu und weiß sich so auf diverse Weisen zu verteidigen. Andererseits stirbt sie allerdings durch One-Hits. Das fordert den Spieler dazu auf, eine Stealth und Kampf-Strategie für das jeweilige Level zu entwickeln. Generell legt A Plague Tale: Innocence viel Wert auf gutes Pacing. Nervenaufreibende Stealth-Sequenzen stehen im angenehmen Wechsel mit ruhigeren Momenten und Rätsel-Passagen.

Das Spiel lässt euch oftmals keine Chance, eine grauenvolle Entscheidung treffen zu müssen, wenn es heißt, für Hugos Sicherheit zu sorgen und vor der Inquisition zu fliehen. Allerdings gehen solche Momente auch nicht spurlos an den Charakteren vorbei. Amicia fällt ihr erster Mord nicht leicht und das glaubt man ihr auch.

A Plague Tale: Innocence verfolgt euch mit Tausenden an Ratten

Wie der Name schon verrät, spielt A Plague Tale: Innocence zur Zeit der Pest. Hier trefft ihr allerdings auf schier entsetzliche Massen an Ratten, die unter einer Art Schwarmdenken handeln. Das Spiel schafft es aber auf beeindruckende Weise atemberaubend schön zu sein. In ruhigen und familiären Momenten sind die Schauplätze in goldene, herbstliche Farben getaucht. Aber es wirkt auch grotesk und grauenerregend. Berge voller totem Vieh oder ein frisch verlassenes Schlachtfeld des Hundertjährigen Kriegs bereiten Gänsehaut.

Quasi die dritten Hauptdarsteller des Spiels, neben Amicia und Hugo, sind die Horden an Ratten. Diese überrennen ganze Landstriche und lauern zudem als ständige Bedrohung im Untergrund. Asobo Studio nutzt für deren Animation eine eigens inhouse entwickelte Engine. Mit dieser treiben rund 5.000 Ratten gleichzeitig auf dem Bildschirm ihr Unwesen. Mit schrillen Violinen-Tönen, die euch das Blut in den Adern gefrieren lassen, kündigt das Spiel zudem die Biester an. Diese könnt ihr aber nur mit Feuer vertreiben und das bringt euch nur allzu oft in brenzliche Situationen. Durch Rätselraten und geschickte Interaktionen müsst ihr vor ihnen fliehen oder sie auf grauenvolle Weise als Waffe gegen Gegner einsetzen.

Fazit

Asobo Studio ist mit A Plague Tale: Innocence eine der besten Singelplayer-Erfahrungen der jüngeren Zeit gelungen. Mit Amicia und Hugo begegnet uns meiner Meinung nach das beste Haupt- und Nebencharakter Duo in einem Action-Adventure seit Booker und Elizabeth aus Bioshock: Infinite. Die Geschichte und Beziehung wird glaubhaft erzählt und die Dialoge und das Können der Darsteller stellen die Zuneigung der Geschwister und ihre Charakter-Motivationen überzeugend dar. Technisch ist das Spiel mit der Ratten-Engine beeindruckend und das Design ist – ob nun wunderschöne Lichtstimmungen oder groteske Leichenberge – atemberaubend. Die Geschichte rund um Hugos mysteriöse Krankheit wird befriedigend zu Ende erzählt und rundet die ca. 15 Spielstunden perfekt ab. A Plague Tale: Innocence ist spannend und mitreißend von Anfang bis Ende und mein persönliches bisheriges Spiel des Jahres 2019!

Taucht mit diesem atmosphärischen Trailer mit einem Gedicht gelesen von Game of Thrones Darsteller Sean Bean in das Universum von A Plague Tale: Innocence ein:

Getestet wurde die PlayStation 4 Version des Spiels, die mit freundlicher Unterstützung von Koch Media zur Verfügung gestellt wurde.

Erlebe die spannende Geschichte um Amicia und Hugo selbst. (Provisionslink)


Images by Asobo Studio / Koch Media

Lisa Kneidl

ist Spezialistin für Videospiele. Nach ihrem Bachelor in Medienwissenschaft in Erlangen und ihrer Zeit als Redakteurin bei den Netzpiloten in Hamburg ist sie jetzt freie Autorin. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.


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