Die Forza Horizon-Reihe steht seit Jahren unangefochten an der Spitze der unkomplizierten Open World-Rennspiele. Im Test des letzten Teils zeigte die formelhafte Umsetzung bei mir trotzdem Abnutzungserscheinungen. Als großer Japan-Fan lockt mich diesmal aber allein schon das fernöstliche Setting erneut ans Steuer. Doch lohnt sich Forza Horizon 6 auch spielerisch?
Ein Erfolg ist das Spiel jedenfalls schon jetzt. Allein auf Steam erreichte das Spiel stolze 300.000 zeitgleich aktive Spieler – das erfolgreichste Rennspiel aller Zeiten. Dabei ist das Spiel vor allem auch ein Flaggschiff für den Xbox Game Pass und hat seinen Ursprung als konsolenexklusives Spiel. Auch die Fachpresse ist mit einem Metascore von 91 überaus euphorisch. Eine hohe Messlatte also für diesen Forza Horizon 6 Test.
Bekannte Stärken und Schwächen im Einstieg
Der Einstieg findet in geradezu Forza Horizon-typischer Art statt. Innerhalb der ersten Minuten gibt es neben schönen Landschafts-Shots auch schon einen ersten Vorgeschmack auf alle Rennarten von Asphalt bis hin zur Offroad-Raserei im schneebedeckten Gebirge mit einigen der schönsten Fahrzeuge des Spiels. Eine passende Einstimmung auf das, was uns in den vielen folgenden Stunden noch erwartet
Erst kürzlich habe ich allerdings auf Reddit eine Gegenüberstellung der Eröffnungssequenzen von Forza Horizon 1 und 6 gesehen. Auch wenn die Eröffnungs-Cutscene des Erstlings vorgerendert war, zeigt sie doch bereits ein Problem der aktuellen Spiele. Beim ersten Horizon wurde noch das Gefühl des namensgebenden Horizon-Festivals vermittelt. Man wurde als Neuling direkt vom offiziellen Personal begrüßt und sah Leute, die sich beim Festival in den Armen lagen und vor großen Bühnen feierten. Diese Stimmung fehlt mittlerweile. In den sehr überschaubaren Dialogsequenzen hat der eigene Charakter gegenüber dem Vorgänger zudem die eigene Stimme wieder verloren.
Erstellen können wir unseren Avatar aber erneut selbst. Bei der sonstigen Grafikwucht des Spiels ist es trotzdem traurig, wie weitgehend schlecht die Gesichter geraten sind. Diese Design-Lethargie setzt sich nahtlos in der Kleidungsauswahl fort. Japan hat eine so starke Modekultur und das Spiel speist einen mit den langweiligsten Basic-Kleidungsstücken ab, die man sich ausdenken kann. Die inklusiven Optionen wie Prothesen oder auch Hörgeräte sind dagegen wieder vorbildlich.
Barrierefreiheit ist allgemein auf gewohnt hohem Level in Forza Horizon 6. Es gibt wieder allerlei Einstellungsmöglichkeiten von Fahrhilfen, über Farbanpassung bis hin zum Bildschirm-Reader. Zuschaltbar ist auch ein Näherungssensor der akustische Signale gibt, wenn Hindernisse oder andere Autos in der Nähe sind.
Japan, oh schönes Japan
Meine Liebe zu Japan ist für das Spiel sowohl Fluch als auch Segen. Insgesamt liebe ich das Setting, auf der anderen Seite fällt mir aber auch stärker auf, wenn das Spiel Japan auf seine Art interpretiert. Wie schon zuvor bei anderen Horizons ist die Welt auch hier eine buntes Potpourri des Landes – das Spiel versucht schließlich möglichst viele unterschiedliche Regionen in ihrer deutlich kompakteren Welt unterzubringen. Dabei gibt es auch bekannte Sehenswürdigkeiten zu sehen, die aber geografisch ganz anders verortet sein können.
So hatte ich das Vergnügen, die Kawazu-Nanadaru Loop Bridge mit eigenen Augen auf einer Wanderung an den bekannten Wasserfällen zu sehen. Da es in echt auf der Izu-Halbinsel liegt, macht es schon Sinn diesen auf der Forza-Karte mehr in die Nähe des großen Highways zu legen.
Die Geografie Japans ist trotzdem ein Gewinn für das Spiel. Mexico hatte zwar sehr abwechslungsreiche Biome, aber einen sehr offenen und flachen Mittelteil der Karte. Japan ist bergig und nutzt dies für sehr spannende Straßenverläufe und gute Abtrennung einzelner Abschnitte. Diese bieten zugleich trotzdem mehr offene Fläche für Offroad-Rennen, als ich dem Japan-Setting zugetraut hätte. Trotz der freien Interpretation haben die Mapper es irgendwie geschafft, einige ikonische Gebirgsstraßen oder zumindest einzelne Abschnitte fast 1:1 in das Spiel zu übertragen. Sie sind der perfekte Schauplatz für Driftherausforderungen oder die neuen Touge-Rennen, bei denen ihr euch 1 gegen 1 durch die scharfen Kurven kämpft.
Bei all den Bergen bin ich trotzdem froh über die Entscheidung den Berg Fuji nicht befahrbar zu machen. Er liegt außerhalb der befahrbaren Karte, ist aber so massiv, dass er von fast überall zu sehen ist. Auch hier haben die Mapper gute Arbeit geleistet, den Fuji auch auf den Straßen oft perfekt in Szene zu setzen. Dass er weniger oft von Wolken verdeckt ist als im echten Japan, nimmt man dem Spiel auch nicht übel.
Tokio – Faszinierend und doch leblos
Ein besonderes Highlight des Spiels ist Tokio. Japans Giga-Metropole ist die eindeutig größte Stadt aller Horizon-Spiele. Auf den ersten Blick beeindruckt die Stadt deswegen. Wir haben ikonische Orte wie die Shibuya-Crossing samt der markanten Fußgänger-Überführung. Statt dem Sky Tree entschied man sich zudem für den roten Tokyo Tower als alles überragendes Gebäude der Stadt.
Natürlich ist auch Tokio eine kompakt reduzierte Interpretation der echte Stadt, aber sie liefert alles von mehrstöckig verlaufenden Highways, über die engen Straßen ruhiger Wohngegenden bis hin zu den Neon-Reklamen gesäumten Einkaufsstraßen. Mit dem berühmten Daikoku-Parkplatz hat es auch der bekannteste Hotspot der Tuning-Szene ins Spiel geschafft.
Der Teufel liegt allerdings im Detail, denn all zu genau sollte man sich die Stadt nicht anschauen. Das beginnt beim Fehlen der Menschenmassen, die lediglich in sicher abgesperrten Gassen oder hinter den Barrikaden des Horizon-Festivals stehen, die leider kein passenderes Design für die Japan-Ausgabe erhalten haben.
Der Blick in die Gebäude ist noch schlimmer. Es ist völlig okay, die Anzahl verschiedener Innenraum-Arten gering zu halten. Dass diese komplett unbelebt und mit derart wenig Abwechslung in der Einrichtung hätte ich trotzdem nicht gerechnet. Beim viel zu kleinen Konbini mit 4 Getränkeautomaten und einer völlig detaillosen Bedientheke scheint einem plötzlich selbst der heimische Späti luxuriös zu sein. Auch sonst hätte das Spiel noch etwas mehr Geschäftsschilder und Werbeplakate mit japanischen Schriftzeichen vertragen können.
Da fühlt sich das neue Gacha-Spiel „Neverness to Everness“ deutlich authentischer nach Japan an, obwohl dessen Stadt lediglich stark von Japan inspiriert ist. Allerdings ist der Vergleich zwischen einer begehbaren und einer nur befahrbaren Open World auch etwas unfair. Während eines Rennens fallen die Detailschwächen auch kaum ins Gewicht. Da ist es eher schade, dass es außerhalb Tokios keine anderen Städte, sondern nur Mini-Dörfer gibt.
Viele Inhalte, wenige Highlights
Inhaltlich folgt Forza Horizon 6 der altbekannten Formel aus bekannten Aktivitäten. Eine willkommene Rückkehr feiern dabei die Armbänder. Haben wir durch Aktivitäten genügend Punkte gesammelt steigen wir nach einem spezielleren Event im Horizon-Rang auf. Das schaltet uns einen ganzen Schwung neuer Aktivitäten frei, teils auch in bereits besuchten Regionen. Das ist ein guter Weg, nicht sofort die ganze Karte zu überfluten. Neben den Armbändern sammeln wir zudem auch Stempel, die für das Abschließen von weiteren Nebentätigkeiten erhalten. Ein Gefühl der Progression bleibt dennoch komplett aus – Trotz der bekannten XXL-Rennen am Ende schalten wir nur mehr vom gleichen frei. Sogar die „Legend Island“ wirkt völlig belanglos.
Die meisten Tätigkeiten sind ohnehin Massenware. Sie bestehen vor allem aus Rennen in verschiedenen Kategorien und einer Unzahl von PR-Stunts (Blitzer, Gefahrenschilder, Driftzonen und Co). Vor allem letzteres haben kaum wirklichen Entwicklungsaufwand und dienen vor allem als Füllmaterial. Fährt man eine Rennkategorie besonders gern, hat man trotzdem sehr schnell alle vorhandenen Strecken gesehen. Mich selbst freute aber, dass gerade viele Runden-Rennen durchaus größere und interessantere Streckenverläufe haben als im Vorgänger. Zudem gibt es nun auch richtige Rennstrecken auf der Karte. Hier merkt man aber doch den Unterschied zwischen Forza Motorsport und Horizon. Es wirkt schon etwas arcadiger – was das Spiel aber eben auch ist.
Neben den Einzelrennen und PR-Stunts gibt es auch wieder Story-Missionen. Diese scheinen aber weiterhin weniger und belangloser zu werden. Wir treffen eine sehr überschaubare Zahl an Charakteren und die Gespräche finden vorrangig während der Fahrt statt. Es ist unglaublich, wie man in 5 Missionen Autos für eine Parade zum tunen sammelt und man in der Abschlussmission nur zusammen zum Horizon Festival fährt ohne eine Szene, wo die Autos so wirklich gefeiert werden oder zumindest ein Stadionsprecher euphorisch die Autos kommentiert. Wo in Forza Horizon 4 die 3 Sterne mitunter harte Arbeit waren, werden sie einem in Horizon 6 leider fast schon geschenkt.
Die großen Showcases lassen auch weiter Federn. Wo man sonst mehrere denkwürdige Wettrennen, etwa gegen Züge fährt, gibt es in Forza Horizon 6 nur 2 gut inszenierte, von denen einer dafür aber richtig in Erinnerung bleibt. Ich sag nur: Chaser Zero.
Ein gigantischer Fuhrpark
Forza Horizon 6 lohnt sich aber vor allem für Autofans an sich. Das zeigt er erneut ein gigantischer Fuhrpark, der mit über 600 Autos noch größer als bei den Vorgängern zum Start ist. Zwar hatten die Vorgänger nach hinten raus einen größeren Fuhrpark, doch Horizon 6 dürfte über die nächsten Jahre bestimmt an die 1.000 Vehikel erreichen.
Vertreten sind eigentlich wieder alle gängigen Automarken, wobei Tesla vermutlich die bekannteste Marke sein dürfte, die nicht im Spiel vertreten ist. Dafür freue ich mich umso mehr, dass Peel diesmal endlich wieder von Beginn an mit seinem kultigen P50 dabei ist.
Die einzige Enttäuschung im Lineup ist für mich die magere Auswahl japanischer Kei-Cars. Das sind Ultra-Kompaktwagen, die in Japan wegen dem sehr knappen Parkraum sehr beliebt sind. Ich habe mir aber längst schon einen Honda Beat geholt, der erstaunlich dominant in Online-Rennen ist.
Fahren tun sich die Autos auch wieder richtig gut mit dem perfekten Mix aus Arcade und Simulation. Je nach Modell und Tuning fahren sich die Autos sehr stimmig, aber nie frustrierend. Dabei ist das Handlung eindeutig mehr für Controller gemacht, als für das Lenkrad. Optische Schäden gewohnt nicht über ein paar Kratzer hinaus, was bei solchen Spielen aber auch an den Vorgaben der Autohersteller liegt.
Auch der Sound der Autos bleibt auf gewohnt hohem Niveau. Bei 600 Autos wird nicht jeder Enthusiast zufrieden sein, aber trotzdem dürfte das Spiel sogar manche Rennsimulation in die Tasche stecken. Auch Tuning und Design bietet gewohnt üppige Möglichkeiten, aber zum Glück auch die Möglichkeit, von Usern erstellte Lackierungen oder Tunings zu übernehmen. Ein paar mehr Body Kits oder Untergrundbeleuchtung wären für das Setting jedoch wünschenswert gewesen. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau.

KI-Gegner: Kaum Rubberbanding, dafür massives cheaten
Ich finde es teilweise faszinierend die Unterschiede zwischen Forza Motorsports und Forza Horizon zu sehen. In Forza Motorsports ist eines meiner größten Probleme das nicht abschaltbare Rubberbanding, dass hinten liegende Autos deutlich aufholen lässt. Das nervte vor allem bei Langstreckenrennen, da frühere Stops der KI dazu führen, dass diese plötzlich Weltrekord-Zeiten fahren.
In Forza Horizon 6 gibt es dieses Rubberbanding zum Glück nicht oder allenfalls sehr dezent. Dafür hat die KI hier ein ganz anderes Problem: Generelles Cheaten.
Das zeigt sich vor allem auf höheren Schwierigkeitsgraden. Selbst wenn man ein auf Highspeed optimiertes Auto fährt, fährt einem die KI auf den hohen Schwierigkeitsgraden durch einen völlig unnatürlichen Speedboost auf der Geraden davon. Den Colossus, das große Rennen, dass fast komplett auf dem riesigen Highway-Ring der Karte verläuft musste ich um zwei Schwierigkeitsgrade runterdrehen, um nicht das ganze Rennen die roten Lichter meiner Gegner zu sehen.
Ähnlich sieht es übrigens auch mit dem Grip aus, der bei Regen für die KI weniger Probleme verursacht. Allerdings ist das auch etwas abhängig davon, ob man selbst mit (Semi-)Slicks fährt, die halt für Grip auf trockener Straße gemacht sind.
Fairerweise muss ich aber zugeben, dass fast jedes Rennspiel damit hadert, den Schwierigkeitsgrad durch fahrerisches Können zu variieren. Zudem ist Forza Horizon ein Arcade-Racer, der sich durch seine Zugänglichkeit vor allem an Casual Gamer richtet. An dieser Stelle hatte ich kürzlich ein tolles Statement des Profi-(Sim)racers Jimmy Broadbent gehört, der meinte dass die Horizon-Reihe ein großartiger Türöffner ist, der auch viele Spieler neugierig auf simulationslastigere Spiele macht.
Mehr Vielfalt im Online-Racing
Natürlich lädt die große Spielwelt dazu ein, sie gemeinsam zu erkunden. Neben der gemeinsamen Fahrt durch die offene Welt bietet Forza Horizon 6 auch eine große Bandbreite an Onlinemodi an.
Standard ist das Horizon Racing, bei dem bis zu 12 Spieler in 3 Rennen in einer bestimmten Rennart und Autoklasse gegeneinander antreten. Ich habe mich sehr über die Möglichkeit gefreut, diese nun auch bewusst einstellen können. In der Vergangenheit hatte man darauf leider weniger Einfluss gehabt. Spannend ist aber auch das neue Spec Racing. Das ist wie Horizon Racing, nur das jeder im selben Auto, also mit identischem Material fährt. Gerade wer noch keine große Garage hat, kann dadurch trotzdem auf Augenhöhe antreten. Im Togue Showdown dürft ihr euch auch im direkten Duell gegen einen menschlichen Gegner durch die engen Bergstraßen batteln.
Ein weiterer Klassiker bleibt der Eliminator. Dieses Rennwagen Battle Royal lässt euch in schwachen Standardwagen starten. Im Gebiet findet ihr zufällig weitere Autos und könnt andere Fahrer wenn ihr nah genug an ihnen dran seid zum Elimierungs-Wettrennen herausfordern. Ein zeitloser Modus, der zwischendrin immer wieder Spaß macht. In eine ähnliche Richtung geht auch der neue „Hide & Seek“ Modus, bei dem sich jeweils ein Spieler im Spielgebiet versteckt und von den 5 anderen gesucht wird.
Leider fehlt so ein richtiger Eventbaukasten, mit dem man sich eigene Cups mit angepasster Strecken- und Rundenzahl oder gar einer Qualifikation im Ghostmodus erstellen kann. Das müssen Spieler aber weiterhin unter sich organisieren. An sich gibt es aber wieder einen mächtigen Baukasten für Events. Auch Garagen und ein Hausgrundstück dürft ihr nun erstmals selbst anpassen und mit der Community teilen.
Die Rückkehr der Jahreszeiten
Was Forza Horizon 4 auf lange Sicht für mich besser machte als Forza Horizon 5 waren die Jahreszeiten. Der britische Ableger sorgte erstmals durch vier Jahreszeiten für Abwechslung in der Kulisse, aber auch in den Wetterbedingungen. In Mexico bot sich schon vom Klima weniger an. Jahreszeiten gab es, doch sie unterschieden sich mehr in extremeren Wetterereignissen.
Japan ist dagegen wieder die perfekte Bühne, um alle Jahreszeiten ansprechend zu inszenieren. Zum Zeitpunkt des Testes durfte ich erst Frühling und Sommer genießen. Der Frühling gewinnt hier allein schon ob der Kirschblüten mit großem Vorsprung gegenüber dem weniger farbenfrohen Sommer. Dieser kommt mit etwas mehr Regen, wobei mir die Regenschauer gerne noch etwas heftiger ausfallen dürften.
Herbst und Winter werden sicherlich kaum enttäuschen. Japan ist bekannt für seinen überaus schönen Herbst und der Winter soll die ganze Map in Schnee hüllen, wenn auch die Asphaltstraßen aber wohl leider komplett schneefrei bleiben. Dafür gibt es ein Skigebiet, dass das ganze Jahr über Ausflüge in seine Winterlandschaft erlaubt. Etwas schade ist, dass der bekannte Schneekorridor von Tateyama die Höhe seiner meterhohen Schneewände sich zumindest zwischen Frühling und Sommer nicht in seiner Höhe verändert hat. Hier lass ich aber mal gelten, dass man die Spieler wohl das ganze Jahr durch diese ikonische Schlucht rasen lassen möchte.
Während es für die Season-Spieler im Onlinemodus die wöchentlich wechselnden Jahreszeiten eine regelmäßige Abwechslung bieten, wäre es aber schön, wenn man sich in Solo-Sessions auch die Jahreszeit aussuchen könnte. So erlebt man gerade in der intensiven Anfangszeit effektiv nur 1-2 Jahreszeiten und verpasst eventuell aus Inaktivität die liebste Jahreszeit. Gerade weil sich das Spiel eher an eine möglichst große Zielgruppe wendet, könnte man hier auch eine Auswahl ermöglichen, während der dann die Wochen-Challenges deaktiviert sind.
Musikvielfalt im Radio
Forza Horizon wäre kein Forza Horizon, gäbe es nicht wieder eine Auswahl teils aus Vorgängern bekannter Radiosender. Über die 9 Sender verteilen sich über 200 Songs von teilweise auch namhaften Künstlern.
Bei mir läuft vor allem der neue J-Pop und J-Rock-Sender Gacha City Radio, von dem ich etliche Künstler wie Ado, Creepy Nuts, KANA-BOON oder YOASOBI bereits kenne. Es ist aber auch der einzige Sender, der tatsächlich japanisch moderiert wird.
Auch der Rock- und Punk-Sender Horizon XS ist erneut unter meinen Favoriten. Auch hier gibt es mit BABYMETAL, BAND_MAID oder ONE OK ROCK einige bekannte japanische Bands, mit Linkin Park, Poppy und Rise Against aber auch weitere große Namen.
Natürlich ist auch an Fans von Synthwave, Hip-Hop und Indie gedacht. Horizon Opus geht als neo-klassischer Sender leider etwas weg vom orchestralen Sound. Doch der Ambient-Vibe kann manche entspannte Fahrt ohne festes Ziel trotzdem gut untermalen.
Nicht ganz zufrieden bin ich mit der Balance des Radio-Sounds. So gut die Motorensounds sind, muss man diese schon ordentlich runterdrehen, um was vom Radio zu haben. Auch habe ich das Gefühl dass etwa „Gimme Chocolate!“ von BABYMETAL einfach unverhältnismäßig leise ist.
Fazit: Lohnt sich Forza Horizon 6?
Forza Horizon muss sich an seinen starken Wertungen messen, die es für jeden Ableger erhält. Und hier stimme ich leider immer weniger den 90+ Metascores der letzten Jahre zu. Dafür ist Playground Studios in zu vielen Bereichen zu faul. Ein Großteil der Spielinhalte sind geradezu liebloser Grind. Ein Rollenspiel feiert man heute auch nicht mehr für Töte 25 Goblins“-Quest, selbst wenn Kampfsystem und Spielwelt generell Spaß machen.
Das Festival ist dabei längst nur noch eine Kulisse, die kaum einen eigenen Mehrwert mit sich bringt und deren Branding weder an Mexico noch an Japan optisch angepasst wurde. Hier könnte das Spiel sogar von Pokémon lernen, indem man sich immer wieder mit einem Rivalen misst oder am Ende Rennherausforderungen oder Serien gegen wahre Horizon-Legenden locken. Trotz der Festivalbändchen gibt einem das Spiel nie ein Gefühl der Progression.
Allerdings liest sich der Test wohl negativer als meine Spielerfahrung ist. Forza Horizon 6 sieht weitgehend großartig aus, hat schon zum Start einen gigantischen Fuhrpark und das virtuelle Japan lockt mit abwechslungsreichen Straßen und mehr Vertikalität als je zuvor. Meine über 100 Autos in der Garage sprechen da eine klare Sprache. Dazu kommt die Rückkehr der vier Jahreszeiten und sogar einen Bereich der Karte, der das ganze Jahr im Winter liegt.
Das Problem ist das große Potential des Spiels. Wenn Playground Studios sich ernsthaft Mühe geben würde, die Welt und das Festival mit mehr Kreativität und Liebe auszufüllen, könnte Forza Horizon 6 einfach noch so viel besser sein. Wollt ihr einfach nur in einer großen und wunderschönen Welt herumfahren, überall kleine Tätigkeiten haben und mögt darüber hinaus Japan, lohnt sich Forza Horizon 6 garantiert. Erwartet nur nicht, das Playground Games in Japan aus seiner kreativen Faulheit erwacht.
Image by Microsoft / Playground Games, Screenshots by Stefan Reismann
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