Sonos One im Test: Kleiner Alexa-Lautsprecher mit großartigem Sound

Sonos ist derzeit der einzige Hersteller von Streaming-Lautsprechern mit direktem Zugriff auf Apple Music und daher insbesondere für Apple-Nutzer eine attraktive Sound-Option. Angesichts des Trends zu smarten Sprachassistenten wäre es für Apple-Fans natürlich das Höchste der Gefühle, Sonos-Lautsprecher mit Siri fernbedienen zu können. Das ist aber, wenn überhaupt, Zukunftsmusik. Stattdessen ist Alexa derzeit in aller Munde. So auch bei Sonos. Kürzlich habe ich euch berichtet, wie gut Sonos-Lautsprecher auf Sprachkommandos im Verbund mit Amazon-Echo-Lautsprechern hören. Jetzt lag mir auch die integrierte Variante zum Test vor: der neue Lautsprecher Sonos One.

Der Sonos One hat Alexa ab Werk eingebaut und kommt daher ohne weitere Hilfsmittel aus. Im Ergebnis will Sonos damit ein Sound-System präsentieren, das nicht nur mit smarten Funktionen euren Alltag erleichtert, sondern dabei auch noch sehr überzeugenden Musikklang bietet. Schließlich ist genau das die Lücke, die Apple mit dem HomePod füllen will. In meinem Praxistest zeigt sich, dass Sonos die Messlatte mit dem Sonos One für Apple aber äußerst hoch legt.

Sonos One und Alexa rocken das Smart Home

Der Sonos One leistet prinzipiell all das, was auch Amazons Echo-Lautsprecher bieten. Im Alltag erweist er sich daher auch als sehr nützlich. Ich kann nicht nur das Wetter abfragen oder Kalendereinträge mit gesprochener Sprache erstellen, sondern etwa auch meine WLAN-Glühbirnen von Philips Hue über den Sonos One steuern. Weil sich die Sprachsteuerung zum Testzeitpunkt aber in der Beta-Phase befindet, sind noch nicht sämtliche Alexa-Funktionen freigeschaltet. Beispielsweise kann ich einen Echo Dot um Erinnerungen bitten, den Sonos One nicht.

Sonos One Test
Das Mikrofon-Icon symbolisiert die wichtigste Eigenschaft des Sonos One. Er hört auf Sprachbefehle via Amazon Alexa. Image by Berti Kolbow-Lehradt

Neben diesen smarten Funktionen dient die Sprachfunktion beim Sonos One zur Musiksteuerung. Allerdings sind sämtliche Befehle dieser Sprachfernbedienung nur in Zusammenarbeit mit den Streaming-Diensten Amazon Music, TuneIn und (Update 21.11.2017) Spotify Premium anwendbar. Andere Dienste wie Apple Music hören nicht auf Alexa. Ferner kann ich lokale, auf dem iPhone oder iPad gespeicherte Songs nur per Sprache steuern, wenn ich sie zuvor händisch in der Sonos-App gestartet habe. Sofern ich die semantische Systematik der Alexa-Befehle einhalte, versteht mich die im Sonos One integrierte Software gut. Die Reaktionsgeschwindigkeit ist sehr flott. Ganz selten läuft ein Befehl ins Leere. Insofern ist die Performance besser als bei der Kombination eines Sonos Play 1 und eines Echo Dot, die ich hier getestet habe.

Offenbar hat Sonos die Abstimmung des internen Mikrofons mit der Alexa-Software noch etwas besser hinbekommen. Ich finde die Leistung aber auch bei dem Setup mit Echo-Lautsprecher akzeptabel und kann die harsche Kritik vieler Bewertungen des Sonos-Skills in der Alexa-App nicht nachvollziehen. Die Einrichtung und Steuerung von Alexa funktioniert beim Sonos One genau so wie bei der Variante mit einem zusätzlichen Echo-Lautsprecher. Ebenso kann ich mit Kommandos nicht nur den Sonos One, sondern auch alle anderen Sonos-Boxen in der Wohnung fernbedienen. Der Sonos One ersetzt in diesem Sinne einen Amazon Echo.

Sonos One und die Datensparsamkeit

Wer den Sonos One mit Alexa nutzt, muss sich im Klaren sein, dass das Mikrofon grundsätzlich immer mithört. Außerdem protokolliert Amazon alle eingesprochenen Anfragen in einem Verlauf mit, sobald das Schlüsselwort „Alexa“ gefallen ist. Aus diesem Grund läuft der Sonos One zudem nur mit einem Software-Update, das mit einer neuen Datenschutzrichtlinie von Sonos einhergeht. Darin behält sich Sonos vor, zur Leistungsverbesserung bestimmte Nutzerdaten zu speichern.

Wer das nicht will, kann das Update natürlich verweigern, muss dann aber auf den Sonos One verzichten. Andere Sonos-Lautsprecher funktionieren zwar weiterhin, erhalten dann aber keine Funktions-Updates mehr. Das bringt so manchen Nutzer zurecht auf die Palme, wie ich auch in einem Dialog mit einem Twitter-Nutzer festgestellt habe. Ich gehe zwar mit meinen persönlichen Daten als Technik-Geek bisweilen sehr freizügig um. Wer hingegen sehr großen Wert auf Datensparsamkeit legt, sollte von smarten Lautsprechern Abstand nehmen. Das schließt das Sonos-System ab sofort ein.

Zucker für Design-Puristen

Abgesehen von der Alexa-Integration unterscheidet sich der Sonos One nur sehr wenig vom bestehenden Modell Sonos Play 1. Formfaktor und Maße sind identisch. Nur in der Farbgebung und der Gestaltung der Deckplatte weicht der Sonos One leicht vom Geschwistermodell ab. Die Deckplatte ist jetzt vollkommen plan und verzichtet auf den leicht gewölbten Rand sowie die physischen Tasten. Die Funktionen der neuen Sensortasten tragen zudem der Anwesenheit von Alexa Rechnung. So ist eine neue Taste hinzugekommen, mit der sich das Mikro deaktivieren lässt.

Das Lochgitter rund um den Korpus ist jetzt vollständig weiß statt grau. Durch diese leichte Modernisierung wirkt das Lautsprecherdesign noch etwas homogener und puristischer. Gleichzeitig sind die Anpassungen nicht so gravierend, dass der Sonos One aus der Reihe tanzt. Die Verwandtschaft zum Play 1 und dem gesamten Sonos-System bleibt deutlich erkennbar.

Update ist auf dem iPhone zum App-gewöhnen

Zeitgleich zur Alexa-Funktion hat Sonos auch eine neue Version der Steuer-App vorgestellt. Dabei hat der Hersteller zum einen das Layout massiv angefasst und einem noch puristischeren Look mit Schwarz und Weiß als Grundfarbe geschaffen. Zum anderen hat er die gewohnte Menüführung über den Haufen geworfen.

Statt in einer seitlichen Leiste sind die Menüpunkte jetzt am unteren Rand angeordnet. Was nach einem Detail klinkt, empfinde ich in der Praxis als gewöhnungsbedürftig. Die Umstellung gelingt mir nicht auf Anhieb intuitiv. Insbesondere der „Mein Sonos“-Tab, der die Musiksammlung bündelt, ist herausfordernd. Weil die Playlisten, Radiosender und Favoriten-Titel nun in sehr großen Icons dargestellt werden und seitlich zu durchscrollen sind, leidet die Übersicht. Im Querformat auf dem iPad sieht das zwar okay aus, aber auf dem iPhone im Hochformat schlecht. Und das nutze ich am häufigsten zur Bedienung des Sonos-Systems.

Nach etwas Eingewöhnung gelungen finde ich die neue Raumsteuerung. Damit lässt sich präzise steuern, welcher Titel wo spielen soll. Unverändert gut ist die Suchfunktion, mit der sich Titel übergreifend in allen verknüpften Audio-Diensten und dem lokalen Speicher suchen lassen. Die Auswahl an verknüpfbaren Diensten ist beachtlich. Verfügbar sind Apple Music, Spotify, SoundCloud, TuneIn, Deezer, Google Play Music, Juke, Napster, Amazon Music, Pocket Casts, Qobuz, Tidal, Aldi Life Musik und andere.

Angesichts des überdurchschnittlichen Angebots an Musikquellen und der guten Grundfunktionalität ist meine Kritik auf hohem Niveau formuliert. Insgesamt betrachte ich die App weiterhin als eine sehr ansprechende Fernbedienung für das Sonos-System, an der sich der Wettbewerb messen lassen muss. Vorerst ist die App die einzige Möglichkeit, Musik auf Sonos-Lautsprecher zuzuspielen. Für 2018 hat Sonos jedoch angekündigt, Apples überarbeitetes Audio-Protokoll Airplay 2 zu unterstützen. Inwiefern dies ohne Zusatzgeräte geht, oder ob ein umständliches Setup nötig ist, ließ Sonos bisher unbeantwortet.

Riesen-Klangspektakel auf kleinem Raum

Den Sound des Sonos One hat der Hersteller so belassen, wie ihn Nutzer vom Play 1 kennen. Das ist prima, denn an der Klangqualität der kleinsten Lautsprecherkategorie von Sonos ist rein gar nichts auszusetzen. Angesichts des begrenzten Klangkörpers spielt das Audio-System überraschend laut, wuchtig und klar auf. Einen derart raumgreifenden und gleichzeitig präzisen Bass habe ich bei noch keinem anderen Lautsprecher dieser Größe erlebt. Gleichzeitig kommen Mitten und Höhen klar verständlich rüber. Musik mit dem Sonos One zu hören, macht einfach Spaß. Weil die Hardware dem Innenleben des Play 1 entspricht, ist der Klang des Sonos One erwartungsgemäß ebenbürtig.

Bedauerlich ist, dass sich beide Modellvarianten momentan dennoch nicht zu einem Stereopaar kombinieren lassen. Für diese Funktion benötigt ihr vorerst entweder zwei Sonos One oder zwei Play 1. Möglicherweise wird Sonos diese Beschränkung mit einem künftigen Software-Update aufheben. In mein bestehendes Sonos-Setup fügt sich das Testexemplar des Sonos One ansonsten nahtlos ein. Die Übertragung ist wie gewohnt synchron und verzögerungsfrei.

Fazit

Mit dem Sonos One betreibt der Hersteller von WLAN-Lautsprechern mit Multiroom-Funktion sinnvolle Produktpflege, die den Trend zu digitalen Sprachassistenten gelungen aufgreift. Obwohl sich die Integration von Alexa offiziell noch im Beta-Status befindet, ist die Performance in meinem Praxistest schon sehr stabil. In den meisten Fällen führen die Sprachkommandos umgehend zum Ziel. Das gegenüber dem fast baugleichen Play 1 leicht aktualisierte Gehäuse ist in seinem Purismus noch einen Tick konsequenter und dürfte Fans hochwertigen Produktdesigns ansprechen.

Sonos One Test
Der Sonos One überzeugt im Test. Image by Berti Kolbow-Lehradt

Die Klangqualität entspricht der des Play 1 und liegt damit auf sehr hohem Niveau. Wer auf die Alexa-Funktion und das neue Design verzichten kann, kann also auch guten Gewissens zu einem Play 1 greifen. Beide Modelle bleiben zum gleichen Preis von 229 Euro im Programm. Der Sonos One ist hier bestellbar. Sonos will in den kommenden Monaten übrigens ebenfalls den Sonos One um Google Assistant erweitern und damit beide führenden Sprachassistenten integrieren. Bei dem Rennen um Marktanteile im Bereich der Lautsprecher, die nicht nur smart sind, sondern auch noch gut klingen, hat sich Sonos eine vorteilhafte Startposition erarbeitet. Apple-Nutzer dürften jedoch weiter gespannt dem HomePod mit Siri entgegenfiebern, der ebenfalls auf Smartness und Klang setzt, aber – anders als Sonos und Alexa – auch Apple Music per Sprache ansteuern wird.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Applepiloten.


Images by Berti Kolbow-Lehradt


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Berti Kolbow-Lehradt

Berti Kolbow-Lehradt

ist Freier Journalist und Texter. Für die Netzpiloten sowie unsere Geschwisterseiten Androidpiloten und Applepiloten befasst er sich mit Technik-Themen. Die Dissertation zur Geschichte der Fotoindustrie hat der Wirtschaftshistoriker erfolgreich abgebrochen, um sich der Digitalen Fotografie und vielen anderen Bereichen der Consumer Electronics und IT in der Gegenwart zu widmen. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

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