Wie das Herz-Symbol zum neuen Like-Button des Social Web wird

Eine neue Funktion erobert quasi aus dem Herzen von New York heraus das Internet. 

Ein kleine “f”auf blauem Grund und daneben eine Zahl in einer Mini-Sprechblase: Dieses Symbol, auch bekannt als Like-Button, ist von Millionen Webseiten nicht mehr wegzudenken. Facebook hat mit seinem “Gefällt mir”-Knopf mittlerweile fast überall seine Fühler drin, um zu messen, wie gut Online-Content bei den Nutzern ankommt. Doch Moment mal – der Like-Button dominiert doch gar nicht das ganze Internet! Denn immer mehr Web-Dienste nehmen sich stattdessen ein kleines Herz.

Bei Pinterest ein Foto gut finden? Klick` auf das Herz. Bei Foursquare eine Location empfehlen? Klick` auf das Herz. Bei Fab ein Produkt favorisieren? Klick` auf das Herz. Bei Airbnb ein Zimmer merken? Klick` auf das Herz. Bei Tumblr einen guten Blog-Eintrag belohnen? Klick´ auf das Herz. Ja sogar bei Instagram, der 715 Millionen Dollar teuren Foto-App von Facebook gibt es keinen erhobenen Daumen, sondern ein kleines rotes Herz, mit dem man gelungene Schnappschüsse ein virtuelles Lob schenken kann.

Emotionalisierende Wirkung

“Das Herz ist nicht nur ein Trend, es ist eine logische Schlussfolgerung. Daumen hoch oder Like ist besetzt von Facebook, der Stern als Favorite ist besetzt von Twitter, und ein +1 wird von Google verwendet”, sagt Nardo Vogt von der Wiener Social-Media-Agentur Ambuzzador. “Das Herz ist allgemeingültig. Auch wenn es wenig mit dem anatomischen Original gemein hat, wissen viele auf einen Blick, was dieses Herz aussagen soll. Es geht um die Weitergabe von Emotionen, viel klarer, als das bei einem “Like” oder “Favorite” der Fall ist. Denn ein Herz, das gebe ich nur, wenn mir wirklich etwas am Herzen liegt, also wenn es eine positive oder aber eine mitfühlende Emotion hervorruft.”

Die emotionalisierende Wirkung und global verständliche Symbolik kennen auch die, die das Herz in ihre Web-Dienste einbauen, um sie noch mehr auf “Social” zu trimmen. Der Airbnb-Chefdesigner Joe Gebbia hat mir einmal verraten, warum die Unterkunftsplattform auf das Herz-Symbol zum Favorisieren von Einträgen verwendet. Ganz simpel: Die Nutzer klicken einfach viel lieber auf ein Herz als auf einen Stern, wenn sie etwas wirklich mögen, und die mit dem Herz verknüpfte Funktion der “Wish Lists” bei Airbnb ist auch dank dem Herzchen von den Nutzern gerne angenommen worden.

Liebesgrüße aus New York

Dass mit Fab, Foursquare und Tumblr gleich drei Web-Dienste, die aufs Herz-Symbol setzen, aus New York kommen, ist kein Zufall. Schließlich ist es jene Stadt, die seit Jahrzehnten mit dem berühmten “I ♥ NY”-Schriftzug für sich wirbt und damit in den 1970ern sein anrüchiges Image verbessern wollte. Erfunden hat ihn der Grafik-Designer Milton Glaser, der den Entwurf dafür in einem der berühmten gelben Taxis auf eine Serviette kritzelte. Dieses Stück New-York-Historie hängt heute im im Museum Of Modern Art. Kate Carmody, eine Kuratorin des Museum Of Modern Art, unterstreicht in einem Telegraph-Interview die Bedeutung von “I ♥ NY” für die Online-Kommunikation: “Heute zeigen wir unsere Gefühle mit Emoticons, und das war der Beginn der Abkürzungen, die wir heute auf Computern benutzen. Dieses Design war so erfolgreich, dass Typographen das Herz in jede Schriftart aufnehmen mussten.

Ausgewertete Herz-Daten

Wie zumeist im Internet steckt hinter dem lieblichen Herz-Symbol mehr als nur eine nützliche Funktion, mit der man sich einen Eintrag merken oder jemanden anderen belohnen kann. Die die Daten, die die Nutzer mit ihren täglich Millionen Herzchen-Klicks generieren, werden (natürlich) ausgewertet. Der Location-Dienst Foursquare etwa wertet die Herz-Daten aus, um dem Nutzer bessere Empfehlungen geben zu können, wenn er via App neue Shops, Cafés oder Clubs entdecken will. Zudem fließen Herz-Klicks auch via “Open Graph”-Protokoll an Facebook zurück. Entwickler von Web-Diensten oder Apps können ihre Versionen des Like-Buttons – egal, ob es ein Herz, ein Smiley oder ein Plus ist – mit dem echten “Gefällt mir” verknüpfen. Wer sich bei Pinterest, Airbnb oder Foursquare per Facebook anmeldet und die Erlaubnis dazu erteilt, dessen Herz-Daten fließen zurück an Facebook, was dem Online-Netzwerk seinerseits bei dem User-Profiling (Interessen, Vorlieben, Aktivitäten) hilft. Hinter vielen Internet-Herzen stecken also eigentlich erhobene Facebook-Daumen.


Image (adapted) „Heart“ by Seyed Mostafa Zamani (CC BY 2.0)

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Jakob Steinschaden

Jakob Steinschaden

ist seit 2006 publizistisch auf Papier und Pixel tätig. Er arbeitet in Österreich als Journalist und hat die beiden Sachbücher "Phänomen Facebook - Wie eine Webseite unser Leben auf den Kopf stellt" (2010) und "Digitaler Frühling - Wer das Netz hat, hat die Macht?" (2012) veröffentlicht. In seinem Blog “Jakkse.com” und in Vorträgen schreibt und spricht er gerne über die Menschen und ihr Internet – von Social Media über Mobile Business und Netzpolitik bis zu Start-ups.

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