Man braucht eine Gemeinschaft, um ein Start-up zu errichten

Es ist eine alte Weisheit, dass man ein ganzes Dorf braucht, um ein Kind aufzuziehen. Gleichermaßen braucht man eine Gemeinschaft, um ein erfolgreiches Start-up-Unternehmen zu errichten, das wächst, skaliert und zu einer gesunden Wirtschaft beiträgt. Das war die Nachricht von Brad Feld, einem großen, weltweit agierenden Risikokapitalanleger und Mitbegründer von TechStars, als er zum Zentrum für Businesswachstum der UniSA kam, um mit Risikoanlegern, ‚Business Angels‘, Wachstumsunternehmern, Politikern, Gemeindevorsitzenden und Studenten zu reden.

Seine Nachricht war klar: Start-up-Gemeinschaften können in Städten mit 50.000 und mehr Einwohnern gegründet werden. Obwohl Größe nicht zählt, tun es Gemeinschaftsverhalten und Start-up-Dichte. Wir in Australien beschäftigen uns viel mit unternehmerischen Ecosystemen. Wir zeichnen sie auf und analysieren ihre Stärken und Schwächen. Unsere Analysen sind klinisch und datenbezogen: Hier finden sich Zahlen der gestarteten Unternehmen, Zahlen der verfügbaren Kollokationsflächen und die Menge des angelegten Geldes jedes Jahr.

Nachdem man Brad angehört hat, ist klar, dass dies allein nicht ausreichen wird. Australien ist immer noch zu weit entfernt vom Prozess, Unternehmen zu starten und zu vergrößern. Wir brauchen mehr Menschen, die gewillt sind, sich diesen Prozess zu erarbeiten und daran teilzuhaben. Ein Unternehmen zu starten und vor allem zu vergrößern, ist nicht so einfach zu handhaben. Es reicht nicht, beschreiben und diagnostizieren zu können. Wir müssen uns viel mehr persönlich in unsere australischen Start-ups einbringen.

In den letzten Jahren sind wir besser darin geworden, Menschen darin zu bestärken, Dinge einfach auszuprobieren und ein neues Geschäftsmodell zu starten. Aber es ist oft noch ein langer Weg, bis man Unterstützung erhält, um ein wachstumsstarkes Unternehmen zu werden. Dazu gehören vor allem ie Faktoren Wissen, Betreuung, eine gewisse Geldmenge, Märkte und Kunden. Und wir hätte beinahe einen großen Teil des Ganzen vergessen: Unternehmern zu zeigen, wie sie elegant scheitern – um sie dann bei einem Neubeginn zu unterstützen und nicht aufzugeben. Kurzum- wir müssen Start-up-Gemeinschaften bilden; nicht nur Start-ups, die eigentlich Ecosysteme sind.

Brad verdeutlichte einige essentielle Elemente für eine dynamische Start-up-Gemeinschaft:

  • Menschen, die ein Unternehmen starten wollen, auch Betreuer und Unterstützer der Unternehmer, die es versuchen, scheitern und versuchen es erneut
  • Gemeindeführer mit einer 20-jährigen Perspektive, die sich auf den Aufbau einer Kultur, in der der Versuch, das Risiko, Scheitern und die Hilfe von CEOs, um erfolgreich zu sein, die Norm ist
  • Menschen, die ihr Eigeninteresse beiseite legen können und sich auf das Geben (von Ideen, Zeit, Rat, Geld) konzentrieren, ohne eine Belohnung zu erwarten
  • Menschen, die Außenseiter willkommen heißen und Unterschiede wertschätzen – egal, ob es um das Geschlecht, die Perspektiven, Kulturen, Wissen und Erfahrung geht.

Wir müssen unsere Einstellungen anpassen und unsere Erwartungen danach richten, wie viele Start-ups eigentlich erfolgreich sind, welche Werte zu erwarten sind, wie schnell sie wachsen und wie viel Unterstützung sie brauchen. Nur wenige der größten Unternehmer der Welt haben es bei ihrem ersten Versuch geschafft; normalerweise braucht es einige Misserfolge und Wendungen, um es richtig zu machen. Kinder werden nicht über Nacht zu Erwachsenen, und nicht alle werden Wissenschaftler. Es kann nicht jede Investition ein Erfolg werden – und wir können nicht warten, bis wir absolut sicher sind, dass es einer wird.

Einmal investierte Brad 25.000 US-Dollar in 75 Start-up-Unternehmen und er verdoppelte von einigen den Wetteinsatz. Hat er Geld verloren? Ja – er verlor bei den meisten sein Geld. Aber das Geld, das er einnahm, übertraf die Gesamtmenge der gesamten Investitionen. Viele der Unternehmer, die beim ersten Mal gescheitert sind, starteten ein neues Unternehmen und er investierte beim zweiten Mal in sie – im Wissen, dass sie dieses Mal viel mehr über den Start-up-Prozess wussten als zu der Zeit, wo er seine erste Investition machte. Beim zweiten Mal bilanzierte Feld: „Man wäre ein Idiot, wenn man sie nicht unterstützen würde“.

Leider gibt es keinen Start-up-Simulator, mit dem Unternehmer üben und lernen können, was alles schieflaufen kann, also müssen wir sie alle bei ihrer Entwicklung unterstützen. Je stärker die Start-up-Gemeinschaft ist, umso wahrscheinlicher ist es, dass manche Unternehmen wachsen und skalieren, die wiederum anderen Unternehmen dabei unterstützen können, zu verstehen, wie man wächst und skaliert. Wir müssen sicherstellen, dass unsere Start-ups über die Werkzeuge, das Wissen und die Strukturen verfügen, die ihnen verstehen helfen, was hier vor sich geht.

Wir müssen erfahrene CEOs bestärken, sich als Mentor einzubringen und ihre Erfahrungen beim Starten, Wachsen und Verlassen von Unternehmen teilen. Wir müssen diejenigen ausbilden, die Risikokapitalfonds investieren, sowohl mithilfe von Venture Capital als auch als ‚Business Angel‘, um mehr realistische Erwartungen an die Zeitfenster der Kapitalrendite zu bekommen. Wenn wir diese Art unterstützender Gemeinschaft bilden, wird die Dichte der Start-ups ansteigen, die Zahl der erfolgreichen Unternehmen wird zunehmen, es wird mehr Jobs geben, Investoren kommen gut voran und Australien wird florieren wie nie zuvor.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „hands“ (adapted) by geralt (CC0 Public Domain)


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Jana Matthews

Jana Matthews

hat den Lehrstuhl für Unternehmenswachstum an der University of South Australia inne und ist Direktorin des Centre for Business Growth ebenda.

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