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Weniger geleckte Kommunikation vonnöten, Herr Braatz

Tweet megaphone concept

Liebe Führungskräfte twittert nicht, stellt jemand ein, der es gelernt hat und lasst den machen“, empfiehlt auf Twitter ein Herr Braatz und verbindet seine Social-Web-Kalenderweisheiten dann noch mit Rundumschlägen gegen Klaus Eck und den Autor dieser Kolumne. „Ich lese nix mehr von den beiden, wenn ich es vermeiden kann. GS ist ein ganz schlimmer Dampfplauderer ohne Ahnung von Management, E. hüpft immer auf das neueste Thema. Vor zwei oder drei Jahren sollten alle Snapchat machen“, schreibt Mister Rating-Agentur, um im Nachgang seinen denunziatorischen Impuls als Versehen zu rechtfertigen.

Eigentlich wollte er das als Privatnachricht schreiben – kicher. Nun möchte ich seine Verwirrung nicht als Twitter-Inkompetenz abkanzeln. Aber das Interface beim Versenden von Privatnachrichten unterscheidet sich doch erheblich von der Eingabemaske für normale Tweets. Geschenkt.

Sollten Top-Manager auf Twitter aktiv sein?

Herr Braatz plädiert jedenfalls dafür, dass sich Protagonisten des Top-Managements nicht im Social Web bewegen sollten. Das könne man delegieren. Was für eine originelle und tiefschürfende Replik. Nun war die Überschrift für den Cebit-Talk mit Klaus Eck und Stefan Pfeiffer von IBM eher metaphorisch gedacht, um zu testen, wie Unternehmen mit dem Thema umgehen.

Werden Twitter und Co. immer noch für Marketing-Blabla missbraucht oder gibt es Ansätze für offene Kommunikation und Dialog-Formate? Braatz könnte ja mal CEOs fragen – etwa Tina Müller von Douglas. Aber da fehlt wohl der Zugang.

Es gibt immer noch Kontrollverlust-Ängste

Generell dominiere bei vielen Führungskräften eher die Angst vor dem Verlust an Kontrolle, um auf Twitter, Facebook oder LinkedIn aktiv zu werden, so Eck. „Man bekommt ein direktes Feedback vom Kunden und von Leuten, die das Unternehmen vielleicht nicht so toll finden. Damit umzugehen, ist halt nicht so einfach.“ In anderen Ländern geht man damit wesentlich experimentierfreudiger um und nutzt die Netzwerkwirkung für eine Verbesserung von Produkten und Diensten – beispielsweise Tesla-Chef Elon Musk.

Wer Kommunikation delegiert, erntet halt weniger Zustimmung in der Netzöffentlichkeit.

Fremdgesteuerte Twitter-Accounts werden durchschaut

Wenn die Kommunikationsabteilung die Twitter-Accounts der Vorstände betreibt, merkt man das sofort“, so die Erfahrung des Marketingfachmanns Pfeiffer. Natürlich sollten die PRler mit Rat und Hilfe den Topmanagern zur Seite stehen. „Aber es zählt halt die Persönlichkeit, die hinter einer Social Web-Präsenz steht. Es können nicht nur die offiziellen Statements verbreitet werden oder vorgeplante Tweets. So etwas ist langweilig und geht nach hinten los“, sagt Pfeiffer.

Eck fügt zur Beruhigung an, dass Vorstände ja nicht zehn Tweets am Tag veröffentlichen müssen. Ein relevanter Tweet pro Woche oder Monat würde genügen. Wichtig sei die Vorbildfunktion. Und Twitter wurde in der Cebit-Runde nur beispielhaft erwähnt.

IBM-Chef nutzt LinkedIn

IBM-Chef Matthias Hartmann hat sich für LinkedIn entschieden. Was ja völlig in Ordnung geht. Führungskräfte sollten nur die neuen Mechanismen der direkten Kommunikation verstehen“, erläutert Pfeiffer. So wie Boris Palmer, der als Oberbürgermeister von Tübingen sich zum Social Media-Star entwickelt hat. „Als Kommunalpolitiker geht man klassischer Weise auf den Marktplatz, um mit den Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch zu kommen und zu lernen, was die Menschen bewegt. Wenn allerdings der virtuelle Marktplatz wie Facebook immer relevanter wird, dann muss ich als Politiker auch da hingehen. Wir müssen da darüber hinaus aktiv sein, um den Extremisten nicht das Feld zu überlassen“, sagte Palmer bei der Streaming-Konferenz der Bundeszentrale für politische Bildung.

Die Meinungsbildung finde immer mehr über das Smartphone statt. Deshalb sollten alle Meinungsbildner das ernst nehmen. „Schneller können Rückmeldungen gar nicht laufen. Ich bekomme über Facebook mittlerweile mehr Bürgeranfragen als über meine offizielle E-Mail-Adresse“, betont Palmer. Das zeige sehr deutlich, wie bedeutsam die Plattform ist.

Facebook als virtueller Marktplatz für den Tübinger Oberbürgermeister

Alle relevanten Kommentare werden von ihm persönlich beantwortet. Und das innerhalb weniger Stunden. Schneller könnte die Bürgerschaft mit dem Oberbürgermeister gar nicht kommunizieren. Wenn der Gemeinderat eine Anfrage hat, dauert das in der Regel zwei Monate. Die klassischen Formen der Kommunikation werden zunehmen obsolet, meint Palmer, der bei seinen Antworten keine Pressestelle dazwischen schaltet. Die würden das meistens nur glätten. „Ich bin im Social Web sichtbar, erkennbar und auch angreifbar“, resümiert Palmer. Damit könne er aber gut umgehen.

Gleiches gilt für das Cebit-Livestudio von IBM. Man arbeitet ohne Freigabeschleifen und Autorisierungen. Es geht um direkte Rückmeldungen. „Wir aktivieren damit auch die Belegschaft, die immer mehr bereit ist, sich zu exponieren“, sagt Pfeiffer. Das gehe vom CEO bis zum Spezialisten für Mainframe-Computer. Die Rolle der PR sollte sich auf das Moderieren und die Unterstützung dieser Kommunikationsformate konzentrieren. Weniger geleckte Kommunikation verbreiten und die Leidenschaft der Mitarbeiter für ihre spezifischen Themen wecken.

Das Notiz-Amt entdeckte in Livestreaming-Aktivitäten wahre Naturtalente – etwa Andreas Thomasch, Platform Leader & Manager von IBM, der bildhaft darlegte, was die vielfach totgesagte Mainframe-Technologie noch immer sehr relevant ist für die Nutzung von Smartphone-Diensten.


Zakokor / stock.adobe.com

 

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Die Netzpiloten sind Partner des CEDO-Summit 2018 in Stuttgart

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Es ist wieder soweit – der CEDO-Summit kommt 2018 wieder nach Stuttgart. Der Kongress für Entscheider zum Thema Digitale Transformation wird vom 23.-24. Oktober im Stuttgarter Goldbergwerk stattfinden. Die Veranstaltung ist auch in diesem Jahr das absolute Highlight der Chef- und Entscheider-Branche und lockt Geschäftsführer großer Unternehmen aus ganz Deutschland an.

Was der CEDO-Summit zu bieten hat

Auf dem diesjährigen Kongress dreht sich alles um das Überthema Digitale Transformation. Dabei erwartet die Teilnehmer nicht nur die Theorie, sondern auch Möglichkeiten für die Umsetzung in der Praxis. Die Besucher dürfen sich auf exklusive Vorträge, Seminare und interaktive Workshops von und mit anerkannten Referenten freuen, bei welchen inhaltliche Ausrichtung, Lösungserarbeitung, schnelle Umsetzung, sowie Innovation im eigenen Unternehmen im Mittelpunkt stehen. Den Geschäftsführern, CEOs, CIOs, CTOs, COOs, Chief Digital Officers und anderen Topentscheidern, wird damit wertvolles Know-how sowie tiefe Einblicke und Eindrücke übermittelt.

Programm und Teilnehmer des CEDO-Summit

Das von CEDO und der Frankfurt Business Media GmbH (FAZ-Verlag) veranstaltete Event wird auch 2018 erneut ein hochwertiges Programm mit tollen Teilnehmern mit sich ziehen. Mit ins Programm gehören dabei neben Gastvorträgen und Workshops, Themen wie:

  • Nachrichten – national: Allianz und ein Daten-Treuhänder, neue CDOs bei Stihl und Karstadt, IoT-Offensive bei Bosch, Kritik an GroKo-Plänen
  • Digital Leadership: Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser
  • Digital Recruiting: Digitale Talente kommen nicht von selbst

Außerdem dürfen Gäste des CEDO-Summit unter anderem auf folgende Referenten gespannt sein:

Nutzt als Topentscheider unbendingt die exklusive Chance auf wertvollen Content zum Thema Digitale Transformation und lasst euch die CEDO-Summit 2018 auf keinen Fall entgehen. Die Registrierung ist nach wie vor bei der Online-Anmeldung möglich. Für weitere Infos oder fachlichen Input abonniert ihr den Newsletter oder schaut im CEDO-Archiv vorbei.

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Die Netzpiloten sind Partner des INTERACTIVE Festival 2017

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In Köln findet am 16. und 17. August das INTERACTIVE Festival 2017 statt. Bei dieser Veranstaltung treffen die Themen digitale Kultur und Wirtschaft aufeinander. Zum fünften Mal kommen in der Rheinmetropole Experten und Interessierte zusammen und passend dazu gibt es dieses Jahr auch fünf Schwerpunkte der Veranstaltung: Retail, Community, Media/VR, Sports und Growth.

Das Wissen vermitteln euch die Experten mithilfe verschiedener Module. Es handelt sich um Vorträge, interaktive Panels und Workshops, bei denen euch geballtes Wissen und die neuesten Erkenntnisse aus unserer digitalisierten Gesellschaft erwarten.

Darum gibt es das Festival

Ins Leben gerufen wurde das INTERACTIVE Festival im Jahr 2012/ 2013. Ortsansässige Kreative und Macher stellten fest, dass Köln durchaus das Potenzial einer Digitalstadt besitzt. Allerdings gab es zu der Zeit noch kein Forum für diese Strömung. Aus der Not machten sie eine Tugend – und so fand schon im darauffolgenden Sommer, im Juni 2013, das erste Festival statt, damals noch unter dem Namen INTERACTIVE Cologne. Von Anfang an beeindruckte das Festival mit einem außergewöhnlichen Format-Mix, den es sich auch im fünften Jahr bewahrt hat.

Wer hier genau richtig ist

Das INTERACTIVE Festival spricht ein breites Publikum an. Alle, die Teil der Kreativ- und/ oder Digitalbranche sind, sollten sich das Festival nicht entgehen lassen, aber auch User und Bürger, die die digitale Transformation und Disruption verstehen wollen, kommen hier auf ihre Kosten.

Wie wird digitale Technologie unser Leben verändern? Macht sie Dinge einfacher oder komplizierter? Welche Auswirkungen hat sie auf die Wirtschaft, auf die Politik, oder auf jeden von uns? Das Festival wird Antworten auf diese Fragen liefern, indem es sie in Vorträgen, Workshops, bei Hackathons und Parties thematisiert.

Interessante Speaker und spannende Vorträge

Freut euch unter anderem auf diese Speaker:

Das INTERACTIVE Festival findet in der Industrie- und Handelskammer zu Köln statt. Hier bekommt ihr eure Tickets.

+++ Rabattaktion +++

Mit uns kommt ihr günstiger an Tickets! Statt 150 Euro zahlt ihr für euer Ticket nur noch 99 Euro. Gebt dazu einfach den Rabattcode „NETZ2017IAC“ ein und sichert euch eure vergünstigten Tickets.

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Die Netzpiloten sind Partner der IT-Konferenz

In Berlin findet am 27. Juni die IT-Konferenz für Verlage und Medienhäuser statt. Diese lernen, IT-Landschaften zu managen – zwischen traditionellen Kernsystemen und agilen Applikationen. Technologien, Produkte und Geschäftsmodelle werden heute von Internet-Giganten wie Google und Facebook, aber auch von Start-Ups in rasantem Tempo entwickelt. Um konkurrenzfähig zu bleiben, ist es für Verlage wichtig, ihre Produkte und Geschäftsmodelle agil und flexibel anzupassen. Die wichtige Grundlage hierfür ist ein strukturiertes Innovations- und Technologie-Management zwischen traditionellen Kernsystemen und agilen Applikationen.

Schon zum 5. Mal lädt die Akademie der Deutschen Medien zur IT-Konferenz ein. CEOs und CIOs aus Verlagen und Digitalunternehmen beleuchten die IT-Strukturen in ihren Häusern. Darüber hinaus wird es interaktive Workshop-Sessions geben, bei denen die Teilnehmer die Möglichkeit haben, unmittelbar mit den Experten in Kontakt zu treten und Fragen zu stellen.

Spannende Referenten und Themen

Zu den Top-Themen auf der diesjährigen Konferenz gehören:

  • Mega Tech-Trend: Künstliche Intelligenz
  • All New Systems: Neue Content-Strategien und Produktentwicklung
  • 2-Speed-IT: Cloud-Technologien und -Services
  • Adaptiv und disruptiv? Innovationsmanagement für Verlage
  • Der Kunde im Fokus: CRM- und Daten-Management
  • Outsourcing vs. Selbermachen: IT-Sourcing und -Organisation

Auch dieses Jahr sind wieder viele spannende Speaker eingeladen, die zu spannenden Themen referieren. Freut euch unter anderem auf:

Die Veranstaltung findet am 27. Juni in der Bertelsmann Repräsentanz in Berlin statt. Hier bekommt ihr Tickets für die IT-Konferenz. Mit uns bekommt ihr sogar 15% Rabatt. Der Code dafür ist: IT-Netzpiloten

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Die Netzpiloten sind Partner der Viva Technology

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+++ Verlosung +++

Wir verlosen nämlich Tickets. Um an der Verlosung teilzunehmen, macht einfach mit und nutzt eure Chance auf Tickets for free für die Viva Technology! Zeit habt ihr dafür bis zum 06.06. Viel Glück!

Teilnahmebedinungen


In Paris findet vom 15. bis zum 17. Juni 2017 die Viva Technology statt. Zum zweiten Mal kommen in der französischen Hauptstadt Start-Ups und große Unternehmen und deren Ökosysteme zusammen, um miteinander zu verschmelzen. Die Publicis Groupe und Les Echos Groupe ermöglichen als Co-Organisatoren das Event und haben damit einer Veranstaltung erschaffen, die Start-Ups und kleinen Unternehmen aus aller Welt zugutekommt.

Das Programm sieht vor, dass die ersten beiden Tage den Medien sowie Menschen und Meinungsführern der Branche vorbehalten sind, die mit den Unternehmen, Start-Ups, VCs, Medien und Investoren in Dialog gehen wollen. Am dritten Tag dann ist die Messe für jedermann geöffnet, der sich für Unternehmensideen und neuste Entwicklungen interessiert.

Bedeutende Unternehmen

Einer der Speaker auf der diesjährigen Veranstaltung ist Valentin Stalf, CEO und Gründer von N26. Zu den Unternehmen, die auf Viva Technology vertreten sind und die interessiert sind an einer Zusammenarbeit mit Start-Ups, gehören unter anderem:

Die Location ist die Paris Expo Porte de Versailles. Wenn ihr euch bis zum 30. April anmeldet, erhaltet ihr dank Early-Bird-Tickets bis zu 30 Prozent Rabatt.

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Blender im Management werden keine Social-CEOs – sie bleiben unter sich

Evolution (adapted) (Image by Thomas Wensing [CC BY-SA 2.0] via flickr)

Es gibt nur wenige Unternehmensvertreter, die die digitale Abstinenz deutscher Führungskräfte so nüchtern betrachten, wie Stephan Grabmeier von Haufe-Umantis:

Wenngleich es die sozialen Medien nun seit rund 15 Jahren in der breiten Nutzung gibt, strotzt die DAX Management Elite mit digitaler Ignoranz. Fast alle Dax-Vorstände meiden – trotz des wachsenden Drangs zur Digitalisierung und der notwendigen Transformation in ihren Unternehmen – den Kurznachrichtendienst Twitter und die wesentlichen Social Media Netzwerke“ , schreibt Grabmeier in seinem Blog.

Führungskräfte mit Lücken

Die Lücke zwischen dem allgegenwärtigen Digitalisierungsanspruch der Konzerne und dem persönlichen Verhalten ihrer Führungskräfte sei riesig. Sie hinterlassen keinen digitalen Fußabdruck. Dafür dominieren aber eine Menge Ausreden, um in der alten Generaldirektor-Attitüde zu verharren. Etwa die Furcht vor Shitstorms. Es werde immer wieder befürchtet, dass eigene Aktivitäten im Web irgendwelche unkontrollierbaren Kettenreaktionen auslösen, die dann nicht mehr in den Griff zu bekommen seien, so die Erfahrung von Kerstin Hoffmann aka @pr_doktor, Autorin des Buches „Lotsen in der Informationsflut“: Eine der interessantesten Ideen zum Selbstschutz präsentierte mir der Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens in der Diskussion nach einem meiner Vorträge: Er selbst lade nur unscharfe Bilder von sich selbst hoch, selbst bei Xing, und er empfehle seinen Mitarbeitern das Gleiche. So könne man die automatisierte Bilderkennung unterlaufen und zudem einer widerrechtlichen Nutzung des eigenen Bildes vorbeugen.

Man hat Besseres zu tun

Blöd nur, wenn andere Nutzer aus dem Netzwerk aktiv werden und die Fotos teilen und personalisieren. Für Hoffmann ist diese Aussage ein Beleg für Kontrollillusionen. Entwicklungen und Reaktionen im Netz werden nicht besser kontrollierbar, wenn man sich heraushält oder mit angezogener Handbremse unterwegs ist. Eher sei das Gegenteil der Fall: „Womöglich erfährt man sogar viel zu spät davon, dass etwas schief läuft oder sich falsche Informationen verbreiten. Es fehlt das Netzwerk derjenigen, die einem Informationen zeitnah zutragen oder unterstützend ihre Stimme für jemanden erheben, der von anderen derzeit Gegenwind erfährt.“

Ein weiteres inflationär vorgetragenes Abwehrargument rangiert unter der Kategorie „Zeitfresser“ oder „Ich habe Besseres zu tun.“ Selbst eine große Zahl von PR- und Marketingsfachleuten denkt bei Stichworten wie Social Media und digitale Medien nicht zuerst an professionelle und zeitgemäße Kommunikation, betont Hoffmann: „Dabei müsste es ja einleuchten, dass jegliche Form der Kommunikation, die nicht mit Erfahrung, Fachwissen und den richtigen Werkzeugen betrieben wird, nicht zeiteffizient stattfinden kann. Das ist ungefähr so, als wollte man den Erfolg eines Telefonates zwischen zwei Zwölfjährigen als Referenz für einen Vertriebsanruf herbeiziehen.“

Der 4.0-Spießercode für Stillstand

Vielleicht liegen die Ursachen für die digitale Diätkost in Vorstandsetagen auch tiefer. Wolf Lotter beleuchtet sie in seinem Prolog in der März-Ausgabe von brandeins: „Alles bleibt, wie es ist, nur mit Internetanschluss.“ Dafür steht auch das elende Kürzel 4.0. Leerformel-Geschwätz zur Systemerhaltung – „ein Spießercode“, so Lotter: „Der Wissensarbeiter wacht in einem Unternehmen und in einem Staat auf, der für die Fabrikgesellschaft entwickelt wurde, und Parteien und Institutionen, die im Schatten des Schornsteins erdacht wurden, erklären ihm die Welt.“

Fast überall trifft man auf „Vorgesetzte“, die eigentlich viel weniger wissen als ihre Mitarbeiter, ihnen aber qua Amt ständig sagen, wo es langgeht. So zitiert Lotter den IG-Metall-Berater und Informatiker Ulrich Klotz. Was von oben kommt, sind häufig hohle Befehle einer Positionselite, die ohne Positionen zu kleinbürgerlichen Gestalten schrumpfen. Zu bewundern an gescheiterten Heroen des Managements wie Martin Winterkorn oder Thomas Middelhoff. Als Symbol dieser aalglatten Ikonen rhetorischer Nichtigkeit sehe ich Johann Holtrop, die Hauptfigur im gleichnamigen Roman von Rainald Goetz. Das Werk ist ein erschreckendes Panoptikum der Wirtschaftselite. Holtrop ist auswechselbar. Ein Schnösel und Wichtigtuer, der sich mit abgedroschenen Plattitüden durchs Leben boxt. Er erzählt überall zusammengelesenes, letztlich nur nachgeplappertes Zeug. „Holtrop selbst merkte nicht, wem er was nachplapperte, wo er sich bediente und von wem er was übernommen oder gestohlen hatte“ , so Goetz.

Jämmerliche Söldner meiden die Nahbarkeit

Durch diese Defizite entstand die besondere mimetische Energie, „die Holtrop das von außen anverwandelte, was ihm fehlte.“ Er implantierte der Außenwelt seine Ideen, indem er sie kopierte und zugleich so manipulierte, dass sie seine Ideen für ihre eigenen hielten – ein begnadeter Blender. Und diese Blender haben es schwer, sich offen und nahbar im Social Web zu bewegen. Es sind jämmerliche Söldner, die der Schweizer Publizist Frank A. Meyer so herrlich aufs Korn nimmt. „Sie verfügen nicht über Produktionsmittel, sie stehen nicht mit eigenem Kapital in der Verantwortung, ihre gesellschaftliche Position entspricht der von Kleinbürgern: nicht unten, aber auch nicht wirklich oben.“

Unkultivierte Typen und neureiche VIPs, die ohne Positionen wieder zu Gartenzwergen schrumpfen. So eine neofeudal gestimmte Luxusclique, die ihre Kinder in der Potsdamer Luxus-Kita „Villa Ritz“ für eine Monatspauschale von mindestens 1.000 Euro (ein Schnäppchen) unterbringt, muss sich abschotten. „Wer sich global wie lokal so behütet, so getrennt vor der wirklichen Wirklichkeit durch den eigenen Lebensfilm bewegt, dem fehlt die Lust am Engagement für die ferngerückte Gemeinschaft“, schreibt Meyer.

Deshalb ist die Suche nach den Social-CEOs in der Deutschland AG auch sinnlos. Das passt nicht zum Mindset der Teleprompter-Topmanager. Für inhabergeführte Unternehmen gibt es also ein enormes Potenzial, sich von den Lackaffen der Wirtschaft abzusetzen und auf die persönliche Vernetzung zu setzen. Marken und die Winterkorns dieser Welt geraten schnell in Vergessenheit. Aber glaubwürdige Markenbotschafter, die auf der digitalen Klaviatur spielen können, verankern sich dauerhaft in den Köpfen. Das Notiz-Amt wird sie registrieren und vorstellen.


Image (adapted) „Evolution“ by Thomas Wensing (CC BY-SA 2.0)


 

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Man braucht eine Gemeinschaft, um ein Start-up zu errichten

Es ist eine alte Weisheit, dass man ein ganzes Dorf braucht, um ein Kind aufzuziehen. Gleichermaßen braucht man eine Gemeinschaft, um ein erfolgreiches Start-up-Unternehmen zu errichten, das wächst, skaliert und zu einer gesunden Wirtschaft beiträgt. Das war die Nachricht von Brad Feld, einem großen, weltweit agierenden Risikokapitalanleger und Mitbegründer von TechStars, als er zum Zentrum für Businesswachstum der UniSA kam, um mit Risikoanlegern, ‚Business Angels‘, Wachstumsunternehmern, Politikern, Gemeindevorsitzenden und Studenten zu reden.

Seine Nachricht war klar: Start-up-Gemeinschaften können in Städten mit 50.000 und mehr Einwohnern gegründet werden. Obwohl Größe nicht zählt, tun es Gemeinschaftsverhalten und Start-up-Dichte. Wir in Australien beschäftigen uns viel mit unternehmerischen Ecosystemen. Wir zeichnen sie auf und analysieren ihre Stärken und Schwächen. Unsere Analysen sind klinisch und datenbezogen: Hier finden sich Zahlen der gestarteten Unternehmen, Zahlen der verfügbaren Kollokationsflächen und die Menge des angelegten Geldes jedes Jahr.

Nachdem man Brad angehört hat, ist klar, dass dies allein nicht ausreichen wird. Australien ist immer noch zu weit entfernt vom Prozess, Unternehmen zu starten und zu vergrößern. Wir brauchen mehr Menschen, die gewillt sind, sich diesen Prozess zu erarbeiten und daran teilzuhaben. Ein Unternehmen zu starten und vor allem zu vergrößern, ist nicht so einfach zu handhaben. Es reicht nicht, beschreiben und diagnostizieren zu können. Wir müssen uns viel mehr persönlich in unsere australischen Start-ups einbringen.

In den letzten Jahren sind wir besser darin geworden, Menschen darin zu bestärken, Dinge einfach auszuprobieren und ein neues Geschäftsmodell zu starten. Aber es ist oft noch ein langer Weg, bis man Unterstützung erhält, um ein wachstumsstarkes Unternehmen zu werden. Dazu gehören vor allem ie Faktoren Wissen, Betreuung, eine gewisse Geldmenge, Märkte und Kunden. Und wir hätte beinahe einen großen Teil des Ganzen vergessen: Unternehmern zu zeigen, wie sie elegant scheitern – um sie dann bei einem Neubeginn zu unterstützen und nicht aufzugeben. Kurzum- wir müssen Start-up-Gemeinschaften bilden; nicht nur Start-ups, die eigentlich Ecosysteme sind.

Brad verdeutlichte einige essentielle Elemente für eine dynamische Start-up-Gemeinschaft:

  • Menschen, die ein Unternehmen starten wollen, auch Betreuer und Unterstützer der Unternehmer, die es versuchen, scheitern und versuchen es erneut
  • Gemeindeführer mit einer 20-jährigen Perspektive, die sich auf den Aufbau einer Kultur, in der der Versuch, das Risiko, Scheitern und die Hilfe von CEOs, um erfolgreich zu sein, die Norm ist
  • Menschen, die ihr Eigeninteresse beiseite legen können und sich auf das Geben (von Ideen, Zeit, Rat, Geld) konzentrieren, ohne eine Belohnung zu erwarten
  • Menschen, die Außenseiter willkommen heißen und Unterschiede wertschätzen – egal, ob es um das Geschlecht, die Perspektiven, Kulturen, Wissen und Erfahrung geht.

Wir müssen unsere Einstellungen anpassen und unsere Erwartungen danach richten, wie viele Start-ups eigentlich erfolgreich sind, welche Werte zu erwarten sind, wie schnell sie wachsen und wie viel Unterstützung sie brauchen. Nur wenige der größten Unternehmer der Welt haben es bei ihrem ersten Versuch geschafft; normalerweise braucht es einige Misserfolge und Wendungen, um es richtig zu machen. Kinder werden nicht über Nacht zu Erwachsenen, und nicht alle werden Wissenschaftler. Es kann nicht jede Investition ein Erfolg werden – und wir können nicht warten, bis wir absolut sicher sind, dass es einer wird.

Einmal investierte Brad 25.000 US-Dollar in 75 Start-up-Unternehmen und er verdoppelte von einigen den Wetteinsatz. Hat er Geld verloren? Ja – er verlor bei den meisten sein Geld. Aber das Geld, das er einnahm, übertraf die Gesamtmenge der gesamten Investitionen. Viele der Unternehmer, die beim ersten Mal gescheitert sind, starteten ein neues Unternehmen und er investierte beim zweiten Mal in sie – im Wissen, dass sie dieses Mal viel mehr über den Start-up-Prozess wussten als zu der Zeit, wo er seine erste Investition machte. Beim zweiten Mal bilanzierte Feld: „Man wäre ein Idiot, wenn man sie nicht unterstützen würde“.

Leider gibt es keinen Start-up-Simulator, mit dem Unternehmer üben und lernen können, was alles schieflaufen kann, also müssen wir sie alle bei ihrer Entwicklung unterstützen. Je stärker die Start-up-Gemeinschaft ist, umso wahrscheinlicher ist es, dass manche Unternehmen wachsen und skalieren, die wiederum anderen Unternehmen dabei unterstützen können, zu verstehen, wie man wächst und skaliert. Wir müssen sicherstellen, dass unsere Start-ups über die Werkzeuge, das Wissen und die Strukturen verfügen, die ihnen verstehen helfen, was hier vor sich geht.

Wir müssen erfahrene CEOs bestärken, sich als Mentor einzubringen und ihre Erfahrungen beim Starten, Wachsen und Verlassen von Unternehmen teilen. Wir müssen diejenigen ausbilden, die Risikokapitalfonds investieren, sowohl mithilfe von Venture Capital als auch als ‚Business Angel‘, um mehr realistische Erwartungen an die Zeitfenster der Kapitalrendite zu bekommen. Wenn wir diese Art unterstützender Gemeinschaft bilden, wird die Dichte der Start-ups ansteigen, die Zahl der erfolgreichen Unternehmen wird zunehmen, es wird mehr Jobs geben, Investoren kommen gut voran und Australien wird florieren wie nie zuvor.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „hands“ (adapted) by geralt (CC0 Public Domain)


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Die Netzpiloten sind Partner beim ONLINE HANDEL


+++ GEWINNSPIEL +++

 

Kurz vor knapp haben wir noch ein besonderes Highlight für euch. Ihr habt nämlich noch bis zum 31. Januar die Chance, ein Ticket für das Event zu gewinnen. Einfach klicken, mitmachen und Daumen drücken. Viel Glück!


Am 07. und am 08. Februar 2017 findet in Berlin zum 13. Mal die Veranstaltung „ONLINE HANDEL“ statt. Der Veranstalter ist das Management Forum der Verlagsgruppe Handelsblatt GmbH. Bei dem Event, das sich an die Online-Handel-Community richtet, warten exzellente Redner mit spannenden Themen aus der E-Commerce-Branche auf. Themen, über die unter anderem referiert wird, sind: „Coming of age – Next steps für den Online Handel“, „Amazon Best Practice – Power Retailer“ und „Wie können Corporates und Startups am besten voneinander profitieren – Von der Kooperation bis zur kompletten Übernahme“.

Außerdem wird zum inzwischen 6. Mal der Online-Handel-Award verliehen. Die ECC Köln hat dafür 10.000 Konsumenten befragt. Die am besten bewerteten Online-Shops werden auf der „ONLINE HANDEL“ ausgezeichnet.

Des Weiteren gibt es vertiefende Seminare. In diesen sogenannten „Deep Dives“ werden Themen rund um die Bereiche Marketing und Organizational Development behandelt.

Vortragende sind: Andreas Bartmann, Geschäftsführer Globetrotter; Jürgen Bock, Leiter Kulturentwicklung OTTO und Berater für Unternehmenskultur; Stephanie Cox, Initiator chancen:reich; Florian Färber, Geschäftsführer ZipJet GmbH; Alexander Graf, Herausgeber kassenzone.de; Dr. Florian Heinemann, CEO Projekt A Ventures; Joël Kaczmarek, Chefredakteur digital kompakt; Tijen Onaran, Gründerin Women in Digital e.V. und startupaffairs; Sebastian Pollok, Gründer & Geschäftsführer Amorelie.de; Daniel Raab, Managing Director ProSiebenSat.1 Commerce GmbH; Karsten Schaal, Gründer und Managing Director food.de sowie Kornelia Telkes und Eszter Kerdö, Geschäftsführung KALA Fashion.

Die Veranstaltung findet im nhow, in den Räumlichkeiten des nh-Hotels statt. Die Adresse ist Stralauer Allee 3, 10245 Berlin.

Bleibt auf dem Laufenden und verpasst keinen Neuigkeiten mehr, indem ihr dem Managementforum auf Twitter folgt!

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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • RANSOMWARE zeit: Infiziere deine Freunde, dann kriegst du deine Daten zurück: Die Taktiken von Cyber-Kriminellen werden auch immer perfider: jetzt werden die Opfer damit erpresst, dass sie statt dem Bezahlen eines Lösegeldes auch zwei weitere Opfer infizieren können. Ransomware ist eine Malware, die Ihren Computer infiziert, sperrt und dann Geld dafür verlangt, ihn zu entsperren. Die sogenannte „Popcorn Time“-Ransomware stellt das Opfer also vor die Entcheidung innerhalb weniger Stunden entweder das Lösegeld (eine Bitcoin, mit derzeitigem Wert von 736€) zu zahlen oder die Mail weiterzuleiten.

  • RAUMFAHRT heise: Mars One: Bemannte Mars-Missionen rücken in weitere Ferne: “Is there life on Mars?” fragte sich schon David Bowie. Noch nicht, aber zumindest bald, wenn es nach den Begründern des Projektes “Mars One” geht. Per Casting wurden für die Mars-Mission einst Teilnehmer gecastet, dass dies eine Reise ohne Wiederkehr sein wird war allen bewusst. Anfangs war 2022 als Ankunftsjahr vorgesehen, dieses musste aber später auf 2026 und schließlich auf 2032 verschoben werden und das nicht ohne Kritik an der ganzen Sache. In diesem Jahr wurde bereits ein Experiment abgeschlossen, bei dem die Teilnehmer am Hang eines hawaiianischen Vulkans 365 Tage lang das Leben auf dem Mars simulierten.

  • VIRTUAL REALITY t3n: Große Umstrukturierungen: Oculus verliert seinen CEO, Palmer Luckeys Zukunft ungewiss: Oculus sind die Vorreiter in Hinblick auf die Massentauglichkeit von Virtual Reality-Brillen. Mit als Erste haben sie vor einigen Jahren mit ihrer Oculus Rift den Hype wiederbelebt und ins 21. Jahrhundert geholt. 2014 wurde die Firma für 2 Milliarden US-Dollar von Facebook gekauft, jetzt werden im Unternehmen große Umstrukturierungen eingeleitet. So ist der Oculus CEO Brendan Iribe gestern von seiner Position zurückgetreten. Für die Nachfolge wird gesorgt, Iribe bemüht sich gemeinsam mit Facebook CTO Mike SChroepfer um ein neues Team.

  • INSTAGRAM digiday: Publishers see promise with Instagram Live: Facebook hat mit den 360-Grad-Live-Videos bereits vorgelegt. Jetzt zieht Instagram mit “Instagram Live” nach. Die Funktion wurde im November angekündigt und ist jetzt zunächst für US-amerikanische Nutzer verfügbar. Bereits mit “Instagram Stories“ näherte sich der Social-Media-Kanal an andere Branchen-Kollegen an. Jetzt soll über die Stories-Funktion auch das Live-Streamen auf der Schnappschuss-Plattform möglich sein. Einen großen Unterschied zu anderen Live-Funktionen gibt es aber: live heißt live!

  • BIOMETRIK digitaltrends: The future of biometric tracking will make step counters look like antiques: Ob einfache Schrittzähler-App oder Activity-Band mit GPS, Herzfrequenz-Messung oder Schlafrhythmus-Analyse – Technologien zur Messung unserer biometrischen Daten gibt es schon länger. Biometrik, also die Wissenschaft hinter der Analyse von biologischen Daten, die durch die entsprechenden Wearables nachvollzogen werden kann, kann viel, aber in Zukunft noch mehr! Für professionelle Athleten sollen die technologischen Helferlein sogar Verletzungen vorbeugen können und auch genetische Informationen sollen ermittelt werden können.

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Die Netzpiloten sind Partner des NKF Summit

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Am 7. Dezember findet in Berlin der NKF Summit Vol. 1 statt. Das ist die Veranstaltung, bei der Cooperates und Startups lernen, miteinander zu arbeiten. Eingeladen sind zahlreiche Experten, die Vorträge halten und Sessions leiten werden. Über 25 Speaker werden dabei ihre Kenntnisse präsentieren.

Mit dabei ist Christian Lindner, Bundesvorsitzender der FDP. Er referiert darüber, warum Startups und Corporates vor allem in Deutschland sich dringend annähern müssen. Olaf Koch, CEO der Metro AG, ist ebenfalls vor Ort. In seinem Vortrag geht es um die Startup-Strategie der Metro AG. Marius Swart, Global Innovation Director der Coca-Cola Company, spricht über die Fallstudie Coca-Cola Incubator. Jörg Rheinboldt, Managing Director der Axel Springer Plug and Play Accelerator GmbH gibt Einblicke in die Arbeitsweise und Strategie von Plug and Play. Einen Fireside-Check wird es bei Christoph Weigler, General Manager Germany der Uber Germany GmbH geben. Peter Lennartz, Head Startup Initiative Berlin + GSA EY erklärt das Erfolgsmodell „Lab“ der Firma.

Am 6. Dezember findet als Aufwärmübung schonmal die optionale Startup-Tour statt, außerdem der Lean-Startup-Workshop und die Reception, weiter geht es dann am 7. Dezember.

+++ Rabattaktion +++

Alle Netzpiloten-Fans erhalten 250 Euro Rabatt beim Ticketkauf. Gebt einfach den Code Netzpiloten beim Ticketkauf ein und spart, was das Zeug hält!

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Machteliten-Hacking ist möglich – Warum Fatalismus bei Trump und Co. nicht hilft

Justitia (adapted) (Image by Markus Daams [CC BY 2.0] via Flickr)

Jahrelang haben die „liberalen“ Eliten die da unten und ihre Sorgen heimlich verachtet. „Jetzt wählen die Abgehängten die Rassisten, und der Schreck ist groß“, schreibt Elisabeth Raether in der Zeit. Nichts habe den Siegeszug von Donald Trump aufhalten können: keine Satire-Nummer, kein tadelnder Leitartikel, keine Häme über die Haare des pöbelnden Bauunternehmers. Und Michael Seemann führt aus, dass die Abgehängten und Verlierer der Globalisierung die alten Eliten zurückwünschen, die noch in derselben Welt gelebt haben wie sie.

„Deswegen schafft Trump, was Mitt Romney nicht schaffen konnte: Identifikationsfigur zu sein und positiver Entwurf einer Elite zu sein, zu dem sich die Arbeiter verbinden können. Trumps Erfolg kommt ohne Bildung und ohne Political Correctness aus, deswegen wirkt er erreichbar. Er repräsentiert eine entmachtete Elite der guten alten Zeit, die sich die Leute zurückwünschen. Eine Elite, die zwar egoistisch und brutal kapitalistisch war, die aber kulturell anschlussfähig und national bezogen blieb.“ Weil man gegen die globale Klasse nicht moralisch und argumentativ gewinnen könne, bleibt der alternativen Rechten nur noch, jede Moral und jedes Argument zu verweigern.

Fakten gegen die postfaktischen Populisten

Trump, Brexit und die Rehabilitation von „völkisch“ seien argumentative und moralische Pflastersteine in unsere Vitrinen. „Sie sind der internationale Aufstand gegen die kulturelle Hegemonie der globalen Klasse. Der Brexit macht die Richtung klar: eine andere Welt ist möglich. Aber als Drohung“, resümiert Seemann. Seit Jahren ertönt schon das Lied, wie die Globalisierung und die seit dem Untergang des sozialistischen Lagers fehlende „Angst vor einer kommunistischen Revolution“ die heutige Wirtschaftselite ökonomisch viel unabhängiger vom Lebensstandard der breiten Mittelschichten gemacht habe.

Diese globale Elite lebt perfekt vernetzt und abgesondert vom Rest der Bevölkerung. Wir werden beherrscht von einer transnationalen Klasse der Superreichen. Und genau diese Gemengelage nutzen die „postfaktischen“ Rassisten und Chauvinisten für ihre politischen Beutezüge aus. Das klingt ziemlich fatalistisch.

Vielleicht helfen Fakten weiter und da lohnt der Blick in die Forschungsarbeit des Soziologen Michael Hartmann, die im Campus Verlag unter dem Titel „Die globale Elite“ erschienen ist.  „Nur wenn die Topmanager der größten Unternehmen und die reichsten Menschen der Welt durch umfangreiche und kontinuierliche Erfahrungen außerhalb ihres Heimatlands einen eigenständigen Habitus ausbilden, der sich deutlich von dem ihrer auf nationaler Ebene verbleibenden Pendants unterscheidet, kann man von einer transnationalen Klasse oder Elite reden“, erläutert Hartmann. In seiner Analyse hat er weltweit 20.000 Konzernchefs, Aufsichtsratsvorsitzende, Chairmen, Board Members und Milliardäre unter die Lupe genommen und kommt zu einem überraschenden Ergebnis.

Globale Elite ziemlich lokal

„Im Durchschnitt stammt nur jeder zehnte CEO der weltweit größten und global aktivsten Unternehmen und ein etwas höherer Prozentsatz der Chairmen und übrigen Board-Mitglieder aus dem Ausland. Sogar nur ungefähr jeder zwanzigste CEO kann einen Studienabschluss einer renommierten ausländischen Business School oder Elitehochschule aufweisen. All das ist umso aussagekräftiger, als diese Prozentsätze sich auf die größten Unternehmen der Welt beziehen.

Weil die Inter- wie Transnationalität der Spitzenmanager umso stärker ausfällt, je größer die Konzerne sind, würden die Werte in dem Maß zurückgehen, in dem eine höhere Anzahl von Unternehmen berücksichtigt würde.“ Wenn es eine globale Wirtschaftselite oder gar eine globale Elite unter Einschluss der einflussreichsten Politiker und Mitglieder der anderen Eliten nicht gibt, dann eröffnet das nach Ansicht von Hartmann politische Handlungsspielräume.

Man braucht nicht auf die Einsicht der Superelite zu warten

Wer allerdings von einer einheitlichen weltweiten Superelite ausgeht, der kann angesichts der fehlenden Gegenkräfte auf globaler Ebene nur noch auf die Einsicht dieser Superelite oder auf das schmerzhafte Ende des neoliberalen Kapitalismus hoffen. Häufig gehe die Beschwörung globaler Eliten Hand in Hand mit der gleichzeitigen Feststellung, dass man dagegen nichts unternehmen könne. Wenn Wissenschaftler wie Wolfgang Streeck konstatieren, dass diese Eliten sich „keine Gedanken mehr über nationales Wirtschaftswachstum machen [müssen], weil ihre transnationalen Vermögen so oder so wachsen“ und sich mit ihrem Geld absetzen, dann verleitet das eher zu Endzeitszenarien als zu politischem Denken und Handeln.

Staaten können handeln

„Tatsächlich existieren für die Politik vielfältige Handlungsmöglichkeiten, diesen Entwicklungen etwas entgegenzusetzen, zumindest in den größeren Staaten dieser Erde“, so Hartmann. Besonders, wenn es um die Plünderung der öffentlichen Sphäre geht. Etwa bei der Umgehung von Steuerzahlungen oder der Privatisierung von öffentlichen Gütern. „Der Kampf gegen Steuerflucht ist jedenfalls nicht aussichtslos, wenn ein politischer Wille da ist. Das belegt auch das faktische Ende des vor wenigen Jahren noch als quasi naturgesetzlich betrachteten Schweizer Steuergeheimnisses“, betont Hartmann.

Als Beispiel führt er den Silicon Valley-Konzern Facebook an, der angekündigt hat, künftig alle Werbeeinnahmen auf dem britischen Markt auch in Großbritannien zu versteuern und nicht in Irland wie bisher. „Das dürfte ebenfalls zu einer drastischen Erhöhung der Steuerbelastung führen, denn Facebook hat bislang den wesentlich günstigeren Steuersatz in Irland genutzt und 2014 in Großbritannien gerade einmal 4327?Pfund Körperschaftssteuer gezahlt“, betont Hartmann. Das Unternehmen reagiere damit wie Google auf eine ab dem 1. April 2015 in Kraft getretene Änderung der britischen Steuergesetzgebung, die für Unternehmen, die derartige Steuervermeidungsstrategien betreiben, einen von 20 auf 25 Prozent erhöhten Steuersatz auf so ins Ausland verschobene Gewinne vorsieht.

Der gerade bei Politikern beliebte Hinweis auf die ungeheure Macht der globalen Wirtschaftselite und die eigene Ohnmacht ihr gegenüber verschleiere solche Möglichkeiten. Das Notiz-Amt sieht beste Möglichkeiten für das Machteliten-Hacking über gesetzgeberische Initiativen, um für mehr Verteilungsgerechtigkeit zu sorgen. Die globale Elite ist wohl doch eher eine Schimäre. Sie ist zumindest kein scheues Reh, das beliebig Ausweichmanöver an den Tag legen kann.


Image (adapted) „Justitia“ by Markus Daams (CC BY 2.0)


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  • SILICON VALLEY wired: Thiel: We Must Talk ‘Frankly’ About America’s Problems: Der deutschstämmige Investor Peter Thiel zieht den Groll vieler Silicon Valley CEOs auf sich. Grund dafür ist seine Wahlkampfunterstützung für Kandidat Donald Trump. In einem offenen Brief haben sich nun über 100 hochrangige Personen der Tech-Welt gegen Donald Trump ausgesprochen. Im Brief sind unter anderem die Namen von Tech-Giganten wie Steve Wozniak, Ev Williams, Pierre Omidyar, Vinod Khosla und Dustin Moskovitz zu finden. Sie stellen sich gegen Trump, weil seine Wahlkampagne Angst und Hass fördere. „Wir haben Donald Trumps Ansichten über ein Jahr verfolgen können und kommen zu dem Entschluss: Trump wäre ein Desaster für Innovationen.“

  • MICROSOFT reuters: Microsoft wins landmark appeal over seizure of foreign emails: Microsoft feiert vor Gericht einen Sieg gegen die Überwachung von Nutzerdaten. Microsoft werte sich gegen einen Beschluss, in dem der Konzern gezwungen werden könne, Email-Daten von Nutzern bereitstellen zu müssen, die sich auf Servern außerhalb der USA befinden. Ein Bundesgericht in den Vereinigten Staaten hat in dem Streit dem Tech-Unternehmen recht gegeben.

  • GOOGLE golem: Google-Überwachungskamera nutzt Personenerkennung: Vor zwei Jahren hatte Google das Unternehmen Nest für 3,2 Milliarden Dollar übernommen. Kurz danach wurden 555 Millionen Dollar für den Überwachungskamerahersteller Dropcam bezahlt. Nun bringt Google eine Kamera raus, die mit einer Personenerkennung nur auf Menschen reagieren soll. Die „Nest Outdoor Cam“ ist mit einem 130-Grad-Weitwinkelobjektiv und einem Sensor mit 3 Megapixeln ausgerüstet und benötigt eine Steckdose für die Stromversorgung. In Full-HD sollen 30 Bilder pro Sekunde aufgenommen werden. Die Nest Cam Outdoor soll 200 US-Dollar kosten. Dazu kommen monatliche Kosten ab 10 US-Dollar für den Cloud-Service, damit die Videos dort für 30 Tage gespeichert werden. Die Aufnahme läuft rund um die Uhr.

  • FACEBOOK mashable: Facebook activates Safety Check for Nice after truck rams into parade: Nach dem terroristischen Anschlag in Nizza, bei dem über 80 Menschen getötet worden sein sollen, hat Facebook vor Ort seinen Sicherheitscheck aktiviert. So kann man über Facebook herausfinden, ob Freunde, die sich in der Nähe des betroffenen Gebietes aufhalten, in Sicherheit sind. Französische Behörden riefen die Leute sogar auf, über Facebook den Sicherheitsstatus ihrer Freunde oder Verwandten zu checken, wenn sie die Plattform benutzen.

  • T-MOBILE thenextweb: T-Mobile is giving Pokemon Go players free data through August 2017: Pokémon Go ist dabei das erfolgreichste Smartphone-Game zu werden. Der Aktienwert von Nintendo schoss unfassbar in die Höhe. Jetzt setzen auch andere Unternehmen auf den Hype um Pickachu und seine Kollegen. Günstigere Fahrten mit Lyft, spezielle Angebote auf mobile Akkuladestationen und vieles mehr. Und auch T-Mobile will Teil des Geschäfts sein. Wer sich die T-Mobile-App herunterlädt, der hat bis Mitte August die Chance auf kostenloses Datennetz, um die Pokémonsuche voll auszukosten.

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  • TECHNOLOGIE thenextweb: China just finished building the world’s largest telescope to look for aliens: In China wurde gestern das größte Teleskop der Welt fertiggestellt. Es hat eine Größe von 30 Fußballfeldern. Rund 180 Millionen Dollar sind in das Projekt geflossen, das sich auf die Entdeckung von außerdirdischen Lebensformen konzentrieren soll. Um einen absolut ungestörten Empfang von Geräuschen aufzunehmen, werden bis 9000 Menschen das Gebiet verlassen müssen und werden bis September umgesiedelt. Dann soll das Teleskop in Betrieb genommen werden.
  • CHEMIE mashable: This company plans to grow armies of drones in giant tubs of chemicals: Chemikalien in denen sich Maschinen selber produzieren. Alles unter Kontrolle eines Computers, also einem Chemputer. Das Unternehmen BAE Systems will einen Chemputer gebaut haben, der eine Armee von Drohnen bauen soll. Es wurden Bildern veröffentlicht, die der Klonproduktion aus den Star Wars Filmen gleicht. Laut Experten sei der offensichtliche nächste Schritt, Roboter in diesen Chemikalien zu entwickeln.
  • ROBOTER heise: RoboCup: Schwitzende Roboter und siegende Basets – spannende Roboterfußball-Finals: Während die menschlichen Fußballstars gerade in Frankreich um den Titel des Europameisters kämpfen, wurde in Leipzig die RoboCup-Weltmeisterschaft entschieden. Aus aller Welt kamen die Roboterfanatiker und Programmierer nach Deutschland, um zu sehen wie sich die Maschinen-Fußballer in den letzte Jahren entwickelt haben. Verschiedene Wettbewerbe wurden ausgetragen, wie zum Beispiel im 2-D und 3-D Bereich.
  • STARTUP sueddeutsche: Wie ein Start-up den Lautsprecher neu erfinden will: Im Smartphone funktioniert alles digital oder? Fast. Eine Funktion, die mit am meisten benutzt wird – Lautsprecher – ist noch analog. Ein Startup aus Österreich möchte das nun ändern. USound will die Lautsprechertechnik revolutionieren. Die Lösung soll Silizium bringen.
  • HACKER techcrunch: Hacker takes over Oculus CEO’s Twitter account, announces new CEO: Kürzlich wurden die Social Media Accounts von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg gehackt. Nun hat es auch den CEO von Occulus, Brendan Iribe, erwischt. Auf seinem Twitteraccount wurde ein neuer CEO von Occulus vorgestellt. Bei den meisten klingelte es wohl direkt und man war sich sicher, dass Iribe Opfer eines Hackerangriffs geworden war. Hat Twitter ein Sicherheitsproblem?
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Zufallsgenerator fürs digitale Management

Führen im digitalen Zeitalter (Image by Gunnar Sohn)

Manager führen disziplinarisch – Leader haben Follower. So hat Harald Schirmer von Continental beim ersten Digital Leadership Summit in Köln die Polarität in der deutschen Wirtschaft zugespitzt. Dabei geht es nicht um die Frage „Wer hat den Größten“. Schirmer verortet eher Spannungsfelder im Top-Management. Führungskräfte agieren zwischen den Optionen Hierarchie-Netzwerk, Kontrolle-Vertrauen, Regeln-Handlung, Sicherheit-Transparenz.

Generaldirektoren meiden Transparenz und lieben Kontrolle

Wobei die meisten Manager im Generaldirektoren-Modus eher zu Hierarchie, Kontrolle, Regeln und Sicherheit neigen, auch wenn sie in der Öffentlichkeit das Gegenteil behaupten – etwa jener Zeitgenosse, der seine Karriere als CEO minutiös plant und künftig einen großen Sportartikel-Hersteller kommandiert. Stoßen solche Zeitgenossen auf die Realitäten der digitalen Sphäre, werden ihre Schwächen sichtbar.

Harald Schirmer erwähnte die Furcht eines Wirtschaftskapitäns, in einem Corporate Blog sichtbar zu werden. Das führe unter Umständen zu einer Flut von unangenehmen Kommentaren, die man nicht mehr steuern könne. Schreiben die Steuermänner des Top-Managements dann irgendetwas ins Netz, geschieht das genaue Gegenteil. Niemand interessiert sich für das über drei oder vier Kontrollstufen autorisierte Manager-Sprech. Fehlanzeige bei Blog-Kommentaren, Fehlanzeige bei Tweets oder Teilungen auf Facebook.

Der Kaiser ist nackt

Die Wichtigtuer der Deutschland AG, die sich über Seilschaften nach oben gearbeitet haben, stehen auf einmal in Konkurrenz zu den Normalos des Netzes. Sie sind nur noch ein Kaiser ohne Kleider. Insofern ist die Furcht vor dem Kontrollverlust in der digitalen Sphäre verständlich. Erfolgreiche Topmanager leben von Illusion des allwissenden Tatmenschen. Wer die Hosen runterlässt, macht sich verzichtbar. Schnell wird klar, wie wenig Können vorhanden ist.

Manager im Glücksmodus

Viele Protagonisten waren meist nur zur rechten Zeit am rechten Ort, so der Verhaltensforscher Chengwei Liu im Interview mit dem Harvard Business Management-Magazin:

Wir haben eine romantische Vorstellung von Anführern und denken, dass das Wohl der gesamten Gruppe, des gesamten Unternehmens oder gar der Nation von ihnen abhängt. Das tut es nicht. Forschungen zeigen, dass die Ernennung von CEOs den Erfolg von Unternehmen viel weniger beeinflusst, als die Finanzmärkte anfangs glauben. Topmanager können einfach nicht so viel ausrichten, wie wir es gern hätten.

CEOs per Losentscheid wählen

Chefs sollten daher per Zufallsverfahren ausgewählt werden, schlägt Liu vor. Anführer im antiken Griechenland wurden per Losentscheid rekrutiert.

Vieles weise darauf hin, dass dies auch für Unternehmen sinnvoll wäre. Zufallsmechanismen würden zu besseren Ergebnissen führen. Ein derartiges Vorgehen werde als fairer wahrgenommen, es kann Korruption verhindern und zu mehr Stabilität führen.

Unternehmen sollten zudem bedenken: Wer hochrangige Führungskräfte über die pseudo-rationale Bewertung von Leistung bestimmt, schafft Interessenkonflikte:
„Es kommt zu politischen Spielen. Die Bewerber arbeiten gegeneinander, um hervorzustechen, und schaden so dem Unternehmen. Ein Losentscheid macht dies überflüssig. Weil die Manager auf der höchsten Ebene ohnehin alle gleich gut qualifiziert sind, kann dies tatsächlich die beste Wahl sein“
, resümiert Liu.

Das Notiz-Amt hält das für einen klugen Ratschlag.


Image by Gunnar Sohn


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Auf der Suche nach dem digitalen Herkules

Herkules Statue in der Orangerie des Schloss Schwerin(Teaser Hermann Luyken(CC0-Public-Domain)via Wikimedia

Ein klangvoller Titel allein hat bisher selten auch eine sinnvolle Rechtfertigung mit sich gebracht. Gerade der Chief Digital Officer wird dies zu spüren bekommen und verschwinden. Nach dem Fokus auf IT und Kosten, kommt die Diskussion rund um die digitale Transformation bei Know-How und Expertise an. Es entwickelt sich zunehmend die Erkenntnis, dass digitales Wissen und Leadership innerhalb eines Unternehmens erforderlich ist. Der derzeit populäre Ansatz ist die Bestellung eines Chief Digital Officers (CDO). Reicht das aus? Oder ist das Scheitern des digitalen Herkules vorprogrammiert?

Laut einer Studie von Crisp Research „Leadership im digitalen Zeitalter“ fordern fast 42 Prozent aller Befragten, dass im Unternehmen Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen eingerichtet werden müssen, um die digitale Expertise der eigenen Organisation zu verbessern. Als Heilsbringer für die digitale Erleuchtung wird zur Zeit die Position eines Chief Digital Officer gehandelt.

Der Allwissende Digital-Gott

Die Anforderungen sind im Stellenprofil sind mannigfaltig, schreibt Kerstin Lomb in der aktuellen Ausgabe des Wirtschaftsmagazins Bordreport:

Er soll die IT beherrschen und betriebswirtschaftlich ausgebildet sein. Er soll ein starker Kommunikator sein, kennt alle Prozesse des Unternehmens sowie Produkte und Dienstleistungen. Er durchblickt die Organisationsstruktur und versteht die Unternehmenskultur. Er hat ein digitales Mindset, Erfahrung in der strategischen Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle und deren Umsetzung, verfügt über eine disruptive Denkweise und initiiert innovative Lösungsansätze. Der CDO bildet sich stets weiter, ist der Sparingspartner, der digitale Projekte anstößt, aufsetzt, umsetzt und erforderliche neue Prozesse initiiert. Er fördert und lebt die Innovationskultur, ist Leitfigur und Motivator des kulturellen Wandels sowie digitalen Handelns. Damit einhergehend agiert er unternehmerisch, ist risikobereit und traut sich unkonventionelle Methoden bei der Digitalisierung von Kundenbeziehungen und Geschäftsmodellen zu. Die Liste lässt sich fortsetzen. Wer ist zu dieser universalen Leistung imstande? Wohl keiner.“

Gleiches gelte für die organisatorische Einbindung und für die Budgetierung. Auch hier dürfte es schwerfallen, den CDO mit der nötigen Schlagkraft auszustatten.

Schon CIOs zählten nicht zu den technologischen Rockstars

Bei der Rekrutierung kommen wohl eher Manager aus Beratungen, IT-Firmen oder Agenturen ins Blickfeld. Hier muss man jedoch Zugeständnisse machen. Strukturen und Kulturen, wie man sie im Mittelstand vorfindet, sind in diesem Kandidatenkreis wohl eher weniger anzutreffen. Auch haben Berater fachliche Schwerpunkte, so muss man wohl Abstriche beim komplexen Anforderungsprofil machen“, weiß die Personalexpertin Lomb.

Habe man dennoch den „idealen“ CDO gefunden, dann stellt sich die Frage des Einbindens in die Struktur. Die Querschnittaufgabe für die netzökonomische Profilierung von Organisationen wird wohl nur mit Vorstandsrang gelingen. Schafft man einen neuen Geschäftsbereich mit den erforderlichen Mitarbeitern? Das birgt hohe Kosten und Schwierigkeiten bei der Integration in bestehende Prozesse und Strukturen.

Kümmerliches Dasein als Kosten-Optimierer

Vermutlich droht dem CDO das Schicksal des CIO, der häufig als Kosten-Optimierer unter dem Finanzvorstand sein Dasein fristet und zunehmend seine Daseinsberechtigung verliert.

Wenn nur noch rund 40 Prozent des gesamten Budgets für Digitalisierung unter die Verantwortung des CIO fällt, ist es schlichtweg unmöglich, die Rolle eines Digital Leaders zu spielen.

Die obersten IT-Manager zählten nie zu den Rockstars in ihren Unternehmen. Das Notiz-Amt kann da nichts vorweisen. Warum sollte sich das mit dem Chief Digital Officer ändern? Ursache für die digitale Macht von Apple, Google-Alphabet, Amazon und Facebook ist die Unfähigkeit der europäischen Unternehmen, mit der Digitalisierung zu spielen und neue Geschäfte zu erschließen.

Nerdige CEOs

Im Handelblatt-Ranking der 100 nach Börsenkapitalisierung größten Unternehmen sind 54 in den USA beheimatet. Und das liegt an den Champions für digitale Technologie. Allein das Trio Apple, Alphabet und Microsoft ist mit 1,4 Billionen Euro rund 300 Milliarden Euro mehr wert als die 30 größten Konzerne Deutschlands im Leitindex DAX. Bei den Europäern können nur Roche, Nestlé, Norvatis, die Baurerei Anheuser-Busch, Novo Nordisk und der Ölkonzern Royal-Dutch mithalten unter den Top 50 – also Old Economy. Im unteren Drittel findet man Bayer, SAP, Daimler, Siemens, Deutsche Telekom und Allianz.

Wir brauchen in deutschen Unternehmen keine Alibi-Funktionen, sondern digitale Vordenker an der Spitze – wir brauchen nerdige CEOs.


Teaser & Image „Herkules-Statue in der Orangerie des Schloss Schwerin“ by Hermann Luyken (CC0 Public Domain)


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Quo Vadis, Reddit?

reddit sticker - 3 (adapted) (Image by Eva Blue [CC BY 2.0] via Flickr)

Nach acht Monaten und viel Kritik ist Ellen Pao als CEO von Reddit zurückgetreten. Dabei sind in der Krise der letzen Wochen vor allem die Nutzer und der Vorstand zu kritisieren. Reddit bezeichnet sich selber als die Titelseite des Internets, doch was hinter den Kulissen in den letzten Wochen abgegangen ist, kann ohne Probleme als massive Krise bezeichnet werden. Der bisherige Gipfel war der Rauswurf der Interims-Geschäftsführerin Ellen Pao nach einer Revolte der Nutzer des Message Boards. Das Verhalten vieler Nutzer gegenüber Pao bezeichnete Reddit-Verwaltungsratschef Sam Altman als widerlich und auch wenn der Weggang Paos angeblich in gegenseitigen Einvernehmen geschah, bleibt doch ein sehr bitterer Beigeschmack.

Anatomie einer Krise

Nach nur acht Monaten ist Ellen Pao als CEO bei Reddit wieder zurückgetreten. Doch wie konnte es so weit kommen? In der Kritik stand Pao bei Reddit-Nutzern schon länger. Ihr Vorhaben, gegen Belästigung und Beleidigung auf Reddit vorzugehen und in dem Zuge einige besonders schlimme Subreddits zu schließen, stieß bereits auf Kritik, da viele Nutzer der Meinung waren, dass dies der Grundidee von Reddit, der Freiheit alles sagen zu dürfen, widerspricht. Diese Kritik kam allerdings überwiegend von Reddit-Nutzern, die diese Freiheit oftmals für genau diese Zwecke missbraucht haben – von anderen Seiten, besonders außerhalb des Message Boards, wurde dieser Schritt Paos durchaus begrüßt. Aber auch generell waren viele Redditors der Meinung, dass Pao bei ihren Entscheidungen eher aus Unternehmenssicht handelte und nicht die Community und deren Bedürfnisse im Blick hat.

Eskaliert ist die Situation allerdings erst, als Reddit-Communication-Director Victoria Taylor entlassen wurde. Taylor war vor allem für die AMAs (Ask Me Anything) verantwortlich. AMAs sind ein Forum, in dem Prominente – von Schauspielern bis hin zu Barack Obama – dee Community Rede und Antwort standen. Die Rubrik erfreute sich überaus großer Beliebtheit, auch weit über die Reddit-Grenzen hinaus. Der Rauswurf Taylors hat bei Reddit-Nutzern vor allem deswegen Unmut hervorgerufen, weil es so plötzlich und unerwartet geschah und weil weder von Taylor noch von Reddit eine Erklärung für den Sachverhalt geliefert wurde. Die Moderatoren, die freiwillig und unentgeltlich Subreddits leiten, waren schockiert, da sie mit Taylor eine der wichtigsten Ansprechpersonen bei Reddit verloren hatten. Da sie ohnehin schon hart am Limit operierten und ohne Taylor keine Hilfe mehr hatten und durch die mangelnde Kommunikation der Reddit-Führung auch nicht wussten, wie es weitergehen wird, haben sie aus Protest viele beliebte Subreddits auf Privat gesetzt. Ein Großteil von Reddit war plötzlich nicht mehr da.

Durch die Schließung vieler beliebter Subreddits und den Mangel einer Erklärung für den Weggang Taylors wuchs der Druck auf Ellen Pao gewaltig. Viele aufgebrachte Nutzer machten ihrem Ärger in einigen noch verbliebenen Subreddits Luft und beschimpften und verunglimpften Pao mit oftmals sexistischen Beleidigungen. Andere kehrten dem Message Board den Rücken und gingen zum Schweizer Reddit-Klon Voat, der die Redefreiheit der Nutzer betont und ein ehemaliger Reddit-Mitarbeiter hatte sogar den Plan geäußert, ein besseres Reddit mit Bitcoin-Technologie zu bauen. Eine Woche nachdem die Moderatoren mit der Schließung der Subreddits protestiert hatten, kam dann am Freitag, den 10. Juli, die Nachricht, dass Pao als CEO zurückgetreten ist.

Freundschaftliche Trennung?

Auch wenn Pao erklärte, dass die Trennung freundschaftlich von Statten gegangen ist, gibt es doch einige Zweifel daran. Auf die Frage nach den Gründen für den Rücktritt, sagte Pao, dass die Reddit-Führung und sie unterschiedliche Ansichten zum Wachstumspotenzial der Seite hatten. “Sie hatten eine viel aggressivere Sicht als ich”, erklärte sie gegenüber Re/code. Auch Steve Huffman, Reddit-Mitbegründer und der allererste CEO, der nun die Führung von Pao wieder übernimmt, äußerte sich ganz ähnlich. “Ich denke Reddit könnte eine zehnmal so große Community sein und ich habe eine ziemlich klare Vision, wie dies zu erreichen ist.” Der Vorstand hatte also ganz offensichtlich eine andere Vorstellung als Pao, wohin es mit Reddit gehen soll und vor allem wie schnell, was sicherlich nicht nur auf freundschaftlicher Basis besprochen wurde.

Paos Vorgänger, Yishan Wong, meldete sich am Wochenende mit einem Beitrag auf Reddit zu Wort, in dem er sich über den Weggang von Pao äußerte und die Vermutungen unterstrich. Vor allem äußerte er harte Kritik am Reddit-Mitbegründer und Executive Chairman Alexis Ohanian, den er beschuldigte, Victoria Taylor gefeuert zu haben. Ohanian hatte wohl eine andere Vorstellung von den AMAs und wollte die Kontrolle über diese beliebte Rubrik gewinnen, da ihm Taylors Rolle nicht gefiel. Wong kritisiert die miserable Unternehmensführung und stellt die Theorie auf, dass Ellen Pao nur ein Sündenbock war, denn als die Kritik und der Hass gegen Pao hochkochten, hätte Ohanian offen erklären müssen, dass er Taylor gefeuert hatte – stattdessen hat er sich zurück gelehnt und zugesehen, wie der Druck auf die Interims-CEO wuchs.

Quo Vadis, Reddit?

Doch auch ohne diese Anschuldigungen von Wong sieht das Verhalten des Vorstandes nach außen nicht gut aus. Öffentliche Schützenhilfe für Pao gab es zu keiner Zeit, was schon verwundert, wenn es doch um die eigene Website geht, die zum Großteil lahmliegt und deren CEO von den Nutzern auf ganz hässliche Art persönlich beschimpft wird. Pao selber schrieb in ihrer Abschiedserklärung: “Ich möchte nur alle daran erinnern, dass ich auch ein menschliches Wesen bin. Ich habe eine Familie und ich habe Gefühle. Jeder, der auf Reddit angegriffen wird, ist auch eine Person, wie du und ich.” Weiter schrieb sie über das Verhalten der Reddit-Nutzer: “Es untergräbt die Authentizität von Reddit und erschüttert unseren Glauben an die Menschheit.

Einzig Verwaltungsratschef Sam Altman äußerte sich zu dem Thema, wenn auch erst nach dem Rücktritt Paos. In einer Erklärung schrieb er:Es war widerlich zu sehen, was einige Redditors über Ellen geschrieben haben. Die Reduktion des Mitgefühls, die passiert wenn wir hinter einem Computerbildschirm sitzen, ist nicht gut für die Welt. Menschen sind immer noch Menschen, auch wenn sich das Internet zwischen ihnen befindet.” Noch wichtiger aber ist seine Warnung an die Reddit-Nutzer, dass wenn es der Community nicht gelingt, eine Balance aus Authentizität und Mitgefühl zu finden, kann Reddit zwar eine großartige Website, aber nie eine großartige Community sein. Und genau das ist die schwierige Situation, in der sich Reddit nun befindet. Der alte neue CEO Huffman will die Seite aggressiv wachsen lassen, aber es scheint nicht so, als hätte er seinen Plan gut durchdacht. Wenn man sich die derzeit teilweise haarsträubenden Reaktionen und zutiefst beleidigenden Umgangsformen innerhalb der Community ansieht, die sich allesamt auf die Redefreiheit berufen, mag man sich nicht ausmalen, wie dies aussieht, wenn die Seite tatsächlich auf zehnfache Größe angewachsen ist. Die Freiheit alles sagen zu dürfen ist eine Sache, aber sie wird auf Reddit (genauso wie in weiten Teilen des Internets) oft damit verwechselt, jeden persönlich beleidigen zu dürfen. Ohne Mitgefühl seitens der Nutzer und Schutzmaßnahmen seitens Reddit mag die Seite zwar groß werden, läuft aber Gefahr ein zweites 4chan zu werden.


Image (adapted) „reddit sticker – 3“ by Eva Blue (CC BY 2.0)


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Kandidat mit Stallgeruch: Adam Bain als Twitter-CEO gehandelt

Sportsfile (Web Summit) (adapted) (Image by Web Summit [CC BY 2.0] via Flickr)

Auf der Suche nach einem neuen Geschäftsführer könnte sich der Vorstand von Twitter für einen bekannten Insider entscheiden: Adam Bain. Viele Namen werden für die Nachfolge von Dick Costolo als Geschäftsführer von Twitter gehandelt, aber nur wenige haben Stallgeruch. Genau genommen trifft das neben den sich selber ins Rennen geschickten Mitgründer Jack Dorsey nur auf Adam Bain zu, der für den Umsatz des Unternehmens zuständig ist, und über den der Vorstand laut internen Informationen zurzeit nachdenkt, wie Business Insider meldet.

BI-Redakteur Alexei Oreskovic zitiert in seinem Artikel eine interne Quelle, die behauptet, dass Bain „der Wunschkandidat ist, auf den sich der Vorstand gerade fokussiert. (…) Es liegt jetzt an Bain zu zusagen oder abzusagen.“ Damit könnte Jack Dorsey, der trotz seiner Tätigkeit als Geschäftsführer des Bezahldienstes Square wohl gerne zurückkommen möchte, wohl aus dem Rennen sein. Genau wie die gehandelten Mike McCue von Flipboard, Neal Mohan von Google, sowie Kevin Systrom und Ross Levinssohn von Instagram.

Twitter kommentiert die aktuelle Suche nach einem Geschäftsführer nicht, hat aber laut Oreskovic die Headhunter-Firma Spencer Stuart beauftragt, die Suche nach einem neuen Geschäftsführer zu leiten.


Image (adapted) „Sportsfile (Web Summit)“ by Web Summit (CC BY 2.0)


 

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Nun also doch! Lars Hinrichs wechselt in den XING-Aufsichtsrat

xinglogo.pngWie ich eben in einer dpa-Meldung lesen konnte, wird XING-Vorstandschef Lars Hinrichs nun doch seinen Posten abgeben und in den Aufsichtsrat des Unternehmens wechseln. Wie XING bekannt gab, soll zum 15. Januar der bisherige eBay-Deutschlandchef Stefan Groß-Selbeck den Posten von Hinrichs übernehmen. Der Focus hat weitere Details.

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„It’s time for a change!“ – Reaktionen auf Interview mit Yahoo-CEO Yang

Wie lang wird, will und kann Jerry Yang noch CEO von Yahoo bleiben? Techcrunch hat das Interview mit Jerry Yang bei der Web 2.0 online gestellt. Die Zuschauer und die Blogosphäre warten eigentlich nur noch, bis Yang seinen Hut nimmt und Platz macht für einen neuen CEO.

— Cnet titelt: „Yahoo’s Jerry Yang runs into a wall“
— GigaOM meint: Yahoo’s Yang Has No Regrets — He Should
— TechCrunch analysiert: Yahoo: Poor, Alone and Sad
— PaidContent geht darauf ein, dass nun Microsoft im Spiel zurück ist, denn: Jerry Yang’s Advice To Microsoft—Buy Yahoo
— so auch der FAZ-Netzökonom in seinem Text: Yahoo bietet sich Microsoft zum Kauf an
— Im Wired EpiCenter schwingt ein wenig Mitleid mit Yang mit: Web 2.0 Summit: The Jerry Yang Show

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