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Check-Up Ireland: Im Nordwesten was Neues

Seit 1997 lebe ich nun schon in der irischen Hauptstadt Dublin. Mein erster Job bei AOL hatte auch ein wenig mit Tech zu tun – wenn man die berüchtigten Freistunden-CDs als “Tech” ansieht oder das Verbinden an die technische Hotline durchgehen lässt. Im November habe ich damit begonnen, die “Tech-Insel” ein Jahr lang aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Diesmal geht es nach Sligo.

Auf dem Höhepunkt der Neuen Deutschen Welle gab es mal ein Lied „Wissenswertes über Erlangen“ von Foyer des Arts. Die Hitsingle fand sich auf dem Album mit dem tollen Namen „Von Bullerbü nach Babylon“. Fakt! So manch ein Leser fragt sich jetzt natürlich: „Ist der nun vollkommen durchgeknallt? Zu viel Guinness, oder was?“ Kein Grund zur Panik – der Song ist mir nur in den Sinn gekommen, als ich angefangen habe, mich mit dem Thema (oder der Stadt) für die neueste Ausgabe meiner Kolumne zu beschäftigen. Was gibt es also Wissenswertes über Sligo? Ich könnte mit meinem Wissen „protzen“, dass der Torwart des abstiegsbedrohten Fußballclubs Sligo Rovers den irischen Vornamen Michéal und den deutschen Nachnamen Schlingermann (Opa aus Duisburg) trägt, was aber nur wieder zu Fragen über Guinness führen würde. Stattdessen möchte ich davon berichten, dass nach Jahrzehnten, in denen Sligo von schmutzigen Fabriken und von der Pharmaindustrie geprägt wurde, es nun etwas Neues im Nordwesten gibt – digitale Startups.

Selten hat ein Coworking-Space so einen treffenden Namen gehabt wie diesen: „Building Block“. Und auch das Motto passt: „Move in. Move up.“ Firmen, die an einem Tisch im Erdgeschoss begonnen haben, setzen ihr Wachstum in den oberen Stockwerken fort. Zur Zeit beherbergt das Erdgeschoss 32 (demnächst 38) Fulltime-Desks und 7 Hotdesks. Im ersten Stock stehen 60 Desks und im zweiten Stock finden bis zu 80 Leute Platz. Noch wird der zweite Stock zwar nicht genutzt, was aber nur noch eine Frage der Zeit ist, denn Sligo hat Momentum. Viele junge, gut ausgebildete Fachkräfte, stemmen sich gegen den zuvor Jahrzehnte anhaltenden Trend der Auswanderung und versuchen ihr Glück in der Heimat.

Ein Beispiel ist Noel Dykes und sein Startup „Frankli“, das Software für das Personalwesen entwickelt. Nach Jahren, die er als Software Consultant in Neuseeland verbracht hatte, entschied sich Noel für die Heimat als Standort für sein eigenes Unternehmen. Und das aus mehreren Gründen: Niedrige Kosten (etwa im Vergleich zu Dublin, Cork oder Galway), kurze Wege, aber auch schöne Wege – die Stadt Sligo ist hübsch wenn es darum geht, sich mal kurz die Füße zu vertreten und eine kurze Autofahrt führt in malerische Landschaften in der umliegenden Grafschaft mit gleichem Namen.

Dass Noel nicht allein mit seinem Denken und Enthusiasmus ist, zeigen auch die monatlichen Startup Meetups in Sligo. Die Organisatoren der Meetups hatten festgestellt, dass es zwar eine gute Anzahl von Startups in Sligo gibt, es aber an Struktur und Networking mangelte. Mittlerweile tauscht man sich aus und lernt von Fehlern oder Errungenschaften – entweder von Nachbarn oder von Gästen, die nach Sligo kommen, um von ihren Erfahrungen zu berichten und Tipps zu geben. Im Durchschnitt versammeln sich jetzt 30 Gründer bei den Meetups.

Auch das „North West Regional Assembly“ – kurz NWRA, das staatliche und EU-Fördergelder koordiniert – ist voll des Lobes über Institutionen wie den „Building Block“ oder Veranstaltungen wie die „Startup Meetups“. Die Region Sligo hat gerade den begehrten „Entrepreneurial Region Award“ der EU für 2018 gewonnen und man ist beim NWRA fest entschlossen, dies als weiteren Schub zu nutzen, um Innovation in der Region voranzutreiben. Die Infrastruktur der Region kann sich sehen lassen: Neben den privatwirtschaftlichen Elementen, die ich oben genannt habe, gibt es auch noch die Fachhochschule „IT Sligo“ und der von der staatlichen Wirtschaftsförderung IDA betriebenen Business Park in Finisklin und Ballina – wo das transatlantische Glasfaser-Kabel aus den USA irisches Licht erblickt – ist auch nicht weit.

Die besten Voraussetzungen sind also gegeben, um Tech-Startups, die nach dem Motto „Think globally, act locally“ handeln, eine Basis für eine Zukunft mit stetem Wachstum zu ermöglichen. Und wer weiß? Vielleicht wächst eines dieser digitalen Startups zum globalen Tech-Giganten, wird die Sligo Rovers finanziell unterstützen und am Ende dem „Moving up“ im „Building Block“ auch sportliche Höhenflüge in Sligo folgen lassen. Und beim Champions League Spiel gegen die Bayern lassen wir dann „Foyer des Arts“ singen.


Image (adapted) „CliffofMoher“ by weareaway (CC0 Public Domain)


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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • KI heise: „Das größte Risiko für unsere Zivilisation“: Elon Musk warnt erneut vor KI: Ohne die richtigen Gesetze sei die KI eine Bedrohung für die Zivilisation, dessen ist sich Elon Musk sicher und trägt seine Bedenken vor Gouverneuren der USA vor. Denn der Zeitpunkt, an dem die KI alles besser könne als der Mensch, werde kommen. Zurzeit seien die Bedenken zu wenig ernst genommen worden, doch Vorsorge ist besser als Nachsorge. Die Angst, dass sich bei einer Einmischung in die Wirtschaft wichtige Unternehmen aus der USA absetzen würden, wiegelt Musk ab, denn nach ihm würden die Vorgaben allen helfen, auch den Wirtschaftsriesen.

  • PAYPAL golem: Mit Paypal tanken: Die Tankstelle Shell arbeitet jetzt mit Paypal zusammen, sodass mobiles Zahlen via Smartphone für Kunden möglich wird. Die ersten Tankstellen mit diesem neuen Service sollen in Hamburg und Berlin starten, bis Ende 2017 soll dies jedoch auch deutschlandweit gehen. Bereits im Februar 2017 stellte Jaguar diesen Dienst für seine Kunden bereit, das aber nur in Großbritannien. So konnten Kunden ohne Kreditkarte einfach und schnell mit der Shell-App über den Bildschirm ihres Fahrzeuges die gewünschte Literanzahl Benzin bestellen. p>

  • APPLE wired: Warum Apple die Fitnessdaten seiner Mitarbeiter überwacht: Apple hat auf seinem Firmengelände in Cupertino ein eingenes Fitnesslabor entworfen, indem Angestellte Sport treiben dürfen. Nebenbei werden jedoch Daten über ihre Leistungen gemessen. Eine kleine Einschränkung bei dieser Vermessung gibt es derzeit noch im Bereich des Schwimmens, da es der Software nicht möglich ist die Schwimmarten wie Kraulen oder Brustschwimmen auseinanderzuhalten. Derzeit arbeitet Apple an der watchOS 4, sodass die Apple Watch direkt mit den Fitnessgeräten verbunden werden kann.

  • NETFLIX horizont: Starkes Wachstum bei Netflix: Netflix ist auf der Überholspur. Der Gewinn, der sich durch den Streamingdienst machen ließ, erhöhte sich um ein knappes Drittel und die Aktie stieg am Montag auf neun Prozent. Somit können die finanziell eher aufwendigeren Eigenproduktionen wie “The Crown” weiterhin gerechtfertigt werden. Auch global ist Netflix nach wie vor erfolgreich, über 4 Millionen neue Kunden konnte Netflix kurz zuvor noch gewinnen. Eine Leistung, mit der niemand gerechnet hätte.

  • ALEXA curved: HTC U11: Alexa erscheint in Kürze für die deutsche Version: Mit dem HTC U11 ist es jetzt erstmals in Deutschland möglich auch ohne Berührung auf Alexa zugreifen zu können, selbst im Sleep-Modus kann Alexa zukünftig Befehle ausführen. Was mit Alexa alles möglich ist? Rund 12.000 verschiedene Fähigkeiten besitzt sie, darunter das Abspielen von Musik, das Verwalten von Einkaufslisten, oder aber die Vorhersage des Wetters.

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Digital Economy Compass: Was die Zahlen für Deutschland bedeuten – Teil 3

Electric Car (adapted) (Image by MikesPhotos) [CC0] via Pixabay

Was sind die aktuellen digitalen Trends weltweit? Wie entwickelt sich der Wettbewerb auf digitalen Plattformen? Diese Fragen versucht der „Digital Economy Compass“ von Statista in regelmäßigen Abständen zu beantworten. Wir haben in unserer Artikelreihe einen Blick auf die Trends geworfen.


Auch wenn die Digitalisierung der Wirtschaft für viele noch ein Mysterium sein mag, spielt sich für viele Unternehmen mittlerweile genau hier das Kerngeschäft ab. Die Digital Economy von E-Commerce bis E-Travel boomt. Zahlen und Prognosen zu den verschiedenen Branchen liefert der aktuelle Digital Economy Compass 2017 von Statista. In dieser Serie schauen wir genauer darauf, was diese Zahlen für Deutschland bedeuten. Diesmal im Visier: Der Mobilitätsmarkt.

Die Zeit der Reisebüros ist vorbei

Transport, Connected Cars und E-Travel sind die drei großen Mobilitätsbereiche, die der Digital Economy Compass 2017 von Statista untersucht. All diese Märkte boomen aktuell. Insbesondere im Bereich E-Travel lässt sich dies feststellen. Denn obwohl jetzt schon der Großteil der Reiseplanung und -buchung online stattfindet, wird diese Branche laut Statista noch stärker wachsen. Bis 2021 sollen sich demnach die Einnahmen aus der Online-Reisebuchung beinahe verdoppeln.

e Travel Markt - Screenshot Statista Digital Economy Compass
E-Travel Markt (Quelle: Statista). Screenshot by Marinela Potor

Die Träger dieses Trends sind dabei ganz klar die USA und China. Auch in Deutschland wird ein Wachstum erwartet, wenn auch die erwarteten Einnahmen von 44,35 Milliarden US-Dollar deutlich geringer sind als in den USA oder China. Reisebüros werden damit dennoch auch hierzulande bereits in wenigen Jahren wahrscheinlich fast keine Rolle mehr spielen, vermutet Thomas Köhler, Experte für Digitalisierung und Technologietrends der Zukunft. „Reisebüros sind zukünftig im Wesentlichen nur für Spezialreisen und Events gefragt, oder zur Abwicklung der Reiseprozesse von Firmen und anderen großen Organisationen“, sagt er gegenüber den Neztpiloten.

Thomas Köhler
Thomas Köhler (Quelle: Thomas Köhler)

„Flixbus ist das deutsche Gegenstück zu Uber“

Dies bestätigt ein Blick auf die wichtigsten Player im E-Travel. Von der Transportplanung über die Rideshare-Plattform Bla Bla Car bis hin zur Unterkunftsbuchung über Airbnb – Nutzer planen mittlerweile fast jeden Schritt ihrer Reise online.

Neben US-Mobilitätsriesen wie Expedia oder Uber, wertet der Digital Economy Compass von Statista auch einige deutsche Unternehmen als große globale Player in diesem Bereich: Die Deutsche Bahn, Lufthansa und Flixbus.

Player E-Travel - Statista Digital Economy Compass
E-Travel Player (Quelle: Statista). Screenshot by Marinela Potor

 

Wirklich innovativ sei von diesen drei Transport-Anbietern aber nur Flixbus, findet Thomas Köhler: „Flixbus ist in der Tat ein Phänomen, für mich ist das das deutsche Gegenstück zu Uber und zudem ein Musterbeispiel für Entrepreneurship.“

Lufthansa dagegen habe seinen Service zwar konsequent durchdigitalisiert, hinke aber bei Ausnahmefällen und Störungen stark hinterher, sagt Köhler. Die Deutsche Bahn wiederum überzeugt Köhler überhaupt nicht: „Die Deutsche Bahn halte ich für extrem reaktiv und langsam. Man war zwar frühzeitig in Carsharing und alternativen Mobilitätsmodellen dran, hat aber bis heute nichts draus gemacht, während alles drumrum boomt.“

Autoland Deutschland fällt zurück

Neben E-Travel wirft der Digital Economy Compass 2017 auch einen Blick auf Connected Cars – ein weiteres wichtiges Zukunftsthema in der Mobilitätsbranche. Wie wichtig dieser Bereich ist, zeigt allein die Tatsache, dass von BMW über Daimler bis Jeep nahezu jedes Autounternehmen der Welt an verschiedenen Technologien des Connected Cars arbeitet.

Der Connected-Cars-Markt hat also nach den Prognosen von Statista ein sehr großes Wachstumspotential. In den USA wird in den kommenden fünf Jahren ein Einnahmen-Wachstum von 25,5 Prozent pro Jahr in diesem Segment erwartet, in China 55,8 Prozent und in Deutschland immerhin 34,1 Prozent.

Connected Cars Wachstum - Statista Digital Economy Compass
Connected Cars Wachstum (Quelle: Statista). Screenshot by Marinela Potor

Dabei seien aber die sehr optimistischen Zahlen zu steigenden Einnahmen von Statista mit Vorsicht zu genießen, gibt Köhler zu bedenken. Als Autor eines der ersten Bücher zum Thema „Connected Cars“ weiß Köhler, dass viele Unternehmen das Label gerne für eine Reihe von Features nutzen. Darunter kann sowohl der Bluetooth-Anschluss als auch der Autopilot fallen. Connected Cars sei also ein sehr weites Feld und es sei schwer abzuschätzen, auf welche Technologien sich die Statista-Zahlen genau bezögen. Doch eins ist dennoch sehr offensichtlich: Das Autoland Deutschland wird künftig immer weiter hinter den USA und China zurückfallen.

Die Modelle, auf die deutsche Autobauer wie BMW oder Daimler setzen, seien zu kurzfristig gedacht, kritisiert Köhler: „Sie schaffen es, teure Extras teils für mehrere tausend Euros zu verkaufen und manchmal sogar noch ein Abo-Modell daraufzusetzen. Dieses margenträchtige Geschäft hat man noch immer weitgehend im Griff, auch wenn es an den Rändern erodiert. Anders gesagt: Das Geschäft ist endlich.“

Fehlt hier möglicherweise die Zukunftsvision eines Elon Musk? Teils ja und teils nein, findet Köhler. Musk habe zwar einerseits die verschlafene Branche aufgeweckt und gezeigt, dass auch Neueinsteiger in einem so etablierten Markt wie dem Automarkt erfolgreich sein können. Dennoch lehne sich der US-Unternehmer manchmal etwas zu weit aus dem Fenster: „Alleine mit der Namensgebung „Autopilot“ hat er Hoffnungen geweckt, die in der Praxis nur unter eng begrenzten Bedingungen erfüllt werden können. Von einem echten voll autonomen Fahrzeug bei dem man auf Lenkrad und Pedale verzichten kann sind wir noch Jahrzehnte entfernt.“

Von Deutschland bis China, von E-Travel bis Connected Cars: Der globale Mobilitäts-Markt bietet noch viel Raum nach oben.


Image (adapted) „Electric Car“ by MikesPhotos (CC0 Public Domain)

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Sind e-Sports der nächste Major League-Sport?

pause-828757_960_720 (adapted) (image by Unsplash [CC0] via pixabay)

Ende 2016 fand eine Meisterschaft in Chicago statt, dessen Finale 43 Millionen Zuschauer in ihren Bann zog – 12 Millionen mehr als beim NBA Finale im gleichen Jahr.

Es war nicht Fußball, nicht American Football, und auch nicht die Poker World Series – es war das League of Legends Weltmeisterschaftsfinale – ein e-Sports-Bewerb. Videospiele sind seit über 30 Jahren beliebt, aber als Wettkampf haben sie sich erst in der letzten Zeit als Zuschauerevents etabliert, die tausende Zuschauer vor Ort und vor die Bildschirme lockt. Große Sportsender wie ESPN, Fox Sports, MLB Advanced Media und das Big Ten Network übertragen bereits e-Sports-Meisterschaften – sehr oft in Kooperation mit Gaming-Riesen wie EA Sports, Riot und Blizzard. Was treibt dieses Phänomen an und wohin führt es uns?

Große Beliebtheit

Auf den ersten Blick erscheint die Idee besonders den älteren Zuschauern eher verrückt: Warum sollte jemand anderen dabei zusehen wollen, wie sie Videospiele spielen? Als Forscher, der sich mit den Erlebnissen von Nutzern Sozialer Medien beschäftigt, habe ich dem e-Sports-Phänomen die letzten Jahre beim Wachsen zugesehen. In meiner aktuellen Arbeit setze ich mich gemeinsam mit Matthew Zimmerman von der Mississippi State University mit den Gründen auseinander, warum User sich e-Sports ansehen. Unsere ersten Ergebnisse deuten darauf hin, dass Zuschauer sehr oft selbst das Spiel spielen und so mehr darüber lernen wollen, um sich selbst zu verbessern.

Außerdem macht es vielen einfach Spaß, anderen beim Spielen zuzusehen. Sie finden den Wettbewerbscharakter immersiver und erleben e-Sports-Wettbewerbe sehr ähnlich wie traditionelle Sportarten.

Das Rezipieren von e-Sports hat sich in den letzten Jahren deutlich erhöht: Der globale Markt wuchs auf 696 Millionen US-Dollar im Jahr 2016 an und könnte bereits 2019 die Milliarden-Dollar-Marke überschreiten. Die Medien bezahlen für die Rechte an der Übertragung bereits fast 100 Millionen Dollar; Konsumenten 64 Millionen für die Eintrittskarten und Fanartikel. Der Rest kommt hauptsächlich aus Werbung und von Sponsoren. Die Märkte China und Nordamerika sind dabei zusammen für mehr als die Hälfte der Umsätze verantwortlich.

Eine Hauptattraktion ist, dass ’normale Leute‘ die gleichen Spiele spielen können wie die e-Sport-Profis, oft sogar in Echtzeit-Mehrspieler-Turnieren. Millionen von Menschen spielen Overwatch, League of Legend und Dota 2 bein sich zu Hause und viele nehmen auch an kooperativen Spielen und Kämpfen auf Videospielservern oder Netzwerken wie beispielsweise Steam teil. Sie sind mit den Spielen vertraut, wollen neue Techniken lernen und die Expertise zelebrieren – und sie wollen die Creme de la Creme der Spieler live und in voller Action erleben.

Sean Morrions, ein auf e-Sports spezialisierter Mitarbeiter von ESPN erzählte mir, dass er von dem Anstieg an Aufmerksamkeit für e-Sports nicht überrascht sei:

„Ich denke, das Wachstum im Bereich e-Sports ist im Generationswechsel begründet und weniger darin, dass die Leute plötzlich mehr Interesse an Videospielen haben“, so Morrison. „Das ist die Generation von Teenagern, die mit YouTube, Streams und Internetforen aufgewachsen ist. Außerdem ist e-Sports ein großer Geschäftszweig: Natürlich fragen sich die Leute, mit welchen Summen wirklich gespielt wird. Der Hype befeuert sich ständig selbst und dann gibt es noch die Leute, die bereits mit e-Sports als für sie normale Unterhaltungsform aufwachsen – so wurden die e-Sports groß.“

„Videospiele schauen ist ein sehr soziales Verhalten. Du als Zuschauer hast die Möglichkeit, die Besten spielen zu sehen. Du bekommst die Motivation zu sagen: ‚Das will ich auch tun‘“, sagt Sherman. „Es ist anders als bei traditionellen Sportarten: Wenn ich die NFL schaue, dann gehe ich nicht raus und werfe einen Ball. Bei e-Sports ist das anders: Die Leute sehen sich das an und gehen dann spielen.“

Die tägliche Dosis ist leicht zu bekommen

Während Riesen wie ESPN und das Big Ten Network sich ihre Rechte an der e-Sports Welt gesichert haben, gibt es aber auch noch eine Vielzahl an Publikum, das täglich auf Twicht.tv, einem privaten Streaming-Service, das sich auf Videospiel-Steams spezialisiert hat, seine tägliche Dosis e-Sports bekommt. Auf Twitch können User ihre Spiele mit der Welt teilen, e-Sports-Wettbewerbe veranstalten und andere Videospiele-Shows zeigen. Die Seite, die 2014 von Amazon für fast eine Milliarde Dollar gekauft wurde, hat sehr zur Beliebtheit des e-Sports beigetragen, indem es die Spieler und Publikum direkt miteinander in Verbindung gebracht hat.

Twitch finanziert sich aus dem bekannten Prinzip des gemeinsamen Zusehens: Über die Zeit hinweg haben viele Videospieler sich daran gewöhnt, anderen beim Spielen zuzusehen während sie darauf warten, selbst zu spielen. Twitch globalisiert dieses Erlebnis: Ebenso wie Freunde, die sich gemeinsam zum Zocken vor den Fernseher setzen und kommentieren, was die anderen so tun, lässt auch die Plattform ihre User miteinander direkt interagieren.

Das ist eine Funktion, die viele Spiele nicht haben: Es ist zwar üblich, dass Spiele Online-Komponenten haben, die es Spielern ermöglichen, sich mit Gegnern aus der ganzen Welt zu messen. Aber nur auf Twitch und ähnlichen Plattformen können auch Leute, die nicht spielen, den Spielverlauf verfolgen. Die Elite auf Twitch ist laut einem Bericht der CNBC dafür verantwortlich, dass die Seite im Jahr 2015 allein 60 Millionen US-Dollar aus Abos und Werbung verdient hat.

Ligen und Spiele wachsen

Der finanzielle Output hat den Trend befeuert, Spiele in Ligen und Sport mit definierten Regeln zu formen. Weltweite Ligen für Call of Duty, FIFA, Overwatch und Halo gibt es bereits.

Auch College-Teams haben sich bereits gebildet: „Die größte Entwicklung war, dass Universitäten League of Legends als Sport ins Programm aufgenommen haben“, sagt Sherman von Riot. „2014 hat die Robert Morris University damit begonnen – jetzt sind es schon 25 Institute.“

„Universitäts-Mannschaften vereinigen einige wichtige Elemente der Sportorganisation am e-Sports Markt: Die Teams bestehen aus jungen, enthusiastischen Spielern, die gut genug sind, um international mithalten zu können – und die Universitäten wollen das Marketingpotenzial des sich schnell entwickelnden Sports verwenden, um ihre Marke zu verbreiten. E-Sports gibt es seit vielen Jahren außerhalb des universitären Umfelds, aber die offizielle Teilnahme der Universitäten können die Sichtbarkeit des e-Sports und seine Spiele weiter steigern.“

„Im August kündigten wir an, 100 Millionen aktive User zu haben, die monatlich League of Legends spielen“, so Sherman, „vor zwei Jahren waren es noch 64 Millionen.“

Während League of Legends auf den Unis weiterhin expandiert, hat Overwatch ein Auge auf den sehr dynamischen e-Sports Markt.

Die Overwatch-Liga, die voraussichtlich 2018 startet, möchte bereits existierende Sport-Franchises in großen Städten auf der ganzen Welt dazu animieren, auch e-Sports Teams zu schaffen. Die Spielefirma Blizzard will, basierend auf geographischen und kulturellen Aspekten, Fans gewinnen. Die Overwatch Liga würde auch regelmäßige Übertragungen der Matches auf TV und Internetkanälen beinhalten – und natürlich auch Spielerverträge.

Morrison von ESPN erwartet vom Modell der Overwatch Liga, dass es die Zuschauerschaft der e-Sports weiter wachsen lässt. „Overwatch wird so richtig explodieren in den nächsten paar Jahren“, so Morrison, „die Overwatch Liga wird viel mehr als andere e-Sports dem Muster traditioneller Ligen folgen und mit der Anzahl der kompetitiven Bewerbe könnte Overwatch mit Abstand die Nummer Eins unter den e-Sports Titeln werden. Mehrspieler-Online-Kampfarena-Spiele (MOBA) wie League of Legends waren lange das Zentrum des e-Sports Universums, aber Spiele wie Overwatch, die MOBA-Elemente bei der Wahl der Helden mit schnellerem Gameplay verbinden, werden die Hauptattraktion.“

Die Sportlandschaft in den Medien verändert sich auch weiterhin und e-Sports scheint ein natürlicher Evolutionsprozess zu sein. Das kompetitive Videospiel war schwierig zu verstehen von 20 Jahren – besonders als Zuschauersport. Aber das Breitbandinternet, Online-Videos, soziale Medien und das geteilte Gaming-Erlebnis haben die e-Sports an den Rande der globalen Akzeptanz als legitime Art des Entertainments gebracht. Die nächsten fünf Jahre versprechen faszinierend zu sein – sowohl für die Zuschauer als auch für die Spieler.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Pause“ by Unsplash (CC0 Public Domain)


The Conversation

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Man braucht eine Gemeinschaft, um ein Start-up zu errichten

Es ist eine alte Weisheit, dass man ein ganzes Dorf braucht, um ein Kind aufzuziehen. Gleichermaßen braucht man eine Gemeinschaft, um ein erfolgreiches Start-up-Unternehmen zu errichten, das wächst, skaliert und zu einer gesunden Wirtschaft beiträgt. Das war die Nachricht von Brad Feld, einem großen, weltweit agierenden Risikokapitalanleger und Mitbegründer von TechStars, als er zum Zentrum für Businesswachstum der UniSA kam, um mit Risikoanlegern, ‚Business Angels‘, Wachstumsunternehmern, Politikern, Gemeindevorsitzenden und Studenten zu reden.

Seine Nachricht war klar: Start-up-Gemeinschaften können in Städten mit 50.000 und mehr Einwohnern gegründet werden. Obwohl Größe nicht zählt, tun es Gemeinschaftsverhalten und Start-up-Dichte. Wir in Australien beschäftigen uns viel mit unternehmerischen Ecosystemen. Wir zeichnen sie auf und analysieren ihre Stärken und Schwächen. Unsere Analysen sind klinisch und datenbezogen: Hier finden sich Zahlen der gestarteten Unternehmen, Zahlen der verfügbaren Kollokationsflächen und die Menge des angelegten Geldes jedes Jahr.

Nachdem man Brad angehört hat, ist klar, dass dies allein nicht ausreichen wird. Australien ist immer noch zu weit entfernt vom Prozess, Unternehmen zu starten und zu vergrößern. Wir brauchen mehr Menschen, die gewillt sind, sich diesen Prozess zu erarbeiten und daran teilzuhaben. Ein Unternehmen zu starten und vor allem zu vergrößern, ist nicht so einfach zu handhaben. Es reicht nicht, beschreiben und diagnostizieren zu können. Wir müssen uns viel mehr persönlich in unsere australischen Start-ups einbringen.

In den letzten Jahren sind wir besser darin geworden, Menschen darin zu bestärken, Dinge einfach auszuprobieren und ein neues Geschäftsmodell zu starten. Aber es ist oft noch ein langer Weg, bis man Unterstützung erhält, um ein wachstumsstarkes Unternehmen zu werden. Dazu gehören vor allem ie Faktoren Wissen, Betreuung, eine gewisse Geldmenge, Märkte und Kunden. Und wir hätte beinahe einen großen Teil des Ganzen vergessen: Unternehmern zu zeigen, wie sie elegant scheitern – um sie dann bei einem Neubeginn zu unterstützen und nicht aufzugeben. Kurzum- wir müssen Start-up-Gemeinschaften bilden; nicht nur Start-ups, die eigentlich Ecosysteme sind.

Brad verdeutlichte einige essentielle Elemente für eine dynamische Start-up-Gemeinschaft:

  • Menschen, die ein Unternehmen starten wollen, auch Betreuer und Unterstützer der Unternehmer, die es versuchen, scheitern und versuchen es erneut
  • Gemeindeführer mit einer 20-jährigen Perspektive, die sich auf den Aufbau einer Kultur, in der der Versuch, das Risiko, Scheitern und die Hilfe von CEOs, um erfolgreich zu sein, die Norm ist
  • Menschen, die ihr Eigeninteresse beiseite legen können und sich auf das Geben (von Ideen, Zeit, Rat, Geld) konzentrieren, ohne eine Belohnung zu erwarten
  • Menschen, die Außenseiter willkommen heißen und Unterschiede wertschätzen – egal, ob es um das Geschlecht, die Perspektiven, Kulturen, Wissen und Erfahrung geht.

Wir müssen unsere Einstellungen anpassen und unsere Erwartungen danach richten, wie viele Start-ups eigentlich erfolgreich sind, welche Werte zu erwarten sind, wie schnell sie wachsen und wie viel Unterstützung sie brauchen. Nur wenige der größten Unternehmer der Welt haben es bei ihrem ersten Versuch geschafft; normalerweise braucht es einige Misserfolge und Wendungen, um es richtig zu machen. Kinder werden nicht über Nacht zu Erwachsenen, und nicht alle werden Wissenschaftler. Es kann nicht jede Investition ein Erfolg werden – und wir können nicht warten, bis wir absolut sicher sind, dass es einer wird.

Einmal investierte Brad 25.000 US-Dollar in 75 Start-up-Unternehmen und er verdoppelte von einigen den Wetteinsatz. Hat er Geld verloren? Ja – er verlor bei den meisten sein Geld. Aber das Geld, das er einnahm, übertraf die Gesamtmenge der gesamten Investitionen. Viele der Unternehmer, die beim ersten Mal gescheitert sind, starteten ein neues Unternehmen und er investierte beim zweiten Mal in sie – im Wissen, dass sie dieses Mal viel mehr über den Start-up-Prozess wussten als zu der Zeit, wo er seine erste Investition machte. Beim zweiten Mal bilanzierte Feld: „Man wäre ein Idiot, wenn man sie nicht unterstützen würde“.

Leider gibt es keinen Start-up-Simulator, mit dem Unternehmer üben und lernen können, was alles schieflaufen kann, also müssen wir sie alle bei ihrer Entwicklung unterstützen. Je stärker die Start-up-Gemeinschaft ist, umso wahrscheinlicher ist es, dass manche Unternehmen wachsen und skalieren, die wiederum anderen Unternehmen dabei unterstützen können, zu verstehen, wie man wächst und skaliert. Wir müssen sicherstellen, dass unsere Start-ups über die Werkzeuge, das Wissen und die Strukturen verfügen, die ihnen verstehen helfen, was hier vor sich geht.

Wir müssen erfahrene CEOs bestärken, sich als Mentor einzubringen und ihre Erfahrungen beim Starten, Wachsen und Verlassen von Unternehmen teilen. Wir müssen diejenigen ausbilden, die Risikokapitalfonds investieren, sowohl mithilfe von Venture Capital als auch als ‚Business Angel‘, um mehr realistische Erwartungen an die Zeitfenster der Kapitalrendite zu bekommen. Wenn wir diese Art unterstützender Gemeinschaft bilden, wird die Dichte der Start-ups ansteigen, die Zahl der erfolgreichen Unternehmen wird zunehmen, es wird mehr Jobs geben, Investoren kommen gut voran und Australien wird florieren wie nie zuvor.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „hands“ (adapted) by geralt (CC0 Public Domain)


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Nieder mit dem Wachstum: Wieso wir weniger Wirtschaft brauchen

sunset(image by Unsplash[CC0 Public Domain] via Pixabay)

Was so erfrischend an den nachhaltigen Entwicklungszielen der UN ist, ist die Tatsache, dass sie die  dazugehörigen Spannungen zwischen der wirtschaftlichen Entwicklung und der Ökologie unseres Planeten berücksichtigen. So scheint es zumindest. Die Einleitung bestätigt es: „Die Erde und ihr Ökosystem sind unser zu Hause“ heisst es dort und unterstreicht die Notwendigkeit, dass man „Eins mit der Natur“ sein möchte. Sie verpflichten sich dazu, die globale Erderwärmung bei unter zwei Grad Celsius zu halten und fordert „nachhaltige Strukturen für die Produktion und den Verbrauch.“

Solch eine Ausdrucksweise signalisiert das Bewusstsein dafür, das etwas an unserem Wirtschaftssystem extrem schiefgegangen ist – dass wir unsere Erde nicht weiter zerfressen können, ohne unsere Sicherheit und unseren Wohlstand ernsthaft zu gefährden – in der Tat gefährden wir damit auch das zukünftige Überleben unserer Spezies.

Schautman jedoch genauer hin, erkennt man einen offenkundigen Widerspruch. Der Kern des nachhaltigen Entwicklungsziel-Programms beruht auf dem alten Modell des unbegrenzten wirtschaftlichen Wachstums, das unsere ökologische Krise zuerst hervorgerufen hat: stetig steigende Niveaus der Förderung, der Produktion und des Verbrauchs. Die nachhaltigen Entwicklungsziele fordern „ein um mindestens 7 Prozent gesteigertes Bruttoinlandsprodukt pro Jahr in den am wenigsten entwickelten Ländern“ und flächendeckend „höhere Niveaus der wirtschaftlichen Produktivität.“ In anderen Worten gibt es einen tiefen Widerspruch im Zentrum dieser vermeintlich nachhaltigen Ziele. Sie verlangen gleichzeitig mehr und weniger.

Diese Aufforderung nach einem vermehrten Wachstum kommt zu einem seltsamen Moment – während wir gerade lernen, dass dies physikalisch nicht möglich ist. Momentan übertreffen die globalen Produktions- und die globalen Verbrauchs-Niveaus die Biokapazität unseres Planeten um fast 60 Prozent. Um es anders auszudrücken: Wachstum ist keine Option mehr – wir sind bereits zu viel gewachsen. Wissenschaftler sagen, dass wir die Grenzen unseres Planeten in einer halsbrecherischen Geschwindigkeit überschreiten und das größte Massenaussterben der Spezien in mehr als 66 Millionen Jahren erleben werden. Die unangenehme Wahrheit ist, dass unsere ökologische Überschreitung fast nur dem Überkonsum in den reichen Ländern geschuldet ist, vor allem derer im Westen.

Die nachhaltigen Entwicklungsziele fordern eine verbesserte „globale Ressourcen-Effizienz“ und eine „Abkopplung des wirtschaftlichen Wachstums von dem Zerfall der Umwelt“. Unglücklicherweise gibt es keine Anzeichen, dass dies auch nur annährend in der Geschwindigkeit möglich ist, die hierfür notwendig wäre.

Die weltweite materielle Förderung und der Verbrauch stieg zwischen 1980 und 2010 um 94 Prozent an und beschleunigte im letzten Jahrzehnt derart, dass ein derzeitiger Maximalwert von 70 Billionen Tonnen pro Jahr erreicht wurde. Und er steigt noch immer an: Hochrechnungen haben ergeben, dass im Jahr 2030 die Marke der 100 Billionen Tonnen gebrochen wird.

Aktuelle Berechnungen zeigen, dass wir im Jahr 2040 die Verschiffung und die Spedition von Gütern per Lastkraftwagen sowie per Flugzeug weltweit mehr als verdoppeln werden – ebeno wie die Waren selbst, die diese Fahrzeuge transportieren werden. Im Jahr 2100 werden wir drei Mal mehr Feststoffabfall produzieren, als es heute der Fall ist.

Eine Effektivitätssteigerung wird diesen Kreislauf nicht durchbrechen können, vielmehr könnte ein Anstieg des Bruttoinlandsprodukts in vielen ärmeren Ländern noch notwendig sein – aber für die Welt als solche besteht die einzige Option in einer bewussten Wachstumsrücknahme und einem schnellen Wechsel zu dem, was der legendäre Ökonom Herman Daly als einen stabilen Staat, der ökonomische Aktivität in ökologischem Gleichgewicht hält, bezeichnet.

Eine Wachstumsrücknahme ist nicht gleichbedeutend mit Armut. Im Gegenteil ist die Wachstumsrücknahme perfekt kompatibel mit hohen Niveaus der menschlichen Entwicklung. Für uns ist es absolut möglich, unseren Verbrauch der Ressourcen zu verringern, während wir die Dinge vermehren, die wirklich von Bedeutung sind, wie zum Beispiel das Glück des Menschen, dessen Wohlbefinden, Bildung, Gesundheit und Lebensdauer – bedenkt man die Tatsache, dass Europa in vielerlei Hinsicht höhere Indikatoren der menschlichen Entwicklung als die USA besitzt, und das trotz des um 40 Prozent geringeren Bruttoinlandsprodukts und der um 60 Prozent geringeren Emissionen pro Kopf.

Das ist das Ende, auf das wir uns voll konzentrieren müssen. Tatsächlich besteht der sicherere Weg zur Armut darin, einfach so weiterzumachen, wie wir es derzeit tun. Wie der Top-Ökonom Joseph Stiglitz verdeutlichte, ein wachsendes Bruttoinlandprodukts in einer Welt mit ökologischer Überschöpfung den Lebensstandard mindert, statt diesen zu verbessern.

Wir müssen das Bruttoinlandsprodukt durch einen gesünderen Maßstab für die menschliche Entwicklung ersetzen, wie zum Beispiel durch den Indikator des wahren Fortschritts. Wir solten die Idee des exponentiellen wirtschaftlichen Wachstums ohne Ende vollständig abschaffen. Traurigerweise übergeben die nachhaltigen Entwicklungsziele diese wichtige Herausforderung an die nächste Generation – am Ende der Erklärung wird verkündet, dass „bis 2030 existierende Initiativen ausgebaut werden, um Maßnahmen des Fortschritts auf der Basis der nachhaltigen Entwicklung zu schaffen, die das Bruttoinlandprodukt komplementieren.“ In anderen Worten, sie vertagen das Problem auf das Jahr 2029.

Aber was ist mit den Arbeitsplätzen? Wann immer ich Vorträge über die Wachstumsrücknahme halte, ist das immer die erste Frage, die mir gestellt wird – und wir müssen sie ernst nehmen. Ja, die Wachstumsrücknahme wird die Eliminierung überflüssiger Produktionen und Arbeiten verlangen. Aber dies bietet uns eine schöne Gelegenheit, die Arbeitswoche zu verkürzen und mehr Gedanken an eine andere große Idee aufkommen lassen, die die Vorstellungen der Menschen in den letzten paar Jahren gefangengenommen hat: ein universelles Grundeinkommen. Wie soll dies finanziert werden? Es gibt viele Optionen, einschließlich progressiver Steuern auf kommerzielle Landnutzung, auf finanzielle Transaktionen, Transaktionen mit fremden Währungen sowie auf Kapitalgewinne.

Wir müssen der Tatsache ins Auge blicken: in einem Zeitalter der schnellen Automatisierung ist eine Vollbeschäftigung auf globaler Ebene sowieso ein Luftschloss. Es ist Zeit, dass wir in Ermangelung formeller Arbeitsplätze an Möglichkeiten denken, um zuverlässige Lebensgrundlagen zu ermöglichen. Dies wird uns nicht nur bei der notwendigen Wachstumsrücknahme helfen, sondern es wird den Menschen auch dabei helfen, ihren ausbeuterischen Arbeitsbedingungen und slaventreiberähnlichen Arbeitgebern zu entkommen und die Arbeitsbedingungen verbessern – zwei Ziele, die die nachhaltigen Entwicklungsziele festgesetzt haben und erreichen möchten.

Außerdem wird es Menschen die Möglichkeit bieten, mehr Zeit und Mühe in die Dinge zu investieren, die wirklich von Bedeutung sind: sich um die Menschen zu kümmern, die einem lieb sind, das eigene Essen anzubauen, Gemeinden zu ernähren und heruntergekommene Gegenden wieder aufzubauen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image ”sunset” by Unsplash (CC0 Public Domain)


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  • MUSIK STREAMING theverge: Kanye West is demanding that Apple buy Tidal from Jay Z: Kanye West ist einer der erfolgreichsten Rapper aller Zeiten. Er hat auf sozialen Netzwerken eine riesige Gefolgschaft. Sein Twitter Account zählt rund 24,7 Millionen Follower. Diese Reichweite benutzte er nun, um Apple zu überzeugen und unter öffentlichen Druck zu setzen. Der Konzern verhandelt seit langem mit Wests bestem Freund Jay Z, der einen Musik Streamingdienst ins Leben gerufen hat. Auf Twitter schrieb Kanye West am Samstag: „Lassen wir diesen dummen Schwanzvergleich. In 100 Jahren sind wir alle tot. Also gebt den Kindern die Musik.“ Der Tweet wurde 120 Tausend mal geliked und 40 Tausend mal retweetet.
  • DATEN sueddeutsche: Millionen Daten von Flugreisenden jahrelang ungeschützt im Internet: Beim Berliner Flugticket-Großhändler Airticket gab es über Jahre eine schwerwiegende Sicherheitslücke. Das Unternehmen zählt viele große Online-Reisebüros zu ihren Kunden. Über Jahre hinweg sollen die Daten von Millionen Flugreisenden im Netz abrufbar gewesen sein. Kriminelle konnten so mit wenig Aufwand an alle persönlichen Daten gelangen, die der Kunde für eine Flugbuchung abgibt – das schließt bei einigen Kunden die Bankdaten mit ein.
  • POKÈMON GO heise: Pokémon Go: Erstes Update und Aus für Kartendienste: Es ist soweit. Die erfolgreichste Spiele-App im iTunes Store bekommt sein erstes Update. Neben Fehlerbehebungen wird es eine Änderung geben, die bei vielen Nutzern Unmut auslösen könnte. Nach der Veröffentlichung des Augmented-Reality-Games sind Kartendienste entstanden, um den Spielern alle Pokémon im Umkreis von mehreren Kilometern zu zeigen. Diese Kartenanbieter haben nun Unterlassungsforderungen von Nintendo erhalten. Viele Pokémontracker sind kurz danach offline gegangen.
  • UBER financialtimes: Uber to pour $500m into global mapping project: Der Online-Vermittlungsdienst für Fahrdienstleistungen „UBER“ möchte nicht mehr von Google Maps abhängig sein. Seit geraumer Zeit fahre man kreuz und quer durch die USA und Mexico, um die Straßen des Heimatmarktes zu tracken. Man wolle außerdem bald in anderen Ländern damit beginnen. Diese Unabhängigkeit kostet UBER vorerst 500 Millionen Dollar. Dieses Vorhaben macht UBER und Google zu noch größeren Rivalen, die einmal eng zusammengearbeitet haben.
  • FACEBOOK wired: Facebook legt neue Zahlen vor – und wächst mit Werbung: Direkt nach Facebooks Quartalsbericht stieg der Aktienkurs des Unternehmens um acht Prozent auf den neuen Rekordwert von 131 Dollar pro Anteil. Inzwischen verdient die Firma von CEO Mark Zuckerberg einen Großteil ihres Geldes auf mobilen Endgeräten: 84 Prozent der Werbeeinnahmen kamen im vergangenen Quartal von Smartphones, schreibt Business Insider. 75 Prozent der Umsätze stammen aktuell allerdings aus Europa und den USA — in Asien gibt es für das soziale Netzwerk also noch Wachstumspotenzial.
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Technologisches Wachstum ohne Stärkung des Ungleichgewichts?

Zusammenarbeit (image by Peggy_Marco [CC0 Public Domain] via Pixabay) 1-1

Für viele Städte waren Technologiezentren nach der Finanzkrise der Schlüssel, um das wirtschaftliche Wachstum wieder in Gang zu bringen. In einem Zeitalter der Unsicherheit ist Wachstum im technologischen Sektor zum Motor für die Länder geworden, die den Schritt in die „Next Economy“ wagen wollen. In Großbritannien beispielsweise wird dem Technologie-Sektor nach optimistischen Schätzungen ein Wachstum in vierfacher Höhe des Bruttoinlandsprodukts prophezeit. Bis 2020 wird es voraussichtlich viel mehr Jobs in technologischen Berufen geben als in allen anderen Beschäftigungsgruppen.

Nach traditionellen Maßstäben eines erfolgreichen Wirtschaftssystems – Jobs und Gehälter – ist dies eine sehr  willkommene Entwicklung. Jedoch wird es immer offensichtlicher, dass Wachstum im technologischen Sektor mit einer zunehmenden wirtschaftlichen Segregation in Städten einhergeht. Und da es stimmt, dass große, erfolgreiche, wachstumsstarke Städte im Allgemeinen für eine hohe wirtschaftliche Segregation stehen, tritt dieser Effekt in Regionen mit Technologiezentren noch viel deutlicher zutage.

Den Nutzen vergrößern

Verschiedene Studien besagen, dass der Anteil an technologischen Berufen in einer Stadt positiv mit der ungleichen  Einkommensverteilung korreliert. Das heißt, je höher der Anteil an technologischer Beschäftigung in einer Stadt ist, desto ungleicher ist das Einkommen verteilt. In einfachen Worten ausgedrückt: Pessimistischen Analysen zufolge kommt ein technologieorientiertes Wirtschaftssystem nur einer kleinen Gruppe von Leuten zugute, die das Glück haben, sehr talentiert zu sein, während ein solches System für alle anderen keinen großen Nutzen bringt.

Dieser Trend geht aus den internationalen Technologiezentren hervor. Das technologische Wachstum in der Region rund um die San Francisco Bay hat die dortigen Immobilienpreise so sehr in die Höhe getrieben, dass sie längst nicht mehr im Einklang mit den lokalen Durchschnittsgehältern stehen und kleinere lokale Firmen vom Markt verdrängt werden. In London hat das technologische Wachstum die Lebenshaltungskosten in einigen Teilen der Stadt mittlerweile in die Höhe schnellen lassen. Zusammen mit einem Mangel an Wohnmöglichkeiten und Bürogebäuden hat dies dazu geführt, dass sich Firmen verkleinern mussten und Bewohner aus dem Zentrum verdrängt wurden.

Die Gentrifizierung ehemaliger Industriegebiete ist vor allem in den vergangenen Jahren zu einem echten Problem geworden. Die Einführung von zu vergebenden Entwicklungsrechten hat einen Wettbewerb zwischen dem Bedarf an Wohnmöglichkeiten und dem Bedarf an Geschäftsräumen geschaffen. Jedoch wird in einem aktuellen Bericht des Royal Town Planning Institute (RTPI) behauptet, dies sei nicht der Fall.

Der Einfluss von Technologieunternehmen auf eine Stadt wird von den Entscheidungen beeinflusst, die wir als Gesellschaft treffen. Die Frage lautet: Wie können wir, während die Technologie wächst, die entstandenen Entwicklungsmöglichkeiten einer größtmöglichen Anzahl an Leuten zu Gute kommen lassen?

Größere Chancen

Das Wachstum auf dem Technologiemarktsektor und seiner Ressourcen – und die Profitabilität zahlreicher Technologiefirmen – impliziert, dass diese Unternehmen mehr tun können, um die Herausforderungen der lokalen Wirtschaft zu meistern. Lokale und nationale Regierungen spielen dabei eine große Rolle. Auf Technologiewachstum zu setzen, kann für alle nützlich sein. Allerdings müssen politische Entscheidungsträger darauf achten, diese Absichten allen Akteuren zu Gute kommen zu lassen, sofern nachhaltige und langfristige Lösungen im Sinne der Stadt gefunden werden sollen.

Der RTPI-Bericht behauptet, dass sich Städte, die einen Wachstum im Technologiesektor und die damit einhergehenden infrastrukturellen Herausforderungen der Städte feststellen, sich nicht ausschließlich auf die existierenden Planungs- und Steuerverpflichtungen stützen können. Stattdessen sollten die Behörden einen städtischen Technologieplan aufsetzen, der den potentiellen Mehrnutzen des Wachstums im Technologiesektor berücksichtigt.

Ein solcher Plan wäre für die längerfristigen städtischen Herausforderungen sowie für mögliche Angleichungen zwischen den Ressourcen von Technologiefirmen und den Herausforderungen der öffentlichen Politik perfekt geeignet. Nicht jedes Technologiewachstum umfasst neue Entwicklungen und ein Großteil des potentiellen Nutzens ist eher sozialer als finanzieller Natur. Außerdem können Maßnahmen in die Wege geleitet werden, um diesen Nutzen zu festigen, anstatt dass nur darauf gehofft wird, dass das technologische Wachstum auf das lokale Wirtschaftssystem überschwappt.

Eine offensichtliche Lösung ist es, den Mitgliedern der Gemeinden neues Wissen beizubringen. Eines der größten Probleme im Technologiesektor ist ein Mangel an Programmierern und Softwareentwicklern. Zahlreiche innerstädtische Firmenniederlassungen befinden sich in sozial benachteiligten Vierteln. Warum also sollte man nicht die umliegende Nachbarschaft nutzen und den Anwohnern die notwendigen Fähigkeiten vermitteln, die in de entsprechenden Firmen gefragt sind? Das Hackney Community College in London beispielsweise bietet eine Ausbildung mit lokalen Technologiefirmen an, um einerseits die Fähigkeiten der umliegenden Anwohner zu verbessern, und andererseits den Anforderungen des Sektors gerecht zu werden.

Eine andere Möglichkeit ist es, mit Technologieunternehmen in städtischen Regenerationsprojekten zusammenzuarbeiten. Technologiefirmen und Mitarbeiter bevorzugen leicht zugängliche, zu Fuß erreichbare Stadtviertel. Das ist eine gute Gelegenheit, um städtische Gebiete umzugestalten. In einigen Städten werden ehemalige Industriegebiete auf diese Weise auch ökonomisch transformiert. In gut geplanten Regenerationsprojekten werden die Sichtweisen der lokalen Gemeinde in die Planung mit einbezogen. Solche Beratungsprozesse sind ein wichtiger Bestandteil, wenn die Abwanderung lokaler Anwohner und Firmen zu verhindert werden soll.

Zudem können die Gemeindeverwaltungen ein Team beauftragen, das sich mit dem Sektor beschäftigt. Um das Wachstum im Technologiesektor anzuziehen und nutzen zu können, ist es wichtig, eine Idee davon zu bekommen, was Technologiefirmen von der Stadt erwarten. Der Startup-Beauftragte in Dublin und der Chief Technology Officer in Amsterdam sind zwei neuartige Positionen, die in diesem Zusammenhang interessante Modelle anbieten.

Dem Technologiesektor blüht vermutlich eine recht rosige Zukunft. Der Nutzen wird jedoch nicht immer fair aufgeteilt. Aber das Potential für gegenseitige soziale und wirtschaftliche Unterstützung zwischen einer Stadt und ihrem Technologiesektor ist groß. Dieses Potential sollte zu einer konstruktiven Zusammenarbeit heranwachsen, die ein wirtschaftliches Wachstum ermöglicht, von dem letztendlich alle profitieren können.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „Zusammenarbeit“ by Peggy_Marco (CC0 Public Domain)


The Conversation

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Die Podcasting-Szene wird explodieren

Podcasting (adapted) (Image by Nicolas Solop [CC BY 2.0] via flickr)

Einige Medienanalytiker sehen eine Blase, die kurz davor ist, zu platzen; andere sehen schrittweises Wachstum in Bezug auf Podcasting. Ich sehe etwas Radikaleres: Einen vollständigen Regimewechsel in der Audioszene. Na endlich! ­“Medienfirmen werden das Anpassen ihrer Franchise an Podcasts fortführen, Agenturen werden Handelsmarken zur Erschaffung neuer Shows befähigen, Podcasting-Netzwerke werden neue akustische Experimente entwickeln und immer mehr Unabhängige werden in den unterschiedlichsten Bereichen erscheinen.”

Im Augenblick dominiert das Radio. Dieses nimmt 52 Prozent des gesamten audiovisuellen Konsums der Erde ein; Satelliten weitere acht Prozent. Insgesamt umfassen diese beiden 74 Prozent aller Audio-Einnahmen (Musikstreaming und Downloads machen einen Großteil des Rests aus.)

Doch sie versagen. Sie versagen bei der User-Experience und sie versagen als Content-Quelle.

Das Satellitenradio versagt hierbei ganz besonders. Es besitzt ein beschämendes Interface, der Großteil der Inhalte ist grauenvoll und es kostet auch noch Geld. Es ist das schlimmste kostenpflichtige Format. (SiriusXM verdient unerklärlicherweise $4.2 Milliarden im Jahr.) Wenn es denn überhaupt jemals eine Branche bereit für den Zusammenbruch gab…

Aber bevor wir uns von in wildeste Prophezeiungen stürzen, honorieren wir das Offensichtliche: Das Vorhersagen des Wachstums von Podcasting ist eine Geschichte so alt wie Odin, oder zumindest wie Odeo. Und nach Jahren hoffnungsvoller Vermutungen, umfasst Podcasting gerade mal zwei Prozent des gesamten Audiokonsums. Aber drei Faktoren – alle relativ neu – werden das Podcasting massenkompatibel gestalten:

  • Besseres Erlebnis. Eine der guten Dinge am Radio ist die Tatsache, dass, wenn du ins Auto steigst, “es einfach funktioniert”. Aber jetzt, da sich mobile Geräte ganz unkompliziert mit Bluetooth-fähigen Autos verbinden können, ist der Nutzeffekt des Radios vermindert. Außerdem bieten eine Reihe von Podcasting Apps ihren Nutzern diverse Wiedergabeoptionen, welche wiederum weitere Innovationen und verbesserte Verfahren für den Nutzer vorantreibt.

  • Besserer Content. Als der Podcast ‘Serial’ zum Ende des letzten Jahres 3,5 Millionen Downloads pro Folge angesammelt hatte, wurde “Was ist dein Lieblingspodcast?” ein bekannter Gesprächseinstieg, welcher Netzwerke wie Gimlet und Panoply dazu angetrieben hat weitere hochwertige Shows zu produzieren. Beinahe über Nacht wurde die zu hohe Anzahl guter Shows zum Hauptproblem der Podcasts.

  • Besseres Einkommen. Selbst mittelgroße Podcasts können über 20 bis 50 US-Dollar pro CPM (Berechnungseinheit pro Tausend Hörer) für einen 60-Sekunden-Spot verfügen. (Radio greift weniger als 2 bis 10 US-Dollar pro CPM.) Einige der vielen Gründe hierfür sind: Qualität des Contents, Begehrtheit der Audienz, Vertrautheit der Werbungen.

Podcasting ist nun bereit, das alternde Radio endlich hinunterzuschlingen. Durch überragendes Programmieren wird ein besseres Erlebnis zu geringeren Kosten geboten, es gibt keinen Grund dafür, dass Podcasting das Satellitenradio nicht überholen sollte. Dies wird überraschend schnell geschehen.

Lehnt man sich ein wenig aus dem Fenster, lassen sich einige spezielle Prognosen definieren:

  • HBO wird Bill Simmons für den Aufbau eines neuen Mediennetzwerks nutzen. Der größte Teil des Einkommens von Grantland lässt sich von Podcast Netzwerken ableiten, welche langsam von HBO wiederhergestellt werden. Eines der größten medialen Mysterien ist die Frage, welche Form seine neue HBO-Website annehmen wird. Ich erwarte etwas, das weniger wie das textlastige Grantland und mehr wie eine medienfixierte Plattform aussehen wird.

  • Serial wird neue Rekorde brechen. Mit Hilfe von Echtzeit-Eilmeldungen wird das Publikum des neuen Serial noch größer als bei der ersten Staffel sein.

  • Gimlet Media werden eine Salve neuer Shows einführen. Einige werden scheitern, aber das gehört dazu. Zum Ende des Jahres wird das Netzwerk die iTunes Charts anführen. Innerhalb von zwei Jahren wird das Unternehmen eine Wertung von $100 haben.

  • Einkommensmöglichkeiten werden steigen. Derzeit sind Mailchimp und Squarespace wie die DraftKings und FanDuel des Podcastings – sie beherrschen die Szenerie auffallend. Doch hochqualitative Marken klopfenan die Tür, um hochqualitative Podcasts zu sponsern. Denn die Nachfrage ist immer noch groß, und die riesigen Downloadraten werden nicht sinken. Es wird aber eine vielfältigere Kultur an Werbungstreibenden entstehen.

  • Howard Stern wird der “Loser”-Revolution beitreten. Viele Experten sagten – fälschlicherweise voraus, dass Howard Stern seinen SiriusXM-Vertrag nicht erneuern wird, in der Hoffnung, er könnte stattdessen zu Spotify, Netflix oder Apple Music wechseln. (Ein weiteres Zeichen für die Antipathie gegenüber Sattelitenradios: Diese Prognose war mehr eine gewünschte Massenprojektion denn tatsächliche Wahrsagerei.) Aber dies ist nicht passiert – oder doch? Falls du es noch nicht bemerkt hast, die Howard Stern-Show wurde von Youtube und Soundcloud still und heimlich verbannt- nach Jahren von quasi illegalen Accounts. (Ich sage “quasi”, da es sich verdächtig nach eigens erstellten Usernamen anhört.) “Podcasts”, sagte Howard Stern in diesem Jahr, “erwecken seine alte Rolle des anstößigen Radiomoderatoren” und “sind für Loser”. Aber das sind klassische Stern-Ausreden – seine Show wurde bereits zum Podcast.

  • Podcasting wird sterben- aber es entwickelt sich weiter. Es ist wahr, Podcasting im Jahr 2015 ist wie Bloggen im Jahr 2004. Und Bloggen ist auch nicht gestorben, sondern wurde Zum Maß aller Dinge. Das Podcasting wird eine ähnliche Entwicklung durchleben. Allerdings wird das mit so viel Anpassung geschehen, dass “Podcasting” als Begriff nicht mehr eindeutig und als Form allgegenwärtig wird. Die traditionellen Silos der Medienindustrie nehmen bereits Form an, mit neuen Unternehmen welche die Analytik, den Vertrieb, die Produktion und die Werbung gut zu handhaben scheinen. Sei bereit für die Entstehung von mehr “Studios” und “Netzwerken”.

  • Content-Quellen werden sich vermehren und sie werden überraschen. In einem Jahr voller Highlights, zu welchen das Interview von Marc Maron mit Barack Obama in seiner Garage, dem sogenannten “GE Podcast Theater” mit dem Hit “The Message” und einer Beteiligungskapitalfirma, welche einen der besten Podcasts des Jahres produzierte, zählen, können wir noch einiges von unbekannten Themen und Orten erwarten. Medienfirmen werden das Anpassen ihrer Franchises an Podcasts fortführen, Agenturen werden Handelsmarken zur Erschaffung neuer Shows befähigen, Podcasting-Netzwerke werden neue akustische Experimente entwickeln und immer mehr Unabhängige werden in den unterschiedlichsten Bereichen erscheinen.

Das wird ein gutes Jahr zum Zuhören.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) “Podcasting” by Nicolas Solop (CC BY 2.0)


 

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Die Fusion der weltgrößten Brauereien hat einen hohen Preis

Budweiser (adapted) (Image by jmawork [CC BY 2.0] via Flickr)

Zwei Brauerei-Giganten wollen zusammen noch Größer werden und ihre Gewinnspanne maximieren. Die Fusion bringt jedoch Veränderungen mit sich. Die zwei größten Bierproduzenten der Welt werden fusionieren, nachdem SABMiller das Angebot über 104 Milliarden US-Dollar von Anheuser-Busch InBev akzeptiert hat. Dieses Abkommen wird eine Brauerei schaffen, die weltweit jedes dritte Bier verkauft und dem Marken wie Budweiser, Stella Artois, Grolsch, Miller, Corona und Perona angeschlossen sind. Wie es bei allen Fusionen und Übernahmen ist, soll durch die Zusammenführung das neue, größere und bessere Unternehmen, Kostenersparnisse durch Massenproduktion und Verbundvorteile schaffen. Ebenfalls soll der Marktanteil erhöht werden, was natürlich zu mehr Gewinn führt. Aber es gibt keine Garantie.

Regelmäßig ergeben Nachforschungen, dass 60 Prozent bis 80 Prozent der Übernahmen es nicht schaffen, die erwarteten Gewinne abzuliefern. Mehr als 50 Prozent zerstören den Unternehmenswert. Die Gründe liegen normalerweise darin, dass der Käufer gezwungen wurde, für das zu übernehmende Unternehmen viel zu viel zu zahlen, stümperhafter Eingliederung und einer Über-Erwartung an die Vorteile der Fusion.

Die belgische Brauerei AB InBev hat beides, einen guten Ruf und eine vorzeigbare Erfolgsbilanz, die es ihr ermöglicht, Ersparnisse anzuzapfen, wenn neue Posten nötig sind. Zum Beispiel als sie 2008 Anheuser-Busch übernommen hat. Aber Fusionen sind eine kostspielige Aufgabe für die Aktionäre der Bieter (und die möglichen Kunden). Es ist wahrscheinlich, dass alleine die Anteilseigner des Zielunternehmens diejenigen sein werden, die davon hauptsächlich profitieren.

Wer hat wirklich einen Nutzen davon?

In größeren Fertigungsprozessen können die Kostenersparnisse durch Massenproduktion enorm sein, was bedeutet, dass Brauereien gezwungen sind, sich an den Größten und Modernsten zu orientieren. Verbundvorteile – dort wo es billiger ist, die Produktpallette zusammen zu produzieren anstatt individuell – müssen das maßgeblich auch. Was zum Beispiel das Personal betrifft, denn wahrscheinlich werden Firmensitze und die Ländermanagements integriert. Außerdem sollte die vereinte Kaufkraft der neuen, größeren Firma bedeutende Einsparungen erzielen.

Das Abkommen wird AB InBev außerdem den Zugang zu den Wachstumsmärkten in Afrika und Südamerika gewähren, wo sie bisher noch nicht repräsentiert waren. Das Management erwartet davon zu profitieren, weil sie den Vorsitz über ein größeres Unternehmen führt, was mehr Bezahlung, Macht und Status nach sich zieht.

Aber falls Bierkonsumenten hoffen, diese Kostenersparnisse werden an sie weiter gegeben, glaube ich, dass sie zutiefst enttäuscht sein werden. Sie werden möglicherweise herausfinden, dass die Auswahl sich ebenfalls verringert. Tatsächlich führt mehr Macht auf dem Markt, wie sie sich durch die Fusion ergibt, üblicherweise zu höheren Preisen.

Deshalb wird eines der größten Probleme bei der Fusion der zwei weltgrößten Brauereien die Wettbewerbsbehörde sein, die mit ihren kartellrechtlichen Vorschriften das Geschäft sehr wahrscheinlich genau überprüfen wird. Es ist deshalb wahrscheinlicher, dass sie einige ihrer Marken verkaufen müssen. Als zum Beispiel 2013 AB InBev Grupo Modelo übernahm, musste es einige von Modelos amerikanischen Posten, einschließlich Corona, verkaufen.

Es ist ebenso möglich, dass die Produktpallette überprüft und reduziert wird, um mehr in die Vermarktung gewinnbringender Marken zu investieren. Das könnte dazu führen, dass AB InBev eine renommierte Marke veräußern muss, um die US-amerikanische Wettbewerbsbehörde zu beschwichtigen.

Renditen für Aktionäre

Eine Kombination von relativ starken Aktienmärkten und niedrigen Zinssätzen, zusammen mit finanzstarken, potentiellen Investoren sind weitgehend dafür verantwortlich, dass es einen Anstieg von Mega-Fusionen gibt; diese hier wird dicht gefolgt von der 50 Milliarden US-Dollar Fusion von LaFarge mit Holcim.

Im Fall von AB InBev kann schon ein schmales Wachstum auf dem globalen Bier-Markt die größte treibende Kraft sein. Der Markt ist weitgehend ohne Bewegung und verzeichnet in einigen Regionen sogar einen Rückgang, weil andere Getränke wie Wein weiter vordringen. Kleine Brauereien und ihre spezialisierten Biere entwickeln sich ebenfalls weiter. Als Konsequenz wird die Rationalisierung von Kosten, Produkt und Verbreitung ein beliebtes Mittel, um die Aktionärsrendite zu erhöhen.

AB InBev muss, um Kosten zu sparen, viele der Synergien den Aktionären von SABMiller überschreiben. Dabei wird der Preis um das Fünffache erhöht, um deren Zustimmung zu gewinnen. Sie haben das Angebot sehr klar strukturiert, um den beiden Hauptaktionären entgegen zu kommen, die mit einem großen Steuerbescheid rechnen müssen, sollte das Geschäft bar bezahlt werden. Das Angebot besteht teilweise aus nicht notierten Anteilen, die es den Aktionären erlaubt, irgendwann in der Zukunft Gewinne zu erzielen.

Die Entschlossenheit von AB InBev, dieses Abkommen zu tätigen, kann letztendlich zum Problem für sie werden. Die Gebühren der Berater belaufen sich auf mehrere Hundert Millionen Pfund, größtenteils abhängig davon, ob das Geschäft erfolgreich sein wird. Und wenn der Einsatz so hoch ist, ist die Objektivität der Beratung, die sie bekommen, in Frage zu stellen. Fusionen sind kostspielig und aufgrund von AB InBevs Erfolgsbilanz wird mit erheblichen Entlassungen und Einsparungen im kommenden Jahr gerechnet.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) “Budweiser” by jmawork (CC BY 2.0)


 

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Uber: Zwischen Krise und Wachstum

Uber Fahrdienst (Bild: Uber)

Eigentlich müsste bei Uber alles auf Wachstum stehen, würde der Fahrdienst-Vermittler nicht von einer in die nächste Krise stolpern, wie in der letzten Woche. // von Lukas Menzel

Uber Fahrdienst (Bild: Uber)

Kaum ein Unternehmen hat in den letzten Wochen und Monaten für so viel Wirbel gesorgt wie Uber. Fast täglich kamen neue Informationen über die Praktiken und Pläne des amerikanischen Startups ans Licht. Alleine letzte Woche sorgte der Top-Manager Emil Michael mit Plänen zu einer Schmutzkampagne gegen Journalisten für Entsetzen und die „God View“ sowie die damit verbundenen laxen Datenschutzbestimmungen, bei der  in Echtzeit auf die Fahrtdaten zugegriffen werden kann, für Beunruhigung. Damit taumelt das Unternehmen zurzeit von einer Krise zur nächsten, obwohl eigentlich alle Zeichen auf Wachstum stehen.

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Yahoos neuestes Problem: Tumblr stagniert in seiner Entwicklung

Asleep at the Wheel (adapted) (Image by Aaron Jacobs [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Seitdem Yahoo! die Blogging-Plattform Tumblr gekauft hat, stagnieren die Mitgliederzahlen. Der Hype um Tumblr ist scheinbar vorbei. Nach den Jahren der Aufs und Abs hat sich Yahoo! unter der neuen Führung von Marissa Mayer scheinbar gefangen und während der Konsolidierung mehr als 30 andere Unternehmen eingekauft, die alle Yahoo! helfen sollen, mit digitaler Werbung Geld zu verdienen. Ein Unternehmen war Tumblr, für das Yahoo! im Mai 2013 mehr als 990 Millionen US-Dollar bezahlt hat. Doch der von David Karp gegründete Blogging-Dienst stagniert seitdem in seiner Entwicklung.

Der Hype um Tumblr ist vorbei

Noch vor einem Jahr war Tumblr einer der interessantesten Web-Dienste, an dem Microsoft, Facebook und natürlich auch Yahoo! großes Interesse hatten. Die steil wachsenden Mitgliederzahlen machten Tumblr für die großen Unternehmen interessant, ähnlich wie heute Snapchat. Doch seitdem Kauf der sozialen Blogging-Plattform durch Yahoo! fällt der Blick auf Tumblr etwas nüchterner aus. Das Bot-Problem ist immer noch nicht in den Griff bekommen, die leidenschaftliche Tumblr-Gemeinde wehrte sich gegen erste als Zensur wahrgenommene Versuche von Yahoo! den Einkauf etwas mehr vor jugendfreien Inhalten zu befreien und jetzt wächst die sowieso zu hinterfragende Mitgliederzahl nicht mehr wie früher.

 

In den Wochen vor dem Kauf durch Yahoo! stieg die Mitgliederanzahl von Tumblr extrem an. Im Monat des Vertragsabschlusses (Mai 2013) waren mehr als 47,49 Millionen Nutzer angemeldet – ein attraktives Ziel für Werbetreibende. Aber seitdem stockte das Wachstum. Tumblr verweist darauf, dass bei der Untersuchung von Comscore nicht der Traffic via App berücksichtigt wird, der angeblich in diesem Sommer stark angestiegen ist. Angeblich betrug er aber im Sommer 2013 nur rund 10 Prozent des gesamten Tumblr-Traffics, womit auch kleine Zuwächse schnell als großer Anstieg interpretiert werden können. Als Quantcast ebenfalls Nutzerzahlen veröffentlichen wollte, bat Tumblr das Marktforschungsunternehmen, sie für sich zu behalten. Eine Umfrage von GlobalWebIndex unter 170.000 Internet-Nutzer bestätigt aber die Zahlen von Comscore (Anstieg der Nutzerzahlem in Q1 und Q2, Stagnation in Q3 und Q4 2013).

Ist Yahoos Tumblr uncool oder sind andere einfach cooler?

Die App ist aber seit dem Sommer spürbar besser geworden, doch Tumblr bleibt vor allem eine Plattform, die vom Computer angesteuert wird und nicht von Smartphones oder Tablets. Sicher kann Yahoo! zufrieden sein, dass die Zahlen zumindest stabil geblieben sind, aber Marissa Mayer hat sich etwas mehr für ihr Geld erwartet. Bekommen hat sie ein Netzwerk, dass durch den Kauf des uncoolen Yahoo! an Glanz verloren hat. Ein weiterer Grund könnte laut Forbes-Autor Jeff Bercovici der Aufstieg von News-Plattformen wie BuzzFeed und Upworthy sein, die wie Tumblr vor allem viralen Content verbreiten und mehr Einfluss auf den Content (und seiner Viralität) durch ihre Redaktionen haben als Tumblr auf dend er eigenen Mitglieder.


Image (adapted) „Asleep at the Wheel“ by Aaron Jacobs (CC BY-SA 2.0)


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