Airbnb in Paris

Wie Airbnb in Frankreich mit Regulierung umgeht

Airbnb in Paris

Heute gab Airbnb bekannt, dass es ab 1. Oktober in Paris eine Tourismusabgabe in Höhe von 0,85 Euro einsammeln und an die Stadt überweisen wird. Weitere französische Städte sollen folgen. Möglich gemacht hat das ein Erlass der französischen Regierung, die mit Airbnb konstruktiv zusammenarbeitet. Anders als beispielsweise die deutschen Behörden oder Uber, die beide etwas von Airbnb und der französischen Regierung lernen können: miteinander statt gegeneinander nützt am Ende allen.

Die Qual der Wahl: Gutes WiFi oder Tourismusabgabe

Seit Sonntagabend sind Kati und ich in Paris, genau genommen in einem kleinen Apartment im schönen Stadtteil Montmartre, die wir via Airbnb gebucht haben. Es ist unser zweiter Aufenthalt diesen Sommer in Frankreich, denn schon Anfang des Monats arbeiteten wir im Zuge unserer Reise durch europäische Coworking Spaces in Toulouse, Bordeaux, Nantes und Lyon. Nach unseren Stationen in Turin, Mailand und Stuttgart sind wir wieder zurück in Frankreich, um wieder einmal Paris zu besuchen und am Ende der Woche nach Lille zu fahren.

Wir haben hier in Frankreich in Hotels übernachtet (Bordeaux, Nantes), in kleinen Pensionen (Toulouse) und in Airbnb-Wohnungen (Lyon, Paris). Zwischen all diesen Optionen gibt es zwei markante Unterschiede: das WLAN in Airbnb-Wohnungen ist besser und in Hotels muss man eine Tourismusabgabe an die Stadt bezahlen. Das waren in Toulouse 0,40 Euro pro Person und Nacht, in Bordeaux 1,10 Euro und in Nantes 0,85 Euro. Das sind keine Unsummen, aber buchten wir via Airbnb, mussten wir keine Abgabe zahlen. Bei zwei Personen und einer ganzen Woche in einer Stadt, kann das schon einmal eine gute Flasche französischen Wein mehr oder weniger bedeuten.


Reiseblogger Tyler Braun und seiner Frau berichten über ihre Airbnb-Erfahrung in Paris:


Airbnb arbeitet mit französischer Regierung zusammen

Das ändert sich aber nun, zumindest in Paris. Der US-amerikanische Onlineübernachtungsdienst hat heute im eigenen Blog bekannt gegebenen, dass es ab 1. Oktober eine Tourismusabgabe in Höhe on 0,85 Euro von den Gästen einsammelt und an die Stadt überweist. Bisher waren dafür die Gastgeber selber verantwortlich, aber die meisten der rund 50.000 Pariser Airbnb-Hosts sammelten das Geld erst gar nicht ein. Auch wir mussten jetzt keine Abgabe an unsere Airbnb-Gastgeberin bezahlen.

Möglich macht das eine Anordnung der französischen Regierung, die es Airbnb erlaubt, die Steuer für seine Gastgeber zu erheben und einzusammeln. Dies soll laut Airbnb vollkommen automatisch erfolgen. Dieses Prozedere soll demnächst auch auf andere französische Städte ausgeweitet werden. Vor einem Jahr hat Airbnb schon in San Francisco und Portland angefangen, Tourismusabgaben einzusammeln. Seitdem sind einige Städte in den USA dazu gekommen, in Europa aber erst Amsterdam (seit letzten Dezember) und jetzt Paris.

Frankreichs Airbnb-Direktor Nicolas Ferrary erklärte heute in einer Pressemitteilung, dass er sich erfreut darüber zeigt, wie gut man mit der französischen Regierung zusammenarbeiten kann und diese Methode zum vereinfachten Einsammeln der Tourismusabgabe der Stadt Paris, wo mehr Leute ihre Wohnungen via Airbnb anbieten als irgendwo sonst auf der Welt, ermöglicht. Am Ende haben scheinbar alle etwas von der Zusammenarbeit.


Techdirt-Gründer Mike Masnick diskutiert die Frage, ob Airbnb gut oder schlecht für Städte ist:


Lehrreiches Beispiel für Deutschland… und Uber

Die Kooperation zwischen dem aus San Francisco stammenden Unternehmen und der französischen Regierung ist ein Beispiel, wie man als Staat mit Vertretern neuer Geschäftsmodelle umgehen kann. Deutschland, aus meiner Sicht vor allem Berlin, könnte sich hieran ein Beispiel nehmen.

Vili Lehdonvirta, Programmdirektor am Oxford Internet Institute, wies in einem Artikel auf Netzpiloten.de auf die Vor- und Nachteile von Plattformen wie Uber und Airbnb hin und argumentierte, dass auch Aufsichtsbehörden anfangen müssten, mit denen von der Gesellschaft bevorzugten Diensten zusammenzuarbeiten. Dies kann auch Vorteile haben, denn beispielsweise befinden sich 74 Prozent der Airbnb-Unterkünfte in Regionen, in denen es kaum Hotels gibt. Die Angebote auf der Plattform ergänzen also die touristischen Übernachtungsangebote und helfen Gemeinden noch mehr Einnahmen zu erzielen.

Das ebenfalls aus San Francisco stammende Unternehmen Uber, das Taxi-ähnlich Fahrten vermittelt, könnte ebenso von Airbnb lernen. Im Gegensatz zu Airbnb hat Uber immer noch Probleme in Frankreich und sieht sich seit Monaten der Kritik ausgesetzt. Mark Scott, Tech-Redakteur der New York Times für Europa, weist in einem Artikel von Anfang Juli darauf hin, dass es Airbnb am Anfang nicht anders ging. Doch anstatt weiterhin an Disruption als Strategie festzuhalten, hätte das Unternehmen gelernt, mit den Regulatoren zu arbeiten und nicht gegen sie.


Teaser & Image by Airbnb


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