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Netzpiloten @Best of Content Marketing

Content Marketing rockt! Wer seine Leser gleichermaßen mit Inhalten unterhalten, als auch werblich ansprechen kann, ist ein guter Kandidat für den Contest Best of Content Marketing (BCM).  Der größte Wettbewerb für inhaltsgetriebene Unternehmenskommunikation in Europa sucht auch dieses Jahr die besten Publikationen in 54 Kategorien. Im Rahmen des OMR-Festivals findet am 7. März die BCM Preisverleihung im Hamburg Cruise Center Altona statt. Wir Netzpiloten begleiten den Wettbewerb bereits zum dritten Mal und sind gespannt, welche Einreichungen die 200 Fachleute starke Jury dieses Jahr begeistert hat.

Der BCM Wettbewerb

In einem mehrstufigen Auswahlprozess bewertet die aus 200 Fachleuten bestehende Jury in Untergruppen die eingereichten Beiträge. Die Bewertung findet nach dem Schulnotenprinzip statt. Aus dem Durchschnitt der Noten wird die BCM Shortlist gebildet, die Basis für die Nominierten ist. Diese unterteilen sich in Silber- und Goldpreisträger. Jeder Nominierte erhält auf alle Fälle die Silber-Urkunde, nur die Goldpreisträger jedoch den begehrten BCM Würfel.

2018 wurden 250 Einreichungen nominiert, von denen am Ende 67 mit dem BCM Award ausgezeichnet wurden. Die Kategorien umfassen sowohl Angebote, die sich an den Kunden richten, als auch interne Publikationen. Unterschieden werden auch unterschiedliche Medien wie Magazine, Content-Plattformen, Bewegtbild oder Social Media. Gesondert werden auch Preise vergeben für Nachwuchsarbeit des Jahres, Content Strategie und New Tech Content. Auf dem Flyer zum Best of Marketing Wettbewerb findet ihr eine komplette Auflistung der Kategorien.

In der Hall of Fame könnt ihr euch übrigens die herausragendsten Einreichungen seit Gründung des Wettbewerbs im Jahr 2003 anschauen. Besonders hervorgehoben sind Teilnehmer, die bereits drei Mal den begehrten Preis erhielten.

Und sonst noch?

Die BCM Konferenz ist dieses Jahr Teil des OMR Festivals und wird ins Content-Marketing-Themenfeld des OMR-Festivals integriert. Auf diesem wird es ein Content Marketing Cluster mit internationalen Speakern geben. Ergänzend finden Masterclasses zur inhaltlichen Vertiefung statt.

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Netzpiloten @Innovators‘ Pitch

Innovation kann nur stattfinden, wenn gute Ideen gesucht, gefunden und gefördert werden. Darum findet im Rahmen der hub.berlin am 10. April in der Station Berlin der Innovators‘ Pitch statt. Junge Startups haben hier die Möglichkeit sich und ihre Ideen vorzustellen. Außerdem winkt in mehreren Kategorien ein Preisgeld von jeweils 5.000 Euro für den Sieger. Die Netzpiloten sind erstmals Partner des Innovators‘ Pitch und gespannt auf die frischen Ideen der Teilnehmer. Und ganz wichtig: Alle Startups können sich noch bis 3.März bewerben für die begehrten Slots!

Diese Gewinner brachte der Innovators‘ Pitch bereits hervor

Der Innovators‘ Pitch brachte in den vergangenen Jahren viele interessante Gewinner hervor. SuitePad verbessert beispielsweise die Gästekommunikation für Hotels. Twyla hingegen macht Chat-Bots smarter und persönlicher. greencity solutions hat sich sogar zum Ziel gemacht, die Luftqualität in Städten weltweit mit ihrem CityTree zu verbessern. Auticon vermittelt Autisten als IT-Consultants und schafft ein Umfeld, aus dem Unternehmen und Consultants gleichermaßen profitieren.

In der „Winners and Partner“-Sektion auf der Website findet ihr weitere interessante Gewinner mit ganz unterschiedlichen Themenschwerpunkten. 

Diese Kategorien gibt es

Auf dem Innovators‘ Pitch werden Sieger in drei Kategorien gesucht

  • Digital Learning & EdTech: Neue Technologien haben einen starken Einfluss darauf, wie wir in Zukunft lernen werden. Apps, Gamification und Augmented Reality sind nur einige von zahlreichen Wegen, Bildung zu revolutionieren.
  • Digital Mobility: Digitale Mobilität macht das Reisen nicht nur komfortabler, sondern auch nachhaltiger und nutzerfreundlicher. Mitunter können öffentliche Verkehrssysteme damit sogar Kosten einsparen.
  • Digital Supply Chain: Um Schritt zu halten, müssen Unternehmen ihre Prozesse überdenken. Digitale Lieferketten optimieren Abläufe und können Services direkt auf den Kunden zuschneiden. 

Sponsoren des Wettbewerbs sind unter anderem Cornelsen und SAP Startup Accelerator.

Und sonst noch?

Als Startup könnt ihr euch noch bis zum 3. März auf der Seite bewerben. Der Innovators‘ Pitch findet im Rahmen der hub.berlin statt. Tickets sind über deren Ticket-Seite bestellbar. Auch Startups die nicht teilnehmen, können sich auf ein Startup-Ticket bewerben. Wir freuen uns schon auf die zahlreichen Teilnehmer.

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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • BLOCKCHAIN t3n: Blockchain soll Wirtschaftsstandort stärken: Deutsche Startups gründen Bundesverband: Eine Gruppe deutscher Startups möchte noch dieses Jahr vor dem Bundestag einen Bundesverband Blockchain gründen. Dieser unparteiliche Verband soll den Mitgliedern der Szene eine einheitliche Stimme zu geben, und hofft auf die Onlineregulierungen der neuen Regierung Einfluss nehmen zu können. Blockchain sei die nächste Innovationsstufe des Internets. Deutschland habe die Chance Vorreiter in der Wirtschaft zu werden, wenn die Blockchain in den Regulierungen berücksichtigt werde. Der Verband möchte den Bundesverbänden und Digitalpolitiker als Experten zur Seite stehen.

  • CIA golem: Wie die CIA WLAN-Router hackt: Aus neuen Unterlagen von Wikileaks hervor, dass der amerikanische Auslandsgeheimdienst CIA über ein Programm verfügte, welches WLAN-Router hacken kann. Das Netzwerk der CIA besteht aus einem Botnetz, die mit einem kontrollierbaren Server verbunden sind. Die Daten, die aus den Wikileaks-Dokumenten hervorgehen wurden von 2007 bis 2012 gesammelt. Gesammelt wurden E-Mail Adressen, Chatnutzernamen, Mac-Adressen oder Voice-Over-IP-Nummern. Bis zu zehn Hersteller waren betroffen, darunter auch der Marktführer AVM. Die genauen Einsatzgebiete der „Cherry Blossom“-Software sind noch unklar.

  • FLUGGASTDATEN netzpolitik: Europäische Union will zentrale Datei für Fluggast- und Passagierdaten: Grenzbehörden dürfen von Airlines Passagierdaten anfordern. Jetzt möchten die InnenministerInnen der Europäischen Union eine zentrale Passagierdaten-Datenbank einrichten. Hierbei geht es um sogenannte API daten, die nach dem Check-in erhoben werden, müssen bis jetzt 24 Stunden nach Check-in wieder gelöscht werden. Die neue Datenbank soll einen dezentralen Datenaustausch über einen zentralisierten Router durchführen und als einzige Anlaufstelle für Airlines fungieren. Ob dieses System von Vorteil gegenüber der alten Methoden ist, soll bis 2018 mit einer Studie herausgefunden werde.

  • DATENSCHUTZ heise: E-Privacy-Verordnung: Entschlüsselung von Kommunikation soll verboten werden: Erst kürzlich forderte CSU Politiker Hermann, dass Whatsapp-Kommunikation abgehört werden müsse. Die Verhandlungsführerin für eine Datenschutzreform im EU-Parlament macht sich nun dafür stark, dass Hintertüren verboten werden. Der Einsatz von Kryptografie, die verwendet wird um verschlüsselte Daten wieder zu entschlüsseln, soll in EU-Mitgliedstaaten komplett verboten werden. Maju Lauristin fordert ebenfalls eine Stärkung des Schutzes von Verbindungs- und Standortdaten, verbote von Tracking-Walls und eine Informationspflicht für „Opt-ins“.

  • GOOGLE handelsblatt: EU-Kommission will Google Rekordstrafe aufbrummen: In Bezug auf die Shopping-Suche auf Googles Suchmaschinenangebot, möchte die EU Wettbewergskommission Google eine Rekordstrafe verhängen. Der Vorwurf von Wettbewerbern an Google ist, dass der Suchmaschinenalgorithmus einige Händler bevorzuge und so den Wettbewerb nicht gerecht darstelle. Das Bußgeld wird auf zehn Prozent des Umsatzes beschränkt und beläuft sich momentan auf 1,06 Milliarden Euro. Das Verfahren ist eines von drei, in denen die Kommission Google vorwirft, den Wettbewerb zu verzerren.

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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • ANDROID golem: Android O und Android Go: Es ist Zeit der großen Entwicklerkonferenzen. Am Mittwoch den 17.5. kündigte Google auf der Google I/O Neuerungen und Pläne an. Darunter auch Android O und die etwas leistungsschwächere Variante Android Go. Das neue Betriebssystem soll nun Funktionen wie Bild-in-Bild Wiedergabe und ein neues Benachrichtigungssystem eingerichtet. Am meisten begeisterte die Besucher der Konferenz die Ankündigung nun auch die Programmiersprache Kotlin einzubinden. Android Go ist eine Abwandlung des neuen Systems und soll explizit für Geräte mit weniger als 1GB Ram verwendet werden können.

  • KI t3n: Konkurrenz für Siri: Der Google Assistant kommt aufs iPhone: Auf dem Google Pixel testete Google seinen neuen sprachgesteuerten Assistenten, der nun auf vielen weiteren Android-Smartphones und sogar iPhones oder iPads verfügbar sein soll. Bis Sommer 2017 soll der Assistent nur in den USA verwendet werden können. Bis dahin wird eine Umstellung auf Deutsch oder andere Sprachen möglich sein. Der Assistent soll auch mit kurzen Textkommentaren bedient werden können und Funktionen wie Paketverfolgung oder Appbedienung beinhalten.

  • CLOUD wired: Sundar Pichai Sees Google’s Future in the Smartest Cloud: Google ist jetzt ein Unternehmen mit dem Grundsatz ‘Künstliche Intelligenz zuerst’. Auf der I/O wurde ebenfalls ein neuer Chip angekündigt, der künstliche Intelligenz versorgen kann. CEO Pichai sagt, dass es wichtig sei, dass diese Technologie für alle zugänglich ist um ihr so den Mythos zu nehmen. Googles Entwicklungen im Bereich der KI sind vor allem für den Google Übersetzer oder andere Bereiche des maschinellen Lernens innovativ.

  • WHISTLEBLOWING sueddeutsche: Die Heldin ist frei: Seit gestern ist Whistleblowerin Chelsea Manning wieder frei. Manning hat vor sieben Jahren Dokumente und Kriegspraktiken der USA an die Plattform Wikileaks weitergegeben und so den größten Militärskandal der USA an die Öffentlichkeit gebracht. Nun kommen erneut Debatten um Whistleblowing und ob es ein Whistleblowerschutz per Gesetz geben sollte. Unter den Daten die Manning veröffentlichte waren Videomaterial, interne Kabelberichte mehrerer US-Botschaften oder Daten aus dem Militärgefängnis Guantanamo.

  • G20-GIPFEL heise: G20-Gipfel: Globales Wettbewerbsnetz soll digitale „Superstar-Konzerne“ einhegen: Der Beraterstab für den G20-Gipfel im Hamburg hat eine neue Strategie vorgeschlagen mit welcher man kartellrechtlich gegen Großkonzerne wie Facebook und Google vorgehen könnte. Mit einem sogenannten „Weltwettbewerbsnetzwerk“ möchte Ökonomin Dalia Marin ein Rahmenwerk schaffen um das Kartellrecht international anwenden zu können. Ebenso wichtig sei es digitale Entwicklungen wie Algorithmen und Big Data miteinzubeziehen.

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Netzpiloten sind Partner des nextMedia.Elevator

Die Bewerbungsphase hat bereits begonnen, aber bis zum 15. Mai 2017 könnt ihr immer noch beim Startup-Wettbewerb „nextMedia.Elevator“ mitmachen. Bewerbt euch mit euren Hamburger Startup aus der digitalen Wirtschaft und reicht ganz einfach eure Pitch-Decks ein. Sichert euch einen der zehn Plätze in der finalen Runde am Veranstaltungstag.

Wenn es dann soweit ist, könnt ihr eure Ideen im Format des „Business-Idea-Speed-Dating“ einer Fachjury – die aus namenhaften Kapitalgebern, Unternehmern und Branchenkennern besteht – präsentieren und sie von euch überzeugen. Unter anderem werden dann Experten wie Dr. Heiko Milde – IFB Innovationsstarter – oder Eva-Maria Bauch, von G+J, eure Pitch-Decks bewerten.

Im Anschluss werden die Gewinner bekannt gegeben, aber was könnt ihr eigentlich gewinnen? Preisgelder im Gesamtwert von 8.000 Euro. Zudem darf sich der Sieger über eine Nominierung des Wettbewerbs für den Deutschen Gründerpreis in der Kategorie Existenzgründer freuen. Außerdem können die ersten drei Plätze an der Gala Veranstaltung des Hamburger Gründerpreises teilnehmen. Aber nicht nur das: Erhaltet zusätzlich spannende Kontaktmöglichkeiten zu Venture Capitalists und Experten der Gründerszene.

Also nutzt die Chance, gewinnt den begehrten Startup-Award und stellt eure innovativen Ideen einem erstklassigen Publikum vor und positioniert euch an der Spitze. Voraussetzung ist, dass ihr innerhalb der letzten drei Jahre euer Startup gegründet oder die Gründung geplant habt. Wer mehr über die Teilnahme wissen möchte, der kann sich auf nextmedia-hamburg.de weitere Informationen einholen.

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Die Netzpiloten sind Partner der EU-Startups Conference

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In Berlin findet am 13. April die EU-Startups Conference statt. Das Event wird einmal im Jahr veranstaltet und gilt als Flaggschiff-Veranstaltung von EU-Startups.com. Es werden über 400 Gründer, Gründungsinteressierte, Business Angels, VCs, und Medienleute erwartet.

Die Veranstaltung ist ideal zum Networken und für aufstrebende Entrepreneurs und Investoren, die in Europa gründen wollen, geeignet. Außerdem wird Platz sein für sogenannte Fireside Chats (dt. Kamingespräche), also Gespräche in gemütlicher Atmosphäre, an denen auch viele der international erfolgreichen Gründer teilnehmen werden.

Die Speaker, die vor Ort sein werden, sind bekannte Entrepreneurs und Investoren, darunter:

Hier seht ihr einige Impressionen aus dem letzten Jahr:

Lukrativer Wettbewerb

Ein weiterer Programmpunkt wird der Pitch-Wettbewerb sein. Alle Teilnehmer, das sind 15 Startup-Teams, haben drei Minuten Zeit, um das Publikum und eine strenge Jury, bestehend aus bekannten Investoren, von ihrer Idee zu überzeugen. Auf den Gewinner wartet ein Preis, der mit 17. 500 Euro dotiert ist.

Der Veranstaltungsort ist das HTW Audimax in Berlin. Hier bekommt ihr Tickets für die EU-Startups Conference.

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Die vermessene Ökonomie – Es könnte auch alles ganz anders sein

Es ist wohl ein Mythos, dass Unternehmen den Wettbewerb befürworten oder gar fördern. Sie hassen den Wettbewerb, sie tun alles, um ihn auszuhebeln. Sie wollen den maximalen Erfolg, aber nicht den maximalen Wettbewerb. Um wirklich uneingeschränkt effizient am Markt agieren zu können, müssen wir uns in egozentrische und amoralische Rechenmaschinen verwandeln, schreibt Colin Crouch in seinem Buch „Die bezifferte Welt“: „Wenn wir uns selbst als Rechenmaschinen begreifen, sind wir bei der Ausrichtung unseres Handelns moralischen Kriterien gegenüber immun.“

Alles soll berechenbar sein

Es dominiert der Primat der Zahlungsfähigkeit, der jegliche inhaltlichen Aspekte auslöscht. Bürger, Kunde, Objekt. Ein zentraler Anspruch der neoliberalen Ideologie und der neoklassischen Märchenerzählung ist, dass sie das Individuum in den Mittelpunkt rücke und daher humaner sei. Die Wirtschaftstheorie fischt lediglich ein bestimmtes Merkmal heraus und verabsolutiert es: unsere Fähigkeit zur pseudo-rationalen Berechnung unseres Vorteils und der Wege, auf denen wir ihn maximieren können. „Außerdem verlangt sie, dass sich dieser Vorteil in Form eines Geldbetrags ausdrücken lassen muss, da sie Geld zum einzigen Maßstab der Bemessung des Werts von Waren und Gütern einerseits und zum einzig verlässlichen Motivator unseres Handelns andererseits erklärt. Damit der Markt funktioniert, müssen alle Dinge, nach denen Menschen ein Bedürfnis haben, miteinander verglichen werden können. Andernfalls ist eine rationale Entscheidung der Frage, wo unser größter Vorteil liegt, nicht möglich. Infolgedessen werden alle Dinge, die sich entweder nicht in einen Geldwert umrechnen lassen oder durch diese Umrechnung irreparabel Schaden nähmen, als unbedeutend verworfen“, so Crouch.

Auch der Ökonomismus ist ein Werturteil

Alles andere blendet man aus, weil es ja zu verzerrenden Werturteilen führen könnte. Eine Erfahrungswissenschaft dürfe keine verbindlichen Normen oder Ideale ermitteln, um daraus für die Praxis Rezepte ableiten zu können. Im Gefolge des Werturteilstreits hat sich die Mehrheit der Ökonomen der Ansicht angeschlossen, die Wirtschaftswissenschaften hätten nicht über die Ziele des Wirtschaftens zu befinden, sondern dienten allein einer Aufklärung über den intelligentesten Gebrauch knapper Mittel, erläutert Professor Claus Dierksmeier vom Weltethos-Institut im ichsagmal.com-Interview.

Aber schon diese Reduktion ist ein Werturteil. Etwa die Anwendung des Ökonomismus auf alle Lebensbereiche, von Schule bis Medizin. Wir werden ausschließlich als Kunden betrachtet, als Objekt der Begierden. Man merkt es an der Unternehmenskommunikation, die darauf ausgelegt ist, uns mit weltweit führenden Wortblähungen zu verscheißern. Wir werden mit wohlklingenden Versprechungen umworben, also mit Angeberei und haltlosen Behauptungen. Und das führt zu einer fatalen Schieflage: „In einer Gesellschaft, in der alle öffentlichen Räume von Botschaften überflutet werden, die im Konsumieren die Antwort auf alle Lebensfragen versprechen, hat es ein an Wahrhaftigkeit ausgerichteter Diskurs um das gute Leben schwer. Dies untergräbt die kulturellen Voraussetzungen moralischer und politischer Autonomie“, kritisiert Dierksmeier in seinem Opus „Qualitative Freiheit“.

Scheinheilige Abstinenz in der Ökonomik

In der Ökonomik regiert eine scheinheilige Abstinenz bei Werturteilen. Etwa bei der „Konsumentensouveränität“, die einfach die Egozentrik von Einzelentscheidungen aggregiert und sie in der Summe als Wohl der Allgemeinheit ausspuckt. Wie von Geisterhand. Eine mathematische Schimäre, die politischen Reformen im Weg steht – zum Nachteil des Gemeinwohls und zum Vorteil für privilegierte Machteliten. Wir beschränken uns auf eine abstrakt-quantitative wirtschaftliche Freiheit eines Konsumentenstaates auf Kosten von qualitativen Freiheiten einer realen Bürgergesellschaft. Dierksmeier plädiert für einen qualitativen Liberalismus in Konfrontation mit oligarchischen und plutokratischen Strukturen. Pseudo-Liberale, die sich unter dem Deckmantel wirtschaftlicher Freiheiten ausbreiten, demontieren die Freiheit- und Bürgerrechte. Wer anderen vorschreibt, Freiheit sei allein quantitativ zu verstehen, also als Maximierung von Erträgen, Nutzen, Profiten und Einkommen, der verstößt selber gegen jene von Liberalen hochgehaltene Freiheit zur bürgerlichen Selbstbestimmung, betont Dierksmeier.

Die Kollateralschäden der Deregulierung

Man braucht sich nur die Kollateralschäden der Deregulierung anschauen, um die  Werturteilsfreiheit, die in VWL-Lehrbüchern fast religiös gepredigt wird, werten zu können. Etwa beim Investment-Banking, beim Buchhaltungsrecht oder im Sicherheitssektor. Stichworte wie WorldCom-Pleite, Lehman-Untergang, Savings and Loans-Debakel, Enron-Arthur-Andersen-Skandal mögen da ausreichen. Wir könnten jetzt noch VW, Deutsche Bank, Thyssen, RWE und Co. hinzufügen. Es gibt kein Naturgesetz und keinen Automatismus in der Ökonomik, um für Wohlfahrt zu sorgen. Es sind qualitative Bedingungen, die auch ganz anders gestaltet werden können, meint der Astrophysiker und Naturphilosoph Harald Lesch in der Philosophie-Sendung von Richard David Precht.

Was kann man ändern jenseits der Erbsenzählerei, die sich in Algorithmen, ceteris paribus-Formeln und sonstigen von Menschen gemachten mathematischen Rechenexempeln verstecken.

Auch in Algorithmen verstecken sich Werturteile

Der Mensch ist viel mehr als die Summe von Daten, die die Wirklichkeit gewichten und somit manipulieren. Es gibt in der Ökonomik keine störungsfreie Laborsituation. „Die Wirklichkeit wird durch qualitative Entscheidungen bestimmt“, sagt Lesch. Mit den Methoden der Himmelsphysik, wo im luftleeren Raum alles funktioniert, kommen wir in der Gesellschaft nicht weiter. Jeder ist gefordert, seine Entscheidungen zu begründen und sich nicht hinter Formeln, Kennzahlen, Rankings, aufgeblähten Umsätzen und Renditen zu verstecken. „Es muss grundsätzlich eine Änderung der Ökonomik herbei geführt werden, die nicht mehr von mechanistischen Paradigmen geprägt ist“, fordert Dierksmeier.

Auch Formelkonstrukteure müssen sich einem normativen Diskurs stellen

Es geht immer um Wertentscheidungen. Auch jeder ökonomische Formelkonstrukteur ist gefordert, seine Weltsicht zu erklären. Wer sich verweigert, Ziele für ein gutes Leben darzulegen, ist nicht in der Lage, einen wissenschaftlichen Diskurs zu pflegen. Das Notiz-Amt sieht die Notwendigkeit für eine Radikalkur an wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten. BWL- und VWL-Studiengänge sollten wie Kunstakademien gestaltet werden.

Das hat der bildende Künstler Jürgen Stäudtner im Abschlussgespräch der diesjährigen Next Economy Open trefflich bemerkt.


Image “economic” by falovelykids (CC0 Public Domain)


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Bunt, flauschig oder seefest: So sieht der Arbeitsplatz der Zukunft aus

Wie sieht unser Arbeitsplatz in fünf Jahren aus? Bei einem Wettbewerb des Designmagazins Metropolis Mag und dem Unternehmen Staples wurden in der vergangenen Woche die innovativsten Ideen von Designern, Architekten und kreativen Geistern ausgezeichnet. Demnach sieht das Büro der Zukunft so aus: bunt, generationsübergreifend und aufblasbar.

Dass das nicht alles Zukunftsmusik ist, zeigt ein Blick auf einige kreative Arbeitsplätze in Deutschland. Vom Coworking Space auf einem Katamaran bis hin zum Gartenhäuschen haben die ersten Unternehmen hierzulande jetzt schon das Konzept des Arbeitsraumes völlig neu erdacht.

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Quelle: Instagram – https://www.instagram.com/zalandotech

Einfach mal durchatmen: Zalandos Gartenhäuschen in Berlin

So hat das Modeunternehmen Zalando in seiner Niederlassung in Berlin beschlossen, den Mitarbeitern einen Garten zu bauen. Wenn es also mal dicke Luft im Büro gibt oder die Mitarbeiter einfach zwischendurch mal im Grünen entspannen wollen, gibt es im Innenhof von Zalandos Büros mehrere Gartenhäuschen.

Urlaub im Büro: Trivago schafft Ferienstimmung für Mitarbeiter

Trivago steht für Fernweh, Urlaub und der Flucht aus dem täglichen Grau in Grau. Die Metasuchmaschine für Hotels hilft Reisefreudigen bei der Urlaubsplanung. Damit das für die Mitarbeiter nicht nur graue Theorie bleibt, hat sich das Unternehmen für das Düsseldorfer Büro etwas Besonderes ausgedacht – thematische Landschaftsräume. Die Büroräume wurden dabei so designt, dass sie verschiedene Länder und Landschaften repräsentieren. Von der Alpenlandschaft bis hin zum Unterwasserfeeling ist so ziemlich alles dabei.

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Quelle: Trivago Pressekit

So können Mitarbeiter selbst im Winter zumindest im Geiste in der warmen Toskana arbeiten oder sich mit ihrem Laptop in einen Nordsee-Strandkorb fläzen.

Der erste Coworking Space mit Segeln: Arbeiten an Bord des Coboat

Noch einen Schritt weiter geht dabei das Coboat. Anstatt die Urlaubsstimmung an den Arbeitsplatz zu holen, bringt das Coboat die Arbeiter in den Urlaub. Als weltweit erster Coworking Space auf einem Katamaran verwandelt das Coboat ein Segelboot in ein Büro … oder ist es doch andersherum? Egal!

In diesem Jahr jedenfalls stach das Coboat zum ersten Mal in See und segelte dabei von Thailand bis zu den Kanarischen Inseln. Mit solidem WLAN an Bord, einer entspannten Atmosphäre und der wohl besten Büroaussicht aufs azurblaue Meer zieht das Coboat Onlineunternehmer, digitale Nomaden und Kreative gleichermaßen an.

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Quelle: Coboat

Einer der Passagiere an Bord des Katamarans war Jennifer Lachs, digitale Nomadin und Gründerin der Facebook-Gruppe „Digital Nomad Girls“. Lachs war so begeistert vom segelnden Coworking Space, dass sie am liebsten gar nicht mehr von Bord wollte. Denn trotz der Urlaubskulisse ließe es sich wunderbar arbeiten, erzählt Lachs im Netzpiloten-Interview: „Man würde ja denken, dass das tolle Umfeld einen vom Arbeiten ablenkt, aber für mich wirkt es eher motivierend. Je schneller ich meine Aufgaben erledigt habe, umso schneller kann ich ins Wasser springen.“

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Quelle: Coboat

InnoGames setzt auf verspielte Büros

Da wir schon beim Schwimmen während der Arbeit sind – auch bei InnoGames in Hamburg wird das Eintauchen in verschiedene Welten groß geschrieben. Offensichtlich waren den Innenarchitekten die typischen Chill-Out-Zonen mit Flipper und Tischtennistischen zu langweilig. Für die Mitarbeiter des Videospielentwicklers gibt es sogar thematische Büroräume. Senior PR-Managerin Sarah Sellner erklärt gegenüber den Netzpiloten die Hintergründe der Designs: „Unsere Meetingräume orientieren sich an bekannten Spieleklassikern. Die Mitarbeiter konnten sich vor der Neugestaltung des Gebäudes im Rahmen einer Umfrage aktiv einbringen und ihre Ideen und Wünsche äußern. Ziel war es, die kreative und verspielte Atmosphäre von InnoGames als Arbeitgeber zu unterstützen und den Mitarbeitern Raum für frische Ideen zu geben.“ Warum also nicht beim geschäftlichen Meeting in „Tausendundeine Nacht“ eintauchen?

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Quelle: InnoGames, Image by Daniel Sumesgutner

Innovativ aber noch sehr statisch

Auch wenn die meisten Arbeitsplätze immer noch nach wie vor statisch sind – es bewegt sich langsam was in der deutschen Bürolandschaft. Was dürfen wir also vom Arbeitsplatz der Zukunft hierzulande erwarten?

Arbeitszeit und Freizeit scheinen immer mehr miteinander zu verschmelzen. Arbeiten und Ausspannen sind keine getrennten Konzepte mehr, sie gehen in diesen Büros Hand in Hand. Es scheint auch einen Trend weg von der Funktionalität und Effizienz zu geben. Unternehmen gestalten ihre Büros tatsächlich so, dass die Mitarbeiter sich darin wohl fühlen – und nehmen auch ihren Input an. Dabei sind der Fantasie offensichtlich keine Grenzen gesetzt. Wir sind also gespannt auf mehr Innovationen am Arbeitsplatz.


Image „office“ by JanBaby (CC0 Public Domain)


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Eine Lehrstunde für die nächste Generation der Netzsicherheitsexperten

Es scheint derzeit, als gebe es täglich neue Berichte über Hacks, Verletzungen der Privatsphäre, Bedrohungen für die nationale Verteidigung oder unsere schwierig zu händelnde Infrastruktur, sogar über Stilllegungen von Krankenhäusern. Die Attacken werden ausgereifter und öfter von Nationalstaaten und kriminellen Kartellen verübt, der Mangel an bekämpfenden Kräften wird immer deutlicher: Bis 2020 wird die Netzsicherheitsindustrie 1,5 Millionen Arbeiter mehr brauchen als es bis dahin geben wird.

Ich habe die Cyber Security Awareness Week (CSAW), eine Woche für die Bewusstheit für Netzsicherheit, im Jahr 2003 mit einer Gruppe von Studenten gegründet. Das Ziel war, mehr Ingenieurstudenten in unser Netzsicherheitslabor zu bekommen. Wir haben Wettbewerbe erschaffen, die den Studenten die Möglichkeit gaben, in der echten Welt ihr Wissen, ihr Improvisationsgeschick und Entwürfe für neue Lösungen für Sicherheitsprobleme unter Beweis zu stellen.

Im letzten Jahrzehnt bekamen unsere Mühen mehr Interesse von Lehrenden, Studenten, Unternehmen und Regierungen und zeigte einen Weg den bevorstehenden Mangel an Netzsicherheitsfachkräften zu unterbinden. Heutzutage ist die CSAW mit mehr als 20.000 beteiligten Studenten aus aller Welt die größte Netzsicherheitsveranstaltung in der Welt, die allein von Studenten ausgerichtet wird. Personalreferenten aus Amerikas Heimatschutz-Ministeriums und anderer großer Unternehmen beobachten und bewerten jeden Wettbewerb.

Aber die Vorbereitung für Talente in der Netzsicherheit kann nicht erst in den Universitäten beginnen. High School-Schüler und Lehrer beteiligen sich ebenfalls in den CSAW-Veranstaltungen, um jungen Menschen Informatik und Mathematik beizubringen, um auf Universitätslevel zu bestehen.

Schülern Konkurrenzgedanken beibringen

Das Highlight der CSAW ist die ‚Capture the Flag‘-Veranstaltung, ein Wettbewerb, in dem Teammitglieder ihre Fähigkeiten zusammenbringen, um neue Hackermethoden in der echten Welt zu lernen. Benannt nach dem Outdoor-Spiel, bei dem zwei Teams die gegnerische Flagge finden und stehlen müssen, beinhaltet es mehrere Spiele, die eine großen Bereich von Informationssicherheitsfähigkeiten, wie Kryptographie (Codes erstellen und knacken), Steganographie (verstecke Nachrichten in harmlosen Bildern oder Videos) und Handysicherheit abdecken.

Die Teams bekommen ein System zugeordnet, das Sicherheitslücken hat. Sie bekommen ein Zeitlimit, um diese zu identifizieren und zu beheben. Dann wird jedes Team einem Gegner zugeordnet und muss sein eigenes System beschützen, während es das gegnerische angreift. Die versteckten „Flaggen“ sind Datenpakete, die im gegnerischen System gespeichert sind.

In der realen Welt würden diese kritische Informationen enthalten – wie Kreditkartennummern oder Codes für Kontrollwaffen. Im Spiel enthalten sie Informationen, die beweisen, dass das Team die „Flagge erobert“ hat, mit denen das Team eine gewisse Anzahl von Punkten erhält, basierend auf dem Schwierigkeitsgrad der jeweiligen Herausforderung.

Es gibt viele ‚Capture the Flag‘-Wettbewerbe im ganzen Land, wobei unsere Veranstaltung wohl eine der berühmtesten in dieser Woche ist. Es ist auch die aufreibendste: Die Teams müssen durchgängig arbeiten, zudem wird geprüft, ob die Teilnehmer fokussiert genug sind, um neue Lösungen für aufkommende Probleme zu erschaffen.

Diese Art des Lernens, basierend auf Herausforderungen, ist unermesslich wichtig in einem Themenfels, bei dem neue Bedrohungen regelmäßig auftreten. Es macht den Studenten bewusst, was der Gegner denkt – dies gilt als essenzielle Fähigkeit für erfolgreiche Sicherheitsexperten. Es ist ein entscheidender erster Schritt, die unterschiedlichen Wege ein System selbst einzubrechen, um zu lernen, wie man es sichert.

Spontane Anpassung

In einem CSAW-Wettbewerb, der Embedded Security Challenge, brechen Studenten in Teams ein, die schnell arbeiten müssen, um anzugreifen und sich gegenseitig vor unterschiedlichen Gefahren zu schützen. Dies ist also ebenso ein Angriffs- und Verteidungsspiel wie ‚Capture the Flag‘, konzentriert sich aber eher auf Anfälligkeiten der Hardware als auf die der Software. Letztes Jahr bekamen die Wettbewerber die Aufgabe, die digitalen Ergebnisse einer Testwahl zu verändern – was mögliche reale Gefahren für alltägliche Wahlen aufdeckt.

Diese Fähigkeit, sich schnell auf neue Gefahren einzustellen, wird als oberste Priorität für Sicherheitspersonal angesehen. Es ist ein Hauptmerkmal aller CSAW-Wettbewerbe – die Idee, dass erfolgreiche Internetsicherheit nicht darin besteht, das Bekannte zu meistern. Studenten und Experten müssen eher gleichermaßen konstant daran arbeiten, ihre Fähigkeiten, zukünftige Gefahren in einem stets wachsenden Gebiet zu unterbinden, auszubauen.

Die Internetsicherheitsindustrie und alle Einsätze, die darauf aufbauen – von Kleinunternehmen bis zu großen Militäreinsätzen – hängt von der Fähigkeit ihrer Profis ab, Neuerungen zu schaffen. Jedes Jahr verändern wir die Art der Herausforderungen, um neue Gefahren darzustellen, wie zum Beispiel der aktuelle Anstieg von Ransomware.

Der Aufwand in der Netzsicherheit muss nationale Grenzen deutlich überschreiten: Dieses Jahr wird die CSAW die internationalen Aktivitäten dramatisch ausbauen. Eine Zusammenarbeit mit NYU Abu Dhabi und dem Indian Institute of Technology Kanpur ermöglicht Teams im Mittleren Osten, Indien, Nordafrika und den Vereinigten Staaten gleichzeitig am Wettbewerb teilzunehmen.

Die Wettbewerber dieser Spiele in einem pädagogischen Umfeld, in Amerika und in der ganzen Welt, werden in kürzester Zeit unserer empfindlichsten persönlichen und nationalen Daten schützen. Sie müssen vorbereitet sein.

 

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „hacking“ by joffi (CC0 Public Domain)


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Regelbrecher beim alternativen Wirtschaftsbuchpreis – Martin Gaedt gewinnt den #AWB16

Buch (Image by Shawn Reza [CC0 Lizenz] via Pexels)

Auf Facebook äußerte sich Anfang der Woche massive Kritik am diesjährigen Handelsblatt-Wirtschaftsbuchpreis, der traditionell zur Frankfurter Buchmesse stattfindet.

Hauptkritik von Nils Pfläging: „Der Buchpreis ist meiner bescheidenen Ansicht nach komplett falsch – nicht nur schlecht kuratiert. Beispiel Shiller/Akerlof – sollten die wirklich für den deutschen Wirtschaftsbuchpreis nominiert sein?“ Zumindest könnte man das differenzierter angehen und eine internationale Kategorie einführen. Die Liste glänzt neben wenigen Ausnahmen auch in diesem Jahr mit den üblichen Prominenten – Keese, Schäuble, Sinn, Wagenknecht und Co. Dabei gibt es nach Ansicht von Professor Lutz Becker extrem gute deutschsprachige Wirtschaftsbücher, die nie in einem Ranking erscheinen. Grund genug, spontan einen alternativen Wirtschaftsbuchpreis ins Leben zu rufen und die Nominierung kollaborativ im Netz vornehmen zu lassen.

ichsagmal.com explodierte

Herausgekommen ist eine bunte Mischung von Werken, die man auf dem ersten Blick gar nicht als ökonomische Abhandlung verortet. Etwa: Ulrike Guérot: „Warum Europa eine Republik werden muss – Eine politische Utopie“, Dietz-Verlag, 2016. Oder: Felix Stalder: „Kultur der Digitalität“, Suhrkamp Verlag, 2016. Sieben Bücher wurden nominiert.

Der Wettbewerb entfaltete bei seinem Kaltstart eine große Resonanz. Der ichsagmal.com-Blogbeitrag wurde 431 Mal auf Facebook geteilt, intensiv auf Twitter kommentiert und mit einigen Proklamationen begleitet.  8.345 Stimmen wurden abgegeben bei knapp 4.000 Seitenaufrufen am finalen Abstimmungstag. Mehrfach-Votings waren möglich, was von zwei Buchfan-Fraktionen weidlich genutzt wurde. Man kennt das ja von TV-Abstimmungen beim Eurovision Songcontest. Die Zahl der Einzelaufrufe zeigt aber, dass sich sehr viele Buchbegeisterte für ihre Favoriten ins Zeug legten.

Autor mit Netzwerkstärke

Sieger des ersten alternativen Wirtschaftsbuchpreises #awb16 ist Martin Gaedt mit seinem Opus „Rock your idea – Mit Ideen die Welt verändern“, erschienen im Murmann-Verlag. Das kristallisierte sich erst in den letzten vier Stunden des Votings heraus. Am Donnerstagabend sah Claus Dierksmeier mit seinem Buch „Qualitative Freiheit: Selbstbestimmung in weltbürgerlicher Verantwortung“ wie der sichere Sieger aus.

Das Netzwerk von Gaedt bewies wohl die größere Ausdauer oder hatte die schnelleren Finger. Gaedt setzte sich mit 58 Prozent durch. Dierksmeier verzeichnete 38 Prozent. Alle nominierten Autorinnen und Autoren vereint die Originalität ihrer Gedanken. So reibt sich Gaedt in seinem Buch an der Konformität des Wirtschaftslebens, wie der frühere Personalvorstand Thomas Sattelberger. Blind und unaufmerksam werde alles Unpassende bei der Rekrutierung aussortiert. Genau dieses Unpassende sei aber für Innovationen so wichtig.

Fluch der Gleichheit

„Mitarbeiter verstärken den Fluch der Gleichheit, wenn jeder liest, was alle lesen, und jeder sieht, was alle sehen. Dann fehlt Fremdes, Paradoxes und Unpassendes. Branchenvertreter gehen auf dieselben Fachmessen, lesen dieselben Magazine und werden von ihren Kollegen im Gleichen bestärkt, die dasselbe denken, machen, lesen und berichten“, schreibt Gaedt. Es dominieren in Organisationen dressierte Äffchen, Ja-Sager und Schmeichler, in der unangenehmen Form sogar Schleimer, die es jedem recht machen wollen.

Gaedt plädiert dagegen für die Suche nach Regelbrechern, um Routineunternehmen ins Wanken zu bringen, die in erster Linie die Erfolge der Vergangenheit verwalten. Professor Claus Dierksmeier zählt als zweitplatzierter Buchautor mit seinem Plädoyer für qualitative Freiheit eher zu den unangepassten Denkern. Er ist ein Regelbrecher der besonderen Art, denn er wagt das Unterfangen, den politischen Liberalismus neu zu definieren. Und das ist überfällig.

Ökonomistische Liberale im Niedergang

Man erkennt es am Niedergang der FDP, die in den vergangenen 20 Jahren eher einer ökonomistischen Variante des Freiheitsbegriffes gefolgt ist.

Gegen die Marktvergötzung quantitativer Liberaler ist als qualitatives Grundprinzip festzuhalten: Die Freiheit zur Selbstbestimmung soll durch Märkte realisiert, nicht unterminiert werden. Der Markt hat den Menschen und ihrer Freiheit zu dienen, nicht umgekehrt.

Liberale auf dem politischen Parkett sollten aufhören, von der Notwendigkeit einer marktkonformen Demokratie zu faseln, die sich in den einzelnen Unternehmen als Gehorsamskäfig abspielt. Wer ausschließlich in das Horn der ökonomischen Maximierung bläst, hintergeht die Freiheit zur bürgerlichen Selbstbestimmung und blendet das Machtgehabe von Konzernen und großen mittelständischen Unternehmen aus. Auch hier ist ein Regelbruch vonnöten. Qualitativer Liberalismus steht in Konfrontation mit oligarchischen und plutokratischen Strukturen, die sich unter dem Deckmantel wirtschaftlicher Freiheit ausbreiten und Bürgerrechte mit Füßen treten. Insgesamt ein erfreuliches Aufmerksamkeitsspektakel, das mit dem alternativen Wirtschaftsbuchpreis losgetreten wurde. Alle Nominierten sind Gewinner. 

Mit dem Sieger und dem Co-Sieger werde ich in den nächsten Wochen Autorengespräche via Hangout on Air führen und ausführlich auf die beiden Bücher eingehen. Das Notiz-Amt freut sich schon auf den #AWB17 – der wird dann früher gestartet und mit Talkformaten auf der Frankfurter Buchmesse begleitet.


Image „Buch“ by Shawn Reza (CC0 Public Domain)


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Faire Paralympics: Wie das Klassifikationssystem der Spiele funktioniert

BT Paralympic World Cup 2009 Athletics Men's T54 - 800 Metres. (adapted) (Image by Stuart Grout [CC BY 2.0] via flickr)

Voraussichtlich Millionen von Menschen werden bei den Paralympics in Rio de Janeiro in diesen Tagen zusehen. Die Chancen stehen gut, dass man einen Schwimmer mit einem Bein auf dem Block neben einem Schwimmer mit zwei Beinen und zwei Armen sehen wird. Doch wie fair geht es dort zu? Das Geheimnis ist ein Prozess, der Klassifikation genannt wird. Das Konzept liegt dem gesamten paralympischen Sport zugrunde, aber es – und seine praktische Anwendung – ist wahrscheinlich das größte Hindernis beim Verständnis der Paralympics in der breiten Öffentlichkeit. Klassifikation ist der Prozess der Einteilung von Athleten in Gruppen, so dass sie gegen andere antreten, deren Beeinträchtigung sie zu einem ähnlichen Grad bei der Ausübung ihres Sports beeinflusst.

Wer kann antreten?

Die Paralympics sind für Athleten mit einer physischen, geistigen oder visuellen Beeinträchtigung. Aber nicht jede Person mit einer Behinderung ist für die Paralympics geeignet, und nicht jeder geeignete Athlet der Paralympics eignet sich für jeden Sport. Einige Sportarten, wie Leichtathletik oder Schwimmen, bieten Disziplinen für Athleten mit allen Beeinträchtigungen, die die Voraussetzung eines bestimmten Schwellenwerts der Behinderung erfüllen. Andere Sportarten, wie beispielsweise Fußball CP oder Goalball, sind für Athleten mit einer bestimmten Form der Beeinträchtigung reserviert. Das erste Element der Klassifikation ist also, zu bestimmen, ob ein Athlet eine Beeinträchtigung hat, die ihn für eine Sportart qualifiziert. Das zweite Element ist, die Gruppe des Athleten innerhalb der Sportart festzulegen. Sportarten wie Schwimmen haben ein funktionales Klassifikationssystem entwickelt, bei dem alle qualifizierten Athleten mit einer körperlichen Beeinträchtigung in eine von zehn Klassen eingeteilt werden (S1 bis S10). Diese basieren auf der Einschränkung ihrer Schwimmfähigkeit, die durch den Grad ihrer Beeinträchtigung bestimmt wird. Das bedeutet, dass Athleten mit einer Rückenmarksverletzung im selben Rennen schwimmen können wie Athleten mit zerebraler Kinderlähmung oder fehlenden Gliedmaßen. Das heißt aber auch, dass es möglicherweise bis zu 14 Durchgänge für eine einzige Schwimmdistanz bei jeder Durchführung der Paralympics gibt. Es gibt einen für jede der zehn körperlichen Klassen, drei Klassen für Sehbeeinträchtigungen und eine Klasse für Athleten mit geistigen Beeinträchtigungen.

Hoch- und Niedrigpunkter

Sportarten mit restriktiveren Qualifizierungskriterien beinhalten etwa Rollstuhl-Basketball, bei dem Athleten eine Beeinträchtigung haben müssen, die sie daran hindert, das Spiel für Nichtbehinderte zu spielen. Die Athleten werden dann nach dem Level ihrer Beeinträchtigung in einem Rollstuhl klassifiziert und erhalten eine Punktwertung. Spieler mit den geringsten Beeinträchtigungen erhalten die meisten Punkte (4,5) und die am meisten beeinträchtigten Spieler erhalten die wenigsten Punkte (bis zu 1,0). Um zu verhindern, dass das Spiel von Athleten mit hohen Punktwerten bestimmt wird, darf jedes Team insgesamt lediglich 14 Punkte zu jeder Zeit auf dem Spielfeld haben. Rollstuhl-Rugby nutzt ein ähnliches System, wobei die Punktwerte zwischen 0,5 und 3,5 liegen und bei vier Spielern höchstens 8 Punkte auf dem Spielfeld sein dürfen. Spieler mit hohen Punktwerten sind die Vorzeigespieler, aber jeder hat seine Rolle auf dem Spielfeld.

In der richtigen Gruppe

Ausgebildete medizinische Experten führen den Klassifikationsprozess durch, der auf umfangreichen Daten und Analysen beruht, die im Laufe vieler Jahre gemacht wurden. Es gibt ein strenges Bewertungs- und Berufungsprozedere. Aber es gibt unvermeidlich eine Bandbreite an Beeinträchtigungen innerhalb einer einzigen Gruppe, und es ist für jeden Athleten von Vorteil, zu den weniger beeinträchtigten Athleten innerhalb dieser Klasse zu gehören. Beispielsweise wurde die australische Schwimmerin Jaqueline Freney ursprünglich der Klasse S8 zugeordnet und gewann in dieser Klasse bei den Spielen 2008 in Peking drei Bronzemedaillen. Aber die australischen Behörden glaubten, dass Freney der falschen Gruppe zugeteilt worden war. Nach einem Berufungsprozess trat sie bei den Spielen 2012 in London in der Klasse S7 an und gewann acht Goldmedaillen. Wäre Freney in der Gruppe geblieben, in die sie ursprünglich (und fälschlicherweise) eingeteilt war, wäre sie in London bei vielen S8-Disziplinen leer ausgegangen. Da die Paralympischen Spiele immer bekannter und konkurrenzbetonter werden, steigt der Druck auf den Klassifikationsprozess, es richtig zu machen, und auf die Athleten, ihre Klassifikation zu optimieren. Die Klassifikatoren nutzen eine Bandbreite praktischer Tests und beobachten die Athleten in Wettkämpfen, wenn sie ihre Entscheidung treffen.

Betrüger den Garaus machen

Unvermeidlicherweise gibt es auch Betrugsanschuldigungen, manchmal auch bewusst falsche Darstellung genannt, bei der Athleten vorgeben, einen stärkeren Grad der Beeinträchtigung zu haben, als dies eigentlich der Fall ist. Das berühmteste Beispiel ist wohl der Fall des spanischen Basketballteams mit geistigen Beeinträchtigungen bei den Spielen im Jahr 2000 in Sydney. Nachdem das Team die Goldmedaille gewonnen hatte, stellte sich heraus, dass zehn der zwölf Spieler die Kriterien der Beeinträchtigung nicht erfüllten. Das australische paralympische Komitee beschäftigt einen Klassifikationsmanager, um die Athleten und den australischen Sport zu unterstützen, und hat ein umfassendes Klassifikationsprogramm. Die Athleten der richtigen Gruppe und dem richtigen Sport zuzuordnen kann bezüglich auf die Freude am Sport und ihren Chancen, auf paralympischen Niveau Erfolg zu haben, einen enormen Unterschied ausmachen. Man muss das Klassifikationssystem nicht verstehen, um die Paralympischen Spiele zu genießen. Ein besseres Verständnis kann aber zu einer höheren Wertschätzung der Prinzipien dieses besonderen Wettkampfes führen. Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „BT Paralympic World Cup 2009 Athletics: Men’s T54 – 800 Metres.“ by Stuart Grout (CC BY 2.0)


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Wie Uber in China abgestürzt ist

taxi (image by laurapuig4 [CC0] via pixabay)

Uber hat seinen Austritt aus dem chinesischen Taximarkt durch eine Fusion mit dem Erzrivalen Didi Chuxing in einem 35 Milliarden US-Dollar schwerem Deal bekannt gegeben. Uber verkauft sein operatives Geschäft an Didi, wobei Berichten zufolge Investoren von Uber China einen Anteil von 20% an Didi erhalten.

Dies steht für eine große Niederlage für den Technik-Giganten aus San Francisco nach einer langen und hart umkämpften Schlacht um die Vorherrschaft um Chinas Taximarkt. Uber versuchte, dort erfolgreich zu sein, wo andere westliche Unternehmen gescheitert waren und musste, wie auch Google und Amazon zuvor erkennen, dass die chinesischen Märkte stark konkurrenzbetont, bei sehr geringen Handelsspannen sind. Zu allem Überfluss wurde Uber Opfer des Geschäftsmodells, dass seinem Erfolg in zahlreichen anderen Ländern zugrunde liegt – dem Netzwerkeffekt.

Ubers Geschäftsmodell basiert darauf, als Erster einen Markt zu betreten, um dann seine Größe und seine Ausmaße so rasant zu entwickeln, dass folgende Wettbewerber benachteiligt sind, bis hin zu einem erzwungenen Marktaustritt. Ubers Erfolg in anderen Ländern folgte dieser Formel. Durch seine Position als Erster am Markt erzeugt Uber rasantes Wachstum durch Subventionen, sodass sowohl günstige Fahrten für Passagiere angeboten, als auch Fahrer mit Boni angelockt werden können.

Wenn die Passagierzahlen steigen, zieht dies auch mehr Fahrer an, die mehr Einnahmen durch die Beförderung erhalten. Höhere Fahrerzahlen führen zu einer schnelleren Reaktion auf Kundenbedürfnisse und geringere Kosten – und so gewinnt man Kunden. Dieses Modell führt üblicherweise zu einer Situation, in der der Sieger alles für sich beansprucht, da die, die später auf den Markt drängen, ebenso Passagiere anlocken müssen, ohne jedoch die Fahrer vorrätig zu haben, um einen wettbewerbsfähigen Service anbieten zu können.

Zweitbester

Das Modell des Netzwerkeffektes schüttete Uber Dividenden in den USA und vielen europäischen Städten aus, doch in China war Didi Chuxing zuerst da. Als Produkt einer Fusion zwischen den führenden einheimischen Unternehmen am Taximarkt, den Diensten Didi Dache und Kuaidi Dache, wird der Marktanteil von Didi Chuxing auf 80 Prozent geschätzt. Dieser kommt ebenfalls durch den offensiven Einsatz von Subventionen zustande.

Wer später dazustößt, kann eigentlich auch gleich aufgeben. Die Kosten, die überwunden werden müssen, um den Marktführer hinter sich zu lassen, sind enorm, wie Uber in China erfahren hat. Die Versuche, in den chinesischen Markt mit Hilfe von Rabatten und Werbung einzutreten, haben zu Unternehmensverlusten von etwa 2 Milliarden US-Dollar geführt.

Der Drang, den chinesischen Markt zu dominieren, kam direkt von Uber-Chef Travis Kalanick. Er war an Ubers Lancierung in China stark beteiligt – das erste Mal bei einer Reise zur Markterschließung im April 2013. Andernorts haben sich seine Investitionen im Allgemeinen ausgezahlt. Mit den Profiten aus Geschäften in 75 anderen Ländern, die die Geschäfte in China subventionieren, hatte Kalanick zweifellos gehofft, dass sich die Investition in China am Ende genauso auszahlen würde. Letztlich musste man sich mit einer Hilfestellung von Didi Chuxing zufriedengeben, bei der man wenigstens noch das Gesicht wahren konnte.

Das Versprechen und die Fallstricke Chinas

Der chinesische Markt wurde schon zum Investitionsgrab für viele westliche Unternehmen. Trotz Sensibilität für die einzigartigen Eigenschaften des chinesischen Marktes (etwa durch den Aufbau eines eigenen Konzerns wie Uber China, um mit lokalen Investoren zusammenzuarbeiten), teilt Uber dieses Schicksal.

Obwohl die chinesischen Märkte hunderte Millionen Konsumenten bieten, sind sie sehr wettbewerbsorientiert. Nicht nur, dass Technologie und Know-How schwer zu schützen sind, die Wettbewerber sind oft verstaatlicht und müssen keinen Gewinn abwerfen. Didi Chuxing erhält erhebliche Investitionen von Chinas Internet-Giganten Tencent und Alibaba, ebenso vom Staatsfonds des Landes CIC sowie von Apple.

Wenn Unternehmen sich weltweit ausstrecken, benötigen sie üblicherweise einen Partner, der die Kultur, die Kontakte, den Vertrieb und den Markt selbst versteht. Das Ziel ist in der Regel, den örtlichen Partner zu übernehmen, sobald der multinationale Konzern Verständnis für den Markt entwickelt hat. Doch in China kommt durch die Schwierigkeit des Marktes häufig das Gegenteil vor, so dass multinationale Konzerne von ortsansässigen Partner aufgekauft werden.

Beispielsweise wurde die Biermarke Snow des Brauereigiganten SABMiller, die schätzungsweise 20 Prozent der Anteile des chinesischen Biermarktes hält, zu Jahresbeginn für einen Spottpreis von 1,5 Milliarden US-Dollar an China Resource Enterprise, seinen staatseigenen Partner, verkauft. Andere Unternehmen wie Tesco und Groupon haben den Markt ebenfalls verlassen. Westliche Unternehmen bringen oft ihr Wissen, ihre Erfahrungen, ihre Technologie und ihr Können mit – und lassen sie dann da. Im Fall von Uber ist dies die Gegenleistung für 20 Prozent Aktienbeteiligung an Didi Chuxing. Wenn Yahoos Erfahrungen mit Alibaba etwas sind, nach dem man sich richten kann, könnte dies der beste Weg sein, um profitabel an diesem schwierigen Markt beteiligt zu sein.

Insgesamt zeigt Ubers Ausstieg die Problematik später Markteintritte in web-basierten „Netzwerk-Märkten“, die auf einen Wandel in der Technologie oder der Markttrends warten müssen, bevor sie florieren. Er zeigt auch die Schwierigkeit der chinesischen Märkte, die ein enormes Marktvolumen bieten, aber in hohem Maße wettbewerbsorientiert sind. Der Vorteil liegt oft bei ortsansässigen Wettbewerbern. Hierbei reiht sich Uber in eine lange Kette von Unternehmen aus der ganzen Welt ein, deren Vorstandsetagen ihre Verluste in Chinas Märkten bedenken und ihre Möglichkeiten abwägen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „Taxi“ by laurapuig4 (CC0 Public Domain)


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Wie smarte Medikamente den Arbeitsplatz wettbewerbsfähiger machen

Capsule (Image by stevepb (CC0 Public Domain) via Pixabay)

Wir leben in einer zunehmend auf Wettbewerb beruhenden Welt, in der wir immer mehr versuchen, einen Vorteil gegenüber unseren Rivalen zu erlangen, manchmal sogar gegenüber unseren eigenen Kollegen. In manchen Fällen kann dies Leute zu extremen, ethisch nicht vertretbaren und sogar rechtswidrigen Methoden drängen – etwas, das wir vor Kurzem beim Doping-Skandal gesehen haben, der die Welt der Athleten getroffen hat.

In einer kürzlich erschienenen Abhandlung haben wir herausgefunden, dass Menschen zunehmend leistungssteigernde Medikamente für gewöhnliche Aufgaben verwenden, die vom Ablegen von Prüfungen, zum Halten von Präsentationen und der Führung wichtiger Verhandlungen reichen. Diese „kognitiven Verstärker” – wie zum Beispiel Antidepressiva, BetaBlocker (zur Behandlung von Herzkrankheiten und Angstzuständen) oder “smarte Medikamente” – können Energie und Stimmung steigern und uns so dabei helfen, mit weniger Schlaf besser zu performen. Aber ist es für gesunde Personen sicher, solche Medikamente zu nehmen? Und ist es richtig?

Smarte Medikamente schließen Modafinil (üblicherweise zur Behandlung von Schlafstörungen verwendet) und Methylphenidat, auch bekannt als Ritalin (zur Behandlung von ADHS eingesetzt), mit ein. Diese Medikamente machen uns aufmerksamer, fokussierter und wacher – es ist verständlich, warum sie so beliebt sind. In der heutigen Wissensökonomie brauchen wir dynamische und flexible Gehirne, um am Arbeitsplatz herauszustechen. Anspruchsvolle Jobs fordern von uns, dass wir anpassungsfähig und in der Lage sind, Entscheidungen unter Zeitdruck oder unter hohem Risiko zu treffen. Wir müssen aufmerksam sein, ein gutes Gedächtnis sowie großartige Planungs- und Problemlösungskompetenzen haben, aber auch die Fähigkeit, die Standpunkte anderer zu lesen und zu verstehen. Die Bewahrung von Motivation und Ausdauer auch in schwierigen Situationen und unter Stress ist ebenfalls entscheidend.

Wir beginnen gerade erst zu verstehen, wie weit verbreitet die Nutzung smarter Medikamente ist. In einer Onlineumfrage aus dem Jahr 2008, durchgeführt vom Journal Nature, bei der 1.400 Personen in 60 Ländern befragt wurden, hat einer von fünf Befragten angegeben, kognitionsverstärkende Medikamente zu nehmen, um die Fokussierung, Konzentration oder das Gedächtnis zu stimulieren. Diese Studie hat speziell die Nutzung von Beta Blockern, Ritalin und Modafinil betrachtet.

Mittlerweile hat eine im Jahr 2015 durchgeführte Umfrage unter 5.000 Mitarbeitern einer deutschen Krankenversicherung geschätzt, dass rund 6,7 Prozent Medikamente verwenden, um ihre Performance zu steigern oder Angstgefühle zu bewältigen, ein Anstieg von 4,7 Prozent im Jahre 2009. Dennoch könnte der wahre Anteil viel höher sein, da manche Leute eine solche Nutzung nur ungern wahrheitsgemäß angeben. Studien haben zudem geschätzt, dass etwa 10 bis 15 Prozent der Studenten weltweit kognitive Verstärker, unter anderem Ritalin und Modafinil, nutzen.

Vielversprechende Effekte

Universitätsstudenten und Akademiker geben üblicherweise an, dass sie kognitive Verstärker aus drei Hauptgründen nutzen: Um einen Wettbewerbsvorteil zu erlangen; um die Effekte eines Jet Lags oder unzureichenden Schlafes zu bewältigen, um wach und munter zu bleiben und Höchstleistungen zu erbringen und um die arbeitsbezogene Motivation zu steigern. Wir wissen, dass, wenn die Aufgaben langweilig sind, es schwierig ist, in den Arbeitsflow reinzukommen – und es ist viel leichter, Dinge aufzuschieben und stattdessen auf unseren Lieblingswebseiten zu surfen.

In meinem eigenen Labor haben wir die Effekte von Modafinil und Methylphenidat (Ritalin) untersucht. Wir haben Verbesserungen einer Vielzahl von kognitiven Funktionen festgestellt, unter anderem anhaltende Aufmerksamkeit und Konzentration, Gedächtnis, Planung und Problemlösung. Außerdem hat Modafinil die aufgabenbezogene Freude oder Motivation gesteigert.

Aber es geht nicht nur um die Verbesserung der Leistung bei „alltäglichen Aufgaben”. Für manche Mitglieder unserer Gesellschaft, wie zum Beispiel Ärzte oder Mitglieder des Militärs oder der Flugsicherung, könnten sich die Gehirnleistung steigernde Medikamente als lebensrettend erweisen. In der Tat haben wir herausgefunden, dass an Schlafentzug leidende Ärzte in Situationen, die eine effiziente Informationsverarbeitung, flexibles Denken und eine Entscheidungsfindung unter Zeitdruck erfordern, von Modafinit profitieren könnten.

In diesen Studien mit Modafinil sind die Nebenwirkungen relativ gering. Aber während all dies recht positiv klingt, handelt es sich um frühe Studien mit einer begrenzten Anzahl an Teilnehmern. In Anbetracht der steigenden Nutzung solcher Medikamente benötigen wir dringend langfristige Studien über ihre Sicherheit und Wirksamkeit bei der Nutzung durch gesunde Leute.

Spiele und Gehirnstimulation

Natürlich sind Medikamente nicht der einzige Weg, um unsere kognitiven Fähigkeiten zu steigern. Es gibt eine zunehmende Ausbreitung von Gehirntraining-Spielen, von denen viele Behauptungen aufstellen, die schwierig zu belegen sind. Basierend auf wissenschaftlichen Daten haben ich und meine Kollegen bereits im vergangenen Jahr gezeigt, wie ein Spiel dazu verwendet werden kann, das Gedächtnis von schizophrenen Patienten zu verbessern. Zusammen mit einem Spielentwickler haben wir das „Wizard Memory Game“ geschaffen, das als App auf Tablets und Smartphones läuft.

Nicht-invasive Geräte zur Gehirnstimulation werden nun auch von gesunden Leuten genutzt, zum Beispiel die “transkranielle Gleichstromstimulation”, bei der Elektroden verwendet werden, die auf der Kopfhaut platziert werden und leichten elektrischen Strom aussenden. Dies könnte in der Lage sein, den Lernprozess zu beschleunigen – wir sehen sogar Videospieler, die diese Technologie verwenden, um einen Wettbewerbsvorteil zu erlangen.

Falls nichts davon ansprechend klingt, gibt es eine Low-Tech-Lösung, um die “Intelligenz” künstlich zu steigern: Bewegung. Diese stimuliert die Produktion von neuen Gehirnzellen und verbessert die Wahrnehmung, Stimmung und die physische Gesundheit – und somit das allgemeine Wohlbefinden.

Obwohl es Gründe dafür gibt, dass wir im Allgemeinen Verbesserungen der Gesundheit des Gehirns und des geistigen Wohlbefindens fördern sollten, ist die Nutzung von kognitiven Verstärkern, die nur auf rechtswidrige Weise erworben oder in Anspruch genommen werden können, zum Beispiel Ritalin, gefährlich und kontrovers. Manche Studenten fühlen sich gezwungen, solche leistungssteigernden Medikamente einzunehmen, weil sie sehen, dass andere Studenten diese nutzen und sie selbst nicht zurückfallen wollen.

Als Antwort an besorgte Studenten hat die Duke Universität im Jahre 2011 ihren Ehrenkodex erweitert und erklärt, dass “die unerlaubte Nutzung von verschreibungspflichtigen Medikamenten zur Steigerung der akademischen Leistung” eine Form des Betrugs sei. Solange diese leistungssteigernden Medikamente nicht für die Nutzung durch gesunde Personen zugelassen sind, ist es am besten, andere Mittel zu verwenden, um die kognitive Leistungsfähigkeit zu steigern. Vielleicht ist es an der Zeit zu überlegen, wie wir am besten das geistige Wohlbefinden für eine aufstrebendere Gesellschaft fördern können.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „Capsule“ by stevepb (CC0_Public Domain)


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Über Roboter und Schlachten: Wie Kinder MINT lieben lernen

IMG_2606 (adapted) (Image by Byting Bulldogs [CC BY 2.0] via flickr)

Die Musik dröhnt, die Menge jubelt und die Leute tanzen. Das ist Mathe, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT, engl.: STEM) – aber nicht so, wie man es kennt. Ich befinde mich im Olympia-Park Sportcenter von Sydney, wo ich als Jurorin für den in Australien stattfindenden FIRST Roboter-Wettbewerb eingeladen bin. Der Wettbewerb ist für Schüler im Alter von 14 bis 18 Jahren, die sechs Wochen (oder in einigen Fällen auch deutlich weniger) Zeit haben, um – mit der Unterstützung von Mentoren und Lehrern – einen Roboter für eine konzipierte Aufgabe zu designen, zu bauen und zu programmieren. Selbst für gestandene Ingenieure wäre dies keine leichte Aufgabe. In einer spannungsgeladenen Stimmung treten hier 43 Teams aus Australien, China, Indien, Singapur, Taiwan und den USA gegeneinander an. Die diesjährige Herausforderung stellt eine mittelalterliche Schlacht dar. Die Aufgabe ist es, in der burgähnlichen Arena die gegnerische Abwehr zu durchbrechen, die Türme des Gegenspielers mit Geröll (mit Hilfe von ballförmigen Schwämmen) zu schwächen und die Festung einzunehmen. Die Mannschaften müssen sich mit anderen Teams verbünden und eine Strategie entwickeln, um die gegnerische Allianz zu schlagen. Dabei kann so einiges schiefgehen. Und wenn es das tut, geht es zurück in den Graben, wo unter enormem Zeitdruck das Problem zu lösen und der Schaden zu reparieren ist. All das geschieht, während man die Juroren im Hinterkopf hat, die einen beobachten und mit Fragen löchern.

Roboter im ganzen Land

Jedes Team, mit dem ich gesprochen habe, hatte eine unglaubliche Geschichte zu erzählen. Die Beharrlichkeit und Leidenschaft, die die Schüler beim Bau der Roboter und bei dem Wettbewerb an den Tag legen, ist überwältigend – für manche Teams hat beides eine große Herausforderung dargestellt. Eine chinesische Mannschaft aus Lanzhou ist alleine ohne ihren Mentor angereist und musste Unternehmen und Universitäten in China darum bitten, sich Equipment auszuleihen und ihre Labore nutzen zu dürfen, um den Roboter bauen zu können. Das Team der Narooma High School aus New South Wales sammelte Gelder, indem sie 300 Cupcakes verkauften und ein RoboCamp initiierten, um Kinden zwischen acht und elf Jahren die Grundlagen der Roboterkunde sowie das Programmieren beizubringen, wobei sie ebenfalls Geld sammelten. Ein weiteres Team nennt sich Thunder Down Under. Es wurde an der Macquarie Universität gegründet und bringt Mentoren mit Schülern aus ganz Sydney zusammen. Es ist die erste Mannschaft der FIRST Robotics Competition (FRC) im Wettbewerb, und sie half dabei, den Wettbewerb nach Australien zu bringen. Seit seiner Gründung im Jahr 2009 hat Thunder Down Under die Robotik in ländliche und abgelegene Gebiete Australiens gebracht. Die Organisation stellt zinslose Darlehen für die Anschaffung von Roboter-Baukästen zur Verfügung, sodass Teams vor Ort Robo-Camps leiten und eigenständig wachsen können. Sie arbeitet für die Gründung von FIRST Ladies zudem mit anderen Partnern zusammen, um ein globales Netzwerk für Frauen aufzubauen. Sie war zudem maßgeblich an der Gründung von Teams in China beteiligt und hat außerdem dabei geholfen, einen Unterwasser-Roboter und ein Wasser-Sicherheits-Spiel im Lego-Roboter-Stil zu entwickeln. Man kann auf diese Weise Technologien dafür einzuzusetzen, Leben zu retten. Beim inspirierenden FIRST Ladies-Frühstück am Freitagmorgen habe ich mit Louise von der Kan-Bot-Crew gesprochen, einem neuen Team aus Kaniva, einer kleinen viktorianischen Stadt, die von der Landwirtschaft lebt und etwa auf halbem Weg zwischen Adelaide und Melbourne liegt. Das Kaniva-College hat rund 100 Schüler im Gymnasialalter, von denen etwa 17 Prozent Teil des Teams sind – eine beachtliche Leistung. Die Mannschaft wurde unterstützt von Robots in the Outback, einer Initiative von Google und der Macquarie-Universität. Die Kan-Bot-Crew hatte nur zweieinhalb Wochen Zeit, um ihren Roboter zu konstruieren und nur einen einzigen Tag mit ihrem Mentor. Aufgrund der großen Dürreperiode im letzten Jahr, welche die von der Landwirtschaft abhängige kleine Stadt in finanzielle Schwierigkeiten gebracht hat, hatten sie Probleme, einen lokalen Sponsor zu finden. Da es ihnen nicht möglich war, ihre eigenen Programmierer mit nach Sydney zu bringen, haben drei andere Teams aus Wollongong, Narooma und Ulladulla ihnen ihre Programmierer und weitere technische Unterstützung zur Verfügung gestellt, um ihre Roboter fertig zu stellen und am Laufen zu halten. Für die Schüler aus Kaniva war dies eine extrem wertvolle Möglichkeit, sich mit anderen Gleichgesinnten auszutauschen.

Bildung an erster Stelle

Was mich sehr überrascht hat, war, dass es bei der FIRST Robotics nicht nur um die MINT-Fächer geht. Die Schüler erwerben Fähigkeiten für das Leben in den Bereichen Führung, Unternehmertum und Kommunikation. Darüber hinaus wächst ihr Selbstvertrauen und sie haben die einmalige Möglichkeit Gleichgesinnte aus der ganzen Welt kennenzulernen. Ein besonderer Wert wird auf Teamarbeit und das gegenseitige Unterstützen der Mitstreiter gelegt. Ich habe noch nie eine solche Großzügigkeit in Bezug auf Zeit und Ressourcen in einem so hitzigen Wettstreit beobachtet. Die Teams unterstützen sich durch „gütige Professionalität“ gegenseitig, ein Teil des Ethos, auf den FIRST Wert legt. Den Wettbewerb als Juror zu bewerten, war hart. Wir haben Stunden hinter geschlossenen Türen verbracht, um den Kreis der möglichen Gewinner einzugrenzen. Jede Entscheidung musste einstimmig getroffen werden und zuletzt konnten wir einen Konsens erzielen, schrieben die Verkündungsrede und eilten in die Arena, um gerade noch rechtzeitig die Halbfinals und das Finale mitzubekommen. Es zerreißt einem das Herz, dass einige Teams – insbesondere die Neulinge – gar nicht wissen, wie nahe sie an einen Award herangekommen sind und wie lange wir über der Entscheidung grübelten. Eigentlich verdienen alle Teams einen Preis und sollten stolz auf ihre Leistungen bei diesem Wettbewerb sein, aber letztlich fiel die Wahl der Gewinner-Allianz auf die Teams Barker Redbacks, House of Ulladulla, Game of Drones und Thunder Down Under. Als Jurorin bin ich gleichzeitig Botschafter für die FIRST Robotics mit der Hoffnung, Schüler mit meiner Begeisterung für die Wissenschaft, insbesondere für Vulkane, zu inspirieren und ihnen zu zeigen, was mit MINT alles möglich ist. Und schließlich bin ich am Ende des Wettbewerbs diejenige, die wirklich inspiriert ist und nach dem Anblick einer so ambitionierten, motivierten Masse junger Leute optimistisch in die Zukunft blickt.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „IMG_2606“ by Byting Bulldogs (CC BY 2.0)


 

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Cybathlon: Was Bionik für Millionen von Menschen bedeuten könnte

Cybathlon 2016 (Screenshot by Cybathlon)

Nach den Olympischen Spielen und den Paralympics erleben wir dieses Jahr die Weltpremiere des Cybathlon, des weltweit ersten Wettkampfes für Parathleten und Personen mit schweren Behinderungen, die mit Hilfe von bionischen Implantaten, Prothesen und anderen unterstützenden Technologien antreten.

Der Cybathlon beinhaltet sechs Disziplinen, jede auf die speziellen körperlichen Bedürfnisse der Wettkämpfer zugeschnitten. Beweglichkeitsläufe testen Menschen mit bionischen Armen und Beinen, während bei Rennen mit elektrisch angetriebenen Rollstühlen und Exoskeletten Hindernisse wie Treppen überwunden werden müssen. Es gibt auch ein Fahrradrennen für Wettkämpfer, die ihre Beine mithilfe von elektronischer Muskelstimulation bewegen. Für die, die ihren Körper nicht mehr eigenständig steuern können und ihn mit einer Schnittstelle zwischen Hirn und Computer kontrollieren, gibt es ebenfalls Wettkämpfe.

Es stimmt, dass der Cybathlon nicht das gleiche athletische Können wie die Olympischen oder Paralympischen Spiele bieten kann. Aber er wird aufzeigen, wozu Technologie fähig ist, anstatt dass sie in Forschungslaboren versteckt bleibt. Alle Anstrengung und jeglicher Enthusiasmus werden darauf ausgerichtet, das Leben von Menschen mit schwerwiegenden Behinderungen und lebensverändernden Verletzungen zu revolutionieren. Der Organisator ETH Zürich, die Eidgenössische Technische Hochschule, wird 80 Teams von Anwendern, Wissenschaftlern und der Technikindustrie zum nachdenken anregen, was benötigt wird, um Technologien zu schaffen, die die alltäglichen Probleme, denen Menschen mit Behinderungen tagtäglich ausgesetzt sind, lösen zu können.

Der Schwerpunkt liegt auf den praktischen Problemen, die das Design der Wettbewerbe bestimmen. Zum Beispiel beinhaltet das Rennen für Teilnehmer mit Armprothesen eine Station, bei der eine Scheibe Brot geschnitten und eine Tasse Kaffee eingegossen werden muss. Bei einer weiteren Station müssen die Parathleten durch eine Tür gehen, während sie ein Tablett mit Gegenständen tragen. Dies sind alltägliche Aktivitäten, die die meisten von uns für selbstverständlich halten, aber die für die von der WHO auf 15 Millionen geschätzten Menschen mit Behinderungen schwer oder sogar unmöglich sind.

Während viele mit Technologien wie bionischen Armen vertraut sind, wird der Hirn-Computer-Schnittstelle-Wettkampf für die Meisten wohl etwas Neues sein. Eine Hirn-Computer-Schnittstelle ist ein System, das die Gehirnaktivität eines Menschen verschieden interpretiert und in mögliche Befehle für die Ausrüstung des Anwenders umformt. Dies gibt schwer behinderten Menschen, deren kognitive und sensitive Fähigkeiten dennoch funktional sind, die Kontrolle über ihre Ausrüstung zu behalten und sich mit ihrer Hilfe zu bewegen oder zu kommunizieren.

Es kommt selten vor, dass solche Interface-Systeme außerhalb des Forschungslabors Anwendung finden. Viele existieren nur in der Theorie oder auf den Seiten von Wissenschaftsjournalen. Sie erscheinen wie Requisiten aus Science-Fiction-Filmen und dennoch existieren sie in verschiedenen Formen bereits seit Jahrzehnten.

Das Gehirn als Steuergerät

Eine Hirn-Computer-Schnittstelle beinhaltet verschiedene Komponenten. Die Erste ist natürlich das Gehirn der Person. Dort entstehende elektrische Impulse werden durch EEG-Sensoren (Elektroenzephalogramm) registriert. Diese Sensoren werden non-invasiv auf der Kopfhaut befestigt, ähnlich wie in Krankenhäusern üblich. Die Signale beinhalten oft Interferenzen von muskulären Bewegungen, wie zum Beispiel der Augen. Deshalb ist der erste Schritt, das brauchbare Signal von Störsignalen zu isolieren.

Die Signale werden anschließend mit Hilfe der Merkmalsextraktion verarbeitet. Es gibt hier verschiedene Ansätze, aber eine verbreitete Technik ist die, dass sich der Anwender eine bestimmte Bewegung vorstellt, beispielsweise das Öffnen und Schließen der Hand. Dieses geistige Bild erschafft ein bestimmtes Muster im Motorcortex des Gehirns, welches wiederum als ein EEG-Signal erkannt und von der Hintergrund-EEG-Aktivität abgegrenzt werden kann.

Die EEG-Signale werden während der Merkmalsextraktion verarbeitet, um sie für die nächste Komponente, den Klassifikator, leichter verständlich zu machen. Ein Klassifikator identifiziert, wie sich Signalmuster unterscheiden, abhängig davon, ob der Anwender beispielsweise an eine Bewegung seiner linken oder rechten Hand denkt oder wie diese Signale sich verändern, wenn der Anwender Berechnungen im Kopf durchführt. Ein guter Klassifikator erlernt diese Unterschiede und identifiziert die wahrscheinlichste Intention, die der Anwender hatte. Dies wird durch Muster-Erkennung und maschinelle Lernalgorithmen erreicht.

Der Cybathlon wird die Wettkämpfer des Hirn-Compter-Schnittstelle-Rennens mit Hilfe eines Videospiels testen. In diesem zeichnen die Teilnehmer bis zu vier verschiedene Aktionen des Gehirns, welche von dem Klassifikator des Systems verstanden werden müssen. Sie müssen die richtigen Entscheidungen zum richtigen Zeitpunkt senden, um mit ihren Avataren, die sie im Spiel repräsentieren, vorwärts zu kommen. Das beste System ist das, welches am schnellsten und genauesten auf die Gehirnaktivität des Nutzers reagieren und gleichzeitig die richtigen Kommandos auswählen kann.

Der Auftritt des Gehirn-Computer-Schnittstelle im Rahmen des Cybathlon ist ein seltenes Ereignis außerhalb des Labors. Es fordert von ihren Entwicklern eine beträchtliche Verbesserung ihrer Systeme. Im Vergleich zu denen, die nur in einem Labor funktionieren müssen, werden sie zum Beispiel verlässlicher und können besser auf eine eventuelle Ablenkung des Anwenders reagieren.

Die momentanen Systeme sind noch nicht ausgereift genug für die Menschen, deren Leben sie so entscheidend verändern könnten. Dennoch werden die neuen Entwicklungen der letzten Jahre, welche der Cybathlon unterstützt, Technologien nicht nur verbessern, sondern diese auch dem Gebrauch außerhalb des Labors besser anpassen – um endlich eine Technologie zu vollenden, deren Entwicklung schon über 20 Jahre andauert.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation”unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image Screenshot (adapted) by Cybathlon


The Conversation

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Disruption durch Innovation: Selbermachen statt Lemming-Verhalten

Disruption (adapted) (Image by Tsahi Levent-Levi [CC BY 2.0] via flickr)

Neue Unternehmen müssen sich gegen Markenriesen am Markt behaupten, wenn sie mehr sein wollen als Randerscheinungen, und werden zu disruptiven Innovatoren. Firmen wie Netflix und Uber machen vor, wie das geht. Das Notizamt verzeichnet eine gestiegene Aufmerksamkeit bei der kritischen Auseinandersetzung mit worthülsen-produzierenden Keynote-Sprechautomaten, die in jeder Ecke disruptive Silicon Valley-Bombenleger wahrnehmen, aber in ihrer digitalen Bühnenshow stets die gleichen Beispiele an die Wand projizieren.

Dazu zählt auch der vulgär-kapitalistische Uber-Gründer Travis Kalanick, der dem Arschloch namens Taxi den Krieg erklärt hat und mit seinem Transportdienst direkt auf Konfrontationskurs mit den Platzhirschen gegangen ist. Das führt sicherlich zur Veränderung des Taxigewerbes, ist aber mitnichten eine disruptive Innovation, so der Einwand von Professor Clayton M. Christensen, der als Vater der Disruptionstheorie gilt.

Nicht jedes Startup ist disruptiv

Disruptive Neulinge können sich im unteren Preissegment etablieren, weil die etablierten Anbieter versuchen, den profitabelsten und anspruchsvollsten Kunden immer bessere Produkte und Dienste zu verkaufen – den Rest der Kundschaft vernachlässigen sie dabei.

Disruptive Innovatoren können sich in der ersten Phase auf die weniger anspruchsvolle Klientel konzentrieren und Angebote machen, die gerade noch gut genug sind. Erst danach bewegen sich die Startups in den Mainstream-Markt, ein Prozess, der bei den Discountern gut zu beobachten ist.

Ein disruptiver Innovator kann auch einen völlig neuen Markt schaffen, wie mit dem iPhone und dem App-Ökosystem von Apple für die Etablierung des mobilen Internets. Vulgär-kapitalistische Marktschreier Uber ging es sofort um eine starke Position im Massenmarkt und bearbeitete erst später bislang unbeachtete Segmente.

Der Taxi-Rebell gestaltet via Smartphone das Matching-System komfortabel, bietet die bargeldlose Bezahlung relativ unkompliziert an und macht die Leistungen durch ein Bewertungssystem transparent. “Nicht zuletzt bietet Uber eine zuverlässige und pünktliche Dienstleistung an, die nicht teurer, sondern vielfach günstiger ist als die des regulären Taxigewerbes”, schreibt Christensen in einem Beitrag für die Januar-Ausgabe von Harvard Business Manager.

Wie es für erhaltende Innovationen typisch ist, die das Geschäft der etablierten Anbieter bedrohen, so löst auch Uber sofort Gegenreaktionen bei den Taxiunternehmen aus, die ebenfalls mit neuen Technologien ihre Wettbewerbsfähigkeit erhöhen. Zudem wehren sich die Gebietsmonopolisten mit juristischen Maßnahmen. Ob Uber auf diesem relativ gesättigten Markt nur mit Preiskriegen überleben wird, ist fraglich. Disruptiv ist der Marktschreier jedenfalls nicht.

Netflix ist disruptiv

Einen disruptiven Weg legte hingegen Netflix hin. Das Unternehmen startete 1997 mit der Möglichkeit, Filme über die Netflix-Website auszuleihen und die DVD per Post zu erhalten. Für Videothekenketten wie Blockbuster anfänglich keine große Bedrohung. “Dank neuer Technologien konnte Netflix jedoch sein Geschäft auf das Streamen von Filmen über das Internet verlagern. Dadurch wurde das Angebot schließlich auch für die Kernkundschaft von Blockbuster attraktiv”, erläutert Christensen.

Netflix bietet mittlerweile eine größere Auswahl, eine Flatrate, niedrige Preise, eine hohe Qualität und einen sehr bequemen sowie massentauglichen Zugang. Wäre Netflix wie Uber sofort auf den Kernmarkt der größten Konkurrenten losgegangen, wären heftige Gegenreaktionen von Blockbuster & Co. die Folge gewesen. Blockbuster unterließ es jedoch, den Aufstieg des Newcomers zu kontern und landete in der Pleite.

Digitale Macher statt Schwätzer

Diese Unterscheidung ist wichtig für etablierte Unternehmen, um auf Veränderungen im Randbereich des eigenen Geschäfts angemessen zu reagieren. Selbst ernannte digitale Evangelisten halten sich mit differenzierten Analysten von innovativen Entwicklungspfaden nicht weiter auf. Sie pusten wahllos Beispiele aus Kalifornien ins erstarrte Publikum, um den nahen Tod ganzer Branchen zu proklamieren.

Theoretische Reflexionen oder das Lesen von fundierten Primärquellen ist da eher fehl am Platz. “Wir brauchen mehr Macher. Weniger Sprechautomaten. Menschen, die digitale Produkte auf die Beine stellen. Nicht solche, die andere dafür bewundern und ihr kindliches Erstaunen dann auch noch als Beratung verkaufen”, kritisiert der Mobile-Business-Experte Ralf Rottmann.

Er meint damit die deutschen und internationalen Digital-Schwätzer, die wie der Teufelsprediger Johann Tetzel auf dem Podium herumspringen, um mit ihren teuflischen Warnungen Kohle zu verdienen. Mit diesem Trick konnte der katholische Ablasshändler Tetzel den Bau der Peterskirche in Rom finanzieren. Bei den Keynote-Lautsprechern landen die satten Honorare in der eigenen Tasche. Beide Varianten sind nicht sehr ehrenvoll.

Leseempfehlung: Wie der meist gehypte DLD-Vortrag das Lemming-Verhalten der Digitalbranche entlarvt


Image (adapted) „Disruption“ by Tsahi Levent-Levi (CC BY 2.0)


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Die Fusion der weltgrößten Brauereien hat einen hohen Preis

Budweiser (adapted) (Image by jmawork [CC BY 2.0] via Flickr)

Zwei Brauerei-Giganten wollen zusammen noch Größer werden und ihre Gewinnspanne maximieren. Die Fusion bringt jedoch Veränderungen mit sich. Die zwei größten Bierproduzenten der Welt werden fusionieren, nachdem SABMiller das Angebot über 104 Milliarden US-Dollar von Anheuser-Busch InBev akzeptiert hat. Dieses Abkommen wird eine Brauerei schaffen, die weltweit jedes dritte Bier verkauft und dem Marken wie Budweiser, Stella Artois, Grolsch, Miller, Corona und Perona angeschlossen sind. Wie es bei allen Fusionen und Übernahmen ist, soll durch die Zusammenführung das neue, größere und bessere Unternehmen, Kostenersparnisse durch Massenproduktion und Verbundvorteile schaffen. Ebenfalls soll der Marktanteil erhöht werden, was natürlich zu mehr Gewinn führt. Aber es gibt keine Garantie.

Regelmäßig ergeben Nachforschungen, dass 60 Prozent bis 80 Prozent der Übernahmen es nicht schaffen, die erwarteten Gewinne abzuliefern. Mehr als 50 Prozent zerstören den Unternehmenswert. Die Gründe liegen normalerweise darin, dass der Käufer gezwungen wurde, für das zu übernehmende Unternehmen viel zu viel zu zahlen, stümperhafter Eingliederung und einer Über-Erwartung an die Vorteile der Fusion.

Die belgische Brauerei AB InBev hat beides, einen guten Ruf und eine vorzeigbare Erfolgsbilanz, die es ihr ermöglicht, Ersparnisse anzuzapfen, wenn neue Posten nötig sind. Zum Beispiel als sie 2008 Anheuser-Busch übernommen hat. Aber Fusionen sind eine kostspielige Aufgabe für die Aktionäre der Bieter (und die möglichen Kunden). Es ist wahrscheinlich, dass alleine die Anteilseigner des Zielunternehmens diejenigen sein werden, die davon hauptsächlich profitieren.

Wer hat wirklich einen Nutzen davon?

In größeren Fertigungsprozessen können die Kostenersparnisse durch Massenproduktion enorm sein, was bedeutet, dass Brauereien gezwungen sind, sich an den Größten und Modernsten zu orientieren. Verbundvorteile – dort wo es billiger ist, die Produktpallette zusammen zu produzieren anstatt individuell – müssen das maßgeblich auch. Was zum Beispiel das Personal betrifft, denn wahrscheinlich werden Firmensitze und die Ländermanagements integriert. Außerdem sollte die vereinte Kaufkraft der neuen, größeren Firma bedeutende Einsparungen erzielen.

Das Abkommen wird AB InBev außerdem den Zugang zu den Wachstumsmärkten in Afrika und Südamerika gewähren, wo sie bisher noch nicht repräsentiert waren. Das Management erwartet davon zu profitieren, weil sie den Vorsitz über ein größeres Unternehmen führt, was mehr Bezahlung, Macht und Status nach sich zieht.

Aber falls Bierkonsumenten hoffen, diese Kostenersparnisse werden an sie weiter gegeben, glaube ich, dass sie zutiefst enttäuscht sein werden. Sie werden möglicherweise herausfinden, dass die Auswahl sich ebenfalls verringert. Tatsächlich führt mehr Macht auf dem Markt, wie sie sich durch die Fusion ergibt, üblicherweise zu höheren Preisen.

Deshalb wird eines der größten Probleme bei der Fusion der zwei weltgrößten Brauereien die Wettbewerbsbehörde sein, die mit ihren kartellrechtlichen Vorschriften das Geschäft sehr wahrscheinlich genau überprüfen wird. Es ist deshalb wahrscheinlicher, dass sie einige ihrer Marken verkaufen müssen. Als zum Beispiel 2013 AB InBev Grupo Modelo übernahm, musste es einige von Modelos amerikanischen Posten, einschließlich Corona, verkaufen.

Es ist ebenso möglich, dass die Produktpallette überprüft und reduziert wird, um mehr in die Vermarktung gewinnbringender Marken zu investieren. Das könnte dazu führen, dass AB InBev eine renommierte Marke veräußern muss, um die US-amerikanische Wettbewerbsbehörde zu beschwichtigen.

Renditen für Aktionäre

Eine Kombination von relativ starken Aktienmärkten und niedrigen Zinssätzen, zusammen mit finanzstarken, potentiellen Investoren sind weitgehend dafür verantwortlich, dass es einen Anstieg von Mega-Fusionen gibt; diese hier wird dicht gefolgt von der 50 Milliarden US-Dollar Fusion von LaFarge mit Holcim.

Im Fall von AB InBev kann schon ein schmales Wachstum auf dem globalen Bier-Markt die größte treibende Kraft sein. Der Markt ist weitgehend ohne Bewegung und verzeichnet in einigen Regionen sogar einen Rückgang, weil andere Getränke wie Wein weiter vordringen. Kleine Brauereien und ihre spezialisierten Biere entwickeln sich ebenfalls weiter. Als Konsequenz wird die Rationalisierung von Kosten, Produkt und Verbreitung ein beliebtes Mittel, um die Aktionärsrendite zu erhöhen.

AB InBev muss, um Kosten zu sparen, viele der Synergien den Aktionären von SABMiller überschreiben. Dabei wird der Preis um das Fünffache erhöht, um deren Zustimmung zu gewinnen. Sie haben das Angebot sehr klar strukturiert, um den beiden Hauptaktionären entgegen zu kommen, die mit einem großen Steuerbescheid rechnen müssen, sollte das Geschäft bar bezahlt werden. Das Angebot besteht teilweise aus nicht notierten Anteilen, die es den Aktionären erlaubt, irgendwann in der Zukunft Gewinne zu erzielen.

Die Entschlossenheit von AB InBev, dieses Abkommen zu tätigen, kann letztendlich zum Problem für sie werden. Die Gebühren der Berater belaufen sich auf mehrere Hundert Millionen Pfund, größtenteils abhängig davon, ob das Geschäft erfolgreich sein wird. Und wenn der Einsatz so hoch ist, ist die Objektivität der Beratung, die sie bekommen, in Frage zu stellen. Fusionen sind kostspielig und aufgrund von AB InBevs Erfolgsbilanz wird mit erheblichen Entlassungen und Einsparungen im kommenden Jahr gerechnet.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) “Budweiser” by jmawork (CC BY 2.0)


 

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Girls In Tech: Startup-Pitch für Frauen in der Tech-Branche

DSC_0386 (adapted) (Image by Julia Buchner [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Vor ein paar Wochen launchte Girls In Tech die fünfte Ausgabe der Lady Pitch Night, der europaweit größte Wettstreit zwischen Startups, die von einer Frau (mit-)gegründet wurden. Das Event, welches in Partnerschaft mit den Startup-Accelerators OrangeFab France, Raise und Criteo auf die Beine gestellt wurde, möchte weiblichen Entrepreneuren einen besseren Einblick verschaffen und sie ermutigen, Vielfalt in die Technologie-Branche zu bringen.

Im Jahr 2011 fand die erste Lady Pitch Night in Paris statt. Zwei Jahre später nahmen schon Startups aus ganz Europa teil und letztes Jahr gab es mit über 200 Startups aus 22 Ländern einen neuen Rekord zu vermelden. Die Finalisten des letzten Jahres waren Gemmyo aus Frankreich, Cortechs aus Irland, Fojo.me aus Kroatien, Cocofarm aus Bulgarien und das Gewinner-Startup EasySize aus Dänemark, die sich damit automatisch für den Startup-Wettbewerb der LeWeb qualifizierten und dort im Dezember den zweiten Platz belegten. Sie überzeugten damals u.a. die Juroren Marion Moreau (ehemals FrenchWeb, jetzt Sigfox), Mike Butcher (TechCrunch) und die damalige EU-Kommissarin Neelie Kroes.

Gesucht: Europäische Startups von Frauen

In diesem Jahr können sich noch bis zum 31. Juli 2015 Startups aus ganz Europa bewerben, die etwas mit Technologie zu tun haben, zwischen sechs und 36 Monate bestehen, ihren Hauptsitz in Europa und mindestens ein weibliches Gründungsmitglied haben. Daraufhin werden dann zehn Finalisten ausgewählt, die am 7. Oktober 2015 nach Paris eingeladen werden und dort ihr Startup vor der Experten-Jury und dem interessierten Publikum zu präsentieren.

Die Teilnahme lohnt sich schon deshalb für die Startups, da alle Finalisten kostenlose Tickets für europäische Technologie-Konferenzen bekommen. Im letzten Jahr gab das u.a. Tickets für den Web Summit, die LeWeb, TechCrunch Disrupt, The Next Web, die DLD und The Europas. Ziel ist es, auch auf diesen Konferenzen die weibliche Präsenz in Technologie-Konferenzen zu promoten und zu unterstützen.

Disclosure: Netzpiloten.de sind deutscher Medienpartner der “Lady Pitch Night”.


Image (adapted) “DSC_0386” by Julia Buchner (CC BY-SA 2.0)


 

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5 Lesetipps für den 1. Juni

In unseren Lesetipps geht es heute um das kommende Platzen der VC-Blase, EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager lehnt neue Regulierung ab, Google fördert Barrierefreiheit und forscht für mehr Sicherheit. Ergänzungen erwünscht.

  • VENTURE CAPITAL TechCrunch: Who Will Be Hurt Most When The Tech Bubble Bursts? Not VCs.: Die Blase bläht sich weiter auf. Vieles erinnert in diesen Tagen an die DotCom-Blase, auch heutzutage werden Startups und Ideen offensichtlich überbewertet, viel Geld wird investiert. Nicht immer sieht es so aus, als ob sich das Investment lohnen wird. Manish Goyal und Bharat Ramnani haben auf TechCrunch die aktuelle Blase erklärt und warum am Ende nicht die Investoren den Kürzeren ziehen werden, wenn die Blase platzt, sondern die Gründer und Mitarbeiter in den Startups.

  • REGULIERUNG Spiegel Online: EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager lehnt neue Regulierungsgesetze ab: Wenn es um die großen nicht-europäischen Internet-Unternehmen geht, hört man selten etwas vernünftiges von der europäischen Politik. Bei einem national denkenden EU-Digitalkommissar wie Günther Oettinger auch nicht sehr verwunderlich. Seine Kommissionskollegin, EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager, legt da schon mehr Kompetenz an den Tag und weist Forderungen nach einer Regulierung marktbeherrschender Internet-Unternehmen erst einmal zurück.

  • JOURNALISMUS taz: „Ich nenne sie Kopolitiker“– ein Politikwissenschaftler über Journalisten: Journalisten mischen sich auf undurchsichtige Art in die Politik ein, sagt der Politikwissenschaftler Thomas Meyer im Interview mit taz-Chefredakteurin Ines Pohl. Seine These: Klassische linke Themen spielen in den Redaktionen heutzutage keine Rolle mehr – die Entpolitisierung wächst. Junge Journalisten schreiben also lieber über das neue Lifestyle-Startup, dessen Dienste sich nicht jeder leisten kann, statt die mangelhafte/ungerechte Steuer- und Sozialpolitik der Bundesregierung. Ein Umstand, der auch zu Protesten wie die der Pegida-Bewegung führte. Interessante Gedanken zu Journalismus in einer vermeintlich postideologischen Gesellschaft.

  • BARRIEREFREIHEIT Heise Online: Google.org spendet 20 Millionen US-Dollar für Barrierefreiheit: In den letzten Wochen hat unsere Autorin Anna-Maria Landgraf viel über Barrierefreiheit im Internet recherchiert und dazu Artikel verfasst. Fazit aller Beiträge war, dass viel mehr getan werden muss, damit das Netz barrierefreier wird. Google.org will dieses Ansinnen mit dem Projekt „Google Impact Challenge: Disability“ fördern – dazu stellt das Unternehmen 20 Millionen US-Dollar zur Verfügung, wie Daniel AJ Sokolov auf Heise.de schreibt.

  • SICHERHEIT Wired: Can Google’s Future-Lab Finally Kill the Password?: Im Blog der US-Wired stellt Brian Barrett die Versuche von Google dar, für mehr mobile Sicherheit auf dem Smartphone zu sorgen, in dem das Passwort abgeschafft wird. Neuer Schlüssel zum mobilen Vergnügen soll die MicroSD-Karte werden (viele von uns werden sich wohl neue Smartphones kaufen müssen, mein aktuelles Android-Gerät hat beispielsweise keinen Slot dafür), die durch feine Sensoren zu einer Art digitalen Fort Knox werden. Das Smartphone erkennt quasi seinen Besitzer an seinem einzigartigen Wesen. Und Google dann natürlich auch.

CHIEF-EDITOR’S NOTE: Wenn Ihnen unsere Arbeit etwas wert ist, zeigen Sie es uns bitte auf Flattr oder indem Sie unsere Reichweite auf Twitter, Facebook, Google+, Soundcloud, Slideshare, YouTube und/oder Instagram erhöhen. Vielen Dank. – Tobias Schwarz

Nutze Netzpiloten 1-Klick: Mit nur einem Klick werden dir bequem alle 40 Sekunden die hier besprochenen Seiten „vorgeblättert“ START.

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Smart Hero Award 2015: Verlängerung der Bewerbungsphase

Smart Hero Award

Bis zum 15. März werden noch auf soziale Medien setzende Projekte für den diesjährigen Smart Hero Award gesucht!

SmartHeroAward (Bild: Smart Hero Award Facebook)

Mit dem im letzten Jahr zum ersten Mal verliehenen Smart Hero Award werden Menschen und Projekte ausgezeichnet, die ihr ehrenamtliches und gesellschaftliches Engagement erfolgreich in und mit sozialen Medien umsetzen. In diesem Jahr übernimmt Manuela Schwesig, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, die Schirmherrschaft über den Wettbewerb. Die Netzpiloten sind offizieller Medienpartner.

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Droht durch Google eine Monopolisierung der digitalen Welt?

Google Logo in Building43 (adapted) (Image by Robert Scoble [CC BY 2.0] vie Flickr)

Google und andere Internetgiganten wie Facebook oder Amazon halten in ihren Bereichen eine marktherrschende Stellung inne. Zu welchen Wettbewerbsproblemen dies führen kann, erklärte Prof. Dr. Justus Haucap vom DICE beim Workshop „Wettbewerb und Regulierung im Internet“. Die durch die Digitalisierung hervorgerufene Konvergenz der Medien sowie die Erkenntnisse aus der Theorie der zweiseitigen Märkte haben zu neuen Herausforderungen sowohl für Medienunternehmen als auch den Wettbewerbs- und Regulierungsbehörden geführt. Zu diesen Herausforderungen gehören auch unweigerlich die Fragen nach einer adäquaten Wettbewerbspolitik und einer angemessenen Regulierung, welchen sich am 17. Oktober 2014 beim Workshop „Wettbewerb und Regulierung im Internet“ in Hamburg angenommen wurden. So stellte sich Prof. Dr. Justus Haucap vom Düsseldorf Institute for Competition Economics der Frage, ob durch Google, Amazon und Co. eine Monopolisierung der Welt drohe.

Mit einem Marktanteil von 95 Prozent in Deutschland ist Google unumstrittener Marktführer unter den Suchmaschinen. Eine nicht ganz unproblematische Marktführerschaft, grenzt diese doch schon fast an eine Monopolstellung und kann so zu Wettbewerbsproblemen führen. Aus diesem Grund untersuchen verschiedene Behörden wie die Federal Trade Commission (FTC) oder die Europäische Kommission regelmäßig, inwieweit Google gegen die bestehenden Wettbewerbsregeln verstößt.

Vorwürfe gegen Google

Während die Europäische Kommission bis heute allerdings noch keine konkreten Ergebnisse vorweisen konnte, stellte die FTC im Jahr 2013, nach fast 20 Monaten, ihre Untersuchungen gegen Google ein, nachdem Google sich zu einigen Zugeständnissen bereit erklärt und unter anderem seine Bedingungen geändert sowie auch Inhalte anderer Websites integriert hat. Damit sprach die FTC Google von dem Vorwurf frei, dass der Suchmaschinenanbieter eigene Inhalte bevorzugen würde, indem diese besser gerankt werden. Die Europäische Kommission, insbesondere der Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia scheint dies jedoch anders zu sehen und kündigte ein härteres Durchgreifen an. Eine Entscheidung ist bislang aber noch nicht getroffen worden. Somit stellt sich die Frage, inwiefern dieser Vorwurf gerechtfertigt ist und welche möglichen Maßnahmen angewendet werden könnten.

Besonderheiten des Marktes

Um diese Frage zu beantworten, stellte Haucap bei seinem Vortrag beim Workshop „Wettbewerb und Regulierung im Internet“ zuerst einmal die Besonderheiten des Marktes für Suchmaschinen vor. So hat Google, genauso wie Facebook Twitter und Co., eine sehr starke Marktstellung im jeweiligen Marktsegment. Die Besonderheit hierbei ist, dass diese Unternehmen nicht selber Inhalte produzieren, sondern Anbieter und Nutzer oder Verkäufer und Kunden zusammenbringen, also vermittelnd tätig sind. Dadurch liegen direkte und indirekte Netzeffekte vor. Die direkten Netzeffekte zeigen sich dabei dadurch, dass, je mehr Nutzer sich einem Netz anschließen, desto mehr sich der Nutzen erhöht, wie es beispielsweise bei Facebook oder Twitter der Fall ist. Bei Google hingegen liegen indirekte Netzeffekte vor, bei denen sowohl Anbieter als auch potenzielle Käufer gegenseitig davon profitieren, was konkret heißt, dass Google für die Nutzer dadurch attraktiver wird, dass mehr Seiten durchsucht und geordnet werden, während Google für die Betreiber dieser Websites attraktiver wird, je mehr Nutzer Suchanfragen starten. Durch diese Netzeffekte können starke Konzentrationstendenzen ausgelöst werden. Diese Tendenzen hängen dabei unter anderem von der Stärke der Netzeffekte, dem Ausmaß der Skaleneffekte, Differenzierung der Plattform und Multihoming ab, sodass sich je nach der Ausprägung dieser Kriterien unterschiedliche Konzentrationstendenzen und Markteintrittsbarrieren ergeben. Dies zeigt sich beispielsweise bei Facebook und eBay, die in ihrem Marktsegment eine erhebliche Marktmacht haben, die aus hohen Markteintrittsbarrieren und den starken Netzeffekten resultiert. Auch wird laut Haucap zwischen horizontalen, universellen und vertikalen, speziellen Suchmaschinen sowie bei diesen zwischen bezahlten und unbezahlten Links unterschieden.

Bei den Links ist es generell sehr wichtig, dass diese neutral gelistet werden. Genau dies soll aber, laut den zahlreichen Vorwürfen gegen Google, nicht der Fall sein, denn das amerikanische Unternehmen soll konzerninterne Inhalte bei der Suche bevorzugen und besser platzieren. Dadurch bliebe Wettbewerbern der Zugang zu den oberen Platzierungen verwehrt. Ebenfalls habe Google laut den Vorwürfen auf den relevanten Märkten eine marktbeherrschende Stellung inne.

Laut Haucap lassen sich diese Vorwürfe nur schwer überprüfen. So sei die Grenze von der Ordnung der Suchergebnisse hin zu einer Verzerrung nicht klar zu bestimmen, sondern fließend, da Suchmaschinen die Ergebnisse sortieren müssen. Auch sei Google bei weitem kein Monopolist, da es zum einen viele Wettbewerber gebe und zum anderen Google auf dem wichtige Werbemarkt keine vergleichsweise hohen Marktanteile hat wie unter den Suchmaschinen. Zudem sei zu bedenken, dass Google sich diese Marktmacht durch eine Vielzahl an Innovationen erarbeitet hat.

Abhilfen müssen gefunden werden

Dennoch müsse, wie Haucap betonte, Abhilfen gefunden werden für den Fall, dass Google die Suchergebnisse verzerre. Dafür stellt er drei konkrete Maßnahmen vor. So sollen erstens die Suchmaschinen Suchergebnisse neutral, basierend auf einem objektiven Algorithmus, listen, zweitens solle das vertikale vom horizontalen Suchgeschäft getrennt werden und drittens soll die Transparenz erhöht werden, indem Google zum Beispiel sämtliche Links, die nicht neutral gelistet sind, farblich markiert.

Dadurch, dass der Fall Google aus wettbewerbsökonomischer Sicht sehr kompliziert ist, dürfen aber keine vorschnellen Schlüsse gezogen werden. Es bestehe sonst die Gefahr, dass Wettbewerbsverhalten fälschlicherweise als wettbewerbsbeschädigend eingestuft wird. Dies könne dazu führen, dass Innovationsreize reduziert werden und so erhebliche Wohlfahrtseffekte ausbleiben. Als einen ersten Schritt in die richtige Richtung schlägt Prof. Dr. Haucap deswegen vor, dass Google konzerninterne Links farblich kennzeichnen sollte, sodass die Verbraucher sofort erkennen können, dass es sich um Google-Seiten handelt. Dies habe Google bereits der Europäischen Kommission vorgeschlagen. Somit könne Google dadurch im Idealfall für mehr Transparenz und Nutzerfreundlichkeit sorgen sowie die Nutzer selbst entscheiden lassen, ob Google diese Links manipuliert oder nicht.


Image (adapted) „Google Logo in Building43“ by Robert Scoble (CC BY 2.0)


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Dr. Jan Kurz über die Probleme der Digitalisierung

Noch bis zum 15.9.2014 läuft der Wettbewerb „Wir versilbern das Netz“, initiiert von Dr. Jan Kurz und Dagmar Hirche, um Lösungen für Menschen zu finden, die noch nicht den Weg in die digitale Welt gewagt haben. // von Merle Miller

Jan Kurz, Dagmar Hirche, Maxi Arland

Das Internet wird immer mehr zu einem großen Bestandteil des Alltags und für jeden ist es schon fast selbstverständlich, mindestens ein Smartphone zu besitzen. Leider wird dabei aber gerne vergessen, dass zum Beispiel die Generation 65+ technisch nicht so versiert ist wie die meisten heutzutage und so aufgrund ihres fehlenden Know-Hows stärker von der Außenwelt abgeschirmt wird. Mit Dr. Jan Kurz, Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins „Wege aus der Einsamkeit e.V.“ sprachen wir darüber, was dies für die Gesellschaft bedeutet und wie man insbesondere ältere Menschen bei den Herausforderungen, die die Digitalisierung mit sich bringt, unterstützen kann.

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Justus Haucap gegen Google-Zerschlagung

Google Developer Day 2007 (adapted) (Image by meneame comunicacions sl [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Die digitalen Verlierer klagen über Google. Doch für hausgemachte Geschäftsprobleme ist nicht das Kartellrecht zuständig. Mal klagt der stationäre Einzelhandel über die vermeintliche Allmacht von Amazon mit weinerlichen Statements über den Smartphone-Beratungsklau, kleistert Schaufenster mit schwarzen Pappen zu und verweist auf die so wunderhübsche Urbanität auswechselbarer Fußgängerzonen mit dem Flair von bepissten Blumenkübeln. Mal wettert der Datenschutz-Deichgraf über die tückische Herrschaft von Facebook und erklärt jedem Like-Button in Ostfriesland den Krieg.

Und immer wieder muss Google als Projektionsfläche für aufgeregte Jägerzaun-Hausmeister, besorgte Bürgermeister, zerknirschte Verleger, analoge Gestern-Manager und fürsorgliche Kindermädchen-Politiker herhalten, um uns Internet-Nutzer vor dem Fegefeuer des teuflischen Suchmaschinen-Giganten zu bewahren. Schaut man sich die Koalition der Google-Heulsusen an, entdeckt man sehr viele Parallelen zu den Leistungsschutz-Gichtlingen, die sich durch Schutzrechte noch ein Weilchen über Wasser halten wollen, mit freundlicher Unterstützung der politischen Klasse in Berlin und Brüssel. Verwundert bin ich über die Google-Angst von Springer-Chef Matthias Döpfner, der doch bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit den Gewinnen protzt, die er mit seinem Unternehmen im Online-Geschäft einheimst. Aber es könnten ruhig noch ein paar Euro mehr sein, um Friede Springer bei Laune zu halten.

Dann gibt es die NSA-Verharmloser, die die Datenschutz-Verordnung der EU blockieren, davor warnen, sich in netzpolitischen Debatten allzu sehr auf die NSA zu versteifen, im gleichen Atemzug Spionage-Werkzeuge einkaufen und Lippenbekenntnisse für den Datenschutz abgeben.
Rhetorische Kraftprotzereien statt kartellrechtliche Klarheit

Sigmar Gabriel und andere Schwergewichte des Merkel-Kabinetts überbieten sich zur Zeit mit martialischen Wortmeldungen, um zu demonstrieren, wie man einen amerikanischen Konzern an die kurze Leine nimmt. Der Wirtschaftsminister erwägt gar die Zerschlagung oder Entflechtung von Google. Das Bundeskartellamt soll kartellrechtsähnliche Regulierungen prüfen, die Monopolkommission könnte ein Sondergutachten schreiben und vielleicht lässt sich ja auch die Nato motivieren, Barrieren gegen den Konzern aus Mountain View zu errichten (kleiner Scherz). Aber gerade vom Bundeskartellamt und den Wissenschaftlern der Monopolkommission kommen ganz andere Töne.

„Marktbeherrschung ist nicht illegal und einen Missbrauch der marktbeherrschenden Stellung von Google muss man erst einmal nachweisen“, sagt Professor Justus Haucap, Mitglied der Monopolkommission, im ichsagmal-Gespräch.

 

Er verweist auf die langwierige Untersuchung der Federal Trade Commission (FTC) in den USA, die im Januar des vergangenen Jahres abgeschlossen wurde: „Dort wurde Google einstimmig von dem Vorwurf des so genannten Search Bias freigesprochen. Es sei nicht nachweisbar, dass Suchergebnisse verzerrt ausgewiesen werden.“

Der EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia verlangt Nachbesserungen von Google, würde dann das Verfahren aber beenden. Zugeständnisse hat Google gemacht, etwa bei Shopping-Angeboten. Das geht einigen EU-Kommissaren aber nicht weit genug. So hat Energiekommissar Günther Oettinger schon mit einer Kampfabstimmung gedroht, um eine härtere Gangart gegen Google durchzusetzen. Haucap wundert sich über die Forderung nach weiteren Zugeständnissen, die Herr Oettinger nicht so richtig konkretisiert.

Bei den kartellrechtsähnlichen Regulierungen, die Wirtschaftsminister Gabriel fordert, bleiben auch mehr Fragen als Antworten zurück. „Wir haben das Verfahren der EU-Kommission, das offiziell noch nicht abgeschlossen ist. Da kann das Bundeskartellamt kaum denselben Vorwurf noch einmal untersuchen. Es ist kaum vorstellbar, dass die deutschen Wettbewerbshüter schärfere Sanktionen gegen Google durchsetzen als die EU-Kommission“, erklärt Haucap.

Gabriel und die doppelt gemoppelte Kartellprüfung

Zudem sei es in der Rechtssache nicht zulässig, diesen Fall national noch einmal aufzurollen, wenn in Brüssel eine Entscheidung getroffen wurde. Für sinnvoll erachtet Haucap die Überlegung, die Verlinkung auf Google-Dienste farblich anders darzustellen. Das würde als Information für den Verbraucher vollkommen ausreichen. Google würde diese Auflage wohl locker akzeptieren.

Stellt man den Missbrauch der Marktmacht eindeutig fest und kommt es zu einer Entflechtung von Google, bleibt zu prüfen, ob es auch den Interessen der Verbraucher dient. Werden die Dienste sowie Inhalte von der generischen Suche abgetrennt, könnte es bei der Suche zu Nachteilen für Nutzer kommen. Es ist nach Ansicht von Haucap keinesfalls vorteilhaft, Informationen nicht mehr direkt angezeigt zu bekommen – etwa Wetterberichte oder Aktienkurse. Würde das Bundeskartellamt für den deutschen Markt eine Entflechtung verfügen, hätte Google zwei Möglichkeiten. Man verkauft Dienste wie Youtube und Maps – was höchst unwahrscheinlich ist – oder man bietet diese Dienste in Deutschland einfach nicht mehr an. Dann freut sich höchstens die GEMA und MyVideo.

Wenn es um Suchfunktionen geht, bleiben zudem noch Abgrenzungsfragen zu klären. „Darf ich bei Amazon noch nach Büchern suchen oder ist das dann auch eine Suchmaschine? Für mich ist Amazon eine Suchmaschine. Wenn ich etwas über ein Buch wissen will, dann komme ich nicht auf die Idee, bei Google nachzuschauen“, betont Haucap.

Interessen der Verbraucher

Der Wirtschaftswissenschaftler hält die Entflechtung oder gar Zerschlagung von Google juristisch für nicht angemessen. Man würde viele Innovationsanreize kaputtmachen. Wichtiger sei Transparenz, die Google erfüllen muss. Andere Ideen, wie die Schaffung einer europäischen Suchmaschine, die von Chirac bis zum „FAZ“-Herausgeber Frank Schirrmacher ernsthaft erwogen wurde, hält der Direktor des Düsseldorfer Instituts für Wettbewerbsökonomie für lächerlich. Da würde man ein politisches Monstrum schaffen. Als Aufsichtsgremium würde sich so eine Art Rundfunkrat mit gesellschaftlich relevanten Gruppen anbieten, die über politisch opportune Linkergebnisse entscheidet – etwa bei der Einhaltung von Anti-Raucher-Kampagnen oder der Unterstützung von veganer Lebensweise. Ähnlich abstrus würde es in einer Google-Regulierungsbehörde ablaufen.

„Der Suchmaschinen-Konzern nimmt jährlich ungefähr 500 Änderungen des Suchalgorithmus vor. Das ist für mich eine Grusel-Vorstellung, wenn hier eine Behörde vorgeschaltet wird. Dann werden wohl Genehmigungen erst mit mehreren Jahren Verspätung erteilt“, meint Haucap.

Und wie steht es mit der personalisierten Suche. Führt die zur Diskriminierung von Konkurrenten? Es wäre ziemlicher Schwachsinn, wenn man das Stichwort Fußball eingäbe und weltweit die gleiche Trefferliste angezeigt würde, obwohl Google aus der Suchhistorie des Wettbewerbsökonomen weiß, dass er Fan von St. Pauli-Fan ist und entsprechende Suchergebnisse ganz weit oben angezeigt werden.

Geht es in den Beschwerden gegen Google wirklich um Verbraucherinteressen oder klagen vor allem jene, die unter der besseren Geschäftsstrategie des Silicon Valley-Riesen leiden? Für hausgemachte Probleme ist das Kartellrecht nicht zuständig. In den Kartellverfahren geht es nicht um die Geschäftsinteressen von wetter.com, Axel Springer, finanz.net oder auswechselbare Vergleichsportale, die sich beim Anblick von Google in die Hose machen. Es geht um die Interessen der Verbraucher.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf The European.


Image (adapted) „Google Developer Day 2007“ by meneame comunicacions, sl (CC BY-SA 2.0)


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Mut zur Wut – Plakate die den Mund aufmachen

Mut zur Wut 2012Kritik am gesellschaftlichen Leben und vorherrschenden Strukturen wird derzeit hoch gehalten. Die Arabische Revolution, Occupy, WikiLeaks oder die immer mehr an Bedeutung gewinnende Bewegung Anonymous gelten dabei als Paradebeispiele für die steigende Bereitschaft zum Protest und der damit verbundenen erhöhten Handlungsfähigkeit der Menschen aus unserer Mitte.

Was aber macht man mit Leuten, die weder mit DDoS, Whistleblowern oder dem Besetzen öffentlicher Plätze was zu tun haben? Menschen, die durchaus wissen, dass viele Dinge verkehrt laufen, aber im illusorischen Dunstkreis von Werbung und medialem Entertainment, sich bestenfalls abends vor dem Lagerfeuer der Nation über eine Nachricht in der Tagesschau empören? Diese Leute holt man am besten da ab, wo sie festgehalten werden. In der Konsumwerbewelt.

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Wahl der 100 besten Web-Applikationen bei Webware

Webware hat ausgeschrieben, die Nutzer haben abgestimmt: wie schon 2007 hat das Online-Magazin die 100 besten Web-Applikationen ausgezeichnet. Blogpilot Björn Rohles hat sich den Wettbewerb angesehen und die Perlen herausgepickt.

Aufbau der Abstimmung

Die Wahl lief in zwei Schritten ab: zuerst einmal hat eine Jury aus 5000 Vorschlägen die 300 Finalisten ausgewählt, anschließend wurde schön demokratisch von jedem Besucher abgestimmt, jeweils in zehn verschiedenen Kategorien. Die Ergebnisse der knapp 2 Millionen Stimmen bestätigen den Trend der letzten Jahre: die Nutzer wollen vor allem Services, die social sind. Im Folgenden findet ihr die interessantesten Ergebnisse.

Kategorie 1: Audio

Die Audio-Kategorie wird dominiert von bekannten Namen: verschiedene Download-Stores für Musik stehen neben Social-Music-Plattformen wie last.fm und Pandora. Weniger bekannt dürften Blogtalkradio (einfacher Online-Service zum Produzieren eigener Radiosendungen und Podcasts) und Live365 (gigantisches Archiv an Radiostationen, die sich online anhören lassen) sein.Blogtalkradio

Kategorie 2: Surfen im Web

Gewinner in der Surfen-Kategorie sind Browser und RSS-Reader neben persönlichen Startseiten ins Web wie iGoogle und MyYahoo.iGoogle

Kategorie 3: Wirtschaft

Viele altbekannte Gesichter wie Ebay und Amazon. Mit dabei sind aber auch bei uns weniger bekannte Services wie Craigslist (Verkauf sortiert nach Regionen), Etsy (spezialisiert auf Verkauf von Handarbeitsartikeln) oder Kayak (Suchmaschinen für Reiseangebote).Kayak

Kategorie 4: Kommunikation

Kategorie 4 zeigt neben bekannten Chat-Services und verschiedenen Clients den Online-Dienst Meebo, der für alle interessant ist, die viel auf fremden Computern arbeiten: er ermöglicht das Chatten ohne Installation mit mehreren Chat-Services gleichzeitig.Meebo

Kategorie 5: Productivity

In der Kategorie „Productivity“ gibt es Kalender und Projektmanagement-Tools. Auch mit dabei sind mobilde To-Do-Listen mit RememberTheMilk und Office-Pakete wie Zoho und GoogleDocs.RememberTheMilk

Kategorie 6: Veröffentlichen und Fotografie

Online Fotos bearbeiten und teilen sowie Blogs und Homepages erstellen – darum geht es in Kategorie 6. Die Gewinner sind bekannt, aber hervorragend: Flickr, WordPress, Drupal, TwitterFlickr

Kategorie 7: Suchmaschinen

In Kategorie 7 dreht sich alles um Antworten, Suchen und Wikis. Sehr interessant: die semantische Suchmaschine Hakia, die sich auf die Fahne schreibt, qualitative statt populäre Suchergebnisse zu liefern. Ein erster Blick aufs Web3.0? Unbedingt im Auge behalten!Hakia

Kategorie 8: Social Networks

Erwartungsgemäß die beliebteste Kategorie bei den diesjährigen Wahlen. Neben den bekannten Größen gewannen Services wie DeviantArt (Online-Sharing für Kunstwerke jeder Art) und StarDoll (Service, um online eine eigene Puppe nach Vorbild von Promis zu kreieren). Für Gamer interessant ist GaiaOnline, eine Mischung aus Social Network und Rollenspiel.Deviant Art

Kategorie 9: Tools und Sicherheit

In der vorletzten Kategorie tummeln sich Tools zum Datenaustausch (etwa BitTorrent) ebenso wie Online-Storage-Services (etwa Box.net). Interessant sind die Versuche einer Vereinheitlichung der ewig verschiedenen Benutzeraccounts über OpenID.OpenID

Kategorie 10: Video

In der letzten Kategorie „Video“ finden sich neben Video-Plattformen einige interessante Anwendungen: FixMyVideo versucht, verpixelte Videos wieder herzustellen. Veodia bietet Video-Produktion online. Und Joost bietet freies Fernsehen online.FixMyVideo


Screenshots by Netzpiloten


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Wozu ist Seesmic gut? 10 extra Einladungen für die beste Idee!

Einhundert Einladungen zum brandheißen Videodienst Seesmic haben wir euch versprochen. Natürlich interessiert uns, was du mit Seesmic anstellen möchtest und wie deine Erfahrungen sind.

Zeig uns dein erstes Video – einfach den Video-Code als Kommentar unten einfügen!

Wenn du in deinem Video erklärst, wozu du Seesmic einsetzen willst, um so besser: Für die beste Idee gibt es zehn extra Seesmic-Invites, die du über dein Blog weiterverteilen kannst. Die Deadline ist Freitag, 12 Uhr mittags – dann wählen wir den Gewinner und stellen seine Idee nochmals in einem eigenen Post vor.

Viel Glück & viel Spaß!

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Spreadshirt sucht (wieder) ein neues Logo

Nachdem Spreadshirt in den letzten 18 Monaten nicht nur gewachsen ist, sondern sich nach einigen Zu- und Abkäufen auch wieder auf sein Kerngeschäft konzentrieren will, erweckt man den „Open Logo Contest“ wieder zum Leben.

Der Wettbewerb, mittels dessen man im März 2006 über die eigene Community ein neues Logo für Spreadshirt gekürt hatte, wird nun neu aufgelegt. Grund: Das Leipziger Unternehmen habe sich so geändert, dass Logo und neuer Claim (statt „You think it, we print it“ jetzt „your own label“) nicht mehr zusammen passen würden …

Aus diesem Grund ruft man Designer auf, ab dem 27.August eigene Entwürfe einzusenden. Verlost werden Preise im Wert von 15.000 Euro, alle weiteren Informationen findet man hier.
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Die Superblogs 2007

Wie man Aufmerksamkeit auf das eigene Weblog zieht, kann man immer wieder bei Hitflip lernen: Nach der Blogitzeljagd im Februar kommen die Tauscher jetzt mit dem nächsten Wettbewerb und suchen „Das Superblog 2007„.
Noch bis 15. April kann man ein Weblog nominieren, danach kann bis 22. April für das „tollste, beste, schönste“ Blog abgestimmt werden.

Als Gewinn locken neben 200 Euro auch Backlinks vom Hitfllip-Blog.

Ideen, die eigene Community und Weblog-Welt ein wenig zu beschäftigen, hat Hitflip, und Resonanz gibt es offenbar ausreichend.

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