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Warum ich meine Genomsequenz für die Öffentlichkeit gespendet habe

DNA (adapted) (Image by PublicDomainPictures [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Vor ein paar Jahren habe ich mein komplettes Genom sequenzieren lassen – alle sechs Milliarden Basenpaare. Und anstatt es für mich selbst zu behalten, habe ich es als erster Mensch weltweit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, indem ich es dem Personal Genome Project UK, einer von Forschern geleiteten Organisation, gespendet habe. Da jeder auf die Daten zugreifen kann, kann die Öffentlichkeit – in Zusammenarbeit mit professionellen Wissenschaftlern – einen Beitrag zur Datenanalyse leisten.

Meine Spende habe ich unter dem umstrittenen Prinzip der freiwilligen Zustimmung gemacht. Vier andere Leute haben dies seitdem getan. Das bedeutet, dass wir damit einverstanden sind, dass unsere personenbezogenen Daten für jedermann frei zugänglich sind und keinen Anspruch auf Privatsphäre erheben. Das Projekt hört nicht bei der Verbreitung persönlicher Genomsequenzen auf, sondern geht weit darüber hinaus, indem es die Daten mit persönlichen Gesundheitsdaten, Informationen über Merkmale und die Umweltexposition des Einzelnen verknüpft. Gerade diese reichhaltige Informationsvielfalt macht die Initiative zum persönlichen Genomprojekt einzigartig und mächtig.

Daten aufdecken

Die menschliche Genomsequenz kann auch als der ultimative digitale Identifikator angesehen werden – wir alle haben eine einzigartige Sequenz. Derzeit werden die meisten Humangenom-Daten anonym gehalten, und es ist nicht generell möglich, diese Daten mit den persönlichen Daten der Versuchspersonen zu verknüpfen. Aber das reduziert die potenzielle Nutzbarkeit erheblich.

Je mehr Genome wir mit zusätzlichen Informationen verknüpfen können, desto näher rücken wir an die Aufdeckung der genauen Merkmale und Bedingungen heran, die mit welchen Genen verbunden sind. Wenn wir das wissen, werden die Behandlungsmöglichkeiten enorm sein. Es wird eine echte, personalisierte medizinische Behandlung ermöglichen, in der wir Krankheiten vorhersagen können und genau wissen, auf welche Behandlungsmöglichkeiten jeder einzelne Mensch anspricht. Da die wissenschaftliche und medizinische Forschung solche Entdeckungen immer wieder macht, können diese in Zukunft durch aktualisierte Genomberichte mit den Teilnehmern der Projekte geteilt werden.

Viele führende Wissenschaftler sind der Meinung, dass es äußerst schwierig ist, genomische Daten anonym zu halten. Obwohl es Versuche gibt, die Methoden zu verbessern, gab es Fälle in denen anonyme Probanden in Forschungsarbeiten leicht identifiziert werden konnten. Oft anhand von Informationen wie Alter, Geschlecht und Postleitzahl. Vielleicht müssen wir also die Vorstellung aufgeben, dass Daten für alle Ewigkeit vollkommen anonymisiert werden können.

Es gibt Großartiges über den Beitritt zum persönlichen Genomprojekt zu berichten. Man erhält Zugang zu einem Team führender Genforscher und Bioinformatiker und bekommt detaillierte Infos über sein persönliches Genom. Ich fand meinen persönlichen Genombericht sehr hilfreich. Es hat mögliche Gesundheitsrisiken aufgezeigt, von denen ich einige mit meinem Hausarzt besprochen habe.

Eine weitere, sehr nützliche Erkenntnis ist, dass ich mehrere DNA-Varianten habe, die mich daran hindern, viele verschiedene verschreibungspflichtige Medikamente in meinem Körper abzubauen oder zu transportieren. Infolge dessen weiß ich auch, welche Stoffe bei mir funktionieren. Tatsächlich könnte möglicherweise sogar eine bestimmte Art Droge für mich tödlich sein. Gut, dass ich das weiß.

Ich möchte die Menschen auf jeden Fall ermutigen, an dem Programm teilzunehmen. Sobald Hunderttausende oder gar Millionen von Teilnehmern an der Konferenz beteiligt sind, wird das Wissen, das wir über die Auswirkungen unserer Genome auf unsere Gesundheit, unsere Eigenschaften und unser Verhalten gewinnen, einzigartig sein. Obwohl wir nicht genau vorhersagen können, was wir lernen werden, ist es wahrscheinlich, dass wir Einblicke in psychische Gesundheitsbedingungen, den Medikamenten-Stoffwechsel, persönliche menschliche Ernährung, unsere Allergien und Autoimmunerkrankungen gewinnen werden. Wir erfahren mehr über unsere Lebenserwartung, Diabetes, Herz-Kreislauf-Gesundheit und mögliche Krebserkrankungen.

Ein schwieriges Thema

Aber ich bin mir auch bewusst, dass es nicht für jeden infrage käme, sein persönliches Genom sequenziert zu bekommen. Manche Leute wollen es einfach nicht wissen und spüren, dass die Information für sie eine Menge Ängste auslösen könnte. Niemand sollte sich gezwungen fühlen, sein Genom sequenzieren zu lassen.

Ich fand heraus, dass bei meiner Sequenzierung meines Genoms ein erhöhtes Risiko für eine seltene, unangenehme Krankheit festgestellt wurde und begann sofort, Symptome zu entwickeln. Als medizinische Tests schließlich aufdeckten, dass ich nicht die notwendigen Bedingung erfüllte, verschwanden die Symptome. Das zeigt, dass solche Informationen psychosomatische Symptome verursachen können.

Eine weitere Frage, über die sich mancher vielleicht den Kopf zerbricht, ist, wie die Daten von privaten Unternehmen, einschließlich Arbeitgeber oder Versicherungen, genutzt werden können. Obwohl die Forscher sich nicht mit Genen beschäftigt haben, die mit kriminellen Aktivitäten in Verbindung stehen, sind die Rohdaten für jedermann zur Analyse da. Zwar dürfen Versicherungsunternehmen derzeit noch keine Entscheidungen auf der Grundlage genomischer Daten treffen, einige könnten jedoch befürchten, dass sich dies in Zukunft ändern könnte.

Die Familie ist ein weiterer wichtiger Faktor. Schließlich teilen wir unsere Geninformationen mit unseren Eltern und Kindern – und vielleicht möchten wir das Thema vor der Bekanntgabe unseres Genoms mit ihnen besprechen. Eine andere Sache, die man bei der genomischen Prüfung bedenken sollte, ist, dass man unter Umständen herausfinden könnte, dass die eigenen Elternteile vielleicht nicht die sind, mit denen wir aufgewachsen sind. Dies geschieht in bis zu zehn Prozent der Fälle.

Ich verstehe sehr wohl, dass diese Dinge für bestimmte Menschen von Bedeutung sein können. Ich habe sie alle in Betracht gezogen, aber ich habe beschlossen, dass letztendlich eine Vorbereitung auf das Schlimmste die beste Vorbereitung ist. Wenn man weiß, dass man ein erhöhtes Risiko für eine bestimmte Krankheit aufweisen könnte, kann man frühzeitig handeln – zum Beispiel durch eine Ernährungsumstellung oder durch medizinische Spezialbehandlungen. Neben der Spende meiner Gendaten für das Gemeinwohl war dies wohl das Wichtigste für mich.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „DNA“ by PublicDomainPictures (CC0 Public Domain)


The Conversation

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  • KI wired: Googles Künstliche Intelligenzen sollen mehr Mensch sein: Damit uns die KI in Zukunft noch besser verstehen und unterstützen kann, startet derzeit Googles Projekt People + AI Research initiative (PAIR), wie Google am Montag auf seinem Unternehmerblog ankündigte. Das Projekt arbeitet eng mit drei verschiedenen Gebieten zusammen, wobei eines die alltäglichen Nutzer, das Zweite Experten in verschiedensten Bereichen und das Dritte Ingenieure und Forscher beinhaltet. Zusammen haben sie sich zum Ziel gesetzt, dass sprachliche Assistenten beispielsweise noch besser und schneller verstehen, was der Anwender von ihnen möchte. Ein spannendes und zukunftsweisendes Projekt, was Google da starten will.

  • FEHLER t3n: Warum dein Design menschliche Fehler verzeihen muss: Fehler sind etwas ganz Menschliches und unabwendbar, umso wichtiger ist das verzeihende Design, damit solches eventuelle „menschliche Versagen“ abgefedert werden kann. Ein Beispiel zur Veranschaulichung ist die Double-Opt-In-Funktion beim Löschen von Daten. An alle Design-, wer seine Kunden glücklich machen möchte, sollte bei seinem Bedienkonzept immer darauf achten, dass es leicht zu bedienen ist und der Nutzer immer die Möglichkeit hat Dinge im schlimmsten Falle rückgängig zu machen. Auch Hilfestellungen, wie das Erinnern an eine unausgefüllte Spalte in einem Formular, bringen den Kunden glücklicher und entspannter ans Ziel.

  • FACEBOOK golem: „Wir retten Leben!“: Es ist das erste Mal, dass Facebook sein Löschzentrum für Journalisten öffnet und ihnen die Möglichkeit gibt, mit den Mitarbeitern zu sprechen. Doch im Gespräch fühlte sich keiner, wie in den letzten Medienberichten dargestellt, mit den seelischen Problemen alleingelassen. Die Verbesserungen, wie Kontaktdaten von psychologischen Betreuern und einem Feelgood-Manager, der sich um die Mitarbeiter kümmert, scheinen auf positive Resonanz zustoßen. Zudem sei es nach Angaben einiger Interviewten ein wertvoller Job, der verhindern würde, dass Menschen, insbesondere Kinder, im Netz schlimmen Situationen und Bildern ausgeliefert sind.

  • BAIDU heise: Baidu kündigt kostenlose Plattform zur Entwicklung autonomer Autos an: Das chinesische Unternehmen Baidu möchte fortan eine Plattform für autonomes Fahren bieten. Kostenfrei bekommen so gerade junge Unternehmen die Möglichkeit sich am Markt zu etablieren, dies sagte Baidu selbst auf einer Entwicklerkonferenz. Es ist hierbei auch gut zu wissen, dass westliche Unternehmen von diesem Angebot selbstverständlich nicht ausgeschlossen werden. Dass das Projekt Apollo ein uter Schritt in Richtung Zukunft sei, dessen ist sich Qi Li, Vice Chairman von Baidu sicher und dass er damit nicht ganz falsch liegt, wurde auch sofort auf der Veranstaltung selbst vorgeführt. Das Start-up AutonomousStuff stellte eine Limousine vor, die zusammen mit der Apollo-Technologie innerhalb weniger Tage zu einem autonomen Auto wurde.

  • STROMNETZAUSBAU faz: Sind Stromleitungen ein Gesundheitsrisiko?: Da der Ausbau von Stromnetzen unabdingbar ist, um die Energiewende voranzutreiben, werden vorerst Versuche durchgeführt, die zeigen sollen, ob die elektrischen und magnetischen Felder womöglich doch Auswirkungen auf die Gesundheit der Bürger haben. Insbesondere werden die Vorkommnisse von Demenz, Parkinson oder ALS, sowie Leukämie bei Kindern im Gebiet der aufgebauten Stromnetze in den kommenden sechs Jahren analysiert. Falls kein Zusammenhang mit den Stromnetzen in Verbindung gebracht werden kann, sollen die neuen „Strom-Autobahnen“ von Nord- nach Süddeutschland dann endgültig verwirklicht werden.

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  • HACKING Süddeutsche Zeitung: Deutschland plant Cyber-Gegenschläge: Die Bundesregierung will Voraussetzungen schaffen, unter denen es möglich ist, im Falle von Cyber-Attacke zum Gegenangriff überzugehen. Das Verfahren hierfür ist die Zerstörung des feindlichen Servers. Nach Informationen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR beschloss der Bundessicherheitsrat unter Vorsitz von Kanzlerin Angela Merkel, zu analysieren, welche technischen Fähigkeiten hierfür vonnöten wären. In der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“ erklärte Bundesinnenminister Thomas de Maizière die Notwenigkeit der Maßnahmen und füge erklärend hinzu, ein Polizist trage im Einsatz ja nicht nur eine Schutzweste, sondern auch eine Pistole.

  • OPEN SOURCE heise: Black Duck: Open Source ist allgegenwärtig – und gefährlich: Black Duck Software, ein Spezialist für Open-Source-Audits hat über 1. 000 kommerzielle Anwendungen untersucht. Das Ergebnis liegt nun in Form der Open-Source-Sicherheits- und Risikoanalyse 2017 vor. Demnach kommt kaum noch eine Software ohne Open-Source-Komponenten aus. Gut ein Drittel des Codes stammt durchschnittlich aus Open-Source-Projekten, die am häufigsten genutzten sind jQuery, Bootstrap, JUnit, Apache Log4j sowie Software aus dem Apache-Commons-Projekt. Die verbleibenden zwei Drittel der Anwendungen nutzen allerdings Komponenten in Versionen mit bekannten Sicherheitslücken. Ausgerechnet die Branchen Handel, E-Commerce, Internet und Software-Infrastruktur sowie Finanzdienstleister und Fintechs sollen laut der Studie betroffen sein.

  • APPLE golem: Weiter Lieferprobleme bei den Apple Airpods: Auch vier Monate nachdem die Apple Airpods auf den Markt kamen, gibt es weiter Probleme bei der Auslieferung. Sechs Wochen muss man derzeit warten, wenn man jetzt ein Paar der kabellosen Kopfhörer bestellt. Im Appel Retail Store am Ku’damm in Berlin ist es bisher sogar so, dass man mit größter Wahrscheinlichkeit keine Airpods erhalten hat, ohne sie in das Geschäft vorzubestellen. Über die Gründe für die schlechte Verfügbarkeit kann nur spekuliert werden. Möglicherweise hat Apple im Vorfeld falsch kalkuliert und die Nachfragen nach den rund 180 Euro teuren Geräten unterschätzt.

  • FACEBOOK Welt: Facebook-App soll das Gedankenlesen lernen: Es klingt wie Science-Fiction, aber Facebook arbeitet wirklich daran: Das weltgrößte Online-Netzwerk will Menschen direkt aus dem Gehirn heraus Worte in Computer schreiben lassen. Es gehe zum Beispiel um die Möglichkeit, einem Freund eine Textnachricht zu schicken, ohne dafür das Smartphone herausholen zu müssen, sagte Facebook-Managerin Regina Dugan auf der hauseigenen Entwicklerkonferenz F8 im kalifornischen San José. Das aktuelle Ziel sei, auf 100 Worte pro Minute zu kommen. Dies könne in einigen Jahren erreicht werden.

  • MICROSOFT t3n: Microsoft killt das Passwort: Das Eingeben von Passwörter ist bei fast allen Nutzern unbeliebt, egal ob man immer dasselbe Passwort verwendet oder ein sicheres und immer anderes. Microsoft hat sich dem Problem angenommen und eine neue Art der Authentifizierung entwickelt, die nun an alle Nutzer ausgerollt wird. Statt das Passwort stationär auf dem PC einzugeben, kann man stattdessen sein Smartphone mit dem Konto verknüpfen. Ist es notwendig, dass sich der Nutzer identifiziert, hat er nun die Wahl, sich einen Code auf sein Smartphone schicken zu lassen. Dort kann er den Code bestätigen und so die Eingabe des Passworts umgehen.

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  • DATENSCHUTZ heise: Test zur Gesichtserkennung laut Datenschützerin am Bahnhof akzeptabel: Der von den Sicherheitsbehörden geplante Test biometrischer Gesichtserkennung am Berliner Bahnhof Südkreuz geht aus Sicht der Bundesbeauftragen für Datenschutz in Ordnung. Das Projekt sei „für sich genommen noch nicht als schwerwiegender Eingriff zu sehen“, erklärte Andrea Voßhoff auf Anfrage. Das ändere allerdings nichts an „grundsätzlichen Bedenken“ gegen diese Technologie. „Sollten derartige Systeme später einmal in den Echtbetrieb gehen, wäre dies ein erheblicher Grundrechtseingriff“, so Voßhoff.

  • TECHNOLOGIE golem: Dells OLED-Monitor UltraSharp UP3017Q kommt doch: Der US-amerikanische Hardware-Hersteller hat hingegen anders lautender Aussagen nun doch angekündigt, den OLED-Monitor UltraSharp UP3017Q auf den Markt zu bringen. Zwischenzeitlich hieß es, das Modell würde eingestellt aufgrund von Blickwinkelproblemen. Für den Bereich der USA können Kunden das Gerät ab sofort bestellen, es ist mit einer Lieferzeit von ein bis zwei Wochen zu rechnen. Bisher hat sich OLED-Technik im IT-Bereich nur bei Wearables, Smartphones und Zusatzdisplays wie beim Macbook Pro 2016 verbreitet. Bei größeren Bildschirmdiagonalen sind vor allem Fernseher-Hersteller Panel-Abnehmer.

  • E-COMMERCE t3n: Die Zukunft von Magento: Das kommt auf Shopbetreiber zu: Nach gut einem Jahr Eigenständigkeit als Magento Inc. und mit Permira hat sich Magento im letzten Jahr sehr weiterentwickelt – und steht durch den neuen Investor besser da denn je. Die E-Commerce-Plattform wickelt inzwischen insgesamt ein Bestellvolumen von weltweit mehr als 100 Milliarden Dollar ab, das von mehr als 260.000 Kunden (davon gut 3.500 Enterprise-Kunden) generiert wird.

  • KI Welt: So stellt sich künstliche Intelligenz Menschen vor: Der Fernsehmaler und Unternehmer Bob Ross, leicht zu erkennen an seiner auffälligen Frisur, hat in einem neuen Kunstwerk dargestellt, wie es für eine künstliche Intelligenz unter Einfluss von LSD erscheinen muss, einen Menschen wahrzunehmen. Die Software, die zu dieser Wahrnehmung führt, sind Deep-Dream-Algorithmen von Google sowie der WaveNet Machine Learning Algorithm. Das Video zeige, so der Künstler, „wie sich ein Computer die Stimme von Bob Ross vorstellt und wie ein Computer ,halluziniert‘, was er in den einzelnen Videobildern sieht“, erklärt Alexander Reben, Künstler und Programmierer aus dem Silicon Valley.

  • HACKING Süddeutsche Zeitung: Mysteriöse Gruppe offenbart mutmaßliche Hacking-Angriffe der NSA: Eine mysteriöse Hackergruppe hat mehrere Datensätze veröffentlicht, aus denen hervorgehen soll, dass der US-Geheimdienst NSA Teile des globalen Geldverkehrs ausspioniert hat. Ebenfalls enthalten sind Werkzeuge, mit denen die Elite-Hacker der NSA wohl Windows-Betriebssysteme übernehmen konnten. Die Hacker nennen sich Shadowbrokers – in Anlehnung an das Computerspiel Mass Effect – und sind seit August 2016 unter diesem Namen aktiv. Ob und von wem sie Befehle erhalten, ist unklar. Sicher ist nur: Jede Veröffentlichung hat das Potenzial, die US-Beziehungen sowohl zur internationalen Gemeinschaft als auch zu amerikanischen Technik-Konzernen massiv zu beschädigen.

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Die Netzpiloten sind Partner der Startup Safary

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In Leipzig findet am 11. und 12. Mai die Startup Safary statt. Das Ziel der Veranstaltung ist eine stärkere Vernetzung der wirtschaftlichen Akteuere und Unternehmer der Stadt. Bei dem Event habt ihr die Möglichkeit, die Leipziger Startup-Szene besser kennenzulernen. Außerdem könnt ihr die Bekanntschaft von den Teams von über 50 Startups, VCs, Investoren und Coworking Spaces machen.

Die dynamische Gründerszene Leipzigs gewährt euch zudem Einblicke in innovative und kreative Geschäftsmodelle. Wer mit mitteldeutschen Gründern, Jungunternehmern und Investoren in Kontakt treten will, hat hier die ideale Möglichkeit dazu. Des Weiteren haben die Besucher einen direkten Draht zu Gründern, Entscheidern und Innovatoren. Die einzelnen Veranstaltungen finden mitunter gleichzeitig und an über 60 Stationen statt. Das sorgt für eine erhöhte Sichtbarkeit der teilnehmenden Projekte und bietet Gästen der Stadt zudem eine hervorragende Möglichkeit, Leipzig zu entdecken.

Weithin bekannte Partnerstädte

Entstanden ist das Konzept der Startup Safary in Berlin. Seitdem fand das Event schon in bedeutenden Städten wie Kopenhagen, Athen, Warschau und Poznan statt. Auch die Leipziger kennen die Veranstaltung schon. Schon in den letzten beiden Jahren präsentierte sich die Gründer- und Ideenlandschaft der größten Stadt Sachsens.

Hier sind einige der Startups, die beider Startup Safary für euch zwei Tage lang ihre Türen öffnen:

Bis es soweit ist, bleibt ihr bei Twitter auf dem Laufenden, welches Programm euch erwartet. Hier könnt ihr euch eure Tickets sichern.

+++ Rabattaktion +++

Schnell sein lohnt sich! Die ersten zwei, die sich hier für die Veranstaltung anmelden, erhalten 50 Prozent Rabatt auf den Ticketpreis. Gebt dafür einfach denn Rabattcode „Netzpiloten@SUSLeipzig“ ein.

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  • NETFLIX Horizont: Netflix mit überraschend vielen Neu-Kunden und hohem Umsatz: Netflix hat das Vertrauen der Anleger zurückgewonnen: Nach unerwartet gut ausgefallenen Quartalszahlen sprang die Aktie um rund ein Fünftel hoch. Netflix konnte im vergangenen Vierteljahr 3,57 Millionen neue Kunden gewinnen. Den Ausschlag hätten populäre Eigenproduktionen wie die Mystery-Serie „Stranger Things“ gegeben, sagte Netflix-Chef Reed Hastings am Montag. Netflix hatte den Dienst im Januar auf einen Schlag in 130 neue Länder gebracht und deckt damit fast die ganze Welt bis auf China ab. Netflix war trotz der nahezu weltweiten Verfügbarkeit zu Jahresbeginn in den vergangenen Quartalen zunächst schwächer als erwartet gewachsen.

  • SAMSUNG t3n: Samsung Galaxy S8: Das soll das nächste Flaggschiff an Bord haben: Bald kommt das neue Samsung Galaxy S8, nach dem Note-7-Debakel ein äußerst wichtiges Produkt. Auf dem Samsung Galaxy S8, das wohl das nächste High-End-Modell wird, lasten entsprechend hohe Erwartungen. Obwohl es noch etwa ein halbes Jahr dauert, bis das Galaxy S8 vorgestellt wird, kursieren schon viele Gerüchte und Details über das Smartphone-Flaggschiff.Es werden wie in den vergangenen zwei Jahren, abermals zwei Modelle erwartet. Die beiden Geräte sollen die Codenamen Dream und Dream2 tragen. Auch wenn Samsung jetzt aufgrund des Note–7-Fiaskos eine große Lücke zu füllen hat, gehen wir davon aus, dass die neuen Galaxy-S8-Modelle nicht vor Ende Februar das Licht der Welt erblicken werden.

  • TESLA golem: Behörde verlangt Umbenennung des Tesla-Autopiloten: Das Kraftfahrt-Bundesamt will eine Umbenennung des Tesla-Autopiloten erreichen. Nach Ansicht der Behörde ist der Begriff missverständlich für Fahrer des Elektroautos. Der Begriff Autopilot könnte zu der Annahme führen, dass sich der Fahrer um nichts kümmern müsse. Fahrer müssten ständig aufpassen, dass das Auto keine Fehler mache und nötige Korrekturen vornehmen. Tesla weist die Kritik an seinem Assistenzsystem zurück und will mit einer Umfrage klären, ob der Begriff missverstanden werde.

  • ALLIANZ Die Welt: Allianz wird zum Amazon des Gebrauchtwagenhandels: Der Versicherungspolicen-Verkauf reicht der Allianz nicht mehr. Künftig will sie über das Netz Gebrauchtwagen verkaufen und per Spedition liefern. Nach den Vorstellungen der Allianz soll der Gebrauchtwagenkauf der Zukunft nach dem Amazon-Vorbild ablaufen. Von zu Hause sucht der Kunde im Internet ein Fahrzeug seiner Wahl aus und bekommt es dann samt Wunschkennzeichen zugelassen vor die Tür gestellt – plus 14 Tage Umtauschrecht, beispielsweise wenn das Auto doch nicht so fährt wie erhofft. Der Versicherungskonzern bestätigte der Welt auf Anfrage das Vorhaben.

  • APPLE Frankfurter Allgemeine: Baut Apple doch kein eigenes Auto?: Apple macht ein großes Geheimnis um sein „Apple Car“. Doch nun gibt es Hinweise dafür, dass das Projekt in Problemen steckt. Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet über Umstrukturierungen in der Entwicklungsabteilung, die für das „Apple Car“ zuständig ist. Von insgesamt 1000 Mitarbeitern seien in den vergangenen Monaten mehrere hundert in andere Abteilungen versetzt worden oder hätten gekündigt. Ob Apple demnächst ein eigenes Auto baut, wird immer fraglicher.

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PC-Tuning mal anders: Alte Geräte mit Linux reaktivieren

Repair (Image by Ady Satria Herzegovina [CC0 Public Domain], via Pexels)

Moderne Betriebssysteme zeichnen sich durch einen stetig wachsenden Ressourcen-Hunger und einen großen Bedarf an Arbeitsspeicher aus. Oftmals wirft man die zu langsamen und somit nutzlosen Geräte nach ein paar Jahren weg, statt sie mit einem anderen Betriebssystem zum Leben zu erwecken.

Der pensionierte Lehrer Wolf-Dieter Zimmermann möchte die negative Ökobilanz mit dem Projekt „Alte Laptops im neuen Gewand“ verbessern. Zimmermann hilft in Mülheim dabei, auf alten Laptops und Desktop-PCs das Betriebsprogramm Linux zu installieren, damit diese wieder lauffähig sind. Seine ehrenamtliche Tätigkeit wurde kürzlich mit dem RWE Klimaschutzpreis 2016 ausgezeichnet.

Wir sprechen mit ihm über die Ex- und Hopp-Mentalität unserer Gesellschaft und warum es keinen Sinn macht, die Benutzung von Software oder sozialen Netzwerken mit den eigenen Daten zu bezahlen.

Lars Sobiraj (LS): Wolf-Dieter, wie bist Du überhaupt zum Thema Linux und freie Software gekommen?

Wolf-Dieter Zimmermann (WZ): Als Student habe ich auf CP/M-Basis ganz ganz wenig mit Assembler Erfahrung gemacht. Insofern war mir immer klar, dass hinter einem Betriebssystem erkennbare Systeme und Schleifen stehen. Der nächste Schritt: Im Kontext mit einem Europaprojekt (EdiPed) habe ich mit dem damals am Projekt beteiligten Engländer dafür gesorgt, dass alles als freie Software entwickelt wird. Dabei ist mir klar geworden, was freie Software wirklich ist.

LS: Kannst Du uns bitte erklären, was freie Software für Dich ist?

WZ: Die Setzungen der Free Software Foundation Europe (FSFE) treffen meine Meinung am besten: Software ist dann frei, wenn sie mit den vier Freiheiten (nämlich sie zu verwenden, zu verbreiten, zu verstehen und zu ändern) ausgestattet ist.

LS: Wieso ist dieses Thema für Dich überhaupt so wichtig?

WZ: Vielleicht kommt da ein wenig meine Herkunft als Theologe ins Spiel. Die Grundlegungen des christlichen Glaubens ist für uns Evangelische daran gebunden, dass wir in der Lage sein können wollen, die Quellen selbst sprechen zu lassen. Martin Luther sprach davon, dass allein die Schrift (sola scriptura) entscheidet und nicht Päpste, Bischöfe oder ähnliches. Das bringt Evangelische in eine ganz andere Verantwortung.

Politisch argumentiert: Nur wenn ich die Quellen einsehen kann, ist Transparenz – ein demokratisches Grundgebot – gegeben, nur dann kann ich wirklich teilhaben an Entscheidungsprozessen. Demokratie gibt es nicht für weniger.

LS: Warum sollte man den Quellcode eines Programms einsehen können? Macht diese Offenheit es nicht leichter für Hacker, um gezielt nach Sicherheitslücken zu suchen?

WZ: Andersherum wird ein Schuh daraus. Stellen wir uns vor, die Schummelsoftware von VW wäre quelloffen gewesen. Vermutlich hätte sie nicht eine Woche unerkannt überlebt, weil eine zahlreiche und internationale Community (mit durchaus höchst unterschiedlichen Interessen) schnell erkannt hätte, welche Funktionalitäten diese Software wirklich gehabt hat. Insofern konnte diese Software nur dann den gewünschten Effekt haben, solange sie proprietär (und damit mit verschlossenem Quellcode) eingesetzt wurde. Damit dürften auch die Gründe benannt sein, weshalb viele Unternehmen ihre Software proprietär gestaltet sehen wollen. Teilen wollen und können ist aus meiner Sicht wertvoller als immer mehr haben wollen.

LS: Du hast kürzlich den RWE Klimaschutzpreis 2016 erhalten, weil Du Menschen im Ruhrgebiet aktiv dabei unterstützt, ihre alten Laptops und Desktop-PCs vor dem Mülleimer zu retten. Wie kam es eigentlich zu dieser Initiative?

WZ: Als ich mir klar machte, was alles im PC an seltenen Erzen, unter höchst problematischen Bedingungen zum Teil von Kindern ohne Schutzanzüge abgebaut, an Wasser, an Energie so enthalten ist, wurde mir diese Ex- und Hoppmentalität, die wir vielfach haben, noch mehr zuwider. Ich komme aus einer Familie und einer Generation, die gelernt hat, mit wenig auszukommen und das Wenige zu pflegen und möglichst auch zu reparieren.

Wolf-Dieter Zimmermann erhält den Klimaschutzpreis (Image by Netzwerk Bildung [CC BY SA] via Netzwerk Bildung)
Wolf-Dieter Zimmermann (Mitte) erhält den Klimaschutzpreis (Image by Netzwerk Bildung [CC BY SA] via Netzwerk Bildung)

WZ: Bei der Installation arbeiten wir aus zwei Gründen mit Xubuntu . Ein Grund: Xubuntu braucht wenig Ressourcen, läuft also (mit ganz wenigen Ausnahmen) auch auf alten Geräten.

Zweitens: Xubuntu enthält in den allermeisten Fällen bereits die richtigen Treiber. Problematischer sind derzeit Drucker, wenn sie nicht von HP sind. Insofern ist die Grundinstallation (bei inzwischen an die 100 Laptops und Notebooks) in einer halben Stunde erledigt.

Was glaubst Du, warum die herkömmlichen Betriebssysteme in den letzten Jahren zumeist umfangreicher statt kleiner wurden? Nur so sind Koppelgeschäfte mit neuerer Hardware (Arbeitsspeicher, Festplatten, komplette Rechner) erzielbar.

LS: Apples neues OS X „El Capitan“ läuft auf zahlreichen alten Geräten sehr viel flüssiger als Mavericks und wirkt weit weniger überfrachtet. Warum lehnst Du dieses Betriebssystem dennoch ab?

WZ: Ablehnen wäre zu viel gesagt. Ich verwende – wenn es irgend möglich ist – keine Systeme, die abgesperrt sind und mir nicht den Blick hinten dran erlauben. Hier in Mülheim war überdies erst ein Einziger mit einem Apple-Gerät da. Ich habe erfolgreich Linux darauf installiert.

LS: Thema: Vielfalt in der Linux-Community. Der Debian-Release-Manager Martin „Joey“ Schulze stellte mir vor einigen Jahren die Gegenfrage, warum es statt nur eines Fahrzeuges so viele unterschiedliche Autos gibt. Was ist Deine Lieblings Linux-Distribution? Welches Linux erfüllt Deine Bedürfnisse am besten?

Außerhalb dieses Mülheimer Projekts verwende ich nahezu grundsätzlich Debian. Im hiesigen Projekt, auch bei den Kursen in der VHS verwende ich Xubuntu, weil ich das aus didaktischen Gründen für am ehesten vermittelbar halte. Die Klientel, mit der ich arbeite, ist in der Regel weit über 50 Jahre alt. Da spielen solche Gründe eine große Rolle. Die Leute sollen ein Betriebssystem verantwortlich nutzen können. Das bedeutet nicht, dass sie eines herstellen können sollen.

In der Community gibt es immer wieder Auseinandersetzungen wegen der Fragestellung, wie offen das eigene OS bzw. alle mitgelieferten Programme sein müssen, weswegen Fedora auf die Unterstützung des Formates MP3 verzichtet. Die „Usability“ ist schon ein großes Thema. Hätte sich das Audioformat ogg/vorbis mehr durchgesetzt, könnte diese Diskussion um die MP3 auch anders geführt werden. Persönlich bin ich an diesen Stellen bereit, einen Kompromiss einzugehen.

LS: Wieder andere lehnen Ubuntu ab. Wohl auch, weil es von einem Unternehmen und nicht von Privatpersonen erstellt wird. Wie stehst Du zu diesem Streit innerhalb der Community? Und was hältst Du von der Canonical Foundation?

WZ: Ich finde von Unternehmen bezahlte Entwickler, wie das ja oft der Fall ist, nicht von vornherein problematisch oder verdächtig. Und ich bin mir sicher: Eine aufgeweckte Community wird jedes Mal aufschreien, wenn die Unternehmensinteressen die Idee der freien Software zu zu decken drohen.

LS: Warum hört man eigentlich so selten etwas von Notebooks, die für eine bestimmte Linux-Distribution optimiert wurden, um diese vorinstalliert zu verkaufen?

WZ: Gegen Aldi, Mediamarkt und Saturn ist ein Notebook wie ein Tuxedo eben einfach ein Winzling.

LS: Hast Du das von Edward Snowden favorisierte OS Tails einmal ausprobiert, bei dem man bei jeder Daten-Übertragung zur Verschlüsselung gezwungen wird? Was hältst Du davon?

WZ: Nur im Ansatz gut und richtig. Das Wissen um Verschlüsselung und den Sinn dahinter ist aus meiner Sicht noch sooo wenig in der Bevölkerung präsent. Wer hat denn auch ein Interesse, dass die Bevölkerung in dieser Frage informierter wird?

LS: Andere Gesprächspartner vertreten die Ansicht, IT-Sicherheit erfordere „nicht automatisch Anonymität“. Stimmt das? Wie oft nutzt Du Tor
oder andere Anonymisierungs-Dienste?

WZ: Eher weniger. Muss ich mich einarbeiten. Tor habe ich wegen Langsamkeit wieder abgeschafft. Die Idee finde ich im Prinzip sehr gut. Verschlüsselung von E-Mails ist bei mir, wenn auch hakelig, mittlerweile Standard.

LS: Das Upgrade auf Windows 10 ist noch kostenlos. Dafür wird die Suchmaschine von Microsoft bevorzugt und jede Menge Nutzerdaten an den Hersteller übertragen. Sind Daten die neue Währung der Softwarekonzerne? Was hältst Du von dieser „Bezahlung“ ?

WZ: Natürlich überhaupt nichts. Diese „Bezahlung“ ist eines der am meisten genannten Antriebe, wenn Leute zu uns kommen und Linux installiert haben wollen.

In dem Folgeangebot „Einsteigerberatung“ machen wird den Leuten klar, dass die Installation von Linux nur ein erster Schritt sein kann. Auch von einem Linuxrechner können theoretisch Nutzerdaten abgesaugt werden. Die sinnvoll-kritische Nutzung des Internets und eine gewisse Vorsicht bei E-Mails sind der wesentliche zweite Teil der Maßnahmen gegen die „Bezahlung mit Daten“.

LS: Bei der immer häufiger durchgeführten Überwachung des Nutzerverhaltens von Google, Facebook, Apple & Co. argumentieren viele Anwender, es sei ihnen egal weil sie ja doch nichts zu verbergen hätten. Wie stehst Du dazu?

WZ: Stammtische waren noch nie differenziert in ihren Argumenten. Spätestens dann, wenn Google die richtige Salbe gegen Hämorrhoiden empfiehlt und wenn Google weiß, welche Tabletten man gegen Bluthochdruck nimmt, kann dieser dämliche Satz verzichtbar werden. Die Unkenntnis vieler darüber, wie das Ausspähen von Nutzerdaten funktioniert und wer eine Interesse an diesen Daten hat, kann aus meiner Sicht nicht eine Sekunde ein ernsthaftes Argument sein, sich dagegen nicht schützen zu sollen.

Wir empfehlen hier immer schon Dienste wie ixquick als Suchmaschine, die keine Daten abfordert. Bei Ixquick wird auch schnell deutlich, bei welchen Angeboten Werbung enthalten ist. Man nutzt einfach ublock als Addon für die Werbeverhinderung – schon ist mehr Ruhe und das Internet kann seine Stärke in der Informationsvermittlung ausspielen. Dabei beleibt es die Aufgabe des verantwortlichen Lesers, sich seine Meinung über Qualität und Wert der Information selbst zu bilden. Das ist aber nicht wirklich etwas Neues.

LS: Im Gegensatz zu einigen Veranstaltern aus dem näheren Umkreis lehnst Du englischsprachige Bezeichnungen für Deine Veranstaltungen komplett ab.

WZ: Nein, das stimmt so nicht ganz. Die Klientel, die zumeist bei mir vorbei kommt, spricht einfach kein Englisch. Da wäre es mehr als unhöflich, sie mit Englisch zu traktieren. Ich selbst spreche sehr wohl Englisch, kann mich darin auch verständlich machen, finde aber oftmals das denglisch unüberlegt und unnötig. Coffee-to-go, Infopoint, Powerpoint und vieles andere mehr sind sprachlich überhaupt kein Gewinn. Als Kabarettist bin ich sehr sprachbewusst und leide unter Missbräuchen.

Als Beispiel: Internettechnologie. Wir wissen, dass die Anthropologie die Lehre vom Menschen ist, die Biologie ist die Lehre vom Leben, die Theologie die Lehre von Gott. Also heißt es: Internettechnologie ist die Lehre vom Internet. Schön wäre es, wenn wir so etwas hätten. Gemeint ist in den allermeisten Fällen die Internettechnik, nicht mehr. Im Englischen wird technology sowohl für Technik wie für die Lehre von der Technik verwendet. Da rächt sich die Ungenauigkeit, selbst wenn renommierte Zeitungen und Journalisten diesen Fehler nachzuvollziehen, wird er dadurch nicht richtiger.

LS: Wodurch grenzt Du Dich von anderen Organisatoren ab, die beispielsweise den Linux Presentation Day durchführen?

WZ: Da grenze ich mich nicht ab, der LPD ist eine hervorragende Idee, die Hauke Laging da voran bringt. Ich muss hier Leuten mitunter übersetzen, was LPD heißt. Das finde ich einfach überflüssig. In den Zeitungsmeldungen wird auch immer darauf hingewiesen, dass unser „Linux im Alltag“ anderswo eben Linux Presentation Day heißt. Vielleicht können ja auch in Berlin alle Englisch, hier ist das nicht so.

LS: Womit erklärst Du den Erfolg von „Linux im Alltag“?

WZ: Mit der grundsätzliche Verwendung einer alltäglich verstehbaren Sprache, dir am Verstehen des Gegenübers ausgerichtet ist und nicht an der Demonstration eigenen Wissens – denn Wissen ist die Voraussetzung von Aufklärung, nicht ihr Medium. Mit Folgeangeboten an Linuxeinsteiger unter den gleichen Sprachbedingungen. Mit dem zunehmenden Unbehagen der Bevölkerung an der „Bezahlung“ mit Daten und mit dem Wissen darum, dass nachhaltige Nutzung wertvoller Güter einfach besser ist als die ewige Neuanschaffung solcher Geräte.

Größeren Teilen der Bevölkerung wird die zunehmende Vermüllung der Umwelt als Thema inzwischen ein wenig bewusster. Meine Mitarbeit im hiesigen Repair Café zeigt mir überdies jedes Mal, dass es zunehmend Leute gibt, die den Wert hergestellter Güter zu schätzen wissen und deshalb Produkte ablehnen, die zu einem vorgesehenen Zeitpunkt kaputt gehen. Wenn die Reparierbarkeit von Geräten wieder ein Kriterium würde, fände ich das außerordentlich gut.


Image „Repair“ by Ady Satria Herzegovina (CC0 Public Domain)

Image by Netzwerk Bildung


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Touchscreens für Hunde, tragbare Geräte für Hühner: Willkommen in der Welt der Tier-Technologie

Caught Surfin Flickr (adapted) (Image by Derek Gavey [CC BY 2.0] via flickr)

Stellen Sie sich vor, Sie lassen Ihren Hund zuhause und er schaltet den Smart-TV ein, um sich ein Programm auszusuchen. Währenddessen besuchen Sie den Zoo, wo Sie interaktive Touchscreen-Spiele mit Affen spielen und die Delfine dabei beobachten, wie sie via Sonar ihr Mittagessen bestellen. Auf dem Feld hinter Ihnen streichelt ein Landwirt seine Hühner-Herde virtuell und lässt Drohnen Schafswolle einsammeln, während sich die Kühe von selber melken. Willkommen in der ungewöhnlichen Welt der Tier-Technologie. Tiere nutzen Technologien schon seit längerer Zeit, von Tracking-Geräten zur Arterhaltungs-Forschung bis hin zu Zoos, die Touchscreen-Computer für die Tiere einsetzen. Doch in der letzten Zeit hat der Forschungsbereich der Tier-Computer-Interaktion (engl.: ACI, animal-computer interaction) begonnen, sich intensiver damit zu beschäftigen, wie Tiere diese Technologien benutzen. Die Hoffnung besteht darin, ein besseres Verständnis der Beziehung von Tieren zu Technologie zu entwickeln. Dies kann dazu führen, dass wir ihr Wohlergehen beobachten und verbessern können. Die Explosion des Forschungsbetriebs im Bereich ACI führte zur Entwicklung einer Vielzahl von Haustier-Produkten, die es den Besitzern erlauben, ihre Tiere zu beobachten, wenn sie außer Haus sind und sogar mit ihnen spielen zu können. Zum Beispiel gibt das PetCube-Spielzeug den Besitzern die Möglichkeit, einen Laserpunkt zu steuern, den die Tiere jagen können, und gleichzeitig via Video-App auf dem Smartphone mit den Tieren zu sprechen. Andere Apps überwachen für die Besitzer die Gesundheit, Fitness und Gewohnheiten ihrer Haustiere. So hat eine Studie gezeigt, dass die App CompanionViz den Besitzern anhand der Daten ein tiefergehendes Verständnis der Gesundheit ihrer Haustiere ermöglichte und ihre Gemeinschaft gestärkt hat. Meine eigene Forschung beschäftigt sich mit der Entwicklung eines intelligenten Tracking-Geräts für Hunde, das sie auf einem Bildschirm mit Medien interagieren lässt, sodass wir untersuchen können, wie sie Fernsehen nutzen und was sie dabei gerne schauen (falls sie überhaupt etwas schauen). Vielleicht nicht wenig überraschend, fand ich heraus, dass Hunde gerne Videos anderer Hunde schauen. Das brachte mich dazu, die Augenbewegungen der Hunde auf einzelnen und mehreren Bildschirmen zugleich zu verfolgen, um herauszufinden, wie Medien speziell für Hunde am besten gestaltet sein sollten. Schlussendlich hoffe ich, ein interaktives System zu entwickeln, mit dem sich Hunde aussuchen können, was sie schauen möchten, und das sich je nach ihren Vorlieben weiterentwickelt. Es geht mir nicht darum, ein Spielzeug für engagierte Haustierbesitzer zu entwickeln. Vielmehr ist es so, dass Hunde im Verlauf des Tages oft alleine zu Hause oder in Zwingern isoliert sind. Interaktive Medientechnologie kann das Wohlergehen der Tiere verbessern, indem Reize und eine Möglichkeit zur Unterhaltung geboten werden. Diese Forschung ist noch sehr neu und die Analyse der Effekte ist dementsprechend erst im Anfangsstadium. Doch wir hoffen, dass sie das Wohlbefinden der Hunde deutlich verbessern wird, indem diese davor bewahrt werden, sich durch Langeweile ausgelöste, gefährliche Verhaltensmuster anzugewöhnen.

Diese Art der Technologie kann die Menschen ebenfalls dazu ermutigen, sich noch mehr mit den Tieren und mit Arterhaltung zu beschäftigen. Orang-Utans beispielsweise sind hochintelligent. In Gefangenschaft ist es wichtig, dass sie mentale Reize geboten bekommen, damit sie nicht gelangweilt und depressiv werden. AppsForApes ist ein Projekt, das den Tieren Zugriff auf Touchscreen-Technologie gewährt, und es ihnen erlaubt, auf kognitive Spiele, Kunst und Zeichnen, Musikinstrumente sowie Fotos und Videos zuzugreifen – ganz ähnlich wie Menschen es auch tun. Dies ist nicht nur förderlich für ihre Gesundheit, sondern hilft auch dabei, die Zoobesucher über die Bedürfnisse und die Intelligenz der Tiere aufzuklären und schafft Möglichkeiten, mit ihnen zu interagieren und ein Bewusstsein für Arterhaltung zu fördern. Die Technologie kann auch jenen Tieren helfen, die mehr als visuelle Reize benötigen. Ein Projekt, das von Adrian Cheok vom Imagineering Institute in Malaysia geleitet wird, versucht, für das körperliche Wohlbefinden von Tieren zu sorgen, die oft in gesundheitlich schlechtem Zustand sind: Die Rede ist von Hühnern. Hühner sind kognitiv und emotional hochsensibel und profitieren damit sehr von körperlichem Kontakt, der in der modernen Großanlagen-Haltung nicht möglich ist.

Virtuelle Streicheleinheiten

Um künstlich die physische Interaktion zwischen Hühnern und ihren Züchtern nachzustellen, haben die Forscher eine Hühner-Jacke entworfen, die es dem Halter ermöglicht, dem Huhn, das die Jacke gerade trägt, eine virtuelle Streicheleinheit zu geben. Wenn der Halter ein berührungsempfindliches Hühner-Modell streichelt, dann wird via Internet ein Signal an die Hühnerjacke übertragen, die das Gefühl, gestreichelt zu werden, an das Huhn überträgt. Alle diese Geräte mögen wie komplette Neuerfindungen klingen. Oft lachen die Leute, wenn sie von Tier-Technologie hören und geben zu bedenken, dass Tiere ja gar nicht tippen können. Nun, viele Leute können das auch nicht – und trotzdem hält es sie nicht davon ab, die entsprechenden Technologien zu benutzen. Warum also sollten Tiere davon abgehalten werden? Diesen Technologien sind ein ernsthaftes Bestreben, das Wohlergehen der Tiere zu verbessern, die in einer Welt leben, in der sie oft in kleinen, begrenzten Räumen mit wenigen Reizen gehalten werden, anstatt sich frei in ihrem natürlichen Lebensraum bewegen zu können. Die Entwicklung von Technologien für Tiere ist ein Prozess, in dem die Technologie an die Kommunikation und Verhaltensreaktionen der Tiere angepasst wird. Auf diese Weise können auch neue Wege für die wissenschaftliche Erforschung des Verhaltens, der Intelligenz und Kognition der Tiere geebnet werden. Durch die Entwicklung digitaler Spiele für Tiere können wir beispielsweise ihren Verstand testen und so mehr darüber lernen, wie Einflüsse aus der Umgebung sich auf ihre Art zu denken auswirken. Durch Tier-Technologie können wir Tiere verstehen lernen, mit ihnen spielen, kommunizieren und uns ihres Daseins erfreuen – und zwar auf eine nie dagewesene Art und Weise. Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Caught Surfin Flickr” by Derek Gavey (CC BY 2.0)


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Die New York Times versucht sich an VR-Filmen

Caucus Tourism Virtual Campaigning (adapted) (Image by Phil Roeder [CC BY 2.0] via flickr)

Mittels virtueller Realität erzählte die New York Times ihren Lesern die Geschichten von jungen Flüchtlingen, nahm die Leser auf Wahlkampfreise mit und ermöglichte ihnen, die Trauer in Paris mitzuerleben. Nun ist es Zeit, sie auf den Pluto zu begleiten.

Mit „Auf der Suche nach Plutos kaltem Herzen“ nimmt der Times-Wissenschaftsautor Dennis Overbye die Zuseher mit auf einen virtuellen Rundgang über die Oberfläche des Planeten. Das Projekt, das auf dem Tribeca Film Festival zu sehen sein wird, wird im Laufe des Monats veröffentlicht – zusammen mit einer neuen Lieferung von etwa 300.000 Google-Pappbrillen an Times-Abonnenten. (Die Times hatte bereits im November eine Million der Brillen verteilt.)

Dieses neue Projekt stellt einen bedeutenden Meilenstein für die Times dar. Im Gegensatz zu bisherigen VR-Projekten, die alle in Kooperation mit VR-Produktionsfirmen wie VRSE produziert worden waren, ist das Pluto-Erlebnis ganz allein von der Times-eigenen Wissenschafts- und Grafikabteilung auf die Beine gestellt worden. Dies zeigt nicht nur das Engagement der Times im technischen Bereich, sondern macht ebenfalls deutlich, inwiefern  Nachrichtenredaktionen mittlerweile in der Lage sind, mit den bestehenden Technologien Videos zu produzieren, so Sam Dolnick, der für die VR verantwortliche New York Times Redakteur:

Es gibt eine Reihe neuer Fragen zu der Technologie, zur Erzählkunst und zur Bearbeitung. Was es so spannend macht, ist, dass jeder sich mit den Fragen neu auseinandersetzt. Sogar unsere Experten arbeiten erst seit einem Jahr daran. Daher fühlt sich alles so offen an.

Dolnick sagt, dass virtuelle Realität ihr größtes Potenzial entfaltet, wenn sie Menschen an Orte transportiert, die sie alleine nicht besichtigen können. So ist die virtuelle Reise auf den Pluto eine der mächtigsten Anwendungsmöglichkeiten der neuen Technologien. Aber die Times bearbeitet noch weitere Projekte. Diese Woche erklärte sie, dass sie gerade an ihrer ersten Reihe von Episodenfilmen arbeite, um damit den einmaligen Zugang zur virtuellen Realität, den sie und andere Nachrichtenagenturen eröffnet haben, weiter auszubauen.

Ich habe mit Dolnick über die Annäherung der Times an die virtuelle Realität sowie die entstehenden ethischen Grundlagen für VR-Journalismus gesprochen und gefragt, welche Zukunft die Times für das, was sie „meditative VR“ nennt, sieht.

 

Ricardo Bilton (RB): „Auf der Suche nach Plutos kaltem Herzen” und „Die Verdrängten” scheinen ganz andere Schwerpunkte zu haben. Wie gehören sie zusammen?

Sam Dolnick (SD): Sie sind in der Tat ganz unterschiedliche Filme, aber der rote Faden ist, dass sie beide auf clevere Art und Weise das Medium benutzen. Von „Die Verdrängten” haben wir gehört, dass die Zuschauer sich auf eine Art mit den Kindern im Film verbunden fühlten, wie es für einen traditionellen Nachrichtenartikel eher schwierig zu erreichen ist. Wir haben Hunderte von Geschichten über die Flüchtlingskrise geschrieben, doch was wir immer wieder von den Leuten hörten, war, dass sie mittlerweile abgehärtet waren. Mit diesem neuen Medium konnten sie den Kindern aber in die Augen sehen, was einen bleibenden Eindruck hinterließ und sie nachhaltig schockierte.

Das Pluto-Projekt ist insofern eine neue Nutzung des Mediums, als dass es einen an einen Ort bringt, den man eigentlich niemals betreten könnte, und einen die Wunder eines neuen, fremden Planeten erleben lässt – und zwar auf eine Art und Weise, wie es eine traditionelle Geschichte oder sogar ein traditionelles Video nicht vermögen.

RB: Wie halten Sie die Leute bei der Stange? Viele dieser VR-Projekte machen zunächst einen großen Wirbel, doch dann vergessen die Leute sie schnell wieder.

SD: Wir erwarten von unserer VR-App nicht, dass sie zur täglichen Gewohnheit wird, wie unsere Haupt-Nachrichtenapp. Aber wir haben eine Vielzahl an Wegen gefunden, die Leute wieder zurückkommen zu lassen. Wir senden zum Beispiel Push-Benachrichtigungen bei neuen Videos, schreiben E-Mail-Newsletter, promoten unsere Webseite mobil und in den sozialen Netzwerken. Wir haben eine Menge Kanäle, über die wir die Leute erreichen können.

Wir freuen uns außerdem darauf, dieses Jahr unsere Episodenfilme herauszubringen. Die Idee ist, richtige VR-Shows zu produzieren, die einen verbindenden roten Faden und eine Serienstruktur haben. Wir sind der Meinung, dass wir so die Leute längerfristig zum Wiederkommen bewegen können.

RB: Ein anderer bedeutender Teil ist doch offenbar auch, die Leute mit dem passenden Equipment zusammenzubringen, nicht wahr?

SD: Ja. Hätten wir unser erstes Video veröffentlicht und dann einfach Feierabend gemacht, hätte es niemand geguckt. Der Grund für die große Resonanz war, dass Google uns einen gewaltigen Vertrauensvorschuss entgegenbrachte und uns half, eine Million Pappbrillen zu liefern. Ohne die Headsets geht es nicht.

RB: Was ist mit unterschiedlichen Themen?

SD: Wir werden uns weiterhin auf die großen Geschichten konzentrieren. Aber wir werden ebenfalls VR-Filme machen, die sich mit Style und Kultur beschäftigen. Die New York Times ist da vielschichtig. Wir experimentieren außerdem mit Formaten. Wir beschäftigen uns gerade mit einem Erlebnis, das wir scherzhaft „meditative VR“ nennen. Dies sind ungeschnittene Videos von wunderschönen Orten , die aus einer einzigen Einstellung heraus aufgenommen wurden. So kann man zum Beispiel bei Sonnenuntergang an einem jamaikanischen Strand sein oder an einem kanadischen Wasserfall. Sie sind genau dort in dem Moment. Sie schauen sich um. Es gibt keine Geschichte und es passiert nichts weiter. Ich würde es nicht einmal unbedingt Journalismus nennen. Es ist einfach etwas sehr Mitreißendes, etwas, das in der virtuellen Realität sehr eindrucksvoll wirken kann.

RB: Eine der Nebenwirkungen des Einsatzes dieser neuen Technologien ist, dass man auch mit neuen ethischen Fragestellungen konfrontiert wird. Bei „Die Verdrängten“ wurden Bedenken geäußert, wie und ob sich die Produzenten verstecken sollten, so dass sie nicht innerhalb der 360-Grad-Kamera zu sehen waren. Ist das eine ethische Problematik im Zusammenhang mit neuen Technologien?

SD: Das stimmt nicht. VR ist nicht arrangierter als andere Filme auch. Man positioniert die Kamera und oft verlässt man den Raum, um zu schauen, was passiert. Der Videojournalist Ben Solomon, der Co-Regisseur von „Die Verdrängten“ sagt, dass ein Videodreh oft wie das Jagen mit einem Gewehr ist – man weiß genau, hinter was man her ist.

VR zu drehen ist dagegen eher wie das Aufstellen einer Bärenfalle. Man stellt sie hin und hofft das Beste. Es ist eine andere Art der Erzählkunst, aber ich bin nicht der Ansicht, dass man von einer inhärenten journalistischen Kompromittierung sprechen kann. Man kann es theoretisch auf eine unaufrichtige Art und Weise machen, aber das ist nicht die Herangehensweise, die wir verfolgen.

RB: Es hat den Anschein, dass die ethischen Grundlagen der VR, journalistisch gesehen, ziemlich fließend sein werden, wenn die Leute sich auf die neue Technologie eingestellt haben.

SD: Es wird anders sein. Traditionellerweise erscheint der Videojournalist in Dokumentationen nicht. Er ist hinter der Kamera, nicht im Bild. Vielleicht werden wir akzeptieren, dass in der virtuellen Realität der Regisseur innerhalb des Bildes ist, man ihn also sehen kann, und dies ein Teil der Transparenz ist. Am wichtigsten ist es, dass die Zuschauer verstehen, was wir tun und was sie sehen, und dass wir transparent und offen hinsichtlich des gesamten Prozesses sind.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Caucus Tourism: Virtual Campaigning“ by Phil Roeder (CC BY 2.0)


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Können sich Audiodateien auf Facebook viral verbreiten?

Microphone and Facebook Logo (adapted) (Image by C_osett [CC0 Public Domain] via flickr)

Audiodateien in sozialen Medien zu verbreiten, ist schwierig. Vor zwei Jahren hat Stan Alcorn viele der Schwierigkeiten in einem vielzitierten Digg-Artikel dokumentiert – und seitdem hat sich nicht viel verändert. Die grundsätzlichen Herausforderungen bleiben: Es ist schwierig, sich gesprochene Audiodateien anzuhören und zeitgleich andere Dinge zu überfliegen. Außerdem gibt es immer noch keinen richtigen „BuzzFeed für Audios“, um Clips mit schnell verbreitendem Potenzial hervorzuheben. Und nun bringen stummgeschaltete Videos auf Facebook und Twitter den Nutzern bei, ein völlig anderes interaktives Erlebnis zu erwarten. Aber Social Audio hat ein enormes Potenzial für Audio Creator und Podcaster, die zwar täglich stundenlang Inhalte produzieren, aber immer noch Schwierigkeiten haben, entdeckt zu werden und ein neues Publikum zu erreichen. Bei NPR haben wir vor kurzem mit einem Facebook Beta-Audioplayer einen neuen Ansatz ausprobiert. Spoilerwarnung: Wir haben keine Superformel gefunden, um Audio viral zu machen – aber wir haben einige Dinge über die Art von Clips und Aufmachung erfahren, die in einem solchen Raum gut funktionieren.

Das Experiment

"Star Wars NPR" (Image via niemanlab)
„Star Wars NPR“ (Image via Niemanlab)

Facebooks neuer Audioplayer wurde ursprünglich für Musikanbieter wie Spotify und Apple Music entwickelt. Mit ein paar Optimierungen hat Facebook zu Beginn dieses Jahres den Player für eine redaktionelle Nutzung durch NPR und Serial während einer einmonatigen Pilotphase angepasst. Ich war bei NPR verantwortlich für die redaktionelle Seite des Experiments, während mein Vollzeitjob sich darum drehte, die besten Audioclips aus unseren großen Nachrichtensendungen und Podcasts zu finden. Die gesamte Nachrichtenredaktion wurde dazu aufgefordert, am Projekt teilzunehmen und half dabei, indem sie Vorschläge einbrachte. (Es war ungemein hilfreich – ich verfiel zunächst in Panik beim Gedanken, jede Woche mindestens 30 Stunden alleine Radio hören zu müssen.) Aufbauend auf Lektionen aus vorherigen Experimenten von NPR zu Social Audio bemühte ich mich um Vielfalt und versuchte, Clips zu sammeln, die zwischen ein paar Sekunden und fünf Minuten andauerten und aus Nachrichtensendungen und Podcasts, Interviews und Sonderbeiträgen zu Schlagzeilen sowie Archivinhalten stammten. Nachdem ich einen Clip ausgewählt habe, war der Arbeitsablauf ziemlich verworren und es mussten unser Audioeditor, das Content Management System und der Facebook Debugger unter einen Hut gebracht werden. Bevor Sie mir twittern, um nach Erfolgskriterien zu fragen, behalten Sie im Hinterkopf, dass es sich um ein Experiment mit einem begrenzten Stichprobenumfang handelte (insgesamt 52 Clips). Wir hatten nur die üblichen Facebookzahlen als Vergleich zur Reichweite und Engagement der Nutzer, konnten jedoch keine Daten darüber bekommen, wie oft und mit welcher Laufzeit die Datei abgespielt wurde. Die folgenden Schlussfolgerungen basieren zwar nicht auf einer tiefgehenden wissenschaftlichen Analyse, sind aber trotzdem recht aufschlussreich.

Die Anekdoten

Trotz eines komplizierten Arbeitsablaufs und anderen Herausforderungen (wird weiter unten aufgeführt) habe ich in der Tat viel über die Arten von Audiocontent gelernt, an den Facebooknutzer interessiert sind.

Schlagzeilen

In manchen Fällen hatten wir großes Glück mit schnell ändernden Inhalten.

Während der Rede von Präsident Obama im Januar zur Reglementierung des Waffengesetzes wurde er emotional und fing an zu weinen. Es waren die Tränen, die im Internet bemerkt wurden. Kurz nach der Rede haben wir diesen bewegenden Moment isoliert und ihn in einen Audiopost mit einem sehr kurzen Teaser verwandelt. Der Clip an sich war auf einem Two-Way Blogeintrag verlinkt, was uns erlaubte, ihn Stunden, bevor das Ganze zu „All Things Considered“ gesendet wurde, zu teilen. Er hat mehr als zwei Millionen Facebooknutzer erreicht und war unser zweitpopulärster Clip während des Experiments.

Etwas, das Sie hören müssen

Es scheint offensichtlich, aber ein klares Auswahlkriterium für Audiopost, waren die Clips, die durch das Anhören am besten miterlebt werden können. Die beste Performance in dieser Kategorie war ein Ausschnitt aus dem wahnsinnig komischen Interview mit dem Comedian Jon Benjamin, in dem er darüber sprach, ein Jazzalbum aufnehmen zu wollen, obwohl er keine Ahnung von Jazz hat (leider funktioniert der Facebook-Clip nicht mehr).

Wo Archiv und Zeitgeist aufeinander treffen

Das riesige Archiv gehört zu eins der größten Vermögenswerte von NPR – und das wird sicherlich durch die folgenden Clips bestätigt, die allesamt zu den beliebtesten Posts während des Experiments gehörten. Sicherlich handelt es sich um überwältigende Audiostücke, aber mehr als das waren es dem Zeitgeist entsprechend aktuelle Themen.

Wir haben diesen Clip aus einem archivierten Interview mit einem Lotteriegewinner auf dem Höhepunkt des Powerball-Fiebers gepostet. Er wurde oft geteilt und hat mehr als 250.000 Leute dazu animiert, den kompletten Artikel auf NPR.org anzuklicken, wodurch er zum beliebtesten Clip wurde, der von uns getestet wurde.

Es gab wohl keinen perfekteren Clip, um eine Lobesrede für Alan Rickman zu halten als diesen hier. Er stammt aus einem Interview von „All Things Considered“ aus dem Jahr 2007, in dem er über seine Kultstimme sprach (und über die Kritik, die er schon früh dazu erntete). Auch der Audiopost wurde oft geteilt; wir hatten einen ähnlichen Erfolg mit einem Ausschnitt von David Bowie aus „Fresh Air“. Nachrufe bieten immer eine Gelegenheit, unser großes Archiv zu unserem Vorteil zu nutzen – das Experiment hat bestätigt,dass Facebook-Audioclips sich besonders gut für solche Inhalte eignen.

Dinge, die wir ansonsten nicht vorangebracht hätten

Obwohl die Facebook Audioposts zahlenmäßig relativ schwächer abschnitten haben als unsere normalen Artikel-Posts, stellten sie eine neue Chance für einige Seiten dar, die wir ansonsten nicht aktiv in den sozialen Medien vorangebracht hätten. Wenn Sie sich beispielsweise jemals die Kurzfassung der Morgenausgabe angesehen haben, werden Sie bemerkt haben, dass viele der Berichte auf Zusammenfassungen basieren – sie sind nur mit minimalem Text und ohne Bilder ausgestattet. Wir teilen diese Seiten nicht oft in den sozialen Medien, weil sie relativ hässlich sind, und wer will schon ein Protokoll lesen? Die Facebook-Audioposts haben es sehr vereinfacht, diesen dennoch großartigen Audio-Content zutage zu bringen.

Dieses Car Talk-Beispiel ist eine perfekte Fallstudie. Es handelte sich um einen spaßigen Moment zwischen dem heißgeliebten Ray Magliozzi und Robert Siegel, den andernfalls nur wenige digitale Nutzer entdeckt hätten.

Andere wichtige Dinge, die wir gelernt haben

Abgesehen von den verschiedenen Arten von Inhalten, gab es ein paar weiter Lektionen:

  • Wir wissen immer noch nicht, was die perfekte Länge ist, da wir keine Daten über Abspielklicks und Hördauer haben. Unsere Top zehn Posts dauerten zwischen 46 Sekunden und 2:44 Minuten.
  • Bilder sind immer noch wichtig. Auch wenn die Clips großartig waren, haben unsere Posts mit allgemeiner Werbekunst nicht so gut abgeschnitten.
  • „Back Annouces“ (deutsch etwa: Rück-Verkündigungen) haben erstaunlich gut funktioniert, in denen dem Zuhörer gesagt wurde: „Klicken Sie auf den ‚NPR.org Hören‘-Button, um mehr zu hören.“ In manchen Fällen führte dies zu Umleitungen auf unsere Seite, mit Abspielquoten von 79 Prozent. (Die insgesamt höchste Audio Conversion Rate war eine dieser „Muss man hören„-Berichte mit nostalgischen Soundeffekten – 92 Prozent der Leute, die auf NPR.org geklickt haben, haben den gesamten Bericht abgespielt, sobald sie auf der Seite waren. Zum Vergleich liegt die durchschnittliche Abspielquote unserer Berichte bei acht Prozent.)
  • Der Kontext spielt eine Rolle. Es ist wichtig zu erwähnen, dass die Clips nicht bei allen Nutzern gleich funktioniert haben. Sie waren nur in der iOS-App und in der Desktopversion sichtbar. Das bedeutete, dass ich die Nutzer nicht direkt zu „unten anhören“ leiten konnte, als ich den Clip erstellt hatte, da beispielsweise Android-Nutzer keinen Audioplayer sehen würden. Wir wissen ebenfalls nicht, wie diese Einschränkung die Sichtbarkeit des Audioposts im Facebook-Algorithmus beeinflusst hat.

Social Audio Herausforderungen großgeschrieben

Zusätzlich zur Bereitstellung von Anhaltspunkten über die Art der Inhalte und Ansätzen für zukünftige Social-Audio-Projekte hat dieses Experiment auch einige der bekannten Herausforderungen des Teilens von Audioinhalten herauskristallisiert. Zum Beispiel ist es schwierig, Audiodateien mit gesprochenem Wort zu hören und gleichzeitig zu lesen oder nach anderen Dingen zu suchen. Ein Nutzer könnte zudem nicht in der Stimmung oder in der Lage sein, zuzuhören (auf der Arbeit, keine Kopfhörer etc.). Und er könnte, dank der starken Verbreitung von stummen, selbstabspielenden Videos mit Untertiteln keine Zuhörbereitschaft entwickeln. Obwohl wir einige anekdotische Hinweise in Kommentaren und Privatnachrichten gesehen haben, dass manche Nutzer den Player schätzten, war es ebenfalls klar, dass viele den klassischen „Kommentieren vor Hören-Lesen-Anschauen“-Schritt gegangen sind. Aus der Sicht eines Audioredakteurs ist es schwierig, einen großartigen Moment zu isolieren und ihn in einen Kontext einzubetten, in dem man Nutzer auffordert, ihn „auf gut Glück“ anzuklicken. Das ist verwandt mit einer weiteren Herausforderung – es ist im Allgemeinen schwierig, ein Hörerlebnis in einem wortreichen und visuellen Marktplatzwie dem Internet zu verkaufen. „Glauben Sie mir, es ist wirklich sehr großartig, auch wenn Sie nicht wissen, wer redet und es nichts gibt, was man sich anschauen kann und ich Sie auffordere, sich 40 Sekunden lang zu konzentrieren!“ Ferner bemüht sich das Facebook-Tool nicht, weitere große technische Probleme beim Teilen von Audioinhalten zu lösen. Es ist schwierig für die Nutzer, ihre eigenen Lieblingsaudiomomente aus dem Radio oder aus Podcasts aufzunehmen und zu teilen, insbesondere wenn der Großteil davon aus separaten Podcast-Apps stammt. Und obwohl SoundCloud am nächsten an einem „YouTube für Audio“ dran sein mag, gibt es bisher kein Tool, das universell auf alle sozialen Plattformen ausgerichtet ist.

Was kommt als nächstes?

Wir wissen nicht, wie die größeren Pläne für den Player von Facebook aussehen, aber dieses Experiment kann über redaktionelle Audioinhalte der Zukunft Aufschluss geben. Künftig werden wir es sparsamer verwenden, wenn wir einen Clip haben, der wirklich zur Form passt und der die komplizierten Arbeitsprozesse für seine Veröffentlichung rechtfertigt. Bei NPR untersuchen wir über das Experiment hinausgehend weiter die Herausforderungen von Social Audio. Vor kurzem haben wir einen neuen Player für NPR.org sowie eine Web-App für NPR One eingeführt. Wir sind gespannt auf alle anderen Projekte in der Sphäre von Social Audio, inklusive der „Audiogramme” von WNYC.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “Nieman Journalism Lab“ unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Microphone and Facebook Logo“ by C_osett CC0 Public Domain

Image „Politics in Star Wars“ by Screenshot via Nieman Lab


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Kann Crowdfunding den Journalismus retten?

Newspaper (image by bykst [CC0 Public Domain] via Pixabay)2-1

Der Journalismus steckt in einer existenziellen Krise: Die Erträge der Nachrichteneinrichtungen sind innerhalb der vergangenen zwei Jahrzehnte ins Bodenlose gefallen, und noch immer ist kein wirkliches Geschäftsmodell in Sicht, um Nachrichten auch im digitalen Zeitalter aufrechtzuerhalten.

Im letzten Teil unserer Serie über Geschäftsmodelle für die Nachrichtenmedien betrachtet die Journalistin und Akademikerin Angela Phillips die Möglichkeit des Crowdfundings und wie es zukünftige Nachrichtenprojekte finanziell unterstützen könnte.

In Schottland gibt es Pläne für eine neue Sportzeitung. Die angekündigte Zeitschrift soll wöchentlich erscheinen und Kolumnen von Prominenten wie der Tennistrainerin Judy Murray und dem Footballexperten Pat Nevin beinhalten. Um die erste Ausgabe im Mai zu veröffentlichen, sind lediglich 50.000 britische Pfund nötig, die aus Crowdfunding-Beiträgen bis zum 25. Februar zusammenkommen sollten. Von einer Gruppe schottischer Journalisten entwickelt und auf der Nachrichtenseite AllMediaScotland präsentiert, garantiert das Projekt ein Exemplar der ersten Ausgabe für jeden Unterstützer als Belohnung für ihren Beitrag.

Die Verwirklichung des Projekts scheint unwahrscheinlich. Zwar sehen viele im Crowdfunding das Potential, Journalismus für die Zukunft denkbar zu machen; allerdings hat die Scottish Sports Weekly bis zum Stichtag nur 211 Unterstützer gefunden, die insgesamt knapp 10.000 £ beitragen hätten, seit das Vorhaben Ende Januar angekündigt wurde. Der zugehörige Twitter-Account (der mittlerweile gelöscht ist, Anm. Netzpiloten-Redaktion) zählte gerade mal 1.200 Follower.

Crowdfunding erfordert eine große Anzahl an Menschen, die bereit sind, in eine Idee zu investieren. Die erfolgreichsten Projekte beinhalten meist ein Produkt, sodass man schlicht im Voraus zahlt, bevor es tatsächlich entwickelt und geliefert wird. Zugegeben, das war wohl auch der Plan hinter dem Vorschlag aus Schottland. Allerdings hätten sie wohl bestenfalls erwarten können, dass sich durch die Beiträge der Unterstützer eine Datenbank aufbaut, die den Grundstein für einen Abonnentenstamm legen könnte. Ohne die Unterstützung der schottischen Zeitungen, die das Projekt eher als Konkurrenz ansehen dürften, lag es beim Entwicklerteam, möglichst hohe Wellen zu schlagen.

Lichtblicke

Es gibt vereinzelte Beispiele von erfolgreichen journalistischen Projekten, die als Start-Ups durch Crowdfunding finanziert wurden. So wurde die niederländische Newsseite Der Correspondent mit einem durch Crowdfunding gesammelten Betrag von 1,7 Millionen US-Dollar (umgerechnet ca. 1,2 Mio. britische Pfund oder 1,55 Mio. Euro) gestartet, was es der Firma ermöglichte, renommierte Journalisten einzustellen. Aus den 19.000 Unterstützern wurden schnell 28.000 Abonnenten und binnen eines Jahres wurde die Webseite zu einem praktikablen Modell, welches sich über Abonnements und Paywalls finanzieren konnte. Mittlerweile ist die Newsseite ein etablierter Bestandteil der niederländischen Medienszene.

Nichtsdestotrotz bestätigt diese berühmte Ausnahme hier wieder einmal die Regel. Der Correspondent traf auf ein Medienfeld, das reif für etwas Neues war. Zudem bekam die Zeitschrift von Anfang an Unterstützung und das Crowdfunding sollte von Beginn an nur die Gründung der Zeitschrift unterstützen – was das spätere eher klassische Finanzierungsmodell erklärt.

Eine weitere Crowdfunding-Initiativen in diesem Bereich ist die von The Bristol Cable, einer englischen Lokalzeitung und Website, die von 600 Anteilhabern mit je 2,50 Pfund pro Monat “finanziert” wurde. Seit der Gründung  im Jahr 2014 ist die Zeitung eine beliebte, unabhängige Stimme in der lokalen Nachrichtenwelt, welche meist von großen Ketten dominiert wird, die ihren journalistischen Ehrgeiz aus Kostengründen zurückfahren.

Dennoch reicht das Crowdfunding nicht aus, um die Lohnzahlungen zu decken. Die Bristol-Journalisten arbeiten allesamt ehrenamtlich, gemäß der Tradition der radikalen Lokalzeitungen der 70er Jahre, die in lokalem Enthusiasmus aufblühte, um kurz darauf wieder zu vergehen. Langfristig ist die einzige zukunftsfähige Finanzierungsmöglichkeit für The Bristol Cable wohl das Abdrucken von Werbeanzeigen im Magazin. Wie Christopher Thomson, der Geschäftsführer des Verlags DC Thomson, dem Mehrheitsausschuss im britischen Oberhaus im Jahr 2013 mitteilte, macht digitale Werbung nur fünf bis zehn Prozent der Einnahmen seiner Lokalzeitungen aus. Lokalnachrichten sind typischerweise noch immer auf die Printausgaben angewiesen.

Das wahrscheinlich größte Experiment im britischen Crowdfunding bisher stellt das Mitgliedschaftssystem von The Guardian dar. Die Zeitung, die sich hauptsächlich aus Werbeeinnahmen und Treuhandfonds finanzierte, startete sein Mitgliedschaftssystem bereits 2014, um damit die jährlichen Verluste zu minimieren und die Nachrichtenorganisation zurück auf den richtigen Kurs zu holen. Laut Business Insider haben sich in den ersten sechs Monaten 35.000 Menschen registriert (Guardian.com erreicht täglich ca. 8 Millionen Menschen). Die Guardian Media Group hat kürzlich ihren Verlust von £100 Millionen innerhalb des letzten Jahres offengelegt, was einer Einsparung im Personalbereich von ca. 20% entspricht. Offensichtlich ist ein nachhaltigerer Einkommensfluss nötig, als die Spenden von besorgten Mitgliedern der Öffentlichkeit erzeugen.

Finanzierungsgeschichten

Wenn es um das Finanzieren individueller journalistischer Projekte ging, zeigte sich Crowdfunding allerdings ein wenig ergiebiger. Eine Reihe von Crowdfunding-Plattformen, wie beispielsweise Kickstarter, haben hierfür eigene Bereiche, während sich Seiten wie Byline voll und ganz dem einen Zweck widmen. Eine Analyse von journalistischen Kickstarter-Projekten der amerikanischen Forschungseinrichtung PEW bezifferte den Betrag an finanzieller Unterstützung auf 1,7 Millionen Dollar im letzten Jahr. Der Großteil davon ging für eine spezifische Recherche an einzelne Journalisten. 22% erhielten etablierte Organisationen, wie die durch Fonds finanzierte Einrichtung ProPublica, um spezielle Projekte zu ermöglichen.

Eine akademische Erhebung der amerikanischen journalistischen Crowdfunding-Website Spot.us suchte nach den Projekten, die am bereitwilligsten unterstützt werden. Dabei kam man zu dem Ergebnis, dass Spenden vor allem an “ausgewählte Themen” gehen, die “für die Unterstützer in ihrem Alltag von unmittelbarem Nutzen” waren. Besonders, wenn sich diese mit dem Gesundheitswesen oder der städtischen Infrastruktur auseinandersetzten. Leider musste Spot.us dennoch vor einem Jahr aussteigen.

Wenn Crowdfunding also nur eine relativ begrenzte Möglichkeit bietet, eine Art “Wachhund-Journalismus” zu unterstützen, der ein kritisches Auge auf die Mächtigen des Landes und der Welt wirft, ist eine Finanzierung auf anderem Wege erforderlich. Wir leben in einer Zeit, in der die klassische Finanzierung durch sinkende Zeitungsverkäufe und Werbeeinnahmen immer schwieriger wird. Paywalls und gebührenpflichtige Inhalte stellen bei größeren Onlinepublikationen eine vielversprechende Finanzierungsform für den Weg in die Zukunft dar. In Amerika beinhalten mittlerweile mehr als ein Drittel aller Nachrichtenseiten Paywalls.

Ein neues Experiment ist die Aufteilung der Abonnements in Kleinstbeträge (Micropayments). Sie könnten für Nachrichten die Bedeutung bekommen, die Spotify inzwischen für Musik hat. Beispiele sind die niederländische Seite Blendle, die von der New York Times und Axel Springer finanziert wird, oder Piano Media, welche in Osteuropa aktiv sind. Ob dem umstrittenen Scottish Sports Weekly irgendetwas davon helfen hätte können, muss an anderer Stelle behandelt werden. Aber eines ist im heutigen digitalen Zeitalter so sicher wie in der grauen Vorzeit der Druckerpresse: Guter Journalismus ist nicht umsonst.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image “Newspaper” by bykst (CC0 Public Domain)


The Conversation

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100p – Bugattis schnelles Flugzeug

Bugatti Model 100 (Image by Flugkerl 2 [CC BY-SA 3.0.] via wikipedia)

Der italienische Konstrukteur Ettore Bugatti träumte vom Weltrekord des schnellsten Flugzeugs, doch seine speziell konzipierte Maschine kam nie zum Fliegen. Und viele glaubten, dass der für die späten 1930er Jahre extrem fortschrittliche Entwurf gar nicht erst flugfähig war. Enthusiasten und Fans haben mit einem Nachbau nun bewiesen, dass Bugattis Rekordflugzeug sehr wohl fliegt. Nur bei der Landung hatten sie leider Pech.

Wenn Flugbegeisterte von einem schnellen Flugzeug träumen, mit dem sie bei klarem Himmel einfach ohne Hemmungen Gas geben können, dann sehen viele von ihnen die Bugatti 100p. Bugatti wollte Ende der 1930er Jahre den weltweiten Geschwindigkeitsrekord aufgreifen und am damals recht bekannten Coupe Deutsch-Luftrennen teilnehmen. Zwei hintereinander eingebaute Bugatti-Motoren von je 450 PS aus dem Rennsport sollten das Flugzeug antreiben. Doch durch die Kriegswirren wurde die Maschine zwar gebaut, flog aber nie. Bugatti selbst starb bereits im Jahr 1949 und sein einziges Flugzeug geriet in Vergessenheit.

Nun ist Bugattis Designidee doch in der Luft. Eine Gruppe von Enthusiasten hat in mehrjähriger Arbeit eine Replik gebaut, den “Reve Bleu”, zu deutsch “Blauer Traum”. Am 20. August 2015 flog dieser Nachbau im amerikanischen Tulsa zum ersten Mal. Im Cockpit saß Scott Wilson, ein erfahrener Pilot und zugleich Initiator des Projekts. Doch der Weg dahin war weit.

Die Idee wird wahr

Noch 2013 sah es so aus, als würde es der “Reve Bleu” genauso gehen wie der Originalmaschine, und sie würde nie in die Lüfte steigen, denn der Mannschaft um Scott Wilson ging das Geld aus. Aber die Enthusiasten halfen sich auf sehr moderne Weise: Sie starteten einen Aufruf auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter. So kamen 62.000 Dollar (55.000 Euro) zusammen. Die Unterstützer waren dann per Livestream beim Erstflug dabei.

Für Wilson und die Unterstützergruppe erfüllte sich damit ein Traum, auf den alle Beteiligten seit 2009 hingearbeitet haben: Die Maschine hob endlich ab. Und mehr noch: Wilson brachte das Flugzeug auf eine Geschwindigkeit von 110 Knoten (zu Land: 198 km/h).

Die Landung ging jedoch schief. Beim Aufsetzen versagte nun ausgerechnet die Bremse am rechten Fahrwerksbein, das Flugzeug brach nach links aus und bohrte sich mit der Nase in den Rasen neben der Rollbahn. Wilson blieb unverletzt, doch die Propeller waren zerstört.

Wilson bestellte Ersatzpropeller bei seinem Projektpartner in Großbritannien. Am 17. Oktober flog der “Reve Bleu” zum zweiten Mal. Diesmal dauerte der Flug deutlich länger und verlief ohne Probleme. Abgesehen von der rauen Landung war Wilson aber schon mit dem ersten Flug zufrieden: “Das Flugzeug ist vorzüglich zu fliegen und sehr leicht steuerbar.

Nachbau mit modernen Mitteln

Die Geschichte des zweiten Bugatti-Fliegers begann bereits einige Jahre zuvor, im Jahr 2009. Damals stellte der frühere US-Air-Force-Pilot Scott Wilson ein Team zusammen, um eine originalgetreue und vor allem flugfähige Replik des Bugatti-Flugzeuges zu bauen. Auch Ladislas De Monge schloss sich der Gruppe an. Er ist der Großneffe von Louis de Monge, der das Original nach Ettore Bugattis Vorstellungen entworfen hatte.

Den Antrieb liefern zwei 200 PS starke Suzuki-Motorradmotoren, mit denen das Flugzeug rund 320 km/h erreichen kann. Wie beim Original liegen beide Motoren leicht nach links und rechts versetzt hintereinander auf der Mittelachse. Die Motorwellen führen etwa in Ellenbogenhöhe an beiden Seiten am Piloten vorbei und treffen sich im Getriebe direkt vor dem Cockpit. Dort treiben sie einen Doppelpropeller an, also zwei hintereinander montierte Luftschrauben, die sich gegenläufig drehen.

Leider existieren die Konstruktionszeichnungen der 100p heute nicht mehr, daher wertete das Team Fotos aus, die zum Teil beim Bau der 100p entstanden waren, zum Teil bei den beiden Restaurierungen des Flugzeugs. Außerdem wurde das Original sorgfältig vermessen. Der “Reve Bleu” besteht aus Balsaholz in Schichtbauweise. Komponenten wurden in Schweden, Brasilien, Großbritannien und Deutschland gebaut, wobei der gegenläufige Propeller aus Großbritannien kam. Details wie die Motorenkühlung oder der gekoppelte Gashebel mussten völlig neu konzipiert werden, weil sie nur auf Fotos zu sehen waren. Das Team nutzte an manchen Stellen auch moderne Materialien, wo er erforderlich war: “Wir verwendeten modernen Kleber anstelle von Resorcinol und Glasfasergewebe anstelle von Leinen, um die Oberfläche des Flugzeugs zu bedecken”, so Simon Birney, der kommerzielle Leiter des Projekts.

Die Zukunft von “Reve Bleu”

Wenn die nächsten Flüge gut verlaufen, will die Gruppe um Scott Wilson das Flugzeug zwar in der Öffentlichkeit präsentieren, aber nicht in der Luft. “Wir werden nicht auf Air Shows fliegen, weil das Flugzeug kein Zuschauermagnet ist: Es ist klein, nicht laut, es hat keinen Raucherzeuger und ist nicht kunstflugtauglich”, meint Birney. Auch einen Versuch, die Höchstgeschwindigkeit des Originals zu erreichen, wird es nicht geben. Immerhin wären das rund 800 Kilometer pro Stunde. Die Gruppe meint, das Flugzeug sei eher für eine Ausstellung geeignet, beispielsweise themenbezogen auf Flugschauen, in Museen oder als Präsentationen in Kunstgalerien, und auch ein Abstecher nach Europa ist vorstellbar.

Das Original wurde während des Krieges im Umland von Paris versteckt und gelangte schließlich über mehrere Eigner in die USA. Heute steht es im Air Venture Museum im amerikanischen Oshkosh, Virginia. Und obwohl es sich nie in die Lüfte schwingen konnte, gilt die schlanke Rennmaschine im Art-Deco-Design vielen immer noch als das schönste Flugzeug seiner Zeit.


Image “Bugatti Modell 100” by FlugKerl2 (CC BY SA 3.0)


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Senkrecht ist Trend: Was man bei vertikalen Videos beachten muss

2nd VFF 2016 (Screenshot by Vertical Film Festival)

Während sie durch die Hügel über Otta wanderten – eine Stadt in Norwegen mit 1700 Einwohnern, die ungefähr vier Stunden von Oslo entfernt liegt – stellte ein Team des norwegischen Senders NRK fest, dass sie einen neuen Ansatz brauchen, um den Ausblick für ihre aktuelle interaktive Dokumentation zu filmen.

Als Teil der unternehmensweiten Mühen zur Verbesserung der mobilen Strategien wurde die Dokumentation, die davon handelt, wie Otta sich an das Flüchtlingszentrum anpasst, das in einem verlassenen Hotel eröffnet wurde, einfach vertikal gefilmt. Dafür wurde die Kamera um 90 Grad zur Seite gedreht. Mitarbeiter konstruierten einen speziellen Griff, um die Kamera stabil seitwärts zu halten.

Wenn du hoch in die norwegischen Berge gehst, ist es wunderschön und du bist daran gewöhnt die Landschaft vertikal zu sehen, erzählte mir Projektleiter Kim Jansson von NRK.Man muss seine Art zu Denken anpassen. ‘OK, wir müssen die linke und die rechte Seite abschneiden, was können wir noch tun, damit es vertikal funktioniert?‘ Wir haben Bäume benutzt, um den Leuten Höhe und Weite zu demonstrieren: Wie hoch die Berge sind, wie hoch die Häuser sind, erläuterte er. Du bekommst eine andere Sicht. Man muss nur seine Denkrichtung ein wenig ändern, um die Möglichkeiten zu sehen, die man mit horizontalen Filmen nicht hat.

Mit der zunehmenden Nutzung von Mobilgeräten wenden sich Nachrichtenagenturen, besonders solche, die auf Snapchat Discover veröffentlichen, ebenso dem vertikalen Video zu, um ihre Inhalte für Smartphone-Bildschirme zu optimieren – einem Format, das früher oft verspottet wurde.

Laut der Analystin Mary Meeker nutzen User vertikale Geräte zu fast 30 %, 2010 waren es noch 5% der Anwenderfälle. Und mehr als 7 Milliarden Videos werden täglich auf Snapchat angesehen, das speziell für die vertikale Nutzung konzipiert wurde.

Aber wenngleich Nachrichtenagenturen, von National Geographic über Mashable bis hin zu Vox vertikale Videos herstellen, gibt es noch immer keine Einigkeit darüber, wie sie am besten produziert werden sollten. Manche Organisationen wie NRK haben sich entschieden, die Kamera direkt zu drehen und vertikal zu filmen, während andere lieber auf die traditionelle Art filmen und im Anschluss das Material an einen vertikalen Bildschirm anpassen.

Neben der Tatsache, dass vertikales Filmen häufig einfache logistische Probleme mit sich bringt (wie sichert man am besten eine Kamera seitwärts auf einem Stativ?), zwingt die unorthodoxe Orientierung die Produzenten dazu, ihre Kompositionen und Techniken zu ändern, unabhängig davon, wie das Video gefilmt wird.

“Für jeden, der versucht, mit einer traditionellen Kamera ein vertikales Video zu erstellen, hat das System gewisse Stolperfallen”, sagte Adam Sébire, Mitbegründer des Vertical Film Festivals in Australien, das einen Leitfaden zum Filmen von vertikalen Videos veröffentlicht hat.

Neben der Herstellung des Videos kann auch seine Präsentation eine Herausforderung bedeuten. Der Videoplayer von NRK konnte keine vertikalen Videos abspielen, daher mussten die Entwickler für den Film über Flüchtlinge einen neuen entwickeln. YouTube hat erst im letzten Sommer seine Smartphone-App aktualisiert, sodass es jetzt möglich ist, vertikale Videos auf dem ganzen Bildschirm zu sehen.

Snapchats problemlose Handhabung vertikaler Videos ist einer der Gründe, warum sich Publisher immer mehr auf die Plattform konzentrieren. National Geographic war einer der ersten Publisher auf Snapchat Discover, aber erst seit letztem September werden ausnahmslos alle Videos vertikal präsentiert, meint James Williams, der beim national Geographic für digitale Videos verantwoortlich ist.

Der National Geographic hat horizontale Videos für Snapchat wiederverwendet, filmt aber einige Videos auch vertikal, beispielsweise die ganz alltägliche Quizsendung. Nachdem Williams über die geistige Blockade, “ein Video so zu filmen, wie meine Mutter ihren Hund im Garten filmt”, hinweg war, musste das Digital-Team herausfinden, wie es vertikale Geschichten am besten umsetzen sollte.

Wenn man in seiner Karriere fortschreitet, gewöhnt man sich daran, in bestimmten Maßen zu kommunizieren, erklärte Williams.Man lernt, wie man den Platz am effektivsten nutzt, was die Kompositionen angeht, oder wie man ein Subjekt im Fokus richtig platziert. Plötzlich die Seiten abzuschneiden und ganz neu darüber nachzudenken, wie du Dinge gestaltest – das war für mich die größte Herausforderung. Es gab eine Phase des Experimentierens und dann das Gefühl von Erleichterung, dass wir auch in neuen Dimensionen großartige Geschichten erzählen können.

Für die vertikal gefilmten Videos montiert National Geographic die Kamera seitlich, doch es gibt keine Möglichkeit, das Video zuzuschneiden oder seine Dimensionen zu verändern. Während ein horizontal gefilmtes Video, das vertikal zugeschnitten wird, auf verschiedene Arten genutzt werden kann.“Man ist festgelegt”, sagt Williams.

Mashable hat sich entschieden, dass es am einfachsten ist, horizontal zu filmen. Als sie bei Snapchat Discover anfingen, versuchte Mashable mit einer Handykamera und mit einer auf die Seite gedrehten DSLR Kamera zu filmen. Später entschieden sie alle, ihre Videos mit einer horizontal orientierten Kamera zu filmen, sagt der Direktor von Mashable, Jeff Petriello.

“Bezüglich der Qualität und damit der Inhalt in so vielen Formen wie möglich weiterlebt, hat es sich als effizient erwiesen, mindestens mit einer 4K Kamera horizontal zu filmen”, sagt er.

Petriello schätzt, dass nur ein Drittel der vertikalen Inhalte, die Mashable gestaltet, wirklich eine Kamera benötigt. Der Rest wird durch Animation und Design mit Programmen wie Adobe After Effects kreiert.

Vox nutzt für seinen Snapchat Discover Kanal ebenso größtenteils Animationen. Und Yvonne Leow, Chefredakteurin bei Snapchat von Vox, sagt, man hätte “mehr oder weniger dazu gelernt”, während die Vox-Designer den besten Weg ausknobelten, um Grafiken und andere Visualisierungen für den vertikalen Bildschirm zu erschaffen.

Wenn Livevideos auf Snapchat Discover genutzt werden, filmt Vox in der Horizontalen. Beim Filmen eines Interviews im Studio setzt der Kameramann die Person so in das Zentrum des Bildes, dass das Video einfach an das vertikale Bildformat angepasst werden kann.

Vox legt zudem Grafiken über seine Interviews. Bei einer auf das Zentrum fixierten Aufnahme ist es möglich, diese der finalen vertikal orientierten Version anzupassen.

Die New York Times nutzte diesen Ansatz im letzten Jahr, als sie ein Video über die Zusammenarbeit von Justin Bieber, Skrillex und Diplo produzierte. Sie machten drei verschiedene Versionen des Videos – eine in 16:9 für ihren eigenen Player und YouTube, 3:4 für Tablets und 9:16 für eine vertikale Orientierung auf Handys – und passten die Grafiken jeder der Versionen an.

Die beste Art der Darstellung vertikaler Videos auf einem Bildschirm herauszufinden, wenn es kein Handydisplay ist, erfordert ein wenig Einfallsreichtum.

Mashable hat ein paar vertikale Videos außerhalb von Snapchat Discover veröffentlicht. Wenn diese auf einem regulären Bildschirm angesehen werden, sind sie in die linke Spalte der Story eingebunden.

Für sein interaktives Video über die Flüchtlinge zeigte NRK große Zitate neben den Videobildern. Der Sender schätzt aber, dass etwa 66% der Zuschauer das Video auf ihrem Handy angesehen haben. Die interaktive Geschichte war eine der am häufigsten gesehen Berichte des Jahres 2015, obwohl sie erst in der letzten Dezemberwoche veröffentlicht wurde.

Janssons Team wird sich diesen Monat wieder nach draußen begeben, um seine nächste vertikale Dokumentation zu drehen. Dieses Mal wird es versuchen, mehr Bewegungen in das Video zu bringen.

Im letzten Video ist nicht viel passiert, sagt er. Wir werden sehen ob es möglich ist, dieses Mal ein bisschen bessere Arbeit zu leisten. Aber wir machen mehr oder weniger die gleiche Sache. Wir haben es bis jetzt erst einmal durchgezogen und brauchen mehr Übung.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “NiemanLab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image “Vertical Film Festival” (screenshot) by Vertical Film Festival


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Wie eine Webseite zur digitalen Zeitkapsel wird

Kamera-Fotos (image by condesign [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Geschichte entsteht aus Geschichten. Die Webseite The History Project versucht genau diese Geschichten mit moderner Technologie einzufangen und als interaktive Geschichte für zukünftige Generationen aufzubewahren und abzubilden. So sollen aus chaotischen Anekdoten und Objekten bedeutungsvolle Erinnerungen werden.

Alles begann, als Niles Lichtenstein eine Kiste voller alter Schallplatten auf dem Dachboden fand. Die Schallplatten hatten seinem Vater gehört, der vor vielen Jahren an Krebs gestorben war. Für Lichtenstein war dieser Moment so, als ob er eine wertvolle Schatztruhe gefunden hätte. “Die Musik hatte meinen Vater und mich immer verbunden. Als ich anfing die erste Platte zu hören, kamen all diese Erinnerungen hoch und ich hatte ein unglaubliches Hochgefühl.”

Desperado von den Eagles:

Doch kaum war die Musik verklungen, war diese Verbindung, die er gefühlt hatte verpufft. Er fühlte sich traurig und alleine. Er begann fast wie besessen eine Platte nach der anderen zu hören, auf der Suche nach mehr Erinnerungen an seinen Vater. Als das nicht mehr reichte, tauchte er in alte Fotoalben ein. Er besuchte Freunde seines Vaters und interviewte sie. Seine Reise in die Vergangenheit führte ihn immer weiter. Er reiste sogar nach Vietnam, an den Ort, an dem sein Vater während des Kriegs stationiert war. “Als ich von dieser Reise wiederkam, war ich körperlich total ausgelaugt, fühlte mich aber im Geiste sehr erhoben.” 

Als er aber seiner Familie diese intensive Erfahrung beschreiben und zeigen wollte, hatte er nur eine Daten-CD mit ein paar Liedern und Fotos in der Hand. “Das gab überhaupt nicht wieder, was ich erfahren hatte. Es war genau das Gegenteil von dem, was ich auf meiner Reise in die Vergangenheit erlebt hatte.”

Die Vergangenheit mit Technologien von heute für die Generation von morgen aufbewahren

Seine Erfahrung mit der Vergangenheit seines Vaters hatte Niles Lichtenstein zwei Dinge gezeigt: Erstens, Menschen leben durch die Geschichten, die wir mit ihnen verbinden, in nachfolgenden Generationen weiter und zweitens, es müsste einen Weg geben, um diese Geschichten in einer Art lebendiger, interaktiver Zeitkapsel aufbewahren zu können. So entstand wenige Zeit später The History Project. Die Webseite sieht sich als

Eine Welt, in der Momente wichtig sind, für immer aufbewahrt werden können und einfach zugänglich sind.

Die Vergangenheit soll so mit Technologien von heute eingefangen und für künftige Generationen aufbewahrt werden. Dabei kann The History Project viel mehr als etwa ein geteiltes Fotoalbum auf Facebook. Jede Geschichte wird anhand eines Zeitstrahls erzählt. Hier können einzelne Geschehnisse festgehalten werden, wie die Geburt eines Kindes, das erste Date oder der erste Tag im neuen Job. Jedes Ereignis kann dabei mit Fotos, Tonaufnahmen, Videos, Musik, Dokumenten, Landkarten, alten Zeitungsschnipseln und vielem mehr bereichert werden. “Denn es ist nicht dasselbe, wenn wir uns einfach alte Fotos anschauen oder wenn unsere Eltern daneben sitzen und uns die Geschichte und die Hintergründe zu diesen Fotos erklären.” Mit The History Project sollen genau diese Geschichten wieder erzählt werden.

Screenshot Erstes Date 650x326

So werden durch die Timeline alte Erinnerungen wieder lebendig und in einen Zusammenhang gebracht. The History Project orientiert sich dabei an die Art und Weise, wie wir selbst Erinnerungen abspeichern. Ein bestimmtes Lied kann zum Beispiel eine Welle von Bildern, Orten und Ereignissen in unserer Erinnerung hervorrufen. Genau diese Erinnerungsflut will The History Project simulieren. Ein Klick auf das Ereignis “Erstes Date” ruft zum Beispiel gleichzeitig alte Fotos, die erste Email, die Musik, die damals spielte und eine Speisekarte des Restaurants auf.

Diese Geschichts-Timelines können auch mit anderen Nutzern geteilt werden, sodass man mit mehreren gleichzeitig an einer Geschichte arbeiten kann. Niles Lichtenstein ist es dabei wichtig, dass wir stets Zugriff auf die Geschichten haben. Geschichte soll dadurch ein viel größerer Teil unseres Alltags werden: “Wer an Geschichte denkt, sieht gleich langweilige alte Wälzer oder vergrabene Zeitkapseln vor sich, die man erst in 30 Jahren wieder ausgraben kann. Aber unsere Idee ist, dass Geschichte uns in unserem Alltag begleiten soll, wenn wir morgens unsere Emails checken oder beim Essen mit der Familie, wenn wir uns diese Geschichten erzählen.”

Lichtenstein glaubt, dass wir nur in und durch unsere Geschichten wirklich lebendig sind: Wenn unsere Großeltern davon erzählen, wie sie als Kinder gespielt haben; wenn unsere Onkel und Tanten uns verraten, wie viel Unsinn unsere Eltern früher getrieben haben; wenn wir uns an unsere Schulzeit erinnern. Mit anderen Worten: Wenn wir uns an all die Geschichten, die uns ausmachen erinnern und diese weitergeben, dann bleiben wir selbst dadurch lebendig und können anderen ein Stück von uns selbst mitgeben.

Das Erinnerungschaos ordnen

All das will The History Project auf digitale Art und Weise einfangen. Dabei ist das Ausfiltern von Erinnerungsstücken ein wichtiger Teil des Prozesses. Denn einerseits haben wir viele alte Objekte wie Fotos oder Kassetten, die vom Verfall bedroht sind. Andererseits verfügen wir über riesige digitale Datenbanken mit Tausenden Fotos, die völlig überwältigend – aber in ihrer angesammelten Masse auch völlig bedeutungslos sind.

The History Project hat sich zum Ziel gesetzt, Ordnung in dieses Erinnerungschaos zu bringen. Gespeichert wird alles im Netz, mit Cloud-Technologien. So bleiben bedeutungsvolle Erinnerungen nicht nur für uns, sondern auch für unsere Kinder und Enkel erhalten – das erhofft sich zumindest das Team von The History Project. Dabei ist das Projekt nicht nur für persönliche Erinnerungen oder als digitales Erinnerungsalbum für die Familie gedacht. The History Project kann beispielsweise auch von Firmen oder Organisationen genutzt werden, um ihre Gründungsgeschichte oder ihre Firmenideologie für ihre Angestellten, aber auch für die Zukunft festzuhalten.

Geschichte mit allen Sinnen erleben

Niles Lichtenstein gibt zu, dass die digitale Erinnerungszeitkapsel erst der Anfang ist. “Wir arbeiten derzeit auch an Techniken mit 3D Druckern oder digitalen Gerüchen, denn Erinnerung hat auch so viel mit Anfassen und Riechen zu tun.” Geschichte soll also mit allen Sinnen erlebt werden. Eine Idealvorstellung wäre für Lichtenstein etwa ein Video von der Oma beim Kochen, darunter liest man direkt das Rezept, hört die Radiomusik, die sie damals dazu gehört hat und riecht gleichzeitig das leckere Essen.

Ganz soweit ist The History Project aber noch nicht. Bisher kann man über die Webseite entweder selbst an digitalen Erinnerungesprojekten basteln (Spoiler Alert: hoher Spaßfaktor) oder das Team von The History Project, die selbsternannten Geschichts-Hausmeister, damit beauftragen, seine Erinnerungen professionell zu ordnen, entweder modern und digital als Web-Projekt, oder doch ganz klassisch – als Fotoalbum.

Screenshot Fotoalbum 650x165

Und die Moral von der Geschicht

Unsere Erinnerungen und unsere Geschichten machen uns als Menschen aus. The History Project bietet eine spannende sowie unterhaltsame Möglichkeit, diese in digitalen Zeitkapseln für uns sowie für nachfolgende Generationen aufzubewahren.

Niles Lichtenstein über die Hintergründe von The History Project


Teaser & Image “Kamera-Fotos” by condesign (CC0 Public Domain).


CHIEF-EDITOR’S NOTE: Wenn Ihnen unsere Arbeit etwas wert ist, zeigen Sie es uns bitte auf Flattr oder indem Sie unsere Reichweite auf Twitter, Facebook, Google+, Soundcloud, Slideshare, YouTube und/oder Instagram erhöhen. Vielen Dank. – Tobias Schwarz

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Kreative Facebook-Titelbilder – 5 Tipps für Unternehmen

Facebook Beachfront (adapted) (Image by mkhmarketing [CC BY 2.0] via Flickr)

Das Erste, was man auf einem Facebook-Profil sieht, ist das Titelbild. Im Folgenden erfahren Sie, wie sich aus diesem das Maximum rausholen lässt. Das Facebook-Titelbild kann der entscheidende Faktor sein, der darüber entscheidet, ob sich ein Nutzer weiter auf Ihrer Seite umschaut oder diese aber verlässt. Um zu verhindern, dass Nutzer bei dem Anblick Ihrer Seite die Flucht ergreifen, gibt es einige grundlegende Regeln bezüglich Titelbildern, die es zu beachten gilt.

Größe und Format

Zunächst ist es wichtig, die richtigen Abmessungen für das Titelbild zu kennen. Am besten sieht es aus, wenn das Bild etwa doppelt so breit wie lang ist. Falls Sie selbst ein Design erstellen, empfiehlt es sich, mit einer Fläche der Maße 851×315 zu arbeiten. Das ist nämlich die ideale Größe für ein Facebook-Titelbild.

Falls Sie ein vorhandenes Foto zuschneiden wollen, um es anzupassen, empfiehlt es sich, ein hochauflösendes Foto im Hochformat zu wählen. Das hilft Ihnen dabei, schlecht beschnittene oder gestretchte Bilder zu vermeiden.

Text im Bild

Als nächstes sollten Sie festlegen, ob Ihr Facebook-Titelbild Text beinhalten soll. Falls Sie sich dafür entscheiden , gibt es einiges zu beachten. Denken Sie zum Beispiel daran, dass Ihr Titelbild so etwas wie ein visueller Pluspunkt sein soll.

Falls das Titelbild mit einem Text versehen wird, besteht die Gefahr, dass dieser Ihr Foto überhäuft. Stellen Sie dazu sicher, dass Ihr Text deutlich auf dem Foto zu sehen ist, indem Sie eine Komplementärfarbe sowie eine geschmackvolle Schriftart wählen.

Bezüglich der Proportionen innerhalb des Bildes sollten Sie sich an der 20-Prozent-Regel orientieren. Diese besagt, dass die Größe des Textes, inklusive Markenlogos, nicht mehr als 20 Prozent des Bildes einnehmen darf.

Optimierung für das Smartphone

Da der mobile Datenverkehr in allen wichtigen sozialen Netzwerken zunimmt, ist es entscheidend, dass das Profil auch für Smartphones optimiert ist. Damit das Titelbild auf einem Smartphone angezeigt wird, muss es rechtsseitig oder mittig ausgerichtet sein.

Das bedeutet, dass wenn Sie einen Text oder ein Bild mit einem Schwerpunkt verwenden (zum Beispiel ein Gesicht oder die Darstellung eines Produkts), muss dieser Schwerpunkt entweder auf der rechten Seite oder in der Mitte des Bildes platziert werden. Es empfiehlt sich außerdem, dass Sie bezüglich der visuellen Darstellung dem Look Ihres Unternehmens treu bleiben.

5 Tipps zu Facebook-Titelbildern anhand von Beispielen

Da sich mit Hilfe von Anschauungsmaterial das Gesagte leichter nachvollziehen lässt, folgen ein paar Beispiele von Unternehmen, die alle wichtigen Elemente bezüglich der Auswahl des Titelbildes berücksichtigt haben.

1. Wählen bzw. designen Sie ihr Facebook-Titelbild der Saison entsprechend

Halloween 650x296 Screenshot: Facebook

Unternehmen wie zum Beispiel der amerikanische Blumenhändler 1-800-Flowers.com wissen, wie wichtig es ist, die saisonale Relevanz ihrer Produkte hervorzuheben.

2. Nutzen Sie Facebook-Titelbilder, um Kampagnen und neue Produkte Ihres Unternehmens zu promoten

ShortStack 650x296 Screenshot: Facebook

So wie in diesem Beispiel das Software-Unternehmen Shortstack anschaulich demonstriert.

3. Heben Sie durch Titelbilder Kunden oder Partner hervor

Oreo 650x296 Screenshot: Facebook

Der Keksfabrikant Oreo lädt regelmäßig ein neues Titelbild von einem Fan hoch, der an diesem Tag Geburtstag feiert.

4. Lassen Sie positive Resonanz zu

Walmart 650x296 Screenshot: Facebook

Die Darstellungen zufriedener Kunden oder positiver Feedbacks können sich Unternehmen zunutze machen. Walmart postet zum Beispiel regelmäßig Fotos von fröhlichen Kunden.

5. Seien Sie aktuell

Marvel 650x296 Screenshot: Facebook

Achten Sie darauf, dass Sie auf Ihrem Titelbild das aktuellste Projekt Ihres Unternehmens hervorheben, so wie Marvel in diesem Fall ihren neusten Film.


Image (adapted) „Facebook Beachfront“ by mkhmarketing (CC BY 2.0)
Screenshots by Patrick Kiurina


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TZOA – Enviro-Tracker schärfen Bewusstsein für Umwelt

Das amerikanische Startup-Projekt TZOA will den Wearable-Markt mit einem so genannten „Enviro-Tracker“ aufmischen. // von Jonas Haller

TZOA (Bild: Pressematrial von TZOA)

Fitness-Tracker sind für viele aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Die kleinen Helferlein dokumentieren jeden kleinsten Schritt und verraten Details über die physische Leistungsfähigkeit. So können wir unsere Gesundheit besser kontrollieren, suggerieren uns die Marketing-Abteilungen. Doch wie steht es um äußere Einflüsse, die wir oft kaum wahrnehmen können? Ein amerikanisches Startup-Unternehmen schickt sich an, unsichtbare Gefahren auf dem Smartphone anzuzeigen und gegebenenfalls zu warnen.

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Wie das Mikrofon Mikme die Welt verändern kann

Via Kickstarter soll das Mikrofon Mikme finanziert werden

Via Crowdfunding soll Unmögliches doch möglich gemacht werden, wie zum Beispiel ein revolutionäres Mikrofon namens Mikme. // von Niklas Möller

Via Kickstarter soll das Mikrofon Mikme finanziert werden

Kaum eine andere Finanzierungsform hat sich in den letzten Jahren besonders für unabhängige Entwickler so bezahlt gemacht wie Crowdfunding. Darauf hat es auch Philipp Sonnleitner abgesehen, der mit seinem Team ein kabelloses Aufnahme-Mikrofon entwickelt hat, das die Kreativität von Musikern weltweit fördern kann. Mikme heißt sein Traum, mit dem Musiker auch unterwegs in Studioqualität ihre Musik aufzeichnen und bearbeiten können.

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Lektionen aus einer gescheiterten Crowdfunding-Kampagne

Gina Schad ist zwar mit ihrem Crowdfunding-Projekt „Durchgedreht mit…“ gescheitert, doch die Erfahrungen haben ihr auch so weitergeholfen, wie sie uns in einem Gastbeitrag erklärt. // von Gina Schad

Gina Schad über ihr Crowdfunding-Projekt

Seit einiger Zeit blogge ich im Internet; angefangen bei meinem Blog medienfische und seit Anfang diesen Jahres bei den Netzpiloten. In meinen Artikeln habe ich mich immer auf schriftliche Interviews beschränkt, im Frühjahr hatte ich jedoch die Idee, eine neue Interviewreihe mit Video-Interviews zu starten: „Durchgedreht mit…“.

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„Durchgedreht mit…“ – Gina Schad über ihr Crowdfunding-Projekt

Image by José Luis Cortés González

Bereits seit Ende August läuft das neue Interview-Projekt „Durchgedreht mit…“ unserer Autorin Gina Schad, das mittels Crowdfunding finanziert werden soll und unter anderem Künstler zu einem unverfälschten Gespräch einlädt. // von Merle Miller

Image by José Luis Cortés González

Zusammen mit soilfilms und Carta.info ist Netzpiloten.de Kooperationspartner des Projekts “Durchgedreht mit…” von Gina Schad. Bereits fünf Folgen der Video-Interviewreihe wurden veröffentlicht und können auch auf Netzpiloten.de angeschaut werden. Hinter dem Projekt steckt medienfische, welches Gina Schad als studentisches Projektmodul an der Humboldt-Universität Berlin gestartet hatte, und die Videos werden von der Produktionsfirma Soilfilms fertiggestellt – also ein besonderes Teamprojekt, das nun auf Crowdfunding angewiesen ist, um die erste Staffel zu Ende drehen zu können. In einem ebenso unverfälschten Gespräch verrät uns Gina, welche Themen in den Video-Interviews angesprochen werden, wie die Idee zu der Webserie entstanden ist und was sie von anderen unterscheidet.

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Google plant Unternehmen kostenloses WLAN anzubieten

Wifi (adapted) (Image by Arkangel [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Bei den Gerüchten, um ein von Google bereitgestelltes WLAN für kleine und mittlere Unternehmen geht natürlich um Daten, aber nicht nur. In den letzten Tagen sind zwei aufeinander aufbauende Gerüchte bei The Information und Gigaom aufgetaucht, laut denen Google plant, kleinen und mittleren Unternehmen ein kostenloses WLAN anzubieten. Dabei hat es Google aber nicht nur auf die Nutzerdaten abgesehen, dank denen die Unternehmen noch gezieltere Werbung schalten können. Google geht es darum die Macht der Mobilfunkunternehmen aufzuweichen und die Verwendung datenhungriger Streaming-Dienste voranzutreiben.

Internet für alle

Im vergangenen Jahr verkündete der Google-Vorstandsvorsitzende und ehemalige CEO, Eric Schmidt, dass bis zum Ende des Jahrzehnts die gesamte Erdbevölkerung mit dem Internet verbunden sein wird. Dieser ambitionierte Plan erinnert nicht ganz zufällig an die Äußerung von John F. Kennedy, der Anfang der sechziger Jahre ankündigte, bis zum Ende des Jahrzehnts einen Menschen auf den Mond zu schießen. Diese „Moonshot-Mentalität“ ist bei Google tief verankert und führt zu erstaunlichem Innovationsdrang.

Um den gesamten Globus mit einem Internetzugang zu versorgen hat man das Project Loon gegründet. Im Zuge dieses Projekts sollen Ballons und/oder Drohnen die Erde umkreisen weiße Flecken zu erschließen und diese mit dem Internet zu verbinden. Das Ziel von Google ist dabei natürlich nicht nur, allen Menschen Zugang zu Informationen zu ermöglichen, sondern auch neue Kunden für die eigenen Dienste zu gewinnen. Dabei wird der Schwerpunkt allerdings zunächst vor allem Dienste wie die Google Suche, Gmail oder Google Maps liegen – Dienste also, die vergleichsweise wenige Daten verbrauchen.

Streaming gehört die Zukunft

Google setzt aber zunehmend auch auf datenintensive Dienste zum Streamen von Musik, Videos und Filmen, sowie auf die Verwendung der Cloud als Speicherplatz. Diese Idee wird mit den Nexus-Geräten, die allesamt keine Speichererweiterungsmöglichkeit bieten, schon lange verfolgt. Allerdings war Google in diesem Fall vor Allem der Mobilfunkindustrie diverse Schritte voraus. Was Google sich nämlich anders gedacht hatte, waren die Mobilfunkverträge, die zwar heutzutage üblicherweise immerhin mit dem schnellen LTE-Standard angeboten werden, dafür aber immer über ein gedeckeltes Datenvolumen verfügen, das selten über 1 GB hinausgeht. Dem Streamen von Musik und Filmen oder gar dem Backup größerer Dateien in der Cloud steht diese Limitierung natürlich massiv im Weg.

Wenn Google nun also kleinen und mittleren Unternehmen eine kostenlose WLAN-Lösung anbietet, könnte sich dies Problem lösen. Dank Hotspot 2.0 funktioniert die Google-Idee in Gegenden mit hoher Hotspot-Dichte eher wie ein Mobilfunknetz, als ein klassisches WLAN, da sich der Nutzer nur einmal einloggen muss und in allen dazugehörenden Hotspots automatisch eingeloggt wird. In Hotels, Krankenhäusern oder Cafés könnten die Nutzer sich die Zeit somit problemlos zum Beispiel mit dem Konsum von Medien aus dem Google Play Store vertreiben.

Eine Idee, die nur Gewinner kennt?

Auf den ersten Blick scheinen alle Beteiligten bei diesem Plan nur Vorteile zu genießen. Google gewinnt neue Kunden und kann mit Streaming-Angeboten mehr Umsatz machen. Der Nutzer kann sich in sehr vielen Orten über ein kostenloses und schnelles WLAN freuen und die Unternehmen müssen sich nicht mit der Einrichtung von Netzwerken herumschlagen und sogar Dienste wie Bezahlsysteme von Google nutzen – ob dies allerdings den bisherigen Anbietern derartiger Systeme gefallen wird, darf angezweifelt werden. Google versucht zudem durchaus bewusst es mit einem weiteren sehr großen und mächtigen Gegner aufzunehmen: der Mobilfunkindustrie. Dass dieser das Vorgehen allerdings nicht besonders gut gefallen wird, dürfte wenig überraschen.

Aber nicht nur die Mobilfunkindustrie könnte sich als schwierige Hürde entpuppen, auch die Nutzer selber dürften mindestens zögerlich an die Sache herangehen. Für den Nutzer ergibt sich bei genauerem Hinsehen nämlich ein potenzielles Problem, da Google auf diesem Wege noch mehr und vor allem genauere Daten über einen erhält, die zum geringen Teil wiederum an die Unternehmen weitergegeben werden sollen, damit diese gezielte Werbung schalten können. Allein dieser Schritt wird bei vielen Nutzern zu großem Unbehagen führen – nicht nur in Deutschland, wo ohnehin bereits Angst vor Googles Marktmacht herrscht. Bleibt also abzuwarten, wieviel am Ende tatsächlich an den Gerüchten dran ist und wie gut Google die ganze Sache am Ende durchplant und vermarktet – im Laufe des Sommers soll das Projekt bereits offiziell vorgestellt werden.


Image (adapted) „Wifi“ by Arkangel (CC BY-SA 2.0)


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Google Ara: Modulares Smartphone nimmt konkrete Formen an

Google arbeitet derzeit unter Hochdruck an der nächsten großen Revolution auf dem Smartphone-Markt. Bereits 2015 sollen die ersten modularen Smartphones des Projekts Google Ara erhältlich sein. // von Daniel Kuhn

Google Ara Image

Ein modulares Smartphone, bei dem der Nutzer nicht nur die einzelnen Komponenten individuell zusammenstellen, sondern bei Bedarf auch gegen neue austauschen kann, galt lange Zeit als ebenso genial, wie unrealistisch. Nun hat sich Google dieser Idee angenommen und arbeitet unter Hochdruck an der Umsetzung dieser Idee. Das Ara genannte Projekt soll bereits im kommenden Jahr erhältlich sein und in der Basisversion nur 50 US-Dollar kosten.

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Bayerische Staatsbibliothek hat eine Million digitalisierte Bücher

Lesesaal mit Galerie (Bild: Bayerische Staatsbibliothek [CC BY-SA 3.0 DE], via Wikimedia)

Seit Anfang Januar bietet die Bayerische Staatsbibliothek durch ein Digitalisierungsprojekt mit Google mehr als eine Million Bücher als digitalisierte Werke online an. // von Tobias Schwarz

Bayerische Staatsbibliothek (Bild: Digital Cat [CC BY-SA 3.0], via Wikipedia)

Die Bayerische Staatsbibliothek besitzt damit das größte Angebot an digitalen Medienbeständen im deutschen Sprachraum. In der Zahl enthalten sind neben dem eigenen Bestand auch rund 50.000 digitalisierte Werke aus der nachgeordneten Staatlichen Bibliothek Regensburg. Gleichzeitig wurde in der Bayerischen Staatsbibliothek kürzlich das 10-millionste Buch erworben und erschlossen. Die 1558 gegründete Bibliothek ist mit ihrem Buchbestand, ihren rund 62.000 Zeitschriften in elektronischer und gedruckter Form, zahlreichen E-Books, 96.000 Handschriften und umfangreichen Sondersammlungen eine der bedeutendsten europäischen Universalbibliotheken und genießt als internationale Forschungsbibliothek Weltrang.

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SHIFT-Gründer Daniel Höly: „2013 war ein saugutes Jahr!“

Während wir in diesem Jahr unser 15-jähriges Jubiläum feierten, erlebten drei Printprodukte ihr erstes Jahr – im Interview zieht SHIFT-Gründer Daniel Höly eine erste Bilanz // von Tobias Gillen

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Auch das Jahr 2013 war nicht das Ende von Print, auch wenn gerade die Online-Medien einen gehörigen Schritt nach vorne machten. Im letzten Monat des Jahres schauen wir uns drei neue Printprodukte an, die uns von ihrem ersten Tag an neugierig gemacht haben. Mitte des Jahres startete Daniel Höly sein Printprojekt „SHIFT“, dass Tobias Gillen damals vorstellte. Im Interview unterhalten sich die beiden über „Shift“, wie Print heutzutage funktionieren kann und wohin die Reise gehen kann.

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Crowdspondent: “User haben uns als persönliche Reporter im Ausland”

Zwei deutsche Jungjournalistinnen recherchieren in Brasilien die Geschichten, die ihre Leser wollen.

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Die beiden deutschen Jungjournalistinnen Lisa Altmeier und Steffi Fetz haben ein außergewöhnliches Projekt gestartet: Crowdspondent.de. Finanziert mit einem Stipendium, sind sie drei Monate in Brasilien unterwegs, um Geschichten zu recherchieren. Geschichten, die die Internet-Crowd in Auftrag gibt. Via Twitter, Facebook oder im Blog können Interessierte Recherchen vorschlagen, Tipps geben oder für Artikel voten, die Altmeier und Fetz dann vor Ort bearbeiten. Im Interview sprechen die beiden über die Gefahren beim Recherchieren, den Unterschied zu normalen Auslandskorrespondenten und den Crowdfunding-Hype.

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Startup-Interview: Florian Meissner von EyeEm

thank's so much @kickin #eyeEM (adapted) (Image by Jochen Spalding [CC BY 2.0] via Flickr)

EyeEm ist zu einer der beliebtesten Apps seit 2011 geworden. Die Foto-Sharing-App wurde von Florian Meissner und drei weiteren Entwicklern programmiert. Die Idee dazu kam ihm, als seine SLR-Kamera in der New Yorker U-Bahn gestohlen wurde und er daraufhin nur noch Bilder mit seinem Smartphone schoss.

Jennifer Collins (JC): Heute treffe ich Florian in der EyeEM-Firmenzentrale. Er ist einer der Gründer der App. Danke, dass du uns Netzpiloten heute empfängst.

Florian Meissner (FM): Hi Jennifer. Gerne doch.

JC: Florian, erzähl mir doch einmal, wie es zur Zusammenarbeit von dir und deinen drei Kollegen kam und was der ausschlaggebende Punkt war, dieses Projekt zu entwickeln. Und was ist eigentlich genau dein Background?

FM: Das ist eine komische Geschichte. Aber ich fang mal an, das zu erzählen. Also mein Background liegt eigentlich in der kommerziellen Fotografie und als ich meinen Studienabschluss erhielt, ging ich nach New York,  um für ein Magazin zu arbeiten. Dort wurde mir dann in der ersten Woche mein komplettes Kamera-Equipment in der U-Bahn gestohlen. Das war wie ein Schlag ins Gesicht, der mir von der Stadt zur Begrüßung gegeben wurde, da ich so gut wie kein Geld hatte, um mir eine neue Ausrüstung zu kaufen. Ein Freund hat mir dann ein iPhone 3G gegeben, womit ich erst einmal meine Fotos geschossen habe. Ich war total aufgeregt, in New York zu sein. Das war immer mein größter Traum. Ich hatte so viele Projektideen, die ich umsetzen wollte und nun endete ich mit einer heruntergekommenen iPhone-Kamera. Und wenn ich heruntergekommen sage, dann übertreibe ich nicht.

Außerdem war ich nie einer dieser sogenannten “Digital Natives”. Ich hatte immer richtig schlechte Nokia-Telefone und mein technisches Know-How beschränkte sich ausschließlich auf die Fotografie. Was dann aber passierte, änderte im Grunde alles. Ich wurde von einer Nerd-Community in den Bann gezogen, die sich Fotos via Flickr und Twitter ihre kreativen Fotos teilten, sie kommentierten und sie tauschten sich untereinander aus. Das war wirklich aufregend für mich, weil diese Community nicht ausschließlich aus den USA kamen, sondern auch aus Asien, Südamerika und in einigen Teilen auch aus Europa. Das war halt eine globale Community…

Das alles geschah 2009 und als Folge meiner neuen Leidenschaft veröffentlichte ich dann auch ein kleines Buch über meine iPhone-Fotos. Es heißt “Inside New York”. Mein früherer Boss und jetziger Partner und Designer, Gen, war dann tatsächlich so verrückt eines dieser Bücher zu kaufen (lacht). So kamen wir allerdings thematisch zusammen und dachten uns: “Wie cool ist das denn?”.

Menschen begannen, sich über Ihre Smartphones auszudrücken. Und zur dieser Zeit waren wir ziemlich froh, dass wir uns so früh getroffen haben – Gen, Lorenz, unser Projektmanager, und Ramzi, meiner Meinung nach einer der besten Coding-Fotografen auf dem Planeten. So etwas ist selten. Wir kamen nun also zusammen und überlegten, was zu tun ist und wie es zu tun ist… Was fangen wir an mit dieser wachsenden Bewegung? Wir starteten 2010 erstmal einen Blog. Dieser hieß auch schon EyeEm und wir gaben Menschen eine Plattform, um ihre eigenen Arbeiten zu präsentieren. Das lief schon sehr gut. Im Anschluss kamen wir dann an einen Punkt, an dem wir den “EyeEm Mobile Photography Award” starteten. Und es schien zuerst wie ein Joke… jedoch war es keiner. Aber es war tatsächlich auch erst eine Art Spaßprojekt. Außerdem wollten wir eine Ausstellung im Zentrum Berlins organisieren und dort dann die Gewinner präsentieren.

Was dann passierte, konnte ich erst gar nicht glauben: Wir bekamen tatsächlich tausende von Fotos aus der ganzen Welt eingeschickt. Wir waren scheinbar die ersten, die solch ein Event organisiert haben, und die Menschen waren extrem aufgeregt, dass es so etwas gab. Sie begannen alle zu voten. Du musst dir vorstellen, wir bauten diese einfache Web-Plattform, auf der Menschen einfach nur ihre Bilder hochluden. Die Kontraste auf dem Medium waren geradezu lächerlich und doch haben all diese Menschen tausende Fotos hochgeladen und offensichtlich wurde auch die Ausstellung zum großen Erfolg!

Wir wurden dann in verschiedenen coolen Magazinen erwähnt. Wir waren beispielsweise auch in der Vogue und bekamen anschließend ein Angebot, die Ausstellung auch in New York zu veranstalten. Was wir auch taten. Wir gingen also zurück und organisierten eine noch größere Ausstellung. An diesem Punkt realisierten wir: “Hey Jungs.. das ist alles so cool. Lasst uns ein Produkt rundum das Thema entwickeln.” Und wir bauten unsere App, mit der es Leuten gelingen sollte ihre Smartphone-Fotos aufzunehmen und sie gleichzeitig teilen zu können. Und ja. So fing das alles einmal an.

Es entwickelten sich dann aber auch viele andere Foto-Apps, wie Hipstamatic und Instagram, die ähnlich gut waren. Wir verstanden also, dass unser Problem zukünftig nicht in der Erstellung von Inhalten liegen könnte, sondern eher darin, wie diese Inhalte erstellt werden und wie sie zum Beispiel mit den Freunden auf Facebook geteilt werden und wie man den Konsum intelligent gestalten könnte. Wie kann man Inhalte und Bilder konsumieren, die mich interessieren oder die einen großen Eindruck auf mich machen?

Und wie du dir sicher vorstellen kannst, wird das Jahr 2012 jetzt ein Jahr werden, indem wir mehr Bilder erstellen als in der gesamten Geschichte der Fotografie. Das ist auch ein Teil des Problems. Es werden so viele Bilder zukünftig entstehen und die meisten werden im Web einfach wieder untergehen. Unsere Vision ist nun, eine Technologie zu entwickeln, um die Bilder sowohl teilbar wie auch auffindbar zu machen.

JC: Das ist auch eine meiner Fragen. Es gibt eine Fülle an Photo-Sharing-Apps. Du hast selber gerade ein paar Beispiele genannt. Was macht eure App im Vergleich zu den anderen zur besseren Alternative?

FM: Genau. Bei uns geht es hauptsächlich um die Entdeckung von Bildern. Unsere Vision ist eine Photo-Entdeckungs-Plattform. Das ist es, was wir sein wollen. Es verschwinden beispielsweise bei anderen Photo-Apps bis zu 80 Prozent der Inhalte, weil sie Müll sind und nicht genug Daten mit sich bringen. Zum Beispiel Angaben wie Ort und Zeit der Aufnahme. Wir versuchen, verschiedene Wege zu finden, wie wir den Fundus an Bildern einerseits vergrößern, sie außerdem nachhaltig auffindbar machen können und somit den Menschen eine größere Möglichkeit zu bieten, sie in deren Feeds zu entdecken. Das ist unser Anliegen. Wir möchten DIE Photo-Discovery-Plattform weltweit sein.

JC: Wie soll das genau funktionieren?

FM: Am einfachsten ist es, sich EyeEm wie eine automatische visuelle Foto-Entdeckungsmaschine in Echtzeit vorzustellen. Während du einfach nur ein Foto hochlädst, versuchen wir die Empfehlungen zu geben, in welches Album, zu welchem Thema oder aber auch zu welchen deiner Interessen es passen könnte. Das ergibt dann eine differenziertere Art der Suche.

JC: War es schwierig für euch Jungs, in dem Markt Fuß zu fassen und User für euch zu gewinnen? Ich weiß, dass Ihr eine zweite Versionen gestartet habt und euer Fokus jetzt mehr auf die Benutzeroberfläche sowie auf die Usability legt.

FM: Anfangs, als wir die App starteten, empfanden die Leute sie als ein wenig komisch, weil wir versuchten – wie du es schon sagst – im Bezug auf die Benutzeroberfläche alles komplett anders zu machen. Aber ich glaube, wir hatten nie wirklich Probleme, Nutzer zu gewinnen. Wir sind dieses komische Fotografie-Ding, welches zwar etwas seltsam ist, aber auch als erstes da war. Im Grunde sind wir eine Foto-Community mit starken Werten, die nun versucht, auch ein mobiles Produkt für sich zu entwickeln. Wir haben unsere Gemeinschaft, die uns immer vertraute, da wir nicht mit deren Daten rumspielten. Das war immer das Grundgerüst unserer Community und darauf bauen wir auch weiter auf.

JC: Ok, das bringt mich direkt zu meiner nächsten Frage. Welche Politik im Umgang mit den Nutzer-Daten, den Bildrechten und der Privatsphäre verfolgt ihr? Einige ähnliche App-Anbieter sind derzeit diesbezüglich stark ins Kreuzfeuer geraten.

FM: Ja, beispielsweise Path. Es ist für uns, genauso wie für diese Jungs, wichtig zu lernen, wie wir damit umzugehen haben. Wir haben diese Grundüberzeugung von Anfang an, sicherlich auch weil wir diesen künstlerischen Hintergrund haben und wissen, wie diese Menschen über ihre Urheberrechte und andere Sachen denken, somit versuchen wir, das auch auf die Nutzung unserer Daten zu übertragen. Wenn du eine Community aufbauen willst, dann darfst du mit diesen Dingen nicht spielerisch umgehen. Da darf es keine Zweifel geben und man sollte diesen Grundgedanken nicht vergessen.

JC: Und was ist nun der große Unterschied der ersten Version zur zweiten Version der App? Was genau habt Ihr verändert?

FM: Ja, das ist eine sehr gute Frage (lacht). Da gibt es einen riesigen Unterschied. Als erstes muss ich sagen, als wir diese Wettbewerbe machten – die Ausstellungen – hatten wir nur einige einfache iPhone-Bootstraps und einfach iPhone- und Android-Apps. Wenn ich zurück schaue, dann war das ziemlich lächerlich. Es war eigentlich nur eine erste Spielerei. Wir hatten nicht wirklich Erfahrung in solchen Dingen. Als wir im August 2011 die erste Version für Android und iPhone veröffentlichten, versuchten wir tatsächlich, alles extrem einfach zu machen. Es gab im Grunde nur zwei Tasten. Du konntest ein Foto machen, einen Filter wählen und das Bild dann teilen. Und dann gab es noch einen Entdeckungs-Button. Das war echt cool. Es half uns, das zu kommunizieren, was wir aktuell tun wollten: teilen und entdecken. Aber wir bekamen damals auch zum ersten Mal Feedback von den Kunden. Sie hatten weitere Bedürfnisse. Das war dann ein Schlüsselerlebnis in den ersten Wochen, welches uns viel beibrachte. Die Leute wollten schon beim Öffnen der App einen größeren Mehrwert. Also nicht dieses… “öffne die App und mache einen weiteren Klick”. Wir machten uns also daran, ihnen diesen Mehrwert zu geben. Was wir grundlegend veränderten, war, dass sie jetzt beim Öffnen der App auf der rechten Seite Alben und anderen Content zu sehen bekamen. Wir zeigen jetzt Bilder von dem Ort, an dem du dich befindest oder, insofern das möglich ist, Bilder von einem Event, dass in deiner Nähe ist sowie Bilder von Trend-Themen etc.

JC: Also war da ein riesiger Lernprozess zwischen der ersten und der zweiten Version..

FM: Auf jeden Fall riesig!

JC: Das muss ein umfangreicher kreativer Prozess für Euch gewesen sein.

FM: Also um ehrlich zu sein, hat es lange gedauert, um… ja… um zu lernen. Man denkt immer, wenn man so etwas zum ersten Mal macht, dann startet so ein Projekt und es geht sofort durch die Decke und alles wird explodieren – aber nein! Dein erstes Produkt ist immer Mist, weißt Du. Und das muss auch jeder lernen. Und wir lernten es gerade eben auch – auf die harte Tour. Nicht, dass wir keine User eingeladen hätten, aber unsere Leute sagten uns, was schief ging und daran muss man sich dann auch halten. Es ist immer besser, mit deinen Nutzern zu sprechen. Man muss rausgehen in die Welt. Ein kleines Beispiel, das bei uns neulich startete: Wir nutzen Google+ Hangouts als Feedback-Kanal. Also laden wir die gesamte Community zum Hangout ein. So haben wir jeden Monat Gespräche per Videokonferenz und fragen dort, was wir wissen wollen und hören dem zu, was die Nutzer uns zurückgeben. Es macht Spaß und es ist super interessant.

JC: Also gibt es schon eine breite Form von Zusammenarbeit?

FM: Wir sitzen hier einfach im Konferenzraum rum und auf der anderen Seite sind zufällig irgendwelche Leute, die dazu stoßen – sie sind alle sehr motiviert und begierig, uns Fragen zu stellen und uns kennen zu lernen.

JC: Wie fühlst Du Dich als professioneller Fotograf…

FM: Oh, das würde ich niemals sagen, dass ich professioneller Fotograf bin.

JC: Na gut, also wie geht es Dir mit all dem steigenden Überfluss an Smartphones und Filter?

FM: Ich habe damit absolut kein Problem. Ich glaube, dass es eben genau jetzt passiert als Liberalisierung der Fotografie und das ist eigentlich das Schöne daran. Jeder kann sowas machen und das ist unser Ziel. Ich meine, denk doch mal daran, dass ich ja auch gesagt habe, dass die Nutzerzahlen durch die Decke gehen – das ist das Tolle daran. Da wird es auch einige geben, die das wirklich richtig gut finden und dann mit ihrem kreativen Potenzial Fotograf werden könnten. Das ist doch super! Das ist auch eine Art Ziel: die Fotografie zu befreien und gleichzeitig Teil dieser Entwicklung zu sein in den nächsten Jahren. Wir wissen alle noch nicht, wie es in Zukunft werden oder aussehen wird…

JC: Es ist wirklich aufregend. Du erwähntest, dass Du einen Photo-Hack-Day organisieren wirst…

FM: Ja, genau und das ist auch solch ein Punkt. Wir haben immer versucht, bei all den Community-Events, die wir so veranstalten haben, die Grenzen wieder ein Stückchen weiter zu verschieben. Und genau darum geht es auch beim Photo-Hack-Day. Die Idee ist eigentlich, 50 Entwickler und 50 Designer zusammenzubringen an einem Ort, um die Zukunft der Fotografie zu hacken. Ohne Einschränkungen und ohne Grenzen. Schnelles Prototyping von Produkten über Nacht und das Ganze dann am nächsten Tag der Jury präsentieren und damit dann natürlich auch Preise und Ruhm einheimsen. Es geht da aber eigentlich nicht um uns. Wir öffnen da einfach nur die API…

JC: Was erhofft Ihr Euch davon? Habt ihr da was im Hinterkopf oder geht es einfach nur ums Durchblasen der Köpfe für neue Ideen und sehen, was kommt?

FM: Klar habe ich auch eigene Ideen. Hier ein Beispiel, was da so möglich ist: Weißt Du, was Shazam beim Super Bowl gemacht hat? Madonna spielte ja in der Halbzeit und wer den Auftritt per Shazam aufgezeichnet hatte, der konnte sich den performten Song danach kostenlos offiziell runterladen. Man könnte diese Idee aufgreifen. Einen Songtitel abkoppeln, der vielleicht mit Street Art in Verbindung steht und mit Street Art-Bildern aus Berlin zusammen beispielsweise in eine Slideshow packen, die dann abläuft, wenn du dir den Song anhörst. Oder eine Karte mit all deinen liebsten Cafés weltweit und man sieht all die Fotos von Leuten, die sie dort gemacht haben – sowas in der Art eben.

JC: Cool! Und was wird es für die Entwickler geben, damit sie Zugriff auf die APIs haben?

FM: Im Moment ist es eine Read-Only-API, das ist eben unser Kern. Bei unserer API ist der Hauptunterschied, dass es nicht nur um den Social-Teil geht. Es geht dabei eben auch um unsere einzigartige Datenarchitektur rund um Themen, Orte und Events in den Städten und Ländern. Wir haben auch Pläne, dass noch viel weiter zu öffnen. Und ja, es ist das erste Mal, dass wir Feedback von den Entwicklern bekommen, darum geht es erst einmal primär.

JC: Das führt direkt zur nächsten Frage: Was für konkrete Pläne habt ihr für den Photo-Hack-Day?

FM: Mit EyeEm im Allgemeinen?

JC: Ja.

FM: Also im Grunde denke ich, wenn wir uns als Entdeckungsplattform sehen, insbesondere als Fotografie-Plattform, müssen wir uns auch für Neues öffnen und dürfen uns nicht beschränken. EyeEm ist daher zunächst eine Cross-Plattform-Geschichte. Wir wollen, dass alle mitmachen können und nicht nur diejenigen, die schicke iPhones haben. So fokussieren wir das Cross-Plattform-Erlebnis und einen dazu passenden Designansatz.

JC: Und digitale Kameras?

FM: Es geht echt um alles dabei, besonders eben um mobile Geräte. Da könnte ich noch weiter einsteigen (lacht). Aber für die nächsten Monate sind sehr konkrete Pläne auf dem Weg, das Licht der Welt zu erblicken. Wir sind auch sehr gespannt, wie das wird.

JC: OK, cool. Ihr seid im Sommer gestartet und hattet eine Launch-Party mit SoundCloud. Wo ist die Verbindung zwischen Euch?

FM: Was meinst Du damit?

JC: Wie kam es dazu? Seid ihr Jungs direkt verbandelt?

FM: SoundCloud spielt eine überragende Rolle in der Berliner Community und ist daher auch sowas wie ein Vorbild für viele Leute, das macht es so toll. Und natürlich kennen wir uns auch alle untereinander. Ich weiß, dass Du mit Henrik gesprochen hast, der ein enger Freund ist. Ich kenne ihn gut. Wir teilten uns früher unsere Büros. So hat er praktisch neben mir gearbeitet und da ist dann natürlich eine Verbindung entstanden. So ist das eben hier in Berlin, das macht es so schön. Wir helfen uns gegenseitig auf so vielen Ebenen.

JC: Das wollte ich auch gerade fragen, warum ihr in Berlin seid. Es geht also um diese Laboratmosphäre. Jeder kennt jeden…

FM: Absolut. Genau das ist es. Offensichtlich kam ich aus New York zurück, um genau deswegen hier in Berlin zu sein. Ich hatte schon dort das Gefühl, das hier was im Busch ist und es ging dabei genau um dieses spezielle Ökosystem, das im Begriff war, zu entstehen. Und klar muss ich dir nicht erst erzählen, wie billig hier die Büroräume sind und auch der Wohnraum. Aber die eigentliche Schönheit von Berlin ist die Mischung von Leuten. In Berlin gibt es kein Klischee. Es ist nicht wie San Francisco – nur Tech-Community und sonst nichts. Berlin steckt voller Kreativer aus allen Gattungen, Leute, die schreiben, über Fotos reden, gestalten, rumcoden oder auf der Bühne stehen. Das ist das Eigentümliche, das wir hier sehr mögen. Unsere Freunde kommen aus allen Richtungen, das zeigt sich auf den Veranstaltungen, auf denen wir rumhängen und das alles ist für uns Motivation und Ansporn.

JC: Danke für das Gespräch!

FM: Danke für’s Vorbeischauen.


 Image (adapted) „thank’s so much @kickin #eyeEM…“ by Jochen Spalding (CC BY 2.0)


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ununi.tv – Die Unkonferenz am Unort zur Unzeit

ununi.tvUnuni.tv – Eine Unkonferenz am Unort zur Unzeit ist ein neues Web 2.0-Experiment von Anja C. Wagner, Fabian Topfstedt, Bertram Gugel und meiner Wenigkeit – Wolfgang Gumpelmaier. Das Projekt ist als eine virtuelle Hochschule für Film, TV und Web zu verstehen und soll Interessierte, Medienmacher/innen und Quereinsteiger/innen die Möglichkeit bieten, sich umfassend an der Schnittstelle von Internet und Bewegtbild weiterzubilden. Aber was bedeutet das konkret?

Aufbauend auf der Barcamp-Idee haben wir uns überlegt, wie wir diese „von Teilnehmer/innen getriebene, offene Zusammenkunft“ ins Internet übertragen können. Mit etablierten Webinar-Systemen wie Adobe Connect wäre dies zumindest in technischer Hinsicht grundsätzlich möglich, allerdings ist Connect nur als lizenzierte Software erhältlich und damit zumeist an eine bestimmte Person gebunden. Mit der Einführung der Hangouts in Google+ können Nutzer nun jederzeit einen Live-Audio/Video-Chat starten und Gleichgesinnte dazu einzuladen. Dabei stehen die aus gängigen Online-Konferenz-Systemen bekannten Funktionalitäten wie Bildschirmfreigabe, Dokument- und Video-Sharing sowie Text-Chat zur Verfügung. Somit ist Hangouts im Grunde ein vollwertiges Video-Konferenz-System, dessen permanente Weiterentwicklung zu einer Demokratisierung des globalen Wissens- und Erfahrungsaustausches beitragen wird.

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Verantwortung 2.0: eSpenden für Bildung

Wer seit einigen Jahrzehnten auf dieser Welt ist, der hat das Paralleluniversum der Parteienpolitik schnell als Interessenvertreter der einflußreichen Branchen- und Industrieverbände entlarvt. Dass die Parteien die Steuergelder nach wenig nachhaltigen, kaum gerechten und selten sinnvollen Aspekten verteilen, ist eine Binsenweiheit. Die Kanzlerin hat Hunderte Milliarden ohne jede Bedingung in die Banken geschenkt. Ihr Vorgänger öffnete unser Land für Derivathandel und Hedge-Fonds. Es besteht kein Anlaß zur Hoffnung, dass von den Parteien humane Handlungen ausgehen, die das Zusammenleben auf Erden ausgleichend fördern. Aber wir können selbst etwas tun. Nehmen wir doch die Radikalliberalen ernst und handeln einfach selbstbestimmt und stolz ohne Betrachtung der mediokren Personen, die sich für ein Amt in diversen Aufsichtsräten einschleimen müssen, weil sie es nicht anders schaffen, dorthin zu kommen.

Ein tolle Beispiel wie man nicht die Bildung der Banken sondern die der Kinder untertützen kann, machen uns die Amerikaner vor. Auf donorschoose.org geben Lehrer ihre Vorhaben, ihren Bedarf und ihren Standort ein. Man kann sogar angeben, wie bedürftig die jeweilige Gemeinde ist, in der sich die Schule befindet, was bei den stolzen Datenschützern in Deutschland sicher einen Ansturm der Entrüstung bedeuten würde, weil die Kinder bei der Veröffentlichung stigmatisiert würden.

Aber angenommen das könnte man anonymisieren, dann würde so jeder, der will, die Schule in seinem Ort, in seinem Viertel oder irgendwo weit weg ein schönes Projekt unterstützen. Die Kindern könnten so die teuren Bahnreisen (warum sind die noch immer nicht kostenlos für Klassenfahrten? Wo leben wir eigentlich?), Eintrittskarten für Weltraumcenter oder Wissenschaftsausstellungen bezahlt bekommen. Ich brauche bei genauer Betrachtung zunächst kein betterplace, dass die großen Projekte in der weiten Welt unterstützt. Ich bräuchte im Gegenteil ein hyperlokales Spendenportal, in dem ich etwas unterstützte, dass ich möglicherweise bei Überzahlung/Überspendung sogar zu einem Spendenfest besuchen könnte. Es wird langsam Zeit, dass wir das Jammern und die ewigen Talkshows als Profilneurosenküche einfach kommentarlos beiseite legen und anfangen…

Aber wo sind die Lehrer, die sich tolle Projekte ausdenken, die online beschreiben und ein Konto dafür einrichten? Und wo sind die Software-Firmen, die sich so ein Projekt ausdenken und es als bestmögliche CSR-Maßnahme auch noch in die Gazetten dieser Welt bringen, damit viele mitmachen.

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Enterprise 2.0 – Zehn Einblicke in den Stand der Einführung

Centrestage (Dr. M. Göhring) und Prof. Joachim Niemeier haben eine lesenswerte und vor allem praxisnahe Studie zum Thema Einführung von Enterprise 2.0 in Unternehmen online gestellt. Sie wurde bereits bei bwlzweinull.de besprochen und bewertet. Sie umfasst 72 Beispiele und ist damit aus meiner Sicht den vielen Büchern zum Thema in einer Hinsicht voraus: Sie überschreitet den üblichen Rahmen aus mehr oder weniger klugen Vorstellungen von social software im Firmenumfeld um die praktische Perspektive. Die letzten Seiten der Studie beinhalten konsequenterweise einen abstrahierten Projektablaufplan, der als individualisierbares Muster für ein eigenes Vorgehensmodell dienen kann. Sehr lobenswert. Wie so oft im Leben überschreitet diese kostenlose Studie den Nutzwert von einigen teuren E20-Fachbüchern deutlich.

Enterprise 2.0 Studie 2010 - centrestage GmbH

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