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Mit 11Pets die Gesundheit des Haustieres im Blick behalten

Mit zahlreichen Fitnesstrackern überwachen wir unsere Ernährung, Bewegungen, den Schlaf und unsere sportlichen Aktivitäten. Zusätzlich holen wir uns Apps auf unser Smartphone, mit denen wir uns unseren Alltag einfacher und strukturierter gestalten. Eine gute Möglichkeit, um sich und seine Gesundheit immer bestens im Blick zu haben. Also, warum sollten wir das nicht auch bei unseren Haustieren tun?

In den App Stores gibt es viele Apps, mit denen wir die Gesundheit unserer Haustiere überwachen können. Ich habe mir einmal die App 11Pets Haustier Pflege angeschaut, um zu sehen, wie sinnvoll das Haustier-Tracking tatsächlich sein kann.

Willkommen bei 11 Pets Haustier Pflege

Die App begrüßt mich mit einem freundlichen Leitfaden. Hier möchte 11Pets vorerst wissen, ob es sich bei mir um eine Familie mit Haustieren handelt. Ich kann aber auch auswählen professioneller Tierfriseur oder Tierschutzorganisation. Mit meiner Hauskatze gehöre ich also in die Rubrik Familie mit Haustieren. Anschließend wählt man die Art des Haustieres und schon geht es los.

11 Pets bietet den Nutzern sehr viele Eintragungsmöglichkeiten. Daher habe ich auch zu Beginn einen kurzen Moment gebraucht, um einen umfassenden Überblick zu bekommen.

Auf der Startseite wird mein Haustier angezeigt und hier erscheinen auch gleich die wichtigsten Daten wie Name, Tierart, Geschlecht, Rasse und die Grundinformationen. Zusätzlich erhält man alle wichtigen Termine, die man sich direkt anzeigen lassen kann. Muss mein Haustier zum Tierfriseur oder zum Krallenschneiden? Wann steht der nächste Arztbesuch an, für beispielsweise  eine interne Entwurmung? Gibt es einen Impftermin oder Medikamente, an die ich denken muss?

Aber auch Zwischenfälle lassen sich in die App eintragen. Hierbei kann der Nutzer allerdings auswählen, welche Termine er sich anzeigen lassen möchte. Mit meiner Katze kann ich mir nämlich den Friseurbesuch sparen. Möchte ich einen Termin eintragen, geht das ganz einfach, indem ich alles in den Reiter „Zeitplan“ eintrage. Auf der Startseite wird mir der Termin dann angezeigt. Einen Tag vorher bekomme ich zusätzlich eine Erinnerung.

In der Rubrik „Gesundheit“ findet der Nutzer alles Wichtige zu den Punkten wie unter anderem Laborergebnisse oder –tests oder über mögliche Allergien. Selbst eine Fotogalerie kann von den Fellnasen erstellt werden.

Für wen eignet sich 11Pets?

Die App finde ich persönlich sehr schön gestaltet. Der Aufbau ist außerdem ziemlich leicht nachzuvollziehen, auch wenn es am Anfang ein bisschen gedauert hat. Die Möglichkeiten sein Haustier hier genauer zu dokumentieren, sind sehr ausgeprägt. Es können zusätzlich Dokumente und Bilder hochgeladen und alle wichtigen Termine, wie beispielsweise Arztbesuche, festgehalten werden. Gerade wenn man häufiger zwischen Tierärzten wechselt, ist es vorteilhaft immer alle Aufzeichnungen fehlerfrei und lückenlos weiterzugeben.

Allerdings eignet sich die App meiner Ansicht nach eher für diejenigen, die mehr als ein Haustier zu Hause haben oder ein Haustier besitzen, was häufig zum Arzt muss oder medikamentös behandelt wird. Auch Tierschutzorganisationen werden mit diesem digitalen Helfer sicherlich glücklich. Gut durchstrukturiert gibt es hier alles Wichtige über das Tier zu sehen und gerade die Termingestaltung, machen die Tierarzt- oder Hundefriseurbesuche um einiges angenehmer, weil so keine wichtigen Daten in Vergessenheit geraten können.

Die App gibt es im Google Play Store und Apple App Store.


Image by nenetus via stock.adobe.com

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Netzpiloten @Fitness Blogger Konferenz

Mit dem Ziel die Welt gemeinsam gesünder und fit zu machen, findet am 24. und 25. November zum zweiten Mal die Fitnessblogger-Konferenz in Hannover statt. Wir sind erstmals als Partner mit dabei und sehr gespannt auf die in Deutschland einzigartige Veranstaltung. Auf der FiBloKo könnt ihr  Sport- und Fitness-Blogger kennenlernen, euch austauschen und Interessantes über die aktuellen Trends erfahren.

Welche Speaker werden da sein?

Auf der Bühne der FiBloKo erlebt ihr Paula Thomsen vom Blog Laufvernarrt, Personal Coach Maximilian Longrée und die Bloggerin Nadin Eule-Mau. Auch Youtuberin Carina Stöwe, Influencer-Marketing Experte Florian Frech und Ausdauerblogger Torsten Pretzsch werden sicherlich spannende Insights geben. Fitness-Bloggerin Sabrina Wolf und SEO-Experte Andreas Kreuziger runden die Sprecher-Riege ab. Besonders gespannt sind wir natürlich auf  den Gründer und Veranstalter der Konferenz  Jahn Sterley .

Um welche Themen geht es?

  • Selbstständigkeit als Blogger
  • Authentizität auf Social Media
  • Verantwortung als Influencer
  • Suchmaschinenoptimierung
  • Eigenes Buch als Erfolgsmotor

Und sonst noch? – 15% Netzpiloten Rabatt!

Mit dem Rabattcode „Netzpilot15“ könnt ihr 15% auf eure Tickets erhalten. Dafür müsst ihr im Bestellvorgang „Werbecode eingeben“ anklicken.

Im „Limited VIP Package“ sind übrigens nicht nur beide Konferenztage und drei Workshops nach Wahl enthalten. Auch die Teilnahme an der Mastermind Session, ein Meet and Greet mit einem der Speaker/innen und professionelles Feedback zu eurem Blog sind enthalten. Außerdem könnt ihr am Aftershow Event teilnehmen. Wir hoffen, ihr seid schon fit für die FiBloKo.

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Warum ich meine Genomsequenz für die Öffentlichkeit gespendet habe

DNA (adapted) (Image by PublicDomainPictures [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Vor ein paar Jahren habe ich mein komplettes Genom sequenzieren lassen – alle sechs Milliarden Basenpaare. Und anstatt es für mich selbst zu behalten, habe ich es als erster Mensch weltweit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, indem ich es dem Personal Genome Project UK, einer von Forschern geleiteten Organisation, gespendet habe. Da jeder auf die Daten zugreifen kann, kann die Öffentlichkeit – in Zusammenarbeit mit professionellen Wissenschaftlern – einen Beitrag zur Datenanalyse leisten.

Meine Spende habe ich unter dem umstrittenen Prinzip der freiwilligen Zustimmung gemacht. Vier andere Leute haben dies seitdem getan. Das bedeutet, dass wir damit einverstanden sind, dass unsere personenbezogenen Daten für jedermann frei zugänglich sind und keinen Anspruch auf Privatsphäre erheben. Das Projekt hört nicht bei der Verbreitung persönlicher Genomsequenzen auf, sondern geht weit darüber hinaus, indem es die Daten mit persönlichen Gesundheitsdaten, Informationen über Merkmale und die Umweltexposition des Einzelnen verknüpft. Gerade diese reichhaltige Informationsvielfalt macht die Initiative zum persönlichen Genomprojekt einzigartig und mächtig.

Daten aufdecken

Die menschliche Genomsequenz kann auch als der ultimative digitale Identifikator angesehen werden – wir alle haben eine einzigartige Sequenz. Derzeit werden die meisten Humangenom-Daten anonym gehalten, und es ist nicht generell möglich, diese Daten mit den persönlichen Daten der Versuchspersonen zu verknüpfen. Aber das reduziert die potenzielle Nutzbarkeit erheblich.

Je mehr Genome wir mit zusätzlichen Informationen verknüpfen können, desto näher rücken wir an die Aufdeckung der genauen Merkmale und Bedingungen heran, die mit welchen Genen verbunden sind. Wenn wir das wissen, werden die Behandlungsmöglichkeiten enorm sein. Es wird eine echte, personalisierte medizinische Behandlung ermöglichen, in der wir Krankheiten vorhersagen können und genau wissen, auf welche Behandlungsmöglichkeiten jeder einzelne Mensch anspricht. Da die wissenschaftliche und medizinische Forschung solche Entdeckungen immer wieder macht, können diese in Zukunft durch aktualisierte Genomberichte mit den Teilnehmern der Projekte geteilt werden.

Viele führende Wissenschaftler sind der Meinung, dass es äußerst schwierig ist, genomische Daten anonym zu halten. Obwohl es Versuche gibt, die Methoden zu verbessern, gab es Fälle in denen anonyme Probanden in Forschungsarbeiten leicht identifiziert werden konnten. Oft anhand von Informationen wie Alter, Geschlecht und Postleitzahl. Vielleicht müssen wir also die Vorstellung aufgeben, dass Daten für alle Ewigkeit vollkommen anonymisiert werden können.

Es gibt Großartiges über den Beitritt zum persönlichen Genomprojekt zu berichten. Man erhält Zugang zu einem Team führender Genforscher und Bioinformatiker und bekommt detaillierte Infos über sein persönliches Genom. Ich fand meinen persönlichen Genombericht sehr hilfreich. Es hat mögliche Gesundheitsrisiken aufgezeigt, von denen ich einige mit meinem Hausarzt besprochen habe.

Eine weitere, sehr nützliche Erkenntnis ist, dass ich mehrere DNA-Varianten habe, die mich daran hindern, viele verschiedene verschreibungspflichtige Medikamente in meinem Körper abzubauen oder zu transportieren. Infolge dessen weiß ich auch, welche Stoffe bei mir funktionieren. Tatsächlich könnte möglicherweise sogar eine bestimmte Art Droge für mich tödlich sein. Gut, dass ich das weiß.

Ich möchte die Menschen auf jeden Fall ermutigen, an dem Programm teilzunehmen. Sobald Hunderttausende oder gar Millionen von Teilnehmern an der Konferenz beteiligt sind, wird das Wissen, das wir über die Auswirkungen unserer Genome auf unsere Gesundheit, unsere Eigenschaften und unser Verhalten gewinnen, einzigartig sein. Obwohl wir nicht genau vorhersagen können, was wir lernen werden, ist es wahrscheinlich, dass wir Einblicke in psychische Gesundheitsbedingungen, den Medikamenten-Stoffwechsel, persönliche menschliche Ernährung, unsere Allergien und Autoimmunerkrankungen gewinnen werden. Wir erfahren mehr über unsere Lebenserwartung, Diabetes, Herz-Kreislauf-Gesundheit und mögliche Krebserkrankungen.

Ein schwieriges Thema

Aber ich bin mir auch bewusst, dass es nicht für jeden infrage käme, sein persönliches Genom sequenziert zu bekommen. Manche Leute wollen es einfach nicht wissen und spüren, dass die Information für sie eine Menge Ängste auslösen könnte. Niemand sollte sich gezwungen fühlen, sein Genom sequenzieren zu lassen.

Ich fand heraus, dass bei meiner Sequenzierung meines Genoms ein erhöhtes Risiko für eine seltene, unangenehme Krankheit festgestellt wurde und begann sofort, Symptome zu entwickeln. Als medizinische Tests schließlich aufdeckten, dass ich nicht die notwendigen Bedingung erfüllte, verschwanden die Symptome. Das zeigt, dass solche Informationen psychosomatische Symptome verursachen können.

Eine weitere Frage, über die sich mancher vielleicht den Kopf zerbricht, ist, wie die Daten von privaten Unternehmen, einschließlich Arbeitgeber oder Versicherungen, genutzt werden können. Obwohl die Forscher sich nicht mit Genen beschäftigt haben, die mit kriminellen Aktivitäten in Verbindung stehen, sind die Rohdaten für jedermann zur Analyse da. Zwar dürfen Versicherungsunternehmen derzeit noch keine Entscheidungen auf der Grundlage genomischer Daten treffen, einige könnten jedoch befürchten, dass sich dies in Zukunft ändern könnte.

Die Familie ist ein weiterer wichtiger Faktor. Schließlich teilen wir unsere Geninformationen mit unseren Eltern und Kindern – und vielleicht möchten wir das Thema vor der Bekanntgabe unseres Genoms mit ihnen besprechen. Eine andere Sache, die man bei der genomischen Prüfung bedenken sollte, ist, dass man unter Umständen herausfinden könnte, dass die eigenen Elternteile vielleicht nicht die sind, mit denen wir aufgewachsen sind. Dies geschieht in bis zu zehn Prozent der Fälle.

Ich verstehe sehr wohl, dass diese Dinge für bestimmte Menschen von Bedeutung sein können. Ich habe sie alle in Betracht gezogen, aber ich habe beschlossen, dass letztendlich eine Vorbereitung auf das Schlimmste die beste Vorbereitung ist. Wenn man weiß, dass man ein erhöhtes Risiko für eine bestimmte Krankheit aufweisen könnte, kann man frühzeitig handeln – zum Beispiel durch eine Ernährungsumstellung oder durch medizinische Spezialbehandlungen. Neben der Spende meiner Gendaten für das Gemeinwohl war dies wohl das Wichtigste für mich.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „DNA“ by PublicDomainPictures (CC0 Public Domain)


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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • AMAZON Caschys Blog: Amazon startet Null-Prozent-Finanzierung für eigene Hardware: In Zukunft gibt es beim Onlinehändler Amazon eine neue Möglichkeit die hauseigene Hardware zu finanzieren. Produkte wie die Fire Tablets, dem Fire TV oder den Echo-Modellen können nun in fünf monatlichen Raten abbezahlt werden. Hierbei entstehen laut Amazon weder Finanzierungskosten noch gibt es versteckte Zinsen oder Gebühren. Lediglich notwendig für eine fünf-monatige Ratenzahlung ist hier ein Wohnsitz in Deutschland, Luxemburg, Österreich oder in der Schweiz und ein Konto, das mindestens ein Jahr alt ist. Zudem dürfen sich Käufer keine Zahlungsverzögerungen geleistet haben.

  • GESUNDHEITS-APPS Heise: Datenschutzbeauftragter schlägt Gütesiegel für Gesundheits-Apps vor: Hinter Gesundheits-Apps können sich Risiken verstecken, wie Dieter Kugelmann, der rheinland-pfälzische Datenschutzbeauftragte, meint. Hierbei geht es um die Apps, bei denen Patienten ihre Werte eingeben und zur Vorsorge nutzen. Genau diese sensiblen Daten unterliegen dem Arztgeheimnis und sollten vor fremden Einblicken geschützt werden. Eine Zertifizierung dieser medizinischen Apps, würde daher von Vorteil sein, um die Sicherheit der Apps zu gewähren. Einige Hersteller zertifizieren ihre Apps selbst, wobei die Kriterien nicht klar auf das Verbraucher- und Datenschutzgesetz ausgerichtet sind. Derzeit wird daher gemeinsam mit der rheinland-pfälzischen Verbraucherzentrale überlegt, ob es möglich wäre ein Gütesiegel zu entwickeln, wo neben den Daten- und Verbraucherschutzaspekten auch die technischen Kriterien berücksichtigt werden, damit Ärzte und Patienten diese mit gutem Gewissen nutzen können.

  • IPHONEX Gamestar: iPhone X – Apple warnt vor Einbrenn-Effekten beim Display: iPhone X-Nutzer müssen bei ihren neuen Smartphones mit sogenannten Einbrenn-Effekten auf dem OLED-Bildschirm rechnen, wie Apple nun in einem Support-Dokument seine Nutzer warnt. Hierbei erkennt man immer kleine Andeutungen von Bildern oder zumindest Teile davon auf den Bildschirmen. Zustande kommen kann dies, wenn die Inhalte mit einem hohen Kontrast für längere Zeit auf dem Bildschirm gezeigt werden. Nutzer sollten daher die automatische Helligkeitseinstellung nutzen und darauf achten, dass das automatische Deaktivieren des Bildschirms auf eine möglichst kurze Zeit eingestellt ist. Außerdem sollte darauf geachtet werden, dass stets die aktuellste Version von iOS verwendet wird.

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  • INTERNET Täglich zweieinhalb Stunden Internet: Internetnutzer in Deutschland verbringen durchschnittlich zweieinhalb Stunden pro Tag mit dem Medium. Zu diesem Schluss kommt eine Onlinestudie von ARD und ZDF (PDF). Dabei bestehen Unterschiede zwischen den Geschlechtern und Altersgruppen. Männer nutzen das Internet der Studie zufolge im Durchschnitt drei Stunden am Tag, Frauen etwa zwei Stunden. Bei den 14- bis 29-Jährigen sind es viereinhalb Stunden. Die über 70-Jährigen verbringen durchschnittlich immerhin noch eine halbe Stunde pro Tag im Internet. Die Daten geben auch Aufschluss darüber, wie die Zeit zugebracht wird. Demnach wird täglich im Durchschnitt etwa eine Dreiviertelstunde für die Mediennutzung aufgewendet. Rund eine Stunde entfällt auf die persönliche Kommunikation. Noch etwas mehr Raum nimmt zeitlich aber die „sonstige Internetnutzung“ ein, die laut Studie etwa Spielen und Onlineeinkäufe beinhaltet.

  • FORSCHUNG Die Haut als Sensor: Mäuse-Hautzellen zeigen Glukose-Spiegel: Forscher um Xiaoyang Wu an der University of Chicago haben Hautzellen von Mäusen genetisch so verändert, dass sie mit optischen Signalen auf Glukose reagieren, und sie wieder auf die Tiere transplantiert. Dadurch ließ sich mit einem Mikroskop genau feststellen, wie hoch der Glukose-Spiegel in ihrem Blut ist. Das Konzept könnte eine nicht-invasive Hilfe für Diabetiker sein. Laut Wu wäre sogar denkbar, die genetisch veränderten Zellen auch gleich die benötigten Medikamente produzieren zu lassen. Das berichtet Technology Review online in „Die Haut als Sensor“. Für ihre biologische Erfindung entnahmen Wu und sein Team den Mäusen zunächst Stammzellen, die für die Herstellung neuer Haut zuständig sind. Als Nächstes fügten sie in diese Zellen mit Hilfe der Gen-Editiermethode CRISPR ein Gen von E. Coli-Bakterien ein, dessen Produkt ein Protein ist, das an Zucker-Molekülen haften bleibt. Hinzu kam DNA, die zwei fluoreszierende Moleküle produziert. Wenn das E. Coli-Protein an Zucker haftet und seine Form verändert, werden die fluoreszierenden Moleküle näher zusammen gebracht oder weiter voneinander entfernt. Dadurch entsteht ein Signal, das Wus Team unter dem Mikroskop beobachten konnte.

  • PORNHUB golem: Machine-Learning-System ordnet Videos Pornodarstellern zu: Von Pornos lernen, heißt siegen lernen. Oder so ähnlich. Die Onlineplattform für pornografische Inhalte Pornhub will einen Machine-Learning-Algorithmus zur Katalogisierung seiner Videodatenbank verwenden. Die erste Betaversion ist bereits im Einsatz. Es sollen mehr als 10.000 Pornostars automatisch erkannt werden. Das System soll parallel zu bereits vorhandenen Mechanismen wie dem Taggen der Videos durch die Community laufen. Für die Bilderkennung von Darstellern nutzt Pornhub sowohl offizielle Referenzbilder als auch Videomaterial und trainiert anhand dieser Daten ein Machine-Learning-Modell. Dieses läuft dann über die gesamte Online-Datenbank und taggt Pornodarsteller nach ihrem Namen beziehungsweise Künstlernamen. Nutzer sollen die vergebenen Tags positiv oder negativ bewerten können. Dadurch erkennt das Modell dessen Korrektheit und stellt sich entsprechend darauf ein.

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Drei Gründe, zweimal über die Hirnkartierung nachzudenken

Kopf 1 (adapted) (image by geralt [CC0] via pixabay)

Das Gehirn hat eine wichtige Geografie. Die Großhirnrinde (die graue, äußere Schicht des Gehirns) ist in unserem Schädel so gefaltet, dass die Verbindungswege zwischen unseren Neuronen abgekürzt und die kognitiven Funktionen verbessert werden können. Und natürlich sind diese Faltungen äußerst kompliziert gestaltet. Um die Struktur des Gehirns zu verstehen, nutzen Neurowissenschaftler Orientierungspläne, um dessen Komplexität abzubilden. Auf einer Landkarte werden typischerweise Städte, Ortschaften, Länder und Kontinente abgebildet. Ganz ähnlich werden auch die Bereiche des Gehirns durch einen Mappingprozess räumlich definiert, gekennzeichnet und verständlich gemacht.

Die Hirnkartierung ist der Schlüssel, um unser Hirn zu verstehen. Die Bevölkerung wird immer älter – einer von drei Senioren wird voraussichtlich mit Anzeichen von Alzheimer oder Demenz sterben. Das Abbilden von verschiedenen Bereichen des Gehirns kann zu einer früheren Identifizierung degenerativer Erkrankungen führen. Wir sind besser als je zuvor in der Lage, den entsprechenden Volumenverlust im Gehirn aufgrund des fortschreitendem Alter aufzuzeichnen. Das wiederum könnte Menschen mit möglichen kognitiven Behinderungen helfen. Wir versuchen, herauszufinden, ob das Hirn sich altersgerecht verhält. Hierfür nutzen wir eine Art „Body Mass Index” für das Hirn.

Und wir versuchen sogar, kranke Menschen durch die Stimulation von spezifischen abweichenden Bereichen des Gehirns zu therapieren, zu bilden und medizinisch zu behandeln. In dieser Hinsicht spielt die Hirnkartierung eine wichtige Rolle bei der Strukturierung des Gehirns – vor allem, wenn es darum geht, degenerative Erkrankungen zu erkennen.

Die “Neurokartografie” ist eine neuartige Möglichkeit, um die Komplexität des Gehirns zu prüfen und verstehen. Doch sie wurde von Wissenschaftler, die sich mit der Dekonstruktion dieser Hirnschaltpläne beschäftigen, nur wenig beachtet. Dabei gibt es durchaus Gründe, um die Hirnkartierung kritisch zu betrachten.

Karten sind nicht neutral

Karten bilden unsere Welt nicht neutral ab, sondern sie sind soziale und politische Konstruktionen. Ländergrenzen betonen und bewahren die Autorität des Landes. Dies hat eine enorme Wirkung auf die geografische Vorstellung des Bürgers, der eine solche Karte benutzen.

Die Art und Weise, wie die dreidimensionale Geografie der Erde auf eine zweidimensionale Karte abgeflacht wird, ist auch oft politisch gefärbt. Die Mercator-Projektion, die meistbenutzte Karte der Welt, pumpt die Größe der Länder im Norden auf – ein schiefes Bild. Es existiert einfach keine perfekte Weltkarte.

Karten sind nützlich, um eine komplexe Welt mit ihren vielen Details begreifbar zu machen und zu vereinfachen. Sie stellen ein Mittel dar, um Grenzen zu ziehen und bewahren, um Argumente für sich zu gewinnen und um die Agenda weiterzuverfolgen. Sie sollen Geschichten erzählen, inkomplette Wahrheiten darstellen und als ästhetische Objekte fungieren. In dieser Funktion sind in alle Karten soziale und politische Mächte eingebettet. Das ist besonders zu berücksichtigen, wenn die Karten als Mittel der wissenschaftlichen Autorität herangezogen werden.

Alle Karten – egal, ob es sich hierbei um geografische oder neurologische Darstellungen handelt – müssen kritisch bewertet werden. Sie haben eine inhärente Kraft, für ein gewisses Bewusstsein zu sorgen. In die nun beginnende Phase der Hirn-Kartierung muss uns bewusst werden, wie sehr wir ähnliche Vorstellungen in diesem Bereich beeinflussen oder beschmutzen können. Wir müssen prüfen, wie, warum und wo diese Art der Kartierung produziert und benutzt wird.

Es gibt keine Einheitsgröße

Die Hirnkartierung wird als Mittel der wissenschaftlichen Autorität herumgereicht und gilt damit als seriös. Doch das perfekte Gehirn gibt es nicht – und auch nicht die perfekte Hirnkartierung. Die Verschiedenheit der einzelnen Hirnvolumen, Formen und Dichten ist enorm. Globale und regionale Hirnvolumen spiegeln den lebenslangen zusätzlichen und interaktiven Einfluss mehrfacher genetischer, ökologischer und empirischer Faktoren.

Die Einheitsgröße der Karte spiegelt nicht die Vielfalt der Gehirne, auch wenn diese manchmal wichtig ist, um die Denkweise größerer Menschenmassen zu verstehen. Kritik ist also wichtig. Dank unserer Erfahrung wissen wir, dass die wissenschaftliche Repräsentation des Gewisses uns zu Orten führen kann, an denen die Autorität der Karte nicht hinterfragt wird und andere mögliche Interpretationen offenlässt.

Es gibt auch kein perfektes Beispiel für ein schizophrenes Gehirn. Jeder Patient ist einzigartig und die Gesundheit des Gehirns muss im Zusammenhang mit anderen Faktoren bewertet werden. Der Plan muss mit einem Arztbesuch und umfangreiche Untersuchungen beginnen. Unter anderen ist die Familien- und die individuelle Krankheitsgeschichte wichtig. Auch können eine Blutuntersuchung, eine kognitive Prüfungen und ein MRI wichtige Hinweise geben. Hier kann eine Hirnkartierung eher ablenken, weil sie einen personalisierten Ansatz einer individuellen Person liefert.

Im digitalen Zeitalter hat sich die Idee des Eigentums verändert

Ebenso wichtig ist es, die Fortschritte in der digitalen Technologie zu überprüfen. Dies dient dazu, um zu verstehen, wie das Gehirn in eine Karte umgewandelt wird. Die Hirnkartierung hat innerhalb des technologischen Fortschrittes in den letzten 30 Jahren, wie die MRI-Scanner, einen massiven Wandel durchgemacht. Heute ist es möglich, die Karten einfacher zu verteilen und produzieren. Dass ermöglicht eine positive Interaktivität zwischen Wissenschaftler und einem großen Publikum. Projekte wie ENIGMA, das Human Brain Project (HBP) und die BRAIN Initiative bieten bereits eine Plattform für Beiträge und für eine umfassendere Zusammenarbeit auf dem Feld der Hirnkartierung.

Wie die Karte selbst, hat auch die Technologie implizite soziale und kulturelle Vorurteile, die dargelegt werden sollen, um richtig zu verstehen, wie, warum und wo Gehirn-Karten produziert und benutzt werden.

Die wissenschaftliche Gemeinschaft ist rigoroser denn je, aber Gehirn-Karten haben noch nicht unser komplettes Leben verändert. Google Earth und Google Maps haben die Art verändert, wie wir ihnen unserer Umgebung umgehen – als die Technik eingeführt wurde, hätten wir uns eine Nutzung, wie sie heute stattfindet, nicht einmal träumen lassen. Wenn wir also ein wenig spekulieren – was wäre, wenn wir uns mit unserem Bewusstsein durch die Städte bewegen könnten, so wie wir uns jetzt durch die Städte bewegen, in denen wir leben oder die wir besuchen?

Denkt man ein paar Schritte weiter, kommt man unweigerlich zu der Frage, wie die möglichen Vor- oder Nachteile der VR-Technologie für die Hirnkartierung aussehen könnte. Wie können wir Gehirn-Karten in Zukunft visualisieren und erleben? Und sind wir in der Lage, die Hirnkartierung in Hinblick auf Eigentum und Urheberschaft besser sicherzustellen, als Laien dies tun würden?

Diese und anderen Fragen müssen bedacht werden. Die Hirnkartierung entwickelt sich schnell und es ist wichtig, dass wir eine kritischere Vorgehensweise anwenden, um diese Vorgänge zu verstehen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Kopf “by geralt (CC0 Public Domain)


The Conversation

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Künstliche Intelligenz lässt die Kassen aufatmen

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Der britische National Health Service (NHS) hat kürzlich Pläne bekannt gegeben, eine mobile Gesundheits-App, die mit künstlicher Intelligenz arbeitet, mithilfe einer Million Londoner zu testen. Das Ziel dabei ist, Diagnose und Behandlung von Patienten zu erleichtern, in dem diese an einer Echtzeit-Text-Konversation teilnehmen, die den NHS-Telefonservice (der von dem Aufpasserdienst Care Quality Commission kritisiert worden ist) komplettieren wird. App-Entwickler Babylon Healthcare Ltd verwendet Algorithmen, um erste Diagnosen zu erstellen, die dann mit menschlicher Beratung ergänzt werden. Die App hat bereits eine herausragende CQC-Bewertung erhalten.

Die App wird wahrscheinlich für gemischte Reaktionen sorgen, bei denen begeisterte Technikliebhaber denjenigen gegenüber stehen, die der Meinung sind, mehr Technologie bedeute eine reduzierte Gesundheitsversorgung durch Menschen. Doch während dem NHS nachgesagt wird, an einer humanitären Krise zu leiden und dass eine wachsende Gesundheitsversorgung die Ressourcen belastet und an ihre Grenzen bringt, müssen intelligente Lösungen gefunden werden. Es lässt sich kaum bestreiten, dass die Probleme einer begrenzten Finanzierung dauerhaft zu diesem einzigartigen öffentlichen Service dazugehören. Vielleicht ist die Künstliche Intelligenz eine Antwort darauf.

Tatsächlich besteht effektive Gesundheitsvorsorge immer aus einer Kombination von systematisierter technologischer Effizienz und menschlicher Pflege, die sich auf den Patienten konzentriert. Gespaltene Anschauungen über Technologie helfen oft nicht weiter. Es ist zudem notwendig, zu erkennen, wie dieser Umgang mit Gesundheitsvorsorge Teil einer großen technischen Revolution ist, in der zahlreiche Objekte im Internet der Dinge verknüpft werden, die alles, angefangen vom Gesundheitswesen bis hin zum Verkehrswesen, verändern werden.

Die Bedienung der NHS-App ist wirklich einfach und wurde mit der Nutzung des Kurznachrichtendienstes WhatsApp verglichen – jedoch mit einem gravierenden Unterschied: Man chattet mit einem Computer, nicht mit einer Person. Sobald die App heruntergeladen ist, gibt man seine grundlegenden Gesundheitsinformationen ein und beginnt anschließend, seine Symptome zu erklären. Der Roboter, der „antwortet“, wird in etwa folgende Dinge sagen „Ich brauche etwas mehr Details von Ihnen, bevor wir beginnen“ oder „fast geschafft“, um das Gespräch aufrecht zu erhalten. Nach einem ausführlichen Austausch könnte folgendes Ergebnis dabei herauskommen:

„Okay, Ihre Symptome scheinen nicht für einen Notfall zu sprechen, aber ich denke, Sie sollten weitere Untersuchungen in Anspruch nehmen. Stellen Sie sicher, dass Sie innerhalb der nächsten zwei Wochen einen Arzt konsultieren werden. Tun Sie das nicht, können sich die von Ihnen beschriebenen Symptome verschlimmern. Also vereinbaren Sie jetzt einen Termin und ich werde Sie demnächst daran erinnern. Sollte sich die Situation in der Zwischenzeit ändern und Sie fühlen sich schlechter, sprechen Sie so schnell wie möglich mit einem Arzt.“

Dieser digitale Diagnose-Dienst verfolgt das Ziel, ein zusätzliches Kommunikationsinstrument zwischen dem NHS und dem Patienten zu schaffen. Er ist Teil eines größeren, digitalen Öko-Gesundheitssystems, das Online-Gesundheits-Tracking beinhaltet. Zudem nutzt die App den Vorteil, dass einige Leute heutzutage lieber per Textnachrichten chatten, als am Telefon miteinander zu sprechen.

Dieses digitale Phänomen wird von dem Versprechen angetrieben, soziale Probleme mittels breiter technologischer Entwicklungen zu lösen. Anwendungen im Gesundheitswesen könnten für die Gesellschaft einen großen Gewinn bedeuten, während die Funktionalität der App durch die Ansammlung von großen Datenmengen verbessert wird. Die Tech-Firma Babylon ist mit anderen großen Firmen verbunden, die daran arbeiten, ähnliche Services zu entwickeln wie Deep Mind von Google. Der Service will Daten der NHS-Diagnosen beispielsweise dafür nutzen, bestimmte Diagnosen früher stellen zu können oder für eine effektivere Überwachung der Behandlung sorgen.

Auf der Consumer Technology Association (CES), der weltweit größten Tech-Messe in Las Vegas Anfang 2017 gehörten KI-Home-Systeme zu den angesagten Hits. Vielleicht hat der NHS also eine intelligente Lösung zur richtigen Zeit entwickelt. Die Menschen sind derzeit eher bereit, eine „Beziehung“ zu einer aufmerksamen Maschine aufzubauen als zu einem Mitarbeiter im Call Center.

Digitale Ärzte

Diese Entwicklungen werden durch die Annahme vorangetrieben, dass diese Formen der Kommunikation innerhalb einer digitalen Wissensökonomie neutralere und genauere Antworten liefern, während sie menschliche Fehler umgehen. Allerdings räumen Wissenschaftler ein, dass innerhalb des entstehenden Forschungsgebiets kritischer Gesundheitsstudien Algorithmen als Teil eines komplexen Netzwerks von Zusammenhängen zwischen menschlichen und nichtmenschlichen Akteuren gesehen werden müssen. Vor Kurzem verglich eine Studie die diagnostische Genauigkeit eines Arztes mit der eines Computers und kam zu dem Ergebnis, dass der Mediziner die Algorithmen „um Längen“ übertraf.

Daher sollten wir einige wichtige Fragen zur Einbindung künstlicher Intelligenz in das Gesundheitswesen stellen. Wie sinnvoll kann eine Liste möglicher Diagnosen für Menschen sein, die sie von einer Maschine erhalten? Werden die Menschen diese Ratschläge befolgen oder darauf vertrauen? Wie detailliert wird die KI auf menschliche Unterschiede eingehen und Faktoren wie die lokalen Umstände, Leistungsstärke oder den kulturellen Hintergrund miteinbeziehen? Einen weiteren wichtigen Aspekt stellt die Berücksichtigung der Hintergründe der Nutzer dar. Angesichts der fortdauernden Bedenken über Ungleichheit bezüglich des digitalen Zugangs und der digitalen Kompetenz müssen Versuche für die Zukunft digitaler Gesundheitstechnologien in den Bevölkerungsgruppen durchgeführt werden, die über begrenzte Ressourcen, Erfahrungen und technologische Infrastruktur verfügen.

Möglicherweise befasst sich die größte Frage in einer Welt, in der wir immer mehr von unseren Daten in einem mobile Anwendungsumgebung eingeschlossen werden, mit dem Eigentum und der Privatsphäre unserer Daten. Wie können wir sicherstellen, dass wir die Möglichkeit haben, unsere Gesundheitsdaten im Laufe der Zeit selbstständig zu verschieben und wie wird deren Sicherheit garantiert? Vielleicht brauchen wir eine neue Gesetzesvorlage für Gesundheitsdaten, um die Ausnutzung zu unterbinden und einzugrenzen. Dann muss diese Arbeit jetzt beginnen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „Computer“ by Unsplash (CC0 Public Domain)


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Wohlfühlmaßnahmen bei der Arbeit: So funktioniert es nicht

Two sporty women doing exercise abdominal crunches, pumping a press on floor in gym concept training (adapted) (Image by Nayana Thara k [CC0 Public Domain] via Flickr)

Wohlbefinden am Arbeitsplatz ist ein sehr wichtiges Thema. Immer mehr Firmen führten bereits Maßnahmen ein, um das Wohlbefinden der Mitarbeiter zu steigern. Dazu zählen unter anderem eine kostenlose Mitgliedschaft im Fitnessstudio sowie eine Gesundheitsversicherung, um auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter eingehen zu können.

Die Denkweise hinter diesen Maßnahmen hat sehr viel mit einer Steigerung der Produktivität zu tun. Mein Kollege Cary Cooper schrieb, dass Kulturen, die das Wohlbefinden verbessern wollen, „eine entscheidende Rolle innehaben und dies nicht nur eine nette Begleiterscheinung, sondern verpflichtend sein muss.“

Genau diese Quintessenz ist wichtig. Aber nicht immer sind diese Maßnahmen, die in erster Linie die Leistung der Organisation verbessern sollten, vereinbar mit dem Wohlbefinden der Mitarbeiter. Neueste Studien von Mitarbeitern einer großen Mittelschule zeigen, dass es mindestens zwei Arten von Wohlbefinden innerhalb einer Organisation gibt:

Es gibt eine „rationale“ Art von Wohlbefinden, die mit Produktivität und Leistungsfähigkeit verbunden ist. Diese Art wird durch Angebote wie einer kostenlosen Mitgliedschaft im Fitnessstudio oder einer Krankenversicherung verstärkt. Es gibt auch eine „emotionale“ Art von Wohlbefinden, die wir nur grob ausmachen können und die die Basis für eine gute Zusammenarbeit ist. Diese wird durch ein gegenseitiges Verhältnis, das nicht auf Ausbeutung beruht, einem respektvollen Miteinander sowie gegenseitiger Unterstützung gefördert. Dieses Wohlbefinden ist sehr wichtig für eine liebevolle Umgebung und schafft Freiraum für Kreativität.

Die meisten Firmen konzentrieren sich auf die rationale Art des Wohlbefindens, die die emotionale Seite des Wohlbefindens in drei wichtigen Punkten vernachlässigt:

1. Alles dreht sich nur um Produktivität

Maßnahmen bezüglich des Wohlbefindens der Mitarbeiter werden sehr oft von einer rationalen Herangehensweise auf die Produktivität und die Leistungsfähigkeit abgeleitet. Diese Maßnahmen können sehr hilfreich sein, um die besten Mitarbeiter zu gewinnen und zu behalten.

In der untersuchten Schule fanden wir heraus, dass einige Maßnahmen für das Wohlbefinden in Verbindung mit professioneller Entwicklung sowie mit Gesundheitsprogrammen stehen, um Mitarbeiter wieder schneller zurück an den Arbeitsplatz zu bringen. Sich um das Wohlbefinden der Mitarbeiter zu kümmern, ist sehr wichtig. Warum also sollten Arbeitgeber nichts für diese Bemühungen tun, um das Wohlbefinden zurückzubekommen?

Spätestens dann, wenn sich Mitarbeiter wie Verbrauchsgüter fühlen, aus denen so viel wie möglich herausgeholt werden soll, gibt es ein Problem. Wohlfühlmaßnahmen nur aufgrund der Hintergedanken bezüglich Produktivität zu fördern, kann dem Mitarbeiter das Gefühl vermitteln, nicht persönlich wertvoll zu sein. Das wiederum kann die emotionale Ebene des Wohlbefindens beeinflussen.

Es spricht nichts dagegen, die emotionale und die rationale Art des Wohlbefindens zu verbinden. Eine Voraussetzung dafür ist jedoch ein behutsamer Umgang mit dem Mitarbeiter. Zudem sollte man sich nicht nur auf bestimmte Maßnahmen beschränken oder die Idee nur im Schein unterstützen. Die Erfahrung zeigt, dass es die Angestellten nicht sonderlich gutheißen, wenn ihnen deutlich gemacht wird, dass ihnen nur etwas ermöglicht wird, damit sie anschließend eine Gegenleistung erbringen oder um die Verpflichtungen gegenüber des Arbeitgebers zu vermeiden.

2. In die Privatsphäre eindringen

Manche Menschen empfinden Maßnahmen bezüglich des Wohlbefindens als Eindringen in ihre Privatsphäre, speziell in Firmen, die gentechnische Tests sowie kostenlose Fitbits, die Daten rund um die Bewegung aufzeichnen, anbieten.

Bei der untersuchten Organisation zeigte sich, dass circa die Hälfte der Mitarbeiter sogar die angebotenen Krankenversicherungsmaßnahmen ablehnten. Der Grund dafür ist das Misstrauen des Managements und der vermeintliche Wunsch, die jeweiligen Mitarbeiter wieder zum Arbeiten zu bewegen. Die Mitarbeiter waren besorgt, dass das Management möglicherweise Zugriff zu den persönlichen und gesundheitsrelevanten Daten von ihnen oder ihren Angehörigen erhalten könnte.

Ein weiterer Punkt des Wohlfühlprogramms war die Standardisierung des Unterrichts mit einem Vier-Punkte-Plan rund um einen „ausgezeichneten Unterricht“. Die Idee dahinter war, den Lehrern das Unterrichten zu erleichtern und Möglichkeiten für professionelle Entwicklung und Wohlbefinden zu schaffen. Die Mitarbeiter merkten jedoch, dass das den Autonomiestatus verringerte und ließen wegen des fehlenden Vertrauens viele Gefühle unbeachtet.

3. Nicht zu bewältigende kulturelle Angelegenheiten

Wohlfühlmaßnahmen können zu sehr auf die individuelle Ebene gerichtet sein. Diese Maßnahmen beziehen sich nicht immer auf organisatorische, kulturelle oder gruppenbezogene Angelegenheiten. Im schlimmsten Fall können diese Maßnahmen vom Arbeitgeber ausgenutzt werden, um den eigenen Einfluss auf krankheitsbedingte Ausfälle der Mitarbeiter herunterzuspielen. 

Wir haben in unserer Studie herausgefunden, dass sich Mitarbeiter nach jener Zeit sehnen, in der der Betrieb als Familie verstanden wurde. Eine Zeit, in der Wohlfühlangelegenheiten auf betrieblicher statt auf individueller Ebene behandelt wurden. Statt auf Wohlfühlmaßnahmen durch das Bereitstellen von betrieblicher Gesundheitspolitik einzugehen, würden sich Mitarbeiter freuen, wenn direkt auf innerbetriebliche Probleme eingegangen werden würde – etwas, das durch die Professionalisierung sowie die Standardisierung völlig in den Hintergrund gedrängt wurde.

Wenn Wohlfühlmaßnahmen weiterhin auch nur aus betriebsbedingten Gründen angeboten und die Angelegenheiten der Mitarbeiter nicht miteinbezogen werden, können diese das Wohlbefinden der Mitarbeiter sogar verschlechtern und das Gefühl der Autonomie gefährden. Dies kann zu Diskrepanzen zwischen Management und Mitarbeitern führen – und so hat niemand etwas davon.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Two sporty women doing exercise abdominal crunches, pumping a press on floor in gym concept training“ by Nayana Thara k (CC0 Public Domain)


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  • AMAZON t3n: Schluss mit Fakes? Amazon-Rezensionen nur noch von Kunden mit 50-Dollar-Umsatz: Gefälschte Rezensionen sind ein großes Problem für Amazon, weil sie Kunden verunsichern und die Händler verärgern. Der E-Commerce-Riese geht schon seit längerer Zeit dagegen vor, aber jetzt wurde in den USA eine Umsatzhürde eingeführt. Nur Käufer oder Verkäufer, die Produkte in Höhe von 50 US-Dollar mit ihrem Account gekauft haben, dürfen auch Produkte bewerten. Mit diesem Verfahren sollen Fake-Accounts keine Rezensionen mehr abgeben können.

  • SMARTPHONE Süddeutsche Zeitung: Diese Smartphone-Tastatur will das Tippen revolutionieren: Swiftkey ist eine beliebte App, ein Mini-Programm für Smartphones und Tabletrechner: eine Tastatur, die treffsicher vorhersagt, welches Wort der Nutzer als nächstes eingeben will und Tippfehler korrigiert. Swiftkey hat gerade eine komplett überarbeitete Version seiner Tastatur auf den Markt gebracht. Bisher nur auf Englisch und nur für Handys mit Googles Betriebssystem Android. Andere Sprachen und Systeme sollen folgen.

  • SPOTIFY Gründerszene: Spotify soll Soundcloud-Übernahme verhandeln: Der schwedische Musikriese möchte das Berliner Startup SoundCloud übernehmen. Bereits im Juli wurde bekannt, dass die Investoren hinter SoundCloud einen Käufer suchen. Der gewünschte Kaufpreis liegt bei einer Milliarde US-Dollar. Aufgrund des hohen Preises ist es allerdings schwierig einen Käufer zu finden. Die Übernahme könnte Spotify mehr Musiktitel bringen und würde gleichzeitig einen Konkurrenten vom Markt nehmen.

  • GESUNDHEIT Handelsblatt: Digitale Gesundheitsangebote wachsen rasant: Der digitale Gesundheitsmarkt wächst rasant, wie eine Studie der Unternehmensberatung Roland Berger zeigt. Vor allem das Segment für mobile Dienste, wie zum Beispiel Apps für Smartphones, treibt mit einem jährlichen Wachstum von mehr als 40 Prozent die Digitalisierung der Branche voran. Apps sollen die Erstdiagnosen erstellen können und dem Benutzer bei Bedarf einen Arztbesuch oder direkt die passende Medikation empfehlen.

  • IKEA golem: Smarte Beleuchtung von Ikea: IKEA bietet ab Oktober 2016 LED-Leuchtmittel, LED-Lichtpaneele und Türen mit LED-Beleuchtung, die sich aus der Ferne dimmen oder farblich verändern lassen. IKEA Tradfri ermöglicht den Nutzern ihre Heimbeleuchtung mit einer Fernbedienung zu steuern. Dazu muss man einfach nur die bisher verwendeten Leuchtmittel gegen eine Tradfri-Lampe austauschen. Die Steuerungstechnik steckt im Leuchtmittel.

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No Comment – NPR deaktiviert Kommentarfelder unter den Artikeln

NPR Building (adapted) (Image by Cliff [CC BY 2.0] via flickr)

Demnächst wird es unter den Artikeln auf NPR.org nicht länger einen Kommentarbereich geben. NPR verkündete die Entscheidung vor wenigen Tagen in einem Blogeintrag mit der Erklärung, dass die Kommentarbereiche größtenteils verwaist sind, obwohl das Internetpublikum insgesamt über die Jahre stetig gewachsen ist. Nur ein Prozent von monatlich 25 bis 35 Millionen Lesern und Hörern hinterlassen einmalig Kommentare, die Anzahl regelmäßiger Verfasser von Kommentaren ist ebenfalls sehr gering. Stattdessen wendet sich NPR den sozialen Netzwerken zu – sowohl offiziell als auch über die privaten Profile seiner Journalisten – um mit seinem Publikum zu interagieren. Und das bedeutet, das Publikum auf den üblichen Plattformen wie Facebook (wo NPR mehr als fünf Millionen „Gefällt mir“ hat) und Twitter (mehr als sechs Millionen Follower) anzuziehen, sowie die Präsenz auf Snapchat, Instagram und Tumblr auszubauen. In dem Post hob Scott Montgomery, Redaktionsleiter für digitale Nachrichten, die NPR Facebook-Gruppe ‚Private Finances‘ hervor, die mittlerweile mehr als 18.000 Mitglieder aufweist. Weitere Bemühungen die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zu ziehen, so schrieb Montgomery, haben den Kommentarbereich weniger nützlich werden lassen:

  • „Wir haben in den besonderen Bemühungen, das Interesse der Leser- und Zuhörerschaft mit dem Tiny Desk Contest und Generation Listen (Generation Hören)völlig neue Maßstäbe gesetzt. Es gab zum diesjährigen Tiny Desk Contest mehr als 6000 Einsendungen und die Welt hat Gewinnerin Gaelynn Lea kennen gelernt. In der Zwischenzeit besuchen unsere Journalisten regelmäßig Treffen von Generation Listen und stellen so in NPR-Radiostationen im ganzen Land die Verbindung zur nächsten Generation von Fans des öffentlichen Radios her.“
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  • „Bei uns widmet sich ein ganzes Team den Publikumsbeziehungen, welches jeden Monat tausende E-Mails von Hörern liest und persönlich beantwortet. Dieses unentbehrliche Forum begegnet Ihrem essenziellsten Feedback und Ihren Fragen und gibt uns einen Raum für gleichermaßen bedeutende Antworten. Unsere Seite help.npr.org operiert plattformübergreifend und ist jederzeit offen für Ihre Fragen und Anliegen.“
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  • „In den kommenden Wochen werden wir zusätzlich zur Weiterentwicklung unserer Herangehensweise in Bezug auf Live Interaktion auf Facebook beginnen, ein vielversprechendes neues Hilfsmittel zur Einbindung der Zuhörerschaft zu testen, das in den sozialen Medien bereits verwurzelt ist. Hearken ist eine digitale Plattform, die es den Journalisten und dem Publikum erlaubt, bei der Entwicklung von Ideen für Artikel als Partner zu agieren, und diese Plattform ist in Dutzenden von NPR-Radiostationen bereits in Gebrauch. Wir werden Hearken in unseren Goats and Soda Blog zu weltweiter Gesundheit und Entwicklung mit dem Potenzial für zukünftige Erweiterung involvieren.“

Zudem hat NPR in Elizabeth Jensen seine eigene Bürgerbeauftragte in Vollzeit, die dabei hilft, von Hörern angeschnittene Themen aufzugreifen. Selbstverständlich hat Jensen die Eliminierung der Kommentare abgewägt, in Erwartung einigen Widerstandes gegen die Tatsache, dass eine öffentliche Medienorganisation einen Kanal für öffentliche Beiträge entfernt. NPR benutzte die externe Plattform Disqus, ein System, das – so schrieb Jensen – „teurer wurde, je mehr Kommentare hinterlassen wurden, und innerhalb einiger Monate hat dies NPR zweimal mehr gekostet als im Budget veranschlagt„. In anderen Worten hat NPR die Kosten für eine kleine Gruppe von Menschen getragen, die nicht zwingend repräsentativ für das Gesamtpublikum waren: Nur 4300 Nutzer posteten je etwa 145 Kommentare, das sind etwa 67 Prozent aller auf NPR.org verfassten Kommentare innerhalb eines Zeitraumes von zwei Monaten. Mehr als die Hälfte aller Kommentare von Mai, Juni und Juli zusammen stammten von lediglich 2600 Nutzern. Es ist nicht möglich, Aussagen darüber zu treffen, wer die Verfasser dieser Kommentare sind; manche Nutzer kommentieren anonym. Aber es gibt einige Anzeichen, die darauf hindeuten, dass die Kommentierenden nicht völlig repräsentativ für das Gesamtpublikum des NPR sind: Sie kommentieren mit großer Mehrheit über den Desktop (jüngere Nutzer neigen dazu, NPR.org per Handy aufzurufen) und eine Schätzung von Google legte Montgomery zufolge nahe, dass die Verfasser zu 83 Prozent männlich sind, während unter der Gesamtheit der Nutzer von NPR.org nur 52 Prozent männlich sind. Joel Sucherman, NPR Abteilungsdirektor für digitale Produkte, teilte Jensen zudem mit, dass die Leser von NPR.org mit großer Wahrscheinlichkeit „innerhalb der nächsten sechs bis neun Monate neue Optionen sehen werden„. Auf Twitter wurde die Mitteilung überwiegend positiv begrüßt, obwohl manche Besorgnis über den wachsenden Einfluss sozialer Netzwerke äußerten. Die Kommentare unter Jensens und Montgomerys Posts sprechen jedoch so ziemlich für sich. Dieser Artikel erschien zuerst auf “Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „NPR Building“ by Cliff (CC BY 2.0)


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Mädchen und die Sozialen Medien: Psychodruck im Internet

code(image by JESHOOTS [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Aktuelle Forschungsergebnisse des britischen Bildungsministeriums zeigen, dass sich das geistige Wohlergehen von Mädchen im Teenageralter im Vereinigten Königreich verschlechtert hat. Die Studie, die auf den Angaben von 30 000 14-jährigen Schülern in den Jahren von 2005 bis 2014 fußt, kommt zu dem Ergebnis, dass 37 Prozent der Mädchen unter psychischen Belastungen leiden, wohingegen es im Jahr 2005 nur 34 Prozent waren. (Im Vergleich sind nur 15 Prozent der Jungen im Teenageralter betroffen, während es ein Jahrzehnt zuvor noch 17 Prozent waren). Die Autoren der Studie weisen darauf hin, dass eine Sache, die sich zwischen 2005 und 2014 geändert habe, der „Beginn des Zeitalters der sozialen Medien“ sei.

Die Jugendjahre sind eine Zeit der enormen körperlichen, kognitiven und emotionalen Entwicklungen. Teenager gehen aufeinander ein, um zu lernen, wie man ein kompetenter Erwachsener wird. In der Vergangenheit wandten sie sich an Eltern, Lehrer und andere Erwachsene in ihrem Umfeld sowie entfernte Familienangehörige und Freunde. Heute können wir zu dieser Liste der sozialen und emotionalen Entwicklungen auch die sozialen Medien hinzufügen. Doch warum sollte der Beginn des Zeitalters der sozialen Medien ein Problem darstellen?

Untersuchungen weisen darauf hin, dass Mädchen ein höheres Risiko aufweisen, die negativen Aspekte der sozialen Medien zu spüren zu bekommen, als Jungen dies tun. Junge Mädchen sind mit ihrer noch eingeschränkten Fähigkeit zur Selbstkontrolle und ihrer Anfälligkeit für Gruppenzwang gefährdet, online schlechte Erfahrungen zu machen, die ihre Entwicklung zu gesunden Erwachsenen negativ beeinflussen und zu Depressionen sowie Angststörungen führen könnten.

Im Laufe der Adoleszenz erwerben Menschen Charaktereigenschaften wie Selbstbewusstsein und Selbstkontrolle. Da jugendliche Gehirne noch nicht vollständig entwickelt sind – und es bis zum Erreichen des frühen Erwachsenenalters auch nicht sein werden – fehlt es ihnen noch an den kognitiven Fähigkeiten der eigenen Bewusstheit und Privatheit, und so kann es dazu kommen, dass sie unangebrachte Nachrichten, Bilder und Videos posten, ohne sich der Langzeitwirkungen derer bewusst zu sein. Was sie posten, bleibt möglicherweise nicht nur im kleinen Kreis ihrer Freunde, sondern kann weit und breit mit verheerenden Konsequenzen die Runde machen.

Im Gegensatz zu ihren männlichen Altersgenossen sind Mädchen eher geneigt, zu viele persönliche Informationen über sich selbst oder über andere zu teilen, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, eine negative Reaktion wie Mobbing oder abwertende Kommentare bei Altersgenossen hervorzurufen.

Falsche Ideale

Die sozialen Medien vermitteln der „Generation X-Factor“ das Streben nach Prominenten-Status und unmögliche Erwartungen. Die Social-Media-Plattformen sind voll von umwerfend aussehenden Models, denen junge Mädchen nacheifern können. Die Körperwahrnehmung der Mädchen im Teenageralter wird geprägt durch Emotionen (das Bedürfnis, gemocht zu werden), Wahrnehmungen (eine der Entwicklung angemessene Größe des Busens) und darüber hinaus von kulturellen Botschaften und gesellschaftlichen Standards. Die sozialen Medien ermöglichen es den Mädchen, sich sowohl mit Freunden als auch Prominenten zu vergleichen und liefern „Lösungen“ wie extreme Ernährungs- oder Trainingstipps gleich mit, damit die Mädchen ihre Ziele erreichen können.

Untersuchungen haben ergeben, dass heranwachsende Mädchen gefährdet sind, Essstörungen oder Dysmorphophobie zu entwickeln (der Drang, eine wahrgenommene Unvollkommenheit operativ zu beheben, z.B. zu kleine Brüste). Sorgen, die ihr Körperbild betreffen, können ihre Lebensqualität nachhaltig negativ beeinflussen, indem sie sie beispielsweise davon abhalten, gesunde Beziehungen zu pflegen. Sie könnten viel Zeit darauf verwenden, sich zu sorgen, die besser darin investiert wäre, andere Aspekte ihrer Persönlichkeit zu entwickeln.

Die sozialen Medien können sich ebenfalls negativ auf die Pubertät auswirken, indem sie junge Mädchen ermuntern, die „Welt der Erwachsenen“ zu betreten und sexuell aktiv zu sein, bevor sie reif genug sind, mit all den Konsequenzen zurechtzukommen, die dies mit sich bringen kann.  Sexting ist zu einer gewöhnlichen Erscheinung unter 20 Prozent der Jugendlichen geworden. Sie schicken dabei Bilder, auf denen sie nackt oder halbnackt sind, an Gleichaltrige. Kommt es zum Betrug, muss sich der Teenager gegen Demütigung wappnen, die er erleben kann, wenn ein anderer Mensch, dem er private Informationen anvertraut hat, ein privates Foto im Netz verbreitet. Die extremen psychischen Belastungen, denen diese Mädchen ausgesetzt sind, und ihre Auswirkungen auf die geistige Gesundheit sind weitreichend dokumentiert.

Die Adoleszenzphase ist auch eine Zeit, in der die Jugendlichen beginnen, fortgeschrittene Fähigkeiten zum logischen Denken auszubilden, und während der ihre kognitive Entwicklung vorangetrieben wird. Es ist eine Zeit, in der sie beginnen, darüber nachzudenken, wie sie von anderen wahrgenommen werden. Jugendliche Mädchen haben die Tendenz, sich in Profanes hineinzusteigern und Handlungen und Gedanken immer wieder zu analysieren, da sie bestrebt sind, sich anzupassen und die Informationen zu verarbeiten. Dies ist grundsätzlich ein gesundes Verhalten, doch Untersuchungen haben gezeigt, dass sich dieses Verhalten in Verbindung mit sozialen Medien zu einer ungesunden Aktivität steigern und so zu einem Vorboten von Depressionen und depressiven Symptomen werden kann.

Die sozialen Medien können Freund oder Feind sein – und statt sich nur auf die negativen Aspekte zu fokussieren, sollten wir sie stattdessen als ein Mittel nutzen, das den heranwachsenden Mädchen dabei helfen kann, zu verstehen, dass die Bilder, die in den sozialen Netzwerken konstant projiziert werden, keinesfalls eine durchschnittliche Person widerspiegeln. Wir sollten ihnen auch beibringen, dass es eine enorme Vielfalt an Aussehen und Entwicklungsgeschwindigkeiten gibt. Wir sollten junge Mädchen dazu ermuntern, sich mit den sozialen Medien kritisch auseinanderzusetzen.

Heranwachsende Mädchen verbringen einen großen Teil ihrer Zeit online. Der Versuch, dieses Verhalten zu unterbinden oder zu kontrollieren, wird nur zu heimlichen Online-Aktivitäten führen.  Stattdessen sollten Eltern sich mehr engagieren, ihre Teenager beim Überwinden von Social-Media-Hindernissen zu unterstützen und ein gesundes Selbstbewusstsein vorleben.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image ”Mädchen chattet” by JESHOOTS (CC LIZENZ)


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Warum wir immer verlängerte Wochenenden haben sollten

Car driver (image by Unsplash [CC0 Public Domain] via Pexels)

Wenn wir uns ein paar freien Tagen im August oder einem verlängerten Wochenende nähern, könnten wir über die Zeit nachdenken, die wir der Arbeit widmen. Was wäre, wenn jedes Wochenende drei oder sogar vier Tage dauern würde? Was wäre, wenn der Großteil der Woche für Aktivitäten zu Verfügung stehen würde, statt für die Arbeit? Was wäre, wenn unsere Zeit für arbeitsfreie Aktivitäten unserer Wahl reserviert wäre?

Diese Fragen zu stellen, lädt geradezu zu utopischem Denken ein. Während weniger Stunden zu arbeiten prinzipiell eine gute Idee ist, ist es in der Praxis nicht durchführbar. Tatsächlich würde diese Errungenschaft mit dem Risiko des niedrigen Verbrauchs und der erhöhten wirtschaftlichen  Not einhergehen.

Für einige Befürworter der Arbeitsmoral liegt der Weg zu Gesundheit und Glück in der Verewigung in der Arbeit und nicht in dessen Reduktion. Arbeit macht uns gesünder und glücklicher. So eine arbeitsbejahende Ideologie wird für die Legitimation von Sozialreformen eingesetzt. Damit werden die Arbeitslosen, unabhängig von deren Lohnsätzen und qualitativen Merkmalen, zur Arbeit gezwungen. Es bietet auch eine ideologische Barriere für den Fall, weniger Zeit bei der Arbeit verbringen zu wollen. Weniger zu arbeiten, wird als eine Bedrohung für unsere Gesundheit und unser Glück präsentiert – und nicht als eine Möglichkeit, diese zu verbessern.

Dennoch ist die Idee, weniger zu arbeiten, nicht nur möglich, sondern auch die Grundlage für eine bessere Lebensqualität. Es ist ein Zeichen dafür, wie es dazu kam, dass wir Arbeit und dessen Einfluss in unserem Leben akzeptieren und wir diese Idee nicht sogleich begreifen.

Der Preis für mehr Arbeit

Immer mehr Studien zeigen die Kosten der Verlängerung der Arbeitszeit für die Menschen auf. Dazu kommt noch eine schwindende körperliche und geistige Gesundheit. Lange Arbeitszeiten können das Risiko für einen Schlaganfall, koronare Herzerkrankungen und die Entwicklung von Typ-2 Diabetes erhöhen.

Weil wir die meiste Zeit arbeiten, verlieren wir potentielle Zeit für unsere Freunde und Familie. Desweiteren geht uns die Möglichkeit verloren, einfach zu leben und Dinge zu tun, die das Leben wertvoll und lebenswert machen. Unser Leben ist oft zu sehr mit unserer Arbeit verbunden, als dass wir wenig Zeit und Energie für die Suche für alternative Lebensweisen finden – kurz gesagt, unsere Fähigkeit, unsere Talente und Potenziale zu finden, ist durch unsere Arbeit eingeschränkt. Arbeit lässt uns nicht selbständiger werden, sondern sie hemmt uns und macht es schwieriger, unsere Wünsche auszuleben.

All dies spricht für die Notwendigkeit, weniger zu arbeiten. Wir sollten die Arbeitsmoral herausfordern und alternative Lebensweisen vorantreiben, die weniger arbeitsorientiert sind. Und wenn weniger Lebenszeit bei der Arbeit verbracht wird, sondern wir uns mit der Beseitigung von Arbeitsausbeutung beschäftigen, können wir auch die eigenen Vorteile von Arbeit an sich besser erkennen. Weniger zu arbeiten, mag nicht nur ein Mittel sein, um besser zu arbeiten, sondern auch, um das Leben mehr zu genießen.

Hindernisse für weniger Arbeit

Der technologische Fortschritt wurde in den vergangenen Jahrhunderten kontinuierlich vorangetrieben, um die Produktivität zu steigern. Nicht immer hat der Produktivitätsgewinn jedoch zu kürzeren Arbeitszeiten geführt. Zumindest in der Neuzeit wurde dieser Überfluss dazu verwendet, um die Erträge der Kapitalseigentümer zu erhöhen. Dies geschah zumeist auf Kosten der gleichbleibenden Löhne für die Arbeiter.

Der mangelnde Fortschritt bei der Arbeitszeitverkürzung in den modernen kapitalistischen Wirtschaften spiegelt stattdessen den Einfluss von Ideologie und Macht wider. Einerseits haben die Auswirkungen des Konsums starke Kräfte zugunsten längerer Arbeitszeiten geschaffen – die Arbeitnehmer sind ständigen Überredungsversuchen ausgesetzt, mehr zu kaufen und sind damit zu mehr Arbeit gezwungen, um mit dem neuesten Trend oder Mode mitzuhalten und bei ihren Kollegen nicht hintenanzustehen.

Andererseits hat die geschwächte Kraft der Arbeit verglichen mit der des Kapitals ein Umfeld geschaffen, das sich zur Verlängerung der Arbeitszeit eignet. Die kürzlich bekannt gewordenen Arbeitspraktiken bei Amazon sprechen für die Macht des Kapitals, den Arbeitern schlechte Arbeitsbedingungen einschließlich übermäßiger Arbeitsstunden aufzuerlegen. Die Auswirkungen der steigenden Ungleichheit hat auch eine Kultur langer Arbeitszeiten genährt, welche durch die Erhöhung der wirtschaftlichen Notwendigkeit mehr zu arbeiten hervorgerufen wurde.

David Gräber tätigte die provokante Behauptung, dass sich zeitgleich mit der Weiterentwicklung der Technologie die – wie er es nennt – „bullshit“ oder sinnlosen Arbeitsplätze vervielfacht haben. Das ist der Grund, warum wir bei Keynes Vorhersage nicht umsetzen konnten, dass wir alle als Folge des technischen Fortschritts im 21. Jahrhundert nur 15 Stunden in der Woche arbeiten.

Stattdessen leben wir in einer Gesellschaft, in der Arbeit geschaffen wird, die keinen sozialen Wert hat. Der Grund dafür ist nach Gräber die Notwendigkeit der herrschenden Klasse die Arbeiter in der Arbeit zu halten. Während die Technik mit dem Potenzial, die Arbeitszeit zu verkürzen, existiert, ist die herrschende Klasse nicht bereit, dieses Potenzial zu erkennen. Dies begründet sich mit der politischen Herausforderung einer arbeitenden Bevölkerung mit verfügbarer Zeit. Weniger arbeiten wäre möglich und wünschenswert, wird jedoch durch politische Faktoren blockiert.

Arbeiten für den Wandel

Wie oben erwähnt, sind die Kosten für lange Arbeitszeiten schlechtere Gesundheit und ein geringeres Wohlbefinden der Arbeiter. Für die Arbeitgeber entstehen dadurch Kosten in Hinblick auf eine geringere Produktivität und eine geringere Rentabilität. Jedoch bleiben diese Kosten trotz Beweise für deren Existenz unbemerkt. Auch hier kann politisch erklärt werden, warum kürzere Arbeitszeiten von vielen Arbeitgeber nicht angenommen wurden.

Experimente für kürzere Arbeitszeiten existieren bereits. Uniqlo, ein japanischer Einzelhändler für Bekleidung, ermöglicht es seinen Mitarbeitern, für vier Tage in der Woche zu arbeiten. Über dieses Modell wurde auf positive Weise ausschweifend berichtet. Die Mitarbeiter profitieren von einer besseren Work-Life-Balance, während das Unternehmen die Vorteile von niedrigeren Arbeitskosten aufgrund der geringeren Umsatzkosten erntet.

Doch bei näherer Betrachtung hat das neue Schema von Uniqlo seine Schattenseiten. Als Gegenleistung für eine viertägige Arbeitswoche wird von den Arbeitern erwartet, dass sie in zehnstündigen Schichten während ihrer Einsatztage arbeiten, eine 40-Stunden-Woche wird also in vier Tage gequetscht.

Dies ist nicht nur eine Erweiterung der normalen Länge eines Arbeitstages, sondern bringt die möglichen Gewinne einer viertägigen Arbeitswoche in Gefahr. Arbeiter könnten nach dieser vier-Tage-Woche dermaßen erschöpft sein, dass sie einen ganzen Tag für die Erholung dieser Strapazen benötigen. In diesem Fall wird sich ihre Qualität der Arbeit und des Lebens überhaupt nicht verbessert haben, sondern diese wird durch die möglicherweise erlittenen negativen Auswirkungen gemindert, die erst durch Übermüdung verursacht werden.

Ironischerweise veranschaulichen die Systeme, wie sie von Uniqlo eingeführt wurden, die Hindernisse, welche bestehen bleiben, um weniger Arbeit zu erreichen. Nur eine Reduktion der Wochenarbeitszeit auf 30 Stunden oder weniger kann als ein echter Fortschritt für das Erreichen der kürzeren Arbeitszeit angesehen werden.

Damit wir ein drei- oder idealerweise viertägiges Wochenende erreichen – und genießen – können, bedarf es einer Gesellschaft, die die vorherrschende Arbeitsmoral untergräbt. Wir müssen die Idee,  weniger zu arbeiten, als ein gut gelebtes Leben wahrnehmen. Wir müssen ein leben ablehnen, in dem Arbeit als Ein und Alles und das Ende allen Erlebens gilt.

Genießen wir unsere freien Tage, solange wir können. Wir sollten es als eine Erinnerung an ein Leben ansehen, das machbar sein könnte – ein Leben, das wir zu erreichen versuchen, indem wir  Lösungen finden, um die wirtschaftlichen und politischen Barrieren für weniger Arbeit zu überwinden.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „Car driver“ by Unsplash (CC0 Public Domain)


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Verständlich erklärt von den Volksbanken Raiffeisenbanken

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Die richtige Beratung zu finden ist öfter ein langer Leidensweg. Vor allem junge Menschen werden oft von den bürokratischen Vorgehensweisen abgeschreckt und verstehen nur Bahnhof. Nicht bei den Volksbanken Raiffeisenbanken. Individuelle Beratung auf Augenhöhe und es wird sich auch wirklich Zeit für den Kunden genommen. Mit einer Video-Kampagne möchten die Volksbanken Raiffeisenbanken den Leuten zeigen, wo sie ernst genommen werden – nämlich in der nächsten VR-Filiale.

Auslandskrankenversicherung

Wer andere Kulturen und Sprachen kennenlernen möchte, der geht auf Reisen. Ob die Reise nur ein paar Tage oder doch mehrere Monate dauert, ist bei einem Thema egal – Gesundheit. So unterschiedlich die Kulturen dieser Welt sind, so unterschiedlich sind auch die Gesundheitssysteme. Wofür man in Deutschland kurz die Apotheke oder den nächsten Arzt ansteuern kann, könnte sich im Ausland als Spießrutenlauf herausstellen. Und was, wenn man sich mal ernsthaft verletzt? Eine Auslandskrankenversicherung ist da die richtige Entscheidung. Was kann die Auslandsreisekrankenversicherung? Auf spielerische Art und Weise zeigt der Stop-Trick-Film, die Vorteile und die wichtigsten Leistungen auf. All das fast schon künstlerisch inszeniert mit viel Liebe zum Detail und einer ansprechenden Geschichte rund um den nächsten eigenen Urlaub. So wird von den Volksbanken Raiffeisenbanken leicht verständlich erklärt, was anderswo oft ein Buch mit sieben Siegeln bleibt. Entwickelt und umgesetzt wurde der Erklärfilm von der Agentur Heimat aus Berlin.

Beratung für junge Menschen

Wie bringt man jungen Menschen die Vorteile einer kompetenten Finanzdienstleistung näher? Indem man sie kreativ und zielgruppengerecht übersetzt. So wie in diesem Film der Agentur Heimat, der den Plot vom Auszug aus dem Hotel Mama über die Einrichtung der ersten eigenen Wohnung bis hin zur eigenen Karriereplanung in Form einer Videospieloptik abspielt. Eingebettet in viele kleine unterhaltsame Anleihen aus bekannten Spiele-Klassikern. Exemplarisch wird so die Stärke der genossenschaftlichen Beratung der Volksbanken Raiffeisenbanken herausgestellt, so individuell zu sein, wie die Kunden selbst. Online, mobile oder ganz persönlich in der Filiale vor Ort.


Images by Volksbanken Raiffeisenbanken


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MyTherapy – nie wieder eine Tablette vergessen

Drop da Diabetes Mic (adapted) (Image by Juhan Sonin [CC BY 2.0] via flickr)

Die Digitalisierung des Alltags sorgt für die Bequemlichkeit des Menschen, es wird versucht, das Smartphone und andere Techniken mit dem Alltag zu kombinieren. Dafür werden zahlreiche Apps entwickelt, die aber immer noch den Schwerpunkt Entertainment und Social Media haben. Wie sieht es aber mit den Gesundheitsapps aus? Immerhin ist die Gesundheit das A und O bei uns. Bisher fließen nur neun Prozent des Risikokapitals in E-Health Start-Ups ein. Das geschieht auf Grund der kritisch beäugten Geschäftsmodelle, in denen nur wenige Nutzer dafür zahlen möchten. Viele Investoren sind an den Ideen interessiert, aber trotzdem haben es die Start-Ups im Gesundheitsbereich schwer, die Investoren zu überzeugen.

24h Krankenschwester via App

Eine Tablette am Morgen, am Mittag und am Abend – so schwer kann das doch nicht sein! Leider ist die Wirklichkeit da anders. Wer täglich Tabletten zu sich einnehmen muss, kennt das Problem. Kommt ein Anruf, ein Termin oder sonst was dazwischen, ist schnell vergessen, für die eigene Gesundheit zu sorgen. Das fängt beim Einnehmen der Anti-Baby Pille an bis hin zur Bitte des Frauenarztes, um eine genaue „Tagebuchführung“ des Zyklus. Da hört schon der Fleiß der Menschen auf. Zum Glück gibt es zahlreiche Apps wie den Menstruationskalender, der per Klick alle Daten speichert und dokumentiert. Zusätzlich wird man per Push-Nachricht über den Beginn eines Zyklus benachrichtigt. Die Patienten können somit einen ausführlichen Bericht über ihren Zyklus für den Arzt vorlegen. Wie sieht es mit Medikamenten bei chronischen Krankheiten aus? Diabetes zum Beispiel ist eine Krankheit, die viel Disziplin erfordert. Neben dem täglichen Messen des Blutzuckerwertes kommt die Tabletteneinnahme und die dazugehörigen Dokumentationen der Werte hinzu. Das Start-Up SmartPatient hat eine App „MyTherapy“ entwickelt, die wie eine 24h-Krankenschwester fungiert. Die App benachrichtigt den Nutzer zur Einnahme von Tabletten, zukünftige Arzttermine oder einfach als Erinnerung für die tägliche Bewegung. Mit der App werden die Messwerte ganz einfach digital eingetragen und analysiert. Das ist zum Vorteil für den Patienten, der seine Routine nachverfolgen kann, aber auch für den Arzt, der Abweichungen und Werte bei dem nächsten Arztbesuch berücksichtigen kann.

Das Problem mit der aktiven Nutzung

Wenn wir ganz ehrlich sind: Wer kann denn schon genau sagen, wie das eigene Wohlbefinden vor zwei Wochen war, oder welche Tablette zu welcher Uhrzeit eingenommen wurde? Wer die App pflichtbewusst und aktiv nutzt, kann darüber durchaus Auskunft geben. Einen Haken hat sie Sache allerdings:  Zwar wurde die App schon auf ihre Wirksamkeit positiv getestet – man muss allerdings wirklich dran bleiben. Täglich Messwerte eintragen funktioniert bestimmt anfangs, wenn die Motivation noch vorhanden ist. Aber wie sieht es später aus? Der Wecker erinnert und täglich daran, irgendwas zu tun – aber ab und zu verschlafen wir am Morgen trotzdem, denn schließlich ist der Wecker mit nur einem Slide ruhig zustellen. Und was ist mit den Menschen, die ihr Smartphone nicht aktiv nutzen? Dass die Generation Y ständig mit ihrem Smartphone unterwegs ist und regelmäßig ihre Nachrichten oder Neuigkeiten prüft, ist offensichtlich. Jedoch gilt dies nicht unbedingt für die ältere Generation, die das Smartphone hauptsächlich benutzen, um Anrufe oder Nachrichten zu verschicken, damit sie mit der Generation Y in Kontakt bleiben. Aber gerade diese „Silent Generation“ ist es, die auf so eine App angewiesen wäre und davon profitieren würde. Mit dem Alter steigt auch die ständige Überprüfung der eigenen Gesundheit und der Gang zum Arzt. So praktisch ein Smartphone auch sein kann, die Nutzung ist für einige trotzdem ein großes Problem, angefangen mit den vielen Funktionen bis hin zu den kleinen Bildschirmen, die die Älteren abschrecken. Bisher nutzen noch sehr wenige Senioren ein Smartphone und das Internet. Aber die Zahl nimmt zu – es werden zahlreiche Benutzer-Kurse und seniorentaugliche Smartphones angeboten, um eine Digitalisierung auch im fortgeschrittenen Alter durchzuführen. Es ist also zu empfehlen, dass beide Komponenten zusammenarbeiten, um vorausschauend für eine gute Gesundheit bei Jung und Alt zu sorgen. Immerhin ist die Zukunft digital und sie ist unvermeidbar – warum dann nicht aktiv daran teilhaben?


Image (adapted) „Drop da Diabetes Mic“ by Juhan Sonin (CC BY 2.0)


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Machen uns Fitness-Tracker wirklich fitter?

Huawei P8 & Talkband Launch in London - Hands-On (adapted) (Image by Martin @pokipsie Rechsteiner [CC BY-SA 2.0] via flickr)

Nahezu 20 Millionen Fitness-Tracker wurden im vergangenen Jahr verkauft. Diese digitalen Geräte – die alles, beginnend mit der Herzfrequenz bis zur Anzahl der Schritte, messen – werden unter dem Versprechen verkauft, dass sie dem Besitzer helfen Gewicht zu verlieren. Der Besitzer wird dadurch fitter und glücklicher. Bedauerlicherweise ist die Forschung zur Untermauerung von deren Nutzen, sowie bei zahlreichen anderen Sportleistungsprodukten, begrenzt.

In unserer neuesten Untersuchung machten wir bekannt, dass es kaum Belege dafür gäbe, dass der Besitz eines Fitness-Trackers die Gesundheit verbessert. Erkenntnisse zu deren Wirksamkeit stützen sich oft auf einzelne Berichte von Menschen, die von ihren Erfahrungen berichten.Eine aktuelle Studie beobachtete zwar, dass die Schrittzähler eine Zunahme der körperlichen Bewegung bei den einzelnen bewirkte; Jedoch nahmen diese auch an regelmäßigen Beratungen über ihren erzielten Fortschritte teil. Ähnliche Interventionen unter Einbeziehung von Schrittzählern, ohne die Unterstützung einer medizinischen Fachkraft, zeigten keine langfristige Wirkung.

Offene Türen einrennen

Es ist erwiesen, dass Fitness-Tracker eher von Personen gekauft werden, die bereits gesund leben und lediglich ihre Fortschritte verfolgen möchten. Inaktive Menschen möchten nicht täglich oder sogar stündlich an ihre Untätigkeit erinnert werden. Allerdings lässt der Reiz des Neuen, wie so einige Neujahrvorsätze, Beispielweise der Besuch im Fitnessstudio, bei Fitness-Tracker mit erschreckendem Tempo nach, sogar unter Personen mit bereits gesundem Leben. Studien deuten darauf hin, dass mehr als jeder dritte Nutzer nach sechs Monaten aufhört das Gerät zu tragen und die Hälfte innerhalb eines Jahres das Gerät nicht mehr benutzen. Woran kann das liegen?

Oftmals benötigen diese Geräte ein nachträgliches Maß an Hingabe, was für einige Menschen zu viel ist. Ein Beispiel für eine kleine “zerstörende Hingabe” ist die Notwendigkeit, die Geräte regelmäßig – manchmal täglich – aufzuladen. (Man vergleiche dies mit einer Armbanduhr, die nur einmal alle paar Jahre eine neue Batterie benötigt.)

Könnten wir übermäßig abhängig werden von Überwachungsgeräten, die uns fitter erscheinen lassen als wir tatsächlich sind? Exzessive Eigenüberwachung hat sich als unbequem, aufdringlich und unangenehm erwiesen – insbesondere bei Personen mit einem vorhandenen schlechten Gesundheitszustand – außerdem wird man ständig an das Altern erinnert, durch das ständige verfolgen der eigenen Fitness.

Natürlich wird vorausgesetzt, dass diese Geräte in erster Linie präzise und sicher funktionieren. Jedoch variierte sich die Genauigkeit bei dem Vergleich von verschiedene Geräte beträchtlich. Die Fehlerquoten mancher Geräte liegt bei 25%.

Des Weiteren ist der Verbraucher üblicherweise nicht Eigentümer seiner Daten, die von seinem Gerät aufgezeichnet werden, ihm wird nur gestattet, in zusammenfassende Statistiken einzusehen. “Rohdaten” werden beim Hersteller gespeichert und regelmäßig an andere Organisationen weiter verkauft. Es ist nicht klar, wie diese Daten sicher verwahrt und anonymisiert werden, angesichts der Tatsache, dass jegliche Datenübertragungsgeräte auch gehackt werden kann. Dies könnte dazu führen, dass Daten verloren gehen, gestohlen oder verfälscht werden.

Bessere Nachweise erhalten

Geräte werden unter der Annahme verkauft, dass sie die Gesundheit verbessern, auch wenn es zurzeit an Beweisen dafür mangelt. Die Erforschung neuer Designs sollten das Ziel verfolgen, die einen ähnlichen Ansatz haben wie eine gewöhnlicher Arzneimitteltest, um die Wirksamkeit von Fitness-Tracker zu demonstrieren, bevor sie auf den Markt erscheinen.

Wenn ein Medikament an Menschen getestet wird, ist eine randomisierte kontrollierte Studie das Entscheidende für die Untersuchung auf Wirksamkeit. Einer Gruppe von Patienten wird das zu testende Medikament verabreicht und einer anderen Gruppen (den Kontrollgruppen) könnte ein anderes Medikament oder ein Placebo gegeben werden. Auf diese Weise kann ein neues Medikament im Vergleich zu bestehenden Medikamenten oder Placebos – oder beiden – getestet werden.

Eine ähnliche Methode, die drei Gruppen von Teilnehmern involviert, könnte die Wirksamkeit von tragbaren Fitness-Tracker testen. Mit dem Zufallsprinzip wird eine Gruppe ausgewählt, die nur Fitness-Tracker erhält, eine zweite Gruppe wird aufgefordert, ihre täglichen Aktivitäten in einem Tagebuch zu protokollieren. Die dritte Gruppe hingegen bekommt kein Ortungsgerät und muss auch nicht ein Tagebuch führen. Allen drei Gruppen wird, neben Tipps zur Aufrechterhaltung eines gesunden Lebensstils, ein Fitnessprogramm zur Verfügung gestellt, das sie befolgen müssen. Der Trainingszustand kann daraufhin auf längere Zeit beobachtet werden, um zu erkennen welche Gruppe die meisten Fortschritte in ihrer Fitness erzielen. Dies würde nicht nur ihre Fähigkeit, das Verhalten zu ändern, ans Licht bringen, sondern mit den Ergebnissen können Personen identifiziert werden, die am ehesten von solchen Geräten profitieren.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) “Huawei P8 & Talkband Launch in London – Hands-On” by Martin @pokipsie Rechsteiner (CC BY-SA 2.0)


The Conversation

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Der weltweite Bikesharing-Boom – warum die Städte Fahrräder lieben

City Bikes (Image: Picography.co [CC0 Public Domain], via Pexels).jpg

Während die Urbanisierung und Modernisierung ein nie dagewesenes Ausmaß erreicht hat, sind Verkehrsstaus zu einer modernen Bedrohung geworden. Dichter Verkehr wird gleichgesetzt mit Luftverschmutzung, enormen Sicherheitsrisiken und verminderter Erreichbarkeit. Man denkt an eine zu geringe Wettbewerbsfähigkeit, zu wenig nachhaltiges Wachstum und den Verlust des sozialen Zusammenhalts. Wenn wir entschlossen sind, unsere Städte attraktiv und nachhaltig zu machen, müssen wir uns diesen Herausforderungen stellen.

Es gibt viele mögliche Maßnahmen um dieses Problem anzugehen: entweder, indem wir schlichtweg weniger Autos benutzen, oder durch das Bereitstellen brauchbarer Alternativen. Keine dieser Lösungen ist derzeit mehr im Trend und besser vermarktbar als das gemeinsame Nutzen von Mobilitätsresourcen – zum Beispiel Carsharing. Und keine von ihnen ist umweltfreundlicher als Radfahren, was immer mehr Leute als bestgeeignete Möglichkeit entdecken, um kürzere Strecken zurückzulegen.

Wenn man diese beiden kombiniert, ergibt das eben: Bikesharing. Eine Innovation, die die besten Eigenschaften beider Lösungen kombiniert und dabei die Reichweite des öffentlichen Personennahverkehrs erweitert. Bikesharing bezeichnet ein Verleihsystem, bei dem jeder Räder an verschiedenen Punkten der Stadt ausleihen, fahren und abstellen kann – üblicherweise an automatisierten Stationen.

Die Vorteile des Bikesharing

Zu den Vorteilen des Bikesharing zählen Transportflexibilität, Reduktion der Fahrzeugemissionen, gesundheitliche Vorteile, weniger Staus und Treibstoffverbrauch und nicht zuletzt finanzielle Ersparnisse für den Einzelnen. Aber das Besondere an öffentlichen Fahrrädern ist die Idee, sie zu teilen. Durch das Teilen mit anderen über ein öffentlich erreichbares Programm können die Fahrräder von jedem benutzt werden, der sie braucht – ohne die Kosten und Verantwortung, die mit Eigentum verbunden sind. Dadurch ermöglichen es diese Programme, Leuten, die sonst womöglich keine Fahrräder nutzen würden, die Vorteile des Radfahren zu genießen – seien es nun Touristen oder Einheimische.

Bikeshare-Programme können auch als Türöffner für mehr Radverkehr dienen, indem sie ein starkes visuelles Statement setzen, dass Fahrräder sehr wohl zu den Straßen einer Stadt gehören. Gemäß meiner Recherchen nehmen Pendler Bikesharing als eine mächtige, straßengebundene “Fahrradwerbung” wahr.

Darüber hinaus berichten andere Studien, dass der Radverkehr in Städten, in denen Bikeshare-Systeme eingeführt wurden, zugenommen hat, und führen aus dass diese Ergebnisse den kombinierten Effekt von einer Verbesserung der Radfahr-Einrichtungen sowie der Einführung von Bikeshare-Systemen widerspiegeln. Einige gehen sogar noch weiter, indem sie andeuten, dass die Einführung von Bikeshare-Systemen dazu führen kann dass Radfahren in Kontexten, wo es nicht sonderlich verbreitet ist, als sicheres und alltägliches Verkehrsmittel angesehen wird.

Ursprünge

Bikesharing ist ein Konzept, das seinen Ursprung in den 1960ern hat. Allerdings war es nicht sonderlich verbreitet, bevor Techniken entwickelt wurden, die Echtzeitinformationen über das Programm bereitstellen, Räder orten und gegen Diebstahl sichern helfen konnten. Heutzutage boomt Bikesharing in einem nie dagewesenen Ausmaß, größtenteils dank der angemessen niedrigen Kosten der Programme und wie einfach, zumindest verglichen mit anderer Transportinfrastruktur, es ist, diese Programme zu implementieren. Und es ist ein einfacher Sieg für Regierungen und städtische Gesellschaften, die ihr grünes Image unterstreichen können, indem sie sich für so ein umweltfreundliches Design einsetzen.

Black and White Suspension Bridge (Image: Unsplash [CC0 Public Domain], via Pexels).jpeg

2004 gab es nur in elf Städten ein Bikeshare-System. Heute gibt es mehr als 1000 öffentliche Bikeshare-Systeme mit verschiedenen Größen und Eigenschaften in über 50 Ländern auf fünf Kontinenten. Das größte System Europas ist das Pariser Vélib’ mit 1800 Stationen und über 20.000 Fahrrädern. Hangzhou in China besitzt das größte System der Welt – drei mal größer als Vélib‘ – welches bis 2020 auf 175.000 Räder expandieren soll. Das vielleicht raffinierteste System ist Bycyklen in Kopenhagen. Hier gibt es eine Flotte elektrischer Fahrräder, die mit wetterfesten Tablets mit GPS ausgestattet sind.

Gemäß neuester Forschungen über das Styr & Ställ –System in Göteborg spürt die Bevölkerung der Stadt – einmal angemessene Werbung für Bikeshare vorausgesetzt – dass solche Systeme eine umweltfreundliche, billige und gesunde Transportalternative bieten. Insbesondere wurden sie als Ergänzung zu städtischen ÖPNV und als ein Beitrag zu einem menschenfreundlicheren Antlitz der Stadt wahrgenommen.

Wie es richtig geht

Aber Forschung und Erfahrung sagen uns, dass es zu Problemen mit Bikesharing kommen kann. So gibt es zum Beispiel einige Systeme, die lediglich 0,3 Fahrten pro Rad und pro Tag ermöglichen, obwohl die Nutzungsrate dieser Systeme weltweit üblicherweise zwischen drei und acht Fahrten pro Rad pro Tag schwankt. Neben mangelnder Auslastung kann sich die Ausweitung der Programme schwierig gestalten, oder es könnte Probleme mit schwerfälligen und komplizierteren Planungsprozessen geben. Sie können auch zu politischen Spannungen führen, wenn Kommunen nicht willens sind, Parkplätze für Fahrradstationen aufzugeben.

Doch strikte Radfahrregeln können auch ein Hindernis sein: in den beiden australischen Metropolen Melbourne und Brisbane wurde festgestellt, dass die Helmpflicht viele potentielle Radfahrer abschreckt. Sicherheitsbedenken und fehlende Fahrradinfrastruktur wurden auch als erfolgsverhindernde Faktoren ermittelt. Trotz dieser Schwierigkeiten sind Bikeshare-Programme insgesamt eine großartige Errungenschaft für uns alle. Etwas so gewöhnliches wie Radfahren in der Stadt in einer Weise neu zu erfinden, die Shared Economies einbezieht und von der Öffentlichkeit gut angenommen wird, ist eine günstige Investition in das aktive Bewerben nachhaltigen Verkehrs. Städte, die starke und zusammenhängende Pläne entwickeln, werden feststellen, dass wiedererkennbare Bikeshare-Programme ein mächtiger und positiver Teil ihres Images werden können. Unterdessen können Bürger jeglicher Couleur von leereren Straßen und saubererer Luft profitieren – ob sie nun Rad fahren oder nicht.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.

The Conversation


Image “City Bikes” by Picography.co (CC0 Public Domain)

Image “Black and White Suspension Bridge” by Unsplash (CC0 Public Domain)


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Hydro Coach: Stressfrei ans Wasser trinken erinnert werden

Wasser Trinken(Image by Mbragion(CC0)via Pixabay)

Der tägliche Wasserkonsum ist wichtiger Bestandteil einer gesunden und ausgeglichenen Lebensweise. Mit der Android—App Hydro Coach vergisst man nie mehr ausreichend zu Trinken. Klirrende Kälte draußen, Wollsocken an und eine heiße Schokolade. Und dazu ein großes Glas Wasser? Daran denkt wohl kaum jemand. Dabei ist Wasser das Zauberelixier – es verfeinert das Hautbild, steigert die Fitness, hilft gegen Stress, Müdigkeit und Kopfschmerzen. Es ist so einfach und doch gibt es viele, die immer wieder vergessen genügend zu Trinken. Damit genau das nicht mehr passiert, springt der Hydro Coach der Grazer Jungunternehmer Christoph Pferschy und Christian Rückert ein. Die kostenlose Android-App der Codium App Ideas OG erfreut sich immer mehr Beliebtheit. Was kann das digitale Helferlein?

Ein intelligentes Trinktagebuch

Durch den Hydro Coach lernt man nicht nur sich an genügend Wasserkonsum zu gewöhnen, sondern auch viel rund um das Thema Gesundheit und Fitness. Mit jeder Trinkerinnerung kommt eine kleine Info: “Wasser kann dir gegen Rückenschmerzen helfen! Deine Bandscheiben müssen für ihre Pufferfunktion und die Fähigkeit sich vollsaugen zu können von ausreichend Gewebeflüssigkeit umgeben sein.

Den Bandscheiben zuliebe trinkt sich damit das nächste Glas Wasser doppelt so gerne, dass dann dem Trink-Tagebuch in vorgegebener oder personalisierter Menge hinzugefügt wird. Wie viel Wasser am Tag getrunken werden soll, wird aus Alter, Gewicht, Geschlecht und dem persönlichen Lebensstil errechnet. Dann wird entschieden, ab und bis wann, wie oft und in welchen Rhythmus an das Trinken erinnert wird.

Trinken wird hier zur Wissenschaft gemacht. Wochen- und Monatsstatistiken geben einem einen grafischen Einblick in die eigene Trinkgewohnheit, die sogar mit dem Google-Konto synchronisiert werden können. Die Applikation passt gut in den neuen Trend der Fitness- und Good-Living-Angebote: Man wird nicht nur regelmäßig daran erinnert, dass das alltägliche Glas Wasser unabdinglich für sportliche Erfolge ist, sondern die Applikation bietet auch eine Unterstützung für Google Fit und S Health an. Wichtig für die Jungunternehmer war, dass jeder Nutzer seine Daten nur einmal eingeben muss. Je einfacher ein Service ist, desto nutzerfreundlicher ist er und kann besser in den Alltag integriert werden.

Drei Downloadmodelle

Die Application ist kostenfrei. Wer werbefrei an das Trinken erinnert werden möchte, zahlt 1,49 Euro drauf und für 3,49 Euro gibt es eine Pro-Version mit zusätzlichen Informationen wie einem unbegrenzten Tagebuch und erweiterten Statistiken.

Seit dem Frühjahr 2014 wird besonders in den Vereinigten Staaten, Deutschland und Brasilien fleißig an das Trinken erinnert. Und es kommen immer mehr Nutzer hinzu: Im Jahr 2016 verzeichnet der Service 5.600 neue Nutzer pro Tag, insgesamt sind es schon mehr als 650.000, die sich über Trinkerfolge und Tipps und Tricks rund um das Thema Gesundheit auf Instagram, Google +, Facebook und dem eigenem Blog austauschen können.

Im Selbsttest zeigt sich: Es lohnt sich einen Überblick über den Wasserhaushalt zu haben. Wer allgemein zu wenig trinkt, unter Kopfschmerzen leidet oder oft schlapp und müde ist, dem kann diese App eine echte Hilfe sein.


Teaser & Image „Wasser“ by Mbragion (CC0 Public Domain)


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Das große Startup-Fressen

Leyla on her BlackBerry (adapted) (Image by leyla.a [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Gesunde Ernährung und die einfache Zustellung von Lebensmitteln ist für viele Jungunternehmen in Österreich zum Betätigungsfeld geworden – mit wachsendem Erfolg. Banken, Medien, Transport, Medizin, Hotellerie, Handel – und jetzt unsere Lebensmittel. Für Startups hat sich Ernährung und Gesundheit in wohlhabenden Gesellschaften zu einem großen Trend entwickelt, in dem auch Investoren viel Geld liegen sehen. Treiber des Startup-Trends ist aber nicht nur der Wunsch nach einem gesünderen Leben, sondern auch die ganz normale Faulheit der Konsumenten. 

1. Delinski

Unter dem Motto “smart table booking” ist das Startup Delinski von Gründer Lukas Zielinski angetreten, um Nutzern eine Art Restplatzbörse für Restaurants anzubieten. Damit Lokale leere Tische leichter füllen können, lassen sie sich auf der Plattform listen. Nutzer können dort gegen eine Gebühr von fünf Euro einen Tisch (in derzeit 186 Restaurants in Wien und Graz) reservieren und bekommen dafür 30 Prozent Ermäßigung (ausgenommen sind Sonderangebote, Mittagsmenüs, Tabakwaren und in manchen Restaurants Weine, die mehr als 100 Euro kosten).

2. Feinkoch

Im 6. Wiener Bezirk gelegen, ist der Laden Feinkoch von Gründer Simon Jacko möglicherweise die Blaupause für den Single- bzw. Workaholic-Supermarkt der Zukunft. Denn hier kauft man nur genau das, was die Feinkoch-Rezepte vorgeben und keinen Gramm mehr. Die benötigten Mengen sind vorportioniert, und wer zu faul zum rausgehen ist, kann sich die Lebensmittel zu Ladenöffnungszeiten in Wien innerhalb von 60 Minuten per Fahrradboten zustellen lassen. Je nach Zutaten kostet ein Gericht pro Person zwischen 5 und 8 Euro, man kann natürlich auch Mengen für mehrere Personen kaufen bzw. bestellen.

3. Frische Fritzen

Das Startup aus dem niederösterreichischen Wieselburg hat nichts mit der bekannten Biermarke Wieselburger zu tun, sondern sich ursprünglich auf Biomüsli spezialisiert. Die Idee: Man beliefert die Kundschaft mit selbstkreierten Müsli-Joghurt-Variationen, die untertags für eine gesündere Ernährung vor allem im Job sorgen sollen. Mittlerweile hat das Dreier-Team allerdings eingestehen müssen, dass der Fokus ausschließlich auf Müsli wohl zu eng war. Seit dem 1. Oktober sind die Kunden an den auf vegetarische Speisen spezialisierten Liefer-Dienst Ritabringts.at aus Wien übergeben worden, der die beliebtesten Müsli-Variationen in sein Menü aufgenommen hat.

4. FoodNotify

Das Startup FoodNotify von Gründer Thomas Primus hat sich die seit Dezember 2014 in der EU verpflichtenden Allergenkennzeichnungen von Lebensmitteln zum Geschäft gemacht. Das Startup hilft Restaurants dabei, ihre Speisekarten einfach mit den Kennzeichnungen (z.B. für Gluten, Krebstiere, Erdnüsse, uvm.) zu versehen. Primus hat außerdem einen Deal mit dem Großhändler Metro an Land gezogen. Gastwirte, die bei Metro einkaufen, können sich automatisch eine Auflistung der Allergene, die in den gekauften Lebensmitteln enthalten sind, über eine App besorgen.

5. KochAbo

Die Marke KochAbo, die in Österreich dank der Werbung mit ORF-Moderator Andi Knoll durchaus Bekanntheit erreicht hat, soll nach der Übernahme durch den Berliner Zutaten-Lieferdienst Marley Spoon vorerst erhalten bleiben. 2012 gegründet, soll KochAbo 2014 pro Woche 70.000 Euro Umsatz gemacht haben und profitabel gewesen sein. Für KochAbo klappte die Expansion nach Deutschland nicht, jetzt ist es quasi das Vehikel für die Ausweitung des Geschäftsbereichs in die andere Richtung.

6. Porcella

Wer sich “Fleischraritäten aus biologischer Landwirtschaft” aus dem Waldviertel (z.B. Karree vom Turopolje-Schweinoder oder Rostbraten vom Waldviertler Blondvieh) frei Haus liefern lassen möchte, der bestellt bei Porcella von den Gründern Gregor Einetter und Miriam Strobach. Sie haben Kooperationen mit Biolandwirten und dem Biofleischermeister Roman Schober, um das Fleisch österreichweit an die Haustüren der Kunden zu liefern – denn die müssten ansonsten direkt zum Hof fahren, um Fleisch dieser Qualität zu kaufen.

7. Rita bringt’s

Der 2014 von Rita Huber gegründete Lieferdienst Ritabringts.at hat sich auf die Zustellung von vegetarischen Speisen in Wien (Achtung: noch nicht in allen Bezirken) spezialisiert. Die Jungfirma kocht täglich (ausschließlich Biozutaten, versteht sich von selbst) frisch und liefert die Mahlzeiten an Adressen in Wien aus. Jeden Tag gibt es eine andere Suppe und Hauptspeise sowie einen anderen Salat, außerdem gibt es wie unter Punkt 3 erwähnt, die Müslis von den Frischen Fritzen. Wer ein Menü ordert, muss etwa zehn Euro einrechnen, Liefergebühr gibt es keine (die Lieferung kommt zwischen zehn und zwölf Uhr).

8. Treats

“Casual Health Food” ist das Spezialgebiet des Wiener Startups Treats von den Gründerinnen Camilla Sievers und Ines Grangl. Sie wollen Kunden (und vor allem Firmenkunden) per Post gesunde Snacks und Kaltgetränke zusenden, ab liebsten im Abonnement. Zur Auswahl gibt es derzeit unterschiedliche Boxen wie “vegan”, “organic” oder “protein”, die jeweils etwa 14 Euro kosten und verschiedene Nuss- und Trockenfrüchte sowie Riegel beinhalten. Unternehmen, die ihre Mitarbeiter mit Treats-Produkten versorgen, verspricht man mehr Produktivität und weniger Krankentage.

9. Yipbee

Für Faule oder Leute, die keine Zeit haben, schickt das Startup Yipbee der Gründer Patrick Pammer und Umut Kivrak, Studenten in den Supermarkt. Innerhalb von zwei Stunden sollen sie es in Wien (Montag bis Sonntag) schaffen, die Waren, die man auf der Webseite angibt, nach Hause liefern zu können. Der Mindestbestellwert liegt bei 15 Euro, die Liefergebühr bei 5,99 Euro. Yibe hat das Waldviertler Familienunternehmen Kiennast vom Geschäftsmodell überzeugt und sich ein Investment abgeholt, außerdem haben das Linzer Software-Unternehmen Catalyst und Eberhard Dürrschmid, Geschäftsführer des Spiele-Entwicklers Greentube, investiert.

10. Zuper

Zuper ist der direkte Konkurrent von Yipbee und wurde von David Savasci, Thomas Taschauer und Thomas Wagner gegründet. Innerhalb von zwei Stunden soll man Waren von Hofer, Billa, Merkur und lokalen Bio-Supermärkten online bestellen und nach Hause geliefert bekommen. Die Liefergebühr hängt vom Gewicht ab (0 bis 15 Kilo kosten 4,90 Euro, 15 bis 25 Kilo kosten 7,90 Euro), der Mindestbestellwert liegt bei 25 Euro. Neben der Liefergebühr will man Umsatz auch über Rabattaktionen mit den Supermarktpartnern machen. Michael Ströck, ehemaliger CEO von KochAbo, konnte bereits als Investor gewonnen werden.


Image (adapted) “Leyla on her BlackBerry” by leyla.a (CC BY-SA 2.0)


 

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5 Lesetipps für den 1. Juli

In unseren Lesetipps geht es heute um Online-Therapien, Gleichberechtigung in der Startup-Szene, TTIP, Algorithmen und die GEMA. Ergänzungen erwünscht. // von Steve Martin

  • GESUNDHEIT heise online: Online-Therapien gegen Suchtkrankheiten: Können Alkoholabhängige auch von zu Hause am Computer “geheilt” werden? Laut der Juli-Ausgabe des Technology Review ja. Oft konsumieren Abhängige weniger Alkohol als nach einer herkömmlichen Entzugstherapie. Weitere Studien belegen, dass Online-Therapien recht wirksam sein können. Nicht selten auch im Fall einer leichten bis mittleren Depression. Dass auch Smartphones gut für die Psyche sein können, zeigen Joanna Rodriguez und Nadine Page.

  • STARTUP Gründerszene: Studie: Gleichberechtigung in Startup-Deutschland? Leider nein!: So richtig funktioniert die Gleichberechtigung hierzulande noch nicht – zumindest nicht in der Startup-Szene. Frauen haben noch nicht die gleichen Chancen aufzuziehen wie Männer. Es fehle ihnen an Vorbildern oder den richtigen Netzwerken. Zu diesem Fazit kommt eine von dem Computerkonzern Dell durchgeführte Studie, die die Herausforderungen und Chancen von weiblichen Entrepreneuren analysiert hat.

  • TTIP Carta: Wie Brüssel für TTIP wirbt: Brüssel wirbt mit einer breit angelegten Kampagne für TTIP um vielen Kritikern Einhalt zu bieten. Gerade in Deutschland sei es wichtig, über das neue Abkommen aufzuklären und viele Themen nachzuholen und aufzubereiten. Allerdings bleibt das Verhältnis zu kritischen Bürgerinitiativen angespannt. Im folgenden Video-Interview von Eric Bonse mit Lutz Güllner wird gezeigt, ob und welchen Wohlstandsgewinn der Freihandel bringt und warum die Bürgerinitiative “Stop TTIP” nicht zugelassen wurde.

  • ALGORITHMEN e-book-news: Erst Apple, jetzt Twitter: Handverlesene News ergänzt Algorithmen: Künstliche Intelligenz kann alles, möchte man manchmal meinen. Suchergebnisse sortieren, Personen erkennen, Musik empfehlen. Doch gerade wenn es um die effektive Vermarktung von komplexen Inhalten geht, scheint die helfende Hand von menschlichen “Kuratoren” im Zweifelsfall noch immer unverzichtbar zu sein. Das gilt nicht nur im (Offline-)Buchhandel, sondern offenbar auch bei Online-Musik, oder etwa im digitalen Nachrichten-Sektor.

  • GEMA DIE WELT: Musikrechte: Gema verliert den Prozess gegen YouTube: Der Musikrechteverwerter Gema unterlag in einem Schadenersatzprozess der Videoplattform YouTube. Die Gema hatte Geld für Musikvideos verlangt: 0,375 Cent hätte das Videoportal für jeden Abruf bestimmter Musikvideos zahlen müssen, was auf einer Grundlage von 1.000 Titeln rund 1,6 Millionen Euro gewesen wären. Im Oberlandesgericht München kann gegen das Urteil noch Berufung eingelegt werden. Vor mehreren Gerichten stritten die Gema und YouTube schon darüber, unter welchen Bedingungen die Videoplattform dem Rechteverwerter Geld für die Bereitstellung von Musikvideos zahlen muss.

CHIEF-EDITOR’S NOTE: Wenn Ihnen unsere Arbeit etwas wert ist, zeigen Sie es uns bitte auf Flattr oder indem Sie unsere Reichweite auf Twitter, Facebook, Google+, Soundcloud, Slideshare, YouTube und/oder Instagram erhöhen. Vielen Dank. – Tobias Schwarz

Nutze Netzpiloten 1-Klick: Mit nur einem Klick werden dir bequem alle 40 Sekunden die hier besprochenen Seiten „vorgeblättert“ START.

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Ihr Smartphone könnte gut für Ihre Psyche sein

Close up person using smartphone (Image by Japanexperterna.se [CC BY-SA 2.0] vie Flickr)

Mit Smartphones und der heutigen Technik ist es möglich, psychisch kranken Menschen in Form von Apps zu helfen oder von Zuhause aus Therapiesitzungen abzuhalten. Wenn es um die geistige Gesundheit geht, werden Smartphones und Social Media fast immer in Zusammenhang mit Gefahr gebracht. Viele Experten äußerten ihre Besorgnis, dass Technologie für die immer weiter ansteigenden psychischen Krankheiten verantwortlich sein könnte. Es gibt jedoch auch Hinweise darauf, dass Ihr Smartphone gut für die Psyche sein kann.

Das Gehirn ist ein empfindliches Organ, das auf Stimulation reagiert und diese nachahmt. Forscher haben die Nutzung von Smartphones und den Effekt auf die tägliche Plastizität des Hirns untersucht. Man fand heraus, dass schon die Fingerbewegungen, die nötig sind um das Smartphone zu benutzen, ausreichen, um die Hirnaktivität zu verändern. Dass die Technik derart in der Lage ist, unsere Hirne zu verändern, hat die Frage aufgeworfen, inwiefern die Tätigkeiten am Bildschirm mit dem erhöhten Auftreten von ADHS, Depressionen oder Schlaflosigkeit zusammenhängen könnten. Die Technologie wurde auch schon für Cybermobbing, Isolation, Kommunikationsschwierigkeiten und verringertes Selbstbewusstsein verantwortlich gemacht. Alle diese Tatsachen könnten psychischen Krankheiten auslösen.

Positives Potential

Den Fokus nur auf die negativen Erlebnisse mancher Menschen zu richten, wird dem Potential der Technik so jedoch nicht gerecht. Sie kann ein Werkzeug sein, um psychische Probleme zu behandeln und zugleich die Lebensqualität und das Wohlgefühl steigern. Es gibt beispielsweise Programme für Depressionen und Angststörungen, die dazu kreiert worden sind, die Laune zu verbessern, die Menschen anzutreiben und ihnen dabei zu helfen, ihre Schwierigkeiten zu überwinden. Diese Programme verwenden gesteuerte Selbsthilfeprinzipien auf Kognitionsbasis und haben sich als sehr effektiv herausgestellt.

Auch gelten Computerspiele als sehr wirkungsvolle Therapie für Erwachsene. Da sie Spaß machen und weitestgehend anonym benutzt werden können, stellen sie eine Alternative zu traditionellen Therapien dar. Beispielsweise hat man herausgefunden, dass das Fantasy Rollenspiel SPARX ebenso effektiv wirkte wie eine direkte Gesprächstherapie in klinischer Behandlung.

Der Forscher David Haniff hat Apps zur Verbesserung des Gemütszustands von Menschen die unter Depressionen leiden erfunden, indem er ihnen erfreuliche Bilder, Video- und Audiodateien, beispielsweise von ihren Familien, zeigte. Er entwickelte zudem ein Computerspiel, das einer betroffenen Person dabei helfen konnte, ihre Depression zu behandeln. Gleichzeitig hat man herausgefunden, dass Smartphone-Apps, die unterschwellig entspannende Musik abspielen, um den Hörer vom Lärm und den Sorgen des alltäglichen Lebens abzulenken, dabei helfen können, Stress und Angstzustände zu vermindern.

Außerdem kann die Technik durch E-Mails, Onlinechats oder Videotelefonate eine bessere Verbindung zu Psychologen bieten. Dies ermöglicht es allen Parteien, auch weit entfernt voneinander zusammen zu arbeiten, was besonders den Patienten zugutekommt, denen es nicht möglich ist, regelmäßig einen Psychologen aufzusuchen. Solch ein Erlebnis kann stärken und Antrieb geben. Man ermutigt den Einzelnen, die Verantwortung für die eigene geistige Gesundheit zu übernehmen.

Diese Art der „Telemedizin“ hat sich bereits im Kinder- und Jugendgesundheitswesen etabliert. Hier findet es in Form von Onlinechats während Familientherapien statt, eine Form, bei der jede Partei in der Sitzung gleichermaßen zu Wort kommen kann. Aus unserer eigenen praktischen Erfahrung heraus können wir versichern, dass es jungen Menschen, die Probleme haben, sich vis-à-vis zu verständigen, leichter fällt, ihrem Therapeuten zu schreiben, um sich auszudrücken, da so der Zwang, jemandem gegenüberzusitzen und Augenkontakt zu halten, nicht besteht.

Umstände wie soziale Ängste halten Menschen oftmals davon ab, sich Hilfe zu suchen. Hier kann die Telemedizin helfen, die Krankheit von zuhause aus zu bekämpfen und die Patienten an ihre Termine zu erinnern, dementsprechend wird die Anwesenheit erhöht und die Aussteigerquote verringert.

Neue Wege zur Behandlung

Das Internet kann eine Möglichkeit sein, sich Hilfe zu suchen, insbesondere für diejenigen, die das Gefühl haben, dass Stigma zu einer psychischen Krankheit dazugehört. Mehr Zugang zu Informationen wie Videos über Mitmenschen mit psychischen Problemen, beispielsweise auch von Prominenten, kann dabei helfen, die Umstände zu normalisieren, über die sonst kaum gesprochen wird.

Die Menschen benutzen Technik, um sich zu informieren und einen leichten Zugang zu dem Thema psychische Krankheiten zu erlangen. Dies kann in Form von Services wie Chats, Blogs und zusätzlichen Informationen über die Umstände einer psychischen Krankheit, schon reichen. Auf diese Weise kann auch eine lange Wartezeit auf professionelle Hilfe überbrückt werden, indem Hilfe früher angeboten und so die Effektivität der Behandlung verbessert wird.

Generell gesprochen kann auch der Internetzugang an sich und die Nutzung von moderner Technik wie Smartphones eine Rettungsleine zur Außenwelt darstellen. Sie bringt Menschen auf völlig neuartige Weise zusammen und eröffnet neue Kommunikationswege. Wenn sich die sozialen Netzwerke verbessern, könnte es möglich sein, dass die Menschen seltener dazu gezwungen sind, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, da sie das, was sie belastet, nach außen tragen und verteilen können.

Untersuchungen über die potentiellen Gefahren der Technik und ihre Wirkungen auf das Hirn sind ebenso wichtig für unser Verständnis der modernen psychischen Krankheiten. Die Technik ermöglicht jedoch auch neue Möglichkeiten für innovative Ideen, um für mehr Engagement und Wohlbefinden für diejenigen zu sorgen, die mit psychischen Belastungen zu kämpfen haben. Lasst uns diese Chance ergreifen.

Dieser Artikel erschien zuerst bei TheConversation. Übersetzung von Anne Jerratsch.


Image (adapted) „Close up person using smartphone“ by Japanexperterna.se (CC BY-SA 2.0)

 

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Was wir heute von Karl Popper lernen können

Viele vermeintlich unumstößliche Wahrheiten basieren bloß auf persönlichen Befindlichkeiten. Ein Plädoyer für mehr Skepsis. „Was für ein Quatsch ist das denn wieder„, so konterte vor einigen Monaten der Internet-Unternehmer Ibo Evsan auf Facebook einen „Focus“-Artikel, der behauptet, dass Fleischesser seltener krank seien als Vegetarier. „Focus/Burda, meine Güte. Seit ich weniger Fleisch esse, bin ich fast gar nicht mehr KRANK. Das kann sogar meine Facebook-Timeline bestätigen. Seit ich keine Milch mehr trinke, bekomme ich kaum noch Ausschlag„, so die Behauptung von Evsan. Hat er damit nun den unumstößlichen Gegenbeweis erbracht? Unterscheidet Evsan zwischen Ursache und Wirkung? Natürlich nicht.

Anmaßende Lebensrezepte

Helmut Schmidt könnte mit der These antreten, dass sein kettenrauchender Konsum von Menthol-Zigaretten dazu beigetragen hat, seinen 96. Geburtstag in relativ guter Verfassung zu feiern. Körperlich hat er einige Beschwerden, aber geistig ist Schmidt noch in bester Verfassung und kann mit unterschiedlichen Geistesgrößen kenntnisreich über die weltpolitischen Entwicklungen diskutieren. Auch ich rauche bekanntlich Menthol-Zigaretten, esse seit Jahrzehnten zum Frühstück Brötchen mit Himbeermarmelade (Achtung, enthält Blausäure), verspeise mit Wonne Berliner Currywurst, Grießbrei, Milchreis und saftige Steaks.

Ich erfreue mich einer fabelhaften Gesundheit, leide seit meiner Pubertät nicht mehr unter Ausschlag und kann auch in meinem 54. Lebensjahr im Volleyball-Verein gut mithalten, obwohl ich der Älteste in der Mixed-Mannschaft bin.

Liegt es jetzt an den Menthol-Zigaretten, an Himbeermarmelade, Currywurst oder Grießbrei? Keine Ahnung. Hab ich klinisch nie testen lassen. Ist mir auch völlig egal. Es liegt wohl daran, dass ich seit meiner Kindheit in verschiedensten Disziplinen sportlich unterwegs bin. Als Leistungssportler im Fußball, als Leichtathlet, Volleyballspieler, Bergwanderer und Skifahrer. Ich habe die Alpen überquert, scheute keinen 3000er Berggipfel, bin regelmäßig bei Wind und Wetter mit dem Fahrrad unterwegs. Wahrscheinlich liegt hier eher die Ursache meiner derzeitigen körperlichen Konstitution. Ist meine Lebensart jetzt für andere kopierbar? Nee. Niemals. Ich könnte mich nicht auf irgendein Podium stellen und behaupten, mein Konzept sei ein Orientierungsmaßstab für andere Menschen – das wäre anmaßend.

Auf der Suche nach Bestätigungen der eigenen Vorurteile

Bei öffentlichen Bekenntnissen, die uns von liebwertesten Schlaumeier-Gichtlingen als unumstößliche Wahrheiten entgegengeschleudert werden, verwechselt man persönliche Befindlichkeiten mit Beweisen. Als Orientierungsmaßstab eignet sich der Wissenschaftstheoretiker Karl Popper und die Theorie des Kritischen Rationalismus: Den Geistesblitz für seine Erkenntnisse bekam Popper in der Wiener Beratungsstelle für Kinder und Jugendliche des Individualpsychologen Alfred Adler. Dass alles menschliche Handeln durch einen tiefverwurzelten Minderwertigkeitskomplex beherrscht sein soll, konnte Popper in seiner Tätigkeit für Adler nicht überzeugen. Er berichtete Adler im Jahre 1919 über einen Fall in der Beratungsstelle, der nicht in das Schema „Inferioritätskomplex“ passte. Adler aber hatte nicht die geringste Schwierigkeit, ihn im Sinne seiner Theorie als einen Fall von Minderwertigkeitsgefühlen zu diagnostizieren, obwohl er das Kind nicht einmal gesehen hatte.

Ich war darüber etwas schockiert und fragte ihn, was ihn zu dieser Analyse berechtigte. Meine vieltausendfältige Erfahrung, war seine Antwort; worauf ich mich nicht enthalten konnte zu erwidern: ‚Und mit diesem Fall ist Ihre Erfahrung jetzt eine vieltausend-und-einfältige‘„, so Popper.

In den folgenden Jahren arbeitete er am Beginn seiner wissenschaftlichen Karriere an einem Kriterium, das zwischen Wissenschaft und Scheinwissenschaft unterscheidet. Adler, Freud und Co. ging es ausschließlich darum, nach Bestätigungen ihrer Theorien zu suchen – also eine induktive oder positivistische Vorgehensweise, die damals Standard war. Man schließt vom Einzelnen auf das Allgemeine. Schon Ende des Jahres 1919 kam Popper zu dem Schluss, „dass die wissenschaftliche Haltung die kritische war; eine Haltung, die nicht auf Verifikationen ausging; sondern kritische Überprüfungen suchte: Überprüfungen, die die Theorie widerlegen könnten.

Suspekt waren Popper trügerische Sicherheiten, die nicht kritisch infrage gestellt wurden. Vermeintliche Wahrheiten wurden und werden von gläubigen Anhängern ohne Überprüfung der Fehlerhaftigkeit verteidigt. Wer nicht an sie glaubt, gilt als verstockt, unaufgeklärt oder als Teil einer feindlich gesinnten Verschwörung. Skepsis und Zweifel werden ausgeblendet. Eine kritische Urteilsfähigkeit kann so nicht entstehen. Selbst eine noch so oft wiederholte Beobachtung der regelmäßigen Verbindungen von Dingen oder Ereignissen rechtfertigt es nicht, daraus eine logisch zwingende Schlussfolgerung auf eine Gesetzmäßigkeit zu ziehen. Jeder sollte daher immer kritische Widerlegungsversuche von Hypothesen und Theorien anstellen, statt nur nach Bestätigungen des eigenen Gedankengebäudes zu suchen.

Alles menschliche Wissen ist ein Raten

Was Popper in seiner Wissenschaftstheorie formulierte, war übrigens schon den vorsokratischen Philosophen wie Parmenides und Xenophanes vor rund 2.500 Jahren klar. Alles menschliche Wissen sei ein Raten, durchwebt von Vermutung. Deshalb habe ich als Motto für meinen ichsagmal.com-Blog ein Zitat des spanischen Schriftstellers Fernando Savater gewählt: „Das Leben ist zu kurz, um sich nicht zum Eklektizismus zu bekennen, zur Freiheit des Auswählens und Verwerfens.

Gelingt mir nicht immer. Aber ich versuche es wenigstens. Currywurst, Grießbrei, saftige Steaks und Himbeermarmelade mit Spuren von Blausäure werde ich auch in Zukunft essen, weil es mir schmeckt. Auch das gehört zur Freiheit des Auswählens und Verwerfens.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf The European.


 


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#mehrwissen: Die Wissenschaft des Heavy Metal (Teil I)

The Absence (Metal Blade) (adapted) (Image by RTD Photography [CC BY SA 2,0], via flickr)

s Jahr 2014 hat begonnen und die besinnlichen Tage sind vorbei. Vielleicht hat der ein oder andere noch die Weihnachtslieder im Ohr, die er im trauten Kreis der Familie sang. Falls dieser ein oder andere einen Heavy Metal-Sänger zu seinen Verwandten zählt, hat er womöglich beim Singen seiner Gesundheit einen Gefallen getan, ohne es zu merken. Denn Heavy Metal senkt den Blutdruck, wie kürzlich durch eine Studie bekannt wurde. Doch das ist nicht die einzige wissenschaftliche Erkenntnis zu dieser Musikrichtung. Forscher unterschiedlichster Disziplinen befassen sich mit Heavy Metal, wie ich in dieser und der nächsten Ausgabe von #mehrwissen zeigen werde.

Vor wenigen Jahren noch war Hans-Joachim Trappe, Direktor der kardiologischen Klinik am Marienhospital Herne der Universität Bochum überzeugt, dass Heavy Metal, wenn überhaupt, einen negativen Einfluss auf die Gesundheit habe und aggressiv machen könne. Selbst Pflanzen litten unter der schwermetallenen Musik und gingen gar ein.

Auf einer Pressekonferenz anlässlich des 37. wissenschaftlichen Kongresses der Deutschen Hochdruckliga e.V. im Dezember stellte der Mediziner und ambitionierte Organist Hans-Joachim Trappe nun fest, dass insbesondere klassische Musik den Blutdruck und die Herzfrequenz senke. Doch auch Heavy Metal wirke sich günstiger aus als eine reine Ruhephase. Für die Studie verwendeten die Forscher um Trappe Musik der Band Disturbed.

 

Musik von Abba hingegen zeigte in der Studie mit 120 gesunden Teilnehmern beiderlei Geschlechts und verschiedenen Alters keinen Effekt. Trappe vermutet, dass die synthetische Erzeugung einer der Gründe dafür sein könnte. Er will künftig Musik vermehrt therapeutisch bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen einsetzen.

Um ordentliche Metalmusik zu machen, bedarf es – entgegen vieler Vorurteile – einem musikalischen Feingefühl, technischer Finesse und ausreichend Übung. Insbesondere der typische Gesang des Genres stellt sich als Herausforderung für den Sänger dar. Ob Growling (Knurren, Brummen), Grunting (Grunzen), Shouting oder Screaming: All diese Techniken werden dem gutturalen Gesang zugeordnet, also dem Kehlgesang, wobei Abstufungen zwischen der „Kehligkeit“ vom sehr kehligen Growling zum kaum kehligen Screaming bestehen. Bekannter Vertreter des Kehlgesangs ist übrigens das alpenländische Jodeln.

Wie das Knurren und Grunzen entsteht, haben Forscher aus Aachen, dem niederländischen Heerlen, Detmold und Limerick an sieben Death Metal-Sängern untersucht. Sie nutzten Fragebögen, aber auch elektroglottographische Messungen, mit denen sich das Verhalten des Kehlkopfs analysieren lässt. Außerdem schauten sie mit einem in den Hals eingeführten Laryngoskop direkt zu, wie die Metalsänger Laute erzeugten und werteten in einem Phonetogramm das Verhalten der Stimmen in Bezug auf Frequenz und Lautstärke aus.

Die Forscher fanden heraus, dass ihre Probanden zwei verschiedene Methoden zum growlen verwendeten: Einige benutzten die Taschenbänder des Kehlkopfs. Diese dienen in erster Linie dazu, die Luft anzuhalten oder sich zu räuspern und werden auch als falsche Stimmbänder bezeichnet. Andere setzten die aryepiglottische Falte, eine Schleimhautfalte im Rachen ein. Gleichzeitig schwangen beim Growling auch immer die Stimmbänder und zwar in einem festen ganzzahligen Verhältnis zu den Taschenbändern oder der aryepiglottischen Falte von 2:1, 3:1 oder 4:1.

Wer lernen will richtig zu grunzen oder zu knurren, der sollte sich professioneller Hilfe bedienen. Zwar konnten die Forscher der Death Metal-Studie keine Schäden bei ihren Probanden feststellen. Die äußerten jedoch, dass nach zweistündigem Growlen, Grunten, Shouten oder Screamen Abnutzungserscheinungen der Stimme aufträten.

Diese regenerierten sich zwar über Nacht. Um sich die Gesangsstimme nicht durch eine falsche Technik zu versauen, kann man aber zum Beispiel die Dienste von Thomas Fischer in Anspruch nehmen. Der Ex-Metal-Sänger und Biologe ist vermutlich der einzige Shout Coach in Deutschland.

Falls der ein oder andere also einen Heavy Metal-Sänger zu seinen Verwandten zählt und sich letztes Mal mit einem Weihnachtsgeschenk schwer tat: Ein Gutschein für eine Dreiviertel Stunde Grunzunterricht kostet etwa 45 Euro.


Image (adapted) “The Absence (metal blade)“ by RTD Photography (CC BY-SA 2.0)


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Brauchen wir einen Rechtsanspruch auf IT?

Junge Leute erkennen die Vorteile von Technologie in gesellschaftlichen Lebensbereichen und fordern ein Recht darauf ein, damit auch Alte und einkommensschwache Bürger am digitalen Wandel teilhaben können.

Am 10. Dezember 1948 haben sich die Vereinten Nationen zusammengeschlossen und die Erklärung der Menschenrechte verabschiedet. Darin enthalten sind Punkte wie die Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit oder auch die Gleichberechtigung. Seitdem wurde die Menschenrechtscharta ständig erneuert. Es kamen beispielsweise hinzu: der Pakt über Bürgerliche und Politische Rechte sowie der Pakt über Wirtschaftliche, Soziale und Kulturelle Rechte. Weiterlesen »

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Handys wirken aufs Gehirn

In der Nähe der Antenne eines Mobiltelefons kann man nach einem einstündigen Gespräch ein Zunahme der physiologischen Tätigkeit um 7 Prozent nachweisen, haben die amerikanischen Wissenschaftler um Dr. Nora Volkow jetzt in einer Studie publiziert. Wie immer bei den bildgebenden Verfahren in den Neurowissenschaften kann man außer einem erhöhten Stoffwechsel eigentlich nichts darüber hinaus sagen. Auch Dr. Volkow hält sich gegenüber HealthDay zurück mit positiven oder negativen Deutungen dieser Befunde.

In der Studie wurden 47 Probanden ein Jahr untersucht auf die Auswirkungen der Handynutzung. Mit einem Positronenemissionsgerät und einem Kontrastmittel wurde der Glukosehaushalt an den Stellen der Handy-Exposition an den Ohren gemessen. Man könnte sich dazu versteigen und sagen, dass dieser erhöhte Zuckerstoffwechsel positiv für eventuelles Tumorwachstum sei. Allerdings schießt man damit höchstwahrscheinlich über das Ziel hinaus, denn das Gehirn verstoffwechselt eben nur Glukose. Und dass Tumoren auch Zucker brauchen, sagt in diesem Kontext noch gar nichts. Zucker schadet aber auch nicht bei mutierten Zellen.

Insofern bleibt alles beim Alten. Headsets sind immer anzuraten, damit das Gerät vom Kopf wegkommt beim telefonieren. Wenn man sich nicht sicher ist, dann ist ein Blick auf die SAR-Werte der Handys sicher hilfreich. Wie viele bereits wissen, führen hier noch immer die neuen Geräte von Samsung mit niedrigen bis mittleren Werten (zwischen 0,4 und 0,7). Anders sieht es bei Apples iPhone, Sony, RIM und diversen HTC-Modellen aus – mit teilweise weit über 1,0 W/kg. Mehr dazu auf handywerte.de

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