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Die dunkle Vergangenheit von Social Media

Dunkelheit (adapted) (Image by KristopherK [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Im April des Jahres 2016 gab Facebook Gründer Mark Zuckerberg bekannt, dass die Social Media-Plattform seinen nahezu zwei Milliarden Benutzern die Möglichkeit des Livestreams von Inhalten zur Verfügung stellt. Dieser Schritt wurde als die natürliche Erweiterung der grundlegenden Ziele der Plattform betrachtet: Das Anbieten einer Plattform, auf der durchschnittliche Menschen ihre tagtäglichen Erfahrungen mit anderen teilen können – von Alltagserfahrungen bis hin zu bedeutsamen, einschlägigen Ereignissen.

Beinahe genauso schnell fanden die Benutzer der Plattform einen Weg, auch die schlimmsten Vorfälle live im Netz zu verbreiten, darunter das sogenannte Easter Day Slaughter, bei dem die fatale Schießerei auf einen 74-jährigen Rentner live übertragen wurde.

Als Resonanz forderten immer mehr Menschen Facebook dazu auf, das Anbieten des Livestreams zu beenden, oder wenigstens eine Möglichkeit zur besseren Überprüfung der Inhalte zu finden. Der Pastor Jesse Jackson merkte beispielsweise an, dass Facebook Live von den Menschen als Plattform genutzt wird, um ihre Wut, ihre Ängste und ihre Dummheit zu äußern.

Viele haben wegen dieser Verhaltensweisen Facebook eine Schattenseite zugeschrieben und fordern, dass das Unternehmen nach einer Lösung zur Prävention derartigen gesellschaftsfeindlichen Verhaltens sucht. Doch schon ein flüchtiger Blick auf die Geschichte der Sozialen Medien zeigt, dass die Verhaltensweisen, die aus den Schattenseiten resultieren, weder einmalig in der Geschichte von Facebook sind, noch als etwas Neues von den heutigen Benutzern betrachtet werden.

Eine dunkle Geschichte

Die Dichterin und Technologieautorin Judy Malloy beschrieb die ältesten Vorgänger der Social Media Netzwerke als Orte der Kreativität und Gemeinschaft. Programme wie beispielsweise die Berkeley’s Community Memory boten den Benutzern der 1970er einen digitalen Ort, um Inhalte zu posten und Geschichten, die von der Community gelesen wurden, zu teilen. Beliebte Inhalte waren dabei unter anderem persönliche Anzeigen und Kurzgeschichten.

Doch selbst diese friedvollen Tage hatten ihre dunklen Momente. Im Jahr 1985 schrieb die Autorin Van Gelder über ihre Erfahrungen mit dem CompurServe CB‘-Simulator einer der ersten online Chatrooms weltweit. Inmitten der beliebten Programme im CB-Simulator waren diese der Romantik und den Beziehungen gewidmet. Diese stoßen auf das besondere Interesse von LGBTQ-Menschen, denen es im Allgemeinen schwer fiel, über ihre geschlechtliche Identität und sexuellen Präferenzen im öffentlichen Raum zu sprechen. Während viele Nutzer auf der Suche nach der Liebe im Internet fündig wurden – 1991 wurde eine Hochzeit im CB-Simulator veranstaltet, bis heute gilt diese als die erste Online-Hochzeit – wurde Van Gelder getäuscht. Sie hatte eine intime, romantische Onlinebeziehung zu einem Mann, der sich als behinderte Frau ausgab.

Geschichten von sexueller Aggression bekamen im Jahr 1998 einen noch negativeren Touch, als der Technikjournalist Julian Dibbell von einer sexuellen Nötigung, die auf einer textbasierten Onlineplattform namens LambdaMoo stattfand, berichtete. Die Vorstellung einer sexuellen Nötigung im Internet mag abwegig erscheinen, wenn man bedenkt, dass die Benutzer keinen körperlichen Kontakt zueinander haben. Und doch war es einem Nutzer namens ‚Mr. Bungle‘ möglich, das Programm zu hacken und infolgedessen die komplette Kontrolle über die Handlungen der anderen Nutzer zu übernehmen, wie deren Gespräche und Beschreibungen ihrer Handlungsschritte.

Laut Dibbells Bericht benutzte ‚Mr. Bungle‘ diesen Hack, um die Nutzer zu veranlassen, obszöne Handlungen vorzunehmen und gewalttätige sexuelle Aktionen an ihren eigenen Körpern auszuführen. Die Benutzer der Plattform beschrieben auf welche Art und Weise sie sich und andere – ohne Erlaubnis – berührten. Mr. Bungle behauptete im Nachhinein, seine Aktionen seien lediglich ein Streich gewesen, trotz dem Beharren seiner Opfer darauf, dass sie durch seine Aktionen gedemütigt worden sind (oder zumindest durch die Aktionen die seine Opfer dazu gezwungen haben, sich vorzuführen). Die Geschichte ist denkwürdig angesichts der Tatsache, dass Beziehungen über das Internet genauso intim und wichtig sein können wie die Beziehungen außerhalb des Internets.

Springt man ins Jahr 2006, gerät man schnell an die Geschichte von Evan Guttmann und dem gestohlenen ‚Motorola Sidekick‘-Handy seines Freundes, das die Internetnutzer von damals faszinierte. Zunächst fing alles als schlichter Blogeintrag über einen Jugendlichen an, der es ablehnte, das Handy an seinen rechtmäßigen Besitzer zurückzugeben. Zum Schluss mündete es in einen wachsenden Internetmob, bei dem die Leser von Evans Blog die Adresse des Jugendlichen aufspürten und dessen Familie schikanierten.

Später im gleichen Jahr erfuhren die Nutzer der Plattform MySpace von der tragischen Geschichte der Megan Meier, einem Teenagermädchen aus Missouri, das sich das Leben nahm, nachdem sie von einem Jungen, den sie online kennengelernt hatte (es handelte sich um einen MySpace-Nutzer namens „Josh“), auf der Plattform gemobbt wurde. Erst nachdem Ermittlungen erfolgten, fand Megans Familie heraus, dass es sich bei „Josh“ tatsächlich um die Mutter eines Mädchens handelte, mit der Megan zuvor in einen Streit geraten war. Dieser Vorfall führte zum ersten Gesetzesentwurf in Bezug zum Onlinemobbing in den USA.

Soziale Medien verstehen

Diese Geschichten sind Beispiele dafür, was passieren kann, wenn einzelne Nutzer die Möglichkeiten zur Benutzung von moderner Technik entdecken: Man nutzt die Anonymität von CompuServe für Betrug, modifizierte mit cleveren Programmierungsskripten das Verhalten der anderen Nutzer, es wurden Blogs instrumentalisiert, um maximale Aufmerksamkeit auf ein geringes Vergehen zu lenken. Auch nutzt man Soziale Medien, um eine falsche Identität aufzubauen. In allen Fällen hatten die betrügerischen Aktionen dramatische Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen in deren realen Leben.

Das Wichtigste ist, dass diese Geschichten als Beispiele dienen, wie besonders Facebook und auch andere soziale Medien im Allgemeinen aufzufassen und zu verstehen sind. Es ist wichtig, dass die Nutzer die Gleichwertigkeit der Moral sowohl in Bezug auf Facebook-Kommunikation als auch in Bezug auf zwischenmenschliche Kommunikation erkennen. Statt soziale Medien generell als sinnlos und ablenkend abzutun und diese Perspektive an unsere Kinder abzugeben, sollten sie eingestehen, dass die zwischenmenschliche Kommunikation online genauso bedeutsam ist wie offline.

Berichterstatter haben die Livestreaming-Option von Facebook als „wesentlich grenzenloses Verbreitungssystem“ verflucht. Derartige Kritiken ignorieren jedoch die Vorteile dieser „grenzenlosen“ Verbreitung, wie das Vernetzen von Familien und die Möglichkeit, dass auch Stimmen von Verfolgten gehört werden können. Selbst Filmmaterial mit Gewalttaten kann zur richtigen Zeit von Vorteil sein: Die Facebook Live-Übertragung von der Schießerei in Minnesota im Juli 2016 diente als einflussreiche Mahnung, um auf soziale Ungerechtigkeit und Polizeiarbeit in den Vereinigten Staaten aufmerksam zu machen.

Anti-Terror-Streitkräfte setzen auf soziale Medien, um terroristische Aktivitäten zurückzuverfolgen und besser nachvollziehen zu können. Um den Missbrauch von Livestreaming zu bekämpfen, hat Facebook kürzlich bekanntgegeben, 3.000 zusätzliche Monitore für die Kontrollierung der Livevideos einzusetzen. Jedoch liegt meiner Meinung nach die Verantwortung für den Inhalt in den sozialen Medien letztlich bei den Nutzern, die die Inhalte tagtäglich erstellen und sich auf der Plattform bewegen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Dunkelheit“ by KristopherK (CC0 Public Domain)


The Conversation

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Warum Emojis der nächste Passwort-Trend werden könnten

Emoji (adapted) (Image by TeroVesalainen [CC0 Public Domain] via pixabay

Würdest du dein Smartphone lieber mit einer simplen und klassischen 4-stelligen PIN oder mit einem Emoji entsperren? Wäre es einfacher und komfortabler, „🐱💦🎆🎌“ im Kopf zu behalten als beispielsweise „2476“?

Smartphone-Nutzer benutzen Emojis normalerweise, um Stimmungen, Gefühle und Gesprächsnuancen in E-Mails und Textnachrichten auszudrücken. Teilweise werden sogar ganze Nachrichten nur mit Emojis verschickt. 2015 hat eine britische Firma versucht, Emoji-Passwörter anstelle von PINs an Bankautomaten einzusetzen. Allerdings gibt es bis jetzt noch keine offizielle Studie darüber, wie einfach diese zu benutzen waren oder wie sicher die Emoji-Passwörter im Vergleich zu anderen Methoden wie PINS sind.

Um mehr darüber durch ein Experiment und in der echten Welt herauszufinden, hat ein Team von Wissenschaftern der Technischen Universität Berlin, der Universität Ulm und der University of Michigan unter der Leitung der Doktorandin Lydia Kraus von der TU Berlin den Dienst EmojiAuth entwickelt. EmojiAuth ist ein Emoji-basiertes Login-System für Android-Smartphones.

Wie gut würden Nutzer sich an ihre emojigesteuerten Passwörter erinnern können? Wären diese möglicherweise auch sicherer? Und könnten sie ebenfalls unterhaltsamer sein und das Entsperren des Smartphones für den Nutzer spaßiger gestalten?

Emoji-Passwörter kreieren

Die meisten Smartphone-Nutzer haben ihren Bildschirm gesperrt und müssen diesen dementsprechend mehrmals täglich entsperren. Viele Menschen nutzen numerische PINs, aber die Forschung hat gezeigt, das Bilder einfacher zu merken sind als Zahlen oder Buchstaben. PINs können aus einer geringeren Anzahl von Symbolen zusammengesetzt werden oder aus einer Kombination aus den Zahlen 0 bis 9. Passwörter hingegen können aus einer deutlich größeren Anzahl Ziffern bestehen, sind allerdings schwierig auf Smartphones zu tippen. Emojis dagegen erlauben es uns, von über 2.500 möglichen Emojis zu wählen, wodurch die Emoji-Passwörter viel resistenter gegen Hacking oder Spionage sind.

Im ersten Experiment gaben wir 53 Teilnehmern ein Android-Smartphone und teilten sie in zwei Gruppen ein. Die erste Gruppe von 27 Personen suchte sich ein Passwort aus, welches aus zwölf beliebigen Emojis bestand. Die zwölf beliebigen Emojis konnten aus einer Emoji-Tastatur ausgewählt werden, die aus allen möglichen Emojis individuell für jeden Nutzer generiert wurde. (Sobald die Tastatur eingestellt wurde, blieb es gleich). Die verbleibenden 26 Personen suchten sich eine numerische PIN aus.

In den meisten Fällen haben die Teilnehmer ihr Emoji-Passwort nach einer der drei folgenden Methoden ausgewählt:

  1. nach einem Muster des Emoji-Keyboards (beispielsweise von oben nach unten oder die Emojis, die sich in den Ecken befinden),
  2. nach persönlichen Vorlieben für bestimmte Emojis oder
  3. es wurden mit den Emoji-Mustern Geschichten kreiert.

Ein Teilnehmer hatte beispielsweise ein Lied im Kopf und suchte Emojis aus, die dem Text des Liedes entsprachen. Nachdem die Teilnehmer einige Male das neue Passwort eingegeben hatten, wurden sie eine Woche später gebeten, die Passworte für den Test in das Smartphone einzugeben.

Die Resultate ergaben, dass sowohl PINs als auch Emoji-Passworte leicht zu merken sind. Alles in Allem haben die PIN-Nutzer ihr Passwort im Schnitt ein paar Mal häufiger behalten. Das könnte allerdings auch daran liegen, dass Menschen in der Regel daran gewöhnt sind, PINs zu nutzen und sich diese zu merken. Die Teilnehmer mit den Emoji-Passworten berichteten allerdings von größerem Spaß bei der Eingabe ihrer Codes.

Emoji-Passworte im Alltag

Als nächstes wollten wir herausfinden, wie gut Emoji-Passworte dem Test im Alltag standhalten. Auf den Android-Smartphones von 41 Teilnehmern wurde ein spezieller Login-Screen für deren Email-App für etwa zwei Wochen installiert. Die eine Hälfte nutzte Emoji-Passworte, die andere Hälfte nutzte PINs.

Wie wir in dieser Studie herausfanden, haben die Nutzer, die Emoji-Passworte verwendeten, Emojis gewählt, die einem Muster auf der Tastatur entsprachen, nach persönlichen Vorlieben ausgesucht wurden oder eine Geschichten erzählten. Beide Teilnehmergruppen, sowohl die Gruppe mit den PINs als auch die mit den Emojis, berichteten, dass ihr Passwort leicht zu merken und zu nutzen war. Die Emoji-Testgruppe gab jedoch an, dass die Eingabe ihrer Passworte mehr Spaß machte als nur Zahlen einzugeben.

Zusätzliche Sicherheit

Am Ende der Studie haben wir die Sicherheit der Emoji-Passwörter getestet. Hierfür haben wir die Teilnehmer gebeten, den Leitern der Studie über die Schulter zu schauen, während diese ihr Passwort eingaben. Dabei fanden wir heraus, dass die Emoji-Passworte , die auf sechs zufällig gewählten Emojis basieren, bei dem „über-die-Schulter-schauen“ am schwierigsten zu „klauen“ beziehungsweise zu merken waren.

Andere Arten von Passwörtern, wie zum Beispiel vier oder sechs Emojis oder Zahlen, die nach einem Muster gewählt wurden, waren leichter zu beobachten und korrekt zu merken. Unsere Studien, die ein Mitglied unseres Forschungsteams am 30. Mai in Rom präsentieren wird, zeigen, dass eine Emoji-basierte mobile Identifikation nicht nur praktisch ist, sondern auch eine unterhaltsame Art, sich Passwörter leichter zu merken und diese zu schützen. Dies gilt nur, solange die Nutzer keine Emojis verwenden, die einem Muster der Tastatur entsprechen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Emoji“ by TeroVesalainen (CC0 Public Domain)


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Netto präsentiert „Das Osterviral“

2017-01-30-PHOTO-00000023 (adapted) (Image by Netto)

Rechtzeitig zur Osterzeit veröffentlicht der Marken-Discounter Netto ein thematisch passendes Video: Der Film, der den Titel „Die Oster-Überraschung“ trägt, erzählt die Geschichte einer großen Liebe und eines kleinen Hasen. Der kleine Hase kann plötzlich Eier legen und damit wird das vermeintlich sagenumwobene Geheimnis gelüftet, warum denn eigentlich ein Hase an Ostern die Eier bringt und nicht ein Huhn.

Liebevolle Handarbeit

Schon vor einem Jahr gab es eine ähnliche Kampagne, bei dem Viral spielte eine Katze die Hauptrolle. Der Start für die diesjährige Geschichte ist der 25. März 2017. Das Ziel ist, die Bekanntheit der Marke Netto bei der jungen digital-affinen Zielgruppe weiter zu steigern. Seht euch hier die ganze Geschichte an:

 

„Die Oster-Überraschung“

Bei dem Video handelt es sich um eine CGI-Produktion (Computer Generated Imagery). Alle Charaktere, die in dem Film auftauchen, wurden komplett digital erstellt. Allerdings ist das Set echt, ebenso wie viele Requisiten, z.B. Tische, Teppiche und Schultafeln. Sie alle wurden liebevoll und detailgetreu in Tiergröße angefertigt. Als Lampen dienen beispielsweise leuchtende Pilze. Obwohl keine Schauspieler oder echten Tiere am Set waren, dauerten die Dreharbeiten drei Tage.

Zusätzlich zu dem 1:45 Minuten langen Film gibt es eine Online-Kampagne in 360 Grad. Diese wird außerdem in den Printmedien ausgespielt. Darüber hinaus gibt es ein Gewinnspiel in den Handzetteln, Ausmalbilder mit Ostermotiven, die im Internet heruntergeladen werden können und die Geschichte noch einmal als Kinderbüchlein.

Auf NettoTV, dem YouTube-Kanal von Netto, erhaltet ihr immer aktuelle Infos zu den Angeboten der Woche und leckere Rezeptideen für die ganze Familie. Schaut dort also auf jeden Fall vorbei. Und darüber hinaus ist Der Netto Blog einen Besuch wert. Als Leser des Blogs bleibt ihr auf dem neusten Stand und wisst immer zuerst Bescheid, wenn es Neuigkeiten aus dem Netto-Universum gibt.


Image by Netto


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2017 ist nicht ‘1984’ – Was George Orwell nie zu träumen wagte

Donald Trump (adapted) (Image by LisetteBrodey [CC0 Public Domain], via Pixabay)

Kurze Zeit nach der Amtseinführung von Präsident Trump kletterte George Orwells Buch „1984“ an die Spitze der Bestseller-Liste bei Amazon. Tausende von Englischlehrern sind sicherlich ergriffen bei dem Anblick von Leuten, die sich das bereits im Jahr 1949 veröffentlichte Buch vornehmen, um über die Gegenwart nachzudenken.
Orwell ließ seine Geschichte in Ozeanien spielen, in einem der drei Mega-Staaten, die im Jahr 1984 um die Weltvorherrschaft kämpfen. Die Atommächte wurden ausgetauscht und die Blöcke scheinen sich auf einen immerwährenden und mittlerwiele normal gewordenen Krieg geeinigt zu haben. Dies geschieht wahrscheinlich aus dem Grund, dass die permanente Kriegsführung den Interessen in einheimische Mächte in die Hände spielt.

Ozeanien verlangt eine totale Unterwürfigkeit. Es handelt sich um einen politischen Staat, Helikopter überwachen die Aktivitäten der Bewohner, es wird dabei sogar durch ihre Fenster gespäht. Aber Orwell betont dies besonders in der ‚Gedankenpolizei‘, die die ‚Proles‘, die untersten 85 Prozent der Bevölkerung außerhalb der Parteielite, überwachen. Die Gedankenpolizei bewegt sich unsichtbar in der Bevölkerung, sucht nach Verdächtigen und ermutigt dabei sogar zu Gedankenverbrechen, so dass sie die Täter verschwinden lassen können, um sie umzuprogrammieren.

Die andere Art und Weise, wie die Parteielite, symbolisiert durch die Schnurrbart tragende Galionsfigur Großer Bruder, ‚korrekte‘ Gedanken ermutigt und überwacht, wird durch die Technologie der Teleschirme dargestellt. Diese ‚Metalltafeln‘ übermitteln erschreckende Bilder von Feindesarmeen und vor allem die Weisheit des Großen Bruders. Allerdings kann der Teleschirm auch in die eigene Wohnung sehen. Während der verpflichtenden Morgenübungen zeigt der Teleschirm nicht nur einen jungen und drahtigen Trainer, der die Übungen vormacht, sondern bemerkt auch, ob man dabei mitmacht. Die Teleschirme sind überall, in jedem einzelenen Raum. Und im Büro benutzen die Leute sie zum Arbeiten.

In der Geschichte geht es um Winston Smith und Julia, die versuchen, der überwältigenden Kontrolle der Regierung über die Wahrheit entgegenzustehen. Ihr Akt der Rebellion besteht daraus, die „inoffizielle“ Wahrheit über die Vergangenheit herauszufinden. Sie halten dabei „unerlaubte“ Informationen in einem Tagebuch fest. Winston arbeitet im riesigen Wahrheitsministerium, an dessen Außenwand die Losung „IGNORANZ IST STÄRKE“ prangt. Sein Job ist es, politisch unangenehme Angaben aus den öffentlichen Berichten zu löschen. Fällt ein Parteimitglied in Ungnade, hat es sie nie gegeben. Hat der Große Bruder ein Versprechen gemacht, welches er nicht erfüllte, ist es schlichtweg nie passiert.

Da sein Job damit zusammenhängt, alte Zeitungen und Berichte nach Fakten zu durchsuchen, die er umschreiben muss, ist Winston sehr geübt darin, das sogenannte ‚Doppeldenk‘ anzuwenden. Winston sagt darüber, dass man sich „kompletter Wahrheit bewusst ist, während man konstruierte Lügen erzählt… eine bewusste Bewusstlosigkeit hervorruft.“

Ozeanien: Ein Produkt aus Orwells Erfahrungen

Orwells Setting bei „1984“ ist davon beeinflusst, wie er sich den Kalten Krieg vorstellte – eine Phrase die er bereits 1945 prägte. Er schrieb dies nur wenige Jahre, nachdem er zusah, wie Roosevelt, Churchill und Stalin die Welt während der Konferenzen von Teheran und Jalta aufteilten. Das Buch ist bemerkenswert vorrausschauend, was die Aspekte der stalinistischen Sowjetunion, Ostdeutschland und des maoistischen Chinas angeht.

Orwell war Sozialist. „1984“ beschreibt unter anderem seine Angst vor einer stalinistischen Abkehr vom demokratischen Sozialismus, an den er fest glaubte. Das Buch stützt sich auf seine genauen Beobachtungen der Welt und der Tatsache, dass Stalinisten versucht hatten, ihn zu töten.

Im Jahr 1936 bedrohte ein Coup des faschistisch unterstützen Militärs die demokratisch gewählte Sozialistenmehrheit in Spanien. Orwell und andere überzeugte Sozialisten auf der ganzen Welt, darunter auch Ernest Hemingway, meldeten sich freiwillig, um gegen die rechtsorientierten Rebellen zu kämpfen. Währenddessen unterstptzte Hitler mit seiner Luftwaffe die Rechten, während Stalin versuchte, den linken republikanischen Widerstand zu übernehmen. Nachdem Orwell und andere Freiwillige den Stalinisten getrotzt hatten, widmeten sich diese der Zerstörung der Opposition. Orwell und seine Frau wurde gejagt und traten 1937 die Flucht aus Spanien an.

Während des zweiten Weltkriegs in London erkannte Orwell, wie sich eine liberale Demokratie und Einzelkämpfer, die sich der Freiheit verpflichteten, auf dem Weg zum Großen Bruder finden konnten. Er arbeitete für die BBC und schrieb an einem Text, den man nur als Propaganda für das indische Publikum lesen konnte. Er schrieb nicht unbedingt im Stile des ‚Doppeldenk‘, aber es handelte sich um Nachrichten und Kommentare mit einem politischen Unterton. Orwell versuchte, die Einwohner Indiens zu überzeugen, dass ihre Söhne und ihre Güter im Krieg einem übergeordneten Wohl dienten. Nachdem er Dinge geschrieben hatte, die er als unwahr ansah, kündigte er nach zwei Jahren und war von sich selbst angeekelt.

Es war der Imperialismus an sich, der ihn ekelte. Im Jahr 1920, als Orwell noch ein junger Mann war, hatte er in Burma als Polizeibeamter in den Kolonien gearbeitet. In einer ungefähren Vorahnung der Welt des Großen Bruders sprach Orwell schlecht übr die willkürliche und brutale Position, die er in dem kolonialen System innehatte. „Ich habe es sehr gehasst“, schrieb er. „In solch einem Job erlebt man die dreckige Arbeit des Empires von nahem. Die elenden Gefangenen, die in stinkenden Käfigen kauern, die grauen und verängstigten Gesichte der lebenslang Gefangenen…“

Ozeanien war das Produkt einer Vorahnung eines besonders biographischen Moments, als der Kalte Krieg begann. Natürlich ist es so, dass die heutige Welt mit ihren ‚alternativen Fakten‘ ganz anders ist, als das, was Orwell sich jemals hätte vorstellen können.

Den Großen Bruder brauchen wir nicht mehr

Orwell beschrieb ein Ein-Parteien System, in der ein kleiner Kreis an Oligarchen, die die „innere Partei“ von Ozeanien darstellte, die Kontrolle über alle Informationen innehat. Dies ist ihr Hauptmittel, um die Macht zu kontrollieren. In den USA on heute kann sich jeder informieren, der das Internet bedienen kann – also mindestens 84 Prozent der Amerikaner. Die USA mag vielleicht eine Oligarchie sein, befindet sich die Macht irgendwo zwischen der Wählerschaft und der Verfassung, den Gerichten, Bürokratien. Die Macht ist zwangsläufig auch dort, wo das Geld ist. Anders gesagt befinden sich Wissen und die Macht in den USA des Jahres 2017 überall – und damit ist es völlig anders als in Ozeanien bei Orwell.

Diejenigen, die den Rückgang anhand von Beweisen und Begründungen des Wahlvolks studieren, beschuldigen hauptsächlich die gemeinsamen Bemühungen der Politiker aus den 1970ern, um Kompetenz zu diskreditieren, das Vertrauen in den Kongress und seine Mitglieder zu erschüttern und hinterfragen sogar die Legitimität der Regierung. Da diese Anführer, Institutionen und Kompetenzen delegitimiert sind, ist die gängige Strategie, sie mit anderen Autoritäten und Realitäten zu ersetzen.

Im Jahr 2004 deutet ein Berater des Weißen Hauses an, dass ein Reporter zur „realitätsbasierten Gemeinschaft“ gehöre, – eine Art kurioser Minderheit an Leuten, die „daran glauben, dass Lösungen aus ihren vernünftigen Studien der wahrnehmbaren Realität kommen… So läuft das allerdings nicht mehr.“

Orwell konnte sich das Internet nicht ansatzweise vorstellen, und auch nicht dessen Rolle beim Verbreiten von alternativen Fakten. Er wusste ebenso nicht, dass Menschen heutzutage die Teleschirme mit sich herumtragen. Es gibt kein Wahrheitsministerium, das Informationen verteilt und überwacht und irgendwie ist heute jeder der Große Bruder.
Es scheint weniger bedrohlich, dass Leute nicht in der Lage sind, die Lügen des Großen Bruders zu durchschauen, als die Tatsache, dass sie ‚alternative Fakten‘ hinnehmen.

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Menschen eher an Fehlannahmen glauben, wenn sie akkurate widersprüchliche Informationen erhalten, vor allem wenn sie mit einer bestimmten Sicht auf die Welt beginnen — zum Beispiel, dass wissenschaftliche Experten und öffentliche Beamte nicht vertrauenswürdig sind. Anders ausgedrückt, Fakten zu widersprechen, kann durchaus ins Auge gehen. Nachdem wir uns entschieden haben, was eigentlich wahrer ist als die Fakten, die von Experten und Journalisten berichtet werden, suchen wir nun Bestätigung in alternativen Fakten und verbreiten diese selbst über Facebook. Wir brauchen dazu keinen Großen Bruder.

In Ozeanien gibt es keine Meinungsfreiheit und keine Freiheit, Fakten auszusprechen außer jener, die offiziell abgenickt sind. In den USA von 2017 gilt: je offizieller die Tatsache, desto unglaubwürdiger ist sie – zumindest für diejenigen innerhalb der machtvollen Minderheit, die den jetzigen Präsidenten gewählt haben. Winston sagt, „Freiheit ist die Freiheit, sagen zu können, dass zwei plus zwei gleich vier ist.“ Für die machtvolle Minderheit ist Freiheit die Freiheit, sagen zu können, dass zwei plus zwei gleich fünf ist.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) Donald Trump by LisetteBrodey (CC0 Public Domain)


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Unsere Welt ist keine reine Marktwirtschaft – doch Ökonomen wissen nichts davon

Grünes übergeben (adapted) (Image by Maik Meid [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Wir halten es für selbstverständlich, dass wir in einer Marktwirtschaft leben. Die reguläre Wirtschaft ist besonders mit dieser Idee verbunden. Tatsächlich basieren die Grundpfeiler auch hierauf und die Entwicklung von Angebot und Nachfrage sowie die Preisbalance ergeben außerhalb dieses Marktkontexts keinen wirklichen Sinn. Doch heute ist der Markt in großen Teilen des dynamischen Sektors unserer Wirtschaft entweder nicht vorhanden oder nur ein Teil der Sache.

Natürlich beinhaltet die digitale Wirtschaft Firmen wie Apple und Amazon, die Produkte auf dem Markt verkaufen. Sie umfasst aber auch gänzlich unterschiedliche Modelle. Das Internet ist das Reich der Geschenke. Die große Mehrheit der Seiten, die wir herunterladen, sind kostenlos – und Seiten wie Wikipedia sind komplexe Beispiele für eine aktive Schenkökonomie.

Einige der erfolgreichsten kommerziellen Unternehmen, wie zum Beispiel Google und Facebook, verlassen sich auf Geschäftsmodelle, die Schenkungspraktiken mit dem freien Markt vermischen. Die Waren, die sie verkaufen, sind völlig von den Geschenken abhängig, die sie verteilen.

Damit diese Formen der Schenk- und Hybridwirtschaft sinnvoll eingesetzt werden können, entwickelt meine Forschung des kalkulatorischen Gewinns und der Schenkungs- und Digitalwirtschaft die Idee, dass wir die Wirtschaft als eine miteinander interagierende Mischung aus Marktpraktiken und und deren gegenteiligen Aktionen betrachten sollten.

Die Schenkökonomie in Aktion

Wikipedia, die größte und meistgenutzte Enzyklopädie, die die Welt jemals gesehen hat, ist ein beispielhafter Fall für die digitale Schenkökonomie. Wikipedia dominiert diesen Sektor und hat mehr oder weniger das Aussterben der Enzyklopädien besiegelt, die man sich noch kaufen musste. Das ganze begann damit, dass Microsoft seine Encarta an Leute verschenkte, die sich einen Computer zulegten.

Wikipedia basiert im Allgemeinen auf drei Schenkungspraktiken: es bietet uns kostenlosen Zugang zu seinen Inhalten, diese Inhalte werden von Freiwilligen ohne Bezahlung redaktionell betreut und die laufenden Kosten werden aus Spenden finanziert. Sobald Arbeit ehrenamtlich verrichtet wird, gelten die alten Regeln nicht mehr. Die Redakteure von Wikipedia haben keine Manager über sich, die bestimmen, was sie nach den Regeln der Top-Down-Methode zu tun haben. Sie suchen sich ihre Aufgabe selbst und arbeiten in ihrer eigenen Geschwindigkeit. Die Qualität ihrer Arbeit wird nicht durch Leistungsbeurteilungen oder drohende Arbeitslosigkeit sichergestellt – stattdessen führt man miteinander Qualitätsdebatten im Wikipedia-Forum, die dem Austausch dienen. Dabei verpflichten sich die Redakteure selbst gemeinschaftlich zur Einhaltung der festgelegten Normen.

Die konventionelle Wirtschaft verfügt nicht über Instrumente, mit denen Phänomene wie die Wikipedia analysiert werden können. Die Seite verfügt über kein Einkommen, keine Börsenkapitalisierung und keinen kalkulatorischen Gewinn, nach dem wir sie einschätzen könnten. Weder menschliche Motivationen, noch kooperative Koordinationsmechanismen passen zu Marktmodellen der absoluten Maximierung und des absoluten Marktgleichgewichts. Wenn wir unsere Wirtschaft beurteilen wollen, wären wir eigentlich besser dran, Systeme wie die Wikipedia-Community zu ignorieren?

Ein hybrides Machtzentrum

Im Gegensatz dazu erscheint Google wie eine Firma, die man durch traditionelle ökonomische Theorien erklären können sollte. Die zweitgrößte Firma der Welt in Sachen Marktkapitalisierung erzeugte im Jahr 2015 Gewinne in Höhe von 75,5 Milliarden US-Dollar – und zwar größtenteils durch den Verkauf von Anzeigen.

Das ist durchaus ein Markt, oder? Dieser existiert allerdings nur, weil Google seinen Nutzern Geschenke macht. Sein Herzstück ist die kostenlose Internetsuche. Wenn Google uns Suchergebnisse liefert, erhält es als Nebenprodukt des Suchprozesses Informationen über unsere Interessen und benutzt diese, um sehr viel effektiver und gezielter zu werben, als je zuvor in den konventionellen Medien möglich war.

Hier haben wir zwei zutiefst voneinander abhängige Praktiken: eine Marktpraxis, bei der Werbung verkauft wird, die nur deshalb existieren kann, weil es eine Praxis des Verschenkens der kostenlosen Internetsuche gibt. Kostenlose Zeitungen bieten ein ähnliches Modell an, aber Google arbeitet in völlig anderen Dimensionen. Ganz egal, wie gut Nachfrage und Angebot die Ergebnisse auf dem Werbemarkt darlegen können, sagen sie uns doch nichts darüber, wie Google diese Werbemöglichkeiten zunächst überhaupt erhält.

Um hybride Modelle der Wirtschaft wie dieses erklären zu können, brauchen wir einen Ansatz, der Schenk- und Marktpraktiken in gleichem Maße als bedeutend ansieht und der die Art und Weise analysieren kann, wie diese kombiniert werden.

Wirtschaft und die Schenkökonomie

Obwohl ich die digitale Schenkökonomie hier hervorgehoben habe, ist die Schenkökonomie an sich viel älter und verbreiteter, als ich es je ausdrücken könnte – sie war lediglich weniger deutlich mit der Marktwirtschaft gepaart, als es für uns in der Wirtschaftswelt ersichtlich war. Um ein Beispiel zu nennen, haben Menschen seit jeher ökonomische Vorteile innerhalb ihres Haushalts produziert, ohne dass sie sich diese gegenseitig angeboten haben. Wenn ein Elternteil für seine Familie kocht, ist das ebenso produktiv, wie wenn ein Berufskoch für seine Kunden in einem Restaurant kocht. Der Unterschied ist bloß, dass hierbei kein Bargeld den Besitzer wechselt.

Eine Studie über den Haushalt in Australien fand beispielsweise heraus, dass bei einer Monetarisierung – der Fall tritt ein, wenn an einen Haushalt ein Betrag in Dollar entsprechend der Marktwirtschaft vergeben wird – der Haushaltssektor an sich bereits größer ist als der Marktsektor. Ebenso beschränkt sich die „alte“ Schenkökonomie nicht auf Geschenke für Freunde und für die Familie – Wohltätigkeit, Freiwilligenarbeit und Blutspenden sind bekannte Formen von Geschenken, die wir fremden Menschen machen.

Ökonomen neigen gern dazu, die Schenkökonomie zu übersehen, wo auch immer sie stattfindet – nicht nur, weil die Werkzeuge, die Ökonomen verwenden, wie beispielsweise die Einkommens- und Gewinnkalkulationen sowie der Aktienmarkt und Aktienkurs, nur Märkten einen Sinn entlocken können, aber auch, weil es keine Methode gibt, wie man Produkte bewerten kann, die nicht verkauft werden. Wir sind alle gewöhnt daran, Dinge nach dem Preis zu beurteilen, den sie auf dem Markt erzielen, aber solche Preise gibt es im Schenkungsbereich nicht.

Das bedeutet jedoch nicht, dass seine Produkte keinen Wert haben, sondern eher, dass wir eine vollkommen dysfunktionale Vorstellung des Wertes von Dingen verinnerlicht haben, im Rahmen derer wir eine Wirtschaft ausschließlich in marktwirtschaftlichen Aspekten betrachten. Wir konzentrieren uns so sehr auf die monetäre Seite der Wirtschaft, dass wir nicht die Absurdität der Bewertung derselben auf Kosten der Dinge, die wir für einander tun und die wir nicht beziffern können, erkennen.

Wenn wir erreichen wollen, dass die Wirtschaft von heute und die Möglichkeiten von morgen sinnvoll eingesetzt werden, müssen wir endlich damit anfangen, die Welt als ein komplexes Etwas zu betrachten, das aus Marktpraktiken und Nicht-Marktpraktiken zugleich besteht. Wir müssen damit anfangen, Produkte nach ihrem menschlichen Nutzen zu beurteilen, statt nach ihrem Preis.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Grünes übergeben“ by Maik Meid (CC BY-SA 2.0)


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Die Cyberwar-Doku „Zero Days“ kündigt den dritten Weltkrieg an

03_der_wurm_breitet_sich_aus_c_stuxnet_documentary by DCM Filmverleih

Der Pressetext zu „Zero Days“ lässt Schlimmes vermuten. Denn es wird nicht weniger als die Grundlage des dritten Weltkriegs enthüllt: das Internet. So übertrieben-eindimensional diese Aussage auch anmutet, Oscar-Preisträger Alex Gibney („Taxi to the Dark Side“) scheint alles andere als verlegen um eine klare Positionierung. Der Regisseur von „We Steal Secrets: Die WikiLeaks Geschichte“ und „Scientology: Ein Glaubensgefängnis“ führt eindeutige Argumente an, dass sich die nächsten zwischenstaatlichen Auseinandersetzungen vor allem im virtuellen Raum abspielen werden. Am Beispiel des Stuxnet-Virus wird beleuchtet, welche Macht von Geheimdiensten ausgeht, welche Bedeutung das Warten auf den richtigen Angriffszeitpunkt hat und wieso sich dennoch unkontrollierbare Nebeneffekte ergeben können.

Aufhänger für die Thriller-Doku ist das iranische Atomprogramm, das Mahmud Ahmadinedschad 2005 an die Spitze des Staates beförderte. Die Republik erhoffte sich offiziell neue Wege der Energieversorgung zu erschließen, steht jedoch seit jeher im Verdacht an Atomwaffen zu forschen. Um Letzteres zu verhindern, verschafften sich die USA und Israel technischen Zugang zu allen relevanten Infrastrukturen des Landes – einschließlich zu den streng bewachten Anlagen zur Urananreicherung. Dass dies überhaupt rauskam, ist laut NSA-Insidern dem übereifrigen israelischen Geheimdienst Mossad zu verdanken, der einen perfekten (weil unauffindbaren) Code ohne Absprache noch aggressiver auftreten ließ. Obwohl der Virus nun seit Jahren seine Aufgabe erfüllte, die Steuereinheiten in den Uran-Fabriken zu schädigen und damit den Iran bei seinen Atom-Bemühungen auszubremsen, machte die Version-auf-Steroiden 2010 unbeabsichtigt die Runde. Binnen weniger Tage verbreitete sich das besagte Schadprogramm Stuxnet selbstständig auf Millionen von Windows-Rechnern und zwang die Geräte zum Herunterfahren. Das Chaos war perfekt!

Seit seiner Entdeckung wurden in den USA Millionen in die Ursachenforschung und Strategien zur Beseitigung investiert – und das, obwohl sie selbst laut „Zero Days“-Dokumentation Urheber von Stuxnet sind. Doch zum Zwecke der Geheimhaltung des offensichtlich kriegerischen Aktes gegen den Iran scheint man diese Kosten in Kauf zu nehmen. Die Sabotage diente dem größeren Zweck: nämlich im Falle einer Auseinandersetzung zwischen Iran und Israel dem Bündnispartner nicht in den Krieg folgen zu müssen. Dafür hätte das amerikanische Volk nach Afghanistan kein Verständnis aufbringen können. Und so hieß es: dem Gegner zuvorkommen, Spuren verwischen und hoffen, dass die Tat nie herauskommt. Insbesondere hier hätte man sich etwas mehr Genauigkeit in der Doku gewünscht, da ein aus dem Kontext gerissenes und falsch übersetztes Zitat von Ahmadinedschad („Israel must be wiped off the map“) als Begründung der Angst vor einem iranischen Angriff angeführt wird. Es ist jedoch hinlänglich bekannt, dass sich das Staatsoberhaupt auf einen Regimewechsel bezog und einen Führer der Islamischen Revolution vor vierzig Jahren zitierte. Regisser Alex Gibney verwendet den Ausschnitt – aber ohne Kontext, und damit nur mit dem Vorsatz, seine Argumente zu untermauern.

Besser gelingt Gibney dagegen die Veranschaulichung der Bedeutung eines drohenden Cyberwar. Innerhalb der fast zweistündigen Laufzeit ist es ihm ein besonderes Anliegen, eine Diskussion über Sicherheitsvorkehrungen und globale Regeln anzustoßen, damit Staaten nicht einfach das Recht des Stärksten durchsetzen. Er entwickelt den Gedanken einer unabhängigen Kontrollinstanz, die über Methoden der digitalen Kriegsführung Bescheid weiß und vor allem informiert werden muss, wozu die Länder im Stande sind. Das scheint zwar heute noch undenkbar, jedoch galt dasselbe auch vor Jahrzehnten noch für Atom- und Chemiewaffen.

1953 wurde schließlich die Internationale Atomenergie-Organisation (kurz: IAEO) als Partner der Vereinten Nationen ins Leben gerufen, die bis heute den Verbleib jedes einzelnen Gramms Uran verzeichnet. Seit die Erlaubnis der Anreicherung also mit der Kontrolle durch ein Aufsichtsgremium verbunden ist, scheint die Welt ein Stück sicherer geworden zu sein. Im virtuellen Raum erhofft sich Alex Gibney nun etwas Ähnliches. Denn nur, wenn wir als Bevölkerung über die Hintertürchen der Regierungen Bescheid wissen, könnten wir überhaupt einschätzen, was vor sich geht. Die aktuellen Ereignisse um staatliche Computerviren und Whistleblower wie Edward Snowden sorgen nämlich vor allem für Unverständnis.

Es sollte klar sein, dass derartige Geheimoperationen, wie die Infiltration aller iranischen Infrastrukturen durch USA und Israel, ein denkbar schlechtes Vorbild sind – sowohl für Nachahmer-Staaten, als auch für kriminelle Gruppen. Es sollte mit keinem Recht vereinbar sein sich Zugang zu Aus-Schaltern für lebenswichtige Versorgungsapparate wie Wasser und Strom zu verschaffen. Und für diese Debatte leistet „Zero Days“ einen wichtigen Beitrag.

Die Dokumentation läuft am 1. September für eine Woche im Kino an, bevor sie danach schon auf den Video-on-Demand-Plattformen zum Abruf bereit steht. Das Anschauen lohnt sich, weil hochrangige Geheimnisträger nicht die Einzigen sein sollten, die über Recht und Unrecht entscheiden.


Image: Zero Days by DCM Filmverleih


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Wie die Digitalisierung kurzen Prozess mit kulturellen Klischees gemacht hat

she spy (adapted) (Image by Kangrex [CC BY 2.0] via flickr)

Löcher in der Zeitung, geheime Gespräche am Münztelefon und falsch gehaltene Landkarten sind Vergangenheit – die Digitalisierung beraubt die Kultur um Klischees. Es gibt seit Jahrzehnten bestimmte Kniffe, die Regisseure und Autoren benutzen, um einer Szene Spannung zu verleihen, einen Dreh in die Handlung zu bringen oder bestimmte Personengruppen abzubilden. Die fortschreitende Digitalisierung hat dazu beigetragen, dass diese klischeehaften Handlungsoptionen mehr und mehr verschwinden. Mittlerweile wird dieser Agententrick wohl nur noch scherzhaft angewandt: Kein ernsthafter Geschichtenerzähler wird seinen Detektiv noch ein Loch in die Zeitung schneiden lassen, damit dieser eine Person beschatten kann. Doch das Schema ist bekannt. Am besten trägt der Protagonist dazu noch einen langen Trenchcoat und Hut. Wer damit angefangen hat, ist nicht mehr zu ermitteln, doch das Prinzip hat sich über Jahrzehnte gehalten. Wer sich beim Trierer Informationsbüro für Kinder einen der Spielekoffer in Detektiv-Ausführung sichert, bekommt sogar direkt eine Zeitung mit Loch. Die Zeitungskrise mit schwindenden Auflagen wird wohl irgendwann (lieber später als früher) dazu führen, dass gedruckte Nachrichten nur noch von Exoten gelesen werden. Wer dann mit einer Zeitung in der Gegend rumsteht oder in einem Café sitzt und sich das Blatt vor das Gesicht hält, fällt unweigerlich auch ohne Loch darin auf. Wer liest heute noch gedruckte Zeitungen? Pff, niemand, wird die Antwort früher oder später heißen. Zeit für neue Überwachungsmethoden. Doch ein Loch ins Tablet oder Smartphone bohren und durch dieses blinzeln, wird keine Lösung sein. Wenn Drohnen erst einmal Einzug in jeden Haushalt gefunden haben, wird sich kein Verbrecher mehr wundern, wenn eine Drohne über ihm surrt. Ist ja vollkommen normal geworden, oder? Der Detektiv von morgen steuert die Beschattung mit dem Smartphone.

Münzzelefon (Image by Hendrik Geisler)
Münztelefon (Image by Hendrik Geisler)
Münzzelefon (Image by Hendrik Geisler)
Münztelefon (Image by Hendrik Geisler)

Das Münztelefon ist ein weiterer Stereotyp, der dem Rezipienten zeigt: „Hier passiert was Geheimes.“ Der Held auf der Flucht muss einen wichtigen Anruf machen? Entweder bricht er bei jemandem ein und benutzt dessen Telefon (siehe „Die drei Tage des Condor“ mit Robert Redford) oder, klar, der Klassiker: Ein Münztelefon. Und wenn ein Bösewicht verhindern möchte, dass er geortet wird, benutzt er auch einen der Fernsprecher. Hier natürlich ganz wichtig: Bloß nicht länger als 15 Sekunden telefonieren, so lange brauchen die Ermittler nämlich, mal länger, mal kürzer. In der klassischen Detektiv-Serie „The Lone Wolf“ wird eine Telefonzelle auch schon mal als klandestines Versteck benutzt. Man könnte meinen, dass Münztelefone bloß noch als Zeugen des Verfalls und der fortschreitenden Digitalisierung als mahnende Beispiele in Städten hängen, die den Passanten sagen wollen: „Auch ich war früher unersetzlich. Jetzt seht mich an!“ In Köln hängt ein besonders schönes Exemplar. Der Hörer ist mitsamt Schnur abgerissen worden, ein paar rote Kabel kommen aus der Verkleidung, und an der Seite hängt ein Schild: Öffentlicher Fernsprecher. Ganz ehrlich: Wer hat das letzte Mal eine Telefonzelle benutzt außer als Schutz vor Regen (klassische, gelbe Ausführung) oder weil sie einen Hot Spot hat (pinke Telekom-Version)? Ein direkter Ersatz für das Münztelefon als Mittel des Erzählens ist aber nicht in Sicht. Für geheimes Telefonieren reicht es auch nicht, die Nummer auf dem Handy zu unterdrücken. Wer schon einmal erlebt hat, wie detailliert Ermittler heutzutage den Standortverlauf eines Handys nachvollziehen können, weiß, dass sie dafür keine 15 Sekunden in der Leitung sein müssen. Der Verbrecher muss dafür nicht mal telefonieren. Dass das Handy angeschaltet ist, reicht schon aus. Eine Handlungsoption, die auch immer wieder in Stories eingebaut wurde, war das falsche Halten einer Landkarte. Ein Roadtrip endet im Nirgendwo, eine Familie im Urlaub landet am falschen Ort und die Schatzsucher sind auf dem Holzweg. Da hat doch wieder einer die Landkarte auf dem Kopf gelesen. Wer als Geschichtenerzähler glaubhaft die Gegenwart abbilden will, wird auf andere Mittel zurückgreifen müssen. Landkarten sind noch immer ein gutes Mittel – halt dann, wenn der Handy-Akku leer ist. Natürlich kann das Orientieren mit einer Landkarte noch etwas Abenteuerliches und Aufregendes an sich haben, aber Navigationsdienste auf dem Smartphone sind so viel praktischer. Allein die Aufgabe, eine Karte wieder richtig zu falten, ohne dass man sie zerreißt, kann eine schwierige Aufgabe sein. Und dann erst mal herauszufinden, wo man eigentlich ist. Viel zu umständlich. Puristen werden mir widersprechen, aber ich meine: Papierlandkarten werden wieder wichtig, wenn die Zombie-Apokalypse kommt und das Internet zusammenbricht. Selbst eigenstehende Navigationssystem sind schon überflüssig geworden. Es gibt noch mehr Beispiele für das Verdrängen erzählerischer Klischees durch die digitalisierte Gegenwartstechnik. Zum Beispiel der Polizist, der Cop, der nachts durch das schrille Klingeln seines Telefons geweckt wird. 2016 stellt er mit einem Handgriff das Smartphone lautlos und schläft ohne Unterbrechung. Oder der Haufen von Papierkugeln, den ein Schriftsteller oder Journalist produziert, weil der von ihm gewählte Ansatz wohl doch nicht der richtige war. Hat er einen Einstieg geschrieben, der ihm kurz darauf nicht mehr gefällt, löscht er ihn heute einfach und schreibt einen anderen. Der Cursor, der die Wörter frisst, ist das Motiv, das als Ersatz gewählt werden kann. Kultur ist immer ein Spiegel der Realität. Und die Realität ist heute, dass das Digitale zum Alltäglichen geworden ist. Jeder trägt sein Telefon mit sich rum und ebenso die Landkarte. Wir sind leichter zu verfolgen und das, was wir mit unseren Geräten produzieren, schlechter greifbar. Kulturmacher haben auch die Aufgabe, Wege zu finden, unsere Lebenswirklichkeit zu zeigen. Es ist eine andere geworden. Auch Stereotype ändern sich.


Image (adapted) „she spy“ by Kangrex (CC BY 2.0)


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Was Sie schon immer über Tischtennis wissen wollten… Hier steht es!

Table Tennis (Image by Huskyherz [CC0 Public Domain], via Pixabay)

Ping Pong, Wiff Waff oder Flim Flam – Tischtennis hatte schon viele Namen, aber die Sportart trug zur Beliebtheit des Spiels bei. Zumindest heutzutage, wie ein Blick in die Geschichte des Sports zeigt.

Die Sportart stammt aus der viktorianischen Zeit und wurde mit Vorliebe in den Gesellschaftsräumen der Herrenhäuser gespielt – und zwar immer dann, wenn es regnete und man nicht draußen auf dem Platz wie gewohnt Tennis (oder auch unmissverständlicher: Lawn Tennis) spielen konnte. Zwar belegen meteorologische Untersuchungen, dass es wohl wirklich nicht öfter in England regnet als anderswo, doch wenn die Briten selbst ebenfalls den Eindruck haben, dass dem so wäre, und dementsprechend eine Indoor-Version eines ihrer Lieblingsspiele erfinden, will das auch schon etwas heißen.

War man nun schon einmal im Haus, machte man sich die Einrichtung zunutze: der Tisch stellte das Spielfeld dar, eine Schnur war das Netz, und wenn die Schläger nicht ausreichten, nahm man einfach Bratpfannen, Bücher oder was man sonst so fand, um spielen zu können. Das Spiel selbst wurde dann konsequenterweise in Room Tennis umbenannt.

Doch wer jetzt eine herrschaftliche Kulisse wie bei Downton Abbey im Kopf hat, bei der sich Reifrock tragende elegante Ladies graziös und anmutig den Ball zustupsen, der lasse sich gesagt sein: auch damals trieb man gern schnellen und harten Sport, und Tischtennis gehört, wenn man es richtig spielt, durchaus zu den schweißtreibenderen Sportarten, der zudem die Hand-Augen-Koordination schulte.

Ein Spiel erobert die Welt

Im Jahr 1875 brachte der englische Ingenieur und begeisterter Sportler James Gibb das erste Regelwerk für Room Tennis heraus. Er war auch derjenige, der den ersten leichten Ball aus Zelluloid erfunden hatte. Zuvor spielte man mit Kork oder Gummibällen aus Kautschuk. Wie viele Scheiben oder Vasen dabei zu Bruch gegangen sein mögen, ist uns heute leider nicht bekannt, aber sicherlich trug die Entwicklung eines leichteren Balls zu seiner Beliebtheit bei.

Gibb gilt auch als Erfinder des lautmalerischen Namens Ping Pong. Ob dies jedoch der Wahrheit entspricht, ist zu bezweiflen. Der Tischtennis-Trend griff damals rasant um sich, und viele Hersteller versuchten, ihren eigenen Namenserfindungen durchzusetzen. So konnte man jemanden zu einer Partie Ping Pong, Wiff Waff oder Flim Flam einladen. Der Einfachheit halber setzte sich schließlich trotzdem das pragmatische Tischtennis durch.

Das Spiel ging wie ein Lauffeuer um die Welt: bereits 1897 veranstaltete Ungarn seine erste Meisterschaft, im Jahr 1899 gründete sich der erste Berliner Verein, die Berliner Tennis- und Ping-Pong-Gesellschaft, die noch heute Drittligaerfolge als Fussball-Lokallegende Tennis Borussia Berlin feiert. Das erste internationale Tischtennisturnier fand im März 1902 in Wien statt. Hier gab es sogar ein Damenspielfeld, das ein wenig kleiner war als das genormte Herrenfeld.

Nach Asien gelangte der Sport auch erst Anfang des 20. Jahrhunderts, auch wenn viele das Spiel wohl direkt mit China assoziieren würden – kein Wunder, denn mehr als 300 Millionen Chinesen greifen leidenschaftlich gern nach der schwarz-roten Kelle. So ist es auch wenig überraschend, dass es in China mit Abstand die meisten Goldmedaillengewinner gibt, sogar mehr als alle anderen Gewinner zusammen. In der ehemaligen Sowjetunion wurde der Sport von 1930 bis 1950 sogar verboten. Man nahm an, dass die schnellen Ballwechsel den Augen und dem Hirn schaden könnten.

Eine Partie Tischtennis in einem chinesischen Dorf (Image: ???, CC BY 2.5 CN)
Eine Partie Tischtennis in einem chinesischen Dorf (Image: ???, CC BY 2.5 CN)

 

Tischtennis und Politik

Auch auf die Politik nahm der Sport Einfluss: bei der Weltmeisterschaft im Jahr 1934 wurde den deutschen Herren eine Teilnahme untersagt, weil man fürchtete, dass die Spieler womöglich gegen sogenannte „minderwertige Völker“ verlieren könnten. Nur zwei Jahre später hingegen sandte man seine deutschen Mannen gerne aus, um für die olympischen Spiele in Berlin zu werben – so konnte sich das Blatt wenden.

Auch in der Nachkriegszeit spielt die Politik eine Rolle im Sport: Sowohl die Mannschaften der DDR als auch die der BRD stellten im Jahr 1950 jeweils einen Antrag auf Aufnahme in die International Table Tennis Foundation. Beide bekamen jedoch eine Absage, mit der Begründung, man solle sich intern erst einmal einig werden. Das geschah dann auch, und zwar rascher, als gedacht: bereits 1951 bewarb man sich als „gesamtdeutsche“ Mannschaft erfolgreich. Eine kleine Wiedervereinigung gab es hier also schon im Vorhinein – zumindest bis zum Jahr 1958 sollte diese provisorische Einigkeit bestehen, bevor auch hier der Eiserne Vorhang die beiden Welten vorerst wieder trennte.

Zwischen China und den USA lief das Ganze schon etwas diplomatischer ab. Unter dem Schlagwort Ping-Pong-Diplomatie baute man nach einigen Jahren des Schweigens wieder eine politische Beziehung auf, angefangen mit der Tischtennismeisterschaft im Jahr 1971 und gefolgt von diversen Besuchen Nixons in China. Da behaupte noch einer, Tischtennis sei nur etwas für langweilige Regentage!


Image “Tischtennis Wien 1902” (CC0 Public Domain)


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“Hässlich, aber praktisch”: Londons erster Briefkasten

GOC Leagrave to Harpenden 037 Victorian pillar box at Wardown Park, Luton (adapted) (Image by Peter O'Connor aka anemoneprojectors [CC BY-SA 2.0] via flickr)

Eine kleine Kulturgeschichte über den Briefkasten – von allen kritisiert und von Konservativen gefürchtet, hat er sich doch durchgesetzt.

Na, heute schon in den Briefkasten geguckt? Oder zumindest das Mailpostfach gecheckt? Ganz bestimmt! Der Gang zum Briefkasten ist uns mittlerweile so sehr in Fleisch und Blut übergegangen, dass wir uns kaum vorstellen können, wie man früher ohne einen Postkasten auskam – sei er nun physisch oder digital. Wie kam das eigentlich? Eine kleine Kulturgeschichte der britischen Post.

Vom Erfinder zum Dichter: Anthony Trollope

Bis vor 160 Jahren musste man auf den Postboten warten. Der kam, wenn es gut ging, alle paar Tage vorbei und nahm mit, was man wem auch immer mitzuteilen hatte. Klingt unpraktisch? Das fanden die Leute damals auch. Aber es dauerte erstaunlich lange, bis man ein System entwickelt hatte, wie man Mitteilungen oder Waren an einem zentralen, jederzeit zugänglichen Platz ermöglichen kann.

Ein Herr namens Anthony Trollope, der sich später eher als Dichter denn als Erfinder einen Namen machen sollte, gilt hierbei als der Mitbegründer der britischen Post. Vor und neben seiner Dichterkarriere, die nicht sonderlich lukrativ gewesen zu sein scheint, arbeitete er als Briefträger. Wenn er gerade keine Post umher trug, legte er viel Wert auf Auslandsreisen, um Inspirationen für seine Dichtkunst zu finden.

Bei einer seiner Reisen nach Frankreich und Belgien bemerkte er, dass in den Städten immer öfter mysteriöse Kästen an den Straßenrändern aufgestellt wurden. Er erkundigte sich, was es damit auf sich hatte und erfuhr von dem neuen Postsystem. Das hatte einige Vorteile: Man konnte anonym und unabhängig von der Uhrzeit seine Briefe loswerden und sich mehr oder weniger darauf verlassen, dass sie rechtzeitig ankamen. Also: Kein Warten auf den Postboten mehr, und keine merkwürdigen Blicke, wenn man schon wieder einen Liebesbrief an die Dame seines Herzens schrieb.

Die Idee eines staatlichen Postsystems fand Trollope so genial, dass er sie nach England mitbrachte und seinen Vorgesetzten vorstellte. Man vereinfachte außerdem das System, indem man die vom Absender zu bezahlende Briefmarke einführte. Briefe waren zwar schon vorher kostenpflichtig, aber damals musste der Empfänger zahlen, was auch immer ihm geliefert wurde. Das neue System war deutlich praktischer – und so wurde nebenbei das erste Prepaid-System der Welt eingeführt.

Schicksal großer Erfindungen: Hässlich, aber praktisch

Nach einem Testlauf auf den Kanalinseln und in Jersey war man überzeugt, dass sich die Kästen durchsetzen könnten. Schließlich wurde am 11. April 1855 der erste Briefkasten in London aufgestellt. Er war allerdings etwas anders gestaltet, als wir ihn heute kennen. Er war etwa mannshoch, rund 1,5 Meter breit, quadratisch und mit einem Spitzdach versehen, das von einer kleinen Kugel gekrönt wurde. Die charakteristische rote Farbe, wie wir sie heute bei den englischen Briefkästen kennen, war auch noch nicht vorgesehen, stattdessen erstrahlte er in einem eindrucksvollen dunklen Flaschengrün.

So zierte er die Straßenecke Fleet Street/Farringdon Street, eine der belebtesten Straßen Londons. Vielleicht sollte man aber eher sagen, er zog die Skepsis der Bürger auf sich, denn sie fanden ihn, gelinde gesagt, enorm hässlich. Hässlich, aber praktisch, denn das System setzte sich, trotz Beschwerden über eine “Verunstaltung der Straßen”, immer weiter durch.

Über das ganze Land hinweg kamen nun immer mehr Briefkästen hinzu. Diese waren allerdings alles andere als einheitlich, in Farbe, Form und Größe unterschieden sich die einzelnen Kästen enorm. Man könnte sagen, das Einzige, was sie alle gemeinsam hatten, war der Briefschlitz. Schließlich konnte man sich um die 1860er herum auf einen einigermaßen wiedererkennbaren Standard einigen: Einen freistehenden, säulenförmigen Kasten. Als Standardfarbe legte man schließlich ein helles, kräftiges Rot fest.

Dies geschah, um das System weiter zu vereinheitlichen, aber auch, weil die Leute sonst ständig dagegen rannten, denn das passierte tatsächlich recht häufig bei den zurückhaltend angepinselten Kästen, also musste etwas Auffälligeres her. Ja, die Post hatte es nicht leicht damals.

“He knew he was right”

Doch auch als dieses Problem gelöst war, waren die Leute nicht zufrieden. Es gab Kritik aus konservativen Kreisen, dass das neue Postsystem nichts anderes als ungehörig sei: Junge Frauen könnten nun ganz anonym und ohne äußere Kontrolle jede Menge schlüpfriger Post empfangen – wo sollte das nur hinführen?

Trollope selbst machte sich später über diese Bedenken in seinem Werk “He knew he was right” lustig, in dem er eine junge Dame über die neuen “Eisenstümpfe” auf den Straßen wettern ließ. Er schrieb: “Sie glaubte nicht, dass auch nur ein einziger Brief je sein Ziel erreichen würde.”

Diese Bedenken können wir heute – zumindest größtenteils – zerstreuen. Auch wenn gerade in der Vorweihnachtszeit ab und an ein Paket oder Brief in die ewigen Jagdgründe eingehen könnte.

Ansonsten gibt es heute mit den digitalen Postfächern jede Menge Möglichkeiten, sich anderweitig Nachrichten zu schicken – ob nun schlüpfrig oder nicht. Das sollte man sowieso viel öfters tun.

Da können wir nur sagen: Danke, Anthony!


Image (adapted) “GOC Leagrave to Harpenden 037: Victorian pillar box at Wardown Park, Luton” by Peter O’Connor aka anemoneprojectors (CC BY-SA 2.0)


 

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Eine dritte Welle des Feminismus erhebt sich

SlutWalk NYC October 2011 Shankbone 25 (adapted) (Image by David Shankbone [CC BY 2.0] via flickr)

Wellen muss man reiten – das trifft quasi auch auf den Feminismus zu, der sich im neuen Gewand aktuellen Problemen stellt.

Wir sind Zeugen des Aufkommens einer dritten Welle des Feminismus. Den Kampf der viktorianischen Sozialreformer, der Suffragetten und der revolutionären Feministen der 1970er Jahre aufnehmend, kämpfen Feministen heute wieder für eine gleichberechtigte Behandlung und für ein Ende sexueller Gewalt in einer weiterhin patriarchischen Gesellschaft des 21. Jahrhunderts.

Es ist eine bewegte Zeit für Feministen in Großbritannien. Ende Oktober hat die neue Women’s Equality Party (WEP) ihr Grundsatzprogramm verabschiedet. Es drängt auf eine gleichmäßige Vertretung in der Politik, in Firmen und in der Industrie; gleiche Bezahlung und Gleichstellung in der Kindererziehung; die gleiche Behandlung von Frauen durch die Medien; und eine Beendigung sexueller Gewalt.

Wenige Tage nachdem ich der Verabschiedung beiwohnte, ging ich zu der “Feminismus in London”-Konferenz, die mehr als 1.000 Männer und Frauen angezogen hatte. Sie waren gekommen, um einer Reihe von Sprechern zu Themen wie Handel mit inländischen Arbeitern, Gleichheit und Einschränkungen, sowie über die Kampagne zur 50:50-Vertretung im Parlament, zuzuhören. Ich war sehr aufgeregt Teil einer feministischen Bewegung “in Bewegung” zu sein.

Es ist unklar, wie viele Frauen oder Männer sich selbst als Feministinnen oder Feministen sehen und möglicherweise könnte sich die Mehrheit der Menschen auf die eine oder andere Weise nicht weniger dafür interessieren. Welchen Standpunkt auch immer Sie annehmen, die Geschichte des Feminismus zeigt, dass er das private und öffentliche Leben verändert – unabhängig davon, ob sich jeder dessen bewusst ist oder nicht, oder diese Veränderung begrüßt.

Ein geschichtlicher Überblick zu feministischer Historie

Die letzten zwei Jahrhunderte wurden Zeugen von drei Wellen des Feminismus. Unglücklicherweise folgten die ersten zwei einem vertrauten Muster: Anfänglicher Widerstand gegen feministische Ziele, gefolgt von einer Phase der sozialen Akzeptanz dessen, was ursprünglich als eine unangemessene Forderung erschien.

Dann folgt eine Neuerung, die für gewöhnlich in Form eines Konsens darüber, dass der Feminismus erfolgreich war und sich damit selbst überflüssig gemacht hat, in Erscheinung tritt. Danach verstummen Frauen, zumindest in der Öffentlichkeit, hinsichtlich ihrer sozialen Umstände. Bis es zu einem Wendepunkt kommt und der Feminismus sich erneut erhebt wie ein Phönix aus der Asche. Dies könnte bald wieder geschehen.

Die erste Welle des Feminismus erhob sich während des 19. Jahrhunderts und dem beginnenden 20. Jahrhundert mit dem Streben nach sozialen Reformen. Frauen wie Josephine Butler beschäftigten sich mit Prostitution und mit der Doppelmoral hinsichtlich sexueller Moralvorstellungen. Harriet Martineau, eine Mitbegründerin der Soziologie, lehrte, dass jede soziologische Analyse von politischen, religiösen und sozialen Kerninstitutionen das Leben von Frauen einschließen sollte. Emmeline Pankhurst setzte sich indessen für das Recht der Frauen zu wählen und für das Recht auf eine vollwertige politische Staatsbürgerschaft ein.

Die zweite Welle des Feminismus erhob sich in den 1960er, 1970er und 1980er Jahren und beschäftigte sich weniger mit sozialen Reformen als mit Revolution. Diese Periode brodelte vor politischer Aktivität. Die australische Schriftstellerin Germaine Greer führte an, dass die Sexualität der Frau vom Patriarchat unterdrückt und ausgeweidet würde, während die britische Theoretikerin Sheila Rowbotham die Wechselbeziehung zwischen Kapitalismus und Patriarchat in der Ausbeutung der Arbeitskraft der Frau beschrieb.

In den 1990er Jahren begann die Sprache des “Post-Feminismus” in den öffentlichen Diskurs Einzug zu halten. Glücklicherweise wurde behauptet, dass wir uns nun alle zurücklehnen können, da Frauen jetzt im Land der Sexual- und Geschlechterpolitiken gleichgestellt sind. Begriffe wie die individuelle “Verwirklichung” der Frau ersetzten die Idee der gemeinsamen Aktion. Auch wenn zeitweise bemerkt wurde, dass männliche sexuelle Gewalt weiterhin bestand, konzentrierte sich die Strategie des Widerstandes auf die Rechte der Frauen ohne Schuldzuweisungen aussehen und handeln zu dürfen, wie sie es mochten.

Die Selbstverwirklichung wurde jedoch auf geschlechtliche Verwirklichung reduziert: die Feministinnen der 60er und 70er Jahre wurden als “Geschlechter-negativ” umgedeutet. Anstelle dessen lehnten “Geschlechter-positive” Frauen den Feminismus ab und wurden durch den Schriftsteller Ariel Levy kulturell dazu veranlasst, Verwirklichung darin zu finden, wie ein Pornosternchen auszusehen und sich gleichermaßen zu verhalten.

Ein sich aus der Asche erhebender Phönix

Wenige Jahre nach Beginn des 21. Jahrhunderts kam es erneut zu einem Wendepunkt. Im Jahr 2005 behauptete Levy, dass, wenn Frauen sich und andere Frauen weiterhin zu sexuellen Objekten machen, dies nicht als Erfolg für den Feminismus und die Gleichstellung von Frauen und Männern anzusehen ist, sondern vielmehr als der Untergang des Feminismus.

Neue Bewegungen bildeten sich, die zu der Vorstellung zurückkehrten, dass es nicht zum Besten gestellt ist mit dem Verhältnis zwischen den Geschlechtern. Laura Bates gründete online das Everyday Sexism Project und Kat Banyard begründete die Gruppierung UK Feminsta mit und schrieb über die Illusion der Gleichstellung der Frau. Sie ist nun die Sprecherin der End-Demand-Kampagne gegen Prostitution und eine ausgesprochene Kritikerin der Richtlinie von Amnesty International zur Dekriminalisierung von Prostitution. In ihren Augen handelt es sich hierbei um ein wenig mehr als die Charta eines Zuhälters.

Unglücklicherweise sind durch die politische Aktivität der Feministen die geschlechtlichen, rassischen und wirtschaftlichen Ungleichheiten einer patriarchalischen Gesellschaft nicht verschwunden. Diese sozialen Strukturen zeigen sich bemerkenswert beständig, auch wenn sie ihre Erscheinung entsprechend der historischen und politischen Umstände verändern. Nichtsdestotrotz, während die Wellen des Feminismus hochschwappen, werden tatsächliche rechtliche und politische Errungenschaften gemacht, die unser aller Leben zu einem besseren machen.

Die Geschichte des Feminismus scheint uns zu sagen, dass diese dritte Welle, die gerade Schwung aufnimmt, persönliche und öffentliche Veränderungen mit sich bringen könnte. Veränderungen, wie einen Anstieg weiblicher Unterhausabgeordneter, öffentliches Bewusstsein gegenüber männlicher Sexualgewalt, Sensibilität gegenüber Gehaltsunterschieden zwischen den Geschlechtern und die strukturelle Benachteiligung von Frauen. Allerdings weist uns die Geschichte dann darauf hin, dass der Feminismus selbst bedauerlicherweise wieder abebben wird.

Falls meine Vorhersage des endgültigen Zusammenbruchs der dritten Welle sich bewahrheiten sollte, so lasst uns schnell und mit glühender Leidenschaft voranschreiten. Die Leben von Frauen, Kindern und Männern werden unermesslich verbessert werden. Möge es lange andauern.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) “SlutWalk NYC October 2011 Shankbone 25” by David Shankbone (CC BY 2.0)


 

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Wie ein drogenabhängiger Ex-Soldat Coca-Cola erfand

he invented the real thing (adapted) (Image by debaird™ [CC BY-SA 2.0] via flickr)

Im Jahr 1866 experimentierte John Stith Pemberton in Atlanta sich einmal quer durch die Schränke seiner Apotheke. Er hatte sich seit Längerem schon in den Kopf gesetzt, ein Mittel zu entwickeln, das gegen Kopfschmerzen, Müdigkeit und sogar Depressionen helfen sollte. Aber vor allem sollte es einen Ersatz für das allseits etwas zu beliebte Morphium darstellen, dem auch Pemberton selbst verfallen war.

Er war nämlich vor seiner Apothekerkarriere Oberstleutnant im US-amerikanischen Bürgerkrieg gewesen und wurde dort schwer verletzt. Wie es damals üblich war, gab man ihm Morphium, um die Schmerzen zu lindern. Als Apotheker kam er auch nach seinem Kriegsdienst relativ einfach an den Stoff heran. Allerdings hatte das Zeug den kleinen Schönheitsfehler, dass es hochgradig abhängig machte.

Eine Alternative musste her

Daher wollte Pemberton etwas anderes ausprobieren, um seine Schmerzen und die Sucht zu lindern. Und wieso auch nicht, schließlich war er Apotheker! Außerdem war ihm die Darreichungsform von Morphium per Spritze viel zu kompliziert. Er wollte etwas erfinden, das schnell wirkte und leicht zu handhaben war – am besten etwas, das man einfach so zu sich nehmen konnte.

Schließlich entwickelte er nach einigen Versuchen einen dunklen, dickflüssigen Sirup, den er “Pemberton’s French Wine Coca” nannte. Man kann durchaus behaupten, dass das Mittel ganz ordentlich wirkte: Es sorgte für eine spontane Stimmungsaufhellung und man spürte eine Energie in sich, von deren Existenz man nicht einmal geahnt hatte.

Schaut man sich seine Zusammensetzung an, wird auch bald klar, woran das lag: Das neue Getränk beinhaltete sowohl Wein und Kolanuss als Koffeinspender, weiterhin einen Stoff namens Damiana, einem natürlichen Aphrodisiakum und Extrakte der Blätter der Kokapflanze – und damit reines Kokain. (Zu dieser Zeit galt auch das Kokain noch nicht als Droge, es wurde beispielsweise auch als schmerzlinderndes Mittel bei Operationen genutzt.)

Wein und Kokain – eine beliebte Mischung

Ganz neu war Pembertons Erfindung allerdings nicht, denn ein ganz ähnliches Getränk gab es bereits. Es nannte sich Mariani-Wein, benannt nach seinem Erfinder Angelo Mariani, welches ebenfalls hautpsächlich aus Rotwein und Kokain bestand. Der Trunk erfreute sich besonders bei Kreativen und Nachtschwärmern wie Arthur Conan Doyle – der ja ohnehin keiner Droge abgeneigt war – Jules Verne und sogar dem damaligen Papst Leo XIII großer Beliebtheit. Eine Quelle besagt sogar, dass der Papst das Getränk so sehr mochte, dass er immer etwas davon in einem kleinen Flachmann bei sich getragen haben soll.

Heute kann man sich das kaum noch vorstellen – da wurde ein ordentlich starker Drogencocktail kommerzialisiert, der den Leuten einfach gut schmeckte und legal überall erhältlich war. Kein Wunder, dass der Erfolg nicht lange auf sich warten ließ. In der Bevölkerung wurde das Getränk zunächst offiziell als Nerventonikum für “hysterische Frauen” als auch für Kriegsversehrte vermarktet, außerdem sollte es den Sexualtrieb anregen. Was wohl heute der Vatikan dazu sagen würde?

Doch die Geschichte um Pembertons Erfindung geht noch weiter. Wegen des massiven Alkoholmissbrauchs und damit zusammenhängender sozialer Probleme in der Bevölkerung, wurde im Juli 1886 in Atlanta versuchsweise die Prohibition eingeführt. Das Alkoholverbot machte Pemberton einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Er konnte seine Erfindung nicht mehr an den Mann bringen – es sei denn, er veränderte wieder etwas am Rezept. Kurzerhand, aber sicher nicht ohne Bedauern, strich er den Alkohol aus der Mixtur.

Coca-Cola, das allseits beliebte Getränk wird geschaffen

Nach einigem Herumexperimentieren stellte er fest, dass die neue Variante seines Getränks mit frischem Sodawasser am besten schmeckte. Was nun noch fehlte, war ein schmissiger Name. Zusammen mit seinem Geschäftspartner und Buchhalter Frank Mason Robinson erfand er den Markennamen Coca-Cola, der bis zum heutigen Tage auf die ursprünglichen Bestandteile hinweist: Kokain und die Kolanuss.

Außerdem – und das war damals vielleicht noch wichtiger – waren Alliterationen bei Markennamen absolut angesagt: Sie waren leicht zu merken und machten sich besonders gut auf Werbeschildern. Mit dem charakteristischen Schriftzug wurde das Getränk unverwechselbar und verkaufte sich mittlerweile in den ganzen USA. Im Juni 1887 meldete er schließlich auf sein – jetzt alkoholfreies – Rezept ein Patent an.

Besonders lange konnte Pemberton seinen Erfolg allerdings nicht genießen, denn seine Morphiumsucht wurde stärker als er. Um sich mehr Nachschub leisten zu können, verkaufte er bereits zwei Tage nachdem er es angemeldet hatte, das Patent an einen Kollegen namens Asa Griggs Candler, ebenfalls Apotheker und Geschäftsmann. Dieser bewies einen guten Spürsinn und machte Pembertons Mixtur dann erst richtig groß. Im Jahr 1892 gründete er die Coca-Cola Company und belieferte wenige Jahre später nicht nur die gesamte USA, sondern auch Europa mit der belebenden Brause.

Pemberton selbst war zu diesem Zeitpunkt schon länger klar, dass er unheilbar krank war. Nur ein Jahr nachdem er seine Erfindung vollends perfektioniert hatte, starb er an Magenkrebs. Aber Pemberton hatte den Erfolg schon vorher geahnt. Er hatte ein Drittel der Geschäftsanteile für seinen Sohn zurückbehalten. Der Umstand, dass dieser aber nur wenige Jahre später ausgerechnet an einer Überdosis Drogen, diesmal allerdings Opium, sterben sollte, macht die Idee von Pembertons Weltfirma zu einem weiteren Treppenwitz der Geschichte.

P.S.: Die Legende, dass man ein Stück Fleisch über Nacht in Cola auflösen könne, hätte nicht nur den magenkranken Pemberton empört. Es ist schlichtweg Unsinn. Cola kann man zwar für alles mögliche benutzen, nicht zuletzt zum Rostentfernen aber es ist immernoch nur ein Zuckerwasser mit Koffein – jedenfalls heutzutage.


Image (adapted) “he invented the real thing” by debaird (CC BY-SA 2.0)


 

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Wie eine Webseite zur digitalen Zeitkapsel wird

Kamera-Fotos (image by condesign [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Geschichte entsteht aus Geschichten. Die Webseite The History Project versucht genau diese Geschichten mit moderner Technologie einzufangen und als interaktive Geschichte für zukünftige Generationen aufzubewahren und abzubilden. So sollen aus chaotischen Anekdoten und Objekten bedeutungsvolle Erinnerungen werden.

Alles begann, als Niles Lichtenstein eine Kiste voller alter Schallplatten auf dem Dachboden fand. Die Schallplatten hatten seinem Vater gehört, der vor vielen Jahren an Krebs gestorben war. Für Lichtenstein war dieser Moment so, als ob er eine wertvolle Schatztruhe gefunden hätte. “Die Musik hatte meinen Vater und mich immer verbunden. Als ich anfing die erste Platte zu hören, kamen all diese Erinnerungen hoch und ich hatte ein unglaubliches Hochgefühl.”

Desperado von den Eagles:

Doch kaum war die Musik verklungen, war diese Verbindung, die er gefühlt hatte verpufft. Er fühlte sich traurig und alleine. Er begann fast wie besessen eine Platte nach der anderen zu hören, auf der Suche nach mehr Erinnerungen an seinen Vater. Als das nicht mehr reichte, tauchte er in alte Fotoalben ein. Er besuchte Freunde seines Vaters und interviewte sie. Seine Reise in die Vergangenheit führte ihn immer weiter. Er reiste sogar nach Vietnam, an den Ort, an dem sein Vater während des Kriegs stationiert war. “Als ich von dieser Reise wiederkam, war ich körperlich total ausgelaugt, fühlte mich aber im Geiste sehr erhoben.” 

Als er aber seiner Familie diese intensive Erfahrung beschreiben und zeigen wollte, hatte er nur eine Daten-CD mit ein paar Liedern und Fotos in der Hand. “Das gab überhaupt nicht wieder, was ich erfahren hatte. Es war genau das Gegenteil von dem, was ich auf meiner Reise in die Vergangenheit erlebt hatte.”

Die Vergangenheit mit Technologien von heute für die Generation von morgen aufbewahren

Seine Erfahrung mit der Vergangenheit seines Vaters hatte Niles Lichtenstein zwei Dinge gezeigt: Erstens, Menschen leben durch die Geschichten, die wir mit ihnen verbinden, in nachfolgenden Generationen weiter und zweitens, es müsste einen Weg geben, um diese Geschichten in einer Art lebendiger, interaktiver Zeitkapsel aufbewahren zu können. So entstand wenige Zeit später The History Project. Die Webseite sieht sich als

Eine Welt, in der Momente wichtig sind, für immer aufbewahrt werden können und einfach zugänglich sind.

Die Vergangenheit soll so mit Technologien von heute eingefangen und für künftige Generationen aufbewahrt werden. Dabei kann The History Project viel mehr als etwa ein geteiltes Fotoalbum auf Facebook. Jede Geschichte wird anhand eines Zeitstrahls erzählt. Hier können einzelne Geschehnisse festgehalten werden, wie die Geburt eines Kindes, das erste Date oder der erste Tag im neuen Job. Jedes Ereignis kann dabei mit Fotos, Tonaufnahmen, Videos, Musik, Dokumenten, Landkarten, alten Zeitungsschnipseln und vielem mehr bereichert werden. “Denn es ist nicht dasselbe, wenn wir uns einfach alte Fotos anschauen oder wenn unsere Eltern daneben sitzen und uns die Geschichte und die Hintergründe zu diesen Fotos erklären.” Mit The History Project sollen genau diese Geschichten wieder erzählt werden.

Screenshot Erstes Date 650x326

So werden durch die Timeline alte Erinnerungen wieder lebendig und in einen Zusammenhang gebracht. The History Project orientiert sich dabei an die Art und Weise, wie wir selbst Erinnerungen abspeichern. Ein bestimmtes Lied kann zum Beispiel eine Welle von Bildern, Orten und Ereignissen in unserer Erinnerung hervorrufen. Genau diese Erinnerungsflut will The History Project simulieren. Ein Klick auf das Ereignis “Erstes Date” ruft zum Beispiel gleichzeitig alte Fotos, die erste Email, die Musik, die damals spielte und eine Speisekarte des Restaurants auf.

Diese Geschichts-Timelines können auch mit anderen Nutzern geteilt werden, sodass man mit mehreren gleichzeitig an einer Geschichte arbeiten kann. Niles Lichtenstein ist es dabei wichtig, dass wir stets Zugriff auf die Geschichten haben. Geschichte soll dadurch ein viel größerer Teil unseres Alltags werden: “Wer an Geschichte denkt, sieht gleich langweilige alte Wälzer oder vergrabene Zeitkapseln vor sich, die man erst in 30 Jahren wieder ausgraben kann. Aber unsere Idee ist, dass Geschichte uns in unserem Alltag begleiten soll, wenn wir morgens unsere Emails checken oder beim Essen mit der Familie, wenn wir uns diese Geschichten erzählen.”

Lichtenstein glaubt, dass wir nur in und durch unsere Geschichten wirklich lebendig sind: Wenn unsere Großeltern davon erzählen, wie sie als Kinder gespielt haben; wenn unsere Onkel und Tanten uns verraten, wie viel Unsinn unsere Eltern früher getrieben haben; wenn wir uns an unsere Schulzeit erinnern. Mit anderen Worten: Wenn wir uns an all die Geschichten, die uns ausmachen erinnern und diese weitergeben, dann bleiben wir selbst dadurch lebendig und können anderen ein Stück von uns selbst mitgeben.

Das Erinnerungschaos ordnen

All das will The History Project auf digitale Art und Weise einfangen. Dabei ist das Ausfiltern von Erinnerungsstücken ein wichtiger Teil des Prozesses. Denn einerseits haben wir viele alte Objekte wie Fotos oder Kassetten, die vom Verfall bedroht sind. Andererseits verfügen wir über riesige digitale Datenbanken mit Tausenden Fotos, die völlig überwältigend – aber in ihrer angesammelten Masse auch völlig bedeutungslos sind.

The History Project hat sich zum Ziel gesetzt, Ordnung in dieses Erinnerungschaos zu bringen. Gespeichert wird alles im Netz, mit Cloud-Technologien. So bleiben bedeutungsvolle Erinnerungen nicht nur für uns, sondern auch für unsere Kinder und Enkel erhalten – das erhofft sich zumindest das Team von The History Project. Dabei ist das Projekt nicht nur für persönliche Erinnerungen oder als digitales Erinnerungsalbum für die Familie gedacht. The History Project kann beispielsweise auch von Firmen oder Organisationen genutzt werden, um ihre Gründungsgeschichte oder ihre Firmenideologie für ihre Angestellten, aber auch für die Zukunft festzuhalten.

Geschichte mit allen Sinnen erleben

Niles Lichtenstein gibt zu, dass die digitale Erinnerungszeitkapsel erst der Anfang ist. “Wir arbeiten derzeit auch an Techniken mit 3D Druckern oder digitalen Gerüchen, denn Erinnerung hat auch so viel mit Anfassen und Riechen zu tun.” Geschichte soll also mit allen Sinnen erlebt werden. Eine Idealvorstellung wäre für Lichtenstein etwa ein Video von der Oma beim Kochen, darunter liest man direkt das Rezept, hört die Radiomusik, die sie damals dazu gehört hat und riecht gleichzeitig das leckere Essen.

Ganz soweit ist The History Project aber noch nicht. Bisher kann man über die Webseite entweder selbst an digitalen Erinnerungesprojekten basteln (Spoiler Alert: hoher Spaßfaktor) oder das Team von The History Project, die selbsternannten Geschichts-Hausmeister, damit beauftragen, seine Erinnerungen professionell zu ordnen, entweder modern und digital als Web-Projekt, oder doch ganz klassisch – als Fotoalbum.

Screenshot Fotoalbum 650x165

Und die Moral von der Geschicht

Unsere Erinnerungen und unsere Geschichten machen uns als Menschen aus. The History Project bietet eine spannende sowie unterhaltsame Möglichkeit, diese in digitalen Zeitkapseln für uns sowie für nachfolgende Generationen aufzubewahren.

Niles Lichtenstein über die Hintergründe von The History Project


Teaser & Image “Kamera-Fotos” by condesign (CC0 Public Domain).


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Syrische Flüchtlinge dokumentieren ihre Flucht via Social Media

Syrian Refugees Crisis - HUNGARY IGNORANCE (adapted) (Image by Freedom House [CC0 Public Domain] via Flickr)

Syrische Flüchtlinge dokumentieren ihre Flucht auf Instagram und Facebook mit Smartphone-Schnappschüssen. Fotos sind für syrische Flüchtlinge oft der einzige Weg, um ihre Flucht in Erinnerung zu behalten und zu dokumentieren. Doch viele von ihnen haben die Bilder ihrer Flucht nicht nur geknipst, sondern sie danach auch auf sozialen Netzwerken wie Instagram oder Facebook veröffentlicht: als Erinnerung, als Mahnung, als Nachricht und als Botschaft. In einem Hotel in Athen hat Netzpiloten-Autorin Marinela Potor zwei syrische Flüchtlinge getroffen, die ihr ihre Geschichte erzählt haben, zusammen mit Fotos von der Flucht.

Wer in den Urlaub fährt, macht Fotos. Wer als Syrer auf der Flucht vor Krieg und Verfolgung ist auch. Was zunächst merkwürdig anmutet, ist eigentlich ganz logisch. Viele Flüchtlinge posten ihre Fotos auf sozialen Netzwerken, nicht nur um die Flucht zu illustrieren und festzuhalten, sondern auch um sie zu verarbeiten. Um ihren zurückgebliebenen Verwandten und Freunden zu zeigen, dass es ihnen gut geht. Um anderen Flüchtlingen Hoffnung zu machen. Um auf der schwierigen Flucht wenigstens einige wenige schöne Momente zu schaffen – selbst wenn es nur das Lächeln für den Schnappschuss ist.

Eindrucksvolle Fluchttagebücher in Bildern

So haben auch Maziad Aloush und Kamal Kawsara ihre Flucht aus Syrien, Land um Land, Grenzzaun um Grenzzaun, in Bildern festgehalten. Maziad ist mit seinen Brüdern per Boot und über Land nach Deutschland geflüchtet. Kamal ist über Boote, Busse und ein Flugzeug nach Belgien geflohen. Ihre Flucht-Fotos haben sie mit ihren Smartphones gemacht, um sie später auf Facebook oder Instagram zu veröffentlichen.

Auch Monate nach ihrer Flucht, schauen sie noch die alten Bilder an und erinnern sich and beschwerliche, aber auch an schöne Momente ihrer Flucht. Viele der Fotos erinnern in ihrer Selfie-Pose an ganz normale Urlaubsfotos, doch wer genau hinguckt erkennt schnell: diese Fotos haben wenig mit einem entspannten Ferienausflug zu tun. Sie zeigen wie die Flüchtlinge tagelang zu Fuß über die Balkanroute wandern, wie sie ohne Essen und ohne ein Dach über dem Kopf Schritt für Schritt ihrem Zielland näher kommen.

Flüchtlingsbilder wie die von Maziad und Kamal zeigen die schwierigsten, aber auch die hoffnungsvollsten Momente ihrer Flucht. So ist ein eindrucksvolles Bild-Tagebuch ihrer Flucht entstanden.

Ankunft in Europa

 

A photo posted by Maziad Aloush (@maziad.aloush) on

Endlich Europa! Maziad hat zum ersten Mal in seinem Leben (und das auch noch Nachts im Dunkeln) ein Boot gesteuert, um aus der Türkei zur griechischen Insel Lesbos zu gelangen. Nachdem ihm ein Schlepper um all sein Erspartes betrogen hatte, konnte er es sich nur so leisten, sich und seine zwei Brüder nach Europa zu bringen. Während Kamal tagelang vergeblich darauf wartet, mit gefälschten Pass per Flugzeug nach Frankreich zu fliegen, schaut er sich die Akropolis an. “Ich musste dabei an Syrien denken und wie viele historische Bauten dort durch den Krieg zerstört wurden.”

 

A photo posted by Maziad Aloush (@maziad.aloush) on

 

A photo posted by Maziad Aloush (@maziad.aloush) on

Um nach Mazedonien zu kommen, mussten Maziad und seine Gruppe 84 Kilometer zu Fuß durch den Wald stapfen. “Wir hatten nur Datteln zu essen und sehr wenig Wasser. An einem Punkt hatten wir kein Wasser mehr, und es war sehr heiß. Genau dann sind wir an eine Bergquelle gekommen – das war das beste Wasser, was ich je getrunken habe.” Einen einfacheren Weg gibt es nicht, denn dies ist die einzige Route, mit der Maziad und die anderen die strikten Grenzkontrollen in Mazedonien umgehen.

Kamal hat es mit sieben falschen Pässen nicht geschafft, einen Flug nach Frankreich zu bekommen. Er beschließt deswegen, mit dem Boot zurück nach Rhodos zu fahren und hofft, dass er dort mit seinem allerletzen Pass durch die Passkontrolle gelassen wird.

Die neue Heimat

Kamal hatte Glück. Er konnte mit seinem letzten Pass von Rhodos nach Paris fliegen. Hier holt ihn sein Bruder ab und sie fahren gemeinsam in Kamals neue Heimatstadt: Brüssel. Seit drei Monaten ist er mittlerweile hier und lernt schon fleißig Französisch: “Ich fühle mich sehr wohl hier und hoffe, dass ich die Sprache schnell lerne und mich möglichst schnell in die Gesellschaft aktiv einbringen kann.”

Nach vielen Monaten auf der Flucht sind sie endlich am Ziel. Maziad und seine Brüder werden von ihrem Cousin in Düsseldorf am Bahnhof abgeholt. Mittlerweile sind sie in einer Flüchtlingsunterkunft in Dorsten bei Dortmund – und warten immer noch darauf, dass ihr Aufenthaltsantrag geprüft wird.

Auch er sieht seine Zukunft in Deutschland: “Ich hoffe, es dauert nicht mehr lange, bis wir die Papiere haben. Dann kann ich endlich anfangen zu arbeiten und ein Flugticket für meine Eltern kaufen. Sie sind noch in Syrien – und sie sollen nicht wie ich über Land nach Deutschland kommen müssen.”

Unvergessliche Bilder

Wie auch viele andere Flüchtlinge haben auch Maziad und Kamal ihre Flucht nicht nur für sich, sondern auch für andere in Bildern auf sozialen Netzwerken wie Instagram oder Twitter festgehalten. Sie werden ihre Flucht sicherlich niemals vergessen, doch sie wollen auch, dass die Welt sie nicht vergisst. Ihre Bitte an die Netzpiloten: “Bitte veröffentlicht unsere Fotos! Wir möchten, dass so viele Menschen wie möglich unsere Bilder und unsere Geschichte sehen!”


Image (adapted) “Syrian Refugees Crisis – HUNGARY IGNORANCE” by Freedom House (CC0 Public Domain)


 

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Heute vor 70 Jahren: Historiker twittern Kriegsende

Von Bomben zerstörtes Magdeburg (Bundesarchiv, Bild 183-14025-0001 [CC BY-SA 3.0 de], via Wikimedia Commons)

Zum Jahrestag der Befreiung des KZs Auschwitz startete das Twistory-Projekt „Heute vor 70 Jahren“. Entstehen soll eine crossmediale Alltagsgeschichte. // von Dr. Erik Meyer

Von Bomben zerstörtes Magdeburg (Bundesarchiv, Bild 183-14025-0001 [CC BY-SA 3.0 de], via Wikimedia Commons)

Das Twitter-Profil @9nov38, unter dem die nationalsozialistischen Novemberpogrome nacherzählt wurden, bekam 2013 einige Resonanz. Nun geht es unter dem allgemeinen Namen @digitalpast weiter: Bis zum Jahrestag des Kriegsendes am 8. Mai werden einige Aspekte des historischen Geschehens 70 Jahre später jeweils in weniger als 140 Zeichen wiedergeben. Die Perspektive dieses historischen Echtzeitformats reflektiert der Titel des dazu erscheinenden Begleitbuchs: „Als der Krieg nach Hause kam“. Darin fokussiert Moritz Hoffmann die letzten Monate des deutschen Kriegsalltags als Kontext der Tweets.

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5 Lesetipps für den 5. Januar

In unseren Lesetipps geht es heute um das Streaming von Musik, die Sprache der Zukunft, Journalismus im Jahr 2015, die digitale Arbeitswelt und Geschichte. Ergänzungen erwünscht.

  • STREAMING Süddeutsche Zeitung: Spotify & Co. wird zum Massengeschäft: Über die Feiertage lockte der Streaming-Dienst Spotify hierzulande neue Kunden mit drei Monaten Mitgliedschaft für nur 99 Cent. Wie erfolgreich das Angebot war, weiß ich nicht, aber es ist eine bekannte Entwicklung des letzten Jahres, dass die Zahl der Musik-Downloads rückläufig ist, während die Zahl der Streaming-Abrufe wächst. Den meisten Nutzern geht es heute immer weniger um den Besitz einer Privatkopie, sondern viel mehr um den Zugang zu Musik – möglichst preiswert und von all ihren Geräten. Doch weil man damit weniger Geld verdient, wehren sich die ersten Musiker dagegen, wie z.B. Taylor Swift. Mal sehen, was das Jahr 2015 noch bringt.

  • SPRACHE The Wall Street Journal: What the World Will Speak in 2115: Das „The Saturday Essay“ des Sprachwissenschaftlers John H. Dr. McWhorter im Wall Street Journal hat mich an diesem Wochenende am meisten begeistert. Es ist ein spannender Text über die Entwicklung von Sprachen im Zeitalter der Globalisierung und die Thesen von McWhorter widersprechen wohl so jeder Aussage der hierzulande sehr konservativ geprägten Debatten zu diesem Thema. Zwar werden Sprachen verloren gehen und die restlichen Sprachen sich simplifizieren, aber das ist eine ganz normale Entwicklung und muss nichts schlechtes sein. Bisher wurde das biblische Sprachgewirr Bables als Fluch gesehen, der es zum einen nicht wirklich ist und dessen Zeit aber wohl langsam vorbei ist.

  • JOURNALISMUS Neue Digitale Medienwelt: Die sechs guten Vorsätze für Medien 2015: Ich habe gestern auf meinem Blog über vier Lektion des Medienwandel im Jahr 2014 geschrieben, den ich bei den Netzpiloten beobachtet habe. Diese Lektionen sind auch Arbeitsaufträge für uns, die ich gerne um diese sechs guten Vorsätze für Medien ergänzen möchte, die Stefan Westphal in seinem Blog über die neue digitale Medienwelt veröffentlicht hat. Denn das neue Jahr bietet viele Chancen, die Medienbranche und den Journalismus positiv weiterzuentwickeln, woran wir Netzpiloten uns gerne beteiligen.

  • ARBEITSWELT Golem: „Ganze Berufsfelder sind von der Digitalisierung bedroht“: Die Gewerkschaft Verdi will dasThema der Arbeitswelt im digitalen Zeitalter zu einem Schwerpunkt dieses Jahres machen, wie der Vorsitzende Frank Bsirske im Interview mit der dpa ankündigte. Mit einer Automatisierungsdividende, die in nicht bedrohte Branchen investiert werden müssen, um durch Automatisierung verloren gegangene Arbeitsplätze zu ersetzen, hat Bsirske schon eine diskussionswürdige Idee präsentiert. Ich bin gespannt, ob es nur um Reaktionen auf negativ gesehene Folgen gehen wird, wie z.B. ein Recht auf binäre Nichterreichbarkeit, oder ob die globale Vernetzung, Crowdsourcing, Coworking, etc. auch als zu gestaltende Chance gesehen werden. Dafür bräuchte es auch einen starken Wortführer, den die ihren zukünftigen Platz suchenden Gewerkschaften bisher nicht abgaben.

  • GESCHICHTE Blog von Achim Landwehr: Lepanto oder der fortgesetzte Missbrauch der Vergangenheit: In der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung durfte gestern der AfD-Politiker Konrad Adam einen sehr geschichtsvergessenen Text über die Schlacht von Lepanto auf Seite 2 der Zeitung veröffentlichen. Zuerst ärgerte ich mich über die politisch eindimendionale Nacherzählung der Geschehnisse, denn Adam reduzierte die Schlacht auf einen Glaubenskampf zwischen Christentum und Islam. Doch nicht nur mir, der ein Semester lang venezianische Geschichte in Venedig studierte, missfiel das, sondern auch dem Düsseldorfer Historiker Achim Landwehr, der auf seinem Blog eine lesenswerte Antwort gab und mir dabei auch wieder einmal zeigte, was das Schöne am Blogging ist.

Die morgendlichen Lesetipps und weitere Linktipps am Tag können auch bequem via WhatsApp abonniert werden. Jeden Tag informiert dann Netzpiloten-Projektleiter Tobias Schwarz persönlich über die lesenswertesten Artikel des Tages. Um diesen Service zu abonnieren, schicke eine WhatsApp-Nachricht mit dem Inhalt arrival an die Nummer +4917622931261 (die Nummer bitte nicht verändern). Um die Nachrichten abzubestellen, einfach departure an die gleiche Nummer senden. Wir werden, neben dem Link zu unseren morgendlichen Lesetipps, nicht mehr als fünf weitere Lesetipps am Tag versenden.

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Rezension: From Bedrooms to Billions

from bedrooms to billions (Bild: Kevin Finner)

Der Dokumentarfilm „From Bedrooms to Billions“ zeigt die Entwicklung der Spieleindustrie in Großbritannien. Eine Rezension. // von Lukas Menzel

from bedrooms to billions (Bild: Kevin Finner)

Am 11. November 2014 luden Gaming-Aid und gamecity:Hamburg zu einem exklusiven Kinoabend in das Abaton Kino in Hamburg ein. Zusehen gab es dort nicht nur den Dokumentarfilm „From Bedrooms to Billions“, sondern auch die Produzenten des Films, Nicola und Anthony Caulfield, sowie der britische Game-Designer Simon Butler waren vor Ort. Diese stellten sich in einem Q&A den Fragen von Tashin Avci (Gaming-Aid, Pop Rocket Games), Stefan Klein (gamecity:Hamburg) sowie dem Publikum und erzählten so ein wenig über den Film und die Spielebranche in Großbritannien. Anschließend gab es dann den Film zu sehen, der die Entwicklung der britischen Spielebranche von den 1970er Jahren bis heute zeigte.

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#Mauerfall: Geschichte digital (nach-)erzählen

Berlin Denkmal (adapted) (Image by Photoholiday [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Vor 25 Jahren fiel die Berliner Mauer. Auch im Netz bringt dieses Jubiläum diverse Formate kommemorativer Kommunikation hervor. Während in Berlin die Mauer in einer Aktion als Lichtgrenze wieder sichtbar gemacht wird, scheitert das ZDF beim spielerischen Versuch, genügend Nutzer für einen virtuellen Mauerfall im Netz zu mobilisieren. Interessante Inhalte liefern Formate, die das historische Geschehen im Echtzeitmodus vergegenwärtigen.

Die Mauer steht noch – zumindest bei der #Mauerspecht-Challenge. Das ZDF wollte „die Mauer nochmals symbolisch einreißen und dabei erfahren, welche Bedeutung die deutsch-deutsche Teilung und Wiedervereinigung heute“ hat. 160.000 nutzergenerierte Beiträge wären dazu notwendig gewesen. Gesammelt hat das ZDF Tweets und Instagram-Inhalte mit dem Hashtag #mauerspecht, Kommentare zu eigenen Facebook-Einträgen zum Thema sowie Beiträge, die über ein Formular online eingereicht werden konnten. Inhaltlich sollte es selbstverständlich um thematisch einschlägige Gedanken, Fotos oder Videos gehen.

Tweet down this Wall!

Zur Visualisierung der Beteiligung an der Aktion wurde folgendes Szenario entworfen: „Unsere virtuelle Berliner Mauer ist 160.000 Meter lang. Sie besteht aus 320 Stücken, jedes Stück wiederum aus fünf Fragmenten. Um ein Mauerfragment herauszubrechen, werden 100 Beiträge benötigt, um ein Mauerstück einzureißen 500. Jeder Beitrag/Post entspricht, übertragen auf unseren Maßstab, einem Meter virtueller Mauer. Für die insgesamt 160.000 Meter sind also 160.000 Beiträge/Posts nötig. Wie weit unser Mauerspecht schon gekommen ist und wie viel Arbeit noch vor ihm liegt, könnt Ihr live mitverfolgen„. Dazu wurde ein Fortschrittsbalken sowie eine redaktionelle Auswahl von Beiträgen angezeigt. Auch wenn das ZDF am Abend des 9. November 2014 via Twitter zum „Endspurt“ aufrief, stehen am Morgen danach noch 130 Kilometer der virtuellen Mauer.

 

Dass Erinnerungen von Zeitzeugen durch Aufrufe in sozialen Medien erhoben werden, ist zwar kein neues Format der Erinnerungskultur 2.0, aber eine derart explizite Kombination von Crowdsourcing und Gamification ist schon exzeptionell. Und in der Realität wurde die Mauer am 9. November 1989 nur geöffnet und nicht gleich in ganzer Länge zu Fall gebracht. Insofern ist es historisch durchaus angemessen, dass das Spielziel des ZDF nicht zum vorgesehenen Zeitpunkt erreicht wurde.

Ein populäres Erinnerungsmotiv hat die Unionsfraktion im Deutschen Bundestag zum Ausgangspunkt für eine eigene Initiative genommen: “wowarstdu”? fragt sie im Hinblick auf den 9. November 1989 und sammelt mit diesem Hashtag versehene Tweets in einer eigenen Kollektion bei Twitter. Diese ist ebenso wie eine Playlist mit Video-Antworten von Bundestagsabgeordneten auf die Frage Bestandteil einer Microsite der Fraktion zum Mauerfall.

Tweet like it’s 1989

Große Resonanz erzielt die Vergegenwärtigung der Vergangenheit durch „historische Echtzeitformate“. Prominent ist hier das Profil @Mauerfall89. Unter dem Titel „Heute vor 25 Jahren“ betreibt der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, das Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam und die BILD-Zeitung bereits seit dem 19. August 2014 einen Twitter-Feed. In hoher Frequenz werden dort vor allem visuelle Inhalte geteilt und von den bis zum Jubiläum über 14.000 Abonnenten auch viral verbreitet. Dabei handelt es sich nicht nur um bekannte Bildikonen, sondern auch um historische Dokumente aus dem Archiv.

Diesen Ansatz wählte auch das Twitter-Profil der Tagesschau, allerdings komprimiert auf 24 Stunden: In dieser Zeitspanne twitterte deren Team als wäre es 1989. Es gab also nicht nur Neuigkeiten zum Mauerfall, sondern auch andere Nachrichten zum Weltgeschehen, aber auch historische Sportergebnisse und das Wetter. Und was für @Mauerfall die Dokumente sowie Ausschnitte aus der BILD-Zeitung sind, sind für die @Tagesschau die Begwegtbild-Quellen. Diese Inhalte wurden zusätzlich auf einer Microsite aggregiert, so dass eine eigene Chronologie des Tages aus der mediengeschichtliche Perspektive der Nachrichtensendung entstanden ist.

Damit liefern die Macher einen wichtigen Beitrag, denn sowohl die individuelle Artikulation von Erinnerungen in sozialen Medien, als auch die Echtzeitformate sind zunächst fragmentarisch und flüchtig. Insofern fragt sich auch, was der Aufruf zur Fabrikation von Crowdsourced Memory außer der Stimulation einer aufmerksamkeitsökonomischen Konjunkturschwankung bewirken soll. Soll die Beteiligung der Nutzer nachhaltig sein, bedürfte es einer inhaltlichen Auswertung und visuellen Aufbereitung der aggregierten Daten. Diese steht bislang noch aus.


Image (adapted) „Berlin Denkmal“ by Photoholiday (CC0 Public Domain)

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5 Lesetipps für den 6. November

In unseren Lesetipps geht es um Apps für Geschichte und Nachrichten, Sicherheit oder Komfort, eine Studie zu offenem WLAN und das Leistungsschutzrecht. Ergänzungen erwünscht.

  • GESCHICHTE Politik Digital: Timetraveler-App „The Berlin Wall“: Die Deutschen feiern Feste zwar nicht gerade wie sie fallen, z.B. zu den Jahrestagen der Reichsprogromnacht oder den beiden Weltkriegen wurde nur halb so viel Wirbel gemacht wie jetzt zum Gedenken an den Mauerfall, aber wenn sie es mal tun, spielen auch Apps eine immer größere Rolle in der Wahrnehmung von Geschichte. Auf Politik Digital stellt Pia Thiele die App „The Berlin Wall“ vor, mit der man durch Augmented Reality eine Zeitreise machen kann.

  • NACHRICHTEN New York Times: Flipboard, Circa and Other Apps to Keep Track of the News: In der New York Times stellt Kit Eaton ein paar Nachrichten-Apps vor, mit denen viele Menschen bereits Journalismus gebündelt konsumieren. Natürlich fehlt auch nicht die eigene App „NYT Now“, aber der Artikel ist allgemein interessant und bietet einen guten Überblick. Mit Circa wird auch ein spannender Dienst vorgestellt, der bereits plant, nach Deutschland zu kommen.

  • SICHERHEIT Wired: Dropbox-Chef antwortet auf Snowdens Kritik: Bei der Nutzung von digitalen Diensten muss man in der Post-Snowden-Ära einen Kompromiss zwischen Sicherheit und Komfort machen. Was Bundesinnenminister Thomas de Maizière immer wieder betont, hat gestern auch Dropbox-CEO Drew Houston auf dem Dubliner Web Summit gesagt und damit auf Snowdens Kritik reagiert. „Es ist eben ein Trade-off zwischen Komfort und Sicherheit“ zitiert ihn Timo Brücken auf Wired.de. Da trifft er einen wunden Punkt, denn darüber dass Verschlüsselung zu kompliziert sei, um sie im Alltag zu nutzen, wird immer wieder geklagt. Das muss aber nicht so bleiben. Eine Perspektive, die auch für Thomas de Maizière interessant sein kann.

  • OFFENES WLAN Deutschlandfunk: Extrem wenig offene Netze in Deutschland: Bei der gestrigen #cnight, einer netzpolitischen Veranstaltung der CDU (Bericht folgt auf Netzpiloten.de), drehte sich die erste Frage aus dem Publikum um das Thema freies und offenes WLAN. Was in Berlin und anderswo als Tourismus-Extra dargestellt wird, wurde von der Politik noch immer nicht als für die Innovation der Wirtschaft entscheidendes Element angesehen. Zwar soll die Störerhaftung abgeschafft werden, aber auch nur fürs Gewerbe – Flickwerk anstatt eine richtige Lösung. In einem Deutschlandfunk-Beitrag zeigt Philip Banse auf, dass es gerade in Deutschland extrem wenig offene Netze gibt und stellt eine neue Studie vor, die nach den Gründen dafür gesucht hat.

  • LEISTUNGSSCHUTZRECHT Stefan Niggemeiers Blog: Google bekommt Vorzugsbehandlung von Axel Springer: Das Leistungsschutzrecht für Presseverlage ist mit Springers Entschluss, Google eine „Gratis-Lizenz“ einzuräumen, endgültig gescheitert und noch ein Stück absurder geworden. Es ist das eingetreten, wovor seit Jahren gewarnt wurde. Die großen Presseverlage kapitulieren früher oder später, verzichten auf die Anwendung des Gesetzes, welches aber weiterhin bestehen bleibt und deshalb vor allem die kleinen Marktteilnehmer trifft, gegenüber die Presseverlage weiterhin auf Zahlungen bestehen werden. Wenn Axel Springer seinen wichtigsten Werbepartner mit dem Leistungsschutzrecht helfen wollte, haben sie das perfekt getan.

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5 Lesetipps für den 23. September

In unseren Lesetipps geht es heute um Netflix in Deutschland, Alibaba, der Austritt bei der Piratenpartei, Apples Fingerabdruck-Scan und das Internet um 1997. Ergänzungen erwünscht.

  • NETFLIX Genrefilm: Von Netflix den Spiegel vorgehalten: Gerade deutsche TV-Autoren und -Produzenten hatten sich schon sehr auf den Netflix-Start in Deutschland gefreut. Ein finanzstarker Player ist nun im Spiel. Auch Netflix-Gründer Reed Hastings war noch der Meinung: „Wir werden sicher auch in Deutschland produzieren„. Doch dieser Traum ist jetzt geplatzt. Es fehle an Serienstoffen, die auch international Interesse wecken. Eine Chance zur Selbstreflektion?

  • ALIBABA Golem: Datenschützer warnt vor Alibaba: Die chinesische Handelsplattform Alibaba startete am vergangenen Freitag an der New Yorker Börse. Dabei nahm das Unternehmen rund 25,03 Milliarden US-Dollar ein. Am ersten Handelstag stieg der Kurs um mehr als 36 Prozent über den Ausgabepreis von 68 US-Dollar. Nun warnt der schleswig-holsteinische Landesdatenschützer Thilo Weichert vor „absoluter Intransparenz und offensichtlichen Verstößen gegen deutsches und europäisches Datenschutzrecht„.

  • POLITIK Anke Domscheit Berg: Der letzte Tropfen war zu viel. Tschüss, Piratenpartei.: Vor 2,5 Jahren wurde Anke Domscheit Berg Mitglied der Piratenpartei, weil sie glaubte, innerhalb der Partei effektiver für ihre Überzeugungen kämpfen zu können. Nun tritt sie aus, weil sie glaubt, dass inzwischen das Gegenteil der Fall ist: „Ich bin es leid, wichtige Themen als sekundär zu erleben, weil das drölfzigste Gate wichtiger ist.

  • APPLE FAZ: Fingerabdrucksensor beim neuen iPhone geknackt: Nun ist es endlich da – das iPhone 6. Die 10 Millionen-Verkaufsmarke ist erreicht. Doch nun melden sich auch schon wieder Spezialisten: Diese können den Fingerabdrucksensor offenbar umgehen. Ein neues Gerät und alte Probleme? Der weiterentwickelte Sensor scheint einen „Hack“ nicht entgegenwirken zu können.

  • INTERNET Kraftfuttermischwerk: Eine Frage aus dem Jahr 1997: “Muss es unbedingt das Internet sein?”: Das Internet als Modeerscheinung – Das „World Wide Web“ wird sich wahrscheinlich eh nie durchsetzen. Zumindest war das die Auffassung in den 90er Jahren. Damals war man noch der Meinung, dass die gelben Seiten besser als jede Google-Recherche und Freunde die nächste Anlaufstelle für Fragen sind. Hach, irgendwie war es früher doch auch nett oder?

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Videokolumne vom 12. Januar 2014

Bildempfangsstörung (Bild Paulae [CC-BY-3.0], via Wikimedia Commons)

Ein Spezial der Videokolumne zum Jubiläumsjahr 2014: 100 Jahre Erster Weltkrieg. Der deutsch-französische Sender arte ist prädestiniert für einen besonderen Blick auf die Epoche. // von Hannes Richter

Es ist so eine Sache mit den Mediatheken und Videoplattformen: Für viele Digital Natives sind sie schon Fernsehersatz – vieles ist überall abrufbar, manches aber nur auf Zeit: Gerade die öffentlich-rechtlichen Programme in den Mediatheken der Sender sind oft nach einer Woche wieder offline. Verlängertes Fernsehen statt digitales Archiv. Bevor sie verschwinden, fischt Hannes Richter die besten Perlen des TV-Vielfalt aus den Online-Archiven und präsentiert sie in seiner wöchentlichen Kolumne.

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Mediathekenumschau vom 27. Oktober

Bildempfangsstörung (Bild Paulae [CC-BY-3.0], via Wikimedia Commons)

In der Mediathekenumschau heute: Dokumentarfilme sind auch nicht das, was sie mal waren. // von Hannes Richter

Es ist so eine Sache mit den Mediatheken: Für viele Digital Natives sind sie schon Fernsehersatz – alles ist überall abrufbar. Doch nur auf Zeit: Gerade die öffentlich-rechtlichen Programme sind oft nach einer Woche wieder offline. Verlängertes Fernsehen statt digitales Archiv. Bevor sie verschwinden, fischen wir die besten Perlen aus der TV-Flut.

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Die Mediathekenumschau vom 30. Juni

Es ist so eine Sache mit den Mediatheken: Für viele Digital Natives sind sie schon Fernsehersatz – alles ist überall abrufbar. Doch nur auf Zeit: Gerade die öffentlich-rechtlichen Programme sind oft nach einer Woche wieder offline. Verlängertes Fernsehen statt digitales Archiv. Bevor sie verschwinden, fischen wir die besten Perlen aus der TV-Flut.

Vergessene Filmschätze

arte +++ Sendung vom 29. Juni: Eine Fundgrube! Regelmäßig sammelt arte historische Filmaufnahmen zusammen und stellt diese in einen oft auch für Auskenner überraschenden Kontext. In der aktuellen Ausgabe zeigt die Reihe Aufnahmen der allierten Siegesfeiern nach dem Ersten Weltkrieg. Seltsam gestellt wirken diese Bilder, dabei gab es doch wirklich einen Grund zu feiern… Im Fernsehen werden sich wohl wenige die Zeit für einen Trip in die Vergangenheit nehmen. In einer Mediathek schnell mal reinschauen, lohnt sich.

Wanted im Netz

3Sat +++ Kulturzeit +++ Sendung 28. Juni: NSA-Skandal, Lauschangriff und Tempora – Im Windschatten der großen Nachrichten segelt so manches deutsche Sicherheitsorgan unter dem Radar. Oder hätten sie gedacht, dass die Polizei inzwischen immer öfter ins Netz geht und gezielt, quasi auf du und du mit dem User, in sozialen Netzwerken auf Gangsterjagd geht. Über Sinn, Unsinn und Zukunft der digitalen Polizeiarbeit hat sich die Redaktion von Kulturzeit Gedanken gemacht.

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TV-Tipp: 60 Jahre „BILD“ – die Macht einer Zeitung

60 Jahre ttt – titel, thesen, temperamente hat gestern Abend einen interessanten Beitrag zur BILD-Zeitung gebracht. Er ist insofern interessant, da mir gar nicht klar war, dass die BILD mal tatsächlich auch bei der breiten Masse unbeliebt war.

Ein „Gossenblatt“. Das zumindest sagt man in diesem Videobeitrag.


    Deutschlands größte Zeitung wird 60 – und steht trotz einer seit Jahren sinkenden Auflage besser da denn je: Spätestens seitder Wulff-Affäre erkennen auch Gegner an, dass Bild tatsächlich zum Meinungsführer geworden ist. Bleibt die Frage: Wiehaben die das gemacht, bei Bild? Wie mächtig ist das Blatt? „ttt“ spricht mit Ex-Chefredakteur Udo Röbel, dem Bild-KritikerKlaus Staeck und lässt auch den Schauspieler Ottfried Fischer zu Wort kommen – einer der wenigen Prominenten, der eswagte, gegen Bild vor Gericht zu ziehen.

Den Videobeitrag findet Ihr hier. Eine ausführlichere Doku wird heute um 22.45 im Ersten ausgestrahlt – Bild.Macht.Politik.

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Geschichte des Internet und Ursprung des Web

Anläßlich der Diskussion um das Web und dessen Auswirkungen nicht zuletzt im öffentlichen Fernsehen, ist es offenbar an der Zeit, einige Vorurteile und Legenden zu beleuchten. Denn um eine profunde Diskussion darüber zu führen, was es kann das weltweite Datennetz, wäre es hilfreich, seine Anfänge und Vorhaben in den Blick zu nehmen, da die primäre Gestaltung dieses Netzes Folgen hatte, die wir heute zumindest teilweise in den Menschen oder die Gesellschaft verlegen.
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