E-Books werden beliebter – die Buchpreisbindung nicht

Laut einer Studie des Marktforschungsinstitut Ipsos sind E-Books voll im Trend – die Mehrheit der Deutschen will sie aber deutlich günstiger als gedruckte Bücher. Für die von der Gutscheinplattform Deals.com beauftragten Studie hat das Marktforschungsinstitut Ipsos über 1.005 Studienteilnehmer nach ihren Lesegewohnheiten gefragt. Interessant ist, dass im Vergleich zum Vorjahr 10 Prozent mehr Deutsche E-Books lesen, dass ihn aber der durch die Buchpreisbindung festgelegten Preis dafür zu teuer ist. In Deutschland wird sich dieser Preis nicht ändern, denn die Buchpreisbindung ist ein von den Verlagen hart verteidigtes Politikum.

 


 

  • 2 von 5 der Deutschen haben bereits ein E-Book gelesen – rund 10 Prozentpunkte mehr als 2012.
  • E-Reader und Tablets als E-Book-Medien stark im Kommen, dennoch: Jeder Vierte findet E-Books zu teuer.
  • Doch das Politikum Buchpreisbindung wird preiswertere E-Books auch in Zukunft verhindern.

E-Books werden immer beliebter

Das Portal für kostenlose Gutscheine und Rabatte, Deals.com, hat bereits zum zweiten Mal das E-Book-Leseverhalten der Deutschen unter die Lupe genommen. Fazit: E-Books werden immer beliebter. Während noch vor einem Jahr nur jeder dritte Deutsche schon mal ein E-Book gelesen hat, liegt die Zahl der Nutzer mittlerweile bei 41 Prozent. Auch wenn elektronische Bücher weithin bekannt sind, werden sie dennoch wenig gelesen: Nur ein Drittel (32 Prozent) der E-Book-Nutzer liest E-Books mehrmals die Woche oder sogar täglich – 42 Prozent nur einmal im Monat oder seltener. Jeder Zehnte behauptet allerdings, mehr zu lesen, seitdem er E-Books nutzt.

Was die Wahl des Mediums angeht, so geht der Trend ganz klar zu spezialisierten E-Readern. Vor allem die Beliebtheit von Notebooks und PCs als Medium für den Lesestoff sank im Vergleich zum Vorjahr: Nur noch 26 Prozent lesen E-Books auf diesen Geräten (49 Prozent 2012). Der Amazon Kindle wird von jedem vierten E-Book-Leser genutzt (Anstieg gegenüber 2012 von 16 auf 25 Prozent 2013). Auch iPads (12 Prozent) und andere Tablets (17 Prozent) erfreuen sich großer Beliebtheit. Das mobile Lesevergnügen scheint bei den Deutschen vor dem Zugang an sich zu E-Books entscheidend zu sein.

Politikum Buchpreisbindung

Die noch relativ geringe Nutzung von E-Books ist vor allem auf die zu hohen Geräte- und E-Book-Preise zurückzuführen. Jeder Vierte behauptet, dass ihm E-Books und E-Reader zu teuer sind (je 23 Prozent). Ganze 59 Prozent sagen ganz klar: E-Books sollten im Vergleich zum gedruckten Buch deutlich günstiger sein. Mehr als jeder Dritte behauptet, er würde sich eher für ein E-Book entscheiden, wenn es nur halb so viel kosten würde wie ein gedrucktes Buch (38 Prozent). Jeder Siebte liest derzeit sogar ausschließlich kostenlose E-Books (14 Prozent). Rund 60 Prozent der Deutschen fordern also deutlich günstigere Preise bei E-Books. Doch dazu wird es nicht kommen.

Die Buchpreisbindung sorgt dafür, dass von den Verlagen festgelegte Preise für sämtliche in Deutschland verlegten Bücher einzuhalten sind. Außerdem gilt die Buchpreisbindung für „Produkte, die Bücher, (…) reproduzieren oder substituieren und bei Würdigung der Gesamtumstände als überwiegend verlags- oder buchhandelstypisch anzusehen sind sowie kombinierte Objekte, bei denen eines der genannten Erzeugnisse die Hauptsache bildet“, wie zum Beispiel E-Books. Still und leise wird deshalb bei den laufenden Koalitionsverhandlungen von CDU/CSU und SPD auch über die Buchpreisbindung geredet. Gegenüber Deutschlandradio Kultur nannte der frühere Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin (SPD) auch „die Zukunft der Buchpreisbindung“ als ein Thema der laufenden Verhandlungen in der Arbeitsgruppe. Eine Änderung ist nämlich kaum zu erwarten.

Der Erhalt der Buchpreisbindung ist eine fast unumstößliche Forderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, für den „der feste Ladenpreise zum Erhalt einer intakten Buchhandelslandschaft“ beiträgt. Die Bundesregierung hat bisher, besonders unter dem scheidenden Kulturstaatsminister Bernd Neumann, daran auch nichts ändern wollen. Auch auf Europa-Ebene ist keine Initiative zu erwarten, wie die französische Kulturministerin Aurélie Filippetti im Interview mit der FAZ bekräftigt. Laut Filippetti steht die Buchpreisbindung beim geplanten USA/EU-Freihandelsabkommen nicht zur Debatte: „Das ist nicht verhandelbar„.

Mauern statt Windmühlen?

Ein chinesisches Sprichwort sagt: „Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern, die anderen Windmühlen.“ und der Wind stürmt regelrecht im Buchhandel, denn die Branche befindet sich im Umbruch. Die Buchpreisbindung stellt dabei eine Mauer dar, ein gesetzlicher Schutzmechanismus, der scheinbar den Kunden immer mehr ein Dorn im Auge wird, aber auch Internethändler, allen voran Amazon. Das die für das Unternehmen wertvollen E-Books in Deutschland trotz wachsender Verbreitung des eigenen E-Readers noch nicht wie in den USA die Verkaufszahlen gedruckter Bücher überholt haben, liegt vor allem an dieser ganz besonderen Mauer. Bisher um geht Amazon die Schranke mit der Veröffentlichung verlagseigener Bücher, bei denen Amazon die Preise selber festlegen kann.

Doch politisch ist die Sache wohl erst einmal nicht zu ändern. Zwar erkennt die EU-Kommission E-Books nicht als Kulturgüter an, sondern bewertet sie als Software-Dienstleistungen (weshalb übrigens in Deutschland der normale Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent gilt), doch Deutschland und Frankreich zeigen beim Thema Kulturpolitik keinerlei Sympathien für marktliberalere Vorstellungen. Eine fortschrittliche Veränderung ist zur Zeit nur denkbar, wenn Bücher in erster Linie als E-Book erscheinen, die Verlage dem Preiskampf gegen Amazon verlieren oder es eine Reform des Urheberrechts geben wird, die den Handel mit gebrauchten E-Books, ähnlich wie bei gedruckten Büchern, ermöglicht, denn so könnte die Preisbindung offiziell aufgehoben werden. Interessant wird zu beobachten sein, ob die Kunden auf unautorisierte Filesharing-Plattformen ausweichen, mehr fremdsprachliche E-Books kaufen oder Amazons niedrigen Preisen folgen. So oder so, der deutsche Buchhandel wird ohne eine alle Interessen berücksichtigenden Regelung wahrscheinlich hinter seiner Mauer ausgehungert werden.

 


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18 comments

  1. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Aber hier werden Dinge (Ebook-Pricing, Buchpreisbindung, US-Buchmarkt – deutscher Buchmarkt) miteinander in Beziehung gesetzt und verkürzt dargestellt, die wenig oder nur mittelbar miteinander zu tun haben. In Frankreich ist die Buchpreisbindung im übrigen bereits schon mal gekippt worden. Dass Frankreich kein Interesse mehr daran hat, das nochmal zu tun, hängt genau mit dieser Erfahrung zusammen.

    Vielleicht sprichst Du mal mit ein paar Leuten aus der Buchbranche. Ich lade Dich herzlich ein in die Gruppe der Onliner in Verlagen bei Facebook: https://www.facebook.com/groups/onlinerverlage/

  2. Das zu-optimierende E-Book-Pricing an die Buchpreisbindung zu hängen scheint mir sehr kurz gedacht und nicht gründlich recherchiert. Die Buchpreisbindung hindert ja die Verlage nicht daran, einen niedrigeren Preis anzusetzen, das tun die verlagsinternen Kalkulationen.

    Im Übrigen ist der amerikanische Markt für Leser und Leserinnen im ersten Moment natürlich attraktiv, aber zu so einem Artikel gehört vielleicht auch, das Ganze kurz aus Verlagssicht zu beleuchten, und dann sieht die neue Welt gar nicht mehr so rosig aus. Dass Verlage gern auch Geld mit ihren Produkten verdienen würden, kann man ihnen wohl kaum übel nehmen.
    Wie sie glauben, sich diese Umsätze sichern zu können, durchaus. Und da darf auch kräftig kritisiert werden, aber bitte fundiert.
    Bei meier-meint.de gab es vor Kurzem eine oder zwei Vorträge mit Slides zu dem Thema. (E-Book-Pricing ebenso wie globale Märkte)

    Es ist bestimmt richtig, dass die Buchpreisbindung daran beteiligt ist, dass der E-Book-Markt hier langsamer wächst als in den USA oder UK. Aber sie ist längst nicht die alleinige Ursache und hier wird ein sehr komplexes Thema sehr einseitig und plakativ abgehandelt. Schade, da hätte man mehr draus machen können, finde ich.

  3. Mich irritiert etwas eure einseitige Kritik. Weder stelle ich die Buchpreisbindung in Frage, zumindest nicht in diesem Artikel, noch ergreife ich einseitig Partei. Es gibt hier zum einen den Fakt, dass Kunden sich an den hohen Preisen für E-Books stören und zum anderen den Fakt, dass dieser durch die deutsche Buchpreisbindung entsteht. Wenn ihr beide mehr daraus machen wollte, gebe ich euch gerne hier Platz für eine Diskussion in Form von Gastbeiträgen. Schrebt mir dazu einfach eine Mail. Natürlich veröffentliche ich erst nach Prüfung, dass das keine einseitigen und plakativen Beiträge der Verlagslobby sind.

    Falls es wirklich einen zweiten Grund für eine hohe Buchpreisbindung gibt, würde der mich interessieren. Ich sehe ihn aber nicht, denn wenn jemand nur ein E-Book veröffentlicht und der Preis selber festgelegt ist, reden wir von wenigen Euros und nicht für 20 Euro und dann gehört einem, wie bei Amazon, noch nicht einmal das Buch, aber die Beschneidung des Rechts auf Privatkopie durch DRM ist ein anderes Fass, dass wir an anderer Stelle aufmachen können.

  4. Natürlich stellst Du in diesem Artikel die Buchpreisbindung als unverständlich und abschaffungswürdig dar. Das kann man machen, sollte dann aber auch nicht unterschiedliche Dinge miteinander verrühren.

    Ich verstehe nicht recht, was Du unter einer „hohen Buchpreisbindung“ verstehst. Für einen Gastbeitrag fehlen mir momentan Geduld und Zeit. Ich ärgere mich einfach, wenn hier Dinge miteinander in Beziehung gesetzt werden, die nicht wirklich etwas miteinander zu tun haben. Die teilweise hohen Preise für Ebooks rühren nicht aus der Buchpreisbindung, sondern aus dem Pricing. Das ist momentan jedoch ein Findungsprozess, den man den Verlagen zubilligen kann, den man auch verurteilen kann. Das hat allerdings nichts mit der Preisbindung zu tun.

    Es gibt durchaus Ebooks ab 0,99 €, seien es Ebooks der Selfpublisher oder Experimente von Verlagen. Die Buchpreisbindung garantiert schlicht denselben Preis in jedem Shop. Wie hoch der jedoch ist, legt derjenige fest, der das Buch veröffentlicht. Und für die meisten Verlage, insbesondere Publikumsverlage, ist immer noch das gedruckte Buch das Kerngeschäft. Wie gesagt, das ist ein Prozess. Wenn das Hardcover neu für 24,99€ erscheint, tun die Verlage (und die Autoren) sich schwer, denselben Inhalt für 0,99€ zu veröffentlichen. Dass die Faustregel, Ebooks um ca. 20% billiger als das Hardcover anzubieten, wenig praktikabel ist, ist etwas anderes.

    Davon abgesehen ist der amerikanische Buchmarkt mit dem deutschen Buchmarkt vor allem strukturell nicht wirklich vergleichbar, wenn man auch ein paar Tendenzen ablesen kann. Aber das wäre in der Tat einen eigenen Blogbeitrag wert.

    1. Interessante Argumentation, Wibke. Ich stelle die Argumentationskette auf „Buchpreisbindung > Preis für E-Book“, also das die Buchpreisbindung für den Preis eines E-Books sorgt und du sagst, dass das Pricing der Verlage dafür sorgt, also „Preis für Print > Buchpreisbindung > Preis für E-Book“. Da ich das als gegeben angesehen habe und den Verlagen nicht das Pricing vorschreiben will, habe ich das weggelassen, wir meinen aber beide dasselbe. Nur das du deinen Gedanken, wenn er von mir kommt, als falsch und plakativ darstellst.

      Ich verstehe, dass ein gedrucktes Buch 18 Euro kostet. Die meisten verstehen aber nicht, dass dann auch das E-Book 18 Euro kostet. Dieser Preis für das E-Book ist aber kein Ergebnis eines Pricing-Prozesses, sondern Ergebnis der Buchpreisbindung, die das Pricing eines gedruckten Buches ja auch ein E-Book überträgt. Das weißt du eigentlich auch und die Börsenverein-Fans auf Facebook. Euer Problem ist, dass die Kunden euch vor die Wahl stellen, sich den Kundenwünschen anzupassen oder wie das jemand neulich bei einer Podiumsdiskussion zum Thema E-Books formulierte, „sterben zu gehen“ (nicht meine Worte!).

      Das Pricing von gedruckten Büchern kritisiert niemand, sollten E-Books aber weiterhin so viel kosten, wird der Kunde zu unautorisierten aber preiswerten Plattformen gezwungen und die Verlage gehen langfristig wahrscheinlich pleite. Bis dahin kann mensch aber gerne der Politik des Börsenvereins folgen. Gemeinsam gegen Wände zu fahren klingt ja auch irgendwie nach Spaß. Da ich beruflich nichts mit Büchern mache und als Kunde sowieso mit Klicks abstimme, also dahin gehe, wo mein Kundenwunsch zu meinen Vorstellungen befriedigt wird, kann mir auch egal sein, was die Buchbranche macht und ist es auch. Schönen Sonntag noch! :-)

  5. Natürlich ist ja immer alles zu teuer. Vielleicht wäre es im Rahmen dieses Artikels aber doch ganz aufschlussreich gewesen, zu erklären, warum E-Books nicht mehr sehr viel billiger werden können, da ja für die Verlage nur die Druckkosten wegfallen. Wäre vielleicht auch eine gute Gelegenheit gewesen, auf die Bedingungen einzugehen unter denen Verlage heute Bücher machen. Und warum. Anstatt wieder einmal Äpfel mit Birnen zu vergleichen.

    1. Stimmt, vielleicht werden auch ohne Buchpreisbindung Verlagsprodukte als E-Book nicht 2,99 Euro kosten, während Bücher im Selbstverlag das schaffen. Der Kunde wird dann entscheiden, ob ein E-Book für 2,99 Euro inklusive Verlagsleistung gefragter ist als ein E-Book für 0,99 Euro ohne Verlag dahinter. Das ist kein zu diskutierendes Politikum, sondern ein zu beobachtender Markt. Aber wir sehen ja, wie sich das beim Musikmarkt verhalten hat. Vinyl kostet immer noch so viel wie früher, manchmal mehr, während es die digitale Version viel preiswerter gibt. Trotzdem werden immer mehr Schallplatten verkauft, wenn auch der Anteil insgesamt gering ist. Etwas besser wird es sich meines Erachtens bei Büchern (mit oder ohne Buchpreisbindung) verhalten. Gedruckte Bücher werden weiterhin in Deutschland gekauft werden, in Deutschland sicher zwischen 40 und 60 Prozent, während E-Books preiswerter werden bzw. die preiswerteren Versionen im Selbstverlag sich durchsetzen).

  6. „Ich verstehe, dass ein gedrucktes Buch 18 Euro kostet. Die meisten verstehen aber nicht, dass dann auch das E-Book 18 Euro kostet.“

    Entschuldige, aber das ist nicht richtig. Ebooks sind nicht automatisch an den Preis eines gedruckten Buchs gekoppelt, sondern werden, wie ich schrieb, unabhängig voneinander festgelegt. Die Faustregel, den Preis für ein Ebook ca. 20% unter dem Preis für das gedruckte Buch anzusetzen, ist nicht bindend.

    Wenn es Dir egal ist, was die Buchbranche macht, verstehe ich nicht, warum Du darüber schreibst. Die Kritik auf Deinen Beitrag allein auf den Börsenverein zurückzuführen, wird den Börsenverein freuen. Soviel Einfluss würde er sich in der Tat wünschen. Die Realität sieht etwas anders aus. Die Buchbranche ist mehr als der Börsenverein.

    1. Auch wenn ich die Gefahr sehe, sich im Detail zu verlieren, anstatt das du dich mal mit meiner Argumentation vernünftig und neutral auseinandersetzt: „Ich verstehe, dass ein gedrucktes Buch 18 Euro kostet. Die meisten verstehen aber nicht, dass dann auch das E-Book (hier beliebigen Preis zwischen 0,99 Euro und 18 Euro einsetzen) kostet.” Die Debatte macht so wirklich keinen Sinn. Auch das du nicht verstehst, dass wenn mich die Zukunft der Buchbranche nicht interessiert, zumindest ob sie schrumpft oder ihren analogen Status Quo hält, ich als politischer Mensch mich mit meiner Umwelt auseinandersetze. Soll mir denn alles egal sein, was mich nicht unmittelbar betrifft? Eine traurige Gesellschaft wäre das, die sich so verhält.

  7. „Ich verstehe, dass ein gedrucktes Buch 18 Euro kostet. Die meisten verstehen aber nicht, dass dann auch das E-Book 18 Euro kostet. Dieser Preis für das E-Book ist aber kein Ergebnis eines Pricing-Prozesses, sondern Ergebnis der Buchpreisbindung, die das Pricing eines gedruckten Buches ja auch ein E-Book überträgt.“

    Das verstehe ich jetzt wiederum nicht. Die Preisbindung tut das eben nicht. Und deswegen meint ihr auch nicht dasselbe.

    Dass das Pricing der Verlage auch vom Schutz der Preisbindung beeinflusst wird- geschenkt! Das würde ich niemals abstreiten wollen. Aber das Problem ist eben nicht die Preisbindung, sondern die Kalkulation in den Verlagen. Fällt die Buchpreisbindung, ist der Druck auf die Verlagshäuser ein anderer, aber auch dann werden sich viele immer noch schwer tun damit, ein E-Book für 30 oder 40% des Print-Preises zu verkaufen.

    Nun denn, ich ziehe mich jetzt aber auch zurück. Ich habe das unbestimmte Gefühl, dass wir hier noch tagelang aneinander vorbeireden können.

  8. Nur um es vielleicht nochmal zu wiederholen was andere schon erwähnt haben: Die Buchpreisbindung und der Ladenpreis stehen in keinem direkten Zusammenhang. Die Preise legen die Verlage fest und gelten dann bundesweit. Die Kritik, die hohen Preise mit der Preisbindung zu erklären klappt nur bedingt. Es wäre besser, wenn du dich über die Kostenstrukturen eines Verlages informierst um die Preise nachvollziehen zu können. Ich bin trotzdem auch der Meinung, dass eBooks zu teuer sind.

  9. Lieber Tobias,

    ich gebe zu, ich habe mich sehr über diesen Artikel geärgert. Deshalb auch der zugegeben schnippische Kommentar auf FB. Ich habe mich nicht geärgert, dass du offenbar gegen die Buchpreisbindung bist – darüber kann man vortrefflich streiten und ganz einfach verschiedener Meinung sein – übrigens auch innerhalb der Verlags- und Buchhandelslandschaft, die eben nicht so einig ist, wie du es darstellst. Ich habe mich auch nicht darüber geärgert, dass du das Pricing von E-Books für zu hoch hälst. Das geht mir oft auch so und ich wünsche mit mehr Experimentierwillen. Ich ärgere mich sehr wohl darüber, dass du die Buchpreisbindung offensichtlich nicht im Kern verstanden hast.

    Denn das Pricing hat, wie Wibke ja schon sehr geduldig zu erklären versuchte, nichts mit der Buchpreisbindung zu tun. Als Verlag kann ich ein Hardcover für 18 Euro veröffentlichen, das Paperback für 12 und das E-Book für 6 Euro. Das widerspricht nicht der Buchpreisbindung, die eben nicht den Preis für ein WERK festsetzt, sondern für eine EDITIONSART (und für eine bestimmte Zeit, nach der der Preis geändert werden kann, dies nur nebenbei). Das sind die Basics. Dieses Vorwissen erwarte ich von einem Autor, der sich aufmacht, den Verlagen zu erklären, wie der Hase läuft.

    Das das Thema breit und lang diskutiert wird, hättest du mit einer einfachen Recherche auch rausfinden können – zuletzt zum Beispiel beim E-Book-Camp Hamburg, das komplett dem Thema Pricing verschrieb: http://ebookcamp.wordpress.com/

    Nebenbei: Ich arbeite für den Börsenverein. Aber weder habe ich auf Facebook noch hier in dessen Auftrag (oder auch zur mit dessen Wissen) kommentiert. Im Übrigen erlaube ich mir eine eigene Meinung zu haben, die nicht notgedrungen der des Börsenvereins entspricht.

    Bestes
    Alex

  10. Lieber Thomas Schwarz,

    Wibke hat Recht, und ich sage Ihnen knapp und kurz, weshalb:

    Ssie schrieben: „Ich verstehe, dass ein gedrucktes Buch 18 Euro kostet. Die meisten verstehen aber nicht, dass dann auch das E-Book 18 Euro kostet. Dieser Preis für das E-Book ist aber kein Ergebnis eines Pricing-Prozesses, sondern Ergebnis der Buchpreisbindung, die das Pricing eines gedruckten Buches ja auch ein E-Book überträgt.“

    Doch die Buchpreisbindung gilt nicht jeweils für Titel, sondern für Titel in bestimmten Formaten: Hardcover, Softcover, Paperback – und für digitale Formate. All diese Formate werden sepatat im Buchhandelssystem gemeldet und von den Verlagen vorher separat preislich ‚gebunden‘. Insofern ist es eine Sache des Preisfindung, nicht der Buchpreisbindung, die den Preis von Verlagsseite ausmacht. Die Buchpreisbindung sorgt lediglich dafür, dass kleine Händler die gleiche Chance erhalten, wie Supermärkte.

    Ein wesentlicher Beststandteil des Endpreises von eBooks ist in Deutschland jedoch die höhere Mehrwertsteuer. Dies ärgert viele, auch den Börsenverein. Auch Leser sollte dies ägern, weil günstige Preise verwehrt werden.

    Der Unterschied von Papier und digital ist ein industrieller!

    Besten Gruß

  11. Nur ganz kurz, weil es offenbar nicht richtig ankommt: DerVerlag darf jeden Preis, den er will für das eBook festlegen, auch 0,99€ wenn das Hardcover 24,95€ kostet.Damit ist der Preis dann allerdings auch festgelegt und für alle, auch den Verlag, verbindlich.
    Der Verlag darf ihn aber natürlich auch jederzeit wieder ändern,ebenfalls für alle und ebenfalls wieder verbindlich. 30% Rabatt auf der Verlagswebsite, geht also nicht.
    Der Abstand von Hardcover- und eBook-Preis hat gar nichts mit der Preisbindung zu tun. Die Tatsache, dass niemand das eBook billiger als zu dem vom Verlag festgelegten Preis anbieten darf, schon. DAS hatte Wiebke gemeint.

  12. Wenn ich mich auch noch einschalten dürfte. Ich verstehe den Impetus von Tobias Schwarz – aber ich glaube, den verstehen wir letztlich alle. Die Preise für E-Books entsprechen nicht den Erwartungen der Leser.

    Aber damit hat die Buchpreisbindung wirklich nur bedingt zu tun. Ich zitiere: „Dieser Preis für das E-Book ist aber kein Ergebnis eines Pricing-Prozesses, sondern Ergebnis der Buchpreisbindung, die das Pricing eines gedruckten Buches ja auch ein E-Book überträgt.“ NEIN. Jeder Verlag kann sich einen Preis aussuchen, der muss rein gar nichts mit dem gedruckten Buch zu tun haben. Die Buchpreisbindung sorgt lediglich dafür, dass dieser Preis dann auch überall gleich gilt. Und klar, dann würde Amazon, so es Amazon freigestellt wäre, manche E-Books günstiger verkaufen. Und manche, nämlich die, die seltener nachgefragt werden, teurer. Und im Zweifel würde Amazon das einige Zeit machen, so lange, bis es keine Konkurrenz mehr gibt … Wer weiß.

    Aber noch eine andere Sache wollte ich verwundert zum Ausdruck bringen, nämlich, wie beleidigt Redakteure hier reagieren, wenn sich Leser total sachlich mit ihrem Artikel auseinandersetzen.

    Aber ich kann ja auch da lesen, wo meine Vorstellungen von einer ordentlichen Diskussion befriedigt werden. Kann mir ja egal sein, wie sich die Redakteure bei den Netzpiloten so benehmen. Schönen Sonntag noch!

  13. Ich weiß, dass ich reichlich spät zu dieser Diskussion stoße, kann diesen Artikel aber auch nicht unkommentiert stehen lassen.

    Was mir an dem Beitrag sauer aufstößt, Herr Schwarz, ist die Reduzierung eines komplexen Vorgangs (Preisgestaltung für ein Produkt) auf einen einzelnen Faktor, der Teil einer ganzen Reihe von Faktoren und nicht der Haupteinflussgrund ist. Wenn noch dazu der eigentliche Existenzgrund der Buchpreisbindung verschwiegen wird, ist das keine ausgewogene Berichterstattung. Man kann trefflich über die Buchpreisbindung streiten (und das wird in unserer Branche zu Recht auch oft getan), aber dann sollte man sowohl Pro- als auch Contraargumente kennen. Bevor ich also überhaupt auf die Kritik an den E-Book Preisen eingehe (der ich im Übrigen im Kern zustimme), sollten zuerst einige Missverständnisse zur Preisbindung aus dem Weg geräumt werden.

    Die wesentlichen Fragne, die sich ein Außenstehender stellt, sind doch diese:

    1. Warum gibt es eine Preisbindung auf Bücher und z.B. nicht auf Küchgengeräte (oder ein beliebiges anderes Produkt)?

    Sinn und Zweck der Buchpreisbindung ist es, das „Kulturgut Buch“ zu schützen. In den Augen des Gesetzgebers ist ein Buch nicht bloß ein rein wirtschaftliches Gut. Es enthält Wissen und Kultur, die dank Büchern für immer festgehalten werden und von Generation zu Generation weitergegeben werden können. Aus diesem Grund wird das Buch als besonders schützenswertes Produkt angesehen. Man kann zu dieser Ausgangslage selbstverständlich auch anders stehen und muss diese Meinung nicht vertreten. Wichtig ist aber, zumindest objektiv nachvollziehen zu können, dass es sich hier nicht um bloße wirtschaftliche Willkür handelt, sondern eine konkrete Ursache für dieses besondere Gesetz existiert.

    2. Ok, als Kunde hat das aber für mich den Nachteil, dass ich für Unterhaltung und Wissen gleich viel bezahlen muss bzw. Bücher nicht günstiger werden. Hat denn die Buchpreisbindung für mich als Kunden überhaupt irgendwelche Vorteile?

    Wir haben in Deutschland eine flächendeckende Infrastruktur nur für Bücher, die mit kaum einem anderen Land oder einer anderen Branche vergleichbar ist. Es sind hundertausende verschiedene Titel erhältlich, die man heute bestellen kann und binnen 24 Stunden (!) beim Händler seiner Wahl abholen oder sie von ihm zusenden lassen kann. Und das funktioniert bei jeder Buchhandlung im gesamten Land. Vom 2000 qm Filialisten bis hin zur kleinen 10 qm Buchhandlung um die Ecke. Das ist eine ungeheuer aufwändige logistische Leistung, die enorm viel Geld kostet. Könnten Händler Bücher zu frei kalkulierbaren Preisen abgeben, wäre ein derartiges nationales Vertriebsnetz finanziell langfristig nicht aufrecht zu erhalten. Außerdem wären dadurch bei den Großhändlern, die die Bücher über Nacht in alle Buchhandlungen Deutschlands verschicken, viel weniger Titel auf Lager – Stichwort Geschäftsrisiko bei gebundenem Kapital.

    Der zweite Vorteil ist, dass es sich Verlage leisten können, auch alte Titel, die nur selten gekauft werden, noch lieferbar zu halten. Kaum ein Hersteller aus einer anderen Branche hält so viele alte Produkte auch über ein Jahrzehnt noch lieferbar wie Verlage. In der Branche sieht die Verkaufsrealität so aus, dass i. d. R. 20 % der Titel (= Bestseller) ca. 80 % des Umsatzes generieren. Es ist also eigentlich wirtschaftlich nicht sinnvoll, ältere Bücher überhaupt noch zu produzieren. Da durch die Preisbindung aber sicher gestellt ist, dass Bücher auch viele Jahre nach ihrem Erscheinungsdatum noch Gewinn abwerfen, können Verlage diese vermeintliche Unwirtschaftlichkeit dennoch eingehen. Das Ergebnis ist eine unheimliche Buchvielfalt für den Kunden auch über Jahre hinweg. Und diese gibt es in den USA z.B. nicht in einem vergleichbaren Rahmen.

    Der logistische Service und die Titelvielfalt können also nur durch die Preisbindung garantiert werden. Der ganz große Nachteil ist selbstverständlich die fehlende Wettbewerbsmöglichkeit für Händler über den Preis und für Kunden eine mangelnde Auswahl an finanziell unterschiedlichen Angeboten. Diese Argumentationskette unterschlagen Sie in Ihrem Artikel vollkommen und stellen die Preisbindung als reines Politikum mit Selbstzweck dar, das den Kunden ausschließlich gängelt. Das ist schlicht und ergreifend falsch. Punkt.

    Jetzt zum eigentlichen Punkt: Warum sind E-Books kaum günstiger als die Printausgabe? Die Arbeit „ist doch eh schon getan“ und die Daten hat man sowieso digital.

    Um das beantworten zu können, sollte man sich klar machen, welche Faktoren (außer Druck- und Papierkosten) denn noch im Preis eines Buchs stecken.

    Da wären

    – Distributionskosten
    – Autor- und Übersetzerhonorar
    – Einkalkulierte Rabatte für Buchhandel und Zwischenbuchhandel (= Großhändler)
    – Herstellungskosten (damit sind NICHT Druck und Papier gemeint, sondern z.B. Satz und Layout, Lektorat usw.)
    – Lizenzgebühren für verwendete Bilder u.Ä.
    – Gewinn, denn ein Verlag muss ja auch von irgendetwas leben.Und bei einer Gewinnspanne von durchschnittlich 2-5 % macht man als Wirtschaftsunternehmen definitiv keine Luftsprünge.

    So, und was genau fällt von dieser Liste nun bei der E-Book Ausgabe weg? Richtig, gar nichts.

    – Distributionskosten: Amazon, Apple & Co. verlangen selbstverständlich „Aufwandsentschädigungen“ für die Bereitstellung der technischen Plattformen zum E-Book Verkauf.
    – Autor- und Übersetzerhonorar: Das ist nicht mider Printausgabe abgegolten. Wird aus einem Buch ein Film gemacht, verdient der Autor am Film mit. Wird aus ihm ein Hörbuch gemacht, verdient der Autor am Hörbuch mit. Und wird aus einem Buch ein E-Book gemacht, verdient ein Autor am E-Book mit. Und zwar in gerechtfertigter Höhe, seine Arbeit ist digital ja plötzlich nicht weniger wert als gedruckt.

    – Einkalkulierte Rabatte für Buchhandel und Zwischenbuchhandel: Selbstverständlich bleibt auch das beim E-Book erhalten, die Online Shops und Buchhändler müssen auch etwas am Verkauf des Buchs verdienen können.

    – Herstellungskosten: Ein Printtitel kann nicht automatisch per Knopfdruck in ein E-Book konvertiert werden. Es bedarf einer ordentlichen Aufbereitung des Buchs in XML und CSS. Komplexe Layouts z.B. bei Ratgebern müssen von einer Printform in eine fließende Version wie auf Websites übertragen werden. Das kostet Zeit, Aufwand und damit Geld.

    – Lizenzgebühren für verwendete Bilder u.Ä. fallen selbstverständlich auch beim E-Book an

    – Und auch der Gewinn für den Verlag muss natürlich noch dabei herausspringen

    Ist nach der Auflistung dieser Kostenpunkte nun vielleicht klar, weshalb sich E-Books bisher maximal ca. 20% unter der Printausgabe bewegen? Es ist einfach kein größerer Spielraum dafür da, weil kaum Kosten im Vergleich zur Printausgabe wegfallen. Dass E-Books insgesamt gefühlt zu teuer sind, da man nichts Physisches in die Hand bekommt (und über das unsägliche harte DRM brauchen wir an dieser Stelle auch gar nicht zu reden), ist vollkommen verständlich und auch richtig. Es liegt an den Verlagen, die Herstellungsprozesse in Zukunft so zu optimieren, dass ein größerer finanzieller Spielraum bei der E-Book Produktion entsteht.

    Nur: So etwas dauert und geht nicht über Nacht. Solange die Kosten nicht effektiv gesenkt werden können, kann auch der Endpreis nicht sinken. Und da auch digitale Produkte letztendlich denselben Inhalt wie die gedruckte Variante aufweisen, sind sie – nach der Logik des Preisbindungsgesetzes – ein Stück Kultur und somit schützenswert. Mit der Preisgestaltung der E-Book Ausgabe hat das Gesetz aber nichts zu tun. Und das ist der Denkfehler, an dem Ihr Artikel krankt.

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