All posts under Buchpreisbindung

5 Lesetipps für den 12. Mai

In unseren Lesetipps geht es heute um die Buchpreisbindung für E-Books, Computerspiele, die Störerhaftung, Slack und eine neue Suche auf Facebook. Ergänzungen erwünscht.

  • BUCHPREISBINDUNG Tagesspiegel: Sigmar Gabriel will eine Buchpreisbindung auch für E-Books: Die ganze letzte Legislaturperiode über muss der SPD-Parteivorsitzende Sigmar Gabriel gesehen haben, wie die Bundesregierung am Digitalen verzweifelte, offensichtlich nichts vom gerade entdeckten Neuland verstand und sich für jedes von diversen Lobby-Vereinen ins Ohr gesetzte Vorhaben eine Ohrfeige abholte. Am Ende waren auch alle Initiativen wirkungslos. Ich verstehe deshalb nicht, wieso er jetzt als Bundeswirtschaftsminister da weiter macht, und jetzt eine Buchpreisbindung für E-Books durchsetzen will. Urusla Weidenfeld ist in ihrem Kommentar ähnlich ratlose, findet aber deutliche Worte über den Unsinn.

  • COMPUTERSPIELE The Next Web: Why we need violent video games: Der ehemalige Lehrer und Bildungsaktivist Greg Toppo hat ein Buch über Computerspiele geschrieben und wie sie Kinder smarter machen. Im Interview mit The Next Web über das Buch erklärt er auch den Sinn von gewalttätigen Computerspielen und warum wir diese nicht einfach verbieten sollten.

  • STÖRERHAFTUNG Süddeutsche.de: Schluss mit der Störerhaftung für offene Wlan-Netzwerke: Auf Sueddeutsche.de erklärt Prof. Dr. Thomas Hoeren noch einmal die Geschichte und Absurdität der Störerhaftung, ein deutsches Rechtskonstrukt, durch das Betreiber offener Wlan-Netzwerke riskieren, für die Rechtsverstöße Dritter abgemahnt zu werden. Diese juristische Grauzone muss endlich geklärt werden, findet Hoeren, und kommentiert den aktuellen Gesetzgebungsprozess.

  • SLACK Backchannel: Shut Down Your Office. You Now Work in Slack.: Um die schnelle Verbreitung von etwas zu vergleichen, dass sehr schnell sehr vielen Leuten etwas Unverzichtbares wird, sind oft Vergleiche zu Drogen passend. Bei den meisten Drogen ist das zumindestens für mich nur reine Theorie. Sollte demnächst der Vergleich angestellt werden „…so gut wie Slack“, wüsste ich schon, was gemeint ist. Dieses an sich simple Stück Software hat meinen Büroalltag erobert, fast täglich begegnen mir neue euphorische Nutzer. Der Blogpost von Scott Rosenberg ist dafür ein gutes Beispiel.

  • FACEBOOK PandoDaily: Facebook’s testing a search feature meant to trap both readers and publishers: Mit einem neuen Tool versucht Facebook weiterhin ein allumfassendes Internet zu werden, das Nutzer nicht verlassen müssen, und welches für die Medien interessanter wird. Mit einer neuen Suche sollen auch Artikel innerhalb von Facebook gefunden werden, Nutzer müssten dann nicht mehr mit einer Suchmaschine oder News-Aggregator ihrer Wahl auf die Suche nach Content gehen. Dies erhöht die Kontrolle über die Distribution von Informationen noch einmal ungemein.

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5 Lesetipps für den 3. November

In unseren Lesetipps geht es heute um die Bedeutung von BarCamps, die Buchpreisbindung, Blendle, wie Facebook auf Wahlen wirkt und Datenschutz bei der Maut. Ergänzungen erwünscht.

  • BARCAMP Amt 2.0: Warum Sie als Behörde ein BarCamp besuchen sollten: In ihrem Blog schreibt Christiane Germann, Social Media-Managerin in der öffentlichen Bundesverwaltung, warum gerade Behörden ihre Mitarbeiter zu BarCamps statt teuren Schulungen schicken sollten. Am Beispiel des CommunityCamp erklärt sie, wie ein BarCamp funktioniert und welchen Mehrwert es haben kann. Was für Behörden gilt, kann auch leicht auf ein großes Unternehmen übertragen werden.

  • BUCHPREISBINDUNG Westdeutsche Zeitung: Wird die Buchpreisbindung geopfert?: Auf WZ-Newsline.de schreibt Felix Frieler über die Buchpreisbindung und die im Rahmen des geplanten Freihandelsabkommen andauernde Debatte darum. Dabei lässt er auch Justus Haucap zu Wort kommen, der den Kern der Diskussion perfekt zusammenfasst: „Wenn man sagt: Wir wollen die kleinen Buchhandlungen schützen, dann ist die Buchpreisbindung wichtig. Wenn man aber sagt: Wir wollen, dass sich mehr Menschen mehr Bücher leisten können, dann sollten wir die Buchpreisbindung aufheben. Was wichtiger ist, wäre sicherlich eine spannende politische Frage.“ Persönlich wäre ich für das zuletzt genannte Ziel.

  • BLENDLE Monday Note: The New York Times and Springer Are Wrong About Blendle: In der letzten Woche macht das niederländische Startup Blendle von sich reden, weil die New York Times und der Pressverlag Axel Springer in die Idee eines digitalen Zeitungs- und Zeitschriftenkiosk investierten. In seiner Monday Note-Kolumne äußert der bekannte Journalist Frédéric Filloux Zweifel an dem Geschäftsmodell, denn (vor allem auf Englisch) gibt es zu viele Quellen kostenlosen Contents und die Medien haben kaum positive Effekte davon zu erwarten, die außerhalb der jetzigen Marktsituation funktionieren. Lesenswerter wird der Artikel auch durch ein Kommentar des Blendle-Mitgründers Alexander Klöpping, der sich mit diesen und weiteren Kritikpunkten auseinandersetzt.

  • FACEBOOK Gigaom: Facebook’s secret newsfeed experiments affected voter turnout in the 2012 election: Diese Woche wird in den USA das Repräsentantenhaus gewählt und neben den Suchmaschinen Bing und Google wird wohl auch vor allem das soziale Netzwerk Facebook eine wichtige Rolle spielen, wie Mathew Ingram auf Gigaom erklärt. Bereits bei den Wahlen 2010 und 2012 hat Facebook spürbaren Einfluss auf den Wahlausgang gehabt. Das Socialmediawatchblog verweist dazu in seinem Newsletter auch auf einen Artikel von Jonathan Zittrain, der bereits im Juni beschrieben hat, wie Facebook Einfluss auf Wahlen nehmen könnte – ohne, dass irgendjemand etwas davon mitbekommt.

  • DATENSCHUTZ Welt.de: BKA will die Mautdaten zur Verbrechensbekämpfung: Die sprachlich schon fragwürdige Formulierung von Alexander Dobrindt, bei der kommenden Pkw-Maut einen „härtestmöglichen Datenschutz“ zu garantieren, überzeugte in der Post-Snowden-Ära auch politisch nicht. Dass der BKA-Chef Jörg Ziercke nur zwei Tage später schon auf Welt.de öffentlich Zugriff auf die Datensammlung fordert, unterstreicht diesen Eindruck. denn wenn offiziell schon nicht ausländische Geheimdienste aus der unnötig geschaffenen Datenbank ferngehalten werden können, dann doch die hierzulande ans Grundgesetz gebundenen Ermittlungsbehörden.

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ShortRead: Grütters ist für ermäßigte Mehrwertsteuer auf E-Books

Kulturstaatsministerin Monika Grütters will sich dafür einsetzen, dass der reduzierte Mehrwertsteuersatz künftig auch auf E-Books angewandt wird. // von Tobias Schwarz

Monika Grütters

Nach geltendem EU-Recht werden elektronische Bücher, Zeitungen und Zeitschriften als elektronische Dienstleistungen angesehen und müssen mit dem vollen Mehrwertsteuersatz belegt. Die Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters, erklärte dazu in einer Pressemitteilung: „Der reduzierte Mehrwertsteuersatz, der für gedruckte Bücher gilt, muss aus kulturpolitischer Sicht künftig auch auf elektronische Bücher angewandt werden. Nur so können wir im Zeitalter digitaler Technologien die Vielfalt unseres Bücherangebots sichern„. Grütters will sich deshalb innerhalb der Bundesregierung dafür einsetzen, dass das Thema bald auf die EU-Agenda gesetzt wird – ganz im Sinne der Buchhandelsbranche. Die geplante Initiative will sie aber auch nutzen, um sich für die Erhaltung der Buchpreisbindung einzusetzen, wodurch ihrer Meinung nach „die kulturell wichtige Vielfalt der Bücher und Buchhandlungen“ gesichert wird. Doch die 1890 in Deutschland eingeführte Buchpreisbindung wird immer mehr zum Ärgernis, besonders bei Online-Händlern und ihren Kunden. Durch die Preisbindung – die den durch das Internet längst veralteten Auftrag hatte, für eine weite Verbreitung von Information, Bildung und Kunst in Form von Büchern zu sorgen – fehlt es an dringend benötigten Wettbewerbsdruck. Eine Zustand, den zur Zeit besonders der US-amerikanische Online-Händler Amazon zu nutzen weiß und mit weitgehenden Dienstleistungen auch zufriedene Kunden gewinnt.

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E-Books werden beliebter – die Buchpreisbindung nicht

Laut einer Studie des Marktforschungsinstitut Ipsos sind E-Books voll im Trend – die Mehrheit der Deutschen will sie aber deutlich günstiger als gedruckte Bücher. Für die von der Gutscheinplattform Deals.com beauftragten Studie hat das Marktforschungsinstitut Ipsos über 1.005 Studienteilnehmer nach ihren Lesegewohnheiten gefragt. Interessant ist, dass im Vergleich zum Vorjahr 10 Prozent mehr Deutsche E-Books lesen, dass ihn aber der durch die Buchpreisbindung festgelegten Preis dafür zu teuer ist. In Deutschland wird sich dieser Preis nicht ändern, denn die Buchpreisbindung ist ein von den Verlagen hart verteidigtes Politikum.

 


 

  • 2 von 5 der Deutschen haben bereits ein E-Book gelesen – rund 10 Prozentpunkte mehr als 2012.
  • E-Reader und Tablets als E-Book-Medien stark im Kommen, dennoch: Jeder Vierte findet E-Books zu teuer.
  • Doch das Politikum Buchpreisbindung wird preiswertere E-Books auch in Zukunft verhindern.

E-Books werden immer beliebter

Das Portal für kostenlose Gutscheine und Rabatte, Deals.com, hat bereits zum zweiten Mal das E-Book-Leseverhalten der Deutschen unter die Lupe genommen. Fazit: E-Books werden immer beliebter. Während noch vor einem Jahr nur jeder dritte Deutsche schon mal ein E-Book gelesen hat, liegt die Zahl der Nutzer mittlerweile bei 41 Prozent. Auch wenn elektronische Bücher weithin bekannt sind, werden sie dennoch wenig gelesen: Nur ein Drittel (32 Prozent) der E-Book-Nutzer liest E-Books mehrmals die Woche oder sogar täglich – 42 Prozent nur einmal im Monat oder seltener. Jeder Zehnte behauptet allerdings, mehr zu lesen, seitdem er E-Books nutzt.

Was die Wahl des Mediums angeht, so geht der Trend ganz klar zu spezialisierten E-Readern. Vor allem die Beliebtheit von Notebooks und PCs als Medium für den Lesestoff sank im Vergleich zum Vorjahr: Nur noch 26 Prozent lesen E-Books auf diesen Geräten (49 Prozent 2012). Der Amazon Kindle wird von jedem vierten E-Book-Leser genutzt (Anstieg gegenüber 2012 von 16 auf 25 Prozent 2013). Auch iPads (12 Prozent) und andere Tablets (17 Prozent) erfreuen sich großer Beliebtheit. Das mobile Lesevergnügen scheint bei den Deutschen vor dem Zugang an sich zu E-Books entscheidend zu sein.

Politikum Buchpreisbindung

Die noch relativ geringe Nutzung von E-Books ist vor allem auf die zu hohen Geräte- und E-Book-Preise zurückzuführen. Jeder Vierte behauptet, dass ihm E-Books und E-Reader zu teuer sind (je 23 Prozent). Ganze 59 Prozent sagen ganz klar: E-Books sollten im Vergleich zum gedruckten Buch deutlich günstiger sein. Mehr als jeder Dritte behauptet, er würde sich eher für ein E-Book entscheiden, wenn es nur halb so viel kosten würde wie ein gedrucktes Buch (38 Prozent). Jeder Siebte liest derzeit sogar ausschließlich kostenlose E-Books (14 Prozent). Rund 60 Prozent der Deutschen fordern also deutlich günstigere Preise bei E-Books. Doch dazu wird es nicht kommen.

Die Buchpreisbindung sorgt dafür, dass von den Verlagen festgelegte Preise für sämtliche in Deutschland verlegten Bücher einzuhalten sind. Außerdem gilt die Buchpreisbindung für „Produkte, die Bücher, (…) reproduzieren oder substituieren und bei Würdigung der Gesamtumstände als überwiegend verlags- oder buchhandelstypisch anzusehen sind sowie kombinierte Objekte, bei denen eines der genannten Erzeugnisse die Hauptsache bildet“, wie zum Beispiel E-Books. Still und leise wird deshalb bei den laufenden Koalitionsverhandlungen von CDU/CSU und SPD auch über die Buchpreisbindung geredet. Gegenüber Deutschlandradio Kultur nannte der frühere Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin (SPD) auch „die Zukunft der Buchpreisbindung“ als ein Thema der laufenden Verhandlungen in der Arbeitsgruppe. Eine Änderung ist nämlich kaum zu erwarten.

Der Erhalt der Buchpreisbindung ist eine fast unumstößliche Forderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, für den „der feste Ladenpreise zum Erhalt einer intakten Buchhandelslandschaft“ beiträgt. Die Bundesregierung hat bisher, besonders unter dem scheidenden Kulturstaatsminister Bernd Neumann, daran auch nichts ändern wollen. Auch auf Europa-Ebene ist keine Initiative zu erwarten, wie die französische Kulturministerin Aurélie Filippetti im Interview mit der FAZ bekräftigt. Laut Filippetti steht die Buchpreisbindung beim geplanten USA/EU-Freihandelsabkommen nicht zur Debatte: „Das ist nicht verhandelbar„.

Mauern statt Windmühlen?

Ein chinesisches Sprichwort sagt: „Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern, die anderen Windmühlen.“ und der Wind stürmt regelrecht im Buchhandel, denn die Branche befindet sich im Umbruch. Die Buchpreisbindung stellt dabei eine Mauer dar, ein gesetzlicher Schutzmechanismus, der scheinbar den Kunden immer mehr ein Dorn im Auge wird, aber auch Internethändler, allen voran Amazon. Das die für das Unternehmen wertvollen E-Books in Deutschland trotz wachsender Verbreitung des eigenen E-Readers noch nicht wie in den USA die Verkaufszahlen gedruckter Bücher überholt haben, liegt vor allem an dieser ganz besonderen Mauer. Bisher um geht Amazon die Schranke mit der Veröffentlichung verlagseigener Bücher, bei denen Amazon die Preise selber festlegen kann.

Doch politisch ist die Sache wohl erst einmal nicht zu ändern. Zwar erkennt die EU-Kommission E-Books nicht als Kulturgüter an, sondern bewertet sie als Software-Dienstleistungen (weshalb übrigens in Deutschland der normale Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent gilt), doch Deutschland und Frankreich zeigen beim Thema Kulturpolitik keinerlei Sympathien für marktliberalere Vorstellungen. Eine fortschrittliche Veränderung ist zur Zeit nur denkbar, wenn Bücher in erster Linie als E-Book erscheinen, die Verlage dem Preiskampf gegen Amazon verlieren oder es eine Reform des Urheberrechts geben wird, die den Handel mit gebrauchten E-Books, ähnlich wie bei gedruckten Büchern, ermöglicht, denn so könnte die Preisbindung offiziell aufgehoben werden. Interessant wird zu beobachten sein, ob die Kunden auf unautorisierte Filesharing-Plattformen ausweichen, mehr fremdsprachliche E-Books kaufen oder Amazons niedrigen Preisen folgen. So oder so, der deutsche Buchhandel wird ohne eine alle Interessen berücksichtigenden Regelung wahrscheinlich hinter seiner Mauer ausgehungert werden.

 

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