Der große Verlierer des iOS 6-Maps-Chaos ist: Nokia

Als Apples iOS-Maps floppten und Google sich lächelnd zurückgelehnte, war die Zeit reif für einen Dritten – Nokia. Doch die haben das Machtvakuum nicht genutzt.

Der große Verlierer des iOS 6-Maps-Chaos ist: Nokia

Es hat ein wenig gedauert bis sie da war, aber schlussendlich schlug das Release der Google-Maps-App für iOS, am Mittwoch-Abend, dann doch ein wie eine Bombe. Binnen weniger Stunden kletterte die Applikation ganz nach oben in die iTunes-Charts. Die Bewertungen waren grandios. Fast ausschließlich fünf Sterne wurden da vergeben. Das lässt nicht nur Apple blöd aussehen. Der größte Loser dürfte wohl Nokia sein. Die haben es nämlich nicht verstanden, in dem Gerangel, das Machtvakuum für sich zu nutzen.

Als Apple mit iOS 6 um die Ecke kam, wollte das Unternehmen mit der hauseigenen Karten-App glänzen und Googles Map-App von einen auf den anderen Tag ins Abseits manövrieren – zumindest auf iOS. Die Applikation war allerdings fehlerhaft. Städte waren nicht eingezeichnet, Gebäude standen in Seen und Straßennamen wurden quer durch die Stadtkarte gewürfelt. Hierzulande wurde der Kölner Dom beispielsweise einfach wegradiert und das Brandenburger Tor kurzerhand nach Schöneiche bei Berlin versetzt. Das führte zu großem Hohn, welcher sich in bösen Überschriften in der Tech-Presse manifestierte.

So schrieb u.a.

  • Gizmodo: „Apples 3D-Karten sind eine apokalyptische Horrorshow“
  • Forbes: „Der Google-Maps-Krieg mit Apple ist vorüber – Google hat gewonnen“
  • TechCrunch: „Wenn ich Google wäre, würde ich die kommenden 6 Monate keine iOS 6 Maps veröffentlichen“

Den Grund für das Debakel sah Apple u.a. bei den Zulieferern des Kartenmaterials. TomTom beispielsweise. Die wiederrum entgegneten in einem BBC-Interview, dass die eigenen Karten nur als Grundlage des Dienstes hinzugezogen werden können. Die Nutzererfahrung hängt völlig davon ab, welche Entscheidungen die Hersteller treffen. Der TomTom-Sprecher meinte: „Man sei von den eigenen Karten weiterhin überzeugt“. Währenddessen beobachtete Google das Geschehen und übte sich in schadenfreudiger Zurückhaltung. Der Weg war somit eigentlich frei für einen anderen Protagonisten. Einen wie Nokia.

Nokia hatte im November, einige Woche nach dem Fiasko ebenfalls eine Map-Applikation für iOS 6 herausgebracht. Passend zu einem Zeitpunkt, in dem Nutzer nach wie vor, wie verrückt nach Alternativen für ihre iOS-Geräte suchten. Doch die Gunst der Stunde zog an dem finnischen Technologie-Unternehmen vorbei. Kurz nachdem die Map-Applikation online ging, sorgte sie zwar für einen riesigen Buzz unter den Nutzern, blieb jedoch am Ende des Tages mit Bewertungen von fast ausschließlich einem Stern im App Store, ein Ladenhüter.

Laut einem Reporting von AppData, einem Unternehmen, welches das Ranking von Apps verfolgt, ist zum Ende des Novembers, die Applikation in den USA und nicht zuletzt auch in Deutschland sogar ins Bodenlose gestürzt. Für Nokia eine Totalkatastrophe. Denn durch die Nutzung der Applikation hätte das Unternehmen anhand von Standorten und Routenplanungen seiner Nutzer, die eigenen Datenbanken verbessern und dadurch die Maps-App Stück für Stück smarter und intuitiver gestalten können. Ein Umstand, der nicht zuletzt auch bedeutet hätte, dass man die optimierten Systeme intelligenter mit location-based Services für das Flagschiff Lumia hätte ausstatten können. Durch fehlende Nutzer und Interaktionen nun schlussendlich wohl ein Wunschtraum.

Das Versagen von Nokia und der Boom der Google Karten-Applikation über Nacht, bedeuten für das finnische Unternehmen einen immensen Wettbewerbsnachteil, der sich früher oder später vermutlich rächen wird. Nicht zuletzt an den Verkaufszahlen der eigenen Smartphones.


Image: Screenshot iOS 6 Maps


Andreas Weck

schreibt seit 2011 für die Netzpiloten und war von 2012 bis 2013 Projektleiter des Online-Magazins. Zur Zeit ist er Redakteur beim t3n-Magazin und war zuletzt als Silicon-Valley-Korrespondent in den USA tätig.


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