Am Union Square in San Francisco erfindet Apple seine Läden neu

Besondere Lagen sind für Apple Stores an sich keine Seltenheit und vergleichsweise keine Erwähnung mehr wert. In Berlin befindet sich der Apple Store in einem ehemaligen Kino aus dem frühen 20. Jahrhundert und in Manhattan selbstverständlich im neuen World Trade Center.

Der neueste Flagshipstore am Union Square in San Francisco ist da keine Ausnahme, beeindruckt aber vor allem durch das neue Raumkonzept. Hier kann bereits heute das zukünftige Design von Apples Verkaufsläden betrachtet werden. In den nächsten Jahren werden auch ältere Läden umgewandelt.

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Apple erfindet sich am Union Square in San Francisco neu

Zum Platz hin ist der nur noch Apple Union Square genannte Laden weit offen, wodurch viel Licht in das Erdgeschoss und den ersten Stock scheint. Von außen fühlt man sich eingeladen, hereinzukommen, im Inneren wirkt die Geschäftsfläche wie eine Verlängerung des öffentlichen Stadtplatzes.

In dem gläsernen Kasten stehen die bekannten Verkaufstische mit den bekannten Produkten. Im ersten Stock gibt es an ein Café erinnernde Sitzgelegenheiten und eine rund 15 Meter hohe Videoleinwand. Die Genius Bar nennt sich jetzt Genius Grove und ist unter Schatten spendenden Feigenbäumen angesiedelt.

Der Apple Union Square ist das Ergebnis der Zusammenarbeit von Apples Verkaufschefin Angela Ahrendts und Designchef Jony Ive. Nicht mehr die Produkte als reine Gadgets sollten im Vordergrund der Stores stehen, sondern das gesamte Erlebnis Apple sollte sich widerspiegeln und erlebbar werden.

Apples Version des öffentlichen Raums

„Wir erfinden die Rolle, die unsere Geschäfte und Angestellten innerhalb der Community spielen, vollkommen neu“, erklärte Ahrendts gegenüber Fortune. „Wir wollen mehr wie der Marktplatz sein, an dem das beste von Apple zusammenkommt und jedermann willkommen ist.“

Dieser Anspruch drückt sich im Apple Union Square durch zwei verschiedene Räume besonders aus: So gibt es mit dem Boardroom einen Ort, an dem sich Unternehmen von Apples Geschäftsteam beraten lassen können und mit The Plaza eine Art öffentlicher Raum für Konzerte am Wochenende.

Durch die Öffnung des Geschäfts zum Union Square und der im Rücken des Gebäudes befindlichen Plaza, stets mit offenem WLAN versorgt, schafft Apple den Anschein eines öffentlichen Raums. Doch es handelt sich immer noch um den Gewerberaum eines börsennotierten Unternehmens.

Apple-Läden sind ein Spiegelbild des Unternehmens

Image 4 by Tobias SchwarzNetzpiloten, CC BY 4.0
Der Verkaufsraum wirkt wie mit dem Union Square verbunden

Im Herzen bleibt auch der Apple Union Square und alle anderen Läden, die demnächst eröffnen oder nach dem neuen Vorbild in San Francisco umgestaltet werden, ein Verkaufsgeschäft. Die Offenheit ist vorgetäuscht und nicht mehr als ein Teil der Marketingstrategie des Unternehmens.

Doch das von Ahrendts gezeichnete Bild des Konzepts hinter dem Apple Union Square klingt wesentlich schöner als die Wahrheit: „Wir erneuern unseren Fokus auf die freien  Künste – wir vermenschlichen die Technik mithilfe von Erlebnissen, die unsere Besucher bilden und unterhalten und die Unternehmer stärken sollen.“ Schön gesagt.

Apple schafft es mit dem neuen Ladenkonzept, den Fokus noch mehr auf den Lifestyle statt auf die überteuerten Geräte zu legen. Ähnlich wie Starbucks den Besuch eines Kaffeehauses zu einer globalen Geschäftsidee machte, gelingt Apple dies mit eigens für iPhones und MacBooks geschaffenen Läden. Chapeau!


Images by Tobias Schwarz/Netzpiloten, CC BY 4.0


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Tobias Kremkau

Tobias Kremkau

ist Coworking Manager des St. Oberholz und als Editor-at-Large für Netzpiloten.de tätig. Von 2013 bis 2016 leitete er Netzpiloten.de und unternahm verschiedene Blogger-Reisen. Zusammen mit Ansgar Oberholz hat er den Think Tank "Institut für Neue Arbeit" gegründet und berät Unternehmen zu Fragen der Transformation von Arbeit.

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