Gießen war gestern: Smarter Pflanzentopf Parrot Pot im Test

Wer sich im Urlaub beim Sprung ins Meer oder in den Bergsee abkühlt, möchte sicher nicht, dass derweil die Zimmerpflanzen daheim in der Sonne vertrocknen. Scheiden Gießbesuche von Nachbarn aus, könnt ihr allerlei automatische Bewässerungssysteme einsetzen. Mit dem vernetzten Pflanzentopf Parrot Pot gibt es sogar schon eine smarte Variante. Sensoren messen den Zustand der Pflanze und bewässern sie selbsttätig. Per Bluetooth sendet der Pflanzentopf die Sensordaten ans iPhone und iPad, wo Pflanzenfreunde sie ausführlich analysieren können. Mein Praxistest zeigt, dass das in Weiß, Rot und Schwarz erhältliche Gadget jedoch nur relativ wenig Mehrwert gegenüber konventionellen Lösungen bietet.

Wenig Pflanze, viel Topf

Mit 31 Zentimetern Höhe und 20,5 Zentimetern Durchmesser verfügt der Parrot Pot über eine stattliche Größe. Viel Pflanze passt aber nicht in den Topf. Gut die Hälfte des Gehäusevolumens ist für Wassertank und Wasserzuführung, Sensorik sowie vier AA-Batterien reserviert. Der Wurzelballen sollte daher laut Hersteller-App nicht üppiger als 16 Zentimeter im Durchmesser ausfallen. In meinem Testexemplar fand ein junger Drachenbaum ausreichend Platz. Das Gehäuse ist nach IPX5 wasserfest und erlaubt daher sowohl einen Innen- als auch einen Außeneinsatz. Die Kunststoffoberfläche verleiht dem Parrot Pot eine sterile Ästhetik, die an Wohnlichkeit zu wünschen übriglässt. Der halbtransparente Überflussbehälter im Topfboden meines weißen Parrot Pot stört ebenfalls die Optik, weil bräunlich verfärbtes Pflanzenwasser deutlich durchscheint. Beim roten und schwarzen Modell ist diese Komponente blickdicht. Im Zweifelsfall spielen bei diesem Blumentopf ohnehin eher die inneren Werte eine entscheidende Rolle für den Kauf.

Parrot Pot Farbauswahl
Den Parrot Pot gibt es in drei Farbvarianten, rot, schwarz und weiß. Image by Parrot

Wasser für einen ganzen Monat

Die verbaute Technik ermöglicht, dass vier Sensoren kontinuierlich die Feuchte und den Nährstoffgehalt des Bodens sowie Temperatur und Lichteinfall messen. Einzig auf den Wasserbedarf kann der Parrot Pot jedoch reagieren. Befindet sich der Parrot Pot im automatischen Bewässerungsmodus, benetzen vier Düsen die Erde so, dass die Pflanze bestmöglich wächst. Steht der Betrieb hingegen auf „Pflanzensitter“, streckt der Parrot Pot die Gießintervalle so, dass der 2,2 Liter fassende Wassertank einen Monat ohne Nachschub auskommt. Dank des sparsamen Energieverbrauchs soll eine Batterieladung für ein Jahr genügen. Nach drei Monaten Einsatz beträgt die Kapazität bei meinem Testexemplar noch 92 Prozent. Die automatische Bewässerung funktionierte während meines Testzeitraums überwiegend unauffällig und einwandfrei. Sie setzt aber voraus, dass der Feuchtigkeitssensor korrekt arbeiten kann. Er verhielt sich recht divenhaft und verlangte, dass die Pflanzenerde sehr fest in Richtung Topfboden gepresst wird. Ist das Erdreich zu locker, erfolgt keine oder eine fehlerhafte Messung.

Flower Power mit großer Pflanzendatenbank

Welche Pflege die jeweilige Pflanze erfordert, zieht sich der Parrot Pot aus einer Datenbank, die in der zugehörigen App namens Flower Power hinterlegt ist. Die Anwendung ist kostenlos für iOS und Android verfügbar. Über eine Mini-Anwendung für die Apple Watch lässt sich der Parrot Pot ebenfalls steuern. In der Datenbank wählen Nutzer das im Parrot Pot verpflanzte Gewächs aus. Anschließend können sie die Messdaten ablesen, solange sich das Smartphone oder Tablet in Bluetooth-Reichweite befindet. Ein Fernzugriff aus dem Südseeurlaub ist nicht möglich. Denn mit Smart-Home-Plattformen wie HomeKit ist der Topf nicht kompatibel. Die Pflanzendatenbank der App ist sehr umfangreich und bietet viele interessante Info-Häppchen. Als jemand mit einem nicht sehr ausgeprägten grünen Daumen kann ich dort viel lernen. Ferner ist Flower Power ansprechend und intuitiv gestaltet. Die Sensorwerte lassen sich übersichtlich ablesen und anschaulich als Datenhistorie in einer Grafik veranschaulichen.

Mankos unter iOS und watchOS

An anderer Stelle leistet sich die Software (getestet in App-Version 4.6.2) im Zusammenspiel mit dem Parrot Pot (getestet mit Firmware 1.2.0) ärgerliche Schwächen. So konnte sich die App, installiert auf einem iPhone 7 Plus, immer wieder mal nicht mit dem Parrot Pot verbinden. Zum Teil erst das Zurücksetzen der Netzwerkeinstellungen unter iOS sorgte dann wieder für eine funktionierende Bluetooth-Verbindung. Dieses Problem besteht in Verbindung mit dem iPhone 7 oder 7 Plus offenbar häufiger, wie ein Blick in die App-FAQ verrät. Als geradezu brenzlig erwies sich eine Eigenart der Push-Benachrichtigungen, die die App in bestimmten Fällen aufpoppen lässt.

So soll die App vor zu geringer Bodenfeuchte warnen. Aber nur, wenn der Pflanzentopf sich im manuellen Modus befindet, bei dem der Nutzer die Bewässerungsdüsen händisch in der App auslöst. Hingegen für den automatischen Betrieb, in dem sich mein Testexemplar durchgehend befand, ist in diesem Fall keine Warnung vorgesehen. Dennoch wäre dies angebracht gewesen. Denn nur durch Zufall entdeckte ich, dass die Bodenfeuchte unter einen kritischen Wert gefallen war. Wie ich herausfand, stellte die Bewässerung ihren Dienst ein, weil die Messung der Bodenfeuchtigkeit nicht korrekt funktionierte. Vermutlich, weil das Erdreich zu locker war. Aber auch darauf hätte mich die App eben gern hinweisen können. Die App für die Apple Watch betrachte ich in dieser Form als überflüssig. Neben einer sehr groben Übersicht zum Zustand der Pflanze, bietet sie zwei Touch-Buttons für den Betriebsmodus und das manuelle Gießen. Jedoch lassen sich diese nur aktivieren, wenn die iPhone-App parallel aktiv ist. Dann kann ich diese Funktionen aber genauso gut auf dem Smartphone-Display ausführen. Läuft die iPhone-App lediglich im Hintergrund, sind alle Schaltflächen auf der Apple Watch ausgegraut und somit funktionslos.

Test-Fazit Parrot Pot

Parrot Pot weiß Rendering
Parrot Pot im Profil. Image by Parrot

Der Parrot Pot ist ein interessantes Produkt für Technik-Enthusiasten, die ihr Smart Home gern begrünen, sich aber weitestgehend nicht um das Gießen kümmern möchten. Dafür eignet sich der smarte Blumentopf im Alltag genauso wie während des Urlaubs. Per App können sie zudem vom Smartphone aus prüfen, ob es dem Gewächs gut geht. Zumindest, wenn sie sich in Bluetooth-Reichweite befinden. Im Test erwies sich die automatische Bewässerung als überwiegend zuverlässig.

Völlig fehlerfrei blieb der Parrot Pot jedoch nicht. Messfehler und Verbindungsprobleme trübten das Gesamtbild. Klar, auch bei einer Nachbarschaftshilfe oder einem herkömmlichen Bewässerungskegel kann etwas schiefgehen. Im Vergleich zum Parrot Pot sind diese Alternativen aber preisgünstiger. Da zudem die Begleit-App Flower Power nur Live-Daten zum Zustand der Pflanze liefert, wenn der Anwender so dicht daneben steht, dass er sie eigenen Auges begutachten kann, ist der smarte Mehrwert gegenüber einer analogen Lösung gering. Zwar hat Parrot den ursprünglichen Listenpreis von 150 Euro schon um fast die Hälfte reduziert. Doch vor dem genannten Hintergrund halte ich selbst einen Online-Preis von 80 Euro für ambitioniert.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Applepiloten.


Images by Parrot, Screenshots by Berti Kolbow-Lehradt


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Berti Kolbow-Lehradt

Berti Kolbow-Lehradt

ist Freier Journalist und Texter. Für die Netzpiloten sowie unsere Geschwisterseiten Androidpiloten und Applepiloten befasst er sich mit Technik-Themen. Die Dissertation zur Geschichte der Fotoindustrie hat der Wirtschaftshistoriker erfolgreich abgebrochen, um sich der Digitalen Fotografie und vielen anderen Bereichen der Consumer Electronics und IT in der Gegenwart zu widmen. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

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