Mobiler Journalismus: Tipps und Apps für Android

Videoproduzent Florian Reichart erklärt, was es da draußen so alles gibt, wenn es ums Filmen, Aufnehmen und Redigieren auf Android-Geräten geht. Die beste Kamera ist die, die man immer dabei hat. Viele Journalisten benutzen heute ihre Telefone, um Fotos zu machen oder Videos für ihre Artikel aufzunehmen. Mobiler Journalismus ist eine etablierte Berichterstattungsmethode. Es gibt viele Apps für jede einzelne Stufe dieses Prozesses. Aber die Mehrzahl der Apps, von denen wir hören und schreiben, sind für iPhones und iPads. Also, was passiert, wenn die Kamera, die man dabei hat, zugleich ein Android-Smartphone ist?

Wenn es um die Smartphone-Bewegung geht, ist eines ihrer Versprechen, dass das Filmemachen und die Berichterstattung demokratischer wird, und zwar mehr, als man denkt„, meint Videoproduzent Florian Reichart und bezieht sich dabei auf den niedrigeren Preis der Androidgeräte im Vergleich zu iPhones. Reichart, der bei Twitter als @smartfilming bekannt ist, sprach im März auf der Mobile Journalism Conference. Hier ging er einige Vorteile des Androids für den mobilen Journalismus durch.

Florian Reichart erzählt bei Journalism.co.uk über die Vorteile eines Androids und dem Windows Phone für den mobilen Journalismus:

Wegen der höheren Anzahl an Modellen von Android gibt es auch mehr Optionen und spezifische Funktionen, wie zum Beispiel einen optischen Zoom. Ein weiterer Vorteil der Androidgeräte ist der erweiterbare Speicherplatz durch microUSB. „Man kann sogar den Akku austauschen„, sagte er.

Wenn man draußen unterwegs ist, besonders wenn man gerade filmt, weiß jeder, dass das eine Menge Batterie verbraucht. Also ist es gut, einen zweiten oder dritten Akku dabei zu haben, den man einfach tauschen kann. Wenn man ein Video draußen im Sonnenlicht macht, muss man meistens die Helligkeit auf Maximum stellen, damit man sieht, wie man im Moment am besten aufnehmen kann. Natürlich belastet das die Batterie.

Das iPhone ist dagegen als ‚Unibody‘-Gerät designed. Hier ist es eher kompliziert, den Akku auszutauschen – aber manche Hersteller von Android-Geräten bewegen sich nun ebenfalls in diese Richtung, beispielsweise hat das Samsung Galaxy S6 auch keinen austauschbaren Akku mehr.

Die Vielfalt der Geräte bringt auch Nachteile, wie die Aufteilung, bei der manche Apps nicht auf allen Geräten laufen, oder nicht alle Android-Geräte gleich gut funktionieren. Als Faustregel gilt, wie bei allen Apps, dass man alle Funktionen, die man braucht, ausprobiert, bevor man sich auf eine bestimmte App für seine Arbeit verlässt.

Also, was ist los da draußen? Hier sind ein paar von Reicharts Empfehlungen:

Filmen und Redigieren

Das Ausgangsmaterial für mobilen Journalismus auf dem iPhone namens FilMic Pro hat neulich angekündigt, dass sie eine Beta-Version der Android-App entwickeln.

Allerdings gibt es bereits eine App, die einem bessere Kontrollmöglichkeiten gibt als die voreingestellte Kamera – Cinema FV-5. Ein paar der Grundlagen beinhalten den Fokus, den man nun auch sperren kann, die Belichtung und den Weißabgleich, sowie den Audiopegel und die Abnahme per Kopfhörer. Für die Bearbeitung empfahl Reichart KineMaster, was seiner Meinung nach „genauso gut wie iMovie“ sein soll. „Es gibt eine Video- Und drei Audiospuren. Man kann in der App ein paar grundlegende Dinge einstellen, wie die Belichtung, den Sättigungswert und den Kontrast„, sagte er. Doch die kostenlose Version hat ein Wasserzeichen, wenn man also öfter mit KineMaster arbeiten will, sollte man sich eine kostenpflichtige Version besorgen. „Android-Nutzer sind es nicht gewohnt, so viel Geld für ihre Apps zu zahlen, daher ist das Abosystem ein bißchen seltsam„, fügte Reichart hinzu. Obwohl es kein Meerkat oder Periscope für Android gibt, oder zumindest noch nicht, gibt es dennoch einige Apps, mit denen man streamen kann, wie zum Beispiel Bambuser, Livestream, Ustream oder Reelsome.

Aufnahme und Audiobearbeitung

Für Audioaufnahmen kann man RecForge Pro oder den Field Recorder ausprobieren. „Field Reciorder ist sehr interessant, weil man den Display umdrehen kann„, erklärt Reichart. Das ist wichtig, wenn man das Mikrofon mit einem Windschutz abdecken möchte. Weil das Mikrofon sich meistens am unteren Teil des Telefons befindet, „steht natürlich das Display auf dem Kopf, und alle wichtigen Kontrollfunktionen [sind] nicht erreichbar. Mit dieser App kann man das Display umdrehen, so dass man das Telefon als Aufnahmegerät benutzen kann„. RecForge Pro kann auch benutzt werden, um Audiotracks zurechtzuschneiden. Für aufwändigeres Schneiden in Multitrack gibt es aber Audio Evolution Mobile. „Die App wurde eher für Musiker gebaut, damit sie ihre Songs aufnehmen können. Es gibt aber keinen Grund, wieso man sie nicht für andere Dinge benutzen können sollte.

Fotografie

Wenn die voreingestellte Kamera-App nicht ausreicht, gibt es aus dem Entwicklerhaus von Cinema FV-5 eine ähnliche App, die sich Camera FV-5 nennt. Zum Bearbeiten empfiehlt Reichart Photoshop Touch, Snapseed, oder Pixlr – hier kann man bei Pixlr einen Überblick bekommen, was man damit alles anstellen kann.

Das sind ein paar der Apps, die ich benutzt habe, um Grundlegendes zu redigieren, natürlich nichts, was allzu verrückt wäre„, sagt er.

Dieser Artikel erschien zuerst auf journalism.co.uk.


Image (adapted) „Enredando con Android :) (1)“ by Daniel Sancho (CC BY 2.0)


 

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Catalina Albeanu

Catalina Albeanu

hat Journalismus an der City University studiert und arbeitet heutzutage als freischaffender Multimedia-Reporterin zu den Themen Digitale Medien, Datenjournalismus, Technologie und Zeitgeschehen.

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