Können Kryptowährungen der Überwachung von Zentralbanken standhalten?

In der Welt der Kryptowährungen sieht die Zukunft des Geldes sehr unterschiedlich aus. Es gibt einen steigenden Konsens zwischen Unternehmen, Investoren und Ländern (insbesondere Venezuela), dass diese alternativen Formen des Geldes die Bezahlvorgänge im nächsten Jahrzehnt dominieren werden. Auch wenn bezüglich des Potenzials Einigkeit herrscht – es ist noch unklar, wie genau Regulierer und Zentralbanken darauf reagieren könnten.

Der zusammengefasste Marktwert aller sich im Umlauf befindlichen Kryptowährungen erreichte Ende August einen Wert von 170 Milliarden US-Dollar, das ist nach CoinMarketCap, einem führenden Preisrechner, um 850 Prozent höher als noch am Anfang des Jahres. Es ist nicht überraschend, dass dieses Wachstum die Regulatoren und Zentralbanken zum Schwitzen bringt, die sich immer noch nicht darüber entschieden haben, ob man die Kryptowährungen als Ware, Anlage oder Währung behandeln sollte.

Das mag nach einer etwas abwegigen Diskussion klingen. Jedoch ist eines der grundlegendsten Funktionen einer Währung, Transaktionen in einer zeitgerechten Art zu vollziehen. Und durch die Sicherung der Blockchain (die Technologie, auf der Kryptowährungen wie Bitcoin basieren), sind die Verarbeitungen der Bitcoin-Transaktionen manchmal sehr langsam.

Aufgrund der Begrenzung der Bitcoin-Transaktionen mit einem bestimmten Tageslimit kann es durchaus ein paar Tage dauern, um eine einzelne Transaktion abzuschließen. Dies lässt die Kryptowährung teilweise unfähig erscheinen, selbst die grundlegendste Funktion des Geldbegriffes zu erfüllen. Private Blockchains können Transaktionen beschleunigen, sind aber nicht sehr beliebt und weiterhin begrenzt in ihrer Verfügbarkeit.

Geldsorgen

Der Aufruf, die Kryptowährungen zu verbessern, gewann an Schwung, nachdem der Internationale Währungsfond (IWF) ein Mitarbeiter-Diskussionspapier veröffentlichte mit der Aussage, dass Banken ein Investment in Kryptowährungen erwägen sollten.

Die enorme Entwicklung im digitalen Technologiebereich verändert die Umwelt der Finanzdienstleistungen. Sie schafft Möglichkeiten und Herausforderungen für Dienstleister und Regulatoren. Jede Art großzügiger Zustimmung des Bankensektors würde ganz klar einen riesigen Markt für Kryptowährungen eröffnen, jedoch bewegt sich diese Entwicklung nicht nur einseitig. Anfang September erschütterten chinesische Regulatoren den Markt für Kryptowährungen, als die chinesische Volksbank die Beschaffung finanzieller Mittel durch die Initial Coin Offerings (ICOs) für illegal erklärte.

Die ICO ist eine Geldbeschaffungsmaßnahme, die zukünftige Kryptomünzen gegen derzeitige Kryptowährungen mit derzeitigem liquidem Wert austauschte. Sie bekamen eine einfache Plattform für Digitalwährungsfreaks mit dem Ziel schneller Geldbeschaffung. Kurz gesagt bedeutet dies, dass die ICO eine Crowdfinanzierungsplattform für zukünftige Kryptowährung ist. Laut der Branchenwebsite Cryptocompare haben sie bereits 2,32 Millarden US-Dollar gesammelt.

China wird generell strenger. Es wurde sogar berichtet, dass die Chinesen den Handel mit virtueller Währungen auf heimischen Börsen ganz verbieten könnten. Wenn dies durchgehen sollte, könnte es den Enthusiasmus des Sektors deutlich zum Erliegen bringen- auch wenn immer wieder positive Meldungen auftauchen und eine intensivere Prüfung die Bedenken vertreiben könnte.

Das russische Finanzministerium hat es sich zum Ziel gemacht, den Gebrauch von Kryptowährungen in ihrem Land bis Ende 2017 zu regulieren – und tatsächlich arbeitet die Zentralbank schon seit Beginn des Jahres daran, digitale Währungen stärker zu regeln. Der größte Vertrauensschub für Kryptowährungen mag vielleicht von den Ökonomen der finnischen Zentralbank kommen, die die Infrastruktur, die hinter Kryptowährungen wie Bitcoin steht, als „revolutionär“ betitelte und darüber hinaus die Fähigkeit der Manipulationsumgehung lobte.

Anerkennung für Kryptowährungen gab es auch aus Ländern wie Australien und Japan, die beide Richtlinien bezüglich der Legalisierung des Handels von Kryptowährungen erließen. Japan machte es zur Pflicht, den Handel mit Bitcoin zu regulieren und sich einer jährlich von anerkannten Buchhaltung durchgeführten Rechnungsprüfung zu unterziehen.

Die Zentralbank von Singapur erläuterte, dass die Funktion von digitalen Wertmünzen ganz klar die Funktion einer digitalen Währung überschreitet – obwohl die Bank den Markt überwacht. Weiterhin sagten sie, dass ICO genehmigt beziehungsweise von Banken oder von Singapurs Wertpapier- und Termingeschäftsgesetz anerkannt werden müsse.

In den Vereinigten Staaten wurde diese Aussage von der Börsenaufsichtsbehörde mit der Ankündigung bestätigt, dass ICO als Wertpapiere reguliert werden und alle unangekündigten Transaktionen juristisch verfolgt werden können.

Zwei Optionen

Dadurch, dass die Akzeptanz – außer vielleicht in China – immer mehr zunimmt, zeigt sich, dass Kryptowährungen als Finanzinstrument immer beliebter werden. Es gibt in Zukunft also zwei Optionen:

Zunächst könnte härter durchgegriffen werden, um sicherzustellen, dass Transaktionen mit Kryptowährungen nicht in Verbindung mit dem Darknet, terroristisch motivierten Aktionen oder Geldwäsche durchgeführt werden. Alternativ könnten Zentralbanken anfangen, unter dem Stichwort Central Bank issued Digital Currency (CBDC) ihre eigene digitale Währung zu veröffentlichen. Diese Währung basiert auf der Distributed-Ledger-Technologie. Es handelt sich dabei um die gleiche Blockchain-Technologie wie sie auch hinter anderen Kryptowährungen steckt. Dies gibt ihnen die Möglichkeit, dass die CBDC den Wert aktueller Kryptowährungen zerstört.

Die Bank von England hat in der ursprünglichen Diskussion die Führungsposition übernommen, während ihre Amtskollegen in Kanada, Schweden und von der Europäischen Zentralbank alle die Umsetzbarkeit der Markteinführung digitaler Währungen analysieren.

Unklar ist weiterhin, ob es die Zentralbanken mit den Kryptowährungen wie CBDC ernst meinen. Sie könnten auch in Konkurrenz zu ihrer zunehmenden Beliebtheit stehen. Im schlechtesten Fall könnten die Zentralbanken den Handel und Besitz von Kryptowährungen verbieten. Die Durchsetzbarkeit eines solchen Verbotes wäre sehr schwer, weil es keine einzige Organisation oder Person gibt, die Kryptowährungen kontrollieren und darüber hinaus die Transaktionen nicht zentral registriert werden. Es gibt jedoch einen Präzedenzfall. Im Jahr 1933 erklärte der damalige US-Präsident Roosevelt den privaten Besitz von Goldbarren für illegal. Er forderte alle Amerikaner zur Übergabe ihrer Goldreserven zur amerikanischen Notenbank auf.

Wenn ein ähnliches Vorhaben hier in die Wege geleitet werden sollte, könnte der Markt für Kryptowährungen eines Tages ganz von selbst zum Erliegen kommen. Es hängt nun alles von den Zentralbankern ab. China hat uns einen Einblick in einer schwierige Zukunft gewährt. Die Krypto-Vertreter auf der ganzen Welt hoffen, dass die Mehrzahl der Nutzer den einfacheren Weg wählen werden.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Bitcoin“ by tombark (CC0 Public Domain)


The Conversation


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Nafis Alam

Nafis Alam

ist Dozent für Finanzen an der Henley Business School der Universität Reading. Seine Forschung konzentriert sich unter anderem auf Bankenregulierung, Finanzstabilität, Corporate Finance und auf Islamic Banking und Finanzen. Seine Artikel zu diesen Themen wurden zudem in einigen führenden Zeitschriften veröffentlicht.

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