All posts under Blockchain

Netzpiloten @VDZ Tech Summit

Für den Verband Deutscher Zeitschriften (VDZ) ist es selbstverständlich seit vielen Jahren schon eine enorm wichtige Aufgabe, den klassischen Verlagen bei der digitalen Transformation unter die Arme zu greifen. Dazu gehören hochkarätige Veranstaltungen wie der  VDZ Tech Summit am 20. und 21. November in Hamburg. Wir Netzpiloten sind als Medienpartner mit dabei, wenn es in zahlreichen Vorträgen und Workshops dieses Mal vor allem um die Verantwortung und neuen Herausforderungen für Manager und IT-Experten in der Verlagsbranche geht.

Welche Speaker werden da sein?

Die Eröffnungskeynote wird von Burdas Chief Technology Officer Kai Riecke gehalten. Jennifer Becker, Head of Project Office bei Madsack Online, wird über die Publishing-Lösung „Arc“ referieren, die ursprünglich für die Washington Post entwickelt wurde. In Tomasz Orczykowskis Vortrag wird es um die spannende Frage gehen, ob Big Data den nächsten Bestseller vorhersehen kann. Er arbeitet als Head of Data Sience für Inkitt.com. Besonders freuen wir uns auf Nico Lumma und seine Insights in Next Media Startups.

Um welche Themen wird es gehen?

  • Blockchain Systeme
  • Data Driven Business
  • Content-Management-Systeme
  • Vorstellung erfolgreicher Konzepte und Kampagnen aus der Medienbranche

Und sonst noch?

Social Media Hashtag ist #vdzts. Hier gibt es die Tickets. Wir sehen uns !

Weiterlesen »

Netzpiloten @Blockchain Future Festival

Eines der wichtigsten und gleichzeitig kompliziertesten Themen dieser Zeit ist Blockchain. Wer jenseits von Krypto-Währung die vielfältigen weiteren Anwendungsbereiche verstehen will, muss sich umfassend weiterbilden. Unser Tipp: Das Blockchain Future Festival am 21. Februar 2019 in Stuttgart! Wir Netzpiloten sind mit dabei, wenn es einen ganzen Tag lang darum geht, wie das bahnbrechende System potenziell alle Unternehmensbereiche beinflussen wird.

Welche Speaker werden da sein?

Vertreter verschiedener Industriezweige und Unternehmensbereiche berichten von Ihren Erfahrungen mit dem Einsatz der neuartigen Technologie. Bereits bestätigte Referenten sind zum Beispiel der Informatik-Professor und Blockchain-Spezialist Rudolf Bayer. Spannend wird’s sicherlich auch mit Jochen Kaßberger, dem Mitbegründer von blockLAB Stuttgart. Wir freuen uns auch auf Simon Schwerin, dem Direktor im Bereich Business Development bei der Xain AG.

Um welche Themen geht es?

  • Blockchain und Industrie 4.0
  • Zukunft der Energie, Mobilität und Finanzen
  • Social Impact
  • Sport/Entertainment

Und sonst noch?

Im Moment sind noch die Early Bird Tickets zu haben als Student Pass, Business Pass oder VIP Pass. Auf ein angenehm Köpfe-rauchendes Festival in Stuttgart! 

Weiterlesen »

Das Rehkitz und der fahrerlose Mähdrescher

Bei den Nutzfahrzeugen findet aktuell ein noch größerer Transformationsschub statt als bei den herkömmlichen Autos, findet der Digital-Berater Daniel Khafif. Wir haben ihn uns zum Interview geschnappt, als er frisch aufgeladen wie ein E- Car von der Nutzfahrzeugmesse aus Hannover zurückkam. Wir haben viel gelernt:

Wie war es auf der 67. IAA Nutzfahrzeuge, Daniel Khafif?

Umwerfend! Das Internet of Things hat die gesamte Mobilitätsbranche voll erfasst. Mein Eindruck: Das Auto ist heute mehr Showroom des IoT als Mantel für Motoren. Was das für die Netzwelt bedeutet, ist heute nur zu ahnen: Eine aktuelle Studie von Cisco identifiziert im Connected Car-Universum drei ineinander verzahnte Geschäftsfelder: Automotive OEM (Original Equipment Manufacturer), web Digital und Mobile.

Wer treibt die Digitalisierung?

Die großen Player in der globalen IT treiben die Automobilwirtschaft voran: High Tech Unternehmen wie Bosch, Magna, Continental oder Denso operieren immer stärker direkt am Automobilmarkt. Längst kann man nicht mehr von „Autozulieferern“ sprechen, sondern von Innovationsgebern, denn diese Unternehmen operieren genau an der Schnittstelle zwischen der IT und der Automobilproduktion.

Haben die Programmierer die Fahrzeug-Entwicklung übernommen?

Ja, so sieht’s aus! Das klassische Auto, sei es PKW oder Nutzfahrzeug, wird immer mehr zum Markt für das IoT, wird immer mehr zum Datensender (Stichwort „cloud based security“) als zum Datenempfänger. Die IT Programmierer gestalten das Auto von morgen in hohem Maße mit, nicht mehr ausschließlich die Fahrzeugentwickler.

image: Daniel Khafif
Warst du auch beim angeschlossenen CarIT Kongress?

Ein Highlight! Hier gab es hochkarätigen Input von Speakern wie Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive Management (CAM) oder Qiang Wang, General Manager of IoT Connectivity von HUAWEI Technologies. Besonders beeindruckt hat mich die Keynote von Anoop Nannra, Global Head of Cisco Blockchain Initiative. Für ihn stellt Blockchain die neue weltweite industrielle Revolution dar. Er sieht neue Industriezweige entstehen, die neue Formen der Verteilung und Zulieferung, aber auch Bereitstellung von Energie zur Verfügung stellen werden. Bezahlprozesse und Dienstleistungssektoren wie wir sie heute kennen, werden komplett ihre Bedeutung verlieren – während gleichzeitig neue Wertschöpfungsketten in Proliferation (Erweiterung des Modell- und Variantenangebots) und Abnahme entstehen werden.

Das heißt, die Autoindustrie hat den Schuss der Digitalisierung gehört und stellt sich um?

Die Branchen Fahrzeugbau, Energie (und charge/battery ohnehin) haben den Hebel umgelegt: Das E-Car stellt kein lästiges Additiv, keine Nische und erst recht keine politisch oktroyierte Notwendigkeit mehr dar. Es bietet vielmehr ein veritables und langfristig ausbaufähiges und solides Geschäftsmodell. Vor allem weil die Vernetzung all dieser technischen, wie ökonomischen Bereiche eine starke Agilität und Dynamik entfaltet, die neue Anforderungen braucht und neue Geschäftsfelder bildet.

Wo liegt der Unterschied in der Entwicklung von PKW und Nutzfahrzeugen?

Der Trend zur Elektromobilität bzw. E-Mobility ist auch bei den Nutzfahrzeugen unumkehrbar. Innerhalb der E-Mobility werden zuhauf neue digitale Produkte verbaut. Deshalb ist die Logistikbranche derzeit sehr aktiv, die Personenkraftwagen bei der Automatisierung von Fahrfunktionen zu überholen.

Cool. Was können wir uns da vorstellen?

Zum Beispiel Bagger, die in und über Erzminen oder Erdstollen schaufeln, Mähdrescher, Fahrzeuge im öffentlichen Personennahverkehr und vieles mehr. – Sie alle bekommen bald das fahrerlose Fahren. Einer der letzten Helden der Landstraße, der Trucker, wird sukzessiv durch digitale Systeme ersetzt. Denn ein Kraftfahrer sitzt beruflich und nicht zum Spaß auf dem Sattel. Ein privater Autofahrer hingegen möchte weiterhin „Freude am Fahren“ spüren, um einen bekannten Autobauer zu zitieren. Und viele werden weiterhin selbst fahren wollen. Das wird auch noch eine ganze Weile so bleiben.

Das fahrerlose Fahren bei Nutzfahrzeugen ist sicher nicht weniger heikel als bei den PKW

Genau. Was passiert mit einem aufgeschreckten Rehkitz, das im gerade noch schützenden Kornfeld auf einen vollautomatisierten Mähdrescher mit 60 km/h trifft? Da sitzt kein Bauer mehr, der die Wildtiere erkennt.

Es braucht also weiter die menschliche Maschinensteuerung?

Im Moment läuft alles auf digitale Fernsteuerung hinaus: Remote drive ist zur Überwachung des Fahrzeugs, dessen Umgebung sowie der mitgeführten Ware oder Insassen enorm wichtig.

Dürfen wir dich zum Schluss noch um ein Fazit bitten. Was sind die wichtigsten digitalen Trends im Nutzfahrzeugbau?

Erstens werden Fahrzeug und Fahrer durch smarte, intelligente connectivity in ihrer täglichen Arbeit unterstützt. Und zwar nicht nur im Fahrzeug selbst, sondern auch nach außen mit den Spediteuren, Logistikunternehmen, Fuhrparkmanagern, Lageristen oder anderen Zentraleinheiten.

Zweitens werden Transport und Logistik voll digitalisiert, automatisiert und überwacht. Das macht ja die Seefahrt schon pionierhaft vor: Automatisierung von Ladeprozessen, Verwahrung, Transport, Sicherung und Auslieferung der Waren.

Drittens werden noch viel mehr digitale Services in der Personenbeförderung eingesetzt werden. Insbesondere im Nahverkehrsbereich, auf den letzten Kilometern, bedarf es der Integration digitaler Services (All in One) für mehr Komfort in der Mobilität. Wir erleben es bereits bei den Bezahlsystemen und bei der Koppelung mit kommunalen Verbundsystemen. Gleichzeitig werden Bedürfnisse des Komforts, nämlich der des „Chauffiert-Werdens“, bleiben.

Danke Daniel!

Daniel Khafif ist Fachautor, Dozent und Berater für die digitale Wirtschaft, für Change- und Innovationsmanagement. Seit 1999 produziert er redaktionelle Inhalte für Automobilhersteller wie BMW, Suzuki, Mercedes, VW Group. Sieben Jahre leitete er die Kommunikation für einen europaweit tätigen IT Systemdienstleister im Energiemarkt. Als Prüfer und Studienleiter für EU-Bildungsprogramme entwickelte er 2015 mit Kooperationspartnern des Energieclusters Berlin-Brandenburg das Berufsbild des IT-Energietechnikers. 

Weiterlesen »

Netzpiloten @think.beta18

Eine neue Digital-Konferenz namens think.beta geht am 16. Oktober in Augsburg an den Start und wir Netzpiloten sind gespannt, welche Impulse sie geben wird. Der Bundesverband für digitale Wirtschaft (BVDW), stets bemüht den digitalen Fortschritt in der deutschen Wirtschaft zu befördern, lädt ein in den LEW Business Club. Dort wird alles unter dem Motto „Stillstand ist Rückschritt“ stehen. Selbstgänger also für die zukunftsorientierte Digitalwirtschaft ;) Wir dürfen vermutlich viel Aufschlußreiches erwarten über digitale Geschäftsmodelle und Technologien der Zukunft. Komplexe Themen wie künstliche Intelligenz oder Blockchain werden uns vermutlich Köpfe rauchen lassen.

Welche Speaker werden an der think.beta18 teilnehmen?

Zu den 18 Vortragenden der think.beta18 gehört unter anderem Vera Schneevoigt, die Geschäftsführerin von Fujitsu und Tech Entrepreneur Stephan Noller. Zudem wird Dr. Friederike Ernst über die Blockchaintechnologie referieren.

Diese Themen erwarten euch auf der think.beta18

  • Künstliche Intelligenz
  • datenbasierende Geschäftsmodelle
  • neue Servicemodelle, um kundenorientierter zu arbeiten
  • Blockchain
  • Smart Contracts – ein Generationendialog geführt von Aya Jaff und Dr.Till Reuter

Und dann noch das:

Guter Anreiz, um in die nicht ganz so zentral gelegene Stadt der Fugger und der Puppenkiste zu kommen: Die think.beta bietet allen Teilnehmern ein BVDW-Spezialticket der Deutschen Bahn an. So habt ihr deutschlandweit die Möglichkeit mit der Bahn zu der Konferenz zu gelangen.

Eine Übersicht der Tickets seht ihr hier. Wir sehen uns in Augsburg!

Weiterlesen »

Netzpiloten @Privacy Conference

Partnergrafik_2018_Privacy_Conference

Am 27. September 2018 geht die Privacy Conference der Bitkom Events in die vierte Runde. Wie schon im Vorjahr werden auch 2018 wieder mehr als 250 Experten zum Thema Privatsphäre erwartet. Schauplatz ist auch diesmal wieder Berlin Mitte, genauer gesagt in der Kalkscheune. Der Veranstalter ist Bitkom, der Branchenverband der deutschen Informations- und Telekommunikationsbranche. 

Privatsphäre im Internet

Das digitale Europa ist seit dem 25. Mai 2018 nicht mehr dasselbe. Mit dem Inkrafttreten der DSGVO sind die Themen Privatsphäre und Datenhandel im Internet wieder in aller Munde. Die Angst vor einer großen Abmahnwelle war groß. Darf man Daten überhaupt noch weitergeben und wann ist man auf der sicheren Seite – die Fragen zum Thema häufen sich. Auf der Privacy Conference sollen solche und weitere Fragen beantwortet werden. 

Zu den Schlüsselfragen gehören:

  • Welche Best Practices wurden bisher etabliert?
  • Welche Probleme gilt es noch zu lösen?
  • Wie interpretieren und kontrollieren Aufsichtsführende Behörden die neuen Notwendigkeiten in der Praxis und mit welchen Bußgeldern ist wirklich zu rechnen?
  • Wie wir die DSGVO neue Technologien wie Blockchain, Big Data und AI beeinflussen?
  • Welche zusätzlichen Veränderungen können wir von der kommenden ePrivacy Regulation erwarten?

Die DSGVO hat für einen Aufruhr in der digitalen Branche gesorgt. Kompetente Datenschtzexperten, Managing Direktoren, Gründer, Wissenschaftler, Politiker und mehr beteiligen sich an der Diskussion auf der Privacy Conference und bringen mit ihren spannenden Vorträgen Licht ins Daten-Dunkel. Wenn das jetzt euer Interesse geweckt hat, müsst ihr schnell sein! Von den Early Bird Tickets könnt ihr nur noch bis zum 13. Juli profotieren. Danach gilt der normale Vorverkaufspreis.

Die Veranstaltung könnt ihr außerdem unter dem Hashtag #pco18 verfolgen. Hier gibt’s zudem einen Rückblick aufs letzte Jahr:

Weiterlesen »

Netzpiloten @OMfinCon 2018

Partnergrafik_2018_BMO

Am 7. Juni wird im Berliner Festsaal Kreuzberg wieder zur OMfinCon, der Online Marketing Finance Conference, geladen. Die Konferenz findet in Kombination mit dem Banking and Insurance Summit statt. Außerdem werden der BankingCheck und eKomi Award verliehen.

BIS meets OMfinCon

„BIS meets OMfinCon“ heißt es, wenn sich die Finanz- und Versicherungsbranche zu einem ihrer wichtigsten Events versammelt. Die drei Veranstalter BankingCheck, eKomi und financeAds laden ihre Netzwerke am 7. Juni ein, um gemeinsam zu netzwerken und Erfahrungen auszutauschen.

Auch in diesem Jahr erwartet die Besucher eine informative Agenda und kompetente Speaker aus den beiden Branchen Finanz und Versicherungen. Online Marketing, Blockchain, Influencer Marketing, SEO und Native Ads – die diversen Vorträge, Workshops oder Präsentationen decken ein breites Themenfeld ab, bei dem keine Fragen mehr offen bleiben sollten. 

Zu den zahlreichen Speakern zählen beispielsweise Pascal Kling und Michael Nagel vom AXA Konzern aus dem Bereich der Customer Touchpoints Analyse oder Rechtsanwalt Michael Neuber vom Bundesverband Digitale Wirtschaft der die Antworten zu Fragen zur DSGVO haben wird. Unter der Teilnehmerliste ist es außerdem möglich herauszufinden welche Branchenkollegen ebenfalls auf dem Event sein werden – so kann man Networking-Treffen schon im Voraus planen! 

Die Affiliate-Branche auf einem Fleck

Spannende Vorträge, Talkrunden, Workshops und Präsentationen und Use Cases aus der Finanz- und Versicherungsbranche sorgen für einen abwechslungsreichen Tag. Trefft alte und neue Geschäftspartner und netzwerkt ausgiebig während der Networking-Sessions und der Preisverleihungen. Das Doppel-Event BIS meets OMfinCon 2018 erwartet euch – Tickets sind hier verfügbar. Aber seid schnell – das Ticket-Kontingent ist nur auf 500 Teilnehmer begrenzt!

Wenn es dann wieder soweit ist, könnt ihr euch unter dem Hashtag #OMfinCon über das Event informieren oder kräftig selbst mittwittern. 

Weiterlesen »

HTC U12+ ausprobiert: Foto-Champion mit doppelten Dual-Kameras

HTC U12+ alle Farbviaranten

In der Weltmeisterschaft um die Smartphone-Spitze schickt HTC in dieser Saison ein 6 Zoll großes Top-Modell mit raffinierter Fototechnik und der Erlaubnis zum subtilen Handspiel ins Rennen. Im Wesentlichen handelt es sich beim HTC U12+ um eine verbesserte Neuauflage des Vorjahrschampions HTC U11+ (zum Test). Die Neuauflage soll mit jeweils einer leistungsstarken Dual-Kamera auf der Vorder- und Rückseite punkten. Dabei verfügt das Gerät als erstes HTC-Modell überhaupt über eine Kamera mit einem optischen Zweifach-Zoom. Auf KI-gestützte Fotofunktionen verzichtet HTC aber im Gegensatz zu LG und Huawei.

Außerdem will HTC mit einer überarbeiteten Version der Kantenbedienung „Edge Sense“ im zweiten Anlauf die Smartphone-Bedienung revolutionieren. Statt eines ans Quetschen heranreichenden festen Händedrucks sollen Nutzer häufig verwendete Funktionen mit sanften Berührungen an der linken und rechten Rahmenseite aufrufen können.

Ab Mitte Juni erscheint das HTC U12+ für 799 Euro im Handel. Im Rahmen eines Presseevents konnte ich ein Vorserienmodell bereits ausprobieren. (Zum ausführlichen Test geht es hier entlang.)

Neue Kantenbedienung macht Lust auf Einhandbedienung

Mit 156,6 x 73,9 x 8,7 Millimetern und einem Gewicht von 188 Gramm fällt das HTC U12+ fast genauso ausladend aus wie sein Vorgänger und verfügt ebenfalls über einen 6 Zoll in der Diagonale messenden Bildschirm. Das Bedienungsproblem bei immer größeren Smartphone-Displays möchte HTC seit dem U11 (zum Test), der kleineren Variante des U11+, mittels eines druckempfindlichen Rahmens lösen. Während die 11er-Generation nur auf einen festen Händedruck reagierte, soll sich das U12+ nun noch etwas feinfühliger verhalten.

Die neue Version der „Edge Sense“-Steuerung erfordert weniger Kraft und kann zwischen kurzen, langen und doppelten Berührungen unterscheiden. Welche Funktion dies auslöst, können Nutzer frei festlegen. Beispielsweise lässt sich auf diese Weise die Kamera-App, der Google Assistant oder Amazon Alexa starten. Ebenfalls ist es möglich, den Startbildschirm zu verkleinern, sodass Nutzer bei einhändiger Bedienung mit dem Daumen in die obere Ecke gelangen.

Diese Form der Einhandbedienung erwies sich im Hands-On als praktisch und bereitete Lust auf einen ausführlichen Test. Abschließend beurteilen kann ich die Performance von Edge Sense 2.0 anhand des Ersteindrucks nämlich noch nicht. Denn auf kurze Druckgesten reagierte mein Testgerät zum Beispiel nur unzuverlässig. Dies lag laut HTC an der noch unfertigen Software des Vorserienmodells und soll bei den fertigen Smartphones behoben sein.

HTC U12+ sieht doppelt doppelt: Zwei Dual-Kameras, eine mit Tele-Zoom

HTC preschte bereits vor vier Jahren mit einer Doppeloptik in den Markt, als Dual-Kameras noch kein Mega-Trend waren. Danach ließ der Smartphone-Pionier das Thema schleifen und Herausforderer davoneilen. Mit dem P20 Pro legte Huawei kürzlich gar den Trend zur dreifachen Hauptkamera. So weit geht HTC nun noch nicht, knüpft aber wieder an die Expertise bei Dual-Kameras an.

Hinten kommen eine 12-Megapixel-Kamera mit Blende f1.75 und 25 Millimetern Brennweite (Kleinbild-äquivalent) sowie eine 16-Megapxel-Kamera mit Blende f2.6 und 50 Millimetern Brennweite zum Einsatz. Letztere ermöglicht somit einen Zweifach-Zoom beim Fotografieren, nicht aber bei Videoaufnahmen, für die das U12+ ausschließlich auf das Weitwinkel-Objektiv zurückgreift. Die beiden Weitwinkel-Frontkameras lösen jeweils 8 Megapixel auf bieten mit f2.0 eine durchschnittliche Lichtstärke.

Beide Kamera-Duos verrechnen Tiefeninformationen, um für einen simulierten Bokeh-Effekt zwischen Vorder- und Hintergrund unterscheiden zu können. Zudem sollen die 3D-Infos der Frontkameras die Gesichtserkennung beim Entsperren des Displays („Face Unlock“) weniger anfällig für Tricks machen. Der Bokeh-Effekt der vorderseitigen Dual-Kamera wirkte im Selbsttest sehr ordentlich. Praktisch: Die Hintergrundunschärfe ließ sich dank eines Schiebereglers innerhalb der nativen Kamera-App variieren.

Ein erschöpfender Fototest der Kameras war im Rahmen des Hands-On nicht möglich. Die gezeigten Testbilder wirkten jedoch sehr vielversprechend. Insbesondere an der bereits beim U11 und U11+ sehr überzeugenden Dynamikverstärkung will HTC gefeilt haben. Der „HDR Boost 2“ soll für eine nochmals bessere Durchzeichnung bei sehr dunklen und sehr hellen Bildstellen sorgen. Dem viel beachteten Benchmark DxO Mark Mobile zufolge ist das HTC U12+ vor dem Huawei P20 (und nach dem P20 Pro) derzeit das Smartphone mit der besten rückseitigen Dual-Kamera.

Digitales Richtmikrofon für Videografen

Neben Fotografen will HTC mit dem U12+ ebenfalls Videografen ansprechen. Während normalerweise externe Mikrofone für gute Tonaufnahmen unverzichtbar sind, will HTC sie zumindest teilweise entbehrlich machen. Dafür soll die Funktion „Sonic Zoom“ sorgen, mit der Nutzer das interne Mikrofon durch Software-Unterstützung gezielt auf eine Quelle ausrichten können, sodass Umgebungsgeräusche die Aufnahme nicht stören.

Bewährtes Glas-Design mit Durchblick

HTC gehörte mit der U-Serie noch vor Apple und Samsung zu den ersten Herstellern, die Glas als Rückseitenmaterial wieder in Mode gebracht haben. Auch beim U12+ hält der Hersteller an seinem „Liquid Surface“ genanntem Designprinzip fest. Wie gehabt, sieht der blendende Glanzeffekt der Glasschicht zwar äußerst schick aus, hält aber nur ein paar Sekunden nach. Denn nach wenigen Handgriffen sind Fingerabdrücke deutlich sichtbar und verschandeln das makellose Design.

HTC U12+ Translucent Blue
Die blaue Farbvariante (Translucent Blue) bietet eine teilweise blickdurchlässige Rückseite und gibt somit freie Sicht auf die darunter liegenden Bauteile. Image by Berti Kolbow-Lehradt

Im Unterschied zum Vorgänger ist das HTC U12+ zum Marktstart gleich in drei Farbvarianten erhältlich: schwarz („Ceramic Black“), blau („Translucent Blue“ und rot („Flame Red“). Die blaue Farbvariante lässt erneut tief blicken: Wie die englische Farbbezeichnung nahelegt, ist die Rückseite halbtransparent, sodass Betrachter Platinen und Schaltkreise erkennen können. Ein schöner Retroeffekt, der an die blickdurchlässigen Spielekonsolen und Festnetztelefone der 1990er erinnert!

Die Verarbeitungsqualität ließ erwartungsgemäß keinen Grund zur Beanstandung. Ungleiche Spaltmaße sind kein Thema. Das HTC U12+ wirkt edel und hochwertig.

Unverändert brillantes QuadHD-Display

Den bereits beim U11+ begeisternden Bildschirm lässt HTC auch im Nachfolger unangetastet. Weiterhin kommt ein sehr helles (Super LCD 6) und scharfes (2.880 x 1.440 Pixel) Display im 18:9-Seitenverhältnis zum Einsatz. Einzelne Bildpunkte waren beim Ausprobieren angesichts einer Pixeldichte von 537 ppi nicht erkennbar. Außerdem ermöglicht das Display eine so hohe Spitzenhelligkeit, dass es dem HDR-10-Standard genügt. Allerdings können Nutzer damit nur von HDR-Videos auf YouTube profitieren. Hingegen das HDR-Material von Amazon Prime Video oder Netflix unterstützt das HTC U12+ nicht.

Mit 6 Zoll Displaydiagonale bietet das neue HTC-Flaggschiff eine imposante Bildschirmfläche. Wer dennoch kleinere Displays bevorzugt, geht dieses Jahr leer aus. Ein 5,5-Zoll Standardmodell ohne „+“ im Namen plant der Hersteller in der Techniksaison 2018 nicht, erklärte HTC-Sprecher Fabian Nappenbach.

HTC U12+ Display Flame Red
Das 6 Zoll große Display des HTC U12+ ist schön hell und scharf. Image by Berti Kolbow-Lehradt

HTC U12+ mit drachenstarker Rechenpower und „boombastischem“ Sound

Unter der Haube hat HTC sein Top-Smartphone moderat aktualisiert. Vom Start weg läuft das Gerät mit Android 8.0 Oreo und angepasster Oberfläche namens HTC Sense. Ein Upgrade auf Android P ist gewiss.

Den Prozessor aktualisiert der Hersteller auf den diesjährigen Spitzen-Chip von Qualcomm, den Snapdragon 845, dessen acht Rechenkerne mit bis zu 2,8 Ghz takten. Ihm steht die unveränderte Anzahl von 6 GB Arbeitsspeicher zur Seite. An der Rechenhardware gab es schon im vergangenen Jahr nichts auszusetzen. Erwartungsgemäß gab sich auch das U12+ beim Ersteindruck keine Blöße. Allerdings steht ein Härtetest noch aus.

Für Apps, Musik und Videos stehen ferner 64 GB interner Speicher zur Verfügung. Wem das dennoch nicht ausreicht, der beschafft sich einfach noch mehr Platz mithilfe einer MicroSD-Karte.

Musik können Nutzer erneut mit überdurchschnittlich guten Kopfhörern erleben, bei denen eine individuelle Klangeinmessung („USonic“) und eine aktive Geräuschunterdrückung für einen großartigen Sound sorgen sollen. Alternativ verwenden Nutzer die Stereolautsprecher, bei denen wieder die BoomSound genannte Technologie zum Einsatz kommt. Sie soll in diesem Modelljahr für 50 Prozent höhere Spitzenlautstärke sorgen. Obwohl dies normalerweise das Scheppern begünstigt, will HTC sogar für eine klarere und präzisere Klangwiedergabe gesorgt haben. Tatsächlich machten die Smartphone-Lautsprecher des HTC U12+ im Kurztest einen sehr guten Eindruck.

HTC Exodus: Blockchain-Smartphone soll noch dieses Jahr erscheinen

Am Rande des Presseevents zum U12+ kündigte HTCs Westeuropa-Chef Erik Matthes außerdem ein weiteres Smartphone-Modell für dieses Jahr an. Allerdings handelt es sich bei dem HTC Exodus heißenden Modell nicht um ein Angebot für den Massenmarkt. Stattdessen spricht es den Kreis der Blockchain-Enthusiasten an. Demnach soll es über eine universelle Wallet für Kryptowährungen verfügen. Einen genauen Starttermin nannte Matthes zwar nicht. Aber der Oktober dieses Jahres scheint realistisch.

HTC-Smartphones bei Amazon (Provisions-Link)


Images by Berti Kolbow-Lehradt

Weiterlesen »

FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

Follow me
  • DATENSCHUTZ t-online: EU plant härtere Strafen für Facebook und Google: Als Konsequenz aus dem jüngsten Daten-Skandal bei Facebook plant die Europäische Union zum Datenschutz von Verbrauchern striktere Gesetze und härtere Strafen für Facebook, Google, Amazon und andere Internet-Plattformen. Das geht aus einem Dokument der EU-Kommission hervor. Bei Zustimmung durch das Europäische Parlament und seine Mitgliedsstaaten wird das Gesetz in absehbarer Zeit verabschiedet. Die Maßnahme soll in erster Linie Transparenz und Einhaltung von Bürger- sowie Datenrechten garantieren und gewährleisten. In Zukunft ist für die großen digitalen Plattformen also Vorsicht geboten.

  • BLOCKCHAIN t3n: Google investiert in Blockchain-Startups – und plant eigene Produkte: Internet-Gigant Google will nun auch den Blockchain-Markt erobern. Mitarbeiter der Firma sind dabei zur Zeit auf verschiedene Projekte fokussiert. Neben dem zuletzt regelrecht aggressiven Aufkauf anderer Blockchain-Unternehmen, bastelt der Konzern wohl auch an eigenen Produkten in dem Bereich. Nachdem Marktforscher dem Blockchain-Markt schon seit längerem ein enormes Wachstum voraussagen, will auch Google den Anschluss an die Branche nicht verlieren. Laut eigenen Angaben beobachtet man das Potenzial von Blockchain, Pläne über Einsatzgebiete sind aber wenn überhaupt noch in der frühen Anfangsphase.

  • FIREFOX chip: Firefox Roadmap 2018: Mit diesen Überraschungen plant der Super-Browser: Der Online-Browser-Riese Firefox hat für 2018 neue Funktionen und Erweiterungen angekündigt. In der Firefox Roadmap 2018 veröffentlichte das Mozilla-Team die geplanten Neuerungen. So sind zum Beispiel höhere Geschwindigkeit, mehr Persönlichkeit und ein Durchsetzen auf dem mobilen Markt vorgesehen. Einen besonderen Wert legt man dabei auf eine möglichst hohe Individualität des Browsers – je nach den Wünschen des Benutzers. Nachdem man zudem Mobil den Anschluss deutlich verloren hat, will Firefox außerdem mit Smartphone und Tablets aufwarten. Nutzer können sich auf jeden Fall auf mehrere neue Highlights freuen.

  • ELEKTROFAHRZEUGE golem: MAN baut Elektrotransporter ab Juli in Serie: Der deutsche Fahrzeug- und Maschinenbau Konzern MAN hat offiziell angekündigt, noch 2018 den Elektrotransporter eTGE in Serie zu bauen. Der dem Ford Transit ähnliche Kleintransporter soll schon im Juli 2018 für den Lieferverkehr gefertigt werden. Das Unternehmen, welches zu 75 Prozent der Volkswagen AG gehört, ließ des weiteren verlauten, die Fahrzeuge seien zunächst nur für innerstädtische Lieferungen gedacht. Dies ist laut der Pressemitteilung mit der geringen Reichweite und einem gedrosselten Leistungslimit verbunden. Nach der geplanten Markteinführung im Juli ist der MAN eTGE jedenfalls für 69.500 Euro verfügbar.

  • ELEKTRONISCHES GEHIRN heise: Forscher entwickeln neuartiges elektronisches Gehirn:Forschern von der University of Manchester ist ein großer Schritt in Sachen neuromorpher Hardware gelungen. Der leitende Forscher Steve Furber bestätigte, dass das neuartige elektrische Gehirn seinem realen Pendant schon deutlich näher kommt. Zwar sind künstliche neuronale Netze nach wie vor extrem vereinfachte Abbilder von einem echten Gehirn, dennoch gibt das Modell KI-und Hirnforschern eine gute Forschungsbasis. Der gigantische Rechner namens SpiNNaker schafft bereits eine Konnektivität, welche mit der des menschlichen Gehirns zumindest vergleichbar ist. Eine genau definierte Aufgabe hat das elektronische Gehirn bisher allerdings noch nicht.

Weiterlesen »

Blockchain-Startup Bitwala hält an Plänen für Krypto-Bank fest

Bitcoin

Krypto-Währungen wie Bitcoin oder Ethereum sorgen derzeit mit steilen Kursgängen und dem möglichen Aufbau einer Blase für Schlagzeilen. In den Hintergrund rückt, dass die zugrunde liegende Blockchain-Technologie nicht als Spekulationsvehikel geschaffen wurde, sondern als Ansatz, den elektronischen Zahlungsverkehr zu revolutionieren. So erlaubt die dezentrale Datenorganisation der Blockchain-Technologie, Geld grundsätzlich schneller, günstiger und sicherer zu überweisen. Das Fintech-Startup Bitwala hat ein solches Konto der neuen Generation im Angebot und strebt sogar den Bankstatus an.

Gegenwind aus dem traditionellen Bankensektor durchkreuzte dieses Vorhaben bisher. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Im Gespräch mit den Netzpiloten auf der High-Tech Partnering Conference in Bonn bekräftigte Bitwala-CEO Jörg von Minckwitz die Ambitionen des Startups.

Investor HTGF stärkt Bitwala den Rücken

Anfang dieses Jahres musste das junge Startup am eigenen Leib erfahren, wie hart umkämpft der Finanzmarkt ist. Der Traum von der eigenen Krypto-Bank scheiterte im ersten Anlauf, aufgrund plötzlicher Unstimmigkeiten mit Partnern, wie die Bitwala-Führung in diesem Blog-Beitrag erklärt. Laut von Minckwitz sei das vor allem auf die Angst einiger Unternehmen zurückzuführen, die gegen nicht regulierte Märkte wie Kryptowährungen vorgehen. Im Laufe dieses Jahres will Jörg von Minckwitz mit dem Bitwala-Team jedoch weitermachen und die Idee der ersten Krypto-Bank doch noch umsetzen.

Unterstützt wird das junge Start-up-Team ungeachtet des Rückschlags vom High-Tech-Gründerfonds (HTGF), dem größten Seedinvestor Deutschlands. Der HTGF fördert junge Technologie-Unternehmen wie Bitwala und stellte auf der 9. High-Tech-Partnering Conference in Bonn den Kontakt zwischen gestandenen Unternehmen und Start-Up-Gründern her.

Dass vor allem bei jungen Gründern nicht immer alles nach Plan laufen kann, ist Alexander von Frankenberg, Geschäftsführer des HTGF, dabei bewusst. Im Gespräch erzählt er, dass es immer wieder Planabweichungen, Krisen und Rückschläge geben könne. „Was wir in solchen Fällen signalisieren, sind keine Zweifel am Team oder dem Projekt, sondern Ruhe und Gelassenheit. Wir unterstützen unsere Gründer, indem wir ihnen zur Seite stehen und in solchen Fällen gemeinsam einen Restart planen.“

Bitwala-CEO Jörg von Minckwitz
Mit den Netzpiloten sprach Jörg von Minckwitz, Mitgründer und CEO des Fintech-Startups Bitwala über die Blockchain als Zukunftstechnologie. Image by High-Tech Gründerfonds

Wie Überweisungen einfacher und sicherer werden sollen

Das Vertrauen in das große Marktpotenzial der Blockchain-Technologie ist bei Bitwala und dem HTGF ungebrochen. Bei der Blockchain-Technologie handelt es sich um eine stark verschlüsselte Datenbank, die auf tausende Server verteilt, also dezentral, ist. Das bietet zum einen den Vorteil, dass Fintech-Unternehmen wie Bitwala für die Durchführung der Transaktionen nicht auf die Infrastruktur einiger weniger marktbeherrschender Zahlungsanbieter angewiesen ist.

Dadurch können Transaktionen grundsätzlich günstiger abgewickelt werden, was sich auch in geringeren Gebühren für Endkunden niederschlagen kann. Außerdem ist diese Art des Zahlungsverkehrs besser vor Transaktionsbetrug und Datendiebstahl bei Hackerangriffen gefeit. Fallen Server aus, sind die Daten immer noch vorhanden, weil sie sich auf immer noch tausenden anderen Servern befinden und in Echtzeit synchronisiert werden.

Blockchain kann alle Lebensbereiche revolutionieren

Nicht nur Kryptowährungen und deren Transaktionshistorie lässt sich innerhalb der dezentralen Datenbank verschlüsselt sichern. Die Blockchain könnte das Leben aller Menschen verändern und vereinfachen. Im Gesundheitswesen ließen sich beispielsweise Patientenakten und Untersuchungsergebnisse sicher ablegen und nur von denjenigen Personen aufrufen, die dazu berechtigt sind.

Auch im Bereich Identitätsmanagement kann die Blockchain für mehr Sicherheit und weniger Papierkram sorgen. Da die Blockchain manipulationssicher ist, können Behörden beispielsweise Geburtsurkunden und Melderegister innerhalb der Blockchain ablegen. Universitäten und Hochschulen könnten über die Blockchain Abschlüsse und Zeugnisse sichern, sodass Absolventen und Arbeitgeber auf fälschungssichere Dokumente zugreifen.

Die meisten Anwendungsbeispiele für Blockchain sind jedoch Zukunftsmusik. Aktuell und deutlich realer sind hingegen Peer-to-Peer-Möglichkeiten, die die Blockchain schon jetzt bereithält. Gemeint sind damit direkte Transaktionen zwischen zwei Personen, also etwa das Überweisen von Geld. Das ist auch das Geschäftsmodell von Bitwala.

Blockchain ist keine Bubble, sagt Bitwala

Bevor die Blockchain allerdings zur Lösung aller Menschheitsprobleme werden kann, wird wohl noch viel Zeit vergehen. Jörg von Minckwitz hat in den vergangenen Wochen vor allem die aufkommende Regulierungsdiskussion zur Blockchain verfolgt. Hier stünden immer wieder Fragen nach Haftbarkeit im Raum. Laut von Minckwitz sei dafür eine gewisse Form von Zentralität notwendig. Hinzu käme die Problematik, dass Menschen ein gewisses Vertrauen in Systeme aufbauen müssten. Das sei deutlich schwieriger, als interpersonelles Vertrauen herzustellen. Bei einem ist sich der junge Gründer allerdings ganz sicher: „Blockchain ist nicht die nächste Bubble. Das System wird sich eigenständig weiterentwickeln und optimieren. Ob wir das wollen oder nicht.“

Dieser Text entstand in Zusammenarbeit mit dem High-Tech Gründerfonds.


Teaser Image by zapp2photo / stock.adobe.com; Image by High-Tech Gründerfonds


Weiterlesen »

Wallets, Portfolios, Spiele: die besten Bitcoin-Apps fürs iPhone

Büro, Steuern, Geschäft, Finanzen (adapted) (Image by FirmBee [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Während der Bitcoin sein Kursziel für 2017 längst übertroffen hat und Satoshi Nakamoto, Erfinder des Bitcoins, irgendwo in sich hinein grinst, kommen für uns Nutzer immer mehr Bitcoin-Apps auf den Markt. Das Angebot reicht von der Brieftaschen-App für virtuelle Währung über Bezahl-Anwendungen bis hin zu Spiele-Apps. Wir haben eine kleine Übersicht mit den besten Bitcoin-Apps für Kryptowährungs-Einsteiger zusammengestellt.

Für den Start: Wallet-Apps 

Um loszulegen, benötigt ihr erst einmal ein Konto für eure virtuelle Währung. Mit den sogenannten Wallet-Apps könnt ihr Bitcoin oder andere virtuelle Währungen kaufen, aufbewahren und ausgeben. Der Unterschied zu einem normalen Konto: Bitcoin-Wallets speichern die privaten Sicherheitsschlüssel, die ihr für alle Transaktionen benötigt.

Coinbase ist wohl eine der beliebtesten Anwendungen für den Handel mit virtueller Währung, auch wenn sie sich seit rund zwei Jahren nicht mehr als Wallet verstehen möchte. Die Coinbase-App hat soeben Snapchat, Instagram und YouTube als gefragteste Software im Apple App Store abgelöst. Ebenfalls sehr beliebt: Das Urgestein Blockchain, das nutzerfreundlich gestaltete Bread und Xapo.

Bitcoin-Apps überholen Snapchat und Instagram
Die App Coinbase überholt Snapchat und Instagram im App Store. Screenshot by Lena Simonis

Letzteres ist vor allem aus Sicherheitsgründen zu empfehlen, da hier unter anderem Offline-Server eingesetzt werden. „Deep cold“ nennt Xapo das. Generell sind iOS-Wallets nämlich „Hot-Wallets“, da sie sich auf einem mit dem Internet verbundenen Gerät befinden.

Tipp: Hot Wallets sind anfälliger für Angriffe, da Hacker über das Internet auf Geräte zugreifen und diese infizieren können. Am sichersten speichert ihr euer Wallet also auf einem Offline-Gerät oder auf Papier. Übrigens: Auch iPhones mit Jailbreak sind anfälliger für Hackerangriffe, hier ist besondere Vorsicht geboten.

Für Investoren: Portfolio-Apps

Nach den „Cool-Kids“ haben nun auch die Investoren angebissen und tragen fleißig zum Kursanstieg des Bitcoins bei. Mit Portfolio-Apps behaltet ihr die Übersicht über eure Investitionen in virtuelle Währungen. Einer der bekanntesten Portfolio-Checker ist Blockfolio, das vor allem mit einem Preisalarm und der Funktion “Set and Forget“ punktet. Für den fortgeschrittenen Kryptowährungs-Händler eignet sich CoinTracking. Die Bitcoin-App bietet nicht nur hübsche Tortendiagramme und Echtzeitanalyse von Gewinn- und Verlust zahlreicher Kryptowährungen, sondern sogar detailierte Reportings für die Steuererklärung.

Bitcoin-Apps
Blockfolio verschafft einen Überblick über alle Kurse zu Kryptowährungen. Screenshot by Lena Simonis

Tipp: Hierzulande fallen Steuern auf Veräußerungsgewinnen nur an, wenn ihr vor Ablauf der Spekulationsfrist von zwölf Monaten eure Gewinne einstreicht. In diesem Fall müsst ihr alle über dem Freibetrag (600 Euro pro Jahr) liegenden Gewinne mit eurem persönlichen Einkommensteuersatz versteuern.

Für Konsumenten: Payment-Apps 

Neben den Spekulanten unter uns, möchte der ein oder andere seine Coins einfach auf den Kopf hauen. Dazu laden bereits einige Anbieter wie Wikipedia (Spenden) oder Microsoft (Stores für Windows und Xbox) im Netz ein. Mit speziellen Bitcoin-Apps könnt ihr eure digitale Währung aber auch in Geschäften in der realen Welt ausgeben – sollte sich denn ein entsprechendes Geschäft in eurer Nähe befinden. Fold wäre hier als Payment-App zu nennen, die in den USA bereits mit großen Unternehmen zusammen arbeitet. So können iPhone-Nutzer schon jetzt bei Starbucks oder Whole Foods mobil mit Bitcoins bezahlen. Auch Bitpay konzentriert sich darauf, sein Bezahlsystem auf Händlerseite zu integrieren und ermöglicht Transaktionen zwischen virtueller und physischer Welt über die Wallet-App.

Tipp: Bitcoins existieren schlicht gesagt nur durch Aufzeichnungen über Bitcoin-Transaktionen. Deshalb sind und bleiben Transaktionen das Rückgrat der virtuellen Währungen. Durch sie werden zurzeit noch neue Coins geschürft. Außerdem werden sich virtuelle Währungen langfristig nur durchsetzen, wenn entsprechende Unternehmen Umsätze machen. Beachtet, dass ihr Zahlungen mit Bitcoin nicht aus eigener Initiative rückgängig machen könnt. Zahlungen können nur durch den Empfänger zurückgezahlt werden. Ihr solltet also nur mit Personen und Organisationen handeln, die ihr kennt und denen ihr vertraut. Für Händler gilt: Sofort-Transaktionen sind nicht hundertprozentig sicher. In den ersten zehn Minuten nach der Anweisung (Input) gilt die Transaktion als glaubwürdig, aber umkehrbar. Dem relativen Risiko steht allerdings ein unverhältnismäßig hohes Marketingpotential gegenüber – solange ihr noch zu den wenigen Händlern hierzulande gehören wollt, bei denen Bitcoin-Enthusiasten ihr Geld lassen können.

Für den Spieltrieb: Bitcoin-Apps fürs Gaming

Mit einigen iPhone-Apps könnt ihr virtuelle Kätzchen züchten, mit anderen spielend Geld verdienen. The Blockchain Game von Daniel Bainbridge ist seit 2016 kostenlos im App-Store verfügbar. Die App teilt sich Werbeeinnahmen mit ihren Nutzern per Bitcoin. Die einfache Aufgabe: möglichst hohe Blöcke stapeln. Alternativ könnt ihr das Spiel eure Kinder ab vier Jahren spielen lassen. Aber mindesten 17 Jahre alt müsst ihr sein, um in Bitcoin Aliens Bitcoins zu verdienen, indem ihr Außerirdische tötet. Ganz neu im App Store und für alle interessant, die dem Cryptokitties-Hype auf dem iPhone fröhnen wollen, ist Toshi für Etherum. Die Toshi-App vereint eine sichere Messaging-Anwendung, ein Ethereum-Wallet und einen Browser für das Ethereum-Netzwerk, mit dem ihr euch nun auch mobil um eure CryptoKitties kümmern könnt. Das Spiel demonstriert auf unterhaltsame Weise das Potential des Ethereum-Netzwerks. Virtuelle Katzen im Wert von rund 15 Millionen US-Dollar sollen dort brüten.

Tipp: Glücksspiel macht süchtig und so. Auf dem App-Spielemarkt finden sich auch eine Menge zwielichtiger Gambling-Apps, bei denen man seine schönen Coins viel zu leicht verspielen kann.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Applepiloten.


Image (adapted) „Büro, Steuern, Geschäft, Finanzen“ by FirmBee (CC0 Public Domain), Screenshots by Lena Simonis


Weiterlesen »

Können Kryptowährungen der Überwachung von Zentralbanken standhalten?

Bitcoin (adapted) (Image tombark [CC0 Public Domain] via Pixabay)

In der Welt der Kryptowährungen sieht die Zukunft des Geldes sehr unterschiedlich aus. Es gibt einen steigenden Konsens zwischen Unternehmen, Investoren und Ländern (insbesondere Venezuela), dass diese alternativen Formen des Geldes die Bezahlvorgänge im nächsten Jahrzehnt dominieren werden. Auch wenn bezüglich des Potenzials Einigkeit herrscht – es ist noch unklar, wie genau Regulierer und Zentralbanken darauf reagieren könnten.

Der zusammengefasste Marktwert aller sich im Umlauf befindlichen Kryptowährungen erreichte Ende August einen Wert von 170 Milliarden US-Dollar, das ist nach CoinMarketCap, einem führenden Preisrechner, um 850 Prozent höher als noch am Anfang des Jahres. Es ist nicht überraschend, dass dieses Wachstum die Regulatoren und Zentralbanken zum Schwitzen bringt, die sich immer noch nicht darüber entschieden haben, ob man die Kryptowährungen als Ware, Anlage oder Währung behandeln sollte.

Das mag nach einer etwas abwegigen Diskussion klingen. Jedoch ist eines der grundlegendsten Funktionen einer Währung, Transaktionen in einer zeitgerechten Art zu vollziehen. Und durch die Sicherung der Blockchain (die Technologie, auf der Kryptowährungen wie Bitcoin basieren), sind die Verarbeitungen der Bitcoin-Transaktionen manchmal sehr langsam.

Aufgrund der Begrenzung der Bitcoin-Transaktionen mit einem bestimmten Tageslimit kann es durchaus ein paar Tage dauern, um eine einzelne Transaktion abzuschließen. Dies lässt die Kryptowährung teilweise unfähig erscheinen, selbst die grundlegendste Funktion des Geldbegriffes zu erfüllen. Private Blockchains können Transaktionen beschleunigen, sind aber nicht sehr beliebt und weiterhin begrenzt in ihrer Verfügbarkeit.

Geldsorgen

Der Aufruf, die Kryptowährungen zu verbessern, gewann an Schwung, nachdem der Internationale Währungsfond (IWF) ein Mitarbeiter-Diskussionspapier veröffentlichte mit der Aussage, dass Banken ein Investment in Kryptowährungen erwägen sollten.

Die enorme Entwicklung im digitalen Technologiebereich verändert die Umwelt der Finanzdienstleistungen. Sie schafft Möglichkeiten und Herausforderungen für Dienstleister und Regulatoren. Jede Art großzügiger Zustimmung des Bankensektors würde ganz klar einen riesigen Markt für Kryptowährungen eröffnen, jedoch bewegt sich diese Entwicklung nicht nur einseitig. Anfang September erschütterten chinesische Regulatoren den Markt für Kryptowährungen, als die chinesische Volksbank die Beschaffung finanzieller Mittel durch die Initial Coin Offerings (ICOs) für illegal erklärte.

Die ICO ist eine Geldbeschaffungsmaßnahme, die zukünftige Kryptomünzen gegen derzeitige Kryptowährungen mit derzeitigem liquidem Wert austauschte. Sie bekamen eine einfache Plattform für Digitalwährungsfreaks mit dem Ziel schneller Geldbeschaffung. Kurz gesagt bedeutet dies, dass die ICO eine Crowdfinanzierungsplattform für zukünftige Kryptowährung ist. Laut der Branchenwebsite Cryptocompare haben sie bereits 2,32 Millarden US-Dollar gesammelt.

China wird generell strenger. Es wurde sogar berichtet, dass die Chinesen den Handel mit virtueller Währungen auf heimischen Börsen ganz verbieten könnten. Wenn dies durchgehen sollte, könnte es den Enthusiasmus des Sektors deutlich zum Erliegen bringen- auch wenn immer wieder positive Meldungen auftauchen und eine intensivere Prüfung die Bedenken vertreiben könnte.

Das russische Finanzministerium hat es sich zum Ziel gemacht, den Gebrauch von Kryptowährungen in ihrem Land bis Ende 2017 zu regulieren – und tatsächlich arbeitet die Zentralbank schon seit Beginn des Jahres daran, digitale Währungen stärker zu regeln. Der größte Vertrauensschub für Kryptowährungen mag vielleicht von den Ökonomen der finnischen Zentralbank kommen, die die Infrastruktur, die hinter Kryptowährungen wie Bitcoin steht, als „revolutionär“ betitelte und darüber hinaus die Fähigkeit der Manipulationsumgehung lobte.

Anerkennung für Kryptowährungen gab es auch aus Ländern wie Australien und Japan, die beide Richtlinien bezüglich der Legalisierung des Handels von Kryptowährungen erließen. Japan machte es zur Pflicht, den Handel mit Bitcoin zu regulieren und sich einer jährlich von anerkannten Buchhaltung durchgeführten Rechnungsprüfung zu unterziehen.

Die Zentralbank von Singapur erläuterte, dass die Funktion von digitalen Wertmünzen ganz klar die Funktion einer digitalen Währung überschreitet – obwohl die Bank den Markt überwacht. Weiterhin sagten sie, dass ICO genehmigt beziehungsweise von Banken oder von Singapurs Wertpapier- und Termingeschäftsgesetz anerkannt werden müsse.

In den Vereinigten Staaten wurde diese Aussage von der Börsenaufsichtsbehörde mit der Ankündigung bestätigt, dass ICO als Wertpapiere reguliert werden und alle unangekündigten Transaktionen juristisch verfolgt werden können.

Zwei Optionen

Dadurch, dass die Akzeptanz – außer vielleicht in China – immer mehr zunimmt, zeigt sich, dass Kryptowährungen als Finanzinstrument immer beliebter werden. Es gibt in Zukunft also zwei Optionen:

Zunächst könnte härter durchgegriffen werden, um sicherzustellen, dass Transaktionen mit Kryptowährungen nicht in Verbindung mit dem Darknet, terroristisch motivierten Aktionen oder Geldwäsche durchgeführt werden. Alternativ könnten Zentralbanken anfangen, unter dem Stichwort Central Bank issued Digital Currency (CBDC) ihre eigene digitale Währung zu veröffentlichen. Diese Währung basiert auf der Distributed-Ledger-Technologie. Es handelt sich dabei um die gleiche Blockchain-Technologie wie sie auch hinter anderen Kryptowährungen steckt. Dies gibt ihnen die Möglichkeit, dass die CBDC den Wert aktueller Kryptowährungen zerstört.

Die Bank von England hat in der ursprünglichen Diskussion die Führungsposition übernommen, während ihre Amtskollegen in Kanada, Schweden und von der Europäischen Zentralbank alle die Umsetzbarkeit der Markteinführung digitaler Währungen analysieren.

Unklar ist weiterhin, ob es die Zentralbanken mit den Kryptowährungen wie CBDC ernst meinen. Sie könnten auch in Konkurrenz zu ihrer zunehmenden Beliebtheit stehen. Im schlechtesten Fall könnten die Zentralbanken den Handel und Besitz von Kryptowährungen verbieten. Die Durchsetzbarkeit eines solchen Verbotes wäre sehr schwer, weil es keine einzige Organisation oder Person gibt, die Kryptowährungen kontrollieren und darüber hinaus die Transaktionen nicht zentral registriert werden. Es gibt jedoch einen Präzedenzfall. Im Jahr 1933 erklärte der damalige US-Präsident Roosevelt den privaten Besitz von Goldbarren für illegal. Er forderte alle Amerikaner zur Übergabe ihrer Goldreserven zur amerikanischen Notenbank auf.

Wenn ein ähnliches Vorhaben hier in die Wege geleitet werden sollte, könnte der Markt für Kryptowährungen eines Tages ganz von selbst zum Erliegen kommen. Es hängt nun alles von den Zentralbankern ab. China hat uns einen Einblick in einer schwierige Zukunft gewährt. Die Krypto-Vertreter auf der ganzen Welt hoffen, dass die Mehrzahl der Nutzer den einfacheren Weg wählen werden.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Bitcoin“ by tombark (CC0 Public Domain)


The Conversation

Weiterlesen »

Kann man Trojaner impfen, um Cyber-Attacken zu verhindern?

Neourban, Laptop, Hardware (adapted) (Image by markusspiske [CC0 Public Domain] via pixabay)

Laut einem Bericht aus dem Forbes Magazine gab es im Jahr 2016 insgesamt 638 Millionen Cyber-Attacken durch sogenannte Schadprogramme oder Trojaner. Orientiert man sich an der Anzahl bekannter, weitgreifender Attacken, die dieses Jahr bereits ausgeführt wurden, könnten es im Jahr 2017 noch mehr werden. Vielleicht ist es also an der Zeit, auf neue Lösungsansätze gegen solche Angriffe zu setzen; und zwar auf solche, die sich nicht bloß gegen Angriffe zu verteidigen versuchen, sondern sie von Haus aus verhindern.

Einige Netzsicherheits-Experten arbeiten bereits an sogenannten „Impfungen“, die Angriffe auf unsere Rechner oder Daten verhindern sollen. Doch diese Art der Vorbeugung soll nur der Anfang sein. Wenn wir damit aufhören, unsere Rechner durch Metaphern als etwas Schutzbedürftiges darzustellen, und stattdessen Begriffe verwenden, die keine Angriffsmöglichkeiten suggerieren, könnten wir noch viel effektivere Wege zur Verhinderung von Angriffen entwickeln.

Im Falle des neuesten Trojaners Petya, bei dem Lösegeld gefordert wurde, entwickelten Forscher einen Impfstoff in Form einer Datei, die einen bestimmten Virustypus umgehend deaktiviert und Schaden am Rechner verhindert, sobald der Computer mit der Datei in Kontakt kommt. Damit unterscheidet sie sich von traditionellen Anti-Viren-Programmen, die Schadprogramme erst aufzuspüren und zu beseitigen versuchen, nachdem der Virus bereits in den Rechner eingedrungen ist.

Diese Herangehensweise ist bisher nicht nur selten, sondern bietet zumindest kurzfristig auch einen völlig neuen Blick auf die Netzsicherheit. Trotzdem halten auch Impfungen die Viren erst nach ihrem Download auf. Und auch Firewalls versuchen Viren erst bei einem unmittelbaren Angriff abzuwehren, statt vorzubeugen. Wenn wir also Cyber-Attacken verhindern wollen, müssen wir zuerst das ändern, was unser Denken über die Technologie grundlegend beeinflusst – und zwar, wie wir sie beschreiben.

Seit dem Anbeginn des Computerzeitalters nutzen wir physische Metaphern, um diese fremde, digitale Welt zugänglicher und verständlicher für uns zu machen. Der Vorteil ist, dass wir Begriffe wie Arbeitsplatz, Ordner und Notizen bereits aus dem Büroleben und dem Alltag kennen. Der Nachteil: Wir haben auf diese Weise Probleme mit in den Cyberspace genommen, die eigentlich durch die Rechner überhaupt erst hätten gelöst werden sollen.

So sind unsere „Posteingänge“ überfüllter, als es ihre physischen Gegenstücke jemals sein konnten, unsere Dokumentenordner sind chaotisch und unorganisiert und wir empfangen und senden mehr Nachrichten und Emails als je zuvor. Kein Wunder also, dass wir heute kaum produktiver als vor dem Computerzeitalter sein sollen. Und auch unser virtuelles Zuhause ist nicht viel mehr vor Einbrüchen geschützt als unser physisches.

Angriffe durch Erpressungs-Trojaner, wie sie Anfang des Jahres sehr prominent ausgeführt wurden, bedienen sich ebenso Begriffen aus der physischen Welt; so „friert“ der Computer ein oder wird sogar beschädigt, und wenig später sollen wir „blechen“. Das sind Begriffe aus dem  klassischen Raubüberfall-Szenario, bei nach dem „Lösegeld“ verlangt wird. Her mit der Kohle! Geld oder – virtuelles – Leben. Mit der Zeit werden die Angreifer immer besser bei dem, was sie tun, und erreichen zunehmend den Status eines Dick Turpin der Cyber-Kriminalität.

Auch beim Schutz unserer Rechner bedienen wir uns Konzepten aus der physischen Welt. Unsere Rechner ähneln in ihrer Ausstattung Ritterburgen, die durch dicke Mauern und Wachmännern geschützt sind. Allzeit bereit für einen Angriff von allen Seiten. Windows-Rechner sind sogar standardmäßig mit einem eigenen Programm namens „Defender“ ausgestattet. Und trotzdem: Die Firewall wehrt in ihrer Eigenschaft als Mauer zwar gewisse Angreifer ab, dennoch schaffen es manchmal „Würmer“, sie unbemerkt zu überwinden.

Eine neue Sprache

Eine Möglichkeit ist es, neue Wörter und Bilder für die digitale Welt erfinden. Das kann zum einen problematisch sein, zum anderen neue Chancen eröffnen. Nehmen wir als Beispiel die Technologie hinter Blockchain – ein System, das eine sichere Verwaltung von Online-Transaktionen ermöglicht.

Ob die Blockchain tatsächlich ein so sicheres System ist, teilt die Meinungen. Unter Experten ist man sich aber einig, dass es zumindest sicherer als herkömmliche Systeme für Business-Transaktionen ist, wie etwa das traditionelle Online-Banking-System. Der Grund dafür liegt zum Teil darin, dass das Wort Blockchain selbst kaum Assoziationen mit der physischen Welt erweckt. Wir werden also weder an Geld noch an Online-Banking erinnert.

Ein weiteres Beispiel ist der Begriff „Entschlüsselung“. Viele Experten sind sich einig, dass die Entschlüsselung einen sicheren Weg darstellt, Datenklau aus Nachrichten, geteilten Dateien und Transaktionen zu verhindern. Durch sie werden Daten besser geschützt als durch einen reinen Passwortschutz – wenn auch nicht völlig risikofrei.

Auch „Ethereum“ ist ein Positivbeispiel und bedient sich der oben genannten Blockchain-Technologie. Vereinfacht ausgedrückt arbeiten durch Ethereum Programme nicht mithilfe eines einzelnen Servers, sondern mit einem ganzen Netzwerk. Erst kürzlich wurde es zu einem der sichersten und beliebtesten Blockchain-Systeme ernannt.

Und auch hier stammt der Begriff „Ethereum“ nicht aus unserer physischen Welt. Er ist vielmehr der ohnehin schwer fassbaren Metapher des Äthers nachempfunden. Wie fordert man Lösegeld von einem Äther? Wir assoziieren damit nicht einmal etwas direkt Definierbares.

Vielleicht ist es also wirklich an der Zeit, den unkreativen, physischen Begriffen Lebewohl zu sagen und stattdessen kreativ zu werden. Machen wir die digitale Welt zu einem abstrakteren Ort! Sie würde dadurch vielleicht weniger verständlicher und intuitiv werden, aber vielleicht eben auch um einiges schwieriger zu hacken.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Neourban, Laptop, Hardware“ by markusspiske (CC0 Public Domain)


The Conversation

Weiterlesen »

Studie: Diese digitalen Business-Trends kommen 2018

Business (adapted) (Image by Olu Eletu [CC0 Public Domain] via Unsplash

Die digitale Arbeitswelt ist bereits Realität. Doch welche digitalen Business-Trends bringt die Zukunft? Der Telekommunikationsanbieter NTT Group mit Sitz in Südafrika hat in einer aktuellen Studie, „Top IT trends in 2018: digital business“, fünf Kernthesen für die Business-Trends 2018 herausgearbeitet.

Was erwartet Unternehmen mit Blick auf den digitalen Wandel im kommenden Jahr? Die NTT Group hat in ihrer aktuellen Studie zu IT-Trends 2018 auch auf die Businesswelt geschaut und prognostiziert fünf große Trends für das kommende Jahr:

  • Die Kopplung von künstlicher Intelligenz und virtueller Realität (VR)
  • Blockchain in Unternehmen
  • Cloud-Technologien
  • Die Dominanz von Wireless
  • Wer als Unternehmen im digitalen Wandel nicht smart agiert, wird untergehen
grafik business trends
Business Trends (Screenshot by Dimensiondata)

KI ist Chance, nicht Bedrohung

Während Unternehmen und vor allem Arbeitnehmer in Deutschland sich vor künstlicher Intelligenz fürchten, betont der NTT-Report, dass sowohl KI als auch VR die Trends in Unternehmen im Jahr 2018 werden. Vor allem die Kopplung von künstlicher Intelligenz und Robotik mit virtueller Realität und erweiterter Realität habe großes Zukunftspotential, sagen die Experten: „Wir sehen verstärkt wie diese Technologien gemeinsam das Potential haben, disruptive Ergebnisse zu liefern.”

Beispiel DHL. Der Paketlieferdienst hat seinen Lagerhausmitarbeitern Smart Glasses verpasst, die den Mitarbeitern genau zeigen, wo die Ware in welcher Reihenfolge am besten verstaut wird. Das hat laut DHL sowohl die Produktivität der Mitarbeiter erhöht als auch die Genauigkeit der Auslieferungen verbessert.

In Deutschland experimentiert zum Beispiel die Airline Lufthansa mit VR-Brillen. Die möglichen Anwendungen sind dabei vom Erleben eines Urlaubsziel bis hin zu 360-Grad-Ansichten des Flugzeugs sehr vielfältig. Um etwa Passagiere zu einem Upgrade ihrer Flugklasse zu ermuntern, können Kunden im Vorfeld mit den Brillen sehen, wie das Fliegen in der ersten Klasse eigentlich aussieht.

Air New Zealand wiederum stattet seine Flugbegleiter mit VR-Brillen aus. Während sie mit den Brillen durch den Gang gehen, können sie mit der Technologie Informationen zu den Fluggästen sehen: was das Flugziel ist, welche  Essensvorlieben der Passagier hat oder ob er an Duty-Free-Einkäufen interessiert ist.

All das könnte, laut NTT-Studie, zu einem besseren Kundenservice führen. Ähnlich sieht es mit Robotern aus, die, mit AI ausgestattet, Kunden viel besser helfen könnten. „Das wahre Versprechen der Robotik beginnt sich zu zeigen”, heißt es im Report. Mehr und mehr Unternehmen werden diese Technologien 2018 einsetzen, so die Prognose.

business trends VR
Business Trends VR (Screenshot by Dimensiondata)

Nicht nur für Kriminelle: Blockchain in Unternehmen

Der zweite große Trend 2018 sind nach Ansicht der NTT-Experten Blockchain-Technologien. Je mehr Transaktionen online stattfinden, je mehr das Internet der Dinge sich verbreitet, umso sicherere Technologien brauchen Unternehmen, um die Daten ihrer Kunden zu sichern.

Blockchain im Business sei daher der nächste große Trend im kommenden Jahr, heißt es in der Studie. Die Tatsache, das Kriminelle die Kryptowährung Bitcoin aufgrund der dahinter stehenden Blockchain-Technologie als sicherste Transaktion sehen und nutzen, sollte nach Meinung der Experten Unternehmen ermuntern, nicht abschrecken. Wenn es so sicher ist, dass Hacker sie nutzen, warum sollten Unternehmen Blockchain nicht nutzen? „Wir glauben, dass Blockchain das Potential hat Cybersicherheit völlig neu zu strukturieren, doch die Industrie muss noch lernen, damit umzugehen.

Gerade im Hinblick auf das Wachstumspotential im Internet der Dinge brauchen Nutzer mehr Sicherheit. Blockchain sei in der Lage, dieses Sicherheitsversprechen zu erfüllen – wenn Unternehmen den Mut hätten, diese Technologie einzusetzen.

Unternehmen wollen die Cloud „einfach nutzen”

Auch die Cloud-Technologien in Unternehmen sind nach NTT-Studie im kommenden Jahr nicht mehr aufzuhalten. Die Vorteile einer zentralen Datenbank für alle Mitarbeiter seien ersichtlich, Unternehmen setzen daher auf die Cloud in der Arbeitswelt. Tatsächlich gehören Speicherdienste per Cloud zu den größten Wachstumssegmenten in der IT-Branche. Denn mit der Digitalisierung der Arbeitswelt, werden auch die Arbeitsprozesse an sich, öfter von Ort und Zeit entkoppelt – wie zum Beispiel beim Home Office oder bei international agierenden Unternehmen. Cloud-Lösungen sind deshalb immer gefragter.

Unternehmen wollen sich dabei aber nicht mehr darum kümmern müssen, ob die Cloud sicher sei, wo diese stehe und wie sie funktioniere, „sie wollen sie einfach nur nutzen.” Ganz so einfach wie die Studie es darlegt, mag es für Unternehmen in der Praxis dennoch nicht sein. Denn wer mit empfindlichen Daten arbeitet, muss natürlich sicherstellen, dass diese entsprechend gesichert werden.

Doch mit einem hat der Report sicher Recht: Wenn es eine sichere und unkomplizierte Cloud-Lösung gäbe, wären Unternehmen sicher dankbar, diese „einfach“ nutzen zu können.

Wireless ist nicht mehr aufzuhalten

Dies geht einher mit dem vierten Business-Trend 2018, den die Experten voraussagen: dem Durchbruch von Wireless in Unternehmen.

Mit dem Internet of Things, Cloud-Lösungen und automatisierten Prozessen sei der Boom von Wireless in Unternehmen nicht mehr aufzuhalten. Vom Einkaufszentrum über smarte Geräte im Haushalt bis hin zum Universitätscampus sei das kabellose Internet bereits jetzt schon Teil unseres Alltags. In der Arbeitswelt könnten so in Zukunft mehr Applikationen automatisiert und damit Arbeitsprozesse beschleunigt werden.

business trends wireless
Business Trend Wireless (Screenshot by Dimensiondata)

Nur Unternehmen, die den digitalen Wandel smart umsetzen, werden profitieren

All die Vorteile, die diese digitalen Trends Unternehmen bringen können, seien aber nur dann spürbar, wenn der digitale Wandel in Unternehmen mit der richtigen Infrastruktur einhergehe, so die fünfte Prognose der NTT-Experten für 2018. Das mag als Aussage eines Telekommunikationsanbieters nicht weiter überraschen. Dennoch ist es im Kern nachvollziehbar, dass Digitalisierung von Prozessen an sich noch keine Vorteile bringt. Es kommt vor allem darauf an, wie IT im Unternehmen eingesetzt wird.

Welche Technologie bringt meinem Unternehmen wirklich etwas? Inwieweit können automatisierte Prozesse Mitarbeiter unterstützen? Welche Software ist am besten geeignet? Das sind Fragen, die Unternehmen sich in Zukunft verstärkt stellen werden müssen, wenn sie vom digitalen Wandel nicht überrollt, aber auch nicht überfordert werden wollen. Die NTT-Studie tippt deshalb darauf, dass dies 2018 vor allem einem neuen Geschäftsfeld zum Durchbruch verhelfen könnte: IT-Beratung für Unternehmen.


Image (adapted) „Business“ by Olu Eletu [CC0 Public Domain]


Weiterlesen »

Die Netzpiloten sind Partner der Legal Tech

Partnergrafik_Legaltech

Am 28. und 29. November öffnet die Legal Tech in Berlin ihre Tore und das ganz unter dem Motto „Die Zukunft der Rechtsbranche“. Wichtig ist es in unserer heutigen Zeit mit der Digitalisierung zu gehen und nicht stehen zu bleiben. Das gilt auch für die Rechtsbranche. Gerade Kanzleien, egal ob mittelständische oder große, Berater, Legal-Techs, Unternehmensjuristen und Startups, sollten sich diese Konferenz nicht entgehen lassen.

Obwohl Legal Tech durch die Digitalisierung bereits in der Juristenwelt angekommen ist, reicht es allerdings nicht nur bestimmte Technologien zu nutzen, sondern auch einen Blick in die Zukunft zu wagen und konkrete Digitalisierungs-Strategien zu entwickeln. Wer mehr darüber wissen möchte, bekommt beim Legal Tech Forum einiges geboten.

Zu Beginn der Veranstaltung wird Dr. Emilio Matthaei den Teilnehmern tiefe Einblicke in die Thematik gewähren. Zudem können sich die Gäste im Anschluss auf folgende Themen freuen:

  • Zukunft der Rechtsberatung
  • Business Transformation (digital Transformation)
  • Kanzleimanagement der Zukunft
  • Blockchain
  • Smart Contracts / Smart Solutions
  • Datenschutz / Datendurchsuchung

Unter den namhaften Speakern befinden sich unter anderem Dr. Konstantin Bertram – Gründer und Geschäftsführer der LAWLIFT GmbH – und Dr. Anette Hartung – Rechtsanwältin und Wirtschaftsjournalistin – die selbstverständlich für sämtliche Fragen und anregende Diskussionen offen sind.

Wer sich also mit der digitalisierten Zukunft und Legal Tech auseinandersetzen will, sollte diese beiden Tage auf keinen Fall verpassen. Los geht das Ganze am 28. November im Pullman Berlin Schweizerhof um 09:30 Uhr. Also schnell die Tickets sichern, um Teil einer spannenden Konferenz zu sein.

Weiterlesen »

FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

Follow me
  • ROBOCOP golem: Dubai führt Polizeiroboter für Patrouillen ein: Bei der 360° Überwachung sollen jetzt kleine, selbstfahrende Miniatur-Polizeiautos der Polizei in Dubai unter die Arme greifen. Als Helfershelfer werden sie Menschenmengen beobachten und nach gesuchten Personen fahnden. Informationen, wie beispielsweise Kamerabilder, schicken sie ihren Kollegen dann an die Zentrale. Zur Orientierung hilft eine eingebaute Wärmebildkamera, sowie ein GPS. Was diese neue Technologie insgesamt kostet und wie viele Roboter eingesetzt wurden, ist derzeit aber noch unbekannt.

  • ELEKTROMOBILITÄT ngin: Dieses Startup will die Blockchain in den Mobilitätssektor bringen: Die Elektromobilität ist an sich eine gute Sache, scheitert jedoch zuweilen an den fehlenden Ladesäulen. Das Essener Startup Motionwerk will dem nun Abhilfe schaffen, indem sie private Ladesäulenbesitzer und E-Autofahrer miteinander vernetzten will. Mit einer App können sich so Anbieter und Nachfrager registrieren, die Abrechnung soll dann über die Blockchaintechnologie laufen, über die einprogrammierte Verträge (Smart Contracts) Lade- und Zahlvorgänge selbstständig betätigt werden können. In Zukunft soll somit ein flächendeckendes Ladesäulennetz möglich werden.

  • BODYCAMS heise: Bahn will bundesweit Sicherheitspersonal mit Bodycams ausstatten:
    Die Bahn will jetzt bei größeren Einsätzen Körperkameras zum Schutz des Sicherheitspersonals einsetzen. Getestet wurden diese schon länger und haben sich anscheinend bewährt. Doch Datenschützer warnen vor dem Gebrauch. Der netzpolitische Sprecher der SPD beispielsweise fürchtet solche, wie kürzlich bei der Bahn geschehenen Hackerangriffe, welche den Missbrauch der aufgenommenen Daten bedeuten könnte. Zwar sei der Schutz des Sicherheitspersonals mit äußerster Aufmerksamkeit zu verfolgen, dennoch bräuchte es eine Transparenz der Bahn im Umgang mit den aufgenommenen Daten.

  • UBER horizont: Uber baut Marketing in Österreich aus: Das Investition in lokales Markting wichtig ist, beweist Uber, indem es zurzeit Stellenausschreibungen in Wien bekannt gab. Die Website ließ verlauten, dass unter anderem ein Communiy Operations Manager für den DACH-Raum und ein Marketing Operations Manager gesucht werde. Zwar hatte Uber in der letzten Zeit mit Skandalen zu kämpfen, den Wachstumsdrang scheint dies jedoch keinen Abbruch zutun. Ob sich die Strategie bewährt wird sich zeigen. Die Kooperation mit Rapid Wien im Mai schien jedoch bereits erfolgreich gewesen zu sein.

  • GESETZ handelsblatt: „Testballon für die EU-Kommission“:
    Das umstrittene Netzwerkdurchsuchunsgesetz ist verabschiedet. Konsequenzen wird dies vor allem für Internetplattformen wie Facebook haben, E-Mail- und Messengerdienste bleiben von diesem Gesetz unberührt. Ziel für diese Einführung ist die Verminderung bzw. Abschaffung der Hassbotschaften, Volksverhetzungen oder der öffentlichen Aufforderung zu Straftaten in den sozialen Netzwerken. An sich hält Brüssel diesen Entwurf für eine gute Sache, unsicher sind sie sich jedoch noch welche Auswirkungen dieses Gesetz auf die Meinungsfreiheit haben könnte.

Weiterlesen »

FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

Follow me
  • BLOCKCHAIN t3n: Blockchain soll Wirtschaftsstandort stärken: Deutsche Startups gründen Bundesverband: Eine Gruppe deutscher Startups möchte noch dieses Jahr vor dem Bundestag einen Bundesverband Blockchain gründen. Dieser unparteiliche Verband soll den Mitgliedern der Szene eine einheitliche Stimme zu geben, und hofft auf die Onlineregulierungen der neuen Regierung Einfluss nehmen zu können. Blockchain sei die nächste Innovationsstufe des Internets. Deutschland habe die Chance Vorreiter in der Wirtschaft zu werden, wenn die Blockchain in den Regulierungen berücksichtigt werde. Der Verband möchte den Bundesverbänden und Digitalpolitiker als Experten zur Seite stehen.

  • CIA golem: Wie die CIA WLAN-Router hackt: Aus neuen Unterlagen von Wikileaks hervor, dass der amerikanische Auslandsgeheimdienst CIA über ein Programm verfügte, welches WLAN-Router hacken kann. Das Netzwerk der CIA besteht aus einem Botnetz, die mit einem kontrollierbaren Server verbunden sind. Die Daten, die aus den Wikileaks-Dokumenten hervorgehen wurden von 2007 bis 2012 gesammelt. Gesammelt wurden E-Mail Adressen, Chatnutzernamen, Mac-Adressen oder Voice-Over-IP-Nummern. Bis zu zehn Hersteller waren betroffen, darunter auch der Marktführer AVM. Die genauen Einsatzgebiete der „Cherry Blossom“-Software sind noch unklar.

  • FLUGGASTDATEN netzpolitik: Europäische Union will zentrale Datei für Fluggast- und Passagierdaten: Grenzbehörden dürfen von Airlines Passagierdaten anfordern. Jetzt möchten die InnenministerInnen der Europäischen Union eine zentrale Passagierdaten-Datenbank einrichten. Hierbei geht es um sogenannte API daten, die nach dem Check-in erhoben werden, müssen bis jetzt 24 Stunden nach Check-in wieder gelöscht werden. Die neue Datenbank soll einen dezentralen Datenaustausch über einen zentralisierten Router durchführen und als einzige Anlaufstelle für Airlines fungieren. Ob dieses System von Vorteil gegenüber der alten Methoden ist, soll bis 2018 mit einer Studie herausgefunden werde.

  • DATENSCHUTZ heise: E-Privacy-Verordnung: Entschlüsselung von Kommunikation soll verboten werden: Erst kürzlich forderte CSU Politiker Hermann, dass Whatsapp-Kommunikation abgehört werden müsse. Die Verhandlungsführerin für eine Datenschutzreform im EU-Parlament macht sich nun dafür stark, dass Hintertüren verboten werden. Der Einsatz von Kryptografie, die verwendet wird um verschlüsselte Daten wieder zu entschlüsseln, soll in EU-Mitgliedstaaten komplett verboten werden. Maju Lauristin fordert ebenfalls eine Stärkung des Schutzes von Verbindungs- und Standortdaten, verbote von Tracking-Walls und eine Informationspflicht für „Opt-ins“.

  • GOOGLE handelsblatt: EU-Kommission will Google Rekordstrafe aufbrummen: In Bezug auf die Shopping-Suche auf Googles Suchmaschinenangebot, möchte die EU Wettbewergskommission Google eine Rekordstrafe verhängen. Der Vorwurf von Wettbewerbern an Google ist, dass der Suchmaschinenalgorithmus einige Händler bevorzuge und so den Wettbewerb nicht gerecht darstelle. Das Bußgeld wird auf zehn Prozent des Umsatzes beschränkt und beläuft sich momentan auf 1,06 Milliarden Euro. Das Verfahren ist eines von drei, in denen die Kommission Google vorwirft, den Wettbewerb zu verzerren.

Weiterlesen »

FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

Follow me
  • FACEBOOK berliner-zeitung: Facebook-Gesetz Justizminister Maas muss Entwurf nachbessern: Hassrede, Beleidigungen und Verleumdungen im Netz können nicht einfach verboten werden. Die Erfahrung macht gerade Justizminister Heiko Maas (SPD) mit seinem sogenannten Netzwerkdurchsetzungsgesetz. So, wie es jetzt vorliegt, wird es nicht verabschiedet. Es verstößt offenbar gegen die Meinungsfreiheit. Der Gesetzentwurf sieht bislang vor, dass strafbare Inhalte bei Facebook oder anderen sozialen Netzwerken innerhalb von 24 Stunden gelöscht werden müssen. In komplizierteren Fällen bekommen die sozialen Netzwerke sieben Tage Zeit. Bei Verstößen drohen Bußgelder von bis zu 50 Millionen Euro.

  • BLOCKCHAIN hochschulforumdigitalisierung: „Auf der Blockchain können wir das Lernen neu erfinden“: Blockchain ist eine neue Technologie, die Triebfeder der nächsten Generation Internet ist, dem Web 3.0 oder dem dezentralen Web. Das Internet 1.0 hat die Weitergabe von Informationen revolutioniert. Das Web 2.0 hat Interaktionen revolutioniert, sei es durch Social Media, die Sharing Economy, Marktplätze wie Ebay und Amazon, aber auch durch neue Orte der Wissensweitergabe und -generierung wie Wikipedia. Durch dieses Web 2.0 hat sich eine Peer-to-Peer-Economy etabliert, die aber immer eine Plattform dazwischen hat, welche die Spielregeln der Transaktionen definiert und alle Daten speichert.

  • EMOBILITÄT heise: Elektrosportwagen Fisker EMotion soll demnächst vorbestellbar sein: Für den Ende Oktober 2016 angekündigten Luxus-Elektrosportwagen Fisker EMotion geht es offenbar in die nächste Phase. Der Wagen soll zwar erst 2019 erhältlich sein, ab Ende Juni aber vorbestellt werden können. Das geht aus einer Mitteilung des Unternehmens hervor. Außerdem hat es erste Fotos des angekündigten Autos veröffentlicht. Der Fisker EMotion soll es auf eine Reichweite von 650 km und eine Spitzengeschwindigkeit von 260 km bringen. Zu den Werten beitragen soll eine Leichtbauweise mit Kohlefasern und Aluminium. Dazu kommt ein Akku auf Graphen-Basis, der innerhalb von neun Minuten für etwa 160 km aufgeladen werden könne, teilt Fisker weiter mit.

  • ANDROID t3n: Die 15 besten Android-Launcher: Wenn es eine Sache gibt, in der iOS und Windows 10 Mobile nicht den Hauch einer Chance gegen Android haben, dann ist es die unglaubliche Wandlungsfähigkeit. Im Gegensatz zu den beiden anderen Smartphone-Betriebssystemen lässt sich beinahe die komplette Oberfläche dank der sogenannten Launcher-Apps verändern. Statt die von Google entwickelte Standard-Oberfläche einzusetzen, könnt ihr einen der beinahe unzähligen alternativen Launcher einsetzen.

  • FACEBOOK II golem: Facebook klassifiziert eine Million Bilder in einer Stunde: Das Projekt Imagenet stellt nicht nur Bilder zu Forschungszwecken bereit, sondern bietet mit der Large Scale Visual Recognition Challenge (ILSVRC) auch eine Art standardisierten Wettbewerb zum Testen von Machine-Learning-Modellen. Facebook zeigt nun, dass eines seiner Modelle zum Klassifizieren von mehr als 1,2 Millionen Bildern in 1.000 Objektkategorien (Imagenet-1K) extrem gut skaliert. Das Team von Facebook beschreibt in einer Forschungsarbeit, die auf der Konferenz Data@Scale vorgestellt wurde, dass das Training des genutzten Modells für die beschriebene Aufgabe auf acht von Nvidias Tesla-P100-GPUs etwa 29 Stunden benötigt. Mit 256 GPUs könne dieser Wert auf nur eine Stunde gedrückt werden, was einer Effizienz beim Skalieren von rund 90 Prozent entspreche.

Weiterlesen »

„Ich sehe die Blockchain als eine ökonomische Innovation“

Viva-Technology

Dieser Beitrag ist Teil einer Artikelreihe im Vorfeld der internationalen Tech-Konferenz Viva Technology, zu der vom 15. bis 17. Juni 2017 rund 50.000 Teilnehmer und über 5.000 Startups nach Paris kommen. Die Netzpiloten werden als Medienpartner der Viva Technology mit vor Ort sein. Und hier gibt es Tickets für das Event zu gewinnen.


Die VivaTech existiert nach eigenen Angaben, um Innovation zu zelebrieren. Die Blockchain ist die wohl wichtigste Innovation der letzten Jahre. Und auch wenn es so scheint, dass es sich bei dem Verfahren, das die technische Basis für sogenannte Kryptowährungen darstellt, um eine technische Innovation handelt, sieht Claire Balva dies etwas differenzierter. Sie ist die Gründerin des Pariser Startups Blockchain France und für sie ist die Blockchain vor allem eine ökonomische Innovation, wie sie auf der diesjährigen VivaTech im Juni erklären wird und dies bereits bei uns im Interview verständlich macht.

Tobias Schwarz: Sagen wir, ich frage für die Tochter eines Freundes: Könnten Sie mir bitte eine Erklärung für Fünfjährige geben, was die Blockchain ist?

Claire Balva: Eine Blockchain ist wie ein Buch. Jeder hat eine Kopie dieses Buchs. In diesem Buch können die Leute ihre Transaktionen festhalten. Sagen wir, ich gebe Ihnen zwei Äpfel. Ich schreibe in das Buch, dass ich, Claire, Ihnen, Tobias, zwei Äpfel geschickt habe und ich unterschreibe diese Aussage. Jeder kann Transaktionen senden, aber dies muss von anderen Mitgliedern des Netzwerks validiert werden: Sie kontrollieren dann, ob ich wirklich zwei Äpfel besitze. Sie schauen sich die vorhergehenden Seiten des Buchs an und sehen, dass ich gestern tatsächlich drei Äpfel von meinem Freund Steve bekommen habe. Sie bestätigen die Transaktion und schreiben sie mit einem dokumentenechten Stift auf eine neue Seite, zusammen mit anderen validierten Transaktionen.

Eine Blockchain ist in ihrer einfachsten Form ein digitales Buch oder Konto, das sich viele Computer und Server teilen, sozusagen ein Knotenpunkt. Die Seiten, die wir in der Buch-Analogie erwähnt haben, sind in Wirklichkeit Blöcke, die dieses digitale Konto darstellen. Sie sind durch eine kryptographische „Kette“, die sie voneinander abhängig macht, verbunden. Wenn der Inhalt eines Blocks geändert wird, wird die Kette gelockert. Das bemerkt der Rest des Netzwerks dann auch. Wenn ein Block von Transaktionen einmal validiert ist, wird er „unveränderlich“, grundsätzlich kann ihn dann also niemand mehr bearbeiten.

Bitcoin ist die erste Blockchain. Es erlaubt den Menschen, Bitcoins, digitale Wertmarken, die monetären Wert haben, ohne Mittelsmänner zu tauschen. Die Teilnehmer des Netzwerks, die Miner genannt werden, geben ihre Rechenleistung an den Service, der die Transaktionen validiert: Es wird überprüft, dass der Absender ausreichend Mittel für den Vorgang besitzt, indem die Historie der Transaktionen durchgegangen wird, und dass er das Recht auf den Zugriff zu den Mitteln hat, indem die Unterschrift verifiziert wird.

Claire Balva (adapted)
Image by Claire Balva

Was kann man mit der Blockchain machen? Wann benutzen wir die Blockchain tatsächlich?

Wie wir bereits zuvor mit Bitcoin gesehen haben, können wir mit jedem, der will, immer und überall Beträge austauschen. Dies geschieht zu sehr geringen Transaktionskosten und unabhängig von der getauschten Menge. Blockchains können außerdem mit jeder Wertmarke Daten in einem bestimmten Slot aufbewahren. Sehr kleine Transaktionen auszuführen und eine kleine Menge an Informationen einzufügen, sichert die Information. Zu viele Daten können nicht eingefügt werden, da es komplizierter wäre, die Blockchain auf mehreren Computern zu hosten. Aber man kann einen kryptographischen Beweis, eine Reihe von Buchstaben und Zahlen, die den Status eines beliebigen Dokuments repräsentieren, einfügen.

Dies kann zum Beispiel dazu verwendet werden, Zeugnisfälschungen zu verhindern. Manche Schulen haben bereits begonnen, die Zeugnisse ihrer Schüler mit der Bitcoin-Blockchain zu zertifizieren. So können Firmen überprüfen, ob ein Zeugnis von seinem ursprünglichen Zustand (zum Beispiel mit Photoshop) abgewandelt wurde. Die Vollständigkeit von Daten, Verfolgbarkeit und Zertifizierung sind die Schlüsselanwendungen für Blockchains wie Bitcoin.

Andere Blockchains ermöglichen es, dezentralisierte Anwendungen, die „smarte Verträge“, die sich selbst ausführende „Wenn-Dann“ Programme sind, zu programmieren. Zum Beispiel könnte eine Versicherungsgesellschaft einen smarten Vertrag entwickeln, der automatisch Landwirte basierend auf den Daten verschiedener Webseiten für Wetterprognosen entschädigt, wenn es mehr als 30 Tage nicht geregnet hat.

Ich sage immer „die“ Blockchain, aber tatsächlich gibt es nicht nur eine Blockchain. Blockchains stehen für Banken und öffentliche Ämter in der Diskussion. Werden wir mehrere Ketten nebeneinander sehen oder wird es nur einige wenige wirkliche Anwendungsfälle in der Zukunft geben?

Es gibt viele Blockchains, die verschiedene Mechanismen und verschiedene Führungssysteme verwenden. Manche davon sind je nach Anwendungsfall besser geeignet als andere. Manche in öffentlich, wie die Bitcoin-Blockchain, das heißt, dass jeder Zugriff auf die gesamte Transaktionshistorie hat und seine eigenen Transaktionen ausführen kann. Andere sind private oder zugriffsbeschränkte Blockchains, bei denen Arbeitsgemeinschaften entscheiden, wer Zugriff hat und wer die Transaktionen validieren kann.

Die Anwendungsfälle von öffentlichen Blockchains unterscheiden sich sehr von denen privater. Auch wenn Blockchain-Experimente im Finanzsektor begannen, sehen wir jetzt Experimente in der Lebensmittelindustrie, dem Energiesektor, dem Verkehrswesen und, wenn man es mal weltweit betrachtet, bei jeder Art von Versorgungsketten. Man kann sicher sagen, dass alle bedeutenden Wirtschaftssektoren von dieser neuen Technologie beeinflusst werden.

Meiner Meinung nach wird es in der nahen Zukunft einige wenige große, öffentliche Blockchains und viele private Blockchains, die untereinander kooperieren können, geben. Es ist schwierig, die fernere Zukunft vorauszusehen, aber es ist möglich, dass nur eine öffentliche Blockchain, mit Privatsphäre-Einstellungen für empfindliche Informationen, geben wird. Als naheliegender Vergleich hatten viele Firmen zu Beginn des Internets Intranets entwickelt. Mittlerweile arbeiten viele, wenn nicht alle, Firmen auf sicheren Internet-Plattformen.

Würden Sie die Blockchain eher als ökonomische, soziale oder technologische Innovation beschreiben?

Das Interessante an der Blockchain ist, dass sie mehrere Forschungsbereiche neu zusammenstellt: Kryptographie, Wirtschaft, Programmierung, Mathematik… Auch wenn Blockchains noch in der Entwicklung sind, stellen sie keine Innovation im technologischen Sinne dar. Sie verwenden Techniken, die in einzelnen Bereich bereits genutzt wurden. Die Größe der Blockchain entsteht durch die Aggregation dieser Techniken. Öffentliche Blockchains sind auf die Teilnahme von Individuen angewiesen und viele kritische Annahmen beruhen auf dem Verhalten dieser Individuen.

Ich sehe die Blockchain als eine ökonomische Innovation, weil sie das Potenzial hat, die Grundfeste unseres aktuellen Systems zu verändern. Dennoch wird es keine Auflösung, sondern viel mehr eine neue Definition der Rolle der Mittelsmänner geben – und das in jedem großen Sektor der Wirtschaft.

Wir haben immer versucht, Systeme gegenseitiger Kontrolle zu bilden, um Gruppen für Verstöße verantwortlich zu machen. Riskieren wir es dabei nicht, womöglich die Kontrolle zu verlieren, wenn jede einzelne Person wegen der Blockchain in einer leitenden Position ist?

Das Validierungssystem funktioniert dank der Rechenleistung der Teilnehmer. Dennoch „leitet“ niemand die Blockchain. Die Blockchain ist so konzipiert, dass sie dezentralisiert ist, das heißt, kein Individuum und keine Gruppe hat die Möglichkeit, das Protokoll zu ändern. Es sei denn, mindestens 51 Prozent der Netzwerk-Teilnehmer stimmen diesen Änderungen zu. Das wird in den meisten Blockchain-Führungssystemen so gehandthabt. Je mehr Teilnehmer in einem Netzwerk sind, desto sicherer und robuster ist es.

Auch wenn sich die Teilnehmer in großen Mining-Pools umgruppieren, heißt das nicht notwendigerweise, dass sich alle den gleichen Standpunkt in Bezug auf die Entwicklung der Technologie teilen. Außerdem haben sie kein Interesse daran, dem Netzwerk zu schaden, da sie mit den Wertmarken der Währung des Netzwerks entlohnt werden. Dem Netzwerk zu schaden, würde den Wert ihrer Marken zerstören.

Glauben Sie, dass die Blockchain-Technologie reguliert werden muss, bis es nur eine Art Protokoll ist, das im Hintergrund abläuft?

Natürlich müssen die Regulierungen und die Blockchain zusammenkommen, um sich von der Aufbauphase weg, hin zu einer ernsteren Implementierung von Anwendungsfällen mit einem echten Wert für den Endverbraucher zu entwickeln. Kontrollorgane sind in den meisten Ländern vorsichtig in Bezug auf Blockchain-Technologien. Sie lassen die Technologie ausreifen, bevor sie sie festlegen. Manche Länder, wie beispielsweise Russland, verbieten die Nutzung von Krypto-Währungen, andere wiederum befürworten Blockchain-Technologien. Zum Beispiel wurde im Bundesstaat Arizona ein Gesetz verabschiedet, das die Validität von Unterschriften, die in einer Blockchain gesichert wurden, als digitale Unterschriften und smarte Verträge als legale, durchsetzbare Verträge anerkennt. Auch in Japan wurde kürzlich Bitcoin als Zahlungsmittel anerkannt.

Die wichtigsten regulatorischen Angelegenheiten betreffen heute KYC („Know your Customer“, dt.: „Kenne deinen Kunden“), Probleme mit Geldwäsche und Finanzierung von terroristischen Aktivitäten. Nutzer einer Blockchain können sich theoretisch tatsächlich hinter ihrer öffentlichen Adresse, die einfach als eine Reihe von Zahlen und Buchstaben verschlüsselt ist, „verstecken“. Dennoch ist es nicht komplett anonym. Das sehen wir, weil innerhalb der letzten fünf Jahre bereits mehrere Kriminelle von den Vollzugsbehörden dadurch identifiziert wurden, dass die öffentliche Besitzerhistorie von Bitcoins nachverfolgt wurde und diese Daten mit den Daten von Webseiten, die illegale Produkte verkauft haben, abgeglichen wurden.

Der öffentliche Charakter der Transaktionshistorie mag eine gute Neuigkeit für die Strafverfolgung sein, doch Banken wollen natürlich nicht die Historie ihrer Finanztransaktionen, die im Netzwerk vonstattengehen, mit der ganzen Welt teilen. Es gibt ein Paradoxon für mehr Transparenz, welches mit der Privatsphäre der Benutzerdaten vereint werden muss.

In Bezug auf das Ende der Frage ist die Idee, dass die Blockchain in ein paar Jahren nicht mehr für den Benutzer ersichtlich sein wird und nur wenige Menschen werden wissen, wie sie wirklich funktioniert. Sie wird die technologische Schicht hinter den Anwendungen, die auf ihr laufen, sein. Genauso wie beim Internet heutzutage verstehen wenige Menschen das TCP/IP Protokoll, aber dennoch benutzt es jeder.

Wenn Sie einen Blick auf die aufstrebende Forschung über künstliche Intelligenz werfen, glauben Sie, dass die Blockchain die Infrastruktur für eine globale KI-Bewegung sein könnte?

Ich glaube, dass Blockchain-Anwendungen und smarte Verträge mit KI-Cloudcomputing-Schnittstellen interagieren, mit der man Bildanalyse, Übersetzungsdienstleistungen und Spracherkennung anzapfen kann, um nur ein paar Beispiele für KI-Anwendungen zu nennen. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass zukünftige Anwendungen komplett dezentralisiert sein werden, während sie direkte Interaktionen zwischen Benutzern und neue Arten von smarten Dienstleistungen für Kunden zur Verfügung stellen.


Image by Claire Balva

Die Netzpiloten sind Partner der Viva Technology und werden vor Ort berichten. Wir verlosen Tickets für das Event, das vom 15. Bis 17. Juni 2017 in Paris stattfindet. Um an der Verlosung teilzunehmen, macht einfach mit und nutzt eure Chance auf Tickets for free für die Viva Technology! Zeit habt ihr dafür bis Dienstag, den 06. Juni. Viel Glück!

Weiterlesen »

Destination Check: Digital Business Preview 2017

Partnergrafik_preview
Alptracker-adapted-Image-by-Lisa-Kneidl
Sogar Schafe werden jetzt mit dem Alptracker von Tecsag smart. Image by Lisa Kneidl

Die Digital Business Preview ist das alljährliche Preview-Event im Vorfeld des Mobile World Congress, vom 27. Februar bis 02. März 2017 und der CeBit, vom 20. bis 24. März 2017. Sie findet in kurzem zeitlichen Abstand an den Standorten Hamburg und München statt und versammelt IT-Unternehmen, Presse-Vertreter und innovative Hersteller zum regen Austausch und networking. „Internet of Things“, „Big Data“, „Chatbots“ und „Blockchain“ waren in diesem Jahr die großen Schlagworte.

„Alles wird smart! Die Fortschritte im Bereich der künstlichen Intelligenz sind erstaunlich, aber auch beängstigend.“, so beschreibt Veranstalter und Moderator Peter Becker einleitend den Status Quo in der IT-Welt. Das Internet der Dinge ist im gewerblichen und privaten Raum angekommen und beinahe alles Erdenkliche kann mittlerweile auch als Smart-Artikel auf dem Markt gefunden werden.

Doch was Raum für Innovation bietet, kann auch Gefahren bergen, so können smarte Produkte auch schnell kompromittiert werden. Knud Lasse Lueth betonte, dass vor allem die USA in Sachen Smart-Home den Deutschen um einiges Voraus ist, vor allem ein Artikel wie Amazons Alexa war auf der vergangenen CES großes Thema.


Veranstalter: Peter Becker, Moderator der Digital Business Preview


Wie war Ihr Gesamteindruck?

Ich glaube, wir leben in sehr lebendigen Zeiten, wo die Technologie mehr und mehr unser Leben und unsere Arbeitswelt prägt und die Gesellschaft verändert. Es geht nicht nur um neue Produkte,

die auch zu sehen sind, vom neuesten Smartphone bis hin zum Paket-Butler oder zur ersten App, die mir Geld auszahlt, als erste digitale Essensmarke. Es geht auch darum, über den Tellerrand zu schauen und auch die Technologie zum Greifen in ihren Auswirkungen. Das ist eine sehr schöne Mischung gewesen, die wir heute erlebt haben, zwischen Hardcore-Tech- und Security-Themen, neuen Produkten, aber auch beim Berichten muss man über den Tellerrand hinausschauen. Alles wird intelligent, wie beispielsweise künstliche Intelligenz, die in Deutschland leider noch völlig unterbelichtet ist. Wir sehen die Rieseninvestments von Google und Facebook in diesen Bereichen und auch bei der CES war KI das vorherrschende Thema.

Welche Erwartungen hatten Sie an die Veranstaltung?

Ich habe gerade sehr positives Feedback von einem Kollegen bekommen, der sagte, dass die Mischung stimme. Es inspiriert einen und es ist von allem etwas dabei, es wäre lange nicht so gut gewesen.

Hatten Sie einen Favoriten bei den Speakern oder Ausstellern?

Ich hielt viele Sachen für sehr originell und witzig, beispielsweise auch die Sache mit den Schafen aus der Schweiz! Es lässt sich nur schwer herunterbrechen.

Wem würden Sie die Veranstaltung empfehlen?

Jedem, der sich für Technologien interessiert. Jedem, der wissen will, wie sich unser Leben und unsere Arbeitswelt verändern. Jedem, der in Kontakt mit der Zukunft bleiben will und Inspiration und eigene Geschäftsmodelle entwickeln möchte, aufgrund von Techniken, die hier vorgestellt werden. Wir erleben das unmittelbare Gespräch auch mit denjenigen, die Technologien und Innovation anbieten, das ist, glaube ich, sehr sinnführend.


Speaker: Udo Schneider, Security Evangelist bei Trend Micro


Udo-Schneider-adapted-Image-by-Udo-Schneider.jpg
Image by Udo Schneider

Wie war Ihr Gesamteindruck?

Die Digital Business Preview ist für uns ein sehr interessanter Termin im Jahr, um sehr früh Informationen zu bekommen, was auf der CeBit und was thematisch übers Jahr präsentiert werden wird. Sowohl von Sicherheitsherstellern als auch von den Interessen des Kunden her, oder was für Partner interessant ist und zu neuen Geschäftsmöglichkeiten führen kann. Die Veranstaltung ist weniger CeBit-spezifisch und kann als Ausblick und Erdung für das Branchen-Jahr angesehen werden.

Welche Erwartungen hatten Sie an die Veranstaltung?

Was ich an der Preview sehr gerne mag, ist das große Spektrum an Sprechern. Zum einen gibt es Sprecher von Firmen im Consumer-Bereich oder im großen Firmen-Bereich, mit ganz verschiedenen Themen und solchen, die man normalerweise so nicht mitbekommt. Es ist ein sehr interessanter und breiter Themen-Überblick, was insofern interessant ist, weil diese Themen erfahrungsgemäß dann sehr lange vorhalten. Es kommt vor, dass wir gegen Ende des Jahres Gespräche mit Kunden und Partnern führen, die im gleichen Jahr hier auf der Preview vorgestellt wurden.

Die Langlebigkeit der präsentierten Themen ist also enorm und die Veranstaltung dementsprechend sehr interessant – und das in einer sehr schnelllebigen Branche. Gerade, weil auch erfahrungsgemäß die meisten Sprecher der Veranstalter keine klassischen Produkt-Präsentationen machen, sondern es werden sehr visionäre Themen und Ansätze präsentiert, die weniger an Produkte, sondern eher an Vorgehensweisen gebunden sind. Das sind Informationen, die deutlich langsamer veralten als Produktupdates.

Wir profitieren sehr lange von dieser Veranstaltung! Wenn wir Themen hier präsentieren, die dann auf der CeBit aufbereitet werden, kommt es durchaus vor, dass wir von Kunden und der Presse teilweise Monate später auf das jeweilige Thema angesprochen werden. Für uns ist diese Veranstaltung quasi der Auftakt für die Pressearbeit des ganzen jeweiligen Jahres, von der wir lange profitieren.

Wem würden Sie die Veranstaltung empfehlen?

Die Veranstaltung würde ich jeder Firma empfehlen, die auf IT-Messen präsent ist, die Produkte oder Lösungen haben, die vielleicht erklärungsbedürftig und nicht auf den ersten Blick verständlich sind, wo aber eine Berichterstattung für die Messen wünschenswert ist. Hier ist die Zeit Visionen und Konzepte vorzustellen und zu erklären deutlich besser gegeben, als im hektischen Messe-Alltag.

Gerade Lösungen, die auch ein wenig Nachdenken erfordern, sind hier sehr gut zu präsentieren, weil man erfahrungsgemäß mehr Zeit hat, diese zu zeigen und zu erklären. Die Berichte und entsprechenden Mitteilungen über die Preview werden dann passend zu den jeweiligen kommenden Messen geschrieben und veröffentlicht. Wenn es Themen sind beispielsweise komplexer sind und wenig „catchy“ sind, würde ich die Preview den jeweiligen Firmen empfehlen.


Aussteller: Thomas Uhlemann, Security Specialist bei ESET


Thomas-Uhlemann-adapted-Image-by-Thomas-Uhlemann.jpg
Image by Thomas Uhlemann

Wie war Ihr Gesamteindruck?

Wie jedes Jahr ein gutes Treffen der entscheidenen Pressevertreter, die wir hier erwarten und die uns als Multiplikatoren dienen sollen. Die CeBit ist ganz klar eine Landmarke im Jahreskalender, auch wenn wir direkt an der CeBit nicht mehr teilnehmen. Die Preview ist aber immer eine gute Gelegenheit, Produkte zu platzieren, zu informieren und Content an die Medienvertreter zu liefern, was das Thema „IT-Security“ im kommenden Jahr betrifft.

Welche Erwartungen hatten Sie an die Veranstaltung?

Erwartungen sind erstmals das Networking, also bestehende Kontakte zu pflegen, neue Kontakte zu knüpfen und auch das Bewusstsein für unsere Firma auf dem Markt weiter auszubauen. Das wird auch jedes Jahr erfüllt, weswegen wir auch jedes Jahr mit dabei sind.

Hatten Sie einen Favoriten bei den Speakern oder Ausstellern?

Es ist wie immer gut überschaubar, das heißt, es ist genau das richtige Angebot an Ausstellern in meinen Augen, es wird nicht überfrachtet, weil sonst einzelne Informationen verloren gehen würden. Wichtige Innovationen sind auch hier. Beispielsweise halte ich das Sport-Sponsoring Sponsoo für ein gutes Projekt und glaube auch, dass das funktionieren kann. Damit habe ich mich neben altbekannten Playern am meisten beschäftigt. Hier findet sich quasi ein guter Querschnitt wieder.

Wem würden Sie die Veranstaltung empfehlen?

In der B2C-Presselandschaft hat sich dieses Event etabliert, deswegen sollte die auf jeden Fall kommen, natürlich als Multiplikatoren für die End-Anwender. Ich glaube nicht, dass es für End-Andwender Sinn macht, herzukommen. Wünschen würde ich mir, dass tatsächlich auch mal neue Medien ihren Weg hierher finden, also mehr dedizierte Internet-Medien als klassische Verlagshäuser und Redaktionen, die aus dem Fernseh- oder Printbereich kommen.


Besucher: Oliver Berger, Consulting Director bei ERFAHRENHEIT


Oliver-Berger-adapted-Image-by-Oliver-Berger.jpg
Image by Oliver Berger

Wie war Ihr Gesamteindruck?

Ich kann das nur in Relation zu den Previews vorher sehen. Ich beginne mit einer Anekdote: Als ich heute hier hereinkam, steuerte ich auf den großen Saal, in dem die Veranstaltung normalerweise stattfand, und war ein bisschen irritiert, dort nichts vorzufinden. Mit Glück habe ich mich dann umgesehen, den Treppenaufgang zur Veranstaltung gesehen und war dann sehr erstaunt, nur etwa sechs Aussteller vorzufinden, die dann zum Teil auch wiederholt hier sind.

Bei manchen muss ich mich auch fragen, wo der Innovationsfaktor war. Ich hab sowieso über die Jahre nicht verstanden was Pearl hier macht. Sie nutzen das Event natürlich als Kommunikationsanlass, sie können sagen, sie waren auf einer Preview zur CeBit und tauchen in der Presse auf. Der tatsächliche Mehrwert der Veranstaltung für den Großteil erschließt sich mir aber nicht, insbesondere weil Sie sich auch aggressiv vermarkten. Ich habe mit den Verantwortlichen des Alptrackers gesprochen und die wurden tatsächlich aktiv vom Veranstalter angesprochen und für das Event gewonnen.

Welche Erwartungen hatten Sie an die Veranstaltung?

Die Frage nach der Berechtigung dieser Veranstaltung versuche ich tatsächlich seit vielen Jahren zu beantworten. Die Veranstalter sind zwar freundlich, aber beratungsresistent. Meiner Meinung nach schwindet die Bedeutung der Veranstaltung von Jahr zu Jahr. Früher war es größer, internationaler und es gab sehr viel mehr Aussteller und Journalisten. Fazit: Wäre ich nicht jemand, der in Hamburg lebt und arbeitet, wäre ich nicht hergekommen.

Auch Veranstaltungen wie die CeBit halte ich in Teilen für überflüssig. Der einzige Grund, wieso man auf solche Veranstaltungen überhaupt noch geht, ist, wie bei Konferenzen auch, die Möglichkeit des Austauschs mit vielen Menschen zum selbigen Thema. Man hat also eine große Zeitersparnis durch solche Events, so habe ich auf der CeBit beispielsweise die Möglichkeit, über Zulieferer eines bestimmten Produktes aus Asien und deren Arbeitsweise zu informieren und muss dazu nicht extra dorthin reisen. Letztendlich muss man dort aber sowieso hinreisen und sich selbst überzeugen. Ich glaube also nicht, dass diese Veranstaltung noch häufiger als ein Mal stattfindet, wenn sich das so weiterentwickelt. Ich komme tatsächlich hierher, um mich mit Kollegen aus dem gleichen thematischen Umfeld auszutauschen. Das schätze ich und es interessiert mich an Konferenzen und Messen generell.

Hatten Sie einen Favoriten bei den Speakern oder Ausstellern?

Es gab hier doch auch Highlights im Sinne von Innovationskraft, für mich ganz klar Christian Bennefeld mit eBlocker. Nicht nur, weil das ein Produkt ist, das tatsächlich gerade während der Ära Trump gebraucht wird. „Privacy“ in jeglicher Hinsicht, ob jetzt im öffentlichen Raum oder im privaten Umfeld, ist ein wichtiges Thema und das ist darum auch auf jeden Fall eine Innovation, die jetzt hier auf dem Event tatsächlich auch vorgestellt wird.

Hierfür trifft tatsächlich alles zu, was für die Veranstaltung angekündigt wurde: es ist ein innovatives Produkt, sie stellen heute die neue „Family-Edition“ vor und es ist tatsächlich vom Kosten-Nutzen-Faktor her ein Produkt, das sich jedes Unternehmen leisten kann. Für jemanden, der hierher kommt und sich informieren will, hat das auf jeden Fall einen Mehrwert. Anders sehe ich das beispielsweise bei der Paket-Ablage-Box (Anm. d. Red.: die Rede ist vom PaketButler), weil ich in Anbetracht von Problematiken wie Vandalismus oder Diebstahl darin keinen Sinn sehe. Amazon mit ihrem angedachten Drohnen-Lieferservice überspringen dieses Problem einfach.

Wem würden Sie die Veranstaltung empfehlen?

Wenn ich mich hier umsehe, sind mindestens die Hälfte der Besucher männlich und über 50 und das hat möglicherweise auch seinen Grund. Einfach weil das eine Zielgruppe ist, – Achtung, Vorurteil! – die wenig affin damit ist, sich ihre Informationen selbst zusammenzusuchen. Sie suchen das Gespräch und müssen das Produkt anfassen können. Letztendlich ist es ein Branchenevent, ich freue mich wie gesagt über den Austausch und die Fachsimpelei mit Branchenkollegen.

Tatsächlich würde ich dem Veranstalter empfehlen, die Veranstaltung zu modernisieren. Warum lädt man Leute ein, die Geld bezahlen, um ihr Produkt zu bewerben und nicht etwa den ein oder anderen Experten zu den hier behandelten Themen? Wo ist also beispielsweise jemand, der zum Thema „Internet of Things“ sprechen kann? Wieso ist nicht etwa Martin Szugat von Datentreiber hier, der die Predictive Analystics World als Berater bedient? Er könnte einen guten, verhältnismäßigen und vor allem produktungebundenen Einblick in das Thema Big Data geben und darüber informieren, was uns noch erwartet. Das wäre tatsächlich ein Mehrwert für den Fachbesucher, da er eine unabhängige Meinung vertreten würde. Ich würde hieraus mehr eine Konferenz machen, samt angeschlossener Hausmesse, bei dem sich die Aussteller am Konferenz-Programm beteiligen können.


Images by Udo Schneider, Thomas Uhlemann, Oliver Berger


Weiterlesen »

Netzpiloten sind Partner der Digital Finance World 2017

Partnergrafik_Digitalfinanceworld

Vom 01. Bis 02. März 2017 findet in Frankfurt der Kongress KuppingerCole’s Digital Finance World 2017 (DFW) statt. Die Finanz- und Versicherungswelt trifft sich dort, um sich über Innovation und die digitale Transformation ihrer Betriebe auszutauschen.

An zwei Tagen von jeweils 8 bis 18 Uhr bedient die Digital Finance World ihre Besucher mit allerlei Informationen zu den Themen Blockchain, Bitcoins, Big Data und das Internet der Werte (IoV). Der Veranstalter KuppingerCole ist eine seit 2004 international und unabhängig arbeitende Analyse-Organisation. Ein zentrales Element der Arbeit der Organisation ist es, Unternehmen mit neutraler Beratung und Expertise in den Bereichen Informationssicherheit, Identitäts- und Zugriffsmanagement, Informations- und Zugriffssteuerung, Risikomanagement und Compliance und in Bereichen der digitalen Transformation zur Seite zu stehen.

Das Event findet direkt am Frankfurter Flughafen im HOLM – House of Logistics & Mobility in der Bessie-Coleman-Strasse 7 statt. Wenn ihr bis zum 20. Februar 2017 eure Tickets mit einem Kollegen oder Freund bucht, bekommt ihr sie zum Missed Early Bird-Preis.

Wenn ihr keine Infos oder Updates verpassen wollt, folgt KuppingerCole auf Facebook oder Twitter oder direkt dem Digital Finance World Event!

+++ RABATTAKTION +++

Für euch als treue Leserschaft der Netzpiloten gibt es mit diesem Code 20 Prozent Rabatt auf den regulären Ticketpreis: DFW17NETZPILOTEN

Einfach hier den Rabattcode eingeben und dabei sein!

Weiterlesen »

Digitale Lösungen für analoge Probleme – Reloaded

glühbirne-image-by-jniittymaa0-via-Pixabay-[CC0 Public Domain]

Vor nunmehr 4 Jahren hatte ich an dem spannenden Buchprojekt Reboot_D von Ulrike Reinhard und Hendrik Heuermann mitgewirkt, in dem es darum ging, die analoge Welt mit digitalen Vorzeichen neu zu denken. Unter der Überschrift „Digitale Lösungen für analoge Probleme“ hatte ich mich gefragt, in welcher Weise bis dato die Digitalisierung zur Lösung politischer Probleme beigetragen hatte und warum dies in analogen Zeiten vorher nicht möglich gewesen war.

Mit Blick auf die fehlende Nachhaltigkeit unserer Lebensweise, den Klimawandel und die Änderung nicht-nachhaltiger Geschäftspraktiken skrupelloser Alt-Unternehmen, die mit Hilfe von manipulierter Software unserer aller Lebensgrundlage zerstören helfen, ergibt sich erneut die Frage, wie man mit digitalen Tools und Produkten die Welt ein kleines bisschen besser gestalten kann. Einige Filme und Keynotes der letzten Tagen haben aus meiner Sicht gezeigt, wie dies vonstatten gehen könnte.

Der im Netz viel diskutierte desaströs Beginn (Stichwort: Digitale Demenz bei Anne Will) der ARD Themenwoche zur Zukunft der Arbeit hat wieder eines gezeigt: Es fehlt in Deutschland an Vordenkern, die uns einen (Aus-) Blick auf globale Trends und Themen zeigen können und es fehlt weiterhin an entsprechenden Altmedien, die in der Recherche relevanter Themen und dieser internationalen Vordenker auf der Höhe der Zeit sind. Wie kann es sein, dass uns ausgerechnet der Altmeister des deutschen Films Werner Herzog mit über 70 Jahren mit „Lo and Behold“ einen spannenden Blick auf die Zukunft des Internets, der Robotik und damit der Gesellschaft zeigt?

In dieser Woche hatte ich aber Gelegenheit, weitere drei Filme bzw. Präsentationen zu schauen, die uns zeigen, wie sich Geschäftsmodelle mit Hilfe von Blockchain in Richtung sozialer Nachhaltigkeit ändern können (Don Tapscott), in welcher Weise Geschäftsmodelle ökologische Nachhaltigkeit fördern können (SolarCity) und warum wir ein Interesse an diesen Änderungen haben sollten (Leonardo DiCaprio).

National Geographic hat seit drei Tagen den Klimawandel-Film von Leonardo DiCaprio „Before the Flood“ in seinem YT-Channel freigeschaltet. Der Kampf gegen den Klimawandel und die Förderung der Solarindustrie, alles dies waren mal deutsche Kernkompetenzen. Aus und vorbei. Im Film von LDC wird stattdessen die Giga-Factory von Tesla gezeigt und das Geschäftsmodell und die Mission dahinter vorgestellt.

In welchem Kontext die Giga-Factory zu verstehen ist, kann man erahnen, wenn man die aktuelle Keynote von Elon Musk zur Vorstellung des Konzepts der Solardächer anschaut. Die Keynote – unter freiem Himmel – als Chef eines Industrieunternehmens mit der Botschaft zu beginnen, dass 404 ppm CO2 Antrieb für deren Überlegungen sei, ist gerade aus deutscher Sicht erstaunlich. Man stelle sich Zetsche oder Müller vor, wie sie versuchen, „Nachhaltigkeit“ mit ihren Produkten zu bewerben. Was die Keynote zeigt, ist die Erkenntnis, dass Nachhaltigkeit und Business sich nicht ausschließen sondern ganz im Gegenteil gegenseitig bedingen.

Ebenso wie Jobs versteht es Musk, eine Sache, die die Menschen bewegt, mit einem Industrieprodukt und einer Dienstleistung zu verbinden. Wen erinnert der Dreiklang in der Musk-Keynote – Generation, Storage, Transport – und die daraus folgende Ableitung des Produkts nicht an die Jopbs-Keynote zur Vorstellung des iPhones, der damals in ähnlicher Weise drei Produkte zu einem neuen verbünden hatte. Haus, Auto und Energie integriert zu betrachten, ist im Grunde genommen so naheliegend und bleibt schnell im Kopf hängen. Und schon fragt man sich, wieso dies bisher immer getrennt betrachtet worden ist.

Wie sich Geschäftsmodelle mit Hilfe der Blockchain-Protokolle schließlich komplett erübrigen können und inwiefern dies allen Menschen im Sinne sozialer Nachhaltigkeit zugute kommen kann, stellt Don Tapscott in seinem aktuellen TED-Talk vor. Zwischenhändler, die sowieso nur abkassieren, Gatekeeper sind und Ungleichheiten verstärken, können mit der Blockchain-Technik komplett eliminiert werden. Tapscott nennt als Beispiele die Sicherung von Eigentumsrechten bezogen auf Landbesitz, das Peer2Peer-sharen, die individuelle Datensouveränität und die unmittelbare Entlohnung von Inhalte-Schaffenden.

Alle Filme zusammen genommen zeigen uns ein Bild auf, warum es nicht nur Technik ist, über die wir reden sondern warum Technik soziale und politische Implikationen hat und warum dies den herrschenden Akteuren – Ölkonzernen, Banken, Blechebiegern – nicht gelegen kommt. Denn: Es geht um Macht.


Image „glühbirne“ by jniittymaa0 (CC0 Public Domain)


Weiterlesen »

Blockchains: Der Fokus auf Bitcoins verhindert die wahre Revolution

Münzen (image by stevepb [CC0] via Pixabay)

Wollte man im Jahr 2008 nicht einen Koffer voll Bargeld verschicken, gab es im Wesentlichen nur eine Möglichkeit, Geld etwa zwischen den USA und Europa zu verschicken: Man musste das Geld durch einen der Hauptfinanzservices oder eine Bank überweisen. Das bedeutete, dass man hohe Kosten zahlen und bis zu mehrere Tage warten musste, bis das Geld ankam.

Eine grundlegend neue Option tat sich 2009 mit der Einführung der Bitcoins auf. Bitcoin ermöglicht es, Vermögen überall auf der Welt schnell und mit minimalen Kosten zu transferieren. Es wird auch „Kryptowährung“ genannt, da es ausschließlich digital arbeitet und Kryptographie nutzt, um sich gegen Fälschung zu schützen. Die Software, die diese Kryptographie ausführt, läuft gleichzeitig auf verschiedenen Computern weltweit. Wenn einer oder mehrere dieser Computer in dem Versuch missbraucht wird, das Bitcoin-Netzwerk zu beschädigen (um zum Beispiel Geld zu stehlen), sichert das gemeinsame Vorgehen der anderen die Integrität des gesamten Systems. Die verteilte Struktur ermöglicht es Bitcoin auch, Transaktionen ohne Gebühren, antiquierte Netzwerke und (wohl oder übel) Regeln, wie sie Zwischenhändlern wie Banken und Telegrafendiensten diktieren, durchzuführen.

Bitcoins spannende Geschichte und gesellschaftliche Wirkung hat schon desöfteren die Fantasie beflügelt. Die Summe der Marktwerte aller ausgegebenen Bitcoins beträgt heute etwa 10 Milliarden US-Dollar. Die Computer, die die Blockchains aufrecht erhalten, sind weltweit verteilt und Eigentum Tausender, so dass das Bitcoin-Netzwerk keinen einzelnen Besitzer oder Kontrollpunkt besitzt. Sogar die Identität des Gründers ist bislang ein Rätsel geblieben (trotz der Bemühungen, ihn, sie oder die Gruppe aufzudecken). Bitcoins Mangel an Regulierungen durch die Regierung machte es attraktiv für Schwarzmärkte und Malware-Autoren. Obwohl das Kernsystem gut gesichert ist, haben Menschen, die Bitcoin besitzen, eine Litanei von Raubüberfällen und Betrügen erlebt.

Mehr als die Währung selbst hat aber die vorher so nie dagewesene Zuverlässigkeit und Sicherheit des Transaktionssystems, das Bitcoin zugrunde liegt, genannt Blockchains, die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Forscher, Unternehmer und Entwickler glauben, dass Blockchains erstaunlich viele  Probleme lösen werden, wie zum Beispiel die Stabilisierung von Finanzsystemen, die Identifikation staatenloser Personen, dem Erheben von Rechtsansprüchen gegenüber Immobilien und Medien und dem effizienten Managen von Versorgungsketten.

Blockchain verstehen

Trotz seiner sehr vielfältigen Anwendungen zielt ein Blockchain wie das von Bitcom darauf ab, ein einfaches Ziel zu realisieren. Abstrakterweise kann es als eine Art öffentliches schwarzes Brett gesehen werden, oft „dezentralisiertes  Geschäftskonto“ genannt. Das Konto ist öffentlich. Jeder, ob Otto Normalverbraucher oder Neureicher, Bäcker oder Banker, kann es einsehen. Jeder kann gültige Daten hineinschreiben. Konkret kann bei Bitcoin jeder Geldbesitzer eine Transaktion zum Geschäftsbuch hinzufügen, die etwas von seinem Geld an jemand anderen überweist. Das Bitcoin-Netzwerk sorgt dafür, dass das Geschäftskonto nur autorisierte Transaktionen beinhaltet, also die, die digital durch die Besitzer des überwiesenen Geldes unterschrieben wurden.

Das Schlüsselmerkmal der Blockchains ist es, dass neue Daten jederzeit geschrieben werden können, aber niemals geändert oder gelöscht werden können. Auf den ersten Blick scheint diese in den Stein gemeißelte Regel eine unnötige Einschränkung der Konstruktion zu sein. Aber es erschafft eine permanent anwachsende Geschichte von Transaktionen, die starke Transparenz und Rechenschaftslegung erzeugt. Die Bitcoin-Blockchain beinhaltet zum Beispiel ein Protokoll aller Transaktionen des Systems seit seinen Anfängen. Dieses Merkmal ermöglicht es, Kontoinhaber daran zu hindern, Transaktionen abzusagen, sogar obwohl ihre Identitäten anonym bleiben. Sobald sie im Konto verzeichnet ist, ist die Transaktion unveränderlich. Das untilgbare Wesen ist sehr mächtig und übergreifend und erlaubt es Blockchains, Applikationen weit über Bitcoin hinaus zu unterstützen.

Denken Sie zum Beispiel an die Organisation des Rechtsanspruchs auf ein Stück Land oder Grundstück. Liegenschaftsregister sind in vielen Teilen der Welt heute aufgeteilt, unkomplett, schlecht gewartet und schwer zugänglich. Die rechtliche Unsicherheit, die das Besitztum von Grundstücken umgibt, ist ein großen Hindernis für den Wachstum in Entwicklungsländern. Wenn Rechtsansprüche auf Grundstücke autoritativ und öffentlich in einer Blockkette erfasst wären, könnte jeder sofort erfahren, wer den Rechtsanspruch auf einen Teil eines Grundstücks  hat. Sogar legitimes anonymes Besitztum – wie zum Beispiel einer Privatstiftung – könne in einer Blockchain erfasst werden.

Solch eine Transparenz würde dabei helfen, rechtliche Mehrdeutigkeiten aufzulösen und rechtswidriges Verhalten zu erhellen. Befürworter malen sich ähnliche Vorteile davon aus, Medienrechte in Blockchains zu erfassen – wie das Recht, Bilder oder Musik zu verwenden – und darüber hinaus Identitätsdokumente und Ladungsmanifeste. Außerdem stärkt diese dezentralisierte Natur der Datenbank die Widerstandsfähigkeit nicht nur gegenüber technischem Versagen, sondern auch politischem – gescheiterten Staaten, Korruption und Gaunerei.

Intelligente Verträge

Blockchains können gefördert werden, um nicht nur Transaktionen, sondern auch Stücke von Codes, die als intelligente Verträge bekannt sind, zu unterstützen. Ein intelligenter Vertrag ist ein Programm, das Kapital auf der Blockkette kontrolliert – alles von der Kryptowährung bis hin zu den Medienrechten – und zwar so, dass vorhersagbares Verhalten garantiert wird. Ein intelligenter Vertrag kann als vertrauenswürdiger Dritter angesehen werden: Für welche Arbeit auch immer er programmiert ist, er wird sie sorgfältig ausführen.

Stellen Sie sich zum Beispiel vor, dass eine Nutzerin ein Landstück versteigern will, für das die Rechte des Nutzers auf der Blockchain repräsentiert sind. Sie könnte einen Auktionär beauftragen oder eine Online-Auktionsseite nutzen. Das würde aber bedeuten, dass sie und der potenzielle Käufer dem Auktionär ohne Beweis vertrauen, die Auktion ehrlich durchzuführen.

Um größere Transparenz zu Erlangen, könnte die Nutzerin stattdessen einen intelligenten Vertrag erstellen, der die Auktion automatisch ausführt. Sie würde den Vertrag mit der Möglichkeit programmieren, den zu verkaufenden Posten auszuliefern und Regel über Mindestgebote und Angebotsende festlegen. Sie würde außerdem spezifizieren, was der intelligente Vertrag am Ende der Auktion machen soll: Die Summe des Höchstangebots vom Höchstbietenden auf das Konto der Verkäuferin zu schicken und den Rechtsanspruch auf das Land an den Gewinner zu übertragen.

Nachdem der Blockchainvorgang öffentlich sichtbar ist, kann jeder mit geeigneter Expertise überprüfen, dass der Code in dem intelligenten Vertrag eine faire und valide Auktion umsetzt. Teilnehmer an der Auktion müssten nur noch der Richtigkeit des Codes vertrauen. Sie müssten sich nicht mehr darauf  verlassen, dass ein Auktionär die Auktion ehrlich ausführt – und als zusätzlichen Vorteil müssten sie nicht mehr hohe Auktionärsgebühren bezahlen.

Der Umgang mit der Vertraulichkeit

Hinter dieser überzeugenden Vision lauern viele technische Herausforderungen. Die Transparenz und Rechenschaftslegung eines vollständig öffentlichen Geschäftsbuches hat viele Vorteile, widerspricht aber dem Konzept der Vertraulichkeit. Stellen Sie sich vor, die oben erwähnte Verkäuferin würde gerne eine Auktion mit verdeckter Bieterrunde ausführen oder das Höchstangebot verbergen. Wie sollte sie dies auf einer Blockkette, die jeder lesen kann, tun? Sowohl Transparenz als auch Vertraulichkeit auf Blockchains zu erreichen ist tatsächlich möglich, benötigt aber neue Techniken, die von Forschern entwickelt werden.

Eine andere Herausforderung ist es, sicherzustellen, dass intelligente Verträge die Absicht des Nutzers reflektieren. Ein Anwalt, Schiedsrichter oder Gericht kann Mängel beseitigen oder unvorhergesehene Umstände in geschriebenen Verträgen ansprechen. Intelligente Verträge sind aber ausdrücklich als unveränderliche Codes erstellt worden. Diese Inflexibilität verhindert Mehrdeutigkeit und Betrug und stellt eine vertrauenswürdige Ausführung sicher, kann aber auch Zerbrechlichkeit verursachen. Ein anschauliches Beispiel ist der kürzlich erfolgte  Diebstahl von etwa 55 Million Dollar in Kryptowährung von einem intelligenten Vertrag. Der Dieb nutzte einen Softwareprogrammfehler aus und die Urheber des intelligenten Vertrags konnten diesen nicht mehr beheben, sobald der Vertrag in Kraft gesetzt war.

Bitcoin ist ein Wirksamkeitsnachweis der Realisierbarkeit von Blockchains. Wenn Forscher und Entwickler die technischen Herausforderungen von intelligenten Verträgen und anderen Innovationen von Blockchains überwinden, wird das Staunen über Geld, das über den Atlantik hinwegschwebt, eines Tages fast schon altmodisch wirken.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „Münzen“ by stevepb [CC0]


Weiterlesen »

Wie Blockchain Musikern helfen könnte, von ihrer Musik zu leben

135365 (adapted) (Image by Ninac26 [CC BY 2.0] via Flickr)

In den 15 Jahren nach Napster wurde es für Musiker schwerer, von ihrer Musik leben zu können – zumindest von Musikaufnahmen. Sinkende CD-Umsätze, illegale Downloads, die niedrige Bezahlung von legalen Streaming-Plattformen und eine Verlagerung zum Kauf von Singles anstelle ganzer Alben sind mit dafür verantwortlich. In letzter Zeit wenden sich zahllose Musikindustrieprojekte bestimmten Technologien zu, die eine mögliche Lösung dieses Problems bilden. Darunter sind Mycelia, gestartet von der Sängerin, Songwriterin und Produzentin Imogen Heap und Dot Blockchain Music, gestartet von PledgeMusic-Gründer Benji Rogers. Dann gibt es noch Ujo Music, Blokur, Aurovine, Resonate, PeertracksStem and Bittunes, welches bereits Nutzer in 70 Ländern angibt. Diese Projekte verbindet, dass sie alle auf dem Prinzip Blockchain basieren. Blockchain ist eine Software, die Bitcoin und andere Kryptowährungen unterstützt. Sie besteht aus Datenblöcken, die in chronologischer Reihenfolge kryptografisch verkettet sind und hat zwei Schlüsselfunktionen. Sie ist unveränderlich: Daten können nicht abgeändert werden. Und sie ist verbreitet, statt zentralisiert zu sein: Viele exakte Kopien werden unabhängig voneinander erhalten. Die Blockchain-Technologie wurde als die Antwort auf die Probleme diverser Industrien, wie zum Beispiel des Bankwesens, dem Diamanthandel, dem Online-Glücksspiel und der Mode, sogar auf die Frage hin, wie wir die moderne Gesellschaft regieren, angepriesen. Wie kann es also den Musikern helfen?

Man muss es besitzen

Das erste Problem, das Musiker haben, lässt sich auf den Fakt herunterbrechen, dass keine verständliche Datenbank von Urheberrecht und Eigentum von Musik existiert. Es gibt mehrere Datenbanken, doch keine enthält jedes existierende Lied – wenn ein Song in mehr als einer Datenbank auftaucht, sind die Daten oft widersprüchlich. Blockchain, wie Vinay Gupta es vor kurzem ausdrückte, ist sowohl eine Datenbank als auch ein Netzwerk. Wenn Urheberrechtsinformationen durch einen kryptografischen Fingerabdruck (wie ein Barcode) in Blockchain gespeichert werden würden, wären aktuelle Informationen für alle Nutzer erreichbar, statt in der Hand von bestimmten Torwächtern zu sein.

Bezahlt werden

Das zweite Problem ist die Bezahlung. Hörer können mit einem Klick direkt auf die Songs zugreifen, doch gemäß eines Berichts von Rethink Music kann es Jahre dauern, bis die Tantiemen diejenigen erreichen, die für das Erschaffen des Songs verantwortlich sind. „Smart contracts“, die in der blockchain durch die Software durchgesetzt werden, könnten die Tantiemen in vereinbarte Portionen aufteilen, sobald der Song heruntergeladen oder gestreamt wird. Solche Mikrobezahlungen mögen sich in jetzigen Systemen nicht lohnen, doch Systeme, die mithilfe von Kryptowährungen wie Bitcoin gebaut wurden, können Bezahlungen in Bruchteilen von Cents ermöglichen.

Licht auf dunkle Stellen werfen

Drittens ist der Mechanismus, mit dem Tantiemen errechnet und bezahlt werden, oft undurchsichtig. Ein Teil des Umsatzes endet manchmal in einer Art „schwarzen Kasse“, außerhalb der Greifweite des Künstlers und Songwriters, dem er rechtlich gehört. In einer Diskretions- und Vertraulichkeitsvereinbarungskultur können Künstler (oder ihre Manager) ihre Bezahlungen nicht richtig überprüfen, wenn Sie sich nicht sicher sind, wie viel ihnen zusteht.

Die Zukunft fördern

Das letzte Problem ist das Geld, das vorab notwendig ist, um Musikern zu helfen, neue Musik zu komponieren. Es wird oft gesagt, dass Künstler keine Plattenfirmen mehr brauchen, doch Geld wird durchaus gebraucht, um kommerziell konkurrieren zu können – und das bedeutet, man braucht normalerweise immer noch die Unterstützung eines substantiellen Labels – ganz besonders von einem der drei verbleibenden „Riesen“: Sony, Universal und Warner. Die Transparenz, die von der Blockchain-Technologie geboten wird, könnte helfen, neue Investoren anzuziehen, genau wie Investoren, die momentan davon abgeschreckt sind, wie schwierig es ist, einen klaren Weg zum Profit für Musiker zu erkennen. Es könnte auch zur Entstehung von „artist accelerators“ führen, ähnlich denen, die für Technologie-Start-Ups bereits verfügbar sind, bei denen frühe Unterstützung mit einem Anspruch auf zukünftiges Einkommen belohnt wird, überwacht und automatisch durch „inteligente Verträge“ bezahlt. Die gleiche Transparenz und Nachvollziehbarkeit könnte Crowdfunding ermutigen, bei denen Künstler Anteile vergeben, die bei zukünftigem Einkommen in Geld umgetauscht werden können.

Mögliche Risiken und Belohnungen

Dies ist eine neue Technologie und neues Terrain. Außerhalb der Musikindustrie hat ein weiteres Blockchain-verwandtes Projekt, The DAO („decentralised autonomous organisation“ = dezentralisierte autonome Organisation), Millionen von Dollar an Spenden erhalten, nur um dann gehackt zu werden. Das Geld wurde schließlich gestohlen. Bitcoin überlebte eine ähnliche Krise, als Millionen während des Skandals um die Plattform Mt Gox gestohlen wurden. Auch wenn das nicht das Ende für die Blockchain-Technologie bedeutet, dient dies doch als eine Erinnerung an die Risiken, wie auch für das Potenzial. Blockchain hat die Unterstützung von Banken und sogar einigen Regierungen. Es gab bereits signifikante Investitionen in mehreren Industrien, einschließlich der Musikindustrie: Stem, eine Firma, die Einkommen von Streaming-Plattformen verfolgt und organisiert, hat in diesem Jahr nach Expertenangaben 4,5 Millionen US-Dollar beschafft. Einige der Behauptungen von Blockchain wurden bereits abgeschwächt, doch Blockchain hat definitiv das Potenzial, die Musikindustrie zu verändern. Wir müssen allerdings überlegen, ob dies die beste Möglichkeit ist, das Problem zu beleuchten. Zum einen gibt es nicht die eine Musikindustrie – die gern auch mal fälschlicherweise als Plattenindustrie bezeichnet wird – sondern es existieren verschiedene Industriezweige rund um die Musik. Die Blockchain-Technologie würde sie nicht unbedingt alle in derselben Weise beeinflussen. In jedem Fall ist garantiert, dass sich in dieser Hinsicht etwas ändern könnte – nicht aber, dass dies passieren wird. Es müssen erhebliche Hindernisse überwunden werden, angefangen mit Problemen mit Kryptowährungen selbst bis zu Sorgen über die Integrität der Daten sowie Widerstand aus der Industrie selbst, die diese neue Technologie als Bedrohung wahrnimmt. Vielleicht sollten wir nicht fragen, ob die Blockchain-Technologie die Möglichkeit hat, die Musikindustrie (hier in der Einzahl gemeint) zu verändern. Stattdessen sollten wir fragen, ob der Wille zur Veränderung da ist und – wenn das der Fall ist – wo und wie die beträchtlichen Hindernisse zur Anpassung überwunden werden können. Außerdem müssen wir uns fragen, wie die Auswirkungen – sowohl die negativen als auch die positiven – auf die verschieden Musikindustrien aussehen könnten. Dies sind die Fragen, die ich und meine Forschungskollegen der Middlesex- Universität in einem Bericht und einer Podiumsdiskussion in London stellen werden. Doch dies ist erst der Anfang. Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „135/365“ by Ninac26 (CC BY 2.0)


Weiterlesen »

Blockchain: Eine politische Revolution?

Voting (adapted) (Image by justgrimes [CC BY-SA 2.0] via flickr)

Blockchain: Eine Technologie fasziniert die Finanzwelt und die Politik. Kann sie wirklich unsere gesellschaftlichen Systeme effektiver und sicherer machen? Eines ist klar: Sie hat das Potenzial, Politik und Verwaltung gewaltig auf den Kopf zu stellen. “Blockchain” wird zunehmend zu einem der Buzzwords aktueller digitaler Trends. Zahlreiche Wirtschaftsvertreter stürzen sich mit großer Euphorie auf die Technologie und preisen sie als nächste große Revolution nach der Erfindung des Internet. Mittlerweile hat auch die ein oder andere Institution Interesse daran gefunden und träumt von einer grundlegenden Reform der Verwaltung. Das Potenzial hierzu ist durchaus vorhanden. Doch wie viel steckt hinter der Technologie? Und was wird darunter überhaupt verstanden?

Das Prinzip der Blockchain

Eine Blockchain ist im Endeffekt nichts anderes als eine Datenbank. Der zentrale Unterschied zu bisherigen digitalen Verzeichnissen: die Blockchain wird dezentral gespeichert. Kein einzelner Server ist mehr alleine für die Verwahrung der Datenbank verantwortlich, sondern alle im Netzwerk befindlichen Computer besitzen ihre eigene Kopie.

Ihren Ursprung findet die Technologie bei einem Dienst, der seit 2009 für mächtig Aufsehen sorgt: Bitcoin. Was ist die Kernessenz dieser Kryptowährung, die selbst Microsoft schon als Zahlungsoption akzeptiert? Möchte man heute im Internet eine Zahlung tätigen, ist man auf vertrauenswürdige Dritte angewiesen. Banken, PayPal und Co. lassen grüßen. Die Grundidee hinter Bitcoin: diesen Mittlern sollte man nicht mehr vertrauen müssen. Ein gewisser Satoshi Nakamoto, über den bis heute nur wenig bekannt ist, erfand eine vertrauenswürdige Peer-to-peer-Verbindung: Rechner übertragen Geldeinheiten auf direktem Wege ohne zwischengeschaltete Institutionen.

Warum ist nun ausgerechnet eine direkte Bitcoin-Überweisung von Person A zu Person B sicher? Die Zauberwörter lauten Kryptographie und Mathematik. Die Details der Transaktion werden sehr stark verschlüsselt. Die anderen Rechner im Netzwerk haben nun die Aufgabe, diese Nachricht zu entschlüsseln, um sie zu verifizieren. Wenn die Mehrheit des Netzwerkes die Transaktion bestätigt, wird sie getätigt. Die Konten von A und B werden entsprechend der Summe der Überweisung aktualisiert – und auch jede Datenbank auf den einzelnen Rechnern. So bleibt die gemeinsame Datenbank bei allen Mitgliedern des Netzwerkes auf demselben Stand – auch bei denen, die nicht an der Transaktion oder der Verifikation beteiligt waren.

Prinzipiell fälschungssicher

So kann natürlich jeder alle getätigten Transaktionen im Netzwerk einsehen. Die Anonymität bleibt bei Bitcoin teilweise gewahrt, weil der Dienst die Konten nicht mit Klarnamen ausstattet, sondern mit Zeichenketten. Trotzdem wäre es theoretisch möglich, Einsicht in die Überweisungen eines jeden zu erhalten, wenn man nur seinen Kontonamen kennt (“Pseudonymity”).

Woher kommt nun aber der Name der Technologie? Mehrere solcher Transaktionen werden zu einem Block zusammengefasst, der kryptographisch mit dem vorherigen Block verknüpft wird. Es entsteht eine Kette aus Blöcken, die Blockchain. Ähnlich wie eine Kette aus Legosteinen – mit einem kleinen Unterschied: die Blöcke werden mit Sekundenkleber fixiert. Mit dieser Technologie kann problemlos der Weg des Geldes nachvollzogen werden und das System wird prinzipiell fälschungssicher, da jede Veränderung der Blockchain durch eine Mehrheit der im Netzwerk befindlichen Computer bestätigt werden muss.

Wahlen per Blockchain

Bitcoin ist also nicht aufgrund seiner Funktion als digitales Geld bemerkenswert – auch wenn eine offizielle digitale Währung durchaus im Rahmen des Möglichen wäre. Vielmehr ist es die zugrundeliegende Blockchain-Technologie, die zahlreiche Akteure euphorisiert, denn sie hat disruptives Potenzial in sehr vielen Bereichen des heutigen Lebens. Viele preisen sie sogar als die nächste wirtschaftliche Revolution an. Viele Finanzinstitute beschäftigen sich bereits mit möglichen Anwendungen der Blockchain.

Doch auch in Politik und Verwaltung ist die Technologie bereits auf Interesse gestoßen. Das britische Wissenschaftsministerium publizierte im Januar einen 88-seitigen Bericht über die Blockchain und deren Potenzial für Regierung und Verwaltung. Und ganz so unwahrscheinlich klingen manche Vorschläge der Community sowie der britischen Regierung nicht.

Für demokratische Wahlen ließe sich das Blockchain-Prinzip durchaus leicht modifizieren. Dabei würde für jeden Kandidaten, jeder Partei oder jedem Thema (Referendum) ein eigenes Konto im Netzwerk angelegt. Jede Bürgerin und jeder Bürger erhält nun jeweils einen “Wahl-Coin”, den er oder sie an die gewünschte Person, Partei oder Position “überweist” und hierdurch eine Stimme abgibt. Eigentlich wäre das Bitcoin-Problem der Pseudonymity nicht mit dem Wahlgeheimnis kompatibel. Dieser Herausforderung haben sich schon einige Initiativen angenommen und schlagen in erster Linie eine Anonymisierung mittels noch zu erarbeitender Software vor – ähnlich dem bereits existierenden Anonymisierungsnetzwerk “TOR”.

Einige Pilotprojekte beschäftigen sich bereits mit einer solchen Wahlsoftware, unter anderem “Follow My Vote”. Dieses System basiert auf der Kryptowährung BitShares, einer Weiterentwicklung der Bitcoin-Technologie. Traum der Visionäre wäre dementsprechend eine “Liquid Democracy” und “Real-Time Democracy”. Vorteil dieses Systems: einerseits entfällt der Gang zur Urne in der örtlichen Schule, andererseits kann jeder problemlos nachvollziehen, ob seine Stimme wirklich gezählt wurde. Die Wahrscheinlichkeit für Wahlfälschung würde dramatisch sinken. Für Manipulation bräuchte es im Netzwerk eine Mehrheit – ein prinzipiell unmögliches Szenario.

Geld nur noch für bestimmte Zwecke

Eine solche Blockchain ist für alle Menschen zugänglich – eine unabdingbare Voraussetzung für die Demokratie. Andere mögliche Anwendungen der Blockchain brauchen diese Offenheit nicht zwangsläufig. Sogenannte “genehmigte” Datenbanken können auch mit einzelnen autorisierten Personen arbeiten. Ein neuer Datensatz muss nicht von einer Mehrheit der Rechner im Netzwerk bestätigt werden, sondern nur von jenen Teilnehmern, die hierzu im Vorhinein autorisiert wurden (permissioned). Das ist für Anwendungen in der politischen Verwaltung besonders interessant. Mit dem Blockchain-System lassen sich nämlich nicht nur Werteinheiten austauschen, sondern auch Daten. Für die Verwaltung eine interessante Anwendungsmöglichkeit.

Aber nicht nur Behörden untereinander könnten auf diese Technologie aufbauen. Das britische Wissenschaftsministerium verspricht sich eine neue Transparenz gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern. Mithilfe von Blockchain-Datenbanken können öffentliche Register, beispielsweise Grundbücher, transparenter werden. Der “gläserne Staat” wäre die mögliche Folge. Im Allgemeinen könnten alle Rechts- und Anspruchsgeschäfte dokumentiert und übertragen werden. Der Bürger könnte Einblick in all seine Daten haben, die Ausstellung von behördlichen Dokumenten vereinfacht werden. Im Sozialversicherungssystem könnte die Effektivität verbessert werden, unter anderem mittels geringerer finanzieller Verluste durch Fehler oder Betrug.

Daneben könnten digitale Coins problemlos an einen konkreten Zweck gebunden werden, zum Beispiel Gesundheit oder Rente. Wenn der Staat Geld für bestimmte Ausgaben bewilligt, könnte er Zeit und Aufwand für die Vor- und Nachkontrolle sparen; die Kosten für die Bürokratie würden sinken. Diese Idee der Zweckgebundenheit ließe sich auch auf andere Bereiche staatlicher Tätigkeit übertragen. Man denke nur an die Entwicklungshilfe. Das britische Wissenschaftsministerium hofft auch auf eine transparentere Steuererhebung und spricht sogar von einem europäischen Umsatzsteuersystem. Im Prinzip kann alles, so die Behörde, was heute auf Papier steht, in eine solche Blockchain-Datenbank verlagert werden. Darüber hinaus hätte die dezentrale Lagerung den Vorteil, dass Cyber-Angriffe extrem schwierig werden – vorteilhaft für kritische Infrastrukturen.

Risiken und Chancen

Absolute Sicherheit gibt es nicht, das müssen auch die Blockchain-Befürworter eingestehen. So werden zwar Manipulationen von außen extrem unwahrscheinlich, weil immer die Mehrheit des Netzwerkes zustimmen muss. Jedoch kann jeder, der legitim auf eine Kopie der Datenbank zugreifen kann, durchaus auch andere manipulieren. Und extrem gedacht entstehen sogar totalitäre Dystopien: jeder einzelne Coin, den man besitzt, wird zweckgebunden. Hiermit dürfte man nur Lebensmittel kaufen, hiermit nur Produkte für die Gesundheit, hiermit nur Rentenvorsorge betreiben. Wo bleibt da die Selbstbestimmung?

Wie sieht nun die Prognose aus? Die Finanzbranche ist bereits auf den Blockchain-Zug aufgesprungen und wird dem Staat meilenweit voraus sein, sofern sich die Technologie als bereichernd herausstellt. Eine Umstellung auf Blockchain wäre im Allgemeinen jedoch mit großem Aufwand verbunden. Laut des britischen Wissenschaftsministeriums wäre es sogar einfacher, eine komplett neue sichere Infrastruktur aufzubauen, als die bestehende anzupassen. Der Bericht warnt auch davor, schnell und unbedacht zu handeln, da ein solches System langfristig angelegt ist und deshalb gut durchdacht werden muss. Ein anderer Bericht geht davon aus, dass die systemweite Implementierung in der Wirtschaft mindestens – wenn überhaupt – noch 10 Jahre brauchen wird. Vom Staat ist da noch nicht die Rede. Die Technologie befindet sich in einem sehr frühen Stadium der Entwicklung. Doch für das britische Wissenschaftsministerium ist die Blockchain die nächste große Disruption des Internet, ja gar der Gesellschaft: die Auswirkungen der Technologie könnten so bedeutend sein wie die Vereinbarungen der “Magna Carta”.

Zuerst erschienen auf politik-digital.de und steht unter CC BY-SA 3.0


Image (adapted) “Voting” by justgrimes (CC BY-SA 2.0)


Weiterlesen »

Imogen Heap will die Musikindustrie revolutionieren

Imogen Heap (image (adapted) by PopTech [CC BY-SA 2.0] via flickr)

Die Musikerin Imogen Heap hatte immer schon einen Hang zum Experiment und dieser könnte nun zu einer Revolution der Musikindustrie führen. Der entscheidende Schlüssel könnte dabei die Blockchain-Technologie darstellen. Diese ist vor allem durch Bitcoins bekannt geworden, soll nun aber, wenn es nach Heap geht, für die Erschaffung einer dezentralisierten, offenen und vor allem für die Künstler fairen Musikplattform Einsatz schaffen. Die Idee besitzt viel Potenzial, aber auch noch viele Ungewissheiten, die es nun mit Hilfe einer Community aus Techies, Hackern und Kreativen zu klären gilt.

Time for Change

Was war das Gejammer von der Musikindustrie Anfang der 00er Jahre groß. Napster, Bit Torrent und andere neue Technologien sorgen dafür, dass niemand mehr Musik kauft, da ja alles plötzlich kostenlos verfügbar ist. Die ganze Industrie und natürlich auch die Künstler werden in den Ruin stürzen, war die wohl beliebteste Endzeitvision dieser Zeit. An allen Ecken wurde sich über die Situation beklagt, aber auf die Idee, die neue Technologie für die eigenen Zwecke zu nutzen, kam niemand – stattdessen wurden erbitterte Kämpfe gegen die Nutzer und Technologien gefochten. Dann kamen iTunes und viel wichtiger noch YouTube und Spotify, denen das Kunststück gelang, die Piraten in zahlende Nutzer zu verwandeln. Alles was nötig war, war eine große Musikbibliothek, und ein günstiges Abomodell und schon zahlen die Nutzer im Schnitt monatlich mehr für Musik, als sie jemals zuvor für physische Datenträger ausgegeben haben. Eigentlich sollten alle glücklich sein, allerdings jammern nun die Künstler, denn bei ihnen kommt, gerade aus dem Streaming-Geschäft, kaum Geld an. Und wie damals bei der jammernden Musikindustrie fehlt bisher die zündende Idee, wie man die Misere beheben und die Künstler fair bezahlen kann.

Die Musikerin Imogen Heap hat nun möglicherweise die zündende Idee, wie man das undurchschaubare Wirrwarr, das die Musikindustrie derzeit ist, übersichtlicher machen kann. Für Künstler ist es kaum nachvollziehbar, wo das Geld auf dem Weg vom Streaming-Anbieter oder Online-Store zu einem bleibt. Plattenfirmen kennt man, aber dann gibt es noch diverse Distributoren, außerdem müssen diverse Lizenzgebühren bezahlt werden, dann gibt es noch die Verwertungsgesellschaften und Verlage, die allesamt ein Stück vom Kuchen abhaben möchten – dazu kommt noch eine Vorliebe für Geheimhaltungsvereinbarungen seitens der Plattenfirmen. All dies macht es für Künstler nahezu unmöglich herauszufinden, wie viel Geld ihnen eigentlich zusteht. Und dies beklagen die Künstler allerorts, ohne jedoch zu wissen wie man die Situation ändern kann. Als Reaktion und um ein Zeichen zu setzen, ziehen immer mehr Künstler ihre Musik von Streaming Anbietern wie Spotify oder Apple Music zurück. Auch Imogen Heap hat sich oft über die Situation beklagt, bis sie es satt hatte, sich ihre Klagen anzuhören. Als sie sich mit der Musikerin Zoë Keating darüber unterhielt, ließ diese das Stichwort Blockchain fallen. Heap begann sich in die Thematik einzulesen und Ideen zu entwickeln, wie man das Rauschen in der Musikindustrie reduzieren kann.

Mycelia

Imogen Heap war schon immer für ihren Erfindergeist bekannt. Sie hat 2005 ihr Album “Speak for Yourself” auf eigene Faust veröffentlicht, bevor dies populär wurde, sie hat als bisher einzige Frau einen Grammy für Tontechnik erhalten und arbeitet seit 6 Jahren an Musikhandschuhen für die Steuerung von Musik auf der Bühne oder im Studio. So beeindruckend all diese Dinge auch sind, ihre neueste Idee hat das Potenzial alles Dagewesene in den Schatten zu stellen und wirklich disruptiv zu sein. Das Problem mit digitaler Musik ist, dass sie ohne großen Aufwand kopiert werden kann und die Dateien deshalb niemand wirklich besitzt. Ein Ansatz der Musikindustrie war DRM, also ein digitaler Kopierschutz – eine Idee, die sich glücklicherweise nicht durchgesetzt hat. Heap hat nun die Idee, dass es eine öffentliche Datenbank geben soll, in der Informationen chronologisch gespeichert werden – ebenso wie bei der Kryptowährung Bitcoin. Auf diesem Wege lässt sich verhindern, dass die Dateien kopiert, manipuliert oder gelöscht werden. Mit dem Unternehmen Ethereum hat Heap dann auch gleich eine Firma gefunden, die genau solche Lösungen anbietet. Das System von Ethereum ist zwar nicht auf Musik zugeschnitten, aber das Team ist sehr von Heaps Vision für ein Blockchain-Modell, das sie Mycelia nennt, begeistert und hilft ihr bei der Umsetzung.

Imogen Heap hat zwar die Idee zu Mycelia gehabt, die Umsetzung schafft sie aber nicht auf eigene Faust, sondern benötigt Entwickler, die ihr bei dem Unterfangen helfen. Aus dem Grund wird Heap ihren neuen Song “Tiny Humans” inklusive Video, Live-Performance und allen nur erdenklichen Daten die potenzielle Klienten (andere Künstler, Werbung, Marken oder Film) interessieren könnten, als Dateien zum Download auf ihre Website stellen, offen für alle, die neue Technologien für die Blockchain entwickeln. Aber noch wichtiger, es werden auch simple Verträge enthalten sein, die Aufschluss darüber geben, unter welchen Bedingungen die Musik heruntergeladen oder von Dritten weiterverwertet wird und wie das damit verdiente Geld zwischen den beteiligten Kreativen verteilt wird. Alle erhaltenen Zahlungen durch Kryptowährungen werden innerhalb von Sekunden an die Empfänger weitergeleitet – eine massive Verbesserung gegenüber den derzeit üblichen Wochen bis Monaten, die es dauert, bis Lizenzgebühren beim Künstler ankommen.

Seit Heap das erste Mal Online über Mycelia gesprochen hat, haben sich bereits viele Unternehmen bei ihr gemeldet, die Technologien für Blockchains entwickeln und ihr bei dem Projekt helfen wollen. Das Potenzial für die Revolution der Musikindustrie ist definitiv vorhanden, aber es gibt noch viele ungeklärte Fragen zu klären und Probleme zu lösen, bevor das dezentralisierte Musiknetzwerk tatsächlich Ausmaße annimmt, die Heap mit der Namensgebung angedeutet hat – Myzel bezeichnet die fadenförmigen Zellengeflechte eines Pilzes, die sich über einen Quadratkilometer ausbreiten können. Wie wird sich dies jedoch auf die Musikindustrie wie wir sie heute kennen auswirken? Kurz gesagt, jeder, der etwas von Wert beisteuern kann, wird auch eine Überlebenschance haben. Plattenfirmen können weiter existieren – wenn sie Talente frühzeitig erkennen oder den Künstlern mit Marketing helfen, können sie diesen Services verkaufen. Wer allerdings keinen Mehrwert für die Künstler bietet, hat auf lange Sicht keine Überlebenschance. Auf diese Weise könnte sich die Musikindustrie wieder auf ein gesundes Maß gesundschrumpfen und ein faires und offenes System für Künstler schaffen.


Image (adapted) „Imogen Heap – PopTech 2010 – Camden, Maine“ by PopTech (CC BY-SA 2.0)


 

Weiterlesen »