Digital Currency in Schweden: Die E-Krona kommt

Wer in Stockholm eine öffentliche Toilette benutzen, mit der Bahn fahren oder ein Café besuchen möchte, der braucht schon heute oftmals eine EC- oder Kreditkarte. Denn in keinem anderen Land in Europa schreitet der Trend des bargeldlosen Bezahlens so schnell voran, wie hier. Bereits in 2018 gaben nur noch 13 Prozent der Befragten in einer umfassenden Studie an, dass sie ab und zu noch mit Bargeld bezahlen. Der Rest des Landes zahlt fast ausschließlich digital. Bezahlt wird häufig mit der App Swish, die ähnlich wie PayPal funktioniert und aus dem schwedischen Alltag quasi nicht mehr wegzudenken ist. Als Reaktion auf diese Entwicklung hat die schwedische Nationalbank nun ein Pilotprojekt vorgestellt. Mit der Kryptowährung E-Krona wollen sie in naher Zukunft die erste offizielle, nationale Digital Currency für Schweden einführen. Doch mit dem Trend hin zu einer Gesellschaft, die nur noch mit einer digitalen Währung bezahlt, gibt es einige Hürden zu überwinden.

E-Krona als erste offizielle digitale Währung

Seit Februar 2020 hat die schwedische Nationalbank, genannt Sveriges Riksbank, mit einem umfassenden Experiment zur Einführung der E-Krona, also einer digitalen Version der schwedischen Krone, begonnen. Im Voraus wurden zwei unabhängige Gutachten veröffentlicht, die in Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Partnern den Bedarf und die Umsetzung einer digitalen Staats-Währung erarbeitet haben. Jetzt hat die Testphase begonnen, die bis Februar 2021 gehen soll.

Doch was genau ist die E-Krona überhaupt und wo wird sie eingesetzt? Die E-Krona könnte die erste nationale Digital Currency weltweit werden. Sie soll von Bürgerinnen und Bürgern mittels einer mobilen App verwendet und verwaltet werden können. Dabei liegt, wie auch bei einer „analogen“ Währung, das Verwaltungsmonopol bei der Nationalbank. Sie hat die Aufgabe darauf zu achten, dass nicht zu viel Geld im Umlauf ist, also die Inflation möglichst niedrig bleibt, und gleichzeitig für eine Verteilung des Geldes gesorgt ist. Bei der E-Krona ist das ähnlich. Die Kryptowährung soll nach dem Prinzip der Distributed Ledger Technologie funktionieren.

Distributed Ledger Technologie ist nicht gleich Blockchain

Auch wenn der Name Kryptowährung darauf schließen lässt, unterscheiden sich die Blockchain Technologie und die Distributed Ledger Technologie in einigen entscheidenden Punkten. Beide Systeme sind prinzipiell dezentral. Alle Datensätze, Transaktionen oder Distributionen sind von allen Teilnehmern einsehbar. Bei der Blockchain Technologie allerdings, bilden sich bestimmte Blöcke und Ketten, die Transaktionen gegenseitig bestätigen. Somit entsteht ein gänzlich unabhängiges Netzwerk, welches keine zentrale Verwaltung oder einen zentralen Server hat. Die Distributed Ledger Technolgie hingegen hat einen „Implementierer“ der die Grundregeln für die Währung, Transaktionen, oder Daten im Allgemeinen festlegt. Dieser besitzt aber im Vergleich zum Centralized Ledger ebenfalls keinen festen Datenstandort, sondern verwaltet die Daten sowohl in seinen eigenen Netzwerken, wie zum Beispiel verschiedenen Bankfilialen, und zusätzlich ständig mittels der Geräten der Nutzer. Das gibt der Riksbank in diesem Fall eine eingeschränkte Möglichkeit zumindest eine gewisse Kontrolle über die E-Krona Währung zu haben.

Ein riesiger Vorteil dieser Technik ist und bleibt, dass sie sicherer ist als PayPal oder ähnliche Dienste. Denn für Transaktionen ist kein Mittlerdienst mehr verantwortlich, sondern quasi nur noch das dezentrale Netzwerk. Dadurch ist auch ein Cyberangriff deutlich weniger gefährlich. Selbst wenn ein Teil des Netzwerks durch einen Angriff ausfallen sollte, kommuniziert der Rest uneingeschränkt weiter. Ein weiteres Argument der Riksbank, warum sie gerade jetzt ihre Experimente starten ist, dass private Unternehmen wie PayPal oder Swish eher eigene Interessen verfolgen würden, so wie alle marktkapitalistischen Firmen. Wohingegen die Nationalbank den Auftrag hätte, für die Bevölkerung zu arbeiten.

Im Moment wird die E-Krona erst einmal in einem abgeschlossenen Umfeld getestet. Wann und ob die Währung auch in die breite Öffentlichkeit integriert wird, muss nun erst einmal evaluiert werden. Zunächst muss der Test erfolgreich sein und sichergestellt werden, dass das Risiko bei der Umstellung auf eine nationale Krypotwährung für die Bürgerinnen und Bürger gering ist.

Risiken und Schwierigkeiten des Digital Cash

Auch wenn die Distributed Ledger Technologie um einiges sicherer ist, als aktuelle Online-Bezahlsysteme, steht sie trotzdem vor einigen Problemen. Zunächst einmal muss die reibungslose Implementierung und Verwaltung eines solchen Systems sichergestellt sein und entsprechende Rahmenbedingungen wirksam werden. Die Riksbank muss die Sicherheit und Anonymität der Nutzerinnen und Nutzer garantieren. Dazu kommt noch ein relativ profunder Grund, warum das Ersetzen von Bargeld durch eine Kryptowährung ein Problem sein kann. Denn schon heute haben Menschen mit Behinderung, ältere Menschen oder Immigranten Probleme damit, sich in den digitalen Bezahlsystemen zu Recht zu finden. Gerade ältere Menschen nutzen bis heute vornehmlich Bargeld, um einkaufen zu gehen, oder öffentliche Dienste in Anspruch zu nehmen. Diese Personen könnten der Kryptowährung skeptisch gegenüberstehen, da das System für die meisten schwer nachzuvollziehen ist. Das Vertrauen in die Nationalbank könnte entsprechend sinken.

Die Schweden sind auf einem guten Weg zur bargeldlosen Gesellschaft. Doch der Wandel wird nicht ohne Schwierigkeiten zu vollziehen sein. Mit dem ersten ausführlichen Test für die E-Krona hat die Riksbank ein wichtiges Signal in Richtung Zukunft gesendet. Große Teile der Bevölkerung in Schweden setzten ohnehin schon auf Digital Currency. Und mit der E-Krona soll nicht nur die Unabhängkeit der Menschen von Firmen wie Swish passieren, sondern auch ein neuer Weg in der Finanzwelt eingeschlagen werden. Die Art, wie wir über Geld denken, hat sich seit jeher verändert. Schon heute existieren nur noch zwei Prozent des gesamten Geldvermögens der Welt in Bargeld. Die restlichen 98 Prozent sind bereits nur noch digitale Zahlen auf einem beliebigen Bildschirm oder auf einem Server.


Image by Connel Design via adobestock

Leonie Werner

interessiert sich für alles, was mit Medien zu tun hat. Insbesondere für Themen im digitalen Bereich ist sie offen und in Sachen Gaming immer auf dem neuesten Stand.


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