Heady Up: Eine App, die Menschen im echten Leben zusammenführt

Zwei junge Schweizer haben mit HeadyUp eine neue Handy-App herausgebracht, die Menschen über’s Internet auch im echten Leben miteinander verbinden soll. Fotos uploaden und sofort Menschen im direkten Umfeld kennen lernen. So funktioniert HeadyUp. User können Fotos hochladen, die dann auf einer interaktiven Landkarte erscheinen. Registrierte Nutzer können so nicht nur ihre eigenen Fotos sehen, sondern auch, wer ebenfalls Bilder in ihrer Nähe hochlädt. Eine einfache Form, um spontan andere Menschen im Umkreis kennen zu lernen. Das Besondere von HeadyUp: Nutzer können nur unbearbeitete Fotos hochladen, die nach 24 Stunden automaisch wieder gelöscht werden. Anders als bei image-lastigen sozialen Netzwerken wie Facebook oder Instagram geht es bei HeadyUp also um die reale Welt in Echtzeit. Aber: Hat eine App, die auf Natürlichkeit und Unverfälschtheit setzt, überhaupt eine Chance?

HeadyUp ist die Geschichte von zwei Schweizern, die auszogen, um die Welt der Handy-Apps neu aufzumischen. Armin Juon und Hans Stuffer, 23 und 21 Jahre jung, lernten sich beim Studium im Kanton Wallis kennen. Wie viele junge Menschen, sind auch sie auf Twitter, Instagram und Facebook unterwegs. Doch ihnen fiel auf, dass es außer zahlreichen Dating-Apps, keine App gab, mit der sie tatsächlich neue Menschen in ihrer Nähe kennen lernen konnten. „Wir fanden es einfach schade, dass so viele Möglichkeiten gab, mit denen sich Menschen in virtuellen Welten treffen können, aber eben nicht in der realen Welt,“ sagt Armin. Also setzten sie sich mit zwei Programmierern zusammen und erstellten kurzerhand genau so eine Applikation – HeadyUp. Kopf hoch, Brust raus, zeigt wer ihr seid – dafür steht der Name „HeadyUp“. Die kostenlose App wurde vor ca. vier Wochen auf den Markt gebracht und ist für’s Erste nur für iPhones (mindestens iOS 8) zu haben. Eine Android-Version ist aber schon in Arbeit. Doch was genau kann HeadyUp? Wie funktioniert die App? Und bringt sie tatsächlich Menschen zusammen?

HeadyUp ist spontan, direkt und vor allem ungefiltert

User können über HeadyUp auf eine interaktiven Landkarte Fotos von sich oder ihrer Umgebung hochladen. Diese erscheinen dann direkt auf der Karte. So sehen Nutzer nicht nur ihre eigenen Fotos, sondern auch, wer weitere Fotos direkt in ihrer Nähe hochlädt. Es entsteht somit eine Landkarte voller Bilder.

Das soll User dazu anregen, andere Menschen in ihrer unmittelbaren Umgebung in Echtzeit kennen zu lernen. Nun braucht die Welt sicherlich keine weitere App, die nur Fotos hochladen kann. Doch Armin Juon und Hans Stuffer geht es um etwas anderes. Die Fotos, die hochgeladen werden, können nicht mehr bearbeitet werden und sie werden automatisch nach 24 Stunden von der Karte gelöscht. Es geht also um’s Spontane, um das Hier und Jetzt, erklärt Hans Stuffer: „Wenn du Beispiel auf ein Konzert gehst und niemanden kennst, dann postest du einfach ein Foto von dir beim Konzert auf HeadyUp und andere Nutzer, die dort sind, können dich dann direkt ansprechen. So lernst du dann ganz einfach neue Leute kennen.“

Den Machern von HeadyUp ist es wichtig, dass Menschen sich wirklich live und in Farbe kennen lernen können, ohne dass sie vorher aufwendige Profile kreieren und Fotos bis zur Unkenntlichkeit verändert können. Über die Landkarte von HeadyUp können User auch nach anderen Nutzern um sie herum suchen und sich so direkt im echten Leben begegnen.

Ein Gegentrend zur Scheinwelt der sozialen Netzwerke?

HeadyUp ist nicht einfach nur eine neue Applikation, sie zeigt auch eine Gegenbewegung zu sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter oder Instagram. Armin Juon und Hans Stuffer sehen sich zwar nicht als Gegner von Facebook, aber sie legen mit ihrer App den Finger auf die Wunde von Social Media: Jeder schafft sich seine virtuelle Welt, wie sie ihm gefällt und keiner weiß am Ende, was noch echt ist. Doch kann HeadyUp tatsächlich einen Gegentrend erzeugen? Wollen sich Menschen überhaupt noch so zeigen, wie sie wirklich sind?

Bisher haben sich 10.000 User bei HeadyUp registriert, die meisten davon in der Schweiz. In Deutschland sieht die Fotolandkarte dagegen noch recht mager aus. Im Selbstest zeigte die App gerade mal einen anderen aktiven User im Umkreis von 200 Kilometern an – zu wenig und zu weit weg, um tatsächlich reale Kontakte herzustellen. Denn es ist klar, wenn HeadyUp tatsächlich Menschen miteinander verbinden möchte, steht und fällt dies mit der Userzahl. Je mehr Menschen sich auf der HadyUp-Karte tummeln, umso interaktiver und interessanter wird die App. Die Zeit wird zeigen, ob sich HeadyUp tatsächlich durchsetzen kann.

Doch so spannend diese neue Entwicklung von HeadyUp auch ist, am Ende bleibt die Frage: Warum brauchen wir eigentlich eine App, um uns gegenseitig im echten Leben anzusprechen?


Image (adapted) „mobile generation“ by Stefano (CC BY-SA 2.0)


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Marinela Potor

Marinela Potor

begann ihren journalistischen Werdegang bei kleinen Lokalzeitungen und arbeitete dann während ihres Studiums als Reporterin für den Universitätsradiosender. Ihr Volontariat machte sie bei Radio Jade in Wilhelmshaven. Seit 2010 hat sie ihren Rucksack gepackt und bereist seitdem rastlos die Welt – und berichtet als freie Journalistin darüber. Über alle „inoffiziellen“ Geschichten schreibt sie in ihrem eigenen Blog fest. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

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