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Stream Radar – Film & Doku Tipps im Mai

Die Mediatheken sind voll und haben einiges zu bieten! Darum haben wir auch wieder in diesem Monat die besten kostenlosen Filme, Dokus und Serien herausgesucht, die du im Mai ganz einfach streamen kannst. Mit dabei ist unter anderem ein Abschiedsgruß an die großartige Hannelore Elsner, die leider vor kurzem verstarb. In Dani Levys „Alles auf Zucker!“ stellt sie noch einmal unter Beweis, was für eine unglaublich tolle und vielseitige Schauspielerin sie war. Daneben empfehlen wir dir das Volker-Schlöndorff-Drama „Rückkehr nach Montauk“, die experimentelle Godard-Doku „Bildbuch“ und die skandinavische Krimiserie „Springflut“. Viel Spaß beim Streamen!

 

Rückkehr nach Montauk

Es gibt eine Liebe im Leben, die man nie vergisst. Der Schriftsteller Max Zorn (Stellan Skarsgård) kommt zu seiner Buchpremiere nach New York. In seinem Roman schreibt er vom Scheitern einer Liebe in dieser Stadt. Nicht ganz zufällig trifft er Rebecca (Nina Hoss) wieder, die Frau von damals. Sie beschließen, noch einmal ein Wochenende in Montauk miteinander zu verbringen, dem kleinen Fischerhafen mit dem berühmten Leuchtturm am Ende von Long Island.

Arte / Verfügbar bis 07.05. / Zum Film

Bildbuch

Ein rauschhafter Gedankenfluss. Eine assoziative Collage in fünf Kapiteln. Bilder und Wörter. Wie ein fieberhafter Traum, geschrieben in einer stürmischen Nacht. Grausam und gewaltig. Die Sehnsucht nach Freiheit. Die Abgründe der Menschheit. Die Schönheit des Kinos. Das verlorene Paradies. Zeit und Geschichte, gedehnt und verdichtet. Ein unheilvolles Bilderbuch. Der Krieg hat begonnen.

Arte / Verfügbar bis 22.06. / Zur Doku

Alles auf Zucker!

Bei Jaeckie (Henry Hübchen) läuft es nicht. Der Gerichtsvollzieher droht mit Knast und seine Frau (Hannelore Elsner) mit Scheidung. Jetzt kann ihn nur noch das Erbe der gerade verstorbenen Mutter retten. Doch das bekommt er nur, wenn er sich mit seinem verhassten Bruder versöhnt und die nach jüdischem Gesetz festgesetzte einwöchige Totenwache einhält.

Das Erste / Verfügbar bis 23.07. / Zum Film

Lord of War – Händler des Todes

Der Handel mit Waffen ist ein dreckiges aber lukratives Geschäft. Und Yuri Orlov (Nicolas Cage) ist darin der Beste. Nach bescheidenen Anfängen steigt er gemeinsam mit seinem Bruder Vitali (Jared Leto) zum mächtigsten Waffenschieber der Welt auf. Unmenschliche Diktatoren und legitime Staatsoberhäupter – Yuri versorgt sie alle. Als sich Interpol-Agent Jack Valentine (Ethan Hawke) an seine Fersen heftet, gerät sein Imperium jedoch ins Wanken.

TVNow / Dauerhaft verfügbar / Zum Film

Springflut (Miniserie)

Die 25-jährige Olivia Rönning (Julia Ragnarsson) ist neu an der Polizeihochschule in Stockholm. Dort wird als Semesteraufgabe ein ungelöster Mordfall vorgestellt: Vor 25 Jahren ertrank am Ufer der schwedischen Insel Nordkoster eine hochschwangere Frau, weil sie im Sand eingegraben war. Die Identität der Frau ist bis dato unbekannt, ebenso wie Täter und Motiv. Olivia beginnt damit den damaligen Chefermittler Tom Stilton (Kjell Bergqvist) ausfindig zu machen.

ZDF / Verfügbar bis 04.07. / Zur Serie

 

STREAM RADAR 04

Venus – Nackte Wahrheiten

Die zwei dänischen Filmemacherinnen Lea Glob und Mette Carla Albrechtsen planen einen Erotikfilm und machen dazu einen offenen Casting-Call. Junge Frauen Mitte 30 sind aufgerufen, ganz offen über ihren Körper, ihre sexuellen Erfahrungen und Wünsche zu sprechen. Je weiter der Dreh voranschreitet, desto klarer wird ihnen, dass ihr Film aus diesen intimen Casting-Sessions entstehen wird.

Arte / Verfügbar bis 12.11. / Zur Doku

Mädchenbande

Marieme (Karidja Touré) wächst im Pariser Ghetto auf, wo prekäre soziale Verhältnisse und sexistische Hierarchien herrschen. Als sie sich einer Mädchengang anschließt, findet sie das erste Mal richtig Halt, Verständnis und Selbstbewusstsein. Aber nach einer Weile merkt sie, das sich auch diese Clique den Machos unterwerfen muss.

Arte / Verfügbar bis 30.04. / Zum Film

Resistance Fighters – Die globale Antibiotika-Krise

Jährlich sterben 700.000 Menschen durch multiresistente Keime – also Bakterien, die unempfindlich gegen Antibiotika sind. Die Resistance Fighters kämpfen dafür, dass wir noch lange etwas von der medizinischen Wunderwaffe haben. Die Doku begleitet Ärzte, Wissenschaftler, Patienten und Diplomaten.

Arte / Verfügbar bis 17.04. / Zur Doku

Rätselhafte Welt der Quanten

Quantenphysik? Klingt kompliziert. Die Doku gibt Einblicke in die alltägliche Bedeutung der Wissenschaft. Die Lastertechnologie zum Lesen von optischen Speichermedien wie CDs und DVDs würde ohne Quantenphysik zum Beispiel nicht existieren.

3sat / Verfügbar bis 28.03.2024 / Zur Doku

The Team (Staffel 1)

„The Team“ erzählt die Geschichte eines europäischen Ermittlerteams, das in Berlin, Kopenhagen und Antwerpen eine mysteriöse Mordserie aufzuklären hat. Mit dabei: Lars Mikkelsen, Jasmin Gerat, Veerle Baetens.

ZDF / Verfügbar bis 12.05. / Zur Serie

 

STREAM RADAR 03

Dead End (Staffel 1)

Eigentlich wollte die Forensikerin Emma (Antje Traue) nur den 75. Geburtstag ihres Vaters (Michael Gwisdek) feiern. Doch in ihrer verschlafenen Heimatstadt gibt es plötzlich einen Toten nach dem anderen. Und einige sind keines natürlichen Todes gestorben – so wie von Emmas Vater Peter, dem örtlichen Leichenbeschauer, irrtümlich festgestellt. Weil der immer schusseliger wird und Emma zu allem Überfluss menschliche Knochen in seinem Kühlschrank findet, ist sie nicht nur als Tochter, sondern auch als kompetente Kollegin gefragt.

ZDFneo / Verfügbar bis 08.06. / Zur Serie

Neukölln Unlimited

Die Geschwister Lial, Hassan und Maradona wachsen in Berlin Neukölln auf. Ihre Jugend ist von der Leidenschaft für Breakdance und Musik, sowie vom Kampf ihrer Familie für ihr Bleiberecht geprägt. Seit 16 Jahren leben sie schon ohne sicheren Aufenthaltsstatus in Deutschland. Die Doku zeigt, wie sich die jungen Neuköllner behaupten und wovon sie träumen.

bpb / Dauerhaft verfügbar / Zur Doku

Charité (Staffel 2)

Neue Leute, neues Kapitel: In der zweiten Staffel wird die Medizingeschichte von 1943 bis 1945 beleuchtet, die eine höchst politische, aber ebenso perfide gut organisierte ist. Mit Jannik Schümann, Mala Emde, Ulrich Noethen und Hans Löw.

Das Erste / Verfügbar bis 18.04. / Zur Serie

Epidemie Einsamkeit

Immer mehr Menschen vereinsamen – trotz Internet und Großstädten. Denn gerade wegen der Vernetzung sind wir nicht mehr länger darauf angewiesen Familie und Freunde in der unmittelbaren Umgebung zu haben. Und so nehmen wir Jobs am anderen Ende des Landes an und finden uns plötzlich in einer völlig fremden Umgebung wieder. Einsamkeit kann nachweislich Schlafstörungen verursachen und in die Depression führen. Wie soll man aus diesem Teufelskreis ausbrechen?

3sat / Verfügbar bis 15.02.2024 / Zur Doku

Die Berater der Reichen und Mächtigen – Die Macht der „Big Four“

Die vier größten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften erwirtschaften nicht nur selber 130 Milliarden Euro im Jahr, sie prüfen auch die Bilanzen nahezu aller multinationalen Konzerne. Ganz nebenbei helfen sie beim Finden von Steuerschlupflöchern. In einer umfangreichen Recherche wollen Reporter von WDR, NDR und Süddeutsche Zeitung herausfinden: Wie mächtig sind diese Beraterfirmen wirklich?

WDR / Dauerhaft verfügbar / Zur Doku

 

STREAM RADAR 02

Hard Sun (Staffel 1)

Nachdem die Londoner Polizisten Charlie (Jim Sturgess) und Elaine (Agyness Deyn) bei der Arbeit auf streng geheime Dokumente gestoßen sind, ändert sich mit einem Mal alles für die beiden. Denn nun werden sie vom Geheimdienst höchstpersönlich gejagt.

ZDF / Verfügbar bis 07.03. / Zur Serie

Blochin: Die Lebenden und die Toten

Blochin (Jürgen Vogel) heißt der Mann, der schon einmal für tot erklärt war und inzwischen gemeinsam mit Dominik Stötzner (Thomas Heinze) bei der Mordkommission 7 in Berlin arbeitet. Zwei Typen, die gegensätzlicher nicht sein könnten und dennoch zur Nähe gezwungen sind, da Blochin mit Dominiks Schwester angebandelt hat. Als ein neuer Fall ansteht, müssen die Ermittler mehr in Blochins krimineller Vergangenheit graben, als ihnen lieb ist.

ZDF / Verfügbar bis 07.04. / Zur Serie

Exit – Mein Weg aus dem Hass

Die norwegische Filmemacherin Karen Winther gehörte in ihrer Jugend erst einer linksextremen Gruppe an und war später sogar als Neonazi aktiv. Doch ihr gelang der Ausstieg aus dem extremistischen Milieu! Für ihre Dokumentation sprach sie mit Menschen überall auf der Welt, denen es ebenso gelungen ist ihre Radikalisierung hinter sich zu lassen – viele setzen sich heute zum Beispiel für Gewaltprävention ein.

Arte / Verfügbar bis 27.02. / Zur Doku

Das Märchen von der Inklusion

Inklusion ist, wenn jeder Mensch überall dabei sein kann – bei der Ausbildung, am Arbeitsplatz, beim Wohnen und in der Freizeit. Doch leider funktioniert der Alltag längst nicht so märchenhaft, wie man sich das wünschen würde. Das Radio-Bremen-Team begleitet z.B. die zehnjährige Nike mit Down-Syndrom, die in der Regelschule gehänselt wurde und nun wieder eine Förderschule besucht. Die Geschichten der Protagonisten zeigen, dass es längst kein Allheilmittel für Inklusion gibt und wir alle mehr dafür tun müssen.

Das Erste / Verfügbar bis 21.01.2020 / Zur Doku

Früher oder später

Wem gehört die Zukunft in Schönsee? Die Jungen verlassen das Dorf in der Oberpfalz und die Alten sterben. Wir lernen Ernst und Roswitha Schöfl kennen, die einen letzten Versuch unternehmen als Totengräber wenigstens davon zu profitieren. Der Höhepunkt der vier Kapitel (die sich an den Jahreszeiten orientieren), ist der Zuzug einer veganen Kommune, die das leere Hotel im Ort kauft.

BR / Verfügbar bis 28.02.2019 / Zur Doku-Reihe

 

STREAM RADAR 01

It’s a Free World

Drama von Ken Loach: Als die schlagfertige Angie (Kierston Wareing) ihren Job in einer Personalvermittlung verliert, gründet sie kurzerhand ihre eigene Agentur und steigt in das Geschäft mit Gastarbeitern aus Osteuropa ein. Zusammen mit ihrer Freundin Rose (Juliet Ellis) will sie den Einwanderern etwas zu tun geben – auch wenn sie dabei so manche Gesetze missachten.

Netzkino / Dauerhaft verfügbar / Zum Film

Labaule & Erben

Nach einer Idee von Harald Schmidt: Wolfram Labaule (Uwe Ochsenknecht) muss den Verlegerposten des elterlichen Zeitungsimperiums übernehmen, als sein Vater urplötzlich verstirbt. Völlig unvorbereitet muss er sich nun Vorwürfen über gefälschte Reportagen stellen, Intrigen im Haus abfedern und der allgemeinen Medienkrise trotzen. Mit dabei: Inka Friedrich, Irm Hermann, Lena Dörrie & Lukas Rüppel.

SWR / Verfügbar bis 27.06.2019 / Zur Miniserie

Eine Armlänge Welt

Dokumentarfilm von Susanne Bohlmann: Sven leidet am Usher-Syndrom, durch das er langsam seine Hör- und Sehsinne verliert. Seit 2010 ist er bereits vollkommen blind. Nur einen Traum möchte er sich unbedingt verwirklichen: einmal im Leben den 800km langen Jakobsweg zu laufen. Zusammen mit seiner Assistentin Taubblinden-Almuth macht er sich an die Planung, die allein zwei Jahre dauern soll. Auf dem Weg wechseln sich dann sieben Begleiterinnen dabei ab, sich um ihn zu kümmern.

ZDF/ Verfügbar bis 15.02.2019 / Zur Doku

Smart Cities – Nachhaltig leben in der Stadt

Schon heute lebt über die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten – bis 2050 werden noch einmal 2,5 Milliarden Menschen hinzu kommen. Dadurch nehmen nicht nur die Herausforderungen an Stadtplaner, Bürokratie und Verwaltung zu, sondern auch an die Lebensqualität selbst. Die Doku zeigt Positivbeispiele, wie diese Transformation gelingen kann.

ZDF / Verfügbar bis 17.11.2019 / Zu Doku

 

STREAM RADAR 12

Das Salz der Erde

Der Fotograf Sebastião Salgado hat auf allen Kontinenten die Spuren unserer sich wandelnden Welt und Menschheitsgeschichte dokumentiert. Der Film von Wim Wenders zeigt auf visuell höchst beeindruckende Weise das Leben und die Arbeit des Brasilianers.

SWR / Verfügbar bis 21.11.2019 / Zur Doku

Where to Invade Next

Was können die USA von anderen Ländern lernen? Michael Moore will es genau wissen und marschiert als Ein-Mann-Armee in Europa und Tunesien ein. Wo immer er seine US-Flagge in fremden Boden rammt, will er keine Territorien und Ölfelder erobern, sondern gute Ideen. Und zwar solche, mit denen Länder wie Deutschland, Frankreich und Italien gute Arbeits- und Lebensbedingungen für ihre Bürger geschaffen haben. Egal ob faire Löhne oder gesundes Schulessen, kostenlose Bildung oder menschenwürdige Gefängnisse: Michael Moore klaut alles, was er kriegen kann.

Arte / Verfügbar bis 09.02.2019 / Zur Doku

Die purpurnen Flüsse – Melodie des Todes (Staffel 1)

Vierteilige Krimi-Reihe in Spielfilmlänge: Kommissar Niémans (Olivier Marchal) und seine Kollegin Camille Delaunay (Erika Sainte) ermitteln in einem abgelegenen Kloster. Ein Mönch starb unter mysteriösen Umständen, und der Schlüssel zur Aufklärung liegt in seiner Handfläche.

ZDF / Verfügbar bis 03.02.2019 / Zur Serie

Precious – Das Leben ist kostbar

Ausgezeichnet mit zwei Oscars: Die 16-jährige Claireece „Precious“ Jones (Gabourey Sidibe) ist schwarz, fettleibig, ungebildet – und bereits zum zweiten Mal schwanger von ihrem eigenen Vater. Ihre einzige Zuflucht sind Tagträume von Reichtum und Glamour. Doch um wirklich etwas zu ändern, müsste sie erst einmal anfangen lesen und schreiben zu lernen. Nur von ihrer Mutter (Mo’Nique) darf sie auf keine Hilfe hoffen.

Watchbox / Dauerhaft verfügbar / Zum Film

Only Lovers Left Alive

Adam (Tom Hiddleston) ist ein depressiver Vampir in Detroit, der die Ewigkeiten auf Erden nur mit viel guter Musik und Kunst aushält. Als ihn aber nicht mal das richtig aufmuntert, muss seine Geliebte Eve (Tilda Swinton) von ihrem Wohnort Tanger zu ihm reisen. Mit ihr findet Adam wieder sein Gleichgewicht. Das ist jedoch nicht von Dauer – denn plötzlich taucht Eves Schwester (Mia Wasikowska) auf und bringt alles extrem durcheinander.

3sat / Verfügbar bis 17.10.2019 / Zum Film

 

STREAM RADAR 11

Das Hohe Haus – Bewährungsprobe für den Bundestag

Vor genau einem Jahr – am 24. Oktober 2017 – trat der neu gewählte Bundestag zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Erstmals mit vertreten: die AfD. Phoenix hat zu diesem Anlass einen Blick hinter die Kulissen der parlamentarischen Arbeit geworfen und zeigt, mit welchen Bewährungsproben die Demokratie dieser Tage zu kämpfen hat. Hat sich der Ton verändert? Wackeln etwa die Grundpfeiler unserer Republik? Unter dem gleichen Titel („Das Hohe Haus“) hat übrigens schon Roger Willemsen ein empfehlenswertes Buch über den Deutschen Bundestag geschrieben.

Phoenix/ Dauerhaft verfügbar / Zur Doku

Lammbock

Kai (Moritz Bleibtreu) und Stefan (Lucas Gregorowicz) bauen Marihuana an. Getarnt als Pizzalieferanten, verkaufen sie das Zeug, das sie auch selbst gern rauchen. Eigentlich läuft alles gut, aber Stefan beschleichen langsam Zweifel an seinem Lebensstil. Richtig schwierig wird alles aber erst, als Ungeziefer die Graspflanzen befällt. Jetzt brauchen sie Hilfe, die jedoch nicht leicht zu finden ist.

Tele5 / Verfügbar bis 05.11. / Zum Film

24 Hours – Two Sides of Crime (Staffel 1)

Die belgisch-deutsche Thriller-Serie beleuchtet eine Geiselnahme abwechselnd aus den Sichten innerhalb und außerhalb einer Bank. Drinnen sehen wir Geiselnehmer und Opfer, draußen Ermittler und Presse. Erst nach und nach setzt sich für den Zuschauer ein komplettes Bild der Ereignisse zusammen.

ZDF/ Verfügbar bis 17.05.2019/ Zur Serie

Ist es anstrengend, ein YouTube-Star zu sein?

Gesine Enwaldt ist 55 und kennt YouTube nur über ihre Kids. Doch sie weiß, dass Jugendliche heute davon träumen „YouTube-Star“ zu werden. Für das Recherche-Format STRG_F hat sie sich also gefragt, wie eigentlich die Arbeitsbedingungen für Leute wie Dagi Bee, LeFloid und Masha Sedgwick aussehen und wie anstrengend ihr Job wirklich ist.

STRG_F / Dauerhaft verfügbar / Zur Doku

Die Protokollantin (Staffel 1)

Freya (Iris Berben) hat vor elf Jahren ihre Tochter verloren, der Fall ist aber bis heute nicht richtig geklärt. Als der mutmaßliche Mörder aus dem Gefängnis entlassen werden soll und ihre Arbeit beim LKA Berlin ihr einen ganz ähnlichen Fall präsentiert, macht sich Freya selbst auf die Suche nach Antworten.

ZDF / Verfügbar bis 18.04.19 / Zur Serie


Foto-Credit: Wild Bunch Germany, Grandfilm, Jean-Luc Godard

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Facebook Watch – Was steckt hinter dem Symbol in der App?

Dem einen oder anderen mag es aufgefallen sein. Dieses neue Symbol in der Facebook-App, das einem an ein gewisses Videoportal erinnert. Will das neue Facebook Watch damit etwa den Marktprimus YouTube stürzen? Und was kann dieser neue Facebook-Dienst überhaupt?

In den USA schon länger online

So ganz neu ist der Video-on-Demand-Dienst von Facebook nicht. Bereits im August vergangenen Jahres fiel in den USA der Startschuss. Zum anfänglichen Programm gehörte unter anderem „Little Kitchen“, eine Kochshow mit Kindern, sowie die Übertragungen ausgewählter Spiele der US-Baseball-Liga MBL. Aber jetzt stellt sich die Frage, was Facebook Watch nun eigentlich anders macht?

Facebook will nicht wie YouTube sein. Wo die Google-Tochter ganz nach dem Motto „Broadcast yourself“ jedem die Möglichkeit bietet, seine Videos zu veröffentlichen, geht Facebook restriktiver vor. Neben professionell produzierten Inhalten können zwar auch Facebook-Nutzer eigene Videos veröffentlichen, müssen dafür aber schon 5.000 Fans mitbringen. Dem Zuschauer werden die Videos nach dem gleichen Prinzip empfohlen, wie bereits bei Facebook-Beiträgen.

Wenn man sich auf der Videoseite befindet, wird die Suchleiste für die gezielte Suche nach Videos genutzt. Über den Filter könnt ihr bestimmen, ob ihr für sich losgelöste Videos, Sendungen oder Folgen einer Serie suchen wollt und könnt den Suchradius auf Freunde oder Gruppen beschränken.

Die Suchfunktion von Facebook Watch. Es wird nach einzelnen Videos gesucht. Screenshot by Stefan Reismann

Facebook Watch Party

Eines der interessanten Features von Facebook Watch sind jedoch die „Facebook Watch Partys“. Dabei handelt es sich um eine besondere Art der Facebook-Gruppe. Die Administratoren oder Moderatoren der Gruppe können bestimmen, wann die Gruppe etwas schaut. Das können sowohl Live-Videos sein, als auch eigene Videos oder welche, die auf anderen Facebook-Seiten hochgeladen wurden.

Die Party sieht dann gemeinsam das gleiche Video zum gleichen Zeitpunkt und kann dabei live kommentieren und Emoticons verwenden. Bislang hatte man dieses Erlebnis des gemeinsamen Schauens nur offline auf der heimischen Couch oder beim Verfolgen eines Livestreams. Mit Facebook Watch Party könnt ihr jederzeit übers Internet einen kleinen oder größeren Fernsehabend veranstalten – und jeder muss nur sein eigenes Popcorn mitbringen.

Videomacher könnten außerdem die Veröffentlichung eines neuen Videos gemeinsam mit den Zuschauern feiern und direkt mit ihnen interagieren. Das würde die Zuschauerbindung immens stärken.

Bislang nur auf mobilen Endgeräten

Ein kleiner Wermutstropfen bleibt: Bislang ist das Angebot nur über mobile Geräte verfügbar. Wer etwa über den heimischen Browser auf die Watch-Seite geht, bekommt die Fehlermeldung „Leider ist dieser Inhalt derzeit nicht verfügbar“. Da der Service in den USA bereits auch über Desktop verfügbar ist, sollte es nicht lange dauern, bis ihr Facebook Watch auch in Deutschland über euren PC nutzen könnt.


Image by Jacob Lund via stock.adobe.com

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5 Highlights aus den Mediatheken!

In den kostenlosen Mediatheken warten unzählige tolle Filme, Serien-Episoden und Dokumentarstücke auf ihre Entdeckung. Hier ist meine Auswahl für den Oktober: das Spielfilmdebüt von Echt-Sänger Kim Frank, die teuerste deutsche Serienproduktion aller Zeiten und eine Reportage über Antisemitismus in deutschem Hip-Hop. Viel Spaß beim Streamen!

Wach

Debüt von Kim Frank: Nike (Alli Neumann) und C. (Jana McKinnon) wären gerne älter als sie sind, würden am liebsten mehr erleben als sie es gerade tun, wollen raus aus allem. Um sich mal richtig zu spüren, probieren die 17-jährigen Freundinnen so lange wie möglich ohne Schlaf auszukommen. Ein 86-Stunden-Rausch beginnt.

Funk | Dauerhaft verfügbar: Zum Film

Babylon Berlin (Staffel 1)

Berlin, im Frühjahr 1929: Eine Metropole in Aufruhr. Ökonomie und Kultur, Politik und Unterwelt – alles befindet sich in radikalem Wandel. In dieser Kulisse findet sich der junge Kommissar Gereon Rath (Volker Bruch) wieder. Ein scheinbar simpler Fall wird sein Leben bald für immer verändern. Mit dabei: Liv Lisa Fries, Lars Eidinger, Benno Fürmann uvm.

Das Erste | Verfügbar bis 18.10.: Zur Serie

The Tables

An den Tischtennis-Platten im New Yorker Bryant Park trifft sich die Welt – von Obdachlosen, Profi-Spielern, Fahrrad-Boten, über Investmentbänker bis hin zu einem Typen, der einen Holzblock als Schläger benutzt. Doku-Filmer Jon Bunning stellt die Menschen vor, die dort bei Wind und Wetter zusammenkommen.

Jon Bunning (Vimeo) | Dauerhaft verfügbar: Zur Doku

Die Brücke (Staffel 1-3)

Eine Frauenleiche auf der Öresundbrücke zwischen Schweden und Dänemark ist der Beginn vieler Taten eines unbekannten Mörders. Eine grenzübergreifende Polizeikooperation soll helfen die Verbrechen so schnell wie möglich aufzuklären. Welche Hinweise zu den Taten können der dänische Inspektor Martin Rohde (Kim Bodnia) und seine schwedische Kollegin Saga Norén (Sofia Helin) finden? Und wer kommt überhaupt als Tatverdächtiger in Frage?

ZDF | Verfügbar bis 19.12.: Zur Serie

Die dunkle Seite des deutschen Rap

Über Antisemitismus im deutschen Rap wird nicht nur in der Musikszene heftig debattiert. Viola Funk fragt für „Die Story“ vom WDR nach: Wer sind die Akteure? Um was geht es in den Rap-Texten wirklich? Rapper wie die Antilopen Gang erklären, um was es in ihren umstrittenen Songs wirklich geht.

WDR | Verfügbar bis 28.03.19: Zur Doku


Foto-Credit: Funk, ARD, Sky (adapted) by David Streit

 

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Was ist neu auf Amazon und Netflix? – Streaming-Tipps für den Januar 2018

Browsing Netflix Streaming (adapted) (Image by Charles Deluvio [CC0 Public Domain] via Unsplash)

Neues Jahr, neuer Monat, neue Streaming-Titel! Zur besseren Übersicht fassen wir euch die sehenswertesten Titel zusammen, die im Januar 2018 über eure Bildschirme flimmern könnten.

Disney-Invasion auf Netflix

Beim Streaming-Dienst Netflix ist der Januar 2018 auffällig Disney-lastig. Mit dabei sind Klassiker der 90er und frühen 2000er wie Hercules und Lilo & Stitch, die jeweils schon ab dem 1. Januar starten. Die Monster Uni ist das Prequel zu Die Monster AG und ab dem 3. Januar zum Streamen verfügbar. Auch über die Neuauflage des Klassikers Das Dschungelbuch aus dem Jahr 2016 können sich Netflix-Nutzer ab dem 18. Januar freuen. Von der Kino-Leinwand direkt zum Streaminganbieter springt am 12. Januar zudem der Die Eiskönigin-Kurzfilm Olaf taut auf, der erst noch vor Disneys Coco im Kino lief. Damit kommen kleine und große Disney-Fans im Januar also voll auf ihre Kosten!

Serienhighlights bei Amazon Prime Video

Auf Amazon Prime Video wirds diesen Monat vor allem für Serien-Fans interessant. Allen voran steht das Amazon Original Mr. Robot, dessen 3. Staffel am 15.01 Premiere feiert. Die Serie handelt vom IT-Sicherheitsspezialisten Elliot, der unter einer Persönlichkeitsstörung leidet und für eine anarchistische Hackergruppe rekrutiert wird.

Science-Fiction-Fans, vor allen denjenigen, denen schon Black Mirror gefallen hat, sollten ab dem 12. Januar einen Blick auf Philip K. Dick’s Electric Dreams werfen. Die britische Anthologie-Serie basiert auf Kurzgeschichten von Science-Ficiton-Autor Philip K. Dick, dessen Geschichten auch schon Werke wie Blade Runner, Total Recall, Minority Report oder – ein weiteres Amazon Original – The Man in the High Castle inspirierten.

Mit der Horror-Serie The Exorcist holt sich Amazon Prime einen Fox-Serienerfolg ins Boot. Wie der Titel schon verrät, basiert die Serie auf dem Buch von William Peter Blatty mit dem gleichen Namen und stellt eine Fortsetzung zum Film aus dem Jahr 1973 dar. Ab dem 23. Januar zeigt Amazon die viel gelobte Horror-Serie in Deutschland.


Image (adapted) „Browsing Netflix“ by Charles Deluvio (CC0 Public Domain)

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Telekom präsentiert „Entertain Serien“

Telekom_EntertainmentSerien

Achtung Suchtfaktor! Mit „Entertain Serien“ kommen jetzt die heißesten Serien-Exportschlager nach Deutschland: Ab dem 04.10. könnt ihr The Handmaid’s Tale – Der Report der Magd, Better Things und Cardinal exklusiv und ohne Aufpreis bei EntertainTV sehen.

The Handmaid’s Tale – Der Report der Magd

Diese Serie zeigt eine düstere Zukunft in Amerika und ist nichts für schwache Nerven: Religiöse Fundamentalisten haben einen totalitären Staat aufgebaut. Durch Umweltkatastrophen sind fast alle Frauen unfruchtbar geworden – die wenigen, die noch fruchtbar sind, müssen als Mägde in reichen Häusern leben und den männlichen Herrschern Kinder gebären. Grundlage für die Serie war der Roman „The Handmaid’s Tale“ von Margaret Atwood, das bereits 1985 erschien.

Better Things

Better Things handelt von einer alleinerziehenden Mutter und davon wie sie ihre drei Töchter, ihre Schauspielkarriere und ihr Liebesleben unter einen Hut zu bekommen versucht. Schon die Episodentitel wie „Only women bleed“ (auf Deutsch: Nur Frauen bluten) lässen vermuten, dass die Serie mächtig Spaß macht. Die Ereignisse basiern zudem auf den echten Erlebnissen der Hauptdarstellerin und Produzentin Pamela Adlon und machen die Serie nicht nur schreiend komisch, sondern auch rührend – dafür gibt es in den USA viel Lob!

Cardinal

Diese Geschichte spielt im kanadischen Winter, wo der zwielichtige Polizeikommissar John Cardinal als Einziger bei dem Verschwinden eines 13-jährigen Mädchens einen Mord wittert. Als schließlich die Leiche des Mädchens gefunden wird, nimmt er die Spur wieder auf – doch Cardinal selbst hat keine lupenreine Vergangenheit. Seine Partnerin, Lisa Delorme, ermittelt deswegen zugleich heimlich gegen ihn. Die Story der ersten Staffel basiert auf dem Krimi vom kanadischen Schriftsteller Giles Blunt, mit dem Titel „Forty Words for Sorrow“.

Schon gewusst?

Die exklusiven Top-Serien bei EntertainTV gibt es jetzt ohne Aufpreis! Nur bei Telekom könnt ihr The Handmaid’s Tale – Der Report der Magd, Better Things und Cardinal ab dem 04.10 in Deutschland sehen. Doch es gibt noch viele andere Serien-Highlights zu entdecken: Holt euch jetzt EntertainTV und genießt die ganze Vielfalt!

Dieser Artikel wurde in freundlicher Zusammenarbeit mit der Telekom verfasst.

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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • GOOGLE t3n: Google Wifi: Der vollautomatische Sorglos-Router startet in Deutschland: Googles WLAN-System kommt jetzt auch zu uns und verspricht eine bessere WLAN-Anbindung im ganzen Haus. Wie nach dem klassischen Baukastenprinzip können die Wifi-Geräte beliebig erweitert werden. Für die absolute Kontrolle sorgt außerdem der Netzwerkassistent, der in Echtzeit per App relevante Daten sendet, um den Status des Netzwerkes überprüfen zu können. Und mit der Innovation für alle besorgten Eltern können sogar die WLAN-Nutzungszeiten festgelegt werden. Das separat eingerichtete Gäste-Netzwerk gewährleistet einen unabhängigen Zugriff auf Geräte wie das Chromecast.

  • JOURNALISMUS sz: Mit Technologie zu neuer publizistischer Qualität: Das der Journalismus tot sei, war wohl doch nur eine vorschnelle Schlussfolgerung. Die Zeit des Journalismus scheint wiederzukommen, denn laut dem Digital News Report des Reuters Instituts for the Study of Journalism an der Universität Oxford, verlässt sich nur noch jeder vierte Online-Nutzer auf den Wahrheitsgehalt der Nachrichten von sozialen Netzwerken und ist im Gegenzug dazu bereit für seriöse Informationen zu zahlen. Diese Seriosität könnte mithilfe des Einsatzes von künstlicher Intelligenz, für beispielsweise die Analyse von Leserverhalten, genutzt werden, da sie den Journalisten mehr Zeit für ausgiebige Recherchen verschaffen könnte. Ein Beispiel von vielen, wie Technologie den Journalismus nicht ersetzt, sondern vielmehr unterstützen kann.

  • SNAPCHAT heise: Snap Map: Neue Snapchat-Funktion bedroht Privatsphäre: Mit der neuen „Snap Map“ können Snapchat-User ihren Freunden mitteilen wo sie sich gerade befinden. Ähnlich wie bei Google Maps wird der eigene Standort dann per Karte angezeigt. Dass sich der Standort jedoch bei einer einmaligen Freigabe, bei jedem erneuten Öffnen aktualisiert, war vielen Nutzern dieser neuen Funktion noch nicht klar. Um diese ungewollte Lokalisierung abzuschaffen, wird man gebeten in den „Geistmodus“ (Ghost Mode) zu wechseln. Zudem werden die verorteten Standorte nach acht Stunden unwiderruflich gelöscht.

  • FACEBOOK golem: Facebook will teure und „saubere“ Serien: Facebook möchte nun auch eigene Serien zeigen und ist dafür bereit sehr viel Geld zu investieren. Bis zu 3 Millionen USA-Dollar pro Serienfolge sollen die 17- bis 30-Jährigen anlocken. Starten soll dieses neue Projekt Ende Juni diesen Jahres mit familientauglichen Inhalten, wie Facebook betonte. Demnach sollen weder politische Dramen, noch Nachrichtensendungen oder Serien mit Nacktheit vorkommen.

  • HACKER ntv: Attacke im Namen des IS- Hacker legen US-Regierungswebsiten lahm: Es ist nichts Neues, immer wieder aber ein Grund zur Unsicherheit. Ein Hackerangriff eines IS-Sympathisanten legte zahlreiche Webseiten der Behörden der US-Bundesstaaten still. Hackerangriffe auf Seiten westlicher Institutionen scheint zur Norm geworden zu sein, erst 2015 hackten Hacker im Namen des IS den französischen Nachrichtensender TV 5. Gouverneur Kasichs Internetseite governor.ohio.gov ist jetzt jedoch schon wieder im Netz aufrufbar.

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Was bisher geschah: Unsere Lieblingsserien werden niemals aussterben

Retro (adapted) (Image by Tracy Thomas) [CC0] via unsplash

Am 22 Mai kam endlich das langerwartete Remake einer der beliebstesten 90er-Serien ins Fernsehen. Die Rede ist von Twin Peaks von David Lynch. Die Serie ware 1991 nach nur zwei Staffeln abgesetzt worden und endete mit einem Cliffhanger – was mit den Charakteren passieren würde, blieb offen.

Twin Peaks kam in dem Jahr heraus, in dem ich geboren wurde (1990), und so habe ich es erst 2013 gesehen, als es schon Kult-Status hatte und die Fans von damals noch immer Loblieder auf die Show sangen. Die Rückkehr von Twin Peaks wurde ganz unterschiedlich gefeiert: In Sydney bauten Gelato Messina in Newtown ihr Geschäft komplett um, so dass es aussah wie das berühmt-berüchtigte Double R Diner. Plakate, die nach der vermissten Laura Palmer suchten, wurden auf den Straßen angebracht.

Einer der Schöpfer der Serie, Mark Frost, sagte die Neuauflage war nicht nur aus nostalgischen Gründen entstanden, sondern war eine Übung darin, „sich mit einem der stärksten Themen in der Kunst auseinanderzusetzen“: wie die Zeit unbarmherzig vergeht. Die neue Serie wird sowohl Verbindungen zur den Themen der alten Serie herstellen, als auch neue Fragen über die Charaktere aufwerfen. Bislang ist die Neuauflage ziemlich schräg: Der klassische Lynch mit den bizarren und kryptischen Dialogen, schrägen Handlungssträngen, die scheinbar keine Auflösung finden, ist zurück.

Einer der wichtigsten neuaufgerollten Handlungsstränge ist das Schicksal von Special Agent Dale Cooper (Kyle MacLachlan), der gefangen war, während sein Doppelgänger seinen Körper übernahm. Während die Serie sehr stark an die nostalgische Ader der Fans apelliert, fehlt ihr die intime Atmosphäre der Originalserie. Manche haben schon die Frage aufgeworfen, ob die neue Show dem Hype ihrer beeindruckenden Marketingkampagne standhalten kann.

Wie dem auch sei, die 90er-Nostalgie ist derzeit absolut in. Serien und Filme wurden neu aufgelegt – darunter Akte X, Full House, Gilmore Girls, Pokémon, Will und Grace und sogar Baywatch. Andere Filme aus anderen Zeiten wurden auch gerade erst zu Serien – wie zum Beispiel Picnic at Hangig Rock oder Lemony Snickets Eine Reihe betrüblicher Ereignisse. Aber warum boomen Remakes gerade so? War das Fernsehprogramm damals wirklich so viel besser als heute?

Einen Sinn für Vergangenheit

Nostalgie ist nichts Neues. Johannes Hofer, ein Schweizer Arzt, prägte den Begriff 1688, als es noch als Krankheit angesehen war. Er kommt aus dem Griechischen: nóstos (nach Hause kommen) und álgos (Sehnsucht).

Das Narrativ rund um die Nostalgie hat sich seither etwas liebevoller gestaltet: Es ist weniger eine Krankheit als eine natürliche Reaktion auf das Erwachsenwerden. Simon Reynolds schrieb in seinem Buch Retromania: „Die Sucht der Popkultur nach ihrer eigenen Vergangenheit aus dem Jahre 2010, dass Nostalgie eng verbunden ist mit dem Konsumenten-Entertainment Komplex: wir lieben Produkte aus der guten alten Zeit – die Neuigkeiten und kleinen Ablenkungen, die uns in unserer Jugend beschäftigt haben.“

Natürlich hat jede Generation ihre ganz eigenen Erinnerungen an die Popkultur, mit der sie großgeworden ist. Sind nun die 90er dran, die von National Geographic kürzlich das „letzte großartige Jahrzehnt“ genannt wurden? Es war, so schreibt Patrick J. Kiger, ein Jahrzehnt voller „inkongruenter Motive ohne einem Thema, das sie kohärent zusammenhält“. Ereignisse wie der Golfkrieg, die Angst vor dem Jahr 2000, die Dotcom-Blase, der Tod von Prinzessin Diana, der Fall O.J. Simpson und die Serie Seinfeld sind untrennbar damit verbunden.

Die Faszination für die 90er ist weit verbreitet: In Japan feiern Filme wie die Reihe Neon Genesis Evangelion und TV-Serien wie Dragonball Z und Sailor Moon gerade ihr Comeback. Der Film Dragonball Z: Battle of the Gods sus dem Jahr 2013 war ein absoluter Kassenschlager.

Internet und Nostalgie

Einige Theoretiker haben andere Ideen, warum die 90er so eine Faszination auf uns ausüben: Sie sagen, dass das Internet zu dem Hype beigetragen hat, weil es die jüngere Geschichte praktisch archivieren kann. Pat Saperstein, Redakteur für das Magazin Variety sagt: „Durch die sozialen Netzwerke befeuert, hat sich das Interesse an den Popkultur-Relikten der Vergangenheit, besonders der 90er, zu einem fruchtbaren Boden für TV-Programmverantwortliche entwickelt.“

Es gibt nicht nur Websites, die die 90er-Nostalgie feiern, sondern auch Suchmaschinen machen es einfach, Zugriff auf die Vergangenheit zu erhalten. Charlie Lyne vom Guardian findet: „Unsere popkulturelle Vergangenheit ist nur eine Google-Suche weit weg. Diese Unmittelbarkeit hat aus Nostalgie die dominante kulturelle Kraft gemacht.“

Es gibt aber auch weniger enthusiastische Stimmen, die die Rolle des Internets im Hype der 90er-Nostalgie ansprechen: Eva Peyser nennt das Internet die „Senkgrube der Nostalgie“, James Wolcott spricht von einer „unermüdlichen Pumpe, die wahllos den Dreck und die versunkenen Perlen wieder hochsaugt“.

Das Internet hat es einfacher gemacht, über die Vergangenheit nachzudenken und sie wieder aufleben zu lassen – besonders Buzzfeed und Youtube fungieren als Galerien der Nostalgie. Aber das Internet kann nicht alles erklären. Wolcott beschreibt die „panische, gefräßige Beschleunigung der Nostalgie“ als „mehr als eine Reflexion der allgemein vorherrschenden Beschleunigung der digitalen Kultur“. Für viele, die in den 90ern aufgewachsen sind, war das Jahrzehnt tatsächlich eine Art neues Goldenes Zeitalter. Es war die Zeit der Unschuld und des Optimismus,der noch vor dem Internet, 9/11, dem endlosen Krieg gegen den Terror und dem Wachstum extremistischer Gruppen wie Daesh (ISIS) verbreitet war.

Nostalgie ist ein kompliziertes Phänomen. Der Theoretiker Arjun Appadurai spricht gern von „eingebildeter Nostalgie“, also einer Nostalgie, die sich auf eine Zeit bezieht, die man selbst nicht erlebt hat. Manche Kritiker behaupten, dass diese durch die Konsumkultur geprägt ist, die unsere Sehnsüchte schürt. Nostalgie wird so zum Materialismus gewandelt.

Tatsächlich ist das Seltsame an der Nostalgie in Zeiten des Internet, dass die Leute daran indirekt teilhaben können. Viele, die die Rückkehr von Twin Peaks kaum erwarten können, sind entweder zu jung, um damals schon Fans gewesen zu sein oder sind sogar noch gar nicht auf der Welt gewesen, als das originale Twin Peaks ausgestrahlt wurde (mich eingeschlossen). Sie konnten die Show nur über Videokassetten, DVDs oder Streaming erleben. Man könnte das als ‚entfremdete Nostalgie‘ beschreiben.

Die Zukunft der Revivals

Svetlana Boym schrieb 2001 in ihrem Buch ‚Die Zukunft der Nostalgie‘ von zwei Arten der Nostalgie: der restorativen und der reflektiven. Erstere bezieht sich mehr auf den „nóstos“-Aspekt des Nach-Hause-Kommens; die zweite auf den „algos“-Aspekt des Schmerzes und des Verlusts.

Die Vergangenheit ist jedenfalls bequemes Terrain: Rückblickend sieht sie attraktiver aus als sie es damals noch war. Trotzdem waren die 90er tatsächlich eine spannende Zeit für das Qualitätsfernsehen mit Klassikern wie Seinfeld, die Sopranos, die Simpsons, Buffy – Im Bann der Dämonen und natürlich Twin Peaks.

Wichtig ist es, sich zu erinnern, dass Remakes von heute nicht das Gleiche sein werden wie die Originale. In einer anderen Zeit und an einem anderen Ort erzählen sie von aktuellen Ängsten und Sorgen anstatt uns zurückzuholen in die gemütliche, angenehm schaurige Welt, die wir damals kannten.

Die neue Staffel von Twin Peaks holt uns beispielsweise in eine ganz andere kulturelle Landschaft – ironischerweise zeigt sie alte Charaktere, die sich mit dem Internet und iPhones abmühen. Die originale Serie hingegen repräsentierten sie noch die Unschuld der 50er Jahre.

Neuauflagen von Serien müssen daher als das gesehen werden, was sie sind: Eine etwas entkoppelte Erweiterung eines Originals. Während Revivals zur Zeit wahnsinnig in sind, können sie niemals wirklich einen spezifischen Moment der Vergangenheit wiederaufleben lassen. Und das sollten sie auch nicht.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Retro“ by Tracy Thomas (CC0 Public Domain)


The Conversation

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  • MIPTV horizont: Die 4 großen Trends bei der Serienproduktion: Fernsehen wie im Kino. Serien tun sich im deutschen Fernsehen schwer, aber das dürfte nicht mehr lange so bleiben. Der derzeitige Gründergeist, der angestachelt durch viele neue TV-Sender und Plattformen wie Netflix und Amazon durch die Produktionslandschaft wabert, nimmt immer mehr Raum ein. Wie ideenreich es insbesondere in der europäischen Produktionslandschaft zugeht, zeigt sich beispielhaft in diesen Tagen in Cannes. Auf der von Reed Midem organisierten MIPTV gewähren die Produzenten und Sender Schulterblicke in ambitionierte Projekte. Bei den MIP Drama Screenings wird klar: Tolle Geschichten gibt es überall und die Produktionswerte werden immer höher.

  • HACKER sueddeutsche: Kaum ein Hacker will zum BND Neulich hat der Bundesnachrichtendienst neue Mitarbeiter gesucht, aber nicht irgendwelche. „Sherlock Holmes im Cyberspace“, so war der Job umschrieben. Die Online-Stellenausschreibung hatte die Form eines Codes, den man knacken musste. Wie viele Bewerber das kleine Spiel mitgemacht haben, ist unklar. Groß war aber der Spott, den die Anzeige auslöste in den Blogs just jener Hacker, auf deren Bewerbungen der Geheimdienst dringend angewiesen wäre. In den USA – um den Vergleich aufzumachen – treten Spymasters wie der ehemalige NSA-Chef Keith Alexander schon mal auf Hacker-Kongressen auf. Sie werben für sich als Arbeitgeber, sie greifen auch tief ins Portemonnaie, um die Stars der Szene zu rekrutieren. In Deutschland wäre das unvorstellbar, hier beschimpfen die Hacker im Chaos Computer Club die Geheimdienste eher als „Stasi 2.0″, und wenn ein Geheimdienstchef auf ihrem jährlichen Kongress auftauchen würde, ginge sein Vortrag vermutlich in Buhrufen unter.

  • HASSKOMMENTARE heise: Zeitschriftenverleger kritisieren Gesetz gegen Hasskommentare im Netz: Der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) hat das geplante Gesetz gegen Hasskommentare im Internet kritisiert. „Das läuft auf die staatliche Einsetzung privater Meinungspolizei hinaus“, sagte der VDZ-Präsident Stephan Holthoff-Pförtner in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. „Und das Ergebnis ist die Gefährdung der Meinungsfreiheit.“ Nach dem Gesetzentwurf von Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) sollen Internetplattformen unter Androhung einer Geldbuße von bis zu 50 Millionen Euro alle strafrechtswidrigen Äußerungen entfernen.

  • MARKT golem: Deutschland kann seinen IT-Fachkräftemangel selbst lösen: In wohl keiner anderen Branche wird schon so lange und ausdauernd über den Fachkräftemangel lamentiert wie in der IT. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag betrachtet die Suche nach Fachkräften als eines der größten Probleme für IT-Firmen im Jahr 2017. Firmen beklagen die langen Zeiträume vom Schalten der Stellenanzeige bis zur Einstellung eines geeigneten Kandidaten. Laut einer Studie von Ende 2016 sind bundesweit rund 51.000 Stellen im IT- und Telekommunikationsbereich unbesetzt. Lösungsansätze kommen inmitten der Jammerei viel zu kurz. Dabei liegen sie auf der Hand: Wir müssen mehr und besser ausbilden – und mehr Frauen für einen Job in der Branche interessieren!

  • 1. APRIL horizont: Das sind die witzigsten Markenauftritte zum 1. April: Immer mehr Marken nutzen den 1. April, um mit – mehr oder weniger – witzigen Aktionen für Reichweite und Schmunzler bei der Zielgruppe zu sorgen. Der Trend geht sogar schon soweit, dass viele Werbungtreibende bereits in den Tagen vor dem „April Fool’s Day“ mit Scherzen um die Ecke kommen. HORIZONT Online hat sich alle angeschaut und zeigt die gelungensten Markenaktionen.

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Wie Netflix den TV-Markt revolutioniert hat

Netflix VHS (adapted) (Image by karat [CC BY 2.0] via flickr)

Die erste Revolution: Die Sehgewohnheiten

Viele Fans hätten sich diese Option wohl gerne für das Ende der US-Sitcom „How I Met Your Mother“ gewünscht: Gerüchten zufolge experimentiert der Streaminganbieter Netflix mit der Interaktivität von Handlungsverläufen. Die Zuschauer sollen die volle Kontrolle erhalten und entscheiden können, wie die Serie auf dem eigenen Bildschirm weitergehen soll – ein Happy End auf Knopfdruck. Wie viel an den Gerüchten dran ist, lässt sich nur schwer beurteilen, doch sie unterstreichen die Rolle von Netflix als disruptive Kraft im Mediensektor. Seitdem der Video-on-demand-Anbieter (VoD), der 1997 noch als Online-DVD-Verleih startete, vor ziemlich genau zehn Jahren sein Streaming-Angebot auf den Markt warf, hat sich die TV-Branche extrem gewandelt.

Netflix war der erste Anbieter, der alle Episoden eigenproduzierter Serien auf einen Schlag zur Verfügung gestellt hat – ganz im Gegensatz zur gewohnten wöchentlichen TV-Ausstrahlung. Auch das „Binge Watching“, also das Schauen zahlreicher Folgen am Stück, geht letztlich auf den Streaminganbieter aus Los Gatos in Kalifornien zurück. Die Amerikaner bieten vor allem auch sicheres und ruckelfreies Streaming und schaffen es, mit den eigenen Algorithmen recht treffsicher den Geschmack der einzelnen Zuschauer vorherzusagen.

Netflix‘ Erfolg basiert demnach auch auf seiner Rolle als Technikunternehmen: „Ihre Stärke ist, dass sie ein wirklich gutes Produkt haben“, so formulierte es Media-Analyst Michael Nathanson im vergangenen Jahr gegenüber der New York Times. Hinten über fällt gerne die Tatsache, dass Netflix natürlich eine Menge Daten von seinen Nutzern sammelt: Wann bricht man eine Serie ab? Wann pausiert man die aktuelle Folge? Ab welchem Zeitpunkt wird man „süchtig“ nach einer Produktion? Alles wertvolle Kundendaten für das Unternehmen.

Die zweite Revolution: Der globale Anspruch

Insgesamt kann Netflix auf 93,8 Millionen Abonnenten verweisen und peilt für dieses Quartal die 100-Millionen-Marke an. Das Wachstum des Streaminganbieters ist immer noch immens: innerhalb des letzten Jahres legte die Zahl der Kunden um ein Viertel zu, die Umsätze stiegen um 40 Prozent. Dabei denkt die Unternehmensführung konsequent global: in jedem Land der Welt solle es möglichst dasselbe Angebot geben – und das setzt die klassischen Akteure der Branche mächtig unter Druck. Dieses Vorgehen entspricht nicht mehr dem alten Geschäftsmodell der Studios und Sender, die ihre Lizenzen teuer in andere Länder verkaufen. Und noch einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil hat Netflix gegenüber klassischen Sendern: im Vergleich zu US-Kabelanbietern, die zunehmend an Zuspruch verlieren, zahlen Kunden nur knapp die Hälfte pro geschauter Stunde.

Netflix hat sich durch seine globale Reichweite – fast die Hälfte der Netflix-Kunden stammt mittlerweile aus dem Ausland – im Rechtepoker in eine deutlich bessere Verhandlungsposition katapultiert. Doch gegen die Windmühlen der Studios hilft selbst das manchmal nicht, sodass Eigenproduktionen konzeptueller Mittelpunkt des Anbieters sind.

Die dritte Revolution: Die Inhalte

Unter anderem mithilfe gezielter Reboots alter Serien trifft Netflix den Nerv der Millenials: im vergangenen Jahr legte man sehr erfolgreich „Full House“ und „Gilmore Girls“ neu auf. Mit den eigenen Ideen erregt Netflix vor allem seit 2013 globale Aufmerksamkeit. Die Veröffentlichung von „House of Cards“ war einer der Game Changer in der Branche und der erste Schritt in Netflix‘ Positionierung als ernstzunehmender Konkurrent im Produktionsbereich. In diesem Jahr will der Anbieter sechs Milliarden Dollar für Inhalte ausgeben und langfristig sicherstellen, dass die Hälfte der auf der eigenen Seite gestreamten Inhalte Eigenproduktionen sind.

Die Masse an neu auf den Markt geworfenen Netflix-Serien ist für den einzelnen Zuschauer natürlich nicht zu bewältigen, doch das ist auch nicht das Ziel des Unternehmens. Der große Vorteil des eigenen Geschäftsmodells, so Programmchef Ted Sarandos, sei die Möglichkeit, Serien und Shows zu produzieren, die es im klassischen TV nicht gegeben hätte. Massentaugliche Serien entstehen bei Netflix selten, vor allem die Nische wird bedient. Auch klassische Branchen-Messgrößen wie die Einschaltquote verlieren im Video-on-Demand-Bereich zunehmend ihre Bedeutung – eine Serie muss nicht sofort bei der Veröffentlichung ein Zuschauermagnet sein.

Das bietet natürlich auch für die Kreativen hinter der Kamera neue Chancen. Nicht nur Einkäufe bekommen durch Netflix neuen Schub („Breaking Bad“-Schöpfer Vince Gilligan berichtet, dass die Bereitstellung auf Netflix die Zuschauerzahlen erst richtig in die Höhe getrieben hat, nachdem die AMC-Serie trotz toller Kritiken noch kein Quotenhit war), auch ungewöhnliche Ideen haben bei Netflix die Chance auf Verwirklichung. Und das ganz ohne Quotendruck, schließlich werden die Streaming-Zahlen selbst vor den Machern einer Serie geheim gehalten.

Die vierte Revolution?

Doch trotz der vielen Erfolge, die Netflix in den vergangenen Jahren feierte, prophezeien nicht alle dem Anbieter eine goldene Zukunft. Börsenanalysten gehen davon aus, dass der Höhenflug des Anbieters an der Wall Street nicht ewig andauern wird – in den vergangenen zwölf Monaten stieg der Aktienwert immerhin um über 40 Prozent.

Diese Einschätzung rührt vor allem daher, dass die klassischen TV-Anbieter mittlerweile verstanden haben, welche Gefahr für sie von Netflix ausgeht und steuern mit eigenen Angeboten dagegen. Anfangs nahm man die neue Konkurrenz noch nicht ernst, doch inzwischen setzt beispielsweise auch Sky Deutschland zunehmend auf selbstproduzierte Inhalte (das prestigeträchtigste Projekt ist derzeit die für 2018 angekündigte Serien-Fortsetzung von „Das Boot“).  Schon lange haben sich Disney, 21st Century Fox und Comcast für den gemeinsamen US-Dienst “Hulu” zusammengeschlossen – seit vergangenem Jahr schaltet der Streaminganbieter der drei größten Medienunternehmen in den USA mit zwei großen selbstproduzierten Dramen (u.a. von J.J. Abrams) einen Gang höher.

Auch die BBC und HBO scheinen sich der Veröffentlichungsstrategie von Netflix anschließen zu wollen. Und nicht zu vergessen Amazon Prime Video, der derzeit größte direkte Konkurrent – mit dem Vorteil eines riesigen Unternehmens im Rücken. Netflix‘ entscheidender Vorteil aus den Anfangsjahren ist inzwischen verschwunden: das Unternehmen hat nicht mehr den ganzen Markt für sich allein, sondern muss sich immer mehr mit ernstzunehmenden Konkurrenten herumschlagen.

Netflix bleibt im Moment der Platzhirsch auf dem Streaming-Markt und beeindruckt mit Innovationen und starkem Wachstum. Doch wie lange können die Kalifornier noch auf der Welle des Erfolgs reiten? Aber egal, in welche Richtung sich der VoD-Anbieter entwickelt: der Wandel der TV-Branche ist bereits in vollem Gange – und die Interaktivität von Handlungsverläufen ist vielleicht nicht die letzte von Netflix angestoßene Revolution.


Image (adapted) „Netflix VHS“ by karat (CC BY 2.0)


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Die menschliche Natur: Wo die Serie Westworld falsch lag

The Wild West (adapted) (Image by Chris Bickham [CC BY 20] via flickr)

Ein zentrales Thema in der neuen Science-Fiction-Serie Westworld von HBO von  ist die Frage danach, was genau Menschsein bedeutet. Die Serie spielt in einem großen Erlebnispark für Erwachsene, der nach dem Vorbild einer amerikanischen Westernstadt gebaut wurde und von intelligenten und lebensechten Robotern bewohnt wird. Über die Jahre wurden die Roboter – auch Wirte genannt – immer weiter entwickelt. Sie sehen Menschen immer ähnlicher und benehmen sich auch so. Deshalb haben sie damit begonnen, von ihrer Programmierung abzuweichen. Sie sind unberechenbar – genauso wie wir Menschen.

Während die Zuschauer dazu eingeladen werden, über die Menschlichkeit in Robotern zu reflektieren, liegt die Ironie von „Westworld“ darin, dass die reichen, menschlichen Gäste des Parks eher unmenschlich wirken. Sie leben ihre wildesten Fantasien aus. Hier kommt es nicht darauf an, wie verdorben sie sind. Sie misshandeln und töten die Wirte, ohne mit der Wimper zu zucken, sie empfinden dabei sogar eine gewisse Freude. Ein Besucher erschießt ohne jeglichen Grund einen Wirt in einer Bar und ruft danach: „Das nenne ich Urlaub!“

Durch den sadistischen Umgang der Gäste mit den Wirten wird ein düsteres Bild der menschlichen Natur gezeichnet. Als Zuschauer wird man gezwungen, sich zu fragen: Was würden wir machen, wenn wir Westworld besuchten? Könnten wir wirklich einen menschlich wirkenden Wirt ins Gesicht schießen, wenn dieser um Gnade fleht? Psychologen haben versucht, herauszufinden, wie die meisten Menschen tatsächlich in Westworld agieren würden.

Das Bewusstsein der Roboter verstehen

Unsere Bereitschaft, jemandem zu schaden, hängt teilweise davon ab, was wir denken, das dieser jemand denkt und fühlt. Im Jahr 2007 haben die Psychologen Heather Gray, Kurt Gray und Daniel Wegner eine Studie darüber ins Leben gerufen, was Menschen über das menschliche, tierische und mechanische Bewusstsein denken. Indem sie die Antworten von über 2000 Teilnehmern eines Onlinefragebogens ausgewertet haben, fanden sie heraus, dass die Teilnehmer die mentale Kapazität auf zwei unabhängige Faktoren stützen: das Fühlen von Schmerz und Freude („Erfahrung“) und die Fähigkeit Pläne und Entscheidungen zu machen („Handlungsfähigkeit“).

Die Teilnehmer wurden auch danach gefragt, wie schlimm es für sie wäre, verschiedenen Charakteren etwas anzutun. Zum größten Teil ordneten sie dies als „sehr schlimm” ein, wenn Charaktere einen hohen Anteil an „Erfahrung“ (die Fähigkeit zu fühlen) hatten. Allerdings hatten die Schätzungen der „Handlungsfähigkeit“ (Fähigkeit zu Planen und Entscheidungen zu treffen) – egal ob „sehr viel” oder „nicht so viel” – weniger Einfluss auf das Gefühl beim Verletzen eines Charakters.

Ein anderes Beispiel beschreibt einen Charakter mit dem Fragebogen Kismet, ein sozialer Roboter der Gefühle durch Gesichtsbewegungen ausdrücken kann. Kismet wurde erfahrungstechnisch einigermaßen hoch eingeschätzt, bei der Handlungsfähigkeit jedoch eher niedrig. Daraus resultierte, dass der durchschnittliche Teilnehmer eher dazu bereit war, ihm etwas anzutun. Das ähnelt der Gleichgültigkeit der Gäste in Westworld, denen es nichts ausmacht, den Roboter-Bewohnern wie dem Wirt etwas anzutun. Aber da gibt es einen Unterschied zwischen Robotern wie Kismet und den Wirten in Westworld. In Westworld sind die Wirte nicht von den Menschen zu unterscheiden. Das gilt für das Aussehen und das Benehmen. Sie werden von menschlichen Schauspielern dargestellt und können sogar bluten.

In der zweiten Folge hat der Charakter William, der den Park zum ersten Mal besucht, folgende Unterhaltung mit einem Wirt:

„Bist du echt?”

– „Na, wenn du das nicht sehen kannst, dann tut es doch auch nichts zur Sache, oder?”

Die Hauptsache, in der du oder ich oder William entscheidet, ob die andere Person einen Verstand hat, liegt darin, dass wir das Aussehen und das Benehmen beobachten. Wenn der Wirt aber menschlich aussieht und sich auch so benimmt, kann es schwierig werden, das Gefühl abzuschütteln, dass er ein Bewusstsein hat und Schmerzen fühlen kann, auch wenn uns erzählt wurde, dass dem nicht so ist.

Eine Studie aus dem Jahr 2012, die von Kurt Gray und Daniel Wegner entwickelt wurde und von den Grusel der lebensechten Roboter untersucht, unterstützt die Idee, dass das Aussehen der Roboter einen großen Anteil daran hat, wie wir die Eigenschaft einschätzen, wie es ist, etwas zu fühlen.

In einer Reihe von Experimenten haben sie herausgefunden, dass Roboter, die eher lebensecht erscheinen, so eingeschätzt wurden, dass sie auch eher Schmerz und Freude zu empfinden in der Lage sind. Das hat die Teilnehmer beunruhigt. In einem Experiment wurde 105 Teilnehmern ein Video über den Roboter KASPAR gezeigt – einmal von vorne, wo man ein menschenähnliches Gesicht sah und von hinten, wo man die Mechanik und Kabel sehen konnte. Wenn KASPAR von vorne angeschaut wurde, bekam er in Sachen Erfahrung“ höhere Werte zugeschrieben, zugleich empfand man ihn aber als gruselig.

Das suggeriert, dass die meisten Westworld-Gäste nicht einfach einen lebensähnlichen Wirt in die Hand stechen und dann zusehen könnten, wie dieser sich unter dem Schmerzen quält (was genau das ist, was Williams‘ Schwager Logan in der zweiten Episode macht). Stattdessen würden die meisten von uns mit Entsetzen reagieren.

Entmenschlichte Roboter, entmenschlichende Menschen

Aber manche Leute können herzlose Gewalt ausführen, sogar gegen echte Menschen. So etwas ist einfacher, wenn der Täter das Opfer entmenschlicht, indem er es behandelt, als hätte es kein eigenes Bewusstsein. Wenn man die Geschichte betrachtet, wurde so bei vielen Genoziden gehandelt, als wären die Opfer nichts weiter als lästige Tiere wie Ratten oder Kakerlaken.

Das sehen wir bei „Westworld“ auch: die Mitarbeiter des Parks werden dazu angehalten, die Wirte als hirnlos und wertloser als Menschen zu betrachten. In einer Szene zum Beispiel rügt Dr. Ford (gespielt von Anthony Hopkins), Westworlds mysteriöser Erfinder, einen Techniker dafür, dass er einen nackten Wirt bedeckt, während er an ihm arbeitet:

„Warum ist der Wirt bedeckt? Wolltest du verhindern, dass er friert oder sich schämt? Du wolltest seinen Anstand bedecken. Er friert nicht! Er schämt sich nicht! Er fühlt nichts, was wir ihm nicht gesagt haben, das er fühlen soll.”

Er schneidet in der Folge ganz nebenbei das Gesicht des Wirts mit einem Skalpell auf, um seinen Standpunkt zu verdeutlichen: Wirte sind hirnlos – und damit keine Menschen. Denkt man so von ihnen, können die Mitarbeiter jede Misshandlung rational einordnen.

„Westworld“ wirft also einen unrealistischen Blick auf die typische menschliche Natur. Die Serie erinnert gleichzeitig daran, wie sehr wir dazu fähig sind, Schaden anzurichten. Dadurch, dass die Wirte menschlich aussehen und handeln, würde es uns wahrscheinlich schwerer fallen, ihnen etwas anzutun. Gleichzeitig könnte es aber auch sein, dass wir, wenn man uns beibringen würde, die Wirte als weniger denn menschlich anzusehen, uns die Frage stellen müssen, ob man uns auch dazu bringen könnte, andere Menschen für ebenso wertlos zu halten?

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) The Wild West“ by Chris Bickham (CC BY 2.0)


 

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  • NETFLIX Horizont: Netflix mit überraschend vielen Neu-Kunden und hohem Umsatz: Netflix hat das Vertrauen der Anleger zurückgewonnen: Nach unerwartet gut ausgefallenen Quartalszahlen sprang die Aktie um rund ein Fünftel hoch. Netflix konnte im vergangenen Vierteljahr 3,57 Millionen neue Kunden gewinnen. Den Ausschlag hätten populäre Eigenproduktionen wie die Mystery-Serie „Stranger Things“ gegeben, sagte Netflix-Chef Reed Hastings am Montag. Netflix hatte den Dienst im Januar auf einen Schlag in 130 neue Länder gebracht und deckt damit fast die ganze Welt bis auf China ab. Netflix war trotz der nahezu weltweiten Verfügbarkeit zu Jahresbeginn in den vergangenen Quartalen zunächst schwächer als erwartet gewachsen.

  • SAMSUNG t3n: Samsung Galaxy S8: Das soll das nächste Flaggschiff an Bord haben: Bald kommt das neue Samsung Galaxy S8, nach dem Note-7-Debakel ein äußerst wichtiges Produkt. Auf dem Samsung Galaxy S8, das wohl das nächste High-End-Modell wird, lasten entsprechend hohe Erwartungen. Obwohl es noch etwa ein halbes Jahr dauert, bis das Galaxy S8 vorgestellt wird, kursieren schon viele Gerüchte und Details über das Smartphone-Flaggschiff.Es werden wie in den vergangenen zwei Jahren, abermals zwei Modelle erwartet. Die beiden Geräte sollen die Codenamen Dream und Dream2 tragen. Auch wenn Samsung jetzt aufgrund des Note–7-Fiaskos eine große Lücke zu füllen hat, gehen wir davon aus, dass die neuen Galaxy-S8-Modelle nicht vor Ende Februar das Licht der Welt erblicken werden.

  • TESLA golem: Behörde verlangt Umbenennung des Tesla-Autopiloten: Das Kraftfahrt-Bundesamt will eine Umbenennung des Tesla-Autopiloten erreichen. Nach Ansicht der Behörde ist der Begriff missverständlich für Fahrer des Elektroautos. Der Begriff Autopilot könnte zu der Annahme führen, dass sich der Fahrer um nichts kümmern müsse. Fahrer müssten ständig aufpassen, dass das Auto keine Fehler mache und nötige Korrekturen vornehmen. Tesla weist die Kritik an seinem Assistenzsystem zurück und will mit einer Umfrage klären, ob der Begriff missverstanden werde.

  • ALLIANZ Die Welt: Allianz wird zum Amazon des Gebrauchtwagenhandels: Der Versicherungspolicen-Verkauf reicht der Allianz nicht mehr. Künftig will sie über das Netz Gebrauchtwagen verkaufen und per Spedition liefern. Nach den Vorstellungen der Allianz soll der Gebrauchtwagenkauf der Zukunft nach dem Amazon-Vorbild ablaufen. Von zu Hause sucht der Kunde im Internet ein Fahrzeug seiner Wahl aus und bekommt es dann samt Wunschkennzeichen zugelassen vor die Tür gestellt – plus 14 Tage Umtauschrecht, beispielsweise wenn das Auto doch nicht so fährt wie erhofft. Der Versicherungskonzern bestätigte der Welt auf Anfrage das Vorhaben.

  • APPLE Frankfurter Allgemeine: Baut Apple doch kein eigenes Auto?: Apple macht ein großes Geheimnis um sein „Apple Car“. Doch nun gibt es Hinweise dafür, dass das Projekt in Problemen steckt. Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet über Umstrukturierungen in der Entwicklungsabteilung, die für das „Apple Car“ zuständig ist. Von insgesamt 1000 Mitarbeitern seien in den vergangenen Monaten mehrere hundert in andere Abteilungen versetzt worden oder hätten gekündigt. Ob Apple demnächst ein eigenes Auto baut, wird immer fraglicher.

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Nie mehr die Klappe halten: Spoiler können die Vorfreude steigern

Talk Shows On Mute (adapted) (Image by Katie Tegtmeyer [CC BY 2.0] via Flickr)

Im vergangenen Dezember hatte ich Tickets für „Star Wars: The Force Awakens“ besorgt, um diesen in der Nacht nach der Premiere zu sehen. Als ich an dem Tag bei der Arbeit war, wurde mir etwas mulmig: Was, wenn ich jemandem zuhören muss, der über den Film spricht? Was, wenn ich aus Versehen online etwas sehe, dass einen wichtigen Handlungstwist verrät? Viele kennen diese Erfahrung, sich von Spoilern fern zu halten: man nutzt kein Social Media mehr, muss vor Kollegen flüchten, die gerade aktuelle Handlungsentwicklungen diskutieren, Artikel mit vielversprechenden Überschriften werden schnell weggeklickt. Die Angst dabei besteht darin, dass man sich dieses Erlebnis der Ersichtung komplett ruiniert – oder zumindest fürchtet man, das Erlebnis nicht so sehr genießen zu können, wie man es gewollt hätte. Deshalb gibt es heutzutage überall Spoiler-Warnungen (wie auch gerade in den Artikeln über den neuen „Ghostbusters“ Film) – auch, weil das Teilen von ungewollten Spoilern als enorm unfaires Verhalten gilt. Aber manchmal ist unser Verhalten nicht besonders logisch – wenn es beispielsweise so wichtig für das Sehvergnügen ist, dass man vorher nicht weiß, was passieren wird – wieso schauen wir dann Filme, die wir mögen, überhaupt öfter als ein Mal? In den letzten paar Jahren wurden einige Studien durchgeführt, die den Effekt, den Spoiler im Alltag haben, getestet. Achtung: Die Studienergebnisse könnten dafür verantwortlich sein, dass sich der Blick auf bestimmte Handlungsstränge verändert.

Eine Studie mit einer überraschenden Wende

In einer Studie der Psychologen Jonathan Leavitt und Nicholas Christenfeld mussten 819 Studenten Kurzgeschichten von bekannten Autoren wie Roald Dahl und Anton Chekhov lesen. Bevor sie anfingen, die Geschichten zu lesen, mussten einige Studenten vorher einen Absatz lesen, bei dem versehentlich das Ende der Geschichte verraten wurde. Andere lasen die Texte ohne Spoiler. Nachdem die Studenten die Geschichten gelesen hatten, mussten sie bewerten, wie sehr diese ihnen gefallen hat. Die Wissenschaftler fangen heraus, dass im Durchschnitt den Studenten die Geschichten etwas mehr gefallen haben, die vorher gespoilert wurden. Selbst nachdem die Ergebnisse auf die verschiedenen Genres heruntergebrochen wurden, blieb das Ergebnis das selbe, sogar für Thriller und für Handlungen mit überraschenden Wendungen – also bei Geschichten, bei denen man davon ausgeht, dass der Spaß dabei entsteht, dass man nicht weiß, wie die Geschichte endet.

Befriedigt durch Vorwissen

Es ist doch recht überraschend, dass jemand den Film noch mehr genießen kann, der bereits gespoilert wurde. Eine mögliche Erklärung ist das psychologische Konzept der „Geläufigkeit“. Umso mehr geläufig etwas ist – egal ob es eine Geschichte, ein Lied oder Gesicht ist – desto einfacher ist dies zu verarbeiten und zu verstehen. Viele psychologische Studien haben gezeigt, dass etwas umso mehr gemocht wurde, je einfacher es zu verarbeiten war. Eine Möglichkeit, wie Vorwissen dafür sorgt, dass eine Geschichte einem Spaß bereitet, ist, dass man dazu neigt, das Bedürfnis danach, bestimmte (möglicherweise auch falsche) Schlussfolgerungen zu ziehen, in welche Richtung die Geschichte sich entwickeln wird oder was ein Charakter denkt oder fühlt, zu verringern. Jeder hat diesen Effekt möglicherweise schon einmal beim Musikhören erlebt: Das erste Mal, wenn man ein Lied hört, denkt man möglicherweise, dass es nichts Besonderes ist. Aber sobald das Lied einem vertrauter wird und man weiß, wie es weitergeht, bemerkt man, dass es einem tatsächlich gefällt – eben weil das Lied einem jetzt mehr geläufig ist und man sich selbst dabei erwischt, dass man es umso mehr genossen hat. In einer weiterführenden Studie haben Leavitt und Christenfeld die Geläufigkeits-Theorie getestet, indem sie ihr Experiment an einer anderen Gruppe von 240 Studenten wiederholt haben. Diesmal haben die Wissenschaftler Artikel genutzt, die für Schüler geschrieben wurden und bereits bekannte Handlungsbausteine nutzen. Sie argumentierten, dass bei diesen einfachen und ziemlich vorhersehbaren Geschichten die Geläufigkeit bereits sehr hoch sein müsste und deshalb die Spoiler keine große Auswirkung auf das Vergnügen haben sollten – wenn sich dieses wirklich an der Vertrautheit misst. Wie bereits zu ahnen war, fanden sie heraus, dass die Studenten die Geschichten mit und ohne Spoiler gleich bewertet haben.

Manch einem zerstören Spoiler das Sehvergnügen

Die Ergebnisse suggerieren, dass das obsessive Vermeiden von allem, das möglicherweise eine Handlungsentwicklung verraten könnte, möglicherweise unberechtigt ist, denn man wird den Film, das Buch oder die Serie so oder so genießen. Aber was, wenn man davon überzeugt ist, dass man einem Spoiler ausgesetzt war und es tatsächlich das Lese- und Seherlebnis ruiniert? Man darf nicht vergessen, dass die Ergebnisse von Leavitt und Christenfeld reiner Durchschnitt waren. Es bedeutet nicht, dass jeder eine Geschichte mehr genießt, nachdem er gespoilert wurde. In der Tat unterstützt eine aktuelle Studie von Judith Rosenbaum und Benjamin Johnson die Idee, dass es eine Frage des Charakters ist, wie man auf Spoiler reagiert. Die Wissenschaftler haben sich auf zwei Persönlichkeitseigenschaften konzentriert: das „Bedürfnis nach Erkenntnis“ und das „Bedürfnis nach der Beeinflussung.“. Hier stellte sich Folgendes heraus: Menschen, die ein hohes Bedürfnis nach Erkenntnis haben, denken und suchen lieber mehr nach Aktivitäten, die kognitives denken voraussetzen – wie bei einem Kreuzworträtsel. Gleichermaßen ist es bei Menschen mit hohem Bedürfnis nach der Beeinflussung. Diese fühlen und suchen lieber nach emotionalen Aktivitäten, wie beispielsweise ein herzerwärmendes Video auf YouTube zu schauen. Obwohl diese beiden Persönlichkeitseigenschaften wie Gegensätze aussehen, sind diese unabhängig voneinander – es ist also für eine einzelne Person durchaus möglich, bei beiden Eigenschaften deutiche Anzeichen zu zeigen – oder bei keiner von beiden. Die Wissenschaftler haben bei einer weiteren Studie mit 368 Studenten herausgefunden, dass Menschen, die einen hohen Bedarf nach Beeinflussung haben, im Durchschnitt eher zu den nicht gespoilerten Geschichten tendieren. Das kann möglich sein, da Menschen, die eher emotionale Erlebnisse genießen, eher von einer gewissen Ungewissheit darüber profitieren, wie die Handlung weitergehen könnte. Als ein Teil der Studie haben die Wissenschaftler den Studenten kurze Beschreibungen mit verschieden Geschichten präsentiert. Dann haben sie die Studenten gefragt, wieviel davon sie den anderen vorlesen möchten. Einige dieser Geschichten enthielten Spoiler, andere nicht. Interessanterweise fanden sie heraus, dass die Studenten mit einem gringen Erkenntnisbedarf im Durchschnitt eher die Spoiler zu den Geschichten lesen wollten. Das kann daher erwachsen, dass Studenten erwarten, dass Geschichten mit Spoilern einfacher zu verarbeiten sind. Allerdings haben diese Studenten später gleichermaßen das Lesen von Geschichten mit und ohne Spoiler genossen. In anderen Worten war hier die Intuition der Studenten über Spoiler absolut falsch – in diesem Fall hätten sie gespoilerte Geschichten mehr genossen. Diese Ergebnisse decken sich mit meiner Erfahrung. Als ich „The Force Awakens“ zum zweiten Mal gesehen habe, war der Film für mich bereits gespoilert – und zwar von mir selbst. Eine Recherche über Spoiler gibt vor, dass meine Erfahrung nicht sonderlich ungewöhnlich war. Es ist eine gute Erinnerung daran, dass wir nicht immer unserer Intuition über unser eigenes Verhalten trauen sollten. Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Talk Shows on Mute“ by Katie Tegtmeyer (CC BY 2.0)


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Screen Radar: Das Comic-Con-Vehikel

Watching a blank screen (adapted) (Image by Kenneth Lu [CC BY 2.0] via Flickr)

Für die Netzpiloten stellt Arthur Avenue Kino-Neustarts vor und bespricht die wichtigsten Film-Themen. Dieses Mal mit einem Rückblick auf die Comic Con 2016 in San Diego und den Kino-Neustarts.

Neu im Kino„Wiener Dog“
„Legend of Tarzan“
Thema der WocheSchaulaufen auf der Comic Con:
– „Sherlock“ – Staffel 4
– Gal Gadot als „Wonder Woman“
– Geheimes Sequel zu „The Blair Witch Project“
– Marvel-Panel mit Neubesetzungen
– Zweiter Trailer zu „Doctor Strange“
– Noch mehr Superhelden auf Netflix
– Neue „Star Trek“-Serie

Neu im Kino

Muss man sehen: Der amerikanische Traum mal ganz anders erzählt: In der Ensemble-Satire „Wiener Dog“ wird ein Dackel von einem Besitzer zum nächsten weitergereicht. Das ist oft urkomisch, meist politisch absolut nicht korrekt, aber immer mit sehr viel Liebe zum Detail umgesetzt. Und Greta Gerwig (mit Nerdbrille, ohne Selbstbewusstsein) ist wieder einmal einfach nur toll.

Kann man sich sparen: Irgendwie findet man einfach keinen Zugang zu „Legend of Tarzan“. Da wächst Alexander Skarsgard unter Affen zu einem echten Prachtexemplar von einem Mann heran und hat danach nicht mehr zu tun als Margot Robbie zu verführen. Ja gut, dazwischen passiert schon noch was, aber das ist eigentlich nicht viel mehr als ein CGI-Geblubber, das keinen weiter interessiert. Bei dieser Story ist von vornherein die Luft raus.

Thema der Woche

Schaulaufen auf der Comic Con: Von neuen „Sherlock“-Folgen bis zur Netflix-Serie „Star Trek: Discovery“ – auf der diesjährigen Comic Con in San Diego haben sich die Film- und Fernsehstudios in Sachen Ankündigungen und Trailer-Veröffentlichungen gegenseitig übertroffen. Grund genug für uns die Highlights der Reihe nach vorzustellen. Und bitte denk daran, zwischendurch auch mal Luft zu holen.
„Sherlock“ – Staffel 4: In dem ersten Teaser zur vierten Staffel stehen Sherlock Holmes (Benedict Cumberbatch) und Watson (Martin Freeman) ganz schön unter Stress. Die Frage, ob Moriarty (Andrew Scott) nun tot ist oder nicht, und ein neuer Widersacher (Toby Jones) versprechen eine direkte Anknüpfung an vorherige Ereignisse und eine düstere Grundstimmung.

Gal Gadot als „Wonder Woman“: Das DC-Filmuniversum nimmt nach „Batman V Superman“ so langsam Gestalt an. Beim Endkampf eilte den beiden Helden ja schon die Amazone zu Hilfe. Am 15. Juni 2017 wird sie nun mit ihrem ganz eigenen Spielfilm durchstarten. Darin kämpft sie im Ersten Weltkrieg und entdeckt die vollen Ausmaße ihrer Kräfte (inklusive magischem Lasso). Den dazugehörigen Trailer von Regisseurin Patty Jenkins („The Killing“) könnt ihr hier bewundern, damit die Wartezeit nicht ganz so lang wird:

Geheimes Sequel zu „The Blair Witch Project“: In den sozialen Medien wurde das Grundrausch zu „The Woods“ immer lauter, versprach der erste Trailer doch ein atmosphärisch-gruseligen Ausflug in die Natur. Nun ließ Lionsgate die Katze aus dem Sack: „The Woods“ wurde auf der Comic Con als Sequel zum Hexen-Grusel enttarnt und in „Blair Witch“ umbenannt! 17 Jahre nachdem „The Blair Witch Project“ das Horror-Genre neu erfand, kommt es nun zu einem Wiedersehen mit der Hexe von Blair in den gruseligen Wäldern von Black Hills. Im Film macht sich eine neue Gruppe auf Spurensuche, um das mysteriöse Verschwinden ihrer Vorgänger zu untersuchen.

Marvel-Panel mit Neubesetzungen: Es wird immer schwieriger, einen Marvel-Schauspieler zu finden, der nicht wenigstens mal für einen Oscar nominiert war. Mit Tilda Swinton („Doctor Strange“, 2016) und Lupita Nyong’o („Black Panther“, 2018) fügen sich gleich zwei Talente in das immer größer werdende Filmuniversum ein. Neben den Ensemble-Panels gab es auch die Eröffnung einer Disneyland-Attraktion zu den „Guardians of the Galaxy“ wie auch eine weitere Neubesetzung zu beklatschen. Denn lange wurde hin und her überlegt, wer denn die Figur der Captain Marvel auf der Leinwand verkörpern könnte. Nun fiel die Entscheidung: Oscar-Gewinnerin Brie Larson („Raum“) wird zur fliegenden Superheldin mit außerirdischen Wurzeln. Ganz unerfahren ist Larson im Comic-Business nicht, da sie 2010 bereits dem Titelhelden in „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ gehörig den Kopf verdrehte. Bis mit „Captain Marvel“ 2019 die erste weibliche Hauptfigur eines Marvel-Films im Kino erscheint, müssen wir uns aber noch etwas in Geduld üben. Zweiter Trailer zu „Doctor Strange“: Bereits im Oktober ist es dagegen soweit, dass Benedict Cumberbatch seinen ersten Auftritt als mächtigster Magier des Universums hinlegt. Nach einem Unfall kann der Chirurg seine Hände nicht mehr benutzen und sucht daher an einem spirituellen Ort nach Heilung. Dort wird ihm nicht nur eine neue Wahrnehmung der Realität näher gebracht, sondern er bekommt es auch mit dunklen Mächten zu tun, die unsere Welt zerstören wollen. Soweit, so klar. Der Trailer erinnert stark an „Inception“ und verspricht eine visuell beeindruckende Erfahrung.

Noch mehr Superhelden auf Netflix: „Daredevil“ und „Jessica Jones“ liefen schon äußerst erfolgreich auf der Bezahlplattform. Warum also nicht weiter machen? Der Teufel von Hell’s Kitchen bekommt eine dritte Staffel spendiert und der Punisher erhält als „Daredevil“-Nebencharakter sogar seine ganz eigene Show. Erstes Bildmaterial veröffentlichte Netflix am Wochenende jedoch zu einem ganz anderen Sidekick. Luke Cage, bekannt als Freund von Jessica Jones, kämpft sich im ersten Anderthalb-Minuten-Teaser durch New York. Seine undurchdringliche Haut spielt – natürlich – auch eine wichtige Rolle.

Neue „Star Trek“-Serie: Last but not least hat sich Netflix die Rechte an der neuen CBS-Serie „Star Trek: Discovery“ gesichert. Im Januar 2017 wird das gleichnamige Raumschiff mitsamt Showrunner Brian Fuller (Co-Produzent von „Star Trek – Raumschiff Voyager“) erstmals zu seinen Abenteuern aufbrechen. Obwohl der Trailer nach einem schlechten Computerspiel aussieht (da er nur aus Weltall- und Shuttle-Renderings besteht), macht Fuller Lust auf mehr. Er kündigt eine Staffel an, die sich mehr nach einem spannenden, langen Roman als nach voneinander losgelösten Einzelepisoden anfühlen soll. Auf dem Panel deutete Captain-Kirk-Darsteller William Shatner ebenfalls an, dass es toll wäre, seine alte Rolle mal wieder zu verkörpern. Ein Fingerzeig?


Image (adapted) „Watching a blank Screen“ by Kenneth Lu (CC BY 2.0)


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Screen Radar: Virtual Reality, Spezialeffekte und Hummer

Watching a blank screen (adapted) (Image by Kenneth Lu [CC BY 2.0] via flickr)

Für die Netzpiloten stellt Arthur Avenue Kino-Neustarts vor und bespricht die wichtigsten Film-Themen. Dieses Mal mit einem Besuch im ersten VR-Kino der Welt, dem späten, aber heiß ersehnten Kinostart von „The Lobster“ und einem Überblick zu den teuersten Kino-Szenen mit Spezialeffekten.

Neu im Kino„The Lobster“
„Ein ganzes halbes Jahr“
Thema der WocheVirtual Reality ist noch lange nicht so weit
Streaming-Perlen„Master of None“ auf Netflix
„Mission: Impossible – Rogue Nation“ auf Amazon Prime
Darauf freuen wir uns„Noma“
RekordverdächtigDie teuersten Spezialeffekte

Neu im Kino

Muss man sehen: Die Zukunft ist da und sie sieht schräg aus! In der irren wie genialen Vision „The Lobster“ vom griechischen Meisterregisseurs Yorgos Lanthimos werden alle Single-Menschen zusammen in ein Hotel gesteckt. Dort haben sie 45 Tage Zeit, um einen Partner für sich zu ergattern. Wer in dieser Zeit nicht sein Glück findet, wird in ein Tier seiner Wahl umgewandelt und muss von nun an im Wald sein Dasein fristen. Wir sind ganz nah bei David (Colin Farrell) mit dabei, als er plötzlich wieder solo ist und das strikte Prozedere mitmachen muss. Die angenehm ungewöhnliche Ausgangssituation freut genauso wie der hochmotivierte Cast. Auch vor der Kamera: Rachel Weisz, Ben Whishaw, John C. Reilly, Léa Seydoux und Olivia Colman.

Kann man sich sparen: „Ein ganzes halbes Jahr“ klingt wie „Ziemlich beste Freunde“, ist aber lange nicht so gut: Die lebensbejahende Lou (Emilia Clarke) fängt an als Pflegerin für den Superreichen William (Sam Claflin) zu arbeiten. Der sitzt seit einem Motorradunfall im Rollstuhl und hat jegliche Freude aus seinem Alltag verbannt. Seine neue Angestellte will nun um jeden Preis wieder ein Lächeln in sein Gesicht zaubern. Die Romanze folgt Schema F. Ohne die Buchvorlage je in den Händen gehalten zu haben, kann man jeden nächsten Schritt der Charaktere vorhersagen. Das ist einfach nur langweilig. Eigentlich schon eine Beleidigung, für wie dumm hier das Publikum verkauft wird.

Thema der Woche

VR-Kino (Image by David StreitArthur Avenue)
VR Kino (Image by Arthur Avenue)

Virtual Reality ist noch lange nicht so weit: Vor wenigen Wochen haben wir euch im Screen Radar die Eröffnung des ersten Virtual-Reality-Kinos der Welt in Berlin angekündigt. Aus Neugier haben wir am vergangenen Wochenende selbst eine Vorstellung gebucht und uns vom Stand der Technik überzeugt. Das halbstündige Spektakel in den Berliner Spreewerkstätten kostete 12,50 Euro pro Person und verursachte leider mehr Kopfschmerzen als Aha-Erlebnisse. Das liegt zum einen daran, dass man es einfach nicht gewohnt ist, so lange eine schwere 360°-Brille im Gesicht zu tragen. Noch viel schlimmer fällt allerdings die Auswahl der Filme ist Gewicht: Das Kino rühmt sich mit einer handverlesenen Auswahl der besten VR-Inhalte – doch zumindest das Paket „Fun“ bot einen unterirdischen Mix aus gähnender Langeweile und keinerlei Mehrwert. In der Regel befindet man sich inmitten einer Szene, die dank „Storytelling“ immer ein Vorne braucht. In einigen Animationswelten rauscht mal etwas an einem vorbei, so dass man sich auch gerne mal im Stuhl mit dreht. Doch oft werden die räumlichen Möglichkeiten überhaupt nicht genutzt, zum Beispiel wenn man minutenlang einer Big-Band zuschauen muss, die viel zu nah an die Kamera herantritt. Gute Ansätze wie eine animierte Kettenreaktion mit großen und kleinen Gegenständen, die rings um einen herum umfallen, sind dagegen bereits nach 20 Sekunden vorbei. Am Ende der Show bleibt der Eindruck, dass noch viele Experimente nötig sind, um das Geschichtenerzählen in der virtuellen Realität zu perfektionieren. Als Grundproblem ist die Fortbewegung innerhalb der Welt zu betrachten, für die es eigentlich eine separate Steuerung und interaktive Charaktere bräuchte. In Sachen Kino bevorzugen wir also fürs Erste noch den zweidimensionalen Raum.

Streaming-Perlen

„Master of None“ auf Netflix: Wie ist das eigentlich, wenn immer nur ein Inder pro Hollywoodfilm gecastet wird? Wie unterschiedlich empfinden Männer und Frauen eine Partynacht in New York City? Und welche Person sollte man am dringensten mit auf ein Konzert von dem heißbegehrten Father John Misty nehmen? Genau solchen Fragen widmet sich die geniale Netflix-Serie „Master of None“. Star der Show ist Aziz Ansari, der ja schon in „Parks and Recreation“ als Tom Haverford positiv auffiel. Es wird sozialkritisch, schwarzhumorig und einfach wahnsinnig gut.

„Mission: Impossible – Rogue Nation“ auf Amazon Prime: Tom Cruise ist ja eigentlich mehr Maschine als Mensch. Und ein Stuntdouble kommt für ihn schon mal gar nicht in die Tüte. Auch im fünften „Mission: Impossible“-Teil hat er alle krassen Action-Sequenzen komplett selbst durchgezogen – was für ein Prachtkerl. Dadurch ist auch „Rogue Nation“ wieder mal eine Besonderheit. Obwohl auch Schwedin Rebecca Ferguson ihren Part dazu beiträgt: als toughe Ilsa Faust macht sie dem Top-Agenten nämlich ganz schon Feuer unter den Hintern.

Darauf freuen wir uns

„Noma“: Essen bedeutet nicht gleich essen – vor allem für Sterne-Koch René Redzepi, dessen Restaurant Noma bereits vier Mal zum besten der Welt gekürt wurde. Die gleichnamige Foodporn-Doku zeigt die Poesie hinter der Zusammenstellung von Zutaten und der Kreation seiner Gerichte. Unter dem Motto „Zeit und Ort“ interpretiert Redzepi aktuell die Jahreszeiten mit Zutaten wie Seeigeln, Moos und fermentierten Stachelbeeren. Klingt eklig, sieht aber verdammt ansprechend aus. Wenn wir das nächste Mal in Kopenhagen sind, müssen wir das Noma unbedingt besuchen!

Rekordverdächtig

Die teuersten Spezialeffekte: Kurz bevor Roland Emmerich in „Independence Day 2: Wiederkehr“ ab 28. Juli wieder die wichtigsten Denkmäler der Erde in Schutt und Asche legt, zählen wir für euch die kostspieligsten Digitalsequenzen aller Zeiten auf. Den Anfang macht „I Am Legend“ mit einer Szene vom Einsturz der Brooklyn Bridge, die stolze 5 Millionen Dollar vom Budget verschlungen hat. Doppelt so teuer und nicht mal im Film verwendet war sogar eine Szene aus „Superman Returns“, welche seine Rückkehr nach Krypton zeigt und eigens ins IMAX-3D-Format konvertiert wurde. Autsch! Visuell wegweisend kam auch die „Matrix“-Trilogie daher, welche mit einer 40 Millionen Dollar teuren Szene (von 150 Millionen US-Dollar des Gesamtbudgets) die absolute Spitze der teuersten Spezialeffekte markiert. Für den insgesamt 17 Minuten andauernden Kampf zwischen Neo und dem vervielfachten Agent Smith wurden 27 Drehtage angesetzt und es musste eigens eine neue Software entwickelt werden, um die Choreografie zusammenzusetzen.


Teaser (adapted) „Watching a blank Screen“ by Kenneth Lu (CC BY 2.0)

Image by Arthur Avenue


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Screen Radar: So groß ist der Einfluss des Publikums auf „Fack Ju Göhte 3“

Watching a blank screen (adapted) (Image by Kenneth Lu [CC BY 2.0] via flickr)

Für die Netzpiloten stellt Arthur Avenue Kino-Neustarts vor und bespricht die wichtigsten Film-Themen. Dieses Mal mit einer Gruppendiskussion zur Fortsetzung der Erfolgskomödie „Fack Ju Göhte“, dem Drama „Demolition – Lieben und Leben“ im Kino und den ersten Infos zur Besetzung des weiblichen „Ocean’s Eleven“-Reboot.

Neu im Kino„Demolition – Lieben und Leben“
„Central Intelligence“
Thema der WocheDas Publikum bestimmt über „Fack Ju Göhte 3“
Streaming-Perlen„Victoria“ auf Netflix
„Willkommen bei Alice“ auf Amazon Prime
Neues aus der FilmweltTheorie verbindet Pixar-Filme mit „Stirb Langsam“
Frisch besetztFrauen-Spin-Off von „Ocean’s Eleven“
Wann geht es endlich weiter?„The 100“ – Staffel 3
„Narcos“ – Staffel 2
„The Walking Dead“ – Staffel 7

Neu im Kino

Muss man sehen: „Demolition – Lieben und Leben“ setzt sich mit gesellschaftlichen Konventionen auseinander: Wie haben wir auf eine Situationen wie den Verlust einer geliebten Person zu reagieren? Jake Gyllenhaal spielt einen erfolgreichen Banker, der nach dem Unfalltot seiner Frau in einen Schockzustand verfällt. Seinen Frust lässt er nun in Briefen an eine Snackautomatenfirma raus, welche die mitfühlende Naomi Watts im Kundenservice zum Nachdenken bringen. Das Drama nimmt sich dem Thema Verlust auf ironische Weise an und findet dadurch immer wieder humorvolle Elemente in einer traurigen Welt.

Kann man sich sparen: Kevin Hart ist ja nicht gerade bekannt für Quality Content. Aber nach dem weniger guten Film „Die Trauzeugen AG“ und dem noch weniger guten Streifen „Der Knastcoach“ folgt nun der noch viel weniger gute Film „Central Intelligence“. In diesem tut er sich mit Muskelprotz Dwayne „The Rock“ Johnson zusammen, die beide alte Klassenkameraden spielen und sich nun in ein Spionage-Abenteuer stürzen. Die Buddy-Komödie hofft auf schnelle Lacher, indem sie ihre eindimensionalen Figuren möglichst peinlich aussehen lässt. Das reicht 2016 aber wirklich nicht mehr für eine unbekümmerte Zeit im Kinosessel.

Thema der Woche

Image by Constantin Film
Image by Constantin Film

Das Publikum bestimmt über „Fack Ju Göhte 3“: Mit 7,4 Millionen Kinobesuchern war die Schulkomödie „Fack Ju Göhte“ 2013 der erfolgreichste Film in den deutschen Kinos. Zwei Jahre später konnten Regisseur Bora Dagtekin, Hauptdarsteller Elyas M’Barek sowie auch der Verleih Constantin Film das noch einmal toppen und zu „Fack Ju Göhte 2“ sage und schreibe 7,7 Millionen Leute in die Lichtspielhäuser locken. Von Kino-Müdigkeit der Deutschen kann angesichts dieser Zahlen keine Rede sein. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Nähe zur Zielgruppe. Denn beide Filme wurden in enger Abstimmung mit dem Publikum realisiert. Frei nach dem Motto: Gedreht wird, was die Zuschauer sehen wollen. Bei einer Online-Umfrage nach dem ersten Teil entschieden sich die Voter etwa gegen eine Umbenennung in „Leck mich, Schiller“ und für die Klassenfahrt als Thema der Fortsetzung. In der laufenden Woche, genauer gesagt am 17. Juni, wird nun das dritte Kapitel in der Öffentlichkeitsarbeit der Filmreihe aufgeschlagen: es finden gleich mehrere Gruppendiskussionen statt, in denen das Produktionsteam herausfinden möchte, in welche Richtung die Geschichte weitererzählt werden soll. Die Altersstufen von 11-15 Jahren, 16-20 Jahren und 21-45 Jahren werden separat voneinander befragt und erhalten als Dankeschön für ihre Teilnahme an dem zweistündigen Gruppengespräch DVDs und Kino-Freikarten. Drücken wir die Daumen, dass dabei nicht „mehr vom Selben“ herauskommt, sondern die Teilnehmer ein ehrliches Interesse an einer Weiterentwicklung der Figuren um Vorzeige-Lehrerin Lisi Schnabelstedt (Karoline Herfurth) und Problemkind Chantal (Jella Haase) zeigen.

Streaming-Perlen

„Victoria“ auf Netflix: Beim Deutschen Filmpreis 2015 räumte Regisseur Sebastian Schipper mit seinem One-Take-Thriller „Victoria“ alle Preise ab. Das zweieinhalbstündige Werk spielt in einer lauen Berliner Sommernacht und begleitet die Gruppe um Victoria (Laia Costa), Sonne (Frederick Lau) und seine Kumpels vom Tanzen im Club, über Gespräche auf die Dächer der Stadt bis zum gefährlichen Banküberfall.

„Willkommen bei Alice“ auf Amazon Prime: Kristen Wiig spielt eine Frau mit Persönlichkeitsstörung, die plötzlich im Lotto gewinnt. Mit dem unerwarteten Reichtum kauft sie sich ihre eigene Talkshow und hat kein geringeres Ziel, als zur einflussreichsten TV-Ikone aufzusteigen und Oprah Winfrey abzulösen. Dass sie für die Rolle als Moderatorin nicht geboren scheint, hindert sie nicht daran, sich ihren großen Traum zu erfüllen.

Neues aus der Filmwelt

Theorie verbindet Pixar-Filme mit „Stirb Langsam“: Es kursieren die wildesten Gerüchte über Zusammenhänge zwischen Filmen, wo eigentlich keine sind. Als hinlänglich bewiesen gilt, dass alle Pixar-Filme im selben Universum spielen. Geschickt eingestreute Hinweise dafür finden sich immer wieder – wie der Pizza-Planet-Truck, der seit dem ersten „Toy Story“-Teil in jedem einzelnen Film zu sehen ist. Nun hat die US-Homepage Mashable aber neue Brotkrumen gefunden, die einen Zusammenhang zwischen den Animationsfilmen von Pixar und der Action-Serie „Stirb Langsam“ mit Bruce Willis nahelegen. Die nicht ganz ernstgemeinten „Beweise“ gibt es hier im Video:

Den Machern von „Findet Dorie“ scheint diese Theorie nun wohl so gut gefallen zu haben, dass sie gleich zwei richtige Anspielungen im neuesten Pixar-Werk versteckt haben. Ab 29. September darf hierzulande mitgerätselt werden.

Frisch besetzt

Frauen-Spin-Off von „Ocean’s Eleven“: Das noch unbetitelte Reboot von „Ocean’s Eleven“ mit weiblichen Einbrechern nimmt so langsam Gestalt an. In den Hauptrollen wurden die Oscar-Gewinnerinnen Sandra Bullock (als Film-Schwester von George Clooney) und Cate Blanchett gecastet. In weiteren Rollen scheinen auch Helena Bonham Carter, Elizabeth Banks und Mindy Kaling mitzuwirken. Das Damen-Ensemble wird von Gary Ross („Die Tribute von Panem – The Hunger Games“) in Szene gesetzt, der in die Fußstapfen von Steven Soderbergh tritt. Wir freuen uns auf eine trickreiche Geschichte mit allerhand Frauenpower!

Wann geht es endlich weiter?

The 100“ | Staffel 3: Ab 20.06.2016 auf ProSieben „Narcos“ | Staffel 2: Ab 02.09.2016 auf Netflix „The Walking Dead“ | Staffel 7: Ab Oktober 2016


Teaser (adapted) „Watching a blank Screen“ by Kenneth Lu (CC BY 2.0) Image by Constantin Film


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Screen Radar: Die Serien-Highlights der neuen TV-Saison

Watching a blank screen (adapted) (Image by Kenneth Lu [CC BY 2.0] via flickr)

Für die Netzpiloten stellt Arthur Avenue Kino-Neustarts vor und bespricht die wichtigsten Film-Themen. Dieses Mal mit einem Ausblick auf die geplanten Serien-Neustarts, dem deutschen Drogen-Thriller „Der Nachtmahr“ und dem ersten Virtual-Reality-Kino der Welt.

Neu im Kino„Der Nachtmahr“
„Alice im Wunderland 2: Hinter den Spiegeln“
Thema der WocheNeue Serien kündigen sich an
Streaming-Perlen„Ziemlich beste Freunde“ auf Netflix
„Prisoners“ auf Amazon Prime
Neues aus der FilmweltNintendo will auf die Leinwand
Erstes Virtual-Reality-Kino in Berlin eröffnet
Darauf freuen wir uns„Mr. Robot“ – Staffel 2
Frisch besetzt„Fargo“ – Staffel 3 mit Ewan McGregor
„Jumanji“ mit Kevin Hart
App RadarNetflix Party

 

Neu im Kino

Muss man sehen: Wenn sich Boys Noize und Atari Teenage Riot schon mal dazu hinreißen lassen, einem Film einen Soundtrack zu spendieren, muss man dem unbedingt nachgehen. „Der Nachtmahr“ spielt in den Berliner Clubs und changiert zwischen Coming-of-Age-Drama und Horrorfilm. Wenn die 17-jährige Tina (gespielt von Carolyn Genzkow) nämlich nicht gerade die Tanzfläche stürmt, muss sie sich mit einem dauerhungrigen Monster-Fötus herumschlagen, den anscheinend nur sie sehen kann. Es bleibt zu klären, was es mit dem Wesen auf sich hat. Regisseur AKIZ serviert einen 88-minütigen Genre-Mix, den es möglichst laut zu bestaunen gilt. Achtung: Aufgrund der Strobo-Lichter und anderer visueller Spielereien für Epileptiker nicht geeignet. Und für schwache Nerven sowieso nicht!

Kann man sich sparen: Armer Johnny Depp – wird er doch schon lange nur noch als Crazy Typ mit Spleen besetzt. Im 2010er „Alice im Wunderland“ von Tim Burton verkörperte er erstmals den irren Hutmacher, der nun seine gesamte Familie verloren hat. Und jetzt muss er noch mal ran – obwohl das wirklich keinen mehr interessiert. Dazu schlüpft auch Mia Wasikowska in ihr Alice-im-Wunderland-Kostüm (Geldprobleme oder was?). Sie muss nämlich für ihren Kumpel mit dem Kopfbedeckungsfetisch durch die Zeit reisen und allerhand blödsinnige Abenteuer durchstehen. Die kindgerechte Erzählung von James Bobin („Die Muppets“) wartet mit jeder Menge halbgarer Zeitebenen-Metaphern auf und will unbedingt mit neuen Steampunk-Elementen punkten. Leider fehlt es der eigentlich sehr fantasievollen Geschichte dennoch an Charme und Würze (zu eindimensional, zu vorhersehbar), so dass die Fortsetzung bestenfalls als durchschnittliche Nachmittagsunterhaltung dient.

Thema der Woche

Neue Serien kündigen sich an: Einmal im Jahr präsentieren die großen amerikanischen Networks wie ABC, CBS, NBC und FOX ihr Programm für die kommenden zwölf Monate. Bei den sogenannten „Upfronts“ gilt es, die Werbekunden heiß zu machen – und wir Zuschauer erhalten einen Ausblick, worauf wir uns demnächst freuen können. Zu den Neuankündigungen gehören etwa eine Serien-Adaption der Kino-Reihe „Lethal Weapon“ mit den ungleichen Cops Riggs und Murtaugh, sowie auch eine Neuauflage von „MacGyver“. Hierbei soll es darum gehen, wie aus einem 25-jährigen Schluffi (verkörpert von Lucas Till) der Mann wird, der sich nur mit einem Kaugummi, einer Büroklammer und etwas Klebeband aus jeder noch so kniffligen Situation befreien kann. Wir sind gespannt, was man aus der kultigen DIY-Serie heute macht! Aber auch zwei alte Serien-Hasen sind mit neuen Stoffen zurück. Kevin James etwa zwängt sich erstmals nach „King of Queens“ wieder in seine Sitcom-Hosen und versucht mit „Kevin Can Wait“ an alte Erfolge anzuknüpfen. Ob aus der Cop-in-Frührente-ist-vom-Familienleben-überfordert-Nummer allerdings der nächste große Comedy-Hit wird, darf bezweifelt werden. Der erste Trailer zeigt leider nur plumpe Sprüche und einen Kevin James auf Sparflamme. Bessere Chancen hat da schon Kiefer Sutherland, der in „24: Legacy“ zwar offiziell nicht mehr dabei sein wird, mit „Designated Survivor“ aber ein nicht minder spannendes Projekt am Start hat. Darin spielt er einen Politiker, der nach einem Anschlag plötzlich Präsident ist, weil alle höherrangigen Kabinettsmitglieder ums Leben gekommen sind. Laut Insidern gab es einen wahren Bieterkrieg um die TV-Rechte an der Politik-Serie mit Verschwörungscharakter. Sobald bekannt ist, wie und wo man den Stoff in Deutschland zu Gesicht bekommen kann, werden wir euch hier natürlich informieren.

Streaming-Perlen

„Ziemlich beste Freunde“ auf Netflix: Die auf wahren Begebenheiten beruhende französische Tragikomödie feiert das Leben in vollen Zügen. Hier treffen der reiche, aber vom Hals abwärts gelähmte Philippe (François Cluzet) und der arme, aber lebensfrohe Pfleger Driss (Omar Sy) aufeinander. Anders als alle anderen hat Driss keine Berührungsängste bei einem behinderten Menschen und so weckt er die Lebensfreude in seinem Chef auf ganz neue und außergewöhnliche Weise. Hier kann man sich einiges für den Alltag abgucken!

„Prisoners“ auf Amazon Prime: Als seine Tochter entführt wird, nimmt Keller (Hugh Jackman) das Gesetz selbst in die Hand. Ein mutmaßlicher Entführer ist schnell gefunden, doch ein Geständnis will der geistig etwas zurückgebliebene Alex (Paul Dano) partout nicht ablegen. Also hilft Keller etwas nach… Diese für alle Seiten völlig unerträgliche Situation nutzt der kanadische Filmemacher Denis Villeneuve, um zu zeigen, wie sehr Extremsituationen Menschen verändern können.

Neues aus der Filmwelt

Nintendo will auf die Leinwand: Ubisoft und Blizzard machen es mit „Assassin’s Creed“ und „Warcraft: The Beginning“ vor – jetzt wittert auch Videospiele-Urgestein Nintendo das große Geld im Filmbusiness. Schließlich sitzt man auf einem Goldschatz was Charaktere und Geschichten angeht. Bisher ist noch nicht klar, welche Figuren zuerst die Helden ihres eigenen (wahrscheinlich animierten) Filmes werden. Denkbar wären neben Super Mario auch Zelda, Kirby oder Donkey Kong. Wir unterstützen diese Entwicklung. Erstes Virtual-Reality-Kino in Berlin eröffnet: Das weltweit erste VR-Kino hat quasi um die Ecke eröffnet. In den Berliner Spreewerkstätten (Nähe Alexanderplatz) kann man sich eine Brille aufschnallen lassen und in einem der maßgeschneiderten Drehstühle Platz nehmen. Das aktuelle Filmangebot umfasst die Themenbereiche Doku, Fun und Horror und wartet jeweils mit einer ganzen Reihe von Produktionen auf. Mit 12,50€ sind die Tickets für die halbstündigen Streifen nicht einmal teurer als ein herkömmlicher Kinobesuch. Die Filmauswahl erfolgt individuell vor Ort – man sollte sich nur vorher seinen online Sitz reservieren.

Darauf freuen wir uns

„Mr. Robot“ – Staffel 2: Im Frühjahr wurde die erste Staffel der Hacker-Serie „Mr. Robot“ noch als beste Drama-Serie bei den Golden Globes ausgezeichnet. Jetzt gibt es schon einen Trailer zur zweiten Staffel, die noch mehr Paranoia und Verschwörung rund um Rami Malek, Christian Slater und Carly Chaikin verspricht. Bis die neuen Folgen ab Mitte Juni (jeweils kurz nach der US-Ausstrahlung) auf Amazon Prime erscheinen, ist es zum Glück gar nicht mehr lange hin.

Frisch besetzt

„Fargo“ – Staffel 3 mit Ewan McGregor: Die (ziemlich freie) Serienadaption von „Fargo“ ist für einen munteren Besetzungswechsel bekannt – dieser wird auch in Staffel 3 fortgesetzt. Nach Martin Freeman und Billy Bob Thornton sowie Kirsten Dunst und Patrick Wilson darf nun also Ewan McGregor ran – und das gleich in einer Doppelrolle! Er wird sowohl den Parkplatz-König von Minnesota namens Emmit Stussy mimen, sowie dessen minderbemittelten Bruder Ray. Selbstverständlich ist bei letzterem auch eine gehörige Portion Eifersucht im Spiel. Diese Besetzung lässt eine großartige Fortsetzung voll bitterbösen Humors erwarten. „Jumanji“ mit Kevin Hart: 1995 wurde Robin Williams von dem magischen Brettspiel verschluckt. Mehr als zwanzig Jahre später kündigt sich ein Reboot mit den Spaßvögeln Kevin Hart, Dwayne „The Rock“ Johnson und Jack Black an. Ob Sony mit dieser illustren Riege einen ähnlichen Erfolg verbuchen wird? Wir bleiben skeptisch, aber optimistisch – vielleicht sitzen sie auch allesamt in Motion-Tracking-Anzügen und spielen nur die Tiere, die im Verlauf des Filmes aus dem Spiel freigelassen werden (in der Reihenfolge: Äffchen, Nashorn und Elefant).

App Radar

Netflix Party: Wieso hat eigentlich noch kein Anbieter ein Feature vorgestellt, das es erlaubt, gemeinsam Filme und Serien zu streamen? Also zeitgleich, um sich während des Schauens über Plot-Twists auszutauschen. Das dachte sich auch US-Techie Stephan Boyer und hat kurzerhand eine Chrome-Extension programmiert, die das übernimmt. Wenn man „Netflix Party“ startet, erscheint links im Browser das Videofenster und rechts eine Fläche zum Chatten. Wer mehr über die Entstehung des nützlichen Tools erfahren möchte, kann diese in Stephans Blog nachlesen. Wir schauen die nächste Serie definitiv mal wieder mit Freunden – wie früher, irgendwie.


Image (adapted) „Watching a blank Screen“ by Kenneth Lu (CC BY 2.0)


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Screen Radar: Mit Marvel-Einheitsbrei und dem ersten Trailer zu „The Happy Film“

Watching a blank screen (adapted) (Image by Kenneth Lu [CC BY 2.0] via flickr)

Für die Netzpiloten stellt Arthur Avenue Kino-Neustarts vor und bespricht die wichtigsten Film-Themen. Dieses Mal mit Marvel-Einheitsbrei, Schrottplatz-Romantik und einem ersten Trailer zu Stefan Sagmeisters „The Happy Film“

Neu im KinoDie Komödie „Schrotten!“
„Bad Neighbors 2“
Thema der WocheEin Filmuniversum ohne Platz für Individuen
Streaming-Perlen„Looper“ auf Netflix
„Blue Valentine“ auf Amazon Prime
Neues aus der FilmweltDie Minions kaufen Shrek
Apple mischt sich unter die Serien-Produzenten
Darauf freuen wir unsAnleitung zum Glücklichsein
RekordverdächtigNeue Bestmarke im Dauerglotzen aufgestellt
Wann geht es endlich weiter?24: Live Another Day
Bloodline – Staffel 2
Orange Is The New Black – Staffel 3

 

Neu im Kino

Muss man sehen: Die Talhammers lieben ihren Schrottplatz! Die Komödie „Schrotten!“ erzählt von der unbändigen Leidenschaft für die Metallverwertung und einem riskanten Coup, um den Schrottplatz nach Generationen im Familienbesitz nicht an einen skrupellosen Schrott-Magnaten zu verlieren. Lucas Gregorowicz und Frederick Lau spielen zwei verstrittene Brüder, die sich nach dem Tod ihres Vaters zusammenraufen müssen, um nicht ihre Existenzgrundlage flöten gehen zu lassen. Der erhoffte Ausweg aus der Misere: ein Zug, 40 Tonnen Kupfer und ein Raub, der gut geplant sein will. In den 102-Minuten Spielzeit wachsen einem die liebenswert-verschrobenen Charaktere vom Schrotthof ans Herz und so drückt man bei der fragwürdigen Moral des Filmes gerne mal beide Augen zu.

Kann man sich sparen:„Bad Neighbors 2“ ist die Art Fortsetzung, die wirklich niemand braucht. Doch weil der erste Teil mit Seth Rogen, Rose Byrne und Zac Efron ein Vielfaches seines Budgets eingespielt hat (das Zwölffache, um genau zu sein), war der aufgewärmte Clinch mit einer neuen Studentenverbindung schnell beschlossene Sache. Im zweiten Teil ist es eine frisch gegründete Schwesternschaft, die es den spießigen Nachbarn unmöglich macht ihr Haus zu verkaufen. Diese greifen nun zu allen Mitteln, um die netten Mädels von nebenan wieder aus dem Haus zu ekeln. Dass sich die Erwachsenen bei so viel penetranten Rumgenerve als die eigentlichen Kinder entpuppen, dürfte niemanden schockieren.

Thema der Woche

Ein Filmuniversum ohne Platz für Individuen: Nach dreizehn zusammenhängenden Filmen des überaus erfolgreichen Comic-Riesen Marvel fällt auf, dass die einzelnen Werke immer seltener über eine eigene Handschrift verfügen und immer mehr der Stilistik des Studios entsprechen. Der Zuschauer soll das Gefühl haben, dass er sich überall auskennt – egal ob es gerade um Iron Man, Thor oder Captain America geht.Kreative Differenzen mit Marvel-Chef Kevin Feige führen wie im Falle von Regisseur Edgar Wright, der jahrelang dafür gekämpft hat „Ant-Man“ endlich auf die große Leinwand zu bringen, zum eiskalten Rausschmiss. Dabei hätten wir gerne gesehen, was er mit richtig viel Geld anstellen kann – schon „Shaun of the Dead“ (2004) und „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ (2010) waren deutlich von seinem Gespür für visuellen Humor geprägt. Doch für Freigeister ist bei so großen Produktionen wie von Marvel nun wirklich kein Platz mehr!

Spürbar ist dies vor allem daran, dass kaum ein Regisseur ein zweites Mal auf dem Regiestuhl Platz nehmen mag. Wer es doch tut, wie Anthony und Joe Russo, die freiwillig auf eine eigene Bildsprache verzichten und sich ganz auf die erzählerische Struktur des auf Jahre vordefinierten Filmuniversums einlassen, dem ist eine große Karriere gewiss. Aktuell sind die Russo-Brüder mit „The First Avenger: Civil War“ im Kino zu bestaunen, dem dritten Bombasto-Teil rund um Captain America. Schon in zwei Jahren übernehmen sie den Staffelstab von Joss Whedon beim großen Avengers-Zweiteiler „Infinity War“. Darin müssen es der Hulk, die Guardians of the Galaxy, Black Panther & Co. dann mit einer mega fiesen außerirdischen Gefahr aufnehmen. Danke Marvel, dass wir uns bei so vielen Helden schon bald keine Gedanken mehr um die Köpfe hinter der Kamera machen müssen! #IronieAus

Streaming-Perlen

„Looper“ auf Netflix: Apropos eigene Handschrift: Hinter der ausgefuchsten Zeitreise-Geschichte „Looper“ mit Joseph Gordon-Levitt und Bruce Willis steckt der Filmemacher Rian Johnson. Der dreht aktuell nicht nur „Star Wars: Episode 8“, sondern hat auch schon mit „Brick“ bewiesen, dass er Drehbuchfilme liebt und ihn eine düster-melancholische Machart auszeichnet. Es geht doch!

„Blue Valentine“ auf Amazon Prime: Das Drama startet mit der blumigen Verliebtheit zu Beginn einer Beziehung und begleitet die Protagonisten (Ryan Gosling und Michelle Williams) schließlich bis in die Schattenzeiten ihrer Ehe. „Blue Valentine“ packt den richtigen Soundtrack für eine extrem intime und berührende Filmerfahrung aus – mit Stücken von Grizzly Bear bis hin zu Goslings eigenem Bandprojekt Dead Man’s Bones.

Neues aus der Filmwelt

Die Minions kaufen Shrek: Die Animationsfamilie von NBCUniversal wird größer. Für schlappe 3,33 Milliarden Euro übernimmt man das Filmstudio DreamWorks Anmation, das bekannt ist für einnahmestarke Franchises wie „Shrek“, „Drachenzähmen leicht gemacht“ und „Kung Fu Panda“. Somit bietet sich bald die Möglichkeit von Crossover-Filmen zwischen Minions und Ogern, ebenso wird dringend benötigter neuer Input für die Universal-Themenparks geliefert. Letztere feiern schließlich immer noch „Der weiße Hai“ aus dem Jahr 1975, als sei er erst gestern ins Kino gekommen. Apple mischt sich unter die Serien-Produzenten: Mit Apple TV und iTunes hat Apple bereits die Infrastruktur – es fehlen nun lediglich noch die eigenen Inhalte. Doch das soll sich schon bald ändern! Auf dem Sundance Film-Festival ist man auf Darsteller zugegangen, um gleich mehrere Serienideen zu besprechen. Eine davon kreist sich, wie sollte es auch anders sein, um die vielen Höhen und wenigen Tiefen von App-Developern.

Darauf freuen wir uns

Anleitung zum Glücklichsein: Seit Jahren macht der österreichische Grafiker und Agenturchef Stefan Sagmeister mit seinen Kreativauszeiten Schlagzeilen. In diesen sogenannten Sabbaticals widmet er sich wechselnden Themen, die keinen Kundenbezug haben. Eines dieser Projekte ist mit „The Happy Film“ zu einer eigenen Dokumentation darüber erwachsen, wie man ein besserer und fröhlicherer Mensch wird. Dass dabei natürlich nicht immer alles glatt läuft, ist äußerst amüsant anzuschauen. Wir können es kaum erwarten seinem Pfad zu folgen.

Rekordverdächtig

Neue Bestmarke im Dauerglotzen aufgestellt: Die Rekorde im Hochleistungs-Bingewatching purzeln gerade am laufenden Band. Neuester World-Champion ist der New Yorker Programmierer Alejandro Fragoso. Seine Zeit liegt bei drei Tagen und 22 Stunden (macht insgesamt stolze 94 Stunden), in denen er die Augen einfach nicht vom Fernseher seines Vertrauens abwenden konnte. Fragt sich nur: Welche Serie war so gut, dass er sooo lange dran geblieben ist? Und wer wird als erster Mensch die magischen vier Tage knacken?

Wann geht es endlich weiter?

24: Live Another Day | 17.05.2016 (Amazon Prime) Bloodline – Staffel 2 | 28.05.2016 (Netflix) Orange Is The New Black – Staffel 3 | 17.06.2016 (Netflix)


Image (adapted) „Watching a blank Screen“ by Kenneth Lu (CC BY 2.0)


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Screen Radar: Tom Tykwer und die 5.000 Komparsen

Watching a blank screen (adapted) (Image by Kenneth Lu [CC BY 2.0] via flickr)

Für die Netzpiloten stellt Arthur Avenue Kino-Neustarts vor und bespricht die wichtigsten Film-Themen. Dieses Mal: Mit „Avatar“ Teil 2 bis 5, den Kino-Neustarts und Tom Tykwers Suche nach 5.000 Komparsen in Berlin.

Neu im Kino

  • Das muss man sehen: Armes Deutschland. Lutz Dammbeck startet seine essayistische Doku „Overgames“ mit der These, dass wir vor lauter Identitätsverlust und unterdrückten Aggressionen alle psychisch krank sein müssen. Doch zum Glück gibt es Spielshows, die uns alle zu besseren Menschen machen wollen! Ob die Umerziehungsmaßnahmen gelingen, versucht er in vollschlanken 164 Minuten Laufzeit zu klären. Bereits seit 21.04. im Kino.

 

  • Kann man sich sparen: „The Boss“ mit Melissa McCarthy widmet sich dem Aufstieg und Fall und erneuten Aufstieg einer Businessfrau, die erst in Insiderhandel und später in Brownies macht. Dass dem Streifen nach der ersten Stunde ganz gewaltig die Puste ausgeht, liegt vor allem an dem lahmen Drehbuch. Nachdem das Futter-Imperium endlich floriert, wird komplett auf die allzu flachen Charaktere umgeschwenkt und jegliche Dynamik geht flöten.

Thema der Woche: „Avatar“ ohne Ende

Sechseinhalb Jahre nach „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ verkündet Regisseur James Cameron, dass er genug Ideen für gleich vier Fortsetzungen parat hat. Am 18. Dezember 2018 geht es mit Teil 2 los und bis 2023 soll die Saga weitererzählt werden. Mehr noch als die Vorfreude auf weitere Ausflüge auf fremde Planeten und Einblicke in neuartige Lebenswelten überwiegt jedoch das Gefühl von schierer Panik. Meint er das ernst? Nicht wenige der elf Millionen deutschen Kino-Besucher haben im Dezember 2009 das erste Mal eine 3D-Brille auf der Nase gehabt und verbinden durchaus überschwängliche Erfahrungen mit dem Kassenschlager.

Doch die Vorstellung von gleich vier Fortsetzungen droht dieses Gefühl so ganz ohne inhaltlichen Kontext ins Negative umzukehren. Niemand braucht mehr vom selben! Die Filmgeschichte bestätigt uns darin erst einmal skeptisch zu sein. Weder die „Pirates of the Caribbean“ noch die „Transformers“ wurden mit weiteren Teilen besser. Vielmehr möchte man den Filmemachern zurufen: Belasst es einfach dabei! Im Jahr 2016 sind Serien einfach die besseren Filme.

Streaming-Perlen:

  • „The Killing“ auf Netflix: Patti Smith’ Lieblingsserie begleitet Detective Sara Linden (Mireille Enos) und ihren Partner Stephen Holder (Joel Kinnaman) über vier Staffeln lang bei drei Mordfällen. Das Besondere: Neben den Ermittlern wird die Geschichte auch aus Sicht der betroffenen Familien und Verdächtigen erzählt. Absolutes Suchtpotential!

 

  • „Red Oaks“ auf Amazon Prime: Die Eigenproduktion begleitet David (gespielt von Craig Roberts, bekannt aus „Submarine“) bei seinem Ferienjob im Country Club Red Oaks. Die zehn Folgen der ersten Staffel drehen sich um die Themen Selbstfindung und Zukunftsplanung. Oder wie nennt man das gleich, wenn man so gar keinen Peil von all dem hat? Der Sommer kann jedenfalls kommen.

 

Neues aus der Filmwelt

  • Tom Tykwer sucht 5.000 Komparsen in Berlin: Du wolltest schon immer mal im Hintergrund einer TV-Produktion auftauchen und verfügst über ein „gelebtes Gesicht und/oder einen dürren Körper“ (by the way: Wer bei dieser Ausschreibung nicht wenigstens kurz auflachen muss, dem ist nicht mehr zu helfen)? Dann ist deine Chance gekommen zusammen mit Volker Bruch und Liv Lisa Fries in die zwanzigerJahre zu reisen. Alle Infos zu den anstehenden Casting-Terminen für „Babylon Berlin“ hält die Website der Casting-Agentur bereit.

  • Startup „The Screening Room“ will Kino für Zuhause: Für schlappe 50 Dollar wollen Napster-Mitbegründer Sean Parker und Musikunternehmer Prem Akkaraju Filme zeitgleich zum Kinostart für das Heimkino anbieten. Neben Netflix’ Ceo Reed Hastings zeigen sich auch die Regisseure Peter Jackson, Steven Spielberg und J.J. Abrams begeistert von der Idee ihre Filme einem noch größeren Publikum verfügbar zu machen. Ob es dem neugegründeten Streaming-Service gelingen wird den Filmvertrieb nachhaltig zu revolutionieren? Wir drücken die Daumen – und hoffen auf eine schnelle Preissenkung.

Darauf freuen wir uns

  • Um zu sterben, kehrt man im Dying Parlor ein: Der zwölfminütige Kurzfilm „Mildred and the Dying Parlor“ feierte jüngst auf dem Tribeca Filmfestival seine Premiere. Dort kam er so gut an, dass die Macher nun schon ernsthaft über eine Weiterführung als Serie nachdenken. Uns gefällt der schwarzhumorige Trailer so gut, dass wir das Gucken des kurzen Werkes gar nicht mehr abwarten können und ebenfalls lautstark um eine Fortsetzung betteln.

 

Rekordverdächtig

  • Schwede veröffentlicht siebenstündigen Trailer: In der Kürze liegt die Würze? Wohl eher nicht! Filmemacher Anders Weberg gewährt einen ersten Einblick in sein Werk „Ambiancé“, der mit einer Gesamtlänge von 30 Tagen rekordverdächtig lang wird. Auf den 72-minütigen Teaser im letzten Jahr folgt nun der siebenstündige Trailer zum Mammut-Projekt. Auf Los geht’s los!

 

Wann geht es endlich weiter?

Game of Thrones – Staffel 6:  Bereits angelaufen seit 25.04.2016

Girls – Staffel 5: 05.06.2016

Mr. Robot – Staffel 2: 13.07.2016


Image (adapted)  „Watching a blank Screen“ by Kenneth Lu (CC BY 2.0)


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Spoiler verraten mit Spoil Me: Wer kann widerstehen?

Spoil Me Website (Image via Screenshot)

Wer kennt sie nicht – die gefährliche Versuchung schon mal die letzte Seite des Buches aufzuschlagen (werden sie zusammenkommen?), mal eben zum Ende des Films zu schielen (wird er überleben?) oder einen Blick in die nächste Folge der Serie zu riskieren. Danach ist das Bedauern über die eigene, unbändige Neugierde groß – und trotzdem machen wir es alle immer wieder.

Mit der Webseite Spoil Me ist diese Verlockung jetzt nur noch einen Mausklick entfernt. Das Prinzip ist ganz einfach: Entweder man gibt in der Suchmaske selbst einen Filmtitel ein und lässt sich von der digitalen Gerüchteküche mitreißen oder ergreift die Initiative und schürt das Feuer durch eigene Beiträge.

„Spoil me“ wurde in 48 Stunden während eines internen „Hackathons“ (ein Wortspiel zwischen Hacking und Marathon) aufgesetzt. Die Idee war, „ein wenig Spaß zu haben und Technologien auszuprobieren, die uns interessieren.“ erklärt Projektleiter Bruno Pérez der Pariser Webagentur Buddyweb. 2011 gegründet, beschreibt sich die Agentur selbst als 100% kreativ in Sachen Technologie, Marketing und Design.

Aus der kleinen Spielerei wurde ein wahrer Hit in Frankreich, sodass von dem dreiköpfigen Team bald eine englische Version folgte. “Zwei Wochen nachdem die Seite online war, gab es von der französischen und englischen Community bereits 10 000 Spoiler“, erzählt Bruno.

Genauso wie die Webseite aus einem Flachs entstand, so sind auch viele Spoiler nicht wirklich ernst zu nehmen. Denn die User von Buddyweb scheinen mindestens genauso kreativ zu sein wie ihre Gründer: So wird das Ende von Titanic relativ trocken in einem Spoiler zusammengefasst: „Der Eisberg gewinnt.“

The iceberg wins. (Image via Screenshot)

… oder es werden ganz neue Gerüchte in die Welt gesetzt – hier wohl aus alter Kindheits-Nostalgie: „Ich tötete Mufasa!

Auf die Frage hin, was sein Lieblings-Spoiler sei, antwortet Bruno: „Ein Teilnehmer hat ALLE James Bonds Filme mit dem gleichen Spoiler versehen: ‘James Bond kills the bad guy, get the girl and save the world’. Ziemlich witzig!

Bald sollen nicht nur Filme, sondern auch Serien gespoilt werden – „und das auch auf Deutsch!“, versichert Bruno.


Image „Spoil Me Website“ via Screenshot
Image „The Iceberg wins.“ via Screenshot
Image „I killed Mufasa!“ via Screenshot


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Warum wir über unsere Spoiler-Phobie hinwegkommen sollten

Vaders' Photo shoot (1 of 4) (adapted) (Image by Chris Isherwood [CC BY-SA 2.0] via flickr)

Warnung: der folgenden Artikel enthält einige Spoiler zu Star Wars: The Force Awakens und andere Kino- und Fernsehproduktionen. Weiterlesen auf eigene Gefahr.

Im vergangenen Monat waren mein Partner und ich in einem kleinen ruhigen Restaurant in Dorset. Ein kleiner Junge kam herein und quiekte mit schreckenerfüllter Stimme: “Er hat Han Solo getötet!” Der Vater schaute entsetzt, während einige Gäste nervös lachten und sich umschauten, als ob jemand eine Straftat begangen hatte. Ich konnte nur hoffen, dass niemand von ihnen geplant hatte, den Film am nächsten Tag im Kino zu sehen.

Ich fand es zuerst wirklich noch witzig, aber dann habe ich The Force Awakens gesehen. Wenn Sie den Film noch nicht gesehen haben, aber kein Problem damit haben, trotzdem einen Artikel über die Star Wars-Reihe zu lesen, dann darf ab hier weitergelesen werden:  Kylo Ren tötet seinen Vater Han Solo mit seinem Lichtschwert. Es ist der Höhepunkt des Films.

Jeder scheint seine eigene Geschichte zu diversen Star Wars-Spoiler zu haben. Jeder, der im Jahr 1980 The Empire Strikes Back gesehen hat, wird wohl die eine hinterhältige Person nie vergessen, die “Darth Vader ist Lukes Vater!” in die Kinoschlange hineinrief. Meine eigene Spoiler-Horrorgeschichte war, als jemand mir noch während ich für den Film Fight Club anstand, dass Edward Nortons Charakter Tyler Durden unter einer Persönlichkeitsspaltung leidet.

Im Netz finden wir die Spoilerkultur (und die Spoiler-Phobie) überall. Mein Facebook-Feed ist wöchentlich gefüllt mit den Einträgen meiner Freunden und Familie, die in etwa so lauten:

Keine Dr.-Who-Spoiler bitte, es lief hier noch nicht in den USA.

Bitte beachte, dass [dieser  und jener] Sherlock noch nicht gesehen hat, bitte verrate nichts in deinem Status.

Keine Star Wars-Spoiler mehr, um Gottes willen – Ich hatte noch keine Gelegenheit, den Film über Weihnachten zu sehen.

Auf Facebook werden regelmäßig Leute entfolgt oder Freundschaften aus einem plötzlichen Groll heraus gekündigt.

Handlungsfreiheit

Diese Angst vor Spoilern ist ein Resultat unserer komplexen Art und Weise, in der wir Medien konsumieren. Eine Fernsehserie direkt bei der Ausstrahlung zu schauen, ist selten geworden in einer Welt voll  konkurrierender On-Demand-Plattformen und Netflix-Marathons. Mit Tablets und Smartphones können wir nicht nur aussuchen, was wir anschauen wollen, sondern auch, an welchem Ort. Aber diese Freiheiten bedeuten auch eine große Verantwortung. Diese ist direkt verbunden mit der wachsenden Erwartung, dass wir, wenn wir einen Film oder eine neue Serie gesehen haben, sollten wir, um Tyler Durdens berühmte erste Regel über den Fight Club zu zitieren, besser nicht darüber sprechen.

Für Kritiker ist das schlichtweg nervenzehrend. Zuerst einmal, wie soll man etwas anständig rezensieren, ohne dabei Elemente der Handlung preiszugeben? 2006 brachte Jonathan Rosenbaum sein Bedenken zum Ausdruck, was Spoiler für die Filmkritik bedeutet. Er merkte an, die Spoilerkultur ziehe Handlung und Erzählweise auf Kosten anderer Stile vor:

Warum soll es ein Spoiler sein, wenn man anmerkt, dass Touch of Evil mit der Explosion einer Zeitbombe beginnt, es offensichtlich aber nicht als Spoiler gilt, wenn man anmerkt, dass der Film mit einer langen Kamerafahrt beginnt?

Wenn dies vor zehn Jahren schon zugetroffen ist, dann ist es heutzutage noch viel wichtiger. Denn: bei den aktuellen “Spoilern” geht es nur noch um die Handlung.

Spoiler-Etikette

Deutlich interessanter ist die Etikette, die um die Spoilerkultur herangewachsen ist. Die Regeln dazu werden laufend auf Twitter, Facebook und Tumblr verhandelt. Wie verhält es sich beispielsweise bei Einschränkungen von  Spoilern? Geltem sie, wenn der Film nicht mehr im Kino zu sehen ist? Eine Zeitpsnanne von X Monaten, nachdem die Leute genügend Möglichkeiten hatten, eine Serie bei Netflix zu bingewatchen? So ganz genau scheint dies niemand zu wissen. Selbst die Screenonline-Webseite von BFI hat einen Disclaimer mit dem Hinweis “Vorsicht Spoiler” für Filmzusammenfassungen, die teilweise vor 70 Jahren veröffentlicht wurden.

Ob die Regeln auch bei Informationen von Buchverfilmungen gelten, ist bisher noch in eine Grauzone. Die Game of Thrones-Fangemeinde hat ihre eigene lautstarke Spoilerkultur (aber um fair zu sein, die Handlung der Fernsehserien unterscheidet sich sehr vom Buch, um mit einigen Handlungspunkten selbst die zu überraschen, die bereits die Bücher gelesen haben). Es ist schwer ein zu schätzen, ob langjährige Fans von denBüchern der The Hunger Games-Trilogie oder den Harry Potter-Romanen die Filmadaptionen anders wahrnehmen als diejenigen, die die Bücher nie gelesen haben.

Der Ärger rund um Spoiler ist ein neues Phänomen. Ältere Romane (wie beispielsweise die Arbeiten von Charles Dickens) enthielten manchmal einen kurzen Handlungsabriss zu Beginn jedes Kapitels. Sie fassten effektiv die Erzählung zusammen, so dass dem Leser genügend Freiheit blieb, andere Elemente der Geschichte zu genießen. Henry Fielding bemerkte in seinem Werk Joseph Andrews:

What are the contents prefixed to every chapter but so many inscriptions over the gates of inns … informing the reader what entertainment he is to expect, which if he likes not, he may travel on to the next.

(dt. etwa: Was sind schon die Inhaltsangaben jedes Kapitels anderes als Inschriften über den Türen von Gasthöfen … sie teilen dem Leser mit, welche Vergnüglichkeiten er hier erwarten kann, und wenn er das nicht wünscht, reist er weiter zum nächsten.)

Aber möglicherweise sagt das Wachstum der Spoilerkultur gar nichts über den Wandel des Medienkonsums aus, sondern vielmehr darüber, wie wir als Gesellschaft an die Popkultur herangehen – zumindest auf einem einfachen  Level. Und: Nehmen wir das nicht alle ein wenig zu Ernst?

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) “Vaders‘ Photo shoot (1 of 4)” by Chris Isherwood (CC BY-SA 2.0)


The Conversation

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Von Netflix den Spiegel vorgehalten

052:365 - 06/21/2012 Netflix (adapted) (Image by Shardayyy [CC BY 20] via Flickr)

In einem Gastbeitrag auf Netzpiloten.de kommentiert der Drehbuchautor Mark Wachholz den Deutschland-Start von Netflix. ssstart den Produzenten deutscher Fiction-Konzepte eine klare Absage. Es fehle an Serienstoffen, die auch international Interesse wecken. Eine harte Ohrfeige. Aber auch die Chance zur Selbstreflektion?

Der Traum vom deutschen House of Cards

Insbesondere deutsche TV-Autoren und -Produzenten hatten dem Deutschland-Start des amerikanischen VoD-Giganten Netflix wie einer Erlösung entgegengefiebert. Endlich würde ein finanzstarker Player auf den hiesigen Fernsehmarkt treten, der statt Provinzialität, Mittelmäßigkeit und kleinbürgerlicher Piefigkeit endlich nach spannenden, kontroversen und komplex erzählten Serien-Stoffen sucht. „Wir werden sicher auch in Deutschland produzieren“, so Netflix-Gründer Reed Hastings noch zwei Wochen zuvor gegenüber dem Spiegel. Doch der Traum von einem deutschen House of Cards ist vorerst geplatzt.

Schon am Starttag hatten Netflix-Kommunikationsboss für Europa Joris Evers im Interview mit Quotenmeter und Chief Content Officer Ted Sarandos im Interview mit DWDL übereinstimmend gesagt, dass es derzeit keine Pläne des Streamingdiensts gäbe, in deutsche Serien und damit in deutsche Serienmacher zu investieren. Zunächst wolle man, wie bei Netflix üblich, die Vorlieben der deutschen Nutzer auswerten, um daraufhin genauer zugeschnitten nationalen Content zu produzieren. So war die eigenproduzierte Politdrama-Serie House of Cards anhand des Nutzerverhaltens von Netflix US geradezu maßgeschneidert worden, nachdem die internen Auswertungen ergeben hatten, dass die Nutzer Schauspieler Kevin Spacey und Regisseur David Fincher besonders mögen würden.

Doch am Folgetag wurde Netflix-Firmengründer und CEO Reed Hastings im Interview mit Blickpunkt:Film deutlicher: „Wir haben in Deutschland Ausschau gehalten nach geeigneten Stoffen – aber nichts gefunden.“ Einer der Hauptgründe gegen eine lokal produzierte Serie sei laut Hastings das Fehlen von Themen „von weltweitem Interesse“ in den bei ihnen eingereichten Serienkonzepten. Unvermittelt wurde so der deutschen TV-Fiction der Spiegel vorgehalten. Plötzlich darf sich hiesige Stoffauswahl und Erzählkunst nicht mehr nur mit sich selbst vergleichen. Netflix spricht augenscheinlich direkt aus, was sowohl Zuschauer als auch Branchenkenner seit Jahren empfinden: Fiktionales deutsches Fernsehen erscheint im internationalen Vergleich rückständig und bedeutungslos.

Der Kampf gegen den deutschen Fernseh-Behemoth

Dabei ist davon auszugehen, dass viele, vor allem große deutsche Produktionsfirmen mit ihren Autoren endlich jene Ideen und Stoffe aus den Schubladen holten, die für das öffentlich-rechtliche und private Fernsehen in Deutschland zu aufwändig, zu komplex oder zu progressiv wären. Obwohl sie für die Präsentation ihrer Konzepte – in Ermangelung eines Netflix-Ansprechpartners in Deutschland – wohl direkt in der Firmenzentrale Los Gatos in Kalifornien vorsprechen mussten, sollten das die besten und zugkräftigsten Ideen gewesen sein, die hierzulande aufgeboten werden können. Ein Beteiligter erzählt beispielhaft von einem gut strukturierten, grafisch reichhaltig illustrierten und mit belastbaren Businesszahlen aufbereiteten Pitch, der Story und Potential der Serie griffig darstellte.

„Man begibt sich nicht auf diese Via Dolorosa, weil man Soaps und Scripted Reality schreiben will“, sagt beispielsweise Drehbuchautor Stephan Greitemeier (Switch Reloaded, Chefautor beim Game Evil & Genius). In der Tat: Niemand wird sich mit einer weiteren Abwandlung von Ärzte-Soaps, unaufgeregtem Dorfidyll oder neuen „Schmunzelkrimi“-Derivaten bei Netflix vorgestellt haben. Wen man auch fragt: Die deutsche TV-Branche kennt und liebt die revolutionären amerikanischen Serien von Breaking Bad über Game of Thrones bis zu The Walking Dead (und ungefähr hundert andere, über die jeder angeregt redet). Auf Netflix als Big Player wurde nicht zuletzt auch deshalb so gehofft, „weil eine Revolution des deutschen, in sich selbst verwachsenen und erstarrten Fernseh-Behemoths von innen unmöglich erscheint“, so Greitemeier.

Für eine Qualität, die man von amerikanischen und anderen internationalen Serien gewohnt ist, hat es aber allem Anschein nach erst einmal nicht gereicht. Und zwar teamübergreifend nicht, wenn Netflix zu diesem allgemeinen Urteil über deutsche Erzählqualität gelangt. Nun wissen wir nicht, welche Ideen und Storys die deutschen Bittsteller im Einzelnen für so gut und einzigartig befanden, dass sie internationalen Ansprüchen genügen und damit konkurrenzfähig auf dem internationalen Markt sind. Wir wissen nur, dass Netflix bislang bei seinen hoch gelobten und vielfach prämierten Eigenproduktionen wie der Crime-Comedy Lilyhammer, dem spannenden Politdrama House of Cards oder dem Gefängnis-Comedydrama Orange Is the New Black hohes Qualitätsbewusstsein zeigte und alles richtig gemacht hat.

Welche Strategie fährt Netflix in Deutschland?

Es ist gar nicht so klar, ob Netflix überhaupt dafür brennt, lokale Eigenproduktionen in Deutschland anzukurbeln. Huan Vu, Regisseur der kommenden Lovecraft-Verfilmung Die Traumlande und eines der Gründungsmitglieder des Neuen Deutschen Genrefilms, hat das Gefühl, dass das Unternehmen hier nicht viel mehr als einen „halbgaren Testballon“ gestartet hatte, „um Goodwill zu demonstrieren“.

Dafür spricht zum Beispiel der stete Verweis der Netflix-Sprecher, dass man mit der Sci-Fi-Mysteryserie Sense8 ja bereits eine internationale Produktion in der Entwicklung habe, die explizit auf die Expansionsbestrebungen des Unternehmens zurechtgeschnitten ist: Verantwortlich sind die Wachowski-Geschwister (The Matrix, Cloud Atlas), die eine Story in acht verschiedenen Ländern – darunter auch Deutschland – erzählen. Die deutsche Hauptfigur wird von Max Riemelt (Wir sind die Nacht, Urban Explorer) gespielt, es soll auch in Berlin gedreht werden. Tom Tykwer wird Regie in einer der Episoden übernehmen (wenn auch nicht die in Deutschland, sondern die in Nairobi).

Huan Vu sieht die Entwicklung in Deutschland nüchterner: „Netflix wird in seinen Marktanalysen feststellen, dass die Deutschen sehr gerne amerikanisches Zeug schauen und sowohl englischen Originalton als auch deutsche Synchronisation akzeptieren. Und aus Deutschland kam im Gegensatz zu Großbritannien, Frankreich oder Skandinavien über lange Zeit nichts Dickes mehr. Das Einzige, was deutsche Sender erfolgreich machen – deutsch verwurzelte Krimis und deutsch verwurzelte Komödien – ist für Netflix nicht so interessant, da sie das nicht in anderen Territorien auswerten können. Das wäre also so, als wenn Mercedes oder Volkswagen vor dem Markteintritt in Nordkorea ein Joint Venture mit dem dortigen Staatsbetrieb für Zugmaschinen eingehen würden. Während es in Frankreich massiv Stunk durch Politik, Establishment etc. gibt und deshalb mit dem Politdrama Marseille sofort eine französische Serie produziert wird, begrüßt man Netflix hierzulande eher wie den rettenden GI anno 1945, der hoffentlich die deutsche Fernsehdiktatur umkrempelt.“

Dabei spielt es dann auch weniger eine Rolle, dass gerade der deutsche Fernseh- und VoD-Markt als sehr fragmentiert und von mehreren starken Playern besetzt gilt: Maxdome, Watchever, Amazon Prime im Streaming-Segment, dazu das starke Angebot der privaten Sender und der Öffentlich-Rechtlichen mit jährlichen Rundfunkgebühren von über 8 Milliarden Euro. Netflix könnte gerade in Deutschland auf mehr Bindung durch lokale Eigenproduktionen setzen, um sich einen wichtigen Marktvorteil zu sichern. Doch der Streamingdienst will vorerst nicht.

Dass es Netflix-Chef Reed Hastings jedoch nicht einfach bei den – eigentlich völlig ausreichenden – Begründung belässt, die Vorlieben deutscher Nutzer erstmal zu analysieren, mit Sense8 eine internationale Produktion mit deutschen Anteilen zu produzieren und sowieso erstmal ein bis zwei Jahre abwarten zu wollen, wirft vor dem Hintergrund der obigen Überlegungen durchaus Fragen auf. Sollen etwa durch die öffentliche Ablehnung deutscher Erzählkunst hierzulande Ambitionen geweckt werden? Oder ist es gar, wie mancher heimlich hofft, vor allem ein Nein zur Denkweise der alten Garde von TV-Filmemachern, die das bisherige System auf Laufen gehalten haben? Autor Stephan Greitemeier sieht in der deutlichen Ansage Netflix’ vor allem ein Signal an „die zweite Generation, die messerwetzend in den Startlöchern steht“ – also all jene Autoren, Produzenten und Schauspieler, die mit dem bisherigen System nichts (mehr) anfangen können. Der Glaube an Netflix als Game Changer bleibt also.

Auf Mittelmaß konditionierte Autoren

Deutsche Autoren und Filmemacher diskutieren nicht erst nach der aktuellen Netflix-Klatsche, ob in Deutschland überhaupt genug Handwerk und Übung vorhanden ist, auf internationalem Serienniveau mitzuspielen. „Ich fürchte, dass viele deutsche Produzenten und Autoren, die durch die Mühlen der deutschen TV-Produktion gegangen sind, gar nicht mehr in der Lage sind zu verstehen, was für Netflix internationales Appeal aus macht“, meint Axel Ricke, Regisseur des Sci-Fi-Kurzfilms D-I-M, Deus In Machina (2007) und Produzent bei Lumatik Film. Auch Autor Stephan Greitemeier glaubt: „Die degetoisierten Produzenten sind das Nadelöhr. Sie arbeiten mit degetoisierten Lohnschreibern zusammen, denen zwanzig Jahre Fernsehmarkt jede Innovationskraft ausgepresst haben. Es ist schon bestürzend: Da haben wir nette, clevere Leute, oft mit gutem Geschmack – aber das System hat viele festgefahren und mutlos gemacht.“

Es geht in diesen Überlegungen um den grundsätzlichen Verdacht, dass das deutsche TV-System über Jahrzehnte Autoren und Produzenten maßgeblich konditioniert hat und hier auch bei besten Absichten schlichtweg nicht die erzählerische Qualität erreicht werden kann, die es international heutzutage braucht. „Da wir national schon seit Jahrzehnten keine Nachfrage in dieser Richtung haben, gibt es hier auch kaum Erfahrung im Umgang mit Geschichten dieser Art“, lässt sich ein deutscher Drehbuchautor in der aktuellen Debatte zitieren. „Ideen gibt es bestimmt viele, nur mangelt es entweder an der Umsetzung, oder man hat kein Vertrauen in die deutschen Autoren und glaubt nicht, dass sie so etwas stemmen können.“

Vielleicht, so die Befürchtung, erscheint es Netflix schlichtweg zu aufwändig, bei uns erst noch in den Qualitätsaufbau investieren zu müssen. Denn der heimische Markt für Konzepte und Drehbücher verlangt vor allem nach unterkomplexer Unterhaltung. Selbst abseits von den täglichen Soap-Welten schreiben Serien-Autoren in Deutschland vor allem schematische Krimi-Episoden in Kreuzworträtsel-Dramaturgie, seichte Nonnen- und Krankenhaus-Banalitäten oder verschämt-lustige Alltagskomödien, die niemandem wehtun. Immer wieder fällt der Begriff der „Schere im Kopf“, die durch die Konditionierung ob solcher Anforderungen inzwischen so stark sei, dass man sie immer wieder aktiv in seinem Kopf entfernen muss, um auf internationalem Niveau zu denken. Wenn es überhaupt gelingt: „Ich erwische mich selbst immer wieder dabei, wie im Kopf die Schere zuschnappt. Es kostet tatsächlich Kraft, sich von dieser Denke zu lösen. Sehr erschreckend.“, so Regisseur und Produzent Axel Ricke.

Wie beispielsweise Game of Thrones aussehen würde, wenn es durch die Mangel deutscher Fernsehqualität genommen würde, zeigt dieser Tage anschaulich – und trotz aller Parodie erschrecken authentisch – der folgende Clip von Walulis sieht fern. Ähnliche Assoziationen rief bereits die Ankündigung des ZDFs hervor, ein deutsches Breaking Bad zu produzieren – mit Bastian Pastewka als Geldfälscher im Taunus.

Auf der Suche nach internationaler Qualität

Aber stimmt die Einschätzung, deutsche TV-Fiction hätte kein internationales Appeal? Der letzte Bulle (2010-2014), laut Bekundung der Branche eine der besten deutschen TV-Serien derzeit, wurde vom französischen Sender TF1 erfolgreich in bislang zwei Staffeln adaptiert. In den USA wurden vom Letzten Bullen und von Danni Lowinski (beide SAT.1) jeweils Piloten bei TNT respektive The CW getestet. Von Danni Lowinski (2010-2014) gibt es Remakes in Belgien, der Ukraine und den Niederlanden. Der Tatortreiniger (seit 2011) vom NDR wurde bislang in die USA und nach Frankreich verkauft. Und dann sind da doch immer noch der in über 100 Länder verkaufte Derrick (1974-1997) und die Action-Serie Alarm für Cobra 11 (seit 1996), die wohl international erfolgreichste Serie aus deutscher Produktion mit Verkäufen in 150 Ländern.

Hier sind Relationen wichtig. Der internationale TV-Markt ist wegen des kontinuierlich steigenden Bedarfs an erfolgreicher Fiktion in größter Aufruhr. Jeder ist auf der Suche nach dem nächsten Hit. Und so werden sich möglichst viele Rechte an Stoffen aus aller Herren Länder gesichert, ohne dass diese Stoffe – erzählerisch – in der gleichen qualitativen Liga spielen wie 24, Lost oder Orphan Black. Hier müssen wir ehrlich sein: In Deutschland tun sie es nicht. Wenn hierzulande eine Serie – unabhängig von ihren Quoten – als sehr gut und außergewöhnlich gehandelt wird, dann passiert das im Vergleich zum restlichen Angebot im deutschen Fernsehen. Wenn Netflix aber wie in Großbritannien über 125 Millionen Euro für die Serie The Crown über die 60-jährige Regentschaft der Queen auf den Tisch legt, dann mit der klaren Absicht, einen unter Kritikern und beim Publikum weltweiten Tophit in ihr Portfolio aufzunehmen.

Die Sorge übrigens, dass deutsche Produktionen mit einer Orientierung am internationalen Massengeschmack auf diesen hin normiert werden würden und gerade dadurch lokalen Flair, Atmosphäre und Authentizität verlieren würden, scheint dagegen eher unberechtigt. Ganz im Gegenteil: Lilyhammer-Schöpfer Steve Van Zandt erzählte im Rolling Stone über die Entstehungsgeschichte seiner Serie: „I said to people, „The way to make this more international is to make it more Norwegian – as Norwegian as we can make it. I want to know every nuance, detail and eccentricity that people might find interesting or different.“ I also said, „I want to make Norway a character in this show, because it’s a complete mystery to most people.“ No one knows a thing about it, so I wanted to reveal it in the best way I could.“

Auch Reed Hastings sagt in seinem Statement in Blickpunkt:Film nicht, dass sich internationale Serien nicht „deutsch“ anfühlen dürfen. Serien wie Lilyhammer, The Crown oder Marseille versprühen gleichermaßen lokale Identität und internationales Appeal. Sie wurden von Netflix in Auftrag gegeben, um die jeweiligen Märkte in Europa – hier also Skandinavien, Großbritannien und Frankreich – zu bedienen und weltweit interessant zu sein. Die Frage, die sich Autoren und Produzenten hierzulande also stellen müssen: Was fühlt sich „deutsch“ an und hat „internationales Appeal“? Was bietet lokale Qualitäten, ohne dass es sich anfühlt wie das Meiste, was hier provinziell, erstarrt und in jeder Hinsicht unenthusiastisch für das deutsche TV produziert wird?

Kann Deutschland nur mit seiner Vergangenheit punkten?

„Die Befürchtung ist, dass weltweit interessante Ideen aus Deutschland alle nur wieder in der Vergangenheit liegen – also wieder Nazi-Stoffe, wieder DDR-Stoffe. All das, wovon wir eigentlich selbst die Schnauze voll haben“, stöhnt ein weiterer Autor. Die Sorge hat eine starke Grundlage: Seit Langem scheinen beispielsweise deutsche Filme nur noch dann Oscar-Chancen zu haben, wenn sie mit einer der beiden deutschen Diktaturen zu tun haben: siehe Caroline Links Nirgendwo in Afrika (2001, Oscar), Oliver Hirschbiegels Der Untergang (2004, Oscar-Nominierung) oder Florian Henckel von Donnersmarck Das Leben der anderen (2007, Oscar).

Deutschland schickt auch selbst gern Filme mit ähnlicher Thematik immer wieder ins Rennen, wie 2013 gleich im Doppelpack mit Georg Maas’ Nazi-Stasi-Drama Zwei Leben (2012) und Cate Shortlands Endkriegsdrama Lore (2012), auch wenn das für Australien startete. Auch andere hierzulande und teilweise auch international gelobte TV-Produktionen wie Weißensee (seit 2010) und Unsere Mütter, unsere Väter (2013) spielen in genau diesen Welten. Der Verdacht liegt also nahe, dass wir um unsere Vergangenheit kaum herumkommen, wenn wir »weltweit interessante Themen« bedienen wollen.

Doch der Glaube, im Ausland kommen aufgrund dieser Erfolge ausschließlich Drittes Reich und DDR-Überwachung an, ist vielleicht die größte Schere im Kopf hiesiger Filmschaffender. Keine Frage: Deutschen Produktionen wird eine größere Glaubwürdigkeit in der Auseinandersetzung dieser Topics entgegengebracht. Deutsche Filme insbesondere über den Nationalsozialismus sind sicherlich international auch ein gewichtiges, erfolgsversprechendes Brand. Die starke weltweite Rezeption solcher Storys aus Deutschland hat aber noch einen anderen, vielleicht viel entscheidenderen Grund:

Aus dramaturgischer Sicht liefern beide Topics von sich aus bereits sehr starke, inhärent eingebaute erzählerische Konflikte. Sie bieten damit also ganz automatisch schon dramatisches Potential. Einmal ungnädig formuliert: Man kann hier als Autor erstmal kaum etwas falsch machen. Vergleicht man die Spannung dieser Filme und Serien mit der Spannung beim Rest des deutschen Fernsehens, dann liegt schnell der Schluss nahe: Mit Naziterror und Stasiüberwachung wird es packend. Ohne eher nicht. Das würde bedeuten: Die Kunst dramatischen Erzählens wird hierzulande tatsächlich nicht wirklich beherrscht und über thematische Krücken wie DDR- und Nazi-Diktatur eher nur kaschiert. Deren Erfolg macht blind für den eigentlichen Zustand hiesiger Erzählqualität.

Die internationale Konkurrenzfähigkeit deutscher Stoffe wird sich vor allem dann offenbaren, wenn auch mit anderen Ideen und Konzepten packende Geschichten erzählt werden können. Der Auftrag wäre, etwas zu schaffen, das hier und heute spielt (oder in anderen Welten abseits der Etablierten) und den Nerv der Welt und Zeit trifft. Auch Autor und Regisseur Peter Koller, der aktuell mit Spier Films an der Sci-Fi-Politserie Rio Ten arbeitet, versteht die Angst vor der Beschränkung auf rückwärtsgewandte Themen nicht: „Wir leben in einer Topzeit, was Stoffe angeht. Man muss ja nur die Zeitung aufmachen, da gibt es genug international relevante Stoffe: Hamburger 9/11-Zelle, Überwachungsskandale, oder sogar die Verknüpfung mit der Vergangenheit einer Nation, die keinen Krieg mehr will, aber in internationale Konflikte und Waffendeals reingezogen wird, Truppen in Afghanistan, jede Menge Spionage. Da ist von Homeland bis House of Cards so ein breiter Bereich möglich – ich kann mir gar nicht vorstellen, dass so etwas nicht an Netflix herangetragen wurde.“

Diese breitgefächerten und hochspannenden aktuellen Themen wecken auch bei anderen Autoren Hoffnung: „Gerade in politischen Stoffen liegt eine große Chance, denn aktuelle Politik wird im deutschen Film nicht thematisiert, weil die Branche am Tropf der Politik hängt“, heißt es in Zustimmung auf Kollers Kopfschütteln. Die Hoffnung liegt hier weniger in der Internationalität, sondern mehr darin, dass Netflix dort reingrätscht, wo großer Mangel im deutschen Fernsehen herrscht. Der Fokus auf packende und beim Zuschauer hochgradig beliebte Geschichte solle dem deutschen medialen Status Quo „den Krieg erklären“ – und damit den Zuschauer hierzulande emanzipieren von Krimi-Dauerschleife und heiler Jägerzaunhüter-Welt.

Im Kern geht es also letztendlich einfach immer um sehr gut erzählte Geschichten mit einer einzigartigen Prämisse. Nichts anderes bedeutet nämlich „internationales Appeal“. Die Beispiele dafür, dass internationale Marktfähigkeit und zeitgemäße Themen kein Zauberding sind, sind vielfach: das norwegisch-amerikanische Lilyhammer, die schwedische Roboterdrama-Serie Äkta människor (Real Humans – Echte Menschen), die dänischen Krimiserien Forbrydelsen (The Killing, hier bekannt als Kommissarin Lund – Das Verbrechen) und The Bridge (hier bekannt als Die Brücke – Transit in den Tod), die beide in den USA neu gedreht wurden, die französische Wiederkehrer-Drama-Serie Les Revenants (US-Remake in Arbeit), die israelische Thrillerdrama-Serie Hatufim (Prisoners of War – Vorlage für das US-Remake Homeland) oder die israelische Dramaserie BeTipul (die Vorlage für In Treatment). Sie alle zeigen, dass deutsche Serien-Produktionen längst von kleinen Fernsehnationen überholt wurden. Ach, und House of Cards ist natürlich ein Remake der gleichnamigen britischen Polithriller-Miniserie von 1990.

Der wichtigste Moment deutscher TV-Geschichte?

Für die hiesigen Sender ist Netflix’ Zurückhaltung ein Grund zum vorläufigen Aufatmen. Noch müssen sie sich nicht dem modernen Vergleich im eigenem Territorium stellen. Und noch fehlt dem Publikum der Beweis, dass auch mit deutschen Autoren, deutschen Produzenten und deutschen Schauspielern packendes, serielles TV-Erzählkino auf dauerhaft hohem Niveau und losgelöst von sicheren Übungsschauplätzen wie Krimi (Tatort), DDR (Weißensee) oder Drittem Reich (Unsere Mütter, unsere Väter) möglich ist.

Dass Netflix jetzt zögert, kann aber gleichzeitig die Chance sein, die Zeit zu nutzen und sich auf ein internationales Niveau zu hieven, bevor uns erst die Amerikaner zeigen müssen, wie es geht. Die vernichtende Reaktion des Streamingdiensts auf deutsche Serien-Qualität ist der vielleicht notwendige Spiegel, der deutschen TV-Machern vor Augen führt, wo sie im internationalen Vergleich aktuell stehen. Und soweit zu hören ist: Netflix empfängt auch weiter deutsche Produzenten. Manche der eingereichten Stoffe sind – entgegen der öffentlichen Interpretation – auch noch nicht abgesagt worden. Und es geht Netflix langfristig gesehen womöglich nicht nur ums deutsche Fernsehen, sondern vielleicht auch um Koproduktionen mit dem hiesigen Kino.

So schnell wird der Streaming-Gigant sein Image als Heilsbringer also nicht los. Doch es besteht die Gefahr, dass sich deutschen Produzenten und Autoren von einem Tropf nur an den nächsten hängen lassen. Dabei könnte jetzt, wo Netflix noch zögert, der vielleicht wichtigste Moment in der neueren deutschen TV-Geschichte sein. Die Zeichen der Zeit lassen eigentlich nur einen Schluss zu: Nationale Produktionen müssten sich in Qualität, Anspruch, Modernität und Zuschauerbegeisterung gegenseitig überbieten wollen. Noch ist Zeit, neue Eigenständigkeit und neues Selbstvertrauen in das eigene Können aufzubauen. Dann muss man künftig auch nicht mehr als Bittsteller an Investoren und Sender herantreten, sondern könnte derjenige sein, von dem Investoren und Sender unbedingt etwas haben wollen und sich gegenseitig in ihren Angeboten überbieten.

In einer Zeit permanenten Zuschauerschwunds, in der Sender und Content-Anbieter nach starken Marken und Inhalten mit großer Zuschauerbindung suchen, würde das Pushen der erzählerischen Qualität deutscher Fiktion auf neue Level nicht nur ein neu belebtes deutsches Fernsehen generieren. Es wäre auch die Chance, in der dann qualitativ hoffentlich großen Masse genau in größerer Kontinuität jene nochmals herausstechenden Einzelfälle zu finden, die internationales Niveau erreichen und um die uns die Welt beneiden kann.

Denn die größte Frage ist am Ende: Was hat Deutschland der Welt Spannendes zu erzählen?

Dieser Beitrag wurde zuerst auf Genrefilm.net veröffentlicht und erscheint hier mit freundlicher Genehmigung des Autors.


Image (adapted) „052:365 – 06/21/2012 – Netflix“ by Shardayyy (CC BY 2.0)

 


 

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Videokolumne: Über Pädophilie, Qualitätsfernsehen und große Fragen

In der Videokolumne geht es heute um das Andenken an Michael Glawogger, existenzielle Gespräche von Puppen und das Leben eines jungen Mannes mit pädophilen Neigungen. // von Hannes Richter

Michael Glawogger

Ab und zu gibt es in der Videokolumne auch Radioprogramme, die sich zum Beispiel in den Mediatheken der ARD finden lassen. In diesem hier aus den USA geht es um einen jungen Mann, der sich zu Kindern hingezogen fühlt und einen mutigen Weg findet, damit umzugehen. Die Radio-Reihe This Is American Life beschäftigt sich mit Geschichten und Lebenswegen abseits dessen, was in den üblichen Medien gezeigt wird. Ähnliches läst sich über den kürzlich verstorbenen Filmemacher Michael Glawogger sagen. Wie groß der Verlust für das Kino ist, lässt sich erahnen, wenn man sich die Zeit nimmt und ihm eine Stunde zuhört. Kürzer ist das komplett improvisierte Gespräch zwischen Kermit dem Frosch und Fozzy Bear und der Film Burton und Taylor zeigt, dass es manchmal doch Qualitäts-TV aus Übersee ins deutsche Fernsehen schafft.

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Videokolumne vom 19. Januar 2014

Bildempfangsstörung (Bild Paulae [CC-BY-3.0], via Wikimedia Commons)

In der Videokolumne diese Woche: NDR und SZ zeigen den Geheimen Krieg der USA (gegen wen eigentlich?), arte zeigt einen Nacktmull und Jean Genet zu viel für seine Zeit. // von Hannes Richter

Es ist so eine Sache mit den Mediatheken und Videoplattformen: Für viele Digital Natives sind sie schon Fernsehersatz – vieles ist überall abrufbar, manches aber nur auf Zeit: Gerade die öffentlich-rechtlichen Programme in den Mediatheken der Sender sind oft nach einer Woche wieder offline. Verlängertes Fernsehen statt digitales Archiv. Bevor sie verschwinden, fischt Hannes Richter die besten Perlen des TV-Vielfalt aus den Online-Archiven und präsentiert sie in seiner wöchentlichen Kolumne.

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