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Telekom präsentiert „ELI’s Traum wird wahr – Im besten Telekom Netz“

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Es fing alles mit einem Traum an. Schon als Kind war es der größte Wunsch von Elias Breit – aka “ELI” – seine Musik mit so vielen Menschen wie möglich zu teilen. Denn die kann sich auch definitiv hören lassen – ELI hat eine unverwechselbare Stimme.

Es gibt keinen Plan B

ELI lebt für die Musik. Der 20-jährige tritt schon seit seinem 15. Lebensjahr als Musiker auf, übte erst nur zuhause und versuchte sich dann als Straßenmusiker. Mit der E-Gitarre hat es angefangen, später kam durch Youtube-Tutorials das Klavier dazu. In Sache Gesang ist ELI Autodidakt – Unterricht hatte er darin noch nicht und Noten lesen kann er laut eigener Aussage auch nicht wirklich. Aber das braucht er auch nicht – mit seinem Talent überzeugt der Singer-Songwriter definitiv!

In seiner Wahlheimat Berlin will sich der Kölner jetzt ganz und gar auf seine Musik-Karriere konzentrieren – denn einen Plan B gibt es nicht. ELI’s Ziel ist es von seiner Musik zu leben.

Verstecktes Talent im großen Rampenlicht

Die aktuelle Telekom-Kampagne hat es ELI möglich gemacht, seinen Traum zu verwirklichen. Sein erstes großes Konzert am 28.04 wurde für den Straßenmusiker und die Zuschauer zu einem ganz besonderen Erlebnis. Die Telekom übertrug diesen unvergesslichen Moment für den aufstrebenden Musiker nämlich live und deutschlandweit im besten Telekom Netz!

“Change your Mind” – der Song aus dem Werbespot

Im Zentrum der Kampagne steht ELI’s Song “Change your Mind”, den er mit einem guten Freund zusammen geschrieben hat. Der Song handelt von Verlust, Abschied, aber auch Hoffnung – jemandes Meinung zu ändern, der eigentlich schon aufgegeben hat. ELI hat seinen Traum der Musik nie aufgegeben und mit Telekom und MagentaMusik 360 hat er es geschafft seine Musik einem Weltpublikum zu zeigen.


Images by Telekom

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  • NETZNEUTRALITÄT t3n: USA schaffen Netzneutralität ab: Auch die massiven Proteste haben nichts genützt, jetzt ist es beschlossene Sache: die Netzneutralität in den USA ist Geschichte. Mit drei zu zwei Stimmen hat die Federal Communications Commission der USA das Aus der Netzneutralität beschlossen. Erst 2015 wurden unter der Obama Regierung strikte Regeln für die Durchsetzung der Netzneutralität eingeführt. US-amerikanische Internet-Nutzer bangen jetzt um das freie Internet. Bereits Anfang des Jahres wurde der Schritt vom FCC-Vorsitzenden Ajit Pai – für das Amt von Donald Trump persönlich vorgeschlagen – angekündigt. Netzneutralität-Befürwörter fürchten jetzt ein Zwei-Klassen-Internet, die Gegner sehen allerdings keine Gefahr um ein freies Internet.

  • APPLE t-online: Apple kauft Musikerkennungs-App Shazam: Ihr mögt einen Song, wisst aber nicht wie er heißt – da kommt die App Shazam ins Spiel. Sie kann auf Knopfdruck erkennen, welcher Song zu hören ist. Mit der Musikerkennungs-App ist dem Konzern Apple jetzt eine wertvolle Übernahme gelungen. Rund 400 Millionen Dollar soll Apple für Shazam laut der Financial Times auf den Tisch gelegt haben. Das soll sich lohnen, denn durch die App verspricht sich Apple einen besseren Einblick auf den Musikgeschmack der User zu erlangen. Das macht Geschmacks orientiertes Marketing einfacher. Apple verspricht gemeinsame Pläne für die Zukunft und die hauseigene KI Siri greift bereits auf den Dienst zurück, wenn man sie nach einem Song fragt.

  • NETZDG handelsblatt: Angriff auf das Anti-Hass-Gesetz: Das Netzwerkdurchsetzungsgesetz – kurz NetzDG – ist umstritten. Die Fraktionen der Linken, FDP und der AfD arbeiten derzeit deswegen an eigenen Gesetzentwürfen, um am NetzDG zu rütteln. Das Gesetz soll gegen Hass-Kommentare in sozialen Medien schützen. Nicht überraschend also, dass die AfD dies torpedieren möchte. Das NetzDG war erstmals zum 1. Oktober in Kraft getreten. Es verpflichtet Online-Netzwerke strafbare Inhalte umfassender zu bearbeiten und sie schneller zu löschen.

  • GOOGLE zeit: Danach haben die Deutschen 2017 gegoogelt: Das Ende des Jahres nähert sich mit schnellen Schritten und da bleiben diverse Jahresrückblicke auch nicht fern. Der global am häufigsten gegoogelte Suchbegriff war Hurrikan Irma. Was haben die deutschen im Jahr 2017 am häufigsten in die Suchmaschine eingetippt? Ganz vorne bei den beliebtesten Suchanfragen sind dabei der G20-Gipfel, Bitcoin, die Bundestagswahl und die erst am 1. Dezember stattgefundene WM-Auslosung. Im vergangenen Jahr waren EM 2016 und Pokémon Go die Suchbegriffe des Jahres.

  • NETFLIX welt: Dieser Deal ist eine Kampfansage an Netflix: Der Deal ist durch und das Timing könnte nicht besser sein! Der Unterhaltungskonzern Disney hat jetzt angekündigt große Teile des Medienkonzerns 21st Century Fox zu übernehmen. Der Mega-Deal beschert dem Konzern hinter der Maus nicht nur die Rechte an den X-Men, die durch Fox bisher aus dem Marvel-Filmuniversum ferngehalten wurden, sondern auch an Serien wie den Simpsons oder Modern Family. Vor allem kann der Schritt aber als indirekte Kampfansage an Netflix und Co. angesehen werden. Erstkürzlich verkündigte Disney die Pläne eines eigenen Streaming-Dienstes. Mit den diversen, nun eigenen Lizenzen würde der dann ernsthafte Konkurrenz für andere Anbieter darstellen.

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  • DARKNET wired: Revierkrieg im Darknet – Jemand greift die Schwarzmärkte an: Das Darknet steht unter Beschuss. Die IT-Forscherin Emily Wilson bemerkte jetzt eine Angriffswelle auf Märkte des Darknets und beobachtete, wie sich das Chaos ausbreitete. Betroffen sind der Handel mit Kinderpornographie, Daten- und Waffen und vor allem aber das Drogengeschäft. Die aktuellen Angriffe sind der bisherige Höhepunkt einer Reihe von DDoS-Attacken auf die Märkte.Jetzt wird nach Ursachen und vor allem Verantwortlichen gesucht. Am wahrscheinlichsten halten Experten derzeit eine Art Darknet-Revierkrieg.

  • STARTUPS gruenderszene: Wie zwei Startups die Bahn zur Pünktlichkeit erziehen wollen: Die Deutsche Bahn ist leider nicht dafür bekannt, besonders pünktlich zu sein. Zwei Startups aus dem Mindbox-Accelerator haben sich dieses Problems angenommen und wollen Verspätungen künftig vermeiden. Beim Mindbox Accelerator Programm können sich innovative Startups bewerben, um durch die Deutsche Bahn unterstützt zu werden. Das Startup Konux will Sensoren in Eisenbahn-Schwellen einbauen, um so Reperaturen voraussagen zu können und Verspätungen zu vermeiden. Das Berliner Startup Siut will lästige Verspätungen mit einer Fahrgast-Ampel umgehen.

  • NETZNEUTRALITÄT zeit: US-Behörde will offenbar Netzneutralität stark einschränken: Unter der Trump-Regierung haben schon so einige Regulierungen gelitten. Nun will der vom US-Präsidenten neu ernannte Präsident der US-Kommunikationsbehörde Obamas Regeln zur Netzneutralität abschaffen. Der Präsident der Federal Communications Commission, Ajit Pai, verkündigte in einem Statement im Dezember eine Neu-Abstimmung zum Entwurf „Anordnung zur Wiederherstellung der Freiheit im Internet“. Die aktuellen Regulierungen würden aus Sicht der Republikaner Innovation hemmen, wohingegen sich Demokraten weitesgehend für Netzneutralität und Regeln für ein freies Internet aussprechen.

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  • GOOGLE t3n: Google baut den allwissenden und allgegenwärtigen Computer: Das Thema “Künstliche Intelligenz” scheint derzeit in aller Munde zu sein. Auf der hauseigenen Entwicklerkonferenz „Google I/O“ hat der Internet-Konzern jetzt ihre Vision einer allgegewärtigen KI vorgestellt. Der „Google Assistent“ soll in dirketer Konkurrenz mit den Systemen von Apple, Amazon und Facebook stehen. Es gehe um den Übergang von einer Welt, in der sich alles um das Smartphone dreht, zu einer, die von künstlicher Intelligenz bestimmt werde, sagte Google-Chef Sundar Pichai auf der Konferenz.

  • AMAZON computerbild: Amazon Channels: Pay-TV-Plattform in Deutschland gestartet: Amazon startet jetzt den Angriff auf Pay-TV-Plattformen und Konsorten. Das neue Konzept “Amazon Channels” bietet zubuchbare Bezahl-Programme und ist für Prime-Mitglieder zugänglich. Gegen eine geringe Gebühr – zusätzlich zur Prime-Gebühr – können Mitglieder über Amazon Channels Angebote von Drittanbietern dazubuchen. Damit breitet sich Amazon weiterhin auf dem Streaming-Markt aus, nachdem schon jahrelang mit Platzhirsch Netflix konkurriert wird.

  • FACEBOOK zeit: Zehn Sekunden für eine Entscheidung: Der britische “Guardian” hat jetzt Einblicke in die Arbeit der Facebook-Prüfer offenbart. Veröffentlicht wurden Anleitungen, mit denen die Facebook-Angestellten auf das Prüfen von Inhalten auf der Plattform geschult werden. Die Dokumente geben einen Einblick in den intransparenten internen Umgang bei Facebook mit potenziell anstößigen Inhalten. Der gerät immer wieder in den Fokus, wenn das Unternehmen etwa bestimmte Bilder löscht oder Hassbotschaften stehen lässt.

  • SMART HOME heise: Kombisensor soll ganze Räume smart machen: Es scheint so als würde der Markt gerade mit Smart Home Artikeln überflutet werden und um ein gänzlich intelligentes Heim zu haben brauche man wohl diverse Geräte. US-Forscher Gierad Laput von der Carniege Mellon Universtity hält das für zu teuer und kompliziert und hat jetzt mit einem kleinen Team den „Supersensor“ entwickelt und gebaut. Er soll als Einzelstück im Raum platziert werden und kann Bewegung, Geräusche, Luftdruck, Feuchtigkeit, Temperatur, Lichtintensität sowie elektromagnetische Interferenzen detektieren.

  • MOBILFUNK welt: Stiftung Warentest identifiziert Deutschlands schlechtestes Handynetz: Wie gut sind wir in Deutschland wirklich vernetzt? Die Stiftung Warentest hat das deutsche Mobilfunknetz erneut Tests unterzogen. Im Vergleich zum Vorjahr seien zwar alle Netze grundsätzlich besser geworden, eines hinkt vergleichsweise immer noch hinterher und auch auf dem Land gibt es nach wie vor Schwächen bei Telefon- und Datenverbindungen. Getestet wurden unter anderem Sprachqualität, Geschwindigkeit des Rufaufbaus, Webseitenaufbau, Downloadgeschwindigkeit und Videostreaming bei den drei deutschen Netzbetreibern.

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  • DATA heise: Dynamische IP-Adressen sind laut BGH personenbezogene Daten: Der Bundesgerichtshof (BGH) hält dynamische IP-Adressen von Website-Besuchern für datenschutzrechtlich geschützte personenbezogene Daten. Dies stellt das höchste deutsche Gericht in einem heute gesprochenen Urteil klar. Es folgt damit einem im Oktober 2016 ergangenen Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) in derselben Sache. In dem Fall geht es um eine gerichtliche Auseinandersetzung des Piraten-Politikers Patrick Breyer gegen die Bundesrepublik Deutschland. Breyer möchte, dass die Websites des Bundes aufhören, IP-Adressen der Besucher ohne Einwilligung drei Monate lang zu speichern und damit Tracking zu ermöglichen. Letztlich geht es dem Datenschützer um ein generelles Verbot von IP-Logging ohne konkrete Einwilligung.

  • HASS golem: Facebook-Gesetz auf der Kippe : Heiko Maas (SPD) will noch in dieser Legislaturperiode das sogenannte „Facebook-Gesetz“ beschließen lassen. Allerdings ist die Frist dafür bereits verstrichen – streng genommen wäre der letztmögliche Termin Mitte Februar gewesen. Er ist dennoch zuversichtlich, dass das Gesetz noch beschlossen werden könnte. Jedoch droht schon jetzt Kritik von Seiten der CDU sowie von anderen SPD-Politikern.

  • TWITTER t3n: Twitter: Mitgründer Biz Stone kehrt zurück Im März 2006 hatte Jack Dorsey gemeinsam mit den Co-Gründern Biz Stone und Evan Williams den Microblogging-Dienst Twitter. Dorsey trat 2008 als CEO zurück, den Posten übernahm Williams, der ihn im Herbst 2010 wieder abgab. Biz Stone verließ Twitter im Jahr 2011. Jetzt, knapp zwei Jahre nach Jack Dorsey, kehrt Stone zu Twitter zurück, wie er am Dienstag in einem Blogeintrag bei Medium bekannt gab. In ein paar Wochen starte er „full time“ bei Twitter, schreibt Stone. Er werde sich künftig um die Unternehmenskultur kümmern – „that energy, that feeling“. Der genaue Jobtitel von Stone ist unklar, einem Insider zufolge, den Recode zitiert, wird der Twitter-Co-Gründer unter CMO Leslie Berland arbeiten und ihr bei der internen Kommunikation und dem Aufrechterhalten der Moral in der Firma helfen.

  • APPLE Welt: Apple kurz vor Vorstellung von drei neuen MacBooks : Apple wird wohl bei der Entwicklerkonferenz im Sommer drei neue Laptops vorstellen. Das berichtet der Nachrichtendienst Bloomberg unter Berufung auf mehrere mit den Vorgängen vertrauten Menschen. Das MacBook Pro wird einen schnelleren Kaby-Lake-Prozessor von Intel bekommen, sagten die Insider. Apple arbeitet auch an einer neuen Version des 12-Zoll-MacBooks mit schnelleren Intel-Prozessoren. Zudem werde im Unternehmen auch über eine verbesserte Version der populären 13-Zoll-Version des MacBook Air nachgedacht. Die Nachfrage nach Apples günstigstem Notebook ist überraschend stark, sagte einer der Insider. Weder Apple noch Intel wollten die Informationen zunächst kommentieren.

  • CYBERMOBBING Zeit: Ist doch nicht so schlimm, machen doch alle: Eine am Dienstag veröffentlichte, nicht repräsentative Studie des Bündnisses gegen Cybermobbing kommt nach Befragung von über 3.000 deutschen Eltern, Lehrern und Schülern zum Ergebnis: Etwa 13 Prozent der Schüler sind schon online gemobbt worden. Auf einen ähnlichen Befund kam die Entwicklungspsychologin Anja Schultze-Krumbholz. Sie hatte in ihrer Dissertation verschiedene deutsche Studien verglichen.
    Laut Bündnis gegen Cybermobbing sind 14-Jährige am häufigsten betroffen, aber auch 7-Jährige machen schon Erfahrungen mit Cybermobbing. Jeder zehnte Lehrer sagt, er habe regelmäßig damit zu tun, jeder zweite Lehrer habe es schon einmal erlebt.

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Wir sollten die Demokratie digital upgraden #D2030

Bürokratie (adapted) (Image by Geisteskerker [CC0 Public Domain] via pixabay)

Als #KönigvonDeutschland würde Dirk Helbing einen digitalen Katalysator bauen, der uns alle befähigt, bessere Entscheidungen zu treffen, kreativer und innovativer zu sein, sowie die Koordination untereinander auf eine höhere Qualitätsstufe zu stellen. Co-Kreation, kollektive Intelligenz und Co-Evolution sind die Stichworte, die der Professor für Computational Social Science an der ETH Zürich beim netzökonomischen Diskurs der D2030-Initiative thematisierte. Um das zu erreichen, braucht man Plattformen und digitale Assistenten, die sich in den Dienst der res publica stellen und nicht von einzelnen Unternehmen dominiert werden.

Kombination von smarten Technologien mit smarten Bürgerinnen und Bürgern

Wir können die Demokratie digital upgraden“ , so Helbing. Damit meint er nicht die Projekte in Bund, Ländern und Kommunen unter der Überschrift E-Government: Statt intelligente Plattformen zu schaffen, wurde nach dem Prinzip „Bürokratie im Netz“ die Flut von Formularen und Anordnungen einfach online abgebildet. Das Ganze wird zu Tode verwaltet.

Wir benötigen die Kombination von smarten Technologien mit smarten Bürgerinnen und Bürgern. So etwas kann man der Politik nicht alleine überlassen. Für so etwas brauchen wir Investitionen, Kooperationen und eine breite Beteiligung der Bevölkerung“ , betont Helbing in der D2030-Gesprächsrunde.

Res publica-Supercomputer

Wie könnte die Kombinatorik von kollektiver Intelligenz, Big Data und so eine Art res publica-Watson-Supercomputer aussehen? Helbing schweben dezentral organisierte MOODs vor – also Massive Open Online Deliberation Platforms. Virtuelle Verhandlungstische für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

MOODs könnten genutzt werden, um innovativere Politikansätze auszuarbeiten, die über das einfache Mehrheitsprinzip hinausgehen. Es sollen verschiedene Perspektiven integriert werden, die nicht auf der Interessen- und Umverteilungspolitik von minimalen Mehrheiten basieren.

Bei den verschiedensten komplexen Herausforderungen wurde schon oftmals gezeigt, dass in der Kombination von Ideen und in der Interaktion zwischen Menschen sowie von Menschen und Maschinen die besten Resultate erzielt werden können. Ein solcher Ansatz kann nicht nur die Entfaltungsmöglichkeiten vieler Bevölkerungsgruppen und kombinatorische Innovation fördern, sondern auch für eine möglichst große Chancengleichheit und eine ausgeglichene Zufriedenheit unter den Bevölkerungsgruppen sorgen“ , so Helbing.

Komplexe gesellschaftliche Strukturen benötigen Ideenpluralismus und kombinatorische Innovation

Dazu brauche man allerdings die Wissenschaft. Die Komplexität der Welt wachse schneller als die Rechnerleistungen. „Wir brauchen einen anderen Steuerungsansatz mit verteilter Kontrolle und mehr Partizipation. Nur eine pluralistische Gesellschaft ist wandlungsfähig, resilienter und entwickelt mehr kollektive Intelligenz“, sagt Helbing.

Digitale Demokratie sei dann erfolgreich, wenn es gelingt, die digitalen Möglichkeiten so zu nutzen, dass die Ideen von Habermas oder Fishkin zur deliberativen Demokratie umgesetzt werden. Statt einer datengetriebenen Politik basierend auf zentraler Top-Down-Kontrolle und globalen Einheitslösungen plädiert Helbing für einen Weg, der die Komplexität und Vielfalt zu unseren Gunsten nutzen kann – durch den Aufbau von dezentralisierten Kooperationsnetzwerken.

Diskursmöglichkeiten in polarisierten Gesellschaften

In jüngster Zeit wurde mehrfach hervorgehoben, dass in polarisierten Gesellschaften die Suche 51 Prozent-Mehrheiten keine geeignete Lösung darstellt, da sie zu einer Diktatur der Mehrheit über die Minderheit führen kann.

Zusätzlich haben besonders knappe Resultate – man nehme die Abstimmung zum Brexit oder zur Masseneinwanderungsinitiative in der Schweiz – zu Protesten geführt, weil man die Aussagekraft der Resultate und die Fairness des politischen Prozesses anzweifelt. Heute können die Bürgerinnen und Bürger zu einer komplexen, vielschichtigen Frage meist nur ‚Ja‘ oder ‚Nein‘ sagen. Ja oder Nein reicht jedoch oft nicht“ , führt der ETH-Professor aus.

Mit digitalen Plattformen könnten sich die Menschen mit der Komplexität von Politik auseinandersetzen und verstehen eher die Notwendigkeit von diversifizierten Politikansätzen.

Am Ende eines Deliberationsprozesses kann es immer noch einer Mehrheitswahl bedürfen. Aber zu diesem Zeitpunkt enthielte der Lösungsansatz bereits einen substantiellen Anteil an Ideen und Präferenzen der Bürgerinnen und Bürger und es käme daher viel seltener zu polarisierten Ergebnissen.
MOODs haben einen weiteren, gewichtigen Einfluss auf die Modernisierung der Politik. Sie erlauben es, den Puls der Zeit viel schneller aufzunehmen und so rasch auf neue Herausforderungen einzugehen. Die technologische Entwicklung ist heute mitunter rasant und die Politik hinkt oft hinterher. Mittels MOODs wird der Austausch der Technologie-Avantgarde mit Politik und Verwaltung vereinfacht und institutionalisiert“ , erläutert Helbing, Mitglied des D2030-Fachbeirats.

Fakten-Checks mit Künstlicher Intelligenz

MOODs sollten moderiert werden durch von der Gemeinschaft gewählte Moderatorinnen und Moderatoren, um faire und konstruktive Diskussionen zu ermöglichen. Künstliche Intelligenz könne dazu genutzt werden, auffällige Aktivitäten zu erkennen und damit Chat-Roboter und Ghostwriter zu enttarnen. Künstliche Intelligenz könnte zudem die verschiedenen Argumente in einer Diskussion sortieren und organisieren und so zu einer ausgewogenen und übersichtlichen Diskussion beitragen. Also Fakten-Checks, die nicht willkürlich von staatlichen oder privaten Organisationen betrieben werden.

Digitale Demokratie könnte nach Ansicht von Helbing einige der wichtigsten Errungenschaften unserer Gesellschaft wiederbeleben: Selbstbestimmung, Freiheit, Gewaltenteilung, Chancengleichheit, soziale Partizipation und Mitbestimmung sowie Diversität und gesellschaftliche Resilienz. Wer MOODs aufbaut, technologisch zur Blüte bringt, weiterentwickelt, finanziert und organisiert, sollte noch intensiver debattiert werden. Da sehe ich noch einige Fragen, die in der D2030-Initiative aufgegriffen werden sollten. Schließlich will man Impulse geben, Staat, Demokratie, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft neu zu denken. Etwa über den Online-Dialog, der vergangene Woche gestartet wurde auf dieser Webseite. Das Notiz-Amt wird diesen Diskurs begleiten. Man hört, sieht und streamt sich spätestens auf dem Zukunftskongress in Berlin, der am 6. und 7. Juli stattfindet.


Image (adapted) „Bürokratie“ by Geisteskerker (CC0 Public Domain)


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China: Das Reich der Internetzensur

Zensur (adapted) (Image by stevepb [CC0 Public Domain] via pixabay)

Knapp jeder fünfte Internetnutzer auf der Welt sitzt hinter dem weltweit größten und ausgeklügelten System für Netzzensur. Im Internet-Freiheits-Ranking der Nichtregierungsorganisation Freedom House belegt China dank massiver Anstrengungen, bestimmte Inhalte aus der Wahrnehmung der eigenen Bürger zu streichen, weltweit den letzten Platz. Aufgrund Chinas ökonomischer Stärke und dem ausgeprägten politischen Willen, neueste Technik zur Verhinderung von Protesten zu nutzen, ist das chinesische System zum – wie es beschönigt heißt – „sozialen Management“ durchaus bemerkenswert.

Vor allem seit den Aufständen des Arabischen Frühlings, bei denen Social Media durchaus eine wichtige Rolle spielte, ist die chinesische Führung aufgrund der potenziellen Macht digitaler Kanäle besorgt. Hinzu kommt ein schwach ausgeprägtes Bewusstsein für Menschenrechte im Land, sodass die Zensurhürden für das Regime vor allem technischer Natur sind. Schon die Enthüllungen von Edward Snowden zeigten, dass selbst in liberalen Demokratien eine umfassende Überwachung möglich ist – und der öffentliche Aufschrei und die politischen Konsequenzen sich in Grenzen halten.

The Great Firewall of China

Selbst unternehmerische Riesen wie Google kommen nicht gegen die Macht des chinesischen Regimes an, das bereits wenige Monate nach dem Start des Internet im Land mit dem Blockieren von Websites begonnen hat. Schon 1997 prägte das Magazin Wired einen plakativen Begriff für die chinesischen Zensurmaßnahmen im Netz: „The Great Firewall of China“ – in Anlehnung an die bekannteste Sehenswürdigkeit des Landes. Das heutige System existiert in seiner Form jedoch erst seit Anfang der 2000er und setzt sich auch verschiedenen Komponenten zusammen. Die Blockade von unerwünschten Webseiten ist ein Standbein chinesischer Zensurbemühungen: von den 1.000 meistbesuchten Internetseiten der Welt werden laut der Nonprofit-Organisation Greatfire.org 176 in China blockiert. 15 der 18 global operierenden Nachrichtenseiten sind ebenfalls nicht zugänglich.

Dasselbe Bild ergibt sich bei sozialen Netzwerken. Von den 15 Diensten mit der weltweit größten Nutzerbasis werden sieben blockiert – davon profitiert natürlich vor allem die chinesische Internetindustrie. Fünf dieser acht nicht gesperrten Social Media-Anbieter stammen aus China. Prinzipiell hat man in China als Social Media-Anbieter nur zwei Möglichkeiten: sich aus dem aufgrund seiner Größe attraktiven Markt zurückziehen oder im Sinne des Regimes für das Verschwinden unerwünschter Inhalte sorgen.

Allerdings lässt sich die „Great Firewall“, die auch die Blockade bestimmter Ausdrücke wie „Tiananmen“ bzw. „June 4“ (Keyword Blocking) beinhaltet, durchaus mithilfe von VPN-Diensten oder schlicht der Nutzung anderer Ausdrücke für geächtete Begriffe umgehen. In keinem anderen Land der Welt gibt es so viele VPN-Nutzer wie in China. Zwar werden auch diese regelmäßig blockiert, jedoch lässt die chinesische Regierung auch Freiräume zu. Darüber hinaus gibt es für sämtliche amerikanische Social Media-Dienste chinesische Pendants, auf denen die Bürgerinnen und Bürger weitgehend unbeeinflusst von der Blacklist der Behörden kommunizieren können. Der Einfluss der „Great Firewall“ auf die öffentliche Meinungsäußerung ist laut Forschern entsprechend gering. Hierfür hat das chinesische Regime ein deutlich effektiveres System entwickelt.

Kritik zulassen, Proteste verhindern

Interessanterweise fand die Sperrung großer sozialer Netzwerke oft nach aufsehenerregenden Aufständen statt: YouTube im Nachgang der Proteste in Tibet, Facebook und Twitter nach den Unruhen in Xinjiang. Hinter diesem Vorgehen der chinesischen Regierung steckt ein größerer Zusammenhang: denn letztlich dürfte die größte Angst des kommunistischen Regimes darin liegen, dass sich Menschen im Internet organisieren und es dadurch zu Protesten kommt. Die entsprechende Handlungsmaxime: solche „kollektiven Handlungen“ („collective action“, wie es in der Forschung heißt) sollen um jeden Preis verhindert werden. Hierfür hat der Staat ein aufwändiges System der Nachzensur kreiert, das beinahe mit militärischer Präzision funktioniert. Der Großteil der Nachzensur erfolgt innerhalb von nur 24 Stunden, die das Potenzial zu „kollektiven Handlungen“ haben. Vor allem die Betreiber sozialer Netzwerke sind hier in der Pflicht: beim chinesischen Twitter-Pendant Weibo sind laut Berichten 150 Mitarbeiter in Zwölf-Stunden-Schichten für die Zensur verantwortlich.

In einer bahnbrechenden Studie gelang es Forschern der Harvard University vor einigen Jahren den weitverbreiteten Irrglauben zu widerlegen, dass das Zensieren regimekritischer Stimmen das oberste Ziel sei. Gary King, Jennifer Pan und Margarete Roberts fanden mithilfe einer umfangreichen Vorher-Nachher-Analyse chinesischer Social Media-Posts heraus, dass sich die Zensur positiver und negativer Kommentare zum Regime über alle untersuchten Themen hinweg die Waage hält. Bei heiklen Sachverhalten wird im Schnitt gerade mal jeder vierte Post zensiert, über alle Themen hinweg 13 Prozent. Solche Themen allerdings, die potenziell zum Zusammenschluss von Menschen führen könnten, kommen auf eine 60-prozentige Zensurquote – egal ob Pro oder Contra. Vor allem nach bestimmten Ereignissen wie der Verhaftung des Dissidenten Ai Weiwei schießen die Zensurmaßnahmen entsprechend der höheren öffentlichen Aufmerksamkeit in die Höhe. Die Schlussfolgerung: schlecht auszusehen scheint für das Regime nicht schlimm zu sein, solange man kollektives Handeln unterbinden kann.

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Image by King/ Pan/ Roberts (2013), How Censorship in China Allows Criticism but Silences Collective Expression: S. 337

Gezielte Ablenkung

Einen weiteren Beweis dafür, dass das chinesische Regime die Mechanismen des Internet verstanden hat, ist eine erst kürzlich erschienene Studie, ebenfalls durchgeführt vom Harvard-Dreigespann rund um Gary King. Ein weiteres Standbein der Verhinderung kollektiver Handlungen ist das Prinzip der systematischen Ablenkung. Lange wurde die sogenannte „50c-Party“ verdächtigt, gegen Bezahlung (50 Cent pro Post) positive Kommentare über das Regime zu verfassen – dafür gab es jedoch keine Beweise, weshalb vor allem Gerüchte die Berichterstattung dominierten.

Die Harvard-Forscher analysierten vor kurzem einen umfangreichen Leak aus dem Büro für Internetpropaganda, wobei sich zwei Umstände offenbarten. Erstens, die „50c-Party“ existiert und besteht hauptsächlich aus Regierungsmitarbeitern. Zweitens, das Verfassen der geschätzt 448 Millionen Posts jährlich hat nicht das Ziel, gegen skeptische Stimmen zu argumentieren, sondern für Ablenkung zu sorgen. Das einfache Ziel: die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf andere Themen lenken und bloß nicht die Narrative aus der Hand geben. Hier schließt sich auch wieder der Kreis zur Zensur: solche Kommentare häufen sich ebenfalls nach Ereignissen, die Potenzial für „collective action“ haben.

Zuletzt darf man die Wirkung der Selbstzensur nicht unterschätzen. Social Media-Dienste müssen von ihren Nutzern Realnamen und die persönliche ID verlangen, die dann mit den Datenbanken der Behörden abgeglichen werden. Das Verbreiten von Gerüchten wird beispielsweise drakonisch bestraft, Aktivisten werden für ihre Handlungen verhaftet, Webseiten werden von Hackern angegriffen. Solche Maßnahmen führen natürlich dazu, dass Menschen sich auf Social Media-Kanälen eher zurückhalten.


Image (adapted) „Zensur“ by stevepb (CC0 Public Domain)


 

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Tandem: Bannflüche statt Mediation im Netz – Große Lücke für Internet Governance

Verbot (adapted) (Image by Martin Abegglen) [CC BY-SA 2.0] via flickr

Sie spielen Polizei, Geheimdienst, Sittenwächter, Zensor, Staatsanwalt, Richter und initiieren mittelalterliche Prangermethoden zur Verbannung von vermeintlichen Querulanten. Gaming-Anbieter, Netz-Giganten und Betreiber von Social Networks mutieren immer mehr zum Staat im Staate unter Missachtung rechtsstaatlicher Regeln.

Sie instrumentalisieren Allgemeine Geschäftsbedingungen für Sanktionen, schließen Nutzer willkürlich aus und erteilen nach Belieben Ermahnungen, gegen die sich keiner so richtig wehren kann. Was macht ein professioneller Computerspieler, der von der Gaming-Community unter Duldung des Betreibers in einem „Tribunal“ wie zu Zeiten der Jakobiner-Herrschaft lebenslänglich von der Plattform verbannt wird, weil er als unhöfliche Nervensäge einigen Konkurrenten auf den Keks gegangen ist? Der Betroffene ist hilflos, es gibt keine Schiedsgerichte, Mediatoren oder juristisch saubere Verfahren. Am Ende wirkt der Bannspruch wie ein Berufsverbot.

Schand- und Ehrenstrafen

Es sind Schand- und Ehrenstrafen, die die Reputation vernichten. Ab dem 12. Jahrhundert eine beliebte Methode der Herrschenden, um die Fassade der „ehrbaren“ Bürger zu wahren. Wenn der Delinquent nicht geköpft, erhängt oder gevierteilt wurde, sollte er zumindest der Lächerlichkeit preisgegeben werden. Die bigotte Community vertrieb den Außenseiter. An dieser Stelle folgt meistens der Einwand, dass ja niemand gezwungen sei, die sittenwidrigen Geschäftsbedingungen zu akzeptieren. Es ist wie bei einer Hausordnung. Wer das Hausrecht besitzt, könne auch sanktionieren. Bei einem Music-Club oder einer Bar nehmen wir das leider allzu oft hin, weil es genügend Alternativen gibt. Der Türsteher mokiert sich über meine krumme Nase, Hautfarbe oder mein schlampiges Outfit und lässt mich nicht rein. Wenn Plattformbetreiber meine virtuellen Accounts wegen irgendwelcher Regelverstöße löschen oder sperren, kann das meine komplette Arbeitsfähigkeit gefährden. Werden Applikationen inhaltlich zensiert, bleiben die Grundrechte auf der Strecke.

Betreiber verstecken sich hinter AGB-Prosa

Selbst wenn man sich die Mühe macht, die wenig erfrischende AGB-Prosa der Anbieter zu studieren, müsste danach noch die Konsultation bei einem Anwalt folgen, um am Ende auf den Button zu klicken, der besagt: „Ich habe die Allgemeinen Geschäftsbedingungen sorgfältig gelesen und akzeptiere sie.“ Wie muss ich denn folgende Formulierung interpretieren: „Die vorgenannten Haftungsbeschränkungen gelten nicht in den Fällen zwingender gesetzlicher Haftung – insbesondere nach dem Produkthaftungsgesetz – sowie bei Übernahme einer Garantie oder schuldhaft verursachten Körperschäden“? Hä? So geht es in der Regel noch 500.000 Zeichen weiter. Ohne Jura-Studium mit jahrelangem Besuch von überteuerten Repetitorien kommt man wohl nicht weiter. Und selbst Juristen legen sich bei diesem verschachtelten Gemurmel die Karten. Es sind Gummi-Paragrafen, die den Firmen maximale Bewegungsfreiheit gewähren, um gegen Anwender irgendwelche Knüppel zu schwingen oder sich bei Rechtsstreitigkeiten aus der Affäre zu ziehen.

Sohn & Sohn (Image by Gunnar Sohn)
Sohn & Sohn (Image by Gunnar Sohn)

Sohn vom Sohn verliert Tandem-Community

Was dem Sohn vom Sohn mit dem Dienst Tandem widerfuhr ist symptomatisch für die Ignoranz vieler Angebote, die zwar hipstermäßig im freundlichen Jargon daherkommen und dann auf irgendein nicht nachvollziehbares Denunziantentum von anderen Nutzern mit einer lebenslänglichen Verbannung reagieren. Dabei wollte der Sohn mit der App doch nur koreanisch lernen. Das kollaborative Lernprinzip überzeugte ihn: „Du lernst ihre Sprache, sie lernen deine Sprache. Übe das Zuhören, verbessere deine Aussprache und lerne mit Nativespeakern. Keine Verabredungen, keine Skype-Termine – Tandem-Lernen geht überall und jederzeit.“ Also ein Geben und Nehmen. Nach der anfänglichen Euphorie, einer schnell wachsenden Community und ersten Erfolgen bei einer nicht ganz so einfachen Fremdsprache folgte die Ernüchterung. Der Sohn vom Sohn sei ausgeschlossen worden, da Verstöße gegen die Richtlinien der Plattform gemeldet wurden. Keine Anhörung, keine Gelbe Karte, keine Konkretisierung, kein Zugriff mehr auf die Peer-Group. Nur der lapidare Hinweis, dass man aus der Lerngemeinschaft für immer verbannt sei:

Dear Constantin, our highest priority is to make Tandem a friendly, safe place to practice foreign languages. A ban happens when we receive a complaint from other members that you have broken Tandem rules. While we never monitor any calls, we take all reports very seriously, and take immediate action. Our decision is final and we will not revisit it. We will also not accept any of your further applications to join Tandem. Thank you for understanding. Julie“. Die heuchlerische Freundlichkeit kann sich Julie sparen.

Vorschläge für Internet Governance gefragt

Was folgt, ist klar. Es breitet sich das Gift von gegenseitigen Verdächtigungen aus. Wer hat mich gemeldet, warum ging ich einem anderen Teilnehmer auf den Keks, wer hat da ständig Hinweise auf konkurrierende Unternehmen gepostet, wie reagiert die Gruppe und, und, und. Auf Facebook ist über diese Bannflüche intensiv diskutiert worden.

Posted by Gunnar Sohn on Sonntag, 26. März 2017

Das Kopfschütteln ist in fast jedem Posting spürbar: Undifferenzierte Verbannungen seien nicht zielführend, so der Kommentar von Yanick. „Warum Nutzern nicht einfach ermöglichen, andere in der App zu blockieren, wenn sie sich belästigt fühlen.“

Internet Governance-Experte Professor Wolfgang Kleinwächter fordert im ichsagmal.com-Interview eine Abkehr von Prangermethoden, die im 15. oder 16. Jahrhundert üblich waren. So etwas gehört nicht in unsere Zeit. Auch Internet-Plattformen benötigen transparente Verfahren zur Streitschlichtung. Kleinwächter verweist auf die Uniform Domain-Name Dispute-Resolution Policy von Icann. Leider zählt das nicht zum Standard in Netz. „Hier sehe ich eine große Lücke für Internet Governance“, beklagt Kleinwächter. Das Notiz-Amt wird in einer Tandem-Aktion nicht nur die Fremdsprachen-Plattform um eine Erklärung bitten, sondern auch die Netzcommunity einbinden, um generell Vorschläge für eine faire Mediation zu machen.


Image (adapted) „Verbot“ by Martin Abegglen (CC BY-SA 2.0)


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  • NETZSTANDARD heise: 5G: Das Rennen ist eröffnet: Der letzte Mobile World Congress (MWC) in Barcelona hat gerade erst stattgefunden. Die Rede war dabei auch der nun beginnende Standardisierungsprozess rund um 5G-Netze. Mitte 2018 soll das erste Standardpaket fertig sein, damit die ersten Netze wie geplant 2020 live gehen können. In Deutschland seien dafür Investitionen von 100 Milliarden Euro zum Ausbau geplant.

  • SPEICHERTECHNIK t3n: Speicher-Virtualisierung: Alles, was du über Software-defined Storage wissen musst: Software-defined Storage (SDS) steht in der IT-Branche hoch im Kurs. Vereinfacht gesagt beschreibt der Begriff die Möglichkeit, die unterschiedlichen Datenträger und Speichersysteme im Unternehmen mit einer zentralen Software-Lösung verwalten zu können. Hier werden euch Konzepte und Technologien vorgestellt und erklärt, wie Unternehmen von diesem innovativen Storage-Konzept profitieren können.

  • FACEBOOK thenextweb: Facebook launches its first real VR app for 360 photos and videos: Heute veröffentlicht Facebook seine erste App zum schauen von 360-Grad-Videos in der virtuellen Realität, Facebook 360. Die VR-Funktion ist derzeit nur über Samsung Gear VR möglich. Allgemein ermöglicht die App zudem einen geordneteren Video-Feed auf Facebook, die sonst im regulären Feed durch anderen Content untergehen würden. 

  • SNAPCHAT theguardian: Snapchat raises eyebrows with Women’s Day filter that lightens Frida Kahlo’s skin: Wer sich am vergangenen Tag in diversen Social-Media-Kanälen bewegt hat ist wohl kaum um einen Hashtag oder dessen diverse Variationen herumgekommen: #womensday. Auch Snapchat hat zur Feier des Tages drei Filter herausgebracht, um einflussreiche Frauen aus der Geschichte zu würdigen wie beispielsweise Marie Curie. Das ging aber laut Meinungen aus dem Netz gehörig nach hinten los.

  • KI googlewatchblog: Google Cloud Video API: Künstliche Intelligenz kann jetzt auch Objekte in Videos erkennen: Bei der Google-Bildersuche wird schon seit Jahren auf Algorithmen gesetzt, um Objekte in Bildern zu erkennen, was auch mittels eine Chrome Extension auf Facebook ausprobiert werden kann. Im bewegten Bild gestaltet sich dies logischerweise schwieriger. Das war jahrelang eine große Herausforderung, aber jetzt will Google entscheidende Fortschritte gemacht haben. 

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Diskursfähigkeit im Netz statt egozentrisches Wer-hat-den-Größten-Geschrei

Kommunikation Kopf Sprechblasen Mann Denken (adapted) (Image by geralt [CC0 Public Domain] via pixabay)

Vor Jahren schrieb ich ein beratendes Gedicht-Fragment über das Ich-Syndrom im Netz:

Deine tägliche Powerpoint-Folie gib uns heute,
Projektionsflächen mit Wald- und Wiesenweisheiten,
Phrasen im Dreiviertel-Takt,
Nervensäge der Expertokratie.

Hohlräume unter der gelackten Fassade,
Keynote-Speaker der Irrelevanz,
Bulletpoints mit Bullshit im Designer-Outfit,
Semantischer Brei im Zufallsmodus.

Geheiligt ist Dein Wichtigtuertum,
Gesegnet Deine Excel-To-Do-Listen,
Gepriesen sind Deine Budapester Schuhe von der Kö oder roten Edel-Sneaker,
Du predigst Lösungen für erfundene Probleme.

Dein Gedankenreich ist geklaut,
Dein Wille für den nächsten Auftrag ungebrochen.

Demütig schreibst Du an Deiner Autobiografie mit dem Titel „ICH“ und der Unterzeile „Und nur ICH“.

Auf Deinem Grabstein ist zu lesen:
„Hier liege ICH und kann nicht anders“.

Ruhe in Frieden auf dem Friedhof Deiner Eitelkeiten.
Amen.

Leider hat sich an dieser Zustandsbeschreibung wenig geändert. Im Gegenteil. Es ist schlimmer geworden, wie Georg Franck im brandeins-Interview konstatiert. Er prägte vor rund 20 Jahren den Begriff der „Ökonomie der Aufmerksamkeit“: „Es geht nicht um ein persönliches Anliegen oder um einen bestimmten Inhalt, es geht einzig darum, eine möglichst große Resonanz zu erzielen. Hier wird Aufmerksamkeit zum Selbstzweck.

Claqueure und Seifenblasen

Wer nichts Substanzielles zu sagen hat, bläst sich auf oder kauft sich gleich ein ganzes Imperium an Sendeformaten und  Claqueuren, um der Welt die Wichtigkeit des eigenen Daseins zu demonstrieren. Zu den Meistern der kommunikativen Seifenblasen zählt die Firma Andreessen Horowitz (gegründet von Marc Andreessen und Ben Horowitz), die ihr Kapital in einigen der höchstbewerteten Silicon-Valley-Unternehmen angelegt hat. Dahinter steht eine „Publicity-Maschinerie“ mit eigener PR-Abteilung und befreundeten Journalisten in der Hightech-Presse. Im Frühling 2014 erlebten die Aktien von Softwareabonnement-Anbietern – im Fachjargon SaaS für ‚Software as a Service’ – einen Kurseinbruch.

Andreessens Content Factory machte sich an die Arbeit. Das Unternehmen stellte Blogposts und Podcasts ins Netz, die erklärten, wie missverstanden doch SaaS-Unternehmen seien. Die Anleger begriffen einfach nicht, wie ungeheuer ertragreich sie einmal sein würden. Die Podcasts quollen über vor verwirrenden Fachbegriffen, Abkürzungen und Messwerten, die sich die SaaS-Branche ausgedacht hat, um ihre eigene Leistung darzustellen. SaaS ist immer noch ein ganz junges Geschäftsfeld und es ist schwer, wenn nicht unmöglich, die Unternehmen aussagekräftig miteinander zu vergleichen“, so der frühere Newsweek-Redakteur Dan Lyons. Im Juni 2014 stoppten die SaaS-Aktien ihre Talfahrt und arbeiteten sich langsam wieder nach oben.

Freibier, Shrimp-Cocktails und Geschlechtskrankheiten

Aber gegenüber Salesforce-Chef Marc Russell Benioff sind wohl selbst Andreessen und Horowitz noch Waisenknaben. Das Forbes Magazine schätzt sein Vermögen auf vier Milliarden US-Dollar. Entsprechend gigantisch wird die Hausmesse „Dreamforce“ aufgeführt. Benioffs Auftritte seien Großtuerei und seine Kundentagung würde einer viertägigen Orgie ähneln. „Caligula wäre begeistert über diesen Triumph der Vulgarität und Verschwendung mit Freibier, endlosen Shrimp-Cocktails und einer Geschlechtskrankheiten-Ansteckungsquote, bei der die Fleet Week der US Navy kaum mithalten kann. Ich komme mir vor, als schaue ich ins Land Mordor hinab. So viele verlorene Seelen! Diese aufgewerteten Gebrauchtwagenhändler, diese Leute, zu deren Job es gehört, die Kunden zu überrumpeln und zu beschwindeln, deren Lebenssinn es ist, ihre Vorgabe zu erfüllen.“ Jeden Monat, jedes Quartal, jedes Jahr: verkaufen, verkaufen, verkaufen.

Wie das Netz mit geschwätziger Reklame verdreckt wird

Das seien die Leute, die sich das Internet, eine der wunderbarsten und meistversprechenden Erfindungen aller Zeiten, unter den Nagel gerissen, es mit Reklame verdreckt und es zu einem großen Versandhandel gemacht haben. „Kein Wunder, dass diese Zombies einmal im Jahr ihre Woche in San Francisco brauchen, um bei Deepak Chopra, einer Prise Kokain und vielleicht einer kanadischen Prostituierten auszuspannen und sich toll vorzukommen“, erläutert Lyons.

Am letzten Tag, der von Lyons besuchten Dreamforce, hält Chopra einen Vortrag. „Er ist ein guter Freund Benioffs. Chopra faselt vor sich hin; irgendwie geht es um Freude, Sinn, Zusammengehörigkeit und wie wichtig es ist, sich selbst zu lieben. Der alte Spruch des Komikers W. C. Fields kommt mir in den Sinn: ‚Wenn du sie nicht mit Genialität blenden kannst, überwältige sie mit Geschwätz.’ Er könnte nicht nur Chopras Vortrag, sondern der ganzen Konferenz als Motto dienen. Benioff und seine karitative Angeberei, der Trockeneisnebel, die Konzerte und Comedians: All das hat nichts mit Software oder Hightech zu tun. Es ist eine Show, mit der die Gäste unterhalten, der Verkauf gefördert und der Aktienkurs hochgetrieben werden soll.

Wer hat den Größten?

Motto: Meiner ist größer! Meiner ist der größte! Benioff habe eine Art Finanzalchemie erfunden, bei der man Geld nicht nur aus dem Nichts, sondern aus Verlusten schafft. „Je mehr er für Partys zum Fenster hinauswirft, desto reicher wird er“, schreibt Lyons.

Das Zauberwort zur Entzauberung des netzmedialen Trumpismus heißt nach Auffassung von Wolf Lotter Diskursfähigkeit. Also das, woran es nicht nur dem Gebrüll von Trump, Benioff und Co. mangelt, sondern auch der Gesellschaft und den zahlreichen, nur nach Selbstbestätigung gierenden Menschen. Bohrende Fragen stellen, hinter die Kulissen und unter die Motorhaube des Marketing-Nebels schauen, das wären wohl erste Maßnahmen, um wieder klarer in der Netzöffentlichkeit sehen zu können. Nicht Mitklatschen und alles bejubeln, sondern kritische Debatten führen. „Wenn der Bohrer den Grund erreicht, wie in diesen Tagen, zeigt sich ohnehin, was Sache ist. Klartext ist die wichtigste Zutat jeder erfolgversprechenden Kommunikation“, führt Lotter in seinem Einleitungstext in der Februar-Ausgabe von brandeins aus. Schwerpunkt: „Der Kampf um Aufmerksamkeit und seine Folgen“. Urteil des Notiz-Amtes: Das richtige Thema zur richtigen Zeit. Nicht nur im Marketing. 


Image (adapted) „Kommunikation Kopf Sprechblasen Mann Denken“ by geralt (CC0 Public Domain)


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Acht (oder mehr) Geschäftsmodelle für E-Mail Newsletter

mail-newsletter-home-mailbox (adapted) (Image by Anne-Onyme [CC0 Public Domain], via pixabay

Als ich vor einigen Jahren begann, die redaktionellen E-Mail-Newsletter der Financial Times zu überarbeiten, wurde ich schnell mit positiver Bestätigung, technischer Frustration und Quellen tiefer Zufriedenheit konfrontiert.

Die gute Nachricht war, dass wir am Höhepunkt eines wiedererstarkten Interesses für E-Mails von Medienfirmen waren, das gerade wieder angestiegen ist. Dies legte nahe, dass wir auf dem richtigen Weg waren. Von legendären Printunternehmen wie der New York Times bis hin zu digitalen Unternehmen wie BuzzFeed – fast jeder erkennt den Wert des Mediums.

Das Frustrierende war, dass E-Mails und das kommerzielle System, in das sie eingebunden waren, nur wenig an die Bedürfnisse von Journalisten und Lesern angepasst waren. Das Senden von E-Mails bedarf einer Navigation durch ein komplexes Labyrinth aus technischen Systemen und vermehrten regulatorischen Anforderungen. Es bedeutet, Systeme anzupassen, die hauptsächlich auf die Bedürfnisse von Spezialisten abgestimmt sind, die in Marketingabteilungen mit Programmierfähigkeiten für verschiedene Anwendungsfälle von Journalisten mit engen Deadlines sitzen.

Trotz dessen waren wir mit den Antworten, die wir erhielten, zufrieden: Viele gaben an, sich durchgängig für E-Mail-Newsletter einzutragen, diese dann auch zu öffnen und auf Artikel zu klicken. Viele gaben sogar ein regelmäßiges, positives Feedback. Das, was wir taten, hatte Ähnlichkeit mit einer „Heilung“: Wir durften die besten Stücke aus den Nachrichten und Analysen auswählen. Entwickelt werden sollte ein Narrativ für Leser, die unter Zeitdruck standen und geradezu in Informationen ertranken. Wir konnten so außerdem eine direkte Beziehung zu unseren Lesern herstellen.

Dan Oshinsky, Leiter der Newsletter-Abeilung bei BuzzFeed, berichtete mir: „Uns geht es darum, Geschichte zu erzählen, die die Leute teilen möchten. Deshalb ist die E-Mail so ein natürlicher Startpunkt. Es ist sicherlich nicht die schillerndste oder neueste Plattform. Aber sie hat eine gewisse Reichweite, bringt Leute zurück auf die Seite und verteilt unsere Inhalte.“

Wie bei so vielem in den Redaktionen sind auch die Ressourcen stark begrenzt und Medienunternehmen suchen immer noch den besten Weg, um E-Mails als Teil eines größeren Engagements zu monetarisieren. Dies brachte mich dazu, mit Kollegen von anderen Medienorganisationen zu sprechen – in Nachrichtenabteilungen und kommerziellen Abteilungen – um die Trends zu verstehen, die ich in einem neuen Bericht für das Reuters Institute for the Study of Journalism an der Universität Oxford hervorhob.

Es werden zurzeit mindestens acht verschiedene Geschäftsmodelle getestet:

  1. Internetraffic generieren oder konvertieren. Die Klicks, die durch die E-Mail-Newletter hereinkommen, können die Gesamtzahl der Pageviews erhöhen. Dies unterstützt das breitere Geschäftsmodell und erhöht Anmeldungen und Werbeumsätze. Die Washington Post, die mehr als 70 redaktionelle E-Mails betreut, nennt dies eine „Zugbrücke“. Sie erhöht die Reichweite und zieht eine größere Zahl potentieller Leser an. Der New Yorker sagt, dass die Antwortquote höher ist als in den sozialen Medien. Für kleinere und jüngere Organisationen ist es eine wertvolle Möglichkeit, um Aufmerksamkeit zu bekommen und Lesegewohnheiten bei den Nutzern aufzubauen. Blendle generiert so ein Drittel des Traffics. Die Firma hat ein Mikrozahlungsmodell adaptiert, das nach dem Prinzip „Pay as you go“ funktioniert. Man zahlt, wenn ein Link von einer teilnehmenden Mediengruppe angeklickt wird.
  2. Einzelabonnement: Der Espresso (und die App) von The Economist, The Browser und Brief.me in Frankreich rechnen alle für die E-Mail selbst ab und bieten einen einzigartigen Inhalt oder die Entdeckung von anderen Artikeln auf Grundlage eines starken Urteilsvermögens und einer besonderen Schreibqualität. Laurent Mauriac, Gründer von Brief.me sagt: „Der beste Weg, eine starke Beziehung mit dem Leser aufzubauen, ist, sie dszu zu bringen, zu zahlen.“ In Großbritannien überlegt die „Red Box“ der Times, die die aktuelle Politik behandelt, ein solches Modell einzuführen.“
  3. Spenden oder verschiedene Beiträge: Eine bestimmte Anzahl Newsletter wird umsonst gesendet, aber verlangt regelmäßig Beiträge, wie beispielsweise Johnson’s Russia List. Diese aggregiert Medien und akademische Artikel über Russland und die ehemalige Sowjetunion. Genauso ProMed, die Krankheitsausbrüche mit ansteckendem Charakter abbildet. Manche werden umsonst an Privatpersonen und Akademiker ausgegeben, aber an Geschäftskunden und gewerbliche Abonnenten verkauft.
  4. Zusatz zu Abonnement: Free Lunch, Brexit Briefing und andere spezielle Newsletter werden gratis an Standard oder Premium-Abonnenten versandt. Sie stellen einen alternativen Weg für Leser dar, um Inhalte zu konsumieren. Sie helfen auch dabei, Artikel von der Financial Times im Netz zu verbreiten und das Engagement zu erhöhen, indem mehr Artikel gelesen werden. Auf diese Weise bindet man seine Leser oder kann sie zu Upgrades bewegen.
  5. Werbung: Viele Newsletter enthalten Werbung oder Banner wie Red Box. Immer mehr beinhalten auch native Werbung oder gesponserten Inhalt, wie beispielsweise Quartz’s Daily Brief, The Monocle Minute und TTSO (Time to Sign Off) in Frankreich.
  6. Querverkauf: E-Mails enthalten oft eine Leseprobe, um die Reichweite durch neue Leser zu erhöhen. Man bekommt ungewohnte Inhalte präsentiert und generiert Loyalität und Klicks zu einem Abonnement oder einer Abo-Paywall. Manche tun dies mit ihren eigenen Seiten in Kopperation mit kommerziellen Seiten. Beispielsweise haben die Washington Post und BuzzFeed sich mit Amazon zusammengeschlossen. Andere bewerben Bezahl-Events oder bauen Adresslisten auf, mit denen man verschiedene Zielgruppen adressieren kann.
  7. Markenwahrnehmung: Kostenlose Newsletter sollen größeres Interesse an einer Nachrichtenorganisation oder einem Produkt auslösen. Auch kann das Wissen über die Organisation oder ihren Inhalt vergrößert werden, genau wie die Wahrnehmung von neuen Inhalten oder Services.
  8. Gemeinschaftsbildung: Newsletter, die bestimmte Interessen, Themen oder Leute in bestimmten Regionen ansprechen, bieten eine Möglichkeit, um eine tiefergehende Vernetzung zu speziellen Gruppen herzustellen und eine direkte Beziehung aufzubauen. Auch die Loyalität wird vergrößert und Mitgliedschaften und Eventteilnahmen werden angeboten.

Nicht jedes dieser Modelle funktioniert für jeden – und diejenigen ohne starkes, redaktionelles Urteilsvermögen, eigenen Inhalt oder andere Arten der Abgrenzung werden an dem zunehmend umkämpften Newslettermarkt sehr zu leiden haben. Der Newsletter closure of This, bei dem Leseempfehlungen erteilt werden, ist eines dieser Beispiele.

Neben größerer Experimentierfreude mit diesen Modellen müssen auch andere Zukunftsthemen für redaktionelle E-Mails berücksichtigt werden, wenn es um die Entwicklung von journalistenfreundlicheren Plattformen geht: die Veränderung der Regulierung (vor allem in Europa) und die Rolle der Algorithmen, die bei der Entdeckung von Inhalten eine Rolle spielt.

E-Mails sind ein Hybridmedium, das weit davon entfernt ist, perfekt zu sein. Zur Zeit füllen sie aber eine Lücke für Nachrichtenabteilungen. Ihre Einschränkungen bieten eine wichtige Plattform für Experimente, deren Eigenschaften auch in anderen Medienformen tragen können, die sie vielleicht eines Tages ersetzen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „NiemanLab” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image “mail-newsletter-home-mailbox” (adapted) by Anne-Onyme (CC0 Public Domain)


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Das Netz und die Wirtschaft: Es läuft nicht wie geplant

Während mittlerweile knapp der Hälfte der weltweiten Bevölkerung online ist, gehen die Versuche, das Internet weiter zu verbreiten, unvermindert weiter. Die Likes von Facebook und Google bieten „kostenlose“ Datendienste an, während Satelliten, Drohnen und Ballons eingesetzt werden, um diese Orte abzudecken, die die traditionellen Technologien nicht erreichen konnten.

Diese Agenda geht auf das Grundprinzip zurück, dass die Verbreitung des Internets direkt zu wirtschaftlichem Wachstum und zu wirtschaftlicher Entwicklung führt. Es dürfte wenig überraschend sein, eine solche  Begründung von Leuten aus dem Silicon Valley zu hören. Schließlich profitieren sie von der Verbreitung dieser Technologie und es ist ihre Mission, „die Welt offener und vernetzter zu gestalten“. Einfacher ausgedrückt, steckt die Logik dahinter, dass das Internet eine demokratisierende Kraft ist, die allen überall und in jeder Weise zugutekommt.

Sehr ähnliche Ideen greifen auch in den Kreisen der internationalen Entwicklung um sich. Ganz besonders betrifft es Afrika. Besucht man ein Treffen der Oberschicht, wo die Mächtigen sich versammeln, wie etwa das World Economic Forum oder der Weltgipfel zur Informationsgesellschaft, wird man ähnlichen Erzählungen begegnen. Sie preisen das Potenzial der Technologie oder speziell des Internets an, um die Entwicklung zu befeuern und die Armut zu lindern.

Jedoch verspotten Wissenschaftler zunehmend die Idee des technologischen Determinismus – der Glaube oder die Annahme, dass Technologie im Alleingang unsere soziale Welt antreibt und formt. Sie betonen vielmehr das komplexe Vor und Zurück zwischenmenschlichem Handelns, der Gesellschaften und von Technologien wie dem Internet.

Wie sollen wir mit dieser riesigen Kluft zwischen den unterschiedlichen Denkweisen umgehen? Können wir sicher davon ausgehen, dass das Internet  auf die Entwicklung eine positive Wirkung hat – und das immer und überall?

Eine erstaunliche Lücke

In einer bevorstehenden Arbeit versucht unsere Forschungsgruppe am Oxford Internet Institute diese Fragen anzusprechend. Wir wollten einen direkten Vergleich zwischen dem Diskurs von einflussreichen Schauspielern in der internationalen Entwicklung und der zur Verfügung stehenden  Faktenlage ziehen. Afrika wurde unser Anwendungsbereich, weil der Kontinent angeblich von einer „digitalen Renaissance“ oder „Informationsrevolution“ mitgerissen wurde, die die industrielle Revolution des Nordens überspringt.

Wir haben die ICT-Strategien von sechs afrikanischen Ländern und 13 vielbeachteten Berichten von Geschäftsmännern, Entwicklungsorganisationen und Beratungsfirmen analysiert. Die Entwicklung hat viele Dimensionen, daher haben wir unsere Analyse auf den Einfluss des Internets auf das wirtschaftliche Wachstum und die Ungleichheit beschränkt.

Es überrascht vielleicht nicht, wenn die Leser darüber informiert werden, dass wir auch Meinungen von Regierungen und Entwicklungsgruppen ermittelt haben, die die positiven Effekte des Internets überteuert verkaufen sollen. Wir waren sogar erstaunt, wie groß diese Lücke war.

Die Berichte und Strategien gaben an, dass das „Internet eine ungeheure, unbestrittene Kraft für das wirtschaftliche Wachstum und den sozialen Wandel ist“. Wissenschaftliche Studien fassten zusammen, dass der Einfluss des Internets auf die Entwicklung unsicher und unterschiedlich ist, und dass es im Süden geringere Effekte als im Norden gab.

Fehlgeleitete Anstrengungen

Wir waren auch überrascht, wie pauschal und sogar sorglos einige der Behauptungen waren. Einige Berichte nutzten vereinfachende Methoden, um den „Einfluss“ oder die „Effekte“ zu bewerten, während sie ihre Ergebnisse als endgültig bewarben. In einem anderen Beispiel hat ein Bericht sogar eine Quelle falsch zitiert, um seine Argumentation zu stützen, dass das Internet die globale Ungleichheit senkt. Diese Behauptung war eigentlich gegenläufig zu den Erkenntnissen gründlicher Studien.

Die Ergebnisse unserer Analysen zeigten, dass Afrikanische Regierungen, internationale Organisationen und Beratungsfirmen große Visionen zu dem Einfluss der Internetvernetzung nähren. Das Internet wird als positiver, integrativer und transformativer Entwicklungsmotor gesehen. Diese Behauptungen wurden ungeachtet eines Mangels oder Gegenbeweises getätigt. Daher gibt es so ein spürbares Risiko, dass die integrative „digitale Entwicklung“ lediglich ein Trugbild sei, das Politik und Praxis dazu verleitet, Geld und Ressourcen mit fehlgeleiteten Anstrengungen zu verschwenden. Wir argumentieren nicht, dass das Internet für die Entwicklung unwichtig ist. Dagegen ermutigen wir einen differenzierteren Blick, der anerkennt, dass die Verbreitung der Internetvernetzung mit Risiko und unbeabsichtigten Folgen kommt. Während die Wertschöpfung globalisiert wird, bleibt die Wertegewinnung oft im Norden.

In einem weiteren Sinn interpretiert, können die Informationstechnologien die Gräben in der  Gesellschaft vertiefen. Es wäre unverantwortlich und naiv, würden wir weiterhin vorgeben, dass eine größere Vernetzung einfach zu einer besseren Entwicklung für alle und überall führend würde.

Ein ermutigendes Zeichen, dass so eine Anerkennung innerhalb der internationalen Entwicklung möglich ist, war der neueste Entwicklungsbericht der Weltbank. Er gab im Grunde zu, dass die digitale Entwicklung für viele „digitale Habenichtse“ im Süden nicht greifbar war.

Was wir ermutigend fanden, war, dass dieser Bericht das Ergebnis einer produktiven Diskussion zwischen der Wissenschaft und den Praktizierenden darstellte. Wenn wir den Einfluss des Internets in die Richtung lenken sollen, die für die Armen und Machtlosen der Welt funktioniert, werden noch viele weitere Gespräche zwischen den Gläubigern und Skeptikern der digitalen Entwicklung folgen müssen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Ethernet Cable“ by pfly via Flickr (CC BY-SA 2.0)


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#Rulebreaker: der neue Spirit von otelo

#Rulebreaker, otelo

Der Mobilfunkanbieter otelo erfindet sich neu und bietet seinen Nutzern ab sofort einen neuen Blog. Dort finden Interessierte Geschichten, Tipps und News. Im Zentrum des Imagewandels stehen Konventionsbruch, Fairness und Mobile Lifestyle. Besonders das Format #Rulebreaker spielt hierbei eine Rolle. Hierbei werden Menschen vorgestellt, die ähnliche Werte wie die Firma vertreten. Bestehende Konventionen werden kritisch hinterfragt, ebenso machen sie sich stark gegen Beschränkungen in der Gesellschaft.

Der erste Rulebreaker, der sich in dem Blog vorstellt, ist Hans-Friedrich Baum. Er arbeitet als Sozialarbeiter in einer offenen Kinder- und Jugendeinrichtung und bringt dort nicht behinderten Kindern den Umgang mit Behinderten bei. Er selber weiß, wie es ist, in Schubladen gesteckt zu werden. Er leidet an einer Gehbehinderung und hat an der linken Hand nur einen Finger. Doch davon lässt er sich nicht unterkriegen – im Gegenteil: er kämpft mit vollem Einsatz für eine gelungene Inklusion. Nebenbei macht er auch noch Rap. Als „Graf Fidi“ hat er sich in der Berliner HipHop-Szene einen Namen gemacht.

Ein weiterer, wichtiger neuer Bereich ist #Fairplay. Im Internet, wo sich Leute sicher fühlen, wird häufig keine Rücksicht genommen. otelo ergreift zusammen mit anderen Bloggern die Initiative und steht ein für mehr Fairness im Netz.

Wer auf der Suche ist nach den neusten Techniktrends oder einem praktischen, neuen Gerät, findet bei otelo in der Rubrik #Devices die passende Inspiration. Das ist zum Beispiel hilfreich, um seine Alltag zu erleichtern oder spannender zu gestalten. Last but not least bietet der Mobilfunkanbieter seinen Unsern auch aktuelle Nachrichten im Bereich #News. Die Firma stellt hier ihre neusten Aktivitäten, Auszeichnungen und Angebote vor.


Image by Vodafone GmbH


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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • NETZSICHERHEIT heise: Websummit: Entsetzen in der Tech-Szene nach Trumps Sieg: Ein Tag später und man mag das Wahlergebnis des gestrigen Tages immer noch nicht so recht fassen. Auf dem Websummit in Lissabon diskutierte die US-Internet-Elite jetzt über Trump und dessen Bedeutung für Freiheit und Sicherheit im Netz. Schon bei einem Fall zwischen Apple und dem FBI, bei der das iPhone des San Bernadino-Attentäters hätte entsperrt werden soll, weigerte sich das Tech-Unternehmen, was von Trump heftig kritisiert wurde. Ebenfalls diskutiert wurde die Rolle der sozialen Medien bei Trumps Sieg. Schauspielerin Shaileene Woodley („Snowden“) brachte es auf den Punkt: „Egal ob gute Presse oder schlechte Presse, Trump war immer in den Medien, und das war sein größter Vorteil.“

  • INTERNET Zeit: Regierung will Übertragungsqualität verbessern: Die Bundesregierung will jetzt auf mehr Sicherheit, Verfügbarkeit und die Verringerung der Latenzzeiten setzen. Beim sechsten Treffen der Netzallianz Digitales Deutschland wurde vor allem der Ausbau hin zu besserer Übertragungsqualität, neben dem Hauptziel die Übertragunsgeschwindigkeit. Langzeit-Ziel sei ein Anstreben der sogenannten Gigabit-Gesellschaft, eine nahtlos vernetzte Gesellschaft mit einer flexiblen und energieeffizienten Vernetzung. Das Ziel für das Erreichen dieser Infrastruktur ist für Ende 2025 angesetzt.

  • APPS stern: Apple hat ein Problem mit Hunderten Fake-Apps aus China: Imitation ist die höchste Form der Bewunderung oder nicht? Bei einer routinierten Marktbeobachtung des Apple App Stores sind einem Unternehmen unzählige App-Klone bekannter Marken oder Online-Shops aufgefallen. Ziele solcher Fake-Apps sind klassische Kundendaten wie Social Media Zugänge oder Kreditkarteninformationen. Laut Angaben wurden die hauptsächlich aus China stammenden Anwendungen zum Großteil aus dem App-Store entfernt. Ob der App-Store jetzt unsicherer wird bleibt fraglich, derartige Fakes werden beliebte Marken und Hypes wie Pokemon Go wohl immer ausnutzen.

  • SMARTPHONES faz: Neues Zeitalter: Die einhändige Gesellschaft: Stehen wir etwa vor einer neuen Etappe der menschlichen Evolution? Forscher des Medical Research Center der University of Oklahoma haben in einer Studie mit über 1000 Probanden herausgefunden, dass sich der linke Daumen in Rekordgeschwindigkeit von etwa einem Millimeter pro Jahr vergrößert. Kultur- und Sozialwissenschaftler unterstützen diese These mit ihrer Prognose einer zukünftigen einhändigen Gesellschaft. Grund dafür sei die vermehrte Nutzung der zudem immer größer werdenden Smartphones. Ob Auto oder Fahrrad fahren, Multitasking ist das Stichwort und das Smartphone schon fast bei jeder Aufgabe gezückt. Ob diese „neue evolutionäre Etappe“ wirklich eintritt bleibt wohl abzuwarten.

  • GELD diepresse: Indien: Alle großen Geldscheine sind plötzlich wertlos: Der Halbkontinent ist jetzt einen Schritt näher an deer bargeldlosen Gesellschaft. In der Nacht der US-Wahl brachte eine Nachricht der indischen Regierung die Bevölkerung erneut zum Beben. In einer Fernsehansprache verkündete Premierminister Narenda Modi die Entwertung der 500 und 1000 Rupienscheine. Mit letzterem verschwindet damit die beliebteste indische Zahlungswährung. Die Bargeldreform löste einen definitiven Wirtschaftswirbel aus und soll eine Maßnahme gegen die in Indien weit verbreitete Schattenwirtschaft sein.

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Die Bürgerrechts-Bewegung braucht alle Freunde der Freiheit

Students' mass protest Taiwan (Image by Artemas Liu [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons

Auf die Bürgerrechts-Bewegung kommen große Herausforderungen zu. Angesichts der Flut neuer Überwachungsgesetze und anderer politischer Entwicklungen, die die Freiheit bedrohen, wird ein organisierter Protest mehr denn je gebraucht. Dazu ist es aber nötig, alle, die die selben Werte teilen, mit ins Boot zu holen. Stattdessen wird leider häufig entlang der falschen Fronten gekämpft und argumentiert: Nerds gegen Internetausdrucker, technikaffine gegen weniger technikaffine Menschen. Das muss aufhören.

Große Herausforderungen stehen bevor

Eine Zeit lang schien es, als seien alle großen Diskussionen der Datenschutz- und Bürgerrechts-Bewegung geführt, als sei fast alles irgendwie entschieden. Nun jedoch kommen viele dieser Themen in der einen oder anderen Form wieder auf die politische Tagesordnung. Die 2010 vom Bundesverfassungsgericht auf Eis gelegte Vorratsdatenspeicherung wurde Ende vergangenen Jahres wieder eingeführt – zwar mit Modifikationen, aber nach wie vor gefährlich und ein massiver Eingriff in die Privatsphäre. Die neuen „Crypto Wars“ bringen den Versuch, Verschlüsselung (eines der wichtigsten Werkzeuge gegen Telekommunikations-Überwachung) zu kriminalisieren und als Werkzeug von Kriminellen zu diffamieren. Auch die Geheimdienst-Politik in Deutschland gibt Anlass zur Besorgnis, sei es beim neuen Anti-Terror-Gesetzespaket oder bei der BND-Reform.

Probleme genug also, die angegangen werden müssen, und eine Menge Gelegenheiten, sich zu engagieren. Angesichts der aktuellen Politik der Sicherheit um jeden Preis braucht unsere Gesellschaft dringend Leute, die andere Werte, und namentlich die Bürgerrechte, einfordern und verteidigen.

Sinnlose Grabenkämpfe

Dazu allerdings müssen sich alle, die die aktuelle Sicherheitspolitik für verfehlt und gefährlich halten, zusammentun. Aus ethischen, aber auch aus rein praktischen Gründen ist es angeraten, jeden, der die selben Werte – nämlich Freiheit, offenen Dialog und den Schutz individueller Rechte gegen überbordende staatliche Kontrolle – teilt (und sich nicht durch andere politische oder weltanschauliche Positionen, etwa rechte Ansichten oder das Vertreten extremer Verschwörungstheorien, selbst disqualifiziert) mit ins Boot zu holen.

Leider ist oftmals nicht der Fall. Stattdessen werden sinnlose Grabenkämpfe geführt oder Menschen aufgrund von Eigenschaften und Ansichten, die mit den Bürgerrechten wenig bis gar nichts zu tun haben, als Verbündete nicht ernst genommen oder schlichtweg abgeschreckt.

Ein Großteil der Bürgerrechts-Bewegung setzt sich seit Jahren aus (relativ) jungen, technikaffinen Menschen zusammen. Über die ursprünglichen Gründe kann nur spekuliert werden. Womöglich fällt es vielen Menschen leichter, Probleme, die mit der Überwachung (insbesondere) von Telekommunikation einhergehen, zu erkennen, wenn sie auch die technischen Grundlagen dieser Kommunikationsmittel und ihrer Überwachung begreifen.

Vielleicht fördert der individualistische, auf Freiheit ausgerichtete, teils anarchistische Charakter der Hacker-Kultur eine kritische Auseinandersetzung mit staatlicher Kontrolle. Oder es fällt Menschen, die ganz selbstverständlich Blogs, Messenger und Social Media nutzen, schlichtweg leichter, sich zu organisieren und zu vernetzen, so dass aus ihrer politischen Kritik eher eine aktivistische Bewegung wird.

Was auch immer die ursprünglichen Gründe für dieses Phänomen sind, es ist Zeit, die Bewegung zu verbreitern und diverser zu machen. Interdisziplinäre Teams erreichen bei derart komplexen Problemen fast ausnahmslos die besten Lösungen und können diese auch an verschiedene Zielgruppen kommunizieren. Je unterschiedlicher die Menschen, die einer Bewegung angehören, sind, desto mehr verschiedene Blickwinkel und Ideen fließen in das Gesamtergebnis ein, und desto mehr verschiedene Fähigkeiten können zur Lösung von Problemen genutzt werden.

Leider scheitert dies mitunter an der mangelnden Bereitschaft einiger Alteingesessener der Szene, auch auf Menschen zuzugehen, die keine Computerfreaks sind. Da wird gerne einmal unterstellt, wer nichts mit IT am Hut habe, sei auch kein Verbündeter. Die älteren Menschen, die „Internet-Ausdrucker“, sind der Feind. Dabei ist diese Trennung in „die coolen jungen Hacker“ und „die alten Internet-Ausdrucker, die die Freiheit hassen“ nicht nur Unsinn, sondern sogar gefährlicher Unsinn (und das nicht nur, weil es natürlich auch so einige sehr technikbegeisterte Senioren gibt, ebenso wie Teenager, die sogar mit ihrem Smartphone überfordert sind).

Natürlich ist es lustig, wenn eine Frau Merkel ungeschickt über das „Neuland“ Internet philosophiert. Womöglich ist diese Unwissenheit sogar einer der Gründe dafür, dass die aktuelle Netzpolitik so inkompetent ist. Das wirkliche Problem aber liegt tiefer, es liegt im Verhältnis der Beteiligten zur Macht, zu Autoritätsstrukturen und deren Durchsetzung und in dem Glauben, dass der Zweck einer möglichst großen Sicherheit vor Kriminalität nahezu jedes Mittel rechtfertigt. Es liegt in mangelndem Respekt vor Freiheit, nicht darin, nicht genau zu wissen, was ein Browser ist, oder sich im Internet nicht recht wohlzufühlen.

Die Mächtigen wissen genau, was ihre Überwachung bewirkt, auch wenn sie womöglich deren technische Einzelheiten nicht begreifen (was sie auch nicht unbedingt müssen, denn dazu gibt es Experten). Sie versuchen das Internet nicht verzweifelt zu unterwandern, weil sie es nicht verstehen, sondern weil sie nur zu gut verstehen, dass es sonst mit seiner globalen, dezentralen, nicht hierarchischen Struktur zur Bedrohung für die herrschenden Verhältnisse werden kann. Sie überwachen, weil sie (noch mehr) Kontrolle und Macht wollen, nicht, weil sie keinen Computer bedienen können. Das ist der wichtige Punkt.

Nerdtum allein reicht nicht aus

Ebenso sollte auch die Gegenseite nicht über technische Fähigkeiten definiert werden. Fähigkeiten mit Programmiersprachen, Linux und Verschlüsselung sind wertvoll und anerkennenswert und helfen, beispielsweise im Bereich digitaler Selbstverteidigung, auch im Kampf gegen Überwachung und Zensur. Sie machen aber niemanden zu einem besseren Menschen oder automatisch zum Kämpfer für die Freiheit (ebenso wenig, übrigens, wie Informatiker zwangsläufig intelligenter sind als Experten anderer Gebiete, auch wenn sich einige gern so verhalten). Das zeigen Fälle wie der des Ex-Hackers Adrian Lamo, der die Whistleblowerin Chelsea Manning an das FBI verraten hat. Auch die tausenden Ex-Kollegen Edward Snowdens, die nicht die Öffentlichkeit über die Machenschaften der Geheimdienste informieren, sondern einfach weiter ihrem Job nachgehen und immer neue Überwachungs-Werkzeuge programmieren, sind wohl kaum alle heldenhafte Kämpfer für die Bürgerrechts-Bewegung.

Dagegen könnte beispielsweise die nette ältere Dame, die sich noch gut an die Volkszählungs-Proteste in den 1980er-Jahren erinnert, mit ihrer Lebenserfahrung und Kenntnis vieler politischer Situationen durchaus eine sehr wertvolle Verbündete sein. Sie wird aber nicht erreicht, wenn ihr am Infostand sofort erzählt wird, dass eigentlich alle Aktivisten etwas mit IT zu tun haben.

Das heißt natürlich nicht, dass nicht versucht werden sollte, Menschen auch über die technischen Aspekte des Datenschutzes aufzuklären. Diese helfen häufig beim Verständnis der Problematik. Zudem ist digitale Selbstverteidigung, etwa die Nutzung verschlüsselter Kommunikationsmittel, derzeit dringend erforderlich, um die eigene Privatsphäre zu schützen. Das sollte Mitstreitern natürlich beigebracht werden, wobei die Technik-Nerds ihre Fähigkeiten bestens einsetzen können. Aber diese Gespräche müssen respektvoll und auf Augenhöhe geführt werden – und sie müssen nicht unbedingt das erste sein, mit dem Interessierte begrüßt werden.

Vereint euch!

Es stehen viele wichtige Kämpfe um den Stellenwert von Datenschutz, Bürgerrechten und individuellen Freiheiten in Deutschland und Europa bevor. Um diesen Kampf erfolgreich zu führen, werden die Fähigkeiten und das Engagement aller Gleichgesinnten gebraucht – und das sind auch diejenigen, die Computer kein bisschen, die Freiheit aber umso mehr lieben.

Einige Aktivisten müssen endlich über ihren Schatten springen und eine Ansprache finden, die nicht das „nerdige“, sondern die gemeinsamen Ziele und Werte in den Vordergrund stellt. Die Zeiten sind politisch zu schwierig, um auf Mitstreiter und deren Beiträge zu verzichten. Schließt euch zusammen und lernt voneinander. Nur so können wir die Zukunft in unserem Sinne mitgestalten.


Image „Student’s mass protest Taiwan“ by Artemas Liu (CC by 2.0) via Flickr


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Verschärfen Soziale Medien die politische Debatte in Großbritannien?

Westminster (adapted) (Image by Hernán Piñera [CC BY-SA 2.0] via flickr)

In der angespannten Atmosphäre, die Großbritannien nach der Ermordung des Parlamentsmitgliedes Jo Cox fest im Griff hält, ist die Sorge um den Ton der politischen Debatte im Land groß. Es gibt zwar keinen Hinweis darauf, dass die Sozialen Medien eine direkte Rolle in der Straftat spielten, doch die Aufmerksamkeit richtet sich darauf, wie diese generell die Wut der Menschen schüren. Parlamentsmitglied Stephen Kinnock teilte sich ein Büro mit Cox und die beiden waren gute Freunde. Nach dem Angriff wurde er desöfteren zitiert:

Wir müssen auf den Ton in unserer Politik und auf die Art und Weise, wie Politiker und die Presse miteinander reden, Acht geben… und auch auf die Art, wie die Sozialen Medien teilnehmen und diese Tendenzen verstärken. Es ist kein allzu großer Schritt zwischen dem Aussprechen von schrecklichen Dingen und einer schrecklichen Tat.

Die Sozialen Medien werden oft dafür angeprangert, einen öffentlichen Schauplatz für Meinungen zu bieten, die Leute niemals im echten Leben aussprechen würden (dies ist als der Online-Enthemmungs-Effekt bekannt) und dafür uneingeschränkt zu Belästigung und Missbrauch aufzurufen und eine Massenmentalität zu entwickeln . Doch die Rolle, die die Sozialen Medien politisch spielen, ist dank der Natur politischer Debatten viel komplizierter. Der feindliche Kommunikationsstil, den wir in der heutigen Politik beobachten können, ist mit Sicherheit kontraproduktiv und polarisiert Meinungen. Meinungsverschiedenheiten sind an sich großartig und das Herz der Demokratie. Aber, so argumentiert Politikwissenschaftlerin Susan Bickford, der demokratische Prozess ist nur dann erfolgreich, wenn man sich die Meinungen der Anderen tatsächlich anhört und sie nicht nur abtut. Und es verhält sich hier genauso wie persönliche Interaktion zwischen Politikern oder Fernsehdiskussionen – das Internet hat bewiesen, dass es nicht in der Lage ist, es Menschen zu ermöglichen, einander zuzuhören, dass es nun Versuche gibt, unsere Onlinekommunikation zu verändern, um uns zu besseren Zuhörern zu machen. Besonders in der Politik gibt es mehrere Dinge, die uns daran hindern, aktiv zuzuhören. Menschen neigen bewiesenermaßen dazu, Informationen, die ihre Überzeugungen und Positionen angreifen, abzutun, was als Bestätigungsbias bekannt ist. Und weil politische, kulturelle und religiöse Werte oft im Zentrum unserer Identität stehen, wird ein Angriff auf diese Werte schnell zu einem Angriff auf uns selbst und wie wir uns wahrnehmen. Wenn jemand gegen unsere Weltsicht argumentiert, nehmen wir das persönlich. Es wird argumentiert, dass wir, um in der Lage zu sein, uns die Meinung anderer Leute anzuhören, in der Lage sein müssen, unsere persönliche Identität von unseren Überzeugungen und Werten zu trennen. Das wird in einem politischen Umfeld, in dem Persönlichkeiten immer wichtiger werden, in dem ein einzelner politischer Anführer mehr und mehr Bedeutung als die Institutionen und Ideale, die er oder sie repräsentiert, erlangt, noch schwerer gemacht als es ohnehin schon ist. Diese erhöhte Persönlichkeitsbildung in der Politik wird von traditionellen Medien verstärkt, was politische Bindungen impliziert. Beispielsweise habe ich kürzlich eine kleine, noch nicht veröffentlichte Studie durchgeführt, die im Einklang mit anderen Untersuchungen aufzeigte, wie personalisierte Berichterstattung die Absicht junger Leute verringert, sich aktiv politisch zu beteiligen. Teilnehmer der Studie waren weniger gewillt, an politischen Aktivitäten wie Diskussionen, Wahlen oder ehrenamtlicher Arbeit teilzunehmen, nachdem Sie einen auf einen einzelnen Politiker fokussierten Bericht gelesen hatten als nach dem Lesen desselben Berichtes, der diesmal auf eine Partei oder die Regierung fokussiert war.

Es wird persönlich

Die Sozialen Medien jedoch sind ein zweischneidiges Schwert. Einerseits fördern sie die politische Beteiligung sowohl online als auch offline. In einer unveröffentlichten Studie, die ich durchgeführt habe, fand ich heraus, dass Menschen, die das Internet nutzen um zu diskutieren und unter Nachrichten zu kommentieren, wahrscheinlicher auch im echten Leben politisch aktiv waren. Dies deckt sich ebenfalls mit anderen Nachforschungen auf diesem Gebiet. Doch die Sozialen Medien fördern ebenfalls Polarisierung. Menschen tendieren dazu, sich mit Gleichgesinnten zu verbinden – und sich mit Inhalten zu beschäftigen, die ihre bereits existierenden Ansichten und Einstellungen reflektieren. Die Sozialen Medien fokussieren politische Diskussionen sogar noch mehr auf Personen, die aktive Profile auf Sozialen Netzwerken haben. Sie können besonders auffallen und somit mehr persönlichen Missbrauch von denen hervorrufen, die ihre Meinung nicht teilen. Der kürzlich angelaufene Kampagne „Reclaim the Internet“ hat die Höhe der Anzahl der Missbrauchsvofälle, dem Einzelne (und besonders Frauen) im Internet ausgesetzt sind, herausgestellt. Die Probleme des Cyberbullying und der Frauenhasser im Netz verdienen ernsthafte Beachtung für den negativen Einfluss den sie auf die Empfänger solchen Missbrauchs haben können. Trotzdem ist es wichtig, daran zu erinnern, dass nur wenige Menschen auch nach den gewalttätigen Tendenzen handeln, die sie online ausleben. Und leider sind solche Trends auch nicht nur auf die Ära der Sozialen Medien beschränkt. Es gibt kaum Beweise dafür, dass Missbrauch in Sozialen Medien zu Missbrauch jenseits des Netztes führt, wenn die Personen ansonsten nicht auffällig sind. Was können wir dagegen tun? Nutzer von Sozialen Medien müssen Missbrauch im Netz aktiv angreifen, die Plattformen selbst müssen effektiv und mit ernstzunehmenden Regularien auf Berichte solchen Missbrauchs reagieren. Die Polarisierung und Personalisierung der Politik ist allerdings ein sehr schwerwiegenderes Problem. Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Westminster“ by Hernán Piñera (CC BY-SA 2.0)


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EU-Urheberrecht: Droht das Ende des freien Hyperlinks?

Chain links (adapted) (Image by Yandle [CC BY 2.0] via flickr)

Am 9. Dezember will die EU-Kommission ihre Pläne für die Urheberrechtsnovelle vorstellen, doch bereits vergangene Woche sind erste Dokumente dazu geleakt. Nach ersten Analysen befürchten Experten nun, dass Verlinkungen zu anderen Seiten im schlimmsten Fall kostenpflichtig werden – der Geist des deutschen Leistungsschutzrechts lässt grüßen.

Das Jahr 2015 könnte einmal als jene Zeit in die Annalen Europas eingehen, in dem das Internet völlig umgekrempelt wurde. Zuerst hat das EU-Parlament de facto die Netzneutralität abgeschafft und durch eine Hintertür erlaubt, dass sich Firmen für Spezialdienste eine Sonderbehandlung auf der Datenautobahn kaufen dürfen. Am 9. Dezember könnten dann die Weichen dafür gestellt werden, wie künftig Verlinkungen und Content-Einbettungen im Netz funktionieren.

Denn dann will die EU-Kommission ihre Vorschläge für die Neugestaltung des EU-Urheberrechts darlegen. Der Blog IPKat hat bereits ein Dokument zum “Copyright Framework” geleakt, in dem über die Vorschläge zu lesen ist. Der Leak hat für teilweise heftige Reaktionen gesorgt. “Die EU-Kommission bereitet einen Frontalangriff auf den Hyperlink vor”, warnt etwa die EU-Parlamentarierin Julia Reda (Piratenpartei). “Nun ist der Hyperlink dran: die Politik in Europa bedroht unsere Freiheit”, schreibt Alexander Görlach im Debattenmagazin “The European”. Brüssel, so die Kommentatoren, würde eine Genehmigungspflicht für Verlinkungen planen und damit eine Grundfunktion des Netzes, eben die freie Verlinkung auf andere Webseiten, untergraben.

Keine Fakten zur Umsetzung

Explizit gemacht wurde das von der EU-Kommission aber nicht. Wer das geleakte Dokument durchliest, wird feststellen, dass sehr wenig Konkretes darin zu finden ist. Zwar wird beschrieben, dass das Leistungsschutzrecht in Deutschland und in Spanien nicht zu den gewünschten Effekten geführt hat (nämlich, dass Google für Links in seiner Suche und in Google News zu Verlagsinhalten zahlt): “For news aggregators, in particular, solutions have been attempted in certain Member States, but they carry the risk of more fragmentation in the digital single market”, so das Papier. Doch das man jetzt europaweit den Link kostenpflichtig machen will, davon ist keine Rede. “Die vom deutschen LSR inspirierten Überlegungen hinsichtlich einer Neuordnung im Bereich öffentliche Zugänglichmachung sind ebenfalls sehr unkonkret, gehen aber ganz allgemein in eine fragwürdige Richtung”, urteilt Leonard Dobusch auf Netzpolitik.org.

Konkreter wird die EU-Kommission in einer anderen Sache: Ihr ist das sogenannte Geoblocking ein Dorn im Auge, welches dafür sorgt, dass manche Inhalte aufgrund von Copyrights nicht in allen EU-Märkten verfügbar sind. In der Praxis merkt man das etwa bei Netflix, wo Nutzer in Österreich, Deutschland oder den Niederlanden auf andere Inhalte zugreifen dürfen als etwa britische oder schwedische. Die EU-Kommission will, das passt generell zur angestrebten Harmonisierung des Urheberrechts in der gesamten EU, dieses Geoblocking abschaffen. Im Frühjahr 2016 sollen erste Maßnahmen präsentiert werden, die Content-Schranken abbauen sollen.


Image (adapted) “Chain links” by Yandle (CC BY 2.0)


 

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Eliten und Geklüngel im Netz

Still Life of Glasses on MacBook Air with Mouse (adapted) (Image by Image Catalog [CC0 Public Domain] via Flickr)

Damit die digitalen Errungenschaften tatsächlich einen signifikanten Unterschied in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft machen können, muss das Netz der Eliten geöffnet werden. Wenn wir nur auf die Technologie starren, kommen wir bei der Digitalisierung von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft keinen Millimeter voran, so das Credo von Mister Unternehmer-Plattform Winfried Felser bei einer Diskussionsrunde von Interactive Cologne. Die Digitalisierung sei nur der Möglichmacher. Entscheidender sei die Änderung der Denkmuster: “Wenn wir uns nicht vom Ego-Denken in Richtung Eco-Denken bewegen, passiert wenig.” Die Meteoriteneinschläge seien nicht nur digital.

Zugänge statt Seilschaften

Digitale Fähigkeiten seien notwendig, aber nicht hinreichend für die Transformationsfähigkeiten von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Wenn wir weiterhin in Silos verharren und dabei ein wenig Facebook machen, ist das eben nur ein digitaler Zuckerguss, den ich in der vergangenen Woche beschrieben habe.

Wir brauchen Zugänge zu Wissen, Technologie, Diensten und Ideen in offenen und vernetzten Strukturen – ohne verkrustete Hierarchien, Seilschaften und Pseudoeliten. Was wir häufig in Deutschland erleben, ist das genaue Gegenteil. Die alten Eliten verbinden sich zur Absicherung ihrer Herrschaft bei gleichzeitiger Desorganisation der Gesellschaft.

Die Welt der Eliten versperrt

Je stärker das Internet die Vernetzung vorantreibt und jeder nicht nur Empfänger von Botschaften ist, sondern auch Sender, desto stärker versuchen sich die alten Eliten abzusetzen, damit es nicht zu einem übermäßigen Vordringen von “gewöhnlichen” Leuten in die innere Welt der Cliquen und Klüngel kommt. Der Zugang zu den Netzwerken der Herrschenden bleibt versperrt. Nachzulesen im Standardwerk von Manuel Castells “Das Informationszeitalter I – Der Aufstieg der Netzwerkgesellschaft”.

Große Organisationen funktionieren weiterhin wie Klöster: weltabgewandt und den eigenen Regeln folgend, schreibt der Publizist Mark Terkessidis in seinem neuen Opus “Kollaboration”, erschienen in der edition suhrkamp. Er meint dabei vor allem Behörden und Beamtentum. Ähnliches lässt sich in fast allen Machtblöcken beobachten: Konzerne, Kirchen, Gewerkschaften, Stiftungen, Verbände und sonstige Zirkel agieren als geschlossene Systeme. Das Feedback und das Belohnungsszenario – Aufstieg, Ruhm, Kohle – funktionieren primär intern.

Partizipationsrhetorik

Einmal etablierte Routinen werden aufrechterhalten unabhängig von den Veränderungen der äußeren Bedingungen. Patronage und Ochsentour sind wichtiger als echte Partizipation und Transparenz. Wer diese Statik infrage stellt, wird als naiv, primitiv oder esoterisch abqualifiziert. Herrschaft in kleinen Zirkeln funktioniert nur durch das Ausschlussprinzip. Angebote zu einer Kultur des Teilens entspringen eher einer folgenlosen Rhetorik, um die traditionellen Hierarchien nicht zu gefährden. “Wer Freiräume gewähren will, der muss Kontrolle abgeben, ansonsten wird Freiheit nur simuliert”, so Terkessidis.

Um auch in der digitalen Welt im vertrauten Klüngel-Kreis zu bleiben, gibt es ein paar nette Selfies, Aktivitäten auf Facebook und Twitter – mehr nicht. Opium fürs Netzvolk. Plattformen für kollaborative Kritik.

Die Mächtigen erstarren lassen

Rein taktisch haben die etablierten Kräfte im Netz kräftig zugelegt – ihre digitale Kompetenz ist dennoch überschaubar. An dieser Schwachstelle sollten die Netzaktivisten ansetzen. Wir sollten die Digitalisierung und Vernetzung nutzen, um Plattformen und Formate für kollaborative Kritik zu etablieren, damit die Mächtigen vor lauter Kontrollverlust-Ängsten in Lähmung erstarren. Wenn sich nichts tut, herrschen halt die alten Eliten weiter.

 

Dieser Artikel erschien zuerst auf TheEuropean.


Image (adapted) “Still Life of Glasses on MacBook Air with Mouse” by Image Catalog (CC0 Public Domain)


 

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Die 10 beliebtesten Touristenspots für Selfies

selfiestange_foto (Bild: cegoh (CC0))

Selfis sind nicht nur eine beliebte Form der Selbstdarstellung, sondern weren auch gerne zur mit beliebten Sehenswürdigkeiten im Hintergrund geknipst. AttractionTix hat nun die zehn beliebtesten Touristenspots für Selfies auf Instagram ermittelt. // von Lukas Menzel

selfiestange_foto (Bild: cegoh (CC0))

Wer kennt sie nicht, die Selfie-machenden Touristen, die sich vor beliebten Sehenswürdigkeiten ablichten. Nun hat die britische Buchungsplattform AttractionTix ein Ranking der beliebtesten Touristenspots für Selfies auf Instagram erstellt. Dafür wurde basierend auf Google von der Foto- und Videoplattform Instagram ausgewertet, wie viele Treffer es zu Suchbegriffen wie „Eiffel Tower Selfie“ gibt. Wir zeigen euch die zehn beliebtesten Touristenspots für Selfies.

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Internet in Kuba: In einem Land, das den Anschluss verloren hat

Der sozialistisch karibische Inselstaat scheint Lichtjahre entfernt vom globalen Netz. Unser Autor Jakob Steinschaden hat sich vor Ort angesehen, wie die Kubaner mit ihren stark eingeschränkten Netzzugängen leben und leiden. // von Jakob Steinschaden

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Rum und Tabak gibt es für die kubanesische Bevölkerung in Hülle in Fülle – aber Internet? Für die Bewohner der karibischen Insel unter sozialistischem Regime ist das Netz meistens unnerreichbar und oft Luxus. Die Wege, die sie gehen, um online sein zu können, sind dabei oft abenteuerlich und manchmal illegal. Die Lockerungen des US-Embargos lassen derzeit viele hoffen, dass sich die Situation verbessert – denn vor allem die Jungen wollen nicht nur Facebook und WhatsApp verwenden, sondern sich in der globalen Digitalökonomie behaupten können. Eine Reportage aus einem Land, das den Anschluss verloren hat und endlich am globalen Netz mitpartizipieren will.

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Sponsored Post: Telekom – Ausrede

Ein Klassiker trifft auf die Moderne. Der legendäre Mercedes Spot ganz im Zeichen der Telekom.

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Na wer hätte das gedacht?! Sogar 18 Jahre nach dem Mercedes-Klassiker bleibt die Wirkung und Botschaft die Gleiche. Denn Ausreden gibt es keine, weder bei Mercedes noch bei der Telekom. Durch unterschiedliche Tests bestätigt, bleibt die Netzqualität der Telekom die Beste. Die Worte: „Ich hatte kein Netz“ wird man bei der Telekom und als Kunde wohl nun komplett streichen. Weiterlesen »

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Der arabische Frühling…und was bei uns angekommen ist

Stephan Urbach, geboren 1980 in Lauterbach, geschieden, lebt und arbeitet in Berlin. Nach einem abgebrochenen Lehramtsstudium und einer erfolgreichen Bankkaufmannslehre arbeitete Urbach bei AOL. Seit 2011 tut er das nicht mehr, sondern macht Politik in der Piratenpartei und ist Netzaktivist.

Urbach hat gerade erklärt, er trete zurück von der aktiven Unterstützung der Rebellen und Aktivisten in den totalitären Staaten via Telecomix und anderen philanthropischen Hacker-Gemeinschaften und betrachte die erschreckenden Geschehnisse lieber aus der Distanz – auch und gerade um sich zu schützen. Er hat erlebt, wie Aktivisten starben und gefoltert wurden, weil ihre Handlungen von Software getracked wurde, die aus Europa und den USA kommt… [Danke an wgtarier (siehe in den Kommentaren)]

In diesem Vortrag bei einer Oldenburger Veranstaltung erzählt er uns, was, wie und warum bei der arabischen Rebellion im Netz passiert ist.

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Wir, die Netz-Kinder

Der Dichter Piotr Czerski beschreibt einmal was die Generation „Netz“ so auszeichnet und wie es um das Lebensgefühl dieser Personen, die es betrifft, bestellt ist. Der Text ist ein wirklich lesenswertes Schaubild und auch ich konnte es mir nicht verkneifen, diesen für euch, liebe Netzpiloten-Leser, noch einmal zu crossposten.


Wir, die Netz-Kinder

Es gibt wohl keinen anderen Begriff, der im medialen Diskurs ähnlich überstrapaziert worden ist, wie der Begriff “Generation”. Ich habe einmal versucht, die “Generationen” zu zählen, die in den vergangenen zehn Jahren ausgerufen worden sind, seit diesem berühmten Artikel über die sogenannte “Generation Nichts”. Ich glaube, es waren stolze zwölf. Eines hatten sie alle gemeinsam: Sie existierten nur auf dem Papier. In der Realität gab es diesen einzigartigen, greifbaren, unvergesslichen Impuls nicht, diese gemeinsame Erfahrung, durch die wir uns bleibend von allen vorangegangenen Generationen unterscheiden würden. Wir haben danach Ausschau gehalten, doch stattdessen kam der grundlegende Wandel unbemerkt, zusammen mit den Kabeln, mit denen das Kabelfernsehen das Land umspannte, der Verdrängung des Festnetzes durch das Mobiltelefon und vor allem mit dem allgemeinen Zugang zum Internet. Erst heute verstehen wir wirklich, wie viel sich in den vergangenen 15 Jahren verändert hat.

Wir, die Netz-Kinder; die mit dem Internet und im Internet aufgewachsen sind, wir sind eine Generation, welche die Kriterien für diesen Begriff gleichsam in einer Art Umkehrung erfüllt. Es gab in unserem Leben keinen Auslöser dafür, eher eine Metamorphose des Lebens selbst. Es ist kein gemeinsamer, begrenzter kultureller Kontext, der uns eint – sondern das Gefühl, diesen Kontext und seinen Rahmen frei definieren zu können.

Indem ich das so schreibe, ist mir bewusst, dass ich das Wort “wir” missbrauche. Denn unser “wir” ist veränderlich, unscharf, früher hätte man gesagt: vorläufig. Wenn ich “wir” sage, meine ich “viele von uns” oder “einige von uns”. Wenn ich sage “wir sind”, meine ich “es kommt vor, dass wir sind”. Ich sage nur deshalb “wir”, damit ich überhaupt über uns schreiben kann.

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Netz-Helfer: Zattoo

Als ich vor einigen Jahren für eine wichtige Uni-Prüfung lernen musste, habe ich kurzerhand das Programm-Kabel versteckt, um meinen Kopf und mein Zeitbudget vor zu viel Fernseh-Konsum zu schützen. Das Kabel war dann aber so gut versteckt, dass ich es später lange Zeit nicht mehr gefunden habe. Irgendwann habe ich gemerkt, dass Fernsehen doch nicht nur eine Verblödungsmaschine ist, sondern ab und zu ganz nett sein kann. Was tun? Ich habe einen Dienst entdeckt, auf dem zumindest die öffentlich-rechtlichen Sender kostenlos und vollständig gestreamt werden können: Zattoo… Weiterlesen »

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Das Web: Ein Schlaraffenland

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Die Versuche, eine Netztheorie auf der Metapher der Stadt aufzubauen sind Legion. Die Lagerverwalter sind Verleger, die den Raum zwischen oben und unten im Staat ausdehnen. Dort soll dann die öffentliche Diskussion stattfinden. Aber ob im Zeitalter des information flow das Konfektionieren gespeicherter Fakten von gestern überhaupt eine Leistung ist, die die virtuelle Stadt benötigt, ist strittig. Es wird Zeit für einen Blick hinter die Kulissenschieberei der tausend Stimmen. Denn vor lauter Zeter und Mordio kommt die eigene Bestimmung der Bürger über den Gebrauch des Netzes aus dem Blick. Vollbremsung. Ein Blick in die gute alte Landkarte im Handschuhfach der Geschichte hilft vielleicht.

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