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Netzpiloten @buchmesse:blogger sessions

Via Tablets, Readern und Smartphones lesen wir heute mehr denn je. Deshalb widmet die Leipziger Buchmesse schon seit einigen Jahren einen Slot der digitalen Welt der Blogger und Bloggerinnen. Am 24. März gibt es wieder die Blogger Sessions (im Fachforum 1 in Halle 5, E600). Wir Netzpiloten sind zum dritten Mal als Medienpartner mit dabei. 

Welche Speaker werden da sein?

Zu den Teilnehmern der Blogger Sessions gehört unter anderem Gloria Manderfeld vom Blog Nerdgedanken. In ihrem Vortrag widmet sie sich der kreativen Ideenfindung für Blogger und Bloggerinnen. Passend zur Buchmesse ist auch Daniel Allertseder von WeLoveBooks mit dabei, der seine Erfahrungen teilt, wie man über die klassische Buch-Rezension hinaus mit smarten Aktionen Bücher bekannt machen kann. Über  DSGVO, Copyright und Werbekennzeichnung referiert der Medienrechtler André Stämmler. Roland Jesse von Büchergefahr widmet sich automatischen Analysen von Textstrukturen, von denen auch Buchblogger/innen stark profitieren können.

Welche Themen erwarten euch?

  • Monetarisierung von Blogs und Rezensionen
  • Das Ende der Blogs? – Rezensionen auf den Social-Media-Kanälen
  • Blog 4.0 – Die geheimen Superkräfte deines Blogs
  • Das darfst du nicht, oder doch? – Recht für Blogger
  • Sensitivity Reading für Romane
  • Wie können Methoden der künstlichen Intelligenz BuchbloggerInnen unterstützen?
  • Aus eins mach 10 – Kreative Themenfindung für Blogger

Und sonst noch?

Die Bloggersessions könnt ihr mit einem Ticket der Leipziger Buchmesse oder einer Presseakkreditierung kostenfrei besuchen. Das ausführliche Programm, sowie Infos zu allen Teilnehmern könnt ihr hier als PDF downloaden. Neben den interessanten Vorträgen, bieten die Blogger Sessions natürlich auch gute Gelegenheit sich zu vernetzen. Wir wünschen viel Spaß!

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Die Künstliche Intelligenz scheitert an der Sprache

Von allen Seiten des Internets sieht man gefühlt nur Artikel, die uns davor warnen, wie gefährlich uns künstliche Intelligenz in der Zukunft werden kann. Es geht darum, dass Deep-Learning Techniken letztendlich dazu führen würden, dass Maschinen sich ohne unser Wissen selbst verbessern, bis wir nicht mal mehr verstehen, was genau sie dort lernen. Auch von einem großen Arbeitsplatzverlust, durch das Ersetzen aller möglichen Stellen mit intelligenten Systemen, ist die Rede. Man spricht von „Superintelligenzen“, die in den Augen einiger Autoren die Weltherschafft an sich reißen könnten. Doch sind viele dieser Ansätze realistisch? Sieht so wirklich unsere Zukunft aus? Ein gerade veröffentlichter Artikel der Website MIT Technology Review zeigt ein deutlich „gemildertes“ Bild der künstlichen Intelligenzen von heute. Eines, wo diese noch starke Probleme aufweisen, bei so vergleichsweisen simplen Aufgaben wie dem Interpretieren von Sprache.

Binär-Code ist nicht gleich humanistische Sprache

Die künstlichen Intelligenzen, die heute entwickelt werden, kommunizieren auf einem ganz anderen Level als wir. Wenn sie untereinander kommunizieren, tun sie das durch das Übertragen von Datensätze. Die Daten werden 1:1 von der anderen Maschine gelesen und ausgeführt. Wenn es jedoch darum geht mit dem Benutzer aus Fleisch und Blut zu kommunizieren, stehen die künstlichen Intelligenzen vor ganz anderen Herausforderungen. Das Online-Magazine MIT Technology Review hat nun ein wenig gefiltert, woran es im Moment noch bei den künstlichen Intelligenzen harkt.

Künstliche Intelligenzen wissen nicht, was sie tun

Und das ist wohl das größte Problem. Viele sprach-basierte KIs sind darauf programmiert, aus ihnen zugeführten Texten zu analysieren, welche Wörter wie oft, in welchem Kontext, verwendet werden. Daraus ziehen sie einfach Schlüsse und versuchen dann, die Sprachwiedergabe nachzuahmen. Aber dabei verstehen sie selbst den Sinn hinter ihren eigenen Sätzen nicht und bemerken somit auch offensichtliche Fehler nicht. Was dabei rauskommen kann, sieht man an dem Beispiel, als eine KI versuchte, eigenständig ein Harry Potter-Buch zu schreiben.

Aber es gibt schon Beispiele wo KIs erfolgreich mit Menschen interagieren! Wie zum Beispiel bei Alexa. Das liegt aber hauptsächlich daran, dass sie einzig darauf programmiert ist, aus gesprochenen Sätzen die Eckpfeiler „was, wann, wo und wer“ herauszufiltern. Wenn sie in ihrem System diese Fragen beantworten kann, gibt sie eine Antwort, die Sinn macht. Ihr Vorteil ist also, dass sie Sätze in Bausteine zerlegen und diese separat analysieren kann. Nuancen kann sie jedoch bis heute noch nicht erkennen und kreatives Schreiben ginge erst recht nicht.

Die Nuancen der Semantik

Dann gibt es in der menschlichen Kommunikation aber auch noch die sogenannte Model-theoretische Semantik. Diese ist für das Übermitteln einfacher Informationen von Mensch zu Mensch verantwortlich. Künstliche Intelligenzen, die dieses Wissen wiedergeben sollen, sind basierend auf der Annahme programmiert, dass alles menschliche Wissen einfach in einen Code umgeschrieben und den KIs gefüttert werden kann. Allerdings verhalten sich künstliche Intelligenzen hier wie ein Kleinkind: Man muss ihnen buchstäblich alles eigenhändig beibringen. Der Artikel des MIT Technology Review führt hier einen sehr guten Vergleich an. Wenn man einer KI beibringt: Adler sind Vögel, Vögel können fliegen, also können Adler fliegen, wird das spätestens bei den Pinguinen wieder zu einem Problem. Die sind schließlich auch Vögel, sie können aber nicht fliegen. Unterm Strich: Es gibt zu viele Ausnahmen in der Welt, als dass man einer KI alle Nuancen beibringen könnte.

Und schließlich für die Hobby-Psychologen hier noch ein Extra: Sprache ist auch immer sehr stark abhängig vom jeweiligen Kontext. Selbst wenn wir nur im Englischen bleiben würden, und somit zunächst die Bedeutung verschiedener Wörter/Betonungen in anderen Sprachen außer Acht lassen würden, ist Sprache ein sich ständig veränderndes Feld. Sie wird von jedem Individuum, selbst innerhalb einer Kultur, unterschiedlich verstanden und benutzt. Sprache ist immer auch ein Ergebnis unsere eigenen Erfahrungen, unseres eigenen sozialen Umfelds und letztlich auch unserer individuellen Prägung. Und gerade in der kreativen Literatur wird sie oft aus dem Kontext genommen, abgewandelt und umgeändert, damit etwas Neues und eben Kreatives dabei entsteht.

OpenAI versucht sich am kreativen Schreiben

Bis die Maschinen sich den Menschen soweit annähern, dass sie alle diese Nuancen und Bedeutungen verstehen, sodass von künstlicher Intelligenz geschriebene Manuskripte Sinn ergeben, wird es also wohl noch dauern.

Ursprung für den Artikel von MIT Technology Review war der Durchbruch der Firma OpenAI, die eine KI erschaffen hat, die fast perfekte Texte verfassen kann. Aber eben nur fast. In diesem Test hat ein Mensch die „Rahmenhandlung“ erfunden, Wissenschaftler hätten Einhörner entdeckt. Daraufhin sollte die KI die Geschichte weiterspinnen. Was sie daraus gemacht hat, ist zumindest unterhaltsam.


Image by lassedesignen / adobestock.com

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Schöne neue Welt: Wir leben in einer Dystopie

Drogen (adapted) (Image by katicaj [CC0 Public Domain] via pixabay)

Die orwellianische Dystopie vom Doppelsprech ist, aufgrund von Bedenken wegen Trumps „alternativen Fakten“ gerade ziemlich in Mode. Alternative Fakten, die mehr auf die weichen Gehirnwäschetechniken von Aldous Huxleys Roman Schöne Neue Welt als auf die strengen stalinistischen Unterdrückungen und propagandistischen Tricksereien von 1984 zurückzuführen sind, stellen jedoch nur die Spitze des dystopischen Eisberges dar.

Um die auf Huxley basierende Idee von aktuellen Ereignissen zu begreifen, müssen wir sie als einen Teil einer Kultur sehen, welche zunehmend von den Prinzipien der Neurowissenschaft eingenommen wurde, die ich als Neurokultur bezeichnet habe.

Die Anfänge der Neurokultur finden sich in anatomischen Zeichnungen und der darauffolgenden Neuronendoktrin des späten 19. Jahrhunderts. Dies war das erste Mal, dass das Gehirn als ein nicht kontinuierliches Netzwerk von Zellen, dessen Verbindung als synaptischer Spalt bezeichnet wird, verstanden wurde. Wissenschaftler nahmen zunächst an, dass diese Spalten mit elektrischen Ladungen verbunden werden, entdeckten jedoch später die Existenz neurochemischer Übertragungen. Gehirnforscher fanden weiterhin mehr über die Funktionalität des Gehirns heraus und haben später angefangen, in die zugrunde liegenden chemischen Prozesse einzugreifen.

Auf der einen Seite zeigen diese chemischen Eingriffe einen Weg zu möglichen Maßnahmen, um einige wesentliche Fragen, wenn es beispielsweise um psychische Gesundheit ging, zu verstehen. Auf der anderen Seite warnen sie jedoch vor dem Potential einer bevorstehenden dystopischen Zukunft – und zwar nicht, wie wir denken, durch die gewaltsame Erzwingung von Hirnuntersuchungen im geheimen Hinterzimmern, sondern durch weitaus subtilere Vermittlertätigkeiten.

Soma

Huxleys Schöne Neue Welt (erstmals erschienen im Jahr 1932) dreht sich um eine dystopische Gesellschaft, die nicht durch Furcht kontrolliert wird, sondern durch Glücks folgsam gemacht wird. Das Motto dieser Gesellschaft lautet, dass jeder jederzeit glücklich sei. Wie Alex Hern im Guardian argumentiert, präsentiert Huxley eine relevantere autoritäre Dystopie im Vergleich zu 1984, für die „das Leben für die überwiegende Mehrheit sehr angenehm ist und nur wenig Widerstand entsteht“. Die besten Dystopien sind oft als Utopien getarnt.

Huxley appelliert an emotionale Konditionierung, die mit heutigen dystopischen Neurokulturen am ehesten im Einklang ist. Er erwähnt die eindeutigen Vorteile der Vermeidung einer geistigen Auseinandersetzung, stattdessen appellierte er an emotionale Beeinflussbarkeit, um Absichten zu manipulieren und eine Nichtkonformität zu überwältigen.

Als solche kombiniert die Gesellschaft der Schönen Neuen Welt zwei zentrale Kontrollmodi. Zunächst durch den verbreiteten Konsum des Freude spendenden Pharmazeutikums Soma und zweitens durch eine hypnotische Medienpropagandamaschine, die weniger mit Logik als vielmehr mit „gefühlsbetonten“ Treffen arbeitet.

Heutige Neurokulturen korrespondieren mit diesen Technologien mittels auffälliger Methoden. Zunächst ergab sich aus der wachsenden Beliebtheit von Neuropharmazeutika wie Prozac ein Bedürfnis nach selbstverordnetem Glück innerhalb der Gesellschaft. Genauso alarmierend ist der Anstieg von Verschreibungen für ADHS-Behandlungen wie beispielsweise Ritalin, das aufmerksamkeitsregulierend wirkt und gleichzeitig sozial schwieriges Verhalten eindämmen soll. Der mentale Status eines ADHS-Betroffenen ist der einer paradox gefügigen Aufmerksamkeit.

Das Institut der emotionalen Konstruktion

Es können ebenso Vergleiche zwischen Huxleys Institut für emotionale Konstruktion und heutiger sozialer Medien hergestellt werden. In Huxleys Buch ist das Institut eine wichtige akademische Einrichtung, die sich im gleichen Gebäude befindet wie das Büro für Propaganda und einen einzigartigen Fokus auf emotionale Beeinflussbarkeit hat. In dieser Situation werden gefühlsbetonte Szenarien, emotionalen Parolen und hypnopädische Reime geschrieben. Diese Art von Propaganda ist für den Massenkonsum bestimmt, heutige emotionale Konstruktion findet in intimeren und ansteckenden Arenen sozialer Netzwerke statt.

Facebook nahm beispielsweise im Jahr 2014 an einem Experiment teil, das konzipiert wurde, um positive und negative Emotionen viral zu verbreiten. Forscher manipulierten die Nachrichtenticker von über 600.000 Benutzern, um die Weitergabe von positiven und negativen Emotionen an andere Benutzer in ihrem Netzwerk zu testen.

Die Idee, dass soziale Medien als Träger für sowohl ansteckende positive als auch negative Emotionen agieren, kann uns vielleicht helfen, zu verstehen, wie Trump es scheinbar geschafft hat, in die negativen Gefühle einiger desillusionierten Wähler der Vereinigten Staaten einzudringen. Die Vergiftung durch Fakenews ergibt eine gefährliche Mischung aus Angst und Hass. Der Großteil des populistischen Reizes, der Trump (und ebenso den Brexit) ausmacht, spielte mehr auf freudige Treffen mit prominenten Politikern an als auf solche, die mit der staubtrockenen intellektuellen Elite der konventionellen Politik vertraut sind.

Rosen oder Orchideen

Die Verbreitung der heutigen Neurokultur startete mit dem neurowissenschaftlich emotionalen Wandel der 1990er. Wissenschaftler realisierten, dass Emotionen sich nicht von purer Logik unterscheiden, sondern mit den kognitiven Netzwerken verstrickt sind. Es wird nun angenommen, dass die Art, wie wir denken und uns verhalten, zu einem nicht geringen Teil davon beeinflusst wird, wie wir uns fühlen.

Die seismische Beeinflussung dieser intensiven Verschiebung hat sich über die Wissenschaft hinaus auf ökonomische Theorien ausgebreitet, die sich mit den Neurochemikalien beschäftigen, die Käuferentscheidungen beeinflussen können. Es unterstreicht ebenso neue Modelle der Verbraucherwahl, die sich auf den „Schnäppchenjägeranteil“ in unserem Hirn fokussiert. Der Aufstieg der Neuroökonomie, und danach auch dem Neuromarketing, ergab weitere Unterkategorien wie Produktdesign und Markenbildung. Die Verbraucherentscheidung einer Marke wird nun anhand der Frequenz von Gehirnwellen gemessen, die mit bestimmten aufmerksamkeitstechnischen und emotionalen Zuständen korrelieren.

Vielleicht beinhaltet die Neurokultur nichts Neues. Werbetreibende versuchten, die Gefühlen seit dem Aufstieg der Werbung zu beeinflussen. So haben schon immer Politiker Säuglinge abgeküsst, um Nähe auszustrahlen. Vielleicht ist meine Idee der Neurokultur ein Beispiel der zynischerweise benannten Neurospekulation. In einer Zeit, die sich durch soziale Netzwerke und Medikamentenbeigabe kennzeichnet, gibt es eine dystopische Intensivierung, Verseuchung und emotionale Manipulation, die nicht ignoriert werden kann.

Nicht jeder stimmte mit Huxleys Voraussagen über eine neurowissenschaftliche Diktatur überein. Ein literarischer Kritiker verglich ihn einmal mit einem Hasen, der in seinen Bau verschwand, und daraus schloss, dass die ganze Welt schwarz sein musste.

Es war jedoch die Aufmerksamkeit, die er von Wissenschaftlern erhielt, die uns vor seiner Dystopie warnen soll. Im 20. Jahrhundert behauptete der Wissenschaftshistoriker Joseph Needham, dass wissenschaftliches Wissen nicht immun sei gegenüber politischen Interferenzen. Needham bezeichnete Huxleys Schöne Neue Welt als einen „Orchideengarten“ – was zeigt, dass wissenschaftliche Erkenntnisse kein Zuckerschlecken sind. Huxley hilft uns dabei, „zu erkennen, was am Ende der verlockenden Pfade kommen mag“.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Drogen“ by katicaj (CC0 Public Domain)


The Conversation

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Lesen, bis der Akku leer ist: Die neuesten E-Reader im Test

Lesen (adapted) (Image by Arcaion [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Bücher sind für viele Menschen ein wichtiger Bestandteil des Alltags. So auch für mich. Habe ich ein Buch beendet, beginne ich direkt mit dem nächsten – was natürlich immer ein tolles Gefühl ist, wenn man das Bücherregal mit einem weiteren Werk schmücken kann. Da ich wegen meines Studiums viel Zeit mit vollen Taschen in Zügen verbringe, muss ich mich immer wieder entscheiden: Passt zwischen die dicken Uniwälzer noch genug Essen und die Wasserflasche – oder sollte ich lieber auf ein paar Snacks verzichten und doch noch das spannende Buch für die Rückfahrt hineinquetschen? Mein Rücken meckert auch, und ich beschließe: Es wird Zeit für eine digitale Revolution in meiner Tasche.

Natürlich ist der E-Book-Trend nicht völlig an mir vorbeigegangen, hin und wieder lese ich ein paar E-Books auf meinem zu groß geratenen Tablet. Für einen E-Book-Reader konnte ich mich nicht so sehr erwärmen – bis jetzt! Denn nachdem ich die folgenden drei E-Reader getestet habe, weiß ich, dass ich nie wieder auch nur ein Wort mehr als nötig auf meinem Tablet lesen möchte. Ich habe drei aktuelle Geräte auf Laufzeit, besondere Merkmale und Vielseitigkeit getestet: Den neuen Amazon Kindle Oasis, den herkömmlichen Amazon Kindle und den Tolino Vision 4 HD.

Der Neuling: Tolino Vision 4 HD

Am Tolino Vision 4 HD gefiel mir auf den ersten Blick sein schlichtes Design. Er liegt mit seinen 175 Gramm und seiner Gummibeschichtung sehr leicht und angenehm in der Hand. Mit einer Bildschirmgröße von gerade einmal sechs Zoll ist er zum Lesen genau richtig. Der Tolino bringt neben seiner Wasserresistenz einige coole Features mit, die mich als E-Reader-Neuling beeindruckt haben.

Tolino schläft (Image by Jennifer Eilitz)
Tolino schläft (Image by Jennifer Eilitz)

Als ich den Tolino aus der Verpackung genommen habe, fiel mir als erstes das schlafende Gesicht auf dem Display ins Auge mit der Bildunterschrift: „Psst… Tolino schläft“. Das verleiht dem Ganzen einen niedlichen Charakter und macht Tolino zu einer Art begleitendem Maskottchen, das man gerne bei sich trägt.

Das erstmalige Verbinden mit WLAN hat reibungslos geklappt und verlief ziemlich schnell. Was mir allerdings nicht gut gefallen hat, war die ständige Erinnerung an ein neues Update, was gefühlt bei jeder Benutzung aufpoppte.

Auf dem Tolino findet sich der Shop auf der Startseite, bei dem man das Gerät gekauft hat, in diesem Fall war es der Onlineshop von Hugendubel. Wollte ich meine Bücher lieber bei Thalia oder einem anderen Shop aussuchen, dann musste ich das über den Webbrowser tun. Das Scrollen und Surfen im Web über den Reader gestaltete sich leider als weniger angenehm, da die Reaktionen des Readers sehr langsam, zögerlich und flackernd waren.

Wer allerdings den Dreh raus hat und Kunde bei Hugendubel, Thalia und Co. ist, hat ein angenehmes Lesevergnügen vor sich. Denn hier hat der Tolino ein besonderes Feature, bei dem man nicht mehr zwangläufig mit dem Finger auf dem Bildschirm tippen muss, um zu blättern, sondern man kann dies bequem auf der Rückseite tun, indem man auf das Logo tippt. Allerdings muss der Nutzer hier eine Menge Fingerspitzengefühl beweisen – bei mir wollte das nicht immer auf Anhieb klappen.

Ansprechend fand ich auch die Option, Bücher über eine Leihbibliothek auf seinen Reader zu laden. Auch das geht ganz einfach, ohne dass man erst das E-Book auf den PC laden muss. Außerdem braucht der Leser auch das Buch nicht fristgerecht zurückzugeben, denn das passiert am Ende der Leihfrist ganz von selbst, indem sich das E-Book vom Reader entfernt.

Wie bei allen getesteten E-Readern kann der Leser beim Tolino seine Leseeigenschaften individuell einstellen. Ob Schriftart, Schriftgröße, Zeilenabstand oder sogar die Randbreite – die Möglichkeiten sind sehr vielseitig und können das Lesen noch angenehmer gestalten.

Zum Schluss möchte ich noch einmal auf eine wirklich gute Funktion des Tolino Vision 4 HD aufmerksam machen: Das smartLight. Hier verändert der Reader automatisch die Beleuchtung, um sich entsprechend des Tageslichts und des Leseverhaltens der Nutzer anzupassen. Morgens strahlt er im kaltweißem Licht, abends leuchtet er warmweiß, um den Leser nicht vom Einschlafen abzuhalten. Diese Funktion hat natürlich Einfluss auf die Akkulaufzeit, die aber mit etwa zwei bis dei Wochen für meine Bedürfnisse absolut ausreicht.

Der Tolino Vision 4 HD ist in vielen Shops erhältlich und unter anderem auch bei Hugendubel für ca. 180,00 Euro online zu bestellen.

Der Klassiker: Amazon Kindle

Ich muss zugeben, dass ich ein absoluter Amazon-Fan und Prime-Kunde bin und gerne auf die Produkte und Bücher des Onlinehändlers zugreife. Daher wollte ich es mir auch nicht nehmen lassen, den altbewährten Amazon Kindle zu testen. Dazu gibt’s jeden Monat ein E-Book gratis.

Genau wie beim Tolino war auch hier die WLAN-Anmeldung sehr einfach und schnell. Ich mochte den Kindle auf Anhieb und war gespannt, was er alles zu bieten hat. Der Startbildschirm ist sehr übersichtlich und einfach aufgebaut. Es gibt eine digitale Bibliothek, in der sich alle Bücher befinden, die ich lese oder bereits gelesen habe. Außerdem kann man eine Liste mit Büchern erstellen, die man noch lesen möchte und erhält exklusive Empfehlungen.

Amazon Kindle Startbildschirm (Image by Jennifer Eilitz)
Amazon Kindle Startbildschirm (Image by Jennifer Eilitz)

Der Kindle ist mit seinen 161 Gramm und seinem Bildschirm, der sechs Zoll misst, sehr leicht und praktisch. Allerdings würde ich eine Schutzhülle mit Gummibeschichtung empfehlen, da dieser E-Reader – anders als der Tolino – durch die Plastikhülle hin und wieder mal aus der Hand rutscht. Was ich allerdings zu bemängeln habe, ist, dass die Beleuchtung nicht reguliert werden kann. Sobald es dunkler wird, wird es also auch schwieriger mit dem Lesen und man muss wie in analogen Zeiten eine Leselampe zu Hilfe nehmen.

Ich habe mir zum Test ein E-Book auf den Reader geladen, was als Prime-Kunde sehr einfach und schnell ging. Auch das Lesen hat mir sehr viel Spaß gemacht, da ich in verschiedenen Situationen getestet habe: Im Wartezimmer beim Arzt, als Beifahrer auf einer längeren Autostrecke, gemütlich auf dem Sofa, oder im Bett kurz vor dem Schlafengehen. Er hat mich immer überzeugt. Sowohl mit der langen Akkulaufzeit, die mit eine Länge von mehr als drei Wochen beachtlich ist, als auch mit der riesigen Auswahl an E-Books, die Amazon seinen Kunden bereitstellt.

Ich hatte jedoch zu Beginn ein paar Probleme, mit der Funktionsweise der Seitenanzeige. Anfangs wurde mir immer wieder die Positionsangabe aufgezeigt, die ich nicht praktisch fand. Ich weiche zwar mit einem E-Reader von einem physischen Buch ab, möchte aber dennoch das Buch-Gefühl, so gut es eben geht, nachempfinden. Kurz: Mich interessieren Seitenzahlen einfach mehr als Daten. Ich fand schließlich heraus, dass ich für die Darstellung auf die linke unterste Ecke tippen musste. Die Option, erfahren zu können, wie viele Minuten für ein Kapitel noch benötigt werden, hat mir gefallen – solange es eine Option bleibt.

Den klassischen Kindle kann man schon für kleines Geld kaufen und so ist er bei Amazon für ca. 69,99 Euro in schwarz und weiß erhältlich.

Der Luxuriöse: der Amazon Kindle Oasis

Der wohl wichtigste Punkt des großen Bruders von Amazon ist das optische Erscheinungsbild: Er liegt durch seine ergonomische Haltefläche, in die der Akku integriert ist, bequem in der Hand. Der Kindle Oasis lässt sich sowohl per Berührung als auch anhand von zwei Knöpfen umblättern, was das Lesen und Halten des Readers noch einfacher macht. Der Kindle Oasis ist der bislang leichteste und dünnste Reader des Anbieters und hat mich optisch angenehm überrascht

Oasis ergonomische Form (Image by Jennifer Eilitz)
Oasis ergonomische Form (Image by Jennifer Eilitz)

Auch er mit einem Bildschirm von sechs Zoll ausgestattet, jedoch ist er mit seinem einmaligen Design kaum mit dem Tolino Vision 4 HD oder dem herkömmlichen Amazon Kindle vergleichbar. Der Menüaufbau gleicht dem Kindle in beinahe allem, nur dass ich hier zusätzlich an der Helligkeit stellen kann, was ich mir beim klassischen Kindle gewünscht hätte. Daher testete ich überwiegend den klassischen Kindle am Tag und den Oasis abends im dunklen Schlafzimmer – und ich muss sagen, dass es meine Augen nicht im Geringsten angestrengt hat.

Besonders gefallen hat mir hier die Idee, die Anzeige drehbar zu gestalten – solche Features sind wir mittlerweile vom Smartphone gewöhnt, bei den E-Book-Readern suchte man sie allerdings bisher vergeblich. Das macht es auch für Linkshänder oder Bequemlichkeitsfanatiker gut nutzbar, denn so kann die Knopfleiste sowohl links als auch auf der rechten Seite genutzt werden.

Amazon Oasis mit Ladehülle (Image by Jennifer Eilitz)
Amazon Oasis mit Ladehülle (Image by Jennifer Eilitz)

Ein sehr praktisches Feature ist die Ladefunktion über die Hülle, die man mit durch Magnete am Kindle befestigen kann. Dadurch kann die Laufzeit des Kindle Oasis, die in anderen Produkttests bereits deutlich kritisiert wurde, ordentlich verlängert werden. Der Trick steckt in der Verpackung: Solange die Lederhülle, die man in verschiedenen Farben erhält, am Kindle befestigt ist, wird der Akku darüber verbraucht und das eigentliche Gerät wird nicht in Mitleidenschaft gezogen.

So kann der Leser den Reader laut Hersteller über mehrere Monate benutzen, ohne ihn aufladen zu müssen. Ganz so viel Zeit hatte ich leider nicht zum Testen, aber drei gute Wochen hielt das Gerät ohne Probleme durch. Wie handlich das Ganze dann mit Hülle noch ist, daran scheiden sich die Geister. Mich hat es nicht so sehr gestört, die Idee geht aber auf Kosten des Gewichts.

Die Hülle kann aber noch mehr: Da sie den Reader wie ein richtiges Buch verschließt, wacht der Reader auf, wenn man sie aufklappt. Das Gerät wird in den Ruhemodus versetzt, wenn man die Hülle wieder schließt.

Dem Nutzer wird noch mehr geboten – und das fand ich genial: Man kann sich wie auch bei den anderen beiden E-Readern über WLAN anmelden, aber hier wird von Amazon zusätzlich 3G bereitgestellt, sollte man sich nicht direkt über WLAN anmelden können. Die Kosten für die Drahtlosverbindung übernimmt Amazon, dem Nutzer entstehen so keine zusätzlichen Kosten oder Verpflichtungen. So kann das Lesen und Herunterladen von Büchern direkt beginnen. Der einzige Nachteil dabei ist, dass das Gerät beim Kauf teurer ist, als wenn man nur auf die herkömmliche WLAN-Funktion zurückgreift.

Für den Kindle Oasis muss der Leser schon etwas tiefer in die Tasche greifen: Zu einem Preis ab 289,99 Euro kann er bei Amazon bestellt werden. Die mitgelieferte Ladehülle ist in drei verschiedenen Farben erhältlich: Walnuss, Schwarz oder Bordeaux.

Fazit

Nachdem ich also drei Wochen damit verbracht habe, auf den verschiedensten E-Readern zu lesen, bin ich wirklich positiv überrascht. Die Tests haben mir gezeigt, wie praktisch diese Reader sind und wie bequem man sie zu jeder Zeit nutzen kann.

Am besten haben mir die Kindle-Modelle gefallen. Die Funktionen, wie beispielsweise die Leseflatrate Kindle Unlimited für zehn Euro im Monat, fand ich ziemlich überzeugend. Prime-Nutzer können sich sogar monatlich ein Buch kostenlos ausleihen. Zudem verlief das Durchstöbern der Bücher auf der Amazon-Plattform viel schneller und auch die Reaktionen waren sowohl beim klassischen Kindle als auch beim Oasis besser als beim Tolino.

Aber muss der Leser nun in jedem Fall auf das teurere Produkt zugreifen? Für meine Zwecke reicht der klassische Kindle vollkommen aus. Wenn ich mit dem Zug unterwegs bin, kann ich dort auf die Beleuchtung zurückgreifen, die mir beim Kindle am Abend oder wenn es dunkel wird, fehlt.

Die Luxus-Variante Kindle Oasis hat zwar auch vieles zu bieten, dennoch ist er mir schlichtweg zu teuer – und auch wegen des Preises würde ich ihn nicht überall mitnehmen. Von den Leseoptionen unterscheiden die beiden Geräte sich bis auf die Beleuchtung nicht. Der klassische Kindle erscheint mir sehr robust – und selbst, wenn er einmal in meiner Tasche zwischen all den Uniwälzern landet und vielleicht auch mal einen Kratzer abbekommt, wäre das zwar ärgerlich und schade, aber bei Weitem nicht so schlimm wie bei einem Gerät, für das ich knapp 300 Euro bezahlt habe und das ich mit Samthandschuhen anfassen muss.

Da ich auch in Zukunft viel in Zügen unterwegs sein werde, wird in mein Regal und vor allem in meine Tasche demnächst der klassische Kindle einziehen, denn hier stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis auf jeden Fall.


Image (adapted) „Lesen“ by Arcaion (CC0 Public Domain)


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Lesen zum neuen Jahr: Was uns ‚Herr der Fliegen‘ über 2016 erzählt

Lord of the Flies (adapted) (Image by Alaina Buzas [CC BY 20] via flickr)

Es ist die Geschichte einer Gesellschaft, in der sich die Demokratie in einer Art Stammesdenken und Tyrannei auflöst. Die Geschichte einer Zivilisation, die von den Redlichen nach Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit aufgebaut wurde, die sich dann aber gegeneinander aufhetzten und die Schwachen und Ausgestoßenen zu Sündenböcken erklärten. Letztlich ist es eine Erinnerung an die menschliche Barbarei, die unter der zerbrechlichen Fassade des Anstands lauert.

Klingt das bekannt? Allerdings: Es handelt sich um den Plot von ‚Herr der Fliegen‘, einem Roman über ein paar Jungs aus England, die einen Flugzeugabsturz überleben und auf einer Insel im Südpazifik gestrandet sind. Nach einer kurzen Zeit der Harmonie bewirkt ein Machtkampf zwischen den beiden Anführern Ralph und Jack die Spaltung der Gruppe. Jack gewinnt, indem er verspricht, einen gemeinsamen Feind zu jagen und zu töten – er meint das seltsame Phantom, das im Dschungel lebt und nur als ‚das Monster‘ bekannt ist. Es ist ein erfolgreicher Kampf, der die Angst benutzt, um die Gruppe zu spalten.

Der ‚Herr der Fliegen‘ wurde zuerst im Jahr 1954 veröffentlicht, hauptsächlich als Reaktion auf den Aufstieg des Nationalsozialismus und die Schrecken des Zweiten Weltkriegs. Und doch hat das Buch in vielerlei Hinsicht eine direkte Gültigkeit für die Welt von 2016, da Sparmaßnahmen, die Flüchtlingskrise, der Brexit und der Aufstieg Donald Trumps den nationalistischen Eifer ermutigt und die gesellschaftliche Zersplitterung geschürt haben.

Die rassistisch motivierte Sprache der Stammes-„Wildheit“ im Roman lässt zeitgenössische Leser zu Recht innehalten. Hier zeigt sich die Unfähigkeit des Autors William Golding, über eine grundsätzlich eurozentrische und kolonialistische Weltanschauung hinauszudenken. Letztendlich jedoch ist die Botschaft des Buches, dass eine „Wildheit“ quasi allgemeingültig ist. Sie ist weder rassisch noch anhand von Landesgrenzen definiert. Es ist eine Botschaft, die uns darüber nachdenken lässt, dass der Rechtsextremismus erneut in die Mainstream-Politik in ganz Europa und den USA eingekehrt ist.

Im Fahrwasser einer populistischen Sprache unter Betonung nationaler Zugehörigkeit gelingt es den Rechtsextremen, Rassismus zu legitimieren. Amerikas sogenannte alt-right-Bewegung, der Front National in Frankreich, UKIP und die fremdenfeindlichen ‚Leavers‘ in Großbritannien – sie alle nutzen die Unzufriedenheit, die mit der Globalisierung einherging, um im Innern Feindschaften zu schüren. Die Lösung komplexer wirtschaftlicher und politischer Wirklichkeiten ist für diese Gruppen so einfach wie die Jagd auf ‚das Monster‘. Der Anführer Jack gibt sein Erbe weiter an Figuren wie Trump, Marine Le Pen und Nigel Farage.

Die Stimme der Vernunft

Als Gegenstück zu Jacks Agitation und Angstmacherei stellt uns ‚Herr der Fliegen‘ die beiden Freunde Piggy und Simon vor. Piggy glaubt an den wissenschaftlichen Fortschritt, ist sich aber auch bewusst, dass eine Weiterentwicklung der Menschheit aufgehalten wird, wenn „wir Angst vor Menschen bekommen“. Piggy wird geschwächt, wenn die Jungen seine Brille stehlen – sein Symbol von Vision und Klarheit – und sie benutzen, um ein Feuer zu entzünden. Das Feuer gerät außer Kontrolle, was zur Zerstörung eines Teils ihres neuen Zuhauses führt. Statt den ersten Akt einer vereinten Zivilisation zu repräsentieren, signalisiert die Entstehung des Feuers die Uneinigkeit, die die Gruppe spaltet und schließlich unter Jacks Verantwortungs als Stammesoberhaupt zum Tode von Piggy führt.

Wie Piggy den Fortschritt repräsentiert, so steht Simon für die Vernunft. Er weiß, dass ‚das Monster‘ nicht real ist und durch die Angst der Jungen erschaffen wird. „Wann immer Simon an ‚das Monster‘ dachte“, so heißt es, „stand vor seinem inneren Auge das Bild eines Menschen, der heroisch und krank zugleich war.“ Trotz dieser Einsicht wird Simon als schwach angesehen und gemieden.

Nach einer Expedition, die er allein angetreten hatte, entdeckt er, dass ‚das Monster‘ lediglich ein toter Fallschirmjäger ist – ein Opfer des Krieges, der in der Ferne tobt. Sein Fallschirm hat ihn auf die Insel getragen. Simon kehrt zum Lager zurück, um die Nachricht zu überbringen, aber die Phantasie der Jungen erweckt in ihnen einen blinden Blutrausch. Sie sehen keinen Menschen mehr, sondern nur eine Bedrohung für ihre Gesellschaft. Simons Schreie werden durch das „Reißen der Zähne und Krallen“ übertönt.

Während seiner Vortragsreise an amerikanischen Universitäten im Jahr 1962 erklärte Golding die Gründe, weshalb er den ‚Herr der Fliegen‘ geschrieben hatte:

Mein Buch will sagen: Sie denken, dass jetzt der [Zweite Weltkrieg] vorbei ist und etwas Böses zerstört worden ist, und dass Sie jetzt in Sicherheit sind, weil Sie von Natur aus gut und anständig sind. Doch ich weiß, warum diese Sache in Deutschland so mächtig wurde. Ich weiß, dass es in jedem Land passieren kann.

So weit, so finster. Und dennoch – während Golding die Neigung der Menschheit zu Vorurteilen darstellt, gibt es einen kleinen Hoffnungsschimmer. Nach seiner Flucht vor den von Jack bestellten Menschenjägern trifft Ralph auf einen Marineoffizier, dessen Schiff angelegt hat, nachdem die Mannschaft den Rauch gesehen hat, der von der verwüsteten Insel aufsteigt. Als Ralph „das Ende der Unschuld“ beweint, dreht sich der Offizier um, um das Kriegsschiff in der Ferne zu betrachten. Dieses finale Bild des Buches ist ein Moment der Selbstreflexion. Inmitten der Wildheit und der Katastrophe der rudimentären Zivilisation der Jungen wird die Erwachsenenwelt mit einer Vision ihrer eigenen Torheit konfrontiert.

Die Moral von ‚Herr der Fliegen‘ ist nicht nur, dass die Barbarei keine Grenzen kennt. Die Moral besteht auch darin, dass die Barbarei verhindert werden kann, und zwar durch das Engagement für eine gemeinsame Menschheit. „Wenn die Menschheit eine Zukunft von hundert Millionen Jahren auf diesem Planeten hat“, sagte Golding in seinem Vortrag von 1962, „ist es unvorstellbar, dass sie diese Äonen in einem Gepräge von nationaler Selbstzufriedenheit und chauvinistischer Idiotie verbringen sollte.“

Der Roman mag keine sonderlich herzerwärmende Geschichte sein, aber er präsentiert uns eine erbarmungslose Darstellung einer Gesellschaft, die von Angst getrieben wird. Im neuen Jahr soll dies dem Leser eine dringende Warnung und ein Aufruf zum Handeln sein.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Lord of the Flies“ by Alaina Buzas (CC BY 2.0)


The Conversation

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Von Mikroben und Maschinen: Wie Kunst und Wissenschaft zu „Bio-Art“ verschmelzen.

Es gibt Wissenschaft in der Kunst – die Alchemie der Farbe, die Binärcodes, die in der Kamera rechnen, die ausdrucksvolle Anatomie in Portraits und Skulpturen.

Es gibt Kunst in der Wissenschaft – die künstlerische Präzision des Skalpells, die kühle Ästhetik des Labors und die Beobachtungen, die von Wissenschaftlern durchgeführt werden, um neue Materialien und Mikroben zu entdecken, die bisher unentdeckt existieren.

„Bio-Art“, ein künstlerisches Genre, das sich in den 1980er Jahren durchsetzte, verfestigt und erweitert diese organische Beziehung. Laut dem Künstler und Schriftsteller Frances Stracey stellt „Bio-Art“ eine Kreuzung aus Kunst und Biologie mit lebender Materie wie Genen, Zellen oder Tieren als ihr neues Medium dar.

Bio-Künstler nutzen Abbildungstechnologien, abgestorbene oder lebendige Materialien und integrieren sie in ihre Kunst. Damit ziehen sie Metaphern aus der Biologie, um ihre Kunstwerke mit verletzenden oder heilenden Tendenzen anzureichern.

Bei der BioCouture zum Beispiel werden die Themen Mode, Kunst und Biologie miteinander verwoben, neue Materialien werden in den Vordergrund gestellt. Wie die Autorin Suzanna Anker bemerkte, haben Donna Franklin und Gary Cass Kleider aus Zellstoff hergestellt, der durch Bakterien aus Rotwein generiert wurde. Suzanne Lee setzt „wachsende“ Textilien zu Sakkos und Kimonos zusammen, die ausä Zucker, Tee und Bakterien produziert werden.

Bio-Art beinhaltet die Haut und die Zellen von Zelluloid und digitalem Film, die Klangmembranen und die Flüssigkeiten von Körperteilen und Augäpfeln. Um ein anderes Beispiel zu nehmen: In Christian Böks „The Xenotext“ wird ein „chemisches Alphabet“ genutzt, um Poesie in DNA-Sequenzen zu übersetzen, damit hinterher die Genome eines Bakteriums implementiert werden können.

Wenn diese Poesie in ein Gen übersetzt und in eine Zelle integriert wird, legt sie eine Reihe von Anweisungen fest, die alle dazu führen, dass der Organismus daraufhin ein lebensfähiges, gutartiges Protein herstellt. Bök schreibt dazu: „Ich schaffe eine Lebensform, die nicht nur ein haltbares Archiv zur Aufbewahrung eines Gedichtes ist, sondern auch einen wirksamen Apparat zum Schreiben eines Gedichtes darstellt – einen, der auf diesem Planeten bestehen bleibt, bis Welt untergeht.“

Wissenschaftler und Künstler arbeiten zusammen an den entstehenden Bereichen der Mitschöpfung. Sie setzen „Bio-Art“ in aktuelle Debatten zu Fragen ein, wie Beispielsweise, was das Leben ausmacht, was als empfindungsfähiges Wesen gilt und wer entscheidet, welche Leben gerettet oder zerstört werden.

Die „Bio-Art“ bringt Hoffnungen und Sorgen von Wissenschaftlern in einer Zeit zusammen, in der menschliches Leben und der Alltag radikalen und teilweise gefährlichen Veränderungen unterworfen zu sein scheint. Wie Autor Sheel Patel in Anlehnung an Böks Arbeit andeutet: „Wenn eine lebende Zelle dazu gezüchtet werden kann, neue Poesie zu produzieren, könnten wir dann irgendwann in einer Gesellschaft leben, in der Menschen nicht mehr gebraucht werden, um neue Gedanken und Literatur zu produzieren?“

Kunst und Krankheit

Auf der interaktiven Kunstausstellung mit dem Titel Morbus Artis: Disease of the Arts werden tatsächliche und metaphorische Kommunikationskrankheiten genutzt, um das oftmals toxische Verhältnis zwischen menschlichem und nicht-menschlichem Leben zu erforschen.

Die Ausstellung untersucht den schmalen Grat, der zwischen Leben und Tod in einer verwirrenden Zeit der Zerstörung von Arten und Lebensräumen existiert und erforscht, wie das Gewebe der heutigen Körper zunehmend durchlässig wird.

Besonders der wissenschaftliche Diskurs bringt uns dazu, überall Krankheiten zu sehen und danach zu suchen. Die mikroskopischen und biotechnologischen Möglichkeiten reichen bis ins jede Atom hinein.

Selbstverständlich heißt es in der vorherrschende Diskussion auch, dass manche Räume, Dinge und Objekte stärker erkrankt sind als andere. Uns wird beigebracht, Krankheiten bei Außenstehenden, in den Nestern von Insekten, im Gefüge von Paria-Staaten und im Gewebe bestimmter Religionen und Philosophien zu erkennen.

Zur gleichen Zeit hinterfragen der neue Materialismus und die Tierphilosophie, was genau das Leben eigentlich ist und wo man es entdecken kann. Die neuen Denkweisen lenken die Krankheitsfrage auf die Menschheit, deren Handeln alles verdirbt, was sie berührt. Daraus folgt ein angsteinflößendes Aufeinandertreffen der Möglichkeiten und Grenzen des menschlichen und nicht-menschlichen Lebens, ist wie zwischen Albtraum und Traum gefangen.

‚Morbus Artis: Desease of the Arts‘ besteht aus elf Kunstwerken, wobei jedes Werk ein unterschiedliches Medium oder eine andere Kunstform nutzt, um das Chaos der Welt zu entdecken. Jeder Künstler stellt sich Krankheiten anders vor – und doch ist mitten im Schrecken ihrer Vorstellungen Schönheit und Hoffnung zu finden.

In der Videoprojektion von Drew Berry werden ansteckende Zellen „freigelassen“, sodass das Bindegewebe des Ausstellungsraumes vor Leben und Tod nur so strotzt. Herpes, Grippe, HIV, Polio und Pockenerreger werden auf die Galeriewand projiziert, als könnten sie fliegen. Die Darstellumg isr enorm vergrößert und so chaotisch, dass jeder, der den Raum betritt, von ihrem Ausmaß und ihrer Größe erschlagen zu werden droht.

Lienors Torres multimediale Darstellung zu degenerierter Sicht veranschaulicht, wie sich unser Blick auf die Welt durch digitale Technologien begrenzt und verfärbt. An ihrer Illustration kann man zwei große Augäpfel aus Glas, eine flüssige Animation und einen Glasschrank voller Marmeladengläser, gefüllt mit Wasser unterschiedlicher Trübheit, erkennen. Jedes Glas unterscheidet sich durch eingravierte Bilder von Augen. Diese Augen werden zu Regentropfen, während das Blickfeld zu flüssigem Leben gebracht wird. Tränen und Narben werden in den Augen dieses Kunstwerks reflektiert.

In dem von Alison Bennett erschaffenen Werk, das mit einem Touchscreen betrieben wird, wird der Betrachter mit einem hochauflösenden Scan von zerstörter Haut konfrontiert. Betrachter können den Touchscreen nutzen, um das weiche und kaputte Gewebe direkt vor sich zu verändern. Ihre Augen werden zu Fühlorganen: Wie fühlt es sich an, einen blauen Fleck anzufassen und selbst eine Prellung zu haben?

Die Galerie ist also beides – Labor und Studio. In all ihren verschiedenen Formen und mit einem Skalpell und einem Pinsel zur Hand formt „Bio-Art“ die Welt neu.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „organism“ by PeteLinforth (CC0 Public Domain)


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Insta-Urlaub oder Analogferien: Was verpassen wir, wenn wir unsere Erinnerungen inszenieren?

Frau Samsung Alpha (Image by Firmbee [CC0 Publoic Domain], via Pixabay

Auf einer Konferenz vor wenigen Wochen prophezeite Nicola Mendelsohn, die Geschäftsführerin von Facebook, dass die sozialen Netzwerke in fünf Jahren „vollständig aus Videos“ bestehen würden. “Wir sehen von Jahr zu Jahr eine Abnahme des Textanteils“, sagte sie. „Wenn ich wetten müsste, würde ich sagen: Video, Video, Video.“ Unterdessen berichtete ein Artikel in der New York Times jüngst über das Leben einer Gruppe junger Partylöwen – dem „Snap Pack“ – die ihre Nächte um das Knipsen von Fotos herum planen, die mit ihren Followern geteilt werden können. Der Reporter erklärte:

Für sie ist das Schießen von Fotos und Drehen von Videos für Instagram und Snapchat nicht eine Möglichkeit, um die Partynacht in Erinnerung zu behalten – es ist das Hauptevent der Nacht.

Diese beiden Geschichten zielen beide auf das gleiche Ergebnis ab: Bilder kommen an die Macht. Bilder sind zunehmend entscheidend für die Kommunikation mit anderen geworden, sie erhalten Aufmerksamkeit und dokumentieren neue Erlebnisse. Und obwohl es so scheint, als würde eine Flut von Farben, Pixeln, Gesichtern und Landschaft unsere Vorstellungskraft nur bereichern und zu einer Steigerung unseres Engagements für die Welt führen würde, ist wohl das Gegenteil der Fall.

In ihrem Artikel „Instagram is Ruining Vacation“ beschreibt die Journalistin Mary Pilon, wie eine Gruppe Touristen bei einer Besichtigung eines Tempels in Kambodscha so beschäftigt damit war, das perfekte Bild einzufangen, das sie anschließend in den sozialen Netzwerken teilen konnten, dass ironischerweise infolgedessen „niemand wirklich präsent war“.

Tatsächlich ist dieser zwanghafte Drang, sich unmittelbar elektronisch auszustellen, ein Phänomen, das durch unser digitales Zeitalter auf einzigartige Weise möglich gemacht wird. Ja, es liegen Vorteile in der Fähigkeit, mehr Bilder mit einem größeren Publikum zu teilen. Aber der Impuls, unaufhörlich zu dokumentieren und zu posten, ist wichtiger geworden als sich zu konzentrieren und auf direkte menschliche Kontakte einzugehen. Während es schwierig sein kann, diesen Wandel genau zu messen, beginnen Forscher in vielen verschiedenen Disziplinen, die Konsequenzen dessen zu sehen und zu verstehen.

Das Leben in einer selbstreflektierenden Blase

Wie die Psychologin Sherry Turkle in „Alone Together“ schreibt, „ist das Leben in einer Medien-Blase ganz naürlich geworden“ im 21. Jahrhundert. Mit der Hilfe unserer Handys und Computer sind wir, egal wo wir oder bei wem wir sind, konstant mit anderen vernetzt und stehen mit ihnen in Interaktion. Aber das Aufnehmen von Fotos und Erstellen von Videos sind ein zentraler Teil dieses digitalen Wandels geworden.

Psychologie-Professor John R. Suler interpretiert das ständige Fotografieren und Teilen der Fotos als Streben nach Aufmerksamkeit. Er schreibt:

Wenn wir Fotos teilen, hoffen wir, dass andere die Facetten unserer Identitäten, die wir in diese Fotos hineinbetten, wertschätzen. Zu wissen, dass andere die Bilder sehen können, gibt ihnen mehr emotionale Macht. Durch Rückmeldung anderer kommt sie uns greifbarer vor.

Auf der Suche nach digitaler Bestätigung werden sogar normale Erlebnisse Futter für Fotos. Anstatt präsent zu bleiben – also einfach dort zu sein (und tatsächlich wahrzunehmen), wo wir sind – geht unser Impuls dahin, alle erlebten Erfahrungen als eine Möglichkeit, uns selbst zu repräsentieren und visuell herauszuheben, zu vermarkten. Eine Sache, die bezüglich dieser Art von beständiger Dokumentation beunruhigend ist, ist der schmale Grat zwischen Repräsentation oder Ausdruck und – wie beim „Snap Pack“ – dem Vermarkten oder der Kommerzialisierung des täglichen Lebens.

Persönliche Foto-Sammlungen, wie sie durch Anwendungen wie Instagram und Facebook publiziert werden, laufen Gefahr, ein Werkzeug der Selbstdarstellung zu werden. Öffentliche Rückmeldung für jedes gepostete Foto kann von den Nutzern permanent gemessen werden. Sie könnten sich möglicherweise sogar ermutigt fühlen, die visuelle Repräsentation ihres eigenen Lebens zu optimieren, um die positiven Reaktionen zu verstärken. “Jeder Narzisst braucht einen reflektierenden, spiegelnden Teich. Genauso wie Narziss in den Teich schaut, um seine Schönheit zu bewundern, sind soziale Netzwerke wie Facebook zu unserem modernen Teich geworden“, schrieb Tracy Alloway, eine Psychologie-Professorin an der University of North Florida.

Im Jahr 2014 untersuchten sie und ihr Team in einer Studie die Beziehung zwischen der Nutzung von Facebook und Empathie. Sie fanden heraus, dass, während es durchaus Elemente der sozialen Medien gibt, die soziale Verbindungen stärken, die bildbasierten Merkmale der Plattformen – also die Möglichkeit, Fotos und Videos zu teilen – vor allem unsere Selbstabsorption nähren.

Kreativität benötigt Konzentration

Sich aber immer wieder von unseren reellen Erlebnissen loszureißen, um das Smartphone rauszuholen – und dann den richtigen Ausschnitt zu finden, ihn zu fotografieren, zu filtern und zu posten – hat den gegenteiligen Effekt auf das Unterbrechen des Fokus. Mit den Begriff des Fokus ist nicht nur die Fähigkeit, genau zu beobachten, gemeint, sondern auch die Gabe, sich zu konzentrieren und ein besonderes Maß an Aufmerksamkeit aufzuwenden.

In seinem Buch „The Shallows: What the Internet Is Doing to Our Brains“ reflektiert Technikjournalist Nicholas Carr über Neuroplastizität, die Fähigkeit unserer neuralen Verschaltungskreise also, sich als Antwort auf Stimuli zu verändern. Besonders konzentriert er sich darauf, wie sich unsere Gehirne als Antwort auf die unablässige Beschäftigung mit der digitalen Technologie entwickelt haben. Über das Internetsurfen schreibt er: „Häufige Unterbrechungen zerstreuen unsere Gedanken, schwächen unser Gedächtnis und machen uns angespannt und nervös.“ Genauso drohen wiederholte Unterbrechungen, um Bilder zu posten und deren Rezeption zu verfolgen, unsere Aufmerksamkeit zu stückeln und unsere Nervosität zu steigern. Schließlich riskieren wir es, dass uns andere Aspekte unserer Umgebung und Erfahrungen entwischen. Während wir im Multitasking besser werden, wird unsere Fähigkeit, uns über längere Zeiträume zu konzentrieren, geschwächt.

Carr fährt fort: “Die mentalen Funktionen, die den Gehirnzellenkampf um das Überleben des Tüchtigsten verlieren, sind diejenigen, die ruhige, lineare Gedanken unterstützen – diejenigen, die wir benutzen, um einer langen Geschichte oder einer komplexen Diskussion zu folgen, von denen wir zehren, wenn wir unsere Erlebnisse reflektieren oder über ein äußerliches oder innerliches Phänomen nachdenken.”

In anderen Worten scheint die Aufmerksamkeit, die wir ständig durch notorisches Teilen von Fotos stärken, sich auf Kosten von der Art von Aufmerksamkeit zu entwickeln, die wir benötigen, um uns beispielsweise mit Büchern zu beschäftigen. Sven Birkerts, der Autor von „Changing the Subject: Art and Attention in the Internet Age” verbindet Literatur mit Konzentration und besteht darauf, dass “Kunstwerke Leistungen der Konzentration“ seien. “Vorstellungskraft”, fährt er fort, “ist das Instrument der Konzentration”.

Eine Empathie-Lücke?

In einer Studie aus dem Jahr 2013, die von Schriftstellern bejubelt wird, berichteten Forscher von der New School for Social Research von einer Korrelation zwischen dem Lesen von Romanen und erhöhter Empathiefähigkeit. Es ist wahrscheinlich, dass viele Literaturlehrende (inklusive mir selbst) mit einem Schulterzucken reagierten, da die Studie nur bestätigte, was wir schon immer gesagt haben. Literarische Werke geben uns die Möglichkeit, gedanklich in den Erfahrungen anderer Persönlichkeiten aus dieser Welt zu verweilen (statt nur eines flüchtigen Blickes oder eines schnellen Durchscrollens). Diese Möglichkeit können wir aber nur ergreifen, wenn wir fähig sind, Aufmerksamkeit zu schenken – wenn wir es uns selbst erlauben, lange genug zu zögern, um zu absorbieren, was wir beobachten.

Während diese spezielle Studie eher negative Resonanz erhielt, wurde mir und meinen Studenten durch die ruhige Beschäftigung mit Prosa, Poesie und sogar Fotografie ermöglicht, einige Erlebnissen zu untersuchen. Es zwang uns außerdem, uns bewusst darauf zu konzentrieren, welche Rolle diese Erfahrungen in Beziehung zu aktuellen Events spielen.

Ich denke zum Beispiel an das vielgelobte Buch „Citizen: An American Lyric“ von Claudia Rankine, das sowohl Bilder als auch Text verwendet, um bei der Realität von gegenwärtigem Amerikanischen Rassismus in seinen unzähligen Formen zu verweilen – und die Leser dazu drängt, Bilanz zu ziehen aus den Ungleichheiten, die unsere Gegenwart aufbauen.

“Mit zunehmender Erfahrung”, stellt Birkerts fest, “glaube ich, dass Kunst – mittels der Vorstellungskraft – der nötige Konter zur unserer informationsüberschwemmten Krise ist.” Wenn wir zu beschäftigt damit sind, Fotos aufzunehmen und zu bewerben, oder wenn wir zu zerstreut sind, weil wir die Photostreams anderer durchgehen, ist es sehr unwahrscheinlich, dass wir aus unserem Leben in der Medien-Blase auftauchen.

Wir werden verpassen, was um uns herum passiert. Und wir werden nicht dazu fähig sein, der Welt die Empathie und Aufmerksamkeit zu geben, die sie benötigt und verdient.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „Frau Samsung Alpha“ by Firmbee (CC0 Public Domain)


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5 Lesetipps für den 24. November

In unseren Lesetipps geht es heute ums Urheberrecht, Flipagram, wie Snapchat funktioniert, Science Fiction bei Microsoft und die Antiwerbung der Telekom. Ergänzungen erwünscht.

  • URHEBERRECHT Tom Hillenbrands Blog: Armer Autor, Du hast echt keine Freunde: In seinem Blog kommentiert der Schriftsteller Tom Hillenbrand das aktuelle Urteil des Europäischen Gerichtshof zur Urheberpauschale und erklärt die Thematik und Entwicklung an sich. Es geht darum, ob die Verlage etwas von der eingesammelten Urheberpauschale wie bisher abbekommen oder nicht, vor allem da das EuGH diese Praxis als rechtswidrig ansieht. Fazit der ganzen Geschichte ist eigentlich die Erkenntnis, die man bei jeder Debatte um das Urheberrecht bekommt: Es geht nie um Rechte, sondern stets um Geld.

  • FLIPAGRAM Forbes: Flipagram Could Be Bigger Than Instagram: Mit Flipagram können aus Bildern, Videos und Musik kurze Mashups erstellt und in den sozialen Netzwerken geteilt werden. Die App hatte nach einem Jahr bereits 30 Millionen Nutzer, eine Benchmark für die Facebook drei Jahre gebraucht hat, Snapchat immerhin zwei Jahre. Kathleen Chaykowski geht für Forbes der Frage nach, ob es sich bei Flipagram um das nächste Instagram handelt und gibt einen interessanten Einblick in die Entwicklung durch den Gründer Farhad Mohit.

  • SNAPCHAT Medienspinnerei: Was ist Snapchat? Wie geht das? Wozu brauche ich das?: Snapchat ist ein Messenger, mit dem man zeitlich nur begrenzt angezeigte Bilder und Videos veröffentlichen kann. Soweit so gut, was Snapchat ist, kann man leicht erklären, aber wie es funktioniert und wie man es nutzen kann, fällt mir persönlich schon schwerer zu erklären, denn bisher hat es für mich nur in der direkten Kommunikation mit meiner Freundin Sinn ergeben. Etwas mehr Klarheit bringt dieser Artikel von Falk Sieghard Gruner, der gleich auch ein paar Beispiele für gelungene Kommunikation mithilfe von Snapchat anzeigt.

  • MICROSOFT The Next Web: 9 sci-fi authors went to Microsoft’s research labs and wrote a book: Microsoft hat neun Science-Fiction-Autoren – Elizabeth Beat, David Brin, Nancy Kress, Greg Bear, Ann Leckie, Seanan McGuire, Jack McDevitt und Robert J. Sawyer – in sein Forschungslabor eingeladen und ihnen die vermeintliche Zukunft gezeigt. Herausgekommen ist ein Buch mit Science-Fiction-Literatur über eine mögliche Version der Zukunft, in dem es vor allem um das Verhältnis zwischen Mensch und Technologie geht. Amanda Connolly zeigt sich in ihrem Artikel auf The Next Web beeindruckt.

  • DEUTSCHE TELEKOM Horizont: Warum die Antiwerbung in Wahrheit ein Geniestreich ist: Marco Saal kommentiert die aktuellen Werbespots der Telekom, die sich mit dem Thema „Digital Detox“ auseinandersetzen und, für einen Telekommunikationsanbieter sicher ungewöhnlich, es beinahe propagieren, im Familienkreis auch einmal die vielen Geräte wegzupacken, die uns sonst so wichtig geworden sind. Doch von Antiwerbung kann keine Rede sein, wie Saal erklärt, sondern von einem aus Markensicht gelungenen Geniestreich, auch wenn der Vertrieb der Telekom vielleicht ganz leichte Bauchschmerzen bekommt.

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Storytelling für die Snapchat-Generation

Logo der Literatur-App Hooked

Das Startup Telepathic aus San Francisco entwickelt die App Hooked – und will damit Literatur für Jugendliche auf dem Smartphone attraktiv machen. // von Laura Selz

Literatur-App Hooked für das iPhone

Die iOS-App Hooked ist eine Bibliothek an Kurzgeschichten, die exklusiv für das Smartphone geschrieben wurden. „5-minute-readings“ – aber nicht zum scrollen, sondern zum klicken. Damit will die Gründerin Prerna Gupta Jugendliche für Literatur begeistern. Und das spielerisch, „denn die sitzen in der U-Bahn oder auf dem Pausenhof, haben wenig Zeit und wahrscheinlich noch weniger Konzentration.” Keine sehr schmeichelhafte Zielgruppe, aber genau das findet Gupta auch so spannend.

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Wie eine Suchmaschine: Kuration braucht Kontext

Lupe (image by shotput [CC0] via pixabay)

Beim durchfluten meiner Bibliothek und meines digitalen Archivs stoße immer wieder auf sehr schöne Lektürefrüchte und bin immer wieder überrascht, was ich schon so alles gelesen habe. Interessant sind immer wieder die Lektüretechniken, die mir über den Weg laufen. So fragt der Künstler Bazon Brock seinen Freund und Philosophen Peter Sloterdijk, wie er denn sein unglaubliches Lesepensum bewältigen würde. Brock selbst finde es „tollkühn“, wenn er lesenderweise von Seite zwei auf Seite drei komme. Sloterdijk bezeichnet seine Art des Lesens als „inhalatorisch“.

Peter Weibel, Medientheoretiker und Vorstand des Karlsruher Zentrums für Kunst und Medientechnologie (ZKM) hingegen liest nicht quer, er scannt die Bücher und braucht gerade mal 20 Minuten für ein Werk. Brock vergleicht die Einverleibung eines Buches mit der Einverleibung einer Mahlzeit. Bertold Brecht fand mit sicherem Griff eine Vielzahl von Texten, die er gebrauchen, bearbeiten, verwerten konnte: „Er hatte bekanntlich keine Scheu, sich die Lektüreerfahrung anderer nutzbar zu machen. Auf diese Weise akkumulierte er eine erstaunliche Menge Lesestoff“, schreiben Helmut Lethen und Erdmut Wizisla im Brecht-Jahrbuch 23 (1997/98).

Zettelkasten-Literat

Der Autor Walter Kempowski war ein Sammler, ein Kompilator, ein Zusammenträger von Fundstücken und hat daraus nie ein Hehl gemacht. Im Gegenteil. Er hat über seine Methode stets bereitwillig Auskunft gegeben, hat seine Interview-Collagen mit den TV-Film-Collagen seines Freundes und Filmregisseurs Eberhard Fechner verglichen: Aufzeichnungskünste einer neuen Volkskunde. Folgerichtig ist Kempowski von der Literaturkritik etwas abschätzig als „Zettelkasten-Literat“, eifriger Jäger und Sammler und Museumsdirektor einer literarischen Ausstellung tituliert worden. Doch nur mit dieser Arbeitsmethodik konnte das kollektive Tagebuchprojekt „Echolot“ entstehen. Der Literaturkritiker Jörg Drews stellte zu Recht fest, Kempowski erfülle das Vermächtnis Walter Benjamins, der sich seine Pariser Passagen als pure Montage von Zitaten gedacht hatte, die so sprechend zu arrangieren seien, dass der Kommentar des Autors überflüssig werde.

Lektüre durch Handauflegen

Noch spannender ist die Recherche- und Lektüre-Methode des Religionsphilosophen Jacob Taubes, der ein wichtiges Werk und eine zentrale Botschaft schon durch Handauflegen erkannte. Es war seine Art, die für ihn wichtigen Werke zu lesen. Er war ein Jäger des einen Satzes oder Wortes, in dem sich das Wesentliche des Geschriebenen kondensierte.

Taubes hatte ein Gespür für aufkommende Themen. Das bringt der Literaturwissenschaftler Walter Sokel sehr treffend auf den Punkt: „Bevor es Google gab, gab es Taubes.“ Ein Reisender, der Ideen streut und in neuen Kontexten zugänglich macht. Für den Suhrkamp-Verlag entdeckte er Autoren wie Claude Levi-Strauss, Roland Barthes, Lucien Goldmann, Isaiah Berlin, Daniel Bell und Alexandre Koyré. Er hörte das Gras bereits auf den Schreibtischen wachsen.

Die wahre Kunst des Kuratierens

Das Gespräch stand im Mittelpunkt seiner intellektuellen Persönlichkeit. Taubes war ein Gelehrter des gesprochenen Wortes. Im Dialog entwickelte er seine Gedanken. Die Auseinandersetzung mit einem realen Gegenüber wurde zum Katalysator seines Denkens. Ein Kurator, der Neues nicht nur aufspürt, sondern Gegenläufiges kombiniert. Das unterscheidet sich grundsätzlich von der inflationären Verwendung des Begriffs „Kuratieren“. Selbst ernannte Social-Media-Gurus wollen schlichtweg Content kuratieren oder aggregieren. Sie beschränken sich in der Regel auf das Auswählen – mehr nicht. Es geht aber um mehr. Es geht um Annahmen, Gegenüberstellungen, Begegnungen, neue Erkenntnisse, Experimentiermöglichkeiten und Assoziationen. Unmögliches möglich machen – hier sieht das Notiz-Amt die Aufgabe des Kurators, den Rest erledigen Maschinen.


Teaser & Image „Magnifier“ (adapted) by shotput (CC0 Public Domain)


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Merve-Verlag und die Lust an der Respektlosigkeit

Outdoor Bu?cher (adapted) (Image by Robert Agthe [CC BY 2.0] via Flickr)

Erst marxistisch, dann daneben. Der Publizist Peter Gente hielt sich nicht an die Regeln – und schuf so ein erfrischend gut gelauntes Lebenswerk. Vor rund 45 Jahren wurde in Berlin der Merve-Verlag gegründet – und galt nach anfänglichen marxistischen Ausflügen als publizistische Zentrale von Postmoderne und Dekonstruktion. So bilanzierte der entkollektivierte Merve-Gründer Peter Gente Ende der 1970er Jahre, dass man an der Dialektik irre werde. Das Verlags-Kollektiv zerbröselte irgendwann. Unter dem Deckmantel des „proletarischen Erfahrungsinteresses“ flüchteten die Genossen ins partikulare Private: Bluesmusik, Nietzschelektüre, Malen, Biokost und Esoterikliteratur. Peter Gente entdeckte das Nachtleben.

Die Verlockungen der Kneipe

Seine Unlust am Diskutieren soll in dem Maß gewachsen sein, wie er den Lockungen der West-Berliner Kneipenlandschaft erlag, schreibt Philipp Felsch in einem Beitrag für die „Zeitschrift für Ideengeschichte” (Schwerpunkt: Die Insel West-Berlin).

Der hausmeisterliche universitäre Diskurs stand jedenfalls nicht mehr auf der Agenda des Verlages und bescherte uns doch wahnsinnig interessante Bücher. Aus der Internationalen Marxistischen Diskussion wurde ein Internationaler Merve-Diskurs. Man entdeckte die Kunstszene und die Neuen Wilden, die sich im Schöneberger „Dschungel” tummelten: Markus Oehlen, Rainer Fetting, Martin Kippenberger. Entstanden sind eine Reihe von Künstlerbüchern: Godard, Heiner Müller, Minus Delta t, Blixa Bargeld und Werke über ästhetische Theorie: Roland Barthes’ Cy Twombly, Böhringers Begriffsfelder oder Hosokawas Walkman-Effekt. Dann natürlich die Merve-Champions Foucault, Virilio, Baudrillard oder Deleuze.

Entdeckung der Systemtheorie

Später entdeckte der Berliner Verlag die Systemtheorie. Lesenswert der Luhmann-Band „Archmides und wir”. Nachgeholfen hatte der Luhmann-Schüler Dirk Baecker mit einem Brief an Gente:

Heute würde ich Ihnen gerne zwei Buchprojekte vorstellen, die sehr gut in Ihre Tradition innovativen Traditionsverzichts passen würden. Im ersten Projekt handelt es sich um einen kleinen Band mit den gesammelten Interviews von Niklas Luhmann. Sie haben sicherlich mitverfolgt, zum Beispiel in der FR und in der taz, dass Luhmann einen sehr kühlen und ironischen, manchmal bissigen und in der Selbstkommentierung an ‚Monsieur Teste’ erinnernden Interviewstil entwickelt hat, der diesem Genre wieder etwas literarischen Schwung verleiht. Allesamt immer etwas launige, auf Tagesgeschehen und – eindrücke bezogene Kommentare, können sie doch auch als Einführungen in den spezifisch luhmannschen Theoriestil dienen.

So der Auszug des Becker-Schreiben, abgedruckt im neuen und äußerst lesenswerten Felsch-Band „Der lange Sommer der Theorie – Geschichte einer Revolte 1960 – 1990“, erschienen im C.H.Beck-Verlag. Baecker und Georg Stanitzek liefern in der Einleitung des Luhmann-Buches noch eine kleine Epistemologie des Interviews. So könne man von dem Systemtheoretiker lernen, dass Kommunikation immer auch eine Operation der Beobachtung füreinander unerreichbarer Köpfe ist.

In kaum einer Gesprächsform werde dies anschaulicher als im Interview. Es wird nicht der Versuch unternommen, Köpfe kurzzuschließen. Die Gesprächsform lebt von der Zufälligkeit der Fragen, was allerdings durch Autorisierungen oder vorgefertigte Skripte häufig genug in eine aseptische und damit ungenießbare Metamorphose kippt.

Diskurse ohne Volkerziehung

Zur Merve-Kultur zählte immer die Lust am Diskurs und nicht die Volkserziehung. Das brachte Michel de Certeau, ein weiterer sehr wichtiger Autor des Berliner Verlags, trefflich zum Ausdruck: Wer die Masse zu repräsentieren vorgebe, kämpfe in Wirklichkeit darum, sie zu erziehen, zu disziplinieren und zu gruppieren.

Peter Gente und Heidi Paris kultivierten ihre gute Laune: „Wir wollen ein kleiner Verlag, unscheinbar und daneben sein, und das macht irre Spaß.“ Sie nutzten das Kontrollvakuum und erfreuten sich an der Partisanenexistenz ihrer Leser. Das wird auch nach dem Tod von Gente und Paris weiterleben. Zeitlose Bände mit hoher Diskurs-Dynamik auf billigem Papier. Paperbacks, bei denen man Sätze gegen den Strich lesen kann. Schlüsse aus den Texten ziehen von denen die Texte nichts wissen und einer Kunst des Lesens aus dem Geist der Respektlosigkeit frönen. Liebwerteste Gichtlinge sollten Merve-Bände lesen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf TheEuropean.de


Image (adapted) „Outdoor Bu?cher“ by Robert Agthe (CC BY 2.0)


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Crowdfunding für Bücher: Wenn der Leser zum Verleger wird

Die Self-Publishing- und Crowdfunding-Plattform Pentian bezahlt nicht nur Autoren, sondern belohnt Unterstützer erfolgreicher Buchprojekte mit einem Teil der Tantiemen. Dieses System soll das Verlagswesen revolutionieren. // von Christina zur Nedden

pentian, crowdfunding

Pentian kombiniert zwei große Trends: Self-Publishing und Crowdfunding. Autoren können ihre Bücher selbst veröffentlichen und in direkten Austausch mit ihren Lesern treten, bevor Buchproduktionskosten entstehen. Unterstützer von erfolgreichen Projekten bekommen einen Teil der Tantiemen. Pentians CEO Enrique Parrilla sprach auf der CONTEC 2014 über Crowdfunding im Verlagswesen, weshalb Leser die besseren Verleger sind und den Einfluss der Digitalisierung auf die Branche.

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Durchgedreht mit… Wladimir Kaminer

In der vierten Folge von „Durchgedreht mit…“ spricht die Netzpiloten-Autorin Gina Schad mit dem Schriftsteller Wladimir Kaminer über seine Erfahrungen mit sozialen Netzwerken, sein neues Buch über das Erwachsenwerden seiner Kinder und die Berichterstattung über Russland in deutschen Medien:

Auf Startnext.de ist die Crowdfunding-Kampagne von „Durchgedreht mit…“ gestartet. Die nächsten 25 Tage kann unsere Autorin Gina Schad und damit Vielfalt im Journalismus unterstützt werden!

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E-Books im Denknebel des Literaturbetriebs

Das E-Book wird bislang als schlechteres Buch angesehen – und trotzdem teurer verkauft. Und die neuen Schreibweisen der Netzzeit warten nicht auf den alten Literaturbetrieb. // von Gunnar Sohn.

Ebook (Bild: Vedat Demirdöven  [CC BY-SA 2.0], via fotocommunity.de)

E-Books sind in Deutschland noch nicht der absolute Renner. Und wenn ich mir die Preispolitik für digitale Bücher hierzulande anschaue, wundert mich das überhaupt nicht. In der Regel liegt der Preis im Vergleich zur gedruckten Variante viel zu hoch. Das ist eine echte Barriere. Kleines Beispiel: „Meßmers Momente” von Martin Walser. Die Gebundene Ausgabe kostet 14,95 Euro und für die Kindle Edition muss ich 12,99 Euro berappen. Weiterlesen »

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Blinkist: Sachbücher in 15 Minuten zusammengefasst

Den Konsum von Wissensliteratur soll die App Blinkist vereinfachen, indem Sachbücher auf Texte komprimiert werden, die in wenigen Minuten gelesen werden können. // von Daniel Kuhn

Blinkist

In der heutigen schnelllebigen digitalen Welt lässt sich nur schwer die nötige Zeit finden, um ein umfangreiches Sachbuch zu lesen. Die App Blinkist soll dabei helfen, das Wissen aus diesen Büchern zu konsumieren, indem der Inhalt jeweils auf kurze Texte heruntergebrochen präsentiert wird, der in ungefähr 2 Minuten gelesen werden kann.

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Literatur: Der amerikanische Agent

Gegner im Geschäft, Gleichgesinnte im Geist: Paul Bowles’ Förderung marokkanischer Literatur im Spiegel Tahar Ben Jellouns’ „arabischen Frühlings“

Tahar Ben Jelloun scheint im deutschen Literaturkosmos derzeit gefragt wie nie zuvor: Erst wurde der in Paris lebende renommierte marokkanischen Schriftsteller („Papa, was ist ein Fremder?“) und Journalist mit dem Erich-Maria-Remarque Friedenspreis der Stadt Osnabrück ausgezeichnet. Dann berief ihn das gerade abgeschlossene 11. internationale Literaturfestival Berlin als Ehrengast. Ben Jellouns’ jüngstes Buch „L’étincelle“1 gilt als wichtigste aktuelle Bestandsaufnahme zu den revolutionären Ereignissen in der arabischen, insbesondere maghrebinischen Welt, zumindest, was die hohen Verkaufszahlen betrifft. Unter Journalisten und Rezensenten wird „L’etincelle“ dagegen zwiespältig bewertet: Zwar werden Ben Jellouns zeitnahe Beobachtungen gewürdigt, auch seine quer durch den Orient reflektierten Prognosen geschätzt, doch gerade bei Ben Jellouns historischer Analyse entzündete sich auch Kritik: Weiterlesen »

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Paul Bowles Hommage zum 100. Geburtstag

Mit bohrendem Blick

Bett, Schreibmaschine, Rauch.

 

Jahreswechsel. Die letzte Woche des Aufbau – Literaturkalenders 2010 ist dem amerikanischen Schriftsteller Paul Bowles gewidmet: Das Kalenderblatt zeigt ihn in seiner Wohnung in Tanger. Das Foto wurde im Herbst 2003 aufgenommen, als ich ihn das erste Mal traf, ihn zum Auftakt einer Saharareise in Tanger kennenlernte. Paul Bowles war damals 82 Jahre alt, bereits hinter dem Herbst seines Lebens.

So wie auf diesem Bild habe ich ihn, haben viele Paul Bowles in seinen letzten Jahren in Erinnerung behalten: Meist im Morgenrock und auf seinem Bette sitzend. Prasselndes Kaminfeuer. Tee. Zigarettenspitze. Lauter Notizen, Tonbänder und allerlei Musikgegenstände aus dem Maghreb umher gruppiert. Nur noch selten ging er aus dem Haus, um seine geliebten Spaziergänge in Tanger zu unternehmen, die er früher täglich im Gassen-Gewirr des Souk, des Zocco ausführte. Doch bei aller sichtbarer Gebrechlichkeit behielt Paul Bowles bis zum Schluß seinen messerscharfen Verstand und den beobachtenden, ja medizinisch-sezierenden Blick, der seinem Wesen und auch seinen Romanen in Stil und Sprache inne wohnte.

Mit dieser Hommage möchte ich an den Mann erinnern, der mir vor über 17 Jahren in Tanger den Blick ins Innere öffnete… Weiterlesen »

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Preferred Blog: in|ad|ae|qu|at

Nicht alle Blogs sind Journale, in denen die Persönlichkeit der Autorin, des Autors im Mittelpunkt steht. Es gibt auch solche, die verstehen sich als Plattform, wo sich die Werke anderer und ihre Schöpfer bestmöglich entfalten sollen. in|ad|ae|qu|at ist ein Beispiel dafür. Nicht die Selbstverwirklichung, sondern die Ermöglichung steht hier im Zentrum.

Vielleicht deshalb gestaltet sich der Zugang zu in|ad|ae|qu|at zunächst etwas sperrig: Man sucht – als Blogger fast schon gewohnheitsmässig – nach dem vermeintlich kantigen Blog-Ich, nach der Persönlichkeit, die hinter dem Weblog steckt – und findet stattdessen Texte, Bilder und Töne unterschiedlichster Herkunft, ein Sammelsurium zunächst, dessen Ordnung erst auf den zweiten Blick ersichtlich wird – ebenso wie der dahinterliegende Gestaltungswille… Weiterlesen »

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Ich bin Paul Bowles. Und Sie?

1993 reist ein Literaturstudent auf den Spuren des amerikanischen Schriftstellers durch Marokko. Plötzlich steht er seinem Idol gegenüber.

Als ich im Herbst vor 17 Jahren mit dem Auto nach Spanien aufbrach, wollte ich zunächst vor allem eines: Fahren, unterwegs sein. Ich war ein junger Literaturstudent und meine Helden hießen Jack Kerouac, William S. Burroughs, Tennessee Williams und Paul Bowles; ihre Geschichten waren die junger, unabhängiger Männer, die sich reisend selbst verwirklichten. Auch sie waren irgendwann durch Europa, dann durch Nordafrika gefahren. Ich wollte sehen, was sie gesehen hatten.

In den Kinos lief gerade Bertoluccis Verfilmung von Bowles‘ „Himmel über der Wüste“ und genau da wollte ich hin, in die Wüste, nach Marokko. Im Kofferraum hatte ich Zelt und Schlafsack, Spaten und große Wasserflaschen… Weiterlesen »

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Sieben deutschsprachige Literaturplattformen

Sind literarische Online-Foren nicht eine moderne Art der Kaffeehäuser, wie sie Ende des 19. Jahrhunderts und bis zu Beginn des Zweiten Weltkrieges von vielen Schriftstellern – und ein paar wenigen Schriftstellerinnen – besucht wurden? Dort trug man sich die neuesten Texte vor und tauschte sich darüber aus. Oder man debattierte über Politik und Gesellschaft – und tratschte bestimmt auch. Doch der Vergleich hinkt auf mindestens einem Fusse: In den heutigen literarischen Foren des Internets fehlt die persönliche, physische Begegnung, es fehlt der Austausch in Echtzeit, auch Gespräch genannt, und es fehlt die unverwechselbare Atmosphäre der damaligen Kaffeehäuser – und der allgegenwärtige Kaffeeduft…

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Preferred Blog: litblogs.net

Literarische Blogs gibt es nicht wie Sand am Meer, zumindest nicht wirklich gute. Zugegeben: was ein guter oder weniger guter literarischer Blog ist, bleibt wohl eher der persönlichen Einschätzung überlassen. Das ist nicht wesentlich anders als mit Literatur in gedruckter Form: zwar gibt es sehr wohl objektive Qualitätskriterien, doch das Subjektive bleibt für den Genussleser ein entscheidender Faktor. Denn wenn mir ein Buch nicht gefällt, kann mich in den meisten Fällen auch ein noch so belesener Literaturpapst nicht wirklich vom Gegenteil überzeugen.

Umso schöner, dass ich Litblogs.net entdeckt habe. Denn hier sind ein paar richtig gute literarische Blogs versammelt. Und es ist ein Einfaches, mit ihnen in Kontakt zu kommen – und zu bleiben. Litblogs.net ist eine Art Monitor für zurzeit rund zwanzig literarische Blogs. Titel, Herkunft und Alter aller neuen Beiträge werden auf der Hauptseite aufgelistet, wie man sich das von Blogs gewohnt ist: der aktuellste Eintrag zuoberst. Durch einen einfachen Klick kann man den Eintrag ansehen, ohne die Seite verlassen zu müssen, alternativ dazu aber auch, indem man den entsprechenden Blog in einem neuen Fenster öffnet. Selbstverständlich sind die Blogs auf einfache Art zugänglich, auch ohne dass gerade ein aktueller Beitrag aufgelistet ist. Ferner sind Kurzporträts der Blogbetreiber hinterlegt…

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Linkes Auge hinkt

Ja liebe Liebende. Sowas gibt es noch in deutschen Landen. Trommelwirbel… Linkes Auge hinkt…Tusch!

Eine echte Literatur-Perle. Obwohl der Autor mir dieses Wort wahrscheinlich mit Widerhaken bestückt ins rechte Ohr treiben würde. Ein Blog, das keines sein will. Umso besser.

(Danke an den Glumm für den Tipp. Achja, wer den nicht kennt, der ist bei mir Blog der Jahre 2004-2008 und Grimmepreisträger des Jahrzehnts statt all der Lobos und Sixtusse, die da waren, sind und sein werden.)

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Publizieren: „Warten, bis Dinosaurier aussterben“

„Die Verlage haben Angst“, sagt Lukas Rieder. Angst davor, ihre Rechtfertigung für den Produktionsprozess zu verlieren. Rieder bietet bei „atoms&bits“ eine Veranstaltung zum „Neuen Publizieren“ an – naheliegend, denn er hat das Startup paperc gegründet, das wissenschaftliche Literatur leichter veröffentlichen und online zugänglich machen will. Weiterlesen »

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Topliste Literatur im Netz

Literatur-Weblogs und Websites mit literarischen Bezug  haben sich innerhalb der Netzkultur einen festen Platz erobert. Die Autorenkultur könnte hybrider nicht sein: traditionelle Schriftsteller treffen so im virtuellen Bereich auf experimentelle Schreibprojekte und Autorennetzwerke. Im nun Folgenden sollen zehn auserlesene Linktipps zum Thema in aller Kürze vorgestellt werden. Weiterlesen »

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