Science Fiction als Ideengeber – 3 Tech Ideen

Schon oft war Science Fiction-Literatur der Ideengeber für grandiose technische Innovationen und Tech Ideen, die später umgesetzt wurden. So wurde zum Beispiel die Kreditkarte das erste Mal in dem Sci-Fi Roman „Ein Rückblick aus dem Jahre 2000 auf das Jahr 1887“ von Edward Bellamy erwähnt. Heute, 132 Jahre später, ist sie für uns völlig alltäglich. Das tolle an Science Fiction Literatur ist, dass sie keinen Regeln unterworfen ist. Wir können uns, frei von technischen oder wissenschaftlichen Grenzen, Gedanken über mögliche technische Innovationen und Konzepte machen. Die Umsetzung folgt dann später, wenn wir auch technisch so weit sind.

In unserem Tech Check haben wir bereits darüber geschrieben, welche Tech Ideen es aus dem Klassiker 2001: Odyssey im Weltraum bereits in die Wirklichkeit geschafft haben. Von dieser Art über die Zukunft nachzudenken, kann man sich, wie ich finde, eine Menge abschauen. So mache ich mir gerne solche Gedanken und spinne einfach rum. Deshalb hier drei Science Fiction Tech Ideen, von denen ich mir wünsche, dass sie irgendwann Realität werden. Vielleicht findet sich ja jemand, der Lust hat, sie umzusetzen :)

Laptop ohne Kabel mit der Workstation verbinden

Wer kennt es nicht. Man kommt nach Hause und will noch ein paar Dinge am Laptop erledigen. Wer sein Notebook dabei auch viel unterwegs nutzt, wird vermutlich einen eher kleinen Display haben. Gerade unterwegs sind 13-Zoll Displays besonders praktisch. Am eigenen Schreibtisch allerdings nervt die kleine Größe häufig und sorgt, zumindest bei mir, nicht selten für Rücken- und Nackenschmerzen. Um dem entgegenzuwirken, benutzen viele einen externen Desktop. Dann heißt es jedesmal, alles ein- und auszustöpseln. Um dabei nicht immer gleich Maus, Tastatur und Bildschirm einstecken zu müssen, benutzen viele bereits ein USB-Dock (Provisionslink). Damit lassen sich sämtliche Peripherie-Geräte deutlich einfacher mit dem Notebook verbinden.

Wie cool wäre es aber, wenn wir gar keine Kabel mehr bräuchten? Stellt euch vor, die Geräte auf unseren Schreibtisch würden aktiviert, sobald wir uns zu Hause in unser Netzwerk einloggen und das Bild des Notebooks würde automatisch auf den großen Monitor gestreamt. Auch Maus und Tastatur könnten sich automatisch verbinden und direkt verwenden lassen. Oder noch besser: Nähern wir uns mit unserem Laptop dem Monitor auf kurze Distanz, überträgt dieser erst ganz automatisch dessen Bild. Stellen wir dann den Laptop auf den Schreibtisch, könnte dieser auch direkt über induktives Laden aufgeladen werden. Sind wir schließlich fertig, klappen wir das Notebook zu und alle Geräte gehen automatisch in den Stand-by-Modus. 

Ubiquitous Computer Systems und Internet of Things

Diese Tech Idee fällt vermutlich am ehesten unter die Konzepte der Ubiquitous Computer Systems und des Internet of Things. Diese Ideen sind gar nicht so sehr Science Fiction, wie man annehmen mag. Dahinter steckt die Idee, dass sich das Internet und die digitale Welt nicht mehr bloß auf für sich stehenden PCs abspielen, sondern verteilter und gleichzeitiger vernetzt werden. So sollen hier viele kleine Rechner viele kleine Aufgaben übernehmen und miteinander kommunizieren. Ein Beispiel dafür, wo und wie diese Konzepte bereits Verwendung finden, ist das Smart Home. Hier sind beispielsweise smarte Thermostate, Thermometer, Uhren und Regulatoren für Licht oder Heizungen miteinander vernetzt.

Die Idee, dass Geräte erkennen, ob sich andere Geräte oder sogar Personen in ihrer Nähe befinden, wie bei der Tech Idee einer automatischen Erkennung eines sich in der Nähe befindlichen Laptops, ist außerdem gar nicht so neu. So gibt es bereits smarte Türschlösser, die sich entsperren, sobald sich das Smartphone in der Nähe der Tür befindet. In diesem Paper erklären Sau Greenberg, Kasper Hornbæk, Aaron Quigley und Harald Reiterer, wie sich die Proxemik im Bereich der Human Computer Interaction verwenden lässt. In dem Paper wird Proxemik übrigens wie folgt definiert:

„Proxemics is an area of study that identifies the culturally dependent ways in which people use interpersonal distance to understand and mediate their interactions with others“

Was auf Deutsch übersetzt bedeutet:

„Proxemik ist ein Studiengebiet, das die kulturell abhängigen Wege identifiziert, auf denen Menschen die zwischenmenschliche Distanz nutzen, um ihre Interaktionen mit anderen zu verstehen und zu vermitteln.“

Alle Daten nur noch auf dem Smartphone

Diese Tech Idee dürfte Datenschützer freuen: Smartphone, Tablet, Laptop oder stationärer Computer – wir umgeben uns mit diversen technischen Geräten im Alltag oder während der Arbeit. Dabei landen auf all diesen Geräten Daten, die wir immer wieder brauchen. Nervig ist es nur, Dateien zwischen den Geräten hin und herzuschieben. Ich mache ein Foto auf meinem Handy, um es dann auf mein Notebook zu ziehen, es dort zu bearbeiten und anschließend zu posten. Zwar gibt es Cloud-Services wie Dropbox, OneDrive, iCloud oder Google Drive, die hier Abhilfe schaffen. Dabei bleibt aber das blöde Gefühl, dass die eigenen Daten verstreut auf den Servern diverser Firmen liegen.

Nur noch ein Gerät

Ich finde die Vorstellung toll, dass wir irgendwann nicht mehr verschiedene Geräte benutzen, sondern wieder wirklich nur ein einziges – zum Beispiel unser Smartphone, das dann aber viel mehr als „nur ein Smartphone“ ist. Stellt euch vor, wir könnten unser Smartphone einfach in das Feld einstecken, in dem sich bei herkömmlichen Notebooks das Touchpad befindet und es nun wie einen ganz normalen Laptop benutzen. Anschließend lässt es sich einfach herausnehmen und wieder normal als Smartphone benutzen. Dasselbe gilt für den stationären PC. Wir stecken einfach unser Handy in einen dafür vorgesehenen Slot und benutzen es als PC. Dabei ließen sich alle Daten, die während der Nutzung entstehen auf dem Smartphone direkt speichern und nicht auf externen Servern. Die Rechenpower für anspruchsvollere Anwendungen allerdings läge dann bei den größeren Geräten. Ähnlich funktioniert beispielsweise die Core-Einheit von Razer (Provisionslink), durch die das Notebook zusätzliche Grafik-Rechenpower erhält. Das Smartphone würde so zu etwas wie dem „Herzen“ dieser Geräte.

Ein Wissenschaftler beispielsweise könnten so auf seiner Workstation eine Simulation durchführen, für die die Rechenpower seines Smartphones niemals ausreicht. Anschließend würden die Daten, die die Simulation erzeugt auf dem Smartphone direkt gespeichert. Zu Hause ließen sich die Daten dann am Laptop auswerten und zu einer wissenschaftlichen Arbeit verwertet. Voraussetzung wäre allerdings eine ordentliche Speicherkapazität der mobilen Geräte.

Emotionen im digitalen Spiel

Jetzt wird es ein wenig absurder. Erst kürzlich habe ich den ersten Band des Kultur-Zyklus‘ von Iain Banks gelesen. In diesem wird ein Spiel Namens Katastrophe gespielt. Katastrophe ist ein Kartenspiel und wird immer dort gespielt, wo demnächste eine … na ja … Katastrophe stattfindet. In „Bedenke Phlebas“ besteht diese Katastrophe in der bevorstehenden Sprengung eines Orbitals (eine Art künstlicher Planet). Die Regeln von Katastrophe sind zum einen sehr verwirrend und zum anderen sehr unschön (Leben in dem Spiel werden durch echte Menschenleben dargestellt). Aber ein Spielelement des Spiels klingt sehr spannend.

So können die Spieler in Katastrophe die Emotionen ihrer Mitspieler durch spezielle Karten beeinflussen. Das geschieht durch „Emotions-Abstrahler“. Zwar wird nicht weiter erklärt, wie genau diese funktionieren. Wenn man aber bedenkt, dass unsere Emotionen durch unseren Hormonhaushalt beeinflusst und gesteuert werden und dass es prinzipiell möglich ist, diesen zu beeinflussen, wird die ganze Sache spannend.

Stellt euch vor, wir spielen ein online Spiel und sind darin in der Lage über spezielle Items, unsere Gegner emotional zu beeinflussen. So täten sich ganz neue Möglichkeiten und Ebenen in Spielen auf. Das ist sicher alles andere als unkritisch aber eine spannende Überlegung.

Nur Gedankenspielereien – kein Anspruch auf Sinnhaftigkeit!

Natürlich sind all diese Tech Ideen nur Hirngespinste und Einiges ist so vielleicht gar nicht umsetzbar. Nichtsdestotrotz halte ich es für wichtig und spannend, über solche Themen nachzudenken und sich einfach mal von technischen Zwängen zu befreien. Nur so denken wir frei über die Zukunft nach und stellen uns eine Realität vor, in der wir irgendwann gerne Leben würden. Vielleicht kommt die Technik ja irgendwann hinterher.


Image by liuzishan via stock.adobe.com

Moritz Stoll

studiert Medieninformatik an der HAW und ist Teil der Netzpiloten-Redaktion. Nebenbei arbeitet er als freiberuflicher Programmierer. Die Digitale Welt ist für ihn ein Ort voller Möglichkeiten und spannender Technologien, um damit Neues zu erschaffen und ganz viel auszuprobieren.


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